​Bound by Blood [Alea&Hemera]

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    • ​Bound by Blood [Alea&Hemera]

      Bound by Blood



      Vorstellung

      ☽◯☾

      Rote, glitzernde Augen starrten Luna erbarmungslos nieder, welche mit den Unterarmen auf einen Tisch vorgelehnt stand. Stur erwiderte sie den Blick ihrer Krähe, bis sie schließlich seufzend den Kopf auf ihre Arme sinken ließ. "Nagut, du hast gewonnen", nuschelte sie mürrisch. Sie drehte den Kopf zur Seite und sah aus dem Fenster, durch welches das silbrige Licht des Vollmonds schien. Langsam rappelte sie sich auf und stützte nur noch die Handflächen auf die hölzerne Tischplatte. "Vielleicht besser so, nicht noch einen Vollmond abzuwarten", entgegnete sie der Krähe, die triumphierend vor ihr auf und ab lief, "dann muss ich mir nicht noch ein Zirkeltreffen antun, wo mich alle so blöd anschauen." Sie atmete tief ein und ließ einen lauten Seufzer entweichen, bevor sie sich komplett vom Tisch abstieß.
      Nachdenklich sah sie sich in ihrem chaotischen Wohnzimmer um. Zwischen Kleidung und Kristallen, Büchern und getrockneten Kräutern versteckt, lag auf dem grauen Sofa ein spezielles, in Leder gebundendes Buch, das Luna suchte. Sobald sie es mit ihrem Blick fixiert hatte, zog sie es aus dem Chaos hervor, legte die staubigen Seiten auf dem Tisch ab und schlug die mit einem Lesezeichen markierte Stelle auf. Castor, die Krähe gegen die Luna den Starrwettbewerb verloren hatte, platzierte sich neben sie um mit in das vergilbte Papier zu schauen. "Für sowas wäre ein Keller oder so nützlich, aber wird schon gehen", sprach die Silberhaarige mit einem Schulterzucken und suchte verschiedene Kerzen zusammen. "Erstmal musst du die Formel hinbekommen", krächzte Castor weniger nützlich der Hexe zu und sah belustigt mit an, wie sie versuchte in ihrem Wirrwarr an Sachen, die richtigen für diesen Zauber zu finden. "Ich impovisier ein bisschen, wie gesagt, das wird schon", entgegnete Luna mit einem Augenrollen und legte ein halbes Dutzend Kerzen auf dem Tisch ab, "du kannst dich ja statt zu meckern nützlich machen." Mit einem vielsagenden Blick platzierte sie schwarze Kerzen um das Buch herum und zündete ein Streichholz an, welches sie Castor hinhielt. Widerwillig half die Krähe aus indem sie das Streichholz zwischen den Schnabel nahm und die einzelnen Kerzen anzündete. Da der Raum nun von den kleinen Flammen und zusätzlich dem hellen Mondlicht von draußen erhellt wurde, schaltete Luna das Zimmerlicht aus.

