Between Fangs and Claws [Kürbis vs Dämon]

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    • Cal stand viel zu lange unter der Dusche. Oder nicht lange genug. Hier unter dem konstanten Wasserstrahl konnte er so tun, als sei er nicht hier, im Apartment einer reinblütigen Vampirprinzessin, die er vor ein paar Stunden noch durchgenommen hatte, als hinge sein Leben davon ab. Hier konnte er aber auch so tun, als sei er nicht der Führer eines der stärksten Rudel im Land, das in einem wackeligen Frieden mit einem Haufen Vampiren stand.
      Mit einem Seufzen machte er sich dann aber doch fertig. Sein Haare trocknete er nur so lange ab, bis sie nicht mehr tropften, dann band er sie einfach hoch in seinen üblichen, chaotischen Bun. Die Klamotten von gestern warf er auch ohne Skrupel wieder über. Bevor er das Schlafzimmer verließ, nahm er noch einmal tief Luft, um diesen Geruch so tief in sich aufzunehmen, dass er ihn für ein paar Tage nicht mehr vergaß.
      "Hey," meinte er, als er in den Wohnbereich zurückkehrte. "Du hast da noch was vergessen."
      Er zog den Kragen seines T-Shirts beiseite und entblößte die beiden kleinen blutigen Punkte an seinem Hals.


    • Ilya

      Sie war gerade dabei einen Blutbeutel aus dem Kühlschrank zu nehmen, hatte sich schon absolut nicht darüber gefreut, was jetzt auf sie zu kommen würde, als Calder frisch geduscht aus dem Gästezimmer spazierte.
      Ilya knurrte ein wenig angepisst, als er auch noch seinen Hals entblößte als hätte er sie nicht quasi von der Bettkante gestoßen. Eigentlich hatte sie gar keine Lust ihn jetzt noch abzulecken. Das beste wäre wenn sie die Wunden nochmal öffnete und dann ordentlich verschloss. Aber das würde auch bedeuten, ihn nochmal zu schmecken. Sich nochmal der Versuchung hinzugeben, wenn er doch eh schon eine Linie gezogen hatte, die sie nicht noch einmal überschreiten sollten.
      Andererseits war das Blutbeutel in ihrer Hand definitiv Plan Z, wenn Calder’s Blut Plan A war.
      “Ich muss nochmal zu beißen, wenn ich die Wunden ordentlich verschließen soll.” Murmelte sie, nüchtern, schließlich.


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    • Fuck.
      "Dann leg mal los," meinte Cal mit einem - hoffentlich - nonchalant Schulterzucken.
      Er gab sich äußerste Mühe, sich von dem, was gleich passieren würde, zu distanzieren, denn er wusste ganz genau, dass ihm der Biss bis in die Lenden schießen würde. Er hatte keine Zeit, sich jetzt noch einmal in Ilya zu verlieren, egal wie sehr er es vielleicht wollte. Er musste nach Hause, er musste letzte Nacht vergessen. Ihren Duft, das Gefühl ihrer Haare in seinen Händen, die Wärme ihrer... Nope! Nein! Andere Gedanken!
      Er fischte sein Smartphone heraus und rief sich einen Uber, der ihn ohne Probleme nach Hause bringen konnte. Menschen, so unwissend wie sie waren, durften sich frei zwischen den rivalisierenden Territorien bewegen. Sich einen Uber zu bestellen war gerade langweilig genug, um Calder effizient von dem abzulenken, was Ilya gleich tun würde. Gut.


    • Ilya

      Sie hatte fast erwartet er würde sich wehren. Immerhin wussten sie beide, was mit einem Biss von ihr zusammen kam. Naja. Wenn sie es schon angeboten hatte, konnte sie es ja auch schlecht zurück nehmen. Seufzend legte sie die Blutkonserve zurück in den Kühlschrank und wandte sich ihm zu. Lieber schnell das Ganze hinter sich bringen, als noch weiter hinauszögern. Vergessen würde sie es eh nicht mehr.
      Ilya’s Zähne wuchsen an, als sie schließlich vor ihm stand. Scheisse, natürlich war er viel zu groß als dass sie zubeißen konnte ohne dass er sich zu ihr lehnte. Etwas grummelnd hob sie die Arme und zog ihn zu sich runter, stellte sich gleichzeitig auf die Zehenspitzen um ihre Zähne in seinen Nacken zu setzen. Sein Blut benetzte ihre Zunge, wie eine Sünde. Fuck fuck fuck. Ilya konnte das Stöhnen kaum unterdrücken, sich kaum von ihm wegreißen. Einen Moment länger, einen Moment zu lang wollte sie ihn noch schmecken. Es war so schwer, sich los zu reißen, die Zähne zurück zu nehmen und die Wunden zu zu lecken, wenn sein Blut so verdammt gut schmeckte.


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    • Wie sie so vor ihm stand, war gefährlich. Wie sie ihn ansah, war gefährlich. Viel zu bereitwillig ließ er sich von ihr runterziehen. Viel zu bereitwillig lehnte er den Kopf zur Seite, damit sie mit seinem Hals anstellen konnte, was auch immer sie wollte.
      Er sog scharf die Luft ein, als er ihre Zähne spürte, wie sie durch seine Haut stachen. Cal ballte die Hände zu Fäusten, um sie bei sich zu behalten, anstatt die Arme um sie zu schlingen, denn wenn er da tat, glich das einem Todesurteil. Nein, er musste stark bleiben, egal wie süß das Kribbeln in seinem Rücken war, egal wie sehr er sich nach ihrer Berührung sehnte. All das musste hier und jetzt enden.
      Cal riss sich zusammen und räusperte sich. Er wollte das hier nicht beenden, aber er hatte keine andere Wahl. Vorsichtig schob er Ilya von sich, nachdem er ihre Zunge - mondverdammt, ihre Zunge fühlte sich so gut auf seiner Haut an! - an seinem Hals gespürt hatte. Mittlerweile wusste er, dass das schon ausreichte, um eine Verletzung zu heilen.
      "Ich äh..." stammelte er. "Ich... geh dann mal."
      Für einen langen Moment stand er noch da, wie bestellt und nicht abgeholt. Dann wandte er sich um und eilte aus dem Apartment. Je mehr Abstand er zwischen sich und Ilya brachte, desto besser, dachte er sich. Trotzdem konnte er an nichts anderes als ihre Lippen, ihre Zähne an seinem Körper denken, während er im Aufzug stand und darauf wartete, die Flucht ergreifen zu können.

      Er hatte Ilya immer noch nicht aus seinem Kopf bekommen, als er zu Hause bei seinem Onkel aufschlug. Robin öffnete ihm die Tür und verzog sofort das Gesicht.
      "Du stinkts!" verkündete sie. "Nach Vampir.
      "Das passiert halt, wenn man bei einem übernachtet," grummelte Cal.
      "Geh und deck den Tisch," mahnte Cora ihre Tochter und Robin verschwand.
      "Sie hat Recht, weißt du?" meinte Linden, als Cal ihn in der Küche fand.
      Cal zog eine Grimasse.
      "Wenn's dich so stört, dann kannst du ja das nächste mal gehen," gab er schlicht zurück und ließ sich an der Kücheninsel auf einem Barhocker nieder.
      Nur um gleich wieder aufzustehen, als bestimmte Bilder durch seinen Kopf zuckten. Nein, nope, Barhocker waren wohl aktuell ein No-Go. Na toll.
      "Was ist los?" fragte Linden, dem solche Details natürlich nicht entgingen.
      "Nichts!" erwiderte Cal. "Ich will nur nicht die Möbel vollstinken."
      Dramatischerweise zog er eine Nase von seinen Achseln. Er roch in Ordnung, nach teurem Duschgel sogar, aber er spielte trotzdem mit.
      "Ich geh schnell duschen. Und schlaf heute Nacht draußen im Dreck oder so. Offener Himmel ist genau das, was ich heute brauche."
      "Warum denn das?"
      "Weil ich meine letzte Nacht in irgendwelchen Tunneln und Lagerhäusern verbracht hab."
      Alle schüttelten sich theatralisch.
      "Abendessen in zehn Minuten," mahnte Cora, als Cal schon auf dem Weg nach oben war, um besagte Dusche zu nehmen, die er nicht brauchte.

