I should hate you but I can't [yuyuumyn & Concorde]

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    • 12 Jahre zuvor - Westwood High School, Los Angeles, Kalifornien

      Diego stand gerade an eine Schließfachwand gelehnt im Flur der Westwood High School und hörte seiner aktuellen Freundin zu. Sie erzählte etwas vom Cheerleading und welche Frisur sie am besten für das Turnier am Samstag tragen sollte, doch Diego hörte ihr nicht zu. Er schaute gedankenverloren in die Leere und machte sich Gedanken über das anstehende Spiel. Noch immer hatte er keine finale Taktik, wie sie die Bears von der Oakvalley High School besiegen sollte. Es würde dieses Jahr ihr schwierigster Gegner werden, doch der Sportler wusste, dass sie dieses Jahr den Pokal in der California High School League wieder holen würden. Erst ein Glucksen einige Typen und etwas Getuschel ließ Diego aus seinen Gedanken fallen. Er sah zur Seite und erspähte drei seiner Teamkameraden, die gerade mit Collin sprachen. Er drückte sich von der Schließfachwand ab und ging zu ihnen, während er sie reden hörte. Im nächsten Moment passierte etwas, was selbst Diegos Augen weiten ließ. Sie drückten seinem ehemaligen Freund ein Kaugummi tief ins Haar. Diego raunte leise und verzog das Gesicht. Es tat ihn um Collin leid, jedoch war er ja selbst immer so zurückgezogen, dass er nur eine unnötige Angriffsfläche bot. Diego starrte auf das verklebte Haar und sah dann zu den feixenden Jungs. "Es reicht, James. Willst du ihm noch nen Kuss geben, oder was? Sieh zu, dass ihr pünktlich beim Training seid", raunte Diego genervt und warf den drei Jungs böse Blicke zu. "Ja, entspann dich. Der kleine Streber hat es doch nicht anders verdient, wenn er aussieht wie eine Tussi", winkte James ab. Anschließend zogen sie von dannen, immer noch lachend. Diego seufzte und starrte auf Collins Haare. Er wollte etwas sagen, öffnete sogar den Mund, doch dann verstummte er und kratzte sich am Kopf.

      In diesem Moment kam seine Freundin Amy zu den beiden Jungen. "Oh das sieht gar nicht gut aus, Collin", sagte sie mit einem gehässigen Unterton und hakte sich in Diegos Arm ein. Ihr Freund runzelte die Stirn und sah sie so an, las ob das wirklich notwendig war. Doch Amy verstand Diegos Gesichtsausdruck nicht und musterte stattdessen Collin weiter. Das Getuschel hatte sich gelegt und keiner kam, um Collin zur Hilfe zu eilen. Der Sportler biss sich auf die Zunge und spürte, dass er etwas sagen wollte, doch sein Kopf sagte ihm es wäre besser sich nicht einzumischen. Collin und er hatten doch nichts mehr gemeinsam und wenn Collin nicht mal den Mumm hatte sich zu wahren? Er war doch kein Aufpasser für ihn. Es hatte seine Gründe, dass sie nichts mehr miteinander zu tun hatten. Collin mochte Zahlen und solche Sachen und Diego? Er war eben Sportler. Sie hätten sich nichts zu sagen, selbst wenn sie noch miteinander reden würden. Amy zog bestimmend an Diegos Arm. "Nun komm schon. Wir müssen weiter. Es ist noch Mittagspause und ich will noch meinen Salat essen", stöhnte sie genervt.
    • 12 Jahre zuvor - Westwood High School, Los Angeles, Kalifornien

      Selbst nachdem sich James und die beiden anderen Football-Spieler verzogen hatten, hob Collin seinen Blick nicht an. Denn nun stand Diego vor ihm – sein ehemaliger bester Freund, der jedoch kein Wort herausbrachte.
      Seine neue Freundin, die an Diegos Arm klebte wie der Kaugummi in Collins Haaren, ignorierte er komplett. Es war sowieso nur eine Frage der Zeit, bis sie sich wieder trennten und Diego sich die nächste Cheerleaderin suchte.
      Außerdem hatte Collin wirklich keine Lust, sich mit jemandem zu unterhalten, dessen IQ kaum über Zimmertemperatur lag.

      Am liebsten wollte er seinen Kopf heben und Diego einfach nur anschreien. Er wollte ihn fragen, warum er ihm das alles nur antat. Ob ihm ihre gemeinsame Freundschaft seit Kindertagen gar nichts mehr bedeutete.
      Er wollte ihn anschreien.
      Er wollte ihn hassen.
      Aber dennoch... konnte er es einfach nicht.

      Egal wie sehr er versuchte, Diego zu hassen – er schaffte es nicht. Obwohl er jedes Recht dazu hatte, ihn mit jeder Zelle seines Körpers zu verabscheuen.
      Viel lieber wollte er der billigen Schlampe, die aussah wie ein Fisch, sagen, dass sie ihre Finger von Diego lassen und sich einfach verziehen sollte.

      Als er gerade ein wenig seinen Kopf anheben wollte, trat eine weitere Person an die drei heran. Am charmanten Lächeln erkannte man sofort, dass es sich um Isaac, den allseits beliebten Schulsprecher handelte.
      Als er allerdings den Kaugummi in Collins Haaren bemerkte, verschwand sein Lächeln wieder und seine Augen weiteten sich.
      "Collin, was ist mit deinen Haaren passiert? Wer ist das gewesen?", fragte er, aber Collin wich seinem Blick aus und zuckte nur leicht mit seinen Schultern.
      Isaac blickte nun zu Diego und Amy, bevor er sich dann aber wieder mit einem Lächeln Amy zuwandte: "Warum gehst du nicht schon einmal allein zur Cafetaria? Ich würde mir gerne deinen Freund für ein paar Minuten ausleihen. Du bekommst ihn danach auch sofort zurück."
    • 12 Jahre zuvor – Westwood High School, Los Angeles, Kalifornien

      Diego verzog leicht das Gesicht, als Isaac plötzlich neben ihnen auftauchte. Der Schulsprecher. Immer freundlich, immer charmant – irgendwie der Typ, den alle mochten, und das allein reichte schon, um Diego ein bisschen zu nerven.
      Trotzdem blieb er ruhig. Beobachtete, wie Isaacs Blick zu Collins Haaren wanderte, dann zu ihm.
      Amy hatte sich inzwischen demonstrativ an Diegos Arm gehängt, aber als Isaac mit diesem höflich-bestimmten Tonfall vorschlug, dass sie doch schon mal zur Cafeteria gehen solle, zögerte sie. „Na gut“, murmelte sie schließlich, warf Collin noch einen abschätzigen Blick zu und ging dann mit einem gespielt empörten Schnauben davon. Ihre High Heels klackerten über den Flur, bis sie in der Masse der Schüler verschwand.

      Diego sah ihr einen Moment nach, dann richtete er den Blick wieder auf Isaac und Collin.
      Sein ehemaliger bester Freund stand immer noch da wie versteinert, mit diesem Ausdruck im Gesicht, den Diego nicht mehr deuten konnte – oder wollte. Und obwohl Diego versuchte, sich einzureden, dass es nicht mehr seine Sache war... irgendwas daran stach.
      Er spürte, wie sich ein leises Ziehen in seiner Brust ausbreitete – eine Mischung aus Schuld und Wut, die er schnell wieder wegzudrücken versuchte.

      „Es waren James und die anderen. Ich knöpf' sie mir gleich vor.“, sagte er schließlich, knapp. Seine Stimme klang rauer, als beabsichtigt.
      Isaac sagte nichts – zumindest nicht sofort. Aber sein Blick fühlte sich für Diego plötzlich schwer an.
      „Er hätte halt einfach was sagen sollen“, murmelte Diego leise, ohne genau zu wissen, ob er damit Collin meinte – oder sich selbst.
      Ein Teil von ihm wollte etwas erklären. Oder sich rechtfertigen. Oder einfach irgendetwas sagen, was diesen Kaugummi, dieses Schweigen, diese verdammte Lücke zwischen ihnen wieder rückgängig machen konnte.
      Aber die Worte blieben ihm im Hals stecken. Er möchte einfach gehen. Auf diese Scheindiskussion mit Isaac hat er keine Lust, denn dieser Typ interessierte sich nur für Dinge solange sie ihm nutzten. Er war ein berechnender und manipulativer Typ, was Diego im Gegensatz zu den meisten hier schon lange durchschaut hatte. Desto mehr war er nicht an der Meinung oder überhaupt der Anwesenheit des Schülersprechers interessiert.
    • 12 Jahre zuvor – Westwood High School, Los Angeles, Kalifornien

      Isaac sah Diego einen Moment lang schweigend an, bevor sich sein Blick wieder auf den noch immer stummen Collin richtete.
      Der Ausdruck in seinen Augen schien zu erweichen, während er mit sanfter Stimme sprach und seine Hand auf dessen Schulter legte:
      "Hey Collin...warum versucht du nicht schon einmal den Kaugummi wieder aus deinen Haaren zu bekommen? Ich komme gleich nach und helfe dir, wenn du mich lässt."

