Dream alive ~ [Efrye&Hemera]

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    • Dream alive ~ [Efrye&Hemera]



      ☽ Dream alive ☾


      "Euch später einen schönen Feierabend!", flötete Clover fröhlich ihren Kollegen zu, während sie ihre kurze Schürze abnahm und diese auf dem Weg zum Hinterausgang des Cafés an dafür vorgesehene Kleiderhaken aufhing. Es war bereits 21:30 Uhr und sie hatte mit dem Chef abgesprochen eine halbe Stunde vor Schließung gehen zu dürfen, da sie am nächsten Morgen früher zur Universität los musste wie sonst. Trotz der heutigen Vorlesungen und der anstrengenden Schicht im Café, in dem sie wie viele andere Studenten einen Nebenjob ausübte, schritt der Rotschopf voller Energie auf die metallene Ausgangstür im Mitarbeiterbereich des Gebäudes zu. Schwungvoll zog sie diese auf und schritt in die sich bereits anbahnende Dunkelheit.
      Erleichtert atmete die junge Frau aus als die kühle Nachtluft ihr die vereinzelten Haarsträhnen aus dem Gesicht wehte. Wie immer hatte sie die rotorangen Wellen in zwei Space Buns hochgesteckt, das war schon fast wie ein Markenzeichen für Clover. Das und ihr Tattoo von einem vierblättrigen Kleeblatt, das auf ihren Spitznamen anspielte. Sie fuhr sich unbewusst über die grüne Tinte an ihrem linken Handgelenk, bevor sie ihre kabellosen In-Ear Kopfhörer aus der dunklen Schultertasche zog. Mit etwas punkiger Musik kam ihr der Fußweg nach Hause nur halb so lang vor. Zu ihrem Glück war ihr Zuhause nah genug, um ohne Transportmittel zur Arbeit zu kommen. Vor allem fand sie den Heimweg einfach generell entspannend und beruhigend. Clover war offensichtlich eher ein Typ Mensch, der zu viel Energie für ihren zierlichen Körper hatte, als zu wenig. Dementsprechend nutzte sie jede Gelegenheit um sich, zum Beispiel durch einen Spaziergang, etwas zu erden. Speziell wenn dieser Spaziergang am Rand ihrer Kleinstadt entlang führte und sowohl einzelne, verlassene Seitengassen, sowie ein Ausblick über weitläufige Wiesen und Landwege, bot. Im Rhythmus der Musik, die ihr in die Ohren trällerte, machte sie sich auf besagten Heimweg. Am Anfang hatte sie sich hier ohne Navigation des Öfteren verlaufen - mittlerweile wusste sie aber durch welche Gassen und Wege sie eine Abkürzung nehmen konnte, um schneller Zuhause anzukommen.

      Im Kopf sang sie jeden einzelnen Song mit und wippte dabei im Takt, während ihre braunen Augen immer wieder von dem gepflasterten Gehweg zum Nachthimmel aufsahen. Da die Wege hier am Stadtrand nur spärlich ausgeleuchtet waren, konnte man jedes neu auftauchende Leuchten in der Dämmerung erkennen. Das mochte Clover am aller meisten an ihren Spätschichten im Café. Mit jeder verstreichenden Minute verfärbte sich der Himmel stetig mehr von rosa zu blau bis hin zu einer tiefen Finsternis und mit dieser kamen all die glitzernden Sterne zum Vorschein. Ihr Blick fand wieder zu dem Weg vor ihr zurück, als sie die nächste Abkürzung durch eine unbeleuchtete Seitenstraße nahm. Normalerweise war der rote Haarschopf niemand, der sonderlich paranoid durch die Welt ging, doch seit sie losgegangen war aus dem Café verfolgte sie das Gefühl beobachtet zu werden. Sie fasste sich an ihren Kopfhörer und stellte die Musik leiser, ohne aber ihr Tempo zu reduzieren. Vielleicht - Nein, sogar wahrscheinlich bildete sie sich diese Empfindung nur ein. Sie versuchte den Gedanken abzuschütteln, genauso wie sie unbewusst versuchte ihren eventuellen Verfolger loszuwerden, indem sie wieder auf einen besser ausgeleuchteten Pfad wechseln wollte. Clover wusste, sie musste nur noch zwei Mal abbiegen, dann würde diese Paranoia bestimmt wieder nachlassen. Dennoch blickte sie einmal mehr hinter sich, wobei sie niemanden sehen konnte. Die junge Frau versuchte die aufkommende Panik abzuschütteln und atmete tief durch. Genau in dem Moment, in dem sie dachte, sie würde sich langsam beruhigen können, trat ihr eine männliche Gestalt in den Weg und schnitt ihr die Möglichkeit ab, auf die eigentliche Hauptstraße zurück zu kommen.

      Schwarze, chaotische Locken wurden von einer Straßenlaterne von hinten beleuchtet. Das gedimmte Licht kam von der Straße, die direkt an die Seitengasse angrenzte, in welcher sich Clover nun konfrontiert sah. Ungläubig musterte sie den ein Kopf größeren, jungen Mann. In dem oversized Hoodie sah er breiter aus, als er eigentlich war. Das wusste sie, denn bei ihrem Gegenüber handelte es sich um ihren Ex. Genervt atmete sie aus und zog beide Kopfhörer aus dem Ohr, während sie versuchte an ihm vorbeizukommen. "Lass mich durch", beschwerte sich der zierliche Rotschopf und sah ihn aus schmalen Augen an. "Erst reden wir", knurrte die tiefe Stimme ihres Ex und blockte jeden Versuch von Clover ab, ihm auszuweichen und zurück auf die Straße zu kommen. Wie eine aufgebrachte Streunerkatze fauchte sie ihn an: "Nik es gibt nichts mehr zu reden, es ist aus." Mit ihrer schmächtigen Statur konnte sie bei ihm nichts aussetzen und das wusste sie auch. Dementsprechend zog sie stattdessen ihr Handy aus ihrer Jeanshose und hielt es demonstrativ in die Luft. "Lass mich in Ruhe, sonst ruf ich die Polizei", drohte sie ihm - doch im nächsten Moment landete das Smartphone mit der durchsichtigen Hülle gefüllt mit getrockneten Kleeblättern mit einem dumpfen Ton auf dem gepflasterten Stein am Boden.
      Nik hatte sie wütend in die Richtung der kalten Gebäudewand hinter ihr gestoßen. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht blickte sie mit geweiteten Augen zu ihm auf. Sie spürte die alte Backsteinwand direkt hinter sich und berührte diese bereits mit ihren Schulterblättern. "Wer sagt, dass du bestimmst ob es aus ist?", stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und drängte sich der Rothaarigen weiter auf. Abwehrend nahm sie die Hände hoch, versuchte den ein Kopf größeren Mann wegzustoßen. Natürlich war dies vergebens, denn ihr Gegenüber packte sie einfach an den schmalen Handgelenken und drückte sie gewaltvoll gegen die Wand. Panisch und unbeholfen versucht sie sich aus dem schmerzhaften Griff zu befreien, während sie giftig eine Beleidigung nach der anderen ausspie. Mit all ihrer Kraft wollte sie ihn von sich stoßen, doch bewegte sich der schwarze Lockenkopf keinen Millimeter. Viel mehr sah er amüsiert zu, wie sich Angst und Furcht in Clovers Gesicht zeichnete.

      ☽☾

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    • "Euch später einen schönen Feierabend!"

