Vorstellung --> Unholy Affection [Sakura10 feat. Pumi] - Vorstellung - ღAnime-Rpg-Cityღ || @Sakura10
Das Studio-Apartment lag im dritten Stock eines alten Lagerhauses aus rotem Backstein, dessen Vergangenheit sich nicht leugnen ließ: Die massiven Stahlträger zogen sich noch immer offen unter der dunklen Decke entlang, teils mit Flecken, die selbst nach Jahrzehnten des Putzens nicht ganz hatten weichen wollen, und der abgewetzte Holzboden knarzte bei jedem Schritt, als würde er sich an frühere Lasten erinnern. In manchen Ecken waren Spuren früherer Nutzung sichtbar geblieben - ein verblichener Schriftzug an der Wand, eine versiegelte Tür mit rostigem Griff, die ins Nichts führte. Doch genau dieses rohe, beinahe unvollendete Flair verlieh dem Apartment seinen seltsamen Reiz.
Der Grundriss war offen, weiträumig, fast wie eine Halle, unterbrochen nur von ein paar neuen Wänden, die eingezogen worden waren, als das Lagerhaus offiziell zum Wohngebäude umfunktioniert worden war. Zwei Schlafzimmer gehörten jetzt zur Wohnung - eines davon war verschlossen, da lebte Axel. Das andere lag halb geöffnet, durch den Spalt sickerte ein gedämpftes, warmes Licht, das vorsichtig über den Boden kroch, fast als traue es sich nicht, die Schwelle ganz zu überschreiten.
In der Mitte des Raumes, unter einer einzigen hängenden Glühbirne mit emailliertem Schirm, saß Julian am langen Esstisch, der aus rohem Holz bestand und eher wie eine Werkbank wirkte. Die Nacht war schon weit fortgeschritten; draußen war nur das entfernte, gleichmäßige Grollen der Stadt zu hören, gedämpft durch dicke Fensterscheiben mit Metallrahmen, die sich nur unter Protest ganz schließen ließen. Julian hatte seine Kopfhörer auf, kleine, schwarze Knöpfe in seinen Ohren. Er wusste nicht, ob Axel zu Hause war; das zweite Schlafzimmer blieb still. Aber er wollte kein Risiko eingehen. Die Chance, dass sein Mitbewohner zu Hause war, lag bei 50% und wenn er schlief, dann wollte Julian nicht stören. Es reichte, wenn einer von ihnen nicht schlafen konnte.
Julian wippte kaum merklich im Takt der Musik, die nur er hören konnte, während seine Augen ruhig über die vielen großformatigen Ausdrucke wanderten, die er über den ganzen Tisch verteilt hatte. Die Fotos stammten von der letzten Demonstration in der Innenstadt - es waren Momentaufnahmen voller Energie, aber auch voller Stillstand, eingefrorene Fragmente von etwas Lebendigem. Auf einem Bild war eine junge Frau zu sehen, ihr Gesicht halb verborgen von einer Stoffmaske, während ihr Blick—stolz, herausfordernd, beinahe wütend - direkt in die Linse ging. Um sie herum verschwammen andere Gesichter, halb verwischt vom Regen, der während der Demo gefallen war.
Ein anderes Bild zeigte einen Polizisten, wie er gerade einen Schirm mit beiden Händen zerdrückte; seine Zähne gebleckt, das Visier beschlagen, die Konturen seines Körpers durch den aufblitzenden Blitz beinahe unnatürlich verzerrt.
Ein drittes Bild war ruhiger - ein Paar, Arm in Arm, die Stirn an Stirn gelehnt, während hinter ihnen die Menge lärmte. Nur ein dünner Rauchfaden, der sich von einer nahen Rauchgranate nach oben wand, gab dem Bild eine seltsame, fast surreale Tiefe, wie ein Riss im Moment.
Julian sortierte die Ausdrucke beinahe zärtlich, seine Finger berührten das glänzende Fotopapier mit der Sorgfalt eines Uhrmachers.
Er beugte sich über ein weiteres Foto, das fast vollständig schwarz war, mit Ausnahme eines Gesichts, das nur zur Hälfte vom Licht einer Straßensperre getroffen wurde. Irgendetwas an dem Ausdruck ließ ihn frösteln, obwohl es im Raum nicht kalt war.
