Zairen Akademie [Nio x Yumia]

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    • Sirelle musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen, als sie hörte, wie Zevran auf die Gerüchte reagierte. Offensichtlich ließ er den Unsinn nicht an sich heran, was ihr insgeheim gefiel. Andere hätten sich vielleicht getroffen oder provoziert gefühlt, doch Zevran zeigte keinerlei Regung. Wahrscheinlich waren die Geschichten auch schlicht zu absurd, um sie ernst nehmen zu können. Für Sirelle selbst lag in all dem keinerlei Ernsthaftigkeit, vielmehr empfand sie es als köstlich amüsant, wie weit verdreht und ausgeschmückt eine simple Begebenheit schon werden konnte.
      Ihr Schmunzeln erstarb jedoch, als sie eine allzu vertraute Stimme hörte. Nadiem. Unwillkürlich verdrehte sie die Augen, ehe sie ihren Kopf hob und den Blick in seine Richtung lenkte. Ihre rechte Augenbraue zuckte hoch, als sie erkannte, dass er von gleich zwei Damen flankiert wurde. Ein Anblick, der sie nicht im Geringsten überraschte.
      Seine Bemerkungen prallten an ihr ab. Sie fand sie vielmehr kindisch, beinahe lächerlich, doch sollte jeder nach seiner eigenen Art leben. Was sie allerdings weniger verstand, war die Einmischung des Mädchens an seiner Seite. Wo war jenes Mädchen, um das es tatsächlich Streit gegeben hatte? Die eigentliche Ursache des Tumults von heute?
      Sirelle verharrte mit neutralem Gesichtsausdruck, ließ das kleine Schauspiel ohne sichtbare Reaktion an sich vorüberziehen. Innerlich war sie jedoch erleichtert, dass Zevran nicht in irgendeiner Weise gehandelt hatte. Ein Ausbruch an diesem Ort, vor all diesen Augen, wäre alles andere als günstig gewesen. Das Publikum war bereits aufmerksam genug, ihre Blicke hafteten nun an ihr und Zevran, als Nadiem sich ihnen näherte. Der ganze Saal schien den Atem anzuhalten, nur um zu sehen, wie es weiterging.
      Gerade noch rechtzeitig hörte sie, wie ihre Namen aufgerufen wurden. Mit einem kaum merklichen Seufzen streifte sie ihren Arm gegen den von Zevran, eine stumme Aufforderung, sich zu bewegen und ihr zu folgen. In Gedanken hoffte sie inständig, dass er ohne weiteren Vorfall mit nach vorne treten würde. Es war schon beschämend genug, dass sie ihn vorhin fast auf die Bühne zerren musste.
      Sirelle trat vor, verbeugte sich knapp und ließ den Blick über die Menge gleiten, ehe sie die Bühne ebenso schnell wieder verließ. Für sie gab es keinen Grund, noch länger im Rampenlicht zu verweilen. Die Aufmerksamkeit der Massen war ihr eher unangenehm, und der Hunger, den sie den ganzen Abend über verspürt hatte, machte sich nun wieder bemerkbar.
      Ohne Zevran eines weiteren Blickes zu würdigen, steuerte sie auf das Buffet zu. Mit einem neuen Teller in der Hand begann sie, sich erneut Köstlichkeiten aufzufüllen. Dieses Mal wollte sie endlich dazu kommen, die Speisen wirklich zu genießen, statt sie zwischen zwei Verpflichtungen hastig herunterzuschlingen. Während sie die Auswahl durchging, nahm sie stillschweigend an, dass Zevran den Saal ohnehin bald verlassen würde. Hier gab es kaum etwas, das ihn länger fesseln konnte.
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    • Zevran ließ die stickige Luft des Ballsaals hinter sich, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Das Gemurmel, die Blicke, das Geflüster – es klebte an ihm wie eine zweite Haut, die er so schnell wie möglich loswerden wollte. Ein einziger Tag, und schon war es wieder wie letztes Jahr. Streit mit irgendeinem verwöhnten Kind aus gutem Haus, Gerede in allen Ecken, und nun eine Partnerin, die er im Ernstfall hätte schützen müssen. Ein Fluch, der sich wiederholte, kaum dass er seinen Fuß hier gesetzt hatte.

