​Kiss or Kill [Kiba&Hemera]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • ​Kiss or Kill [Kiba&Hemera]

      Kiss or Kill
      Kann man jemanden lieben, den man eigentlich vernichten sollte?





      Vorstellung

      ×

      Ein schwarzer Haarschopf bahnte sich seinen Weg durch die Menschenmenge auf dem gepflasterten Gehweg. Auch wenn sie sich selbstsicher durch die Anzugträger navigierte und wirkte als würde sie genau in diese Welt gehören - ihre Finger umklammerten zitternd ihre glimmende Zigarette. Chicago war ihre Heimat und doch fühlte sich Maddie nach ihrer Rückkehr fremd. Als sollte sie nicht hier sein. Als gehöre sie nicht mehr hierher. Aber sie hatte es sich selbst versprochen. Jetzt wo sie ihre Zulassung als Anwältin hatte, ist es Zeit ihre Vergangenheit zu konfrontieren. Und damit auch die Person, die für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist.
      Ihre schmale Figur hielt plötzlich vor einem gläsernen Hochhaus an, weswegen einige sich beschwerende Personen einen spontanen Bogen um sie herum gehen mussten. Die anklagenden Aussagen bekam sie aber nicht mit. Maddies dunkelbraune Augen waren fixiert auf die Doppeltür vor sich, welche sich einladend öffnete. Ihre Hand umklammerte den Griff ihres Aktenkoffers fester und sie zog ein letztes Mal an ihrer Zigarette, bevor sie diese auf den Boden fallen ließ und mit ihren schwarzen Pumps austrat. Dann betrat sie die Höhle des Löwens.

      Die Lobby des Hochhauses sah aus wie bei jedem anderen Unternehmen. Schlicht und elegant, mit einer Theke an der sie freundlich eine Empfangsdame begrüßte. Maddie lief mit erfolgssicheren Schritten auf die Frau zu. Jetzt war es Zeit all ihre Ängste und Sorgen hinter sich zu lassen. Sie hatte sich ewig auf diesen Tag vorbereitet und sie konnte nicht noch eine weitere Nacht wach liegen, sich vorstellend wie sie den Boss der Mafia konfrontieren würde. Natürlich war es kein allgemein bekanntes Wissen, dass sich ausgerechnet hinter diesem Unternehmen die Mafia versteckte, aber mit viel Recherche und Zeugenbefragungen kam Maddie endlich dahinter. Dazu hatte sie noch einige Dokumente ihres Vaters gehabt. Ihr Vater.. Der für den sie das hier überhaupt machte. Er war ursprünglich Bodyguard des Bosses der Mafia und bei dieser Arbeit ist er auch umgekommen. Das ganze wurde nicht mal polizeilich untersucht. Dafür war sie nun hier. Über 15 Jahre später würde sie nun mit der Mafia abrechnen und Gerechtigkeit für ihren Vater bekommen.
      "Ihr Name, bitte?", fragte die Empfangsdame, welche Maddie gegenüber stand. "Ah Entschuldigung, Madeline Darrow", antwortete sie schnell, denn nach dem strengen Blick der Sekretärin hatte sie dies nun schon zum zweiten Mal gefragt. "Ich habe einen Termin mit dem Chef um 10:15 Uhr", ergänzte sie direkt und richtete die Ärmel ihres schwarzen Sakkos. "Sie können hiermit direkt mit dem Aufzug in den obersten Stock fahren Frau Darrow", erklärte die Empfangsdame und übergab Maddie eine Plastikkarte mit der Aufschrift "Gast". Die Schwarzhaarige nickte knapp, bevor sie auf den besagten Aufzug zusteuerte. Während sie durch die aufgehenden Türen in den Fahrstuhl trat, biss sie sich kurz unsicher auf die Unterlippe. Sie stand ihrer eigenen, sich im Metall spiegelnden Figur gegenüber. Du schaffst das, du hast garkeine andere Wahl, sprach sie in Gedanken mit sich selbst und hielt dabei die Plastikkarte an ein Terminal im Aufzug. Mit jeder aufsteigenden Stockwerk Nummer stieg die bereits bestehende Aufregung und Nervosität in ihr. Sie spürte wie ihre Handflächen feucht wurden. Sofort steckte sie die Plastikkarte weg, wischte sich dann ihre freie Hand an ihrer schwarzen Anzugshose ab und richtete sich die weiße, in die Hose gesteckte Bluse. Kurz schloss Maddie die Augen und atmete laut aus, dann erklang schon ein leises Ping, was ihr signalisierte, dass sie ganz oben angekommen war. Nur noch wenige Meter trennten sie von ihrer endlich wahr werdenden Gerechtigkeit.

      Die metallene Aufzugtür ging zur Seite auf und ließ der Schwarzhaarigen direkt den Eintritt in ein riesiges Büro mit einer vollen Fensterfront. Unbeirrt trat sie in den weitläufigen Raum, doch blieb sie nach wenigen Schritten abrupt stehen. Konnte das sein? Die schwarzen Haare, diese grauen Augen.. Fast schon panisch wanderten ihr Blick über die Person, die an einem Bürotisch ihr gegenüber saß. Es war schon so lange her und doch war sie sich sicher, um wen es sich hier handelte. "Michelle?", kam ihr überrumpelt über die Lippen, während sich ihre Augenbrauen unter dem schwarzen Pony irritiert zusammenzogen. Ihr Kopf legte sich fragend schief und ihre schwarzen, langen Haare fielen ihr über die Schulter nach vorne. Maddie war wie eingefroren, denn das letzte was sie erwartet hatte, war ihren Kindheitsfreund von damals ausgerechnet hier anzutreffen.


      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Ich saß in meinem Büro, hinter mir erstreckte sich die Skyline von Chicago. Die Aussicht war atemberaubend. Weit hinten erstreckte sich der Lake Michigan und glitzerte in der Morgensonne. Davor dir vielen Hochhäuser und unten konnte man die viel befahrene Straße sehen, wo lauter kleine Spielzeugautos auf den Weg zur Arbeit waren. Gelangweilt arbeitete ich an unseren Geschäften. Ich saß nicht sehr oft hier, sondern war eher in der Stadt unterwegs, aber manchmal musste das sein, wenn die anderen Familien etwas von mir wollten und innerlich wohl auch hofften, dass sie am Leben blieben. Hauptsächlich ging es dabei um Stoff wie Drogen oder wollten Geld von mir. Andere handelten mit Waffen. Das alles waren nun meine Aufgaben, nachdem Vater in Ruhestand gegangen war und sich nun versteckte, damit er in Ruhe wieder gesund werden konnte. Elli unten im Empfangsraum sagte mir Bescheid, dass eine Miss Darrow in mein Büro kommen würde. Achja. Sie hatte einen Termin vereinbart. Allerdings hatte ich den Grund nicht erfahren. Ich war also gespannt, was sie hier wollte. Denn dass wir hier keine seriöse Firma waren, die ihr helfen konnten, würde sie ja wissen.
      Der Aufzug zeigte an, dass sie auf den Weg hier her war und wenige Sekunden später klingelte die Glocke. Ich sah meine beiden Bodyguards an und nickte ihnen zu und sofort wussten sie, was nun zutun war. Eine langhaarige, schlanke Frau mit Pony kam zum Vorschein und sofort richteten sich die Waffen meiner Männer auf sie. Sie würden nicht schießen, ehe ich es sagte. Aber ich musste auch aufpassen. Es gab einige, die hinter mir her waren und sich meinen Tod wünschten. Vorallem die aus meiner Branche.
      Zielstrebig ging sie auf mich zu, als sie plötzlich stoppte und meinen Namen sagte. Meinen richtigen. Kaum einer kannte ihn. Außer mein Vater und....