      Selbst wenn sich Mashira eine Entgegnung hätte abringen wollen, nicht, dass noch fälschlicherweise der Eindruck entstünde, er würde so etwas denn gesellschaftliches Wohlwollen zu Gunsten der Menschlichkeit behandeln, so wäre diese ohnehin vom stillen Flüstern der Leere eingesogen worden. Also hatte er Cleos glückselig, verbalisierte Aura schlichtweg mit einem kaum merklichen Nicken quittiert – wie immer, wenn seine Sozialkompetenz unter der Überforderung sanguinischer Lebensfreude drohte, zusammenzubrechen. Umhin, der Kontrast ihrer beider Charakteristika schien eine geradezu diffuse Wechselwirkung zwischen Mond und Sonne zu erwecken. Des einen leuchtender Freudenglanz, des anderen nächtliche Finsternis, jedenfalls, wenn man eine direkte Definition ihres gemeinsamen Auftretens ersuchte. Und während die kleine Sonnennymphe ihres scheinbar segenumwobenen Weges schritt, stand der Anthrazithaarige bereits seit fünf kostbaren Minuten vor der Schwelle zwischen Macht und Ohnmacht, in dessen Staatsgebiet entweder seine zukunftsorientierte Lebensmaßnahme weilte, oder die komplette Zerstörung seines bis jetzt weilenden Erfolgs. Sollte man das Leben des "Workaphobikers" als „Erfolg“ werten wollen.
      "Ja!" ertönte eine raue, barsche Stimme, welche Mashira's mentale Grundfeste der Gleichgültigkeit unwillkürlich einer Erschütterung unterzogen, und selbst seine Fingerknöchel, noch immer unsicher an der Tür lehnend, hatten erstarren lassen. "A-abend..." rang sich der junge Mann letztlich zögernd eine Begrüßung ab, ließ die Tür mit einem unsanften Rumps ins Schloss fallen und erblickte einen Herren, dessen nicht vorhandener Charisma wirkte, als hätte er im Zuge der Heimatfront zwar jeglichen Diskurs gegen seine Kinder verloren, doch mit Vorfreude darauf gewartet, den Frust mittels disziplinarer Maßregelung an fremdbestimmten Untergebenen kompensieren zu können. In seinem Fall sicherlich nicht ganz zu Unrecht…
      "Setzen." diktierte der Vorgesetzte nun apodiktisch, indes Mashira’s Lunge ächzend die Notmaßnahme einleitete, wenigstens pseudomäßig so zu tun, als könne sie den imaginären Sauerstoff aus dem mit Zigarettenrauch vernebelten Raum filtern, der den Student an sämtliche Waldbrände in Brasilien, Alaska oder Canberra zu erinnern wagte. "Können Sie sich vorstellen, weshalb ich Sie hierhergebeten habe, Herr Idyelle?" HERGEBETEN! Nette Umschreibung. Wollte er das überhaupt erfahren - obwohl sich die Befürchtung zu bestätigen drohte?
      "Ich denke..." setzte der Geringverdiener vorsichtig an, “Nein! Nicht denken!“, wurde er zornig unterbrochen, „Machen! Sie sollen Ihre Arbeit PÜNKTLICH beginnen und nicht die halbe Belegschaft mit Ihrer ständig unentschuldigten Anwesenheits-Abstinenz in Bedrängnis bringen!“ Die Wucht, mit der der Choleriker das kleine rechteckige Schreiben, dessen Inhalt vermutlich auf die Konsequenz seiner Unzuverlässigkeit hinwies, zu ihm schob, hatte das arme Papier kaum standhalten können. Zerknittert gelangte es schließlich in Mashira’s nahezu provokative Stoa umwirkte Finger. Scheiße! „Wie wäre es zur Abwechslung, wenn Sie abends das Sandmännchen statt das Handmännchen - Bitte was? - nutzen würden, um sich in den Schlaf zu transferieren? Dann würde Ihre Wenigkeit mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erst eine Dreiviertelstunde NACH Arbeitsbeginn Ihrer Pflicht nachkommen!“
      Reflexartig - die Reaktion mutete beinahe wie eine Art fremdgesteuerter Mechanismus an – verengten sich die Augen des jungen Mannes zu tödlichen Schlitzen, aus deren schmaler Spalt das schwache Funkeln eines stummen Mordversprechens erglomm.
      "Das ist meine letzte Warnung!" Unentwegt bohrten sich zwei helle, von Starrheit erfasste Iriden gleichermaßen unerschrocken, wie auch gelähmt in das Antlitz des Hierachiediktators, derweil das Billett der Stärke erdrückender Muskelkraft nicht länger standhalten konnte und Mashira zu glauben begann, die Abmahnung in seiner Hand qualvoll aufschreien hören zu können. Wimpernzarte Sekunden, die sich wie eine winzige Ewigkeit anfühlten, mochten verstrichen sein, ehe sich seine Paralyse allmählich zu einer fast panikübergreifenden Einsicht wandelte.
      "Scheiße, ja verdammt! Hören Sie, ich werde Ihnen keinerlei Umstände mehr bereiten und meiner Arbeit pflichtbewusst(versuchen) nach(zu)kommen. Ich… Ich brauche den Job…“, eigentlich das Geld, aber naja…
      Die letzten Worte waren der baritonen Resonanz nur noch flehentlich entrungen, und egal wie sehr seine Würde sich auch des Gefühls eines armen Bettlers zu erwehren bemühte, so wurde er vom Eindruck, einem übermächtigen König gegenüber zu sitzen, der die Abhängigkeit seiner Untertanen mittels unsichtbarer Gelübde zu besiegeln wusste, maßlos erdrückt. Verdammtes Kapitalistenarschloch! "Nun gut, Herr Idyelle. Bei der nächsten Kleinigkeit, und sei es nur ein nicht adäquat entsorgtes Kaugummi, werde ich Sie fristlos kündigen, habe ich mich unmissverständlich ausgedrückt?!"
      "Ja, Mr. Clayton…“
      "Gut. Sie sind für heute entlassen."


      Erfrischend kühle Luft durchströmte Mashira’s Korpus, legte sich gleich einer beruhigenden Hand um sein nervös flatterndes Herzchen, während ein warmes Gefühl von mahnender Erleichterung über seine von Schweiß benetzte Haut zu kribbeln begann. Glück im Unglück. Der Nebenjob war die Versicherung am Ende des Monats die Miete zahlen, und mehr als nur trocken Brot und altes Obst im Kühlschrank lagern zu dürfen… Müde lenkte der junge Mann seinen Blick gen hölzerne Brücke, die die Kleinstadt nicht nur mit dem “Papageien”-Park verband, sondern zu den hochfrequentierten Badeseen führte - also kein Ort, wo es ihn freiwillig hinzog - bevor er seine Hände irgendwie resigniert in die Hosentasche vergrub und schließlich den Weg Richtung “Schutzbunker” anvisierte. Kein richtiger Bunker, nur ein von der Gesellschaft isolierter 45 Quadratmeter großer, wohnlich gestalteter Käfig. Der einzige Ort, wo sein Geist sich wirklich der Ruhe hingeben konnte. Wenn der Dunkelhaarige von Partyservice personifizierenden Nachbarn, Schlagbohr-Hammer-Dröhnung morgens um 20 nach sechs oder Laubgebläse-Lakaien absah. Seine Heimweg-Strecke führte um diese Zeit bewusst entlang der gut ausgeleuchteten Hauptstraße, die weniger Attraktivität für Menschen mit Raub-Intention, und zugleich alle möglichen neugierigen Augen zu befriedigen bot. Vielleicht wurde seine Aufmerksamkeit aber auch nur zurück in die Realität katapultiert, weil die unartikulierten Laute, deren panischer Unterton sich initial zwar latent, jedoch mit zunehmender Vehemenz in Mashira’s Gehörsinn mischte, ein Impuls in seinem Gewissen aktivierte, das den Beschützerinstinkt eines kampfbereiten Vaters entfachen ließ. Beinahe automatisiert beschleunigte der Kampfsportler seinen Schritt, versuchte den aufgewühlten Stimmen zu folgen und blieb abrupt am Anfang eines Gasseneingang stehen. Eine Falle? Der unlängst angedeutete Zweifel verblasste schneller denn morgendlicher Nebel im Tanz der Sonnenstrahlen, als die Geräuschkulisse zu einer allmählich ausartenden Kampfszenerie zu eskalieren anmutete. Er hatte gerade die letzten Meter um ein Eck überwunden, bevor das testosteronüberlastete Temperament maskulinen Begehrs die Situation zu einer weitaus schlimmeren Straftat ausgereizt hätte.
      “Schon mal ‘n Liter Blut durch die Nase gespendet?”, schnitt eine eiskalt verbale Sichel durch das Spannungsfeld. Mashira nutzte die schmetterlingsfeinen Sekunden des überaus hilfreichen Überraschungseffekts, packte den Gefägnisspekulanten von hinten am Kragen und trat kurzerhand in eines seiner Kniekehlen. Der Kerl purzelte schneller zu Boden als er den Aufprall auf kaltem Gestein wohl überhaupt zu spüren hätte erahnen können. Ein bisschen grober denn beabsichtigt umschloss der Dunkelhaarige eilig eines der schmalen Handgelenke Cloe`s, zog die junge Frau in seiner Hast vielleicht ebenso unsanft hinter sich und löste seinen Griff rasch wieder. Nicht, dass die Situation zum Gegenteil verkehrte. Fremde Augenpaare waren dazu prädestiniert eine Situation gänzlich zu verkennen, weil ihnen der zusammenhängende Kontext fehlte. Aber er wollte ihr zumindest den Hauch von Sicherheit bieten, egal, was sie bis jetzt von ihm gehalten hatte oder noch immer halten mochte.
      “Du hast jetzt zwei Optionen:” - begann Mashira drohend zu knurren, “Entweder verpisst du Dich, oder ich unterziehe Deine Visage einer kostenlosen Kosmetikstunde auf fauststarker Basis, Freundchen. Dein Glück: Das bunte Farbspektrum in Deinem Gesicht wird sogar biologisch abgebaut.” Obgleich der junge Karateka um die Wichtigkeit, Gegner solange im Fokus des Sichtfeldes zu behalten, bis sie zur vollen Handlungsunfähig gezwungen waren, wusste, kam er nicht umhin, den Kopf kurz gen Cleo zu wenden, um sich ihres Zustandes zu vergewissern. “Ich hoffe, du bist soweit in Ordnung…”, hauchten ein paar leise Worte, sanft vom Mantel besorgten Mitgefühls umwogen, über seine leicht bebenden Lippen. Synchron betete Mashira jedoch inständig, der Unbekannte würde kein Messer bei sich tragen, und bereute bereits im nächsten unscheinbaren Moment seinen unklugen Entscheid, den Mann lediglich zu Boden, und nicht gleich in die Schwärze der Bewusstlosigkeit geschickt zu haben.