      Sein Blick blieb kurz am Eingang hängen. Er spürte es deutlich – beobachtet. Nicht von den hungrigen Augen der Schüler, die nur auf das nächste Gerücht lauerten. Nein. Dies war anders. Wachsam, prüfend. Jemand, der nicht bloß aus Langeweile herüberstarrte, sondern mit ernsterem, tieferem Interesse. Doch Zevran ignorierte es. Wer ihn nicht direkt konfrontierte, verdiente keine Beachtung. Er hatte keine Geduld für Schatten, die ihre Zungen nicht wagten, im Licht zu bewegen.

      Draußen umfing ihn die Dunkelheit. Der Kies knirschte unter seinen Schritten, hart, kalt, mechanisch. Sein Weg führte ihn geradewegs zum Wohnhaus der männlichen Schüler, und dennoch drifteten seine Gedanken davon – ungewöhnlich für ihn, der sonst selten dem eigenen Geist erlaubte, vom Pfad abzuweichen.

      Sirelle.
      Ihre Worte nagten in ihm. „Du willst keinen Guide, du willst einen Veyra.“
      Sie hatte recht. Er hatte nie das Bedürfnis verspürt, dass jemand neben ihm stand, um ihn zu kontrollieren. Seit dem Ausbruch seiner Kräfte damals hatte er gelernt, das Chaos in sich selbst zu bändigen. Zumindest glaubte er das. Doch wozu dann dieser ganze Zwang mit den Guides? Wozu diese Regeln, diese Bindungen?

      Ein Guide… würde ihn nur hemmen. Wenn jemand an seiner Seite nicht kämpfen konnte, war er nur Ballast. Ein Klotz am Bein, der ihn in entscheidenden Momenten nach unten zog. Zevran ballte unwillkürlich die Faust, während er weiterging.

      Vielleicht war es an der Zeit, die Schulleitung direkt zu konfrontieren. Eine Sondergenehmigung beantragen, für die Turniere allein anzutreten. Keine Fesseln, keine Kompromisse. Doch so schnell, wie dieser Gedanke aufflammte, so bitter erlosch er auch wieder. Wer würde ihm schon diese Freiheit gewähren? Dem Sohn des Verräters.

      Ein schmaler, kalter Atemzug entwich seinen Lippen.
      „Wohl kaum …“ murmelte er, kaum hörbar.