      Jetzt wurde es tatsächlich ernst. Schon länger hatte sie diese Idee, einen Dämon beschwören zu wollen. Erst vor kurzem hatte sie aber dieses Buch auf dem Tisch gefunden, was angeblich alte und längst vergessene Dämonen, mitsamt deren Beschwörungsformel beinhielt. Natürlich hatte sie ausgerechnet die Seite interessiert in der handschriftlich hinzugefügt wurde, dass man einen Bann lösen muss, um das dazugehörige Wesen in die eigene Welt zu holen. Vielleicht war es auch besser so, denn die Hälfte der Beschwörung konnte sie nicht verstehen und die andere Hälfte war so ausgebleicht, das man sie sowieso nicht lesen konnte - lediglich einen Namen für den Dämon konnte sie ausmachen. Wieder mit den Handflächen auf der Tischplatte stand sie angelehnt über dem Buch und dachte laut nach: "Dann zeichnen wir trotzdem einen Beschwörungskreis oder? Weil ist ja immer noch eine Beschwörung.." Kurz haderte sie, doch dann holte sie ihre letzten Zutaten für den Zauber. Eine Schüssel mit Asche, einen Ritualdolch und sich selbst. Da dies eine Beschwörung eines Dämons war, brauchte es auch ihr Blut dafür, schließlich sollten seine Kräfte und Fähigkeit an sie gebunden sein. Luna wusste, dass der Preis noch deutlich höher war, als nur ihr eigenes Blut, aber darum würde sie sich Sorgen machen, wenn es soweit war.
      Sie atmete tief aus, nahm den Dolch in ihre eine Hand und schnitt sich damit in die Handfläche der anderen. Sofort zuckte sie fluchend zusammen, konzentrierte sich aber darauf ihre blutende Hand über der Schale zu behalten. "Fuck, tut das weh", zischte sie mit schmerzverzogenem Gesicht, "stell dir vor das funktioniert gleich einfach nicht." Amüsiert krächzte Castor und sah zu, wie die Hexe sich quälend versuchte ein paar weitere Tropfen Blut aus ihrer Hand zu quetschen. Dann war es aber anscheinend genug, denn sie nahm die Schale mit ihrer unverwundeten Hand auf und setzte sich auf den Boden. Mit einem Finger mischte sie die Asche und ihr eigenes Blut zu einem klebrigen Brei, den sie schließlich nutzte um einen Beschwörungskreis auf die Holzbretter ihres Wohnzimmerbodens zu malen. Teils aus dem Buch kopiert, an anderen Stellen von ihr improvisiert, wenn die Zeichen auf den alten Seiten nicht mehr zu erkennen waren.

      Luna stellte die Schale auf die Seite und betrachtete den fertigen Beschwörungskreis vor sich, dann blickte sie suchend nach Zustimmung zu Castor. Dieser nickte ihr aufmunternd zu. Sie richtete sich auf, um möglichst gerade auf ihren Knien zu sitzen, und drückte ihre unverletzte Hand auf die offene Wunde, damit sie aufhören würde zu bluten. Ein letztes Mal atmete sie tief ein und aus. Dann begann sie unheilsvoll zu sprechen:

      "Darraghûn, höre mich,
      nicht mit Bitten, sondern mit Blut.
      Ich breche das Schweigen, das einst dich band.

      Sanguis meus, mein Blut sei Preis,
      für Freiheit und den teuflischen Kreis.
      Was gebannt war, soll sich erheben,
      was verbrogen war, sei offenbart.

      Ich rufe dich bei all deinen Namen,
      den gesprochenen, geflüsterten, verfluchten.
      Und bei jenen, die nur das Dunkel noch kennt,
      verloren in Asche, verschluckt vom Schweigen der Zeit.

      Darraghûn, komm frei,
      Pakt besiegelt, mein Blut ist dein,
      was ich suche, wird nun sein."

      Ehe sie das letzte Wort gesprochen hatte, erloschen plötzlich all die Kerzen auf dem Tisch. Nur noch das Licht des Vollmondes erleuchtete den Raum und zeichnete den Umriss eines großgewachsenen Mannes vor ihr. Lunas hellblaue Augen wanderten geweitet vor Schreck langsam und unsicher vom Boden hinauf über seine Beine, hoch zu seinem Oberkörper und schließlich zu seinem Gesicht. Ganz in Schwarz und Dunkelheit gehüllt stand er vor ihr. Hatte sie alles richtig gemacht? Hatte es tatsächlich funktioniert? Sie konnte kaum etwas von ihm ausmachen, lediglich rote Augen, die ihr entgegen blickten.