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    • Die Rothaarige hatte sich schon ihrem Schicksal fügen wollen und die Augen fest geschlossen, als eine raue Stimme Niks Drohungen mühelos unterbrach. Bevor Cleo überhaupt nachschauen konnte, wer da überhaupt zu ihrer Rettung kam, spürte sie wie das Gewicht, welches sie gegen die gemauerte Wand presste, mit einem Mal nachließ und sie frei gab. Der angriffslustige Lockenkopf landete mit einem erstickten Keuchen auf dem gepflasterten Boden und schien gleichermaßen überrascht über die plötzliche Wendung der Situation, wie die junge Frau selbst. Ihr fremder Held zog sie mit einem Ruck an ihrem schmalen Handgelenk hinter sich, so dass er sich nun schützend zwischen ihr und ihrem Angreifer befand. Ihre hellbraunen Augen klebten an dem großgewachsenen Mann und musterten ihn verwundert. Mit dem Rücken zu ihr gewandt, konnte sie nicht viel von ihm erkennen. Dennoch kamen ihr die große Statur in Kombination mit den schwarzen, zerzausten Haaren von irgendwo bekannt vor.
      Mit einem auf einer Seite schief runterhängendem Space Bun und ins Gesicht hängenden Haarsträhnen sah sie über die breite Schulter des Fremden hinweg zu Nik, welcher von Wut geblendet sich langsam vom Boden aufsammelte. "Was zum Fick Clover?!", fauchte er aufgebracht und unterbrach die Drohung des Schwarzhaarigen, "Ist das etwa dein Neuer oder was?" Ein spöttisches Lachen kam ihm fast schon keuchend über die Lippen, während er sich gänzlich aufrichtete.

      Die junge Frau wollte gerade etwas entgegnen, als der Fremde vor ihr mitfühlend zu ihr blickte. Das vernarbte Gesicht verriet um wen es sich handelte, denn Cleo erkannte anhand dieser sofort wer sie da gerade gerettet hatte. Angesichts dieser Offenbarung zog sie nur verwirrt die Augenbrauen hoch. Warum war es ausgerechnet ein Arbeitskollege aus dem Café mit dem sie in ihrer ganzen Zeit dort vielleicht drei Worte ausgetauscht hatte und an dessen Namen sie sich nicht mal mehr erinnern konnte? Bevor sie überhaupt etwas über die vor Überraschung geweiteten Lippen brachte, verlangte Nik wieder nach Aufmerksamkeit von der Rothaarigen. Der junge Mann schritt auf die beiden zu und knurrte dabei: "Das kann doch nicht dein Ernst sein." Dabei deutete er verächtlich auf Mashira, überzeugt davon das nur jemand der Cleo nahe stand sie mit solchem Körpereinsatz verteidigen würde. "Jetzt verpiss dich doch einfach Nik", warnte sie über Mashiras Schulter hinweg ihren Ex, der noch einen weiteren Schritt ungeachtet möglicher Konsequenzen auf sie zumachte. Sie wusste offensichtlich nicht viel über ihren Arbeitskollegen, wenn ihr selbst der Name entfallen war, aber allein an den prägnanten Narben konnte man eine gewissen Kampferfahrung erahnen - dazu verfolgten den Einzelgänger das ein oder andere düstere Gerücht auf der Arbeit. "Machs nicht noch schlimmer als es schon ist", mahnte sie ihren übermütigen Ex, der sich vor Mashira aufbaute und trotz des benachteiligenden Größen- und Staturunterschieds höhnte: "Was, hast du etwa Angst, dass ich deinem Neuen weh tu?"
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    • Auf die roségehauchten, feinen Linien des jungen Mannes erhob sich, langsam und genüsslich, das arrogante Abbild erfolgssicherer Siegeszüge, als hätten jene kleinen unbedachten Worte des Gegenübers ein unerwartetes suggestives Angebot geformt, welches Mashira zwar bemüht gewesen schien abzulehnen - doch der Umstand, dass der Anthrazithaarige die Aussicht auf eine durchschlagende Argumentbasis als sehr lukrativ betrachtete, ließ ein vorfreudig, nahezu kafkaeskes Schimmern innert dunkler Iriden erglimmen. Trotz unerbittlich bemühter Indoktrination der Elemente autoritärer Erziehung in einen jungen Verstand, vermochte Provokation nicht unüblich längst verschlossene Emotionen zu schüren, deren jahrelange Unterdrückung sich manchmal zu einem wahren Sturm entfachen konnten. Und gegenwärtig schwebte der Enthemmungsspezialist in einer nicht ganz ungefährlichen Entscheidungsphase, deren variable Konsequenzen sich entweder unverletzt Zuhause wiederfinden, oder hinter den kalten Gitterstäben beraubter Freiheit sehen würden. Ach, scheiß drauf. Lässig, ohne den Blick auch nur eine schmetterlingszarte Sekunde vom potenziellen Eskalateur abgewandt zu haben, ließ Mashira seine Finger in die Tiefen der Hosentasche gleiten und zog seine unverzichtbare Prävention gegen Mordversprechen heraus. Ein kurzes Aufflammen, ein rascher Zug, und die ätherische Wirkung wohltuenden Zigarettenrauchs durchströmte seine Lungen wie der heißblütige Kuss einer leidenschaftlichen Liaison. "Tut mir echt leid...-" begann Mashira arrogant lächelnd, während er seine Zunge ostentativ herausfordernd über seine Lippen zu fahren andachte, "...Dass du auf der Recyclingskala den ersten Platz belegst... Wenn man die Liste von unten beginnt. Aber neue, unangetastete Modelle sind nun mal attraktiver als verbrauchte Altware, die, wie es mir erscheint, auch noch mit irreversiblen Defekten im Synapsen-Zentrum einhergeht." Wenn man die Atmosphäre im Spannungsfeld zweier Konkurrenten definieren wollte, wäre der Vergleich tödlich, kalter Schneewüsten mit Sicherheit einer der wenigen netteren Umschreibungen gewesen, als sich das frostige Knistern flammender Gewaltbereitschaft wie eine hereinbrechende Finsternis in vier runde, schwarze Monde(Augen) brannte. "Wie wäre es stattdessen, wenn du dich etwas nützlich machst, den Dreck einsammelst und dich gleich in den Sondermüll hinterher schmeißt?" Oh ja. Die Liebe zur Eskalation erzielte allmählich ihren Zweck; die unfehlbare Selbstüberschätzung spätpubertierender Testosteronsklaven: blind vor Wut, taub vor Schmach, doch lauter als der Schrei zum Auftakt einer blutigen Schlacht, schien ihr nächster Handlungszwang eher auf dem Zufallsprinzip eines Würfels, statt auf fundamentaler Taktik basierend. Mashira war schlichtweg nicht umhingekommen, die verbale Lächerlichkeit unter einem lauten, amüsierten Lachen zu quittieren, sodass sich der glimmende Stängel beinahe den Weg in seinen Rachen gebahnt hätte. Der - oder präzisiert - das Letzte, was ihn im Nebel verdrängter Erinnerungen im fernen Gestern zu verletzen erdreistet hatte, mochte nicht weniger denn der blutrünstige Hieb einer Eisenstange gewesen sein, geführt von einem Menschen, von dem der Dunkelhaarige immer gehofft hatte, er würde irgendwann so etwas wie eine Familie für ihn darstellen... Pf. Reiner Wunschgedanke. Oder Wachtrauma? Egal. Wünsche symbolisierten die illusionäre, zurechtspintisierte Realität desillusionierter Träumer. Und er - er war Realist. "Mir weh tun? Hahah. Köstlich. Wirklich, ich wusste gar nicht, dass deine Worte die Stärke geballter physischer Kräfte aufbringen können, oder kannst du etwa mehr als Scheiße labern?" Die Wucht, mit dem Mashira's Ellenbogen schließlich den Kiefer des Fremdens traf, als dieser seine Distanz-Toleranzschwelle zu überschreiten gewagt hatte, ließ den Widersacher nahezu wehrlos gen Boden sacken - vermutlich hätte der steinerne Boden sogar einen neuen, roten Anstrich erhalten, hätte der Workaphobiker den Körper des Mannes nicht festgehalten, und fast behutsam gen Erde gleiten lassen. "Scheiße...!" entrang seiner Kehle ein leiser Fluch, "Das war meine letzte Zigarette." Den Verlust seines Therapiemittels mittels eines kurzen Seufzers hinnehmend, - was sollte er auch anderes tun - wandte sich Mashira schließlich der jungen Frau zu. Flüchtig ließ er den Blick abermals zwischen Cloe und Nik pendeln, abwägend, ob Letzterer noch eine Gefahr darstellte, kam jedoch recht schnell zu dem Schluss, dass selbst wenn Nik imstande wäre aufzustehen, er kaum mehr als ein betrunkener Zombie auf Weed ausrichten dürfte.
      "Ich hätte dir 'nen besseren Geschmack zugetraut.", fügte der Kampfsportler plötzlich trocken anbei, "Aber egal. Der Typ wird 'ne Weile brauchen, um seinen Server neu zu starten, wenn er ihn überhaupt hochfahren kann... Bis dahin..." Einen zerbrechlichen Augenblick nur, kaum fassbarer denn ein aufzuckender Blitz am grollenden Nachthimmel, wirkte es, als regte sich in seinen harten Gesichtszügen der sanfte Hauch einer vergessenen Sehnsucht, doch Mashira verdrängte das Gefühl, noch ehe es sich überhaupt hätte verwirklichen dürfen, "Ach, vergiss es. Genieß die Zeit ohne deinen Ex.", Die angehende Verabschiedung unter einem kurzen Winken bekräftigt, wandte sich der junge Mann letztlich zum Gehen, obgleich er irgendwo tief in seinem vereinsamten Herzen die Hoffnung aufzüngeln spürte, sie würde ihn aufhalten, egal wie, egal warum. Nur nicht einfach.... gehen lassen.

