The Red Storm [yuyuumyn & Concorde]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Graumoor, Reich der Vampire

      Lucius stellte mal wieder erstaunt fest, dass Sylvas Volk einfach anders gestrickt war. Anders konnte er sich dessen Reaktion nicht erklären. "Natürlich geht es immer nur um Macht. Wofür bekriegen sich die Völker ständig? Und wenn nicht, machen sie es wir Vampire, und bekämpfen sich gegenseitig", seufzte Lucius, der fand, dass die Vampire auch weniger gegeneinander arbeiten sollten. Sie hatten eine Verpflichtung, die Ghule im Zaum zu halten und nicht ständige ihre Machtkämpfe um die Domäne auszutragen. Die aktuelle Entwicklung der Ghule zeigte auch, dass es mittlerweile wirklich Wichtigeres gab als seine Verwandten zu ermorden, doch Lucius musste seinen Plan in die Tat umsetzen. Sein tyrannischer Onkel sah die Bedrohung nicht und nur mit seinem legitimen Anspruch würde der Prinz gehör bei den anderen Vampiren finden und könnte sie mit Glück zu einer Front gegen diese Biester vereinen. Doch bis dahin blieb es ein weiter Weg. Er sah zu Sylva und fragte sich, ob ihm dieser dabei wirklich helfen konnte. Dieser schien gerade Lucius' Gedanken gelesen zu haben und prophezeite, dass Iulius noch von seinen Taten eingeholt werden würde. "Sei dir sicher: dafür werde ich sorgen!", raunte Lucius zornig und dennoch sicher. Er würde es nicht auf die Götter oder wen auch immer ankommen lassen. Diese hatten bisher einen langen Atem bei seinem Onkel gehabt. Doch Recht hatte der Vulthera: am Ende würde Iulius sterben. Dabei war sich der junge Vampir sicher und umfasste die Zügel des Hengsts, der vor ihm stand fester, als ob sie ihm Hoffnung gaben.

      Sylvas Aussage, die zum ersten Mal nicht rotzig sondern nachdenklich und ausgewogen wirkte, überraschte den Prinzen sichtlich. Was war mit seinem trotzigen Gefäß? Skeptisch blickte er auf diesen und fragte sich, ob es am vorherigen Ereignis lag. Erneut stand Sylva in seiner Schuld und war nur wieder knapp dem Tode entronnen. Doch jedes Mal hatte er sich selbst durch seine nicht durchdachten Aktionen in Gefahr gebracht. Kam der junge Vulthera zur Einsicht? Er schürzte die trockenen Lippen und spürte die dunkle Aura, die Toten hier ausstrahlten. Verwesung und Tod lagen in der Luft und der Vampir spürte diese 'Energie', die ihm nicht gefiel. Er schüttelte den Kopf und ersparte Sylva einen Kommentar zu desssen neuer EInsicht, da er ganz froh war, dass das Fuchswesen mal eine ruhigere Art an den Tag legte.

      Und genauso ruhig folgte der Vulthera dem Gespräch zwischen ihm und Kiran Nocturn, der mit seinem Reitertross vor den beiden stand. Dieser schaute die beiden ungeduldig an und sie schwangen sich aufs Pferd. Kiran nickte zufrieden und ritt mit Lucius und Sylva neben sich Richtung Burg Schwarzer Stern. "Also, Kiran. Wovon seid ihr auf dem Rückweg?"
      Kiran seufzte und sah zu Lucius: "Mein älterer Bruder, Gabriel. Du kennst ihn doch?"
      "Du meinst den Frauenheld?", grinste Lucius. Doch er sah den besorgten Blick vom Nocturn und zeitgleich ebbte sein Grinsen ab.
      "Gabriel ist seit 3 Wochen verschwunden. Wir erhalten keine Briefe mehr von ihm. Er war auf einer Mission und verschwand mit dem ganzen Trupp spurlos. Wir suchen die ganze Zeit nach Hinweisen."
      "Das erklärt wieso, du ausreitest.", nickte Lucius und sah besorgt in Richtung Burg Schwarzer Stern.
      "Korrekt. Ich will meinen Bruder finden, auch wenn ich nicht wie er ein perfekt ausgebildeter Krieger bin."
      "Kiran? Ich kenne die Geschichten von deinem Bruder und wenn sie nur im Ansatz stimmen, wird es ihm gut gehen!"
      Kiran sah etwas erleichtert Lucius an, ehe er ihn und sein Gefäß nickte.
      "Und du? Bringst uns ein Gefäß?"
      "Von wegen. Das ist mein Gefäß, Sylva. Auch wenn es dir vielleicht gefällt." Lucius zischte dabei leise und legte sein Hand etwas näher um Sylvas Hüfte und zog ihn an sih.
      Kiran zwängte sich ein Lächeln auf, schien aber immer noch bedrückt. "Interessantes Gefäß, so kennt man euch hochadeligen Vampire ja."
      Der junge Vampirprinz verzog das Gesicht und wollte Kiran einen bissigen Kommentar versetzen, doch verzichtete er. Der Nocturn schien verständlicherweise bedrückt zu sein. "Wieso seid ihr dann hier?", fragte der Schwarzhaarige den Valerian.
      "Ich werde meinen Eid beenden."
      "Schlechter Zeitpunkt, Lucius. Die Matriarchin ist aufgrund von Gabriels ... Verschwinden sehr ... aufgebracht."
      "Mag sein, aber du weißt wessen Kind ich bin. Ich habe eine Aufgabe."
      Kiran nickte stumm, ehe die beiden das schwarze Tor zur Burg erreichten.
      "Ich wünsche dir ... Glück", nuschelte Kiran mit einem warnenden Unterton und deutete der Wache an, das Tor zu öffnen.

      "Prinz Kiran ist zurück!", rief die Wache zuversichtlich. Dabei öffnete sich das Tor. Mit einem schweren Klackern öffnete sich das dicke Tor und die beiden mitsamt Reitertross traten in den Vorhof der Burg, wo alle von ihren Pferden abstiegen. Ein Knappe kam den Leuten entgegen und übernahm die Zügel mehrere Pferd. Lucius streichelte Schattenwind nochmals, ehe er sich von diesem trennte und mit Sylva zum wartenden Kiran ging. "Ich begleite euch. Die Matriarchin ist aktuell sehr ... bedrückt und meine Anwesenheit könnte ihre ...", erklärte er, ehe ihm Lucius unterbrach.
      "Ihre Art etwas abmildern, ja. Ich kenne sie gut genug."
      "Und sie mag dich, was es für dich nur schwieriger macht", ergänzte Kiran und ging mit den beiden den Hügel und mehrere Vorburgen zum Thronsaal hinauf. In der Burg hatte sich eine kleine, aber spannende Stadt entwickelt, in der viele Rüstungs- und Waffenschmiede saßen. Überall war reges Treiben und dennoch wirkte die Stimmung sehr bedrückt. Das lag nicht nur an dem Ort, dem Graumoor und der düsterten Burg an sich, sondern - so mutmaßte der Vampir - auch an Gabriels Verschwinden. "Dein Bruder war sehr beliebt, nicht?", fragte Lucius und Kiran nickte mit einem leisen Schluchzen. Lucius entschied das Thema nicht auszuweiten. Stumm gingen die beiden zur Thronhalle, ehe Kiran plötzlich vor der Halle unweit des mächtigen offenen Eingangs stoppte. "Lucius? Ich warne dich vor. Die Beendigung des Eids wird mit einem Blutzoll bezahlt und für wichtige Ritter ist dieser hoch ... vielleicht zu hoch? Du könntest doch auch hier bleiben und wir ..." Er schüttelte den Kopf. "Kiran, ich schätze dich, wirklich. Aber ich habe einen Anspruch und den will ich durchsetzen, daneben hat Iulius seine Strafe verdient!" Lucius Stimme wurde lauter und bedrohlich. Kiran knickte ein und nickte. "Na gut", nuschelte er und trat mit Lucius in den schwarz beflaggten Thronsaal.

      "Meine Matriarchin euer zweiter Sohn Kiran ist zurück! Und er wird begleitet von Prinz Lucius Valerian." Die drei traten mit der Ankündigung ein. Die Wachen salutierten einmal, während die drei Richtung schwarzen Thron auf dem die Matriarchin abwartend saß, gingen. Der Saal war gefüllt mit Dienern, vampirischen Lehnsvasallen der Nocturns und Soldaten. Sie alle starrten auf Lucius. Einige fingen an zu tuscheln. Kiran und Lucius zückten jeweils ihre Schwester und knieten vor der Matriarchin. "Kiran. Ich bin froh, dass du wohl zurückgekehrt bist. Hast du Neuigkeiten zu Gabriel?", fragte die Matriarchin, die alleine durch ihre Aussehen bedrohlich wirkte, doch ihr Ton ließ einem das Blut gefrieren. Die Stimme klang drohend und zugleich mystisch. "Leider nein.", erklärte Kiran und ein Raunen ging durch die Menge. Die Matriarchin seufzte leise und hob ihre Hand, womit sich Kiran aufrichtete und sich rechts neben den Thron stellte.

