Cursed Touch [SilentPanther&Hemera]

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    • Cursed Touch [SilentPanther&Hemera]

      Cursed Touch



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      Vorstellung

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      Den Helm vom Kopf nehmend, ließ Rafayel den Blick aus warmen, braunen Augen über seine Umgebung gleiten. Irgendwo hier musste er sein. Der Laden, der Hexe, welche ihm hoffentlich weiterhelfen konnte. Das Schnurren des Motorrads verstummte, ehe der Schwarzhaarige den Ständer nach unten kickte und die Maschine darauf sinken ließ. Ein langes Bein darüber schwingend, erhob er sich gänzlich von ihr. Behandschuhte Finger fanden den Gummi in seinem Nacken und lösten die hüftlangen Strähnen aus ihrem Gefängnis. Er schüttelte den Kopf, fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, um sie aufzulockern ehe er sie nach hinten über seine Schultern warf, einzig der geflochtene Zopf vor seinem linken Ohr weigerte sich zu gehorchen und fiel zurück nach vorne auf seine von einer geschlossenen, schwarzen Lederjacke bedeckten Brust.

      Rafayel schenke dem keine große Aufmerksamkeit. Der Zopf hing immer nach vorne. Er hatte es aufgegeben, ihn von etwas anderem überzeugen zu wollen. Mit einem letzten Blick auf sein Motorrad setzte er sich in Bewegung. Die Maschine macht optisch nicht viel her. Sie wirkte billig und erweckte nicht den Eindruck für hohe Geschwindigkeit ausgelegt zu sein. Etwas, das der junge Mann so beabsichtigt hatte. Er wollte keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es genügte voll und ganz, wenn er wusste, was sie tatsächlich konnte. Und das war etwas, dem Rafayel sich sehr bewusst war. Immerhin war er derjenige, welcher selbst an ihr herumgeschraubt hatte bis sie seinen Vorstellungen entsprach. Sie war sein Mittel der Wahl um Strecken an Land zurück zu legen für welche andere Leute öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Etwas, das dem Schwarzhaarigen seit Jahren verwehrt blieb. Sie hatte mit ihm bereits einige Länder bereist und nun waren sie hier, in Irland.

      Seine schwarzen Stiefel machten weit weniger Geräusche auf dem gepflasterten Boden, als man es erwarten würde als er sich der Einkaufsmeile näherte in welcher sich das gesuchte Geschäft befinden musste. Er hatte die Meile nicht einmal richtig betreten als ihn beinahe der erste Passant streifte, welcher auf das Display seines Smartphones fixiert war. Etwas, das normalerweise kein Problem sein sollte. Vor allem an Orten, wie diesen an denen die Leute sich sammelten war ungewollter Körperkontakt nicht ungewöhnlich und fiel zu Stoßzeiten den meisten nicht einmal mehr auf. Rafayel war nicht wie die meisten, aus diversen Blickwinkel betrachtet. Er hatte gelernt damit zu leben. Auch wenn er gut besuchte Orte mied, wann immer es ihm möglich war, war er durchaus in der Lage einkaufen zu gehen ohne den Fluch auszulösen. In der Regel. Geschickt bewegte er sich durch die anderen Anwesenden ohne einem von ihnen auch nur nahe zu kommen. Er hatte einen frühen Dienstagvormittag gewählt. Das Treiben auf der Meile war überschaubar.

      Suchend bewegte er sich an der Häuserfront entlang, nicht gänzlich sicher wie er den Laden ausmachen sollte bis ihm ein Geruch in seine feine Nase stieg, welcher herausstach. Salbei. Es musste nichts bedeuten aber es konnte durchaus den richtigen Weg weisen. Er stand vor einer unscheinbaren Seitengasse, an welcher die meisten Leute vorbeistiefelten ohne ihr überhaupt Aufmerksamkeit zu schenken. Mit behutsamen Schritten folgte er dem Geruch bis er vor einer Tür stand, dessen Name nur durch ein blaues Schild mitgeteilt wurde. ‚The Blue Loon‘ stand in verschnörkelter Schrift auf hölzernem Untergrund. Gefunden. Rafayel nahm noch einmal einen tiefen Atemzug um sich selbst zu erden, bereute dies jedoch sofort als ihm nicht nur der Geruch des Salbeis in der Nase kitzelte sondern auch noch diverse andere Kräuter. Baldrian, Kamille und Lavendel waren die ersten welche er erkannte. Er hatte nicht wirklich etwas anderes vom Laden einer Hexe erwartet. Davon einmal abgesehen, versuchte Rafayel seine Erwartungen niedrig zu halten. Niemand mit dem er bisher gesprochen hatte, hatte ihm weiterhelfen können. Doch das hier war anders. Das hier war das Geschäft der Hexe nach welcher seine Mutter gesucht hatte.

