Adopted by a witch [yuyuumyn&Royal]

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    • Adopted by a witch [yuyuumyn&Royal]

      Adopted by a Witch - Link zur Vorstellung

      Die Geschichte der Hexe Xyla, wie sie den jungen Drachenwandler Ryuki und später Kitsune Z aufsammelt, fest entschlossen diese beiden Kinder aufzuziehen und ihnen ein neues Leben zu ermöglichen... ob das gut gehen wird? Wir werden sehen!
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      @yuyuumyn
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    • Es war ein weiterer kühler morgen mitten im Herbst. Die Sonne ging gerade auf und die letzten gold-braunen Blätter fielen von den Ästen der alten Bäumen und kündigten somit den bevorstehenden kalten und erbarmungslosen Winter an.

      Trotz der frühen Morgenstunden, ging es auf dem Marktplatz eines kleines Dorfes schon ziemlich zur Sache. Die Händler richteten ihre Stände her und bewarben laut rufend ihre Waren, um die Aufmerksamkeit potenzieller Käufer auf sich zu lenken. Es war ein Tag wie jeder andere auch...

      Aus einer dunklen Gasse heraus, beobachtete ein kleiner Junge hungrig einen dieser Handelsstände. Beim Anblick der großen grünen Apfel, begann sein Magen zu knurren und erinnerte ihn schmerzlich daran, dass er schon seit mehr als zwei Tagen nichts mehr gegessen hatte. Er war erschöpft, müde und kraftlos.
      Er zögerte, biss sich leicht auf seine Unterlippe und zog sich dann die Kapuze seinen Umhangs tiefer in sein Gesicht, um seine Drachenhörner so gut es ging vor den Menschen zu verstecken, ehe er langsam aus der Gasse trat und unauffällig in die Richtung des Standes ging.

      Ihm wurde von den Dorfbewohnern kaum Beachtung geschenkt. Und die, die ihn kurz beachtet, blickten ihn mit Feindseligkeit und Verachtung in den Augen an. "Schon wieder so ein weiterer wertloser Straßenbengel! Die sind schlimmer als die dreckigen Ratten in den Gassen!", fluchte ein älterer Mann, ging dann aber nur kopfschüttelnd weiter.

      Ryuki zuckte über die harschen Worte des Mannes zusammen und nahm sich diese mehr zu Herzen, als er sollte. Er versuchte seine Gefühle runter zu schlucken und näherte sich den Stand mit den großen grünen Äpfeln noch ein wenig mehr.
      Bevor der Händler reagieren konnte, schnappte er sich einen der Äpfel und rannte davon. Hinter sich konnte er die wütenden Rufe des fetten Händlers hören, welcher ihn dazu aufforderte sofort stehen zu bleiben.
      Doch Ryuki dachte ger nicht erst daran stehen zu bleiben und rannte so schnell wie er nur konnte mit seiner Beute weiter. Doch leider war das Glück nicht auf seiner Seite und wurde im nächsten Moment von dem Sohn des Bürgermeisters an der Kapuze seines Umhangs gepackt. "Stehen geblieben, du diebische Ratte!", fauchte der junge Mann mit langen schwarzen Haaren, der in seinen 20ern zu sein schien.

      Schnell sammelte sich eine Menge von Schaulustigen um die beiden herum und beobachteten die Szene fast schon amüsiert und gehässig.
      Ryuki versuchte sich loszureißen, doch hatte gegen den festen Griff des jungen Mannes, welcher mittlerweile ein hässliches Grinsen aufgesetzt hatte, keine Chance. "Weißt du denn nicht, was wir hier mit Dieben machen? Wir hacken ihnen die Hände ab! Aber zuerst..", fuhr er fort und riss dem jungen Drachenwandler die Kapuze komplett vom Kopf, um sein Gesicht zu enthüllen.

      So schnell wie sein Grinsen gekommen war, war dieses nun auch schon wieder verschwunden. Auch die Schaulustigen, hatten ihre Augen vor Entsetzen geweitet und ein kollektives Keuchen ging durch die Masse. Alle Augen waren auf das ungewöhnliche Aussehen und vor allem auf die Drachenhörner fixiert.
      "Ein Monster...", sprach der junge Mann leise, aber dennoch so laut, dass alle Anwesenden ihn hören konnten.

      Ryuki's Herz begann vor Furcht schneller zu schlagen und seine Hände zitterten vor Panik. All seine Instinkte schrien ihn an, dass er flüchten muss. Er musste hier weg...er musste aus diesem Dorf fliehen und durfte niemals wieder zurückkehren.
      Er fasste all seinen Mut zusammen und biss dem jungen Mann mit seine scharfen Zähnen in die Hand, welcher laut fluchend von der Kapuze seinen Umhangs abließ und die blutige Bisswunde betrachtete.
      Der junge Drachenwandler nutzte diesen Moment und ergriff die Flucht, woraufhin ihm der junge Mann wütend hinterher brüllte. "Komm sofort zurück, du kleiner Bastard!"

      Aber Ryuki war flink und hatte bereits einen ziemlichen Vorsprung. Einer der Dorfbewohnern drehte sich zu dem jungen Mann und fragte besorgt: "Was machen wir jetzt, James?"
      Der junge Mann namens James drehte sich entschlossen und mit einem dunklen Glitzern in den Augen zu den Dorfbewohnern um. "Unser Dorf ist nicht sicher, solange diese Bestie auf freien Fuß ist! Ich sage, dass wir dieses Monster töten!"
      Die Dorfbewohnern nickten zustimmen und riefen Zustimmungen aus, während einige sich bereits Fackeln und Mistgabeln schnappten.

      Auf James Lippen breitete sich ein boshaftes Grinsen aus. "Mir nach Männer! Wir dürfen es nicht entkommen lassen!", rief er, zog sein Gewehr und gemeinsam verfolgten sie den jungen Drachenwandler, welcher panisch in den dunklen Wald in der Nähe des Dorfes hinein rannte.

      Die Rufe hinter ihm wurden immer lauter, was bedeutete, dass sie sich ihm schnell näherten. Ein lauter Knall ließ Ryuki heftig zusammen zucken und schreckte auch die Vögel in den Bäumen, sowie die anderen Waldbewohner auf.
      Ein weiterer lauter Knall folgte und dann...ein unbeschreiblicher Schmerz in Ryuki's Schulter. Er schrie markerschütternd auf und fiel im nächsten Moment mit Tränen in den Augen auf den Waldboden.

      Er schluchzte und wimmerte vor Schmerz und schaffte es nicht, wieder aufzustehen und weiter zu rennen. Es war der Moment, in welchem er das dunkle Lachen des jungen Mannes hinter sich hörte, welcher sein Gewehr wieder direkt auf ihn richtete.

