Die Sterne von Caelin [ Deep x Nio ]

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    • Naia sah zu dem kleinen Kater der es sich neben ihr wohlig warm gemütlich gemacht hatte. Doch Naia schüttelte den Kopf. „Eigentlich nicht…“, sprach sie leise zu ihm. „Aber er ist mir auf dem Weg schon öfter begegnet“, lächelte sie sanft.

      Ihr Blick wanderte langsam zu Eldritch. „Vielleicht gehört er zu jemandem? Deswegen habe ich mich noch nicht getraut ihm einen Namen zu geben“. Sie musste leise kichern und streichelte sanft mit ihren Fingern das kleine Köpfchen des Kätzchens. „Er wirkt sehr zutraulich, aber ich möchte ihm seinen Namen nicht absprechen“. Sie befand sich sichtlich in einem Zwiespalt und fragte letztendlich: „Was denkst du? Sollten wir ihm einen Namen geben? So ganz ohne ist es auch irgendwie einsam…“.

      Eldritch sprach ihr beruhigend gut zu, versicherte ihr, dass nichts passieren würde. Skeptisch nickte sie und versuchte, sich auf die angespannte Umgebung einzulassen. Er rückte nah ans Feuer und lies sich von seinen heißen Flammen wärmen. Langsam und etwas unsicher tat sie es ihm gleich, doch sie war sichtlich an das Nächtigen unter den Sternen gewöhnt. Sie legte sich auf den Boden und achtete behutsam darauf den kleinen Kater vorsichtig in ihre Arme zu ziehen.

      Sie scheute sich etwas davor ihre Augen zu schließen, ängstlich vor dem was ihr dort begegnen würde. Sie bleib noch eine ganze Weile wach und blickte immer mal wieder zu dem Fremden rüber. Langsam schloss sie ihre Augen, fand jedoch nur schwer hin zur Ruhe.
      Sie schlief unruhig, doch sie schlief endlich.
      Das Schnurren des Katers vor ihrer Brust wiegte sie sanft in einen leichten Schlaf.
    • „Jeder braucht einen Namen“, erwiderte Eldritch mit ruhiger Stimme, nachdem er einen Moment lang über ihre Worte nachgedacht hatte. Sein Blick lag noch immer auf dem Feuer, doch dann hob er den Kopf leicht und seine Augen glitten hinüber zu dem kleinen Kater, der es sich in Naiás Armen gemütlich gemacht hatte. Ein feines, kaum merkliches Lächeln spielte um seine Lippen. „Auch wenn man schon einen hat. Namen sind mehr als Worte – sie geben uns Halt, erinnern uns daran, dass wir gesehen werden.“

      Es war nur eine leise Bemerkung, fast so, als spräche er in die Nacht hinein und nicht direkt zu ihr. Doch es lag Wärme in seinem Ton, ein sanftes Verständnis, das deutlich machte, dass er die Unsicherheit der jungen Frau nicht übersah. Für einen Augenblick verweilte sein Blick auf dem Kätzchen, das mit geschlossenen Augen schnurrte, als hätte es nie einen sichereren Platz gekannt.

      Dann sagte er nichts mehr. Die Dunkelheit um sie herum, das Knistern der Flammen und das leise Atmen des Waldes übernahmen das Gespräch. Es dauerte keine Minute, da war er bereits eingeschlafen. Der Atem des Mannes wurde gleichmäßig und ruhig, und ein Ausdruck von Frieden legte sich über seine Züge. Für ihn war der harte Boden keine Last, die Kälte keine Bedrohung. Draußen, nahe dem Feuer, schlief er tiefer als in jedem noch so weichen königlichen Bett. Die frische Luft, das Zirpen der Insekten, das leise Knistern des Holzes – all das war sein Zuhause.

      Als die Nacht dem Morgen wich und die ersten blassen Grautöne über die Baumwipfel krochen, öffnete Eldritch bereits die Augen. Er war wach, lange bevor die Sonne aufging, lange bevor Naia sich regte. Das Feuer war heruntergebrannt, nur vereinzelte Funken glommen noch in den schwarzen Kohlen. Leise, um sie nicht unnötig aus dem Schlaf zu reißen, kniete er sich hin, schob ein wenig Schutt über die Reste und begrub die letzte Glut sorgfältig.

      Die Morgenluft war kühl, fast schneidend, und ließ seinen Mantel leicht in der Brise flattern. Eldritch verzog jedoch keine Miene. Kälte gehörte zum Morgen wie Dunkelheit zur Nacht, und er wusste, dass Bewegung ihn warmhalten würde. Also richtete er sich auf, streckte kurz die Glieder und begann seine wenigen Habseligkeiten zu ordnen.

      Sein Messer fand wie von selbst den vertrauten Platz am Gürtel. Ein kleines Notizbuch wanderte in die Innentasche, bevor er einen schmalen Beutel aus Leder prüfend in Hectors Satteltasche verstaute. Alles mit geübten Handgriffen, ohne Hast, doch auch ohne Zögern – so, wie man es von jemandem erwarten würde, der sein Leben lang unterwegs gewesen war.
    • Naia nickte ihm zustimmend zu und sah ihn mit sanfter Miene an. „Mir gefällt Norion...", sagte sie leise. „So werden auch die Polarlichter im Winter genannt". Sie lächelte und sah zu dem kleinen Kater, den sie liebevoll in ihren Armen hielt. Murmelnd flüsterte sie den Namen, den sie dem kleinen flauschigen Gefährten geschenkt hatte und kraulte ihn zärtlich am Kopf.

      Die Wärme des Katers an ihrer Brust und das leise Schnurren beruhigte sie so, dass ihr ihre Augen immer wieder zufielen, bis sie sie nicht mehr öffnete und langsam in einen leichten Schlaf führte. Sie fühlte sich unruhig, bewegte sich im Schlaf jedoch kaum. Ihre Träume quälten sie, die Bilder flogen vor ihrem inneren Auge hin und her; Bilder von schreienden Kindern und verwundeten Menschen. Naia versuchte sie zu erreichen. Sie wollte sie unbedingt einholen, doch ihr Körper gehorchte ihr nicht. Sie war zu langsam, versuchte schneller zu rennen, aber ihre Beine gaben nach. Sie fiel zu Boden, ihr Blick auf das Massaker gerichtet.