      ☽◯☾

      @Alea CroniX
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Es war, als würde Corvus im Nichts erwachen. Keine Dunkelheit oder Schwärze umhüllte ihn, sondern ein leerer Ort, in dem weder Zeit noch Raum existierte. So fühlte es sich zumindest für den Dämon an, als sein Bewusstsein langsam erwachte. Doch was er noch mehr vernahm, als dieses endlose Nicht, waren die unsichtbaren Fesseln, die sich um seinen Körper gelegt hatten und dass ihm seine Kräfte anscheinend fehlten, denn sonst hätte er diese Ketten schon längst gesprengt.
      All diese Eindrücke prasselten auf ihn nur in wenigen Sekunden ein und dann vernahm einen Ruf, wie von weit her. Und der Ruf wurde lauter, gebieterisch, als könne er sich dem Befehl nicht widersetzen. Wer wagte es nur, ihn zu unterwerfen, einen Dämon, so alt wie die Zeit, geboren aus dem Schatten des Lichts. Corvus versuchte sich dem Ruf zu widersetzen, alles in ihm lehnte sich dagegen auf. Er hat noch nie jemanden gedient und wollte damit erst recht nicht anfangen. Sein Bewusstsein weigerte sich vehement dagegen, was plötzliche Erinnerungsfetzen in ihm hervorriefen. Der Dämon sah vor seinem inneren Auge Hexen und Hexer, ja gar einen ganzen Zirkel, wie sie umkreist hatten, und ihre Bannzauber immer und immer wieder wie ein Mantra wiederholten. Und mit diesen Erinnerungsfetzen kam ein unerträglicher Schmerz, der sein Innerstes zu zerquetschen drohte. "Lass los …" hörte ein leises Flüstern in seinen Ohren. "Lass los und der Schmerz geht vorbei." flüsterte die Stimme weiter und dieses Angebot wurde von Augenblick zu Augeblick verführerischer. Und da Corvus dieses Leid nicht mehr ertragen wollte und konnte, wurde sein Widerstand schwächer, bis er schließlich ganz aufgab.
      Die magischen Fesseln lösten sich und als würde sein Körper gar keine Form besitzen, wurde aus dieser Sphäre gezogen nur, um wieder neue Ketten zu spüren, die ihn festhalten. Doch diese waren etwas anders, sorgten sie nicht, dass er an einem Fleck verweilte und Höllenschmerzen durchlebte. Diese zog ihn mit sich, fast wie eine Rettungsleine und dabei tauchten immer wieder Bilder und Eindrücke um ihn auf, die wie grelle Blitze aufleuchteten. Corvus’ Sein war in einer Sphäre verankert, die Jahrhunderte vom heutigen Zeitpunkt entfernt war und es ist die Zeit und deren Geschichte, die an ihm so rasant vorbeiflitzte, dass er so gut wie nichts erkennen konnte.
      Und dann kam er endlich im Hier und Jetzt an. Die Schwärze, die den Raum erfüllte, noch dunkler als irgendein Schatten, zog sich zusammen und formte seinen Körper. Seine Gestalt war erst nur schemenhaft zu erkennen, doch rasch manifestierte sich diese und bevor sein Bewusstsein überhaupt diesen Körper erreichte, schlug er auch schon seine rot glühenden Augen auf. Danach wurde Raum mit einem markerschütternden Schrei erfüllt, der alles