      Cal konnte nicht schlafen. Das lag wahrscheinlich daran, dass er erst um fünf aufgestanden war. Auf keinen Fall lag es daran, dass jedes Mal, wenn er die Augen schloss, er das Gefühl hatte, dass sich Ilya wieder an ihn kuschelte, nackt, hungrig...
      Er schüttelte den Kopf und legte noch einen Zahn zu. Er rannte durch den Wald im Naturschutzgebiet, um seinen Kopf freizubekommen, aber es funktionierte nur in Teilen. Zwischen den Wipfeln der Bäume konnte er den Mond sehen; der Himmel war wolkenlos. Der Mond war dankenderweise schon untergegangen, als er und Ilya... nope! Langweilige Gedanken!
      Cal find den Duft eines Wildschweins auf und bremste sofort ab. Die Paarungszeit warum, die kleinen Schweinchen schon was auch immer Schweine waren, wenn sie ihre Eltern nicht mehr brauchten. Ein Wildschwein zu jagen war also erlaubt. Perfekt!
      Cal folgte dem Duft, pirschte sich durch das Unterholz, bis er das Schwein fand. Ein großer Eber, der mit seinen dicken Zähnen den Boden aufwühlte. Cal duckte sich, bewegte sich um Zentimeter nach vorn. Wölfe waren nicht unbedingt Lauerjäger, aber je näher er kam bevor er die Hatz starten musste, desto besser.
      Der Eber hob den Kopf, Cal erstarrte. Ein besorgtes Grunzen, ein par Schritte. Der Eber schrie auf und rannte davon. Cal brach aus dem Unterholz hervor und hetzte ihm hinterher. Die kleinen Beine des Schweins trugen es überraschend schnell durch den Wald - aber Cal war schneller. Er stieß sich von einem Baum ab, um die Kurve zu kriegen, dann biss er dem Schwein im Flug in einen Hinterlauf. Sie krachten beide zu Boden, das Schwein gab seine Flucht auf und senkte den Kopf. Als ob sich Cal von ein paar Zähnchen bedrohen ließe.
      Spitze Zähen sanken in seinen Nacken, sandten ein angenehmes Kribbeln seinen Rücken hinab.
      Der Eber rammte seinen gesamten Körper in Cals Seite. Cal jaulte auf, als ihm die Zähne des Schweins die Flanke aufrissen. Er wirbelte herum, schlug den Eber mit seiner Pfote beiseite. Dann stürzte er sich auf das Tier und zerdrückte ihm die Luftröhre mit einem festen Biss. Und dann brach er dem Tier das Genick, weil er es so wild hin und her schüttelte.
      Er schleifte den Eber durch den gesamten Wals bis nach Hause, wo er ihn am Waldrand für ein paar jüngere Wölfe, die noch nicht alt genug zum Jagen waren, aber durchaus schon auf den Geschmack gekommen waren, liegen ließ. Dann schlurfte er zu der Lichtung in der Nähe seines Hauses, legte sich hin und leckte sich die Wunden, bevor er schließlich doch in den sanften Strahlen der Morgensonne einschlief.


    • Ilya

      Eigentlich sollte sie jetzt nochmal duschen. Zwar würde keiner den Geruch von Calder an ihr kommentieren, aber das hieß bei ihnen ja nichts. Nur waren es mittlerweile knapp 18 Uhr und man erwartete sie vermutlich. Immerhin war sie, vorerst, gesättigt, selbst wenn sie gerne noch mehr von seinem Blut gehabt hätte. Ob sie jemals wieder davon..ach Scheiße man. Es half ja doch nichts, weiter darüber nachzudenken.

      “Vater.” Sie hatte einen kleinen Umweg gemacht, stand nun wieder vor ihrem alten Herrn wie ein kleines Kind, was seine erste Note zeigte. “Die Gehirnwäschen sind stark. Ich hab es nicht geschafft sie komplett zu zerbrechen, ohne alles kaputt zu machen.” Gab sie zu. Schämen tat sie sich nicht dafür, aber gut war das auch nicht. Schliesslich war ihre Hypnose fast genauso gut, wenn nicht sogar besser, als die ihres Vaters.
      Leonhard vor ihr versteinerte förmlich, als er seiner Tochter zu hörte. Dass er sie eigentlich fragen wollte, warum sie nach Wolfsblut stank und ihre Augen zu Silber für ihr Alter waren, war schnell vergessen.
      “Keine Chance?” Hakte er nach, meinte natürlich, ob die Vampire nicht doch zumindest ein wenig von ihren Erinnerungen behalten konnten. Schließlich waren sie ohne ziemlich nutzlos. “Ich kann’s versuchen, aber das dauert ewig. Und du weißt wie anstrengend das ist.” Ilya stemmte die Hände in die Hüften. “Entweder brauche ich Verstärkung oder eine laufende Blutbank und mindestens 2 Wochen.”
      “Lass mich mit deiner Mutter und dem Rat sprechen. Währenddessen suchst du alle zusammen, die beeinflusst sind. Miklas und Altair begleiten dich.” Ah? Immerhin schien ihr alter Mann ausnahmsweise mal ein bisschen Tempo aufzunehmen. Daher sah Ilya es gar nicht ein, zu widersprechen. Mit einem Nicken verabschiedete sie sich und trat wieder hinaus. Das würde eine lange Nacht werden.

      “Hab ich euch nicht mit dabei, damit sowas nicht passiert?” Zischte Ilya als sie sich nur mit Ach und Krach einen der Vampire vom Hals hielt. Miklas und Altair hatten selber alle Hände voll zu tun ihre Gegner ruhig zu stellen, ohne sie gleich umzubringen. Vampire waren nun mal zäh. Sie hatte keine Zeit, um ihm zu Hypnotisieren, nicht wenn sie gleichzeitig ausweichen und treten musste. So hatte sie sich den Besuch im nördlichen Lager nicht vorgestellt. “Wie kann das bitte sein, dass hier 15 korrupte Vampire arbeiten, ohne das jemand was davon mitbekommen hat?” Beschwerte sie sich weiter und ignorierte den beißend heißen Schmerz, als sich scharfe Zähne in ihren Arm verkeilten. Ilya knurrte, trat den älteren Vampir von sich und leckte ihre Wunden, um diese zumindest zu verschließen. Die lange Nacht wurde gerade noch ein bisschen länger. Und gefährlicher.


