Broken Lights [Alea CroniX & Concorde]

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    • Broken Lights [Alea CroniX & Concorde]

      Vorstellung

      @Alea CroniX

      Dumpf ballert der Bass und die Musik brachte den Boden der ehemaligen Industriehalle in New Yorks altem Arbeiterbezirk Chelsea zum Beben. Schon lange hausten hier keine Arbeiter mehr. Es war das angesagteste Viertel mit der Highline und dem Streetfood Mark im Chelsea Market. Mehr und mehr avantgardistische Designer zogen hierher und ließen sich inspirieren und so war auch Laurin hier, in dem neu eröffneten Club, den neben Designers, Schauspielern, diversen Künstlern und Mitarbeitern aus der Modebranche ebenso von aufstrebenden Models besucht wurde. Nicht dass Laurin diese Nacht nach einem neuen Model suchte, doch er hielt immer die Augen auf. Er stand im Obergeschoss der alten Fabrik aufs Geländer gelehnt und schaute runter auf die Tanzfläche. "Ey, Laurin! Nun komme doch mal her!", rief jemand. Er drehte sich um. Es waren seine 'Kollegen'. Modelagenten anderer Agenturen. Meistens trafen sie sich zusammen und tauschten sich aus. Doch diese Typen waren alle mindestens doppelt so alt wie Laurin und hatten bei weitem keinen Plan vom Business. Diese Typen waren alle vorher reich gewesen und hatten dank ihrer Eltern beste Kontakte zur Kunstszene. Für sie war das hier eher ein Spielplatz und so wunderte es nicht als einer der Agenten weißes Pulver auf dem Tisch mit der Platin-Kreditkarte in Linie schob. Schnaufgeräusche. "Laurin? Nun komm."
      Der Norweger winkte ab: "Keinesfalls. Habe es noch nie genommen und es heute auch nicht vor."
      "Ach komm schon, dann geht deine Akquise auch viel besser von der Hand", grinste einer der Agenten und säuberte sich die Nase.

      Der Blonde runzelte die Stirn, ehe er sich vom Geländer abdrückte und beschloss sich andere Gesellschaft zu suchen. Diese Typen kotzen mich an, dachte er sich und ging die schmale Treppe hinunter an die Bar. Hier standen viele Leute und doch kannten die meisten Laurin. Er begrüßte ein paar und kam dann zum Glück schneller vor, weil ihn jemand, der gerade an der Bar stand kannte. Es war eine aufstrebende Designerin aus Südafrika. "Lilly", grinste Laurin wie einstudiert charmant. "Laurin! Wie schön, dass du gekommen ist." Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen links wie er es aus Mailand kennt. Lilly kicherte und legte einen Arm auf Laurins Schulter. "Sicher, dass du nicht für meine neue Linie modeln willst."
      "Ich habe die Entwürfe gesehen. Wirklich spitze, aber ich würde dir lieber eins meiner Models empfehlen. Ich bin raus ausm Laufen und ehrlich gesagt, mag ich es nicht mehr mein Essen nach meinem Job zu richten."
      Lilly nickte und musterte den Agenten. "Schick mir deine Empfehlung. Ich bin gespannt, wenn die Models nur im Ansatz deinen Ansprüchen gerecht werden, müssten sie mir gefallen."
      "Selbstverständlich", lächelte Laurin und bekam von Lilly einen Cocktail in die Hand gedrückt. "Und das ist?"
      "Eine Überraschung." Der Blonde rollte die Augen.
      "Du weißt, dass ich noch fahren muss?"
      Lilly sah ihn theatralisch an. "Eine der angesagtesten Designerinnen bittet dich mit dir zu trinken und lehnst ab?"
      Er grinste verschmitzt. "Na gut. Auf dein Wohl und die nächste Kollektion, Lilly." Die beiden tranken etwas von dem Cocktail, ehe ein Fotograf nach Lilly winkte. "Ich muss noch ein paar Fotos machen. Wir sehen uns Laurin" Lilly zwinkerte ihm zu und verließ ihn dann.

      Laurin stützte sich auf die Bartheke und nahm noch einen Schluck aus dem Cocktail. "Gar nicht so übel", nuschelte er und stellte das Glas wieder ab. Er konnte nicht leugnen, dass nicht nur seine Modelerfahrung sondern auch sein Aussehen ein gewisser Türöffner in dieser Welt war. Doch die Agenten-Affen oben verstanden davon nichts, deswegen war unter ihnen auch ein Konkurrenzkampf ausgebrochen. Alle wollten es mit der aktuell erfolgreichsten Modelagentur LUCENT, die Laurin Throne betrieb, aufnehmen. War ihm lieb, wenn sich diese eingebildeten Typen endlich mal um ihre Models kümmerten anstatt jede Party als Einladung zum Draufmachen anzusehen. Laurin drehte sich an der Theke um, lehnte sich lässig gegen diese und griff erneut zum unbekannten Cocktail. Er kannte sich kaum aus mit Alkohol, doch wenn er sich auf den Geschmack und die minimalistische Optik verließ, würde er sagen es war der Model-Drink schlechthin: skinny bitch.
    • "Scareltt! Girl! Du siehst richtig heiß aus!" merkte der junge Mann an, mit den rot-schwarz gefärbten Haaren, der dabei anerkennend durch die Zähne pfiff. Man sah ihm gar nicht an, dass er eigentlich blond ist, was aber kein Wunder ist, da dieser Paradiesvogel gerne seine Haare nach Lust und Laune färbt.
      "Das sagst ausgerechnet du, Artemis? Dabei sind deine Highheels sogar höher als meine." lachte die Brünette, deren Haarpracht so dunkel ist, dass man manchmal meint, sie seien schwarz. Scarlett, das junge Model, das heute die Gelegenheit bekam bei der Eröffnungsparty eines neuen Clubs dabei zu sein, der schon jetzt total angesagt war in der Szene, drehte sich für ihren MItbewohner in ihrem schwarzen Outfit, mit der Silbereisen Verzierung. Ihre Schuhe waren natürlich auf ihre Kleidung abgestimmt, genauso wie ihr Make-up. Nur ihre Lippen trugen ein knalliges Rot, ansonsten wurde alles in schwarz oder silber gehalten. Eine lange silberne Kette, mit einem Ring als Anhänger, zierte ihr tiefen Ausschnitt und regte so die Fantasie ein bisschen an. Scarlett achtete penibel darauf, dass sie verführerisch aussah, aber eben nicht billig oder gar schlampig. Nur noch ihre langen Beine zeigten viel Haut, wobei sie genau wusste, wieso sie sich einen schicken Jumpsuits ausgesucht hatte. Zu oft hörte man von Männern, die versuchten, unter dem Rock zu fotografieren. Das konnte ihr nicht passieren und auch ihr Ausschnitt würde nicht verrutschen, hatte sie die Kleidung vorsorglich innen auf ihrer Haut angeklebt. Solche Vorfälle und die daraus resultierenden Bilder können dazu führen, dass man als Model gar nicht erst die Chance dazu bekommt, eine Karriere zu starten.

      Artemis sah an sich runter, der einen hautengen Einteiler trug, der wie Perlmutt im Licht schimmerte. Seine weißen Ankle-Boots waren sogar ein paar Zentimeter höher als die Schuhe von Scarlett. "Aber nur ein bisschen." zwinkerte er ihr entgegen, mit seinen strahlend blauen Augen, die von goldenen Lidschatten gut in Szene gebracht wurden. Beim genaueren Hinsehen konnte man aber erkennen, dass es sich dabei um Kontaktlinsen handelte. Artemis verändert sich eben, so wie er will, und da gehört eben die Augenfarbe auch dazu.
      "Wir sollten uns aber sputen, Schätzchen. Zwar kommen die wichtigsten Leute immer etwas später, aber die Party wollen wir ja nicht verpassen." erinnerte er seine Freundin und Mitbewohnerin daran, dass sie doch langsam los mussten. Also schnappten sich die beiden noch Handtasche und Jacke und verließen die Wohnung. Auf der Straße wartete auch schon ein Taxi, das sie bestellt hatten, das sie dann ohne weitere Umwege zum alten Arbeiterbezirk von New York City brachte. Vor dem Club hatte sich eine lange Schlange gebildet, da natürlich jeder versuchte auf die Party zu kommen. Doch das ist so gut wie aussichtslos, kam man nur rein, wenn man auf der Gästeliste stand. Etwas nervös war Scarlett schon, als sie sich auf die beiden strammen Türsteher zu bewegten. Artemis war dabei so selbstsicher wie immer und als er dann seinen Künstlernamen nannte und den richtigen von Scarlett, blickte der Mann auf seine Liste, nickte kurz und machte den beiden den Weg frei.
      Schon von draußen konnte man die laute Musik mit dem wummernden Bass hören, doch nachdem sie ihre Jacken bei der Garderobe abgegeben haben, dröhnte die Musik nur so in ihren Ohren. "Willst du einen Drink?" fragte Artemis seine Freundin und deutete mit einer Gäste an, was er meinte. "Gerne." nickte sie ihm zu und schlängelte sich dicht hinter Artemis durch die Menge Richtung Bar. Dabei konnte sie spüren, wie die Blicke ihnen folgten, wobei das wohl dem Paradiesvogel geschuldet war, stach er hier wirklich heraus. Artemis ist Tänzer und performt Burlesque in einem Club, in dem ausschließlich nur die High Society verkehrt. Seine extrovertierte Art hilft ihm dabei, viele Kontakte zu knüpfen und so kam er auch durch Vitamin-B auf diese Party hier und bot Scarlett an, seine Plus Eins zu sein. Dieses Angebot nahm das junge Model nur sehr gerne an und hofft jetzt, dass sie hier vielleicht auch die ein oder andere Bekanntschaft macht, die ihr dabei hilft, ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen. Sie will irgendwann im selben Atemzug genannt werden wie Claudia Schiffer, Naomi Campbell oder Cindy Crawford, doch dafür musste sie es erst einmal schaffen, hier überhaupt wahrgenommen zu werden.
      Bei dem Barkeeper klappte das zumindest schon mal gut, da er sich gleich ihr zuwandte, als Scarlett sich an den Tresen stellte, um sich etwas zu bestellen. "Einen Cosmopolitan, bitte." bestellte sie bei ihrem Gegenüber und lehnte sich dafür den Barkeeper etwas entgegen, damit er sie verstehen konnte. Der nickte und fing auch gleich an, ihr den Cocktail zu mixen. Diese paar Minuten nutzte Scarlett dann, um einen kleinen Überblick von der Location zu gewinnen, denn Artemis war schon wieder verschwunden, musste er bestimmt ein paar Leuten Hallo sagen, so bekannt wie er doch war.
      Ihr fiel dann ein Mann auf, der auch an der Bar stand und selber einen Drink zu sich nahm. Scarlett erkannte ihn natürlich sofort, handelt es sich um wohl den erfolgreichsten Model-Agenten, den es momentan gab: Laurin Thome.
      Das war ihre Chance, doch wie sollte sie ihn ansprechen? Einfach hingehen und hallo sagen? Nein! Da würde sie doch bestimmt nicht bei ihm in Erinnerung bleiben und während die Brünette sich den Kopf darüber zerbrach, wie sie den Agenten ansprechen sollte, sich dabei nachdenklich durch ihr offenes Haar fuhr, entging ihr dabei total, dass sie ihn immer noch ansah.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Laurin nahm einen Schluck von seinem Cocktail und beobachtete das rege Treiben. Es war richtig was los hier. Beinahe zu viel für Laurins Geschmack, doch war es ihm lieber mal wieder unter jüngeren Leuten zu sein als auf der Vernissage zu sein. Erst gestern hatte er so eine lange Nacht in einer Galerie verbringen müssen. Der einzige Trost war der leckere Champagner und ein blondes Modell, das er kennengelernt hatte. Er nahm den letzten Schluck aus seinem Glas und drehte sich wieder zum Tresen und platzierte das Glas dort. "Darfs noch etwas ein?", fragte der Barkeeper, der gerade einen anderen Drink in ein Glas schüttete. Dem Glas und der Farbe nach zu urteilen ein Klassiker: Cosmopolitan. Laurin spürte, dass ihn wer beobachtete und er sah zur Seite. Eine junge Brünette schien ihn gedankenverloren anzusehen. Für einen Moment musterte er die Frau deren rotte Lippen, die helle Haut und die ausdrucksstarken Augen ihn ansahen. Er nickte schwach und wand sich wieder dem Barkeeper zu. "Das reicht fürs Erste", winkte er ab und sah anschließend wie der Barkeeper den Cocktail an die junge Frau reichte. Laurin sprach nur selten potenzielle Models sofort an. Er hatte den Luxus, es sich aussuchen zu können, wen er unter Vertrag nahm. Gleichwohl interessierte ihn die auffällige Frau, doch der Abend war noch jung. Er stieß sich vom Tresen ab und begab sich unter die Menschenmenge. Sein Ziel war der Innenhof der alten Fabrik, der sich am anderen Ende des großen Raums befand. Als er sich so durch die Menge schlängelte, musste er immer wieder anhalten, um Leute zu begrüßen oder obligatorischen Smalltalk zu halten. Der gebürtige Norweger hasste Smalltalk eigentlich, doch es gehört zu seinem Job und so musste er sich noch so jede unwichtige Kleinigkeit anhören während er immer noch an die frische Luft wollte. Als er das Ende der vollen Tanzfläche erreicht hatte und bereits die breite Doppeltür Richtung Innenhof sah, tauchte eine alte Bekannte vor ihm auf.