Er nahm es hoch, hielt es näher an die Lampe. Vielleicht war es ein Lichtreflex, vielleicht auch nur die Müdigkeit.
Julian legte das dunkle Foto behutsam zurück auf den Tisch, wo es sich zwischen den anderen wie ein Schatten einnistete. Dann beugte er sich wieder über die verstreuten Ausdrucke, versuchte weiterzuarbeiten, als wäre nichts gewesen. Die Musik in seinen Kopfhörern lief ungebrochen weiter - instrumental, tiefe Bässe, ein langsamer, rhythmischer Takt, der eigentlich beruhigend hätte wirken sollen.
Er fuhr sich mit der Hand durch das zerzauste Haar, rückte einen der Bilderstapel zurecht, griff nach einem Kugelschreiber, kritzelte eine Notiz an den Rand eines Prints. Doch seine Gedanken begannen abzuschweifen. Erst waren es nur kleine Irritationen: Er las dieselbe Zeile in seiner Liste von Agenturen mehrfach, ohne dass sie hängen blieb. Der Fokus kam und ging wie ein schwaches Radiosignal.
Dann, ganz plötzlich, hielt er inne.
Es war da.
Ein Flüstern - leise, brüchig, kaum mehr als ein Atemzug - direkt an seinem rechten Ohr. Ein Laut, der eigentlich nicht existieren konnte, denn die Musik dröhnte noch immer durch die Kopfhörer.
Julian riss sie sich aus den Ohren, als hätte er sich verbrannt. Der Raum war still. Keine Stimmen, keine Schritte. Nur das vertraute Brummen des alten Kühlschranks drüben in der Küche, das er erst jetzt wieder wahrnahm.
Er sah sich um. Nichts hatte sich verändert. Die große Wohnfläche lag in warmem Zwielicht, die Schatten weich, die Umrisse der Möbel vertraut. Axels verschlossenes Schlafzimmer war noch immer stumm, die Tür zu seinem eigenen immer noch nur einen Spalt geöffnet, das Licht darin unverändert.
Er atmete tief durch, zwang sich zu einem schiefen Lächeln. Wahrscheinlich hatte der Song irgendein Echo oder einen Vocalschnipsel drin gehabt, den er überhört hatte. So was passierte. Das Hirn war ein Filter, der manchmal nicht sauber arbeitete.
Aber kaum fünf Minuten später begann die Glühbirne über dem Tisch zu flackern. Nur ein Mal, dann noch ein zweites Mal. Jedes Mal für einen Sekundenbruchteil, in dem alles um ihn herum kurz schwarz wurde.
Julian schüttelte den Kopf, schob die Bilder beiseite, als wäre die Bewegung ein Abwehrzauber.
"Nicht jetzt," murmelte er in die Stille, die plötzlich dichter wirkte.
Er zwang sich zur Normalität. Arbeit. Fokus. Rationalität. Die Bilder. Die Agenturen. Der nächste Upload. Ganz einfach...
Der Schmerz überraschte ihn.
Mitten zwischen den Augen, als ob jemand eine dünne, glühende Nadel genommen hätte und sie langsam, mit kalkulierter Präzision durch seine Schädeldecke trieb.
Julian sog scharf die Luft ein, presste die Hand gegen die Stirn. Der Schmerz war stechend, heiß, zentriert, fast unnatürlich gezielt. Er kniff die Augen zusammen, wartete, atmete. Er kannte das. Es war keine Migräne, keine Panikattacke, keine neurologische Störung. Zumindest keine, die sich so einfach erklären ließ.
Er dachte an die letzten Tage, versuchte, einen Grund zu finden. Er lag im Zeitplan für die neuen Fotos, sogar voraus. Die Demo war ein voller Erfolg gewesen. Einige der Bilder - vor allem das mit dem wütenden Polizisten - würden sich gut verkaufen lassen. Er hatte keine Schulden, keine Streits, kein Schlafmangel, den er nicht kannte. Es gab keinen Grund. Keinen greifbaren.
Und doch fühlte es sich an, als habe sich etwas in seinem Kopf eingenistet, schwer und wach, und bewege sich langsam, als wolle es sich ausbreiten. Was es wahrscheinlich auch tat.
Julian versuchte, sich zu beruhigen.
"Nur ein Zähnefletschen, nichts weiter," sagte er halblaut, aber die Worte klangen hohl, fremd. "Dir geht's gut. Kein Grund zur Panik."