      Collin vermied es weiterhin, schon fast stur, weder Diego noch Isaac anzuschauen. Geschweige denn Augenkontakt mit ihnen aufzunehmen. Als sich die Hand des Schulsprechers auf seine Schulter legte, zuckte er unwillkürlich ein wenig unter der Berührung zusammen.
      Aber schnell fasste er sich wieder und schüttelte nur leicht seinen Kopf.
      "Danke, aber ich brauche keine Hilfe. Ich komme alleine zurecht."
      Sein Blick huschte kurz zu Diego bevor, er sich wieder abwandte.
      "Das kam ich schon immer."
      Seine Worte waren leise, aber kalt. Ohne jegliche Sympathie für den allseits belieben Football-Star der Westwood High. Bevor Diego oder Isaac reagieren konnten, drehte er sich weg und verschwand dann auch schon im nächsten Gang, ohne einen Blick zurück zu werfen.

      Isaac sah Collin noch für einen Moment schweigend hinterher, bevor er sich wieder Isaac zuwandte. Der eben noch freundliche Ausdruck in Isaacs Gesicht verschwand und wurde von Abscheu ersetzt.
      Seine Augen waren hart, während er Diego missbilligend musterte und dann eine Augenbrauen hoch zog.
      ""Er hätte halt einfach was sagen sollen."?", wiederholte er Diegos Satz langsam und schüttelte seinen Kopf. "Es ist wohl wahr, was man alles immer in diesen ganzen kitschigen High School/Tennie-Serien sieht. Solche Sportler, wie du, besitzen scheinbar wirklich keinen höheren IQ als eine Scheibe Weißbrot. Wirklich...erbärmlich."

      Er trat einen Schritt näher auf Diego zu und behielt den verächtlichen Ausdruck, welcher gifitg in seinen Augen glitzerte.
      "Es waren also James und die anderen, hm? Und du, ach so großer Held, wirst sie dir gleich vorknüpfen, ja?", fragte er und schüttelte wieder seinen Kopf.
      "Das glaubst du doch wohl selbst nicht, Rivera.", knurrte er und verengte seine Augen.
      "Sollte ich sowas nochmal mitbekommen...werde ich dafür sorgen, dass weder du, noch die anderen Schwachköpfe nicht am Spiel teilnehmen dürft, hast du mich verstanden, Quaterback?"

      Isaac konnte Diego noch nie leiden. Doch er wusste, wie er seine wahren Emotionen hinter seiner perfekten Maske verstecken konnte.
      Warum genau er Diego hasste, war wohl eine komplexere Frage, als dass man sie in wenigen Worten beantworten konnte.
      Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass Isaac Collin öfter dabei ertappt hatte, wie dieser Diego ansah – in Momenten, in denen er dachte, niemand würde es bemerken.
      ER wollte so von Collin angeblickt werden. Die Aufmerksamkeit des Blonden sollte vollkommen und allein auf IHN liegen! Nicht auf diesem verdammten Football-Spieler!
    • 12 Jahre zuvor – Westwood High School, Los Angeles, Kalifornien

      Diego runzelte die Stirn als Isaac sich so sehr sorgte um Collin. Der tat genauso wenig für ihn wie Diego selbst. Er war immer nur da, wenn er vermeintlich Pluspunkte sammeln konnte und sich als Retter inszenieren konnte. Umso mehr gefiel es Diego, dass Collin keinerlei Interesse an der Hilfe von Collin zeigte. Immerhin etwas, dachte sich der Footballer und sah zu wie Collin still und traurig davon ging. Der Footballer wollte für einen Moment hinterher, doch seine Beine waren schwer wie Beton und er kam nicht dazu. Irgendetwas in ihm hinderte ihn. Es war wohl sein falscher Stolz. Er müsste zugeben, sich geirrt zu haben, Fehler gemacht zu haben. Er schluckte nur schwer, ehe er zu Isaac sah. Dessen freundliche Miene sich verfinsterte. Diegos Blick wurde von Mitleid zu Genervtheit. Er kam hier mit jedem klar bis auf diesen Typen, der der Meinung war sich überall reinhängen zu müssen.

      "Glaubst du wirklich mich interessiert die Meinung eines aufgeblasenen Wichtigtuers wie dich?", fragte Diego gelangweilt und zuckte mit den Schultern. Er winkte ab und wollte sich schon umdrehen, als Isaac einen Schritt näher auf ihn zu kam. "Wenn du nicht glaubst, dass ich mir die Jungs vorknöpfe, kann ich ja mit dir anfangen, Darling." Er beugte sich bedrohlich zu Isaac vor. "Also erzähl mir keinen Scheiß. Ich weiß, wie ich mit diesen Typen umzugehen habe. Und genauso weiß ich, was für ein Typ du bist."
      Im nächsten Moment drohte ihm Isaac. Dieser kleine ..., dachte sich Diego wütend und riss sich dennoch zusammen, nicht laut zu werden. Er kannte dieses Arschloch viel zu gut und wüsste, dass es ihm nur in den Kram passen würde, wenn Diego ihm nun gehörig eine knallen würde. Also ermahnte er sich und blieb ruhig. Er antwortete berechnend: "Dann werden wir wohl den Schulpreis inklusive Fördergelder für die AGs nicht bekommen. Das kannst du ja dann gerne deinen Wählern verkaufen. Und nun nerv mich nicht, ich muss mit dem Football-Team für diesen Preis trainieren." In diesem Moment hatte es den Football-Spieler selber überrascht, dass es dieses Argument schlagfertig aus dem Hut zaubern konnte. Isaac hielt sich nur deswegen für so klug und überlegen, weil er oft ein Argument hatte. Das war zwar meistens keins, aber sein Gegenüber war dadurch fot überfahren und antwortete nicht mehr. Dies durfte man den Schülersprecher jedoch nicht durchgehen lassen. Für Diego war das Gespräch damit auch beendet. Er hatte keine Zeit sich das Geschwafels dieses Typens weiter anzuhören. Dafür ist mir meine Zeit zu kostbar.

      Er drehte sich um ging Richtung Mensa. Als er einige Schritte weg war, sah er über seine Schulter. "Ach und noch was, Darling, unser Schulmaskottchen braucht ein neues Oberteil. Danke fürs Organisieren, das ist ja schließlich dein Aufgabenbereich, Schulsprecher!" Mit diesen Worten ließ er den arroganten Jungen im Flur stehen und ging in der Mensa zu den Jungs. Seine Freundin Amy kam von einem anderen Tisch und setzte sich mit ran, was Diego nur genervt stöhnen ließ.
    • -Gegenwart - am nächsten Morgen-

      Collin schreckte aus seinem Schlaf. Seine Augen waren aufgerissen und er blickte panisch umher. Erst einen ganzen Moment später realisierte er, wo er gerade war und beruhigte sich wieder ein wenig.
      Seine Hand ging instinktiv in seine langen blonden Haare und tastete die einzelnen Strähnen nach einem Kaugummi ab, der nicht existierte. Ein Albtraum...es ist nur einer dieser verdammten Albträume gewesen...
      Mit einem erschöpften Seufzen, ließ er sich wieder in die weichen Kissen seines großen Bettes fallen und blickte zu der Digitaluhr auf seinem Nachttisch.

      [4:34 A.M]

      Ein weiteres tiefes Seufzen entwich Collins Lippen und er überlegte, ob er noch ein wenig schlafen oder bereits aufstehen sollte. Seine Augen wanderten zu einen der riesigen Fenster seines Zimmers.
      Die Sonne war noch nicht aufgegangen und am dunklen Nachthimmel leuchteten noch immer die Sterne und der Mond.
      Er schloss nochmal seine Augen, doch zum Schlafen kam er nicht. Ein leises Kratzen am Holz seiner Zimmertür, ließ ihn seine Augen wieder öffnen.
      Speedy...dann war es wohl doch schon an der Zeit fürs aufstehen.
      Er fuhr sich mit einer Hand müde übers Gesicht, bevor er sich dann schließlich aus seinem warmen quälte, zu seiner Zimmertür ging und diese leise öffnete.
      Speedy wedelte fröhlich mit seiner Rute, als sich die Tür seines Herrschers endlich öffnete, auf Streicheleinheiten und sein Frühstück entgegenfiebernd.
      Auf Collins Lippen breitete sich ein schwaches Lächeln aus und er fuhr mit seinen Händen durch das weiche Fell seines Golden Retrievers.
      "Guten Morgen, du kleiner Stinker...du hast bestimmt Hunger, hab ich Recht?", sprach er leise zu seinem Vierbeiner, woraufhin dieser nur noch aufgeregter wurde.

      Collin lachte leise und machte sich dann mit Speedy zusammen auf den Weg zur Küche.
      Auf dem Weg kamen sie an der geschlossenen Tür des Gästezimmers vorbei, das er Diego für seine Zeit hier zur Verfügung gestellt hatte.
      Kaum zu glauben, dass nach all dem, was passiert ist, sie auf so eine Art und Weise wieder in das Leben des jeweils anderen getreten sind.
      ...Ob Diego wohl noch schläft oder auch schon wach ist?...
      Speedy wollte gerade mit seinen Krallen an Diegos Tür kratzen, wurde jedoch von Collin mit einem sanften, aber bestimmten „Nein, Speedy.“ daran gehindert.
      Auch Diego hatte gestern einen langen Tag gehabt – er sollte so viel Schlaf wie möglich bekommen...