      Lilly stand vor ihm und hatte eine zweite Person im Schlepptau. "Lilly?", fragte Laurin mit angehobener Augenbraue. Die Designerin hielt drei Gläser Champagner in der Hand und drückte eins Laurin in die Hand und das dritte ihrer Begleitung. Einem sehr bleichen Asiaten mit auffälligen Haaren. "Darf ich dir, Artemis vorstellen?" Sie machte dabei eine präsentierende Geste und deutete auf den schlanken Mann, den Laurin nun von oben nach unten musterte. Der Typ trug einen hautengen Einteiler, der förmlich schimmerte und im harten Kontrast zu den meisten männlichen Kleidungsstücken hier stand. Laurin war sich im Gegensatz zu den älteren Modelagenten durchaus der Wichtigkeit vom eigenen Style bewusst und trug daher ein waldgrünes Sakko mit hochgekrempelten Ärmeln, eine goldene Uhr aus der Schweiz zierte das linke Handgelenk, dazu hatte er ein weißes, tief geöffnetes Hemd und eine beigefarbene Chinohose an. Konträr zu den meisten Männern hier trug er weiße Sneaker. Er wurde vielleicht bald 30 aber für Anzugschuhe war er definitiv zu jung! Beim Thema Schuhe entgingen ihm auch nicht die hohen Schuhe seines Gegenübers. Lilly spürte, dass Laurin fertig war und stieß gegen sein und Artemis' Glas: "Artemis hat mich auf eine ganz neue Idee für die Kollektion gebracht und er ist aktuell der Burlesquestar in Manhattan!"
      "In diesem schicken Clubhaus im Greenwich Village?"
      "Korrekt und dort haben wir uns auch kennengelernt."
      Laurin ersparte sich die Frage, was Lilly in einem Burlesqueclub zu suchen hatte, doch ihre Mode war aktuell im Trend, weil sie so anders, bunt und schrill war und so langsam kam Laurin eine Ahnung, woher sie die Ideen dafür hatte. Erneut musterte Laurin den Burlesquetänzer. Der Tänzer passte zu den schrillen Entwürfen der Designerin, die er erst vor kurzem zu Gesicht bekommen hatte. In ihrer Welt war es durchaus üblich, dass Designern den Modelagenten ihre 'Mußen' oder Orte, wo sie Ideen sammelten, vorstellten, damit die Agenten die Models gezielter aussuchen konnten. Laurin runzelte jedoch die Stirn und zwang sich ein gequältes Lächeln auf: "Und nun soll ich mit dir in diesen Burlesqueclub?"
      Lilly kicherte und nippte verlegen an ihrem Champagner. Laurin nahm auch einen Schluck, ehe er Artemis die Hand ausstreckte. "Da Lilly in ihrem künstlerischen Überschwang es vergessen hat, mich vorzustellen: Laurin Thorne"
    • Scarlett verpasste ihre Chance, als der Manager sich von der Bar entfernte und in der Menge verschwand. "Shit." ging es ihr dabei durch den Kopf, doch so schnell würde das junge Modell nicht aufgeben. Die Party hat erst gerade so richtig angefangen, daher ging sie davon aus, dass sie den Blonden bestimmt noch mal sehen würde und dann zögerte sie nicht mehr. Dennoch etwas geknickt, trank sie ihren Drink vielleicht etwas zu schnell aus und bestellte sich danach gleich einen anderen Cocktail oder besser gesagt einen Long Drink: Mai Tai.

      Artemis hatte in der Zeit seine neuste Bekannte getroffen, die ihn auch gleich in Beschlag nahm: Lilly, der aufsteigende Stern am Designerhimmel. Sie hatten sich im "Kitty Cat" kennengelernt, dem Club, wo Artemis seine Burlesque Nummer zum Besten gibt. Sie kamen ins Gespräch und die Designerin kam darauf hin immer öfters vorbei und ließ sich wohl von seinen Kostümen und auch dem Tanz etwas inspirieren. Artemis schmeichelte es doch sehr, dass er wohl die Muse für Lilly ist und daher kam er jetzt auch bereitwillig mit, als sie meinte, sie müsse ihm jemanden vorstellen. Er hatte zwar ein bisschen ein schlechtes Gewissen, dass er seine Freundin Scarlett hat einfach so stehen lassen, doch man musste seine Kontakte einfach pflegen und das wusste seine Mitbewohnerin auch. Außerdem machte er sich um das Model keine Sorgen, sie würde bestimmt hier ihren Spaß haben, konnte sie schon eine richtige Partymaus werden.
      Während also Artemis Lilly folgte, die sich noch von irgendwo her drei Champagnergläser mit Inhalt geschnappt hatte, blieb sie dann vor einem hochgewachsenen Mann stehen. "Uhh, nicht schlecht. Nicht ganz mein Geschmack, aber von der Bettkante würde ich ihn auch nicht schubsen." dachte sich der Paradiesvogel und deutete eine kleine Verbeugung an, als die Designerin ihn vorstellte. Er bekam dann das Sektglas in die Hand gedrückt und konnte spüren, aber auch sehen, dass der Mann ihn musterte. "Ich hoffe dir gefällt das, was du siehst." konnte Artemis sich den frechen Spruch einfach nicht verkneifen und zwinkerte dem Blonden kokett zu, während er von seinem Champagner nippte.
      "Ich bin doch kein Star, Darling. Hör auf, sonst werde ich noch ganz rot." winkte Artemis gespielt verlegen ab, der es natürlich genoss, im Rampenlicht zu stehen und Lobpreisungen zu hören. "Über noch mehr Gäste würde ich mich tatsächlich freuen." musste der Tänzer leise schmunzeln, als der Blonde Lilly fragte, ob er jetzt mit ihr diesen Club besuchen sollte.
      Und dann stellte sich der Manager ihm vor, reichte ihm seine Hand, worauf Artemis eher wie eine Dame ihm seine Hand reichte. "Laurin Thorne? Der von LUCENT?" wiederholte der Tänzer dann etwas erstaunt und bekam doch große Augen. Er selber kennt sich in der Modewelt nicht ganz so besonders aus, doch dieser Name sagte ihm was. Nicht nur, weil Scarlett immer wieder von der Agentur schwärmte, sondern weil die angesagtesten Modemarken mit dieser Agentur zusammenarbeiten wollten.
      "Wenn ich das Scarlett erzähle, wird sie ausflippen." dachte er sich, blieb aber immer noch ruhig. Vielleicht konnte er ja hier ein bisschen für seine Freundin etwas herausholen.
      "Es ehrt mich, so einen erfolgreichen Mann kennenzulernen." erwiderte Artemis und schüttelte Laurin die Hand. "Hmm, große, starke Hände." schoss es dem Tänzer dabei durch den Kopf, riss sich dann aber auch gleich wieder zusammen. "Wenn man so erfolgreich ist, muss man doch pausenlos am Arbeiten sein, oder?" fragte Artemis dann ungeniert und bedachte den Manager mit einem neugierigen Blick. "Immer auf der Such nach neuen Talenten, nicht wahr?" nahm der Tänzer das einfach an und wirkte dabei so, als hütete er gerade ein strenges Geheimnis, so als ob er genau das hatte, wonach der Manager gerade suchte. Und dann wechselte Artemis einfach das Thema. "Bestimmt hat Lilly gar nicht erzählt, wie toll ich tanzen kann. Wie wäre es mit einer kleinen Vorführung." bot der junge Mann an und drehte sich dabei galant um die eigene Achse, was in diesen Schuhen nicht einfach ist. "Von hier oben hat man doch einen tollen Ausblick auf die Tanzfläche." sprach Artemis weiter und schritt auf das Geländer zu. Der Club hier besitzt eine Galerie, von der man aus hinunter auf die Tanzfläche und dem DJ-Pult blicken konnte, die perfekte Bühne um sich in Szene zu setzen. Ohne ein weiteres Wort verließ er denn die beiden mit einem kecken Zwinkern und machte sich auf die Suche nach Scarlett.

      Ein Glück musste Artemis nicht lange suchen und fand die Brünette, die wohl schon etwas angetrunken war. "Hey, Arty. Du hast mich einfach alleine gelassen." schmollte sie ein bisschen und trank dann ihren Mai Tai aus, als Scarletts Mitbewohner auf sie zukam. "Sorry, Schätzchen. Ich mach’ es wieder gut. Okay?" entschuldigte er sich bei ihr und nahm sie dann an beiden Händen. "Wie wäre es, wenn wir ein bisschen das Tanzbein schwingen?" fragte er die Brünette verspielt und zog sie auch schon mit sich. "Na gut. Aber nur weil du es bist." stimmte Scarlett gutgelaunt dem Tänzer zu und folgte ihm, bis sie sich dann mitten auf der Tanzfläche wieder fand. Artemis würde ihr aber nicht sagen, dass sie von einem bestimmten Manager wohl gleich beobachtet werden. Scarlett würde dann viel zu verbissen werden und somit leider auch etwas zu steif. Daher ließ er seine Freundin im Ungewissen und fing einfach an, mit ihr zu tanzen. Zum Rhythmus der Musik und den tiefen Bässen bewegten sich ihre Körper geschmeidig im Einklang. Artemis und Scarlett gehen gerne zusammen tanzen, auch ganz ohne Alkohol, um einfach Spaß zu haben. Und, weil in seinen Augen das junge Model eine sehr gute Tänzerin ist. Sie hatte ihm erzählt, dass sie in ihrer Kindheit das Tanzen gelernt hatte, sogar auch etwas Ballett und die lateinamerikanischen Tänze. Das genoss der Paradiesvogel sehr, vor allem, weil sie dabei immer wieder die Rollen tauschten, zwischen ihnen wechselte sich immer Part des Führenden, was ihre Performance um so aufregender machte. Und heute ließ sich Scarlett ein bisschen mehr gehen, was vielleicht an dem Alkohol intus lag, sodass ihre Bewegungen noch dominanter, aber auch verführerischer wirkten.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Artemis, der mehr oder minder Lillys Muse zu sein schien, verbeugte sich leicht vor Laurin. Auf den frechen Spruch des Tänzers musste der Agent grinsen. "Unter Umständen", entgegnete er abwägend und sah nochmals über den jungen Mann in den auffallenden Schuhen, die Laurin schon staunen ließen. Viele Frauen kamen mit diesen Höhen nicht zurecht. Seinem Gegenüber schien es jedoch nichts auszumachen. Es war für Laurin auch nichts Besonderes, dass er auch mit Paradiesvögeln zu verkehren hatte und er mochte es sogar. Sie lockerten die spießige Atmosphäre oft auf. Laurin konnte aufgrund seines Charakters und seines Jobs nicht viel zur Auflockerung beitragen. Eher im Gegenteil. Sobald potenzielle Models seine Anwesenheit verspürte, wurden sie starr und steif wie Marionetten. Es hasste das. Er wollte sie als Mensch sehen, denn so müssten sie am Ende vor der Kamera und auf dem Laufsteg auch überzeugen und nicht als verstellte Persönlichkeit.

