he's a phantom [by Akkubird & yuyuumyn]

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    • Prolog - Die Kindheit

      Die Blicke brannten. Wie tausend kleine, heiße Nadeln bohrten sie sich in Rachels Haut, während sie still am Rand des Schulhofs stand. Und obwohl es ihr erster Tag war, fühlte sich alles erschreckend vertraut an.
      Nicht, dass das etwas Neues für sie wäre. Nicht wirklich.
      Ihr Nachname – so alt und bekannt wie ein Fluch – trug die Gerüchte wie eine zweite Haut. Geschichten über ihre Familie zogen sich wie Spinnweben durch Flure, über Pausenhöfe, zwischen Flüstern und Schweigen. Erwachsene blickten sie oft an, als müsste sie sich für etwas entschuldigen, das sie nie getan hatte.
      Und Kinder? - Kinder beobachteten, wie ihre Eltern es taten – und lernten schnell, wen man meiden sollte.

      Deshalb wunderte es Rachel nicht. Nicht, dass sie gleich am allerersten Schultag ganz allein auf dem Hof stand, während die anderen Kinder lachten, rannten, sich fanden.
      Aber das störte sie nicht. Noch nie hatte es sie wirklich interessiert, was andere von ihr hielten – oder ob sie alleine war. Warum auch?

      In Gedanken versunken bemerkte sie zunächst nicht, wie versehentlich ein Tennisball in ihre Richtung geworfen wurde. Erst als dieser gegen ihren Fuß rollte, hob sie überrascht den Blick. Langsam beugte sie sich hinunter, schloss die Finger um den Ball und hob ihn auf – gerade in dem Moment, als die Klassenkameraden angerannt kamen, die ihn geworfen hatten.

      Mit großen Augen sahen die Kinder von Rachel zum Tennisball und wieder zurück. Rachel blickte nun selbst zu ihnen, bevor sie den Ball ruhig in ihre Richtung hielt, um ihn zurückzugeben.
      Doch anstatt ihn anzunehmen, zögerten sie und sahen sich nervös an.

      „Nimm ihn nicht… das ist Ashford… meine Mama sagt, die Familie ist verflucht…"
      „A-aber-… mein Ball!“
      „Der ist jetzt auch verflucht!… Ashford hat ihn berührt!...und wahrscheinlich ist er jetzt auch verseucht… lasst uns abhauen!“

      Die geflüsterten Worte hallten viel lauter in ihren Ohren, als sie es sollten. Doch sie verletzten Rachel nicht. Nicht so, wie es vielleicht beabsichtigt gewesen war.
      Mit einem letzten Blick auf den Tennisball – und einem bösen - oder vielleicht auch angewiderten - Blick auf Rachel – rannten die Kinder davon.

      Rachel blieb allein zurück. Sie sah ihnen schweigend hinterher und blickte dann wieder auf den Ball in ihrer Hand. Einen Moment lang wirkte ihr Gesicht regungslos, dann zuckte sie leicht mit den Schultern.
      Mit einem schwachen Schmunzeln auf den Lippen, warf sie den Tennisball sanft auf den Boden und fing ihn wieder auf, als wäre nie etwas gewesen.
    • Rowan wanderte bereits eine Weile Ziellos über den belebten Schulplatz. Eltern und ihre Kinder hatten sich versammelt, um den ersten Schultag zu beginnen. Die Aufregung die in der Luft lag, überschattete minimal die Tatsache, dass Tante Octavia ihm heute Morgen schon einen eindringlichen Vortrag darüber gehalten hatte, wie wichtig es war die Ordnung bei zu behalten.
      Noch immer hallten ihre Worte im Kopf des Jungen wieder. Zumindest bis einer der Schüler in ihn hinein rannte und sein Rucksack, den er eben noch locker über einer Schulter getragen hatte, zu Boden fiel.
      Der andere Junge entschuldigte sich erst, erkannte dann jedoch wen er da an gerempelt hatte und zog wortlos weiter.

