Saintess? More Like Saint! [RoyalMilkTea x Yumia]

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    • Saintess? More Like Saint! [RoyalMilkTea x Yumia]


      Saintess? More Like Saint!

      "A voice like an angel, a heart of gold… and the truth of a man."


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      Genre: Fantasie, Abenteuer, Romanze
      Rollen:
      X - @Yumia
      Y - @RoyalMilkTea
      Vorstellung
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      Die Welt steht kurz vor dem Untergang.
      Dämonenanhänger bereiten die Rückkehr ihres Königs vor, während wilde Bestien immer zahlreicher werden. Nur eine legendäre Heilige kann das Gleichgewicht wiederherstellen, so waren die letzten Worte des hohen Priestes.
      Mit seiner letzten Kraft führt der Hohe Priester, mit seiner Magie in ein Amulett verschlossen, ein uraltes Ritual durch. Die Beschwörung gelingt… und doch ging etwas schief.
      Anstelle der ersehnten Heiligen erscheint X, ein junger Mann und nicht wie in der Prophezeihung ernannte Frau.
      Ein zweites Ritual ist unmöglich, und die Wahrheit würde das Reich ins Chaos stürzen. Also bleibt nur eine Lösung: X muss die Rolle der Heiligen übernehmen, egal um welchen Preis.
      Gemeinsam mit einem Ritter (Y) macht er sich auf, die Splitter eines mächtigen Artefakts zu finden, das den Dämonenkönig erneut versiegeln kann. Auf ihrer Reise durch das Königreich treffen sie auf Verbündete, Feinde, und ein Geheimnis, das alles verändern könnte.
      Doch wie lange kann man eine Lüge aufrechterhalten, wenn das Schicksal der Welt davon abhängt?




      CIEL
      Ciel hatte den Ellbogen auf der Tischkante abgestützt, den Löffel seines Eiskaffees gedankenverloren im Glas kreisen lassen. Die Eiswürfel klimperten leise, während draußen vor dem großen Fenster das Leben vorbeizog. Menschen, die lachend durch die Straße eilten, Kinder, die an den Händen ihrer Eltern hingen, und eine ältere Dame, die sich unter dem Gewicht ihrer Einkaufstaschen leicht vorbeugte.
      Am Tisch neben ihm erzählte jemand aus seiner Clique gerade eine besonders absurde Geschichte, und das Lachen der anderen schwappte wie eine kleine Welle zu ihm herüber. Er lächelte flüchtig, ohne den Blick von der Straße zu lösen. Es war einer dieser unaufgeregten Nachmittage, an denen die Zeit keine Eile zu haben schien. Doch dann kam es, schleichend, fast unmerklich.
      Erst nur ein leises Pochen hinter den Schläfen, dann ein Schwindel, so sanft, dass er ihn zunächst ignorierte. Doch die Schwere in seinen Lidern wurde stärker. Die Stimmen seiner Freunde wurden dumpfer, als würden sie hinter einer dicken Wand sprechen. Das Lachen verklang, entfernte sich, bis nur noch ein leises Rauschen blieb. Ciel runzelte die Stirn, setzte an, den Kopf zu heben, doch seine Muskeln gehorchten ihm träge, als würden sie in Honig schwimmen. Wärme kroch in seinen Kopf, verwandelte seine Gedanken in Watte.
      Was… passiert hier…?
      Irgendwo, weit weg, drang eine Stimme zu ihm durch. Weiblich. Ruhig. Die Worte schwammen wie durch Wasser zu ihm, verschwommen, ungreifbar. Er versuchte, sie zu fassen, doch je mehr er sich anstrengte, desto mehr glitten sie ihm davon. Dann, plötzlich, riss etwas in ihm. Die Watte wich, ein frischer Atemzug durchströmte seine Lungen. Die Müdigkeit fiel von ihm ab, als hätte jemand sie einfach ausgeknipst.
      Er öffnete die Augen.