      Sie erwachte mit einem Schrecken und schnappte hastig nach Luft. Naia sah sich hektisch um, erleichtert, dass die Menschen um sie herum nur ein Hirngespinst gewesen sind. Naias Blick wanderte zu Eldritch. Sie war froh, dass sie nicht allein gewesen ist. „Guten Morgen...", murmelte sie etwas verschlafen. Langsam richtete sie sich auf. Ihr langes schwarzes Haar war von der unruhigen Nacht noch etwas zersaut und sie versuchte vergeblich mit ihren Fingern die verirrten Strähnen zu ordnen. „Habe ich viel länger geschlafen?", fragte sie um sicherzustellen, dass sie ihm keine Umstände bereitet hatte.

      Sie sah an sich herunter als sie aufgestanden war und seufzte leise. Ihre Kleidung und ihre Haut waren etwas schmutzig von all den Turbulenzen der letzten Stunden. Mit festem Klopfen versuchte sie den Staub von ihren Gewändern zu vertreiben und sah dann zu ihm, verlegen kichernd und sprach: „Ich denke, das bringt wohl auch nicht mehr viel. Oder?". Während sie klopfte sah sie lachend zu ihm, etwas rot an der Nase und den Wangen.

      Man sah es ihr an, dass sie sehr glücklich über Gesellschaft war. So blieben die dunklen Gedanken weit entfernt. Naia hatte viel verloren. jedoch erfreute sie sich an ihre drei neuen Gefährten, die ihr ihre Aufmerksamkeit schenkten.
    • Eldritch hob den Kopf, als Naia sich aus ihrem unruhigen Schlaf erhob und mit noch verschlafener Stimme den Morgen begrüßte. Ein leichtes Nicken und ein kurzer Blick zum Himmel reichten ihm, um die Stunde zu erkennen. „Die Sonne geht bereits auf.“, sagte er ruhig, während seine Hände weiter über die Satteltaschen glitten. „Wenn wir Strecke machen wollen, sollten wir zügig aufbrechen.“ Sein Ton war weder drängend noch hart, eher eine sachliche Feststellung, die dennoch ein leises Drängen in sich trug.

      Er legte die letzten Dinge in die Taschen, kontrollierte das Messer am Gürtel, das Notizbuch und die kleine Ledertasche, die er sorgfältig wieder an ihrem Platz verstaute. Hector schnaubte, als hätte er längst gespürt, dass es bald weitergehen würde. Eldritch strich ihm beruhigend über den Hals und zog den Gurt nach. Erst dann wandte er sich wieder zu Naia, deren Versuch, den Staub von ihrer Kleidung zu klopfen, ein kleines Lächeln auf seine Lippen rief.
      „Mach dir keine Gedanken“, entgegnete er sanft, und in seiner Stimme lag dieses kurze, ehrliche Schmunzeln, das selten durch seine sonst ernste Haltung brach. „Ich habe schon Schlimmeres gesehen.“ Er meinte es nicht spöttisch, sondern beinahe aufmunternd, und ließ seinen Blick noch einen Moment bei ihr verweilen, ehe er sich wieder Hector zuwandte.
      Mit routinierter Leichtigkeit schwang er die Tasche über den Rücken des Pferdes und befestigte sie sicher. Ein Griff in die Mähne, ein kontrollierter Schwung, und Eldritch saß bereits im Sattel, als hätte er nie etwas anderes getan. Hector stampfte leicht mit den Hufen, als sei er ungeduldig, endlich loszukommen.
      Langsam lenkte er das Tier zu Naia hinüber. Der dunkle Schatten des Pferdes legte sich für einen Moment über den Platz, wo sie stand. Eldritch beugte sich ein Stück hinunter, sein Gesichtsausdruck war entspannt, und er streckte ihr die Hand entgegen. „Komm“, sagte er leise. „Wir sollten keine Zeit verlieren.“ Einen Atemzug lang ließ er sie ansehen, ehe er eine Augenbraue leicht hob. „Sag mir, kannst doch reiten?“
      Die Frage klang nicht zweifelnd, sondern eher vorsichtig. Als wolle er wissen, wie sehr er auf sie achten musste – oder ob sie ihm vielleicht doch noch eine Überraschung bereiten konnte.
    • Naia sah zu ihm und nickte sanft. Sie hatte nicht viel dabei, jedoch half sie dabei, die Natur ein Stück weit so zu hinterlassen, wie sie sie vorgefunden hatten.

      Sie nahm ihre Pfeile und ihren Bogen zur Hand und ließ diese a den gewohnten Stellen an ihrem Körper zurück. Sie richtete ihre Kleidung und die Stammornamente in ihren Haaren. Naia sah dabei kurz zu ihm, feststellend dass er sie bereits ansah. Seine aufmunternden Worte brachten sie kurz etwas zum Lachen.

      Naia beobachtete Eldritchs makellose Bewegungen und hatte sich einen Moment in seinen fließenden Handgriffen. Sie erwischte sich dabei und schüttelte den Kopf unbemerkt.

      Sie sah zu dem großen Pferd, das Eldritch zu ihr führte und ein großes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. „Nichts lieber als das…!”, versicherte sie ihm, nahm trotzdem das Angebot seiner Hand zur Hilfe an. Sie saß fest auf dem Rücken des Pferdes und sprach dann mit freundlicher Stimme zu Hector: „Entschuldige, dass du nun zwei Gewichte tragen musst…Dafür revanchiere ich mich!”. Während sie sprach, war das Lächeln auf ihren Lippen nicht zu überhören.

      „Vielen Dank…”, sagte sie mit ihrem Blick auf Eldritch gerichtet. „Sobald möglich werde ich mich um ein eigenes Pferd kümmern…”.