      Rowan hob langsam seine Tasche wieder auf und sah dem Jungen dabei eine Weile nach. Seit dem Seine Tante ihre Hobbys öffentlich gemacht hatte, schien es ihm als wäre die ganze Welt verrückt geworden. Als wäre er ein unsichtbares Hindernis, dass es zu umlaufen galt. Doch seine Tante sagte immer nur: "Das ist nur der Neid der unwissenden."
      Die Angst vor dem Unbekannten war in dieser Stadt, wie Rowan fand, sehr weit verbreitet. Es gab nur wenige, die offen zu gaben eine Faszination für die Parallelwelt oder Geisterwelt zu haben. Rowan wuchs mit seiner Tante auf und hatte dadurch sehr früh Kontakt zu allen möglichen und unmöglichen Dingen. Zumindest glaubte er das, denn seine Erinnerungen schienen nicht immer korrekt zu sein.

      Unbeirrt wanderte der Junge weiter über den Platz und beobachtete. Keiner der fremden Blicke wollte länger als nötig dem Seinen stand halten. "Woodoo Junge." Hörte er zwischen den Leuten heraus, die kaum in der Lage waren ihm ins Gesicht zu blicken. Genau wie es seine Tante vorher gesagt hatte: "Die Leute werden uns für das respektieren, was wir sind."
      Rowan mochte seinen Spitznamen nicht, auch wenn ihm dieser Titel einiges an Ärger ersparen würde.

      Unweit neben ihm konnte er beobachten, wie ein paar Kinder über die junge Ashford her zogen. Rowan wusste nicht viel über sie. Nur dass ihr Vater ein großer Mann auf dem Gebiet der Geisterkunde war. Seine Tante hatte ziemlich jedes seiner Fachbücher in der Bibliothek aufgestellt. Doch davon lesen durfte er bisher noch nicht. Sie meinte stets, dass ihr wissen weit aus praktikabler wäre. Was auch immer das zu bedeuten hatte?

      ...Flüche durch schlichte Berührung sind völliger Schwachsinn... Dachte sich Rowan, als die Kinder das Mädchen endlich in Ruhe ließen. Gerne hätte er ihr das auch gesagt, doch sie wusste es wahrscheinlich ebenso gut wie er. Eine Sekunde lang sah er dabei zu, wie die anderen Kinder zu ihren Eltern eilten und mit dem Finger auf die junge Ashford deuteten. Sie schien nicht beeindruckt zu sein, als sie den Ball einmal auf den Boden aufschlagen ließ und achtlos mit den Schultern zuckte.
      Dem nachdenklichen Blick des Jungen konnte man entnehmen, dass ihn etwas beschäftigte.
    • Genau in dem Moment rannte – schon wieder – ein für ihr junges Alter viel zu hochnäsiges und arrogantes blondes Mädchen direkt in Rowan hinein. So abgelenkt war sie von dem Gespräch mit ihrer Begleitung gewesen.
      Genervt zog sie die Augenbrauen zusammen, als sie den Jungen genauer betrachtete. Sie konnte es wohl kaum fassen, dass er ihr nicht aus dem Weg gegangen war. Warum hätte sie es auch tun sollen?

      Mit einem noch genervteren „Hmpf!“ streckte sie die Nase in die Luft, als würde sie versuchen, auf den größeren Jungen herabzublicken. „Kannst du nicht aufpassen, wo du hinläufst?!“, fragte sie scharf und warf ihrer Begleiterin einen Blick zu, die alles schweigend, aber aufmerksam beobachtete.
      Als sie den Blick der Blonden spürte, nickte diese zustimmend und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du hast recht, Heather… er sollte sich wirklich bei dir entschuldigen. So ein Trampeltier.“, sagte sie kühl, ohne sich überhaupt die Mühe zu machen, Rowan direkt anzusehen. Was das wohl auf sich hatte? Jedenfalls nichts mit Respekt.
      Mit einem leichten Grinsen in den Mundwinkeln und spitzer Zunge fügte sie noch hinzu: „Falls der Voodoo-Junge überhaupt Manieren hat.“

      Heathers Augen begannen verschlagen zu glitzern, und ihre Nase schien sich noch ein Stück höher zu recken. „Der Voodoo-Junge…“, wiederholte sie leise und trat einen Schritt näher an Rowan heran. „Sag mal… ist es wahr, was man sich so erzählt? Dass ihr den Teufel anbetet und mit Geistern sprecht?“, fragte sie, hob die Hand und wollte ihm – um ihre Worte zu unterstreichen – gegen die Stirn schnipsen.

