My Idol, My Nemesis [Taru x Yumia]

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    • My Idol, My Nemesis [Taru x Yumia]

      My Idol, My Nemesis

      "He hated her by day, but sang her songs by night"



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      Genre: Romanze, SoL, Drama
      Rollen:
      X - @Yumia
      Y - @Taru
      Vorstellung

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      X und Y gehen in dieselbe Klasse und das schon seit dem Kindergarten.
      Warum auch immer, schon damals fing es an: Y konnte es einfach nicht lassen, X ständig zu ärgern, und X? Die ließ es sich gefallen, meist nicht ohne Widerworte. Seitdem stehen die beiden regelmäßig Kopf an Kopf, liefern sich hitzige Wortgefechte und tun so, als könnten sie sich absolut nicht ausstehen.
      Was Y jedoch nicht weiß: X führt ein Doppelleben.
      Außerhalb der Schule ist sie niemand Geringeres als seine Lieblingssängerin. Ihre Stimme kennt er in- und auswendig, ihre Lieder begleiten ihn durch Höhen und Tiefen, doch dass hinter all dem X steckt, ahnt er nicht im Geringsten.
      Durch eine familiäre Verbindung bekommt Y schließlich die einmalige Gelegenheit, für seine Idol-Sängerin als sogenannter "Errand Boy" kleine Aufgaben zu übernehmen, nichts Großes, aber nah genug, um ihr ganz persönlich zu begegnen. Und so treffen sich X und Y plötzlich nicht nur in der Schule, sondern auch in der glamourösen Welt von Musikproben, Backstage-Pässen und geheimen Auftritten.
      X tut natürlich alles, um ihre Identität geheim zu halten.
      Sie hat sich bewusst dafür entschieden, nicht jedem von ihrer Karriere zu erzählen, schon gar nicht Y. Denn was würde er tun, wenn er wüsste, dass sein größter Schwarm und seine nervigste Mitschülerin ein und dieselbe Person sind?


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      Arisa

      Die Sonne schien gnadenlos grell durch den Fensterspalt, den sie gestern Abend zu faul gewesen war, richtig zu schließen. Arisa blinzelte verschlafen in das Licht, als würde sie selbst das Tageslicht als persönlichen Angriff empfinden. Ihr Körper fühlte sich an, als hätte man ihn durch einen Fleischwolf gedreht. Jeder Muskel zog, spannte, protestierte.
      Ein gequälter Laut verließ ihre Lippen, als sie sich aus dem Bett wälzte.
      Das Training am Vorabend hatte sich stundenlang hingezogen. Immer und immer wieder hatte sie denselben Tanzschritt wiederholt, bis ihre Knie weich wie Gummi waren und ihr T-Shirt an ihr klebte. Nur die schneidende Stimme ihrer Mutter hatte sie schließlich zur Vernunft gezwungen. „Arisa, das reicht. Du musst schlafen, wenn du morgen funktionieren willst.“ Und obwohl sie innerlich weitergetanzt hätte, war sie gefolgt. Wie immer.
      Der Weg ins Bad war anstrengend gewesen. Die heiße Dusche war ihre einzige Rettung. Dampf, Wärme, ein paar Minuten Stille.
      Nachdem sie sich abgetrocknet hatte, griff sie zur Schmuckschatulle und begann, einen nach dem anderen ihrer kleinen silbernen Ohrringe in die vorbereiteten Piercings zu stecken. Sechs auf einer Seite, vier auf der anderen. Es war fast ein Ritual, ein Teil ihres Schul-Ichs. Schwarz folgte auf Schwarz. Hose, Shirt, Jacke.
      In der Küche roch es bereits nach leckerem Frühstück, ein vertrauter Duft, der beinahe ein wenig Geborgenheit schenkte. Ihre Mutter stand am Herd, makellos wie immer. Die Schürze perfekt gebunden, der Blick streng und durchdringend.
      „Guten Morgen, Arisa.“ Ihre Stimme war sachlich, aber nicht lieblos. Sie stellte den dampfenden Teller mit einer eleganten Bewegung auf den Tisch. „Wie fühlst du dich?“
      Arisa ließ sich mit einem müden Seufzen auf den Stuhl fallen und rieb sich den Nacken. „Als hätte ein Laster mich überrollt. Ich glaub, meine Oberschenkel haben sich von meinem Körper verabschiedet.“
      Ihre Mutter schnaubte leise, aber ein kleines, kaum sichtbares Lächeln huschte über ihre Lippen. „Wenn du willst, mache ich dir einen Termin beim Masseur. Dein Zeitplan heute ist nicht so eng.“ Arisa hob überrascht die Augenbrauen. „Echt jetzt? Danke. Ich schwöre, wenn ich heute noch eine Treppe steigen muss, rutsch ich einfach wie ein nasser Lappen runter.“
      Mit neuem Appetit begann sie zu essen. Das warme Frühstück tat gut, füllte zumindest ein bisschen die Energiereserven auf, die sie sich gestern aus dem Leib geübt hatte. Sie aß schnell, aber nicht gehetzt, trank noch einen Schluck Wasser und schnappte sich dann den Schulrucksack.
      Der Weg zur Schule war wie immer. Menschen, Lärm, Autos, Stimmen. Die Stadt war zu wach für das, was Arisa fühlte. Ihr Inneres schrie nach Ruhe, nach Schlaf, nach einer Pause von all dem. Und irgendwo dazwischen kam wieder dieser eine Gedanke hoch, den sie nur selten laut zu Ende dachte: Wie schön es wäre, einfach nur Arisa zu sein. Keine Yusa. Keine Kamera. Keine Maske. Aber natürlich war das keine Option. Nicht solange sie auf dieser Bühne stehen wollte. Nicht solange Erwartungen auf ihr lasteten. Nicht solange ihr Herz schlug, sobald sie ein Mikrofon in der Hand hielt.
      Auf dem Schulhof angekommen, schlug ihr das gewohnte Chaos entgegen. Stimmengewirr, schrilles Lachen, das dumpfe Klatschen eines Basketballs irgendwo weiter hinten. Arisa schloss kurz die Augen. Sie wollte einfach nur zurück ins Bett. Sie zwang sich, den Rücken zu strecken und einen Schritt nach vorne zu machen. Schul-Arisa durfte keine Müdigkeit zeigen. Nicht zu viel zumindest. Die, die sie hier sahen, sollten keine Verbindung zu Yusa ziehen. Und wenn das bedeutete, dass sie heute wieder besonders zickig war, dann war das eben so. Aber sie versuchte ihren Stress, den sie in ihrer Sänger Karriere aufsammelte, sie nicht in der Schule zu belasten und sie nicht von Klienigkeiten reizen zu lassen. Doch das gelang ihr leider nicht immer, wie sehr sie sich manchmal anstrengte. Sie war auch am Ende des tages nur ein Mensch, die nur so viel unterdrücken konnte.
      Und da hörte sie ihn. Diese Stimme, die sie auf die Palme bringen konnte, selbst wenn er nur „Guten Morgen“ sagte.
      Ihr Blick glitt über die Köpfe hinweg, suchte, fand. Natürlich. „Wenn man vom Teufel spricht“, murmelte sie und verdrehte genervt die Augen. Sie wusste bereits jetzt schon, dass die innere Ruhe, die sie momentan noch verspürte, in den nächsten Minuten verschwinden wird und frühstens ein bissiger Kommentar ihm gegenüber aus ihren Lippen entfliehen wird.


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    • Migimoto ( Migi )

      Ein Morgen wie jeder andere auch. Er machte sich selber Frühstück, bevor er sich auf den Weg zur Schule machte. Sein Vater lag wieder auf dem Sofa, davor standen zwei Flaschen Schnaps, eine umgekippt und etwas ausgelaufen. Er hatte gestern wohl wieder ne Absage erhalten. Wieder kein neuer Job - wie so oft. Dabei hatte er sich Mühe gegeben, nur halb versoffen auszusehen, als er vorsprechen war. Tja, bei dem ist wohl Hopfen und Malz verloren.
      Migi machte sich sein Essen selbst. Überhaupt war er selbstständig in allem was den Haushalt betraf. Daher war er darin auch gut geübt. Aber er machte es eher für sich selbst. Bald würde er studieren gehen, oder sowas, und ausziehen. Dann müsste er wenigstens morgens keine Alkoholleichen zählen.
      Dann verließ er die Wohnung und ab in den Bus. Seine Busfahrt durch die Stadt dauerte nur 10 Minuten. Ausreichend Zeit, das er sich seine Stöpsel in die Ohren grub und ein wenig von Yusa hörte. Ein oder zwei Lieder passten immer. Seinen mp3 Player hatte er im Grunde immer dabei. Und er war immer auf dem neusten Stand. Kaum hatte Yus ein neues Lied rausgebracht, kaufte er es - ja, er KAUFTE es! - und lud es dann runter. So unterstütze er Yusa, weil es auch viele kostenlose Downloads gab, die immer wieder auftauchten, und ihr ins Geschäft grätschten.
      Bei der Schule aber stellte er den Player erstmal wieder aus und mischte sich wie immer ernst schauend unter die Schüler. Ab diesem Moment war der Jagdtrieb ausgebrochen. Denn im Grunde war das schon fast Alltag. Zumindestens an 3 Schultagen fiel es definitiv an. Hier irgendwo war sie .... Arisa! Die finstere Zicke, die sich immer sehr dunkel anzog. Und dann war sie auch noch Geschmückt. Naja, an dieser Schule ließ man wohl die Regel schleifen wo es ging. Hier macht ja eh schon fast jeder was er will.
      Er driftete etwas nach links und blieb im Eingansbereich, lungerte dort rum und wartete. Nach 5 Minuten sah er seine Beute.
      Sein Blick erhellte sich in einem gespielten Grinsen. Mal sehen wie schnell er heute verbale Schläge bekam.
      "Guuuuuuuten morgen Ariiiiisaaaaa .... heute schon schlechte Laune gehabt? Oder gehst dir nicht so gut?"
      Es war immernoch April. Seit drei Wochen lief schon das letzte Jahr, bevor sich ihre Wege trennen würden. Vermutlich wollte Migi das ausnutzen. Immerhin waren sie ja Sandkastenstreithähne.
      Er war gespannt, welchen Konter er heute bekam. Aber er würde ihn abwimmeln. Das neuste Lied von Yusa. Erst ein paar Tage auf dem Markt. Ein fröhlicher Text. Damit würde er ihren Konter Kontern. Dinge wie: "Du solltest die an Yusa mal ein Beispiel nehmen. Die gibt sich wenigstens Mühe. Bei dir säuft ja sogar nen Grufti ab. Wie wäre es mal mit Farbe?"
      Oder als sie die Schuhschränke erreichten, und Arisa etwas schmerzverzerrt ihre Beine biegen musste: "Nanu? Humpelst du etwa? Solltest mal nicht solange rumsitzen. Das lässt Gelenke verkalken. Nimm dir mal ein Beispiel an Yusa. Die ist voll sportlich, und immer in Bewegung. Deshalb ist sie wohl auch so fröhlich und freundlich. Im gegensatz zu dir olle Möhre."
      Dabei waren nur ihre Muskeln an den Beinen etwas ausgeleiert.
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    • Arisa