andre als menschlich klang. Das Glas erzitterte und nur etwas länger, wäre es wohl gebrochen, doch so weit kam es zum Glück nicht. Dieser Schrei füllte Corvus Lungen mit Luft, die er so lange nicht mehr geschmeckt hatte. Er fühlte sich, als wäre endlos Unterwasser gewesen und jetzt endlich durch die Wasseroberfläche gestoßen. Sein Körper, der noch für einen Moment in der Luft schwebte, glitt zu Boden und er konnte mit seinen nackten Füßen den Boden spüren, der merkwürdig weich war. Sein Körper wurde nur spärlich mit einem schwarzen Lendenschurz bedeckt und noch etwas benommen, sah sich der Dämon langsam um. Seine Augen mussten sich an das wenige Licht gewöhnen und als er dann mehr erkennen konnte, entdeckte er auch schon eine Frau. Aber nicht irgendeine Frau, denn mit all den Utensilien, die er hier vorfand, musste es eine Hexe sein.
      "Wer wagt es, mich zu beschwören?" fragte seine rauchige und noch etwas kratzige Stimme. Seine ersten Worte, nach so vielen Jahrhunderten. Seine rot glühenden Augen fixierten die Frau, deren Haar im Mondenschein wie Silber glitzerte. Eine hübsche Farbe, doch würde sie das nicht vor dem Tod schützen. Denn Corvus würde diese Hexe vernichten, vielleicht gar verschlingen, um ihre Kraft in sich aufzunehmen. Denn er fühlte sich merkwürdige schwächlich, so als wäre er nicht vollständig. Doch zuerst musste der Dämon herausfinden, wo er ist oder besser, wann er ist. Je mehr er sich umblickte, desto unbekannter und fremder erschien ihm hier alles. Auch das Gewand, dass die Frau trug, sah befremdlich aus. Vielleicht sollte er zuerst ein paar Informationen einholen, danach konnte er sie immer noch töten.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Ein ohrenbetäubender Schrei ließ die junge Hexe erschrocken zusammenzucken und sich schützend die Hände an den Kopf legen. Auch ihr Begleiter Castor war sichtlich irritiert von dem zerreißenden Ton, der eher von einem Tier als einem Menschen stammen könnte. Die schwarze Krähe schlug wild mit den Flügeln und verteilte einzelne dunkle Federn auf der Tischplatte, bevor sie sich eng neben Luna auf dem Boden platzierte. Der silberne Haarschopf beobachtete sprachlos wie sich aus den finsteren Schatten langsam ein menschlicher Körper bildete. Kaum bedeckt stand der beschworene Dämon nun vor ihr und sie brachte keinen Ton hervor. Es war als wäre ihr bei dem Anblick, der sich vor ihr erstreckte, die Stimme im Hals stecken geblieben. Luna hatte so viel zu Dämonen gelesen und einige Illustrationen, sowie Beschreibungen, in sich aufgesogen. Bisher hatte sie aber nur von Gestalten mit Hörnern und animalischem Aussehen gehört, nicht das ein Dämon auch eine so menschliche Erscheinung haben konnte. Offensichtlich brachte es die Hexe für wenige Herzschläge aus dem Konzept, denn sie brauchte etwas um seine Frage wahrzunehmen und diese zu beantworten.