      Kühle, harte Fläche unter seinem Rücken. Über ihm spannte sich eine Decke, so hoch, dass er kaum erkennen konnte, wo sie endete. Gewaltige Säulen stiegen in die Höhe, jede einzelne mit goldenen Mustern verziert, die im Licht funkelten. Zur rechten Seite leuchtete ein Mosaik aus farbigen Steinen, so detailliert, dass es wirkte, als könnte es gleich lebendig werden. Er blinzelte, setzte sich langsam auf. Vor ihm plätscherte ein Brunnen, das Wasser funkelte wie flüssiges Glas. Der Klang war sanft, beruhigend, doch sein Herzschlag war alles andere als ruhig.
      Das war nicht das Café. Das war ganz woanders.
      Ciel legte die Hand an seine Stirn. Kein Schmerz, keine Übelkeit, nur Verwirrung, dicht wie Nebel. Als er den Blick hob, sah er die Männer. Sie standen in regelmäßigen Abständen im Kreis um ihn, alle in makellos weißen Roben, das Gesicht ernst, unbewegt. Die Luft roch nach Räucherwerk und altem Stein.
      „Was…?“ Das Wort kam kaum hörbar über seine Lippen.
      „Das kann nicht sein.“
      Die Stimme gehörte einem älteren Mann, der durch einen goldenen Kragen hervorstach. Seine Augen musterten Ciel prüfend, beinahe feindselig. „Es sollte sich um eine Heilige handeln. Kein Mann.“
      Die letzten Worte waren scharf, fast wie ein Vorwurf.
      Ciel richtete sich ganz auf, ein Anflug von Gereiztheit blitzte in seinen Augen auf. „Wie bitte?“ fragte er, die Stimme etwas fester als er beabsichtigt hatte. Einer der Männer löste sich aus dem Kreis, eilte zu dem Sprecher und beugte sich zu ihm. Leise, kaum hörbar, sprach er ihm etwas ins Ohr. Ciel verstand die Worte nicht und doch… formten sie in seinem Kopf eine Bedeutung, als hätte er sie immer gekannt. Der Alte räusperte sich, trat auf ihn zu.
      „Entschuldigt bitte die Unhöflichkeit.“
      Ciel sagte nichts. Er wusste nicht einmal, wo er anfangen sollte.
      „Ich kann mir vorstellen, wie befremdlich dies für Euch ist“, fuhr der Mann fort, „doch wir werden Euch alles erklären.“
      Mit einer knappen Handbewegung forderte er Ciel auf, ihm zu folgen. Ciel warf einen letzten Blick auf die tuschelnden Männer, bevor er sich in Bewegung setzte. Seine Schritte hallten leise auf dem Steinboden, und das Echo klang wie ein ferner Herzschlag. Durch eine hohe Doppeltür traten sie in einen breiten Gang, geflutet vom Sonnenlicht. Die Wände waren strahlend weiß, durchzogen von blassblauen Mustern, als wären sie direkt aus dem Himmel gemalt. Ciel konnte nicht anders, als den Blick schweifen zu lassen, so fremd, so prachtvoll… und doch hatte er das Gefühl, hier nicht willkommen zu sein. Sie stiegen eine breite Treppe hinauf, passierten einen weiteren Gang, bis der Alte schließlich eine Tür öffnete. Dahinter lag ein schlichtes Zimmer, voller Bücher und mit Licht durchströmt.
      „Hier haben wir unsere Privatsphäre. Bitte, setzt Euch.“
      Ciel ließ sich langsam auf das Sofa sinken, der Stoff fühlte sich ungewohnt rau an. Der Mann nahm gegenüber Platz.
      „Ihr habt sicherlich viele Fragen“, begann er mit ruhiger Stimme. „Doch lasst mich Euch zuerst über den Grund Eures Erscheinens unterrichten.“
      Ciel verschränkte unmerklich die Finger, hielt den Blick auf den Fremden gerichtet. Und ich habe das Gefühl, dass mir diese Erklärung nicht gefallen wird.
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    • Oswold

      Oswold konnte es kaum glauben. Ihm wurde die Ehre zu Teil die Heilige nicht nur mit seinem Leben zu beschützen, sondern sie auch noch auf ihrer Reise zur Rettung der Welt zu begleiten. Er konnte sein Glück kaum glauben, welcher Ritter hatte schon das Glück nicht nur seinem Land, seinem König, sondern seiner ganzen Welt so dienlich zu sein?