      Sein Blick wanderte in den Nachthimmel, ehe er das Wohnhaus erreichte. Morgen würde ein neuer Tag voller Prüfungen beginnen – und er wusste schon jetzt, dass dieser Ort ihn noch lange nicht in Ruhe lassen würde.
    • Sirelle verbrachte den Rest des Abends damit, andere zu beobachten, sich durch das Buffet zu probieren und die Gespräche im Hintergrund halb aufmerksam zu verfolgen. Lyra tauchte nicht mehr bei ihr auf, vermutlich hatte sie die Informationen erhalten, die sie wollte, und wurde nun an anderer Stelle gebraucht. Für Sirelle war das kein Verlust. Sie war froh, für den Moment ihre kleine Freiheit zu genießen, ohne dass jemand ihre Aufmerksamkeit für sich beanspruchte. So verging die Zeit schneller, als sie gedacht hätte. Erst als sie sich streckte und der Blick zufällig durch den Saal wanderte, bemerkte sie, dass Zevran längst verschwunden war.
      In den folgenden Tagen zeigte sich das Muster immer deutlicher. Wann immer Sirelle versuchte, ihren Veyra aufzusuchen, war er bereits verschwunden oder nicht aufzufinden. Es war frustrierend. Sie verlangte keine Freundschaft, nicht einmal Nähe, sondern nur ein Mindestmaß an Zusammenarbeit, ein respektvolles Miteinander. Doch selbst das schien schwerer zu sein, als sie geahnt hatte. Es war, als legte ihr das Leben mit Absicht Steine in den Weg.
      Und dann kam der Tag, vor dem man sie gewarnt hatte. Schon am Vortag hatte man die neuen Paare darüber informiert, dass es Prüfungen geben würde, Übungen, die die Bindung zwischen Veyra und Guide auf die Probe stellen sollten. Sie sollten frühzeitig Schwächen offenlegen, damit man an ihnen arbeiten konnte. Für Sirelle bedeutete das vor allem eins: sie hatte keinerlei gemeinsame Basis mit Zevran aufbauen können.
      Am Morgen versammelten sich alle neuen Paare auf einer weitläufigen Kampffläche im Freien. Der Boden war festgestampft, die Fläche groß genug, dass mehrere Kämpfe gleichzeitig stattfinden konnten. Sirelle fühlte ein mulmiges Ziehen in der Magengegend, während ihr Blick über die Reihen glitt und schließlich bei Zevran hängen blieb, der sich wie erwartet nicht an ihre Seite gestellt hatte. Typisch.
      Eine Lehrkraft trat nach vorne. Er war ein hochgewachsener Mann mit kräftiger Stimme, die schon ohne Anstrengung den Platz erfüllte. Seine Hände hielt er hinter dem Rücken verschränkt, der ernste Blick ließ keinen Zweifel daran, dass dies keine lockere Übung werden würde.
      „Heute werdet ihr getestet“, begann er mit ruhiger, aber durchdringender Stimme. „Nicht in eurer Kraft allein, sondern in eurer Bindung zueinander. Ein Veyra ohne Guide ist nur halb so stark. Ein Guide ohne Veyra kann sich nur schwer behaupten. Vertrauen ist das, was ihr hier beweisen müsst. Wenn ihr die Zeit genutzt habt, habt ihr bereits ein Fundament gelegt. Wer es nicht getan hat, wird das heute spüren.“
      Er ließ eine kurze Pause, während er die Reihen der Schüler mit scharfem Blick musterte.
      „Ihr werdet gegeneinander antreten. Kämpfen, bis ich oder ein anderes Mitglied der Aufsicht stoppt. Verletzungen werden vorkommen, das liegt in der Natur dieser Prüfung. Doch töten ist verboten. Wenn ich stoppe, ist sofort aufzuhören. Wer weiterkämpft, wird disqualifiziert und härter bestraft, als ihr es euch wünscht.“
      Mit diesen Worten öffnete er eine schlichte Holzkiste an seiner Seite, in der viele kleine gefaltete Zettel lagen. Mit bedächtiger Hand griff er hinein, entfaltete die Zettel nacheinander und las die Namen der Paare vor, die gegeneinander antreten sollten. Jedes Mal gingen Raunen und erwartungsvolle Blicke durch die Reihen, während die ersten Paare auf die Fläche traten. Manche wirkten angespannt, andere beinahe überheblich.
      Sirelle und Zevran kamen erst spät an die Reihe. Mit jedem weiteren Namen, der nicht ihrer war, wuchs in ihr eine Mischung aus Erleichterung und Unruhe. Sie hatte mehr Zeit, sich vorzubereiten, doch zugleich nagte der Gedanke an ihr, dass sie im Grunde keine Ahnung hatte, wie sie an Zevrans Seite bestehen sollte.
      Als schließlich ihre Namen genannt wurden, spürte sie, wie ihr Herz schneller schlug. Ein Dolch war ihre einzige Waffe und sie wusste, dass ihre Stärken nicht in der direkten Konfrontation lagen. Vor allem wusste sie, dass Zevran ganz andere Erwartungen an sie hatte und ihre Rolle misinterpretierte. Er wollte ein Veyra an seiner Seite, der mit ihm kämpfen konnte und nicht jemand, der hinter seinem Rücken ihn unterstützte. Die Rolle eines Guides lag in einem ganz anderen bereich, als Zevran sich wünschte und seine Enttäuschung und Missgunst ihr gegenüber, würde er ihr zeigen und offenlegen. Es würde sie nicht überraschen, wenn er nach der Übung ihr wieder drohen würde diese Bindung nicht haben zu wollen, auch wenn sie beide wussten, dass das nicht möglich war. Doch dann würde er sich ihr vollkommen verschließen, ihr nicht die Möglichkeit geben eine Basis gemeinsam aufzubauen, was sie beide nur hindern wird. Doch Sirelle schätzte ihn zu stur und verkrampft in seiner Sichtweise, als dass er kritisch an seiner eigenen Denkweise herangehen würde. Bis sie beide drankamen, hatte sie zumindest die Möglichkeit sich Gedanken drüber zu machen wie sie das bevorstehende Chaos minimieren kann.
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    • Zevran hatte die letzte Woche fast ausschließlich auf dem Trainingsplatz verbracht. Mit jedem Tag, den er sein neues Kurzschwert in den Händen hielt, war das Gefühl gewachsen, dass er endlich seinen eigenen Rhythmus gefunden hatte. Die Klinge war schwerer als sein altes Schwert – forderte ihn mehr, verlangte nach Präzision und Kontrolle. Anfangs hatte er geflucht, als die Muskeln in seinen Armen brannten und jeder Schlag zu schwerfällig wirkte. Doch nach Tagen voller Schweiß, Blut und endloser Wiederholungen hatte er den Dreh raus. Jetzt fühlte sich das Gewicht nicht mehr wie eine Last an, sondern wie rohe Kraft in seinen Händen, bereit, entfesselt zu werden.
      Sirelle hatte er in dieser Zeit kaum gesehen. Es war besser so. Sie lebte ihr Leben, er seines. Viel Worte oder Nähe brauchte es zwischen ihnen ohnehin nicht. Zevran war überzeugt, dass ihre Welt niemals dieselbe sein konnte – sie kam aus Ordnung und Regeln, er aus Misstrauen und Kampf. Schon das reichte, um eine Mauer zwischen ihnen zu ziehen. Und Mauern hielt er lieber aufrecht, anstatt sie einzureißen.