      "Und du Lucius Valerian? Was führt dich her? Hast du den Ruf gehört? Wir bräuchten einen fähigen Krieger, der zumindest einen Teil der Lücke füllt, die Gabriel hinterlassen hat."
      "Eure Majestät, das ehrt mich sehr. Ich bin jedoch aus einem anderen Grund hier." Lucius hob den Kopf und sah die Matriarchin an. "Ich möchte meinen Eid beenden."
      Es herrschte auf einmal Stille im Saal. Für einen Moment schien es als ob die Zeit stehen blieb, dann haute die Matriarchin auf die Lehne ihres Throns. "Was fällt dir ein?! Mein ältester Sohn ist verschwunden und nun willst du mir auch noch dich entreißen?!" Ihre Stimme klang nun noch lauter und bedrohlicher und hallte im Raum mehrmals nach. "Du bist so anmaßend, Lucius."
      "Mag sein", raunte der Vampir zornig, was die Matriarchin hörte. Sie grinste diabolisch. "Es wird Zeit, dass du deinen Meister kennenlernst. In unserem Haus wirst du blühen. Dein Onkel wusste schon, was das Beste für dich ist. Ich war lange nachsichtig mit dir aufgrund deines Bluts und unserer Bündnisses, doch jetzt werde ich dich maßregeln, Lucius."
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire


      Sylva hatte schweigend das Gespräch zwischen Lucius und dem anderen Vampirprinzen - Kiran - verfolgt. Auch wenn Kiran ein Vampir war, konnte er nicht anders, als Mitleid für seine Situation zu empfinden.
      Immerhin wusste er selbst nur zu gut, wie es sich anfühlte, wenn man nicht wusste, wo das eigene Geschwisterkind war – oder ob es überhaupt noch lebte.
      Das nagende Gefühl von Angst und Unsicherheit… es konnte einen innerlich komplett zerreißen...

      Er verzog leicht das Gesicht, als Kiran fragte, ob Lucian ihnen ein neues Gefäß bringen würde, entschied sich jedoch weiterhin dazu, einfach seine – zugegebenermaßen manchmal viel zu große – Klappe zu halten.
      Stattdessen warf er einen Blick über die Schulter und funkelte Lucian mit leicht verengten Augen an, als er dessen Hand an seiner Hüfte spürte – während er sich aber gleichzeitig, ganz unbewusst, ein Stück weiter in die warme Berührung lehnte.

      ~~~

      Nachdem Lucius, Kiran und Sylva den Thronsaal betreten hatten, blickte sich der Vulthera - genauso wie damals in der Thronhalle im Palast Valerian - zur Sicherheit sofort nach verschiedenen Fluchtmöglichkeiten um.
      Doch der Thronsaal war - ebenfalls genau wie damals - mit Dienern und Soldaten gefüllt. Er wusste, dass seine Flucht damals mehr Glück als Verstand gewesen ist… beziehungsweise, dass Lucius ihm unbewusst überhaupt erst die Flucht ermöglicht hatte. Wäre die Situation damals mit seinem Onkel nicht mehr oder weniger eskaliert, hätte Sylva wahrscheinlich gar nicht entkommen können und wäre jetzt entweder tot oder…
      Von dem Gedanken angewidert, was der Fettsack vermutlich alles mit ihm angestellt hätte, verzog Sylva erneut das Gesicht und schüttelte leicht den Kopf, um die Vorstellung wieder loszuwerden.

      ...verdammt...Lucy hat mir also insgesamt schon drei Mal das Leben gerettet – zwei Mal ganz bewusst und das erste Mal sogar unbewusst...ich stehe wirklich tiefer in seiner Schuld als mir lieb ist...das kann ich ihm doch niemals zurückzahlen...

      Während sie in die Richtung des Thrones gingen, konnte Sylva durch seine ausgeprägten Sinne deutlich hören, wie einige der Anwesenden anfingen über Lucius zu tuscheln. Er wusste nicht warum, aber...es gefiel ihm ganz und gar nicht. Dennoch beschloss er, das es wahrscheinlich besser war, es einfach zu ignorieren.

      Als sie vor dem Thron der Matriarchin ankamen, zogen Lucius und Kiran jeweils ihre Schwerter und knieten vor ihr nieder.
      Sylva, welcher etwas hinter Lucius stand, blickte für einen kurzen Moment ein wenig verwirrt aus der Wäsche, ging dann aber einfach ebenfalls auf die Knie und neigte seinen Kopf
      Die Matriarchin sprach zuerst zu ihrem Sohn und Sylva spürte deutlich, wie sich bei dem Klang ihrer Stimme sein Fell aufstellte und ihm ein leichter Schauer über den Rücken lief.
      Er musste nicht mal genau wissen, wer die Matriarchin war, aber es war offensichtlich, dass sie nicht der Typ war, mit dem man entspannt Kuchen essen konnte… oder wie auch immer dieses Sprichwort eigentlich ging...

      Sylva hielt seinen Kopf weiterhin gesenkt und hoffte, dass Lucius und er gleich einfach weiterziehen konnten...doch dazu sollte es wohl nicht kommen.
      Denn als die Matriarchin ihre Hand auf die Lehne ihres Thrones schlug und Lucius anschrie, hob er hastig wieder seinen Blick.
      Bei ihren Worten – und der eindeutig dunklen Drohung, die darin mitschwang – weiteten sich seine Augen. Und ehe er selbst wusste, was er tat, war er bereits aufgesprungen und hatte sich schützend zwischen Lucius und die Matriarchin gestellt.
      Ein empörtes Raunen ging durch die Reihen der Bediensteten und die Soldaten griffen instinktiv nach ihren Schwertern – bereit, ihre Herrin im Bruchteil einer Sekunde mit ihrem Leben zu verteidigen.

      Aber Sylva ignorierte alles um sich herum und hatte seine Augen einzig und allein auf die Matriarchin gerichtet.
      "GENUG! Eure königliche...äh...Majestätheit! Es tut mir leid, dass ich mich ungefragt zu Wort melde, aber Ihr habt kein Recht über das Leben von Prinz Lucius zu bestimmen!", sagte er mit fester Stimme und ballte seine Hände zu Fäusten.
      "Ich gebe zu...ich verstehe nicht viel von dem Volk der Vampire oder von der Politik. Aber ich weiß ganz genau, wie sehr der Verlust Eures Sohnes Euch schmerzen muss...aber Ihr dürft diesen Schmerz nicht auf Prinz Lucius übertragen! Ihr wollt, das er einen Blutzoll für seine Freiheit zahlt?! Gut, könnt Ihr haben! - ich zahle den Blutzoll für ihn!"
      In einer schnellen Bewegung zog Sylva den Ärmel seines Oberteils hoch und entblößte den seinen Unterarm. "Na los! Macht schon! Nehmt euch so viel Blut wie Ihr wollt! Ich habe eine Menge davon! Aber dann gebt ihr Prinz Lucius seine Freiheit zurück, verstanden?!"

      Eine der Soldaten, Sir Zedric, hatte nun wirklich genug gehört, trat einen Schritt vor und zog dabei sein Schwert. "Wie kannst du es nur wagen so mit unserer Matriarchin zu sprechen, du wertloses kleines Dreckstück?! Wie kannst du es wagen Forderungen zu stellen?!", donnerte seine Stimme durch den Thronsaal, bevor er mit seinem Schwert ausholte, um den Vulthera wieder zum Schweigen zu bringen.
      Doch Sylva war schneller als Zedric. Er wich der scharfen Klinge des Schwertes im letzten Moment aus und streckte dann noch frech die Zunge heraus.

      Das schien Zedric nur noch wütender zu machen. Immer wieder schlug er mit präzisen Hieben nach dem Vulthera, doch der kleine Fellball war deutlich flinker als der loyale Soldat.
      "Verdammt nochmal, halt endlich still! Ich werde dir für deine Respektlosigkeit deine Zunge rausreißen! Du wirst bald schon wissen, wo dein Platz ist, Gefäß!", fluchte Zedric und holte erneut zum Schlag aus. Doch bevor er seinen Hieb ausführen konnte, schlug Sylva ihm bereits seine scharfen Klauen tief ins Gesicht.

      Ein lautes Zischen entwich Zedrics Lippen. Er taumelte einige Schritte zurück und presste seine freie Hand gegen sein Gesicht. Blut quoll aus den tiefen Wunden und tropfte auf den Boden des Thronsaals.
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Lucius erstarrte bei Sylvas Worten. Er schaute geradewegs auf den Boden und wagte es für einen Moment lang nicht, hinaufzublicken und nach dem Vulthera zu sehen. Zu sehr rechnete er damit, dass im nächsten Moment eine Spur Blut den Boden kleidete. Doch nichts geschah. Der Vulthera konnte sprechen und Lucius hob den Kopf aus seiner Kniestütze, immer noch das Schwert vor sich haltend auf dem seine zwei Hände ruhten. Ergriff sein Gefäß gerade die Seite für ihn und versuchte ihn zu retten? Wie närrisch, dachte sich der Vampir und kam trotzdem nicht umhin zu schmunzeln, wenngleich ihm die Reaktion der Matriarchin große Sorgen bereitete, fand er die Aktion des pelzigen Wesens doch sehr süß und gefährlich anmaßend. Naiv - wie er Sylva kannte - streckte dieser seinen Arm aus und wollte wohl sich als Blutzoll anbieten. Einige Vampire im großen dunklen Saal rollten deutlich die Augen und Lucius war kurz davor entnervt zu seufzen, wenn er nicht gleichzeitig ernsthafte Sorgen, um Sylvas Wohl hatte. Er würde es nie zugeben, doch aktuell sorgte er sich um sein Gefäß und spürte wie der Akt, den der Fuchs gerade vollzogen hatte, Getuschel im Saal auslöste und zugleich eine eigenartig ruhige, beinahe bedrohlich stille Atmosphäre im großen Raum schaffte. Bis vor kurzem waren noch immer vereinzelt Stimmen zu hören, doch jetzt ... die Luft schien sich aufzuladen und in einem großen Knall explodieren zu wollen. Und dann kam der Knall.

      Zedric, ein Soldat der königlichen Garde, den Lucius kannte, richtete das Schwert auf den Vulthera. Das war Lucius' Zeichen. Er wollte sich aufrichten und Zedrics Schwert kreuzen, doch ehe er sich versah waren Sylva und Zedric bereits in einem Kampf. Der Soldat holte aus, Sylva wich aus. Mehrmals schwang die scharfe Klinge durch den Raum und zerschnitt die stille, erdrückende Atmosphäre. Mit jedem Schwung wurde es lächerlich für die Nocturns. Das könnte für Lucius als eine gewollte Provokation aussehen, als wolle er die Matriarchin und ihre Garde demütigen. Er schürzte die Lippen und richtete sich auf. In diesem Moment erwischte der Vulthera Zedric im Gesicht, was diesen nur noch wütender werden ließ. Lucius zückte sein Schwert und platzierte es zwischen den beiden. "Es reicht!", donnerten seine Stimme und zeitgleich die Matriarchin durch den Saal mit einer Wucht, dass das Getuschel und Gelächter der Umstehenden sofort endete. Zedric zischte wütend und Lucius spürte den Puls des aufgeregten Vulthera.

      Die Matriarchin haute auf die Lehne ihres mächtigen Throns. "Genug dieses Kinderspiels. Zedric, steck dein Schwert weg", raunte sie ihre Wache an, was Zedric mit einem lauten Knurren tat. Lucius warf Sylva einen tadelnden Blick zu und grinste dabei zugleich amüsiert, da ihm die Wunde des Gardisten nicht entgangen war. "Lucius", raunte die Matriarchin von ihrem Thron, "dein Gefäß zeigt ja genauso viel Widerwille wie du. Es wird Zeit, dass wir dich eines Besseren belehren. Du kennst schließlich unser Motto: Unsere Stärke ist die Unsterblichkeit. Und bei uns wirst du diese Stärke noch lernen, nachdem du es mit unserem besten Kämpfe zu tun bekommen hast."
      Lucius' Augen weiteten sich. Er hatte bei diesem Blutzoll mit so einigem gerechnet, aber einem Kampf? Das wäre ja ein Kinderspiel. Gabriel war schließlich verschwunden und mit jedem anderen hier würde er es aufnehmen können. Ehe er etwas darauf sagen konnte, verließ Kiran jedoch seinen Posten vor dem Thron und stellte sich vor seine Mutter. "Mutter?! Euer Ernst? Lucius und sein Gefäß haben gerade erst eine Ghulbegegnung hinter sich. Können sie sich nicht wenigstens einen Abend erholen?"
      Die Mutter raunte laut und der Saal bebte. "Hier übernachten keine Gäste. Jeder hat seinen Anteil zu tragen und Lucius wird seinen erbringen." Bedrohlich grinste die Matriarchin unter der Maske und sah zu Lucius. Kiran sah verängstigt über seine Schulter zu Lucius.

      "Wenn das der Preis ist, Matriarchin. Dann zahle ich ihn." Kiran schüttelte vehement den Kopf, die Mutter nickte und lachte dann diabolisch. "Na dann freue ich mich auf den Kampf. Bringt mir Azareth herein." Mit einer bedeutungsschweren Geste wies die Matriarchin die Wachen an, diesen Krieger zu holen. Der Name kam Lucius überhaupt nicht bekannt vor und er fragte sich, wer das sein soll, wenn er so stark wäre und er diesen Kämpfer noch nie gesehen hatte. Es vergingen nur ein paar Augenblicke der Stille, ehe sich im Raum zwei schwere Flügeltüren auftaten. Kräftige Schritte erschütterten den Boden und der Vampir spürte eine unbekannte Aura. Alle Lebewesen hatte eine Aura und eigentlich konnte keine davon den Vampir überraschen, da sich jede einem Wesen, einer Rasse oder einer bestimmten Natur zuordnen ließ. Doch dieses Aura war .. anders. Sie war wie zwei Auren und doch so unterschiedlich. Edel und grob, intelligent und instinktiv, wissbegierig und zerstörerisch und vor allem. Lucius erstarrte als das Wesen den Raum betrat. Er spürte dunkle Magie, die das Wesen wie ein Tumor ausstrahlte. Sie ging unter Lucius' Haut und aufgrund seiner großen Magiesensitivität reagierte er stark auf dieses Wesen.

      Die Matriarchin lachte laut. "Darf ich vorstellen, Azareth. Mein treuster Krieger." Bei dem Wort treu schnaufte das hochgewachsene Wesen und leichter Qualm drang aus seiner Nase. Lucius musterte den großen Kämpfer, der ihm mit großen Schritten näher kam. Er sah aus wie ein Elf - blonde lange Haare und spitzen Ohren, ein feines Gesicht - jedoch bedeutend muskulöser mit dunklen Tätowierungen, die wie eine Krake unter der Haut aussahen. Die zwei unterschiedlichen Augen fixierten Lucius. Ein hellblaues, fast grau und ein hellbraunes Auge. Dazu ein Gesicht eines Kriegers wie er im Buche steht mit markanten Narben. Seine Größe ließ Lucius hinauf schauen. Er schluckte kurz. "Was ist das?", fragte der Prinz und musterte das Wesen weiterhin.
      "Unser Schlüssel zum Erfolg", kicherte die Matriarchin wie ein kleines Kind, das sein neues Spielzeug präsentierte, "Es ist eine Chimäre. Ein Wesen, das aus zwei Wesen erschaffen wurde."
      "Erschaffen? Welch dunkle Magie habt ihr da ..."
      "Keine dunkle Magie. Bloß unser Wissen die besten Krieger auszubilden."
      Lucius schaute das Wesen mit Ekel an. Es war wider die Natur so etwas zu tun. Das Ding vor ihm war also kein Elf. Es war irgendetwas anderes. Und bestimmt hatten die Nocturns irgendein dunkles Ritual genutzt. Dies war kein Wesen, keine Technik, die Vampire beherrschten und auch nichts, was je einem Wesen widerfahren sollte.
      "Und ihr habt wessen Leichen exhumiert für diesen Hokuspokus?"
      "Tut nicht zur Sache, Lucius. Er wird dich an deinen Platz verweisen." Die Matriarchin schaute lachend zu Azareth, der das große Schwert, das er auf dem Rücken trug, zog.
      "Das wird ein kurzer Kampf", sprach die Chimäre zu Lucius, der daraufhin raunte: "Das hättest du wohl gerne."
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Der Kampf zwischen Sylva und Zedric endete in dem Moment, als Lucius mit seinem Schwert dazwischen ging. Sylva's Herz raste vor Anstrengung. Sein Blut pulsierte durch seine Arterien. Seine Pupillen waren nur noch dünne Schlitze, während seine Aufmerksamkeit noch immer auf seinem Gegner, Zedric, lag. Und während Zedric tiefe Kratzwunden von dem Aufeinandertreffen davongetragen hat, ist der Vulthera vollkommen unverletzt geblieben.
      Erst als Lucius tiefe Stimme durch den Thronsaal donnerte, löste Sylva langsam seinen Blick von der Wache und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Vampirprinzen.
      Er hatte damit gerechnet, dass dieser ihn für seine Gedankenlosigkeit zurechtweisen würde. Doch dies war nicht der Fall. Zwar hatte Lucius einen durchaus tadelnden Blick, aber er wirkte auch...amüsiert?
      Das war wohl etwas, mit dem Sylva in einem Moment wie diesem wohl am wenigsten gerechnet hätte. Warum war der Vampirprinz amüsiert davon? Sollte er nicht...wütend sein?
      Sylva nahm ein paar tiefe Atmenzüge, um seinen vor Aufregung noch immer leicht zitternden Körper zu beruhigen und verfolgte dann das Gespräch, welches wieder zwischen der Matriarchin und Lucius auflebte.

      Seine Augen wanderten immer wieder vom Thron zu dem Vampirprinzen und wieder zurück. Die Matriarchin verkündete, dass Lucius seine Freiheit durch einen Kampf gegen ihren besten Krieger verdienen musste.
      ...ein Kampf? Dann kann Lucy doch nur gewinnen!..., dachte der Vulthera aufgeregt. Immerhin hatte er Lucius in der kurzen Zeit schon mehrmals Kämpfen gesehen.
      Doch Sylva's positiv gestimmte Haltung hielt nicht, lange an, als die zwei schweren Flügeltüren des Thronsaals aufflogen und ein, für Sylva's unbekanntes Wesen, eintrat.

      Wie als würde Sylva die Bedrohung, die von dem Wesen ausging spüren, wurden seine Pupillen nun ganz klein und das Fell an seinem Schweif stand in alle Richtungen ab.
      Was war das nur für ein Wesen?!
      Kaum hatte der Vulthera sich das gefragt, erklärte die Matriarchin bereits, dass es sich bei dem Wesen um eine Chimäre handelte. Ein Wesen, welches aus zwei anderen Wesen erschaffen wurde.
      Sylva weitete nun entsetzt seine Augen. Das Haus Nocturn...hatte ein neues Wesen aus zwei anderen Wesen erschaffen?! Das war ein Verbrechen an der Natur selbst und ein weiteres Zeichen dafür, wie besessen die höherrangigen Vampire von Macht waren.

      Als die Chimäre sein großes Schwert zog, stellte sich Sylva selbst wieder dichter an Lucius heran und zog seinen eigenen kleinen Dolch, welchen er immer versteckt an seinem Körper trug.
      "Ich werde dir helfen, Lucy.", sagte er mit leiser Stimme musterte die Chimäre ein wenig genauer. Die Gesichtszüge, die zwei verschiedenen Augenfarben, den Körper, seine Größe, die dunklen Tätowierungen, die Narben...
      "Wenn überhaupt wird das ein kurzer Kampf für dich...", zischte er leise und hatte seine Fuchsohren dicht am Kopf angelegt.
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Lucius blickte zu Sylva, der ihm gerade zur Seite geeilt war. Er wandte sich zu seinem Gefäß: "Bitte. Das ist allein mein Kampf." Mit diesen Worten drückte er Sylvas kleinen Dolch hinunter und schob ihn zur Seite. "Ich kann mich besser auf den Kampf konzentrieren, wenn ich mir nicht Sorgen um dich machen muss.", fügte Lucius leise hinzu und sah dem Vulthera dabei in seine große Augen, ehe er etwas Platz zwischen sich und das Gefäß gebracht hatte. Anschließend griff er sein Schwert und den schwarzen Dolch und sah zu der Chimäre Azareth. "Also bringen wir es hinter uns" Azareth grinste diabolisch und stieß weißen Qualm aus seiner Nase. "Zu gerne, Vampir. Ich freue mich schon deinesgleichen zu töten." Lucius schluckte kurz, ehe er in Kampfstellung ging. Es kehrte eine quälende Ruhe im Thronsaal ein und die Matriarchin lehnte sich interessiert auf ihrem Thron nach vorne. Kiran schaute gebannt auf die Mitte des Raums, wo sich die beiden Krieger gegenüber standen. Für den Moment schien die Zeit stillzustehen und Azareth und der Vampir starrten sich tief in die Augen, ehe Azareth mit seinem großen, zweihändig geführten Schwert ausholte und auf Lucius zulief. Der Vampir sprang in Windeseile zur Seite und schwang sein Schwert. Die Chimäre parierte seinen Angriff und setzte einen zweiten Hieb nach. Wieder wich der Vampir aus, sprang dann nach links und traf Azareth mit dem Schwert an der Rippe. Doch die Verletzung blutete nicht mal, vielmehr reagierte Azareth wütend und haute Lucius den Knauf des Schwerst gegen den Kopf. Der Vampir fiel auf den Rücken. Azareth nutzte die Chance und schwang das Schwert gen Kopf des Vampirs. Rolle zur Seite und Lucius richtete sich hastig auf. Die Chimäre drehte das Schwert. Lucius wehrte ab und versetzte dem Wesen den nächsten Stich mit dem Schwert in den Rippenbereich. Doch das Schwert schien die Haut nich richtig zu druchdringen. "Was?", fluchte Lucius und sah ungläubig auf den Oberkörper des Wesens, das bis auf ein paar Kratzer auf der Kleidung und leichte Schnittwunden keine Verletzung davon trug.

      Ein lauter Stoß später und Lucius hatte eine blutende Schnittwunde über dem rechten Augen. Präzise schien Azareth ihn mit dem riesigen Schwert an der Stirn bewusst geschnitten zu haben. Er lachte: "Kommt da noch was, Vampir?"
      "Was bist du?", fluchte Lucius, der sich an die Wunde fasste und das dunkelrote Blut sah. Er raunte genervt und erste Tropfen benetzten den Boden. Azareth glitt mit dem Finger über die blutige Klinge und leckte den Finger ab. "Lecker. Schmeckt so rein", grinste die Chimäre, was Lucius nur noch wütender werden ließ. "Du Bestie", raunte er zornig und ging auf Azareth zu. Er täuschte einen Angriff an, ehe er sich im Dunkel auflöste und hinter der Chimäre auftauchte. Dann drückte er seinen Dolch seitlich in den großen Krieger und grinste zufrieden. Azareth erstarrte, jedoch nur für einen Moment, ehe er grinste und Lucius am Hals packte. Der Vampir versuchte den festen Griff zu lösen während sich seine Gedanken kreisten. Was war das für ein Wesen? Was hatten die Nocturns da erschaffen? "Wird Zeit deinem jämmerlichen Dasein ein Ende zu setzen", sprach eine viel dunklere Stimme aus Azareth. Dunkle Schwaden ernstanden an den Händen der Chimäre und die Tätowierungen schienen sich zu bewegen wie eine dicke Flüssigkeit. Lucius' Magen drehte sich herum. Er brauchte einen Plan. Sein Schwert lag am Boden, da er es beim packen verloren hatte. Doch sein Dolch! Er umgriff seinen schwarzen kleinen Dolch, den er immer in der Nebenhand führte, fest.

      Dann schwang er ihn kraftvoll über den Unterarm des Wesens. Das Wesen verzog vor Schmerz das Gesicht und ließ den Prinzen los. Lucius landete fest auf seinen Beinen, griff nach seinem Schwert und richtete es auf Azareth. Der grummelte vor sich her und starrte auf den schwarzen Dolch. "Welch Material?!", raunte er und sah an seinen Unterarm, der nun orangefarbenes Blut verlor. "Nun hast du mich wütend gemacht!", fluchte Azareth und holte mit dem Schwert erneut aus. Lucius hoffte auf seine Chance. Wut könnte blind machen. Ein Schwung des großen Schwerts und Lucius wich aus. Erneut, Drehung und sie standen sich wieder gegenüber. Dieses Mal die Klingen gekreuzt und beide nah aneinander mit verbissener Miene. Beide knurrten und versuchten den jeweils anderen zu Boden zu drücken. Doch Lucius spürte die Macht und die Kraft des Gegenübers. Dunkle Magie zerrte nach dem Vampir und er wurde von Sekunde zu Sekunde schwächer. Er schnaufte und fiel zu Boden auf den Rücken. Mit der Hand stützte sich Lucius beim Aufprall ab. Er spürte etwas Flüssiges und sah auf seine Hand. Das orangefarbene Blut! Ob ich ...?, fragte er sich und sah Azareth auf sich zu stürmen. Der Vampir streckte die mit dem Blut der Chimäre beschmierte Hand aus und sprach etwas in Altelfisch. Die Augen des Prinzen leuchteten rot und Azareth stoppte mitten im Anlauf. "Was ist das?", fluchte die Chimäre. Lucius nutzte die Chance und richtete sich auf. Er schaute wütend auf das Wesen und schloß die Hand, woraufhin Azareth in die Hocke ging und vor Lucius kniete. Er knurrte unter Schmerz. "Was ist das für eine Magie?", raunte das Wesen und Lucius grinste zufrieden. Er schnappte sich erneut sein Schwert und richtete es auf Azareths Kopf. "Wird Zeit dir ein Ende zu setzen!"
      "Ich würde dich am liebsten umbringen! Hätte ich dir deinen kleinen Ärmchen besser abgeschnitten, Vampir", fauchte eine dunkle, bösartige Stimme aus der Chimäre.
      "Nun tötet mich schon! Ihr habt mich meiner Ehre beraubt!", raunte dann wieder die normale Stimme der Chimäre. Lucius nickte und holte mit dem Schwert aus.

      "Stopp!", rief die Matriarchin und stand vom Thron auf. Sie ging den Thron hinunter und kniete vor dem Vampir. Kiran sah sie nur kurz an, ehe er es ihr gleich tat und der ganze Thronsaal inklusive aller Wachen ihr folgte.
      "Was soll das? Steht auf!", raunte Lucius, der langsam wieder zu Verstand kam.
      "Wir knien vor einem Erben der Alten!", erklärte die Matriarchin und sah zu Lucius auf. "Ihr beherrscht die alte Form der Blutmagie wie sie nur die direkten Nachfahren der ersten Vampire beherrschen. Es tut mir leid, dass ich das erst jetzt erkenne." Der Vampir starrte ungläubig auf die Matriarchin und die anderen im Saal, die knieten. Dem Prinzen war die Situation sichtlich unangenehm und er sah zu Sylva. In diesem Moment rief Kiran: "Lang lebe, Lucius Valerian der Wahrhaftige" und der Thronsaal wiederholte den Spruch. Die Matriarchin richtete sich auf und ging auf Lucius zu. Sie legte ihre Hände auf seine Schultern. "Ihr seid entbunden, Prinz Lucius Valerian, direkter Nachkomme der Ersten und Alten. Als Urahn der ersten Vampire sind wir euch stets zu Dank und Treue verpflichtet wie es unser Eid vorsieht." Die Magie mit der Lucius Azareth beherrscht hatte, löste sich langsam und er knurrte hörbar, ehe er zu Lucius hinaufsah. Die Schmerzen, die die Chimäre banden, schienen zu weichen. "Genug euer lächerlichen Geschichte, Vampire. Ich habe es verdient wie ein Kämpfer zu sterben! Erweist mir diese Ehre!", forderte Azareth mit lauter Stimme.
      Die Matriarchin sah stumm zum Wesen und schüttelte den Kopf. "Durch eure Magie, Prinz Lucius, gehört er euch. Er steht nicht mehr unter meinem Bann und Eid. Nehmt ihn als Wiedergutmachung und Geschenk des Hauses Nocturns, er könnte euch noch nützlich sein." Azareths Augen weiteten sich und er sah zum Lucius hinauf, ehe wieder zornig Qualm aus der Nase des Wesens trat.
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Sylva schnaubte leise, als Lucius seinen kleinen Dolch wieder hinunter drückte und ihn zur Seite schob.
      Er wollte seinen Mund aufreißen. Er wollte protestieren und darauf bestehen, dass er Lucius helfen wollte. Doch als er dessen nächsten Worte hörte, hielt er inne und weitete seine Augen.
      Was hatte Lucy da gerade gesagt? Er kann sich besser auf den Kampf konzentrieren, wenn er sich keine Sorgen um ihn machen muss?
      Sylva stand verblüfft da und wusste nicht, was er antworten sollte. Lucius kann das nicht so gemeint haben, wie er es gerade verstanden hat. Er war nur sein temporäres Gefäß. Das war eine reine Geschäftsbeziehung. Mehr nicht. Und da würde niemals mehr sein...