      Dabei ging es dem jungen Ritter nicht einmal um den Ruhm den er erhalten würde, sollte die Rettung der Welt tatsächlich glücken, sondern alleine eine solch wichtige Aufgabe ausführen zu dürfen, erfüllte Oswold mit einem solchen Stolz, dass er das Gefühl hatte jeden Moment zu platzen.
      Natürlich war seinem stoischen Gesicht nichts davon anzusehen, wie er wie eine Statue stramm stand, vor den Stufen die hinauf zum Thron führten, wo der Königsfamilie auf die Ankunft der Heiligen warteten.
      Ein paar Adelige und Berater hatten ebenfalls das Glück einen Blick auf die Heilige werfen zu dürfen und einer von ihnen, der ungeduldig auf und ab ging, erntete einen missbilligenden Blick von dem Ritter. Was wenn die Heilige just in diesem Moment durch die Tore trat? Wie respektlos war es in einem solchen Moment auf und ab zu treten.
      Als hätte der junge Mann es geahnt, öffneten sich tatsächlich die Tore des Thronsaals und man konnte hören, wie jeder den Atem anhielt und den Rücken ein wenig mehr durch drückte, während der Assistent des hohe Priesters in Begleitung eines Fremden den Saal betrat.
      EhemaligerAssistent, sollte Oswold sich vielleicht in Gedächtnis rufen, denn wenn die Gerüchte stimmten, würde dieser bald den Posten des hohe Priesters übernehmen, nachdem der letzte sein Leben gegeben hatte, damit das Ritual der Beschwörung überhaupt ausgeführt werden konnte.
      Mit dieser Tat hatte der hohe Priester Oswolds höchsten Respekt verdient und würde sicherlich einen Platz in den Geschichtsbüchern finden.
      Der Ritter verbeugte sich, als die Beiden näher traten, während der ältere König sich mit einem breiten Lächeln und einem Hoffnungsschimmer im Blick von seinem Thron erhob, in einer willkommen heißenden Geste die Arme ausgestreckt.
      „Willkommen im Köngreich Aventum, werte Heilige! Darf ich mich vorstellen? Ich bin Theodor Christis der Dritte von Aventum, König dieses Landes und hoffe zutiefst, dass es bei eurer Ankunft an nichts mangelt. Ich nehme an, man hat euch bereits darüber unterrichtet, warum ihr hier seid?“, verbeugte sich der König sogar vor der Heiligen – wenn auch nur ein wenig – und warf dem Priester einen fragenden Blick zu, worauf er ein Nicken erhielt.
      „Wunderbar! Dann will ich sie nicht länger mit langen Reden langweilen und hoffe doch sehr, dass sie uns helfen werden. Natürlich verspreche ich, dass unser Königreich euch mit allem was wir haben unterstützen wird. Darf ich vorstellen? Oswold von Greysteen, unser herausragendster Ritter.“, wies der König mit der Hand auf diesen, woraufhin der Hellhaarige sich nur umso tiefer verbeugte.
      „Es ist mir eine Ehre, my Lady.“, war es das tatsächlich. Oswold schwor sich, sein Leben für die Heilige zu geben.
      „Er wird ihnen rund um die Uhr zur Seite stehen und sie mit seinem Leben beschützen. Dürfte ich sie nach ihrem Namen fragen, meine teuerste? Sicherlich seid ihr müde, wir haben die herrlichsten Zimmer dieses Schlosses für sie vorbereitet und laden sie zu einem Festmahl ein.“, beendete der König seine Rede mit einem Lächeln.
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    • Ciel starrte den Mann gegenüber an, während die Worte des Priesters langsam in ihm sanken. Dämonenkönig. Königreich retten. Splitter suchen. Jeder dieser Begriffe legte sich wie ein Stein auf seine Brust, doch der schwerste war die letzte Aufgabe. Sich als Frau auszugeben. Nicht für einen Abend und nicht für einen Scherz, wie er es früher mit seinen Freunden getan hatte, um jemanden eifersüchtig zu machen, sondern für Wochen, vielleicht Monate. So lange, bis diese ganze Angelegenheit vorbei war.