      Ihre Hand lag kurz auf Eldritchs Oberarm, als würde sie ihm mit einer kurzen Berührung versichern wollen, dass sie meinte was sie sagte.

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    • Eldritch spürte den kurzen Druck von Naias Hand an seinem Arm, und ein unerwartet warmes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Pass auf, sonst gewöhn ich mich noch an solche Gesten“, neckte er leise, ehe er den Blick wieder nach vorne wandte. Es war nicht viel, doch in seinen Worten lag ein feiner Humor, der sich selten zeigte – als hätte sie ihn unbewusst aus seiner sonst so kontrollierten Haltung gelockert.

      Der Ritt führte sie durch weite Wälder, in denen das sanfte Morgenlicht wie goldene Schleier zwischen den Ästen brach. Der Boden war noch feucht vom Tau der Nacht, und das Rauschen des Windes mischte sich mit dem gleichmäßigen Tritt von Hectors Hufen. Für Eldritch war es beinahe ein vertrautes Ritual – reisen, beobachten, schweigen. Doch diesmal war da Naia, und unwillkürlich achtete er darauf, dass das Pferd ruhig und beständig ging, als wollte er ihr die Strecke so angenehm wie möglich machen. Nach einigen Stunden öffnete sich der Wald und gab den Blick auf Albion frei – eine kleine, lebendige Stadt, die ohne Mauern da lag. Ein klarer Fluss zog sich mitten hindurch, überragt von einer steinernen Brücke, die das Zentrum verband. Am Rande hielten sie bei einem Stall, wo Eldritch Hector in die Obhut des Stallburschen gab. „Gut gemacht, alter Freund“, murmelte er und klopfte das Fell des Pferdes, ehe er sich Naia zuwandte.

      Sie traten in die Gassen Albions, die sich bereits mit Stimmen, Hufgetrappel und dem Geruch von frischem Brot und Kräutern füllten. Händler priesen lautstark ihre Waren an, Kinder huschten zwischen den Ständen hindurch, und der Fluss brachte ein stetiges, beruhigendes Plätschern in das Getümmel. Eldritch ließ seinen Blick wachsam schweifen, doch seine Stimme blieb ruhig.
      „Wir sollten Vorräte auffüllen“, schlug er vor, während er sich durch die Menge bewegte.

      Sein Blick glitt kurz zu ihr, bevor er mit einem leichten Lächeln fragte: „Bist du eigentlich das Leben in Städten gewohnt? Mit deinem Stamm warst du doch meist in der Wildnis unterwegs, oder?“ Er ließ die Frage im Raum stehen, beinahe beiläufig, ehe er auf ihre Kleidung deutete – die Ornamente im Haar, die Muster des Stoffes, all das, was sie unverkennbar machte.
      „Vielleicht findest du hier etwas, das dir gefällt. Etwas, das… ein wenig besser in dieses Getümmel passt.“ Sein Tonfall war freundlich, nicht drängend, und doch schwang die feine Andeutung mit, dass ihre Verfolger sie so leichter entdecken könnten.
    • Seine neckische Bemerkung ließ kurz aus Verlegenheit etwas Wärme in Naias Gesicht aufsteigen. Sie wurde ein wenig rot um Nase und Wangen, konnte ein leichtes Grinsen jedoch nicht zurückhalten. Doch ihr Lächeln schmerzte sie. Es fühlte sich falsch an, nach all dem was passierte Freude zu empfinden. Innerlich geißelte sie sich für solche Momente selbst. Sie hatte ihren Stamm nicht vergessen, sie vermisste und trauerte. Sie wollte unter keinen Umständen, dass der Himmel ihre Reue nicht spüren konnte. Ihr Lächeln weichte aus ihrem Gesicht. Ja, das fühlte sich schon besser an.


      Es war ein angenehm ruhiger Ritt, der ihr nach der Flucht der letzten Tage gut tat. Sie genoss die rhythmischen Bewegungen von Hector sehr und nahm jedes Detail ihrer Umgebung genau in sich auf. Die Natur gab ihr ein vertrautes Gefühl und verscheuchte ihren anfänglichen Missmut.

      Als jedoch die Stadt zu sehen war, wurde Naia etwas nervös. Unsicher sah sie sich die Ferne von oben an und schluckte. Das war alles neu und ungewohnt und ihr Körper konnte sich zwischen Neugier und Furcht kaum entscheiden.

      Sie stiegen von Hectors Rücken und auch Naia bedankte sich herzlich mit einem sanften Streichen an seinem Hals. „Vielen Dank, Hector…“, sprach sie leise zu ihm.

      Naia folgte Eldritch leise und unauffällig, jedoch sah sie sich aufmerksam um. Sie merkte, dass sie nicht in dieses Bild passte und auch Eldritch machte sie darauf aufmerksam, jedoch nur viel freundlicher als die starrenden Menschen um sie herum. Sie nickte, als er ihr vorschlug nach etwas anderer Kleidung zu sehen. „Was tragen die Menschen hier? Ich war zuvor noch nie in der Stadt…“, erzählte sie ihm und sah hilflos zu ihm, mit einem beschämten Lächeln auf ihren Lippen.
      Ihre Augen sahen sich schnell um. „Ich frage nur ungern, aber…Würdest du mir helfen etwas zu finden?“. Dann kicherte sie etwas und widmete Eldritch wieder ihre ganze Aufmerksamkeit.
      „Was ich weiß ist, dass sie nicht die Kleidung tragen, die wir tragen…“.
      Sie hoffte inständig darauf, dass er ihr helfen würde, denn so wie sie gerade aussah, war sie ein Schaf in einem Wolfsrudel.
    • Eldritch ließ ihren fragenden Blick einen Moment lang auf sich wirken, ehe sich ein leichtes Schmunzeln in seine Züge schlich. „Das kommt ganz darauf an, was du willst. In Städten gibt es für beinahe jeden Zweck eine eigene Art von Kleidung – fürs Kochen, für Feiern, fürs Reisen… und fürs Kämpfen natürlich auch.“ Sein Blick wanderte kurz zu ihren Ornamenten, dann wieder in die Menge der Straße. „Wenn du aber wirklich weiterreisen willst, brauchst du etwas, das sitzt. Fest, praktisch, nicht zu schade, wenn es mal Schmutz abbekommt. Dein Stamm würde dich vielleicht komisch ansehen, aber auf der Straße achtet man eher auf solche Dinge als auf feine Stickereien.“