      Collin und Speedy setzten dann ihren Weg zur Küche fort. Dort angekommen, fütterte Collin als erstes Speedy, bevor er sich selbst eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank nahm.
      Mit der Wasserflasche in der Hand trat er zum kleinen Medikamentenschränkchen. Er öffnete die Tür, griff nach einem unbeschrifteten Tablettendöschen und nahm sich eine der Pillen heraus. Er legte sie sich auf die Zunge und spülte sie mit einem kräftigen Schluck Wasser hinunter.
    • Diego hatte die Nacht durchwachsen geschlafen. Bei dem was am Vortag passiert war: das Wiedersehen mit Collin, das Feuer in Cnetral-Alameda und dann noch das Wissen um Isaac. Es war zu viel für ihn und immer wieder hatten ihn unruhige Gedanken in der Nacht geplagt. Er erinnerte sich an die High-School und was für ein Arschloch er damals war. Zwar kein so großes wie Isaac und dennoch keine Hilfe für Colin, der ihm nie etwas getan hatte und das alles nicht verdient hatte. Er schluckte und wachte auf. Er starte gegen die weiße Decke und richtete sich auf. Es wirkte noch immer wie ein Traum. Er lebte bei Collin und schlief bei ihm. Das Gästezimmer war riesig und elegant ausgestattet. Seine Hand fuhr über die weiche Bettdecke und er ließ sich wieder ins leichte Kissen fallen wie in eine Wolke. Er seufzte und blickte auf das Handy neben sich. "Erst 4:35", murmelte er und streckte den Kopf in den Nacken. Er fühlte sich müde und wach. Er war erschöpft, aber würde vermutlich nicht mehr schlafen können. In diesem Moment hörte er etwas im Flur. Er lauschte still aus seinem Bett heraus und entschied sich dem Geräusch nachzugehen. Er ging zur Türe und öffnete diese vorsichtig, um niemanden unnötig zu wecken und schaute in den Flur woher das Geräusch wohl kam. Er hörte etwas, jedoch kaum deutbar und sah Licht von weiter unten im Haus. "Wer ist denn da schon wach?", murmelte er und ging die kurze Treppe hinunter um nach zusehen.

      Mit einem Mal stand er in der Küche und erspähte Speedy und Collin. "Hmmm", murmelte Diego, "frühes Morgenprogramm" Anschließend gähnte er und kam etwas näher in die Küche. Speedy fraß von seinem Napf und Collin hatte gerade etwas getrunken. Diego erspähte eine Pillendose vor Collin und sah eine Zeit lang auf diese. Doch seine Augen waren zu müde, um den Namen zu entziffern und das Licht in der Küche blendete seine müden Augen zusätzlich. Diego schnappte sich ein Glas von der Theke und schenkte sich etwas Wasser ein und trank. Dann spähte er auf Collin, der ihn ansah. "Keine Panik. Es lag nicht an dir. Hatte einfach eine schlechte Nacht und nein es lag nicht am Bett." Seine Stimme klang ruhig und gleichzeitig müde. "Ich hatte bloß viele Gedanken im Kopf." Der ehemalige Footballspieler stellte das Glas wieder ab und sah zu seinem blonden Freund. "Und du? Wieso bist du schon so früh wach?" Bei Collins Arbeitspensum war er sicherlich nicht gewöhnlich so früh wach, außer er war ein Vampir. Skeptisch blickte er den Blonden an, ehe er die Sinnhaftigkeit seiner eigenen Gedanken hinterfragte und diese beiseite schob. Zu früh am Morgen für mich, dachte sich Diego. Erst jetzt stellte er fest, dass er nur in Unterwäsche und einem Tanktop vor seinem Freund stand und dieser ihn nun nochmal scheinbar dies realisierend musterte. Diego lief etwas rot an, ehe er zur Ablenkung etwas Wasser aus seinem Glas trank. Du hättest dir wirklich noch etwas anziehen sollen, dachte sich der ehemalige Sportler. Ihm kamen wieder Milos Worte vom gestrigen Abend in den Sinn. Hatte sich Collin damals wirklich ihn in verliebt? Und wieso interessierte ihn das gerade in diesem Moment? Er biss sich auf die Unterlippe. Das sind Gedanken, die du dir nicht machen solltest, Diego. Er ist ein Mann, der auf Männer steht. Du stehst auf Frauen und alles ist gut. Ihr könnt ganz normal Freunde sein und da ist nichts dabei.
    • Collin blickte überrascht auf, als Diego die Küche betrat. Er wollte ihn fragen, warum er schon wach war, aber bevor er auch nur die Chance dazu hatte, kam Diego ihm bereits zuvor.
      „Viele Gedanken?... Ja, ging mir ähnlich“, antwortete er auf die Frage des ehemaligen NFL-Spielers, bevor er das Tablettendöschen wieder im Medikamentenschränkchen verschwinden ließ und einen weiteren Schluck aus seiner Wasserflasche nahm. Das Letzte, was Collin wollte, war, dass Diego sah, was für Tabletten er gerade genommen hatte. Und glücklicherweise fragte dieser auch nicht weiter nach.

      Sein Blick fiel auf Speedy, der noch immer glücklich sein Frühstück verschlang, bevor er wieder zu Diego blickte und mit seinen Augen über seinen trainierten Körper wanderte. Vielleicht auch ein wenig länger, als es in dem Moment nötig gewesen wäre.
      Erst einen Moment später fiel ihm selbst auf, wie sehr er Diego anstarrte. Mit einem geröteten Gesicht räusperte er sich und wandte seinen Blick schnell wieder ab.
      "Wie auch immer..."

      „...Verdammt, hör auf, ihn so anzustarren! Er ist nicht... er steht nur auf Frauen, und außerdem... nein, das könnte niemals funktionieren...niemals, niemals, niemals...“, dachte Collin und weigerte sich stur, noch einmal in Diegos Richtung zu blicken.

      „Möchtest du auch einen Kaffee? Ich möchte gleich noch mit Speedy spazieren gehen... Willst du da mitkommen oder dich lieber nochmal hinlegen?“, fragte er und ging bereits zur Kaffeemaschine. Er schaltete sie ein und holte dann zwei Tassen aus dem Schrank. Dann fiel ihm wieder ein, wie leer sein Kühlschrank war, da er selbst nur einmal am Tag etwas aß und dann auch nicht selbst kochte.
      „Ich glaube, wir sollten nachher auch noch gleich einkaufen gehen.“, sagte er nachdenklich und schenkte seinem ehemaligen besten Freund dann aber einen warnenden Blick. „Aber wehe, du saust die Küche ein... dann kriegst du Ärger mit mir, verstanden?“, sagte er mit drohendem Unterton, bevor er sich wieder der Kaffeemaschine zuwandte und sich um den Kaffee kümmerte.

      Kurz darauf stellte er beide Kaffeetassen auf den Esstisch, bevor er sich selbst setzte und wieder in Diegos Richtung blickte. Speedy, der bereits sein Frühstück verdrückt hatte, lief mittlerweile mit wedelnder Rute um Diegos Beine herum. Er wollte sichtlich die Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten von dem Sportler haben.
    • "Hmmm", murmelte Diego schlaftrunken auf die Antwort von seinem ehemaligen Freund, dass diesem auch viele Gedanken durch den Kopf gegangen seien. Nachdem der Blonde, den Blick von ihm abwand, nur um ihn dann wieder anzusehen, musste Diego lächeln. Irgendwie ist er schon süß ... auf seine Art, oder? Er schürzte die Lippen, ehe er Collin fragen hörte, ob er einen Kaffee wollte oder lieber weiterschlafen. "Noch einmal zu schlafen ist keine Option. Das spüre ich. Deswegen kannst du mir auch gerne 'nen Kaffee mit machen." Er schüttelte dabei den Kopf und beobachtete, wie der Blonde zur Kaffeemaschine ging und diese einstellte und zwei Kaffeetassen holte.

      Diego entschied sich zum Kühlschrank zu gehen und Milch herauszuholen, denn er trank seinen Kaffee nie schwarz (auch wenn das alle Fitnessgurus rieten.) Doch auf den Luxus einer leckeren Milch in seinem Kaffee wollte er nicht verzichten. Als er den Kühlschrank öffnete, sprach Collin das aus was sich Diego dachte. "Oh Mann", seufzte er und sah über seine Schulter zu Collin, "du hast ja wirklich gar nichts da. Nun weiß ich auch wieso du nicht kochst." Er runzelte die Stirn und griff nach der Milch. "Na ja ein Schlückchen für uns beide ist noch drinnen", gluckste er.
      "Auf den Ärger lasse ich es gerne ankommen", grinste Diego als Collin ihn warnte Unordnung in der Küche zu veranstalten und spannte seine Oberarme an, "dann sehen wir ja wie durchsetzungsstark du bist." Mit einem breiten, herausfordernden Grinsen ging er auf Diego, der gerade die Tassen auf den Esstisch stellte, zu. Er stellte die Milch neben ihm ab und sah ihn kurz von oben herab an. Doch dann spürte er - ehe er noch etwas sagen konnte - wie sich Speedy bereits gegen sein Bein schmuste und nach Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten suchte.