      Vorsichtig und mit langsamen Bewegungen richtete sich die junge Frau auf, um der schwarzhaarigen Gestalt gegenüber zu stehen. Unbekannt blickten sie rote, glühende Augen an, bevor sie den Raum suchend erforschten. "Ich bin Luna", entgegnete sie mit erstickter Stimme, "Ich habe dich beschworen, also wirst du mir gehorchen." Sagte man das so? Ihre hellen Augen sahen unsicher zu Castor runter, der neben ihren Füßen auf dem hölzernen Boden stand und genauso zweifelnd wie seine Hexe dreinblickte.
      Immer stand in den Büchern nur wie man einen Dämon beschwört, nicht was danach kommt. Ihre verletzte Hand drückte sich in den Stoff ihres dunklen Rocks, der in der Mitte ihres Oberschenkels endete. Mittlerweile hatte sich Luna an die Dunkelheit gewöhnt und konnte etwas mehr von ihrem Gegenüber ausmachen. Abseits von den bedrohlichen Augen, die den ihres eigenen Begleiters sehr ähnelten, sah er wie ein normaler, drahtiger Mann aus.
      Unsicher presste Luna die Lippen aufeinander, bevor sie mit ihren dunkel lackierten Nägeln auf den Tisch hinter dem Heraufbeschworenen zeigte. "In dem Buch steht du heißt Darraghûn", brachte sie hervor, wobei ihre Stimme an Kraft zurück gewann. Auch wenn der Schock noch tief in ihr saß, ein beschworener Dämon musste ihr doch gehorchen? Schließlich hatte sie ihr Blut dafür gegeben. "Soll ich dich also so nennen?", fragte sie schließlich mit ernstem Ton und betrachtete den Schwarzhaarigen aufmerksam, denn sie wusste nicht welche Reaktion sie erwarten konnte und wollte bereit sein, falls er ihr sich ungefragt näherte.
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    • Ein hohles Lachen entkam dem Dämon, als er hörte, dass diese kleine Hexe meinte, er solle ihr gehorchen. Corvus gehorcht niemanden! "Buch? Was für ein Buch?" fragte er misstrauisch. Natürlich schrieb man über ihn im Laufe der Geschichte. Er ist ein Märchen, eine Legende, eine Sage, die man sich nun mal so erzählt. Die Schriften der Hexen und Hexer hat er immer vernichtet, wenn sie es wagten ihn zu beschwören, damit er seine Ruhe hatte und sein Name eben nicht in den Beschwörungsformeln auftauchte. Hatte er vielleicht eines übersehen?
      "Darraghûn, Dýrskael, Vranislav … das sind nur ein paar meiner Namen, den die Menschen und ihr Hexen mir gegeben habt." schnaubte der Dämon verächtlich und betrachtete die junge Frau etwas genauer und kam ihr dabei immer näher. Dabei entdeckte er die Krähe, die nicht von der Seite der Hexe wich. Vielleicht steigerte das ein bisschen sein Wohlwollen, dieser Frau bezüglich. Aber eben nur ein bisschen. "Dein kleiner Freund könnt meinen wahrhaftigen Namen kennen." deutete er an und sandte dem Vogel seine Gedanken zu. Corvus, dieser Name sollte jetzt im Kopf von Castor widerhallen. Er selber ließ sich nicht dazu herab, dieser Hexe seinen Namen zu verraten.
      Er drehte sich dann um, und sah das Buch. Corvus wollte es anfassen, damit er es zerstören konnte, doch da glühten roten Runen und Schutzsymbole auf dem ledernen Einband auf und es war ihm, als hätte er sich die Finger daran verbrannt. Dabei hat er es nicht ein mal berührt!
      "Was wird hier gespielt?" fauchte er missgelaunt und wandte sich erneut an die Hexe. Um ihr Angst zu machen, wollte er sein Schattenschwert beschwören. Eine Waffe an der Kehle war immer ein guter Grund, weshalb die Menschen mit der Sprach herausrückten. Doch seine Hand blieb leer. "Was zum …?" murmelte Corvus irritiert und versuchte nun Feuer zu beschwören. Nichts. Keines der Elemente sollte ihm gehorchen. Was war hier nur los? Der Dämon wurde wütend. Man hatte ihm seiner Kräfte beraubt! Doch die Schatten sollten ihm gehorchen, ist das die ursprüngliche Quelle seiner Macht. Zufrieden sah er zu, wie sich die Schatten um ihn erhoben und sich wie Speere formten, die alle gleichzeitig auf die Hexe herunterfuhren, um sie zu durchstoßen. Vielleicht wollte er ihr damit auch nur etwas Angst machen, wer weiß das schon. Doch so weit kam Corvus nicht, denn einen guten halben Meter vor der Frau verharrten die tödlichen Spitzen in der Luft und es war ihm nicht möglich, diese auch nur einen Millimeter weiter zubewegen.
      "Was hast du getan?!" fauchte er wütend und wollte mit seiner Macht den Raum am liebsten verwüsten. Ein Beben ging durch das Zimmer, man hörte wie die Gegenstände vibrierten, doch sie blieben an Ort und Stelle. Nein, auch seine telekinetischen Kräfte waren mehr als verkümmert.
      Er konnte es nicht fassen! Er, der mächtige Corvus, schien nun ein dämonischer Sklave zu sein. Wie konnte das nur passieren?!
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      Monkey D. Ruffy