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    • Unentschieden ob sie weiter eingreifen sollte, sah sie den beiden konkurrierenden Männern dabei zu, wie sie sich gegenseitig zu verhöhnen versuchte. Jegliche Warnung an Nik gerichtet, hatte der Lockenkopf stur ignoriert und mehr als das konnte die zierliche Rothaarige auch nicht machen, oder? Bei den Gerüchten, die sie über Mashira kannte, wollte sie zwar größeren Schaden vermeiden, aber definitiv nicht aus Nächstenliebe gegenüber ihres Ex, der sie bis gerade noch belästigt hatte. Vielleicht würde es ihn endgültig in seine Schranken weisen, wenn er eine körperliche Konsequenz zu spüren bekommen würde?
      Doch Cleo konnte sich keine weiteren Gedanken dazu machen, denn hatte der schwarze Lockenkopf sein eigenes Schicksal gewählt, indem er Mashira einen Schritt zu nah kam. In einer fließenden Bewegung hatte der Kampferprobte ihren Ex zu Boden gebracht. Die Rothaarige konnte nicht einmal schnell genug reagieren, um nicht mit anzusehen, wie Nik den Schlag gen Kinn widerstandslos einstecken musste. Während sie einen Schritt zurückgezuckt war, sah sie zu ihrer Verwunderung zu wie Mashira den regungslosen Körpers des ursprünglichen Aggressors auffing, bevor dieser unschön auf dem kalten Pflaster aufkommen würde. Kampferfahren? Ja. Gänzlich ohne Menschlichkeit, wie die Kollegen sich erzählten? Anscheinend Nein.
      Ein kurzer Moment der Stille erlaubte Cleo ihr panisch klopfendes Herz zu spüren, welches das Adrenalin durch ihren zierlichen Körper pumpte. Sie hatte das Ganze noch gar nicht verarbeitet, da richtete sich ihr schwarzhaariger Kollege schon auf und verabschiedete sich mit einem zynischen Kommentar in die Nacht. Fast schon verwirrt blieb die Rothaarige in der Seitengasse zurück.

      Es brauchte einen Atemzug, dann einen weiteren, bevor sie wieder im Hier und Jetzt ankam. Sie spürte ihre Füße im Kontakt mit dem Boden, das starke Pulsieren in ihrer Brust und wie ihre Lungen sich mit der kühlen Nachtluft füllten. Ihre braunen Augen sahen zuerst zu ihrem bewegungsunfähigem Ex hinunter und dann zu Mashira, welcher zielgerichtet wieder auf die Straße zusteuerte, von der er ihr zur Hilfe geeilt war. Sie wollte eigentlich nach ihm rufen, damit er auf sie wartete, aber ohne Namen war das schwierig.
      Kurzerhand hatte sich Cleo entschieden und sammelte lediglich ihr einsames Handy vom Boden, bevor sie ihrem Arbeitskollegen in seine Richtung folgte. Bis sie den großen Mann mit schnellen, sprunghaften Schritten eingeholt hatte, wischte sich die junge Rothaarige die schwitzigen Hände an ihrer Jeans ab und löste beide, mittlerweile schief hängenden Space Buns. Mit den wilden, verspielten Wellen über die Schulter fallend, holte sie ihn schlussendlich ein. Eigentlich wollte Cleo ihn an der Schulter berühren, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen, aber auch dazu rankte sich ein Gerücht um Mashira. Angeblich sollte man es nicht wagen ihn anzufassen, wenn man denn nicht lebensmüde war. Und nach dieser Demonstration seiner Kampfkünste, würde sie es sicherlich nicht riskieren, um herauszufinden ob dies der Wahrheit entsprach.
      "Hey, du hast mir garnicht die Gelegenheit gelassen mich zu bedanken", insistierte sie und versuchte sich seinem Tempo anzupassen, "Dazu muss ich in die gleiche Richtung, also können wir ja zusammen laufen." Mit einem ungezwungenen Schulterzucken tat sie das als reine Tatsache ab, doch war dieser Gedanke nicht ganz selbstlos. Das gerade Geschehene hing Cleo noch nach, was sie an ihren zitternden Fingern spürte, die sie in ihren hinteren Hosentaschen verschwinden ließ. Eine Widerrede ließ sie eigennützig seitens ihres Kollegen ebenfalls nicht zu, stattdessen betrachtete sie den Schwarzhaarigen eindringlich von der Seite. "Ich hätte mir ehrlich auch einen besseren Männergeschmack zugetraut", scherzte sie locker mit einem amüsierten Grinsen, um die Stimmung etwas aufzuhellen, "Vielleicht hab ich ja beim Nächsten mehr Glück."
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    • Fast schon aus der Erwartung heraus - oder sollte man präzisiert lieber den Schmerz empirischer Werte benennen? - , dass die kleine Rose ihn seiner Wege ziehen lassen würde, so, wie es bislang alle Menschen zu pflegen taten, schritt Mashira durch die beklemmende Gasse, den Kopf derart zwanghaft nach vorne gerichtet, als stünde hinter ihm das schemenhafte Wesen unergründlicher Schicksalswendungen, das auch nur beim winzigsten, unbedachten Blickkontakt eine ganze Salve ungeahnter Variablen a la > selbstzugeführtes Lebenschaos < zu entfachen drohte. Ohne also das hauchfeinste Anzeichen eines Schulterblickes anzusetzen, wanderte sein Gedanke halb mechanisch gen Cleo. Obgleich der junge Mann den Wunsch zu verhindern versuchte, begann seine geistige Vorstellungskraft ungefragt jene sonnengehauchte Zärte roter Blütenschweife in der Gestalt weiblicher Faszination zu zeichnen. Selbst wenn das sonderbare Geschöpf überhaupt so etwas wie Interesse an ihm hegen sollte - wäre er überhaupt befähigt, eine solche Emotion realistisch zu erwidern, gar anzunehmen? Nun, vielleicht machte sich der Trottel-Zottel auch schlichtweg zu viele Gedanken über ein Ereignis, welches sich ohnehin nie mit dem Mantel der Realität bekleiden dürfte. Abgesehen davon müsste er noch den tropischen Müllsturm in seiner Wohnung beseitigen und... „Hey, du hast mir gar nicht die Gelegenheit gelassen mich zu bedanken“
      Hätte Mashira's zwanghaft antrainierter Automatismus der Gleichgültigkeit in diesem Moment wahrhaftig funktioniert, hätten seine Glieder wohl jetzt kaum einer knappen Erschütterung unterlägen, allerdings gerade so stark, das sie tatsächlich als offensichtliches Zusammenzucken hatten gewerteten werden können. Nein wirklich, des Dunkelhaarigen Annahme, sie würde sich ihm reell nochmals zuwenden, mochte wohl kaum ferner liegen. Die beliebte Bienenkönigen, umkreist und halber bemuttert vom riesigen Schwarm an Freundschaften, immer im Wandel, stets in Kontakt, irgendwie rastlos auf der Suche nach Ablenkung, wandte der einzigen welken Blume ihre Aufmerksamkeit zu?
      Abrupt hielt der Karateka in der Bewegung inne, wandte sich ganz langsam zu der kleinen Dame um und musterte sie halber unglaubwürdig. "Dankbarkeit wird überbewertet.", war er einfach nicht umhingekommen trocken zu kommentieren, während sich gleichzeitig seine absolute Fehlbarkeit im sozialkompetenten Umgang offenbarte; eine nicht zu kaschierende Überforderung, welche wiederum dazu führte, dass seine Antworten rauer denn eigentlich beabsichtigt klangen und Mashira's Körperhaltung schließlich mit viel zu tief vergrabenen Händen in den Hosentaschen endete. Fuck. Ihren Vorschlag - oder das, was subliminal als Angebot verpackt, jedoch vielmehr mit einem Befehl gleichgesetzt war, entgegennehmend, begann der Schwarzhaarige der kleinen Morgenröte stumm zu folgen. Vielleicht konnte er sich ja unbemerkt davonschleichen wie ein Dieb in rasselnden Ketten? "Deine Lebensfreude wird dich irgendwann nochmal umbringen - und glaub mir, der Nächste wird noch schlimmer." Inzwischen war die Bewegung des jungen Mannes gänzlich verebbt, und er - er stand einfach nur da, die ozeangetauchten Iriden eine jahrhundertelange Sekunde geduldig auf dem Antlitz der rothaariger Kaskaden ruhend, ehe sich auf seine Gesichtszüge, ganz langsam, als könne sie selbst das minimalste überhastete Zucken der Mundwinkel erschrecken, ein neckisches Lächeln zauberte.
      "Hey Quee-Bee.", griff der Ältere den insgeheim für sie bestimmten Spitznamen auf, "Abends alleine durch die Gassen zu patrouillieren war entweder sehr mutig oder sehr dumm von dir. Wenn dich also nicht gerade aufgezwungene physische Performance unter zwangsgestörtem Sexualmanagement anmacht, würd' ich dir vehement davon abraten. Außerdem... Ist das mein Revier." Glich die Stimmung zuvor noch einem Wechselspiel aus peinlicher, melodramatischer Unsicherheit, so erweckte seine Präsenz plötzlich den Eindruck, dem Alphatier eines großen Wolfsrudels gegenüberzustehen, dessen Instinkt einzig und allein auf den Schutz seiner Familie - in diesem Fall einer Studentin - ausgerichtet war. Flüchtig, um Cloe den vielleicht fälschlicherweise entstandenen Eindruck, einem militanten Mafioso gegenüberzustehen, abzusprechen, bedachte Mashira die junge Dame letztlich mit einem fast fürsorglichem Zwinkern. "War nur ein Scherz."
      Naja. Fast. Sie sollte sich nicht wegen eines unüberlegten Spruchs vor ihm fürchten müssen, obgleich er sich nicht einmal sicher schien, ob ihm solch ein Vorhaben überhaupt gelinge. Selbst, wenn er es wahrhaftig versuchen würde.
      Trotzdem. Niemand würde hier Hand an irgendwelche wehrlosen Geschöpfe legen. Nicht, solange er in diesem Stadtteil verkehrte.