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    • Cal verschlief den gesamten Morgen, ausgestreckt auf der moosigen Lichtung. Sonnenlicht glitt wie warme Finger durch die Blätter, malte helle Flecken auf sein dunkles Fell. Der Schmerz in seiner Flanke war dumpf geworden, hatte sich in ein rhythmisches Pochen verwandelt, das ihn nicht wirklich störte, aber stetig daran erinnerte, dass Wildschweine keine leichten Gegner waren. Doch es war nicht der Schmerz, der ihn wach hielt. Es war das, was in der Nacht davor geschehen war. Oder vielmehr: wer.
      Er hatte versucht, Ilya aus seinen Gedanken zu verbannen. Es war ihm nicht gelungen.
      Er hörte seinen Onkel lange, bevor er ihn sah: das feste Auftreten der schweren Stiefel, das Rascheln von Zweigen, das tiefe Einatmen, wie ein Mann, der nicht wütend sein wollte, es aber auch nicht ganz lassen konnte.
      "Na super", murmelte Lindens Stimme. "Und ich dachte, du würdest ausnahmsweise mal nicht wie ein bescheuerter Jungwolf irgendwelche Selbstmordaktionen im Wald starten."
      Cal hob leicht den Kopf. Ein tiefes Schnauben war seine einzige Antwort.
      Linden trat näher, kniete sich neben ihn und strich ihm das Fell zur Seite. Sein Blick verfinsterte sich sofort. Ein leiser Fluch entfloh ihm.
      "Das ist von einem Wildschwein, oder? Hast du’s wenigstens gegessen, oder war das wieder eine sinnlose Machtdemonstration?"
      Cal schloss die Augen halb und zuckte leicht mit einem Ohr. Er hörte, wie Linden tief durchatmete, bevor er leiser sprach.
      "Du musst vorsichtiger sein, Junge. So was kannst du dir nicht leisten, nicht in diesen Zeiten."
      Cal schnaubte leise, drehte den Kopf zur Seite, aber ließ es zu, dass Linden weiter prüfte, was er sehen musste.
      "Komm", sagte Linden schließlich, klopfte sich die Hände ab und richtete sich auf. "Cora dreht durch, wenn sie das hier nicht versorgen darf."
      Cal erhob sich schwerfällig, schüttelte sich kurz, dann trottete er seinem Onkel durch das Unterholz hinterher. Er verwandelte sich nicht zurück. Es fühlte sich leichter an, so zu sein. Weniger kompliziert. Weniger… menschlich. Außerdem war es besser, eine Verletzung in der Form zu versorgen, in der man sie erlitten hatte. Wolf Einmaleins.
      Zuhause wartete bereits eine Mischung aus Alltagschaos und stiller Vorbereitung auf seine Rückkehr. Cora, die gerade Salat in eine große Schüssel warf, warf ihm nur einen prüfenden Blick zu und ließ sofort alles stehen, um sich um ihn zu kümmern.
      "Bei der Großen Wölfin, was hast du diesmal angestellt?" Ihre Stimme war schrill vor Sorge, nicht vor Wut.
      Cal ließ sich sofort auf der Veranda nieder, den verletzten Bereich in ihre Richtung zeigend.
      "Warte – ich hol meine Sachen!" rief sie und verschwand wieder ins Haus.
      Linden stellte sich neben ihn. "Man könnte fast meinen, du machst das absichtlich. Damit sie dir das Fell streichelt."
      Ein leises Knurren kam als Antwort, und Linden grinste.
      "Schon gut, schon gut."
      Cora kam mit einem Tablett zurück, das nach Hausapotheke aussah, mit selbstgemachten Salben und dem üblichen Inhalt eines Erste Hilfe Kastens, der einer Familie dienen musste, die sich oft auf die Fresse legte. Sie warf Cal einen tadelnden Blick zu.
      "Du warst unvorsichtig. Normalerweise zerreißt du Wildschweine im Schlaf."
      Cal legte den Kopf auf die Pfoten, während sie vorsichtig die Stelle reinigte. Coras Stimme war warm, trug diesen mütterlichen Ernst, der keine Widerrede duldete – auch nicht von einem Wolf. Cal ließ es über sich ergehen. Er schloss die Augen, während ihre Finger routiniert die Salbe verteilten. Es war seltsam angenehm, so umsorgt zu werden – ganz besonders, wenn man sich innerlich wie ein einziger Knoten fühlte.
      Auf der Terrasse hatte Linden inzwischen einen der Teller wieder vom Tisch genommen, kaum ein Augenrollen, kein Kopfschütteln. Es war Routine. Wenn Cal nicht reden wollte – oder nicht konnte – machte man einfach Platz für seine andere Seite.
      Robin und Silas, kamen nur wenig später nach Hause. Silas blieb sofort in der Tür stehen, die Augen groß, während Robin schon quer durch den Garten stürmte, um vor Cal in die Hocke zu gehen. Ihre Hände glitten durch sein Fell, suchten nach der Verletzung.
      "Nicht schlimm", meinte Linden trocken, bevor die Panik aufkeimen konnte. "Er war mal wieder übermütig. Und ein Eber ist eben kein Kaninchen."
      "Du siehst aus wie ein geprügelter Straßenköter."
      "Robin", mahnte Silas, der sich mit verschränkten Armen gegen die Wand lehnte. "Lass ihn in Ruhe."
      "Ich mach mir nur Sorgen", sagte sie und sah Cal an.
      Beim Mittagessen saß die Familie wie immer zusammen, Stimmen, Lachen, Streit über irgendetwas Nebensächliches – während Cal am Boden sein Fleisch mit hastigen, aber nicht gierigen Happen fraß. Niemand sprach ihn an. Niemand störte ihn.
      Als sie fertig waren, legte er sich auf den warmen Holzboden der Veranda, den Kopf auf die Pfoten, die Augen halb geschlossen. Die Sonne legte sich angenehm schwer über seinen Körper, lullte ihn ein – aber Schlaf kam nicht zurück.
      Stattdessen war da Ilya.
      Nicht körperlich. Nicht mit Haut und diesen Händen, die ihn so festgehalten hatten, als wären sie im freien Fall. Aber ihr Bild, ihre Stimme, ihr Geruch – all das klebte an ihm wie Honig im Fell.
      Was tat sie jetzt? Schlief sie? War sie überhaupt in der Lage gewesen, nach dieser Nacht zu schlafen? Hatte sie bereut, was passiert war? Oder erinnerte sie sich mit derselben fiebrigen Unruhe daran wie er?
      Er sollte nicht so viel an sie denken. Sie waren keine Freunde, keine Verbündeten. Ihre Familien, ihre Clans, ihre Leben standen auf entgegengesetzten Seiten.
      Aber was zur Hölle bedeuteten diese Seiten noch, wenn sie nackt in seinen Armen gelegen hatte, zitternd, echt, vollkommen?
      Er atmete tief durch die Nase ein. Da war noch ein Rest von ihr – eingebrannt in seine Erinnerung, in seine Sinne. Und er hasste, wie sehr er sich wünschte, dass es mehr war als ein Ausrutscher.
      Wenigstens konnte es ihm so niemand ansehen. Als Wolf war er nur ein Tier. Kein Mann, der den Verstand verlor, weil eine Vampirin ihm unter die Haut gegangen war.


    • Ilya

      “Hätte ja auch nicht anders kommen können.” Ilya zischte als sie umgeben von Vampir-Leichen und Körperteilen versuchte ihren eigenen Arm wieder anzuheilen. Dass Vampire ihre Körperteile wieder anbringen konnten war bekannt. Sie hatte es selber schon als Kind machen müssen. Genau der selbe Arm. Natürlich hatten ihre einstigen Verbündeten die kleine Schwachstelle ausgenutzt.
      Altair und Miklas sahen nicht unbedingt besser aus. Gerade Altair hatte Schwierigkeiten gehabt, sich gegenüber den wesentlich Älteren Vampiren zu beherrschen. Zusammen ihrer der eindeutigen Unterzahl war es also kein Wunder, dass, leider, ein paar Ihresgleichen nicht die nächste Nacht erleben würden.
      Bevor sich Ilya allerdings über die Konsequenzen kümmern konnte musste sie sich erstmal auf sich selber konzentrieren. Die oberflächlichen Wunden würden schnell heilen, doch gerade ihr linker Arm war schon immer hartnäckig gewesen. Dazu kam noch der Blutverlust und Kraftverbrauch über die Nacht.
      Frustriert knirschte Ilya mit ihren Spitzen Zähnen. Sie hatte Hunger. Schmerzen. Und sie war erschöpft. So erschöpft, dass auch nach dem zweiten Versuch ihr Arm wie ein toter Appendix auf den Boden knallte. “Shit man.” Fluchte sie, während sie die blasse Extremität wieder aufnahm und ein weiteres Mal versuchte Sehnen, Arterien und Knochen wieder zusammen zu führen.
      Mittlerweile war es locker schon 12 Uhr mittags. Definitiv eine Zeit, in der Ilya nicht nach Hause laufen konnte und sich dort in Ruhe um ihre Wunden kümmern konnte. Gott wie sehr sie sich jetzt in seine Arme zurück sehnte. Nicht nur weil er sie so festgehalten hatte, als wäre sie die Einzige, die er im Leben brauchte, sondern weil sie sich seltsam friedlich in seiner Präsenz fühlte. Ihre mittlerweile wieder tiefroten Augen scannten das Ausmaß der Nacht. 4 tote Vampire. 5 weitere komplett ausgeknockt und der Rest gerade so per Hypnose ruhig gestellt. Darum würde sie sich nicht mehr kümmern. Wozu gab es bitte einen ganzen Rat und Senat voller alter Säcke? Sollten die sich doch um die Logistik scheren.
      Ihr Arm war immer noch nicht richtig angewachsen, als Ilya mit etwas schwankenden Schritten Richtung Ausgang ging. Miklas war immerhin noch in der Lage sie zu ihrer Wohnung zu fahren.