      Amüsiert tauschten sich Lilly und Artemis aus, ehe das Wort fiel. Laurins Agentur. Aktuell war sie irgendwie in aller Munde und er war irgendwie stolz. So streckte ihm auch Artemis wie eine Dame die Hand aus, was ihn schief grinsen ließ. "Korrekt", entgegnete er auf die Feststellung des Tänzers. "Erfolg liegt immer im Auge des Betrachters", lächelte Laurin verlegen und Lilly gluckste: "Du hast aber ein gutes Auge für Models. Das gehört auch zum Ruhm und Erfolg dieser Modewelt, Laurin" Bedächtig nickte er den Kopf und schüttelte mit Artemis die Hand. Seine Hand war weich und zart wie die einer Frau und hatte dennoch einen prägnanten Druck. "Tänzer machten wohl auch viel Sport, hm?", ging es Laurin dabei durch den Kopf. "Nun es gibt kaum einen Unterschied zwischen Freizeit und Arbeit", gab der Agent auf die Frage des Tänzers ehrlich zu. "Ich bin eigentlich ständig auf der Suche, obwohl sich jeden Tag einige Models melden. Es ist ein bisschen wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen." Lilly nickte zustimmend. Die beiden arbeiteten schon länger zusammen, vor allem weil beide eine ähnliche Meinung zu Models hatten. Laurin hatte aber genauso gut Designer, denen er mehrere Models vorstellen musste, ehe der Zuschlag kam. Dennoch war er damit meist erfolgreicher als die koksenden Agenten oben auf der Brüstung, die meistens 10 bis 15 Models vorstellten, ehe es einen Treffer gab. Nebenher entging dem geübten Agenten nicht der Unterton des Tänzers, der wohl wen kannte. Fürs Erste ignorierte er die Offerte. Suchte er doch schließlich spezielle Models und eine bloße Empfehlung wäre ihm die Zeit und Mühe nicht wert, ein Protfolio von der Stange für ein Model von der Stange durchzusehen. Doch sollte se so auffallend wie Artemis sein, wäre es vielleicht eine Chance. Doch der Agent versteckte seine Miene hinter einem geübten Model-Pokerface und trank vom Champagner.

      Artemis bot seine Tanzkünste an. Lilly freute sich sichtlich und wippte im Takt der Discomusik mit. Kurz darauf machte sich der Tänzer aus dem Staub. Fragend sah Laurin zur Designerin. "So viel Energie", freute sich diese und nippte an ihrem Sekt. "Oder zu viel Energie", überlegte Laurin laut, ehe er sich mit dem Glas in der Hand über das Geländer beugte und auf die Tanzfläche sah. Es waren viele Leute in bunten Kleidern und Anzügen da und doch fiel ihm Artemis wieder auf. War es die vorherige Begegnung oder sein genereller Stil? Er konnte es nicht sagen und dennoch musterte er diesen, der nun mit einem Mädchen auf der Tanzfläche tanzte. Er musterte ihn in den hohen Schuhen und seine Begleitung. Hatte er die Frau heute nicht schonmal irgendwo gesehen? Die Brünette bewegte sich elegant und dennoch frei und fordernd mit Artemis. Neugierig musterte er ihr Aussehen. Braune fast schwarze lange Haare und rote Lippen auf heller Haut, die er bis hierher erkannte. Insgesamt wirkte die Frau sehr unschuldig und dennoch fordernd, was ihn kurz grinsen ließ. Dazu ein schwarzes Outfit, das recht kurz war und begehrliche Blicke weckte, aber angemessen für den Anlass war. Er mochte die Kombination aus Unschuld und Reiz, die er da vor sich sah. Ein aktuell weniger beliebter Modeltyp und dennoch war es Laurin, der gerade daran arbeitete solche Models zurückbringen. In New York und den USA im besonderen setzte man sonst eher auf Typ Barbie, doch den fand er zu plakativ und zu oft gesehen. Die Frau an Artemis' Seite wäre einen genaueren Blick wert, doch nicht auf der Tanzfläche. Laurin war definitiv kein Tänzer. Sonst wäre er vermutlich auch etwas anderes als Model geworden. Dennoch beneidete er die beiden um ihre guten Bewegungen. Bei Artemis wusste er nun woher das kam, doch bei der jungen Frau. Er nahm noch einen Schluck aus dem Champagnerglas, ehe er dieses seitlich neben sich auf einem kleinen Tisch abstellte und noch mit den Armen auf dem Geländer lehnte und die beiden beobachtete. Er wusste nicht wieso, aber er konnte nur schwer die Augen von der jungen Frau lassen und fragte sich selbst, welchen Narr er an ihr gefressen hatte.
    • Ein bisschen ärgerte es Artemis schon, dass Laurin bei seinem schönen Köder nicht gleich angebissen hatte, aber er konnte es auch nachvollziehen. Wenn der Agent jeder Empfehlung eines x-beliebigen Bekannten nachgehen würde, wäre er jetzt nicht da, wo er gerade steht; an der Modespitze.
      Also musste er ihn irgendwie anderes von Scarlett überzeugen und deswegen tanzte er gerade mit ihr und versuchte ihr auch ein bisschen mehr das Rampenlicht zugeben. Während ihrer gemeinsamen Darbietung, die auch dafür sorgte, dass man ein bisschen mehr Platz für sie machte, schielte Artemis kurz hoch zur Galerie und versuchte dort Lilly und Laurin zu erkenne. Dreimal musste er hinsehen, ehe er die beiden in der Menge wiederfand und ein schelmisches Grinsen zierte dabei seine Lippen; der Modelagent sah ihnen wirklich zu und wirkte dabei interessiert. So interpretierte das jedenfalls der Paradiesvogel.
      Nachdem sie zwei ganze Lieder durchgetanzt hatten, zog Artemis seine Freundin wieder vom Parkett und führte sie zu einer kleinen Sofaecke. "Das hat Spaß gemacht. Wir müssen wieder öfters tanzen gehen, Schätzchen." kicherte Artemis Scarlett entgegen und setzte sich mit ihr für einen Moment hin. "Liebes, sei so lieb und warte hier noch mal auf mich. Ich muss noch mal zu einer Bekannten gehen. Es wird aber auch nicht lange dauern." bat er das Model um noch ein bisschen Geduld. "Arty!" schmollte Scarlett gespielt und zog dabei eine Schnute. "Na gut. Aber wenn ich zu lange warten muss, suche ich mir jemanden anderen, mit dem ich tanzen kann." warnte sie ihn neckisch, was aber einer leeren Drohung gleich kam. "Ich verspreche dir, Darling, deine Geduld wird sich bestimmt bezahlt machen." zwinkerte er ihr zu, was doch sehr zweideutig klang, ehe er sich wieder erhob und zurück zu Lilly und Laurin kehrte.
      Scarlett konnte man die Fragezeichen über ihrem Kopf fast schon direkt ansehen, als sie über Artemis’ Worte nachdachte. Was genau meinte er denn damit schon wieder? Sie zuckte dann aber mit den Schultern und bestellte sich lieber einen weiteren Drink.

      Wieder bei der Designerin und dem Agenten angekommen, grüße Artemis die zwei mit seiner guten und auch ansteckenden Laune. "Da bin ich wieder und ich hoffe, dass euch meine Darbietung gefallen hat. Mir ist auch auf der Tanzfläche ein ganz toller Gedanke gekommen. Den muss einfach mit dir teilen, Lilly." sprach er seine gute Bekannte auch direkt an. "Stell dir vor, dass wir eine kleine interne Modenschau bei mir im Club ausrichten, um einen vagen Einblick in deine neuste Kollektion zu geben. Du suchst natürlich die Gäste aus und wir, Tänzer und Tänzerinnen werden deine Mode präsentieren." unterbreitete der junge Mann Lilly auch gleich seine Idee. Diese hatte Artemis natürlich nicht ohne Hintergedanken und würde dafür sorgen, dass auch Scarlett bei diesem Lauf mit auf dem Catwalk stehen würde. Natürlich hoffte er, dass man auch Laurin dazu einladen würde und dann könnte er Scarlett ganz in ihrem Element erleben. Keine leeren Worte, sondern das Bild direkt vor seinen Augen! "Na? Was sagst du? Das wäre doch mal was Neues und Aufregendes." versuchte er Lilly die Idee weiter schmackhaft zu machen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Lilly hob bei Artemis’ Idee überrascht die Augenbrauen, nippte noch einmal an ihrem Glas und sah dann mit einem nachdenklichen Blick zu Laurin. „Weißt du, prinzipiell… klingt das gar nicht so verkehrt“, sagte sie schließlich langsam. „Ein intimer Rahmen, ein exklusives Publikum, direkte Inszenierung meiner Entwürfe – das hat was. Es wäre authentischer als jede Hochglanzshow auf der Fashion Week. Nur...“ Sie hielt kurz inne. „Nur müsste die Inszenierung wirklich on point sein. Kein burlesques Chaos, verstehst du? Keine halbgaren Abläufe. Es müsste… ein Statement sein.“
      Sie wandte sich halb an Laurin. „Was meinst du? Du hast ja ein feines Gespür dafür, was funktioniert und was nicht.“
      Laurin schnalzte mit der Zunge, verschränkte die Arme vor der Brust und sah zu Artemis. „Ich weiß nicht. Ein Club, Burlesque-Tänzer und eine Laufsteg-Show? Klingt wie ein PR-Stunt von jemandem, der gerade versucht, TikTok zu erobern.“

      Ein leichtes Schmunzeln zuckte über seine Lippen, als er Artemis’ leicht enttäuschten Blick auffing. Doch dann hob er das Glas an die Lippen, trank einen Schluck und runzelte die Stirn nachdenklich. „Obwohl…“ Er senkte das Glas wieder. „In Mailand gab’s mal ein Event, ganz ähnlich. Ein Designer hat seine Kollektion damals in einer stillgelegten Oper mit Tänzern und Performancekünstlern gezeigt – keine klassischen Models, sondern Charaktere. Das Ganze war ein Riesenerfolg. Die Videos davon gingen viral. Ein paar Marken aus Paris sind danach sogar auf ihn aufmerksam geworden.“
      Er wandte sich zurück zu Lilly. „Wenn wir’s richtig aufziehen… mit einer klaren Vision… könnte es funktionieren. Vielleicht nicht als klassische Modenschau, sondern als Performance mit Mode. Eine Art… lebendige Präsentation.“
      Dann zu Artemis: „Aber wenn wir das machen, musst du liefern. Keine Amateurnummer. Ich will kein Lächeln, ich will Gänsehaut.“
      Lilly grinste plötzlich. „Oh, das mag ich. Gänsehaut. Denkst du, du kannst uns die liefern, Artemis?