Das Studio-Apartment lag im dritten Stock eines alten Lagerhauses aus rotem Backstein, dessen Vergangenheit sich nicht leugnen ließ: Die massiven Stahlträger zogen sich noch immer offen unter der dunklen Decke entlang, teils mit Flecken, die selbst nach Jahrzehnten des Putzens nicht ganz hatten weichen wollen, und der abgewetzte Holzboden knarzte bei jedem Schritt, als würde er sich an frühere Lasten erinnern. In manchen Ecken waren Spuren früherer Nutzung sichtbar geblieben - ein verblichener Schriftzug an der Wand, eine versiegelte Tür mit rostigem Griff, die ins Nichts führte. Doch genau dieses rohe, beinahe unvollendete Flair verlieh dem Apartment seinen seltsamen Reiz.
Der Grundriss war offen, weiträumig, fast wie eine Halle, unterbrochen nur von ein paar neuen Wänden, die eingezogen worden waren, als das Lagerhaus offiziell zum Wohngebäude umfunktioniert worden war. Zwei Schlafzimmer gehörten jetzt zur Wohnung - eines davon war verschlossen, da lebte Axel. Das andere lag halb geöffnet, durch den Spalt sickerte ein gedämpftes, warmes Licht, das vorsichtig über den Boden kroch, fast als traue es sich nicht, die Schwelle ganz zu überschreiten.
In der Mitte des Raumes, unter einer einzigen hängenden Glühbirne mit emailliertem Schirm, saß Julian am langen Esstisch, der aus rohem Holz bestand und eher wie eine Werkbank wirkte. Die Nacht war schon weit fortgeschritten; draußen war nur das entfernte, gleichmäßige Grollen der Stadt zu hören, gedämpft durch dicke Fensterscheiben mit Metallrahmen, die sich nur unter Protest ganz schließen ließen. Julian hatte seine Kopfhörer auf, kleine, schwarze Knöpfe in seinen Ohren. Er wusste nicht, ob Axel zu Hause war; das zweite Schlafzimmer blieb still. Aber er wollte kein Risiko eingehen. Die Chance, dass sein Mitbewohner zu Hause war, lag bei 50% und wenn er schlief, dann wollte Julian nicht stören. Es reichte, wenn einer von ihnen nicht schlafen konnte.
Julian wippte kaum merklich im Takt der Musik, die nur er hören konnte, während seine Augen ruhig über die vielen großformatigen Ausdrucke wanderten, die er über den ganzen Tisch verteilt hatte. Die Fotos stammten von der letzten Demonstration in der Innenstadt - es waren Momentaufnahmen voller Energie, aber auch voller Stillstand, eingefrorene Fragmente von etwas Lebendigem. Auf einem Bild war eine junge Frau zu sehen, ihr Gesicht halb verborgen von einer Stoffmaske, während ihr Blick—stolz, herausfordernd, beinahe wütend - direkt in die Linse ging. Um sie herum verschwammen andere Gesichter, halb verwischt vom Regen, der während der Demo gefallen war.
Ein anderes Bild zeigte einen Polizisten, wie er gerade einen Schirm mit beiden Händen zerdrückte; seine Zähne gebleckt, das Visier beschlagen, die Konturen seines Körpers durch den aufblitzenden Blitz beinahe unnatürlich verzerrt.
Ein drittes Bild war ruhiger - ein Paar, Arm in Arm, die Stirn an Stirn gelehnt, während hinter ihnen die Menge lärmte. Nur ein dünner Rauchfaden, der sich von einer nahen Rauchgranate nach oben wand, gab dem Bild eine seltsame, fast surreale Tiefe, wie ein Riss im Moment.
Julian sortierte die Ausdrucke beinahe zärtlich, seine Finger berührten das glänzende Fotopapier mit der Sorgfalt eines Uhrmachers.
Er beugte sich über ein weiteres Foto, das fast vollständig schwarz war, mit Ausnahme eines Gesichts, das nur zur Hälfte vom Licht einer Straßensperre getroffen wurde. Irgendetwas an dem Ausdruck ließ ihn frösteln, obwohl es im Raum nicht kalt war.
Er nahm es hoch, hielt es näher an die Lampe. Vielleicht war es ein Lichtreflex, vielleicht auch nur die Müdigkeit.