      "Madeline.", ich stand auf, gab meinen Männern das Zeichen, die Waffen zu senken und ging um meinen Schreibtisch herum auf sie zu. Sie war hübsch geworden. Doch sie hatte sich verändert. Das konnte ich ihr ansehen. Sie war nicht mehr die Maddie, die ich von damals kannte.

      "Fünfzehn Jahre ist es her und nun tauchst du auf einmal in meinem Büro auf. Sicherlich nicht um Hallo zu sagen. Also was willst du?", fragte ich sie mit tiefer Stimme und setzte mich an den Rand meines Schreibtisches.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kiba ()

    • Panisch glitt mein Blick von meinem damaligen Kindheitsfreund zu den muskelbepackten Bodyguards neben ihm, welche beide ihre Waffen auf mich gerichtet hatten. Vorsichtig hob ich meine freie Hand, um zu signalisieren, dass ich keine Gefahr war. Doch erst als Michelle meinen Namen aussprach und ein knappes Zeichen gab, ließen sie die Waffen sinken. Erleichtert atmete ich auf und legte die gehobene Hand auf die Brust. Ich hatte nicht erwartet, dass sie so offen zeigen würden um was es sich hier eigentlich handelte. Welches andere Büro hatte bewaffnete Bodyguards, die sofort ihre Waffen auf einen Gast richteten?

      Ein gewisses Unwohlsein blieb mir erhalten, auch wenn ich zumindest gerade nicht in den metallenen Lauf einer Schusswaffe blicken musste. Ich sah zu wie Michelle sich mir zu wand, indem er den Schreibtisch umrundete und sich dann an die Kante setze. Die tiefe Stimme erinnerte garnicht mehr an den Jungen, den ich kannte. Auch nicht wie direkt und schroff er klang. Für einen kurzen Herzschlag wechselte mein Blick zu dem Aktenkoffer in meiner Hand. Wie hatte ich nicht daran gedacht, dass es sein Vater war, der damals der Boss hier war? Was sollte ich denn jetzt sagen? Meine Klage war nicht an ihn gerichtet und ich hatte auch nicht erwartet, dass er einfach in die Fußstapfen seines Vaters treten würde. Führte er nun die Geschäfte der Mafia? Ich ging einen Schritt auf Michelle zu und versuchte das, was noch von meiner souveränen Fassade übrig war, aufrecht zu erhalten.
      "Vielleicht nicht ganz um nur Hallo zu sagen", brachte ich nachdenklich hervor, während ich überlegte was ich als Vorwand nehmen könnte. Erneut ging mein Blick zu meinem ledernen Aktenkoffer. "Ich bin seit zwei Wochen wieder in Chicago und wusste noch, dass dein Vater hier gearbeitet hat", fing ich mit hochgezogenen Schultern an zu erzählen, "Ich dachte ich versuch mein Glück hier.. Vor allem weil ich noch nach Mandanten für meine eigene Kanzlei suche." Ein bisschen Wahres macht die Lüge vielleicht glaubhafter. Doch warum fühlt es sich so schlecht an ihn anzulügen? Nervös strich ich mir die nach vorne gefallenen Haarsträhnen hinters Ohr und ging einen weiteren Schritt auf ihn zu. "Ich hab nur nicht erwartet dich anstelle deines Vaters anzutreffen", ergänzte ich mit einem schmalen Lächeln. Bedacht musterte ich ihn erneut, jetzt wo uns nur wenige Schritte trennten. So vertraut und fremd zugleich. Es war ein komisches Gefühl ihm ausgerechnet hier nach all der Zeit gegenüberzustehen. Würde er mir meine Lüge glauben?
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Ich sah meine Kindheitsfreundin an und sie sah in Gegensatz zu uns hier dann doch anders aus. Klar, hatten wir ebenfalls fomelle Kleidung an, auch wenn ich sie nur solchen Zwecken anhatte, aber ihr konnte man leider auch sofort ansehen, dass sie nicht mehr hierher gehörte.
      Ich richtete mich auf und ging auf sie, nur um direkt vor ihr stehen zu bleiben. Sie war nicht besonders groß und ich musste bei meiner Größe auch weit runtergucken.

      "Du bist eine kleine Anwältin. Du willst mir also erklären, dass ich die Hilfe einer Anwältin bräuchte, um nicht erwischt zu werden? Ich bin ein Oberhaupt der Mafia, unsere Geschäfte finden hauptsächlich hinter schalldichten Türen statt, wo niemand was mitbekommt und glaub mir, du willst nicht wissen, welche Machenschaften noch alles hinter deinen Rücken passieren würden. Die Personen, die mir im Weg stehen, werden aus dem Weg geschafft. Du gehörst hier nicht mehr her. Ich bin nicht mehr der Junge, den du von damals kanntest. Meine Welt ist gefährlich. Also solltest du zusehen, dass du Land gewinnst." antwortete ich ihr und ich musste gestehen, dass sie noch Glück hatte, dass sie mich kannte. Mir lag etwas an ihr und dass sie so plötzlich verschwunden war, dafür konnte sie nichts. Ihre Mutter hatte das so gewollt, aber währenddessen hat mein Vater mit meiner Ausbildung begonnen und dafür gesorgt, dass ich hier klar kam.
    • Kurz entgleiste mir bei seinen Worten mein Gesicht. Ich spürte wie sich meine Augenbrauen irritiert zusammenzogen und sich meine Lippen aufeinander pressten. Waren wir nicht früher unzertrennlich gewesen? Und hatten sich unsere Familien nicht immer gegenseitig geholfen bis zu jenem Vorfall? Immerhin brauchte ich nicht tatsächlich seine Hilfe, aber was sollte das denn? Ich schluckte meinen Zorn hinunter. Ich würde hier wohl kaum weiter kommen, wenn ich einen Wutanfall bekam. Vor allem wenn er bereits jetzt schon so offen von diesen Geschäften erzählte, was würde ich sonst noch alles rausbekommen? Auch wenn es gleichzeitig bedeutet, dass Mike tatsächlich in diese Welt verwickelt war.