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    • Clover bemühte sich dem Lauftempo ihres zurückhaltenden Helden anzupassen, aber egal wie sie ihren eigenen Rhythmus veränderte, so blieb der Schwarzhaarige stets einen Schritt hinter ihr. Ein wenig verwirrt blickte sie aus dem Augenwinkel zu ihm über ihre Schulter. Offensichtlich war es seine volle Absicht nicht auf einer Höhe mit der jungen Frau zu laufen und das akzeptiere diese schließlich ohne einen ausgesprochenen Einwand. Was auch immer ihm lieber war, Hauptsache sie hatte eine Begleitung an ihrer Seite, welche ihren Weg durch die Dunkelheit teilte. Denn auch wenn sie sich spaßend und locker gab, behielt sie die zierlichen Hände in ihrer Hosentasche und in ihrer Brust pochte ihr Herz spürbar schnell.

      Während das ungleiche Paar an der dimm beleuchtete Straße entlang wanderten, merkte Clover wie die Schritte des Schwarzhaarigen langsam ins Stocken gerieten. "Hey Queen-Bee", ertönte seine tiefe Stimme in ihrem Rücken. In einem Schwung drehte sie sich zu ihm um, gewiss, dass dieser Spitzname ihr galt. Ihre welligen Haare schwangen dabei in der lebhaften Bewegung mit und erschienen in der Nachtluft wie lodernde Flammen. Es war, als stünde ihr plötzlich ein ganz anderer Mashira gegenüber. Wo er zuvor überfordert mit der Aufmerksamkeit der Rothaarigen wirkte und die Schultern in Unsicherheit nach oben gezogen hatte, wirkte er nun als würde er schützend mit seinem ganzen Körper über ihr emporragen. Ernst und Fürsorge klang in seiner Stimme mit, die Clover noch nie mit einer solchen Bestimmtheit gehört hatte. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines Autos sah sie den schwarzhaarigen Kampfkünstler überrascht aufgrund seiner Worte an. Es schien, als würde er sich für ihre Sicherheit erklären - und das nur weil sie eigentlich wirklich unachtsam durch die Weltgeschichte tapste. Unerwartet nahm er aber den Ernst aus dem Gesagten, indem er ihr auf eine fast schon unbeholfene und neckende Art zuzwinkerte.

      Einen langen Herzschlag schaffte Clover ihre Reaktion zu unterdrücken, doch dann lachte sie amüsiert los. Sie musste sich vor ehrlichem Vergnügen schon leicht krümmen und sie hielt sich die schmalen Arme vor den Bauch. "Entschuldige, aber das hab ich nicht kommen sehen", brachte sie kaum verständlich unter ihrem Kichern hervor. Mit einem lauten Ausatmen richtete sich die junge Frau auf und ihre Augen waren glasig vor Lachen. Mit einem breiten, charmanten Grinsen stand sie dem Schwarzhaarigen gegenüber und fragte mit einem unschuldigen Unterton: "Kann ich das trotzdem als Angebot sehen? Wenn wir zusammen eine Schicht im Café haben, dass du mich auf dem Heimweg begleitest?"
      Eigentlich war schon klar, dass man bei Clover keine Chance hatte Nein zu sagen. Nicht weil sie sonst zu einem trotzigen Kleinkind mutierte - wobei sie das auch gut konnte - sondern weil sie eben die Art von Person war, der man einfach kein Anliegen abschlagen konnte. Ihre braunen Augen funkelten vor Aufregung über eine neue mögliche Freundschaft. Es gab nichts was die Rothaarige mehr begeisterte und unter Strom setzte als neue Bekanntschaften zu machen.
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    • Eine winzige Ewigkeit, gerade ein paar belanglose Sekunden zu lange, um Verwirrung mit Neugierde verwechseln zu können, verfing sich der lapislazulifunkelnde Blick in den Kaskaden emporziehender Morgenröte, als suche er Antworten auf etwas, das er (noch) nicht zu finden bereit war, - oder jemanden, dessen Präsenz ihn nahezu einlud, sich auf die sanfte Woge lang erhoffter Freude zu begeben, doch der junge Mann wagte aus irgendeinem ihm unbekannten Grund nicht, den Schleier der Vorsicht zu durchbrechen. So schien die ganze Situation plötzlich im Nebel der Surrealität gehüllt; wie ein diffuses Puzzle wirrer Erinnerung, dem man zwanghaft versuchte, ein klares Bild beizumessen, doch sich letztlich gezwungen sehen musste, auf Grund unzureichender Kontexte gestriger Eskapaden aufzugeben. Hatte der Große zuvor noch angenommen, das karmesinrote Geschöpf mehr oder minder durch ungewollte Autoritätsdemonstration verschreckt zu haben, pervertierte Cloe jedoch jegliche spielerische Dominanz unerwartet in den Sumpf der Lächerlichkeit, aus dessen Sog es kein Entrinnen zu geben schien. Fröhliches Gelächter, ein sonorer Klang sinnlicher Freude, begann das kurzfristige Flüstern der Stille gleich eines säuselnden Glockenspiels zu durchwirken und drängte den Respekt aus Mashira’s zuvor noch standhafter Grundfeste der Ernsthaftigkeit. Nichts als bloße, unangenehme Befangenheit eines ohnehin schon gänzlich überforderten Mannes mutete in dem Augenblick an, zurückgeblieben zu sein. “Warum…-” setzte der Dunkelhaarige unsicher an, unterbrach sich dann aber mittels eines ratlosen Kopfschüttelns wieder, welches lediglich als beispielloses Kaschieren entblößter Unfähigkeit, in die funkelnden Diamanten ungeahnter Lebensfreude blicken zu müssen, diente. Bot der introvertierte Paladin wirklich die Kunst einer so peinlich, melodramatischen Szene dar - einfach, weil er den latent drohenden Unterton durch die Lässigkeit eines Scherzes mindern wollte? Gott, wie blamabel. Initial zwar abwehrend - doch wahrheitsgemäß eher auf die puderfeine Verlegenheit zurückführend, welche sich so dreist als roter Hauch auf seine Wangen zu legen erdreistete - verschränkte der junge Mann die Arme vor der Brust und verzog indessen seine Lider zu solch schmalen Schlitzen, dass man fast der Befürchtung unterliegen konnte, auf den schwarzen Leinwänden runder Monde würde sich mehr denn vorwurfsvolles Funkeln manifestieren. “Hey! W-whats so funny about it, hm?!” Zumindest hatte er damit gerungen, nicht wie ein verzweifelter Teeni zu klingen, dessen Imponieraktion kläglich gescheitert war, aber so ganz konnte Mashira den mitschwingenden Wahrheitsgehalt seines Gefühlschaos dann doch nicht aus seiner Stimme verbannen. Irgendwann - jedenfalls kam es ihm wie eine Jahrhundertwende vor - mochte sich seine Starre unter einem geschlagenen Seufzer gelöst, und neues Leben in seine Gesichtszüge gespielt haben. “Eigentlich hast du das gar nicht verdient…Aber wenn du darauf bestehst, begleite ich dich auch direkt vor deine Haustür.” Vor extra bestimmt betont, um jedwede Möglichkeit ihn zum Umdenken bekehren zu wollen auszuschließen, trat der junge Mann auf den flammenden Haarschopf zu und bedachte ihr Antlitz mit einem Ausdruck, der entweder offenes Interesse oder maßlose Ungeduld implizieren sollte, ehe er tonlos an Cloe vorbeischritt und endlich die verschränkten Arme vor der Brust löste. Vermutlich hatte sich in seine Nervenbahn längst der Schlaf der Taubheit geschlichen. Nun, was hätte er Angesichts ihrer Lage auch sonst sagen wollen? ‘Ich habe dich nur gerettet, um dich später sterben zu sehen?’ Wohl kaum. Als ihr Weg später an einem Häuserblock am Rande der Straße entlangführte, blieb der Ältere abermals stehen und deutete noch immer stumm auf ein Fenster im zweiten Stock. “Dort wohne ich.” begann Mashira übergangslos, als hätte er gerade seine Stimme wiedererlangt, “Hm. Oder versuche es zumindest. Trotzdem. Das ist jetzt keine Einladung, wenn du jedoch irgendwann mal in Not geraten solltest und wirklich keinen Ausweg mehr weißt, kannst du meinetwegen auch vorbeikommen.” (Die Notlage: Sie bekommt das Marmeladenglas nicht auf x’D)
      Denn erfahrungsgemäß ließen solche narzisstisch durchsäuerten Egozentriker es nicht auf einem Versuch beruhen - aber wenn es danach ginge, müsste er theoretisch bei ihr einziehen, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Nie im Leben! Was für abstruse Ideen untergruben überhaupt schon wieder seine Gedanken, das grenzte ja beinahe an Schikane.
    • Die schwarzen Haarsträhnen bewegten sich rhythmisch mit seinem überforderten Kopfschütteln, angesichts der direkten Art Cleos. Mit den Armen verschränkt vor der Brust und den Augen zu schmalen Schlitzen verengt, stand der Größere nun vor ihr und die lebhafte Rothaarige bekam das beschleichende Gefühl sie hätte ihn vielleicht mit ihrem amüsierten Gegacker gekränkt. "Hey! W-whats so funny about it, hm?!", schoss es ihr vorwurfsvoll entgegen und erst da erkannte Cleo mit sicherer Gewissheit, dass sie den standhaften Kämpfer in Verlegenheit gebracht hatte. "Nichts, es war einfach süß, ich schwöre!", beteuerte die junge Frau wahrheitsgemäß mit einem energischen Kopfschütteln, "Ich hab mich nicht über dich lustig gemacht." Doch anscheinend war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Ein wenig ärgerte sich der rote Haarschopf über ihre fast schon forsche Art - schließlich beabsichtigte sie nie, dass sich jemand um sie herum schlecht fühlte. Dabei hatte sie wirklich die Kombination aus griesgrämigen Kämpfer und verspieltem Zwinkern nicht nur überrascht, sondern gleichermaßen fasziniert.
      "Eigentlich hast du das garnicht verdient..", mit diesen Worten schritt er starr an Cleo vorbei und lief ihr voraus. Obwohl sie sich insgeheim Vorwürfe für ihre Reaktion machte, blieb sie unbeirrt und trug ihr amüsiertes Lächeln auf den Lippen, während sie ihm durch die Nacht hinweg folgte. Sie selbst achtete nicht einmal darauf, welche Straßen sie ihm entlang nachlief. Viel mehr war sie abgelenkt von den funkelnden Sternen am Himmel und der ein oder anderen Katze, welcher man um diese Uhrzeit noch begegnete. Dementsprechend war es nicht verwunderlich, dass der rote Haarschopf beinahe in Mashira reinlief, als er für sie ganz plötzlich und ungeahnt stehen blieb. Kurz bevor sie mit ihm zusammen stieß. kam sie noch rechtzeitig ins Stoppen und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen verwirrt an. Wortlos deutet er auf eins von vielen Fenstern und irritiert sah sich Cleo um. Sie musste ja wie eine verlorene Streunerkatze wirken, so wie sie ihm einfach auf Schritt und Tritt gefolgt war. Ihre braunen Augen wechselten von einer Straßenseite, zur anderen, und musterten die Hausfronten. "Huh? Ich wohn ja nur paar Häuser weiter!", entfuhr es ihr überrascht und deutete die Straße runter. In den Schatten der Nacht ragte ein großer, grauer Betonklotz hervor, der sich Studentenwohnheim schimpfte und eher wie ein Gebäude für Gefängnisinsassen wirkte. Aber unter Studenten, und den leidenden Anwohner drum herum, war das Haus für seine Partys und herzliche Art seiner Bewohner bekannt.