      Ein einziger Ton, und sie war schon genervt.
      Noch bevor sie Migi überhaupt sah, durchzuckte seine Stimme den Morgen wie ein Kratzer auf der Haut. Dieses übertriebene „Ariiiisaaaa“ ließ ihre Schultern augenblicklich verkrampfen. Ihre Nerven waren ohnehin dünn heute, zwischen Muskelkater, Schlafmangel und der unausweichlichen Doppelmoral des Schultages war ihre Geduld wie ein seidenes Band, das jederzeit reißen konnte.
      Sie fuhr langsam herum, als hätte sie es nicht eilig, ihm Beachtung zu schenken. Ihre dunklen Augen verengten sich leicht, der Blick scharf wie ein frisch geschliffenes Messer.
      „Oh, wow. Fünf Minuten nach Schulbeginn und du sabberst schon wieder in meine Richtung. Neues Tagesziel, oder bist du einfach süchtig nach meiner Aufmerksamkeit?“
      Sie schulterte ihren Rucksack neu, zuckte unauffällig zusammen, als ein Muskel im unteren Rücken unangenehm zog, und zwang sich zu einem Schritt nach vorn. Er stand ihr noch immer im Weg, wie üblich. Natürlich ließ er sich nicht lumpen und hielt weiter sein strahlendes Grinsen aufrecht, als wäre er nicht der fleischgewordene Nervenzusammenbruch in Menschengestalt.
      Und dann kam es. Der erste Yusa-Vergleich des Tages.
      Arisa unterdrückte nur mit Mühe das Zucken in ihrer Wange, als er ihre Kleidung kommentierte und gleich wieder das Lied ihrer anderen Seite zur Waffe machte. Innerlich stieß sie einen genervten Laut aus. "Wieder einmal benutzt er Yusa gegen mich, ohne zu wissen, wie sehr mich das eigentlich betrifft. Es war ironisch. Tragisch. Und in diesem Moment vor allem: anstrengend.
      „Yusa, Yusa, Yusa“, seufzte sie dramatisch und sah demonstrativ auf ihre nicht existierende Armbanduhr. „Sag mal, willst du ihr nicht langsam einen Altar bauen? Oder ist dein MP3-Player schon in Gold gegossen?“
      Sie lehnte sich leicht zu ihm vor, ihr Tonfall senkte sich spöttisch, doch mit einem Hauch von Müdigkeit, den sie nicht ganz kaschieren konnte. „Du sprichst so viel über sie, dass ich fast denken könnte, du hast noch nie mit einem echten Mädchen geredet. Außer natürlich, wenn du wieder versuchst, mir deine schiefen Komplexe um die Ohren zu hauen.“
      Am Schuhschrank angekommen, beugte sie sich leicht vor, biss die Zähne zusammen, als ihre Oberschenkel erneut aufheulten. Der Kommentar ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Ihre Finger verkrampften sich am Spind.
      „Olle Möhre?“ Sie schnaubte. „Lieber eine Möhrensuppe mit Biss als das fade Toastbrot von nebenan. Und für deine Information, ich bewege mich mehr in einer Woche als du in einem Jahr. Nicht jeder kann so träge durchs Leben rutschen wie du.“
      Sie richtete sich auf, klappte ihren Spind mit Nachdruck zu und sah ihn an, dieses Mal etwas ernster, der Spott einen Hauch leiser.
      „Vielleicht wärst du besser drauf, wenn du mal nicht alles durch Zynismus filterst, sondern selbst was auf die Beine stellst. Aber klar, ist ja bequemer, auf andere zu zeigen und so zu tun, als wärst du der Einzige mit ’nem Plan.“
      Dann wandte sie sich ab, schleuderte ihr Haar über die Schulter und marschierte in Richtung Klassenzimmer, schmerzende Beine hin oder her. Was auch immer heute noch kam, sie war bereit. Oder sie tat zumindest so.
      Mit energischen Schritten verließ Arisa den Eingangsbereich, ihre Schulschuhe klackten hart auf dem Boden des Flurs. Auch wenn jeder Schritt ihre schmerzenden Oberschenkel wie Glut aufflammen ließ, hielt sie sich aufrecht. Haltung war alles. Besonders vor Leuten wie ihm.
      Im Klassenzimmer angekommen, fiel der Schulrucksack mit einem dumpfen Plumps neben ihren Stuhl, als hätte er ebenfalls die Schnauze voll vom Tag. Sie ließ sich auf den Stuhl sinken, streckte einmal leicht das Bein aus, nur um gleich wieder zusammenzuzucken. Muskelkater war wirklich kein Witz. Tanztraining bis spät in die Nacht... Sie hatte es sich selbst eingebrockt.
      Die wenigen Mitschüler, die bereits da waren, warfen kurze Blicke, aber niemand sagte etwas. Und das war gut so. Denn trotz der Rolle, die sie in der Schule spielte – laut, scharfzüngig, konfrontationsbereit – war sie hier nicht wirklich umgeben von einem Kreis an Freunden. Eine Handvoll kannte sie näher, aber die waren alle in anderen Klassen. Hier in diesem Raum war sie meist allein. Und das wollte sie so. Weniger Nähe bedeutete weniger Risiko. Weniger Gefahr, dass jemand zu tief blickte und die Risse zwischen Arisa und Yusa sah.
      Sie zog langsam ihre Bücher aus dem Rucksack, stapelte sie ordentlich auf dem Tisch, als wäre allein das Gewicht der Schulhefte ein Beweis dafür, dass sie hierher gehörte. Ein Moment der Routine, der Kontrolle. Dann rutschte sie ein Stück auf dem Stuhl nach vorne, verschränkte die Arme vor der Brust und schloss die Augen.
      Schlafen würde sie nicht mehr können, das war klar. Dazu war der Lärmpegel zu hoch, das Licht zu grell, die Gedanken zu laut. Und irgendwo da draußen, vermutlich nur ein paar Schritte entfernt, lungerte auch schon wieder Migi herum, voller neuer Sprüche, bereit, jede Gelegenheit zu nutzen, um ihr auf die Nerven zu gehen.
      Ein leises Seufzen entwich ihr.
      „Wenn der wenigstens mal die Klappe halten könnte...“, murmelte sie leise vor sich hin, ohne die Augen zu öffnen. Aber sie wusste, dass das nicht passieren würde. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie.
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    • Migi

      Wie erwartet konterte sie seine Begrüßungsstichelein. "Die Idee mit dem Altar ist echt nicht übel. Sollte ich mal ausprobieren.", meinte er und rieb sich das Kinn, tat so, als dachte er ernsthaft darüber nacht. Vielleicht tat er es sogar wirklich. Es folgten noch ein paar Zurechtweisungen, ehe sie sich direkt ins Klassenzimmer begab. Migi winkte ihr kurz nach, wurde dann aber von anderen Schülern kurz in Anspruch genommen. Jemand bestimmtes hatte mal wieder Mathe vergessen, also rückte er sein Heft raus, damit er noch abschreiben konnte. Ein anderer hatte ein Heft dabei, das mit Idols zu tun hatte, und überreichte es Migi für paar Yen für den Automaten. Migi freute sich, denn von Yusa war auch was drin. Angeblich gibts demnächst ne Autogrammstunde.
      Migi hätte das Heft zerreissen können, so schnell blätterte er durch und inhalierte die Zeilen wie Luft, als wäre er gerade kurz vor dem Ertrinken aus tiefsten Tiefen aufgetaucht, und durch die Wasseroberfläche gestoßen.
      "WaaaH! Das ist ja schon diesen Samstag! WUHUUUU! Da hab ich nichts vor. Selbstverständlich werde ich dort aufkreuzen. So ein Autogramm lass ich mir nicht entgehen. Besten Dank, Kenta. Man sieht sich."
      Kenta war ein Schuljahr tiefer, aber trotzdem kannte man sich. Auch er war Fan eines Idols, aber das war ne andere. Aber unter Idolfans tauschte man gern Infos aus.
      Extra fröhlich gestimmt stürmte er auch in die Klasse - und wie es der Zufall wollte, hatte er seinen Sitzplatz hinter Arisa. Seine Schultasche krachte auf den Tisch, und selbst wenn Arisa gepennt hätte, dann wäre sie jetzt wieder wach.
      "Arisaaa Arisaaaa, guck mal was ich habe, hehe.", sprach er sie an und stellte sich zu ihr, wurschtelte mit dem Heft vor ihrer Nase rum.
      "Heee, nicht schlafen. Wir sind hier in der Schule. Setzt dich gefälligst gerade hin, und hör zu. Yusa gibt samstag ne Autogrammstunde. Vielleicht solltest du da auch mal hin. Nimm dir mal ein Beispiel an ihr. Die würde nie wie so nen Sack Kartoffeln hier auf dem Stuhl rumlungern und Grabfliegen anlocken."
      Er patschte ihr kurz das Heft ins Gesicht.
      "Na, wie dem auch sei. Die haben doch letzten Monat ne Deluxe Edition Figur von ihr rausgebracht. Auf 100 Exemplare Limitiert. Die hat im Standsockel ne freie Fläche. Dort kann man sich ein Autogramm besorgen und einkleben. Aber mann kann es auch direkt abholen. Das werd ich machen. Hehe. Ich werd mir ihr Autogramm auf en Sockel schreiben lassen. DIREKT! Das steigert den Wert enorm. Außerdem werde ich sicher der Einzige sein, der da mit dem Ding aufkreuzt. Dann wird sie sehen wie cool ich bin."
      Wenn er noch was konnte, aus sie ankampeln, dann ging er ihr vermutlich mit Yusa auf die Nerven. Und er ahnte nicht im geringsten, das Yusa hier genau vor ihm saß. Er würde vermutlich im Boden versinken, wenn sie ihm das sagen würde. Aber dann wäre es vorbei mit Ruhe und Frieden, und jeder würde Arisa irgendwie vollquatschen. Mädels, die von Arisa nichts wissen wollen, würden plötzlich Freundschaften, wenn nicht gar Blutsschwesternschaften vorschlagen. Und die Typen dieser Klasse, die mit der schwarzen Witwe nichts zu tun haben wollen, mit ihr ausgehen und sie abschleppen wollen. Garantiert.
      Also blieb nur weiterhin die oberste Geheimstufe.
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    • Arisa

      Arisa hatte die Augen gerade wieder geschlossen, als das Chaos eintrat, wörtlich. Die Tür flog halb auf, ein Rucksack krachte auf einen Tisch, und selbst wenn ihre Gedanken gerade noch leise und träge gewesen waren, wurden sie nun mit einem Knall aus dem Raum geschleudert. Ihre Stirn legte sich in Falten, noch bevor sie seine Stimme hörte. Und dann kam sie, diese unverkennbare Mischung aus Aufdringlichkeit und überschwänglichem Fanatismus.
      „Arisaaa Arisaaaa, guck mal was ich habe, hehe.“
      Sie öffnete ein Auge, nur eines. Reichte auch. Schon wedelte ihm das Heft wie ein aufgeregter Welpe vor der Nase herum. Sie rührte sich nicht. Noch nicht. Stattdessen blieb sie regungslos sitzen.
      „Heee, nicht schlafen. Wir sind hier in der Schule. Setz dich gefälligst gerade hin, und hör zu. Yusa gibt Samstag 'ne Autogrammstunde. Vielleicht solltest du da auch mal hin. Nimm dir mal ein Beispiel an ihr.“
      Oh, bitte nicht jetzt…
      „Die würde nie wie so ’nen Sack Kartoffeln hier auf dem Stuhl rumlungern und Grabfliegen anlocken.“
      Der Satz war kaum verklungen, da klatschte ihm das Heft leicht gegen die Stirn, nein, ihre Stirn. Arisa öffnete nun beide Augen, langsam, als bräuchte sie einen Moment, um sich zu entscheiden, ob sie sich lieber totstellen oder explodieren sollte.
      Sie atmete einmal tief durch. Ihre Fingerspitzen trommelten kurz auf ihrem Oberarm, während Migi weiter plapperte, sich selbst mit seiner eigenen Euphorie fast in Trance redete.
      Deluxe Edition. Sockel. Limitierung. Exklusives Autogramm. Coolness.
      „Sag mal, hörst du dir eigentlich selbst zu, oder ist das einfach eine neue Form der Gehirnwäsche?“, sagte sie schließlich kühl und lehnte sich minimal zur Seite, um dem Heft auszuweichen, das er ihr immer noch vors Gesicht hielt.
      Ihr Blick war scharf, aber weniger wütend als erschöpft. Eine andere hätte vielleicht mit den Augen gerollt oder ihn einfach ignoriert. Arisa hingegen hatte längst gelernt, dass Wegsehen nur zu Wiederholungen führte.
      „Du willst wirklich mit dieser Figur zu einer Autogrammstunde aufkreuzen? Mit einem Sockel, den sie vollkritzeln soll? Du weißt schon, dass sie vermutlich Dutzende solcher Fans am Tag abfertigen muss. Die merkt sich dein Gesicht nicht mal bis zum Abendessen.“ Und das stimmte teilweise auch, denn es waren so viele Fans gewesen, dass sie sich nicht an alle erinnern konnte. Jedoch von denen, die an gefühlt alle ihrer Veranstaltungen erschienen sind. Es gab sogar auch wenige, dessen Namen sie sich bisher merken konnte. Migis Name kannte sie natürlich, schließlich kannten sie sich seit dem Kindergarten.
      Sie ließ sich zurück in den Stuhl sinken, dieses Mal ohne zu jammern, auch wenn ihr Rücken erneut schmerzte. Ihre Stimme wurde leiser, fast beiläufig.
      „Aber hey. Wenn’s dich glücklich macht, tu dir keinen Zwang an. Vielleicht brauchst du das Gefühl, für drei Sekunden in ihrem Blickfeld zu stehen, um dir selbst einzureden, dass du was Besonderes bist.“ Ihre Worte waren im Kern harsch und ein Teil von ihr fühlte sich tatsächlich schlecht dafür, doch manchmal reagierte ihr Mundwerk schneller als sie denken konnte. Vor allem bot Migi ihr immer die Bühne ihre angestaute Frust und schlechte Laune loszuwerden.
      Ein leichtes, schiefes Lächeln zuckte über ihre Lippen. Es war nicht mal boshaft. Eher traurig in seiner Ehrlichkeit. Und doch: niemand hier würde ahnen, wie viel von diesen Worten auf sie selbst zutrafen.
      Sie sah wieder geradeaus, das Heft ignorierend.
      „Aber wehe, du kommst Montag mit Herzchen in den Augen zurück und erzählst, wie weich ihre Stimme war oder wie ihre Augen in der Sonne geleuchtet haben. Ich warne dich, Migi. Ich. Warne. Dich.“
      Wenn er wüsste. Wenn er auch nur einen Bruchteil der Wahrheit wüsste, würde er nicht grinsen. Er würde stammeln. Oder rot werden. Oder beides. Oder es würde seine Welt zusammen brechen lassen und sie vor aller Welt verraten und sich es zur Lebensaufgabe zu machen ihre wahre Persönlichkeit der Welt zu zeigen. Aber das durfte nie passieren. Nicht solange sie noch Luft zum Atmen brauchte.
      Migi war und wird auch nicht der einzige verrückte Fan sein, doch da sie sich seit jahren kannten, war es für sie eigenartig wie besessen er von Yusa zu sein schien.
      "Vielleicht solltest du dir mal eine Freundin zulegen, die bringt dich bestimmt wieder zurück auf den Boden der Tatsache und bist nicht mehr von deinem Idol verblendet", raunte sie nur und ließ ihre Arme an ihre Seiten hängen.
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    • Migi