      "Wer sagt denn, dass du meine Hilfe brauchst?", entgegnete ich ihm und konnte nicht ganz die Empörung aus meiner eigenen Stimme verbannen, "Es geht viel mehr darum, dass ich deine Hilfe brauche." Mit einem leisen Seufzen verschränkte ich die Arme vor meinem Körper und blickte ernst zu ihm auf. "Wie gesagt hab ich erst meine eigene Kanzlei eröffnet. Kannst du dir überhaupt vorstellen wie viel Ansehen ich gewinnen würde, wenn deine Firma und du mein Mandant ist? Wenn andere davon hören, dann müsste ich mir keine Sorgen mehr darum machen wie ich andere Mandanten finden soll", argumentiert ich und versuchte ihn damit zu überzeugen. Bei jedem ausgesprochenen Wort, spürte ich wie mein Herz immer schneller vor Aufregung klopfte. Das hier musste einfach klappen, danach konnte ich mir Gedanken drum machen wie es weiter gehen soll.
      "Michelle du weißt doch genauso gut wie ich, dass sich unsere Familien immer geholfen haben..", brachte ich hervor, bevor er dazu kam auf mein Anliegen zu antworten. Vielleicht steckte doch noch etwas von meinem damaligen Freund in ihm, an das ich appellieren konnte? Es kostete zwar mehr Überwindung, als ich mir wünschen würde, aber sah ich mit einem flehenden Blick zu ihm auf. Sein kalter Gesichtsausdruck und die Tatsache, dass er wirklich in die Rolle seines Vaters gewachsen war, ließ mir einen kalten Schauer den Rücken runter laufen. Doch davon versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen. Hier ging es um mehr als meine kleinen Gefühle.
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Ich sah, wie sich ihre Muskeln im Gesicht anspannten. Sie schien sauer zu sein. Aber das was ich gesagt hatte, meinte ich ernst. Sie gehörte hier nicht mehr her. Diese Welt war gefährlich und wenn man da nicht abgebrüht war, kam man da nicht lebend durch. Knallhart musste ich das schon am eigenen Leib spüren. Und ich wollte sie nicht auch noch verlieren. Ja, sie war mir wichtig. Sie war damals meine beste Freundin und ich konnte ihr alle meine Ängste und Sorgen erzählen. Doch sie hatte sich verändert. Ist in einem behüteten Leben aufgewachsen und kämpfte nun für Gerechtigkeit. Aber sie hatte sich auch äußerlich verändert. Sie war sehr hübsch geworden, erwachsen und sehr feminin. Und hier in meinem Büro eigentlich auch hilflos. Auch wenn sie da draußen um einiges stärker sein könnte.
      Ich seufzte und trat auf sie zu, direkt vor ihr. Ich hob ihr Kinn ein wenig mit meinem Zeigefinger an und betrachtete sie.

      "Du bist immer noch so sturköpfig wie früher. Du hättest in deiner heilen Welt bleiben können. Hättest die bösen Menschen wie uns weg gesperrt und dir einen netten Mann gesucht. Deine Mutter ist ja nicht aus Spaß geflohen. Nein, du stolzierst hier rein und willst meine Hilfe.", sagte ich ihr und strich ihr eine Strähne hinters Ohr.
      "Und dann kann ich dich nicht mal verschrecken, so dass du voller Angst wieder abhaust.", ich atmete ergeben aus und schloss dabei die Augen, ehe ich sie wieder ansah.

      "Also gut. Ich helfe dir. Ich werde deine Kanzlei auf Vordermann bringen und dir helfen, noch mehr Mandanten anzulocken. Wahrscheinlich wirst du dich dann kaum retten können. Aber ich will, dass auch du etwas für mich tust. Ich brauch Informationen, an die man nicht so eben rankommt. Du als Anwältin könntest die Mittel dazu haben. Gib mir die Infos und du bekommst so viele Mandanten, wie du nur haben willst."
    • Er machte noch einen Schritt mehr auf mich zu und schloss so jegliche Distanz, die wir bis dahin noch hatten. Ich spürte wie sein Zeigefinger mich sanft am Kinn berührte und dazu brachte den Kopf in den Nacken zu legen, um ihm weiterhin in die hellen Augen schauen zu können. Während seine Augen noch an den Jungen von früher erinnerten, war das Gesicht drumherum reifer geworden. Vielleicht sogar ein wenig geprägt von den Umständen, in denen er steckte. Diese Verwandtheit, die ich weiterhin in ihm sehen konnte, verhinderte einzig und allein, dass ich bei seinem Annäherungsversuch nicht zurückwich. Wer war er denn nun? Gnadenlos gefährlicher Mafiaboss oder doch der Michelle, den ich von früher kannte?
      Ein leises Seufzen entfloh meinen Lippen, als er meine eigentlichen Absichten beschrieb, wie als würde ich nicht genau das vorhaben. Das Ganze hatte ich mir in der Vergangenheit wirklich anders ausgemalt.. Und dennoch ließ ich zu, dass er mir fast schon fürsorglich eine Haarsträhne hinters Ohr strich. Ich konnte nur wahrnehmen, wie mein pulsierendes Herz kurz ins Stocken geriet - Selbst in einer Situation wie diesen. Vielleicht war noch genug von seinem alten Ich da drin, um ihn aus dieser Welt rauszuholen, bevor ich meine Klage startete? Oder es war das was ich sehen wollte. Ein leichtes Lächeln zierte meine Lippen, als er sich meinem Vorwand spielerisch ergab. Manche Sachen änderten sich wohl nie.

      Die Zufriedenheit in meinem Gesicht ließ ein wenig nach, als er mir erklärte, es würde eine Bedingung für seine Hilfe geben. Kurz schmälerten sich meine Augen und meine Augenbrauen zuckten zögerlich zusammen. "Welche Infos genau?", kam es als Frage aus mir hervor geschossen.
      Ich hatte ihn schon so weit, dass er mir weiterhelfen würde und somit ermöglichte er mir ihm näher zu kommen - auch um vielleicht an weiteres Insider-Wissen zu kommen. Aber war ich bereit dafür selbst eventuell auf die falsche Seite des Gesetzes zu treten? Ich seufzte erneut aus und senkte kurz den Blick. Jetzt gab es kein Zurück, eine Leistung verlangte eine Gegenleistung. Ich drückte die Schultern durch und legte wieder den Kopf in den Nacken, um zu Michelle aufzuschauen. "Ich meine, wenn ich an diese Infos dran komme, werde ich es machen", versuchte ich standhaft rüberzubringen und blickte ihm überzeugt in die hellen Augen, um nicht ganz so zweifelnd an dem Vorhaben zu wirken. "Worum es genau geht, könnten wir ja auch bei einem guten Glas Wein besprechen?", schwächte ich meine eingängliche Frage ab, "Natürlich nur wenn du später spontan die Zeit für deine beste Kindheitsfreundin hättest." Bei dieser Aussage konnte ich mir ein neckisches Lächeln nicht verkneifen. Zwischen all den Formalitäten und unausgesprochenen Gedanken, war das wohl am nächsten an der Wahrheit dran. Das Verhältnis, welches wir in der Kindheit hatten, konnte uns jetzt auch niemand mehr nehmen.
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Maddie sagte zu, doch behielt ich mein Pokerface weiterhin, denn ich hatte gelernt, je weniger Emotionen ich zeigte, desto weniger konnte man vorher sagen, was man vorhaben könnte. Zwar könnte sie durch die Infos auch an uns rankommen, aber wir waren immer noch im Vorteil. Es würde ein leichtes werden, rauszufinden wo sie sich rumtrieb, um ihr Respekt zu lehren, der uns zustand. Ich musste zugeben, dass ich noch nicht wusste, ob ich ihr weiterhin vertrauen konnte. Wir waren nicht mehr die kleinen Kinder von Damals. Und sie könnte genauso gut auch mein Feind sein. Wie jeder in meinem Umfeld.