      Als er hörte, dass die erste Prüfung ein Kampf sein würde, hatte es in ihm kurz aufgelodert. Ein Funkenschlag, der seinen Brustkorb erfüllte. Endlich etwas anderes als stures Training. Endlich ein Gegner aus Fleisch und Blut, der zurückschlagen konnte. Endlich Spannung. Er brannte darauf, zu sehen, ob das, was er in der letzten Woche geschliffen hatte, im Ernstfall hielt.
      Die Gegner wurden aufgerufen, einer nach dem anderen. Zevran stand ein Stück abseits, die Hände fest um den Griff seines Kurzschwerts gelegt. Erst als er ihren Namen hörte, hob er den Kopf. Neben ihm tauchte Sirelle auf, wie so oft ordentlich gekleidet, mit diesem distanzierten Ausdruck, der ihn eher an eine Lehrmeisterin erinnerte als an eine Partnerin. Er musterte sie nur flüchtig, ehe sein Blick bereits zur gegenüberliegenden Seite des Platzes wanderte.

      Dort traten zwei Männer vor. Brüder, so schien es. Der eine war breit gebaut, ein bulliger Typ mit kurzgeschorenen, dunkelbraunen Haaren, die Stirn von einem alten Schnitt gezeichnet. Er wirkte wir ein richtiger Kämpfer, gut ausgebildet, ordentlich Muskeln, aber nicht dumm. Doch sein Gang ließ vermuten, dass er mehr auf rohe Gewalt setzte als auf Eleganz. Seine große Kriegsaxt verdeutlichte diesen Eindruck nochmal. An seiner Seite stand ein schmalerer, jüngerer Bursche mit zerzaustem, hellem Haar und schnellen, wachen Augen. Seine Bewegungen hatten etwas von einem Raubtier, das nie stillsteht. Er wirkte flink, unberechenbar, und die Art, wie die beiden nebeneinander standen, verriet, dass sie ein eingespieltes Team waren.

      „Brannon und Murak Norikk“, murmelte jemand in den Reihen. „Die Brüder aus dem Nordflügel.“ Ein Raunen ging durch die Menge. Offenbar hatten die beiden schon einen Ruf.
      Zevran verzog den Mund zu einem kurzen, schiefen Lächeln. Perfekt. Genau das, was er gebraucht hatte.
      Er trat einen halben Schritt auf die Kampffläche und drehte sich dabei kurz zu Sirelle. Seine Stimme war leise, aber fest.