      Er deutete mit einer Handbewegung auf ein Schaufenster, an dem sie gerade vorbeigingen. „Dort.“ Im Glas spiegelte sich ein feines Kleid, das wohl eher für die Feste der Stadt gedacht war – daneben ein sorgfältig zugeschnittenes Herrenoutfit, das förmlich nach höfischem Ball roch. Doch im Hintergrund konnte man auch schlichte, robuste Stoffe erkennen, Hosen, Mäntel, Stiefel. Nichts Glanzvolles, aber brauchbar.
      „Wir können hier unser Glück versuchen.“ Eldritch hielt Naia die Tür auf, ehe er den Laden betrat. Die Glocke über der Tür klimperte leise, und der Geruch von Stoff, Leder und etwas Staub schlug ihnen entgegen. Eine ältere Frau, runzlig und mit strengem Blick, saß an der Theke, als hätte sie mehr als genug von neugierigen Fremden gesehen. Sie musterte die beiden, doch Eldritch erwiderte den Blick lediglich mit einem knappen Nicken, bevor er Naia das Feld überließ.

      „Such dir hier was aus,“ sagte er schließlich, lehnte sich dabei locker gegen einen hölzernen Kleiderständer. Seine Stimme klang gelassen, fast beiläufig, doch in seinen Augen lag die gleiche wachsame Aufmerksamkeit wie zuvor. Er schob einen Ärmel beiseite, hinter dem grobe Reiseröcke hingen, und sah wieder zu ihr. „Achte nicht darauf, was schön aussieht. Achte darauf, worin du dich bewegen kannst. Du wirst mir noch danken, wenn der Regen dir nicht gleich bis auf die Haut schlägt.“
    • Naia lauschte den Empfehlungen von Eldritch genau. Während sie ihm zuhörte, legte sie langsam ihre äußeren Gewänder ab, welche sie in schlichter schwarzer Bekleidung zurückließ, welche eng an ihrer Haut lag. Sorgfältig legte sie ihre warmen Gewänder zusammen und legte sie zur Seite. Naia nahm sorgfältig die Ornamente aus ihren Haaren und legte den Großteil ihres Schmucks nieder, sah zu Eldritch und nickte. „Funktionalität…“, sprach sie zu ihm und nickte. Jedoch wirkte sie bedrückt. „Gibt es eine Möglichkeit, meine alten Gewänder sicher zurückzulassen? Ich würde sie ungern missen, wenn all dies vorbei ist“, öffnete sie sich ihm und sah ihn mit einem traurigen Lächeln an.

      Sie nickte beim Eintritt ebenfalls freundlich der Frau zu und begann sich nach Dingen umzusehen, die Eldritchs Worten entsprachen.
      Ihre dicken traditionellen Gewänder verbargen eine kleine Statur, mit zierlichen Zügen. Man erkannte mit kritischem Auge, dass in ihrem Körper nicht nur das Blut eines Nomadenstammes floss, sich sondern auch etwas anderes darunter befinden musste. Ihre offene und zugängliche Art, welche durch die letzten Vorfälle etwas getrübt wirkte, verriet jedoch nicht, was diese andere Hälfte sein könnte. Sie war ihr ganzes Leben lang unter den Kindern von Nomadinnen aufgewachsen und verhielt sich ebenso. Nicht bedeckt oder beschämt. Nicht leise oder höfisch.

      Auch ihre Ober- und Beinbekleidung würde am Hofe eher als Unterbekleidung dienen, doch Naia scheute sich sichtlich nicht davor, so vor irgendjemandes Augen zu treten. Ihr Bein zierten zwei kleine Lederriemen, welche einen kleinen Beutel hielten. Verwirrung machte sich in ihrem Gesicht deutlich.

      „Tragen eure Frauen im Kampf etwa Kleider…?“, fragte sie mit einer gewissen Neugier in ihrer Stimme. Es handelte sich also nicht um ihre Unterkleidung, sondern tatsächlich um die alltäglichen Dinge, die auch Frauen in ihrem Stamm trugen. Sie sah sich um, wurde aus den Dingen jedoch nicht schlauer als zuvor.

      Ihr Körper drehte sich etwas unbeholfen hin und her, auf der Suche nach etwas Praktischem. Interessiert sah sie sich die verschiedensten Bekleidungen an und fand sichtlich Gefallen an dem, was sie da gerade tat. Sie kicherte und grinste dabei leise. Naia hielt eine kurze Hose in ihren Händen, welche sie in dieser Form noch nie gesehen hatte. Die Ballonartige Form und schlichte Farbe ließ schnell auf männliche Unterhosen schließen. Naia flüstere ihm leise zu: „Was ist das?“, während das schelmische Grinsen nur langsam wieder kontrollierbar wurde.

      Sie war der Stadt sichtlich so fremd, wie der Maulwurf. Sie war blind für die Sitten und Normen der städtischen Gesellschaft. Dieses Gefühl machte sich nach und nach auch merklich in ihrem Gesicht bemerkbar.
    • Eldritch hob die Braue, als Naia ihn mit ernsthafter Neugier fragte, ob Frauen hier etwa in Kleidern kämpften. Ein leises Lachen entglitt ihm, das warm und ungezwungen klang. „Wenn sie es versuchen, dann tun sie es. Aber sie kommen selten weit damit.“ Er schüttelte den Kopf, als wollte er den Gedanken fortwischen, und ließ seinen Blick über die Reihen wandern. „Manche tragen, was sie schön finden. Andere, was sie praktisch brauchen. Am Ende entscheidet das Schwert oder der Bogen, nicht das Gewand.“
      Dann wanderte sein Blick zu ihr zurück – und blieb hängen, als er sah, was sie gerade in die Höhe hielt. Die alte Frau hinter der Theke blinzelte irritiert, runzelte die Stirn und verfolgte Naia mit argwöhnischem Blick, während Eldritch nur noch breiter grinste. Mit einer lässigen Bewegung verschränkte er die Arme vor der Brust und neigte den Kopf. „Das, meine liebe Naia… ist keine Kampfbekleidung. Das ist Männerunterwäsche. Wenn du die anziehst, bringe ich dich nicht mehr vor die Tür.“ Seine Stimme war trocken, fast schon ernst, doch das Funkeln in seinen Augen verriet die Ironie.