      Irgendwie hatte sie es geschafft in ihre Penthouse Wohnung zu gelangen. Natürlich nicht ohne Sonnenbrand und nur mit viel Mühe ohne, dass ein Mensch sie gesehen hatte. Doch nun? Nun konnte sie zumindest ihre Blutkonserven leeren während sie versuchte diesen blöden Arm wieder anzubringen, bevor sich die Wunden zu sehr verschlossen und sie beide Enden noch irgendwie wieder öffnen musste.
      Was Calder wohl machte? Dachte er so viel über sie nach, wie sie über ihn? Hatte er sie schon vergessen? Bereute er schon, ihr jemals begegnet zu sein?
      Ilya leerte die dritte Blutkonserve und lachte bitter. Die Konserven schmeckten wie Scheiße. Sie nährten sie nicht, stillten den mordsmäßigen Hunger kein bisschen. Natürlich.
      Natürlich hatte er einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Natürlich sehnte sie sich nicht nur nach seinem Blut, sondern nach seinen Lippen auf ihren. Vielleicht hätte sie dann für einen kurzen Moment die Bisswunden auf ihrer Haut und den nutzlosen Arm vor ihr vergessen können.
      Und ganz vielleicht hätte sie dann zumindest die Kraft gehabt, um das doofe Ding endlich wieder anzubringen.


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    • Cal hatte den Tag damit verbracht, in der Sonne zu liegen, das Ohr zucken zu lassen, wenn eine Fliege zu nah kam, und sich nicht zu rühren, wenn jemand versuchte, ihn zu irgendetwas zu motivieren. Niemand drängte ihn. Nicht heute. Nicht, wenn er diese Ruhe so offenkundig brauchte.
      Am Nachmittag waren ein paar der Jungwölfe aufgetaucht, kaum älter als zehn, alle viel zu energiegeladen für die frühe Abendstunde. Sie stürmten über die Lichtung, bellten, japsten, rammten einander in tapsigen Bewegungen – und als sie Cal entdeckten, quietschten sie fast vor Begeisterung.
      Einer der Kleineren sprang ihm direkt auf die Flanke, knabberte an seinem Ohr. Ein anderer rutschte quer über seinen Rücken, plumpste dann unsanft auf den Boden und jaulte kurz auf – nur um danach wieder zu lachen. Cal seufzte innerlich, hob dann aber träge den Kopf, ließ sich überrollen, warf dabei einen der Kleinen spielerisch um und ließ sich auf einen Ringkampf ein, der mehr Gewusel als echte Auseinandersetzung war.
      Die Jungwölfe liebten ihn – nicht, weil er ihr Rudelführer war, sondern weil er sich nie zu schade dafür war, auf ihren Unsinn einzugehen. Selbst wenn seine Flanke schmerzte. Selbst wenn sein Herz schwer war.
      Als die Sonne unterging, hatten die Kleinen längst das Interesse verloren, sich erschöpft zurück in Richtung Den verzogen. Cal lag wieder da, wo er den Tag über verbracht hatte: auf der Veranda, im letzten goldenen Licht, das durch die Baumwipfel fiel.
      Dann hörte er Schritte – schwerer als die seiner Cousins, langsamer als die der Kinder. Linden.
      Sein Onkel setzte sich neben ihn, ließ sich langsam auf die Holzbretter nieder. Er sagte erst nichts , stützte nur die Arme auf die Knie und betrachtete den Himmel.
      "Du warst heute still. Still, sogar für dich."
      Cal hob nicht den Kopf. Es war genug, dass er da war. Das musste reichen.
      Linden atmete durch, schnaubte leise.
      "Weißt du... ich dachte zuerst, es hat mit den Vampiren zu tun." Eine Pause. "Mit dieser komischen Allianz, die du da aufgebaut hast. Die Hälfte der Leute versteht eh nicht, was du da tust. Und die andere Hälfte denkt, du verhandelst mit dem Feind."
      Cal bewegte sich nicht, aber etwas in ihm zog sich zusammen. Zu welcher Hälfte gehörten Linden?
      "Aber ich hab dich gesehen", sagte Linden ruhig. "Als Ember zurückgebracht wurde. Was von ihr übrig war."
      Ein Zittern lief durch Cals Körper. Nicht vor Kälte. Es war etwas anderes. Das hier war definitiv nicht die Ablenkung, die er gewollt hatte.
      "Du hast dir die Schuld gegeben. Das machst du immer. Und diesmal... hast du’s nicht mal versucht zu verbergen."
      Cal drehte den Kopf weg, legte ihn zwischen die Pfoten. Der Schmerz in seiner Brust wurde enger, machte es ihm schwer, zu atmen.
      "Ember war ein guter Wolf," fuhr Linden leise fort. "Mutig. Klug. Vielleicht ein bisschen naiv. Aber nicht dumm. Und sie hat dir vertraut, Cal. Bis zum Schluss."
      Die Worte trafen wie Krallen.
      Cal hatte sie gewarnt. Oder geglaubt, er hätte es. Er hatte ihr, wie allen anderen auch, gesagt, dass sie vorsichtig sein sollte. Und doch war sie gegangen. In ein Gebiet, das eigentlich gesichert hätte sein müssen.
      Ilya hatte ihn gewarnt, dass das Rudel als nächstes dran sein würde. Dass, wer auch immer sich in der Stadt einmischte, keine Skrupel hatte. Und Cal – verdammter, blinder, überheblicher Cal – hatte geglaubt, er hätte alles im Griff.
      Er drückte sich gegen Linden, so sehr, wie es sein großer Wolfskörper zuließ. Sein Onkel roch vertraut: nach Heimat, nach Familie, nach der Sicherheit, die er selbst so oft versprach, aber viel zu selten etwas tat. Linden legte einen Arm um ihn, seine Hand strich ihm durch das dunkle Fell. Sanft, langsam. Nicht wie ein Tierarzt auf der Suche nach Verletzungen, sondern wie ein Vater.
      "Du bist nicht der Erste, der einen verliert," sagte er nach einer Weile. "Deine Mutter hat auch mal einen Jungwolf verloren. Finley hieß er. Kaum sechzehn. War von Anfang an etwas übermütig, lief immer allein los. Hat sich nie an Regeln gehalten, der Junge. Savanna hat ihm vertraut. Vielleicht zu sehr."
      Cals Ohren zuckten bei dem Namen seiner Mutter.
      "Sie hat ihn gehen lassen," fuhr Linden fort, "und am nächsten Morgen hat man nur noch Blut und Fell gefunden. Sie hat sich fast selbst zerrissen vor Schuld. Hat Wochen gebraucht, bis sie wieder reden konnte. Hat sich zurückgezogen, wollte niemanden sehen. Aber weißt du, was sie gesagt hat, als sie zurückkam?"
      Er wartete nicht auf eine Antwort.
      "Sie hat gesagt: ‚Wir führen nicht, weil wir unfehlbar sind. Wir führen, weil wir lieben.‘ Und das hat sie getan. Jeden Einzelnen von uns. Auch dich, obwohl sie dich nie gesehen hat."
      Cals Kehle brannte. Er hatte seine Mutter nie kennengelernt und doch hatte er immer das Gefühl, sie stolz machen zu wollen.
      "Du liebst dein Rudel, Cal. Das sieht jeder. Aber Liebe heißt auch, dass es wehtut, wenn du versagst. Oder wenn du denkst, dass du es tust. Du bist ein guter Rudelführer. Aber du bist auch nur ein Wolf. Du darfst auch mal falsch liegen."
      Cal drückte seine Schnauze tiefer in Lindens Seite. Der Schmerz ließ nicht nach, aber er war nicht mehr allein.
      Linden streichelte weiter sein Fell, während die Sonne ganz hinter den Bäumen verschwand und die Nacht langsam über das Land kroch. Keine weiteren Worte. Nur Wärme. Und die stille, unausgesprochene Gewissheit, dass Familie bedeutete, auch dann zu bleiben, wenn alles in einem auseinanderfiel.