      "Sag Lebwohl, du kleine Bestie..."
    • „Mhmmm... mutig von euch, wirklich mutig. Meinen Wald nicht nur zu betreten, sondern auch mit diesen gefährlichen Dingern herum zu schießen... wirklich mutig.“, unterbrach eine amüsierte Stimme die angespannte Situation, eine Stimme die von allen Seiten hätte kommen können, und bevor der junge Mann seine Waffe auf den kleinen Jungen abschießen konnte, schritt die Hexe der goldenen Nacht durch die dunklen Bäume und hinter ihr bauten sich zahlreiche Schatten auf, Hände die nicht nur nach den Waffen der Dorfbewohner griffen, sondern diese sogleich in zwei zerbrachen, als wären es nur gewöhnliche Stöcke und keine Todesmaschinen aus Schießpulver und Stahl.
      Gleichzeitig verdunkelte sich der Himmel und eine Kuppel aus Dunkelheit schien sich über den Wald zu legen, während Xyla immer näher schritt, nur um neben dem jungen Drachenwandler stehen zu bleiben, jedoch würdigte sie ihn keines Blickes.
      Stattdessen war ihr Blick und das dazugehörige Grinsen auf die nun panischen und zitternden Dorfbewohner gerichtete, welche wie festgefroren da standen, auf ihre kaputten Waffen starrten und wohl noch nicht so recht realisiert hatten, was hier gerade geschah.
      „... wie? Habt ihr etwa schon vergessen, dass dieser Wald mir gehört?“, durchbrach die Stimme der Hexe die Stille und sie legte den Hand an die Wange, als müsste sie sich über das Gedächtnis der Menschen Sorgen machen.
      „Mhmmm... wird wohl Zeit, dass man sich wieder am mich erinnert... mit einem Exempel vielleicht?“, leuchteten die Augen der Hexe auf und ihr Blick richtete sich auf den jungen Mann, der das Kind unermüdlich gejagt hatte und sie hob bereits die Hand, im Begriff mit einer Schattenhand nach diesem zu greifen und ihn an Ort und Stelle zu erwürgen – oder was auch immer sie in diesem Moment vor hatte, verraten würde sie es sicherlich nicht – doch schon warf sich der Schwarzhaarige Mann auf die Knie und bettelte um sein Leben, wie es auch die anderen Dorfbewohner taten, die nicht bereits die Flucht angetreten hatten und Xyla hinderte keinen einzigen daran.
      B-bitte, oh große Hexe... wir wussten ja nicht... das Biest ist einfach... b-bitte verschone uns!“, schmerzte das Wimmern geradezu in ihren Ohren.
      „Hm... ich weiß nicht... ein solches Vergehen schreit doch nach einer Wiedergutmachung, meinst du nicht?“, schien die Hexe darüber nachzudenken und legte den Kopf schief, die Hand wieder zurück gezogen, bevor ihr Blick sich letztendlich auf den verletzten Drachenwandler legte.
      „... vielleicht behalte ich auch einfach den da?“, legte sich wieder ein breites Grinsen auf ihre Lippen und der Sohn des Bürgermeisters zögerte keine einzige Sekunde lang.
      J... ja! Behalte das Biest nur! N-nimm es! Nur bitte.... t-tue uns nichts, wir wollten nur-“, bedeutete Xyla ihm mit einer Geste zu verstummen, sie brauchte die ganze Geschichte nicht. In ihren Augen war es sowieso offensichtlich, sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es einen guten Grund gab einen Drachenwandler zu jagen, vor allem einen so jungen.
      Waren diese nicht eigentlich friedliche Wesen? Wo war seine Familie abgeblieben?
      „... worauf wartest du dann?“, warf die Hexe dem jungen Mann einen weiteren Blick zu, als dieser nach einigen Momenten der Stille immer noch da war, „... buh.“, erlaubte sie sich letztendlich breit grinsend einen Scherz und sah dabei zu, wie auch die restlichen Dorfbewohner bei ihren Worten erschraken, ihre Beine in die Hand nahmen und flohen... naja, fast alle, manche waren auch vor Angst ohnmächtig geworden.
      Nun, sie würden einfach an der Grenze des Waldes wieder aufwachen und sich daran erinnern, sich von ihrem Wald fern zu halten.

      Nachdem die Situation geklärt war und sich die Schatten der Hexe wieder zurück zogen, machte diese bereits Anstalten wieder zu gehen, als sie sich an den Jungen erinnerte und sich wieder zu diesem umdrehte.
      Einige Momente starrte sie ihn nur an, ihr Blick wanderte über die Wunde und das schmerzverzerrte Gesicht des Jungen – womöglich hatte sie ihm auch noch Angst gemacht, sie würde es ihm zumindest nicht übel nehmen – bevor sie sich in die Hocke begab und ihre Hand über die Wunde schweben ließ.
      „Das könnte kurz ein bisschen stechen...“, murmelte sie, als ihre Hand aufleuchtete und sich die Verletzung des Drachenwandlers langsam wieder schloss. Heilmagie war nun wirklich nicht ihre Spezialität, eine Narbe würde zurück bleiben, aber sie konnte den Jungen ja auch nicht einfach da liegen lassen, nicht wahr?
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    • Mit weit aufgerissen Augen, hatte Ryuki beobachtet, wie die Hexe durch ihre Schattenhände die gefährlichen Waffen der Dorfbewohnern mit Leichtigkeit zerbrach und diese anschließend auch aus dem Wald vertrieb. Keiner von ihnen hatte es sich gewagt, sich mit der Hexe anzulegen oder sich ihr zu widersetzen. Selbst der eben noch so mutige Sohn des Bürgermeisters nicht.

      Noch immer strömten viele Tränen über Ryuki's schmale Wangen und sein Herz schlug vor Angst nur noch schneller in seiner Brust. Seine Schulter schmerzte sehr, doch es dieser Schmerz war kein Vergleich dazu, was er an dem Tag empfunden hat, an dem sein Stamm von dem Orden der Silbernen Ketten angegriffen wurde und seinen Eltern (und viele anderen) das Leben genommen wurde.

      Als die Hexe sich ihm näherte und er nur sah, wie sie ihre Hand hob, entblößte er seine Reißzähne und knurrte sie drohend an, um sie auf Abstand zu halten. Doch als dies war nur eine Fassade, um seine Angst und seine Furcht vor der Hexe zu verstecken. Keine echte Aggressivität oder Feindseligkeit.
      Die Wunde an seiner Schulter schloss sich durch den Heilungszauber langsam wieder, sodass Ryuki's Knurren verstummte und ein leises Wimmern seinen Lippen entwich.

      Kaum war die Wunde komplett verschlossen, wich Ryuki, noch immer auf den Waldboden, von der Hexe weg und er beobachtete aufmerksam jede ihrer Bewegungen. In seinen blauen Augen lag noch immer Angst und Misstrauen, aber er knurrte sie nicht mehr an.
      Das alles hier...nur wegen einem Apfel, den er geklaut hatte. Aber was ist ihm auch für eine andere Wahl geblieben? So hungrig wie er ist...

      Genau in dem Moment, begann sein Magen wie auf Kommando wieder laut zu knurren. Er errötete und wandte beschämt seinen Blick von der Hexe ab. Man konnte nur erahnen, wie viel Gewicht er in den letzen Wochen verloren haben muss...und wie lange sein noch im Wachstum befindender Körper das alles noch mitmachen würde.
      Mit dem Ärmel seines Oberteils wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht, während sein Schluchzen langsam komplett verstummte und er betete, dass die Hexe keine Drachenschweif-Suppe aus ihm machen würde.
    • Kurz hielt die Hexe inne, als der kleine Junge seine Zähne in ihre Richtung fletschte und sie sogar anknurrte, doch anstatt sie aufzuhalten, trieb ihr diese Geste ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht und sie streckte weiter ohne Furcht ihre Hand nach dem jungen Drachenwandler aus. Soll er sie doch beißen. Sie bezweifelte, dass diese kleinen Zähnchen groß weh tun würden.
      Sie hatte schon mit schlimmerem zu tun gehabt.
      „Mhmm... siehst du? War doch nur halb so schlimm.“, kommentierte die Hexe belustigt, als die Wunde sich wieder schloss und der Junge daraufhin ein Wimmern von sich gab.
      Xyla setzte sich wieder auf und gerade als sie anfing darüber nachzudenken, was sie mit dem Jungen nun anstellen sollte – es erschien ihr keine gute Idee den jungen Drachenwandler jetzt schon wieder raus zu schmeißen – knurrte sein Magen wie auf Kommando und entlockte der Hexe einen weiteren, amüsierten Laut.
      „Nah, sieht wohl so aus, als hätte da jemand Hunger?“, gab sie das offensichtlichste von sich und erst jetzt fiel ihr auf, wie unglaublich dünn dieser Junge war. Eigentlich sollten sich Drachenwandler doch gut um ihre Jungen kümmern, was war da draußen denn bitteschön los?
      Nicht, dass sie sich groß für die Dinge, die außerhalb ihres Waldes passierten, interessierte, aber die Drachenwandler, denen sie in ihrem langen Leben begegnet war, waren immer nett zu ihr gewesen.
      Wurde wohl langsam mal Zeit, dass sie das wieder zurück zahlte, was?
      „Wie wärs, ich gebe dir eine Mahlzeit und du kannst mir erklären warum ein Drachenwandler gejagt und als Biest bezeichnet wird?“, schlug sie letztendlich vor und bot dem Jungen ihre Hand an.
      Wahrscheinlich sollte sie ihn trösten. Oder ihm irgendwie zeigen, dass er keine Angst vor ihr zu haben brauchte. Aber Xyla erschien eine warme Mahlzeit deutlich effektiver. Auch wenn sie keine gute Köchin war.
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    • Ryuki blickte überrascht auf, als er die nächsten Worte der Hexe hörte. Sie wollte...ihm wirklich helfen?
      Er wischte sich die letzten Tränen aus den Augen und blickte noch stark zögernd auf ihre Hand. Unsicher, ob er ihr Vertrauen konnte oder nicht.
      Aber was blieb ihm sonst auch für eine andere Wahl? - seitdem er sein zu Hause, sein Stamm und seine Familie verloren hat, ist sie die erste Person gewesen, die ihm freundlich entgegen trat. Ganz davon abgesehen, dass sie die Wunde an seiner Schulter geheilt hat ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten.

      Sein Magen begann in dem Moment wieder laut zu knurren. Es war fast so, als würde dieser Ryuki anflehen das Angebot der Hexe anzunehmen, damit er nach Wochen endlich wieder eine vernünftige Mahlzeit bekam.
      Ryuki's Blick wanderte wieder zu dem Gesicht der Hexe und seine blauen Augen suchten ihre Mimik aufmerksam nach ein noch so kleines Anzeichen von Feindseligkeit oder Verrat ab.

      Doch ganz egal wie sehr Ryuki sich auch bemühte, eins dieser negativen Anzeichen zu entdecken...er fand einfach keins.
      Entweder war die Hexe eine sehr gute Schauspielerin...oder sie meinte es wirklich ernst mit ihm und wollte ihm wirklich helfen.
      Der junge Drachenwandler biss sich leicht auf seine Unterlippe. Noch immer leicht verunsichert, aber nicht mehr so stark wie zuvor.

      Um sie herum herrschte komplette Stille. Kein Vogel zwitscherte und kein Hase huschte durchs Unterholz. Es war fast so, als hätte der Wald selbst die Luft angehalten.
      Ryuki blickte wieder auf die Hand der Hexe.
      Schlussendlich hob er seine noch immer leicht zitternde Hand und legte diese in die der Hexe. Seine leise Stimme unterbrach dann die Stille, die um sie herum entstanden ist.
      "D-du...machst aber keine D-drachenschweif-Suppe aus mir...oder?", stotterte er leise, senkte seinen Blick und wagte es nicht ihr bei der Frage in die Augen zu blicken.
    • Trotz dem offensichtlichen Zögerns des Jungen hielt Xyla weiterhin ihre Hand ausgestreckt, geduldig auf eine Antwort wartend. Das Lächeln wurde zu einem amüsierten Grinsen, als der Magen des jungen Drachenwandlers ein - in ihren Augen - sehr gutes Argument machte um ihr Angebot anzunehmen und als sie letztendlich seine Hand in ihrer fühlte, fasste sie die kleine Hand des Jungen etwas fester um den Deal damit zu bestätigen.
      "... hm? Drachenschweifsuppe?", hob Xyla fragend eine Augenbraue, ehe sie verstand worauf er hinaus wollte und nicht anders konnte als über diese Frage zu lachen.
      Selbst wenn noch etwas an dem Jungen dran wäre, würde sie ihn doch nicht zu einer Suppe verarbeiten! Sie bezweifelte stark, dass junge Drachenwandler gut schmeckten.
      "Nicht doch, nicht doch. Ich gehöre nicht zu den Hexen, die Kinder essen.", versicherte sie ihm mit einem breiten Grinsen und wischte sich ein paar Lachtränen aus dem Gesicht, ehe sie die Hand des Jungen wieder nahm und ihm bedeutete ihr durch den Wald zu folgen, während sich aus den Schatten heraus eine Lampe in ihrer anderen Hand materalisierte.
      Als sie ihren Weg durch den Unterholz bestritten, wirkte es, als würde jegliches Gestrüpp dem feinen Licht der Lampe weichen, selbst Äste und sogar Bäume bogen sich zur Seite, Steine hüpften und rollten aus dem Weg, damit ja niemand auf sie trat und schon bald hatten die beiden den tiefsten Punkt des Waldes erreicht.
      Obwohl eine dicke Schicht an Ästen und Blättern nur spärlich den blauen Himmel hindurch ließen, war die kleine Lichtung alles andere als dunkel, als würde der Sonne die wenigen Lücken in der Baumkrone reichen, damit sich ihre Sonnenstrahlen hindurch kämpfen konnten.
      Das Zentrum der Lichtung bildete ein kleines, aus Holz erbautes Häuschen mit angrenzendem Garten und einem eingezäunten Platz, auf dem fröhliche Hühner herum spazierten, Samen und anderes Futter vom Boden pickten.
      Als sie das Häuschen schon fast erreicht hatten, ließ Xyla die Hand des Jungen los und mit einer schlichten Handbewegung öffnete sich die Tür willkommenheißend.
      "Nur herein spaziert. Es ist etwas unaufgeräumt, ich hoffe das stört dich nicht?", betrat sie das Häuschen zuerst, ohne darauf zu achten, ob der junge Drachenwandler ihr überhaupt folgte.
      Xyla durchwanderte den Flur, in welchem sich zahlreiche Bücher stapelten, während nur wenige - zwei, um genau zu sein - Mäntel an einem Kleiderständer hangen.
      Die Füße der Hexe führten sie sogleich in die Küche, welche stark nach Kräutern roch.
      Ein großer Kessel hing bereits über der Feuerstelle und das Wasser war noch sauber vom heutigen Morgen, also beschloss Xyla sogleich mit der Suppe zu beginnen.
      "Irgendwelche Wünsche?", erkundigte sie sich mit einem Lächeln, begann jedoch sogleich mit Schattenhänden Gemüse klein zu schneiden, während ein weiteres Paar ein Feuer unter dem Kessel entfache.
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    • Ryuki atmete erleichtert auf, als die Hexe ihm versicherte, dass sie keine Drachenschweif-Suppe aus ihm zubereiten würde. Er hatte selbst kaum gemerkt, dass er seinen Atem bis zu ihrer Antwort vor Anspannung angehalten hatte.
      Als sie ihn durch den Wald führte, lief er schweigend neben ihr her und beobachtete beeindruckt, wie sich Bäume und Äste zur Seite Bogen und sogar Steine aus dem Weg rollten. Sowas hatte er wirklich noch nie gesehen...aber um ehrlich zu sein, ist er auch noch nie einer Hexe begegnet.

      Schließlich erreichten sie eine Lichtung auf der eine kleine Holzhütte mit angrenzenden Garten stand. Bis jetzt hatte den Wald für einschüchternd und gruselig empfunden...aber die Lichtung überzeugte ihn vom Gegenteil. Für einen Moment beobachtete er die Hühner und konnte einfach nicht anders, als ein wenig zu lächeln.
      Als sie die Holzhütte betraten, folgte er ihr weiterhin schweigend und blickte sich dabei aber neugierig ein wenig um. Das waren wirklich eine Menge Bücher...ob er später wohl Mal in eins hineinschauen durfte?

      In der Küche angekommen, wusste Yuki nicht wirklich wohin mit sich, weshalb er einfach mitten im Raum stand. Er beobachtete, wie ein Paar Hände aus Schatten damit begannen Gemüse klein zu schneiden und ein weiteres Paar ein Feuer unter dem Kessel entfachte.
      Bescheiden wie der junge Drachenwandler nun einmal war, schüttelte auf auf die Frage, ob er irgendwelche Wünsche hätte, nur leicht seinen Kopf. Sein Hunger war mittlerweile so stark, dass sein Magen bereits ziemlich schmerzte. Er würde gerade so ziemlich alles essen, was man ihm vorsetzt...bis auf eine Sache: Fleisch.

      Sein Stamm lebte nach dem Vorsatz, dass jedes Leben heilig ist...egal wie klein es auch sein mag. Daher gab es doch eine Sache, die er nicht aß und auch niemals essen wollte.
      "Ich...ich esse nur kein Fleisch. Es tut mir leid, wenn ich Ihnen Umstände mache...", sagte er leise und wurde vor Verlegenheit ein wenig rot im Gesicht.

      Natürlich hatte nicht jeder Drachenwandler-Stamm diesen Vorsatz. Die verschiedenen Stämme hatten im allgemeinen meistens ziemlich unterschiedliche Ansichten von der Welt, verschiedene Kulturen, sowie jeweils einen anderen Glauben.
      Yuki's Stamm ist...oder viel mehr war...wohl mit der friedlichste von allen Drachenwandler-Stämmen gewesen. Sie lebten zurückgezogen und hatten niemals jemanden Leid angetan.
      Das war vielleicht auch der Grund dafür gewesen, warum der Ordnen der Silbernen Ketten ausgerechnet seinen Stamm angegriffen hat...sie haben erwarten, dass sie mit dem friedlichsten Stamm ein leichtes Spiel haben werden...und genauso ist es schlussendlich auch leider gekommen.

      Unter seinem Umhang holte er den Apfel hervor, welchen er vor nicht einmal einer Stunde auf dem Marktplatz des Dorfes geklaut hatte und hielt diesen mit meinen Händen fest.
      Unweigerlich machten sich bitterliche Schuldgefühle in ihm breit. Er hätte diesen Apfel niemals stehlen dürfen..., ob seine Eltern jetzt enttäuscht von ihm waren?...aber was hat für eine anderen Wahl gehabt? Er hatte kein Geld und wäre andernfalls vermutlich verhungert, wenn die Hexe ihn nicht gerettet hätte...

      Ein leises Schniefen entwich ihm, während er den Apfel gegen seine Brust drückte, als wäre dieser das Wertvollste das er besitzt.
    • „Du hast Glück, heute habe ich kein Huhn geschlachtet.“, erwiderte die Hexe mit einem breiten Grinsen, als der junge Drachenwandler sich kein Fleisch in der Suppe wünschte. Xyla selber hatte natürlich nichts dagegen Fleisch zu essen, es war nun einmal der Lauf der Dinge. Größere Tiere fraßen kleinere Tiere, warum sollten sie es dann nicht tun?
      Aber sie bestand auch nicht darauf und ihre Hühner wurden auch nur geschlachtet, wenn sie alt wurden. Dennoch ließ sie ihren Blick über den ausgedürrten Jungen schweifen. Waren Drachen nicht eigentlich bekannt dafür, Fleisch zu essen? War das nur die Eigenart des Jungen?
      Eine Augenbraue hob sich, als sie Zeuge davon wurde, wie Ryuki den Apfel hervor holte und an seine Brust drückte, als wäre es ein großer Schatz, während die Schattenhände weiterhin geschickt an der Suppe arbeiteten. Vielleicht war das auch einer der Gründe, wieso sie keine gute Köchin war: sie passte nur selten auf was ihre Schattenhände mit dem Topf so taten.
      Der Apfel wirkte recht frisch. Lange konnte er ihn also noch nicht haben. Für die Schwarzhaarige war es nicht schwer eins und eins zusammen zu zählen. Ein offensichtlich ausgehungerter Drachenjunge, Dorfbewohner die ihn jagen, ein frischer Apfel...
      „... soll ich ihn dir schneiden?“, bot die Hexe an, ihre Hand ihm entgegen gestreckt.
      „Möchtest du mir erzählen was passiert ist, während die Suppe kocht?“, erinnerte sie ihn an ihren Handel. Auch wenn sie es sich nun denken konnte... zumindest zum Teil.
      Noch immer blieb das Geheimnis, wieso der Drachenjunge überhaupt alleine war.
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    • Ryuki's Schniefen verstummte sofort wieder, als die Hexe ihn erneut ansprach. Langsam hob er seinen Blick und sah von ihr zurück auf den Apfel, welchen er noch immer wie einen Schatz an sich heran drückte.
      Einen Moment lang herrschte Stille zwischen den beiden, ehe der junge Drachenwandler langsam nickte und ihr mit einer leicht zittrigen Hand den Apfel überreichte.

      Noch immer nagte das schlechte Gewissen an dem jungen Drachenwandler, ebenso wie die Unsicherheit, was seine Eltern wohl von ihm denken würden, wenn sie erfuhren, dass er aus Hungersnot einen Apfel gestohlen hatte.
      Er öffnete seinen Mund und schloss ihn wieder, während er überlegte, wie er seine Lage gegenüber der Hexe erklären sollte.
      Beschämt wanderte sein Blick wieder auf den alten Holzboden der Küche und er begann ein wenig nervös mit seinen Fingern zu spielen.

      "D-die Menschen...haben mich gejagt, weil ich den Apfel geklaut habe.", gestand er nun leise und hob wieder seinen Blick um die Hexe anzusehen.
      "A-aber ich habe es nicht aus böser Absicht getan! Wirklich nicht!...", sagte er hastig und wischte sich mit dem Handrücken wieder über seine Augen.
      "I-ich war so hungrig...u-und habe kein Geld...seitdem der Orden der Silbernen Ketten m-meinen Stamm angegriffen hat, bin ich ganz alleine...i-ich v-vermisse sie so sehr...und die Menschen in den Dörfern haben mich immer wieder vertrieben...i-ich weiß nicht mehr was ich noch machen soll...", platzte alles aus dem verzweifelten Jungen heraus und wieder strömten die Tränen unaufhörlich über seine Wangen.

      Ob es für ihn eine Option gewesen wäre Zuflucht bei einen anderen Drachenwandler-Stamm zu suchen? - Auf gar keinen Fall!
      Zwar kam es bei der Frage wahrscheinlich auch wieder darauf an, bei welchen Drachenwandler-Stamm Ryuki Zuflucht gesucht hätte, aber prinzipiell würde kein Stamm das Junge eines anderen Stammes aufnehmen und kurzen Prozess mit ihm machen, wenn sie ihn in ihren Territorium erwischen würden.
    • Mit einem Nicken akzeptierte die Hexe und grifft dieses Mal mit ihren eigenen Händen nach einem Messer, um den Apfel in gleichmäßige Stücke zu schneiden, während die Schattenhände hier und da noch ein Kraut in den kochenden Kessel gaben und hin und wieder umrührten.
      „... du musst dich nicht erklären. Ich verstehe schon. Ein Blick alleine reicht um zu sehen, dass du am verhungern warst.... aber einen jungen Drachenjungen wegen einem einfachen Apfel zu jagen?“, Xyla gab ein tiefes Seufzen von sich, legte die Apfelstücke auf einen Teller und drehte sich wieder zu Ryuki um, den Teller vor ihm auf den Tisch stellend.
      „... wer oder was ist der Orden der Silbernen Ketten?“, hob die Schwarzhaarige bei dieser Neuigkeit dann eine Augenbraue. Sein Stamm wurde angegriffen? Warum sollte irgendjemand einen Drachenwandler Stamm angreifen? Soweit sie wusste, waren die meisten Vertreter dieser Rasse friedlich. Und wenn nicht... ließen sie andere in Ruhe, solange man auch sie in Ruhe ließ.
      Hatte sich das mittlerweile geändert?
      „Hey... nicht weinen.“, gab sie ein weiteres Seufzen von sich und kniete sich vor den armen Jungen hin, um ihm die Tränen aus dem Gesicht zu wischen. Wenn sie ehrlich war, konnte sie nicht wirklich damit umgehen, wenn andere weinten... sie wusste nie so recht, was sie dann tun sollte.
      „... mögen Menschen keine Drachenwandler? Sag... ich nehme an, du hast keinen Platz, an den du zurückkehren könntest?“
      Die Art und Weise wie diese Menschen Ryuki angesehen hatten... sie konnte sich nicht vorstellen, dass er es einfach da draußen haben würde. Außerdem wirkte er noch so jung...
      „... wie alt bist du eigentlich?“
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    • Ryuki schluchzte bitterlich und versuchte mutig seine Tränen zu stoppen, was ihm aber nur mehr oder weniger gut gelang. Seine Gedanken waren gefüllt von dem verhängnisvollen Tag an dem er seine Familie und seinen Stamm verloren hatte.
      "D-der Orden der Silbernen Ketten sind Jäger. M-mein Großvater hat meinen Bruder und mir oft von ihnen erzählt. S-sie jagen magische Kreaturen ohne Gnade und ohne schlechtes Gewissen, um sie zu verkaufen oder für ihre eigenen Zwecke zu nutzen."

      Er atmete zittrig durch und schüttelte dann leicht seinen Kopf. "I-ich weiß nicht...a-aber warum sollten sie? Wir haben doch niemanden etwas getan...", murmelte er und schüttelte über ihre nächste Frage erneut leicht seinen Kopf.
      "Nein...seit vor ein paar Monden mein Stamm ausgelöscht wurde, suche ich nach einem Ort an dem ich bleiben kann. A-aber ich werde immer und immer wieder von den Menschen verjagt...", murmelte er leise und schauderte, als er an die Menschen dachte, die ihm vor nicht einmal zwei Stunden noch den Garaus machen wollten.
      Vielleicht war es merkwürdig, aber es half dem jungen Drachenwandler ein wenig endlich mit jemanden über alles zu sprechen. Er ist in der letzten Zeit so alleine gewesen und hatte niemanden gehabt, den er sich hätte öffnen können...

      Ryuki ließ sich von der Hexe seine Tränen aus dem Gesicht wischen, ehe er sich wieder direkt anblickte. "Ich bin 8...und wie alt bist du?", fragte er nun mit leichter Neugier, bis ihm bewusst wurde, dass er sich noch gar nicht vorstellt hatte.
      Er verbeugte sich hastig und fügte hinzu: "M-mein Name ist übrigens Ryuki, große Hexe!"
    • „... na toll. Jetzt hast du ihn ja so richtig zum flennen gebracht.“, meldete sich eine alles andere als erfreute, geradezu genervte Stimme aus Xyla's Richtung und das gelbe Muster auf ihrem schwarzen Mantel zog sich wie zahlreiche Augen zusammen... nun, es waren auch Augen, die den weinenden Jungen nun umso kritischer als sie es sowieso schon getan hatten beäugten. Dem Mantel gefiel das laute Weinen des Drachenwandlerjungen wohl so ganz und gar nicht.
      „Halt die Klappe.“, gab die Hexe nur ebenso genervt an ihren Mantel zurück, was ihr ein Schnauben einbrachte, ehe sie sich wieder auf den Jungen fokussierte.
      Wenn sie ehrlich war, konnte sie sich nicht mehr daran erinnern jemals so jung und hilflos gewesen zu sein, aber sie konnte sich durchaus vorstellen, dass sie an seiner Stelle auch geweint hatte.
      Auch wenn das die Tatsache, dass sie nicht besonders gut damit umgehen konnte, nicht gerade besser machte. Außerdem hatte nicht sieihn zum flennen gebracht!
      „... Jäger? Die magische Wesen jagen?“, wiederholte Xyla und obwohl das eigentlich keine Neuigkeit war – es hatte schon immer Menschen gegeben, die magische Wesen jagten, von den typischen Helden, die schon ein paar Mal vor ihrer Haustür aufgetaucht waren, zu einfachen Jägern, die sich mit seltenen Fellen etwas dazu verdienen wollten – doch von einem ganzen Orden solcher Leute hatte sie bisher noch nichts gehört. Nicht, dass sie in diesem Wald viel von der Welt dort draußen hörte.
      Xyla wollte gar nicht erst darüber nachdenken, was dieser Orden wohl mit den Drachenwandlern gemacht haben könnten und doch fiel ihr Blick automatisch auf die Hörner des Jungen. Sicherlich würden diese einen guten Preis auf dem Mark erhalten.
      „Mhmmm... manchmal muss man nicht mal etwas tun, damit die Menschen einen nicht mögen.“, musste Xyla zugeben und ließ sich letztendlich darauf ein dem jungen Drachenwandler mit der Hand durchs Haar zu fahren. Zumindest glaubte sie, dass ihn diese Geste trösten könnte... irgendwie.
      Es verwunderte sie auch nicht, dass er keinen Platz mehr hatte, an den er gehen konnte... auch wenn sie gehofft hatte, dass er vielleicht noch irgendwo Verwandte hatte, bei denen sie ihn abladen könnte. So...
      „... du denkst du nicht ernsthaft darüber nach den Jungen bleiben zu lassen, oder?“, meldete sich skeptisch der Mantel wieder zu Wort, als könnte er ihre Gedanken lesen. Wahrscheinlich trug sie ihn aber auch einfach nur lange genug, dass er sie recht gut einschätzen konnte.
      „... wieso denn nicht? Schau doch nur, wie putzig der Kleine ist. Hast du das gehört? Er hat mich große Hexe genannt.“, erhob sich Xyla mit einem amüsierten Grinsen.
      „Mhmmm... Ryiuki, was? Ich bin Xyla und... viel zu alt, um es zu zählen.“, stellte auch sie sich nun letztendlich vor und ihrem Ausdruck nach zu urteilen hatte sie sowieso schon einen Entschluss gefasst, selbst wenn der Mantel sich dazu entscheiden würde an dieser Entscheidung herum zu nörgeln.
      „Wieso bleibst du nicht hier? Der Wald ist sicher. Selbst dieser Orden würde sich nicht hierher trauen und wenn doch, wird diese große Hexe ihn vertreiben.“, zwinkerte sie Ryuki aufmunternd zu.
      „... also wein nicht mehr, okay?“, fischte sie ein Taschentuch aus irgendeiner ihrer Taschen. Schneller als sie erwartet hätte.
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    • Ryuki weitete überrascht die Augen, als der schwarze Mantel der großen Hexe Xyla plötzlich anfing zu sprechen.
      Er blinzelte verwundert, ehe er bereits eine Hand hob und mit der Fingerspitze seines Zeigefingers eines der Augen berührte.
      "Dein Mantel kann ja sprechen!", sagte er erstaunt und tippte das Auge direkt erneut mit seinem Zeigefinger an. "Hat er einen Namen?", fragte er neugierig und begann dann etwas zu Grinsen.

      Als der junge Drachenwandler dann jedoch spürte, wie Xyla ihm mit der Hand durch die Haare strich, entspannte sich sein Körper fast wie von selbst. Für einen Moment vibrierte ein leises Schnurren in seiner Kehle, während er leicht die Augen schloss.
      Zugegebenermaßen verstand er das alles immer noch nicht wirklich… wie konnte man jemanden nicht mögen, den man nicht einmal kannte?
      Doch er schob die Gedanken zur Seite und konzentrierte sich ganz auf die sanfte Hand in seinem Haar. Er war viel zu erschöpft und hungrig, um weiter darüber nachzudenken. Die letzten Wochen hatten deutlich ihre Spuren bei dem Jungen hinterlassen.

      Erst, als der Mantel erneut anfing zu sprechen und die Hexe ihm ihren Namen verriet, öffnete er wieder seine Augen.
      "Xyla.", wiederholte er leise und konnte nur mutmaßen, wie alt die Hexe war. Wenn sie viel zu alt war um es zu erzählen, dann war sie bestimmt schon über 30 Jahre alt!
      Als Xyla ihn fragte, wieso er nicht einfach hier bleiben würde, weitete er wieder seine Augen. Unsicher, ob er die große Hexe wirklich richtig verstanden hatte. Bot sie ihm etwa...gerade wirklich an, bei ihr im Wald zu bleiben? Einen Ort, denn er wieder sein zu Hause nennen durfte? Ohne Angst und ohne Hunger? Nur Sicherheit und Wärme?...nach den letzten Wochen fühlte sich diese Güte für den jungen Drachenwandler fast unwirklich an...

      Er starrte sie noch einen Moment länger an und wollte vor Freude schon fast erneut los flennen. Aber riss sich zusammen und verbeugte sich stattdessen demütig vor der Hexe.
      "J-ja, ich möchte gerne hier bleiben, wenn ich Euch nicht zur Last fallen, große Hexe Xyla...ich möchte wirklich nicht mehr alleine sein...ich will nie wieder alleine sein...", sagte er leise und genau in dem Moment begann sein Magen vor Hunger wieder laut zu knurren.
      Er errötete leicht und sah mit einem verlegenen Grinsen wieder zu Xyla hoch. In seinen Augen war deutlich zu erkennen, dass der junge Drachenwandler wieder neue Hoffnung geschöpft hatte.
    • "Aua! Was fällt dir ein, du verdammter Bengel?! Wie wärs wenn ich dir ins Auge stechen würde, mh? Mhm?!", flohen die zahlreichen aufgemalten Augen des Mantels sogleich in eine Ecke des schwarzen Stoffes und seine Zipfel bewegten sich hin und her, als wäre er dabei seine Drohing war zu machen.
      "Ich bin der große Anarxia Kauulus! Hörst du?! Und ich erwarte Respekt von einem Bengel wie dir!", plusterte sich der Mantel weit auf und Xyla konnte nicht anders als darüber zu lachen. Er war doch nur ein sprechender Mantel, was führte er sich denn so auf? Nicht, dass es das erste Mal wäre.
      "Was übrigens schwarzer Mantel in einer uralten Sprache bedeutet, aber verrate es ihm nicht, okay?", flüsterte die Hexe Ryuki mit einem Zwinkern zu, in der Hoffnung dieser kleine Scherz würde ihn ein wenig aufmuntern. Und den Mantel nicht ganz so bedrohlich wirken lassen. Er hatte nicht nur einmal Kinder mit seinem grummeligen Brummen verscheucht.

      "Mhm, Xyla.", bestätigte die Hexe mit einem Nicken und einem Lächeln ihren Namen, während ihre Hand weiterhin auf seinem Kopf ruhte, geduldig auf eine Antwort des Jungen Wartens. Nicht einmal der Mantel mischte sich mehr ein, wobei er wahrscheinlich grummelnd die Arme verschränkt hätte, wenn er Arme hätte.
      Sie war etwas verwundert, als Ryuki sich dann tatsächlich vor ihr verbeugt und lachte herzlich auf. Wie ernst der Junge doch war! Das würde noch lustig werden. Konnte sie einen so ernsten Jungen überhaupt aufziehen? Nun, vielleicht hatte sie ja Glück und da gab es nicht mehr wirklich was zum erziehen. Gute Manieren schien der Junge ja bereits zu haben.
      "Xyla reicht. Oder Hexe, wenn dir das lieber ist, kein Grund das groß dran zu packen.", stubste sie mit einem Grinsen seine Nase, bevor sie ihm den Teller mit den Apfelstücken noch ein Stückchen entgegen schob.
      "Ess erstmal was. Die Suppe sollte auch bald fertig sein...", drehte sie sich murmelnd zu dem Topf um, um den sich fürsorglich ihre Schattenhände gekümmert hatten und warf einen Blick in die kochende Brühe, ehe sie einen Kochlöffel zückte und probierte.
      "Mhmmm... Salz fehlt!", ließ sie die Schattenhände sogleich wissen, ehe bereits eine Prise Salz im Kochtopf landete.
      Ein paar Umrührungen später schien die Hexe dann zufrieden mit ihrem Werk zu sein und die Suppe konnte mit etwas Brot serviert werden.
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    • Ryuki blinzelte überrascht, als sich die Augen des Mantels plötzlich in eine Ecke des schwarzen Stoffes verzogen und dieser sich kurz darauf 'bedrohlich' aufplusterte.
      Er blickte wieder zu Xyla, als diese ihm die Bedeutung des Names zuflüsterte, begann leicht zu grinsen und nickte: "Ich werde es ihm nicht verraten. Versprochen.", flüsterte er leise zurück blickte wieder auf die vielen aufgemalten Augen des Mantels.
      "Verzeiht mir, oh großer Anarxia Kauulus! Ich wollte Eure Herrlichkeit keinesfalls verärgern! Bitte verzeiht meine Achtlosigkeit, du weiser Mantel!", flehte der junge Drachenwandler, welcher sichtlich nicht eingeschüchtert war, schon ein wenig zu theatralisch, bevor er wieder leise lachend zu Xyla blickte, als diese ihm mit ihren Finger auf die Nase stubste.

      Er war sich selbst noch nicht ganz sicher, wie er sie in Zukunft ansprechen wollte – wahrscheinlich würde er es einfach aus dem Bauch heraus entscheiden.
      Er saß nun an dem Esstisch und griff hungrig nach einem Apfelstück, während er Xyla und die Schattenhände beobachtete. Er war beeindruckt davon, wie die Schattenhände auf jeden Befehl von Xyla gehorchten.
      "Kochen deine Schattenhände immer für dich? Können die noch mehr?", fragte er neugierig und mit vollen Mund, bevor er sich auch schon ein weiteres Apfelstück in den Mund schob.

      Bei dem Duft der frisch gekochten Suppe und des Brotes lief ihm nur noch mehr das Wasser im Mund zusammen. Nach den vielen Wochen auf der Straße, allein und hungrig, fühlte er sich endlich wieder sicher und willkommen.
      Sein Blick wanderte für einen Moment auf das neue Apfelstück in seiner Hand. Was jetzt wohl wäre, wenn er sich heute morgen nicht dazu entschieden hätte, diesen Apfel zu klauen?...- dann hätte Xyla ihn weder gerettet, noch aufgenommen und er wäre noch immer allein...
      Seine Gedanken wanderten zu den großen Geistern, an die sein Stamm einst geglaubt hatte… Hatten sie vielleicht ihre Finger im Spiel gehabt? Hatten sie Xyla absichtlich zu ihm geführt...?
    • Der Mantel hielt inne, als wäre der unsichtbare Windstoß der ihn aufplustern ließ wieder verschwunden und die Augen auf dem schwarzen Stoff zogen sich argwöhnisch zusammen – und schienen sich nicht so recht zu trauen sich wieder auszubreiten – als könne er sich nicht sicher sein, dass der Junge seine Worte auch ehrlich meinte.
      Doch dann schien sich Anarxia mit einem Schnauben zufrieden zu geben und das Muster verteilte sich wieder auf dem gesamten Stoff.
      „Schon besser.“, schnaufte er selbstgefällig und wehte noch ein wenig in einem nicht existierenden Wind, als müsse er sicher gehen, dass Ryuki diesen Respekt ihm gegenüber behielt, bevor der Stoff wieder leblos herab hing, auch wenn die Augen weiterhin alles aufmerksam zu beobachten schienen.

