Lady Severine:
Die Nacht legte sich wie ein Schatten über Luneville. Der Nebel kroch aus den Gassen wie kaltes Wasser, verwob sich mit dem fahlen Mondlicht und verschluckte jede Farbe, die nicht dunkel genug war, um zu überleben. Lady Severine d’Ambreluna trat aus den Schatten ihres alten Hauses, ihr Mantel aus Schattenstoff streifte leise über das Kopfsteinpflaster. Jeder Schritt hallte gedämpft zwischen den Mauern,doch schien die Stadt selbst vor Ehrfurcht stillzustehen. Ihre silberblonden Haare fielen wirr über die Schultern, die Spitzen noch von altem Blut gefärbt. Die violetten Schatten unter ihren Augen zeugten von Nächten voller Albträume und die brennend roten Pupillen in den silbernen Iriden blickten so kalt wie der Mond selbst. Sie war nicht mehr die Meisterin der rituellen Klinge, die sie einst gewesen war; sie war eine Waffe, geformt aus Schmerz, Schuld und Farbe. Severine blieb einen Moment stehen, hob die Hand, deren Handschuh vernarbt und geflickt war und spürte die Resonanz ihres eigenen Blutes. Eine leise, dunkle Macht pulsierte durch ihren Körper, stärker je näher der Schmerz war. Ein kleiner Schnitt an ihrem Unterarm, kaum sichtbar, reichte aus, um die Kraft zu spüren, die sie heute wieder begleiten würde. Sie hatte gelernt, ihren Fluch zu kontrollieren, aber niemals ganz zu vergessen, was sie verloren hatte. Die Straßen führten sie aus der Stadt hinaus, in die weite Ebene, die Luneville mit der Küste verband. Der Wind trug den salzigen Duft des Meeres heran und mischte sich mit der kühlen, bleichen Luft der Nacht. Hinter ihr lag alles, was sie gewesen war, die adlige Tochter, die elegante Klingenmeisterin, das Leben, das sie gekannt hatte. Vor ihr lag nur noch das Ziel...die Paintress zu finden, das Werk zu beenden, das an ihr begonnen, aber niemals vollendet worden war. Mit jedem Schritt schien die Dunkelheit dichter zu werden, doch Severine spürte, dass sie stärker war, je mehr die Welt sie ablehnte. Ihr Mantel schimmerte matt im Mondlicht, welches sie umgab. Ihr Schwert, blutbefleckt und dennoch elegant wie eh und je, ruhte sicher an ihrer Seite. Sie hatte es nicht aus Stolz bei sich getragen, sondern aus der Notwendigkeit, aus der Pflicht, die ihr auferlegt worden war. „Ich bin der Fehler eines göttlichen Pinsels…“ flüsterte sie leise, ihre Stimme verlor sich im Wind, „…und doch werde ich der letzte Strich sein.“ Die erste Farbschicht des Fluchs wartete irgendwo da draußen, vielleicht schon auf sie. Aber Severine ging weiter, Schritt für Schritt, durch die kühle Nacht, getragen von der Mischung aus Rache, Pflicht und einem Funken Hoffnung, der Funken, der vielleicht einmal ihre Seele zurückbringen könnte. Im selben Augenblick brach die nächste Expedition zu ihrer Mission auf und die Paintress schmiedete ihre eigenen Pläne. Die Vier Lords würden eine große Rolle in ihrem Plan spielen...
Vorstellung:
Clair Obscur: We are Expedition 33 (Stardust x Arktos)
@Stardust_Rose
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