      Der Tag neigte sich dem Ende zu, als Cal sich schließlich aufraffte. Die Sonne war längst verschwunden, nur ein blasser Schimmer lag noch über den Baumwipfeln, als er aufstand, sich dehnte und die Entscheidung traf, sich zurück zu verwandeln. Der Gedanke daran war nicht angenehm, aber in seiner Haut zu stecken fühlte sich gerade richtiger an als das behagliche Gewicht seines Wolfskörpers.
      Die Verwandlung selbst war ein Riss durch Knochen und Fleisch, das unangenehme, knackende Schieben von Gelenken, das Reißen und Ziehen von Sehnen. Normalerweise verlief alles flüssig, eine Bewegung, die er kaum mehr spürte, aber heute brannte jede Phase wie Feuer in seinen Gliedern. Noch so ein Grund, warum man Verwandlungen vermied, wenn man ernsthaft verletzt war.
      Als sich sein Körper schließlich wieder auf zwei Beine aufrichtete, war ihm ein bisschen übel vor Schmerz. Er taumelte leicht, stützte sich gegen den Türrahmen der Veranda, atmete durch zusammengebissene Zähne.
      Cora wartete schon, die Stirn in Falten gelegt. Sie sah ihn nur kurz an, dann deutete sie wortlos auf die Treppe hinter ihr.
      "Duschen. Und zwar gründlich. Ich will kein Wildschweinblut auf meinen Handtüchern sehen."
      Cal nickte nur, murmelte ein heiseres "Okay" und schleppte sich ins Badezimmer. Das heiße Wasser half ein wenig, löste zumindest den Schmutz von seiner Haut, doch die tiefere Erschöpfung, die in seinen Knochen saß, blieb. Als er wieder aus dem Bad kam, wartete Cora schon mit Mullbinden, ihren Heilsalben und einem fast mütterlichen Stirnrunzeln.
      Sie verband ihn mit geübten Händen; erst die tiefen Wunden vom Wildschwein, dann auch noch seine aufgeschrammten Arme. Kein überflüssiges Gerede, keine nervigen Fragen – sie wusste, wann man besser schwieg. Cal war ihr dankbar dafür. Er sagte kein Wort, saß nur mit gesenktem Kopf da, ließ es über sich ergehen. Seine Gedanken kreisten ohnehin zu schnell, zu laut, um sich zu sortieren. Alles brannte – körperlich, seelisch, beides auf eine Weise, die ihn zermürbte.
      Unten im Wohnzimmer lief bereits ein Film. Irgendetwas mit Raumschiffen und Explosionen. Robin hatte sich auf dem Sofa zusammengerollt, Silas lag auf dem Teppich mit Chips auf dem Bauch. Als Cal die Treppe runter kam, hoben beide kurz die Hand zum Gruß.
      "Hey, willst du mitgucken?" rief Robin, ohne aufzublicken.
      „"Später vielleicht," sagte Cal und wusste, dass er es nicht meinte.
      Er trat auf die Terrasse, wo Linden gerade zwei Tassen Tee auf den Tisch stellte. Es roch nach Pfefferminze und Honig. Cora gesellte sich zu ihm, streckte die Beine aus, warf Cal einen prüfenden Blick zu.
      "Geht’s dir besser?"
      "Einigermaßen." Seine Stimme war rau, müde.
      "Mach nicht wieder so einen Blödsinn, Cal. Du bist nicht unverwundbar."
      Er nickte. Nicht, weil er zustimmte, sondern weil es einfacher war.
      "Ich dreh noch ’ne Runde," sagte er nach einem Moment.
      Keiner hielt ihn auf. Keiner fragte, ob er nicht lieber bleiben wollte. Es war stilles Einverständnis, wie es unter Wölfen üblich war: Wenn jemand Raum brauchte, bekam er ihn.
      Die Straßen waren ruhig, die meisten Häuser dämmrig erleuchtet, nur hier und da schallte Gelächter oder Musik durch ein Fenster. Cal schlenderte die Straße entlang und jedes Mal, wenn ihm jemand entgegenkam, grüßten sie ihn höflich. "Abend, Cal." – "Rudelführer. – "Na, wieder auf Patrouille?" Er nickte, lächelte schwach, sagte wenig. Seine Stimme lag ihm schwer auf der Zunge, als wäre sie nicht für Worte gemacht, sondern nur für das Brummen in seinem Brustkorb, das zu sagen versuchte, was er nicht in Sprache fassen konnte.
      Irgendwann blieb er stehen. Eine Straßenlaterne warf warmes Licht auf den Gehweg. Er griff in die Tasche seiner Jeans, zog sein Smartphone heraus.
      Ilyas Name waren nur Buchstaben auf seinem Bildschirm, kein Bild. Jeder hatte ein Bild in seinen Kontakten, das war für ihn einfacher. Aber nicht Ilya. Als ob er damit sowas wie professionelle Distanz wahren könnte.
      Sein Daumen schwebte über dem Bildschirm. Für einen Moment wünschte er sich, jemand anderes würde es für ihn tun. Jemand, der keine Angst davor hatte, was sie sagen könnte. Oder schlimmer: was sie nicht sagen würde.
      Er hatte keinen Plan, keine Strategie, nichts, was nach einem sinnvollen Gespräch klang. Nur ein chaotisches Gewirr aus Schuld, Sorge und einer Sehnsucht, die er nicht haben sollte. Nicht für sie. Nicht für eine Vampirin.
      Er atmete tief durch. Dann drückte er auf den grünen Hörer. Das Freizeichen dröhnte in seinem Ohr wie ein Pulsschlag.
      Einmal. Zweimal. Dreimal.
      Sein Herz klopfte viel zu laut. Sein Magen zog sich zusammen. Warum fühlte sich das an, als würde er gleich ein Geständnis ablegen?
      "Hey," sagte er, als sie ranging. Seine Stimme war leiser als gedacht, beinahe vorsichtig. "Ich wollte nur hören, ob es was Neues gibt. Oder irgendwas, was ich wissen sollte."