      Er setzte sich neben dem Blonden auf einen Stuhl und streichelte dann den Golden Retriever ausgiebig. "Naaa. Willst du gleich eine Runde laufen? Jaaa", er kraulte dem Hund den Hals und dieser streckte sich förmlich dem ehemaligen Footballspieler entgegen. Dann sah Diego zu Collin. "Hast du Laufsachen?" Er grinste dabei schelmisch zu seinem Gegenüber und ahnte, dass diesem eigentlich nicht nach Sport war, doch Diego war nun auch andererseits sein Trainer und aus seiner Sicht gab es nichts besser als vor dem Sonnenaufgang laufen zu gehen.

      Nachdem Speedy fürs Erste besänftigt war, nahm sich Diego seine Tasse, schenkte etwas Milch ein und trank einen Schluck. Er musterte Collin, ehe er sich am Kopf kratzte. "Du warst mit Isaac zusammen?", fragte er, da er es immer noch nicht glauben konnte - auch wenn Milo ihm gesagt hatte, er solle das Thema nicht anschneiden, wollte Diego doch wissen wie es dazu kam und ob das auch seine Schuld war. Er fühlte sich schlecht und dennoch richtig hier. Collin wurde von diesem Arsch missbraucht - vielleicht noch mehr als von Diego selber und das machte ihn wütend. Er würde nicht zulassen, dass Collin sowas noch einmal widerfuhr.
      Ungläubig blickte er in die hellen Augen seines Gegenübers und stellte nun fest, dass es sich hier mit ihm so alleine ... zu zweit sehr vertraut und gleichzeitig fremd anfühlte und etwas falsch? Er war so lange ein Arschloch zu seinem besten Freund und nun? Sitzen sie wieder hier und Diego versucht alles wieder gutzumachen? Vermutlich, doch Collin würde ihm wohl nie so ganz verzeihen, mahnte sich der Trainer und lehnte sich dann etwas im Stuhl zurück. Ich hätte mich früher um unsere Freundschaft kümmern sollen.
    • Collin zog nur unbeeindruckt eine Augenbrauen nach oben, als Diego verkündete, dass er es gerne auf den Ärger angekommen lassen wird und dabei seine Oberarme anspannten.
      Die Augenbrauen des Blonden zuckte leicht, als er Diego's breites Grinsen sah und er schüttelte nur seinen Kopf. "Dein Grinsen wird dir schon noch vergehen, wenn ich dich dann in die Finger bekomme, Diego Garcia Rivera.", antwortete er und benutzte absichtlich seinen vollen Namen, um ihn, nur vielleicht, ein wenig damit einzuschüchtern.

      Er beobachtete Diego dabei, wie er Speedy die ersehnte Streicheleinheit schenkte und trank derweil einen Schluck von seinem komplett schwarzen Kaffee. Ganz nach dem Motto: I like my coffee black, just like my metal.
      Bei Diego's unerwarteten Frage, wurde er allerdings wieder aus seinen Gedanken gerissen und verzog sein Gesicht. Das konnte nicht er nicht ernst meinen...das konnte Diego ihm jetzt nicht antun! Es war doch noch viel zu früh am Morgen!
      "Nein, ich hab keine Laufsachen.", log er eiskalt, wurde dabei aber deutlich rot im Gesicht. Er ist schon immer ein schlechter Lügner gewesen und das würde sich wohl vermutlich niemals ändern.

      Er setze seine Kaffeetassen wieder an seinen Lippen an, um einen weiteren Schluck zu trinken. Aber dann...

      "Du warst mit Isaac zusammen?"

      Collins Augen weiteten sich erschrocken, und er verschluckte sich fast an seinem Kaffee. Sein Gesicht färbte sich tief rot, während er mit vorgehaltener Hand hustete.
      Erst als er sich wieder ein wenig beruhigt hatte, blickte er Diego an und suchte fast verzweifelt nach einem Anzeichen, dass er sich einfach nur verhört hatte. Aber der Ausdruck in Diegos Augen war mehr als deutlich: Er hatte sich nicht verhört. Diego wusste von seiner ehemaligen Beziehung mit Isaac. Und das gefiel dem Blonden ganz und gar nicht.
      "W-wie bitte? Was hast du mich da gerade...woher weißt du-...", fragte Collin, hielt dann aber plötzlich inne.
      Er weitete die Augen, als ihm klar wurde, von wem Diego diese Information hatte. Es gab nur eine Person mit einem viel zu losen Mundwerk, die es Diego in diesem kurzen Zeitraum hätte erzählen können.
      "Verdammt Milo! Na warte, wenn ich dich in die Finger kriege, dann hat dein letztes Stündlein geschlagen!", fluchte er mehr zu sich selbst als zu Diego und blickte dann langsam wieder zu dem ehemaligen NFL-Spieler.

      Seine Gedanken rasten und er wusste nicht, wie er anfangen sollte. Immerhin hatten auch Diego und Isaac eine Vergangenheit miteinander. Mit einem schweren Seufzen lehnte sich Collin zurück und fuhr sich mit einer Hand durch seine langen blonden Haare.
      "Ich...", begann er, ehe er erneut seufzte und fortfuhr. "Ja, ich war mit Isaac zusammen.", gestand er und blickte zu Speedy, welcher bei der Erwähnung von Isaacs Namen tief knurrte.
      Doch der Golden Retriever beruhigte sich wieder, als Collin ihm seine Hand auf den Kopf legte und ihn sanft hinter dem Ohr krauelte. "Er ist nicht hier Speedy...es ist alles gut.", flüsterte er seinem Vierbeiner sanft zu, bevor er wieder zu Diego blickte.
      "Es ist Vergangenheit. Ich hab mit ihm Schluss gemacht.", sagte und schüttelte missbilligend seinen Kopf. "Dieser Bastard sollte es sich nicht wagen, hier nochmal aufzutauchen. Wenn er es doch tut, werde ich Speedy auf ihn hetzen.", grummelte er und fixierte Diego dann mit einer ernsteren Miene.

      "Warum interessiert dich das, Diego?"
    • Diego zuckte merklich zusammen, als sich Collin beinahe am Kaffee verschluckte. Seine Augen wurden groß, und für einen Moment hatte er wirklich Sorge, der Blonde würde sich ernsthaft verschlucken. "Hey, hey! Alles okay?", fragte er schnell und beugte sich leicht zu ihm rüber, aber Collin wehrte ab, während er hustete und sich das Gesicht hochrot färbte. Diego wartete geduldig ab, wie der andere sich langsam wieder fing — doch innerlich schlug sein Herz schneller. Es war vielleicht wirklich nicht der beste Zeitpunkt gewesen, aber jetzt war es raus.
      Dann kam die Reaktion. Das Erschrecken. Die Frage. Das Innehalten. Die Erkenntnis. Und schließlich: Milos Name.
      "Ja", murmelte Diego leise und strich sich mit einer Hand durch das dunkle Haar, das noch leicht vom Schlaf zerzaust war. "Er hat es mir gesagt. Aber du wirst ihm kein Haar krümmen! Es geht auch gar nicht um ihn."
      Er nahm einen Schluck aus seiner Tasse, nur um die plötzliche Enge in seiner Brust zu überspielen.
      "Ich hab ihn nicht dazu gezwungen oder so. Er... er meinte, du würdest es mir sowieso nie sagen."
      Diegos Blick wanderte kurz zu Speedy, der sich nun unter den Tisch gelegt hatte, zufrieden von der morgendlichen Zuwendung.
      "Und vielleicht hat er recht." Er sah wieder zu Collin, dessen Gesicht irgendwie wütend, fassungslos aber auch betroffen aussah. Er hatte wohl einen Punkt getroffen?

      "Ich mein… Ich weiß, ich hab kein verdammtes Recht dazu. Aber es hat mich einfach ...", er stockte im Satz, "getroffen, verstehst du?" Er nahm nochmals einen Schluck aus der fast leeren Tasse, um sich zu beruhigen und sich die Sätze im Kopf besser zurecht zu legen. Diego beugte sich mit den Unterarmen auf die Tischplatte, den Blick jetzt deutlich ernster.
      "Hat er dir wehgetan, Collin?" Seine Stimme war leiser geworden. Fast zögerlich. Aber in Diegos blauen Augen brannte diese eine Frage. "Also… wirklich weh? Ich mein nicht so ein Beziehungs-Drama. Ich meine…" Er stockte. "Hat er dir wehgetan wie… ich früher? Oder schlimmer?" Diegos Magen krampfte sich zusammen bei der Vorstellung, dass dieser selbstverliebte Bastard nicht nur psychisch, sondern vielleicht auch körperlich übergriffig gewesen war. Der Gedanke machte ihn krank. Und wütend. Und schuldig. Er schluckte. Das war alles seine verdammte Schuld. Nur weil er nie für Collin da gewesen war. Weil er immer weg gesehen hatte. Er biss sich auf die Lippe und ärgerte sich für das, was geschehen war.