      Laurin ließ den Blick einen Moment über die Tanzfläche schweifen, dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Artemis.
      „Und diese Tänzer, die du da einsetzen willst…“ Seine Stimme war ruhig, fast geschäftsmäßig, doch seine Augen prüfend. „Sind das alles Performer wie du – oder auch ausgebildete Models? Ich meine… ein schöner Walk ist eine Sache. Aber Körperspannung, Haltung, Kameragefühl – das lernt man nicht beim Tanzen allein.“
      Ein Hauch Skepsis lag in seinem Ton, auch wenn er sich bemühte, es nicht wie ein Frontalangriff klingen zu lassen. Er hatte schon zu viele schlecht gemachte PR-Experimente gesehen, bei denen Designer in der Szene „anders“ sein wollten – und am Ende wirkte alles nur bemüht. Bevor Artemis antworten konnte, schaltete sich Lilly ein – mit jenem Enthusiasmus, der sie manchmal unberechenbar, aber immer visionär wirken ließ.

      „Laurin“, begann sie bestimmt, aber mit einem charmanten Lächeln. „Es geht bei dieser Idee nicht um den Verkauf – dafür haben wir unsere klassische Show mit den üblichen Models und der Presse. Das hier wäre etwas anderes. Kunst. Ausdruck. Energie. Eine Erfahrung.“ Sie machte eine kreisende Geste mit der Hand, als würde sie das Konzept damit greifen wollen. „Ich möchte, dass die Leute spüren, was die Kollektion bedeutet. Und das gelingt manchmal nicht auf einem cleanen Catwalk mit steifen Posen. Diese Show… das wäre der Herzschlag meiner neuen Linie. Die Seele.“ Sie sah Laurin eindringlich an. „Vertrau mir – für den Business-Teil habe ich längst andere Pläne. Aber hier... will ich provozieren. Inspirieren. Und vielleicht auch ein bisschen polarisieren.“

      Laurin hob leicht die Brauen, lehnte sich dann zurück gegen das Geländer. „Kunst statt Kommerz, hm? Na gut. Solange am Ende nicht jemand in einem Federmantel nackt durch den Club tanzt, bin ich offen für ein Experiment.“ Ein schiefes Grinsen zuckte über seine Lippen. „Aber ich will vorher eine Probe sehen. Ohne Publikum. Ich will sehen, ob das funktioniert. Wenn das Gefühl echt ist… dann reden wir weiter.“ Er sah zu Artemis. „Denk dran – Gänsehaut, nicht Glittershow.“
      Lilly nickte auf Laurins Forderung hin. "Nur gut. Du kannst das besser einschätzen. Ich will mich überraschen lassen." Sie leerte dabei ihr Glas und machte dann eine bedeutungsschwere Geste mit ihren Händen. Ich werde wohl nie diese Designer verstehen, dachte sich Laurin skeptisch.
    • Artemis Idee schien bei Lilly und Laurin auf Anklang zu stoßen, doch nicht ohne ein paar Zweifel und Bedingungen und diese konnte der Tänzer nachvollziehen. Eine stümperhafte Show konnte einem den Ruf schädigen und das wollte er nicht.
      Die Worte des Agenten zu seinem Einfall fielen weitaus harscher aus, als die der Designerin, worauf der Tänzer seine Lippen schürze. "Das kann man auch netter sagen." dachte sich Arty doch dann lenkte Laurin doch etwas ein, was die Mine des Paradiesvogels erhellte.
      Ihm ist klar, dass diese Show nicht einfach so aus dem Ärmel geschüttelt werden konnte. Er müsste mit seinen Tänzerkollegen viel Proben müssen und das neben ihrem Job. Aber wenn er ihnen klarmachte, dass dies ein Sprungbrett sein könnte, um noch weiter die Karriereleiter aufzusteigen, war er sich fast sicher, dass die meisten dann mitmachen würden.
      "Die meisten werden Tänzer aus dem Club sein, von denen ich sicher weiß, dass sie das sehr ernst nehmen werden." versicherte er dem Agenten, dass er das nicht auf die leichte Schulter nehmen wollte. "Aber ich werde mir auch Unterstützung von einem Profi holen, damit dieses Projekt auch gelingt." fügte Artemis gleich an und dachte natürlich dabei an seine Freundin Scarlett. Er wandte sich dann wieder an die Designerin Lilly, denn sie hatten noch keinen Zeitpunkt ausgemacht und wie genau das Motto ihrer Kollektion lauten soll. "Lilly, wie genau soll deine Vision aussehen? Welches rohe Gefühl sollen wir durch unsere Performance ausdrücken?" fragte er sie direkt. "Und was wäre ein realistischer Zeitrahmen, um so eine Show auf die Beine zu stellen?" bat er um die Einschätzung von Laurin, der dafür bestimmt ein gutes Gespür hatte.
      "Hoffentlich übernehme ich mich hier nicht." dachte sich der Tänzer. "Ich mache das nur für dich, Scarlett, mein Schätzchen." rief er sich in Erinnerung, wieso er überhaupt das alles vorgeschlagen hatte. Aber Arty ist sich sicher, wenn er dem Model von dieser Gelegenheit erzählt, wird sie dafür Feuer und Flamme sein.
      "Für ein paar Tipps vom Profi, wäre ich auch recht dankbar." wandte er sich erneut an Laurin. Wer weiß, vielleicht reizt in so eine Show, dass er selber die Zügel in die Hände nehmen will.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Laurin hob bei der Erwähnung eines Profis leicht die Augenbraue, ehe er das Glas kurz anhob und einen kleinen Schluck nahm. „Das klingt zumindest so, als würdest du das ernst nehmen. Gut.“ Seine Stimme klang sachlich, doch nicht ohne ein Anzeichen von Respekt. „Die meisten verlieren sich in Visionen und vergessen, dass selbst eine 'Performance mit Seele' minutiös geplant sein muss.“ Er wandte sich etwas zur Seite, den Blick nun auf Lilly gerichtet. „Was den Zeitrahmen angeht…“ Er überlegte einen Moment, dann zuckte er mit den Schultern. „Wenn ihr’s richtig aufziehen wollt – mit Proben, Lichtkonzept, Kostümen, Choreografie – brauchst du mindestens vier Wochen. Und das ist ambitioniert. Je nachdem, wie diszipliniert dein Team ist.“ Ein kurzer Seitenblick zu Artemis ließ offen, ob das als Provokation oder ehrliche Einschätzung gemeint war.

      Doch Lilly schüttelte kaum merklich den Kopf, als würde sie einen unsichtbaren Gedanken abwimmeln. „Vier Wochen wären ideal, ja. Aber… ich möchte es auf zwei Wochen begrenzen.“ Laurin runzelte die Stirn. „Zwei? Lilly, das ist Wahnsinn. Das wäre kein Probenplan, das wäre ein Himmelfahrtskommando.“
      „Nein“, erwiderte sie ruhig, aber mit Überzeugung in der Stimme. „Es ist ein künstlerischer Akt. Ein kontrollierter Kontrollverlust. Ich will keine Show, die sich anfühlt wie fünfzehnmal durchchoreografiert und dann glattgebügelt. Ich will eine rohe Energie. Spontaneität. Eine gewisse Fragilität – weil genau das berührt.“ Sie trat einen halben Schritt auf Laurin zu. „Wenn wir zu lange proben, verlieren wir genau das. Ich habe schon zu viele Kollektionen auf Hochglanz poliert und dabei genau das verloren, was sie ursprünglich ausgemacht hat. Dieses Mal soll es anders werden.“

      Laurin sah sie einen Moment schweigend an, dann wandte er sich ab und ließ seinen Blick erneut über die Tanzfläche schweifen. Die Musik dröhnte, Lichter zuckten, Körper bewegten sich – roh, chaotisch, lebendig. Vielleicht war genau das der Punkt. Vielleicht war es an der Zeit, der Mode wieder ein bisschen mehr Risiko zuzumuten. Er atmete langsam aus, bevor er sich wieder zu ihr umdrehte. „Zwei Wochen. Keine Generalprobe mit Presse, keine technische Rückfallebene. Nur du, deine Vision – und ein Tänzer, der was beweisen will.“ Er hob das Glas und sah Lilly eindringlich an. „Wenn das schiefgeht, hängt dein Name mit dran. Aber wenn’s funktioniert…“
      „Dann erinnern sich die Leute daran“, beendete Lilly mit einem Lächeln. „Und nicht nur, weil jemand mit Glitzer auf der Brust durchs Scheinwerferlicht getorkelt ist.“ Laurin verzog leicht den Mund zu einem anerkennenden, schiefen Lächeln. „Na dann. Zwei Wochen. Aber ich will alles sehen. Moodboards, Musikvorschläge, Cast-Vorschläge. Keine halben Sachen, nur weil’s ein ‘künstlerischer Akt’ ist.“
      Lilly grinste. „Deal.“

      Dann wandte sich Laurin wieder Artemis zu. Sein Blick blieb nun deutlich länger auf dem Tänzer ruhen, mit der typischen Mischung aus Analyse und professioneller Distanz. „Und was deine Frage zu den Tipps angeht…“ Er hob leicht eine Augenbraue. „Erstens: Die Kamera verzeiht nichts. Also überlegt euch vorher, wie ihr mit Blicken, Bewegungen und Licht arbeitet. Nichts dem Zufall überlassen, auch wenn es später so aussehen soll.“ Er hob zwei Finger. „Zweitens: Weniger ist oft mehr. Keine Requisiten, die ablenken. Keine albernen Kostüme. Die Kollektion steht im Mittelpunkt. Ihr seid nur das Medium.“ Ein dritter Finger hob sich. „Und drittens – und das ist der wichtigste Punkt – kein Pathos ohne Inhalt. Wenn ihr Emotion zeigen wollt, dann muss die aus euch selbst kommen. Nichts wirkt schlimmer als gespieltes Drama.“
      Er ließ die Hand wieder sinken, seine Stimme war nun ruhiger, fast wie ein Mentor, der nicht belehrt, sondern vorbereitet. „Wenn du wirklich was reißen willst, Artemis, dann vergiss die Show. Denk in Bildern. Denk in Wirkung. Denk… in Eindruck.“ Lilly lachte leise und klang fast stolz. „Das war mehr Input als manch ein junger Designer von dir je bekommen hat.“ Laurin zuckte mit einem Mundwinkel. „Vielleicht liegt’s am Glitzer. Der macht mich wohl weich.“