      Um sie nicht noch weiter in Verlegenheit zu bringen, trat er schließlich einen Schritt näher und deutete mit einem leichten Nicken in eine der hinteren Ecken, wo abseits von den ausgestellten Kleidern und Hüten eine kleine Auswahl an schlichterer Kleidung hing. „Sieh dir das dort an. Feste Lederstiefel, die den Knöchel stützen. Eine Hose aus dickem, dunklem Stoff – gut zum Reisen, unauffällig, und sie reißt nicht gleich bei jedem Schritt. Dazu eine einfache Tunika, nicht zu eng, nicht zu weit. Leinen oder Wolle – das hält warm, ohne dich einzuschränken.“
      Er griff selbst nach einer dunkelgrünen Weste, die man über eine Tunika tragen konnte, und hielt sie prüfend in die Höhe. „Damit könntest du auch durch dichte Wälder ziehen, ohne gleich an jedem Ast hängenzubleiben"

      Dann deutete er mit einem knappen, aber freundlichen Lächeln auf die Auswahl. „Probier es aus. Wenn dir etwas zusagt, nehmen wir es mit. Du sollst dich bewegen können, als würdest du noch immer mit deinem Stamm reisen – nur eben, ohne dass es jedem sofort auffällt.“
    • Naias Gesicht lief rot an, nachdem sie erfahren hatte, was sie da gerade in ihren Händen hoch hielt. Schnell, aber sorgsam faltete sie die Unterhosen wieder zusammen und legte sie zurück an ihren ursprünglichen Platz. „Entschuldigt bitte...", stammelte sie leise, dennoch sehr höflich.

      Sie hörte ihrem Begleiter genau zu und nickte aufmerksam. Sie folgte seinen Worten und ging in die Ecke, die er ihr vorschlug. Mit langsamen Schritten und neugierigem Blick schaute Naia sich nach einem passenden Gewand um, welches den Voraussetzungen entsprach.
      Sie nahm einige Sachen heraus und sah sie sich etwas genauer an. Nicht lange Zeit später hatte sie sich eine kleine Auswahl bereitgelegt und kramte in ihrer kleinen Beintasche. Sie holte Münzen hervor, welche ihr die Ritter ihr für Notfälle zugesteckt hatten. Sie sah zu Eldritch und ihr Blick war fragend, verratend, dass sie noch nie mit Geld hantiert hatte. „Ist das ausreichend...?", flüsterte sie ihm zu und warf ihm von unten hinaufblickend einen unsicheren Blick zu, während ihr ein paar ihrer dunklen Strähnen ins Gesicht fielen.

      Sie hielt die geschneiderten Stoffe in ihren verschränkten Armen und lief mit dem Geld in der anderen Hand langsam zu der Frau an der Theke. Behutsam legte sie die einzelnen Dinge auf die Theke und wartete gespannt ab, welchen Betrag ihr die Frau nennen würde. Die Dimensionen des Geldes und der Zahlen, die ihr genannt wurden, waren für sie in den ersten Momenten reine Fiktion. Sie sah zu Eldritch und sprach leise zu ihm. „In unserem Stamm haben wir mit anderen Gegenständen bezahlt. Meine Familie und ich waren sehr geübt in der Schmiede. Alle Ornamente sind handgefertigt und waren sehr beliebt. So konnten wir in unserem Stamm die meisten Dinge mühelos ertauschen". Die Erzählungen über ihren Stamm ließ sie aufblühen. Ihre Augen leuchteten ein wenig auf und das Lächeln auf ihren Lippen verließen diese auch nur schwer. Als sie sich dann jedoch wieder umsah und aus ihren Geschichten zurück in die Realität wanderte, wirkte ihre Miene wieder etwas bedrückter. Sie seufzte tief, bevor sie wieder zu Eldritch sah und leise flüsterte.

      „Danke, dass du mir hilfst...Vielen Dank". Ihr Blick sprach für sich. Ohne ihn wäre sie in dieser neuartigen Umgebung leichte Beute gewesen. Sie war ihm wirklich dankbar.
      Sanft nahm sie seine Finger in ihre Hand und führte seinen Handrücken an ihre Stirn, an welche sie diesen etwas verweilen ließ und drückte so stammestypisch ihre tiefe Dankbarkeit aus.
    • Eldritch warf einen prüfenden Blick auf die Münzen in Naias Hand, als sie ihn mit dieser unschuldig-offenen Unsicherheit ansah. Für einen Moment verweilte sein Blick auf ihrem Gesicht, so rein und voller ehrlicher Hilflosigkeit, dass er kaum anders konnte, als ein leises, warmes Lächeln zu zeigen. „Das könnte gerade so ausreichen“, antwortete er ruhig, und der Tonfall ließ vermuten, dass er ihr noch mehr abgenommen hätte, wenn es nicht gereicht hätte.

      Er ging mit ihr gemeinsam zur Theke. Die ältere Frau musterte die beiden mit dem typischen, leicht mürrischen Blick, den Ladenbesitzer für Fremde reservierten, und nannte schließlich den Preis: mehrere Silberstücke. Eldritch nickte Naia ermutigend zu, ohne auch nur den Anflug von Zweifel zu zeigen. Sie konnte das schon. Und während sie bezahlte, fiel ihm ihr sanfter Glanz auf, wenn sie über ihren Stamm sprach. Dieses Aufleuchten in ihren Augen, das sich sofort verdunkelte, wenn sie sich der Gegenwart bewusst wurde, sagte ihm mehr als Worte es hätten können. Der Verlust wog schwer auf ihr, und doch war da noch ein Funken, den sie bewahren wollte.