      Doch dazu kam es nicht. Noch bevor ihre Finger Rowan berühren konnten, knallte ein gewisser Tennisball mit ordentlichem Tempo und ziemlicher Kraft gezielt gegen die Stirn der Blonden.
      Heather stolperte zurück. Ihre Augen waren weit aufgerissen vor Schock und Entsetzen. Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln – und dann begann sie lauthals zu heulen, so laut, dass sich sofort sämtliche Köpfe der Eltern und Lehrkräfte in ihre Richtung drehten.

      Und die Werferin? Sie stand ein paar Meter entfernt, still und ausdruckslos. Rachel beobachtete die Situation schweigend, bereit, jede Strafe anzunehmen, die ihr jetzt bevorstand.

      Aber es war es wert gewesen. Um jemandem zu helfen, der sich scheinbar nicht selbst verteidigen konnte....
    • Rowan war eine Sekunde zu lange damit beschäftigt gewesen, dem Mädchen hinterher zu denken, da krachte schon wieder jemand in ihn hinein. Erneut ging sein Rucksack zu Boden. Dieses Mal waren es die zwei Schreckensschwestern, die mit ihrer geballten Intelligenz glänzten.

      Rowan erhoffte sich, mit einem beschwichtigenden Handzeichen, seinen Frieden zu erkaufen. Doch leider bestand man wohl darauf, dass er sich auch verbal zu dem Vorfall äußerte. Etwas angespannt, als die Hand des einen Mädchens gefährlich nahe kam, richtete sich Rowan zur vollen Größe auf. Es war mehr ein Reflex, als eine drohende Haltung. Just in dem Moment knallte ein gelbes Etwas gegen die Stirn eben jenes Mädchens und hinderte sie daran weiter zu machen.

      Rowan lächelte leicht und warf dem anderen Mädchen, dass nun ebenfalls etwas verängstigt schien, einen eindringlichen Blick zu.
      "Voodoo" Flüsterte er, ohne den Blick zu senken und tat dabei einen bedrohlichen Schritt auf die Beiden zu.
      Daraufhin packte das eine Mädchen, das Andere am Arm und ergriff mit ihr die Flucht.

      Nur kurze Zeit später traten mehrere wütende Mütter auf den Plan, die ihre verängstigten Schützlinge zu verteidigen versuchten. Noch ehe der Schwarm auf Glucken den Jungen erreichen konnte, war dieser wortlos davon gezogen, um sich im inneren des Gebäudes einen ruhigen Gang und gleichzeitig seinen Spint zu suchen.
    • Doch die erwartete, bevorstehende Strafe blieb aus. Denn anstatt die Werferin selbst zu konfrontieren, wollten die Mütter der Schreckschrauben sich auf den Jungen stürzen, der doch von ihren Töchtern selbst zuvor terrorisiert worden war. Was für eine verkehrte Welt...

      Bevor die Mütter den Jungen jedoch erreichen konnten, war dieser bereits abgezogen. Auch Rachel entschied sich dann dazu, dass es wohl doch besser wäre, nun auch die Biege zu machen. Nicht, dass die Mütter es sich trauen würden, sie zu konfrontieren, wenn man genau wusste, wer eigentlich ihr Vater ist...
      Also stahl sich nun auch Rachel davon – aber nicht, ohne vorher den Tennisball wieder einzusammeln, der so perfekt gegen Heathers Stirn gepasst hatte. Vielleicht würde sie ihn irgendwann nochmal brauchen?

      Im Schulgebäude selbst lief Rachel dann ein wenig orientierungslos über einen der vielen Gänge. Es wäre wohl eine dreiste Lüge, wenn sie behaupten würde, dass sie sich nicht gerade total verlaufen hatte. Warum mussten denn auch alle Gänge fast komplett gleich aussehen?
      Mit einem Seufzen zog sie die Augenbrauen zusammen und blickte dann mit gerunzelter Stirn umher, bis sie schließlich ein fast bekanntes Gesicht auf einem der Gänge erblickte.

      Ein Moment verging, bevor sie langsam auf den Jungen zuging, der mindestens einen genauso schwierigen Schulstart hatte wie sie selbst.
      „Die wurden von ihren Eltern beeinflusst.“, sagte sie, als wäre dieser Fakt das Selbstverständlichste der Welt. „Außerdem ist die Blonde schon sitzen geblieben.“, fuhr sie fort, mit einem noch verständnisloseren Gesicht, ohne sich selbst einmal vorzustellen.