      Zoey Quinn, eine Chaos-Hexe. Rafayel hatte seine eigenen Nachforschungen angestellt und wusste daher, dass die Frau sich inzwischen genügend Ansehen erarbeitet hatte um wählerisch bei ihrer Kundschaft sein zu können. Würde sie ihn abweisen? Das war eine Möglichkeit über welche er nicht einmal genauer nachdenken wollte. Seine Hand, welche er nach viel zu langem Herumstehen endlich nach der Tür ausstreckte zitterte leicht. Wenn das hier nicht funktionierte, wusste er nicht wo er sich noch hinwenden sollte. Er ließ die Hand sinken, schloss für einen Moment die Augen und nahm sich die Zeit um sich zu sammeln. Als er die Lider wieder öffnete, war das Zittern verschwunden und seine zweite Hand krampfte sich nicht mehr um seinen Motorradhelm. Mit einem entschlossenen Schritt nach vorne, schob er die Tür endlich auf und trat ein.

      Begleitet von dem Klingeln eines Glöckchens schwang die Tür auf und der Geruch nach Kräutern umhülle ihn. Darunter lag unverkennbar der Duft von in die Jahre gekommenem Holz, Kerzenrauch und altem Papier. Seine Augen benötigten nicht lange um die Quelle der Gerüche zu finden. Antike Holzmöbel beherbergten Phiolen an getrockneten Kräutern, zwischen angestaubten Büchern und Artefakten bei welchen Rafayel es fast wagte, die Behauptung aufzustellen, dass sich ihre einzige Wirkung in Form eines Placeboeffektes entfalten würde. Immerhin fiel es ihm schwer sich vorzustellen, dass jemand Objekte mit realer magischer Wirkung derart offen herumliegen lassen würde. Magische Schutzmaßnahmen? Er hatte nicht vor diese Möglichkeit auf die Probe zu stellen. Der Geruch nach Kerzenrauch kam aus dem angrenzenden Raum, welcher von einem dunkelblauen Vorhang verdeckt wurde. Die gesamte Atmosphäre des Ladens wirkte auf eine Art dunkel, welche Rafayel das Gefühl vermittelte zu wenig Luft zu bekommen. Er wusste, dass es nur Einbildung war aber dennoch verlangte sein Wolf in seinem Kopf danach nach draußen zurück zu kehren. Dieses Bedürfnis zurückdrängend schritt er weiter voran mit mehr Selbstsicherheit in jeder seiner Bewegungen als er im Moment tatsächlich fühlte.

      Er ließ seinen Blick weiter über die Regale schweifen, doch war nichts davon der Grund für seine Anwesenheit, weshalb er sich nicht lange damit aufhielt. Rafayel näherte sich einer Kassentheke. Ebenfalls aus Holz und in ihrem Alter den Büchern in nichts nachstehend. Die blaue Farbe an den Wänden wirkte neuer, darüber hinaus schien der gesamte Laden schon einige Zeit auf dem Rücken zu tragen. Ein weiterer Vorhang hinter dem Tresen versperrte die Sicht auf den dahinterliegenden Raum. Es war niemand zu sehen, doch konnte er Bewegung hinter dem schwarzen Samtvorhang hören. „Guten Morgen“, grüßte er laut genug um sicher zu sein, auch in dem angrenzenden Raum gehört worden zu sein in der Hoffnung, die Inhaberhin des Ladens damit auf sich Aufmerksam zu machen ehe die Nervosität Zeit hatte ihn erneut einzuholen.