      Die Frau reichte die Kleidungsstücke über die Theke, und Eldritch nahm sie entgegen. Mit einer kleinen Geste deutete er auf eine schmale Tür am Ende des Raumes. „Zieh sie am besten gleich an. Da hinten ist ein kleiner Raum .“ Sein Blick war freundlich, offen, und er schien keinerlei Eile zu haben, auch wenn er wusste, dass sie nicht zu lange hier verweilen sollten.

      Als sie ihm erneut ihre Dankbarkeit zeigte, konnte er nicht anders, als aufrichtig zu lächeln. „Du musst dich nicht bedanken, Naia. Es ist nichts Außergewöhnliches, dir zu helfen. Jeder von uns findet sich einmal in einer fremden Welt wieder. Da ist es nur recht, die Hand zu reichen, wenn man kann.“ Seine Stimme war sanft, getragen von einer Ruhe, die ihn umgab, und die vielleicht auch ihr etwas von ihrer eigenen Anspannung nahm.
      Sein Lächeln blieb, offen und warm, als er sie ansah. „Geh. Probier die Sachen. Ich bin gespannt, wie es aussieht..“
    • Naia freute sich innerlich wie ein kleines Kind, dass ihre Silberstücke zum Kauf ausreichten. Sie lächelte sanft, dennoch nicht übertrieben, als sie die Reserviertheit der Verkäuferin spürte.

      Als sie Eldritch erneut ihren Dank ausdrückte, tat er seine Hilfe schon fast als eine Selbstverständlichkeit ab. Seine Reaktionen erleichterten sie enorm. Sie hatte nicht das Gefühl ihm zur Last zu fallen, weshalb sie ihm recht offen entgegentrat. Dennoch; als sie allein in dem kleinen Raum stand um ihre Kleidung zu wechseln, fühlte sie sich unwohl. Ihre Gedanken wurden von Zweifel geplagt. Hatte sie diesem fremden Mann nicht zu viel über sich preisgegeben? War es dumm, sich ihm anzuvertrauen? Sie wurde kritisch. Ihre Erleichterung schlug in Skepsis über. Naia seufzte tief, enttäuscht von ihrer eigenen Naivität. Eine ganze Weile sah sie auf ihre Hände, rührte sich kaum, bis ihre eigene Atmung sie aus ihrer Gedankenwolke riss. Nur langsam trat sie aus dem kleinen Raum hervor und strich sich über die neue Kleidung. Sie saß wie angegossen, wirkte nahezu maßgeschneidert.

      Naia verbarg ihre Skepsis vor dem Fremden und lächelte ihm sanft zu. „Und? Falle ich so weniger auf?”, sprach sie in einem etwas leiserem Ton zu ihm. Das Fehlen ihrer Ornamente und der Stammeskleidung ließen sie wie eine ganz andere Person wirken. Ihr langes schwarzes Haar fiel nun mehr auf, jedoch fehlte Naia etwas.
      In der städtischen Kleidung und Umgebung wirkte sie nun viel ruhiger und ernster, als wäre mit dem Glanz der Ornamente auch ein Teil ihres Glanzes verschwunden. Ihre hellen Augen leuchteten dennoch dankbar, als sie gespannt zu Eldritch blickte, dessen Antwort sie erwartete.
    • Eldritch lächelte, als Naia aus der kleinen Kabine trat — ein kurzes, warmes Lächeln, das mehr sagte als Worte. Als sie wieder kam war sie kaum mehr zu erkennen. Ihre Haare traten in den Vordergrund und nun fiel auch ihm auf, wie bezaubernd seine junge Begleitung doch aussah. „Ja. Viel unauffälliger“, antwortete er leise, während er ihr einen knappen, zustimmenden Nicken schenkte. Dann ließ sein Blick unwillkürlich zum Schaufenster wandern; draußen huschten Schatten vorbei, einige Blicke hafteten kurz auf dem Laden. Für einen Moment verfinsterte sich seine Miene, Gedanken liefen wie ein Ziehen an der Leine in ihm zusammen.

      „Gut. Dann auf.“ Er öffnete die Tür, trat hinaus und schloss mit einer routinierten Bewegung die Tür ab, als wolle er möglichst unauffällig wirken. Gemeinsam verließen sie den Laden.

      Kaum hatten sie die Straße betreten, wurde ihm ein leichtes, gleichmäßiges Echo von Schritten bewusst — nicht aufdringlich, aber beständig. Nicht die hastigen Tritte von Marktvolk, eher das kontrollierte Tempo einer Verfolgung. Eldritch zog Naia mit einem kaum merklichen Zug an seinem Ärmel etwas an sich heran, beugte sich vor und flüsterte knapp: „Komm mir nah und folg mir.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Hauch, befehlsartig, aber ohne Panik.

      Sie schlängelten sich in die Seitengassen, vertraute Wege suchend, Eldritch achtete darauf, jeden Winkel zu sondieren — Türen, Fenster, Ausgänge. Er lenkte sie durch enge Passagen, über Schatten, die zwischen den Häuserwänden lagen, immer darauf bedacht, nicht in eine breite Straße zu geraten, wo man leichter gesehen würde. Sein Herz schlug ruhig, sein Griff um den Dolch am Gürtel fester.

      Als sie in ein offeneres Areal traten — ein größerer Platz mit einem alten Baum in der Mitte und leerem Steinbelag — ließ Eldritch kurz die Schultern sinken. Ein flüchtiges Aufatmen war ihm gestattet, nur ein Hauch, dann aber das scharfe Gefühl von Präsenz: aus den Gassen formten sich dunkle Silhouetten, Geräusche von Hufen, das Klingen von Metall. Sie wurden umzingelt.

      Eldritch spürte, wie seine Nackenhaare sich aufstellten. Er erkannte die Linien der Bewaffnung, die rauen Umhänge, die düstere Inszenierung einer organisierten Bande. Sein Handgriff um den Waffenknauf verfestigte sich, der Atem blieb flach, konzentriert. Er hatte diese Truppe nicht gesehen — ihren Namen kannte er nicht — doch das Verhalten passte zu den Verfolgern, von denen Naia sprach.