Julian legte das dunkle Foto behutsam zurück auf den Tisch, wo es sich zwischen den anderen wie ein Schatten einnistete. Dann beugte er sich wieder über die verstreuten Ausdrucke, versuchte weiterzuarbeiten, als wäre nichts gewesen. Die Musik in seinen Kopfhörern lief ungebrochen weiter - instrumental, tiefe Bässe, ein langsamer, rhythmischer Takt, der eigentlich beruhigend hätte wirken sollen.
Er fuhr sich mit der Hand durch das zerzauste Haar, rückte einen der Bilderstapel zurecht, griff nach einem Kugelschreiber, kritzelte eine Notiz an den Rand eines Prints. Doch seine Gedanken begannen abzuschweifen. Erst waren es nur kleine Irritationen: Er las dieselbe Zeile in seiner Liste von Agenturen mehrfach, ohne dass sie hängen blieb. Der Fokus kam und ging wie ein schwaches Radiosignal.
Dann, ganz plötzlich, hielt er inne.
Es war da.
Ein Flüstern - leise, brüchig, kaum mehr als ein Atemzug - direkt an seinem rechten Ohr. Ein Laut, der eigentlich nicht existieren konnte, denn die Musik dröhnte noch immer durch die Kopfhörer.
Julian riss sie sich aus den Ohren, als hätte er sich verbrannt. Der Raum war still. Keine Stimmen, keine Schritte. Nur das vertraute Brummen des alten Kühlschranks drüben in der Küche, das er erst jetzt wieder wahrnahm.
Er sah sich um. Nichts hatte sich verändert. Die große Wohnfläche lag in warmem Zwielicht, die Schatten weich, die Umrisse der Möbel vertraut. Axels verschlossenes Schlafzimmer war noch immer stumm, die Tür zu seinem eigenen immer noch nur einen Spalt geöffnet, das Licht darin unverändert.
Er atmete tief durch, zwang sich zu einem schiefen Lächeln. Wahrscheinlich hatte der Song irgendein Echo oder einen Vocalschnipsel drin gehabt, den er überhört hatte. So was passierte. Das Hirn war ein Filter, der manchmal nicht sauber arbeitete.
Aber kaum fünf Minuten später begann die Glühbirne über dem Tisch zu flackern. Nur ein Mal, dann noch ein zweites Mal. Jedes Mal für einen Sekundenbruchteil, in dem alles um ihn herum kurz schwarz wurde.
Julian schüttelte den Kopf, schob die Bilder beiseite, als wäre die Bewegung ein Abwehrzauber.
"Nicht jetzt," murmelte er in die Stille, die plötzlich dichter wirkte.
Er zwang sich zur Normalität. Arbeit. Fokus. Rationalität. Die Bilder. Die Agenturen. Der nächste Upload. Ganz einfach...
Der Schmerz überraschte ihn.
Mitten zwischen den Augen, als ob jemand eine dünne, glühende Nadel genommen hätte und sie langsam, mit kalkulierter Präzision durch seine Schädeldecke trieb.
Julian sog scharf die Luft ein, presste die Hand gegen die Stirn. Der Schmerz war stechend, heiß, zentriert, fast unnatürlich gezielt. Er kniff die Augen zusammen, wartete, atmete. Er kannte das. Es war keine Migräne, keine Panikattacke, keine neurologische Störung. Zumindest keine, die sich so einfach erklären ließ.
Er dachte an die letzten Tage, versuchte, einen Grund zu finden. Er lag im Zeitplan für die neuen Fotos, sogar voraus. Die Demo war ein voller Erfolg gewesen. Einige der Bilder - vor allem das mit dem wütenden Polizisten - würden sich gut verkaufen lassen. Er hatte keine Schulden, keine Streits, kein Schlafmangel, den er nicht kannte. Es gab keinen Grund. Keinen greifbaren.
Und doch fühlte es sich an, als habe sich etwas in seinem Kopf eingenistet, schwer und wach, und bewege sich langsam, als wolle es sich ausbreiten. Was es wahrscheinlich auch tat.
Julian versuchte, sich zu beruhigen.
"Nur ein Zähnefletschen, nichts weiter," sagte er halblaut, aber die Worte klangen hohl, fremd. "Dir geht's gut. Kein Grund zur Panik."