      "Infos zu anderen Familien, um sie letztenendes ausschalten zu können oder eben um Verbündete zu suchen.", erklärte ich ihr mein Vorhaben.
      "Erst die Informationen, dann kommt der Rest. Hast du sie nicht, kannst du lange auf deine Leute warten."
      Maddie machte den Vorschlag, was zu trinken und dabei alles zu besprechen. Im Grunde keine schlechte Idee. Aber das passiert weder hier noch Zuhause.
      "Treffpunkt um 9 im Sienna in der West Randolph Street. Einer meiner Männer wird da auf dich warten. Sei pünktlich.", wies ich an, ging dabei aber wieder auf meinen Platz zurück. Ich hatte noch zu tun, also wollte ich weiter kommen. Ich vertiefte mich wieder in Unterlagen und schenkte Maddie weniger Beachtung. Ich seufzte innerlich. Eigentlich könnte ich auch nen Assistenten, meinetwegen auch eine Assistentin, gebrauchen, der mir hier ein wenig zur Hand geht, aber diese Person würde auch viel Informationen mitbekommen, die ich ungern Preis gab. Und sie musste kompetent sein. Nicht, dass sie nur Matsch im Hirn mitbrachte. Kurz sah ich zu Maddie rüber, die prinzipiell gut dafür geeignet wäre, wenn sie da nicht schon einen anderem Job angenommen hätte, der mir ziemlich sauer aufstieß. Ich musste nochmal drüber nachdenken.
      "War das alles? Ich hab leider nicht viel Zeit."
    • Darüber wie und ob ich an die Informationen rankommen würde, konnte ich mir später mehr Gedanken zu machen, wenn ich wusste was genau ich beschaffen sollte. Erstmal würde ich mir diesen kleinen Teiltriumph gönnen, überhaupt einen Fuß in die Tür bekommen zu haben. Es war meine Eintrittskarte in diese Welt und vielleicht meine Chance noch mehr Beweise zu sammeln - auch wenn gleichzeitig ein kleiner Teil in mir sich einfach freute mit meinem damaligen Kindheitsfreund Zeit verbringen zu können. Ich durfte nur nicht vergessen, dass es für ihn genauso geschäftlich war, wie für mich. Er würde anfangs wie ich von diesem Arrangement profitieren.

      Entschieden bestimmte Michelle, dass wir uns heute Abend in der Bar Siena treffen würden. Mit einem reservierten Lächeln nickte ich zustimmend zu, "Einverstanden." Wahrscheinlich war er es in seiner Position gewöhnt Befehle zu erteilen und nicht nachzufragen, ob die andere Seite damit einverstanden war. Aber wer war ich, um jetzt daraus eine Diskussion zu starten? Ich hatte für den Anfang ja meinen Willen bekommen.
      Ich sah zu wie seine breiten Schultern um den Schreibtisch wanderten und er sich wieder seiner Arbeit zuwand. Bevor ich fragen konnte, ob damit zumindest bis heute Abend alles geklärt war, fragte er mich schon ob das alles war. Erneut nickte ich nur knapp als Antwort und meinte: "Ja, ich will dich nicht länger aufhalten, wir sehen uns dann heute Abend." Wenn ich hatte was ich wollte, konnte ich wirklich umgänglich sein. Kurz hob ich die Hand, bevor ich mich über den Absatz meiner hohen Schuhe umdrehte und wieder im Aufzug verschwand, der mich in diese Welt gebracht hatte.

      ×

      Über den Mittag hinweg hatte ich mich in meine Wohnung zurückgezogen und überlegt wie ich meiner Mitbewohnerin und Kollegin diese Entwicklung der Geschehnisse erklären würde. Olivia wusste wie viel mir das bedeutet und was für Konsequenzen es für die Gesamtheit der organisierten Kriminalität haben würde, wenn ich diese Klage erst einmal wirklich ins Rollen bringen würde. Hoffentlich hatte ich mir bis dahin nicht schon meinen Ruf ruiniert, weil ich ausgerechnet mit der Mafia zusammenarbeitete. Und ohne das ich es überhaupt aktiv wahrnahm, hatte ich bis Olivia nach Hause kam schon mehrere Zigaretten geraucht.
      Meine Mitbewohnerin reagierte auf meine ganze Erzählung aber deutlich aufgeregter und begeisterter als erwartet. "Das ist doch perfekt!", rief sie aus, als ich von meinem Morgen zu Ende erzählt hatte, "Jetzt musst du das nur richtig durchziehen. Du darfst ihm keinen Grund geben dich anzuzweifeln." Als wäre sie die Mafia Expertin schlecht hin beriet sie mich, wie ich mich verhalten und das ich mich voll in die Rolle der zurückgekehrten Kindheitsfreundin einfinden sollte. Vor allem gehörte für die enthusiastische Brünette dazu, was ich für das Treffen am Abend tragen würde. Während sie meinen Kleiderschrank nach etwas passendem durchsuchte, erklärte sie: "Er darf dich nicht als Anwältin sehen, sondern als eine Verbündete und Freundin, da kannst du also nicht in deinem klassischen Look auftreten." Mit viel Diskussion und neckenden Kommentaren, ließ ich mich schließlich von ihr überreden eines ihrer eng anliegenden Ausgehkleider zu tragen. Immerhin das längste, was Olivia zu bieten hatte, welches mir knapp über die Knie reichte und mich mit seinem schwarzen, schlichten Design nicht zu sehr aus meiner Komfortzone zwang.
      Ich sah ein letztes Mal in den Spiegel, mit meiner brünetten Mitbewohnerin neben mir, bevor ich los wollte. "Ich weiß ja nicht Liv..", murmelte ich etwas verunsichert. Das fühlte sich eher an wie ein Date, als ein Geschäftsessen. Doch Olivia ließ keine Zweifel zu und schob mich Richtung Wohnungstür und zwang mich so, jegliche Bedenken vorerst runterzuschlucken. Vor dem Haus wartete auch schon das bestellte Taxi, denn wollte ich nicht selbst fahren, wenn ich zumindest einen Drink zu mir nehmen würde.