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    • Wie angewurzelt stand Luna starr im Raum, unfähig sich zu bewegen, als seine dunkle Präsenz sich um sie legte und ihr näher kam. Selbst in der herrschenden Finsternis konnte sie seine roten Augen ausmachen, die sie verächtlich musterten. So nah wie ihr der Dämon gekommen war, konnte sie sogar in den strengen Gesichtszügen die Anfeindung ihr gegenüber lesen. Diese verflüchtigte sich aber merklich als sein Blick, den ihres gefederten Begleiters zu ihren Füßen traf. Castor verspürte, anders als seine Hexe, eine direkte Verbundenheit zu dem Schwarzhaarigen, dessen Stimme wie ein entferntes Läuten in seinen Gedanken widerhallte.
      "Corvus", krächzte der schwarze Vogel Luna ins Ohr, nachdem er zu ihr auf die Schulter geflattert war. Verwirrt wand sie ihren Blick zu ihrem Begleiter und sah ihn eindringlich mit den hellblauen Augen an. Ihre Frage, wie die Krähe an dieses Wissen gelangt war, stand ihr ins Gesicht geschrieben. Doch Castor machte keine Anstalt ihr das Geschehene zu erklären. Stattdessen deutete er der Silberhaarigen ihre Aufmerksamkeit dem feindlich gesinnten Dämon zuzuwenden.
      Dieser drehte sich gerade mit einem bedrohlichen Fauchen zu der Hexe um, nachdem er das abgegriffene Buch inspiziert hatte. Noch bevor Luna ihm etwas erklären konnte, bewegte er seine Hand im Schatten, als würde er eine Waffe heraufbeschwören. Nur das keine erschien. Seine Hand griff in die Leere, was ihn spürbar umso mehr irritierte. Corvus rote Augen funkelten wütend wie zwei lodernde Flammen in der Dunkelheit auf. Und plötzlich erhoben sich eben doch Waffen aus den Schatten. Speere, deren Spitzen im Mondlicht funkeln würden, wenn sie nicht aus purer Schwärze bestünden. Die Hexe konnte gar nicht schnell genug einen Schutzzauber aussprechen, sondern hob lediglich mit einem erstickten Schrei die Arme schützend vor sich.