      Anschließend stießen die drei nochmals an - Lillys Glas war weiterhin leer, doch sie brannte für das neue Konzept. Laurin war noch immer skeptisch und kam danach nochmal zu Artemis. "Hör mal neben der Mode steht und fällt alles mit den Models. Du wirst doch nicht alleine hier sein" Er sah auf und blickte durch den Club. "Ist denn jemand von deinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Tanzclub mit hier? Dann könnte ich mir ein erstes Bild machen, was uns erwartet."
    • Natürlich würde Artemis das ernst nehmen. Er ist nicht dafür bekannt, nur halb gare Sachen zu servieren und mit dieser Herausforderung wurde sein Ehrgeiz gepackt. Laurin und Lilly diskutierten dann darüber, wie viel Zeit man ihm für das Vorhaben gab und als er von der Designerin hörte, dass sie das alles in zwei Wochen auf den Beinen haben wollte, schluckte er doch kurz. 14 Tage sind nicht viel, aber auch nicht unmöglich, vor allem, wenn sie keinen minutiös durch choreografierten Lauf haben wollte. Das würde ihm dann doch etwas in seine Karten spielen.
      Der Agent und die Designer wurden sich einig und ab jetzt wusste Artemis, dass einiges an Arbeit auf sie zukommen würde. Die Tipps, die Laurin ihm noch gab, nahm er dankend an und war froh, dass er mit seiner Beschreibung auch etwas anfangen konnte. Bilder und rohe Emotionen waren der Clou und das würde der Tänzer schon hinbekommen.
      Er hatte eigentlich schon damit gerechnet, dass Laurin ihm genug Hilfestellung gegeben hatte, doch dann, fragte er nach den potenziellen Tänzern aus seinem Club, welche die Mode präsentieren sollten. "Du kannst es wohl kaum erwarten, sie zu sehen." gab er schmunzelnd und leicht neckisch von sich und sah sich dann kurz im Club um, als würde er hier auf den ersten Blick sofort erkennen, wer von seinen Kollegen hier sind. "Ein paar Kandidatinnen und Kandidaten sind anwesend und wenn du mir etwas Zeit gibst, trommele ich sie gerne für dich zusammen." bot er dem Agenten. Es gibt hier in dem Club eine Lounge, dort haben wir etwas Ruhe uns sind auch eher unter uns. Wie wäre es, wenn wir uns dort treffen?" schlug er Laurin vor und zückte schon mal sein Handy. Er kennt seine Kolleginnen und Kollegen, die immer wieder einen Blick auf ihr Smartphone werfen. So würde er sie am schnellsten finden. Aber als allererstes, würde er Scarlett aufsuchen. Sie ist seiner Meinung nach, bei diesem Vorhaben unabdingbar. Sie hat Laufstegerfahrung und kann ihm und auch den anderen bestimmt zeigen, was Laurin damit meint ausdrucksstark zu sein.
      "Also, ich gehe jetzt mal meine Kollegen suchen. Tüdelü!" verabschiedete sich Artemis fürs Erste und ging auf die Suche nach Scarlett. Diese fand er wieder in der Nähe der Bar, wo sie brav geblieben ist und gerade mit einem Mann etwas flirtete. Doch dieser wurde einfach links liegen gelassen, als sie Artemis entdeckt und sprang gleich auf, um auf ihn zuzugehen. Scarlett ist in der Zwischenzeit vernünftig gewesen und hat anstelle von Alkohol, Limonade und dergleichen getrunken. Ihr wurde aber langweilig und daher fing sie an, mit dem ein oder anderen Gast etwas zu plaudern. Sie hatte kein wirkliches Interesse an den Männern, diente es für sie nur als Zeitvertreib, bis Artemis endlich wieder auftauchte.
      "Wo bist du denn so lange gewesen?" fragte sie ihn und zog den Tänzer mit zum Sofa, wo sie sich wieder hinsetzen. Ihren vorigen Gesprächspartner ignoriert das Model dabei gekonnt und der Kerl verstand auch den Wink mit dem Zaunpfahl und trollte sich, in der Hoffnung eine andere Frau aufreißen zu können. Neugierig sah Scarlett zu ihrem Mitbewohner, als dieser sich auch zu ihr gesellte. "Ich erzähle dir es gleich, aber du musst mir davor versprechen, nicht auszurasten und noch wichtiger, du musst ganz cool bleiben." eröffnete Artemis ihr, was Scarlett nur noch neugieriger macht. "Okay, ich verspreche ganz ruhig und locker zu bleiben. Aber mach es jetzt doch nicht so spannend." stimmte sie seiner Forderung zu und sah ihn gespannt an. Artemis atmete dann doch sehr dramatisch ein und erzählte seiner Freundin dann von der Begegnung mit Laurin Thorne und der Modenschau in sein seinem Club, für die Designerin Lilly, deren Name ihr bestimmt, auch etwas sagt. Während der Tänzer davon erzählte, wurden Scarletts Augen immer größer und irgendwann musste sie sich im Polster des Sofas festkrallen. "Und das ist jetzt kein doofer Scherz von dir, oder?" wollte sie da noch ein mal sicher gehen, doch Artemis ist eigentlich niemand, der jemandem einen miesen Streich spielt. "Sehr ernst sogar. Laurin hat mich gefragt, ob er nicht jetzt gleich ein paar meiner Kollegen kennenlernen kann, die bei dieser Show mitwirken sollen. Und natürlich habe ich sofort an dich gedacht, Darling. Das wäre die Gelegenheit für dich zu zeigen, was du alles drauf hast." meinte Artemis weiter.
      Scarlett konnte es kaum fassen. Bei der Vorstellung auch nur ein bisschen mit Laurin Thorne zu arbeiten, breitete sich ein starkes Glücksgefühl in ihr aus. Das ist ihre Chance, endlich bei den großen Modehäusern Fuß zu fassen. Diese Gelegenheit darf sie nicht vermasseln und so gesellte sich zu ihrem Glücksgefühl auch noch Nervosität und Anspannung. "Cool bleiben!" ermahnte sie sich selbst und als gerade ein Herr mit einem Tablett Sektgläsern vorbeikam, winkte sie diesen zu sich und nahm sich eins der Gläser. Der Sekt wurde in einem Zug heruntergekippt und als sie dann nach dieser Aktion von Artemis schief angesehen wurde, erklärte sie sich kurz. "Für meine Nerven." "Wenn du meinst, aber betrinke dich lieber nicht zu sehr, du sollst ja noch einen vernünftigen Satz hervorbringen, wen wir gleich zu ihm stoßen." wies er sie darauf hin, es mit dem Alkohol ruhig anzugehen. "Ich schreibe jetzt noch meinen Kollegen, von denen ich weiß, dass sie hier sind. Ich bestelle sie am besten hier her und dann erkläre ich ihnen noch mal alles." überlegte der Tänzer laut und zückte sein Smartphone. Schnell hatte er eine Nachricht an die Tänzer geschickt und allzu lange mussten sie gar nicht auf diese warten. Artemis wusste zumindest von zweien, die auch hier auf der Party waren und so standen bald Mirabelle, eine schlanke, hochgewachsene rothaarige Frau und Elias, ein androgyner Mann bei ihnen. Artemis erklärten den beiden auch noch mal die Situation, beide waren von der Idee begeistert.
      "Ich bin mir sicher, dass noch ein paar andere aus dem "Kitty Cat" da bestimmt mitmachen wollen." war Mirabelle da guter Dinge, denn das war eine Show, die sehr viel Aufmerksamkeit erregen würde und somit auch ein eventuelles Sprungbrett für die ein oder andere Karriere.
      "Dann lasst uns mal zu dieser Lounge gehen." schlug Elias vor, der heute wie ein junger Elvis-Verschnitt aussah, was einige Blicke auf ihn zog. Die vier machten sich dann auf den Weg zum Treffpunkt und Scarlett versuchte ihre Nervosität in den Griff zu kriegen. Sie musste vor dem Agenten professionell wirken und natürlich. Sie hatte mal gehört, dass Laurin Thorne das sehr wichtig ist, und nichts von aufgesetzten Persönlichkeiten hielt. "Ob er schon dort auf uns wartet?" fragte sie sich und griff dann kurz nach der Hand von Artemis, der sie dann sachte drückte. Er konnte nachvollziehen, wie aufgeregt seine Freundin sein musste und da war er gerne für sie da.
      "Da wären wir." hieß Artemis seine Freunde in der Lounge willkommen und sah sich dann suchend nach Lilly und vor allem Laurin um. Allzu schwer sollten sie nicht zu finden sein, denn nicht jeder durfte hier hochkommen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Laurin ließ seinen Blick über die Tanzfläche gleiten, während Lilly neben ihm begeistert über das künstlerische Potential sprach. Noch immer regte sich Widerstand in ihm. Zwei Wochen… das war selbst für ein Experiment verdammt wenig. Kein Zeitpuffer. Kein Raum für Fehler. Und doch… Er erinnerte sich an Mailand. An die ersten Shows, bei denen er improvisieren musste als er noch Model war. Und später als Agent? Es ging so weiter - er musste immer wieder Lösungen - er erinnerte sich an eines seiner ersten Castings in New York. An Castings, bei denen sein Model mit einem gebrochenen Absatz auf die Bühne ging – und trotzdem überzeugte. Es war nie das Perfekte, das in Erinnerung blieb. Sondern das Echte. „Scheiß drauf“, murmelte er leise in sein Glas. Dann sah er zu Lilly, die gerade auf eine Nachricht auf ihrem Handy antwortete. „Ich hab oft Erfolg gehabt, weil ich nicht den Weg der anderen gegangen bin“, dachte er. Er drückte sich vom Geländer ab. „Ich bin kurz in der Lounge. Artemis soll mir zeigen, wer da auf der Bühne steht. “, sagte er beiläufig, und Lilly nickte nur, ganz in ihrer Welt versunken. Laurin mochte keine Überraschungen vor allem nicht wenn sein Name oder gar der einer Designerin daran hing.

      Laurin schob sich durch das Gewusel und trat schließlich durch die von einem Security-Mitarbeiter bewachte Doppeltür zur ruhiger gelegenen Lounge. Die Musik dröhnte gedämpft durch die Wände. Er ließ sich auf eine der Ledercouches sinken, zündete sich eine Zigarette an und zog tief daran. Sein Blick schweifte durch den Raum, während der Rauch sich langsam in der Luft kräuselte. Zwei Wochen. Ein Tänzer. Und potenziell ein Haufen Selbstdarsteller, die sich für Avantgarde hielten, weil sie barfuß über eine Bühne liefen. Laurin schnaubte leise. „Zeigt mir, was ihr könnt.“, murmelte er leise vor sich her. Er fragte sich, wen Artemis wohl mitbringen würde. Wahrscheinlich zwei bis drei bunte Paradiesvögel – allesamt mit mehr Glitzer als Substanz. Und doch: Etwas an Artemis' Überzeugung hatte ihn gepackt. Dieser Mut. Dieses brennende Feuer, das so viele junge Kreative nur vorspielen konnten, aber selten wirklich besaßen. Dann öffnete sich die Tür.

      Artemis trat als Erster ein – wie immer ein Auftritt, als gehöre ihm die Bühne. Dahinter: Zwei Gestalten, die Laurin sofort in die Schublade „typische Clubtänzer“ steckte. Schlank, stylisch, präsent – aber austauschbar. Doch dann folgte sie. Sein Blick blieb an ihr hängen. Hellhäutige Porzellanhaut, rabenschwarzes Haar, das ihr wie Seide über die Schultern fiel. Feine, klassische Züge – fast zerbrechlich wirkend. Und dann diese Augen. Blau, ausdrucksstark, beinahe zu groß für ihr zartes Gesicht. Unschuld. Verlangen. Beides in einem Blick.
      Laurin richtete sich ein Stück auf, nahm einen weiteren Zug seiner Zigarette. Ihr Gang war natürlich, ungekünstelt. Nicht zu stolz, nicht zu schüchtern – nur aufmerksam. Diese subtile Spannung zwischen Kontrolle und Verletzlichkeit war selten. Und verdammt fotogen. Die anderen beiden waren okay – Profis wahrscheinlich. Eingespielt. Aber dieses Mädchen… war etwas anderes. Er ließ sich Zeit, musterte sie beiläufig. Als Artemis sich wieder in Szene setzte und etwas sagte, reagierte Laurin kaum. Seine Aufmerksamkeit hing noch immer an ihr.