      Unsicher wippte ich mit den hohen, schwarzen Sandalen über den gepolsterten Fußraum des Taxi-Autos. Würde mich jetzt der Michelle von vorhin erwarten, der mindestens genauso gut oder sogar besser wie ich gelernt hatte ein Pokerface aufzusetzen, oder der Michelle von früher, mit dem ich nur gute Erinnerung gesammelt hatte und der mir damals keinen Wunsch abschlagen konnte? So in Gedanken vertieft, bekam ich nur beim zweiten Mal mit, wie der Taxi Fahrer mich ansprach und erklärte, dass wir angekommen waren. Zuerst blickte ich auf die Uhr. 20:50 Uhr. Pünktlich genug. Dann sah ich aus dem Fenster des Wagens und betrachtete die besagte Bar Siena. Mittlerweile war es bereits dunkel und vor dem Eingang des Sienas leuchteten in gelben Licht aufgespannte Lichterketten über den Sitzplätzen draußen. Der Schriftzug mit dem Namen der Bar auf dem alten Mauerwerk war mittlerweile leicht verblasst und gezeichnet von den Spuren der Zeit, doch passte das genau zu dem ganzen Flair. Mit den bepflanzten Blumenkörben entlang der Tische draußen und den großen, industriellen Fenstern, die einladend offen standen.
      Damit war es Zeit endlich auszusteigen und sich diesem Abend zu stellen. Ich hatte erst die Tür des Taxis zugemacht, da sah ich direkt vor der Bar einen muskelbepackten Proleten in Anzug und mit eingesteckter Waffe. Da konnte es sich doch nur um jemanden von Michelles "Männern" handeln. Geradewegs schritt ich den betonierten Gehweg entlang auf ihn zu.
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Es war schon früher Abend und die Sonne war gerade dabei, den Horizont zu verlassen, als ich die Bar betrat und ich mich umsah. Einen meiner Männer hab ich gleich draußen gelassen, damit er Maddie empfing, falls sie früher hier auftauchen sollte. Sie ist immernoch Anwältin. Das durfte ich nicht vergessen. Sie könnte mir also jederzeit eine reindrücken und mir was anhängen. Ich durfte ihr keinen Anlass dazu geben. Zwar waren meine Männer alle noch immer im Anzug, weil es sich so gehörte, doch ich selbst hasste die Anzüge. Auch ich trug sie nur, wenn ich es musste und man es von mir erwartete. Viel lieber trug ich nur bequeme Hoodies und auch mein Haar war ungestylt. Hinzukam, dass ich so schwerer zu erkennen war, was mir mehr Ruhe verschaffte. Schließlich hatte ich ebenso viele Feinde, wie Verbündete und musste immer auf der Hut sein, nicht angegriffen zu werden.
      Innen drin lief nicht allzulaute Musik, die Lichterketten an der Decke, gehalten von ein paar blätterlosen Ästen und die passende Deko in den Fenstern gaben trotzdem einen gemütlichen Touch und man fühlte sich sofort wohl hier. Die Einrichtung passte perfekt zum Äußerlichen und ein paar Leute saßen auch schon an verschiedenen Tischen und unterhielten sich, was die Stimmung ein kleinwenig aufgedrehter machte.
      Mein Blick wanderte kurz zum Barkeeper, der mir nur zunickte, ehe ich auf eins der altmodischen, aber gut integrierten grauen Ledersofas zulief, die für eine Runde Drinks einluden. Dies war unser Stammplatz, denn dort war man etwas versteckt, hatte seine Ruhe und niemand konnte uns stören. Ich war mit Bodyguards und ein paar Damen hier, die sich an meiner Anwesenheit erfreuten. Ich hatte sie irgendwo auf der Straße aufgegabelt. Sie wurden abgecheckt und meinetwegen konnten sie gerne bei uns ihre Bedürfnisse stillen. Frauen waren so durchschaubar. Gab man ihnen, was hören und sehen wollten, taten sie alles für einen. Für mich weniger ein Grund, eine Frau dauerhaft bei mir zu haben. Wir unterhielten uns und tranken dabei etwas, was ihnen wohl zu reichen scheint.

      Draußen sah einer der besagten Männer eine Frau auf sich zu kommen und der Beschreibung nach musste es wohl die sein, die er zu seinem Boss führen sollte. Man konnte ihm die Röte im Gesicht deutlich ansehen, trotz dass er eine Sonnenbrille trug. Er wandte sich der jungen hübschen Dame zu.
      "Miss Darrow? Folgen Sie mir bitte."
      Er kündigte die Ankunft einer der anderen Männer an, der sich kurz darauf zu mir beugte und mir ins Ohr flüsterte, dass Maddie nun eingetroffen war. Ich scheuchte die Mädels also von meinem Schoß, die mir eh schon zu sehr auf die Pelle rückten und ließ Platz für Maddie frei machen. Es dauerte auch nicht lang, da tauchten sie bei uns am Platz auf und erst da konnte ich Maddie komplett sehen. Sie hatte ihr langweiliges Kostüm gegen ein enganliegendes Kleid getauscht und ich musste zugeben, dass es sehr sexy war und ihr wirklich gut stand. Ich war für einen ganz kurzen Moment tatsächlich sprachlos. Meine Augen fuhren jeden Zentimeter ihres Körpers ab, ehe sie beim Gesicht oben ankam.
      "Madeline. Setz dich doch.", lud ich ein und zog an meiner Zigarette, die ich mir zwischendurch angemacht hatte, ehe ich sie am Aschenbecher ausdrückte.
    • Ich war mir jeden Blick auf mir quälend bewusst. Sowohl den des Bodyguards, der seine Scham hinter der dunklen Sonnenbrille auf seiner Nase zu verstecken versuchte, wie auch die anderer Gäste, deren Aufmerksamkeit auf mir klebte, als ich dem Bodyguard durch die gemütlich beleuchtete Bar folgte. Normalerweise konnte ich mich hinter meinen Anzugshosen und Jacketts verstecken, doch gerade in einem so enganliegenden Kleid kam ich mir wie auf einem Präsentierteller vor. Warum genau hatte ich mir das nochmal von Liv einreden lassen? Naja, jetzt war es zu spät, um sich umzuentscheiden.
      Ich folgte dem Anzugträger vor mir um eine Ecke und sah nur wie aufgescheucht ein paar Frauen den Platz wechselten, wie Hühner wenn man ihren Stall betrat. Zum Glück verbarg mein Pony, wie ich die Augenbrauen skeptisch hoch zog, bis ich Michelle sah. Entspannt saß er mit seiner Zigarette auf einem grauen Ledersofa, das wie alles hier von der Zeit gekennzeichnet war. Während ich ihn musterte, verfluchte ich Olivia einmal umso mehr. Sie hatte mich überzeugt mich so aufzubrezeln und nun fand ich mich Michelle gegenüber, der in einem legeren Hoodie und leicht zerzausten Haaren mich eindringlich musterte. Seine grauen Augen wanderten jede Kurve meines Körpers unter dem schwarzen Stoff meines Kleides entlang, bis er mir direkt ins Gesicht blickte. Ich spürte wie mir allmählich eine flüchtige Hitze in die Wangen stieg. Dabei war es doch genauso, wie wenn mich jeder andere hier musterte? Ohne mir den kurzen Anflug von Nervosität anmerken zu lassen ließ ich mich mit etwas Abstand neben ihm auf dem altmodischen Polstermöbel nieder.