      Ein Männerchor trat hervor, dichter als die anderen, und eine Stimme, die Autorität besaß, meldete sich: „Da ist sie. Männer, nehmt sie gefangen. Wir brauchen sie lebendig. Macht mit diesem Rostschopf, was ihr wollt.“

      Eldritch ließ die Schultern sinken, nicht vor Resignation, sondern in Erwartung. Seine Hand ruhte nun sichtbar am Griff seiner Waffe und so blickte er auch zu Naia, die versuchte hinter sich in Deckung zu halten.
      "Das sind also deine Verfolger? Wir sollten besser abhauen.."
      Sie waren deutlich in der Unterzahl. Nur zu zweit gegen 7 oder 8 Männer mit Äxten, Schwerter und Lanzen. Es war nicht unmöglich zu Kämpfen, aber Eldritch wusste nicht wie sehr Naia im Kampf geübt war zudem könnte auch noch Verstärkung auf dem Weg sein.
    • Naia blickte zu Eldritch und lächelte erleichtert, als er ihr versicherte, dass sie nun viel unauffälliger aussah. Sein sonst so freundliches Gesicht verdunkelte sich jedoch fast schlagartig, bevor er zum Aufbruch aufforderte. Sie nickte nur kaum merklich und folgte ihrer leitenden Begleitung.

      Das gleichmäßige Geräusch der Schritte hinter Ihnen blieb auch Naia nicht verborgen, jedoch war sie aufgrund der verdeckten Art ihres Clans auf Wanderungen geübt darin, sich recht bedeckt zu halten. Jedoch machte sie auch Eldtritch deutlich, dass etwas nicht stimmen konnte. Sie folgte seinen Worten und schmiegte ihren Arm sanft an seinen, wich ihm nicht von der Seite und passte ihr Tempo an seinen Schritt an. Eine gewisse Unruhe durchströmte ihren Körper, welche sie durch ein sehr flaches Seufzen etwas lindern konnte.

      Ihrer Beine folgten flink der Führung ihres Begleiters. Problemlos hielt sie seinem Schritt stand und passte sich rasch seinen Bewegungen an, auch wenn ihr die Umgebung neu war. Sie waren umzingelt, von den Männern, die ihr von Beginn an auflauerten. Warum sie es taten, verstand sie bis jetzt immer noch nicht. Sie wollte Eldritch um Verzeihung bitten und ihm erklären, warum sie auf der Flucht war, kannte die Gründe ihrer Verfolgung dennoch selbst nicht. Sie blieben stehen. Naia versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, nach einem Ausweg zu finden. Sie sah in ihrer Verzweiflung zu Eldritch und blickte ihm ernst in die Augen.

      "Es wäre nicht schlau, sich nicht zu trennen, Eldritch" gab sie offen zu und hoffte auf sein Verständnis. Ein zärtliches Lächeln schmückte flüchtig ihre Lippen und sie nickte nur sehr kurz. "Wir sollten getrennte Wege einschlagen. Du solltest wegen mir nicht in Gefahr geraten. Du kennst diese Straßen und bist so viel sicherer. Alleine entkommst du sicherlich und Hector sollte nicht ewig auf dich warten müssen...".
      Sie hielt kurz inne und sah wieder zu ihm, nachdem sie ihren Blick kurz schweifen ließ. "Auf das sich unsere Wege schon bald wieder kreuzen werden, Eldritch!", sprach sie kurz zu ihm, bevor ihr Schnipsen die Umgebung fast erblindend erhellte, jedoch nur für einen kurzen Augenblick, der es den beiden ermöglichte einen Ausweg zu finden.

      Naia war schnell und konnte sich geschwind wie ein Windhund zwischen den unbekannten Wänden hindurchbewegen, war jedoch schnell verloren. Ihre Schritte waren unkoordiniert und ihre Wege wirr. Ob es nun zu ihrem Vorteil oder ihr Ende war, wusste sie nicht. Doch sie blieb nicht stehen, ehe die Schritte hinter ihr verstummten.
    • „Verdammt, Naia…“, murmelte er, mehr zu sich selbst. Wohin sie wollte? Sie kannte sich doch kaum aus. Das einzige was er wusste, war, dass ihr Weg nach Caelin führte.
      Eldritch schob die Klinge zurück in die Scheide, zog die Kapuze über den Kopf. Das Blut an seinen Fingern trocknete rasch, als er den Blick nach Westen richtete – dorthin, wo die Straße aus der Stadt führte.

      „Was wollen diese Typen von ihr… ?“ Ein leises, fast trotziges Lächeln huschte über seine Lippen. Dann machte er sich auf den Weg.

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      Die Gassen hallten noch vom Lärm der Verfolger wider, als eine Hand aus dem Schatten griff. Ein kräftiger Arm zog Naia mit plötzlicher Entschlossenheit in eine enge Seitengasse. Ihr erschrockener Laut wurde durch eine zweite Hand zum Schweigen gebracht, während der Mann sie mit dem Rücken gegen die kalte Steinwand drückte. Das dumpfe Pochen von schweren Stiefeln hallte an den Mauern wider – die Stimmen der Black Fang kamen näher, dann zogen sie vorbei. Erst als der letzte Schatten verschwunden war, lockerte sich der Griff.

      Ein schwaches, aber ehrliches Lächeln zog über seine Lippen. „Bei allen Göttern… Naia.“ Er atmete hörbar aus, fast als hätte er bis eben nicht geglaubt, dass sie wirklich vor ihm stand. Seine blaugrauen Augen musterten sie rasch – suchend, prüfend, aber auch erleichtert. „Du hast es also in die Stadt geschafft.“

      Sein Tonfall war bemüht leicht, doch der Schmerz in seiner Haltung verriet anderes. Eie dunkle Spur, die über seine linke Schulter lief war zu erkennen– ein sauber vernähter Schnitt, die Ränder noch frisch gerötet. Der Stoff seines Mantels war dort an der Naht aufgerissen, notdürftig geflickt.