      „Bleib hinten. Ich regel das.“
      Kein Bitte, kein Blick, der um Zustimmung bat. Nur eine klare Ansage. In seinen Augen war sie ohnehin Ballast, jemand, der ihn nur ausbremsen würde. Und jetzt, da es endlich um etwas ging, war er entschlossen, sich nicht zurückhalten zu lassen.
    • Sirelle wirkte angespannt, als sie endlich die Namen hörte und sah, gegen wen sie und Zevran antreten sollten. Ihr Herz rutschte ihr in die Hose. Auf den ersten Blick schien es ein fairer Kampf zu sein: ein bulliger Mann gegen Zevran, während sie selbst dem schlankeren der beiden Brüder gegenüberstehen würde. Doch was sie beunruhigte, war die offensichtliche Vertrautheit zwischen ihren Gegnern. Sie bewegten sich mit einer Selbstverständlichkeit, die nur aus jahrelanger Zusammenarbeit entstehen konnte. Etwas, das zwischen ihr und Zevran schlicht nicht existierte.
      Während die beiden Brüder sich kurz zunickten, klaffte zwischen ihr und ihrem Veyra eine unübersehbare Distanz. Sirelle wusste von Anfang an, dass sie diesen Kampf nicht gewinnen würden. Vertrauen, Zusammenspiel und gegenseitiges Verständnis wogen schwerer als rohe Kraft oder individuelle Fähigkeiten. Zwei Menschen, die einander nicht verstanden, konnten kaum gegen ein eingespieltes Team bestehen. Zu allem Überfluss stellte sich heraus, dass ihre Gegner Brüder waren. Sirelle senkte kurz den Blick. Der Ausgang war damit besiegelt.
      Sie gab den Kampf innerlich bereits auf, nicht aus Pessimismus oder Schwäche, sondern aus klarem Realismus. Doch sie wusste, dass sie Zevran das nicht sagen konnte. Sie kannte seine Sturheit nur zu gut, und bevor sie sich vor dem Kampf noch stritten, schwieg sie. Sie würde kämpfen, so gut es ging, und das Beste daraus machen. Ein Gespräch oder gar eine gemeinsame Strategie war unmöglich. Zevran hatte ihr nur knapp bedeutet, dass er den Kampf selbst regeln würde und sie sich nicht einzumischen habe.
      Sirelle haderte mit sich. Ein Teil von ihr wollte aus Trotz genau das tun, was er verlangte, um ihm zu zeigen, wie nutzlos seine Haltung war. Doch ihre Vernunft und ihr Pflichtbewusstsein siegten. Sie hatte Prinzipien, und so sehr sie sich über Zevran ärgerte, sie konnte ihn nicht einfach in sein Verderben laufen lassen. Sie seufzte leise. Der heutige Tag würde anstrengend werden, das spürte sie bereits jetzt.
      Die beiden Brüder traten gegeneinander an, einer mit purer Muskelkraft, der andere mit Geschwindigkeit und Präzision. Ihre Rollen ergänzten sich perfekt, fast schon spiegelbildlich zu Zevran und ihr selbst, nur dass sie beide keinerlei Zusammenspiel besaßen. Zu Sirelles Frust machte Zevran keinerlei Anstalten, sie einzubeziehen. Stattdessen stürzte er sich alleine in den Kampf, als wolle er beide Gegner gleichzeitig besiegen.
      Sirelle schloss kurz die Augen und fragte sich, in welchem Teil seines sturen Kopfes dieses Szenario für möglich gehalten wurde. Sie konnte ihren missbilligenden Blick kaum verbergen. Vielleicht, so dachte sie sich, sollte sie ihn erst einmal machen lassen und später eingreifen. Ein Sieg war ohnehin ausgeschlossen. Wenn sie Glück hatte, konnte sie ihm zumindest einen kleinen Lerneffekt verschaffen. Ob sie eingriff oder nicht, Chaos war in jedem Fall unvermeidlich.
      Also blieb sie zunächst zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete das Geschehen. Sie studierte die Bewegungen der Brüder, die Art, wie sie kommunizierten, oft nur durch kurze Gesten oder Blicke. Genau so musste ein Zusammenspiel aussehen. Wie erwartet, begann Zevran sich bald Verletzungen zuzuziehen. Seine Abwehr funktionierte nicht so, wie er es sich wohl vorgestellt hatte. Während der größere Bruder ihn mit Kraft in Schach hielt, schlich sich der kleinere immer wieder in seinen toten Winkel.
      Hinter Sirelle vernahm sie leises Tuscheln. Einige Schüler fragten sich offenbar, warum sie nicht half. Sie ignorierte es zunächst, doch als weitere Sekunden verstrichen, hielt sie es nicht mehr aus. Tatenlos zuzusehen, war nicht ihre Art.
      Entschlossen trat sie auf die Kampffläche, leise und schnell, sodass Zevran es zunächst gar nicht bemerkte. Es war besser so. Er sollte sich auf den Mann mit der Axt konzentrieren, sie würde sich um den anderen kümmern. Sirelle beschleunigte ihren Lauf, und im letzten Moment, kurz bevor die Klinge des kleineren Bruders Zevrans Achillessehne treffen konnte, blockte sie den Schlag mit ihrem Dolch.
      „Nicht so schnell“, sagte sie ruhig und lächelte leicht, während sie den Gegner musterte. Der Junge sprang sofort zurück, hielt nun deutlich mehr Abstand.
      Zevran würde sie vermutlich ignorieren, das wusste sie, doch das war in Ordnung. Ihre Aufgabe war es jetzt, ihn zu decken und die hinterhältigen Angriffe des zweiten Bruders abzuwehren. Sie hätte ihn gerne selbst attackiert, aber sie wusste, dass sie alle Hände voll zu tun haben würde, Zevran den Rücken freizuhalten. Unterstützung von ihm konnte sie nicht erwarten, also musste sie sicher und bedacht agieren.
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