      Vielleicht ist sie genau das, was diese Show braucht, ging es ihm durch den Kopf. Und vielleicht... ist sie sogar mehr als das.
      Er drückte die Zigarette aus, lehnte sich zurück, doch als sich die Gruppe näherte, richtete er sich geschmeidig auf. Sein Blick glitt flüchtig über Artemis, dann fokussierte er die kleine Gruppe. „Das ist also deine Truppe?“, fragte Laurin, der Ton schärfer als nötig, und doch nicht ohne Kalkül. Er ließ seinen Blick schweifen, blieb dann scheinbar beiläufig auf Scarlett hängen. Doch sein Blick war nicht beiläufig – er war prüfend. Langsam trat er einen Schritt zur Seite, legte die Hand ans Kinn und begann, mit der kühlen Eleganz eines Raubtiers um die drei Tänzer zu kreisen – wie ein Tiger, der Beute begutachtete, nicht aus Hunger, sondern aus Neugier, ob sich der Aufwand lohnen würde. Seine Präsenz war spürbar – dominant, kontrolliert, aufmerksam. Er blieb hinter ihnen stehen, schnaubte leise, dann: „Nun gut. Ihr seht…“
      Sein Blick blieb auf Scarlett hängen. Für einen Sekundenbruchteil milderten sich seine Züge, sein Blick wurde weich – fast charmant –, ehe er sich wieder zur gewohnten Kühle sammelte. „… ganz passabel aus.“ Ein leichtes Aufatmen in der Gruppe, vielleicht ein zu früher Moment der Erleichterung. Laurin hob eine Augenbraue, ließ die Spannung bewusst einen Moment stehen und setzte dann nach: „Für einen Catwalk im Kitty Cat.“ Ein Grinsen zuckte über seine Lippen, während er sich wieder vor die Gruppe stellte und die Arme vor der Brust verschränkte.

      Er sah die drei nacheinander an – Mirabelle, Elias, dann Scarlett. Doch nur bei Letzterer verweilte sein Blick länger. „Wir machen Folgendes“, sagte er schließlich, seine Stimme nun wieder sachlich. „Jeder von euch bekommt eine Aufgabe. Zwei Minuten, freies Format. Kein Tanz – Bewegung, Ausdruck, Körpersprache. Keine Musik. Nur ihr. Ich will sehen, ob ihr die Aufmerksamkeit halten könnt – ohne dass euch der Beat durch die Nummer trägt.“ Er wandte sich halb ab, dann wieder zu Artemis. „Du kannst dir aussuchen, wer anfängt. Wenn sie das durchstehen, reden wir weiter.“ Dann trat er zur Seite, setzte sich auf das Ledersofa und machte die Arme links und rechts breit. Laurin ließ nur ungerne Zweifel daran, wer das Sagen hatte.
    • Artemis ging voraus und Scarlett holte ein Mal tief Luft ehe, sie ihm und seinen Freunden folgte. Wie immer bewegte sie sich mit erhobenen Kopf und sehr grazil, diese Haltung ist ihr einfach in Fleisch und Blut übergegangen, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass sie schon seit ihrer frühsten Kindheit modelte. Kaum in der Lounge angekommen, konnte sie quasi spüren, dass hier jemand sie beobachtete. Das bekannte Kribbeln, dass ihr dabei den Nacken hochwanderte und dort ihre Härchen zu stehen brachte, überkam sie dabei wie immer. Vielleicht ist das einfach ein sechster Sinn bei Models, die es einfach spüren, wenn sie beobachtet wurden und so war es bei Scarlett nicht anders. Automatisch reckte sich ihr Kinn ein wenig mehr und sah sich aufmerksam in dem Bereich um, wobei sie dabei nicht so wirken wollte, als würde sie jemanden suchen, was sie natürlich tat.
      "Ob Laurin Thorne wirklich hier ist?" fragte sie sich immer noch, wobei sie hier ihrem Freund vertraute, dass er ihr die Wahrheit gesagt hatte. Und dann ertönte eine basslastige und sehr geschmeidige Stimme, in der Autorität und auch ein bisschen Egozentrik mit schwang. Da war er, der Manager, deren Models immer eine große Karriere hinlegen. Der Mann mit dem goldenen Näschen, wie manch einer sagen würde, da er bisweilen immer den richtigen Riecher hatte, wenn es um Fashion und Trends ging: Laurin Thorne.
      Man merkt sofort, dass auch in ihm ein Model schlummert, sein Auftreten ist einnehmend, seine Körperhaltung nahezu perfekt und er strahlt eine Aura aus, die einem fast schon dazu zwang, ihn anzuschauen. Und Scarlett schaute. Dabei trafen sich kurz ihre Blicke und dieser Moment fühlte sich für sie so an, als hätte sie der Schlag getroffen, als hätte er sie nicht einfach nur angesehen, sondern ihr ganzes Sein erblickt. Dieses Gefühl ist schwer zu schreiben, aber es war definitiv intensiv. Dass der Manager sie dann auch noch wie ein Raubtier taxierte und sie dabei umkreiste, machte es nicht besser. Sein leises Schnauben, was in ihren Ohren viel zu laut erklang, war wie ein Schlag in ihre Magengrube. "Ganz passabel …" Da hätte man auch gleich sagen können, "Note Sechs, bitte setzten!" Bei dieser Kritik schnürte es ihr die Kehle zu und ihre Eingeweide zogen sich krampfhaft zusammen.
      "So harte Worte! Dabei hast du noch gar nichts gesehen, mein Lieber." verteidigte sich Artemis und auch seine Freunde, als sich Laurin wieder vor sie stellte und das mit verschränkten Armen. Kein gutes Zeichen, weiß doch jeder, dass verschränkte Arme vor der Brust eine eher abwehrende Haltung ist. Darauf folgte die Aufforderung, dass jeder sich bewegen sollte und das zwei Minuten lang. Dabei wurde betont, dass es hier nicht um Tanz ging und mit diesen letzten Worten setzte sich Laurin erwartungsvoll wieder aufs Sofa und wartete wohl darauf, dass man ihm jetzt etwas bot.
      "Kein Tanz? Aber wie sollen wir uns denn dann bewegen? Nur laufen?" fragte Mirabelle etwas verwundert und sah dabei zu Artemis, der ihr das eingebrockt hatte. "Weißt du, was er damit meint?" fragte Elias seinen Kollegen, der jetzt etwas in die Bredouille kam und dann Hilfe suchend zu Scarlett blickte.
      "Er will sehen, ob wir nur durch unsere Bewegungen etwas erzählen können, oder ein Gefühl ausdrücken können." versuchte sie den dreien zu erklären, was nicht so einfach war. "Gestik, Mimik, jeder Blick und jede Bewegung spielt dabei eine Rolle." versuchte Scarlett es noch ein bisschen besser auszuführen, doch sie sah nur die fragenden Gesichter von Elias und Mirabelle.
      "Wie es aussieht, weißt du ganz genau, worum es hier gehen soll. Also schlage ich vor, du fängst an und wir beobachten dich dabei und versuchen uns das alles abzugucken." schlug Artemis direkt vor. Sich eine Performance anzusehen und gleich darauf zu wiederholen war für Tänzer wie sie es sind ein Leichtes.
      "Okay, aber ihr dürft mich nicht kopieren, das würde er merken, ihr müsst schon euren einen Charakter dabei einfließen lassen." stimmte Scarlett der Idee ihres Mitbewohners zu und wies sie darauf hin, dass sie ihre Bewegungen nicht eins zu eins kopieren durften.
      "Zwei Minuten ist eine echt lange Zeit." ging es dem jungen Model dabei durch den Kopf, doch es half nichts und nach dem sie sich fertig besprochen hatten, drehte sich Scarlett zu dem Manager um, der noch immer wartend auf dem Sofa saß. Seine harsche Kritik hat ihren Ehrgeiz geweckt.
      "Ganz passabel! Pah! Dem werde ich es zeigen!" ging es Scarlett durch den Kopf und überlegte kurz, welche Emotionen sie jetzt präsentieren wollte. Sie beschloss es bei dreien zu belassen, damit es nicht zu viel wurde und man wirklich den Wandel von dem einen zu dem anderen auch wirklich erkennen konnte. Und so lief sie auf das Sofa zu, ganz in ihrem eigenen Tempo, was so gar nicht zur jetzigen Musik passte, die gerade im Hintergrund zu hören war. Die Musik für ihre Performance lief in ihrem Kopf ab. Sie war am Anfange verführerisch und dementsprechend bewegte sie sich auch. Scarletts Gesicht kam dem Ausdruck eines Schlafzimmerblickes gleich. Ihre Schritte, ihr ganzer Körper bewegte sich sehr verführerisch, sanft und als wollte sie damit jemanden locken. Als sie dann vor dem Sofa zum Stehen kam, um etwas zu posen, wurden ihre Bewegungen härter, fast schon abweisend. Sie drehte sich recht ruckartig ein mal nach links und dann nach rechts, um quasi ihr Outfit zu präsentieren. Dabei hatte sie ihre Hände in ihre Hosentaschen gesteckt und ihr zuvor verführerischer Blick war einem recht grimmigen gewichen, voller Ernst und Kälte. Sie dreht sich dann um, zeigte dem Agenten regelrecht die kalte Schulter und lief einige Schritte wieder zurück, die jetzt mehr einem Marsch glichen. Auf halbem Weg, dreht sie sich erneut um und lief auf Laurin zu, dabei nie den Blick unterbrechend. Je näher sie ihm dann wieder kam, wurden ihre Gesichtszüge weicher. Auch ihr Körper war nicht mehr so steif und ihre Arme schwangen fast schon leicht neben ihr her. Ihr Schritt bekam was Schwingendes und dabei drehte sie sich kurz spielerisch um die eigene Achse, ehe sie vor dem Blonden erneut zum Stehen kam. Und dann strahlte sie den Manager mit ihrem Lächeln an und selbst ihre Augen schienen dabei heller zu leuchten. Sie zwinkerte dann sogar kurz, dreht sich erneut von ihm weg, dass ihr langes Haar dabei mit schwang und lief dann mit leichten Schritten zurück zu den anderen, so als hätte sie den Spaß ihres Lebens. Sie hoffte nur, dass die anderen jetzt eine Idee davon hatten, was man von ihnen verlangte und was Thorne dachte, darüber wollte sie sich lieber nicht den Kopf zerbrechen, denn das würde er ihr bestimmt noch mitteilen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Laurin beobachtete die Szene mit unbewegter Miene. Seine Haltung war lässig, fast desinteressiert, eine Zigarette zwischen den Fingern, das Bein locker über das andere geschlagen. Nichts an ihm verriet, dass ihn die Performance berührte – und doch war da ein winziges, kaum merkliches Senken des Kopfes, als Scarlett sich auf ihn zubewegte. Sie hatte verstanden. Vielleicht nicht alles, vielleicht nicht in der Tiefe, die er sich insgeheim wünschte. Aber sie fühlte es. Und das war mehr, als er bei den meisten sah.
      Keine übertriebene Pose, keine einstudierte Dramaturgie. Es war roh. Nicht perfekt, nein – aber echt. Und es war das erste Mal an diesem Abend, dass Laurin das Bedürfnis verspürte, sich ein zweites Mal etwas anzusehen. „Hm“, machte er leise und ließ die Zigarette in den Aschenbecher gleiten. Das war kein Staunen, kein Lob – nur ein Laut, der Raum ließ. Als Mirabelle und Elias ihre Performances begannen, verlagerte Laurin das Gewicht auf das andere Bein. Beide bemühten sich. Die Energie war da, das Handwerk solide. Aber es war wie ein Echo – ein Widerhall von etwas, das sie beobachtet und nachgebildet hatten. Die Form stimmte. Der Inhalt fehlte.