    • Wie lang war sie jetzt schon dabei, diesen blöden Arm anzustarren als wäre er ihr ärgster Feind? Zu lang. Definitiv zu lang. Fast hätte sie ihn aus Frust durch die Gegend gepfeffert. Aber das hätte nur Schmerz bedeutet, wenn sie es irgendwann mal schaffte das blöde Ding anzubinden.
      Einmal hatte sie es fast geschafft. Kurzzeitig hatte sie den Blutkreislauf wieder hergestellt und auch die Nervenenden wieder verbunden. Doch der plötzliche Blutabgang hatte sie überrumpelt, selbst als eine ganze Armee an Blutkonserven nun verteilt über die marmorne Kücheninsel lagen. Zehn? Zwölf? Irgendwann hatte sie aufgehört zu zählen. Sie wusste nicht wie viel Blut sie schon getrunken hatte, nur um es wieder auf den Boden zu tropfen. Genauso wenig, wie der wievielte Versuch das nun war.
      Mittlerweile war es wieder Abend geworden. Scheiße man. Eigentlich hatte Ilya nur noch schlafen wollen um ihre grellen Kopfschmerzen dämpfen und zumindest einen Bericht an ihren Vater zu senden. Der Reinblüter würde sie gerade wohl wortwörtlich auslachen. Ilya war noch nie gut darin gewesen, Wunden wie diese zu heilen. Dabei fiel es Vampiren, gerade reinblütigen Vampiren, normalerweise unglaublich leicht ganze Extremitäten zu generieren oder wieder an zubauen.
      Es dämmerte ihr allerdings langsam warum. Die Weißhaarige unterdrückte ein kurzes Stöhnen, als sie ein weiteres Mal den Stumpf ihres Oberarmes anknabberte um die Wunde wieder zu öffnen. Ilya hatte noch nicht so viele Menschen oder Wesen verzehrt. Ihr fehlte die Ausdauer, das Alter und die Erfahrung. Ihr Vater musste nur noch jeden Monat mal etwas trinken. Ilya hingegen fühlte sich schon nach 3-4 Tagen ausgehungert. Und das war ohne körperliche Anstrengung.
      Sie wollte gerade einen weiteren Versuch starten, als ihr Handy, schon fast auf der Kücheninsel neben ihr vergessen, klingelte. Bluverschmierte Hände betätigten den Hörer ohne auf das Display zu sehen.
      Gerade wollte sie die Person an der anderen Leitung anschreien was ihr einfiel, sie jetzt anzurufen, als sie seine Stimme vernahm.
      Calder klang leise, fast schon mitgenommen. Ganz anders als sonst. Ganz anders als die feste Panik, die er versprüht hatte als er aus ihrer Wohnung geflohen war. Scheisse. Warum musste gerade er anrufen? Jetzt?
      Ilya biss sich fast auf die Zunge. Eigentlich war sie nicht in der Verfassung zu antworten. Nicht mit voll ausgefahrenen Fangzähnen und einem immer noch nicht angebrachtem linken Arm.
      “Das ganze nördliche Lager war korrupt.” Presste sie schließlich heraus. Sie schuldete dem Mann wohl oder übel eine Antwort. Vor allem, wenn sie nicht wusste, ob es bei den Wölfen bald ähnlich so aussehen würde.
      “Die sind alle ausgerastet als wir nur das Lager betreten haben. Pass auf dass euch nicht das gleiche passiert.” Fügte sie anschließend noch hinzu. Ihre Stimme zitterte ein wenig als sie auf die Blutkonserven und ihren Arm sah. Gott wie gerne sie ihn jetzt fragen würde. Nicht nur nach seinem Blut, sondern nach ihm. Aber das? Das konnte sie sich nicht mehr erlauben. Nicht, nachdem er gegangen war. Geflohen war und sie zurückgelassen hatte.
      Ilya war bewusst, dass es unsinnig war. Nicht nur würde sie es schon irgendwie schaffen, da alleine durchzukommen, sondern Calder hatte ein Rudel, eine Familie. Natürlich musste er die beschützen. Natürlich ging sie vor. Natürlich musste er zu ihnen zurück. Unbewusst atmet sie tief vor Schmerz ein.
      “Brauchst du noch was? Ich bin gerade…beschäftigt.”


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    • Ilyas Stimme war ruhig, aber viel zu angespannt. Er hörte es im Unterton, in den abgehackten Worten, im kaum hörbaren Zittern am Ende des Satzes. Etwas stimmte nicht. Überhaupt nicht. Und plötzlich war das Kratzen in seiner Brust wieder da – ein unangenehmer Druck, der sich aus einem dummen, unaussprechlichen Bedürfnis formte: Er wollte wissen, was los war. Wollte wissen, warum sie klang, als würde sie mit zusammengebissenen Zähnen sprechen.
      Doch er zwang sich zur Ruhe. Lenkte seine Gedanken sofort auf das, was sie gesagt hatte. Korruption. Das ganze nördliche Lager. Ausgerastet. Irgendwas stimmte an diesem Bild nicht – oder doch, es stimmte zu gut. Zu offensichtlich, zu kontrolliert.
      Er runzelte die Stirn und presste das Handy fester ans Ohr.
      "Verdammt," murmelte er mehr zu sich selbst als zu ihr.
      Sein Blick wanderte über die dunkle Straße vor ihm, aber er sah sie nicht wirklich.
      "Wie sollen wir das riechen, wenn’s nicht von dieser alten Magie kommt?" dachte er laut. "Wir merken das nicht rechtzeitig. Wenn das bei uns auch passiert, dann..." Er verstummte.
      Er musste das Rudel warnen. Nur wovor genau? Wovor genau sollten sie sich in Acht nehmen, wenn die Veränderung unsichtbar war? Wenn sie erst spürbar wurde, wenn es schon zu spät war?
      "Brauchst du noch was? Ich bin gerade… beschäftigt." Ilyas Stimme riss ihn aus dem Gedankenstrudel.
      Wieder dieser Klang, der nicht zu ihr passte. Da war Schmerz in ihrer Stimme, körperlicher Schmerz, ja, aber auch diese Art von innerem Krampf, die man nicht kaschieren konnte, egal wie oft man sich zusammenriss. Cal atmete durch. Sag nichts. Frag nicht.
      "Ich..." Seine Stimme war heiserer als beabsichtigt. Er räusperte sich. "Dein Psycho-Kram. Die... wie nennst du’s? Manipulation, Hypnose – was auch immer. Funktioniert das auch bei Wölfen? Ich meine theoretisch?"
      Er zwang sich, sachlich zu klingen. Technisch. So, als wäre das hier ein taktisches Gespräch, kein Gespräch über sie. Oder über das, was zwischen ihnen im Raum stand, seit sie sich die Haut vom Leib geküsst hatten.
      Er hörte sie atmen. Nicht gleichmäßig. Nicht tief. Nicht gesund.
      Er wollte sich einreden, dass es ihn nichts anging, dass sie schon klarkam – verdammt, sie war eine reinblütige Vampirin! Er war nur ein Wolf mit halb verheilten Bisswunden und einem Rudel am Hals. Das hier war nicht sein Problem. Sie war nicht sein Problem.
      Er umklammerten das Handy fester. Sein Herz pochte zu laut. Und trotzdem kam die Frage, leise, fast so, als wolle er sie selbst nicht hören.
      "Alles in Ordnung?"
      Er biss sich auf die Innenseite der Wange, als wäre das genug, um die Worte zurückzuholen. War’s aber nicht.