      Ciel lehnte sich zurück und rieb sich langsam die Schläfen. Er musste träumen, ganz sicher sogar. Dennoch war alles zu greifbar. Das leise Plätschern eines Brunnens im Hintergrund, der Geruch von Räucherwerk, die feine Struktur des Sofas unter seinen Fingerspitzen, zu real, um es als Traum abzustempeln.
      "Habt keine Sorge", sagte der Priester mit einer Stimme, die wohl beruhigend klingen sollte. "Wir werden Euch die passende Kleidung übergeben."
      Ciel konnte nur tonlos lachen, als der Mann zu einem Schrank ging und ein Gewand hervorholte. Weiß, durchzogen von goldenen Stickereien, und dazu ein Mundschleier aus feinstem Stoff. "Bitte, in diesem Raum könnt Ihr Euch umziehen."
      Ciel trat ein, schloss die Tür hinter sich und lehnte sich einen Moment dagegen. Das alles war verrückt. Dennoch tat er, wie ihm geheißen. Das Kleid war schwerer, als es aussah, und überraschenderweise passte es ihm. Die sorgfältige Polsterung nahm seinen Schultern die Breite, der fließende Stoff umspielte seine Figur und der Schleier ließ nur seine Augen erkennen. Im Spiegel blickte ihm eine Gestalt entgegen, die er selbst kaum wiedererkannte.
      Als er zurückkehrte, musterte der Priester ihn von Kopf bis Fuß. "Ihr seht wahrlich wie eine Frau aus", sagte er und klang dabei ehrlich überrascht. Ciel lächelte schwach, doch in diesem Lächeln lag mehr Bitterkeit als Freude.
      Der Priester führte ihn aus dem Tempel. Auf dem Weg zum Palast liefen sie durch Straßen, die in weiches Nachmittagslicht getaucht waren. Menschen blieben stehen und verneigten sich, und jedes Mal fragte sich Ciel, ob sie wirklich glaubten, vor einer Heiligen zu stehen. Seine Gedanken überschlugen sich. Eine Heilige, ein Königreich retten, den Dämonenkönig besiegen, Splitter suchen und erst dann, wenn alles vollbracht war, könnte er in seine alte Welt zurück. Der Gedanke war überwältigend und doch wusste er, dass ihm keine Wahl blieb, als mitzuspielen.
      Im Palast angekommen, durchquerte er prunkvolle Gänge, deren hohe Wände mit Gemälden und goldenen Ornamenten verziert waren. Schließlich erreichten sie den Thronsaal. Der König, ein würdevoller Mann mit grauen Schläfen und klaren Augen, erhob sich, um ihn zu begrüßen. Ciel erfuhr, dass ihm ein Ritter zur Seite gestellt würde. Eine Nachricht, die ihn sofort erleichterte, denn kämpfen konnte er nicht.
      Der Ritter trat vor. Er war groß, kräftig gebaut, mit grünen Augen und Haaren, und trug sich mit einer Selbstsicherheit. Er wirkte wie das Sinnbild eines Beschützers und Ciel fühlte sich augenblicklich sicherer. Er hob leicht eine Seite seines Kleides und verbeugte sich. "Ciel", stellte er sich vor. Es hörte sich wie eine weibliche Version, Cielle. Er dankte dem König für seine Gastfreundschaft und versprach, sein Bestes zu geben, um die ihm übertragene Aufgabe zu erfüllen. Danach wandte er sich an den Ritter, neigte den Kopf und bedankte sich für dessen Bereitschaft, ihn zu begleiten. Gleichzeitig empfand Ciel es seltsam, dass alle ihn für eine Frau hielten, und er konnte sich noch nicht ganz mit der Idee anfreunden. Der Ritter würde innerhalb des Schlosses stets an seiner Seite bleiben.
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    • Oswold

      Der Ritter stand stets einen halben Schritt hinter der Heiligen, darauf bedacht nah genug dran zu sein, um in Notfällen eingreifen zu können – auch wenn im Schloss wahrscheinlich keine Gefahren lauerten – ihr jedoch nicht auf die Pelle zu rücken oder gar auf die Ferse zu treten.