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    • Lustlos betrachtete Zoey den Mörser aus Marmor in ihrer Hand, welcher mit einigen getrockneten Kräutern gefüllt war. Für die junge Hexe war es viel zu früh am Morgen, so wie jeden Tag, wenn sie um diese Uhrzeit ihren Laden öffnete. Die Arbeitszeiten hatte sie von dem ursprünglichen Besitzer des Ladens, der auch zeitgleich ihr Mentor gewesen war, übernommen. "Nicht jeder ist so nachtaktiv wie du", konnte sie seine tadelnde Stimme selbst nach Jahren noch in ihrem Kopf wahrnehmen. Mit einem unmotivierten Seufzen bewegte sie den steinernen Stößel in ihrer Hand mit Kraft über die Kräuter hinweg, um sie zu einem Pulver zu verarbeiten. Die undankbarsten Aufgaben, wie Tränke vorbereiten, erledigte Zoey stets morgens. Alles andere, was mehr ihrer Aufmerksamkeit beanspruchen würde, ging zu dieser Uhrzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit schief. Dazu kam noch, dass ihre Stammkunden vor allem ihre Tränke regelmäßig bestellten. Zu ihrem Leid, aber sollte sich ja nicht über ein gut laufendes Geschäft beschweren.
      Der blaue Haarschopf wippte bei der punkigen Musik in ihrem Ohr mit, um die monotone Arbeit zumindest erträglich gestalten zu können. Zumindest bewegte sie sich in dem rhythmischen Takt, bis sie kleine, schwarze Reptilienzehen mehrfach im Gesicht betatschten und sie aus der Fassung brachten. Mit zusammengezogenen Augenbrauen wand sie den Blick von ihrem Mörser und sah zu ihrem magischen Begleiter, der es sich auf ihrer Schulter bequem gemacht hatte. Mit einem kurzen Schwanzzucken machte Hex die junge Frau auf etwas hinter dem zugezogenen Vorhang im Türbogen aufmerksam. Sie zog sich einen Kopfhörer aus dem Ohr und bekam gerade noch mit, dass eine laute Stimme "Guten Morgen" in den Raum hineingrüßte. Zoey rollte mit den Augen. Sie war kein Fan davon, so früh Kundschaft willkommen zu heißen. Dennoch erklang ihre Stimme in gezwungen freundlichem Ton: "Komme gleich."

      Die junge Hexe platzierte den vollen Mörser auf einem kleinen Stapel Bücher, der sich auf ihrem Schreibtisch zusammengesammelt hatte. Anderswo war auch gar kein Platz, denn die hölzerne Tischplatte war schon belegt mit handschriftlichen Zetteln, losen Kräutern und einigen weiteren Büchern, die teils noch aufgeschlagen dalagen. Sie wischte sich die Hände an ihrer Jeans ab, bevor sie Hex von ihrer Schulter schubste und dieser in einem blauen Leuchten durch die Luft flimmerte. Während sich ihr Begleiter es sich wieder in manifestierter Reptilienform auf einem durchgesessenen Sessel bequem machte, schaute Zoey zwischen dem Vorhang vor. In dem dunklen Laden mit den schweren, staubigen Holzmöbeln, wirkte sie wie ein blauer Tintenklecks. Fast so, als würde sie hier gar nicht hergehören.