      Pure Begeisterung zeichnete sich in dem Gesicht der Rothaarigen ab, als sie abwechselnd zu Mashiras und ihrem Zuhause blickte. Damit waren sie ja quasi Nachbarn. Geschickt ignorierte sie die Tatsache, dass ihr das bisher, trotz ihrer gemeinsamen Arbeit und Schichten im Café, nicht aufgefallen war. Stattdessen hatte die zierliche Frau bereits ihr Handy mit den getrockneten Kleeblättern in der Hülle gezückt. "Für den Fall, dass ich es in meiner Notlage nicht mehr schaffe vorbeizukommen", scherzte sie, während sie ihm den leuchtenden Screen hinhielt, der den Schwarzhaarigen nötigte, seine Nummer und seinen Namen einzuspeichern. Somit konnte sie sich vielleicht auch die Blöße ersparen, ihn doch nochmal nach seinem Namen fragen zu müssen. Das war eben der Nachteil davon, wenn man viele Leute kannte. Oft genug konnte sie ihre Vergesslichkeit zumindest überspielen und ehrlicherweise war Cleo schon froh darum ihren eigenen Namen nicht ständig zu vergessen.
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    • Wie eine unaufhaltsame Kettenreaktion eines aus Versehen entbrannten Feuerwerks wirbelten Unglaube, Überraschung und die schneeflockenzarte Entstehung flüchtiger Verlegenheit, Letzteres mehr im kurzzeitig einsetzenden Stolpern seines Herzens denn als offensichtliche, mimische Leinwand der Gefühle offenbart, durch Mashira's sturmentfachte Gedanken. Süß? Diese Art Wahrnehmung, Äußerung fand eigentlich tendenziell erhöhten Gebrauch in freundschaftlichen Kreisen, an Orten, wo sich Menschen miteinander geborgen fühlten und Vertrauen das Fundament für eine spaßige, sorglose Zeit bedeutete. Oder hatte sich ihnen jemand zugesellt? Verwirrt blickte der Dunkelhaarige sich um - zuerst nach rechts, anschließend nach links - konnte aber außer ihrer beider Zweisamkeit keine andere Person feststellen, also ließ er seinen Blick abermals irritiert auf den haselnussbraunen Seelenpfoerten junger Unschuld ruhen. "N-nein, das war nicht süß! Das war einfach...", begann Mashira verzweifelt nach einer Begründung zu suchen, noch während er sich gewahr wurde, dass sich die ganze Situation eigentlich in eine Performance der peinlichen Erklärungsnot wandelte, für die es gegenwärtig überhaupt gar keine "logische" Antwort hätte geben können. Total abgefuckt? - schloss der junge Mann also im Geiste halber resigniert hinzu und fuhr sich geschlagen durch seine nachtschwarzen Zotteln, welche sich schmiegsam zwischen seinen Fingern wanden. "...Nur dein Spitzname." Zweifelhaft, ob Cloe das leise Gemurmel, welches vielmehr an einen unartikulierten Laut erinnerte, noch wahrgenommen haben mochte -obgleich er ihr ein katzenfeines Gehör aus irgendeinem ihm seltsamen Grund sogar zutrauen würde. Doch. Ja. Das kleine Fräulein wirkte in diesem zerbrechlichen Augenblick wie ein Kätzchen, dass eine ausgeglichene Balance zwischen sachte auffordernder Streicheleinheiten und nicht zu aufdringlicher Nähe nachzuspüren schien. War sie etwa... einsam? Gerade sie - der sonnengüldne Freudentanz, der jedem Menschen ein Grinsen auf die Lippen zu zaubern vermochte? Kaum vorstellbar. Trotzdem. Cloe, das Kätzchen. Eine Vorstellung, die dem Karateka ferner ein ungewöhnlich sanftes Lächeln zu entlocken gewusst hatte. Er wollte sich des Gedankens einfach nicht erwehren, und irgendwie fand er die Vorstellung selber so unglaublich... wie hieß es eben noch? Süß.Wäre Cloe als Katze wiedergeboren, ja - vielleicht hätte er sie dann adoptiert. Erst der melodische Klang femininen Liebreiz holte den gestandenen Kämpfer aus seinem Gedankengang, und mittlerweile war auch Mashira's Lächeln wieder erstarb, als wäre es höchstens einer bloßen Einbildung entsprungen. "Oh je..." entfuhr es dem Größeren müde, zu reflexartig war ihm der Seufzer beim Gedanken an das Wohnheim entflohen, um diesem noch Einhalt gebieten zu können, sein baritoner Klang jedoch ließ eine flüchtige Note Versöhnung im Unterton mitschwingen. Du bist wirklich ein kleines Sonnenkätzchen, oder? Gut. Nicht jeder konnte - oder wollte- wie ein Nachtschattengewächs am Rande der sozialen Abtrünnigkeit leben, so wie er diesen Lebensstil präferierte - schon gar nicht das kleine Sonnenpflänzchen, dass sich gerade im warmen gesellschaftlichen Licht besonders selbstlos zu entfalten freute. Es war fast ein wenig gruselig zu beobachten, diese zufriedene Begeisterung, welche sich gleich eines Sonnenaufgangs auf das Antlitz der zierlichen Dame legte; so klar, so rein, so... ehrlich. Cloe befand sich im Rampenlicht der Gemeinschaft, warum also sollte sie gerade jemanden wie ihn - einen in die Einsamkeit zurückgezogenen Wolf - als "Person of Interest" auserkiesen? Lange konnte Mashira dieser Frage aber kaum nachgehen, da zückte der Sonnenschein auch schon den quadratisch praktisch neu-modernen Fluch a la Handy und hielt es ihm beinahe erwartungsvoll entgegen. Was sollte das denn jetzt? Mit leicht zur Seite geneigten Kopf bemühte sich der junge Mann ihre etwas übereifrige Intention nachzuvollziehen, und selbst, als sich seine Ahnung bestätigte, entwich seiner Gesichtszüge kein Bisschen von der irritierten Skepsis, die sich so hartnäckig auf das Funkeln schwarzrunder Monde manifestiert hatte. "Ach Cloe... Du hast doch so viele Freunde, wozu brauchst du dann meine Nummer, hm? Oder bist du etwa einsam?" Fast fürsorglich musterten zwei sacht schimmernde Flammen aus milder Seelenglorie den Gesichtszug junger Eleganz, indes der Anthrazithaarige vorsichtig das kleine elektronische Rechteck beiseite zu schieben begann und dabei die Hand der jungen Dame behutsam hinabdrückte. "Außerdem hab' ich mein Handy heute in der Hast Zuhause vergessen, und ich besitze wahrlich Alzheimerallüren, wenn es um das Erinnern der eigenen Nummer geht... Sorry, Kitty."