      Es war ungewöhnlich, dass Diego so dachte und noch ungewöhnlicher dass er so sprach! Nicht nur die Worte, sondern wie er sie sprach: vorsichtig, ehrlich, fast schon verletzlich. Es war kein Auftritt. Kein Stolz. Kein Football-Macho. Nur ein Mann, der seinem alten Freund aufrichtig gegenübersaß und merkte, wie viel er eigentlich verpasst – und falsch gemacht – hatte.
      „Weißt du, ich war immer gut darin, wegzuschauen. Und wenn ich’s nicht gesehen hab, war es nicht meine Schuld – das hab ich mir eingeredet.“ Er schüttelte den Kopf und lächelte gequält. „Aber das war Bullshit. Ich hab’s gespürt, dass da was nicht stimmt. Ich hab bloß nicht den Mut gehabt, dich zu fragen. Oder dir zu helfen. Ich… ich will’s diesmal anders machen, okay?“
      Er streckte eine Hand über den Tisch, ganz ruhig, einfach so, als wollte er die Möglichkeit geben, zu greifen oder nicht. Kein Druck. Kein Mitleid. Einfach da. „Du musst mir nicht alles erzählen. Aber du kannst. Wenn du willst.“
      Und zum ersten Mal seit Jahren fühlte sich Diego irgendwie… entwaffnet. Aber ehrlich.
    • Collin starrte Diego mit weit aufgerissenen Augen an – völlig sprachlos. Natürlich hätte er es ihm nie selbst erzählt - und das hatte verdammt gute Gründe!
      Er konnte es noch immer nicht fassen. Milo – diese verdammte Plappertasche! Es war ihm völlig egal, was Diego jetzt zu sagen hatte. Wenn er diesen kleinen Studenten in die Finger bekam, würde er ihn eine Kopf kürzer machen. Darauf konnte er sich verlassen!

      Sichtlich verletzt und hintergangen presste der Blonde die Zähne zusammen, der Blick weiterhin fassungslos auf seinen Freund gerichtet.
      „Getroffen?“, wiederholte er und schüttelte ungläubig den Kopf.
      „Und was genau hat dich getroffen, huh? Du hast Recht – du hast kein verdammtes Recht, auch nur irgendetwas darüber zu wissen. Genauso wenig, wie Milo das verdammte Recht hatte, es dir zu erzählen.“, fuhr er aufgebracht fort.

      Bei Diegos Fragen weiteten sich Collins Augen nur noch mehr. Er schluckte, doch sein Hals fühlte sich plötzlich trocken an. Diego hatte einen wunden Punkt getroffen. Ohne es zu wissen. Oder schlimmer: vielleicht doch. Und es tat weh. Tiefer, als er sich je eingestehen würde. Tiefer, als er es ertragen wollte. Nicht wie ein Stich – sondern wie ein langsames Aufreißen alter Narben.
      Collin konnte nicht sprechen. Konnte nicht einmal wegsehen. Seine Gedanken wirbelten durcheinander, schrien nach einer Reaktion, einer Flucht, einer Lüge. Doch nichts davon kam.

      Er vertraute Diego. Genug, um ihn unter seinem Dach schlafen zu lassen. In seinen vier Wänden, seinem Rückzugsort. Vielleicht war es ein schwacher Versuch, das wieder aufzubauen, was sie einmal gehabt hatten.
      Aber von Isaac zu erzählen? Von dieser Beziehung, die sich wie eine Schlinge um sein Leben gelegt hatte, bis er kaum noch atmen konnte?
      Nein. Dafür war es viel zu früh. Es war kein harmloses Kapitel, das man beiläufig erwähnt. Es war eine Wunde, die noch brannte, wenn er nachts zu lange wach lag. Eine Erinnerung, die nachwirkte – in Gesten, Blicken, in diesem Reflex, sich innerlich zu ducken, wenn jemand zu laut sprach. Und so sehr er sich bemühte, Diego wieder in sein Leben zu lassen – in diesem Teil hatte der ehemalige NFL-Spieler nichts verloren.

      Warum hatte Diego ausgerechnet jetzt plötzlich diesen Sinneswandel? Warum war er auf einmal so einfühlsam, so besorgt – als wäre ihm je etwas an Collins Gefühlen gelegen? Wo war all das gewesen, vor zehn Jahren? Damals, als es wirklich darauf angekommen wäre? Als Collin am Boden lag, zu stolz zum Bitten, zu verletzt zum Reden – und Diego einfach weggesehen hatte? - Warum jetzt?!

      Collins Blick fiel auf Diegos ausgestreckte Hand. Eine einfache Geste. Offen. Wartend. Aber er griff nicht danach. Tief in seinem Inneren wollte er es tun. Er wollte die Hand seines ehemaligen besten Freundes nehmen, wollte ihre Finger ineinander verschränken, wollte diese Wärme spüren. Doch er konnte einfach nicht. Nicht jetzt - und vielleicht auch nie.
      Etwas in ihm hielt ihn zurück – eine Mauer, alt und dick und voller Narben. Und obwohl ein Teil von ihm verzweifelt danach schrie, sie einzureißen, blieb er reglos stehen. Zwischen Wunsch und Angst gefangen. So blieb Diegos Hand leer - wie so vieles zwischen ihnen.

      Collin nahm sich einen Moment, um sich zu sammeln. Er atmete tief durch, dann schüttelte er langsam den Kopf. „Nein. Ich will nicht darüber sprechen.“, sagte er leise, aber bestimmt. Es war keine impulsive Reaktion – sondern eine ruhige, endgültige Entscheidung.
      Sein Kaffee stand längst vergessen auf dem Tisch. Er wusste, er würde ihn jetzt ohnehin nicht mehr schmecken.

      Ohne ein weiteres Wort stand er auf, griff nach der Tasse und kippte den Rest in die Spüle. „Mach dich fertig.“, sagte er über die Schulter hinweg, während er die leere Tasse den den Geschirrspüler stellte. „Nachdem wir mit Speedy am Strand waren, fahren wir einkaufen.“
    • Collins Reaktion ließ Diego so früh am Morgen die Augen weiten. Wo nahm er diese Energie her? Der Gedanke, dass diese Energie aus viel Verletzung herrührte, kam dem Footballer und dennoch konnte er sich nicht ausmalen, was Collin durchgemacht hatte. Der Braunhaarige nahm Collins Wutausbruch so hin und schaute ihn dabei einfach nur an. Er würde für den Moment nicht darauf eingehen. Er kannte Collin zwar nicht so emotional , aber er wusste, dass der alte Collin immer wieder nachdachte und so würde diese Situation ihn sicherlich auch nochmal nachdenken lassen. Für den Moment, so war sich Diego sicher, könnte er hier nicht viel an der Ansicht des Blonden ändern. Und so antwortete er auf Collins "Nein. Ich will nicht darüber sprechen" mit einem schwermütigen Ton: "Ich weiß, Collin."

      Diegos Blick blieb an Collins Rücken hängen, als dieser zur Spüle ging. Keine Wut. Kein enttäuschtes Seufzen. Nur ein leises, kaum spürbares Zucken in seinem Kiefer. Das hier war seine Quittung. Und er wusste es. Natürlich wollte Collin nicht reden. Warum auch? Er hatte allen Grund dazu, ihm nicht zu vertrauen. Zu schweigen. Diego hatte sich dieses Misstrauen selbst erarbeitet – damals, als er blind und bequem gewesen war. Als er zu beschäftigt mit sich selbst war, um zu sehen, was mit seinem besten Freund wirklich los gewesen war. Also war das hier kein Rückschlag. Es war nur… logisch. So eigenartig das auch klang.

      Er nickte – eher für sich selbst – und erhob sich wortlos, während Collin seine Tasse wegstellte. Diegos Bewegungen waren ruhig, fast träge. Er ging an Speedy vorbei, der mit wedelndem Schwanz aufblickte, und warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. Wenigstens einer von ihnen war heute Morgen noch unbeschwert. „Okay“, sagte er knapp, fast tonlos. Keine Rechtfertigung. Kein Nachhaken. Nur ein stilles Akzeptieren. Nicht weil es ihm egal war – sondern weil er begriff, dass Collin Zeit brauchte. Und Raum. Er würde ihn bekommen. Trotzdem würde Diego dieses Mal an seiner Seite bleiben. Nicht weil er glaubte, jetzt plötzlich die Antwort auf alles zu sein. Sondern weil Collin ihm erneut zur Seite gestanden hatte ohne auf Diegos alter Art herumzureiten. Ohne Fragen zu stellen. Vielleicht war ich einfach zu weit gegangen?

      „Ich zieh mich um“, sagte er schließlich ruhig, ohne Blickkontakt.
      „Speedy braucht Bewegung. Und du brauchst Lebensmittel.“
      Er streckte sich leicht, fuhr sich durch die braunen Haare und verschwand ohne weiteren Kommentar Richtung Gästezimmer. Keine großen Worte. Kein Pathos. Aber in der Art, wie er ging, lag eine stille Entschlossenheit. Er würde Collin den Rücken stärken, wenn es dieser zuließ. Er würde nicht nochmal zu lassen, dass er es mit jemanden wie Isaac zu tun bekam. Während er in Richtung seines Zimmers ging, dachte er immer mehr über den ehemaligen Schulsprecher nach und Wut und Zorn machten sich in ihm breit. Als er in seinem Zimmer angekommen war, spürte er die Anspannung, die seinen Körper durchfloss. Seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt. War es nur Wut auf diesen Mistkerl, den er schon immer zum kotzen fand oder war es doch mehr? Vielleicht etwas Eifersucht? Nach all der Zeit hatte er nicht mehr den Zugang zu Collin, den er sich vielleicht wünschte und dieser Typ hatte seinen alten Freund schwer verletzt. Nicht oberflächlich wie es bisher scheint aber - und das wiegt schlimmer - im Inneren. Diego seufzte und spürte einen Druck auf sich, der unangenehm drückte. Es war sein Schuldgefühl. Er hätte Collin vielleicht vor diesem Ausgang bewahren können, doch zu lang war er nur für sich da. Er seufzte und schüttelte den Kopf. Er musste Collin wieder mit einem klaren Kopf begegnen. Es brachte jetzt nichts weiter auf den alten Erlebnissen rumzugrübeln. Ich werde ihm helfen, fasste Diego seinen Entschluss, ehe er sich endlich umzog und später mit gemütlichen Laufsachen im Flur stand.

      Nur gut, dass er immer eine gepackte Sporttasche dabei hatte und so auch gestern als der Brand in seinem Wohnviertel Central-Alameda ausgebrochen war. Speedy bellte zufrieden und der ehemalige Footballer drehte sich zu dem Golden Retriever um. "Na, Sportsfreund. Du solltest heute mal ne Runde mit mir laufen, was?", grinste Diego zufrieden, ehe er den Hund hinter dem Ohr streichelte wie es dieser mochte.
    • Wenig später trat auch Collin in lockerer Sportkleidung aus dem Schlafzimmer in den Flur. Sein langes, blondes Haar hatte er zu einem lässigen Dutt zusammengebunden, der nun den zuvor verborgenen Undercut freilegte. Ein paar lose Strähnen hatten sich gelöst und rahmten sein Gesicht, das noch etwas verschlafen wirkte.

      In der Zeit, in der er sich die Zähne geputzt und sich umgezogen hatte, war er wieder ein wenig zur Ruhe gekommen. Er zwang sich, Isaac aus seinen Gedanken zu verbannen. Isaac war kein Teil seines Lebens mehr – und sollte es auch niemals wieder sein. Er würde ihm nie verzeihen. Nicht das Fremdgehen - und erst recht nicht die körperliche und seelische Gewalt, die er ihm angetan hatte.

      Die Medikamente wirkten mittlerweile – genug, um den Druck in seiner Brust erträglich zu halten. Ohne sie würde er wohl kaum schlafen. Kaum gegessen. Vielleicht gar nicht mehr funktioniert - aber er musste funktionieren. Allein wegen seiner beruflichen Position im oberen Management. Er konnte sich nicht leisten auszufallen.
      Manchmal hasste er es, dass er überhaupt auf diese Medikamente angewiesen war. Er hasste es. Diese Abhängigkeit. Aber ohne sie bekam er kaum einen klaren Gedanken gefasst, geschweige denn den Tag überstanden. Die Diagnose hatte nichts geändert – nur einen Namen für das Chaos in ihm geliefert.

      Sein Blick glitt zu Diego und Speedy hinüber. Ein schwerer Stich zog sich durch seine Brust – Schuld. Schuld, weil er seinen ehemaligen besten Freund vorhin so hart angegangen war. Er hätte das nicht tun dürfen. Aber er hatte nicht anders gekonnt. Er hatte sich nicht anders zu helfen gewusst, als in diese Abwehrhaltung zu flüchten – und Diego von seinen eigenen Gefühlen wegzustoßen, bevor die zu viel Raum einnehmen konnten.
      Er seufzte leise und strich sich ein paar lose Strähnen hinter das Ohr. „Bist du fertig? Können wir los?“, fragte er und schlüpfte bereits in seine Sportschuhe. Sein Blick wanderte erneut zu Diego und Speedy, welcher sichtlich jede einzelne Streicheleinheit genoss.
      „Speedy“, sagte er schließlich, ruhig, aber bestimmt.
      Der Golden Retriever hob sofort den Kopf und gehorchte aufs Wort. Collin ließ seine Finger sanft durch das weiche, goldene Fell gleiten, ehe er sich das Hundegeschirr griff und es seinem treuen Begleiter sorgfältig anlegte.
    • Diego musterte seinen Freund. Der Dutt legte den Blick auf einen Undercut frei, den der Braunhaarige nicht erwartet hatte. „Bist modisch mutiger geworden seit früher“, grinste er schief und trat dann mit Collin und Speedy aus dem großen Haus. Der Golden Retriever trottete brav neben ihm her, die Rute leicht erhoben, als wüsste er bereits, dass gleich etwas Schönes bevorstand. „Ich habe uns eine kleine, nicht zu anstrengende Route rausgesucht – ideal für den Anfang.“ Speedy wackelte aufgeregt mit dem Schwanz, sprang einmal freudig an Diego hoch und ließ ein kurzes, heiseres Bellen hören – als ob er das Startkommando einfordern würde. Diego lachte leise, warf dem Hund einen liebevollen Blick zu und lief dann los. Sofort war Speedy an seiner Seite, trabte mit lockeren, gleichmäßigen Schritten neben ihm her. Immer wieder schaute er zu Diego hoch, als wollte er sichergehen, dass sie tatsächlich zusammen unterwegs waren. Die Zunge hing locker aus dem Maul, die Ohren wippten bei jedem Schritt.

      Diego spürte den frischen Meereswind auf der Haut, spürte, wie seine Muskeln langsam warm wurden. Es war nicht wie früher – nicht so diszipliniert, nicht so hart –, aber irgendwie vertraut. Der sandige Duft, die salzige Luft und das leise Rauschen der Wellen gaben ihm für einen Moment das Gefühl, wieder ganz bei sich zu sein. Die Sonne ging langsam auf, und der feuchte Asphalt unter seinen Schuhen reflektierte das goldene Licht. Diego sog die Luft tief ein, das Atmen fiel ihm leicht – doch innerlich begann es zu rumoren.
      „Im Training bei der NFL sind wir pro Tag an die 20 bis 30 Kilometer gejoggt. Egal bei welchem Wetter – meistens bei purer Sonne. Das war eine Plackerei, sage ich dir“, sagte er, doch seine Stimme war bereits rauer. Speedy hatte sich unterdessen etwas vorgewagt, schnüffelte neugierig an einem Mülleimer, nur um dann mit fliegenden Ohren zurück zu seinem Herrchen zu sprinten, als dieser an Tempo zulegte.

      Diegos Schritte wurden fester, seine Haltung angespannter. Der Gedanke an die Vergangenheit grub sich wie ein Widerhaken in seine Brust. Er erinnerte sich an die alte Zeit, die Mannschaft und auch die Erfahrungen. Die positiven als auch die negativen Erlebnissen. Er musste schlucken und wurde innerlich aufgewühlter als er mehr darüber nachdachte. Seine Hände, die gerade noch locker an seinem Körper mitschwangen, ballten sich zu Fäusten und er wurde langsam schneller. Aus Frust über das, was vorgefallen ist. Und er spürte wie immer mehr und mehr Energie in seinem Körper frei wurde. Er fühlte, wie Wut, Enttäuschung und eine tiefe Melancholie in ihm aufstiegen. Seine Hände ballten sich unbewusst zu Fäusten, seine Schultern spannten sich an. Er rannte. Nicht, um etwas zu erreichen – sondern um etwas abzuschütteln. Speedy lief tapfer mit, versuchte Schritt zu halten, jaulte kurz, als ob ihn die plötzliche Hektik verunsicherte, dann beschleunigte auch er. Erst als Diego Collins Stimme hörte, kam er abrupt zum Stehen. Schwer atmend beugte er sich nach vorn, stützte die Hände auf die Oberschenkel, während sein Brustkorb sich hob und senkte. Speedy hechelte neben ihm, schüttelte das Fell, als wolle er die Anspannung aus dem Körper werfen, und stupste Diego mit der Schnauze an.

      Diego richtete sich langsam auf, zwang sich zu einem lockeren Gesichtsausdruck. „Sorry, war irgendwie in einem Tunnel“, murmelte er und winkte ab. Sie hatten die Route geschafft und dazu noch in einem guten Tempo, wenn man bedenkt, dass Collin kein geübter Läufer ist. Speedy setzte sich neben ihn ins warme Licht der Morgensonne, seine Zunge hing weit heraus, während er aufmerksam zwischen Diego und dem Meer hin und her blickte – als spüre auch er, dass in seinem Herrchen gerade mehr vorging, als dieser zeigte.
    • „Ich habe uns eine kleinere, nicht zu anstrengende Route rausgesucht.“, - hatte er gesagt. „Ideal für den Anfang.“, - hatte er gesagt.
      Doch was für Diego wie eine Kleinigkeit wirkte, war für Collin alles andere als das. Der Blonde konnte anfangs noch ganz gut mit Diego mithalten – auch wenn er schon früh merkte, dass ihm durch die falsche Atmung bald die Seite stach.
      Er nickte nur knapp, als Diego vom Training bei der NFL erzählte. Allein bei dem Gedanken, täglich 20 bis 30 Kilometer zu joggen, wurde ihm übel. Und das bei jedem Wetter? Ein unvorstellbarer Gedanke. Da saß er doch lieber vor seinem Arbeitscomputer – am liebsten im Homeoffice – und arbeitete, bestenfalls in aller Ruhe, seine täglichen Aufgaben ab. Zum Glück ist Collin schon immer ein perfektionistischer und organisierter Mensch gewesen. Andernfalls würde er wahrscheinlich regelmäßig in der Arbeit untergehen.
      Nun ja…mehr, als er es ohnehin schon tat.