    • Wenn sie nicht gerade so tief in der scheiße gesteckt hätte, hätte Ilya vermutlich laut aufgelacht. Psycho-Kram passte ganz gut. Niemand hatte es wirklich benannt. Am Ende war es auch nur eine weitere Fähigkeit, wie stärkere Muskeln, besserer Geruchssinn. Oder zum Beispiel die Fähigkeit, abgetrennte Gliedmaßen wieder zu assimilieren. So eine Scheiße.
      Ilya unterdrückte noch einmal den Drang, den Arm einfach auf der Anrichte liegen zu lassen und sich ein andern mal drum zu kümmern. Es gab ja Gründe, warum man Vampire verbrannte. Der Arm würde nicht weglaufen (ha! war ja kein Bein) und die Wunde an dem Stumpf ihres Oberarms müsste sie nun eh wieder neu aufreißen, bevor sie einen weiteren Versuch starten könnte.
      "Natürlich funktioniert das auch bei Wölfen." brachte sie schließlich hervor, während sie den Arm tatsächlich auf der Kücheninsel liegen ließ und die Augen schloss. Andere Gedanken. Nicht der körperliche Schmerz, nicht die Frustration. Wie gerne sie jetzt ihren Kopf einfach in seiner Brust versenken würde und kurz einfach verschwinden würde. Ja gut, die Gedanken waren auch nicht besser.
      "Ich habs aber noch nie versucht. Ich stelle es mir aber eher einfacher vor, schließlich habt ihr nicht alle hunderte Jahre an Erinnerungen die ich durchwühlen muss." Ihr gesunder rechter Arm griff nach der letzten Blutkonserve. Scheiße. Da hatte sie einfach mal 15 von den 250ml Beuteln aufgesaugt wie nichts. Dass davon 80% wieder auf dem Marmorboden gelandet waren, als das Blut ihrem abgetrennten Arm hinab lief, war natürlich auch nicht geplant gewesen.
      "Aber ich kanns dir auch nicht so genau sagen." Außerdem hielt Ilya generell nichts davon in Anderer Köpfe zu schauen. Privatsphäre gab es da nicht. Auch die letzte Blutkonserve war schnell aufgebraucht, stillte aber weder Schmerz noch körperliche Anstrengung. Calder hatte sie echt verflucht. Früher hätte das Blut ihr mehr geholfen. Anscheinend sehnte sich ihr Körper ohne Sinn und Verstand nach dem einen Blut. Nach seinem Blut. Verärgert knirschte sie ein weiteres Mal mit den Zähnen, wollte gerade noch zu einer weiteren Information ansetzen, als am anderen Ende des Hörers seine viel zu leise Stimme erklang.

      "Alles in Ordnung?"

      Ha. Ilya konnte das bittere Schnauben gar nicht mehr unterdrücken. Natürlich war nichts in Ordnung. Ihr Arm lag vor ihrer Nase wie ein dämlicher Hundeknochen, ihr ganzer Körper schmerzte und brannte wie Feuer unter ihren Adern und dazu kam noch, dass sie 4 ihrer eigenen Männer heute noch verbrennen durfte. Also nein. Es war nicht alles in Ordnung. Es war gar nichts in Ordnung.
      "Kommt drauf an, wie man's nimmt." Sie versuchte sich zur Ruhe zu zwingen. Wenn Sie es nicht tat, dann würde sie zwangsläufig ihn fragen, ob er nicht zu ihr kommen könnte. Sein Blut war sowieso das Einzige, an das sie gerade wirklich denken konnte. Scheiße man!
      "Pass auf dein Rudel auf." murrte sie am Ende eher, als das es eine scharfe Zurückweisung war. Dafür hatte sie gar keine Kraft mehr. Schlafen wäre jetzt ganz gut. Und in ein paar Stunden nochmal probieren. Bis dahin könnte man doch sicherlich ein paar neue Konserven auftreiben oder?



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    • "Kommt drauf an, wie man's nimmt."
      Hätte er sich ja denken können. Selbst wenn sie nicht verletzt worden war - wofür er keine Beweise hatte, wie er sich scharf selbst erinnerte - hatte sie sich sicherlich verausgabt. Sie musste hungrig sein, erschöpft. Er hätte warten sollen bis er sie anrief. Hätte ihr Zeit lassen sollen, richtig aufzuwachen oder sowas.
      "Pass auf dein Rudel auf."
      Na toll. Als ob er nicht schon besorgt genug war. Aber Ilya's Psycho-Trick würd auch bei seinen Wölfen funktionieren. Okay, das war gut. Vielleicht.
      Mit einem Seufzen fuhr er sich durch die Haare, bevor sich seine Hand ganz automatisch um den Fangzahn seiner Mutter legte. Er sah die Straße hinauf, hinunter. Er war allein. Nicht, dass sich irgendjemand in die Angelegenheiten des Rudelführers eingemischt hätte. Sie alle vertrauten darauf, dass er die richtigen Entscheidungen traf.
      Scheiße.
      "Okay, ähm... können wir das an mir austesten? Ich will keinen meiner Wölfe in Gefahr bringen, falls es schiefläuft."
      Linden würde ihn häuten, wüsste er, was er da vorschlug. Aber Cal weigerte sich, noch einen Wolf zu verletzen oder zu verlieren. Das war seine Last zu tragen, niemandes sonst.
      "Ich habe heute Nacht nichts vor, ich könnte also direkt vorbei kommen, wenn du mich lässt."
      Dumm! Dumm, dumm, dumm, dumm, dumm! Er hätte das nicht sagen sollen, hätte das nicht anbieten sollen. Denn er wusste, dass sie Schmerzen hatte, dass sie verletzt war und dass sie hungrig war. Sie beide wussten, wohin das führen würde und sie beide konnten sich nur viel zu gut vorstellen, was darauf folgen würde. Der logische Teil von ihm hoffte, dass sie mehr Kontrolle über sich hatte, als er, und einfach Nein sagte. Jeder andere Teil hoffte auf ein Ja.


    • Ilya

      Ilya wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Gerade lag ihr Arm auf dem Küchentisch total unnütz. Daneben stapelten sich die leeren Blutkonserven, ebenfalls nutzlos, deren Inhalt, konvertiert, nun verteilt auf dem dunklen Marmorboden.
      Und dann? Dann fragte jener Wolf, dessen Blut sie immer noch in der Nase und auf der Zunge hatte, nach so etwas. Nicht nur, dass er wollte, dass sie ihn als Versuchswolf nahm, sondern auch, dass er sich vorstellte heute noch vorbei zu kommen. In ihr Chaos.
      Die junge Vampirin biss sich beinahe auf die Lippe um nicht in Sarkasmus zu verfallen. Wenn Calder heute vorbei kommen würde? Das würde nicht gut enden. Und das nicht nur, weil sie wirklich hungrig war.
      "Calder, ich weiß nicht, was du dir unter meinem Psycho-Kram vorstellst. Aber das ist nicht einfach sowas wie ein Pendel hin und her schwingen und dir sagen was du tun sollst. Wenn ich das mache, dann sehe ich alles. Deine ganze Vergangenheit. Jeden einzelnen Gedanken, den du jemals gedacht hast. Nur weil du dich nicht dran erinnerst heißt es noch lange nicht, dass es nicht in deinem Kopf herum schwirrt." Sie holte tief Luft, versuchte sich aufzustehen, zumindest mal ein paar Schritte zu gehen, doch das war, dank des Blutverlustes einfacher gesagt als getan. Mit einem Krachen, gefolgt von einem lauten Fluchen, rutschte sie auf dem blutverschmierten Boden aus und landete prompt auf ihrem Po. Sie hatte ja nicht mal zwei Hände zum abstoßen.
      "Sorry, bin ausgerutscht." versuchte sie herauszupressen. Calder würde sich vermutlich sonst irgendwie noch Sorgen oder so machen. Das konnte sie jetzt gar nicht gebrauchen. Nicht in diesem Zustand. Nicht heute. Gott, das wäre schrecklich.
      "Heute ist echt schlecht."


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    • Da war er: der Ausweg, den Cal so verzweifelt gesucht hatte seit der Sekunde, in der er sein Angebot gemacht hatte. Er sollte sich darüber freuen. Stattdessen konnte er nur daran denken, dass es ihm egal war, ob sie in seinem Kopf herumwühlte. Da war nicht viel zu finden. Und was Rudelgeheimnisse anging... aus irgendeinem Grund vertraute er Ilya, damit nicht hausieren zu gehen. Er hatte keine Ahnung, woher diese Gewissheit kam, und das erschreckte ihn ein bisschen.
      Ein Krachen, gefolgt von einem Fluch am anderen Ende der Leitung riss ihn aus seinen Gedanken.
      "Ilya?!"
      "Sorry, bin ausgerutscht."
      "Ausgerutscht? Ilya, was ist los? Brauchst du Hilfe?"
      Er sprach die Worte aus, bevor er darüber nachgedacht hatte. Es schien beinahe so, als seien all seine Reaktionen Ilya betreffend, rein instinktiv. Sowas passierte normalerweise nur, wenn es ums Rudel ging. Aber Ilya war nicht Teil des Rudels. Sie war ja nicht einmal Teil seiner eigenen Spezies!
      "Heute ist echt schlecht," erwiderte Ilya nur.
      Cal wollte sie bei den Schultern nehmen und kräftig durchschütteln. Stattdessen seufzte er nur schwer und fuhr sich noch einmal durch die Haare.
      "Okay. Wenn du dir sicher bist," meinte er. "Sag Bescheid, wenn's besser passt. Ich weiß nicht, wie ich sonst herausfinden soll, ob meine Wölfe kompromittiert sind."
      Er sollte wahrscheinlich sowieso ins Bett und versuchen, ein bisschen zu schlafen. Auch wenn er kein bisschen müde war.