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    • Bei dem reflexartigen Seufzer, musste Cleo amüsiert auflachen. Sie war sich schließlich dem Ruf des Wohnheims bewusst und ganz selten gingen ihr die ständigen Partys ebenfalls auf die Nerven. Unendlich Energie hatte selbst dieser Sonnenschein nicht, auch wenn man das manchmal annehmen konnte. Selbst jetzt, zwischen dunklem Nachthimmel und leuchtenden Sternen, war sie ein Flummi aus purer Energie, welcher mühelos eine ganze, schlaflose Nacht hinlegen könnte.
      Das Grinsen in dem schmalen Gesicht der Rothaarigen, wurde gefühlt doppelt so breit, als sie den Spitznamen "Sonnenkätzchen" hörte. Cleo hatte schon viele Kosenamen oder Beschreibungen über sich gehört, wie Clover oder Sonnenanbeterin, aber noch nie hatte sie so niedliche Wörter entgegnet bekommen, wie von dem kalten und starren Mashira. Dieser Kontrast war fast schon herzzerreißend und gleichzeitig wollte der Rotschopf wissen, was sich noch alles unter der Fassade einer harten Schale und schwer zu knackenden Nuss verbarg. Umso mehr, wollte sie auch seine Nummer, um mit ihm in Kontakt bleiben zu können. Sie wollte diese Begegnung nicht einfach wieder in die Nacht loslassen und nur mit hoffen oder wünschen erneut erleben.
      Doch der Schwarzhaarige hatte anscheinend andere Pläne. Statt sich dem Willen des quirligen Bündel Energie zu beugen, konfrontierte er sie mit einer Wahrheit, die so schmerzhaft war, dass sich Cleo diese nicht einmal selbst eingestehen wollte. Nicht hier, nicht jetzt. Der kurze Kummer, der durch ihre Augen zog und sich in dem kleinsten möglichen Stirnrunzeln verdeutlichte, verschwand genauso rasch, wie eine aufkommende Sommerbrise. Sie konnte trotzdem nicht unterdrücken kurz den Blick von den intensiven, dunklen Augen abzuwenden. Statt ihm aber ehrlich ihre Einsamkeit einzugestehen, sah sie dem Schwarzhaarigen Außenseiter wieder amüsiert entgegen. Als wäre ihre verspielte und fröhliche Art ein Schutzschild gegen jegliche negativen Emotionen und Gedanken. Welche Kosten, das mit sich brachte, konnte die Zukunft-Cleo klären. Die Sonne selbst machte sich schließlich beim Scheinen auch keine Sorgen darum, irgendwann zu verglühen, oder?

      "Na, ich hab ja deine Nummer noch nicht, oder? Was bringt mir denn die Nummer von jemand anderem, wenn ich dich erreichen will?", konterte sie den abwehrenden Versuch Mashiras, seine Telefonnummer als ein Geheimnis vor Cleo zu bewahren. Obwohl sie eigentlich überrascht über seine Ablehnung war, trotz der niedlichen Spitznamen für sie, war ihr rasendes Gedankenkarussell viel schneller darin zu antworten, als auf das Unerwartete mit Schock zu reagieren.
      Und plötzlich hallte ihr der neue Spitzname durch den Kopf. Wie der Rotschopf nun mal war, kam ihr dabei eine ihrer Meinung nach ganz großartige Idee. Diese zeichnete sich auch schon, bevor sie etwas aussprechen konnte, in ihrem Gesicht ab. Ein schelmisches Grinsen auf den Lippen, welches sich bis zu ihren hellbraunen Augen hochzog. Sie nahm eine Hand auf Brusthöhe und ahmte damit eine Katzenpfote nach. "Meow", schnurrte sie belustigt, bevor sie theatralisch fragte: "Würdest du wirklich eine arme, hilflose Katze in der Nacht zurücklassen?" Mit Cleo wusste man wirklich nie, was als nächstes kam. Zuerst wollte sie nur die Nummer des schwarzhaarigen Kämpfers, jetzt lud sie sich schamlos in seine Wohnung ein, indem sie seinen Spitznamen für sie ausnutze und tatsächlich eine Katze nachahmte. Mit voller Überzeugung bewegte sie ihre Hand weiter wie die Pfote einer Katze und versuchte damit ihren Gegenüber derart verlegen zu bekommen, dass dieser einfach nachgeben musste.
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    • Mochte Mashira's Betragen etwa unwissentlich in das Entertainment eines verunfallten Komödianten entrückt sein - oder fasste das Sonnenkätzchen tatsächlich sein, für ihn, ganz normales Verhalten als eine Art verschlimmbessertes Schauspiel a la Imponieren auf? Vielleicht bestand die Option, zu den mafiösen Allüren zurückzukehren? Nicht in der Intention, irgendeine unglaubwürdige repressive Autoritätsmaßnahme ergreifen zu wollen, welche vermutlich ohnehin in einem absurden Verlegenheits-Spektakel würde enden; nein, sondern schlichtweg mit dem Vorhaben, Cloe an den Anfang eines Endes zu komplimentieren - nämlich der Beginn seiner wohlverdienten Ruhe und das Ende ihrer Versuche, ihn mittels geschickt verpackten Angeboten, die sich eigentlich mehr als selbst einladende Vorschläge bezeichneten, irgendwohin einzuladen. Der Kampfsportler wusste wohl um die kaum zu ignorierende Tatsache, dass sein Körper subliminale Reize zur Verführung weiblicher Bedürfnissen aussandte, hatte er sich schon oft genug mühsam aus irgendwelchen misslungenen Flirtversuchen im Café mehr schlecht denn professionell winden müssen, aber soattraktiv mochte seine Statur - von seinem Charakter einmal abgesehen - dann ja wohl doch nicht sein. Oder? Was versuchte die kleine Lichtanbeterin also mit ihrer lieblichen Offensive zu bezwecken? Warum drängte sie so darauf, irgendetwas von ihm mitnehmen zu können - und wenn es gar er selbst als Ganzes wäre?
      Tatsächlich brachte die Neugierde des Dunkelhaarigen ihn halber aus der Balance eigener Grundsätze, dennoch thronte die Unsicherheit, ob er die Antwort überhaupt wissen wollen würde, wie ein bedrohlich, schwarzer Schatten vor seiner schwankenden Abwägungsphase. Unbewusst, der See geistig evozierter Variablen hatte ihn halber bis an den Grund sinken lassen, begann der Ältere abermals die Arme vor der Brust zu verschränken. Gut, er würde eher minder Antworten auf ihr Gebaren finden, definitiv aber auf die Seinen.
      Cloe's unerwartetes Lachen umspielte die milde Brise sommernächtlicher Atmosphäre wie ein sanft wehendes Brautkleid unter der künstlerisch gestalteten Leinwand voller funkelnder Impression, das breite Grinsen die erste Ouvertüre zum ersten Frühlingstanz innert gleißender Sonnenstrahlen. "Was ist nur los mit diesem sonderbaren Geschöpf...?", murmelte Mashira unschlüssig, die Ratlosigkeit mittels eines leichten Kopfschüttelns untermalend, während er zu befürchten begann, Cleo's feine Gehörsinne hätten sein undurchdachtes Gesäusel - wie auch immer sie dies bewerkstelligt hatte - tatsächlich vernehmen können. "Pf. Mich erreicht man nur, wenn ich mich erreichen lassen will, Kitty.", fügte der junge Mann rasch hinzu, bevor noch der Eindruck echten Interesses entstünde und ihr eine neue Angriffsfläche bot. Oder war gerade seine abwehrende Haltung der perfekte Schwachpunkt? Scheiße. Es kam selten vor, dass ihn seine eigenen Gedanken überforderten, aber diese kleine quirlige Funkensprüherin vermochte es wahrhaftig, Mashira gänzlich aus seiner standhaften Fassung zu bringen.
      "Also, was brächte dir jemandes Nummer, wenn du ihn ohnehin nicht erreichst?" So ganz erschloss sich ihm der Sinn dieser irreführenden Unterhaltung zwar nicht, doch der Fakt seines Amüsements über die angenommene Herausforderung, wer sich schlussendlich mit dem rettenden Totschlagargument rühmen dürfe, hatte die flammende Neugier des Studenten entfacht. Elegant geschmeidigen Schrittes, fast einem Tiger auf Beutezug gleich, überbrückte Mashira nun ihre kleine gemeinsame Distanz und ragte nun vor dem femininen Leuchtfeuer auf, als wolle er die zierliche Sprosse anhand herausfordernder Überlegenheitsversprechen sowie spielerischer Provokation auf Abwege bringen. "Würdest du mir sowas zutrauen, hm?" schoss der Konter einer unbefangenen Gegenfrage über leicht roségehauchte Lippen, derweil sich das Glimmen in zwei runden Monden allmählich intensivierte - der Blick des jungen Mannes nicht mehr denn ein lässig anmutender Mafioso, der sich seines Siegesszuges bereits sicher schien. "Dacht' ich mir, Cloe-Mew-Mew. Zumindest in dieser Angelegenheit scheinst du des Glückes hold:",- Kurz unterbrach der Größere den Satz, um wortlos in die Richtung des Wohnheims zu deuten, ehe er das Gespräch wieder aufgriff, "Ich würde es mir niemals verzeihen, ein so armes, herrenloses Kätzchen ihrem Schicksal zu überlassen... Deshalb bringe ich es auch gleich zu ihrem Zuhause zurück - siehst du dahinten dieses Gebäude? Ich habe gehört, dieses ganz besondere Tierheim nimmt allerlei heimatlose Kätzchen auf."
      Am liebsten hätte der Enthemmungsspezialist den zarten Korpus der jungen Dame umschlossen, vorsichtig wie eine fragile Trophäe über die Schulter manövriert und ward mit ihr gen Studentenheim marschiert, allerdings wagte er zu diesem Zeitpunkt eine solche Grenze (noch) keineswegs zu überschreiten, weshalb Mashira lediglich bestimmt, jedoch nicht grob, ihr Handgelenk umgriff und sie fast apodiktisch mit sich zog. Darauf bedacht, den Kontakt nicht allzu lange aufrecht zu erhalten, gerade vor dem Hintergrund ihres rücksichtslosen Ex-Freundes, löste er den Griff erneut und starrte Cloe mit einer diffusen Mischung aus erfolgssicherem Lächeln und der minimalen Note brennender Neugierde an. Jedes traurige Kätzchen braucht einen Freund, dem es seine Liebe schenken kann. Oder war es Dankbarkeit gewesen? So richtig erinnerte sich der Dunkelhaarige nicht mehr an den Slogan (lmao, gerade ausgedacht) - vielleicht entstammte dieser genauso gut einer Werbung? - aber er hielt diese Aussage in jenem zerbrechlichen, aber der Ewigkeit verschriebenen Augenblick für das perfekt in Schweigen gehüllte Geständnis. Ob sie es in seinen Augen würde lesen können? Oder entsprang ihr möglicherweise derselbe Vergleich inmitten dieser... surrealen Situation?
      "Wölfe und Katzen vertragen sich doch gar nicht...", säuselte ein sehnsüchtiges Flüstern schwungvoll in die Nacht, bevor die Melancholie gänzlich im Rauschen des Windes verebbte.