      "Natürlich macht mich das Glücklich. Das ist immerhin ein Autogramm von Yusa! Selbst wenn sie sich meinen Namen nicht merkt. Das ist ja auch nicht verwunderlich, bei all den Leuten die sich dort vorstellen. Als wenn ich das nicht wüsste, Madame Erklärbär!"
      Er begab sich zurück an seinen Platz und leiß den Stuhl beim Zurückziehen quietschen. Während Aris bereits den Unterricht vorbereitet hatte, war es bei ihm erstmal nur das Heft, welches neben der Tasche Platz auf dem Tisch fand.
      "Herzchen in den Augen? Tzz, als wenn ich dir das unter die Nase reiben müsste. Sowas hab ich doch gar nicht nötig.", log er einfach mal so hin. Vermutlich war das auch nicht ernst gemeint. "Aber besser als deine laute Nervtröte von Stimme ist sie so oder so. Sei doch mal mehr mädchenhaft."
      Das war wohl wieder ein Punkt mehr, das sie davon abhalten würde - weil er es gesagt hatte. Sie saß weiterhin im Stuhl versunken und ließ die Arme baumeln. Ihre Erziehung musste wirklich stark gelitten haben.
      Er blätterte im Heft und suchte nach weiteren Angaben zu Yusa, fand enttäuschender weise leider nicht mehr. "Das ist alles? Unwürdiges Magazin. Es gäbe noch viel mehr über sie zu berichten, und dann nur diese eine Seite?", knurrte er.
      Arisa laberte ihn schon wieder voll. "Was soll ich mit ner Freundin? Die würde mir eh nur auf die nerven gehen und ganz eifersüchtig auf Yusa werden. Auf so einen Zickenkrieg kann ich verzichten. Außerdem bin ich, was das betrifft, ja eh schon versorgt.", meinte er, rollte das Heft und ließ es auf Arisas Kopf patschen. "Es gibt absolut keine hier, die mehr Finsternis versprüht, als dich Kohlekopf."

      Es klingelte und schon kurz darauf kam der Lehrer rein - erste Stunde Japanisch. Da musste Migi jetzt durch. Eine gefühlte Ewigkeit langweiligen Unterricht genießen. Dann doch lieber 2 Stunden in der Warteschlange für ein Autogramm.
      Wenigstens hatte Arisa während dieser Zeit mehr oder weniger ihre Ruhe. Abgesehen davon, das er heimlich im Heft stöberte, in dem er es in das Japanischbuch legte, und urplötzlich aufgefordert wurde vorzulesen. Er las zwei Reihen über den Yusabericht, ehe er sich besann, und sich entschuldigte, was Gelächter hervorrufte. Der Lehrer ermahnte ihn besser aufzupassen, und konfiszierte das Heft.
      In den Pausen fand er andere Schüler, mit denen er über das Wocheende quatschen konnte. Auch da hatte Arisa ihre Ruhe. Als wollte ihr jemand heute einen Segen spenden, wegen ihrem übertriebenem Training.
      Jedenfalls war das wohl mal einer der Tage, wo Migi ihr nicht ununterbrochen auf die Nerven ging.

      Aber das Wocheende rückte näher.
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    • Arisa hörte sich sein Gesabbel nur halb an. Seine Stimme war wie eine Mischung aus Kreide auf Tafel und einer überdrehten Gameshow. Unverkennbar. Unvermeidlich. Und leider direkt hinter ihr.
      „Natürlich macht mich das glücklich. Das ist immerhin ein Autogramm von Yusa!“
      Sie starrte geradeaus auf die leere Tafel, während ihre Gedanken nur noch dumpf auf Migis Worte reagierten. Klar. Natürlich machte ihn das glücklich. Immerhin war Yusa für ihn der Inbegriff von Perfektion. Die Süße. Die Freundliche. Die Unerreichbare. Und ironischerweise: sie selbst.
      „Als wenn ich das nicht wüsste, Madame Erklärbär!“
      Ein Zucken ihrer Augenbraue. Wenn sie jedes Mal einen Yen bekäme, wenn er sie so nannte, könnte sie selbst ein Fanmagazin aufkaufen.
      Er ließ sich auf seinen Platz fallen, der Stuhl quietschte so grell, dass es ihr in den Zähnen kribbelte. Sie atmete leise durch, starrte weiter auf ihr aufgeschlagenes Buch und versuchte, ihn wegzudenken. Doch Migi wäre nicht Migi, wenn er nicht noch einen Kommentar nachlegen müsste.
      „Aber besser als deine laute Nervtröte von Stimme ist sie so oder so. Sei doch mal mehr mädchenhaft.“ Sie schnaubte. Lang, spöttisch und völlig unbeeindruckt.
      „Ach ja?“ sagte sie trocken und drehte leicht den Kopf über die Schulter, sodass sie ihn gerade noch aus dem Augenwinkel sehen konnte. „Wenn ich mich wie Yusa benehmen würde, süß reden, mich in Rüschchen werfen und mit ’ner Stimme flöten, die man auf Zuckerwatte pressen könnte, dann würdest du sabbernd hinter mir herlaufen. Und darauf kann ich gern verzichten.“
      Sie wandte sich wieder ab, lehnte sich zurück und ließ demonstrativ die Arme von der Tischkante baumeln. Ihre Stimme war ruhig, fast lässig, aber das Glimmen in ihren Augen sprach Bände.
      „Glaub mir, du würdest den Unterschied nicht mal bemerken, wenn ich dich aus Versehen mit dem Mikrofon erschlagen würde.“
      Natürlich würde sie sich niemals in der Schule so zeigen wie auf der Bühne. Gerade Migi einer dieser Fans war. Die Art Fan, die sich in Illusionen verliebte und nichts mit der Realität anfangen konnte, wenn sie mal zurückstarrte.
      Das Geräusch, wie er das Heft zu einer Rolle zusammendrückte, war der einzige Vorbote, bevor sie das nächste Mal etwas auf dem Kopf spürte. Sie hob eine Augenbraue, klopfte sich das Heft vom Kopf und legte es kommentarlos neben sich auf den Tisch. „Wenigstens habe ich mehr Charakter als ne Plastikfigur. Und mehr Hirn als dein MP3-Player. Falls du’s vergessen hast: Der spielt Lieder ab, keine Gespräche.“ Dann läutete die Glocke. Erlösung, zumindest temporär.
      Der Lehrer kam, der Unterricht begann, Japanisch, ausgerechnet. Arisa nutzte die Stunde, um endlich ein paar Minuten zu atmen. Dass Migi heimlich in seinem Heft blätterte, bemerkte sie natürlich sofort, obwohl sie ihn keines Blickes würdigte. Als er laut über Yusa zu lesen begann, weil er offensichtlich nicht bemerkt hatte, dass er aufgefordert worden war, zu unterrichten statt zu schwärmen, verzog sie keine Miene. Doch innerlich, da hätte sie fast gelacht. Als das Heft konfisziert wurde und Gelächter durch die Klasse hallte, lehnte sie sich einfach zurück und ließ den Moment wirken wie einen kühlen Luftzug.
      In der Pause war er dann endlich mal weg. Beschäftigt mit anderen Fans, Schülern, Stimmen, denen sie nicht zuhören musste. Und obwohl sie sich nur auf ihre Bücher stützte und leise vor sich hin kaute, fühlte sich das wie ein kleiner Segen an. Vielleicht war das der Preis für ihr hartes Training gewesen: ein Vormittag mit weniger Migi. Würde er zumindest in einer anderen Klasse gehen, dann würde sie ihre Schulzeit deutlich mehr genießen. Ruhe, Einsamkeit und Erholung. Doch dann würde ihr Leben zu gut laufen, man konnt schließlich nicht alles haben. Vielleicht tat ihr auch dieses ordinäre Schulleben gut.Weg von Karrierestress, falschen Gerüchte und hardcore Fans. Sie war jedem Fan dankbar, nur durch sie konnte sie ihre Karriere verfolgen, doch es erschreckte sie immer wieder aufs Neue, wie der ein oder ander ein ihre eigene Welt gefangen waren und sich Dinge einbildeten, die sich Arisa nicht erklären konnte.
      Der Schulalltag verging, bis die letzten zwei Schulstunden anschlugen. Zu allem Überfluss sollten sie ein Refarat halten und Arisa wurde vor allem mit Migi zusammengetn. "Oh mein Gott", stöhnte sie genervt. Sie sollten über wichtige Persönlichkeiten ein refarat halten und Arisa wusste ganz genau was Migi sagen wird. Scharf blickte sie sie zu Migi. "Bevor du was sagst: ich stimme nur ein, wenn du den Großteil azu machst." Sie hatte genug zu tun, da wollte sie sich nicht noch mit einem refarat auseinandersetzen
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    • Migi

      Der Schultag war schon fast geschafft, das die Lehrkraft noch einen Paukenschlag ertönen ließ. Der Lehrer hatte doch allen ernstes den Schülern die Aufgabe erteilt, ein Referat über wichtige Personen zu schreiben. Das konnten natürlich verdammt viele Leute sein, aber im Grunde war es allen in der Klasse klar, über wen MIgimoto sein Referat abhalten würde. Und vermutlich waren fast alle froh, das sie nicht mit ihm zusammenarbeiten mussten. Und auch nicht mit dieser Einzelgängerin, die immer irgendwie nur den nötigsten Kontakt hielt, und auch nur schulische Belange.
      Dafür sollten Arisa und Migi ein Referat zusammen erstellen.
      Die Gruppen wurden schnell festgelegt.
      Migi sprang auf und protestierte. "Was? Ich soll mit der da zusammen arbeiten? Ich will aber lieber mit Daisuke etwas vortregen."
      Daisuke war ein guter redner und in schulischen Dingen immer an der obersten Notenfront. Wer schulische Gruppenarbeit mit ihm hatte, bekam quasi automatisch gute Noten.
      Aber Daisuke hatte wohl schon Augen auf Rina geworfen. Ein Mädel mit zwei gedrehten Zöpfen, langem Rock, Brille und Sommersprossen. Das perfekte Mauerblümchen, das sich täglich vom Schulstoff entjungfern ließ und ihm sich hingab. Die fraß vermutlich zu Frühstück Zahlen und Buchstaben. Ungeschlagen die 1er Notenkönigin.
      Und sie und Daisuke wurden zusammengesetzt. Kann es bessere Noten als ne 1 geben? Die würden es schaffen.
      Was Arisa betraf, die schien auch genervt zu sein. Beide waren da wohl mal einer Meinung. Und sie fauchte ihm gleich ne Warung an den Kopf.
      Er holte schon Luft, um sich wenigstens mit seinem Referatsobjekt zu motivieren, als sie ihm schon zustimmte, wenn der die Hauptarbeit machte.
      "Wirklich? Ich soll den Großteil übernehmen? HAHA, das ist ja super. Selbstverständlich. Aber dafür schreiben wir über Yusa. Und da wir bis nächste Woche Zeit haben, werde ich das Wochenende nutzen, um zusätzlichen Stoff bei der Autogrammstunde abzustauben. Dann treffe ich endlich Yusa persönlich, und darf auch gleich was über sie schreiben. Wir sollten auch etwas Bildmaterial zusammen suchen. Das kannst du dann zusammenschnibbeln. Und den Text schreiben. Ich sammel alle anderen Infos. Das klingt denke ich fair."
      Er war äußerst motiviert, und schein gar nicht mit ihr streiten wollen. Vermutlich weil er eh fast alles ranschaffte, was für SEIN Referat nötig wäre. Sie war wohl nur fürs Grobe da. Text und Bilder an die korrekten Stellen, und dann würde ER es natürlich vortragen, und Daisuke und Rinas Noten gefährden, jawohl!
      Arias kann dann mit dem Projektor die Bilder passend einblenden. Mehr würde sie eh nicht zu Yusa beitragen können. Sie war schließlich eine ganz andere Person. Das wird nen prima Referat.
      "Und das du mir ja keine Fehler einbaust. Und wehe du bedankst dich hinterher nicht, wenn wir ne 1 bekommen haben.", giftete er dann doch noch in ihre Richtung, und fuchtelte mahnend mit dem Finger.