      „Mh? Aber natürlich! Wozu meine Hände selber benutzen, wenn diese hier so viel nützlicher sind? Weit reichen sie auch.“, wandte sich die Hexe mit einem Lächeln an den Jungen und schien geradezu stolz darauf ihre Fähigkeiten zur Schau stellen zu können, als sie mit einer Geste eine der Hände anwies sich auszudehnen und die Handfläche gegen die Decke des Häuschens zu legen, um ihren Worten Taten folgen zu lassen.
      Natürlich hätte es die Geste eigentlich gar nicht gebraucht, doch Xyla liebte ihre Gesten.
      „... also kochen würde ich das nicht nennen. Du hast Glück, wenn es einigermaßen schmeckt, kleiner.“, schnaufte der Mantel dagegen und Xyla wandte ihm einen missmutigen Blick zu, also eigentlich ihrer Schulter, wovon sich der schwarze Stoff jedoch nicht einschüchtern ließ. Dafür lebte er schon viel zu lange mit dieser Hexe.
      „... jedenfalls können meine Schattenhände alles, was auch echte Hände können. Dinge greifen, Werkzeuge benutzen...“, murmelte Xyla, während sie in der Supper umher rührte, bevor sie sie endlich servieren konnte.

      „Nah komm, keine falsche Bescheidenheit.“, schob die Hexe mit einem Lächeln die Schüssel näher an Ryuki heran und hoffte, dass der Mantel ihn nicht verunsichert hatte. Zumindest schien der Junge unglaublich nachdenklich zu sein, woran er wohl gerade dachte?
      Xyla jedenfalls hatte selber nur Gedanken für die Suppe und setze sich ebenfalls um zu essen.
      Sie würde nicht behaupten, dass die beste Suppe war, die sie jemals gegessen hatte – das wäre eine glatte Lüge – aber in ihren Augen war sie essbar und war das nicht das wichtigste?
      Immerhin war Essen nur dazu da, dass man etwas im Magen und Energie für den nächsten Tag hatte.
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    • Beeindruckt beobachtete Ryuki Xyla, wie sie ihm stolz das Können ihrer Schattenhände demonstrierte. Die Augen des Drachenwandlers weiteten sich vor Staunen und in ihnen glitzerte nur noch größere Neugier. „Kein Wunder, dass du die Menschen aus dem Dorf so einfach aus deinem Wald vertreiben konntest! Sie sind weggerannt, wie verschreckte Hühner!“, platzte es aus Ryuki heraus. Seine Gedanken wirbelten nun um all die Möglichkeiten, was man wohl noch alles mit den Schattenhänden tun könnte.

      Sein Blick wanderte für einen kurzen Moment wieder zu Anarxia, als er dessen kleinen Seitenhieb zu Xylas Kochkünste hörte.
      „Kannst du denn besser kochen?“, fragte er in kindlicher Naivität.
      Immerhin schien der Mantel keine Arme zu haben… geschweige denn einen Mund, um überhaupt je etwas von Xylas Essen probiert haben zu können.
      Bei dem Gedanken legte der junge Drachenwandler leicht den Kopf schief und begann, den Mantel noch ein wenig genauer zu mustern.
      Woher kam die Stimme überhaupt, wenn der Mantel doch gar keinen Mund hatte? Hatte er vielleicht irgendwo einen versteckten meckernden Reißverschluss oder war es wirklich nur durch reinste Magie? - dem würde er früher oder später noch auf dem Grund gehen!

      Ryuki wurde aus seinen verschiedenen Theorien gerissen, als Xyla ihm schließlich eine Schüssel mit der frisch gekochten Suppe hinschob. Sein Magen begann erneut laut zu knurren – fast so, als würde er ihn anflehen, endlich mit dem Essen anzufangen, nachdem er so lange gehungert hatte.
      Seine Augen glitzerten vor Vorfreude und er nickte eifrig, während er die Schüssel näher an sich heranzog.
      „Danke für das Essen!“, sagte er fröhlich, schnappte sich den Löffel und begann gierig, die Suppe zu löffeln. Nach Wochen, in denen er sich von Resten durchgeschlagen hatte, glaubte er, diese Suppe sei das Beste, was er je gegessen hatte.
      Ohne den Löffel auch nur einen Moment abzusetzen, schaufelte er die Suppe zusammen mit dem frisch gebackenen Brot in sich hinein – als hätte er Angst, dass er wieder tagelang nichts bekommen würde.
      In einer Zeit, die fast rekordverdächtig schien, hatte er seine Schüssel geleert. Sein Blick wanderte wieder zu Xyla.
      „Das war lecker!“, verkündete er mit leuchtenden Augen, während ihm noch die halbe Suppe an den Mundwinkeln klebte.
      „Darf ich bitte noch mehr haben?“, fragte er und ließ seinen Blick dann wieder neugierig umher wandern. "Wohnst du hier alleine?...also abgesehen von dem großen Anarxia Kauulus?", fragte er und sah wieder zu Xyla.

      Ein leises Gähnen entwich seinen Lippen, und erst jetzt merkte Ryuki, wie müde er eigentlich war. Er konnte es kaum erwarten, endlich wieder in einem weichen Bett zu schlafen – in Sicherheit und mit einem vollen Magen.
    • "Eine meiner leichtesten Übungen.", gab die Hexe mit einem stolzen und einer wegwerfenden Handbewegunt vom sich, wofür sie sowohl ihre echte Hand, als auch einer der Schattenhände benutze.
      Es war wahrlich erfrischend wie begeistert der Junge über ihre Kräfte war, das letzte Mal, als sie jemand mit diesen strahlenden Augen betrachtet hatte, musste Jahrzehnte her sein.
      Die meisten betrachteten sie eher mit Angst in den Augen, so wie die Dorfbewohner, die es gewagt hatten ihre Feuerwaffen in ihrem Wald zu zücken. Aber bei diesen hatte sie es auch darauf angelegt.

      Sowohl Anarxia, als auch Xyla sahen Ryuki für einen Moment ziemlich perplex an, als der schwarze Mantel gefragt wurde, ob er besser kochen konnte, dich während der Mantel die Augen zusammen zog und ein wütendes "Ich könnte besser kochen, wenn ich Arme hätte." vor sich her grummelte, lachte sich die Hexe ins Fäustchen.
      Es würde sicherlich ziemlich amüsant mit dem Jungen werden.

      "Siehst du? Dem Jungen schmeckts.", grinste sie den Mantel an, als Ryuki nach mehr fragte und tat ihm sogleich den Gefallen die Schüssel mit einer weiteren Portion Suppe zu füllen. Und eine weitere, wenn er denn wollte.
      Wie sollte der junge Drache sonst groß und stark werden?
      "Mhm, hier sind nur ich, Anarxia und meine Hühner.", nickte die Hexe mit einem Lächeln.
      "Vergiss die Ratten und Mäuse nicht! Oh, und seit letzter Woche hat ein Vogel ein Nest auf dem Dach gebaut!", mischte sich der Mantel wieder ein, was Xyla nur dazu brachte mit den Augen zu rollen.
      "Hin und wieder gibt es hier auch Mäuse, Ratten und Vögel. Aber wohnen tun sie hier nicht.", stellte sie klar.