    • Ilya

      "Gute Frage. Kann ich dir nicht beantworten. Den anderen Vampiren hat man's auch nicht angesehen." Ilya versuchte sich mit ihrem rechten Arm an der Theke wieder hoch zu ziehen, scheiterte jedoch kläglich.. Was ein Chaos. Sie sah aus wie in Blut gebadet und ihre Wohnung stank nach Mensch und Vampir gleichermaßen. Toll. Wirklich toll. Vor allem, wenn sie immer noch einiges zu tun hatte.
      "Vielleicht kannst du sie mal fragen, was sie von den Chinesen oder so halten? Vielleicht springt dir ja einer an die Kehle, so wie bei mir." Ilya flutschte das so raus. Eigentlich war sie gar nicht mehr richtig in der Lage zu denken. Ein Bett klang jetzt gut. Und vielleicht ein Schrank voller Calder's Blut. Das wäre jetzt hilfreich.
      "Ich werd ein paar Tage brauchen." seufzte sie schließlich. Anlügen konnte sie ihn ja schlecht. Sie musste ihm ja nicht sagen, in welchem Zustand sie sich gerade befand. Aber er sollte auch nicht auf einen Anruf in den nächsten Tagen warten. Erst musste sie sich um Blut kümmern. Dann versuchen den Arm wieder anzubringen. Und dann sich um den ganzen Rest des Chaos kümmern. Scheiße.
      "Vermutlich so 3-4? Passt das für dich?" Warum fragte sie ihn überhaupt, ob das für ihn passte? Was wenn es ihm nicht passte? Sie konnte ja schlecht den Prozess mit bloßer Willenskraft beschleunigen.


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    • Cal biss sich aktiv auf die Zunge, um nicht noch mehr seiner unangebrachten Instinkte eine Stimme zu geben. Natürlich war sie angegriffen worden, das machten diese manipulierten Vampire ja schließlich. Seine Ellenbogen bezeugten das ja noch. Sie hatte ihre Leute, sie war in Sicherheit, sagte er sich. Und doch wollte alles in ihm auf Nummer sicher gehen, wollte nur kurz vorbeischauen.
      Anstatt sich sofort auf den Weg zu ihr zu machen, lief er eine kleine Runde um die Laterne, unter der er die ganze Zeit schon stand.
      "Vermutlich so 3-4? Passt das für dich?"
      "Ja. Klar. Passt."
      Wenigstens musste er sich nicht um einen Vollmond sorgen, wenn er sie das nächste Mal sah. Was dachte er denn da?! Sie hatte nur gesagt, dass sie sich melden würde! Noch stand da überhaupt kein Treffen fest!
      "Dann... keine Ahnung. Wünscht man Vampiren eine gute Nacht? Klingt irgendwie so, als würde ich dich ins Bett schicken."


    • “Ins Bett schicken wäre jetzt schön.” Ilya seufzte tief, schließlich hatte sie sich schon damit abgefunden die heutige Nacht auf dem Boden zu verbringen. Irgendwo zwischen Blut und Küchenutensilien. Wenn sie bis morgen noch nicht verblutet war würde sie sich schon drum kümmern. Es gab schlimmeres als eine Nacht auf kaltem Marmor. Hm. Ob sie es wohl bis zum Teppich schaffte? Aber dann würde der ja auch rot. Wie gern sie jetzt seine warmen Hände um sich herum spüren würde und sein Blut auf ihren Lippen… das würde sicherlich ihrem schummrigen Kopf helfen. Vielleicht konnte sie dann sogar ihren blöden Arm wieder assimilieren. Und sich vielleicht ein bisschen bei ihm ausheulen. Dass Altair und Miklas es nicht geschafft hatten sie zu beschützen. Und sein Geruch. Er war immer noch in der Wohnung. Im Gästezimmer. Ob sie es bis da hin schaffen würde? Halt stopp. Das half definitiv nicht beim wegdriften. Vor allem nicht, wenn die Ursache der Gedanken noch am anderen Ende des Hörers war und immer noch nicht aufgelegt hatte.
      “Kannst du auflegen? Ich komm nicht ran als Telefon.”


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    • Das Schweigen aus dem Hörer trieb ihn in den Wahnsinn und half überhaupt nicht dabei, ihn davon zu überzeugen, nicht sofort loszurennen und bei ihr nach dem Rechten zu sehen. Er erwischte sich dabei, wie er ein paar Schritte die Straße hinunter ging, in Richtung seines Hauses, wo sein SUV wartete und ihn direkt zu ihr fahren könnte. Nein! Nope. Sie hatte ihn nicht eingeladen. Kein Grund, jetzt zu ihr zu hetzen.
      "Kannst du auflegen? Ich komm nicht ran als Telefon."
      Sie kam nicht ans Telefon?! Er erlaubte sich, sich auf den Weg nach Hause zu machen.
      "Bist du dir sicher, dass alles in Ordnung ist? Ich kann wirklich vorbeikommen, wenn du... naja, du weißt schon. Das hilft doch, oder?"
      Hatte sie nicht irgendwas dazu gesagt? Dass lebendes Blut besser war, oder sowas? Er konnte sich nicht mehr erinnern. Eigentlich spielte es auch gar keine Rolle. Sollte es zumindest nicht. Genauso wenig sollte er sich um sie sorgen. Oder ihr zu Hilfe kommen wollen.


    • “Meinst du das Ernst?” Verdammt, das wollte sie eigentlich nicht fragen. Natürlich war Ilya schon lange bewusst, dass Calder viel zu nett für die Welt war. Sie hätte auch von Anfang an fragen können, ob er ihr hilft. Vermutlich hätte es das Ganze viel einfacher gemacht. Aber da war etwas anderes. Der kleine Funke, den sie in einer Nacht und einem Tag nicht erdrücken hatte können. War sie beleidigt? Vielleicht ein bisschen. Vielleicht aber auch ein bisschen verletzt.
      Er war es, der gegangen war. Ilya hatte ihn nicht aus der Wohnung geschmissen. Hatte nicht die Tür hinter ihm geschlossen. Er war es, der quasi…
      “Das letzte Mal bist du praktisch aus meiner Wohnung geflohen. Hatte jetzt nicht erwartet, dass du so schnell wieder kommen willst.” Irgendwo war der Damm gebrochen. Eigentlich hatte Ilya nicht geplant ihm zu erzählen, was sie darüber dachte. In der kurzen Zeit zwischen seinem Abgang und ihrem Weg zum nördlichen Lager hatte Ilya entschlossen die Toten ruhen zu lassen. 2-3 Tage, hatte sie sich gedacht. Dann würde sie ihn wieder kontaktieren. Kühl. Professionell. Irgendwo zwischen der Vertrautheit schon einmal mit einander gearbeitet zu haben und dem Abstand, den Vampire und Wölfe unter sich wahren sollten.
      Und jetzt? Jetzt konnte Ilya nicht anders als frustriert zu lachen. Nicht nur, weil Calder ihr Hoffnungen machte, sondern weil die ganze Scheiß Situation nie so eskaliert wäre wenn sie damals den Deal einfach angenommen hätte.
      “Wenn du’s ernst meinst dann bind dir die Augen und die Nase zu oder so. Ist kein schöner Anblick. Der Code für die Tür ist …”


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