      Sie hörte das erzürnte Fauchen des Dämons und Castor, wie er mit flatternden Flügeln auf ihrer Schulter krächzte. Einen Herzschlag wartete Luna, dann noch einen. Erst dann traute sie sich über ihre schmalen Arme hinweg aufzusehen. Die aus Dunkelheit geformten Speere hingen einen Schritt entfernt von ihr still in der Luft und näherten sich ihr keinen weiteren Zentimeter. Egal wie sehr der Dämon es sich anscheinend wünschte. "Was hast du getan?!" knurrte ihr seine tiefe Stimme entgegen. Langsam hob Luna die Arme und verschränkte sie vor der Brust. Selbst als ein zartes Beben durch das Zimmer glitt, wich die Angst in ihrem Gesicht einem dunklen, selbstbewussten Blick. Kurz sah sie zu Castor auf ihrer Schulter, der seine Krallen tief in den Stoff ihres Oberteils vergraben hatte. Dann sahen ihre hellblauen Augen wieder zu dem Schwarzhaarigen vor ihm und es war als würden nun ihre Iriden siegessicher im Dunkeln aufleuchten. Ein amüsiertes Schnauben kam über die schwarzen Lippen der Hexe. Dann wagte sie einen Schritt auf den Dämon zu.

      "Ich", betonte sie besonders, "habe garnichts gemacht." Jegliche Angst war von ihr gewichen, während sie die Distanz zwischen ihm und ihr gänzlich schloss. "Außer natürlich dich zu beschwören", erklärte sie mit dem selben abschätzigen Ton, den Corvus ihr gegenüber angewandt hatte. Eigentlich hatte Luna gedacht, sie würde einen Dämon zu sich rufen und dieser hörte von ganz alleine auf sie. Anscheinend war es aber eher wie ein Machtspiel, in dem sie sich beweisen musste. Gegenüber einem Wesen, das anscheinend den Zugriff auf seine Kräfte verloren hatte, war das natürlich ein Leichtes. Jetzt wo sich Luna in Sicherheit wiegen konnte, sah sie dem Dämon vor sich amüsiert entgegen. "Ich glaube du hast keine andere Wahl als mir zu gehorchen", während sie diese Worte aussprach deutete sie auf das Buch, welches hinter ihm unversehrt in den Schatten zurückgeblieben war, "Anscheinend wurden deine Kräfte von den Hexen damals separat von dir gebannt." Damit erklärten sich der Hexe auch die ganzen Bannformeln und Zaubersprüche, die handschriftlich und mittlerweile in verblasster Tinte niedergeschrieben standen. Nur war die Frage, ob Corvus ihr nützen konnte, wenn ihm ein offensichtlich substanzieller Teil seiner Kraft fehlte?
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    • Mit knirschenden Zähnen beobachtete Corvus, wie sich die Hexe nun langsam erhob. Die Angst, die sie zuvor noch vor ihm hatte, war verflogen und er konnte an ihrer Körperhaltung erkennen, dass neues Selbstbewusstsein erlangt hatte."Das hat sie nur, weil sie jetzt weiß, dass ich ihr nichts antun kann!" zischte der Dämon in seinen Gedanken, dessen Zorn auf diese Frau dadurch nur noch weiter wuchs.
      Ihr siegreicher Blick, der in der Dunkelheit zu strahlen schien, erzürnte ihn noch mehr, denn vor kurzem hatte er so auf sie herab gesehen. Welch Schmach musste er jetzt über sich ergehen lassen, dass es ihm fast schon übel wurde. Corvus saß Jahrhunderte lang, auf einem sehr hohen Ross und dieser plötzliche Fall schmerzte ihn auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass ihm davon schlecht wurde.
      Corvus konnte sich nicht rühren, als sie auf ihn zu schritt und jedes Wort der Hexe machte ihm immer mehr schmerzlich bewusst, dass sie recht hatte. Man hatte nicht nur ihn gebannt, sondern auch seine Kräfte versiegelt. Aber wie konnte das geschehen? Was da nur passiert?
      Der Dämon versuchte sich zu erinnern, doch seine Gedanken wurden bei er Suche nach seinen Erinnerungen von roten Blitzen zerrissen. Ist das etwa auch das Werk dieser Verbannung?
      Seine aufgerichtete Gestalt wirkte auf ein Mal etwas kleiner, so als wäre der Dämon geschrumpft und die schwarzen Speere aus Schatten, verfielen in einen dunklen Nebel, bis sich diese ganz auflösten.
      Hatte die Hexe ihn gebrochen? Nein! Doch Corvus sah es ein, dass er jetzt nicht weiter zu kämpfen brauchte. Wie denn auch, ohne seine Kräfte und diesem Pakt, der dafür sorgte, dass er seiner Herrin kein Haar krümmen konnte.

      "Du spuckst ganz schön große Töne, dafür dass du noch vor wenigen Augenblicken vor mir erzittert bist." knurrte der Dämon auf, was aber mehr dem Knurren eines besiegten Tieres gleich kam. "Und was willst du jetzt mit mir anfangen? Ein dämonischer Diener ohne Kräfte? Das muss doch auch für dich, ein totaler Reinfall sein." spottete nun Corvus, denn ihm ist bewusst, weshalb überhaupt Hexen und Hexer Wesen wie ihn beschwören: wegen ihrer Macht!
      Es ging schon immer darum und das hat sich bestimmt nicht geändert. Und langsam formte sich ein Gedanke, wie er diesen Fesseln vielleicht doch noch entkommen konnte. Dafür musste er vor dieser Hexe bestimmt eine Weile buckeln und ihre Wünsche erfüllen, doch wenn er es schaffen sollte, dass sie ihm dabei hilft, seine Kräfte wiederzuerlangen, dann könnte er es zumindest erneut versuchen, sie zu töten. Und Corvus ist sich fast sicher, dass sie ihm helfen würde, denn diese Hexe hat sich bestimmt auch einen viel mächtigeren Dämonen erhofft, als das, was sie jetzt bekommen hatte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle