The Waves of Fate [Rheira&Tristale]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Arien Darkbloom

      Arien hatte Faith verraten, dass es tatsächlich niemand an der Universität wusste und er sein Motorrad auch nicht auf dem Unigelände parkte. Tatsächlich stand sein Baby bei einem Freund in der Garage, dieser war zu seinem Glück auch noch Handwerker, also hatte es dort den perfekten Platz.
      Als Arien sich ebenfalls den Helm aufsetzte, beobachtete er amüsiert wie Faith offenbar ihre heutige Garderobe verfluchte. Glücklicherweise sah man unter dem Helm nicht, dass er sich das Lachen verkneifen musste. Nun ein Rock war wirklich nicht die beste Wahl, wenn man vor hatte am Abend Rebellin zu spielen. Das sie sich aber auf dieses Abenteuer einließ, das musste er ihr dann doch anrechnen. Der Hellhaarige konnte sich gut vorstellen, dass es sie ein wenig einschüchterte. Allerdings schrie in dem Mädchen wahrscheinlich alles danach genau gegen das zu rebellieren wofür ihre Familie stand. Nun, da ging es ihm ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass er auch all das durchzog. Wahrscheinlich hatte Faith es mit ihrer Familie noch im Guten versucht oder aber sie rebellierte erst seit Kurzem und entdeckte gerade ihre böse Ader.
      Nun Arien wäre nicht er, würde er das nicht voll und ganz unterstützen. Sein Karmapunktekonto war ohnehin lausig, da konnte er ruhig auch noch eine Anwaltstochter verderben.
      Als er sich auf sein Motorrad schwang hatte er direkt hinter sich geklopft, damit Faith ihren Rockkampf endlich aufgab und sich setzte, damit sie los konnten. Die Luft roch so stark nach Regen und es war scheiße kalt. Es würde den Barkeeper nicht überraschen, wenn es wieder anfangen würde zu regnen und da wollte er gerne wieder im Trockenen sein.
      Als sich die Kleinere dann setzte, hatte er ihre Hände geschnappt und um sich gelegt, da er nicht sicher war, ob sie sich sonst richtig fest hielt. Kaum hatte er aber Gas gegeben, hatte sie sich tatsächlich an ihn geklammert. Er grinste wieder heimlich unter seinem Helm, ließ den Motor aufheulen und fuhr mit ihr los.
      Arien liebte das Motorrad fahren, das Gefühl von Freiheit und dieses Adrenalin, dass ihm wie am ersten Tag immer noch durch den Körper heizte. Er würde sich später erkundigen, ob Faith alles gut überstanden hatte. So lange sie sich festhielt, er sie nicht von der Straße kratzen musste und ihre Cocktails nicht seine Lederjacke verzierten, war alles in Ordnung.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Das hier war einfach verrückt. Der ganze Abend war verrückt. Erst stolperte Faith in diese Bar, traf auf Arien und eine Menge Leute, mit denen sie sonst wohl nie Zeit verbringen würde – und jetzt saß sie auch noch hinten auf seinem Motorrad und fuhr mit ihm durch die Stadt.
      Dass niemand an der Uni von seinem Bike wusste, hatte sie fast schon vermutet. Sie kannte Arien nicht besonders gut, und sie hatten bisher kaum miteinander zu tun gehabt. Alles, was sie über ihn wusste, hatte sie von ihrem Vater gehört – und das war nie positiv gewesen. Die Familie Darkbloom war für ihn nichts als Rivalen, und in seiner Welt bedeutete das automatisch, dass sie verachtenswert waren. Faith hatte das nie gekümmert. Sie hatte keine Vorurteile gegenüber Arien, aber sie hätte auch nie erwartet, dass er so drauf war. Und scheinbar wussten davon auch viele andere nichts.
      Er war kein fröhlicher, zugänglicher Student, den man sofort ins Herz schloss, zumindest außerhalb der Uni nicht. Er war cool, lässig – nicht der Typ, der sich um jede Meinung scherte. Und trotzdem hatte er ihr einen unglaublich schönen Abend beschert. Gar nicht mal durch große Gesten, sondern einfach durch die Atmosphäre. Es tat gut, für ein paar Stunden die Sorgen hinter sich zu lassen.
      Jetzt, auf seinem Motorrad, fühlte sich alles noch surrealer an. Als er losfuhr, vergaß sie augenblicklich ihren knappen Rock und klammerte sich an ihn, spürte die Kraft des Motors unter ihr, das Ruckeln der Straße und die kühle Luft, die an ihr vorbeizog. Die Stadt verschwamm zu einem Meer aus Lichtern und Bewegung, während sie die Geschwindigkeit genoss.
      Doch so aufregend die Fahrt auch war, die Nacht war kalt – kälter, als sie erwartet hatte. Der Wind peitschte unbarmherzig gegen ihre Haut, ließ ihre Finger und Beine vor Kälte kribbeln, während sie sich fester an Arien klammerte. Trotz der Euphorie, die in ihr pulsierte, spürte sie, wie die eisige Luft ihr durch die Kleidung schnitt, und ein Zittern lief ihr über den Rücken. Trotzdem hielt sie sich still, ließ sich von der Geschwindigkeit und dem Adrenalin wärmen, während die Stadt in einem Rausch aus Licht und Bewegung an ihnen vorbeizog.
      Ein Hauch von Nervosität mischte sich mit der Euphorie, doch kaum gab Arien etwas mehr Gas, wurde jede Spur von Angst von purem Adrenalin überrollt. Das Gefühl, hinten auf dem Bike zu sitzen, war einfach unbeschreiblich – wie Fliegen, aber mit rauem Asphalt unter den Rädern. Der Fahrtwind riss an ihren Haaren, der dumpfe Sound des Motors vibrierte in ihrer Brust, und für einen Moment war alles andere egal. Keine Uni, keine Verantwortung, keine endlosen Gedanken – nur sie, das Motorrad und die Nacht.
      Faith wusste nicht, wie lange sie unterwegs gewesen waren, bis sie schließlich ankamen. Arien hatte erwähnt, dass er sein Motorrad nicht auf dem Unigelände parkte, sondern bei einem Freund unterstellte. Wie weit sie noch laufen mussten, wusste sie nicht – aber sie war fast ein bisschen enttäuscht, dass die Fahrt vorbei war.
      Als sie vom Motorrad abstieg, lief ihr ein Schauer über den Rücken. Die kalte Nacht hatte sich unter ihre Haut geschlichen, und jetzt, ohne die Bewegung und das Adrenalin der Fahrt, spürte sie die Kälte umso deutlicher. Ihre Finger zitterten leicht, und sie zog unbewusst ihre Jacke enger um sich.
      Trotzdem konnte sie das breite Grinsen nicht aus ihrem Gesicht verbannen. "Das war mega!" sagte sie begeistert, während sie versuchte mit zittrigen Fingern den Riemen an ihrem Hals zu öffnen. Sie fröstelte zwar, aber das konnte ihre Euphorie nicht schmälern. So einen Abend hatte sie gebraucht – und so eine Fahrt erst recht. "Dir ist hoffentlich klar das du mich ab jetzt öfter mitnehmen musst.".
    • Arien Darkbloom

      Sie flogen förmlich über die Straßen, hinterließen lediglich einen Schleier aus Licht und die Welt um sie herum versank in einem Meer aus Farben der Stadtlichter, gemischt mit der geheimnisvollen Dunkelheit der Nacht. Wenn Arien sich entscheiden müsste, dann fuhr er tatsächlich nachts am liebsten. Nicht, dass er Motorrad-Touren durch interessante Landschaften nicht mochte, sondern weil ihn die Nacht schon immer angezogen und fasziniert hatte. Er war ein Nachtmensch, vielleicht auch deswegen weil er am Tag nicht er selbst war. Wow, irgendwie hatte das etwas von einer Jekyll und Hyde-Version. Soviel dazu. Hyde war ihm offenbar lieber und das bedeutete, dass er ein Irrer war. Ganz klasse. Wie bereits erwähnt sein Karmapunkte-Konto war eine einzige Katastrophe. Immer wieder hatte er sich dennoch während der Fahrt versichert, dass Faith sich richtige festhielt und nach ihren Händen gegriffen. Die Kleine machte sich gar nicht schlecht, zumindest ließ sie sich die Nervosität nicht anmerken. Entweder war sie vor Schock erstarrt oder aber sie fand es wirklich super. Für Arien gab es fast nichts Schöneres als Motorrad fahren, abgesehen vom Zeichnen. Ja, er unfreundlicher Muffel hatte Ahnung von Kunst, wer hätte es gedacht. Sie waren ungefähr 15 Minuten unterwegs. Mit dem Motorrad war das keine lange Strecke zurück zum Campus, wenn man wusste welche Schleichwege man benutzen musste. Zu Fuß dauerte es länger als eine Stunde. Arien freute sich immer wieder wie versteckt die Bar doch lag. Nun Faith und Bobby hatten ihn dennoch gefunden.
      Da Arien nicht an der Uni parkte, sondern bei einem Freund, welcher glücklicherweise nur 5 Minuten vom Unigelände wohnte, hielt er vor der Garageneinfahrt an. Es war eine typisch rustikale Garage, nichts unterirdisches oder modernes. Einfach eine typische Garage wie man sie von früher kannte. Als Arien von seinem Motorrad gestiegen war, hatte er Faith heruntergeholfen und nahm ihr den Helm ab, an dem sie gerade herumwerkelte. Sie schien begeistert, was ihn grinsen ließ.
      "Aber mit anderen Klamotten." ermahnte er sie und fragte sich gerade weshalb er das Mädel nochmal kutschieren sollte. Als er seinen eigenen Helm abnahm, sah er Faith einen Moment einfach nur an. Vielleicht weil er selbst mal an diesem Punkt war? Kurz vor dem Ausbruch der Rebellion gegen die Familie.
      Sein Vater würde es ja begrüßen, würde er die Ashenvales sabotieren. Arien wiederum konnte das nicht egaler sein. Er würde Faith aber tatsächlich gerne aufblühen sehen. Ob sie so leben würde wie er? Hoffentlich nicht, er war ein Arsch...
      Arien fischte den Schlüssel der Garage aus der Lederjacke und schob die Tür kräftig nach oben. In der Garage stand noch eine andere deutlich ältere Maschine, die seinem Kumpel gehörte. Ein echter Oldtimer-Freak. Arien schob sein Bike neben das andere und schloss die Garage wieder ab, ehe er zu Faith blickte.
      Er war absolut kein Gentlemen, aber das Zittern war nicht mit anzusehen. Also pellte er sich seufzend aus seiner Jacke und legte sie über ihre Schultern. "Zieh die an. Das ist ja nicht zu ertragen. Du siehst aus wie ein Zitteraal."