      Dann war die letzte Stunde endlich rum. Arisa war bereits aus der Klassenraum raus, als Migi folgte. "Ariiisaaaa - Ariiisaaaa, he, was glaubst du was du da machst? Du gehst doch jetzt nicht etwa nach Hause? Wir müssen aktuelle Zeitschriften kaufen, und nach Artikeln über Yusa suchen. Ich hab nicht genug Geld dabei. ber du hast sicher was. Nur zwei oder drei Zeitschriften. Außerdem müssen wir ja zusammenarbeiten. Und ich muss Geld sparen. Ich kaufe morgen eine gute Kamera für Fotos. Ja genau. Und du bezahlst nur die Zeitschriften. Ist doch ein guten Deal, oder?", grinste er und schlug mit der flachen Hand auf ihren Rücken, was ihr mit einem kurzen **Bo-huuust** die Luft aus den Lungen trieb, und xsie einen Schritt stolpern ließ.
      Da war der Muskelkater endlich über den Tag verteilt abgeklungen, aber nur um einem penetrantem Brennen am Rücken Platz zu machen.
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    • Arisa blieb wie angewurzelt stehen, als wäre ihr Schatten plötzlich schwerer geworden als ihr Körper. Langsam drehte sie sich um, und es war, als ob die Luft um sie herum einen Grad kühler wurde. Ihr Blick fiel auf Migi, der mit seinem typischen Grinsen und der unschuldigen Dreistigkeit eines streunenden Katers vor ihr stand – vollkommen überzeugt, dass sein Plan nicht nur genial, sondern auch unumstößlich war.
      Natürlich. Er wollte, dass sie zahlt. Für seine Hefte. Für seine Obsession. Für seine Yusa.
      Sie blinzelte langsam, als müsste sie das gerade erst sortieren. Ihre Finger krümmten sich unmerklich um die Träger ihrer Tasche, während sie das Brennen in ihrem Rücken ignorierte, nicht nur den Schmerz von seinem Schlag, sondern auch den, der sich mit jedem seiner Sätze tiefer in ihr Selbstverständnis grub.
      „Nur zwei oder drei Zeitschriften“, wiederholte sie gedehnt, fast andächtig. Dann trat sie einen Schritt näher, so ruhig, dass es fast bedrohlich wirkte. Ihr Blick ruhte wie ein messerscharfer Laser auf seinem Gesicht, unbewegt, emotionslos und gerade deshalb umso gefährlicher.„Du hast wirklich keine Ahnung, wie viel Glück du hast, dass ich dir nicht sofort eine Yusa-typische Ohrfeige verpasse, Migi. Mit Rüschchen und allem.“Sie beugte sich leicht vor, ihre Stimme ein leises Säuseln mit metallischem Nachklang.
      „Du willst Material? Kriegst du. Du willst Yusa sehen? Viel Spaß. Du willst, dass ich Zeitschriften kaufe? …Dann zeig mir erst, dass du überhaupt irgendwas zustande bringst, was über Sabbern und Fanboy-Gestammel hinausgeht.“
      Dann richtete sie sich wieder auf und verdrehte demonstrativ die Augen, als sie an seine Aussage über die Note dachte.
      Als wäre das jetzt noch das große Argument, das sie überzeugt hätte. Solange sie nur ein paar Bilder zusammensuchen und seinen Text auf Papier kleben musste, solange es keinen Nachmittag voller Diskussionen bedeutete oder peinliche Treffen in irgendwelchen Fanläden, war es ihr egal. Eine Eins war ihr nicht wichtig. Aber ihre Zeit war es.
      Wenn er also schon das Meiste übernehmen wollte, bitteschön. Dann konnte er auch gleich seine verdammten Sterne vom Yusa-Himmel pflücken.
      Sie klopfte sich demonstrativ die Schultern ab, als hätte seine bloße Anwesenheit dort Schmutz hinterlassen.
      „Ich arbeite mit dir zusammen, ja. Aber ich bin nicht deine Assistentin. Ich bin nicht Yusa. Und ich bin garantiert nicht dein Geldbeutel.“
      Dann ging sie los. "Ich gebe dir maximal eine Stunde Zeit in einem Laden", rief sie ihm zu, ohne zu ihm nach hinten zu schauen. Eine Stunde sollte reichen, dann wollte sie zur Massage gehen, die ihre Mutter ihr gebucht hatte. Es war ohnehin nervenaufreibend Migi jeden Tag zu sehen und sein Geschwätze über Yusa anhören zu müssen, doch auch sich in ihrer Freizeit mit ihm auseinandersetzen zu müssen, war nicht vorgesehen oder erwünscht. Zumal sie nder Meinung war, dass kein mensch eine Stunde in einem Laden brauchte, um sich passende Magazine über ein Idol finden zu können. Das meiste war ohnehin belangenlos oder bloße Gerüchte, die unnötig aufgebläht wurde, nur damit die Artikeln sich besser verkauften. Wenn Arisa sich wieder daran erinnert, welche Lügen und Unsinn bereits über sie in die Welt gestreut wurden, von billigen Magazinen, da sank ihre Stimmung bereits wieder und eine andere Art von Wut machte sich in ihrer Brust breit. Wenn Migi ihr dann mit solchen Fakten um die Ohren schlug, dann würde sie jegliche Beherrschung verliren, wenn er dann noch darauf pochte, dass slche Aussagen der Wahrheit entsprechen, wenn sie es nicht einmal taten.
      Sie verließ das Schulgebäude und trat ins Freie. Wie schön e snun wäre nach Hause gehen zu können, aber nein, der Lehrer hatte ihr einen Strich durch die Rechnung getan. "Zeig den Weg. Ich kenne deine billig Klatsch und Tratsch Läden nicht."
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    • Migi

      Das war ja wieder klar. Arisa beschwerte sich außerordentlich intensiv, und bemägelte dies und das, und verlange jenes und alles andere. Er tat doch schon die Großarbeit, wie angekündigt. Da kann sie ja mal ein paar Yen springen lassen.
      "Hey, du könntest gern ein paar Yen opfern, dafür das du später im Gute Noten Bad baden darfst, wenn ich das alles zusammengeschustert haben ... größtenteils. Dann gleiche wenigstens mit dem Einkauf einiger Magazine aus. Das kostet ja auch nicht viel. Du Geizhals.", giftete er zurück. Als wenn sie später nur ein paar Texte tippt und mit dem Zeigefinger auf Bildern klebt.
      Das würde nicht gut gehen heute. Tatsächlich hatte er keine Lust, mit ihr die ganze Zeitr darüber zu diskutieren. Er änderte sein Vorhaben.
      "Hör zu, Finsterling. Ich gehe jetzt selbber einkaufen - OHNE DICH! Geh du nur brav nachhause. Ich werd alles zusammentragen und einkreisen und ausschneiden. Du brauchst das am Ende nur fein säuberlich in Mädchenqualität zusammenbasteln und ausdrucken. Das dürfte ja für dich ein Klacks sein. Und beleidige nicht Yusa! Sie würde mir nie eine Ohrfeige geben. PAH! Einen schönen Tag noch.", warf er ihr noch entgegen, salutierte zum Spaß in kombination mit einem Wink und ging dann genervt davon, und ließ Arisa den Finsterling zurück. Er ließ ihr nicht mal Zeit zum Kontern.
      Immerhin konnte sie jetzt ihre Massage ansteuern und den Tag abschalten, während Migi in Geschäften nach Zeitschirften und Artikeln über Yusa suchte. Der wird garantiert den ganzen restlichen Tag darin stöbern und irgendwas ausschneiden, was sie dann kopieren und einscannen darf. Und seine Texte kämen noch hinzu. Da wird Yusa bestimmt als Erzengel der Musik über allen Wolken schweben, während die Segnung der Götter wie Schweinwerferlicht auf sie nieder scheint.

      Migi nörgelte sich noch ein paar Minuten in Rage, bevor er wieder gute Laune bekam. Ein Plakat - mit Yusa. Autogrammstunde. Er machte gleich ein Voto mit dem Handy.
      "Du wirst schon sehen, Arisa. Schon am Wocheende bekomme ich Informationen aus erster Hand. Ich werd ihr einfach paar Fragen stellen,wenn sie mir ihre Unterschrift gibt. Jawohl.", stammelte er vor sich hin, und grinste.
      Und tatsächlich würde Arisa außerhalb der Schule nichts großartig von Migi hören. Und selbst in der Schule schien er ausnahmsweise mal konzentriert zu sein. Das lag aber eher daran, das er seine Arbeit während des Unterrichts verdeckt hinter Büchermauern tätigte. Arisa schien gefühlt Migiurlaub zu haben. Eine erhabene Stille die sie umgab.
      Doch auch für sie galt dann irgendwann wieder: Die Zeit ist rum! Das Wochenende, und damit auch der Autogrammtag ist da.

      Das Wetter war super. Kaum Wolken am Himmel, ein leichter angenehmer Wind wehte und alle schienen mehr oder weniger ihre Aktivitäten fröhlich zu erfüllen. Selbstverständlich mit dem größten Eifer von allen - Migimoto Murai, der schon sehr früh an diesem Samstag aufgebrochen war, um einen guten Platz zu ergattern. Nicht zu früh, da er noch abwarten und Yusa erstmal in eine Routine überlaufen lassen wollte. Er wollte irgendwo im ersten Viertel der Schlange stehen, und hatte es tatsächlich geschafft. Er würde wohl etwa eine Stunde warten müssen. Sehr gut. Beste Möglichkeit, die Fragen nochmal innerlich durchzugehen. So ganz beiläufig gestellt natürlich. Yusa war bestimmt bereit, darauf zu antworten. Immerhin geht es um schulische Aktivitäten.
      Seinen Rucksack mit wertvoller Fracht trug er vorn auf dem Bauch und umklammerte ihn, als wollte man ihm den Inhalt stehen. Er beobachtete die Leute. Ha, alles Stümper. Als wenn es echte Fans wäre. Die wollten nur ne Unterschift, und schon morgen wimmelte es auf Verkaufsplattformen von Yusaautogrammen. Ein oder zwei würde er vielleicht sogar kaufen, damit wenigstewns ein würdiger Fan diese in seinem Besitz hätte.
      Tatsächlich betrieb Yusa mit jedem Gast eine kurze Konversation, und es gab auch Selfis. Migi konnte das prima beobachten.
      "Heheheee, gleich treffe ich Yusa persööönliiihiiiichhhh...*träller*"
      Er fing tatsächlich zu schwitzen. Wie war nochmal die Frage ... die Fragen .... die Figur, nicht vergessen ....- wieder ein Schritt vor .... noch fünf Gäste vor ihm.
      Er vernahm bereits ihre freundliche Stimme. Jedes Wort schien mit Blumenöl über ihre Zuge zu rutschen. Da könnte sich eine Gruftklumpen mal ne Scheibe abschneiden.
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    • Wenigstens musste sie heute nicht mit ihm losziehen. Allein das war Grund genug, die Nerven zu schonen. Sie verabschiedete sich knapp, ignorierte sein weiteres Gerede und ging nach Hause.
      Dort angekommen, ließ sie die Schuluniform achtlos auf den Stuhl fallen, schlüpfte in lockere Kleidung und fuhr wenig später mit ihrer Mutter zu einem noblen Massagestudio. Die Räume waren ruhig, elegant und mit einem sanften Duft nach Lavendel und Eukalyptus durchzogen. Die Einrichtung wirkte wie aus einer anderen Welt – minimalistisch, hochwertig, beruhigend. Ihre Masseurin war spezialisiert auf Bühnenkünstlerinnen und erkannte jede Verspannung sofort.
      Arisa ließ sich auf die warme Liege sinken, während das angenehm duftende Öl auf ihre Haut tropfte. Geübte Hände arbeiteten sich von den Schultern bis zum unteren Rücken vor, lösten Knoten, die sie nicht einmal bemerkt hatte. Besonders der Rücken, immer wieder belastet durch Training, Bühne, Schulalltag und Stress , bekam volle Aufmerksamkeit. Mit gleichmäßigem Druck und gezielten Griffen wurde Verspannung für Verspannung gelöst, bis ihr Körper sich so leicht anfühlte, als würde sie schweben. Für ein paar Minuten existierte nichts außer der Stille, der Wärme und den Händen, die jeden Rest von Anspannung aus ihr herausarbeiteten.
      Das Wochenende kam schneller, als sie erwartet hatte. Das Fanmeeting war gut besucht, die Halle gefüllt mit erwartungsvollen Gesichtern. Und auch wenn sie es gewohnt war, der Anblick all dieser Menschen, die ihretwegen gekommen waren, ließ sie nie kalt.
      Arisa hatte sich perfekt vorbereitet: farbige Kontaktlinsen, eine sorgfältig gesetzte Perücke, dezentes aber wirkungsvolles Make-up, das selbst den Leberfleck unter ihrem Auge verschwinden ließ, und ein leicht aufgehellter Teint dank einer speziellen Creme. Niemand sollte erkennen, dass Yusa und Arisa dieselbe Person waren. Und bisher war das immer gelungen.
      Sie war ihren Fans aufrichtig dankbar. Ohne sie wäre ihre Karriere nicht das, was sie war. Deshalb nahm sie sich für jeden so viel Zeit, wie möglich war. Sie lächelte, hörte zu, nahm Geschenke an, auch wenn diese vom Team vorher geprüft werden mussten. Selbst denjenigen, die übermäßig aufdringlich oder fordernd waren, versuchte sie, mit Geduld zu begegnen. Freundlichkeit war für sie kein Zwang, sondern eine Haltung. Und dennoch: das ständige Lächeln, das ständige „Danke“, das permanente Nettsein, es kostete Energie. Viel Energie. Die Bühne verlangte ihr oft mehr ab als das Training. Umso mehr war die Schule für sie der einzige Ort, an dem sie sich erlaubte, nicht ständig Yusa zu sein, sondern einfach nur Arisa.
      Und so hielt sie durch, Gespräch für Gespräch. Sie nahm sich Zeit, schenkte Aufmerksamkeit, lächelte müde, aber echt.
      Dann kam er an die Reihe.
      Sie hatte ihn schon in der Schlange gesehen und innerlich gestöhnt. Jetzt musste sie sich zusammenreißen, um nicht wie automatisch einen sarkastischen Kommentar loszuwerde, wie sie es sonst bei Migi getan hätte. Stattdessen zwang sie sich zu einem breiten Lächeln, hob die Hand und winkte freundlich.
      Sie stellte ihre Stimme ein wenig höher, wie es für Yusa typisch war, obwohl ihr Puls etwas schneller schlug. Ein winziger Teil von ihr fürchtete, dass Migi sie erkennen könnte. Aber das Make-up, die Kontaktlinsen, das kaschierte Muttermal, all das musste reichen.
      „Hiii, vielen Dank, dass du Zeit gefunden hast, hierher zu kommen. Das bedeutet mir total viel!“, begrüßte sie ihn mit der sanften, fast flötenden Stimme, die ihre Fans so sehr liebten.
      „Ich hoffe, du musstest nicht zu lange warten? Wie geht es dir?“ Sie lächelte offen, bereit, das Gespräch zu führen, denn sie wusste: Wenn jemand Fragen hatte, dann er. Und sie war vorbereitet. Innerlich, äußerlich, und hoffentlich unauffällig genug, um Arisa zu bleiben. Nur noch ein Fan mehr. Nur ein weiterer Moment, in dem sie für jemand anderen das Licht sein musste, das sie selbst manchmal vermisste. Auch führte sie oftmals das Gespräch, vor allem am Anfang, da sie die Erfahrung gemacht hat, dass Fans vor nervosität oder balnke Nerven keinen Ton herausbekamen oder vergessen hatten wie sie sich verhalten wollten. So kam Arisa am Anfang ihnen immer entgegen, sodass der Einstieg ihnen dann leichter fiel. Und auch wenn Migi viele Fragen für sie haben wird, hoffte sie, dass es nicht allzu viel Zeit in Anspruch nahm, denn in ihr schlummerte die Befürchtung, dass sie in jenem Moment sich selbst verraten könnte.
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    • Migi