      Angespannt verfolgte er den Kampf zwischen Lucius und Azareth. Immer wieder hielt er die Luft an, als es knapp für Lucius wurde und trat nervös von einen Bein auf das anderen. Er konnte hier doch nicht einfach stehen und nichts tun?! Verdammt nochmal, er musste ihn doch helfen!
      Er war gerade dabei einen Schritt nach vorne zu machen, als er von hinten am Kragen gepackt wurde. Er blickte über seine Schulter und verengte seine Augen, als der den Soldaten, Zedric erkannte.
      Dieser hielt ihn eisern am Schlafittchen fest und dachte gar nicht erst daran wieder loszulassen. Auch er verfolgte angespannt den Kampf und würdigte den Vulthera dabei keines Blickes.
      "Das ist nicht dein Kampf, Gefäß.", zischte er ihn leise zu. "Und du tätest gut daran, auf die Befehle deines Meisters zu hören."
      Sylva fletchte bei den Worten des Vampir-Soldaten seine Reißzähne, richtete seine Aufmerksamkeit dann aber auch wieder auf den hitzigen Kampf.

      Mit jedem Schwerthieb, mit jeder Sekunde die verstrich, wuchs die Sorge das Vulthera um den Vampirprinzen.
      Moment...Sorge? Nein, nein, nein, es konnte sich nicht um Sorge handeln. Es musste sicher irgendwas anderes sein!

      Und dann plötzlich...war der Kampf vorbei. Was ist gerade passiert? Alles ging auf einmal so unfassbar schnell.
      Sylva hatte seine Augen geweitet und bevor Lucius Azareth den Knadenstoß versetzen konnte...halte die Stimme der Matriarchin durch den Thronsaal.
      Sie stand auf, ging auf Lucius zu. Sylva hielt den Atem an und machte sich auf alles gefasst. Aber dann...zu seiner kompletten Überraschung, kniete sie und ihre komplette Gefolgschaft vor Lucius nieder.
      Auch Zedric löste seinen Griff endlich von von Sylva's Kragen und kniete ebenfalls vor Lucius nieder.

      Sylva, der natürlich Mal wieder kaum verstand was gerade eigentlich vor sich ging, blickte verwirrt umher, bevor sie Blick wieder zu Lucius wanderte.
      Der Erbe der Alten?...was bedeutet das? - doch seine Frage wurde bereits beantwortet, als die Matriarchin weiter sprach.
      Blutmagie, wie sie nur die direkten Nachfahren der ersten Vampire beherrschen.
      Er verfolgte weiter aufmerksam die Worte der Matriarchin, welche plötzlich so handzahm wie ein Hundewelpe schien, und atmete auf, als sie Lucius schließlich von seinem Eid befreite und sie ihm die Treue schwuren.

      Langsam trat der Vulthera näher an Lucius heran, musterte ihn mit einem besorgten Gesichtsausdruck nach schlimmeren Verletzungen und stellte sich auf die Zehnspitzen, um ihn etwas ins Ohr zu flüstern: "Geht es dir gut...? Du solltest ihnen befehlen, das kein Wort von dem was hier passiert ist, deinen Onkel erreicht...wir dürfen ihn nicht in unsere Karten schauen lassen...", begann er und fügte dann noch leiser hinzu: "Und was zu Essen...sie sollen uns gefälligst eine Menge an Essen mitgeben..."

      Sein Blick wanderte dann zu der Chimäre, welche nun Lucius Eigentum war und gerade zornig Qualm aus seinen Nasen stieß. Der Vulthera runzelte die Stirn, ging auf diesen zu und tippte mit seiner Fingerpitze gegen seine Stirn.
      "Halt bloß die Klappe, hörst du? Du hast Lucy weh getan. Das verzeihe ich dir nicht.", zischte er leise, bevor er ihm noch zusätzlich gegen die Stirn schnipste.
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Lucius stand reglos da, das Schwert noch immer auf Azareths Kopf gerichtet. Das Geräusch des knienden Hofes hallte in seinem Kopf wider, wie das Echo eines Triumphs, der sich seltsam leer anfühlte. Ein Moment der Schwäche war es gewesen – dieser Instinkt, Sylva vor dem Kampf wegzustoßen, als würde er ihm wirklich wichtig sein. Als würde er mehr sein als ein Werkzeug. Ein Fehler. Aber einer, den er im passenden Licht zu nutzen wusste. Sein Blick glitt zu der Matriarchin, dann zu Azareth, der noch immer keuchte und zu seinen Füßen kauerte. Ein Geschenk des Hauses Nocturns, hatte sie gesagt. Nützlich, hatte sie ihn genannt. Lucius’ Blick verengte sich, der Hauch eines kalten Lächelns auf seinen Lippen.

      „Ein Geschenk also“, wiederholte er leise. Seine Stimme klang nicht erfreut, nicht empört – nur berechnend. „Dann will ich hoffen, dass er nicht so schnell kaputt geht.“ Die rote Aura um seine Augen verlosch langsam. Die Kontrolle über Azareth ließ er nicht völlig los, aber er lockerte die magische Zügel, ließ das Wesen langsam wieder zu sich selbst finden – so weit, wie er es eben erlaubte.
      Er wandte sich leicht zur Seite, hörte Sylvas Worte in seinem Ohr, spürte dessen Nähe. Ein leises, kaum wahrnehmbares Zucken durchlief sein Kiefer, als der kleine Vulthera ihm zuflüsterte, sie sollten seinem Onkel nichts berichten. So denkt also jemand mit, dachte Lucius kühl. Gut. Ein Werkzeug, das sich nützlich macht, ist mehr wert als eines, das sich aufopfert.
      „Du hast recht“, raunte Lucius ihm zurück, den Blick immer noch nach vorne gerichtet. „Sie sollen schweigen. Für ihren eigenen Schutz. Und für meinen Plan.“ Dann hob er seine Stimme, ohne sich umzudrehen: „Matriarchin. Niemand verlässt diesen Thronsaal, bis ich es gestatte. Kein Wort davon soll das Ohr meines Onkels erreichen. Sollte dennoch jemand sprechen...“ – seine Augen blitzten – „...werde ich es wissen.“
      Die Matriarchin nickte unterwürfig. „Wie ihr befehlt, Erbe der Alten.“

      Lucius atmete ruhig ein. Die Anspannung fiel nicht etwa von ihm ab – nein, sie wandelte sich, verdichtete sich zu einem klaren Fokus. Seine Schritte führten ihn langsam auf Azareth zu. Er blieb vor ihm stehen, den Blick kühl und überlegen.
      „Du hast mir beinahe den Schädel gespalten, Chimäre. Das war... beeindruckend“, sagte Lucius mit einem sarkastischen Lächeln. „Aber auch töricht.“ Er senkte das Schwert und drehte es zur Seite, als wolle er demonstrieren, dass er nicht länger töten würde. Nicht aus Gnade – sondern aus Zweckmäßigkeit.
      „Du bist mein jetzt“, sprach er ruhig. „Und das bedeutet: Ich bestimme über deinen Zorn, deinen Hass, dein Schwert. Und wenn du je wieder ohne meinen Befehl tötest... dann nehme ich dir nicht nur dein Leben. Ich nehme dir dein innerstes Feuer.“
      Azareths Nasenlöcher bebten, doch er schwieg. Der letzte Rest Widerstand in seinem Blick war nur ein schwacher Schatten des Hasses, den Lucius nun als Teil seiner Pläne akzeptierte.

      Er wandte sich wieder Sylva zu. Für einen Moment weichte der kalte Ausdruck von seinen Zügen, als er den kleineren Mann musterte – das Gesicht angespannt, aber irgendwie... wach. Er ist loyal. Noch. Und genau das würde Lucius nutzen. „Du bekommst dein Essen“, murmelte er. „Und mehr als das. Bald wirst du verstehen, warum ich dich wirklich brauche.“ Dann wandte er sich ab, die Klinge locker in der Hand. „Wir brechen bald auf. Es gibt viel zu tun. Und die Masken, die wir tragen, müssen sitzen.“, sprach er eindringlich zu dem Vulthera.

      Azareths Brust hob und senkte sich schwer, sein Blick war fest auf Lucius gerichtet wie ein Raubtier auf seine Beute. Der Gestank seines eigenen, orangefarbenen Bluts stieg ihm in die Nase und ließ ihn die Zähne fletschen. Das ganze Schauspiel der knienden Vampire, die Unterwerfung der Matriarchin – es war wie Salz in einer offenen Wunde. Das wäre seine Ehre gewesen! Doch was ihn innerlich wirklich aufkochen ließ, war nicht der Schmerz der Entwürdigung, nicht die Magie, die ihn gebrochen hatte. Es war dieses kleine, kecke Gefäß, das sich nun tatsächlich wagte, zu ihm zu treten. Sylvas Finger landete an seiner Stirn – eine kleine, überhebliche Berührung, die in Azareth mehr auslöste, als Worte es je gekonnt hätten.
      Für einen Moment blieb Azareth reglos. Dann bebte sein Kiefer. Sein Blick wanderte langsam, glühend vor Zorn, von Lucius zu Sylva. Der heiße Atem, den er durch die Nase stieß, formte weiße Schwaden in der Luft. Ein dumpfes Knurren vibrierte tief aus seiner Kehle, als er die Augen auf das Gefäß verengte.
      Du winzige, überzüchtete Mücke,“ grollte er mit tiefer, vibrierender Stimme. „Ich habe halbe Heere in Stücke gerissen, die mehr Rückgrat hatten als du. Wäre ich frei –, seine Stimme verdunkelte sich, ein schwarzer Schleier flackerte kurz um seine Pupillen, ich würde dich in einem Atemzug brechen.
      Er bewegte den Kopf und bedrohlich laut knackten seine Knochen. Sein Blick huschte zu Lucius – respektvoll, wenn auch herausgefordert. Aber dein Herr hält mich an der Leine. Dann glitt sein Blick wieder zu Sylva, seine Stimme nun ein dunkles, amüsiertes Flüstern. Bet' zu deinen Göttern – oder zu deinem Meister – dass er dich immer beschützt. Denn wenn er nur ein einziges Mal nicht hinschaut … wirst du wissen, wie es sich anfühlt, wirklich Angst zu haben.
      Azareth richtete sich langsam auf, so weit die bindende Magie es zuließ, und legte den Kopf leicht schief. Sein breites Grinsen entblößte Reißzähne.
      Du bist kein Krieger, Kleiner. Du bist ein Spielzeug.
      Ein letzter Rauchstoß verließ seine Nüstern. Dann schwieg die Chimäre, der Blick nun wieder auf Lucius gerichtet, als er sich dem Urteil seines neuen Herrn fügte – äußerlich beherrscht, innerlich brodelnd wie ein Vulkan unter Druck. Azareth würde seine Chance nutzen, wenn sie kam.
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire


      Sylva beobachtete die Art und Weise, wie Lucius mit der Matriarchin und der Chimäre sprach. Wie er seine neue Autorität auf sie ausübte und auf sie herab zu blicken schien. Dominant und einschüchternd.
      Noch immer kniete die Matriarchin, die Chimäre und der gesamte Hof vor dem Erben der Alten nieder. Gehorsam und unterwürfig.
      Nur Sylva war es, der nicht vor dem Vampirprinzen nieder kniete,
      Dessen Worte halten in seinem Kopf wieder. Was meinte er nur damit, dass Sylva bald verstehen würde, warum Lucius ihn wirklich brauche? - war das nicht klar? Er benötigt ihn, damit er ihn dabei hilft, seinen Onkel vom Thron zu stürzen, damit er seinen rechtmäßigen Platz als König einnehmen kann. Im Gegenzug würde der Vampirprinz ihn dabei helfen, Sylvara, seine Schwester, zu finden. Genauso ist doch die Abmachung gewesen, oder?

      Doch wie so oft, dachte Sylva einfach nicht weiter darüber nach und freute sich stattdessen auf das versprochene Essen.
      Zwar war auch längere Fastenperioden alleine von seinem Leben im Stamm gewöhnt, aber dennoch konnte der Vulthera nicht leugnen, dass er, wenn er die Möglichkeit dazu hatte, gerne und auch ziemlich viel aß.

      Er beobachte Lucius dabei, wie dieser sich schließlich abwandte und nickte auf dessen Worte einmal. "Ja. Verstanden.", antwortete eri ihm, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder die Chimäre richtete.
      Sylva grinste Azareth an, als er von diesem als eine winzige, überzüchtige Mücke bezeichnet wurde. Doch eben genau diesen Grinsen...wurde mit jedem Wort der Chimäre schwächer und schwächer.
      Seine Drohung hallte so laut und bedrohlich wie das Donnern eines heraufziehenden Sturms. Doch obwohl Sylva genau spürte, wie er langsam von einer immer größer werdenden Furcht gepackt wurde...weigerte er sich, es von außen zu zeigen.
      Er ballte die Hände zu Fäusten, um das verräterische Zittern darin zu verbergen. Vielleicht war es der Moment, in dem dem Vulthera bewusst wurde, dass er sich dieses Mal vermutlich mit der falschen Person...oder eher Bestie...angelegt hatte.

      Seine violetten Augen wanderten wieder für einen kurzen Moment zu Lucius, bevor er sich wieder zu der Chimäre zuwandte. Er wusste das er nun keine Schwäche zeigen durfte. Er musste klar machen, das er kein hilfloses Beutetier war, dass nur auf seine Schlachtung warten würde.
      "Ich brauche weder zu meinen Göttern, noch zu unserem Meister zu beten.", begann er, um der Chimäre klar zu machen, dass sie beide die selbe Position, unter Lucius, hatten. "Ich kann mich auf mich selbst aufpassen und brauche vor dir keinen Schutz."

      Er biss seine Zähne zusammen und verengte seine Augen, als er von Chimäre als ein Spielzeug bezeichnet wurde. Er konnte sich nicht erklären, warum ihn diese Bezeichnung so wütend machte, aber irgendwas daran...war wir ein Schlag in die Magengrube.
      "Du hast keine Ahnung, was für eine Art von Verbindung Lucius und ich teilen.", knurrte er leise, hatte aber auch nicht vor sich weiter der Chimäre zu erklären. Immerhin brauchte diese nichts von der Vereinbarung zwischen dem Vampirprinzen und dem Vulthera zu wissen.
      "Und wenn ich nur ein Spielzeug bin, wie du sagst...dann bist du ein Schoßhündchen. Gebunden an der Leine unseres Meisters und gebändigt mit einem Maulkorb. Also fletsch ruhig weiter deine Zähne, Köter. Aber du und ich teilen die selbe Position...und im Gegenzug zu dir...werde ich nicht den Rest meines Lebens an unseren Meister gebunden sein."

      Und mit diesen letzten Worten, wandte er sich von der Chimäre ab und stellte sich mit verschränkten Armen wieder neben Lucius.
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      "Ich kann deine Angst riechen, Spielzeug", grinste Azareth diabolisch und musterte dabei den Vulthera, hatte er doch noch nie so ein Wesen gesehen. Das fremdartige Wesen rechtfertigte sich vor ihm und versuchte sich seine Furcht nicht anmerken zu lassen. Azareth schüttelte amüsiert den Kopf. "Mach dich nicht lächerlich. Meine Zeit wird kommen" Das Licht um die Pupillen der Chimäre verdunkelte sich bedrohlich und seine Stimme klang dabei düster vorhersagend. Lucius ignorierte sein neustes Spielzeug und hatte seinen Blick noch immer auf die Matriarchin. Diese erhob sich nun langsam und verbeugte sich dann schwach. "Ich würde euch und eurem Gefolge für diesen Abend hier ein Zimmer anbieten auf unserem Schwarzen Stern."
      "Nun, das nehme ich gerne an. Nach diesen Kämpfen hätte ich nichts gegen ein Bad einzuwenden.", gab Lucius ehrlicherweise zu und sah zu seinem Gefäß. "Für mein Gefäß würde auch etwas Essen nicht schaden." Die Matriarchin nickte. Zeitgleich standen Kiran und der Hofstaat aus. Zedric hielt sich noch immer die blutende Wange. "Kiran? Zeigst du unserem geachteten Besuch die Zimmer?" Kiran verbeugte sich kurz und nickte dann. "Natürlich, Mutter." Anschließend deutete er an, ihm zu folgen und verließ schon einmal den Thronsaal. Lucius sah zur Chimäre. "Nun steh endlich auf", sprach er kühl zu dieser. Azareth richtete sich auf und breite seine Schultern bedrohlich vor Lucius aus. Dieser sah ihn jedoch nur unbeeindruckt an. Er wusste, dass die Chimäre bis auf Weiteres keine Probleme machen würde. Das magische Band, das zwischen den beiden bestand, spürte er und er wusste, dass er den Krieger damit unter Kontrolle hatte. Doch wie lange?

      Kiran öffnete eine Tür am Ende des Thronsaals. Lucius, Sylva und Azareth folgten ihm. "Ihr könnt ein Bad in unserem großen Ritterbad nehmen. Ich lasse euch Wasser ein und werde etwas zu essen kommen lassen." Kiran sah zu Lucius. "Wünscht du ein Gefäß? Nachdem Kampf könnte es sicherlich nicht schaden. Wir haben ..." Lucius schüttelte den Kopf. "Ich ziehe mein eigenes vor", grinste Lucius amüsiert und sah zu Sylva. Vielleicht sollte er da weitermachen, wo die beiden heute morgen unter der Dusche aufgehört hatten? Ein lautes Brummen riß ihn jedoch aus dem Gedanken. Es war Azareth. Lucius seufzte kaum hörbar. "Was isst du?", fragte er den großen Blonden mit einem deutlich genervten Unterton.
      Kiran prustete die Wangen auf und sah zu den beiden. "Also mit Azareth ... das ist so eine Sache."
      "Erzähl doch", raunte die Chimäre, die nicht begeistert war, das man über ihn redete als ob er nicht da war. Kiran lief rot an und sah wieder gerade aus. Azareth grinste zufrieden. "Wusste ich's doch, Vampir! Ich bin immer noch halb Elf. Also würde ich gerne auch dasselbe wie der Fuchs essen" Für einen Moment herrschte Stille. Es war wohl für alle überraschend, dass aus diesem Championkrieger eine so vernünftige Stimme sprechen konnte. Doch im nächsten Moment zeigte sich das wechselhafte Wesen dieser zweifelhaften Vermischung zweier Lebewesen. "Und Fleisch", forderte Azareth nun mit tieferer und animalischer Stimme. Es klang beinahe bedrohlich und Kiran warf Lucius einen warnenden Blick zu. Der Vampirprinz schaute fragend über seine Schulter und noch immer gingen ihm dabei so viele Gedanken durch den Kopf, die nun vor allem dieses Wesen betrafen. Er hatte eigentlich gar keine Zeit sich damit auseinander zu setzen, denn er hatte ja seine eigenen Pläne. Für diese kam ihm jedoch die Unterstützung des Hauses Nocturn geradezu recht.

      Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Kiran stoppte vor einer weiteren großen Türe, ehe er diese öffnete. Und wir versprochen sah man dahinter ein großes Ritterbad mit einem gefliesten Schwimmbecken, bunten Fresken an der Wand und großen Fenstern, die den Blick raus ins Dunkel der Graumoore offenbarten. "Dieses Bad ist nur für unsere besten Kämpfer", erklärte Kiran stolz. Währenddessen Lucius noch auf das saubere Wasser schaute, das aus mehreren Hähnen ins große Becken lief, spürte er wie seine zwei Begleiter auf den reichlich gedeckten Tisch starrten, der etwas links des Becken mit einigen Sitzplätzen stand. "Benehmt euch", warnte Lucius die beiden, ehe er jeden eindringlich ansah "Das gilt für euch beide." Seine Stimme war kühl und prägnant. Anschließend zeigte er Richtung Tisch und ließ die beiden essen, während er sich an Kiran wand.
      "Ich brauche mehr Informationen über dieses", Lucius sah über seine Schulter, "Wesen."
      Kiran nickte. "Ich gebe mein Bestes sofern es meine Suche nach meinem Bruder Gabriel zulässt."
      "Ich halte die Augen und Ohren offen. Sollte ich etwas hören, werde ich dich umgehend in Kenntnis setzen."
      "Danke, Lucius." Kiran wurde rot, ehe er auf den Boden sah. Lucius legte seine Hand beteuernd auf seine Schulter, ehe sie sich verabschiedeten und Kiran die Türen hinter sich schloss. Lucius sah zum Tisch, an dem zu seiner Verwunderung die beiden aßen und das ... gesittet? Er ließ sich sein Erstaunen nicht anmerken. Azareth aß sogar mit einem Teller und sehr ordentlich wie ... ein Elf. Er schüttelte den Kopf über diese Wesensänderung, wollte Azareth ihm doch noch vor gut 15 Minuten den Schädel zertrümmern.
    • Thronsaal - Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Sylva versuchte den eiskalten Schauer zu ignorieren, der ihm bei der unheilvolle Drohung der Chimäre, über den Rücken lief.
      Er würdigte das Wesen keines weiteren Blickes und tat so, als hätte er dessen Worte nicht gehört.
      Der Vulthera konnte nur hoffen, dass Lucius den Köter dauerhaft an der kurzen Leine halten würde. Denn eine Sache stand ein für alle Mal fest: Die Chimäre machte keine leeren Drohungen. Das verriet allein der Ausdruck in dessen Augen.

      Schweigend folgte er Lucius und Kirian, während er die Chimäre aus dem Augenwinkel ab und an aufmerksam beobachtete. Sylva konnte ihn einfach nicht durchschauen – so sehr er es auch versuchte. Er musste so schnell und so viel wie möglich über ihn und seine Vorgehensweisen herausfinden, um im Ernstfall rechtzeitig auf jede noch so unerwartete Wendung reagieren zu können.

      Nebenbei verfolgte er das Gespräch zwischen Lucius und Kirian. Ein Bad, etwas zu essen und dann ein warmes Bett – er sehnte sich jetzt schon nach dem Ende dieses Tages und danach, diesen düsteren Ort morgen endlich hinter sich lassen zu können.
      Er mochte diesen Ort kein bisschen...düster und kalt – wie der Hauch des Todes, der unaufhörlich nach einem zu greifen versucht.
      Als Sylva dann aber hörte, wie Lucius davon sprach, dass er sein eigenes Gefäß bevorzugen würde, wurde er aus seinen Gedanken gerissen und seine Augen huschten zu dem Erben der Alten.
      Ihre Blicke trafen sich und Sylva verzog provokant sein Gesicht bei Lucius amüsierten Ausdruck. Er streckte dem Vampirprinzen kurz die Zunge raus, bevor er sein Kinn anhob und wieder in eine andere Richtung blickte.
      Er konnte sich kaum noch daran erinnern, wie es gewesen war, als der Vampirprinz vor ein paar Tagen zum ersten Mal von ihm getrunken hatte. Alles wirkte bereits Jahre her und nur noch wie ein verschwommener Traum.
      Doch so wenig er den Gedanken auch mochte, das Lucius noch einmal von ihm trank...die Vorstellung, das er ein anderes Gefäß in Anspruch nehmen könnte, mochte er noch viel weniger...

      ...verdammt nochmal, was denk ich denn da nur?...ich sollte mich doch eigentlich glücklich schätzen, wenn er ein anderes Gefäß wählen würde oder nicht?...

      Sylva schüttelte seinen Kopf, um sich wieder auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Er blickte zwischen Lucius, Kirian und der Chimäre hin und her, ehe sein Blick wieder bei der Chimäre hängen blieb.
      Er zog seine Augenbrauen zusammen, sagte aber nichts. Was ist das eben für ein plötzlicher Stimmungswechsel gewesen? In einem Moment sprach er in einer vernünftigen Stimme und nur einen Wimpernschlag später...klang er wieder, wie eine wilde Bestie...



      Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Im Ritterbad angekommen, blickte sich Sylva fast beeindruckt um. Doch sein Staunen über die Architektur des Raumes hielt nur kurz an, als seine Aufmerksamkeit auf den reich gedeckten Tisch fiel.
      Das Wasser lief ihm bereits im Mund zusammen und Lucius’ warnende Worte waren nur noch ein leises Flüstern im Hintergrund.
      Als es Azareth und ihm endlich erlaubt wurde, von den verschiedenen Speisen zu essen, saß Sylva bereits mit einem Satz am Tisch und hatte sich sofort ein Pilzgericht geschnappt.

      Während Azareth gesittet und mit einer gewissen Eleganz aß, ignorierte Sylva das beiliegende Besteck gekonnt und stopfte sich die Pilze schamlos mit den Fingern in den Mund – ganz so, wie es in seinem Stamm üblich war. Warum sollte man auch Besteck benutzen, wenn man Finger hatte? Völliger Schwachsinn!
      Einen Moment lang schweifte sein Blick zur geschlossenen Tür, durch die Kilian eben verschwunden war, bevor er zu Lucius sah.
      „Du hättest den mal fragen sollen, was er über Dawnbloom weiß, Lucy.“, murmelte er mit vollem Mund, während er sich bereits den nächsten Pilz zwischen die Lippen schob.
      Wer Sylva so schlingen sah, hätte glatt meinen können, er hätte Angst, für lange Zeit nichts mehr zu essen zu bekommen. Doch dem Vulthera war es herzlich egal, was der Vampirprinz oder die Chimäre von ihm hielten. Es war sowieso nur eine Frage der Zeit, bis sich ihre Wege wieder trennen würden.

      Während er noch mit den Pilzen beschäftigt war und bereits überlegte, was er sich als Nächstes vom Tisch schnappen würde, kam ihm ein Gedanke – einer, der sich langsam aber hartnäckig in seinem Kopf festsetzte:
      Es sollte so etwas wie einen Bund geben. Eine Art Gemeinschaft, die sich für die Rechte von Gefäßen einsetzt. Eine Organisation, die den Sklavenstatus aufhebt und bessere Bedingungen schafft – die verhindert, dass Vampire mit ihnen tun und lassen können, was sie wollen.

      Sylva's Gedanken verloren sich immer mehr in der Idee und schon im nächsten Moment, schob er seinen Teller von sich, wischte seine verschmierten Finger an seinen Klamotten ab und holte aus seiner kleinen Tasche ein altes Buch, dass er Mal vor einer ganzen Weile irgendwo gefunden hatte.
      Er blätterte durch die vielen Zeichnungen, die er bereits mit einem Stück Kohle auf den Seiten verewigt hatte, bis er endlich eine leere Seite fand. Nun..."leer" war die Seite nicht wirklich. Sie war – wie all die anderen Seiten, bevor Sylva begonnen hatte, darauf zu zeichnen – mit seltsamen Zeichen übersät. Doch da der Vulthera weder lesen noch schreiben konnte, hatte er ihnen nie viel Beachtung geschenkt.

      Nachdem er nun auch sein Stück Kohle aus der Tasche gezogen hatte, begann er hastig auf der Seite zu kritzeln – wild und ungeordnet, nur um die Idee eines Bundes für Gefäßrechte nicht wieder zu verlieren.
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Lucius hob eine Augenbraue als er sah wie sich Sylva auf das Essen stürzte. Hätte er es nicht wenigstens wie Azareth machen können, fragte er sich und ging dann zu den beiden an den Tisch. Es war ein sehr eigenartiges Schauspiel, das sich ihm dort bot. Der Vulthera stopfte alles in sich, während Azareth mit seiner elfischen Eleganz aß. "Verschluck dich bloß nicht, Sylva. Ich habe keine Lust dir das Essen aus dem Rachen zerren zu müssen, nur weil du dich hier zu Tode frisst." Azareth lachte, was Lucius durchaus verwundert zu diesem Biest sehen ließ. "Und du? Hast dich wohl beruhigt, hm?", wandte er sich an die Chimäre, die dann zu ihm aufblickte. "Fürs Erste, Vampir", sprach er abweisend, ehe er das Fleisch klein schnitt und anschließend aß. Der Vampir rümpfte die Nase, ehe er sich von den beiden abwand und sich im Saal umsah. Das große Becken werde ich gleich testen. Mal sehen, ob das Wasser wirklich so warm ist, dachte er sich zufrieden, ehe jemand mit vollem Mund hinter ihm sprach. Lucius sah über seine Schulter und erkannte sein Gefäß. Er schüttelte den Kopf und beschloss auf den Namen 'Lucy' nicht zu reagieren. Stattdessen brauchte er jetzt etwas Entspannung und wer weiß wie schnell er wieder zu der Situation so entspannt ein Bad zu nehmen.

      Der Vampir ging wieder Richtung Raummitte, wo auch das große Becken war. Er legte sein Schwert und den Dolch, mit dem er vorhin Azareth zum Bluten gebracht hatte, ab. Dies ließ die Chimäre skeptisch auf die beiden Waffen starren. Lucius spürte den Blick und sah nochmals über seine Schulter. "Komm gar nicht erst auf dumme Gedanken, Chimäre", zischte der Vampir und drehte den Kopf wieder nach vorne. Er zog sich sein Oberteil und die Schuhe aus, ehe er sich der Hose entledigen wollte. Azareth schnaufte jedoch: "Du hast nur so viel Glück wegen deiner elendigen Magie."
      Lucius drehte sich wieder um. "Vielleicht sollte ich dir doch noch den Kopf abschlagen?"
      "Nur zu.", grinste Azareth herausfordernd. Lucius ging auf die Chimäre zu und verschränkte die Arme vor dieser. "Was ist eigentlich dein Problem? Du hast diesen Kampf verloren."
      Nun richtete sich Azareth auf, der größer als Lucius war und beugte sich über diesen. "Ich habe verloren, weil du Magie benutzt hast"
      "Und du bestehst nicht aus Magie? Die verstärkt dich nicht?" Lucius Stimme wurde hörbar zorniger. "Du bist etwas völlig ... Abnormales!" Platzte es aus dem Vampir vor lauter Wut. Azareth verstummte daraufhin, ehe er laut und böse knurrte. Lucius spürte den Boden unter sich leicht vibrieren. "Sagt der Richtige, Blutsauger", raunte die Chimäre, ehe sie den Kopf schüttelte und sich wieder an den Tisch setzte. Scheinbar gingen ihm die Argumente aus, dachte sich der Vampir. Lucius sah Azareth mit einer Mischung aus Zorn und Kampfeslust an, ehe er die Geräusche von etwas kritzelndem hörte. Er sah hinüber. Sylva bemalte ein Buch oder sowas. Er ging zu ihm und musterte die Seiten, die er mit seinen 'Zeichnungen', wenn man es so nennen wollte, vollmalte. "Was wird das? Und was soll das überhaupt darstellen?"