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Die Fahrt hatte sich einfach unbeschreiblich angefühlt. Der Motor brummte tief unter ihr, kraftvoll und beständig, während sie sich an Arien klammerte. Der Wind riss an ihr, ließ ihre Haare wild umherpeitschen, und die kalte Nachtluft brannte auf ihrer Haut, ein Kontrast zu der Hitze, die das Adrenalin in ihr entfachte. Die Straßen waren größtenteils leer, die Lichter der Stadt verschwammen zu einem leuchtenden Meer aus Farben. Laternen warfen lange Schatten auf den Asphalt, hin und wieder rauschten Autos vorbei, doch alles andere war nur ein dumpfer, ferner Teil der Kulisse. Es war, als würde sie durch eine andere Welt gleiten – eine, die nur aus Geschwindigkeit, Freiheit und der vibrierenden Energie unter ihr bestand.
      Selbst als Faith vom Motorrad abstieg und versuchte, den Helm abzusetzen, war sie noch vollkommen aufgeregt. Ihre Finger zitterten nicht nur vor Kälte, sondern auch vor der Aufregung, die in ihr pulsierte. Arien ihr, den Helm abzunehmen, und sie hätte Luftsprünge machen können – vielleicht lag das auch an dem Alkohol, den sie getrunken hatte, aber die Fahrt war einfach unglaublich gewesen. Fast war sie traurig, dass es schon vorbei war. Sie hätte am liebsten weiter durch die Nacht gestreift, noch eine Runde gedreht und den Fahrtwind auf ihrer Haut gespürt.
      "Hätte ich das gewusst, hätte ich niemals einen Rock angezogen", meinte sie grinsend, schüttelte leicht den Kopf über sich selbst. Mit einer Hose wäre das Ganze eindeutig angenehmer gewesen – aber wenigstens war die Nacht dunkel und die Straßen leer genug, dass sie vermutlich niemand gesehen hatte. Selbst wenn, wäre es ihr egal gewesen.
      Und sie meinte es ernst: Sie hoffte, dass das nicht das letzte Mal gewesen war, dass Arien sie mitgenommen hatte. Sie kannte sonst niemanden, der Motorrad fuhr, und sie wollte nicht, dass ihre erste Fahrt direkt ihre letzte gewesen war.
      Faith beobachtete, wie Arien die Garagentür öffnete, sein Bike hineinschob und dabei das andere Motorrad bemerkte, das bereits dort stand. Sie hatte keine Ahnung von Marken oder Modellen, aber Ariens Maschine sah einfach cooler aus. Und ganz ehrlich – ein Kerl mit einem Motorrad machte immer Eindruck. Es hatte etwas Rebellisches, Unangepasstes.
      Doch so sehr sie die Fahrt genossen hatte, sie hatte sie komplett durchfrieren lassen. Sie war absolut nicht warm genug für so einen Trip angezogen gewesen, und der kalte Wind hatte ihr unbarmherzig gegen jede freie Hautstelle gepeitscht. Jetzt, ohne die Bewegung der Fahrt, konnte sie das Zittern nicht mehr kontrollieren. Doch trotz der Kälte blieb ihre Stimmung ungetrübt. Ihr Grinsen war noch genauso breit wie zuvor, während sie Arien dabei beobachtete, wie er die Garagentür hinunterzog und verschloss.
      Sie wollte nicht zurück. Nicht jetzt.
      Scheinbar war ihm aufgefallen, wie sehr sie fror, denn ohne viel Federlesen zog er seine Jacke aus. Faith blinzelte überrascht, als er sie ihr wortlos über die Schultern legte.
      "Danke", murmelte sie, sah ihn kurz an – irritiert, aber zugleich dankbar. Damit hatte sie wirklich nicht gerechnet. Ein Teil von ihr wollte sie ihm sofort zurückgeben, doch sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit ihm darüber zu diskutieren.
      Der Stoff war warm, schwer auf ihren Schultern, und sein Duft haftete daran – eine Mischung aus Leder, Rauch und etwas, das sich nicht ganz greifen ließ, vielleicht ein Hauch von Seife oder ein natürlicher, vertrauter Geruch. Es war angenehm, beruhigend, und für einen Moment ließ sie es einfach zu, zog die Jacke etwas enger um sich.
      "Für so eine Fahrt war ich wirklich nicht vorbereitet.", meinte sie schließlich und warf noch einmal einen Blick zur verschlossenen Garagentür. Sie würde am liebsten einfach weiterfahren.
      "Im Sommer muss das unglaublich sein, wenn es nachts noch warm ist, oder?" fragte sie und stellte sich vor, wie es wäre, in einer lauen Sommernacht durch die Stadt zu gleiten – ohne Kälte, nur mit dem Fahrtwind und dem Gefühl von Freiheit. Es klang nach einer perfekten Vorstellung.
    • Arien Darkbloom

      Faith stand die Lederjacke überraschend gut, wie Arien feststellte. Nun, nicht das er sie ihr überlassen würde! Das war verdammt nochmal seine Lieblingsjacke, aber es machte etwas her. Dem Mädel stand dieser leichter Rocker-Touch. Allerdings konnte er ihr das schlecht sagen, wie kam das denn rüber? Wie auch immer, er hatte sich ein paar Karma-Punkte gesammelt und ihr die Jacke für den Weg zurück zur Universität überlassen. Sie mussten nur 5 Minuten laufen, demnach würde sie nicht lange frieren müssen und die Jacke gab guten Schutz. Er selbst verblieb in einem Shirt. Auf ihr Danke entgegnete er nichts, sondern nickte lediglich. Bevor Arien sich mit ihr in Bewegung setzte, beugte er sich kurz zu ihr, allerdings nur um in seine Jacke zu greifen und sich dort seine Zigaretten herauszuholen.
      Mit einer neuen Zigarette bewaffnet nickte er Faith in Laufwegrichtung zu und ging los.
      "Im Sommer ist es am Besten.", antwortete er ihr auf ihre Frage hin, zog an seiner Zigarette und blickte kurz in den sternenbehangenen Nachthimmel. Sie hatten eine klare Nacht, mit komplett freiem Himmel. Optisch sah es fantastisch aus, erklärte aber auch die Kälte. Sternklare Nächte sind oft die kältesten. Arien war froh, dass sie die Fahrt ohne Regen überstanden hatten, auch wenn jetzt noch ordentlich kalter Wind ging und sowohl sein Shirt als auch seine Haare dramatisch flatterten, war er wenigstens nicht nass.
      Sie sollten einfach ein wenig zügiger laufen.
      Es dauerte tatsächlich nicht lange, da waren sie am riesigen Unigelände angekommen. Sein Blick wanderte wieder zu dem zierlichen Mädchen an seiner Seite. "Zu welchem Gebäude musst du?"


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Arien hatte ihr seine Lederjacke umgeworfen, und damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Doch die Wärme, die sie sofort umschlang, war mehr als willkommen. Nicht nur sein Parfüm haftete an dem weichen Stoff und ließ sich unaufdringlich unter ihrer Nase nieder, sondern auch die Schwere der Jacke fühlte sich fast wie eine Umarmung an. Trotzdem regte sich in ihr ein leises schlechtes Gewissen – ihm musste sicher auch kalt sein.
      Als er sich näher zu ihr beugte, starrte sie ihn nur an, ihr Blick suchend, bis sie verstand, dass er lediglich nach seinen Zigaretten griff. Niemand an der Uni würde vermutlich ahnen, dass er überhaupt rauchte. Der Gedanke ließ sie neugierig werden, und bevor sie ihre Worte wirklich überdenken konnte, platzte es aus ihr heraus: "Warum verstellst du dich so?". Vielleicht weil es sein Vater wollte? Oder war die Bar und alles außerhalb der Uniwelt auch bloß eine Flucht aus seinem eigentlichen Leben? Zumindest vermutete Faith so.
      Das Motorradfahren im Sommer musste tatsächlich etwas Besonderes sein. Sie hatte ihm auf seine Antwort hin genickt – sie konnte sich das Gefühl nur zu gut vorstellen. Die laue Nachtluft, die dunklen Straßen, die Freiheit, sich durch die Stadt treiben zu lassen. Jetzt jedoch fröstelte sie wieder und zog die Jacke enger um sich, während sie ihm folgte.
      Zunächst erkannte sie den Weg nicht, doch als sie eine vertraute Straße einschlugen, wusste sie, wo die Garage lag. Die Nacht war kalt und still, unterbrochen nur von dem sanften Schein der Straßenlaternen, die lange, schimmernde Muster auf den Asphalt zeichneten. Die Luft war kühl und klar, und hin und wieder wehte eine Böe durch die dunklen Gassen, ließ Papierfetzen über den Boden tanzen. Schatten von Bäumen bewegten sich träge unter dem künstlichen Licht, und die Stadt wirkte für einen Moment wie eine andere Welt – ruhig, geheimnisvoll, fast einsam.
      Als sie das Unigelände erreichten, war alles menschenleer. Die meisten schliefen bereits, andere saßen vermutlich noch in ihren warmen Zimmern, geschützt vor der nächtlichen Kälte. Einige wenige Fenster waren noch beleuchtet, doch insgesamt lag eine gedämpfte Stille über dem Campus, als wäre die Nacht selbst auf Zehenspitzen unterwegs.
      "Zum hintersten", sagte Faith schließlich mit einem zufriedenen Lächeln. "Zum Glück. Dort ist es viel ruhiger als in den anderen Wohnblöcken.".
      Die Dunkelheit half, die Ruhe dieser späten Stunde noch stärker zu spüren, und auch wenn sie sich über die Kälte beschwerte, konnte sie nicht leugnen, dass dieser Abend einer der besten gewesen war, die sie seit Langem erlebt hatte. Am liebsten hätte Faith diesen Abend einfach eingefroren – festgehalten in der Zeit, damit er nicht endete. Oder zumindest die Gewissheit, dass er sich irgendwann wiederholen würde. Sie hatte Spaß gehabt, hatte neue Menschen kennengelernt, mit denen sie sonst nie in Berührung gekommen wäre.
      Doch kaum dachte sie an das nächste Event, auf das ihr Vater sie schleppen wollte, spürte sie bereits einen unangenehmen Kloß in ihrem Magen. Der bloße Gedanke daran ließ ihre Laune kurz kippen. Steife Gespräche, aufgesetzte Lächeln, höflicher Smalltalk, der sie innerlich zum Gähnen brachte. Es war eine ganz andere Welt – eine, die so weit entfernt schien von dem, was sie heute erlebt hatte.
      Wenn sie konnte, würde sie diesen Moment noch ein wenig bewahren, die Erinnerung daran lebendig halten. Denn genau solche Nächte waren es, die sich wirklich nach Leben anfühlten.
    • Arien Darkbloom

      Eine Hand hatte er in der Hosentasche seiner schwarzen Jeans vergraben, in der anderen hielt er seine Zigarette zwischen Mittel- und Zeigefinger. Fast ein wenig gelangweilt folgte sein Blick dem Rauch, welcher sich seinen Weg in den Himmel bahnte. Der pure Gedanke, kaum endete diese Nacht und er durfte morgen wieder den allzeit beliebten Musterstudenten spielen, trieb ihm förmlich die Galle hoch. Dieses Schmierentheater musste er leider noch eine ganze Weile spielen, aber wenn es dazu führte, dass er mit dem Segen seines Alten seinem Leben danach endgültig entkommen konnte, würde er das durchstehen. Allein die Vorstellung nie wieder Heucheln zu müssen, war all die Strapazen und Lügen wert, ganz gleich das er sein Uni-Ich genauso verabscheute wie fast die gesamten Studenten und Dozenten dort. Während er und Faith durch die Stille der Nacht liefen, war auf den Straßen absolut nichts los. Nun um das Universitätsgelände war ohnehin nie großartig Verkehr, als wäre hier ein Bannkreis gezogen worden.
      Das erinnerte ihn daran, dass er noch sein Spiel zu Ende spielen musste. Er hatte immer noch einen Oger zu killen. Bei dem Gedanken wie jämmerlich er umgenietet wurde, verzog er gedanklich direkt wieder das Gesicht.
      Faith riss ihn allerdings mit ihrer Frage aus den deprimierenden Gedanken. Das Mädchen stellte verflucht viele Fragen. Ein amüsiertes Grinsen schlich sich auf seine Lippen, ehe er an seiner Zigarette zog. "So viele Fragen an einem Abend.", schnurrte er und in seinem Blick lag etwas herausforderndes. "Vielleicht erzähle ich es dir irgendwann."
      Als sie dann über das Campusgelände liefen, hatte Arien zur Sicherheit seine Zigarette bereits zuvor fertig geraucht. Zwar würde er um die Uhrzeit höchstwahrscheinlich kaum jemanden begegnen, aber es gab immer den ein oder anderen Rebellen. Bei seiner letzten Nachtschicht hatte er einen Graffiti-Künstler...naja mal konnte es eher als Geschmiere bezeichnen ertappt. Nicht das es Arien interessieren würde, aber der Kerl hatte so eine Panik geschoben, dass sein misslungenes Kunstwerk bis heute nie beendet wurde. Ein Glück für jemanden wie Arien, der leidenschaftlich gerne zeichnete, war der Anblick dieses grotesken Versuch der Darstellung einer Schlange, welche für die Falschheit der Uni stand eine echte Zumutung gewesen. Die Botschaft unterstützte er, die Umsetzung war grausig. Glücklicherweise hatte man es bereits übermalt mit der langweiligen Farbe des Hausanstriches: weiß.
      Der Barkeeper erkundigte sich bei Faith zu welchem der Wohnheime sie musste und offenbar befand sich das Mädchenwohnhaft in dem sie untergebracht worden war, ähnlich wie seines in den hinteren Reihen.
      "Dann haben wir wohl einen gleichen Weg. Sag Bescheid, wenn dein Gebäude kommt.", antwortete er ihr, während sie weitergingen.
      "Dein alter Herr ist doch sicherlich auch bei dieser Kammer-Versammlung der Anwälte dabei, in der sie sich alle beweihräuchern obwohl sie sich hassen, oder? Musst du da auch mit, weil man ja unbedingt seine Familie zum angeben braucht?", erkundigte sich Arien.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith war schon immer neugierig und abenteuerlustig gewesen, und der Alkohol machte das nicht gerade besser. Sie stellte ihre Fragen geradeheraus, ohne lange darüber nachzudenken, und wartete gespannt auf eine Antwort.
      Sie hatte nie zuvor so viel Zeit mit Arien verbracht wie an diesem Abend, doch nach all den Erzählungen und den wenigen Begegnungen, die sie mit ihm gehabt hatte, erschien er ihr jetzt vollkommen anders. In ihrem Semester schwärmten viele Mädchen von ihm – nicht nur wegen seines Aussehens, sondern auch, weil sein Name bekannt war und er tatsächlich verdammt klug war. Faith hatte sich nie an den Gesprächen beteiligt. Es war ihr egal gewesen, erst recht, weil ihr Vater stets gegen die Familie Darkbloom wetterte.
      "Du bist schuld, du hast mir den Alkohol gegeben.", entgegnete sie mit einem amüsierten Lächeln. Doch so sehr sie scherzte, störte es sie, dass sie keine richtige Antwort bekam. 'Vielleicht' und 'irgendwann' konnten eine Ewigkeit bedeuten, und ihre Neugier war nicht dafür gemacht, so lange zu warten. Sie verzog leicht das Gesicht. "Das ist ziemlich unfair.".
      Dass seine Zigarette längst erloschen war, bevor sie das Gelände betraten, überraschte sie nicht. Natürlich durfte niemand davon wissen. Was würde er wohl den Leuten erzählen, wenn ihn jemand um diese Uhrzeit draußen erwischte? Vielleicht, dass er ein Held sei und eine Katze von einer Baumkrone gerettet habe – vermutlich genau das, was die Leute hören wollten. Und genau das würde er ihnen sagen.
      "Es ist wirklich genau das Letzte", murmelte sie und ließ ihren Blick über die dunklen Wohngebäude schweifen. Sie konnte sich nicht erinnern, Arien jemals in der Nähe ihrer Wohnblöcke gesehen zu haben.
      Dann schweiften ihre Gedanken ab – unangenehm weit, hin zu den steifen, langweiligen Events ihres Vaters. Doch kaum hatte sie sich damit beschäftigt, wirkte es, als hätte Arien ihre Gedanken gelesen.
      "Ich hab gerade dran gedacht", seufzte sie, der Frust deutlich in ihrer Stimme zu hören. "Natürlich ist er da, wie immer und überall. Und natürlich muss ich mit. Ich werde ja bald in seine Fußstapfen treten, und ich habe keine bessere Startmöglichkeit als bei ihm.' Ihre Worte klangen beinahe müde, als sie die Schultern ein wenig senkte.
      Dann schielte sie zu Arien, ein leichtes, wissendes Schmunzeln auf den Lippen. "Lass mich raten – du musst auch?", fragte sie mit einem Hauch von Ironie in ihrer Stimme. Es wäre keine Überraschung.
    • Arien Darkbloom

      Das er Schuld war, weil er ihr Alkohol gegeben hatte, konnte er nicht einmal abstreiten, darum tat er es nicht, sondern grinste nur belustigt. Allerdings war er sich ziemlich sicher, dass sie nüchtern, wenn sie mal aufgetaut war, genauso viele Fragen stellen würde. Nun da sie ihn, wenn auch nicht beabsichtigt, näher kennengelernt hatte, würde das wohl auch der Fall sein. Es störte den Barkeeper weniger als erwartet - seltsam. Da Studenten aus seiner Uni Tabu waren, konnte er es also nicht darauf schieben, dass er sie ins Bett kriegen wollte. Offenbar konnte er sie tatsächlich irgendwie leiden und das war eines der größten Gefühlsregungen, die man von Arien bekommen konnte. Er mochte schließlich fast niemanden. Als Faith das Gesicht verzog, weil sie nicht die Antwort bekommen hatte, die sie wollte, musste er tatsächlich lachen.
      "Hahah, was ist das für ein Gesicht?" er lachte immer noch leicht und ließ seine Zigarette verschwinden, da sie nun auf dem Unigelände angekommen waren. "Ich hab nie behauptet das ich fair bin. Sieh es als Herausforderung, Engelchen." Sie würde den Witz hinsichtlich des Kosenamens verstehen. Außer der Alkohol hatte einige Erlebnisse der letzten Stunden bereits ausradiert. Faith hatte ihm berichtet, dass sie das letzte Gebäude der Studentenverbindungen bewohnte und Arien war fast ein wenig neidisch. Seines gehörte zwar auch zu den letzten und er hatte glücklicherweise den Schulgarten vor der Nase, aber immer noch zu viele Studenten um sich. Das letzte Gebäude klang verlockend. Allerdings hatte er gehört, dass die Hausmutter dort bei den Mädels der echte Teufel sein sollte. Ob er er bei ihr mit seinem Charme punkten konnte, wusste er nicht. Vielleicht würde sie ihn nur nicht mit dem Besen erschlagen, weil er zu den Topstudenten gehörte und seine Noten der Traum einer jeden Mutter waren. Das hatte ihm bisher extrem viele Privilegien gebracht. Das und weil er nun einmal ein Darkbloom war. Nicht das er groß etwas darauf geben würde. Wo er schon beim Thema Darkbloom war, kam ihm diese langweilige Veranstaltung in den Sinn und er erkundigte sich bei Faith, ob diese dort auch hingeschleppt wurde.
      Natürlich wurde sie das. Der Barkeeper grinste. "Nun, dann langweilige ich mich wenigstens nicht komplett um den Verstand und muss mich nicht alleine betrinken, damit ich das aushalte." Arien blieb vor einem Gebäude stehen. "Das ist es oder?"


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith nickte entschieden, während sie Arien ansah. Oh ja, er war definitiv schuld daran, dass sie Alkohol getrunken hatte. Sie war zwar angetrunken, fühlte sich aber immer noch pudelwohl – und sie war froh, dass sie ihren letzten Cocktail gegen einen alkoholfreien eingetauscht hatte. Doch sie merkte, je mehr sie getrunken hatte, desto redseliger wurde sie, besonders bei Leuten, die sie nicht besonders kannte.
      Wenn sie erst einmal ein gutes Gesprächsthema hatte, konnte sie ohne Punkt und Komma reden – und das wusste sie nur zu gut. Besonders mit Lydia, die oft mit ihrem Modeblog um die Ecke kam. Mode war eine ihrer großen Leidenschaften, und sie konnte sich stundenlang darüber unterhalten.
      Als Arien ihr schmollendes Gesicht nur mit einem Lachen quittierte, hielt sie den Ausdruck trotzig bei. Was hatte er auch erwartet? Er enthielt ihr wichtige Informationen, und das war für sie völlig inakzeptabel. Geheimnisse konnte sie durchaus bewahren, aber sie hatte einen unbändigen Drang, sie auch zu erfahren.
      "Du enthältst mir hier wichtige Infos!" stellte sie fest und sah wieder nach vorn, als sie ihren Spitznamen hörte. Nannte er sie jetzt immer so?
      "Weißt du, mein Hase, solche Sachen kannst du mir nicht vorenthalten. Aber gut – Herausforderung angenommen", entgegnete sie mit einem schelmischen Zwinkern.
      Sie gingen an den Wohnblöcken vorbei, direkt in Richtung des letzten Wohngebäudes. Faith war wirklich froh, dass sie hier ein Zimmer hatte – ein Doppelzimmer, das sie meistens für sich allein genießen konnte. Ihre Mitbewohnerin Judith schlief oft bei ihrem Freund in der WG, und so hatte sie regelmäßig ihre Ruhe. Sie hoffte, dass es heute wieder so sein würde.
      Weniger ruhig waren die Gedanken an die steifen, langweiligen Events ihres Vaters, die Arien jetzt auch noch ansprach. Doch als er eine Idee äußerte, die Faith plötzlich gar nicht mehr so uninteressant fand, hob sie anerkennend die Brauen.
      "Das ist eine so gute Idee", meinte sie mit einem leichten Schmunzeln. "So kann man dieses ganze Schauspiel wenigstens irgendwie überstehen.".
      Natürlich würde ihr Vater alles andere als begeistert sein, wenn es den Anschein hatte, als würde sie sich mit Arien auch noch amüsieren. Aber genau das machte die Vorstellung umso reizvoller.
      Vor dem letzten Wohngebäude blieben sie schließlich stehen. Faith atmete tief durch, spürte die Kälte der Nacht noch immer in ihren Knochen. "Jap.", meinte sie schließlich knapp und lächelte. "Danke, dass du mich mitgenommen hast.".
      Sie zog die warme Lederjacke aus, spürte noch den letzten Rest von Ariens Körperwärme darin, bevor sie ihm das Kleidungsstück entgegenhielt.
      "Und danke für die Jacke," fügte sie hinzu, während ihr Blick noch einmal kurz über ihn huschte. "Also hab ich das richtig verstanden, bei der nächsten Versammlung kippen wir uns weg?".
    • Arien Darkbloom

      Ihr Gesicht war zum brüllen komisch. Niemand konnte es ihm verübeln, dass er da lachen musste. Mal ehrlich, dass sie es auch nicht versteckte fand er durchaus beeindruckend und musste erneut lachen. Glücklicherweise schien sie es aber mit Humor zu nehmen. Mit Ariens wahrem Ich kamen nicht viele unbedingt klar. "Und was willst du dagegen tun? Mich verklagen?", scherzte er belustigt. Die Anspielung auf sowohl ihren als auch seinen familiären Hintergrund war dabei bewusst gewollt. Die Retourkutsche mit dem ´Hase´ hatte er verdient, aber das war es wert gewesen. Er legte den Kopf leicht schief, das herausfordernde Glitzern in seinen Augen und der verschmitzte Grinsen beibehaltend. Der Barkeeper war tatsächlich gespannt wie sie das anstellen wollte, aber Arien liebte Herausforderungen und vor allem mochte er Willensstärke. Mal sehen wie viel Faith davon besaß.
      Sie hatten bald darauf die Wohnblöcke erreicht und das letzte dunkle Häuschen, in welchem tatsächlich schon alle Lichter erschlossen waren, war wohl das von seiner heutigen Begleitung. Nun da würde sie sich wohl wirklich reinschleichen müssen. Wenn die Gerüchte über die Hausmutter stimmten, würde Faith sonst im Kochtopf enden, wie bei Hänsel und Gretel. War er Hänsel? Irgh, bitte nicht. Moment das war kein Topf sondern ein Ofen.
      ...
      Er musste ins Bett.
      "Sag bloß, du hast das noch nie gemacht? Als du mich das erste Mal auf einer Veranstaltung gesehen hast, war ich ziemlich gut dabei. Man sieht es mir nur nicht an." antwortete er Arien amüsiert. Faith war wirklich ein Engelchen. Würde er sie verderben?
      Das würde Spaß machen.
      Als sie ihm die Jacke reichte, schlüpfte Arien direkt wieder in diese und ihn umfing eine wohlige Wärme. Ihm war tatsächlich scheiße kalt gewesen. Nicht das er das jemals zugeben würde.
      An seiner Jacke roch er Frauenparfüm...blumig. Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass die Jacke in der Regel sonst nach seinem Parfüm und kalten Rauch roch. Was zur Hölle hatte das Mädel für ein krass starkes Parfüm?
      "Kein Problem.", antwortete er und bemerkte ihren Blick auf sich.
      "Sicher. Kotz nur bitte in die Richtung unserer Väter und nicht in meine.", er zwinkerte ihr belustigt zu und hob die Hand zum Abschied. "Gute Nacht Faith.", dann kehrte er ihr den Rücken und machte sich auf den Weg zu seiner Behausung auf dem Campus.


      ღ For my lovely Warlock ღ

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rheira ()

    • Charilynn Faith Ashenvale
      Amüsiert sah Faith zu Arien. Ihn verklagen? Ihr Vater wäre mehr als begeistert, wenn sie ihm irgendetwas gegen die Darkblooms liefern könnte – er würde sich voller Eifer in die Arbeit stürzen und jeden noch so kleinen Vorwurf bis ins Detail ausschlachten.
      "Oh, glaub mir, da würde mir schon einiges einfallen", meinte sie mit einem schelmischen Grinsen. "Ich bin mir sicher, dass man mir mehr glauben würde. Immerhin ist hier niemand, der dir als Zeuge dienen könnte. Ich, armes Mädchen, wurde von dir belästigt! Du hast ausgenutzt, dass ich Alkohol getrunken habe!", Sie zuckte gespielt mit den Schultern. "Mir würde noch so viel anderes einfallen – und glaub mir, ich bin eine begabte Schauspielerin! Reiz mich also bloß nicht, sonst sehen wir uns tatsächlich vor Gericht wieder.".
      Allein der Gedanke daran belustigte sie. Es machte ihr sogar eine gewisse Freude, ihn wieder mit seinem Spitznamen zu kontern, und da er nichts dagegen sagen konnte, würde sie es genau so beibehalten. Sie lächelte herausfordernd – sie hatte Herausforderungen schon immer gern angenommen, schließlich war das Leben mit ein bisschen Abenteuer gleich viel interessanter.
      "Was? Mich betrunken? Na ja, nicht mehr als heute, sonst..." Sie hielt inne. Sonst was?
      Würde ihr Vater sie anschreien? Die Hand heben? Sagen, dass er sich lieber einen Sohn gewünscht hätte, mit dem er nicht so enttäuscht wäre? Ja, vermutlich eines dieser Dinge. Oder alle. "So gut kann ich das dann auch nicht verstecken," meinte sie schließlich und verdrängte den Gedanken schnell wieder.
      Kaum hatte sie Arien seine Jacke zurückgegeben, zog er sie sich wieder über, und augenblicklich umhüllte sie erneut die beißende Kälte der Nacht. Obwohl sie ihre eigene Lederjacke darunter getragen hatte, schien die eisige Luft jede einzelne Schicht zu durchdringen. Doch egal – sie war ihm wirklich dankbar dafür gewesen, dass er ihr die Jacke geliehen hatte. Für einen Moment sah sie ihn einfach nur an, spürte das Echo der Fahrt, die sie noch immer in den Knochen hatte, und die Erinnerung an diesen ungezwungenen Abend.
      "Ich kenn meine Grenzen", sagte sie belustigt und winkte leicht ab. So weit wollte sie das Ganze dann doch nicht treiben, auch wenn sie gern das Gesicht ihres Vaters in genau diesem Moment sehen würde – für ihn wäre die Situation sicher noch peinlicher als für sie selbst.
      "Gute Nacht", fügte sie dann mit einem sanften Lächeln hinzu, sah ihm noch einen Moment nach, ehe sie sich auf dem Absatz umdrehte und das Wohngebäude leise betrat.
      Schnell, mit flinken, leisen Schritten, huschte sie in den zweiten Stock, bog nach rechts und steuerte das hinterste Zimmer an. Ihr Handylicht half ihr, den Weg zu erkennen, und zügig steckte sie den Schlüssel ins Schloss, bevor sie in ihr Zimmer schlüpfte.
      Ein schneller Blick in die linke Ecke des Raums ließ sie zufrieden grinsen – Judith schlief tatsächlich bei ihrem Freund, und sie hatte ihre Ruhe.
      Es war mittlerweile verdammt spät geworden, und ohne lange zu zögern, machte sich Faith daran, endlich ins Bett zu kommen.
      ______________
      Auch wenn Faith gestern nur leicht angeheitert gewesen war und noch weit von ihrer Grenze entfernt, machte sich der Schlafmangel heute Morgen dennoch bemerkbar. Ihr Kopf pochte leicht von der kurzen Nacht, doch das war weniger dem Alkohol als dem mangelnden Schlaf geschuldet. Zum Glück begannen ihre Vorlesungen erst am Mittag, sodass sie sich zumindest ein wenig mehr Schlaf gönnen konnte. Doch das bedeutete nicht, dass sie sich völlig entspannen konnte – sie musste lernen. Die Bücher warteten bereits auf sie, die Notizen vom letzten Seminar mussten durchgegangen werden, und eigentlich sollte sie sich dringend auf die nächste Prüfung vorbereiten. Mit einem müden Seufzen zog sich Faith etwas Bequemes an - ein oversized, grauen Pullover, schwarze Lederleggins und klobige schwarze Boots.
      Sie brauchte dringend Kaffee – ohne ihn würde der Tag sich endlos ziehen. Also machte sie sich auf den Weg zur Kantine, um sich eine dampfende Tasse zu besorgen, die ihr wenigstens ein wenig Energie zurückgeben konnte.
      Danach musste sie noch in die Bibliothek, dort warteten einige Bücher darauf, von ihr durchstöbert zu werden – notwendige Begleiter für ihr Studium, aber vielleicht fand sie ja auch etwas, das sie über den Lernstoff hinaus interessierte.

      Die frische Luft tat gut, auch wenn der Campus langsam zum Leben erwachte. Überall sah sie Studierende, die sich in Gespräche vertieft hatten oder sich eilig zu ihren Kursen bewegten. Doch Faith ließ sich nicht hetzen – heute war ihr Tempo gemächlich, und sie genoss für einen Moment die Ruhe, bevor sie sich wieder in die Welt der Bücher vertiefen musste.

      Hawke Li-Winslow
      Der gestrige Abend hatte sich für Hawke ganz schön in die Länge gezogen – aber auf die beste Art und Weise. Nachdem er sich zu seinen Freunden in der Bar gesellt hatte, hatten sie noch ein paar Bier getrunken, gequatscht und eine entspannte Runde Billard gespielt. Es waren Jungs aus seiner Schulzeit, mit denen er immer noch gerne Zeit verbrachte – vertraute Gesichter, die ihn an früher erinnerten, an unkomplizierte Tage und nächtelange Gespräche über alles und nichts.
      Sie waren zu fünft, drei von ihnen in festen Beziehungen, weshalb es nicht selten vorkam, dass eine der Freundinnen dabei war. Sie waren gern gesehen, niemals aufdringlich oder kontrollierend – Frauen, die ihren Partnern Freiraum ließen und genau wussten, dass Zeit mit den Jungs genauso wichtig war. Doch gestern hatten sie unter sich bleiben wollen, eine reine Männergruppe, und so hatte niemand groß bemerkt, dass Hawke erst später zu ihnen gestoßen war. Es gab keine nervigen Fragen, kein Nachbohren – einfach eine lockere, entspannte Runde, die er noch in vollen Zügen genoss.
      Einige Stunden verbrachten sie zusammen, ehe sich die Gruppe nach und nach auflöste. Zwei seiner Freunde hatten bereits feste Jobs, während die anderen beiden, genau wie er, noch studierten.
      Wenn es nach ihm gegangen wäre, würde er noch immer dort sitzen, sich mit ihnen unterhalten und dem Barleben nachgeben. Doch stattdessen stand er jetzt wieder auf dem Campusgelände, viel zu früh für seinen Geschmack, mit einem schwarzen Kaffee in der Hand – heiß und kräftig in einem klassischen Papierbecher, sein einziges Mittel gegen die Müdigkeit.
      Hawke freute sich bereits aufs Wochenende. Aber da war noch etwas anderes, das ihm im Kopf herumschwirrte – der Austausch nach England.
      Bis jetzt hatte er nicht wirklich die Gelegenheit gehabt, mit seiner Mutter oder Mia darüber zu sprechen. Vielleicht hatte er sich bewusst davor gedrückt, aus Unsicherheit. Er wusste nicht einmal, ob er es wirklich tun sollte. Es fühlte sich nach einer riesigen Entscheidung an, und der Gedanke daran begleitete ihn wie ein Schatten, während er langsam über das Gelände schlenderte. Wenigstens war heute der Regen wieder verschwunden, auch wenn die Kälte geblieben war.
    • Arien Darkbloom

      Er war Barkeeper, da gehörte es zu seinem Job, das er wenig Schlaf bekam. Das bedeutete aber nicht, dass er damit umgehen konnte. Während er im Bett lag und sein Wecker ihm erbarmungslos das Trommelfell einzuschlagen versuchte, starrte er an die schneeweiße Decke seines Zimmers und verfluchte sich, die Welt und alle die auf dem Erdball umherwanderten. Natürlich hatte ihn niemand gezwungen dieser Arbeit nachzugehen und klar konnte er auch an anderen Tagen zur Arbeit kommen, aber liebte diese verfluchte Bar, er liebte die Leute dort und dieses Studium diente ihm nur für den Deal mit seinem alten Herren. Wenn er also nicht wollte, dass das alles für den Arsch war, um es mal freundlich auszudrücken, musste er wohl oder übel aufstehen. Mit verwuschelten Haaren, schlechter Laune und totaler Übermüdung schaltete er seinen Wecker auf dem Handy mit einer leichten Bewegung des Displays aus und schleppte sich in sein Badezimmer. Erneut war der Hellhaarige sehr glücklich darüber, dass er ein eigenes Bad hatte und diese Schule nicht über Gemeinschaftsbäder verfügte. Wäre auch reichlich merkwürdig an einer Eliteuni.
      Damit er den Geruch von Rauch, Alkohol und starken Parfüm los wurde hatte er sich direkt unter die Dusche begeben und massierte sich die Wangenknochen als Vorbereitung darauf den ganzen beschissenen Tag wieder falsch lächeln zu müssen.
      Seine Gedanken wanderten zum gestrigen Abend. Faith würde ihn nicht verpfeifen, es würde ihr ohnehin keiner glauben und ehrlich gesagt hatte er nicht erwartet, dass er es irgendwie lustig mit ihr gefunden hatte.
      Da er seinem Dad hoch und heilig versprechen musste keine Studentinnen aufzureizen, war Faith tabu. Allerdings bezweifelte er auch stark, dass das Mädel für einfachen Spaß im Bett zu haben wäre. Ihre Freundin war leicht zu haben, aber Faith schätze er tatsächlich eher als Beziehungstypen ein. Arien grinste leicht. Einen Kuss hätte er ihr aber sicherlich klauen können, sie war schließlich so ziemlich sein Typ. Aber er musste sein Aufreißer-Charakter unterdrücken und wieder in die Rolle des anständigen, beliebten und umschwärmten Elitestudenten schlüpfen Als der Hellhaarige also aus der Dusche kam, sich abtrocknete, stylte und sämtliche Piercings in seinen Ohren entfernte, zog er sich seine schwarze Jeans und einen schlichen weißen Pullover mit Rundhalsausschnitt an, ehe er eine viel zu teure Armbanduhr von Rolex an seinem Handgelenk befestigte und sich mit Parfüm einsprühte. Na wenigstens musste er sein Parfüm nicht faken. Am Geruch würde wohl wirklich niemand erkennen, dass er all das nur vorspielte. Die Zähne geputzt und immer noch nicht besserer Laune machte er sich also auf den Weg zur Schulkantine, um seinen geliebten Kaffee abzuholen, damit er heute wenigstens halbwegs funktionierte.

      Jade Rhea Summer

      Im Gegensatz zu früher trug Jade schon lange keine engen Klamotten mehr, geschweige den etwas kurzärmliches oder Röcke. Würde jemand all das Elend sehen, würde sie sich nur noch jämmlicher vorkommen. Sie musste nur noch diese Studienzeit durchhalten, wenn sie einen Job bekam und genug Geld zusammen hatte, würde sie von Killian verschwinden. Aber wo sollte sie hin? Sie war allein...
      Oft hatte Jade überlegt nebenher zu jobben, Kontakte zu knüpfen und doch hatte ihr Killian immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.
      Ganz gleich wie viel Makeup sie heute trug, sie sah fertig aus. Sie hatte die komplette Nacht nicht geschlafen und jeder Schritt schmerzte so unglaublich, dass es sie sämtliche Beherrschung kostete, dass man ihr wie immer nichts an ihrem Gesicht ablesen konnte.
      Ihr Blick war auf den Boden gerichtet, während sie in einem übergroßen schneeweißen Kapuzenpullover und schwarzer Leggins über den Campus schlich. Ihr feuriges langes Haar hatte sie zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden.
      Ganz gleich wie kraftlos sie sich fühlte, hatte sie allerdings ein Ziel für heute. Sie würde diese Reise antreten! Sie musste die Chance nutzen und wenigstens ein paar Tage Freiheit spüren.
      Und vielleicht würde sie auch wieder Zeit mit Hawke verbringen können. Bei dem Gedanken an den mysteriösen Schwarzhaarigen mit Augen wie ein wilder Wolf, färbten sich ihre Wangen leicht rot.
      Sie kannte ihn doch kaum und dennoch hatte er ihr bereits so oft geholfen. Jade wollte ihn unbedingt sehen, es war verrückt.
      Sicherlich war sie für Hawke absolut nichts besonderes und er war einfach nur nett.
      Sie seufzte leise, bereute es aber direkt wieder, da ihr schon das bloße Atmen unglaubliche Schmerzen bereitete.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faiths erster Weg führte sie direkt zur Kantine. Sie brauchte dringend ihren Kaffee – ohne ihn fühlte sich der Morgen einfach nicht richtig an. Der Kaffee auf dem Campus war zwar nicht so schlecht, wie sie anfangs geglaubt hatte, doch nichts konnte den samtigen, süßen Caramel Macchiato aus ihrem Lieblingscafé ersetzen. Diesen Luxus musste sie sich heute jedoch abschminken. Statt durch die gemütlichen, kopfsteingepflasterten Altstadtstraßen zu schlendern, bahnte sie sich ihren Weg durch das geschäftige Unigelände, begleitet von einem Wirrwarr aus Stimmen und Gesprächen.
      Die Atmosphäre war wie jeden Morgen von einer Mischung aus Hektik und Routine geprägt. Einige Studierende hasteten an ihr vorbei, ihre Taschen eng umklammert, um noch rechtzeitig zu ihrer Vorlesung zu kommen. Andere bewegten sich bereits in Richtung der Bibliothek, bepackt mit dicken Büchern und der festen Absicht, Stunden über ihren Notizen zu verbringen. Ein paar standen zusammen in kleinen Grüppchen, vertieft in angeregte Diskussionen über anstehende Prüfungen, Referate oder das letzte Wochenende. Und dann gab es noch jene, die sich von der morgendlichen Betriebsamkeit nicht aus der Ruhe bringen ließen – sie lehnten entspannt an den hölzernen Bänken unter den großen Bäumen, ihre Kaffeebecher dampfend in den Händen, als würden sie dem Trubel gelassen zusehen.
      Als Faith das große Gebäude erreichte, schob sie die schwere, verglaste Tür auf und trat in die weitläufige Eingangshalle. Die hohen Decken und die kühle, leicht nach Papier und Kaffee riechende Luft hießen sie willkommen. Ohne sich lange aufzuhalten, bewegte sie sich zielstrebig auf die angrenzende Kantine zu, bereit, sich dort einen großen Becher heißen Kaffee zu besorgen.
      Ihre Finger glitten durch ihr seidiges Haar, während sie sich in die kurze Schlange einreihte. Auch wenn sie letzte Nacht nicht über ihre Grenzen gegangen war, spürte sie dennoch den Schlafmangel deutlich in ihren müden Gliedern. Ihre Gedanken waren noch nicht ganz so wach, wie sie es gerne hätte, und ihre Bewegungen fühlten sich einen Hauch langsamer an als üblich.
      Der erste Schluck Kaffee würde all das zwar nicht sofort ändern – aber er würde zumindest einen Anfang machen. Ein kleines Ritual, das ihren Tag in die richtige Richtung lenkte und ihr half, in den langen Stunden des Lernens und der Vorlesungen nicht völlig unterzugehen. Während sie wartete, ließ sie ihren Blick durch die Kantine schweifen, beobachtete das Treiben um sie herum und fragte sich, wie dieser Tag wohl verlaufen würde. Doch eines stand fest: Er konnte erst richtig beginnen, wenn sie endlich ihren Kaffee in Händen hielt.

      Hawke Li-Winslow
      Er hatte noch etwas Zeit, bevor seine erste Vorlesung begann. Während er über den Campus schlenderte, versuchte er sich daran zu erinnern, welches Thema heute besprochen wurde – vergeblich. Er hatte sich den Plan noch am Morgen angesehen, direkt nach dem Aufstehen, aber in seinen Gedanken war er bereits ganz woanders gewesen. Der gestrige Abend mit seinen Jungs hatte ihn beschäftigt, eine lockere, lustige Runde, trotz des miserablen Wetters. Und dann war da noch die bevorstehende Reise, die ihm nicht aus dem Kopf ging. Er wollte mit, daran bestand kein Zweifel, aber es gab noch einige Dinge, die er klären musste. Anders als die zwei anderen Studenten, die ohne Zögern zugesagt hatten, war für ihn die Entscheidung nicht ganz so einfach. Und für Jade offenbar auch nicht.
      Bislang schien sie ihm ausschließlich in den ungewöhnlichsten Situationen zu begegnen. Innerhalb kurzer Zeit war sie zweimal mit ihm zusammengestoßen und dann auch noch völlig durchnässt vor dem Kiosk aufgetaucht – als würde das Schicksal ihre Wege absichtlich immer wieder kreuzen lassen. Unbewusst ließ Hawke seinen Blick über das Gelände streifen. Er erkannte einige bekannte Gesichter, doch niemand, mit dem er regelmäßig zu tun hatte. Alles Menschen, die er aus seinen Kursen kannte oder flüchtig mal auf Partys oder Bars gesehen hatte – doch niemand, der ihn wirklich interessierte.
      Bis er sich umdrehte und sein Blick in der nicht allzu weiten Entfernung hängen blieb.
      Lange, feurige Haare, die in der Morgensonne aufflammten. Die konnte er nur einer Person zuordnen. Seine Schritte verlangsamten sich unmerklich, sein Tempo passte sich unbewusst ihrer Richtung an, bis die junge Frau mit den scharlachroten Haaren in Hörweite war.
      "Morgen", begrüßte er sie schließlich knapp, seine Stimme ruhig, aber bestimmt. Nicht laut, nicht aufdringlich, einfach beiläufig. Gerade so, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, dass ihre Wege sich wieder kreuzten.
    • Arien Darkbloom

      Den wankenden Zombie aus der Entfernung, welcher sich der Cafeteria näherte machte er nach kurzer Zeit als Faith aus. Ähnlich wie er schien die Gute wohl kein Morgenmensch zu sein. In Anbetracht ihres sonnigen Wesens allerdings sehr amüsant und unpassend. Nun vielleicht war sie in Wahrheit ja ebenso eine talentierte Schauspielerin wie er und war in Wahrheit irgendeine Serienkillerin? Spannend, aber abwegig. Das sie aber auch nicht ganz so wahr wie sie sich gab, hatte er allerdings gestern Abend erlebt und für diese Erfahrung war er sogar irgendwie dankbar. Es war ein überraschend netter Abend gewesen. Nichtdestotrotz kannte sie nun sein Geheimnis, was ihm nicht so ganz schmeckte. Ebenso wie Bobby, das doch überraschend ´leichte´ Mädel, hatte ihn schließlich gestern Abend auch gesehen. Allerdings war diese so sturzbesoffen gewesen das die Wahrscheinlichkeit hoch war, dass sie sich eventuell gar nicht mehr daran erinnerte. Da sich Arien immer mehr den anderen Studenten näherte atmete er einmal tief durch und setzt das strahlende typische Lächeln von ihm auf, was ihn wieder in den allzeit beliebten Topstudenten verwandelte, welchen er selbst so sehr verabscheute. Die anderen strahlten ihn bereits an, wünschten ihm einen guten Morgen und selbstverständlich tat er dies ebenfalls. In Gedanken hasste er sie allesamt einfach weiterhin. Das er unter den Topstudenten Privilegien hatte war klar, weshalb er sich nie in der Schlange anstellen musste und die Dame in der Cafeteria liebte ihn ohnehin. Als er also an der Schlange vorbei ging, legte er kurz eine Hand auf die zarte Schulter von Faith, zwinkerte ihr zu und näherte sich dem Sonnenschein der Kantine.
      "Gabrielle mein Sonnenschein."
      Ein tatsächlich sehr sonniges Lachen ertönte in der Cafeteria und seine geheuchelten Komplimente meinte er zumindest bei ihr halbwegs ernst. Tatsächlich mochte er die Dame sehr.
      "Arien Darkbloom. Du hast nicht verschlafen? Geht morgen die Welt unter?", amüsiert reichte sie ihm seinen Kaffee entgegen.
      "Na, so habe ich immerhin die Möglichkeit Sie zu sehen und das ganz ohne Eile."
      "Casanova. Schade, dass du nicht ein paar Jahre älter bist."
      "Sie machen für mich keine Ausnahme? Jetzt haben Sie mir das Herz gebrochen."
      Sie rollte lachend mit den Augen.
      "Gabrielle? Könnten Sie mir noch einen Kaffee geben?"
      "Viel vor?" Dennoch reichte sie ihm den Kaffee, welchen er dankend annahm. Er zwinkerte ihr zu und schlenderte an Faith vorbei, der er kurz zunickte.
      "Komm mit." Mit einem sanften Lächeln drückte er ihr den Kaffeebecher entgegen und schlenderte gemütlich aus der Cafeteria.
      "Also ist sie diese Woche die Auserwählte? Die Glückliche.", seufzte ein Mädchen im Hintergrund. Ihre Freundin tätschelte ihr lediglich schmunzelnd die Schulter. "Wir haben alle einmal unsere Arien-Crush-Zeit. Du kommst darüber hinweg."

      Jade Rhea Summer

      Beim Klang der ihr inzwischen doch so bekannten Stimme, sah sie direkt auf und erkannte besagte Augen, die ihn an einen anmutigen und mutigen Wolf erinnerten. "Hawke!", sie klang ein wenig zu erfreut oder? Wie peinlich...
      Dennoch, obwohl es ihr hundeelend ging, schlich sich ein strahlendes Lächeln auf ihr zartes Gesicht als sie ihn ansah. "Guten Morgen."
      Das sie das Glück hatte ihm jetzt schon zu begegnen, machte die Schmerzen halbwegs erträglicher. Sie versuchte halbwegs aufrecht zu stehen, was unter den Schmerzen alles andere als einfach war, aber sie war inzwischen so geübt darin, dass man ihr nicht ansah, dass etwas nicht stimmte. Jeder hielt sie nur für das unsichere, schüchterne Mädchen und alle die sie von früher kannten, verstanden zwar die Welt nicht mehr, aber hatten sich von ihr abgewendet. Vielleicht hatte sie auch einfach nie echte Freunde gehabt. Echte Freunde hätten um sie gekämpft oder? Sie davor bewahrt so zu enden.
      Nein, sie konnte die Schuld nicht bei anderen suchen. Es war ihre eigene. Sie war selbst Schuld, dass sie sich so fühlte und kein anderes Leben lebte.
      Sie war Schuld und niemand sonst. Vielleicht war es auch gerade das, was es um so erbärmlicher machte.
      Dennoch jetzt in diesem Augenblick, spürte sie so etwas wie eine gewisse Freude.
      Sie freute sich Hawke zu sehen.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Ein weiches Bett, dazu eine gute Serie oder ein fesselnder Film, Faith hätte sich nichts sehnlicher gewünscht als genau das. Stattdessen musste sie in die riesige, leicht überklimatisierten Bibliothek zwischen dicken Gesetzeswälzern und dem murmelnden Gewusel ihrer Kommilitonen. Allgemeines Verwaltungsrecht II stand heute auf dem Lernplan, und es fühlte sich so trocken an, als würde sie Sandkörner sortieren – blind.
      Was sie noch mehr nervte als der Stoff, war die scheinbare Euphorie der anderen. Man musste ihnen nicht mal zuhören, um zu wissen, was sie studierten, ihr Eifer sprach Bände. Es war, als wären sie für das juristische Dickicht geboren. Faith hingegen? Sie war überraschend gut darin, auch wenn es ihr keinen Spaß machte. Der einzige Lichtblick: Sie kannte ihre Rechte – und zwar gut genug, um sie gezielt einzusetzen, wenn jemand versuchte, sie zu übervorteilen. Und das, gab sie zu, fühlte sich manchmal sogar ein bisschen... befriedigend an.
      Trotzdem wäre sie viel lieber im selben Semester wie Lydia. Mit ihr hatte sie diese besondere Leichtigkeit. Kein verkrampftes Fachsimpeln, keine endlosen Vergleiche. Lydia war kreativ, lebendig – einfach anders. Und vor allem: echt.
      Versunken in Gedanken, bekam Faith kaum mit, wie die Cafeteriatür aufging. Erst als ein anerkennendes Kichern aus der Mädchengruppe hinter ihr ertönte, hob sie kurz irritiert den Blick.
      Sie war so vertieft in Gedanken gewesen und bemerkte Arien erst, als sie etwas an der Schulter berührte und in die Richtung blickte, nur um ein nun ihr vertrautes Gesicht zu erkennen. Ein leises Lächeln spielte um ihre Lippen, als ihre Gedanken zurück zum gestrigen Abend huschten. Auch wenn sie heute ein wenig platt war, hatte sich der Abend auf jeden Fall gelohnt.
      Dass Arien allerdings einfach an der Schlange vorbeigehen konnte, um sich einen Kaffee zu holen, ließ eine der perfekt gezupften Augenbrauen von Faith nach oben wandern. Auch wenn ihr Vater ein hohes Tier im gesamten Anwaltswesen war und generell viele gute Kontakte hatte, war sie nicht so privilegiert wie Arien. Oder vielleicht war sie es – reizte es aber einfach nicht so aus wie er. Obwohl sie in Zukunft durchaus lieber die Warteschlange meiden würde, als sich hier mit den anderen anstellen zu müssen. Wenn man nämlich wirklich zur falschen Zeit kam, konnte das Anstehen hier verdammt lang dauern.
      Es dauerte nicht lange, da kam Arien bereits zurück. Allerdings ging er nicht einfach an ihr vorbei, sondern nickte ihr knapp zu. Sie brauchte einen Moment, um seinen Worten zu folgen – da hatte er sie, mit dem zweiten Kaffee in der Hand. Grinsend nahm sie den heißen Kaffeebecher entgegen.
      "Zu gütig", meinte sie und wollte gerade noch etwas sagen, als sie plötzlich eines der verzweifelten Mädchen in ihrem Rücken hörte. Wow. Arien sah wirklich gut aus, aber dass es eine so nötig hatte, ihm derart hinterherzuschmachten? Das war wohl ein ganz neues Level das Faith noch nicht kannte.
      "Das Privileg, nicht in Schlangen anstehen zu müssen, hätte ich auch gern. Macht mich schon ein bisschen neidisch."

      Hawke Li-Winslow
      Hawke blieb für einen Moment einfach stehen, überrascht über die Wärme, die ihm aus Jades Stimme entgegenschlug. Sein Name klang aus ihrem Mund beinahe wie ein Kompliment. Für einen kurzen Moment musterte er sie aufmerksam, als könnte er noch immer ein Zittern vom gestrigen Abend erkennen. "Geht es dir gut?", fragte er. Nach dem gestrigen Abend, dem strömenden Regen und ihrer weitaus zu heldenhaften Idee, für ein paar Süßigkeiten zum Kiosk zu laufen, hätte er mit allem gerechnet – nur nicht damit, dass sie so unversehrt vor ihm stand. Kein Husten, keine Schniefnase, nicht einmal eine gerunzelte Stirn.
      Er konnte nicht anders, als sich zu fragen, ob sie sich nur zusammenriss.
      Trotzdem: Ihre Anwesenheit war... angenehm. Eine willkommene Abweichung von den gewohnt ruhigen Morgenden, die sein Tag sonst mit sich brachte. Normalerweise zog er es vor, sich aus dem studentischen Trubel herauszuhalten. Die meisten wirkten auf ihn zu laut, zu oberflächlich, als lebten sie in einer Welt, in der das Ernsthafte keinen Platz hatte. Er kannte ein paar Leute auf dem Campus, mit denen man gut reden konnte, aber seine Zeit verbrachte er dann doch lieber mit seinen üblichen Freunden.
      "Hast du dir schon Gedanken wegen England gemacht?", fragte er, bemüht, das Thema beiläufig zu formulieren. Noch bevor er sie gesehen hatte, war der Gedanke daran wieder in ihm aufgekommen – das Angebot, die Chancen, aber auch die Schuldgefühle, die sich sofort meldeten, sobald er daran dachte, es überhaupt ernsthaft in Betracht zu ziehen.
      Es war kompliziert. Wie sollte er das seiner Familie erklären?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Tristale ()

    • Arien Darkbloom

      Mit einem charmanten Lächeln blickte er zu den Studenten, zwinkerte dem Mädchen dessen Worte er gehört hatte zu und verließ dann mit Faith die Kantine. Ein genervtes Seufzen konnte er sich nicht erlauben, ebenso wenig wie eine Zigarette, da er hier laufend unter Beobachtung stand. Darum nippte er an seinem Kaffee und versuchte sämtliche Fluchworte die ihm im Kopf herumwanderten damit zu ertränken. Dabei fluchte er leidenschaftlich gern. "Das liegt an meinem Status beziehungsweise an den Noten. Ich gehöre zu den besten Studenten des Campus. Deine Freundin Liviana muss sich auch nicht anstellen. Sie ist dabei nur deutlich weniger charmant als ich." antwortete er Faith auf ihre Aussage hin, der letzte Teil entsprach ein wenig mehr seinem wahren Ich und hatte einen gewissen sarkastischen Unterton, weshalb er sich verhalten räusperte. "Natürlich ist das nicht sehr fair, aber es wird von uns erwartet.", erklärte er dann ganz der Topstudent und hätte am liebsten sich allein für diese Worte übergeben. Ein sanfter Windhauch wehte über den Campus, tauchte die Welt in eine frische Note und trug den Duft des Kaffees ein wenig mehr an ihn heran. Nun diesen Geruch und leider auch das absolut schreckliche Parfüm eines Typen, der gerade an ihnen vorbei lief. Der Kerl stank schlimmer als ein Puff und die Damen überdeckten schließlich nur Gerüche mit zig Parfüms, weil sie keine andere Wahl hatten. Der Typ hatte dafür sicherlich keine Entschuldigung außer absolut lausigen Geschmack. Arien verzog das Gesicht und trank lieber etwas von seinem Kaffee bevor er jetzt etwas sehr gemeines sagte, das ihm förmlich auf der Zunge lag.
      "Du siehst müde aus.", wandte er sich dann lieber an Faith, welche tatsächlich aussah als hätte ihr eigenes Kopfkissen gegen sie in einem Zweikampf verloren. Nicht das sie so verschlafen nicht ganz niedlich aussah...

      Jade Rhea Summer

      Sie hatte ihm viel zu überschwänglich begrüßt oder? Sie klang wie ein verknallter Teenager - wie peinlich! Wie erbärmlich war sie bitte? Nur weil er nett zu ihr war, geriet sie direkt ins Schwärmen und strahlte ihn an als wäre er ein koreanisches K-Pop-Idol? Der arme Kerl würde noch vor ihr wegrennen. Kein Wunder, dass er sie so perplex ansah. Jade hatte das Bedürfnis im Erdboden zu versinken, ganz tief. Als er sich erkundigte wie es ihr ging, sah sie ihn mit großen Augen an. Hatte er etwas bemerkt? Nein, ihre Tarnung war perfekt. Selbst sie würde sich selbst glauben, wenn sie dabei nicht so katastrophale Schmerzen hätte. Nein, er fragte das aus Höflichkeit.
      "Es geht mir gut. Nochmal vielen Dank für gestern.", antwortete sie ihm daher ebenso höflich, konnte sich aber ein sanftes Lächeln nicht verkneifen. Selbst wenn er einfach nur Mitleid hatte oder einen anderen Grund weshalb er so lieb zu ihr war, mochte sie ihn. Es war lächerlich, aber ihre Gedanken konnte zum Glück noch keiner lesen. Das sie ein verknallter erbärmlicher Teenie war, wusste niemand außer sie selbst und dieses Geheimnis würde sie auf ewig in sich eingeschlossen behalten.
      Sie wusste warum sie sich so verhielt, weil sie einen Helden suchte und das war gegenüber Hawke nicht fair. Darum behielt sie ihre Gedanken für sich und niemals würden sie die harte Realität erblicken.
      Sie hatte keinen Helden verdient.
      "Wie geht es dir?" fragte sie ihn und blickte erstaunt zu ihm, als er das Thema England ansprach. Ob er wollte, das sie mitging? Nein, wahrscheinlich nicht. Sie war nur ebenso wie er nicht direkt so impulsiv gewesen im Gegensatz zu Faith und Arien.
      "Ich werde mitgehen. Ich habe selten Glück in Auslosungen oder Spielen. Jetzt habe ich einmal ´gewonnen´ wenn man es so nennen kann und der Dekan hat recht. Es wäre eine verpasste Chance und es würde dem Lebenslauf verdammt gut tun. Ich....habe keinen solchen Hintergrund wie Faith oder Arien. Ich kann also jede Hilfe gut gebrauchen. Und was ist mir dir?"
      Das sie eigentlich auch einfach nur von ihrem narzisstischen Freund fliehen wollte, konnte sie ja schlecht antworten.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith konnte sich ein leichtes Augenrollen nicht verkneifen, als sie beobachtete, wie Arien dem Mädchen, das ihn so offensichtlich anhimmelte, auch noch zuzwinkerte. Fremdscham durchzuckte sie. Es keine Eifersucht – eher eine Mischung aus Irritation und Verwunderung darüber, wie jemand so schamlos hinterherhecheln konnte.
      "Sind die immer so drauf?", fragte sie leise, mit einem Hauch von Belustigung und einer Spur Abneigung in der Stimme. Die hatte wirklich kein Fünkchen Selbstachtung mehr übrig, oder?
      Als sie dann anmerkte, dass sie schon ein bisschen neidisch auf Ariens Fähigkeit war, sich einfach ohne Anstehen einen Kaffee zu holen, folgte eine Antwort, die sie hätte vorausahnen können. Natürlich gehörte er zu den Besten. Ihr Vater erinnerte sie oft genug daran, dass sie es ihm gleichtun sollte. Faith war nicht schlecht, das wusste sie. Doch auf dem Weg zur Spitzenstudentin lag noch ein steiniger Pfad, und manchmal fragte sie sich, ob sie ihn überhaupt gehen wollte.
      "Das hätte ich mir denken können", meinte sie bloß, fast beiläufig, während sie gemeinsam das Unigebäude verließen.
      Draußen wehte ihnen die sanfte Frühlingsluft entgegen – wie eine zarte Erinnerung daran, dass es mehr gab als Paragraphen und Lernpläne. Vorsichtig nippte sie an ihrem viel zu heißen Kaffee und hoffte, sich dabei nicht die Zunge zu verbrennen. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte sie Ariens leicht irritierten Gesichtsausdruck – und ebenso den der umstehenden Studentinnen. Erst als sie den Becher senkte, begriff sie auch warum.
      "Oh wow", entfuhr es ihr leise, als ein Typ an ihnen vorbeizog, der offenbar seine gesamte Parfumflasche geleert hatte. Faith drehte sich kurz um – einfach aus Instinkt – und dann schnell wieder nach vorn, dorthin, wo ihr Kaffee angenehm duftete und keine Geruch Angriffe stattfanden.
      Ariens Stimme lenkte sie zurück in den Moment. Sie sah ihn an, kurz, aber mit einem weichen Ausdruck. "Ich bin's auch", sagte sie seufzend. Faith schminkte sich nicht viel – ein bisschen Betonung auf den Augen, mal ein Hauch Farbe auf den Lippen. Aber ihre Müdigkeit versuchte sie heute gar nicht erst zu verbergen.
      Nach einem kurzen Blick über die Schulter – niemand schien zuzuhören – sprach sie weiter, mit einer Stimme, die beiläufig wirken sollte und nicht nur auf Arien zurückzuführen waren, "Der Abend gestern hat wirklich Spaß gemacht. Aber ich bin viel zu spät ins Bett gekommen. Ich muss dort wohl mal wieder hin.", bei ihren letzten Worten konnte sie sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen. "Du siehst aber auch aus, als könnte dir ein bisschen Schlaf nicht schaden."

      Hawke Li-Winslow
      "Natürlich. So spät hätte ich dich nicht allein nach Hause gehen lassen, da draußen laufen ziemlich viele Spinner rum", sagte Hawke, beinahe beiläufig, doch mit einem leisen Nachklang von echter Sorge. Unwillkürlich dachte er an seine kleine Schwester. Wenn sie einmal alt genug war, allein unterwegs zu sein, würde er sich wünschen, dass jemand mit derselben Selbstverständlichkeit auf sie achtgab.
      Auch wenn es in dieser regnerischen Nacht vermutlich kaum jemand aus dem Haus gewagt hatte, war genau das der Punkt – weniger Leute bedeuteten auch weniger Zeugen, schlechtere Sicht, mehr Raum für Unvorhergesehenes. Aber verdammt, am frühen Morgen wollte er nicht an solche Szenarien denken.
      Er schob die Hände in die Hosentaschen und ließ den Blick beiläufig auf Jade ruhen. Sie war ein gutes Stück kleiner als er, bestimmt einen Kopf, wenn nicht mehr. Irgendwie niedlich.
      "Gut. Aber sag mal...", begann er auf ihre Frage hin, und glitt dann direkt ins Thema, das ihn seit Tagen immer wieder beschäftigte: der England-Ausflug.
      Zwei der anderen Studierenden hatten längst zugesagt. Nur er und Jade hatten sich bisher zurückgehalten, wobei er nun erfuhr, dass sie sich entschieden hatte, mitzugehen. Natürlich hatte sie recht: So eine Chance bekam man nicht zweimal. Und ja, es würde gut auf dem Lebenslauf aussehen. Verdammt. Er war jetzt der Letzte, der noch zögerte.
      "Da hast du recht", murmelte er, wirkte dabei abwesend, während sich seine Gedanken schon wieder mit dem Konflikt befassten: Wie sollte er das seiner Mutter beibringen? Und konnte er es sich leisten, in dieser Phase einfach zu verschwinden?
      "Ich weiß es noch nicht", sagte er schließlich, sah dabei nicht sie, sondern irgendwohin in die Ferne. "Ich muss vorher noch ein paar Dinge klären."
      Dann schüttelte er innerlich den Kopf, als wolle er die Schwere loswerden. "Wann beginnt deine erste Vorlesung? Gleich schon?", fragte er mit einem leichten Lächeln, froh um jedes Thema, das nicht seine zerrissenen Gedanken betraf.
    • Arien Darkbloom