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    • Cleo kam nicht umhin, diese ganze Situation als eine Art von Tanz zu empfinden. Jeder Kommentar, jede Antwort von Mashira war wie ein Schritt nach vorne. Weder von ihr weg, noch auf sie zu. Und auf diesen konnte sie mit ihrer eigenen Schrittvariante antworten. Neckend und herausfordernd fügten sich die gesagten Worte zu einem Rhythmus, der sich für die Rothaarigen überraschend vertraut anfühlte. Selbst in dem Moment, in dem ihr Gegenüber versuchte, sich aus ihrer Kätzchen-Metapher geschickt zu entziehen, wirkte es weniger wie eine Abwehr seinerseits, als eine Einladung, den nächsten Schritt zu setzen. Belustigung glänzte in den braunen Augen, die gerade zu dem Schwarzhaarigen vor sich aufsahen. Die lodernden Wellen fielen ihr über den Rücken, während Cleo den Kopf in den Nacken legen musste, um Mashira tatsächlich ins Gesicht sehen zu können. Siegessicherheit leuchtete in seinem Ausdruck auf, als könnte er vorhersehen, wie der einfallsreiche Rotschopf antworten würde.
      Während sie seinem Einwand lauschte, ließ die junge Frau die zu Katzenpfoten geformten Hände sinken und stemmte sie theatralisch in die Hüfte. Der Blick des Größeren glitt zu ihrem Wohnheim, doch statt seinen Augen Folge zu leisten, betrachte sie bedacht Mashira vor sich, die Augenbrauen nachdenklich zusammen gezogen. Warum wehrte er sich so gegen eine mögliche Freundschaft mit ihr? Sonst wollte doch auch jeder etwas mit ihr zu tun haben und ließ ihr keine Ruhe. Mashira hatte sie ja passend als Bienenkönigin bezeichnet. Stets hatte sie einen Schwarm an Personen um sich. Und er war ja offensichtlich nicht von ihr abgeneigt, sonst würden sie nicht gerade hier stehen und sich in die Nacht hinein ihre neckenden Kommentare im Schlagabtausch liefern. Dennoch sträubte sich offensichtlich etwas in seinem Inneren dagegen, eine Freundschaft mit ihr zu erlauben. Was genau das war, wollte Cleo nur umso mehr herausfinden.

      "Woher willst du wissen, dass ich da alles bekomme, was ich als einsames Kätzchen brauche?", konterte sie protestierend, während sie wahrnahm wie sich seine warme Hand um ihr schmales Handgelenk schloss und sie bestimmt in die Richtung Wohnheim führte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie durch den Austausch mit ihm fast schon vergessen hatte, was die beiden überhaupt zusammen gebracht hatte. Anders als bei ihrem Ex, kam ihr aber nicht das repulsive Gefühl sich wehren zu müssen oder sich losreißen zu wollen. Stattdessen ließ sich die junge Frau von ihm mitziehen. Etwas anderes nahm ihre Gedanken ein, als sich weitere Argumente in ihrer Katzenmetapher für Mashira auszudenken. Und zwar: Hatte sie sich gerade selbst als einsam bezeichnet? Das war ihr nur so rausgerutscht. Es hatte keine tiefere Bedeutung.. Oder?
      Was genau war es an dem Schwarzhaarigen, dass er sie nicht nur in ihrem gemeinsamen Wortaustausch herausforderte, sondern auch dazu brachte ihre eigenen, emotionalen Beweggründe zu erforschen? Vor allem waren diese wie ein trübes Gewässer und bekanntlich sollte man nicht unbedacht, ohne die Tiefe des Wassers erkennen zu können, einfach reinspringen. Kopfschütteln versuchte Cleo die Gedanken zu ihrer möglichen Einsamkeit zu vertreiben, als wären diese einfach nur kleine Fliegen, die lästig um sie herumschwirrten.

      Ihre braunen Augen trafen sein triumphierendes Lächeln, das über ihr hinweg ragte. Doch da war noch etwas anderes. War es Interesse, dass in seinem Blick aufblitzte? Vielleicht war es auch nur, was sich der rote Haarschopf wünschte, in den aufleuchtenden Iriden ihres Gegenübers zu finden. Aber es könnte auch ein Zeichen des Schicksals sein, dass sie ausgerechnet bei Mashira so hartnäckig bleiben sollte - wenn man denn an sowas glauben mochte. Die vierblättrigen Kleeblätter in Cleos Handyhülle sprachen Bände darüber, ob die junge Frau auf vorherbestimmte Begegnungen vertraute.
      "Kommst du denn Cleo-Mew-Mew wenigstens morgen besuchen, um sicher zu gehen, dass es ihr gut geht?", scherzte sie mit ihrem neuen Spitznamen, doch schwang in den fragenden Worten ein Hauch von Ernsthaftigkeit mit. Ganz entgegen dem ungezwungenen Lächeln, welches sie auf den rötlichen Lippen trug, als könnte ihr ein Nein seinerseits nichts anhaben. Auch wenn sie wusste, dass ausgerechnet der Schwarzhaarige neben ihr das Potenzial in sich trug, ihre Fassade wie ein einfaches Stück Papier zu zerreißen.
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