      Als sie fertig waren, klatschte Laurin nicht. Er stand lediglich auf, schritt langsam vor die drei. Sein Blick war neutral, wie der eines Jurors auf einem Casting, der zu oft enttäuscht wurde, um sich noch Hoffnung zu leisten. „Gut“, begann er trocken. „Ihr habt verstanden, worum es in etwa geht.“ Sein Blick wanderte über Elias und Mirabelle, ohne sie zu durchbohren. „Die Bewegungen sind präzise. Vielleicht zu präzise. Ihr habt euch auf Technik verlassen, nicht auf Wirkung.“ Dann wandte er sich Scarlett zu – langsamer, gezielter. Ein kurzer Moment Stille entstand. Dann: „Und du… du hast’s wenigstens versucht, zu erzählen. Nicht perfekt. Aber man sieht, dass da was schlummert.“ Er trat einen Schritt näher, sodass seine Stimme nur noch für sie zu hören war. „Wenn du aufhörst, gefallen zu wollen – und stattdessen anfängst, loszulassen – dann hast du etwas, was man nicht lernen kann.“

      Er drehte sich von der Gruppe weg, machte eine knappe Geste zu Artemis. „Das war ein Anfang. Darauf kann man aufbauen.“ Dann, ohne große Ankündigung, wandte er sich wieder Scarlett zu. „Komm mit.“ Sein Ton war ruhig, doch es war keine Bitte. Eher ein natürlicher Befehl. Er führte sie an die Seite, näher zur großen Fensterfront, wo das Licht der Stadt sich in seinem Glas spiegelte. Er reichte ihr keines. Beobachtete sie einen Moment nur schweigend. „Du hast etwas an dir“, sagte er schließlich leise, fast beiläufig. „Etwas, das stört. Und genau das macht es interessant.“ Sein Blick streifte ihre Züge – kurz, aber präzise. „Du willst gesehen werden. Aber du willst gleichzeitig verschwinden. Das ist gefährlich. Und faszinierend.“ Ein schmaler Zug huschte über seine Lippen. „Wenn du dich traust, dich zu zeigen – ganz –, dann wirst du nicht irgendeine Rolle auf dieser Bühne spielen. Sondern sie tragen.“ Er ließ die Worte im Raum stehen. Dann wandte er sich leicht ab, den Blick wieder aufs nächtliche Stadtbild gerichtet. „Zwei Wochen. Ich will dich bei jeder Probe sehen. Keine Ausreden.“ Ein letzter Blick. Ernst. Prüfend. Vielleicht sogar ein Hauch von Anerkennung darin. „Zeig mir, ob ich mich nicht irre.“

      Laurin musste sich eingestehen: Er hatte eine Schwäche. Models wie Scarlett. Zerbrechliche Eleganz. Hübsch, mit einem Hauch Unschuld. Exakt sein Beuteschema. Die meisten Mädchen wie sie waren beeinflussbar – leicht zu lenken, wenn man nur wusste, welche Träume sie jagten. Und Laurin wusste es immer. Nicht umsonst munkelte man in der Branche, Laurin Thorne, New Yorks erfolgreichster Modelagent, hätte einen unstillbaren Hunger nach jungen Talenten, die bereit waren, für ihren Traum alles zu opfern.
      Doch Laurin war kein gewöhnlicher Agent. Er formte sie. Schliff sie. Verdeckte ihre Schwächen, überhöhte ihre Reize – und machte sie zu dem, was er brauchte. Zu dem, was die Branche verlangte. Scarlett hatte Potenzial. Und vielleicht… einen Charakter, den man sich zunutze machen konnte. Es würde an ihr liegen, ob sie das Spiel durchschaute. Oder ob sie zu seiner nächsten Muse wurde.
    • Scarlett beobachtete die beiden Tänzer, wie sie nun ihre Performance darboten. In ihren Augen sah das alles sehr gut aus, doch sie ist ja kein Manager, mit dem richtigen Feingefühl dafür.
      "Und? War das so okay?" fragte Elias und Mirabelle, als sie nach ihrem Auftritt wieder bei Artemis und Scarlett standen. "Ich denke schon." gab das junge Model zuversichtlich von sich, doch man könnte ein leichtes Zweifeln in ihrer Stimme mitschwingen hören, denn die Reaktion von Laurin war quasi nichtssagend. Auch als sich der Manager erhob und auf das Grüppchen zu schritt, konnte Scarlett nicht deuten, was diesem Mann in seinem hübschen Kopf durchging.
      "Gut." Dieses kleine Wort sorgte dafür, dass ihr ein Stein vom Herzen fiel, der sich mehr wie ein ganzer Berg anfühlte. Dann kam die ausführlichere Kritik an die beiden Tänzer, die zwar nickten, aber immer noch nicht recht verstanden, was genau Laurin von ihnen wollte.
      Scarlett stockte der Atem, als er sich dann an sie wandte. Seine Augen taxierten sie, was sie etwas nervös machte. Eigentlich brachten Männer sie nicht so schnell aus der Fassung, auch nicht, wenn es sich um Modelagenten handelte oder eben Manager, aber der Blonde brauchte nur seinen Blick auf sie richten und schon sträubten sich ihre Nackenhaare. Als wäre sie das Lamm und er der Wolf.
      Die Worte des Managers waren kritisch, doch verbarg sich darin ein leises Kompliment an Scarlett. "Etwas schlummert in mir. Er sieht mein Potenzial!" schoss er ihr durch den Kopf und dann trat Laurin noch dichter an sie heran, dass ihr Herz anfing wild in ihrer Brust zu hämmern. Seine Worte, mehr ein leises Flüstern in ihr Ohr, verwirrten das junge Model. "Los lassen? Nicht mehr gefallen wollen? Aber ist es nicht genau das, was Model versuchen? Dem Publikum zu gefallen?"
      Ehe Scarlett mehr darüber nachdenken konnte, forderte der Blonde sie auf, mit ihm zu kommen, worauf sie natürlich folgte. Wer hätte das in diesem Moment nicht getan?
      Sie blieben an einer großen Fensterfront stehen, wo die Lichter der Stadt tanzende Schatten auf ihr Gegenüber warfen und dafür sorgten, dass sein Sektglas immer wieder auf funkelte. Sie hatte nicht erwarten, von ihm eins gereicht zu bekommen und war auch ganz froh drum, da sie doch langsam die Hitze des Alkohols spürte, das in ihre Wangen kroch. Zumindest glaubte Scarlett, dass es daran liegt und nicht an den folgenden Worten, die Laurin an sie richtete.
      Es war ihr, als würde der Manager in Rätseln sprechen. Sie verstand sein seine Worte, aber irgendwie auch nicht, so als wolle er, dass sie selber auf die Lösung kommt. Doch eines hörte sie sehr deutlich heraus: Er hatte Interesse an dem jungen Model und es liegt an ihr, ihm zu beweisen, dass etwas Besonderes ist, etwas, dass man noch nie in der Modelwelt gesehen hat!
      "Ich werde mich nicht drücken und härter arbeiten als jeder andere." gab Scarlett fast schon kämpferisch von sich. Sie ist es von früher gewohnt, immer und immer wieder dieselbe Performance bis zu erbrechen zu üben. In der Hinsicht hatte ihre Mutter sie nicht geschont, doch daraus resultierte auch ihr Ehrgeiz, der sich entwickelt hatte und den Hunger, nach mehr und Perfektion zu streben. Und jetzt bekam sie die Chance Laurin Thorne von sich zu überzeugen und vielleicht, würde er sie dann bei sich unter Vertrag nehmen. Scarlett wagte es kaum, das zu hoffen. Es war zu früh, sich diesem Traum hinzugeben. Zuerst, musste sie zeigen, dass sie gut, nein, perfekt ist!
      "Ich werde mich dir zeigen." raunte sie dem Manager fast schon etwas verrucht entgegen. Scarlett hat schon oft gesehen, wie andere Models ihren weiblichen Charme haben spielen lassen, um noch ein bisschen überzeugender zu wirken. Bis jetzt, hat sie das nie in Betracht gezogen, doch jetzt, mit dieser einmaligen Chance und vielleicht dem Alkohol intus verschuldet, wagte sie auch diesen Schritt.
      "Ach da seid ihr hin verschwunden." ertönte plötzlich die Stimme von Artemis hinter ihr, der sich direkt ungefragt zu den beiden gesellte. Sofort brachte die junge Frau etwas mehr Abstand zwischen sich und Laurin und sah dann ihren Freund fragend an. "Wenn wir morgen gleich mit den Proben anfangen wollen, sollten wir nicht allzu lange feiern. Außerdem müssen wir noch ein paar Dinge bequatschen." entschuldigte sich Artemis bei Laurin, als er dann einfach Scarlett bei der Hand nahm und sie ihm entführte. Erst als sie aus seiner Hörweite waren, wandte sich der Paradiesvogel an seine Mitbewohnerin. "Hast du gerade mit ihm geflirtet?" frate er sie streng, mit einem leichten Tadel in seiner Stimme. "Was!? Ich?! Geflirtet? Pff. Nein. Wie kommst du denn darauf?" verneinte Scarlett sofort. Doch der Tänzer war nicht ganz davon überzeugt und sah sie eindringlich an. "Vielleicht habe ich meine weiblichen Reize etwas genutzt." zuckte die Brünette mit den Schultern. "Da ist doch nichts dabei. Das machen doch alle so." spielte sie es auch gleich herunter. "Wenn du das sagst. Spiel nur nicht mit dem Feuer." seufzte Artemis, glaubte aber seiner Freundin zunächst, dass dahinter nicht mehr steckte. "Es gibt immer nur Ärger, wenn man mit dem Boss etwas anfängt." dachte sich Artemis und war sich doch sicher, dass Scarlett nicht so töricht ist. Dann wechselte er aber auch schon das Thema.
      "Ich habe mit Elias und Mirabelle gesprochen. Wir treffen uns morgen im Club. Proben können wir natürlich nur, wenn das Kitty Cat nicht geöffnet hat. Außerdem werden wir noch ein paar mehr Leute fragen, ob sie mitmachen wollen. Fünf "Models" sind dann doch zu wenig, oder?" erklärte er ihr. "Na ja, kommt drauf an wie viele Outfits wir präsentieren wollen und wie genau, die Show ablaufen soll. Profis haben oft nur wenige Sekunden Zeit, um sich hinter der Bühne umzuziehen, um dann wieder auf dem Catwalk zu erscheinen." erklärte Scarlett ihm, wie das bei einer Modenschau normalerweise aussieht. "Wenige Sekunden? Das klingt stressig. Aber das besprechen wir erst morgen. Ich dachte mir eher, dass wir noch mal das Tanzbein schwingen und dann heim Fahren, damit wir morgen nicht in den Seilen hängen." grinste Artemis seine Freundin an, der er ja versprechen hatte noch ein Mal mit ihr zu tanzen. Erneut schlendern eine Bedienung mit gefüllten Sektgläsern vorbei, von dessen Tablett sich der Tänzer zwe schnappte und eines Scarlett reichte. "Auf einen gelungenen Abend." zwinkerte er ihr zu und leerte das Glas in einem Zug, was Scarlett ihm gleich tat, mit einem Grinsen auf den Lippen. Dann stellten sie die Gläser irgendwo ab und stürmten zu zweit die Tanzfläche. Hier war Scarlett wieder ganz für sich, auch wenn hunderte Augenpaare sie ansahen, war ihr das egal und bewegte sich einfach so, wie ihr danach war. Zusammen mit Artemis ist das immer sehr einfach, da sie sich einredet, dass die größte Aufmerksamkeit dabei auf ihm lag und nicht auf ihr, schließlich ist er der Profi. So ließ sich die Brünette sehr gerne beim Tanzen mit ihrem Mitbewohner gehen und zeigte dabei unbewusst Facetten von sich, die sonst im Verborgenen blieben und da machte es kurz bei ihr "Klick". War es vielleicht das, was Laurin meint? Sie merkte sich diesen Gedanken und gab sich dann wieder der Musik hin.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Ein paar Wochen später ...