      Tatsächlich war das Oswolds erste Mission, in der ihm aufgetragen wurde den Personenschutz für eine Person zu übernehmen. Seine Talente lagen eher im Kampf, darin ein Monster oder eine Armee zu besiegen und nicht sich um verwöhnte Adelige zu kümmern.
      Wobei sich Oswold sicher war, dass die Heilige niemals verwöhnt sein könnte. Das würde schlicht und einfach nicht seinem Bild von einer Heiligen entsprechen.
      Still und geduldig blieb der Ritter hinter der Braunhaarigen stehen, wartete darauf., dass sie eintrat, die Zofe zurückholte... halt irgendetwas tat, aber zu seiner Verwunderung verstrichen Minuten, ohne, dass sich die Heilige groß bewegte. Irgendwie... wirkte sie auch etwas verloren, wie sie da stand.
      „... möchtet ihr nicht eintreten?“, erkundigte sich Oswold letztendlich und stellte sich neben die Tür, diese einladend aufhaltend, auch wenn sie bereits offen war.
      „Habt nur keine Scheue, wenn ihr etwas braucht, dann sagt es. Man wird euch jeden Wunsch erfüllen, das kann ich versprechen.“, fügte er hinzu, in der Auffassung, dass die Heilige womöglich etwas schüchtern war. Er wusste zwar nichts genaues, hatte aber gehört, dass die Heilige gar aus einer anderen Welt stammte und konnte sich vorstellen, dass das alles etwas zu viel auf einmal war.
      „... gibt es in eurer Welt keine solchen Zimmer?“, riet er letztendlich ins blaue hinein.
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    • Das Zimmer war wunderschön. Die Wände waren in einem sanften Creme gehalten, feine goldene Verzierungen zogen sich wie Ranken über die Flächen. Überall fielen warme Sonnenstrahlen durch die hohen Fenster, ließen den polierten Boden glänzen und tauchten den Raum in ein fast unwirkliches Licht. Ein Schreibtisch aus dunklem Holz stand nahe der Wand, eine kleine Vase mit frischen Blumen darauf, deren Duft sich unaufdringlich im Raum verteilte. Und doch fühlte sich Ciel eingeengt. So viel Schönheit, so viel Raum, und trotzdem war da dieses drückende Gewicht auf seiner Brust. Je länger er dort stand, desto mehr rückte die Realität in den Vordergrund. Das alles war kein Traum. Die Aufgabe, die man ihm auferlegt hatte, die Lüge, die er aufrechterhalten musste, das Schicksal eines ganzen Königreichs, es schien ihn förmlich einzukreisen.
      Er riss sich aus seinen Gedanken. Erst jetzt bemerkte er, wie lange er schon unbewegt an der Tür gestanden hatte. Der Ritter war aufmerksam gewesen. Oder Ciel hatte es einfach zu offensichtlich gemacht. Er hob schnell abwehrend die Hände und schüttelte den Kopf.
      „Also prinzipiell doch, aber nicht in dem Ausmaß“, sagte er mit einem leicht verlegenen Lachen, bevor er die Hände wieder sinken ließ. Trotzdem blieb dieses Gefühl, als würde all das zu viel für ihn werden.
      Schließlich trat er in den Raum, und obwohl er ihn schon von der Tür aus gesehen hatte, überraschte ihn die Größe erneut. Das Bett war groß, in frische weiße Laken gehüllt, und wirkte so einladend, dass Ciel fast glauben konnte, allein die Matratze wäre weicher als alles, worauf er je geschlafen hatte.
      „Sicherlich müsst Ihr auch schlafen? Habt Ihr auch ein Zimmer?“ fragte er und musterte Oswold, mehr aus dem Bedürfnis heraus, zu wissen, wie nah dieser ihm sein würde. Und wie vorsichtig er in seinen eigenen Wänden sein musste.
      Ciel ging zu dem bodentiefen Fenster. Dahinter lag ein kleiner Balkon, von dem aus er einen malerischen Blick auf einen gepflegten Garten hatte. Das Sonnenlicht spiegelte sich auf dem Wasser eines Brunnens zwischen den Beeten, und ein leichter Wind bewegte die Blätter.