      Die letzten zwei Fans die mit Yusa quatschten schienen ewig Zeit zu schinden. Aber es waren wohl auch nur jeweils 5 Minuten. Man legte eine Autogrammkarte vor, ober bekam eine von Yusa mit direkter Unterschrift. Dann ein wenig Smaltalk und die einer oder andere Frage wurde beantwortet.
      Stümper. Die hatten ja gar keine Ahnung. Und dann endlich kam er dran und wurde auch sogleich von ihrer lieblichen Stimme verführt.
      Migi verneigte sich kurz zum Gruß. "Selbstverständlich bin ich hergekommen. Als wahrer Fan lässt man sein Idol nicht allein mit dem Unrat alleine, hehe.", gab er zurück. Sie lächelte nur und fragte, ob er lange warten musste. "Viel zu lange. Ein wahrer Fan spürt jede Sekunde, die er auf andere warten muss, um mit seinem Lieblingsidol einen kurzen Moment reden zu können."
      Der Honigtopf war einfach nicht klebrig genug. Aber er war voll. "Als ich erfahren habe, das es hier heute Autogramme gibt, konnte ich Nächte lang nicht schlafen. Und hier, schau mal, ich habe die Limitierte Variante einer deiner Figuren dabei. Bitte unterschreibe auf der freien Fläche. Vielen Dank."
      Er überreichte seine Figur, und wie erwartet war er tatsächlich der Einzige, der so ein Teil angeschleppt hatte. Natürlich tat Yusa nicht nur überrascht, sondern schon fast begeistert. MIgi grinste nur. "Das ist selbstverständlich. Ich kaufe sehr viel von dir. Auch Lieder, die es kostenlos zu hören gibt. Ich unterstütze dich wo ich kann. Und ich hoffe, das du mich auch ein wenig unterstützen könntest."
      Er bekam die Figur zurück, funkelte sie mit Sternenglanz in den Augen an und verstaute sie schnell im Rucksack, kramte dann auch schon einen Fragebogen raus und räusperte sich.
      "Du musst wissen, das wir in der Schule ein Referat über wichtige und berühmte Leute schreiben sollen. Selbszverständlich haben ich und meine Referatspartnerin eine schnelle Einigung erzielt, und dich erwählt. Ja, wir schreiben über dich. Und ganz im Vertraue ...", er beugte sich mit verstohlender Handgeste vor dem Mund zu ihr vor "... möglich das dabei noch was von dir auf sie abfärbt. Bissel mehr Farbe und Energie täten dem Finsterling nämlich ganz gut. Die hängt immer rum wie nen Sack Kartaoffeln und meidet jeden, den sie meinen kann. Voll Gruftig."
      Und das klatschte er Yusa mal eben so ins Gesicht, obwohl sie genau diese Person war, über die er sich äußerte. Wenn er wüsste, würde er vermutlich ihre Figur auffressen.
      Natürlich freute sich Yusa, das sie möglicherweise jemandem helfen könnte. Ihre Rolle verdammte sie förmlich dazu sich dabei selbst zu ignorieren, und als Fremde anzusehen. Migi stellte dann ein paar Fragen. Wie kam sie dazu, ein Idol zu werden. Wie anstrengend ist ihr Job? Was macht sie in ihrer Freizeit? Was sind ihre Zukunftswünsche?
      Damit dachte er, konnnte er grob ein gutes Referat von Beginn, bis über und zum Ende ihrer Arbeit was verfassen, und auch etwas Privates dazu mogeln.
      Den Rest würden sie aus Zeitschriften entsprechend dazu schreiben.
      Seine Zeit lief ab, und einer der Aufpasser gab bereits ein Zeichen. Noch eine Minute.
      "Ich freue mich übrigens schon auf dein nächstes Album - Sonnenglanz. Das wird die perfekte Einleitung in einen wundervollen Sommer. Ich habe mir schon zwei Alben vorbestellt. Eines bleibt natürlich orginal verpackt.", grinste er und plusterte sich cool auf.
      Dann fragte er noch, ob er noch ein Selfi mit ihr machen könnte, was natürlich auch gestattet war. Er durfte sich neben sie stellen und ein Aufpasser drückte dann den Auslöser.
      Danach war es auch schon vorbei. Er verabschiedete sich kurz und verließ dann den Ort. Draußen glotze er aufs Selfi und fing schon fast an zu sabbern.
      "Heheheeeeee, wenn ich das Arisa zeige ... und wie gut Yusa wieder aussah. Da bekommt man glatt Diabetes vom Typ Nr.1 Idol."
      Nächstes Ziel: Fotoladen! Selbstverständlich lässt er sich das ausdrucken und einrahmen. Dafür hatte er in seinem Zimmer auch schon einen Platz frei gemacht.
      Was für ein Tag. Später würde er noch in den Zeitschriften blättern, und dabei auch noch auf ein Gewinnspiel stoßen. Selbstverständlich würde er da mit machen. Schon nächsten Mittwoch wäre die Auslosung dazu. Zeit genug das Referat zu fertigen und dann auch noch auf Preise hoffen, die die ersten 50 Einsender erhalten. Und besonders die ersten drei Überraschungspreise hatten es in sich. Was die wohl waren? Das Referat würde ihn ablenken. Dann vergeht die Wartezeit wie im Fluge.

      Nach dem erfolgreichen Wochende begann die nächste Woche. Arisa kam gerade durch das Schultor und es dauerte auch keine weiteren 5 Sekunden als....: "Ariiisaaa Ariiisaaa, hehehe.", hörte sie Migi rufen, und sah ihn winkend und grinsend auf sie zu kommen.
      "Ich hoffe du hast wie immer schlechte Laune, und bist nicht plötzlich genesen und reihst dich in die Reihen der Gesunden ein."
      Er wartete ihre fröhliche Antwort ab, und ignorierte diese dann möglichst gekonnt, denn es gab WICH-TI-GER-ES!
      "Wiedemauchhsei(schnell gesprochen ohne Pause ) ...., ich hab gute Neuigkeiten zu verkünden. Du ahnst es sicher schon?", grinste er breit.
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    • Er verneigte sich knapp, gab irgendeinen theatralischen Kommentar über wahre Fans und „Unrat“, der sie fast aus dem Takt brachte. Innerlich verdrehte sie die Augen. Äußerlich: das perfekte Idol-Lächeln. Ihr war ein unangenhmer Schaue über den Rücken gelaufen. Sie wusste wie peinlich und kitschig seine Aussagen sich anhören konnten, schließlich hörte sie diese fast täglich in der Schule, aber solche Worte direkt an sie gerichtet zu haben, war ganz anders als diese Worte über jemand anderen zu hören, auch wenn die indirekt an sie gerichtet waren. Als er eine limitierte Figur aus seinem Rucksack zog und sie sie unterschreiben sollte, tat sie überrascht, begeistert, voller Freude – wie sie es musste. Natürlich musste sie das. Alles andere hätte Fragen aufgeworfen. Und wenn sie unüberrascht drein schauen würde, würden Fragen bei ihm aufkommen, denn er war tatsächlich der Einzige gewesen, der mit der Figur erschienen ist. Er war wirklich ein Fan von Arisa, oder eher gesagt Yusa.
      Er lobte sie übertrieben, erzählte, wie er selbst kostenlose Lieder kaufe, um sie zu unterstützen. Wie rührend. Ihre Gesichtsmuskeln spannten sich vom Dauerlächeln, aber sie nickte, sagte: „Das freut mich wirklich sehr. Vielen, vielen Dank für deine Unterstützung.“ Jede Sekunde die verging, drang ein sarkastischer Kommentar durch die Kehle, den sie geübt runterschlucken konnte, ehe die Sätze ihren Mund verließen konnten.
      Dann kam der eigentliche Hammer.
      Er beugte sich leicht vor und raunte ihr ins Ohr, dass er sie – Arisa – für ein Schulreferat ausgewählt hatte. Gemeinsam mit seiner Partnerin, also Arisa und wie gerne sie ihre Mundwinkel verziehen wollte. Und dann:
      „...möglich, dass dabei noch was von dir auf sie abfärbt. Bissel mehr Farbe und Energie täten dem Finsterling nämlich ganz gut. Die hängt immer rum wie ’nen Sack Kartoffeln und meidet jeden, den sie meinen kann. Voll gruftig.“
      Arisa lächelte weiter. Starr. Ihre Mimik blieb makellos – geschult, geübt, kontrolliert. Aber innerlich?
      Sie hätte ihm am liebsten die Figur ins Gesicht gedrückt. Er sprach über sie, während er sie ansah, ohne es zu wissen. Er beleidigte sie, als wäre sie nicht anwesend. Was würde er wohl tun, wenn er es wüsste? Vielleicht seine Figur verbrennen. Oder sie auf Knien um Vergebung bitten. Oder… sie einfach weiter nerven.
      Aber Yusa durfte nicht zeigen, was Arisa dachte. Und so sagte sie nur mit sanfter Stimme: „Es freut mich, wenn ich helfen kann. Vielleicht inspiriert das ja wirklich.“
      Dann begann er, seine Fragen zu stellen: Wie sie zum Idol geworden war, wie anstrengend ihr Alltag sei, was sie in ihrer Freizeit mache, was ihre Wünsche für die Zukunft seien. Sie beantwortete alles professionell, wie sie es gewohnt war. Locker, positiv, ein wenig geheimnisvoll. Die Geschichte wie sie ein Idol wurde, kannte jeder, daher leierte sie die bekannte Geschichte herunter. "Der Alltag kann natürlich anstrengend sein, wenn er strikt getaktet ist. Ich habe so manche Auftritte, da muss ich mich gut vorbereiten, damit ich euch nicht enttäusche." Und das stimmte auch. "Ich bin da nicht viel anders als ihr. Ich höre gerne Musik, gehe gerne spazieren und genieße die Natur und lerne gerne neue Menschen kennen." Das Letztere stimmte halbäßig, sie musste viel eher neue Menschen kennen lernen, um Beziehungen aufzubauen, die gut für ihre Karriere war. "Mein Wunsch ist natürlich, dass meine Fans mich weiterhin unterstützen und dass ich das tun kann, was mir am meisten Spaß macht: für euch Musik machen und euch eine Freude bereiten." Worte, die wahrscheinlich nie aus Arisas Mund kommen würde, auch wenn sie bisher nur die Wahrheit gesprochen hatte.
      Währenddessen rechnete sie innerlich die Sekunden runter. Dann kam das Zeichen des Aufpassers: eine Minute noch.
      Er erwähnte ihr nächstes Album Sonnenglanz, hatte sogar zwei Exemplare vorbestellt. Eins zum Auspacken, eins für die Sammlung. Sie nickte, bedankte sich, sagte: „Das freut mich sehr. Ich hoffe, es gefällt dir.“
      Noch ein letztes Foto. Natürlich. Ein Selfie war erlaubt. Er stellte sich neben sie, war so nah, dass sie seinen Atem roch. Der Aufpasser drückte den Auslöser. Klick. Lächeln. Und innerlich hoffte sie, dass er beim Anschauen des Selfies nicht Arisa sah, sondern nur Yusa.
      Dann war er endlich weg.
      Arisa senkte die Schultern kaum merklich, als er außer Sicht war. Sie atmete einmal tief durch, nicht zu auffällig. Nur innerlich. Wie knapp das war. Mit ihm zu interagieren fühlte sich an, als hätte sie mit 50 Fans geesprochen.