      "Bist du underdressed oder ich overdressed?", fragte ich neckend und konnte ein amüsiertes Grinsen auf meinen geschminkten Lippen gar nicht unterdrücken. Doch irgendwie war ich froh ihn in etwas anderem als heute morgen zu sehen. Im Vergleich zu ihm in einem Anzug, wirkte er jetzt noch viel mehr nach dem Michelle von früher. Ich legte meine kleine Handtasche auf dem Tisch vor uns ab und musterte die ausgedrückte Zigarette, welche noch sanft vor sich hin glomm. War es überraschend, dass wir uns trotz unserer Distanz das gleiche Laster angeeignet hatten?
      Mein Blick glitt zu dem nicht weit entfernten Barkeeper, der mich fragend ansah, als würde er nur auf meine Bestellung warten. "Was trinkst du?", fragte ich an Michelle gewandt und deutete auf seinen Drink, "Oder eher, hast du eine Empfehlung für mich?"
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Sie setzte sich mit auf die Couch und ich spürte ebenfalls den Blick ihrerseits auf mir. Ich war mir noch nicht ganz sicher, was ich von ihr halten sollte. Sie war meine beste Freundin. Wir haben immer zusammen gehalten und alles bewältigt. Sie war eine von uns. Dann war sie plötzlich weg, ich hab sie nie wieder gesehen und nun taucht sie auf als Anwältin. Prinzipiell ein Feind. Und doch wollte sie meine Hilfe. Und das Kleid machte das Ganze nicht besser. Ich bin auch nur ein Mann. Genau. Ich bin nicht mehr der kleine Junge von damals. Die Frage war, ob das große Einschränkungen in unserer Arbeit geben wird.
      "Sag du es mir, schließlich wolltest du mich auf ein Wein treffen. Hättest du mich denn lieber im Anzug gehabt?", stellte ich die Gegenfrage und wie von selbst hatten meine Hände plötzlich die Zigarettenschachtel in der Hand, wovon ich mir gleich eine zwischen die Lippen klemmte und sie anmachte. Darbietend hielt ich auch Maddie die Schachtel hin. Vielleicht wollte sie ja auch eine. Dann blickte sie zum Barkeeper, der sie ebenfalls fragend ansah und deutete auf mein Glas.
      "98er Château Belair. Er stammt aus der Rebe Merlot, welche in Bordeaux in Südfrankreich angebaut wird und vorallem in Norden Italiens sehr geschätzt wird. Es kommt natürlich drauf an, was deine Geschmacksnerven eher anspricht, aber deinem Auftreten nach zu urteilen, glaube ich nicht, dass dich zuckersüße Cocktails ansprechen, sondern dich eher für etwas Herberes entscheiden würdest. Auch wenn der Rotwein meiner Meinung nach schon sehr süß ist, wenn auch nicht so wie einer der künstlichen Getränke.", beantwortete ich also ihre Frage und fragte mich, ob ich richtig getroffen hatte oder mich total irrte. In den Jahren veränderte sich schonmal der ein oder andere Geschmack, genauso wie sich auch der Charakter verändern konnte. Bevor ich mich also ihr komplett hingab, wollte ich wissen, wie weit ich ihr noch vertrauen konnte.
      "Bestell was du willst. Es geht aufs Haus."
    • Unerwartet traf mich seine Gegenfrage. Meine dunklen Augen glitten noch einmal an seinem breiten Körper hinab, um dann wieder seinen Blick einzufangen. Obwohl wir so viel Zeit getrennt verbracht hatten, wirkte er in seinem lockeren Kleidungsstil viel mehr wie der Michelle, an den ich mich erinnerte. Damit war wohl meine Antwort klar. Nur sollte ich ihm das auch so ehrlich gestehen? Nachdenklich biss ich mir auf die Unterlippe und wich seinen hellen Augen aus, als ich mit einem leisen Auflachen gestand: "Nein, so ohne Anzug gefällst du mir besser." Wieder kroch eine sanfte Hitze in meine Wangen, weswegen ich umso dankbarer für die Ablenkung in Form seiner Zigarettenschachtel war. Ich nahm ihm eine der Glimmstängel aus der Hand und hielt sie ihm kurz hin, dass er mir diese genauso entzündete wie seinen eigenen. Mit der Zigarette zwischen den Lippen hörte ich ihm beeindruckt zu von seiner Empfehlung und Einschätzung, welche wie maßgeschneidert auf mich zutraf.
      Vielleicht hätte ich nicht genau diesen Wein rausgesucht - denn er war deutlich außerhalb meines üblichen Budgets - aber konnte ich meine Begeisterung über seine Beschreibung des Rotweins innerhalb meiner Gesichtszüge nicht verbergen. Es wirkte fast, als wüsste er zu gut, was mir gefallen würde. Vor allem lag es innerhalb der Mafia nicht im Unmöglichen, herauszufinden was die Getränkepräferenz einer Person war. Doch wirkte Michelle in seiner Antwort so bedacht und ehrlich, dass ich es gar nicht als Möglichkeit erwägen wollte. Stattdessen deutete ich als Antwort dem Barkeeper, das ich eben genau dieser Empfehlung Folge leisten würde. Sofort ließ dieser mir ein Glas des Rotweins zukommen.