      Er ließ den Blick noch einmal durch den Raum schweifen. Das hier würde also für eine Weile sein Zuhause sein, bis sie auf Reisen gingen. So schön es auch war, er konnte sich nicht entscheiden, ob ihm der Gedanke daran Trost oder Unruhe brachte. Doch daran gewöhnen durfte er nicht, denn diesen Luxus würde er auf Reisen nicht mehr erleben. Viel mehr stellte er skich vor, wie er überwiegend auf den Boden schlafen musste.
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    • Natürlich. Der junge Ritter nickte, im festen Glauben, dass die Heilige auch in ihrer Welt eine Heilige war und daher sicherlich an diesen Luxus eines solchen Zimmer gewohnt war. Oder war sie doch tatsächlich besseres gewohnt? Trotz seines aufmerksamen Auges konnte der Ritter nicht recht sagen, was von beidem der Fall war.
      Was auch immer es war, auf ihrer Reise würde es wohl keine solchen Annehmlichkeiten geben, daher hoffte er, dass sie ihre Zeit hier genoss.
      „Selbstverständlich.“, antwortete Oswold mit einem Nicken und obwohl er versuchte freundlich – vor allem aber höflich – zu sein, lächelte er nicht. Es war einfach nicht seine Art.
      „Mir wurde das Zimmer neben eurem zugeteilt, dennoch werde ich die meiste Zeit über vor eurer Tür wachen. Ihr solltet euch an meine Nähe gewöhnen, denn nur so kann ich euch am besten beschützen.“, fügte er hinzu und hoffte, ihr nicht zu viele Unannehmlichkeiten zu machen.
      Er wusste, dass er einschüchternd, fast schon angsteinflößend wirken konnte, vor allem auf junge Frauen.
      Still beobachtete der Ritter, wie Ciel an den Balkon trat, ehe er sich nach einer Weile räusperte.
      „... soll ich euch nun alleine lassen? Braucht ihr noch irgendetwas?“, erkundigte er sich zuvorkommend.
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    • Ciel wurde aus dem Ritter noch nicht recht schlau. Es war wohl zu früh, ein Gefühl für ihn zu entwickeln, immerhin kannten sie sich kaum länger als ein paar Minuten und hatten bislang nur wenige Worte miteinander gewechselt. Dennoch war ihm sofort aufgefallen, wie ernst Oswold seine Rolle als Ritter nahm, zumindest war das Ciels Eindruck. Ob es an der Umgebung lag oder an den Umständen, konnte er nicht sagen, doch das Bild, das er bisher von ihm hatte, wirkte streng, fast unnachgiebig. Einer, der eher auf Pflicht als auf Lockerheit setzte.
      Nicht, dass Ciel nun sofort eine Freundschaft im Sinn hatte, doch er war überzeugt, dass eine gewisse Leichtigkeit auf ihrer gemeinsamen Reise hilfreich sein würde. Vielleicht ließ er sich auch wieder von seinen eigenen Gedanken zu sehr treiben. Besser war es, erst einmal abzuwarten, wie sich die kommenden Tage entwickeln würden. Trotzdem blieb in ihm der Wunsch, dass sie eine freundlichere Basis finden könnten. Auch wenn er ihn über seine wahre Identität belügen musste, so wollte er doch kein kaltes Verhältnis.
      Oswold hatte ihm offenbart, dass er die meiste Zeit in seiner Nähe sein würde. Es war nachvollziehbar, schließlich galt er in dieser Welt nun als Heilige. Hier im Schloss hatte Ciel immerhin noch den Luxus eines eigenen Zimmers, einen Rückzugsort, in dem der Ritter nicht ständig über seine Schulter wachte. Auf Reisen würde das sicherlich anders aussehen. Eigentlich war er sich sicher, dass er hier, im Zentrum der Macht, keine Gefahr zu fürchten hatte. Doch wer war er, in dieser neuen Welt, um das zu beurteilen? Er kannte weder ihre Politik noch die versteckten Gefahren.
      Ciel hob den Blick, als Oswold ihn erneut fragte, ob er noch etwas benötige.
      „Nein, das ist reichlich genug“, antwortete er mit einem kleinen, dankbaren Lächeln. Einen Moment zögerte er, dann drehte er sich ganz zu ihm um, trat einen Schritt näher.
      „Aber…“ Seine Stimme klang vorsichtig. „Wir werden in der nahen Zukunft viel miteinander reisen und vielleicht…“ Er brach kurz ab. War das zu viel verlangt? Seine Hände verschränkten sich unbewusst vor seinem Körper. „Ich habe mir überlegt, dass es gut wäre, wenn wir vertrauter miteinander werden.“
      Ciel hob den Blick und suchte den des Ritters, seine violetten Augen schimmerten unsicher. „Natürlich verstehe ich, wenn Euch das unangenehm ist.“
      Er wollte nichts erzwingen. Vor allem nicht bei jemandem, der – falls er je hinter seine Lüge kam – ihn vielleicht für einen Verräter oder gar einen Dämon halten würde. Doch trotz dieser Angst konnte er nicht anders. Irgendwie brauchte er das Gefühl, nicht völlig allein in dieser Rolle zu sein.
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    • Bedächtig nickte der Ritter, also die Heilige ihm mitteilte, dass sie nichts brauchte, doch gerade als er sich umdrehen und gehen wollte – oder besser gesagt seinen Posten neben der Tür einnehmen wollte – trat Ciel doch noch an ihn heran.
      „.... hah... ich verstehe.“, gab Oswold von sich, obwohl er es nicht verstand. Er würde sie beschützen, sein Leben geben, wenn es sein musste und alles in seiner Macht stehende tun, damit sie sich in dieser Welt wohl fühlte, ihre Aufgabe auf sich nehmen und diese Welt retten konnte.
      Umso mehr verstand er nicht, warum ervertrauter mit ihr werden musste.
      … moment. Konnte es sein, dass sie ihm nicht vertraute? Oder vielleicht einfach nicht an seine Fähigkeiten glaubte? Natürlich, in ihren Augen musste er ein vollkommener Fremder sein, welche junge Frau würde mit einem stoischen Eisbrocken wie ihm alleine unterwegs sein wollen, ohne sich wenigstens sicher sein zu können, dass man sicher war?
      Zumindest glaubte der Ritter es nun zu verstehen und nickte.
      „Selbstverständlich ist es mir nicht unangenehm.“, wusste er nicht so recht, was daran unangenehm sein sollte, „Wie genau wollt ihr denn vertrautermit mir werden, my lady? Gibt es etwas, dass sie über mich wissen möchten? Soll ich ihnen meine Schwertkünste auf dem Trainingsplatz zeigen? Stelllt mir jede Aufgabe die ihr wollt: ich werde sie meistern.“, legte Oswold die recht Hand aufs Herz und wollte ihr unbedingt beweisen, dass die Heilige ihm vertrauen konnte... vielleicht gar ein wenig zu sehr.
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    • Ciel verspürte eine leichte Erleichterung, als der Ritter ihm versicherte, dass es ihm nicht unangenehm sei. Das nahm ihm etwas von der Anspannung, die sich unmerklich in seiner Brust festgesetzt hatte. Dennoch wusste er, dass es eine Herausforderung werden würde, Oswolds Vertrauen zu gewinnen, ohne Verdacht zu erregen. Es war besser, vorsichtig zu sein und ein gutes Verhältnis zu ihm aufzubauen, schließlich würde der Ritter die meiste Zeit an seiner Seite verbringen.
      Ciel mochte es nicht, lügnerisch zu handeln. Doch diesmal stand sein Leben auf dem Spiel. Der erste Eindruck, den er von Oswold gewonnen hatte, war der eines prinzipientreuen Mannes, der sich streng an Regeln und seinen Glauben hielt. Ein Mann, der Ehrlichkeit und Ehre über alles stellte. Ciel seufzte innerlich. Vielleicht täuschte er sich, vielleicht würde Oswold ihn mit der Zeit überraschen. Aber dieser Gedanke brachte kaum Trost.
      Als Oswold dann fragte, wie sie einander vertrauter werden könnten, spürte Ciel, wie sich ein leiser Stich in seiner Brust regte. Es tat ihm weh, diesen aufrichtigen Mann anlügen zu müssen, während dieser ihm in solchem Vertrauen begegnete. Ciel zwang sich zu einem schwachen Lächeln und räusperte sich leise.
      „Ich zweifle nicht an Euren Fähigkeiten“, sagte er ruhig und suchte kurz den Blick des Ritters. „Ihr habt Eure Position sicher durch Euer Können und Eure Hingabe verdient.“ Er wandte den Blick leicht zur Seite, unschlüssig, wie er fortfahren sollte. „Ich meinte eher, dass wir… etwas Zeit miteinander verbringen. Vielleicht über uns sprechen, einander kennenlernen.“
      Seine Stimme klang vorsichtig, beinahe zögernd, als fürchte er, zu weit zu gehen. „Ich dachte, wenn wir uns besser verstehen, wird auch die Zusammenarbeit leichter.“ Er hoffte, das klang glaubwürdig genug, und nicht wie der hilflose Versuch eines Mannes, der versuchte, sich in der Rolle einer Heiligen zurechtzufinden.
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    • „Über... uns sprechen?“, hob der Ritter fragend eine Augenbraue, als wüsste er nicht so recht, was er damit anfangen sollte. Immerhin sprach er nie über sich. Es gab auch nicht wirklich etwas, das er über sich erzählen konnte. Über sein Schwerttraining zu reden würde die Dame sicherlich sowieso nur langweilen. Dennoch...
      „... wir ihr wünscht... „, war das doch eine Aufgabe, von der er nicht so richtig wusste, wie er sich ihr entgegen stellen sollte und wirkte daher tatsächlich ein wenig verloren, „Worüber... worüber würdet ihr denn gerne reden? Ich fürchte ich bin kein besonders guter Gesprächspartner.“
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    • Ciel bemerkte schnell, dass sein Vorschlag den Ritter ein wenig überforderte. Etwas so Banales wie ein Gespräch unter vier Augen schien für Oswold beinahe… fremd zu wirken. Ciel konnte noch nicht einschätzen, wie viel Nähe dieser Mann überhaupt zuließ oder inwiefern er überhaupt dazu imstande war, eine freundschaftliche Bindung aufzubauen. Doch da sein eigenes Leben von diesem Zusammenspiel abhing, musste Ciel geduldiger sein, als es ihm gerade lag.
      Zu seiner Erleichterung stimmte Oswold schließlich zu. Und als der Ritter offen zugab, kein guter Gesprächspartner zu sein, konnte Ciel sich ein leises Schmunzeln nicht verkneifen. Das hatte er längst bemerkt, Oswold war eher jemand, der mit seinem Schwert sprach als mit Worten.
      „Nun…“ Ciel betrachtete den langen, hellen Flur, in dem sie standen. Die hohen Decken, der polierte Boden, die prunkvollen Säulen. All das wirkte schön, aber kalt. Eine Atmosphäre, die jedes persönliche Wort im Keim erstickte. Hier fühlte er sich zu beobachtet, zu eingesperrt, um sich wirklich zu öffnen.
      „Ich habe einen kleinen Vorschlag“, sagte er schließlich und nickte für sich selbst, nachdem er den Gedanken zu Ende geführt hatte. „Ich möchte das Land und die Menschen kennenlernen. Wie wäre es, wenn wir gemeinsam in die Stadt gehen und uns dabei unterhalten?“
      Vielleicht würde Oswold sich in einer lebendigeren Umgebung etwas entspannen. Und selbst wenn nicht, so hätte Ciel zumindest das Gefühl, sich nicht völlig verloren zu fühlen, während der Ritter neben ihm seiner Aufgabe nachging, ihn zu beschützen.
      Natürlich musste er dabei vorsichtig sein. Er hatte nicht vor, offen zu zeigen, dass er die Heilige war. Allein die Vorstellung, sich vor der gesamten Stadt als solche ausgeben zu müssen, ließ ihm einen unangenehmen Schauer über den Rücken laufen. Bei Oswold genügte es bereits, ständig in der Rolle einer Frau zu bleiben.
      „Natürlich nur in unauffälliger Kleidung“, fügte Ciel schnell hinzu und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich möchte nicht, dass gleich die halbe Stadt über mich herfällt.“
      Ein schwaches Lächeln glitt über seine Lippen, halb scherzhaft, halb nervös. Er wusste selbst, dass dieser Ausflug für ihn genauso sehr eine Probe werden würde wie für den Ritter.
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