      Am Montagmorgen. Neue Woche. Neue Maske. Arisa trat durch das Schultor. Und keine fünf Sekunden später: „Ariiisaaa! Ariiiisaaa! Hehehe!“ Sie wusste, wer da rief, noch bevor sie sich umdrehte. Migi kam winkend und grinsend auf sie zu.
      „Ich hoffe, du hast wie immer schlechte Laune und bist nicht plötzlich genesen und reihst dich in die Reihen der Gesunden ein.“
      Sie warf ihm einen emotionslosen Blick zu, sagte nichts. Aber das störte ihn ohnehin nicht. Er winkte ab, als sei das Nebensache.
      „Wiedemauchhsei...“, begann er, ohne Punkt und Komma, „ich hab gute Neuigkeiten zu verkünden. Du ahnst es sicher schon?“ Er grinste breit, voller Stolz, völlig ahnungslos. Arisa ahnte tatsächlich etwas, und nichts davon gefiel ihr. Doch da sie keine Lust auf ein ratespiel hatte und in der Hoffnung, dass sie ihn dadurch schneller los wurde, sagte sie: "Lass mich raten, es hat was mit Yusa zu tun?" Sie verdrehte, so wie immer, ihre Augen. Da war sie gespannt wie er ihr die Begegnung mit Yusa beschreiben wird. Wahrscheinlich würde er sie wieder mit Yusa vergleichen, wie so oft. Und auch wenn er es bereits öfters getan hatte, nervte sie es immer aufs Neue. "Hats du die Sachen? Ich will endlich das referat fertig machen", sagte sie dann ungedudig und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Je früher sie das fertig hatte, desto mehr Zeit hatte sie für sich. Vor allem wegen der live show, auf die sie sich noch vorbereiten wollte. Sie sollte eine ihrer Lieder vorsingen, bisschen quatschen und dann noch die Gewinner der Verlosung vortragen. Die Idee der verlosung war nicht ihre gewesen und sie wusste bis heute nicht, was sie von der Idee halten sollte. So stand sie noch mehr unter Beobachtung als sonst, was sie bereits nervte. Doch ihre Mutter hatte ihr eingetrichtert, dass es ihr Bekanntheitsgrad steigern wird und ihr Image sehr gut tun wird. Arisa hatte keine andere Wahl als zuuzustimmen. Zumindest würde das nicht für immer laufen.
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    • Migi

      "Richtig geraten.", verkündete er, und lief fröhlich weiter neben ihr her. "Und wie erwartet, ist sie voll nett und freundlich. Und so aufgeschlossen. Sie wäre sicher stolz darauf, wenn vor ihr was auf dich abfärben würde. Aber, bei dir ist vermutlich eh nichts zu machen. Daher lassen wir das mal heute beiseite."
      Und da hatte er es ihr wieder unter die Nase gerieben. Aber er ließ das Thema auch gleich wieder fallen. Das schien Aris zumindest zufrieden zu stellen. Sie lenkte auch gleich weiter ab, und fragte nach Arbeitsmaterial für die Schulaufgabe.
      Migi klopfte auf seine Schultasche. "Jupp. Hab alles dabei. Die Antworten von Yusa auf meine Fragen, und etwa zehn markierte Seiten aus einigen Zeitschriften. Da ist genug Material drin, um uns eine 1 zu sichern. VOLLE YUSA POWER!", rief er zum Schluss noch laut aus, was genügend Blicke auf beide lenkte.
      "Ach, übrigens. Ich war tatsächlich der Einzige mit ner Figur dort. Und sie fand das toll. Jetzt habe ich eine signierte limitierte Limited Edition, haha."
      Bei dem Buchstabensalt bekommt man Sodbrennen. Vermutlich erwartete er jetzt ein Zugeständnis, und das sie, Arisa, sich wohl geirrt hatte, das viele auf die gleiche Idee gekommen wären.
      Als sie in der Klasse waren, knallte er den Ballast des Referates bei ihr auf den Tisch. "Hier, inklusive Bilder. Hab schon alles ausgeschnitten. Jetzt musst du das nur noch gekonnt als Text verfassen und Bilder einfügen, kopieren und fertig. Ich hoffe du schaffst das bis morgen. Je früher desto besser. Mittwoch sollen wir vortragen."
      Zumindestens darin waren sie sich mal einig. Aber er konnte es wohl auch kaum abwarten. Er würde vermutlich auch fast alles vortragen, und Arisa ein paar weniger wichtige Passagen überlassen, und ggf. nur ihre Mithilfe beim Erstellen andeuten, während er mühselig alles zusammengesammelt hatte, inklusive Interview. Die anderen würden vermutlich ihre Sachen nur aus Büchern haben. Er sprach selbst mit einer wichtigen Person, die vielen Träume und Hoffnungen schenkt. Und natürlich angenehme Stunden beim Musik hören.
      "He, Arisa, wie wäre es, wenn du dir mal ein Album von ihr kaufst? Wir haben doch bald Sommer. Bald kommt Sonnenglanz raus. ganze 10 Lieder purer Sonnenschein für die Seele. Vielleicht geht bei dir dann auch mal ein wenig mehr Licht ins Gemüt. Und ich hoffe doch, du wirst wenn es soweit ist nicht mit dieser dunklen Hitzekluft rumlaufen. So nen weißes Outfit stünde dir sicher besser. Dann müffelst du auch nicht so verschwitzt, wie letztes Jahr.", grinste er, nur um ihr einen reinzuwürgen. Aber er übertrieb damit sicher.
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    • Arisa verdrehte bei Migis enthusiastischem Geplapper über Yusa nur genervt die Augen. Natürlich hielt er sich für den größten Fan unter der Sonne.
      Sobald sie in der Klasse waren, warf er ihr das Material wie ein Paket auf den Tisch.
      „Hier, inklusive Bilder. Hab schon alles ausgeschnitten. Jetzt musst du das nur noch gekonnt als Text verfassen und Bilder einfügen, kopieren und fertig. Ich hoffe, du schaffst das bis morgen.“
      „Natürlich…“, murmelte Arisa trocken. Solange sie nur schreiben und gestalten musste, war ihr das sogar recht. Es hielt sie davon ab, mehr Zeit mit Migi verbringen zu müssen. Der Gedanke, ihn beim Vortragen aus nächster Nähe erleben zu müssen, reichte völlig.
      Arisa verdrehte nur die Augen, als er ihr wieder heiß machen wollte, dass sie ja heller Kleidung anziehen sollte. Dass er auch immer wieder versuchte sie zu Dingen zu bewegen, die mit Yusa in Verbindung waren, verstand sie nicht und es nervte sie nur. Konnte ernicht jemand anderen dazu zu bewegen wie Yusa anzuziehen und sich so zu verhalten? "Wie wär es, wenn du dich so anziehst wie sie, dann kommst du ihr ja noch näher dran." Sie meinte es natürlich nicht ernst, doch diese Vergleiche brachten sie mittlerweile fast schon zur Weißglut.
      Am Nachmittag setzte sie sich hin, überflog die Zeitschriftenartikel und seine Notizen vom Fanmeeting – ihrem Fanmeeting – und verzog angewidert den Mund, als sie sah, wie sehr er sich selbst in den Vordergrund gestellt hatte. Fast jede Formulierung war geschönt, übertrieben, voller Fantum und ein wenig zu viel persönlichem Pathos. Aber Arisa war gründlich. Sie formulierte den Text sauber um, baute klare Abschnitte ein: Kindheit, Werdegang, Alltag als Idol, Zukunftswünsche. Faltete alles so zurecht, dass es schlüssig, aber nicht peinlich wirkte. Professionell, sachlich, mit kleinen emotionalen Momenten, die echt klangen. Sie fügte die Bilder passend ein, sorgte für Struktur, Rücksicht auf die Zeitvorgabe und einen kleinen Abschluss, den sie selbst vortragen würde. Wenn Migi schon den Rest an sich reißt, dann sollte er wenigstens gut aussehen. Und auch wenn sie es eigenartig fand, ein referat über sich selbst zu halten, wollte sie es dennoch akzeptabel gestalten. Ein bisschen Würde wollte sie noch behalten, wenn sie schon so etwas machte.

      Die Klasse summte vor angespannter Erwartung. Die meisten Gruppen hatten sich auf langweilige Persönlichkeiten aus Politik, Geschichte oder Literatur gestürzt. Und dann kamen sie – Migi und Arisa – mit einem Idol. Migi stand vorne wie ein Entertainer.
      Er begann mit voller Energie und Arisa stand schweigend daneben, ihre Arme vor der Brust verschränkt, während Migi beinahe schon dramatisch ausholte. Er zitierte seine Interviewantworten fast wortwörtlich, erwähnte sogar die unterschriebene Figur, und sah dabei so stolz aus, dass man hätte meinen können, er sei das Idol.
      Dann kam ihr Teil.
      Sie trat vor, klappte einen Teil des Handouts auf und sagte ruhig: „Yusa ist seit mehreren Jahren aktiv in der Idol-Szene. Hinter dem Glanz steckt allerdings auch viel Disziplin. Früher Schulschluss ist selten, Pausen sind selten – was viele Fans oft vergessen. Und dennoch gibt sie ihr Bestes, um jedem Fan das Gefühl zu geben, gesehen zu werden.“
      Sie sprach ruhig, knapp, sachlich. Kein falscher Enthusiasmus, keine Mimik, die mehr verriet, als sie sollte. Aber genau das machte ihre Worte fast glaubwürdiger. Migi übernahm den Schluss, mit viel zu viel Glitzer in der Stimme.
      Stille. Dann klatschte jemand. Ein paar andere folgten. Der Lehrer räusperte sich.
      „Gute Struktur. Viel Eigenleistung. Interview, zusätzliche Quellen, eigene Gestaltung. Eine sehr starke Präsentation, trotz gelegentlicher Übertreibungen... von Migi.“
      Ein paar lachten.
      „Ich gebe euch eine 1-. Gute Arbeit.“
      Arisa atmete tief durch. Wenigstens war es vorbei. Die Note konnte sich sehen lassen und das Referat war eine Sache, die sie von ihrer inneren Liste streichen konnte. Nur Migis dummer Spruch über ihre „dunkle Hitzekluft“ hallte noch nach. Als würde er verstehen, warum sie so rumläuft. Oder wie schwer es ist, jeden Tag zwei Rollen zu spielen. Aber sie sagte nichts. Wie immer. Wie auch, wenn sie ihre Identität als sein Lieblingsidol geheim halten wollte, gar musste.
      Arisa kehrte zu ihrem Platz zurück und machte sich innerlich schon bereit von ihm anzuhören, wie wir dank seiner Arbeit so eine gute Note bekommen hane und auch nur weil es sich um Yusa gehandelt hat. Bla bla bla, Arisa stellte sich auf halb taub, damit sein gerede ihr nciht zu sehr in den Kopf stieg. Viel mehr machte sie sich Gedanken um die Show, auf die sie sich noch vorbereiten musste.
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    • Migi