      Ich klopfte mit meiner freien Hand die Zigarette, deren kratzigen Rauch ich gerade in die Luft blies, an dem Aschenbecher auf dem Tisch ab. Dabei hielt ich Michelle das Glas zum Anstoßen entgegen. "Auf uns?", schlug ich mit einem leichten Lächeln vor. Dabei war die vorgetäuschte Zusammenarbeit nur zweitrangig, denn an aller erste Stelle stand in meinem Kopf etwas Zeit mit meinem damaligen besten Freund verbringen zu können. Das würde ich ihm gegenüber lediglich bei zu viel Alkohol im Blut zugeben, aber gab es genug Momente in der Vergangenheit, wo ich ihn vermisst oder mir gewünscht hatte, etwas bestimmtes mit ihm Teilen zu können. Wie unfair das Schicksal manchmal sein konnte, mir genau das ausgerechnet jetzt zu bieten, wo so viel auf dem Spiel stand.
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Ich spürte ihren prüfenden Blick auf mir und ich hatte das Gefühl, dass sie meinen Oberkörper länger betrachtete, als es eigentlich nötig war. Ich betrachtete, wie sie sich auf die Lippe biss und musste gestehen, dass es mir schon ziemlich gefiel, wenn sie das machte. Dabei durfte ich solche Gedanken gar nicht haben. Und als ob sie meine Gedanken lesen könnte, wich sie meinen Blick aus und lachte. Doch es hörte sich sehr künstlich an. Aber ich war beruhigt, dass es ihr wohl eher gefiel, wenn ich keinen Anzug anhatte. Sie würde mich eh nur in bestimmten Situationen in Anzug sehen. Er war eng und unbequem, so dass ich lieber Pullis und normale Hosen anzog. Auch, wenn mein Vater etwas dagegen war. Schließlich wollte er, dass ich respekteinflößend aussah. Doch ich denke, dass würde ich allein mit meiner Größe und meinem Blick auch so hinbekommen. Vater konnte das nicht nachvollziehen. Er war schließlich um einiges kleiner als ich.
      Nachdem auch Maddie ihr Glas mit dem selben Wein bestellt hatte und währenddessen ihre Zigarette rauchte, wollte sie auf uns anstoßen. Ich war mir nicht so ganz sicher. Ich hielt kurz inne, nahm dann aber mein Glas und berührte es mit dem ihren. Es klirrte leise und anschließend trank ich einen Schluck des teuren, aber leckeren Gebräus. Noch immer fragte ich mich, was genau ihr Plan war. Warum fragte sie ausgerechnet in meiner Firma nach Hilfe, anstatt die entsprechenden Leute anzuschreiben und auch ein bisschen Werbung auszuhängen. Vorallem, weil ich sie tatsächlich in eins dieser merkwürdigen Kostüme erwartet habe. Aber niemals im Leben den Fummel, den sie anhatte.
      "Kommen wir zur Sache. Es geht um die Familie Angelini, über die du uns die Informationen beschaffen wirst. Ich bin da auf einer Feier eingeladen, doch bin ich mir sicher, dass da etwas nicht stimmt. Ich glaube daran, dass sie eine Art Attentat auf uns planen. Und am Besten geht das, wenn sie mich aus dem Haus holen. Ich brauche Informationen, ob sie was planen und wenn ja, was sie planen. Du heckst dich mit oder in den Computer rein und durchsuchst ihn nach Plänen. Außerdem werde ich dich auf der Feier als Begleitperson mitnehmen. Vielleicht findest du noch was raus, wenn du dich an Gespräche der Gäste oder eben der Familie beteiligst. Ich bin durch meine Größe zu auffällig, außerdem kennen sie mich ja nun auch. Da ich das angehende Opfer bin, würde es nichts bringen, mich selbst einzuschleusen. Du kannst denen aber weis machen, dass du auf ihrer Seite bist und sie für dich gewinnen."
    • Nach einem kurzen Zögern, welches ich nicht nachvollziehen konnte, stieß Michelle schließlich klirrend sein Glas gegen meins. Hatte er noch Zweifel bezüglich unserer Zusammenarbeit? Falls ja, musste ich mich bemühen diese im Keim zu ersticken. Für jetzt, würde ich aber erstmal den angepriesenen Wein probieren. Der Geschmack an meiner Zunge war tatsächlich süßer als erwartet, zumindest für einen Rotwein. Damit sollte Michelle Recht behalten.
      Überraschenderweise kam er direkt zum Thema des Abends. Was ich tun musste, um seine "Hilfe" zu bekommen, die ich ja eigentlich gar nicht wollte. Aber was macht man nicht alles für handfeste Beweise. Aufmerksam hörte ich zu, während er das geplante Vorhaben beschrieb und zog dabei an meiner Zigarette, um meine aufkommenden Zweifel im Gesicht zu verbergen. Meinte er das wirklich ernst? Ich hatte damit gerechnet irgendwelche Informationen heimlich von der Staatsanwaltschaft entwenden zu müssen, aber stattdessen sollte ich wie in einem Actionfilm Geheimagentin spielen?