      Die Hexe konnte sich das Lächeln nicht verkneifen, als Ryuki laut gähnte und erst jetzt fiel ihr auf, dass sie eigentlich keinen Platz hatte, wo der Junge hätte schlafen können.
      Natürlich gab es da ihr Bett und ein Sofa, aber wenn der Drachenjunge länger hier bleiben sollte, brauchte er doch eher ein eigenes Zimmer. Jungs in diesem Alter brauchten doch ihre Privatsphäre... glaubte sie jedenfalls.
      "Mhm... sieht wohl so aus, als bräuchten wir ein bisschen mehr Platz...", murmelte die Hexe daraufhin und erhob sich um einen Blick in ihren Tränkeschrank zu werfen.
      "Nein, der nicht... der ist es auch nicht... ah, hier steht das Fläschchen also? Aber nein, das suche ich auch nicht...", murmelte sie vor sich hin, ehe sie endlich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck einen violetten Trank hervorholte.
      Den Korken herausgezogen stieg eine kleine Dampfwolke aus dem Fläschchen hervor und Xyla nahm dankend ein komisch aussehendes Kraut von einer Schattenhand an, das sie in den Trank warf, welcher daraufhin eine grünliche Farbe annahm.
      "Komm, lass mich dir etwas interessantes zeigen.", gab die Hexe Ryuki mit einem Wink und einem Lächeln zu verstehen ihr zu folgen.
      Als sie das Wohnzimmer erreichten, das vor allem mit einem Sofa, Büchern und vielen weiteren Schränken, von denen man nur ahnen konnte, was sich darin befand, gefüllt war, lief Xyla die Wände entlang und wirkte, als würde sie etwas suchen.
      Vor einer kahlen Holzwand neben dem Kamin blieb sie letztendlich stehen und schien ganz zufrieden mit ihrer Auswahl zu sein.
      "Dann wollen wir doch mal sehen...", lächelte sie, setzte sich in die Hocke und leerte den Trank direkt vor der leeren Wand. Die grünliche Flüssigkeit versicherte im Boden und für einige Momente schien es, als würde nichts passieren... bevor plötzlich ein Erdbeben ertönte und das gesamte Haus bibberte und wackelte. Bücherstapel fielen zu Boden, die Schattenhände hielten einen Schrank fest und irgendwo in der Küche muss wohl etwas zerbrochen sein, wenn man den Geräuschen trauen konnte.
      Gleichzeitig wellte und dehnte sich die Wand, vor der sie standen, bevor sie sich zurückzog und Treppen bildete, die nach oben führten.
      In ein neues Stockwerk, das es gerade noch nicht gab.
      "Hey hey... dein Ernst? Du weißt schon, dass du jetzt noch mehr putzen musst, oder?!", beschwerte sich der Mantel mit einem schnauben.
      "Ach, das krieg ich schon hin. Wie wärs, Ryuki, möchtest du es dir mal ansehen?", ermutigte sie den Jungen mit einem Lächeln die Treppe hinauf zu steigen.
      Nicht mal Xyla wusste, wie das neue Stockwerk aussah, ohne es gesehen zu haben.
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    • Ryuki betrachtete Anarxia fast schon ein wenig zu kritisch, als dieser behauptete, er könne besser kochen als Xyla – wenn er denn Arme hätte. Dass Ryuki das stark bezweifelte, verschwieg der junge Drachenwandler jedoch aus Höflichkeit. Immerhin war Anarxia ein Mantel. Wenn er schon keine Arme zum Kochen hatte, dann hatte er auch keine, um sein Essen abzuschmecken. Oder?

      Etwas weniger gierig als zuvor löffelte er seinen Nachschlag Suppe und versuchte diesmal, nicht ganz so sehr über seine Schüssel herzufallen – auch wenn er sich dafür ein wenig zusammenreißen musste.
      Während er seine Suppe schlürfte, hörte er Xyla und Anarxia neugierig zu. Ratten, Mäuse und Vögel waren wohl die letzten Tiere, über die sich der junge Drachenwandler Gedanken machen würde.
      Immerhin war er bei seinem Stamm in der freien Natur, gar in der Wildnis aufgewachsen. Dort hatte er schon ganz andere Tiere gesehen, die ihm weitaus mehr Sorgen bereiteten. Was allerdings nicht bedeutete, dass er ein Leben weniger wertschätzte als ein anderes.
      Er beobachtete Xyla weiter, als sie davon sprach, dass sie mehr Platz bräuchten, und wie sie dann begann, mit verschiedenen Fläschchen herumzufuchteln.
      Das war der Moment, in dem Ryukis Neugier überhandnahm. Er vergaß seine Suppe und betrachtete Xyla mit schiefgelegtem Kopf – als wolle er selbst herausfinden, was sie da gerade tat und vorhatte.
      Als sie ihm dann auch noch sagte, dass sie ihm etwas Interessantes zeigen wolle, war er bereits auf den Beinen und folgte ihr ohne Widerworte ins Wohnzimmer.
      Dort angekommen, beobachtete er weiterhin mit neugierigen Augen ihr Vorhaben. Als sie dann den Trank vor einer kahlen Wand ausleerte und nichts passierte, blinzelte Ryuki zunächst nur verwirrt. „Warum hast du das gema–“, begann er, wurde jedoch unterbrochen, als plötzlich das ganze Haus anfing zu beben – wie als würde es sich selbst schütteln.
      Ein leises, überraschtes Quietschen entwich Ryukis Lippen, und er geriet anfangs ein wenig ins Wanken, bevor er sein Gleichgewicht wiederfand. Als das Beben endete, war die kahle Wand verschwunden. Statt ihrer führte nun eine Treppe in ein Stockwerk, das zuvor noch gar nicht existiert hatte.
      Der junge Drachenwandler konnte sein Staunen nicht verbergen. Ein weiteres Stockwerk war aus dem Nichts entstanden – und das alles nur wegen eines in seinen Augen völlig unscheinbaren Tranks!

      „Wow!“, hauchte er beeindruckt. Er sah dann zu Xyla hoch, nickte eifrig und rannte bereits die Treppen hoch.

      Ganz oben angekommen, fiel ihm sofort eine Tür auf. Eine Tür, die ihn fast magisch anzog – als wüsste er instinktiv, dass genau diese Tür seine war und sich dahinter sein Zimmer befinden würde.
      Er zögerte einen kurzen Augenblick, ging dann aber auch schon darauf zu und öffnete sie langsam.
      Als er sah, was sich dahinter verbarg, weiteten sich seine Augen überrascht.

      Was er vor sich sah, war kein gewöhnliches Zimmer. Nein – es war eine Lichtung, mitten in der Natur! Mit einem riesigen Nest aus weichem Moos, in dem locker ein ausgewachsener Drache friedlich schlafen konnte, einem kleinen Teich und einem Wasserfall. Sogar das Zwitschern kleiner Vögel war in den Bäumen zu hören.
      Alles war da, was das Herz eines Drachenwandlers begehren konnte – und es erinnerte Ryuki stark an das Territorium, in das er hineingeboren worden und bis zum Angriff aufgewachsen war.
      Er brachte kein Wort über die Lippen. Zu groß waren das Staunen und die Freude, die sich mehr und mehr in ihm ausbreiteten.

      Langsam trat er ein, geradewegs auf das Moosbett zu. Als er ankam, strichen seine Finger sachte über den weichen Naturstoff – und sein Lächeln wurde nur noch breiter.
      Bevor er überhaupt darüber nachdenken konnte, was er tat, begann sich sein Körper bereits zu verändern. Seine Haut wurde von Schuppen überzogen, und sein Körper streckte sich, wurde immer länger – bis er schließlich seine vollständige Drachenform angenommen hatte.

      Von seinen Instinkten gepackt, stieß er sich kraftvoll vom Boden ab und erhob sich in die Luft, um sich einen noch besseren Überblick über sein neues Zuhause zu verschaffen. Ein Brüllen entwich seiner Kehle – doch es war noch kein Vergleich zu dem eines ausgewachsenen Drachens. Noch.