      Aus schmalen Augen heraus musterte sie den neuen Kunden. Ein wenig nervös wirkte der junge Mann, mit den schwarzen, langen Haaren, die ihm über den Rücken fielen. Zoey schritt vor den schwarzen Vorhang und trat an die Kassentheke, dabei gaben die Dielen unter ihren Füßen ein Knarzen von sich. Sie stützte die schmalen Hände auf dem abgegriffenen Holz ab und zwang sich zu einem müden Lächeln. "Was kann ich für Sie tun? Sind Sie auf der Suche nach etwas Bestimmten?", fragte sie und lehnte sich etwas in die Richtung ihres Gegenübers. Ihre unterschiedlich blauen Augen huschten über den unerwarteten Kunden. Lederjacke, Motorradhelm.. Das war auf jeden Fall kein Kunde, der für ein paar Kräuter oder einen Kristall hier war. Ganz zum Leid der Hexe, denn guter Kundenservice war nichts, was sie früh morgens anbieten konnte. Das fiel ihr sogar in den späten Abendstunden schwer. Deswegen verließ sie sich seit längerem nur noch auf Empfehlungen, denn da wussten ihre Kunden zumindest worauf sie sich einließen.
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Die Antwort kam nahezu sofort. Sie hatte ihn also gehört. Rafayel konnte weitere Bewegung hinter dem schwarzen Vorhang hören und schließlich Schritte, welche sich näherten. Er nahm noch einen tiefen Atemzug ehe sich der Stoff bewegte. Die Frau, welche schlussendlich in sein Blickfeld trat, machte den Eindruck auf ihn als wäre sie die Enkelin des Inhabers, welche dazu abgestellt worden war den Laden in dessen Abwesenheit zu hüten. Auch, wenn er wusste, dass es sich bei ihr um Zoey Quinn handelte, die tatsächliche Inhaberin des Ladens, wirkte sie hier Fehl am Platz zwischen den eingestaubten Möbeln und der dunklen Atmosphäre des Geschäfts. Ihre Lieblingsfarbe war eindeutig Blau. Wäre die neue Wandfarbe des Ladens, neben dem Namens selbst und dem Schild am Eingang noch nicht Hinweis genug gewesen, so war es definitiv die Wahl ihrer Kleidung. Oder vielleicht hatte sie sich nur der Farbgebung angepasst, welche die Natur für sie gewählt hatte? Lange, blaue Haare fielen über ihren Rücken, während Augen in unterschiedlichem Blau ihn einer knappen Musterung unterzogen. Zu welchem Schluss auch immer sie dabei kam, sie wirkte trotz der freundlichen Worte zu müde um sich mit jemandem auseinander zu setzen, der etwas von ihr wollte. Nicht jeder konnte ein Morgenmensch sein. Das hätte Rafayel bedenken sollen und einen späteren Zeitpunkt für seinen Besuch wählen. Er war zu aufgeregt gewesen um das überhaupt in Betracht zu ziehen. Und nun war es zu spät um diesen Fehler zu korrigieren.

      „Guten Morgen“, wiederholte er ehe im bewusst wurde, dass er das bereits gesagt hatte. Besser zweimal als gar nicht? Er verlagerte sein Gewicht von seinem rechten auf sein linkes Bein. Eine nervöse Angewohnheit, welcher er sich inzwischen immerhin bewusst war, auch wenn er sie nicht abgestellt bekam. Seine Lippen spiegelten ihr Lächeln als er ihren Blick suchte. Er konnte Mais Stimme in seinem Kopf hören als seine Mundwinkel nach oben wanderten. Sie wurde nicht müde ihm zu erklären, dass sie nicht verstand wie jemand zugleich selbstsicher und schüchtern lächeln konnte. Es passierte einfach, Rafayel versuchte nicht das gezielt zu erreichen. „Ich bin hier um Ihre Unterstützung beim Aufheben eines beinahe zehn Jahre alten Fluches anzufragen.“ Er hatte lange hin und her überlegt, wie er dieses Gespräch beginnen sollte aber es nütze niemanden von ihnen, wenn er lange darum herum redete. Sie waren alleine im Laden. Es bestand keine Gefahr ungewollte Aufmerksamkeit zu wecken. Seine Finger wickelten sich stärker um den Helm in seiner Hand als er sich zwang nach diesem einen Satz zu stoppen und erst einmal ihre Reaktion abzuwarten. In seinem Kopf spielten sich diverse Szenarien ab, wie diese Begegnung verlaufen könnte und die Anzahl derer in welchen die Hexe ihn einfach beim Wort nahm und ihm ihre Hilfe zukommen ließ, war schwindend gering. Rafayel hatte seit er ihren Namen in Erfahrung gebracht hatte, zu viel Zeit gehabt um seine Fantasie die wildesten Geschichten spinnen zu lassen. Unter all den Varianten in denen sie ihm nicht helfen wollte, lag jedoch auch die Version in welcher sie es schlicht und ergreifend nicht konnte. Seine Mutter hatte geglaubt, dass sie es konnte aber was, wenn seine Mutter falsch lag?