      "Du traust mir da echt viel zu..", brachte ich mit dem Qualm der Zigarette über meine Lippen und sah ihn stirnrunzelnd an. Ganz konnte ich meine Zweifel an seinem Anliegen nicht aus meinem Gesicht verbannen. Ich wusste schließlich wie diese Welt aussah, in die ich mich begeben würde. Was wenn etwas schief ging? Mein Blick musterte Michelles Gesicht, auf der Suche danach, ob er selbst an seiner Idee zweifelte. Doch in seinen grauen Augen war nichts davon zu finde. War er sich seiner Sache so sicher? Würde er mich denn beschützen? Und vertraute er mir wirklich genug, um diese Aufgabe zu übernehmen und uns nicht zu verraten, auf einer Feier voller Leute, die es anscheinend auf ihn abgesehen hatten?
      Vor lauter aufkommender Fragen dreht sich mir der Kopf und ich lehnte mich seufzend in die weiche Rückenlehne des Sofas. Meine Finger wischten unbewusst über den gläsernen Stiel des Glases in meiner Hand. Jedes Szenario, das mir einfiel, endete mit einer Katastrophe. Ein falsches Wort, ein unbedachter Blick.. Und plötzlich könnte alles eskalieren. Ich spürte wie sich ein Knoten Anspannung in meinem Hals bildete, aber ich musste ihn einfach runterschlucken. "Wie meinst du denn, dass ich sie für mich gewinnen soll? Ich bin doch keine geübte Verführerin oder so was, ich bin Anwältin Michelle", merkte ich fragend an und sah in die dunkelroten Flüssigkeit in meinem Weinglas, welche plötzlich wie ein böses Omen wirkte. Ich musste mich aber zusammenreißen. Wenn ich hier nicht mitspielte, dann würde unsere geschäftliche Beziehung enden, bevor sie begonnen hatte. Und immerhin hatte ich ihm kein Nein erwidert. Wenn es das war, was er von mir verlangte, würde ich es irgendwie möglich machen.
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎
    • Meine Augen waren auf ihre gerichtet und ich konnte erkennen, wie sie in meinen Augen nach etwas suchte. Doch war mir nicht ganz klar was. Es sah nach Unglauben und Zweifel aus. Ich hatte nicht erwartet, dass sie so reagieren würde. Ich dachte, sie wäre taffer.
      Ich beugte mich zu ihr rüber, um ihr genauer in die Augen zu sehen, um ihr zu zeigen, dass man auch anders verführen konnte. Sie war doch die Frau hier unter uns. Und ihre Stärke sollte es sein, andere von ihrer Meinung und von sich zu überzeugen. Was hinderte sie also daran? Ich richtete mich wieder auf und tranken nochmal einen Schluck meines Weins.
      "Eine Anwältin sollte damit kein Problem haben. Du bist schließlich diejenige gewesen, die auf mich zu kam und mich überzeugen wollte, dass ich für dich Mundpropaganda mache, damit sich dein Laden füllt. Du bist diejenige, die in diesem Fummel zu mir kam um mir zu zeigen, wie weiblich du geworden bist. Dann sollte es ein Leichtes sein, so zu tun, als wolltest du mich hintergehen und ein paar Informationen einholen. Du musst es natürlich nicht tun. Ich zwinge dich nicht. Somit ist der Deal dann geplatzt und alles geht wie gewohnt weiter.", erklärte ich ihr meine Sicht. Ich würde schon irgendwie an meine wertvollen Infos kommen. Nur eben auf die nicht so friedliche Art und Weise.
      Auch wenn ich zugeben musste, dass sie sich wirklich sehr verändert hat. Sie hat Kurven bekommen, Eleganz hat sich in ihren Stil gemischt und sie erweckte in mir ein Gefühl, welches ich nicht ganz beschreiben konnte.
    • Ich versuchte seiner Nähe auszuweichen, doch merkte ich schnell, dass ich längst mit dem Rücken in die Lehne des Sofas versunken war. Selbst die weiche Polsterung unter mir, die nicht weiter nachzugeben vermochte, konnte nicht die Aufmerksamkeit von ihm ablenken, die wie ein unheimlicher, stiller Sog auf mich wirkte. Meine Finger verfestigten ihren Griff fast automatisch um den Stiel meines Weinglases. Reiß dich zusammen, du bist doch kein pubertierendes Mädchen, warf ich mir innerlich vor, während meine Augen seinen grauen Blick suchten und ich spürte, dass er genau wusste, was er bei mir zu bewirken versuchte. Und tatsächlich gelang es ihm, mich genau dort zu treffen, wo er es wollte.
      Mein Herzschlag beschleunigte sich ungewollt. Nicht nur wegen der anstehenden Herausforderung, sondern auch, weil ich plötzlich realisierte, wie leicht er mich durchschauen konnte. Zumindest in manchen Aspekten. Mit der Unterlippe zwischen meinen Zähnen, kämpfte ich gegen den Drang an, ihm zu verraten warum ich dieses Kleid trug. Und wie es überhaupt dazu gekommen war. Nach mir würde ich meine normale Arbeitskleidung tragen und nicht diesen.. Fummel, wie er es beschrieb. Jetzt konnte ich mein aufreißerisches Auftreten nur mir selbst gegenüber vertreten. Ich atmete tief ein und versuchte die aufkommende Hitze in meinem Gesicht zu kontrollieren, wobei sein beobachtender Blick auf mir lastete, wie ein Raubtier, das seine Beute nicht aus den Augen ließ.

      Trotz meiner inneren Anspannung, gab ich mich bei seinen Worten mit einem leisen Seufzen geschlagen und nahm einen vorsichtigen Schluck meines Weines. Der Geschmack blieb süß auf meiner Zunge, fast schon beruhigend, doch konnte der Alkohol nicht die Nervosität in meiner Brust vertreiben. Ich richtete mich leicht auf und drückte dabei die Schultern wieder durch, um ihm gegenüber selbstsicherer zu wirken. "Na gut, ich bin dabei", sagte ich schließlich, wobei sich bei den Worten der Zustimmung ein leises Zögern einschlich. "Der Deal bleibt bestehen. Wann und wo soll die Feier genau stattfinden?"
      Kaum zu glauben, dass ich mich tatsächlich auf sowas einließ. Es war wie unmöglich, sich gegen die Situation zu wenden, vor allem weil ich unseren Deal dringend brauchte. So schnell und scheinbar mühelos konnte er mich dazu bringen, bei diesem Spiel mitzumachen. In mir braute sich eine Mischung aus Trotz und gleichermaßen Neugier zusammen. Eigentlich wollte ich garnichts mit dieser Welt zu tun haben und doch spürte ich eine merkwürdige Aufregung, darüber, Teil von etwas zu sein, zu dem ich nicht tatsächlich gehörte. Vor allem aber ruhte in mir das Bewusstsein, dass Michelle mir zutraute, Dinge zu tun, die ich mir selbst nicht zutrauen würde oder wollte. Wie weit ich wirklich gehen würde.. Das würden wir beide wohl erst an dem Abend selbst herausfinden. Trotz der aufkommenden Zerrissenheit zwischen dem Wunsch, mehr Kontrolle zu behalten, und der Sorge, mich in diesem Spiel zu verlieren, gelang mir ein leichtes, selbstbewusstes Lächeln.
      ☀︎ Live by the sun
      Love by the moon ☽︎

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hemera ()

    • Ich konnte erkennen, wie nervös und unsicher Maddie wurde. Wenn sie bei mir schon so drauf war, wie wollte sie dann die anderen verführen? Andererseits hatte ich sie gerade dazu gedrängt, das zu machen. Das war meine Bedingung dafür, dass ich ihr half. Habe ich richtig gewählt? Hätte ich es anders angehen und Maddie dafür wieder wegschicken sollen? Vielleicht wäre das für uns beide das Beste gewesen. Trotzdem hab ich ihr meine Hilfe angeboten und sie jetzt dafür arrangiert, dass sie die Angelinis für mich auskundschaftet. Also musste ich das jetzt auch durchziehen. Zeig keine Schwäche. Du hast die Macht.
      Ich lehnte mich zurück und trank nochmal einen Schluck aus meinem Glas mit Wein, als ich wieder zu ihr sah.
      "Die Feier findet nächste Woche Freitag statt. In ihrem Anwesen. Zieh was Elegantes an und trage es mit Stolz. Wenn du nur einen Hauch von Unsicherheit zeigst, kann alles auffliegen. Zeige, dass du Macht hast. Du wirst es einfacher haben, weil du mit mir da bist. Und nenn mich da bitte Mike. Alle kennen mich nur unter meinen Spitznamen. Du würdest auffliegen oder zumindest auffällig werden, wenn du mich da mit meinen richtigen Namen ansprichst. Da dich da auch keiner kennt, werden viele neugierig werden. Das kannst du ausnutzen. Ich werde dich um 7 abholen.", erklärte ich ihr alle Eckdaten. Du kannst meinetwegen, wenn du Hilfe brauchst oder nicht weiter kommst, zu mir zurück kommen. Hast du alles verstanden?", fragte ich sie. Ich wollte sichergehen, dass alles abgeklärt wurde. Denn es musste glatt laufen, wenn wir da waren. Trotzdem hatte ich immer einen Plan B, falls etwas schief ging. Man wusste nie, was der Gegner plant und dann musste man für alles gewappnet sein.