      Das wars gewesen. Das Referat war ein - fast - voller Erfolg gworden, wäre da nicht das - Zeichen hinter der 1 gelandet. Das war jaschon fast eine 2.
      Und das, obwohl die Meisten eher den handeslüblichen Bekanntengrat durchkauten, und kaum neue Informationen präsentierten.
      Außer natürlich Daisuke und Rina. Die schossen natürlich wieder mit Kanonen auf Spatzen, und kassierten eine 1+, und trieben den Lehrer dazu sich zu entschuldigen, da er keine höhere Note vergeben konnte. Isaac Newton war ihr Thema gewesen, und der Lehrer schien ganz begeister davon zu sein, wie die beiden etwas über ihn und seine Arbeiten präsentierten. Und natürlich der berühmte Apfel, der vom Baum fiel.
      Migi nahm ebenfalls platz und verschränkte die Arme vor der Brust.
      "Na super. Da reiß ich mir den Hintern auf, und trage sogar noch persönliche Erfahrungen bei, und der Lehrer gibt nur eine 1-."
      Dann funkelte er zu Arisa. "Hmmm, Arisa? Wenn du beim nächsten Referat auch wieder so begeistert über jemanden sprichst, wie über Yusa heute, dann versuchs mal mit tatsächlicher Begeisterung! Wegen deinem Dahingebrabbel und deiner mimiklosen Totenmaske wurde die ganze Atmosphäre die ich geschaffen hatte verschmutzt. Der Lehrer hats wohl bemerkt. Reden ist wohl echt nicht deine Stärke, was?", murrte er.
      Natürlich war es Arisa, die es verbockt hatte. Was Yusa betraf, machte ein Migimoto keine Fehler.
      Er murmelte etwas vor sich hin. "Hmmm, vielleicht hätte ich Yusa dazu einladen sollen. Dann hätten wir das Referat gesungen vorgetragen. Das wärs gewesen, hehe."
      Naja, wenigstens war die Sache jetzt durch, und der schnöde Normalunterricht würde sie die nächsten Wochen überrollen.
      "Immerhin war der Text perfekt. Wärst du wie Yusa, könnest du prima eigene Lieder verfassen, und auch ein Idol werden.", lobte er direkt mal nach den Anschuldigungen es verbockt zu haben. Auch wenn vieles nur kopiert war, musste es dennoch auch mit eigenen Worten niedergeschrieben werden.
      Ihre Konterattacken winkte er entweder ab, oder er versuchte sie zu ignorieren, wenn sie ihm als belanglos erschienen. Er meinte dann zu ihr, das er keine Lust hätte, sich jetzt mit ihr auszudiskutieren, und wollte lieber Daisuke und Rina gratulieren.
      Der Rest des Schultages verging dann erstaunlich friedlich und normal.


      Mittwoch Abend bei Migi zuhause - TV Show mit Gast Idol Yusa

      Migi saß auf dem Sofa im Wohnzimmer und hatte den Abend natürlich schon für Yusa reserviert. Die Hausaufgaben waren gemacht, das Zimmer aufgeräumt und er bereits für erholsamen Schlaf in Short und Shirt gerüstet. Die TV Show begann um 21 Uhr und würde gut 2 Stunden dauern. Erst im letzten Viertel sollte Yusa auftreten. Sie würde natürlich auch ein Lied singen, aber dann eben noch das Gewinnspiel. Er selbst hatte sein Los vor sich auf dem Tisch liegen, so das er die Nummer gut erkennen konnte. Im Schneidersitz saß er auf dem Sofa und griffe in kurzen Abständen immer wieder in eine Schüssel mit Chips. Ein Glas Cola stand noch auf dem Tisch.
      Als zu Beginn der Show schon vorab die Gäste erwähnt wurden, und Yusa zu hören war, kam von ihm ein "YUSA YUSA! Gesundheit und Erfolg für dich. Und für die Trottel, die die ersten drei Preise abkassieren: GROßES UNGLÜCK!" mit nach oben ausgestrecktem Arm.
      Er glaubte ja an Vieles, aber nicht, das er heute mal sonderlich Glück mit nem Los hatte. Er würde nicht mal unter den 50 gezogenen Losen auftauchen. Das bedeutete aber immerhin, das es nen Trostpreis gab. In der Regel ne Postkarte, oder nen Code für nen Sondersmiley, den man dann 1 Wochen nutzen konnte, wenn man bei Yusas Webseite einen Beitrag schrieb.
      Zum Glück hatte er hier Ruhe. Sein Vater schnarchte bereits im Vollsuff in seinem Bett. Migi tat es nicht sonderlich gern, aber für Yusa im TV hatte er seinem Alten noch ne Falsch Schnaps besorgt - um Ruhe zu haben.
      Und so wartete er gebannt auf Yusas Auftritt. Zwischendurch wurden immer wieder mal unten ein paar Losnummern eingeblendet. Seine war tatsächlich nicht dabei.
      Dann kam Yusa und sang erstmal ein Lied. Dann etwas Talk mit dem Moderator und anschließens ging es dann um die drei Überraschungspreise des Gewinnspiels. Die Lose waren in Schatullen, die Yusa dann mit einem Ball von einer Ablage werfen musste. Dabei warf sie ihn entweder gezielt oder einfach nur gegen die Wand, bis eine Halterung nachgab. Die erste Kiste war für Platz 3, die Zweite für den Zweiten und die, die übrig blieb, nahm Yusa dann so in die Arme, setzte sich auf das Sofa und hielt sie wie einen Schatz im Schoß, während sie erzählte, was diese Person zu erwarten hätte.
      Der Dritte Platz waren 5 Tickets für ihr nächstes Live Konzert.
      >>Migi hätte heulen können<<
      Der zweite Preis war ein Einkaufsgutschein für Yusa Fanartikel im Wert von 10000 Yen und einem Gratis CD Album jeweils zum Herbst und zum Winter inklusive Autogramm nor vor Veröffentlichung.
      >>Migi hätte sterben können<<
      Und jetzt erzählte Yusa auch noch, das der erste Preis wohl etwas mit ihr persönlich zu tun hätte.
      >>Migi hatte bereits ein Dekokissen umklammert und biss vor Wut an einer Ecke rum<<
      Er war jetzt schon extrem neidisch auf den Gewinner mit der Los Nummer, die Yusa nun aus der Schatulle holte. Scheinwerfer richteten sich auf sie, eine spannende Musik ertönte, Sekunden wurden zu Stunden .... und dann verkündete Yusa die Losnummer.
      Es waren 8 Zahlen. Und jedesmal wenn Yusa eine aussprach, wiederholte das Publikum diese, und Migi bis jedesmal energischer auf dem Kissen herum.
      Vorallem als er sah, das jede verdammte Nummer, die Yusa nannte, brav der Reihe nach auf seinem Los stand.
      >>Migi wurde neu geboren<<
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    • Yusa stand vor dem beleuchteten Spiegel in der Garderobe, während zwei Stylistinnen an ihrem Haar arbeiteten. Ihre Haut glänzte dezent vom feinen Highlighter, ihre Wimpern waren lang, geschwungen und perfekt. Sie trug ein luftiges, sommerliches Kleid in einem zarten Gelbton, das locker über ihre Schultern fiel. Ihre Fingernägel waren frisch lackiert, sanftes Rosé mit kleinen Glitzerakzenten.
      Sie atmete ruhig ein.
      „Heute sind viele Leute da. Du weißt, was das heißt, oder?“, meinte ihre Managerin scherzhaft.
      Yusa nickte nur. Natürlich wusste sie es: Lächeln, Haltung bewahren, einstudierte Leichtigkeit ausstrahlen. Die Kamera war unerbittlich.
      Aber heute war nicht nur irgendein Auftritt. Es war ihr Segment in der letzten Viertelstunde, inklusive einem kleinen Gewinnspiel, bei dem sie die drei Überraschungspreise mit einem etwas albernen, aber charmanten Ballwurfspiel ziehen durfte.
      "Mach’s mit Spaß, Yusa", hatte ihr der Regisseur noch gesagt. „Ein bisschen Chaos wirkt immer sympathisch.“
      Das Publikum jubelte, als sie endlich die Bühne betrat. Sie verbeugte sich leicht, winkte fröhlich und stellte sich neben den Moderator.
      „Und hier ist sie, Yusa, unser Star des Abends!“
      Sie sang ein frisches, energiegeladenes Sommerlied, leichtfüßig, voller Rhythmus, mit ein paar eingestreuten Tanzbewegungen, die das Publikum mitrissen. Die Kameras fingen ihre strahlenden Augen ein, ihre Stimme war klar, und sie traf jede Note.
      Danach gab es ein kurzes Interview. Sie lachte, als sie gefragt wurde, wie es mit dem neuen Album aussah, und teasete zwei neue Songs an, „die der Seele gut tun würden“. Dann ging es zur Verlosung. Drei versiegelte Schatullen standen auf einer Halterung.
      „Und jetzt, meine Lieben, wähle ich mit Glück, Gefühl – und ein klein wenig Chaos – unsere drei Gewinner aus!“, rief Yusa, schnappte sich einen weichen Stoffball und zielte.
      Platz 3 – sie traf mit einem gezielten Wurf die linke Box. Fünf Konzerttickets.
      Platz 2 – sie schleuderte den Ball zu früh, er prallte erst gegen die Wand, dann auf die mittlere Schatulle. Ein Einkaufsgutschein über 10.000 Yen für Fanartikel und zwei Alben mit Autogramm.
      Dann blieb noch eine Box übrig.
      Sie lächelte, nahm sie sanft in die Arme, setzte sich wieder auf das Sofa und hielt die Schatulle wie einen Schatz.
      „Der erste Preis... ist etwas ganz Besonderes. Diese Person bekommt... nun ja, nennen wir es mal: ein kleines Stück echtes Yusa-Leben“, sagte sie verschmitzt.
      „Mehr verraten wir erst, wenn sich die Gewinnerin oder der Gewinner meldet.“ Dann öffnete sie die Box, nahm das goldene Losband heraus, und langsam begann sie, die Nummer vorzulesen.
      „3... 1... 5... 9... 4... 2... 0... 8...“
      Das Publikum wiederholte die Zahlen laut und rhythmisch. Yusa lächelte.
      „Wer immer du bist... ich hoffe, du freust dich so wie ich. Und bitte, lass dir nicht zu viel Zeit, dich zu melden.“
      Sie stand auf, verbeugte sich noch einmal. „Vielen Dank fürs Zuschauen. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder – vielleicht sogar beim nächsten Live-Konzert. Bis dahin: Sonnenglanz für euch alle!“

      Yusa saß auf dem Rücksitz, schnallte sich locker an. Ihre Mutter saß vorn, das Handy auf der Konsole, die Müdigkeit in den Augen.
      „Du warst großartig, wie immer“, sagte sie lächelnd, während der Wagen sich leise durch die nächtlichen Straßen bewegte.
      „Danke“, murmelte Yusa. Ihre Stimme klang weich, fast schläfrig. Der Adrenalinrausch ließ langsam nach.
      „Wir wissen erst, wer der Gewinner ist, wenn er sich meldet“, meinte ihre Mutter nüchtern. „Dann wird das Management alles vorbereiten. Wenn alles passt, wird er dich im Alltag begleiten dürfen, ein kleines Zeitfenster, kein Dauerabo. Du weißt ja: Regeln.“
      Yusa sah aus dem Fenster. Die Straßenlichter zogen an ihr vorbei. „Ich bin gespannt, wer es ist...“, flüsterte sie. Sie hoffte nur, dass es kein eigenartiger Mensch oder potentieller Stalker war. Der Gewinner wird ebenso strenge Regeln befolgen müssen, doch ein paar Freiheiten wird er haben. Arisa seufzte und rieb sich die Augen. Der tag war anstrengend gewesen, das ständige Lächeln, singen und tanzen und überhebliche Freundlichkeit, die ab einen bestimmten Zeitpunkt beinahe erzwungen wurde von ihr, nagte an ihrer Energie. Nicht nur musste sie ihre Aarbeot nachgehen, sie musste nun auch aufpassen, in ihrer freien Minute, was sie sagte oder tat. Denn er oder sie könnte alles herumplappern. Das Management müsste seine accounts überwachen, sodass er keine Unwahrheiten verbreitete.
      Während ihre Gedanken rund um den ersten Preis kreiste, merkte sie wie die Müdigkeit sie wie eine Welle erfasste. So schlief sie im Auto ein. Wie sie in ihr Bett gelang, wusste sie nicht mehr.
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    • Der nächste Schultag

      Migi hatte die ganze nacht nicht wirklich schlafen können. Er dachte zunächst an einen Scherz, oder einen Übertragungsfehler, eine falsch genannte Zahl, aber das Stöbern im Internet und Videos zur Auslosung die er als Wiederholung im Netz sah, bestätigten jene Zahlen, die er auf seinem Los stehen hatte.
      ER HATTE GEWONNEN - DER ERSTEN ÜBERRASCHUNGSPREIS!
      "Ein Stück echtes Yusa Leben?" Was zum Geier war damit gemeint. Man würde ihn wohl nichts abschneiden. Haare oder sowas. Nein, das war was anderes.
      Natürlich meldete Migi sich noch in der Nacht bei der Service Nummer und bekam schon erste Details mitgeteilt. Er sollte noch einen Fragebogen ausfüllen und eine Agetur aufsuchen, wo ihm noch ein paar Regeln erklärt werden würden. Dort würde er auch genau erfahren, was es mit Yusa Leben auf sich hatte. Man hatte ihm zumindestens kurz gesagt, das er sich bald mal eine Woche nachmittags, und am Wochenende ganztags Zeit nehmen müsste.