      Bei Faiths Kommentar blickte er noch einmal zurück und entdeckte einige Mädels die ihm zuwinkten. Ganz der allzeit beliebte Student schenkte er ihnen natürlich ein lächeln, erntete freudige Reaktionen und widmete sich wieder seiner aktuellen Begleitung, mit der er aus der Unikantine schlenderte. "Wieso? Eifersüchtig?", entgegnete er amüsiert, sich das Necken dann doch nicht ganz verkneifen können. "Nicht aufgefallen, das ich extrem beliebt bin?" grinsend beugte er sich zu ihr. "Der Vorzeigestudent mit dem strahlenden Lächeln. Man muss mich einfach lieben." Natürlich sagte er das bewusst, schließlich war Faith hier die einzige die sein Geheimnis kannte und das dieses Ich an der Uni dem absoluten Gegenteil seines eigentlichen Naturells entsprach. Der Hellhaarige verfluchte sich ja selbst für dieses Verhalten und er hasste die komplette Uni samt Belegschaft. Ihn interessierte es nicht die Bohne, dass die Leute hier auf ihn standen, nur weil er gut aussah und es interessierte ihn noch weniger das die Dozenten ihn liebten, weil er Topnoten hatte. Das einzige das ihn interessierte war die Wette mit seinem Alten und das erforderte eben ein absolut perfektes Auftreten. Er musste diese scheiß Wette gewinnen, damit ihm die Türen offen standen und er ohne gleich seine komplette Familie zu verlieren, das Leben leben zu können das er wollte. Der Traum seiner eigenen Bar.
      Seine Gedanken wurden direkt von einem Typen unterbrochen, der so krass nach Parfüm stank, dass Arien den Drang unterdrücken musste dem Sack nicht seinen Kaffeebecher an den Kopf zu werfen. Das war zu früh für ihn am Morgen. Er war ohnehin ein elender Morgenmuffel und Arien konnte so viel Input da echt nicht gebrauchen.
      Als er anmerkte, dass die Kleine echt müde aussah, um sich von dieser Duftwolke abzulenken, hatte sie ihm dies auch direkt gestanden. Nun wozu hätte sie auch lügen sollen? Es war ja keine Beleidigung sondern nur eine Feststellung. Er nickte Faith zu damit sie beide sich nebenher in Bewegung setzten. Er hatte bald seine erste Stunde und auch wenn er absolut keine Lust hatte, konnte sich der Hellhaarige nicht erlauben zu spät zu kommen. Sah scheiße aus in seiner Akte der Perfektion. Gemeinsam schlenderte er also mit ihr über den Campus. Warum lag die Cafeteria eigentlich so weit vom Hauptgebäude entfernt?
      Als Faith sich umsah und dann von ihrem gemeinsamen Abend sprach, grinste Arien lediglich amüsiert. Er würde sich hüten hier darüber zu sprechen, aber sein Gesichtsausdruck sollte ihr Antwort genug sein. Hinsichtlich seiner Müdigkeit winkte er lässig ab. "Ich bin es gewohnt." sein Blick wanderte zu ihr hinunter. Sie war ja doch ein gutes Stück kleiner als er, das war ihr mit den hohen Schuhen von gestern gar nicht aufgefallen.
      "Wo ist dein Hörsaal? Ich bring dich hin."

      Jade Rhea Summer

      Als sie Hawke das so sagen hörte, wurde ihr ganz warm und unbewusst schlug ihr Herz gleich viel schneller. Wirklich wie ein liebeskranker Teenager, es war zum verrückt werden. Jade war erstaunt, dass sie überhaupt noch so denken konnte, versteckte sie sich sonst in ihre Bücher über Helden, Feen und dem Guten das immer über das Böse siegte. Hawke war kein Prinz und schon gar nicht ein Held. Er war dieser düstere Rebell, mit dem Herzen aus Gold, für den sich das Mädchen am Ende doch entschied und nicht für den Prinzen, der in Wahrheit der Böse war. Ein wenig verträumt blickte Jade vor sich hin. Vielleicht taten ihr die vielen Schmerzmittel nicht gut. "Danke, das ist wirklich lieb.", gab sie sanft von sich und lief ein wenig neben ihm her. Sie wusste gar nicht wohin sie gingen, aber sie folgte ihm. Als er sie so ansah und plötzlich eine Frage stellen wollte, sah sie zu ihm hoch. Schon wieder schlug ihr Herz schneller.
      Verdammt nochmal!
      Der Schwarzhaarige fragte sie wegen England und als sie ihm eine Antwort gab, wirkte er nachdenklich. Genauso nachdenklich wie in dem Moment als sie diese Botschaft über den Ausflug erhalten hatten. Nein, es war nicht nur nachdenklich. War es Sorge? Sie legte den Kopf leicht schief, während ihr Pony dabei ein wenig in ihr Gesicht fiel. Sie pustete die scharlachrote Haarsträhne aus ihrem Gesicht. "Du kannst nicht einfach gehen, nicht wahr? Ist es weil du dir Sorgen um jemanden machst?", fragte sie liebevoll, bis sie bemerkte, dass sie sich da in etwas einmischte, dass sie überhaupt nichts anging!
      "Entschuldige. Mich geht das überhaupt nichts an." kam es schnell von ihr und sie hob fast abwehrend die Hände. Hawke würde sie nicht schlagen, da war sie fast, wenn auch nicht ganz sicher - Gott war sie kaputt - aber es war ein Instinkt, den sie nicht unterdrücken konnte. Erst seine sanfte Stimme und dieses leichte Lächeln ließ sie wieder aufblicken.
      Was für ein schönes Lächeln ...
      "Eigentlich ja, aber....unser Dozent ist offenbar vom Fahrrad gefallen und nun entfällt die erste Lesung. Ich hab also doch mehr Zeit als erwartet und du?"


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Mit einem amüsierten Schmunzeln hob Faith eine Augenbraue und ließ ihren Blick gemächlich von Ariens Sneakers bis zu seinen sorgfältig gestylten Haaren wandern. "Eifersüchtig? Worauf denn bitte?", fragte sie betont unschuldig – doch ihr Tonfall verriet das schelmische Grinsen, das ihre Lippen umspielte.
      "Natürlich kann man gar nicht anders, als dem Star der Uni sabbernd hinterherzugaffen", fügte sie neckend hinzu und rollte dabei leicht mit den Augen. Ihre Stimme tropfte geradezu vor ironischer Süße. Arien hatte diese Reaktion provoziert – und Faith war nie jemand gewesen, der sich in der Uni groß zurückhielt, zumindest nicht im Austausch mit Lydia und nun auch Arien.
      Solche Mädchen wie die aus der Cafeteria würde sie nie verstehen. Hätten sie eine Chance, würden sie vermutlich ein ganzes Kapitel ihrer Autobiografie mit Arien füllen – stolz, als hätten sie olympisches Gold gewonnen. Für Faith war das nichts. Sie wollte mehr sein als irgendeine Eroberung. Und ganz ehrlich: für Liebelei hatte sie derzeit ohnehin weder Zeit noch Nerven. Das Studium allein war herausfordernd genug – vor allem mit einem Vater, der ständig Höchstleistungen erwartete. Selbst wenn sie wollte, sie konnte sich nicht in dem Maße auf das Jurastudium stürzen, wie er es sich für sie wünschte. Bessergesagt forderte. Und manchmal war sie sich nicht mal sicher, ob sie das überhaupt wollte.
      Der Hauch von Frühling, der sie umspielte, wurde kurz gestört von einer Duftwolke, die sie die Nase rümpfen ließ. Glücklicherweise hatten weder sie noch Arien einen Sinn darin gesehen, stehen zu bleiben – und der Übeltäter entfernte sich ebenso.
      Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, als ihre Gedanken an den gestrigen Abend zurückkehrten. Er war überraschend schön gewesen – besser als sie es erwartet hatte. Dass Arien als Barkeeper auftauchte, hätte sie nie im Leben gedacht. Und doch hatte es gepasst. Selbst Lydia, die später mit einem Fremden verschwand – die sie heute übrigens noch gar nicht gesehen hatte – hatte den Abend genossen. Noch lieber dachte sie an die Motorradfahrt zurück. Trotz der eisigen Kälte war es aufregend gewesen. Frei. Schnell. Und irgendwie… lebendig.
      "Kann ich mir vorstellen", entgegnete sie auf seine Bemerkung und stellte sich vor, wie er regelmäßig in diesen Schichten arbeitete. Irgendwie passte es zu ihm – dieses Leben zwischen Zielstrebigkeit und Rebellion.
      "Ich muss in die Bibliothek", fügte sie schließlich hinzu, als sie über den Campus liefen "Meine Vorlesung ist erst später, aber ich muss noch lernen und… dieses Rechts-irgendwas schreiben. Fängt deine gleich an?"

      Hawke Li-Winslow
      Für einen Moment war er sprachlos. Jades Worte hatten ihn auf dem falschen Fuß erwischt, und er blickte sie überrascht an, bevor sein Blick rasch wieder nach vorn glitt. War es wirklich so offensichtlich gewesen? Verdammt. Er war so tief in Gedanken versunken – bei seiner Familie, der Verantwortung, dem ständigen Druck – dass er es selbst kaum bemerkt hatte.
      Zum Glück reagierte Jade schneller, als er eine Antwort finden konnte. Vielleicht war es auch besser so. Denn so hart es klingen mochte, sie hatte recht: Das war seine Sache. Und niemand, außer ein paar alten Freunden aus Kindertagen, wusste, wie es wirklich um seine Familie stand. Die finanziellen Sorgen, das Gefühl der Unzulänglichkeit, das ihn plagte, weil er studierte statt Vollzeit zu arbeiten… Es nagte ständig an ihm.
      Seine Mutter hatte ihn geradezu überredet, wenigstens das zu lernen, was ihm Freude bereitete – aber der fade Beigeschmack blieb. Selbst jetzt noch trug er das schlechte Gewissen mit sich herum wie einen zu schweren Rucksack.
      "Kein Ding, aber so ist es nicht", sagte er schließlich mit gespielter Leichtigkeit, als wäre alles völlig normal. Die Lüge schob er beiläufig hinterher. "Ich jobbe nebenbei und… na ja, ich weiß noch nicht, ob die eine Weile auf mich verzichten können.".
      Sein Ton klang locker, beinahe gleichgültig, doch innerlich arbeitete es weiter in ihm. Umso schneller lenkte er das Gespräch um.
      "Vom Fahrrad?", wiederholte er überrascht. "Das kommt unerwartet", fügte er noch an, die Mundwinkel leicht angehoben. "Ich hab noch etwa eine Stunde und wollte vorher noch kurz in die Bibliothek. Lass mich raten, du wohl auch?"