      Er biss die Zähne zusammen und zwang sich, mit Diego und Speedy Schritt zu halten. Warum hatte er das hier nur für eine gute Idee gehalten? Morgen würde Diego den morgendlichen Spaziergang mit Speedy definitiv alleine machen dürfen.
      Collin war so sehr in Gedanken, dass er kaum bemerkte, wie Diego immer schneller wurde. Erst als dieser bereits mehrere Meter voraus war, merkte Collin, dass etwas nicht stimmte. Diegos Körper war angespannt, sein Blick leer – als würde er kaum wahrnehmen, was um ihn herum geschah.
      Auch Speedy schien zu spüren, dass etwas nicht in Ordnung war, und jaulte kurz auf. Collin blieb stehen, versuchte, seinen eigenen Atem wiederzufinden, und rief nach Diego. Erst ruhig…dann so laut, wie es seine restliche Luft zuließ.
      „Diego!…DIEGO!“
      Endlich schien der ehemalige NFL-Spieler ihn gehört zu haben. Keuchend blieb er stehen. Collin zwang sich, noch einmal anzulaufen und erreichte ihn bald – Diego hatte sich mit den Händen auf den Oberschenkeln abgestützt.
      Collin musterte ihn aufmerksam, während er sich selbst eine Hand auf die stechende Seite legte. Bevor er überhaupt fragen konnte, was los gewesen war, murmelte Diego bereits, er sei in einer Art Tunnel gewesen.

      Der Blonde atmete noch drei Mal tief durch und brachte dann, immer noch etwas außer Atem, hervor: „Ja…das habe ich gemerkt.“, keuchte er und ließ seine aufmerksamen Augen über Diego wandern.
      Vielleicht war es nur sein Bauchgefühl…vielleicht auch die Tatsache, dass sie in ihrer Kindheit beste Freunde gewesen waren. Aber irgendetwas sagte Collin, dass hinter Diegos Worten mehr steckte, als er preisgab.
      Sollte er nachfragen? Aber wie, wenn er selbst nichts von seiner Vergangenheit mit Isaac erzählen wollte?
      Er wollte Diego mit seinen Fragen nicht überrumpeln – also entschied er sich, vorsichtig an die ganze Angelegenheit heranzugehen.
      Collins Blick wanderte zu Speedy, der die Sonne auf seinem goldenen Fell genoss und hechelnd in Richtung Meer blickte.
      „Ich glaube…wir brauchen alle mal eine kurze Abkühlung. Meinst du nicht auch?“, fragte er mit festerer Stimme und nickte in Richtung des Wassers.
      Als hätte Speedy gespürt, woran sein Herrchen gerade dachte, sprang er sofort auf die Pfoten. Schon machte er Anstalten, zum Meer loszurennen, doch ein strenger Blick von Collin reichte – der Hund setzte sich ungeduldig, aber gehorsam wieder hin und wartete auf das ersehnte Kommando.
    • Diego war froh um Collins Einwand für einen Gang Richtung Meer und auch Speedy schien geradezu begeistert von dieser Idee. Er wollte schon loslaufen, ehe Collin den Golden Retriever scharf anschaute und der strenge Blick genügte, dass der Hund sitzenblieb. Der Sportler musste grinsen und ging dann mit den beiden von der Promenade durch den Sand Richtung Meer. "Du warst am Anfang richtig stark. Wenn man bedenkt, dass du sonst nie läufst. Ziemlich cool, Collin", lächelte Diego, dessen Gedanken sich nun langsam wieder gesammelt hatten. Er wollte schließlich nicht vor Collin als Versager oder Weichei dastehen. Die Story in der NFL und was ihm vorgefallen war, würde er für sich behalten. Diesen Schmerz, den er einmal erlebt hatte, würde er nie wieder erleben wollen. Umso froher war er als die beiden nach wenigen Minuten am Rand des Strands und Anfang des Meers standen. Speedy tappste bereits in seichte Wasser. Der ehemalige NFL-Spieler schlüpfte aus seinen Schuhen und trat nun ebenfalls mit den Füßen ins Wasser. Er genoß das kühle Feucht, schloss die Augen und atmete einmal durch. Diego sah zu seinem ehemaligen Freund, der unweit von ihm entfernt stand. Er ging ein Stückchen tiefer ins Wasser und schaute immer noch zu dem Blonden. "Also du wolltest dich doch abkühlen, oder?", grinste er und bückte sich nach unten, fuhr mit seiner Hand ins Wasser und formte eine leichte Mulde in der Hand, ehe er das darin gesammelte Wasser gegen Collin warf und diesen damit bespritzte. Er streckte ihm frech die Zunge raus und setzte nochmals nach.

      Speedy hüpfte aufgeregt um die beiden und bellte zufrieden und wollte wohl auch mitspielen. Er sprang umher und machte nun beide nass, sodass sie kurz darauf in durchnässten Sachen da standen. Diego musste lachen, ehe er sich das Oberteil und die Hose auszog und nun Speedy hinterherlief. "Na komm her du Wasserratte! Nun kriegst du eine Abreibung!" Doch in den Wellen des hüfthohen Wassers schaffte es Diego nicht den Hund einzuholen, der wie ein Reh gekonnt durchs Wasser lief und sprang und jeder Welle beinahe majestätisch mit einem Sprung auswich, während der Sportler sich mühsam durch jede Welle laufen musste. Am Ende gab er erschöpft auf und kam an den Strang zurück. Er legte die Arme an die Hüften und sah zu Collin, der sie beobachtete hatte. Sein Blick ruhte auf ihm aber auch nicht auf seinem Gesicht. Er spürte das Collin ihn mehr musterte. Eigentlich war ihm das immer recht, wenn ihn Leute ansahen. Er lebte seinen Fitness-Lifestyle auch offen auf Instagram mit entsprechenden Bildern und dennoch fühlte er sich komisch. Weil er wusste, was Collin mal für ihn empfand? Weil er sich selbst mit dieser Situation nicht zu helfen wusste oder weil er doch irgendwie in seinem hintersten Kopf spürte, dass er Collins Blick auf sich mochte - im Gegensatz zu sonstigen Blicken, die er einfach hinnahm. Er fuhr sich durch die braunen Haare und drehte sich etwas zur Seite als ob er zum Horizont sehen wollte. "Willst du ehm ... vielleicht auch ins Wasser. Du hast bestimmt geschwitzt?", fragte er und sah noch weiter gen Horizont. Er musste sich fassen. Seine Gedanken kreisten noch und erst jetzt spürte er, wie dämlich das aussehen musste. Also drehte er sich wieder zu Collin und beschloss die Situation - wie gekonnt - zu überspielen, indem er breit grinste und auf sein Sixpack zeigte. "Verdammt viel Arbeit. Nimm dir besser nie vor dahin zu kommen, dann musst du echt jeden Tag selber kochen", neckte er seinen alten Schulfreund und sah wie nun auch Speedy aus dem Wasser zurückkam, sich neben die beiden gesellte und sich dann kräftig schüttelte.
    • Collin beobachtete Diego gerade noch dabei, wie dieser langsam ins Wasser ging. Als er dann aber bemerkte, wie Diego sich darauf vorbereitete, ihn mit dem kalten Wasser nasszuspritzen, weiteten sich Collins Augen erschrocken.
      „Diego, wehe! Das wagst du nicht!“, warnte er seinen ehemaligen besten Freund – doch es war bereits zu spät.
      Diego spritzte ihn mit dem eiskalten Wasser voll, und Collin quietschte unfreiwillig laut auf: „Iiik!“
      Speedy hüpfte aufgeregt um die beiden herum, was nur dazu führte, dass sie am Ende beide bis auf die Haut durchnässt dastanden.
      Dass Collin ausgerechnet ein weißes Shirt trug, machte die Situation nicht gerade besser. Der nasse Stoff klebte durchscheinend an seiner Haut, ließ kaum noch etwas verborgen.

      Er verengte leicht die Augen, während er Diego dabei beobachtete, wie dieser sich seines eigenen Shirts und seiner Hose entledigte und dann – mehr schlecht als recht – versuchte, Speedy im Wasser zu fangen.
      "Oh, na warte… das kriegst du zurück, Diego!", dachte Collin und ließ seinen Blick langsam über Diegos Körper gleiten, als dieser wieder aus dem Wasser kam.
      Collins Mimik verriet nichts von seinen Gedanken. Er hörte Diego kaum zu, als dieser irgendetwas über sein Sixpack erzählte – seine Gedanken kreisten nur um eines: Rache.

      Für einen kurzen Moment wanderte sein Blick zu Speedy, der gerade an den Strand getrottet kam und sich das Wasser aus dem Fell schüttelte.

      Langsam ließ Collin seinen Blick wieder zu Diego gleiten und bewegte sich mit gemächlichen Schritten auf ihn zu.
      „Diego?“, sprach er schließlich – seine Stimme zuckersüß, aber gefährlich leise.
      Sein blondes Haar hatte sich aus dem Dutt gelöst, hing ihm in nassen Strähnen ins Gesicht.
      Als er Diego erreichte, blieb er direkt vor ihm stehen und ließ sich noch einen Moment Zeit, seine Augen langsam über Diegos Körper wandern zu lassen.

      Und dann – ohne jede Vorwarnung – warf er sich mit voller Kraft gegen seinen ehemaligen besten Freund, riss ihn mit sich zusammen zurück ins Wasser.
      „Mach das nie wieder, du Penner!“, fluchte Collin – völlig untypisch für ihn, aber seine Stimme klang fast schon atemlos vor Empörung.
      Da sie weit am Strand waren, war das Wasser nicht besonders tief.
      Tatsächlich saß Collin nun auf Diegos Hüfte, um zu verhindern, dass dieser einfach wieder aufstehen konnte. Mit einer Mischung aus Triumpf und Trotz klatschte er ihm dabei eine ordentliche Ladung Wasser direkt ins Gesicht.
    • Diego schnaufte überrascht auf, als Collin sich so unvermittelt auf ihn warf und ihn zu Boden riss. Der kühle Wasserschwall traf ihn wie ein Schlag, und er prustete laut auf, während das Salzwasser ihm die Sicht nahm. "Alter! Bist du irre?" Seine Stimme war halb empört, halb belustigt – und doch machte er keinerlei Anstalten, sich gegen Collins Gewicht zu wehren. Im Gegenteil: Seine Hände hatten sich reflexhaft im Sand abgestützt, doch nun blieben sie liegen, während Collin auf seiner Hüfte saß, nass, keuchend, mit halb ins Gesicht hängenden Haaren und diesem verfluchten Blick, der mehr sagte, als Worte es je könnten. Diego atmete tief durch und blinzelte das Wasser aus den Augen. Dann lachte er leise. Nicht sein typisches, schallendes Lachen. Sondern dieses tiefe, fast private Lachen, das nur jemand hörte, der ihm wirklich nahekam.

      "Ich glaub, ich hab grad verloren, was?", murmelte er mit einem schiefen Grinsen. „Aber irgendwie fühlt sich das nicht so schlimm an.“
      Er legte den Kopf ein Stück tiefer in den Sand, sodass er bequem zu Collin aufsehen konnte, seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig unter ihm. Er ließ es einfach zu – dass Collin ihn fixierte, dass er auf ihm saß, dass er diese Nähe ganz bewusst nicht unterbrach. "Du bist ganz schön hartnäckig geworden", sagte er leise, diesmal ernsthafter. Seine Stimme war rau von Wasser, Sonne und vielleicht einem Hauch Unsicherheit. "Früher hättest du dich nie getraut, mich so umzuhauen." Ein kurzes, leises Lächeln zuckte über seine Lippen, während er seine nassen, sandverklebten Finger hob und wie nebenbei ein paar Strähnen aus Collins Gesicht strich, die dort festklebten. "Sieht besser aus so", murmelte er. Er wusste selbst nicht, warum sein Herz schneller schlug. Vielleicht, weil Collin gerade näher war, als er es je wieder erwartet hatte. Vielleicht, weil all das Spiel und Wassergeplänkel gerade etwas anderes verbarg – etwas Echtes, etwas Altes, das unter der Oberfläche lauerte.

      Sein Blick wanderte ganz automatisch über Collins Gesicht. Da waren diese blonden Strähnen, die sich aus dem lockeren Dutt gelöst hatten, nun nass und schwer, einige klebten ihm an der Wange, andere fielen fast verwegen über seine Stirn. Diego hob langsam eine Braue. Und dann fiel sein Blick tiefer. Das weiße Shirt war komplett durchnässt, durchsichtig wie feuchtes Papier. Der Stoff klebte eng an Collins Oberkörper, zeichnete jede Kontur ab, ließ kaum Raum für Fantasie. Sein Blick blieb einen Moment zu lange an der sichtbaren Linie des Schlüsselbeins hängen, wanderte über den Hals zu der Stelle, an der sich der Stoff an die Brust presste. Er merkte selbst, wie ihm ein bisschen wärmer wurde – nicht vom Wasser, nicht von der Sonne. Ist das … sexy? fragte sich Diego plötzlich, ohne dass er es wirklich kontrollieren konnte. Der Gedanke kam wie aus dem Nichts, war dann aber umso schwerer zu ignorieren. Sein Blick wanderte langsam wieder nach oben, traf Collins Augen. Verdammt. Da war dieses Kribbeln in seinem Magen, das nichts mit dem Wasser oder dem Spiel von vorhin zu tun hatte.

      Diego schluckte leicht, versuchte seine Stimme normal klingen zu lassen. „Weißt du eigentlich, wie du gerade aussiehst?“, fragte er, mit einem Hauch von Belustigung, der seine eigene Verwirrung überspielen sollte. „So … halb Engel, halb Ärger.“ Ein Lächeln zuckte über seine Lippen, aber es wirkte irgendwie weicher als sonst. Er hob eine Hand, ließ sie dann aber doch wieder sinken. Nicht jetzt. Nicht so. Stattdessen atmete er einmal tief durch und wandte den Blick kurz zum Himmel über ihnen, während das Wasser leise um ihre Körper strich. „Manchmal fühl ich mich echt, als hätt ich dich nie richtig gekannt.“ Seine Stimme war fast ein Flüstern.
    • Collin war gerade noch dabei, seinen kleinen Triumph über den ehemaligen NFL-Spieler und früheren besten Freund in vollen Zügen zu genießen. Mit jeder Sekunde machte er sich ein Stück schwerer auf Diegos Hüfte, ganz so, als wolle er seinen Sieg regelrecht einmeißeln.
      „Und wie du verloren hast!“, prustete er lachend und streckte die Nase leicht in die Luft. „Wenn ich nur ein kleines bisschen mehr Kraft aufgewendet hätte, wärst du wahrscheinlich direkt ins offene Meer geflogen!“
      Er stemmte die Hände in die Hüften und sah mit einem breiten, überheblichen Grinsen auf Diego herab. „Vielleicht hätte ich wirklich früher damit anfangen sollen… oder dir gleich den nackten Hintern versohlen.“
      Doch seine Worte verstummten, als Diego ihm plötzlich ein paar nasse Haarsträhnen sanft aus dem Gesicht strich.
      Collins blauen Augen weiteten sich leicht. Wieder einmal hatte es Diego geschafft, ihn innerhalb von Sekunden völlig aus dem Konzept zu bringen – mit einer einfachen, fast schon intimen Geste, die viel zu vertraut wirkte, um sie zu ignorieren.
      Er spürte seinen Blick. Wie Diegos Augen langsam über den weißen, durchnässten Stoff glitten, der sich unangenehm eng an seinen Oberkörper schmiegte.
      Aber Collin machte keine Anstalten, sich zurückzuziehen. Vielleicht, weil auch er schon viel zu oft den Blick über Diegos Körper hatte wandern lassen – heimlich, flüchtig, aber nie ganz zufällig.

      Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen – doch wie so oft war Diego schneller. Als er dessen Worte hörte, blinzelte Collin kurz und zog irritiert die Augenbrauen zusammen.
      „Halb Engel... halb Ärger...“, wiederholte er langsam, beinahe ungläubig, während sein Blick wachsam auf Diegos Gesicht ruhte.
      „Hast du dir beim Sturz vielleicht den Kopf angeschlagen?“, fragte er trocken, leiser als beabsichtigt – und ließ sich nun ein Stück bequemer auf Diegos Hüfte nieder.
      Die subtile Handbewegung des anderen entging ihm nicht. Und so sehr er es sich vielleicht selbst nicht eingestehen wollte – ein Teil von ihm hatte sich gewünscht, Diego hätte sie nicht wieder zurückgezogen. Sein Blick senkte sich leicht, als er die geflüsterten Worte vernahm.
      "Vielleicht hast du mich nie wirklich gekannt.", dachte Collin – und wusste selbst nicht genau, ob darin Vorwurf lag... oder Sehnsucht.

      Einen Moment lang sagte keiner von beiden etwas. Die Stille wurde nur vom ruhigen Plätschern des Wassers begleitet und von Speedy, der sich entspannt im seichten Uferbereich niederließ.
      Dann wehte eine sanfte Brise über sie hinweg, und Collin konnte ein leichtes Schaudern nicht unterdrücken. Der nasse Stoff klebte unangenehm kalt auf seiner Haut – ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass sie vielleicht wirklich langsam zurück sollten.
      „Komm, du Schwachkopf... lass uns nach Hause gehen. Wir brauchen beide eine heiße Dusche.“, murmelte er und setzte an, sich aufzurichten – verlor dabei jedoch das Gleichgewicht.

      Noch ehe er sich abstützen konnte, kippte er nach vorne – direkt auf Diego. Ihre nassen Körper trafen einander mit einem dumpfen Platsch. Seine Hände stützten sich beidseitig neben Diegos Kopf ab, während ihre Gesichter nur noch wenige Millimeter voneinander entfernt waren.

      Die Welt schien für einen Moment stillzustehen. Nur ihr Atem – flach und leicht zitternd – füllte den kleinen Raum zwischen ihnen.