      Der nächste Morgen ließ ihm auch keine Ruhe, aber er schaufelte sein Frühstück rein, hinterlegte noch was für seinen Suff Vater und begab sich zur Schule.
      Heute war etwas anders, als Arisa auftauchte. Normalerweise stand Migi hier schon irgendwo und belästigte sie mit seinem Guten Morgen Gruß.
      Heute aber war es still. Entweder hatte er verschlafen, oder er war mal wieder krank und zuhause geblieben. Andere Möglichkeiten gab es nicht.
      Auch bei den Schuhschränken absolute Angenehme. Wie friedlich es schien. Man hörte fast mehr Geräusche von der Schule, die man sonst womöglich nicht wahrgenommen hatte.
      Aber all der Frieden zerbröselte, als Arisa das Klassenzimmer betrat, und ein fröhlich gelaunter Migimoto zwischen der anderen umherhüpfte, und mal wieder was zu Yusa verlauten ließ.
      "Habt ihr gestern abends auch die Show gesehen? Yusa war dabei. Es gab sogar ein Gewinnspiel.", laberte er ein paar Kameraden voll, die zum Teil so taten, als wäre es voll spannend.
      Aber trotzdem verriet er nicht, das er den ersten Platz gemacht hatte. Zu groß war die Furcht bei dem Gedanken, das man ihn folzen und ihm das Los entwenden würde. Ohne Los und Beweis bei der Agentur aufmarschieren wäre wohl etwas uncool.
      Er würde es ihnen schon noch unter die Nase reiben. Und nicht nur ihnen, sondern auch ... "ARISA! HUHUU. Hehehe."
      Er hatte sie entdeckt, da war sie gerade vier Schritte weit im Klassenraum. Zwischen den Stuhlreihen schwebte er leichtfüßig umher und folgte ihr zu ihrem Platz, ruckte seinen eigenen Stuhl zurecht und setzte sich auch hin.
      "Hast du gestern auch die TV Show gesehen? Die mit Yusa? Vermutlich nicht. Und dabei ist dir wieder so einiges durch die Lappen gegangen. Ich bin jedenfalls aus dem Häuschen. Nicht nur weil sie gesten Live gesungen hat. Sie hat wieder mal gestrahlt wie ein Superstar, hehe.

      Er vermutete das mit Zeit nehmen gemeint war, das er irgendwie mit Yusa Kontakt aufnehmen würde, und sie begleiten dürfte. Er ahnte ja nicht, wie nah er dran war. Falls ja, brauchte er nur ein paar Beweisfotos oder eine Videoaufzeichnung. Dann könnte er es allen unter die Nase reiben. Vorher glaubt ihm das eh keiner. Arisa schon mal gar nicht. Daher erzählte er es auch ihr nicht, das er den ersten Platz gemacht hatte.
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    • Arisa bemerkte schon auf dem Weg ins Klassenzimmer, dass etwas anders war. Kein „Guuuten Morgeeen, Arisa-chaaan!“ aus der Ferne, kein übermotivierter Winker am Schuhschrank. Fast zu schön, um wahr zu sein. Der Flur wirkte ungewohnt ruhig, so als hätte jemand die nervigste Tonspur des Morgens stummgeschaltet. Ein seltener, angenehmer Moment. Doch natürlich war das Glück nicht von Dauer.
      Kaum hatte sie den Fuß ins Klassenzimmer gesetzt, sprang ihr Migi praktisch entgegen. Er schien schon bei der halben Klasse seine Yusa-Predigt gehalten zu haben, denn ein paar Mitschüler sahen sie mit diesem Mitleidsblick an, der nur hieß: Viel Spaß mit dem Kerl.
      „ARISA! HUHUU. Hehehe.“
      Da war es wieder, dieses unerschütterlich fröhliche Dauergrinsen. Er folgte ihr auf dem Fuß, zog seinen Stuhl neben ihren und kippte gleich den nächsten Schwall Worte über ihr aus. Arisa blinzelte ihn wortlos an, dann wanderte ihr Blick demonstrativ zum Fenster.
      Natürlich hatte sie nicht geschaut. Warum sollte sie auch? Für sie war es immer dasselbe: Yusa lächelt, Yusa singt, Migi hyperventiliert. Ende. Sie war ja schließlich selbst an dem Tag dabei gewesen. Die Show hatte sich schließlich am Ende um sie gehandelt.
      Er schwärmte weiter, und sie merkte, wie ihr Körper automatisch den „Energiesparmodus“ einschaltete. Ein leises Seufzen entwich ihr, als er endlich Luft holte. „Aha… toll für dich“, murmelte sie nur, ohne wirklich auf seinen Inhalt einzugehen. Und als er sich wieder in Begeisterung hineinsteigerte, verdrehte sie langsam die Augen. Wenn er so weiterredete, würde er sich gleich selbst in Flammen setzen.
      Egal, dachte sie. Solange er nicht wollte, dass sie irgendwas dafür tun musste, war es ihr egal, worüber er sich den Kopf zerbrach.
      Solange sie keine Bilder sammeln, Texte schreiben oder sonstige Zusatzaufgaben erledigen musste, konnte er sich meinetwegen auch in Yusas nächstes Musikvideo teleportieren lassen. Nun, eigentlich nicht, da es ihr Musikvideo war, doch das musste er nicht wissen. Sie zog den Stuhl ein Stück näher an den Tisch und begann, ihren Notizblock aufzuschlagen. Vielleicht würde er ja irgendwann merken, dass sie geistig längst nicht mehr hier war. Der vorherige Abend hatte viel von ihr verlangt und sie war immer noch nicht genug ausgeruht. Sie hatte schlichtweg keine Kraft sich auf jede einzelne Aussage von Migi einzulassen.

      Arisa wusste immer noch nicht genau, wer den Hauptpreis aus der Show gewonnen hatte.
      Ihre Mutter hatte ihr zwar einen Nachnamen genannt, aber der war so verbreitet, dass er fast bedeutungslos war. Solange er mir nicht in die Quere kommt oder heimlich Fotos macht, ist mir das egal, dachte sie. Für den ersten Tag war ohnehin nichts Weltbewegendes geplant: Dem Gewinner würde man das Gebäude zeigen, ihn eine Schweigepflicht unterschreiben lassen und ein paar Blicke in Yusas Trainingsräume gewähren. Heute standen Tanzübungen und eine Gesangsprobe auf dem Plan, nichts, was ihre Aufmerksamkeit wert war.
      Nach der Schule fuhr ihre Mutter sie direkt zum Gebäude. Zuhause hatte sie sich noch einmal frisch geschminkt, bevor sie losgefahren waren.
      Im Gebäude angekommen, ging Arisa wie immer zu ihrem privaten Raum, den sie liebevoll „Yusa-Lobby“ nannte. Geräumig, mit gemütlichen Sitzplätzen, die sie und ihre Mutter, aber auch ausgewählte Gäste nutzen konnten. In den Ecken standen Arcade-Spiele, an den Wänden hingen Poster, und ein riesiger Fernseher dominierte die Frontseite. Ein Ort, an dem sie sich entspannen konnte, mit einer gewissen Privatsphäre – zumindest solange kein Mitarbeiter mit „wichtigen Angelegenheiten“ hereinkam.
      Jetzt saß sie tief in eines der großen, kuscheligen Sofas versunken, das Smartphone locker in der Hand, und ließ Social Media an sich vorbeirauschen. Sie wartete. Irgendwann würde der ominöse Gewinner hier auftauchen. Und sie war sich noch nicht sicher, ob sie darauf neugierig war, oder nur darauf, wann sie endlich wieder ihre Ruhe haben würde.
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    • Migi

      Die Zeit verging wie im Fluge, und dann kam der Tag der Tage - der erste Tag Yusa Live bei ihrer Arbeit.
      Eine ganze Woche würde er sie bei ihren Tätigkeiten begleiten können, und sogar ein paar Arbeiten erledigen.
      Morgens Schule, und ab 16 Uhr bis 20 Uhr durfte er zur Agentur. Und so ging das für 5 Tage. Am Samstag war etwas besonderes geplant. Dort würde er schon morgens um 10 Uhr antreten, bis abends um 22 Uhr. Und den Sonntag dann noch einen halben Tag Arbeit und zur Abschlusskrönung gäbe es Abends noch ein Essen in einem teuren Luxusschuppen.
      Diese Woche war die Woche seines Lebens. Wenn er das allen hinterher in der Schule vorhält, werden sie vor Neid erblassen.
      Pünktlich um 16 Uhr war Migi im Gebäude angekommen.
      Die Empfangsdame prüfte kurz ein paar Angaben, und dann kam auch schon eine Bürokraft und nahm ihn erstmal mit zu einem Gespräch. Der Typ hatte ein vollgequalmtes Büro und sah etwas verschwitzt aus. Er bot Migi einen Platz und stellte sich kurz als Mr. Satoshi vor.
      Dann knallte er ein paar Seiten frisch Gedrucktes auf den Tisch.
      "Hören Sie zu, Mr. Murai. Sie unterliegen einigen strengen Regeln, was den Kontakt zu Yusa angeht, ihrem Umgang, und jenen Dingen, die um sie geschehen und die sie tut. Verstanden?"
      "Ähh, jawohl. Selbstverständlich.", antwortete er. Der Mann nickte.
      "Lies dir die Seiten durch. Wir brauchen vier Unterschriften. Eine ist ne Versicherung, da du Yusa begleiten wirst. Das kann also auch außerhalb vom Gebäude sein. Falls es zu einem Unfall kommt. Und dann natürlich noch die Vergütung. Du erhälst natürlich vollen Lohn für deine Arbeiten. 100.000 Yen. Ja, hier verdient man ganz gut. Vorallem wenn man als Direkthilfe für ein Idol arbeitet."
      Migi wäre fast die Kinnlade runtergefallen. 100.000 Yen war schon ganz schön viel. Und das für eine Woche, nichtmal bei Vollzeit. Im Monat wäre das mehr als Durchschnittslohn. Wieviel Yusa wohl bekam? Auftritte, Werbeeinnahmen, Sponsoren usw.
      Dann musste er noch eine Onlineaktivitäten preis geben und für die Richtigkeit unterschreiben. Man würde ihn also überwachen. Er dürfte weder falsche Infos verbreiten, noch Dinge die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, oder gar Privates zu Yusa. Selfis sofern genehmigt. Nur was schon gewesen war, dürfte nach Prüfung online gestellt werden.
      Und die letzte Unterschrift war eine Schweigepflicht. Das betraf vorallem Yusa. Auch falls ihm private Dinge bekannt werden würden. Nur noch eine schärfere Variante zur Online Überwachung. Hohe Strafen wären möglich.
      Aber Migi würde niemals seinem Idol Yusa Schaden zufügen wollen. Er unterschrieb mit einem breiten Grinsen, und wurde dann entlassen. Eine weitere Bürokraft, eine Frau Mei, holte Migi ab und mit einem Fahrstuhl fuhren sie in die oberen Stockwerke.
      Auf dem Gang begegnete er noch zwei weiteren Idols, eine winkte kurz, die andere saß nur auf einem Sofa und ließ eine Kaugummiblase platz. Migi erkannte sie. Das war Gina GumGum, ne Art Rockröhre. Bissel Punk Style, häufig im TV zu sehen bei so ner seltsamen Serie mit Puppen. Singt harten Rock usw.
      Die Andere war ihm unbekannt.
      Dann erreichten sie das Ziel. "Yusa-Lobby?", fragte er.
      Mei nickte. "Jawohl. Yusa befindet sich dort drin. Es dauert noch etwa eine halbe Stunde, bevor sie ihre Arbeit beginnt. In der Zeit dürfen sie sich etwas kennen lernen."
      Sie klopfte an die Tür und betrat den Raum.
      "Fräulein Yusa? Ich bringe ihnen nun den Gewinner der Preislosung. Ein Herr Murai."
      Migi betrat den Raum und erblickte Yusa auf einem Sofa sitzend, die fröhlich grinsed aufschaute, und kurz tatsächlich etwas überrascht wirkte. Bestimmt, weil sie ihn wiedererkannt, von der Autogrammstunde.
      Er verbeugte sich.
      "F-freut mich dich kennenzulernen, ehrenwerte Yusa. Ich bin Migimoto Murai, aber alles nennen mich Migi. Wenn du möchtest, darfst du mich gern auch so nennen."
      Frau Mei nickte Yusa zu, und verließ den Raum, nach einer kurzen Info. "Noch 30 Minuten."
      Jetzt hatte Yusa eine halbe Stunde Zeit, mit diesem Migi zu quatschen, den sie ja eigentlich in Form von Arisa eh schon sehr lange kannte.
      Herzlichen Glückwunsch, Yusa. Der Gewinner ist eine ganz bestimmte Nervewnsäge!
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