      Kaelen richtete sich auf, legte eine Hand an sein Herz und neigte leicht den Kopf – eine höfische Geste, die ihm trotz seines angeschlagenen Zustands nicht schwerfiel.
      „Es erfüllt mich mit Freude, Euch wohlauf zu sehen, Mylady. Ich fürchtete schon, die Black Fang hätten Euch längst in die Hände bekommen.“
      Sein Lächeln wurde weicher, wärmer – doch unter der Oberfläche lag eine feste Entschlossenheit.
      „Kommt. Wir sollten hier nicht länger verweilen. Die Straßen sind nicht mehr sicher – und ich habe Fragen, sobald wir einen stilleren Ort gefunden haben.“
    • Völlig außer Puste rannte Naia, als gäbe es keinen Morgen mehr. Ihre Beine trugen sie kaum noch voran, jedoch lief sie weiter ohne Rast. Sie sah sich nicht um, rannte nur soweit wie ihre Beine es ihr ermöglichten.

      Dann aber! Eine Hand packte ihren Arm entschlossen, zerrte sie in eine der Gassen. Das wäre dann wohl auch ihr Ende! Mit vollstem Gewissen nichts anrichten zu können, zog sie dennoch einen der Pfeile und hielt diesem ihrem Angreifer gefährlich nah an die Brust. Ihr Mund war bedeckt von einer starken Hand. Ihre Laute waren gedämpft, nur ein leises wimmerndes Stöhnen war noch zu vernehmen. Ihr Blick wanderte zu den Männern, sie an ihnen vorbeizogen. Warum hatte er sie nicht gerufen? Wollte er sie für sich allein haben? Er wollte derjenige sein, der sie ausliefert! Sie war sehr sicher, dass…! Dass sein Griff sich plötzlich lockerte…?
      Sie sah dem Mann ins Gesicht; ihre Angst löste sich. Abrupt ließ Naia den Pfeil in ihrer Hand fallen.
      Erleichtert legte sie die Arme um den Mann vor sich und stieß einen erleichterten Laut aus.
      „Sir Kaelen!”, flüsterte sie freudig.
      „Ihr lebt!”, bemerkte sie mit einer Erleichterung in ihrer Stimme, die es kaum zu übertrumpfen gab.
      Naia musterte ihn. Mit Schuldgefühlen gefüllten Augen sah sie seine Wunden an. „Ihr seid verletzt…Bitte entschuldig! Ihr wart ganz auf euch allein gestellt…”, bat sie um Verzeihung, ehe er sie unterbrach und zum Aufbruch riet.
      Sie nickte gehorsam und legte sich eine verirrte Strähne hinter die Ohren.
      „Wir sollten Eure Wunden schleunigst behandeln, Sir…”, sprach sie besorgt, ehe sie mit ihm loszog.
    • Kaelen richtete sich auf, ließ die Kapuze zurückfallen und zog vorsichtig sein Oberteil über die verletzte Schulter. Darunter schimmerte ein sauberer, fester Verband. „Die Wunde wurde bereits versorgt. Kein Grund zur Sorge“, sagte er ruhig, seine Stimme wie immer sachlich, mit einem leichten Unterton von Erleichterung. Er überprüfte noch einmal die Bandage, um sicherzugehen, dass sie nicht verrutscht war.
      Er deutete mit einer kaum merklichen Bewegung in Richtung der weniger belebten Straßen. „Wir sollten unauffällig bleiben“, murmelte er und begann, die schmalen Gassen zu nutzen, die ihn und seine Begleiterin sicher vom Zentrum wegführten. Jeder Schritt war bedacht, jeder Schatten geprüft, bis sie schließlich das Pferd erreichten, das geduldig an einem stillen Hinterhof wartete. Kaelen prüfte das Tier, schwang sich selbst darauf und half dann der Frau, sich sicher zu setzen.
      Sobald sie im Sattel saßen und sich langsam von der Stadt entfernten, richtete er seinen Blick geradeaus. „Nun, ich muss fragen“, begann er in seinem förmlichen Tonfall, „wie ist es euch gelungen, den Verfolgern zu entkommen? Und woher habt Ihr diese neue Kleidung? Sie wirkt tadellos und passend.“ Sein Blick ruhte aufmerksam auf ihr, jeder Satz von disziplinierter Neugier getragen, als sei er darauf bedacht, jedes Detail ihrer Flucht zu verstehen.
    • Sie folgte ihm wortlos, passte sich seinen Schritten an und auch wenn sie ihm irgendwie vertraute, prüfend ihre Augen jede Umgebung. Sie war skeptisch, jedoch fürchtete sie sich nun etwas weniger.
      Die beiden Flüchtenden liefen eine Weile durch abgelegene Gassen, bis hin zu seinem Pferd.
      Er half ihr auf, sie nahm seine Hilfe an und seufzte, als er sie nach ihrer Flucht fragte.
      „Ich versteckte mich im Wald. Nachts bin ich auf einen Söldner gestoßen. Ich weiß nicht viel über ihn, aber er ist der Grund warum ich noch lebe! Er half mir bis hin zur Stadt und kleidete mich neu ein, damit ich nicht allzu sehr auffalle…”, erzählte sie fast schon stolz von ihrer Begegnung mit Eldritch. Sie lächelte beim Erzählen sogar ein wenig und sah zu Kaelen. “Er erklärte mir sogar, was männliche Unterkleider sind…”. Sie wusste, dass es ihm wahrscheinlich zum Verschlucken verleiten würde, dann wurde sie jedoch ernster.
      „Ich floh vor meinen Verfolgern und lies ihn zurück…”, flüsterte sie.
      „Er hatte genug für mich getan. Ich könnte ihm niemals genug Dankbarkeit entgegenbringen, Sir Kaelen. Genauso wie Euch…”.
      Sie schluckte und neigte ihren Kopf.
      „Ich schulde Euch mein Leben…”.