      Der Kitty Cat Club war noch immer erfüllt von Stimmen, Gelächter und diesem elektrischen Nachklang, den nur ein gelungener Abend hinterließ. Applaus hallte Laurin noch in den Ohren nach – nicht laut, nicht aufdringlich, sondern wie ein unterschwelliger Beweis dafür, dass etwas funktioniert hatte, das eigentlich nicht hätte funktionieren dürfen. Er stand ein Stück abseits, das Jackett bereits geöffnet, die Krawatte gelockert. Sein Blick glitt über Artemis, Scarlett und Lilly, die noch zusammensaßen. Zufrieden. Erfüllt. Lillys Augen funkelten, als hätte sie genau das bekommen, was sie sich erträumt hatte. Als sie sich schließlich erhob und ankündigte, kurz frische Luft schnappen zu wollen – oder eher: sich feiern zu lassen – nickte Laurin ihr nur knapp zu.

      Kaum war sie außer Hörweite, wandte er sich Artemis zu. „Ich geb’s ungern zu“, begann er ruhig, fast beiläufig, „aber das war… spannend.“ Er ließ das Wort wirken, verzog leicht den Mund. „Nicht mein Metier. Nicht meine Komfortzone. Aber genau deshalb hat es funktioniert.“ Sein Blick wanderte kurz zu Scarlett. Keine Bewertung. Noch nicht. „Trotzdem“, fuhr er fort und sah wieder Artemis an, „ist das hier kein Modell, das ich ewig fahren will. Performance, Club, Kunstprojekt – das ist gut für Aufmerksamkeit. Für Schlagzeilen. Aber ich komme aus einem anderen Geschäft.“ Ein kurzes Innehalten. „Aus einem, das langfristig Karrieren baut.“ Er nahm ein Zigarettenetui aus der Innentasche, drehte es gedankenverloren zwischen den Fingern. „Und da“, fügte er hinzu, nun etwas leiser, „hätte ich eine Idee.“

      Laurin hob den Blick zu Scarlett. Diesmal direkt. Klar. „Hast du einen Moment?“ fragte er, ohne Druck, aber mit dieser Selbstverständlichkeit, die keinen Widerspruch erwartete. „Ich müsste eine rauchen.“ Er deutete mit dem Kopf Richtung Balkon. Ohne weitere Erklärung machte er sich auf den Weg zur Balkontür, öffnete sie und trat hinaus in die kühle Nachtluft. Die Stadt lag ihnen zu Füßen, Lichter flimmerten, irgendwo hupte ein Taxi. Laurin zündete sich die Zigarette an, atmete langsam aus – und wartete, bis Scarlett neben ihm stand.
    • Noch immer pumpten das Adrenalin und die Endorphine durch Scarletts Körper, als die Show schon lange vorbei war und sie mit Artemis, Lilly und Laurin zusammensaß. Jeder ein Sektglas in der Hand oder vor sich stehend zur Feier des gelungenen Abends. Natürlich waren sie alle schick gekleidet. Artemis trug einen engen, dunklen Anzug, der mit bunten Pailletten bestickt war, sodass er quasi funkelte, wann immer er sich bewegte. Sie selbst hatte ein nicht ganz so auffälliges Kleid angezogen, das dennoch glamourös und edel wirkte. Es ist ein bodenlanges Abendkleid in Schwarz mit goldenen Akzenten, das sie von einer Fassionshow für Abendgarderobe zum Abschluss erhalten hatte. Scarlett mochte es sehr gerne, da es Leichtigkeit, Eleganz und Abendglamour ausstrahlt, ohne zu pompös zu wirken.
      "Oh, vielen Dank für die Blumen. Das Ganze war doch wirklich eine neue Erfahrung für mich, aber ich denke auch, dass das lieber so ein "Once in a Lifetime"-Ding bleiben sollte." gab Artemis schmunzelnd zu, als der Blonde ihn zu der Show ansprach. Der Tänzer wollte am liebsten noch mal hervorheben, dass sie auch viel Scarlett zu verdanken hatten, denn sie übte immer wieder die Choreo mit den anderen Darstellern ein, bis sie alle damit zufrieden waren. Doch Artemis musste seine Freundin wohl nicht mehr in den Himmel loben, denn der Manager sprach sie von sich aus an.
      Es durchzuckte Scarlett, als Laurin sie so direkt ansah. Noch immer wurde sie nicht aus dem Mann schlau. Es war unglaublich schwer, ihn zu lesen. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dass er mit einem Blick alles über sein Gegenüber wusste.
      "Hast du einen Moment?" Laurins Worte ließen ihr Herz schneller schlagen. Nicht, weil sie romantischer Natur sind oder Ähnliches. Natürlich sieht der Manager gut aus, keine Frage, doch seine Worte besitzen eine andere Gewichtung. Er besitzt Macht, wie nur wenige in der Modewelt, und er könnte Scarlett dazu verhelfen, endlich in dieser so richtig Fuß zu fassen.
      "Natürlich. Ich komme gleich." antwortete sie ohne Zögern, wobei sie Artmeis einen bedeutungsvollen Blick zuwarf. War es jetzt so weit? Scarlett versuchte, ihre Erwartungen herunterzuschrauben. Sie sollte sich erst anhören, was Laurin ihr zu sagen hatte. Ein Schritt nach dem anderen.
      "Pass bitte kurz darauf auf." bat sie den Tänzer und drückte ihm ihre schwarze Clutch in die Hand, ehe sie dem Blonden auf den Balkon hinaus folgte. Die kühle Nachluft empfing sie, sodass ihr leichter Rock hin und her wehte und sie für einen Moment ein Frösteln durchzog. "Was gibt es denn?" fragte sie Laurin, der gerade seine Zigarette genoss. Innerlich war Scarlett nervös. Das hier könnte alles bedeuten oder auch gar nichts.
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    • Laurin ließ den Blick einen Moment über die Stadt schweifen, bevor er sich Scarlett zuwandte. Das Glimmen der Zigarette spiegelte sich kurz in seinen Augen, dann musterte er sie – ruhig, offen, ohne Hast. Das Kleid entging ihm nicht. Im Gegenteil. Schwarz, fließend, der Stoff leicht wie ein Versprechen, durchzogen von goldenen Akzenten, die bei jeder Bewegung leise aufblitzten. Kein überladenes Couture-Monster, kein verzweifelter Versuch, Aufmerksamkeit zu erzwingen. Es umspielte sie, statt sie zu verschlucken. Betonung an den richtigen Stellen, Zurückhaltung an den anderen.

      „Gute Wahl“, sagte er schließlich, beinahe beiläufig. „Es trägt dich – nicht umgekehrt.“ Ein schmales Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Viele verwechseln Abendgarderobe mit Rüstung. Du nicht.“ Er zog noch einmal an der Zigarette, stieß den Rauch langsam aus und lehnte sich mit einer Schulter gegen das Geländer. Die Kälte schien ihn nicht zu kümmern. „Der Abend war ein Erfolg“, fuhr er fort. „Mehr, als ich erwartet habe.“ Ein kurzer Seitenblick. „Und ja – Artemis hatte recht. Ohne dich wäre das so nicht aufgegangen.“ Keine Schmeichelei. Eine nüchterne Feststellung.

      „Aber genau deshalb wollte ich mit dir sprechen.“ Sein Ton wurde etwas ernster, fokussierter. „Das hier – der Club, die Performance, dieses Experiment – das war gut. Spannend. Aber es ist nicht das Feld, auf dem ich normalerweise spiele.“ Er sah sie direkt an. „Ich arbeite mit klaren Linien. Kampagnen. Editorials. Shows, bei denen jede Bewegung sitzt, bevor sie überhaupt passiert.“ Ein kurzes Zögern. „Und ich glaube, du würdest dort funktionieren. Nicht sofort ganz oben. Aber solide. Aufbaubar.“ Er drückte die Zigarette im Aschenbecher aus.

      „Wenn du willst, stelle ich dich jemandem vor. Klassisches Modelbusiness. Kein Club, kein Tanzboden. Castings, Testshoots, Arbeit. Viel, viel Arbeit.“ Sein Blick blieb fest. „Nicht glamourös. Aber ehrlich. Du wirst dich anstrengen müssen, um mich und auch die Caster zu überzeugen.“ Eine Pause. Absichtlich gelassen. „Ich verspreche dir nichts“, fügte er hinzu. „Außer, dass ich meine Zeit nicht verschwende. Und deine auch nicht.“ Dann hob er leicht die Brauen. „Also?“ fragte er ruhig. „Willst du wissen, wie dieser Weg aussehen könnte – oder war das hier für dich auch eher ein Once in a Lifetime-Ding?“
    • Neu

      Wieder fühlte sich Scarlett fast wie nackt, als der durchdringende Blick Laurins auf ihr lag und sie still musterte. Dann gab er ihr doch tatsächlich ein Kompliment. Diese lobenden Worte, gingen runter wie Öl. Scarlett sog sie auf, als würde sie daraus ihre Lebensenergie schöpfen.
      "Danke." erwiderte sie mit einem sanften Lächeln. Es tat gut, von ihm zu hören, dass ihre Kleiderwahl ihm gefiel. Scarlett ist schon lange in der Modewelt unterwegs und natürlich hat jeder seinen eigenen Geschmack. Doch als Model ist man nicht "jeder" oder "irgendwer". Man repräsentierte quasi die Elite. Millionen von Menschen richten sich nach den Trends, und als Model präsentierte man diese. Man hat sozusagen die Ehre, die Outfits der Zukunft zu tragen. Da ist es doch nur selbstverständlich, dass es perfekt sein muss.
      Von dem erfolgreichen Modelagenten zu hören, dass sie gut wählt, stärkt Scarlett nicht nur in ihrem Selbstbewusstsein, es ist für sie auch eine Bestätigung, dass sie wirklich Mode versteht, was viele einem vorgaukeln wollen, mit zu viel Strass und zu schrillen Farben.
      "Ich habe nur mein Wissen mit den Tänzern geteilt. Mehr war das nicht." blieb Scarlett bescheiden, auch wenn sie selbst wusste, dass sie von allen wohl am meisten Arbeit in dieses Event gesteckt hatte. Aber man soll ja nicht prahlen, macht das einen doch wirklich unattraktiv.
      Laurin kam dann zu dem Grund, weshalb er sie hier rausbestellt hatte. Dabei hing sie an seinen Lippen, damit ihr auch kein einziges Wort entging. Scarletts Gedanken schrien zu allem, was der Agent sagte: "JA!" Nichts wünschte sie sich sehnlicher, als endlich hier Fuß fassen zu können, endlich bemerkt zu werden, damit sie zeigen kann, dass sie eine der besten sein kann.
      Scarletts Herz klopfte wie verrückt und kurz hatte sie Angst, dass das hier alles nur ein Traum sein könnte. Ein viel zu lang ersehnter Traum, der endlich in Erfüllung ging. Sie wollte immer nur eine Chance bekommen, eine echte. Und jetzt bot man sie ihr an.
      Doch Scarlett wollte nicht wie eine Verzweifelte wirken, die nach jedem Strohhalm griff, den man ihr anbot. Sie wollte ihre Worte hier bedacht wählen.
      "Ja. Ich will sehr gerne wissen, wie mein Weg hier weitergehen könnte." antwortete sie Laurin, nachdem sie kurz nachgedacht hatte. "Mir ist sehr bewusst, dass man das Modebusiness nicht auf die leichte Schulter nehmen darf, und ich bin gewillt, hart zu arbeiten und noch mehr zu lernen." zeigte Scarlett auch gleich, dass sie da nicht blauäugig herangehen wird. Der Zeitplan kann mehr als vollgestopft sein und Stress stand regelmäßig ganz oben auf der Tagesordnung. Das ist ihr mehr als nur bewusst. Doch das alles würde sie auf sich nehmen, um ihrem Traum, ihrem Lebensziel endlich näherzukommen und vielleicht auch zu erreichen.
      "Für mich ist das kein Once in a Lifetime-Ding. Ich will das. Ich brenne dafür." verlieh sie ihren Worten noch mal Nachdruck, dass sie das Angebot ernst nahm, und sah dabei den Agenten mit lodernem Blick fest in die Augen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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