      Lucius musterte die Seiten genauer, ehe sich seine Augen weiteten. "Ich fass es nicht!", rief er und packte das Buch. Er nahm es und drehte es um, um sich den Rücken anzusehen. "Das ist ja tatsächlich mein im Moor verlorengegangenes Buch." Er sah durch die Seiten und entdeckte unzählige von Sylvas gekrakelten Zeichnungen. "Und dir fällt nichts Besseres ein als es zu bemalen?", raunte Lucius und gab es ihm zurück. "Na super." Azareth lachte fies und sah amüsiert zu den beiden. "Was war es denn für Lektüre? Ihr Vampire wart ja eh nie so belesen, das ist ja ein eher kleines Buch."
      Lucius raunte und sah zu Azareth. "Als ob du Ahnung von Büchern hast."
      Die Chimäre verdrehte bei dem Spruch die Augen. "Schade", seufzte der Prinz, "ich mochte 'die Geschichte von Aeion & Chais'." Azareths Augen weiteten sich. "Die kenne ja selbst ich! Sowas liest du?" Lucius rümpfte erneut die Nase. "Ich suche Zerstreuung. Leb du mal mein Leben." Azareth schüttelte den Kopf. "Deswegen lese ich doch trotzdem keine Geschichte mit zwei männlichen Elfen, die sich verlieben und intim werden" Er machte dabei ein abschätziges Geräusch, das Lucius nicht entging und seine Neugierde weckte. Er drehte sich zu der Chimäre und musterte sie. "Was ist denn dabei? Ist doch schön, wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen lieben oder vielleicht sogar mehr." Lucius grinste schelmisch. Azareth lief rot an. "So ein Schweinskram. Es gehören nur ein Mann und eine Frau zusammen. Alles andere endet in Chaos."
      Lucius lächelte amüsiert. "Du hattest eben einfach noch nicht den richtigen Spaß, Azareth" mit diesen Worten, ging Lucius zum Becken in der Mitte und zog nun auch seine Hose und Unterhose aus und stieg nackt ins Becken, wo er sich an den Rand lehnte und den Kopf auf dem Beckenrand ablegte.
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Sylva war drauf und dran lauthals zu protestieren, als Lucius das Buch packte und ihm aus den Händen zog. Doch bevor auch nur ein Wort seine Lippen verließ, gab der Vampir es ihm auch schon wieder zurück.
      Der Vulthera schnaubte genervt und drückte das Buch, wie einen kostbaren Schatz, an seine Brust. "Dein Buch? Das ist nicht dein Buch, sondern meins! Ich habs gefunden, also darf ich es auch behalten.", stellte Sylva klar, bevor er das besagte Buch wieder öffnete und die Seite suchte, in welche er gerade noch mit dem Stück Kohle gekritzelt hatte.

      "Und außerdem: was sollte ich sonst damit tun, huh? Ich kann nicht lesen. Warum sollte ich das auch könen? Das ist langweilig und absolut unnötig!", sagte er und verfolgte dann das Gespräch zwischen dem Vampirprinzen und der Chimäre.
      Er zog seine Augenbrauen zusammen und erst als er verstand, um was es in dem Buch angeblich handelte, weitete er seine Augen. "H-huh?! Wie jetzt?!", platzte es laut aus ihm heraus.
      Er blätterte auf eine nicht bekritzelte Seite und fuhr mit einer Fingerspitzen über die verschiedenen Zeichen, die er aber natürlich nicht verstand.
      Das war wohl das aller erste mal in seinem Leben, dass sich Sylva wirklich wünschte lesen und schreiben zu können. Doch egal wie sehr der Vulthera es auch versuchte...es brachte doch alles nichts. Mit einem genervten Seufzen, klappte er das Buch zu und ließ es zusammen mit dem Stück Kohle wieder in seiner Tasche verschwinden.

      Sein Blick wanderte nun zu Azareth, als ihm nun bewusst wurde, was dieser eigentlich gerade gesagt hatte. "Es gehören nur ein Mann und eine Frau zusammen?", wiederholte er ungläubig. "Was für ein Schwachsinn, du hast doch keine Ahnung...wie Lucy eben schon gesagt hat.", fuhr er fort und schüttelte seinen Kopf.
      Seine Augen wanderten zu Lucius, doch als er sah, wie dieser gerade nackt ins Becken in der Mitte des Raumes stieg, wandte er seinen Blick schnell wieder mit geröteten Wangen ab.
      Wie viel Erfahrung der Vampir wohl schon hatte? Nach heute Morgen war sich Sylva sicher, dass es nicht gerade wenig sein musste. Was wohl noch alles passiert wäre, wenn sie nicht unterbrochen worden wären?

      Sylva grummelte leise, stand dann auf und bewegte sich langsam auf das Becken zu. Beim Beckenrand angekommen, blieb er stehen und blickte mit verengten Augen auf Lucius herab.
      "Du.", sagte er und verschränkte seine Arme vor der Brust. „Du wirst mir helfen, einen Bund für Gefäßrechte zu gründen, verstanden? Mir gefällt es nicht, wie ihr Vampire mit uns Gefäßen umgeht. Wie ihr uns nur als Eigentum betrachtet. Wir verdienen Rechte und eine angemessene Behandlung.“
      Wenn Sylva ehrlich mit sich war, konnte er sich, zumindest was Lucius anging, nicht wirklich beschweren. Zumindest im Vergleich zu anderen Vampiren und ihren Gefäßen nicht. Doch es ging nicht nur um ihn. Es ging um so viel mehr. Es ging auch um die ganzen anderen Gefäße. Sie alle haben eine angemessenen Behandlung und Rechte verdient. Und Sylva wusste, dass er ab sofort für diese Rechte kämpfen würde.
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Lucius öffnete ein Auge, als er Sylvas Worte hörte. Einen Moment lang sagte er nichts – das Wasser schimmerte golden auf seiner Haut, während der Dampf leise um ihn herum aufstieg. Dann richtete er sich auf, das Wasser tropfte schwer von seinen Schultern, als er sich mit dem Unterarm auf dem Beckenrand abstützte und den jungen Vulthera mit einem ungerührten Blick musterte. „Ein Bund für Gefäßrechte“, wiederholte er leise, beinahe belustigt, als koste er die Absurdität des Gedankens aus. „Wie… rührend idealistisch.“
      Lucius seufzte, lehnte sich dann wieder zurück, die Augen halb geschlossen, als wolle er dem Gespräch keine größere Bedeutung beimessen. „Sylva“, begann er ruhig, aber mit diesem gefährlich ruhigen Ton, der zeigte, dass er die Geduld nicht verlieren musste, um seine Grenzen aufzuzeigen, „ich glaube, du hast da etwas missverstanden. Ich helfe dir – deiner Schwester – weil es mir nützt. Weil es meinem Thron nützt. Alles darüber hinaus…“, er machte eine kleine, wegwischende Geste mit der Hand, „…lohnt sich für mich nicht.“

      Azareth, der das Gespräch nun wieder aufmerksam verfolgte, schnaubte leise. „Endlich mal etwas Spannendes. Ich hoffe, du gründest diesen Bund – und endest dafür am Galgen. Das wäre ein herrlich ironischer Tod für einen Rebell, der nicht einmal lesen kann.“
      Er grinste spöttisch und schob sich ein Stück Brot in den Mund. Lucius warf der Chimäre einen kurzen, genervten Blick zu, bevor er fortfuhr: „Du kannst gern von Rechten träumen. Aber auf welcher Grundlage willst du sie fordern? Du bist ein Gefäß. Eigentum, aus Sicht der meisten Vampire. Und du stehst allein. Ohne Macht. Ohne Einfluss. Glaubst du wirklich, ein einzelner Vulthera kann ein jahrhundertealtes System verändern?“

      Er richtete seinen Blick nun schärfer auf Sylva. „Du hast keinen Namen, kein Haus, keine Stimme, die in den Hallen der Macht etwas zählt. Und das Einzige, was dich im Moment schützt, bin ich. Also, übertreib es nicht mit deiner Anmaßung, Sylva. Du kämpfst bereits an meiner Seite – für meine Ziele und ich helfe dir mehr oder minder freiwillig. Das ist mehr, als viele deines Standes je bekommen werden.“ Seine Augen hatten einen äußerst warnenden Ausdruck. Sie ruhten fest auf Sylva. Azareth sah zu den beiden und stützte den Kopf auf seine große Hand. "Das ist ihre Lebensweise.", sprach er zu dem Vulthera, "Diese kriegst du aus ihnen nicht raus, genauso wenig wird man aus dir deine animalischen Triebe rauskriegen wird. Obwohl, wenn ich es mir so überlege." Azareth lachte amüsiert mit einem diabolischen Unterton, der selbst Lucius auffiel und ihn skeptisch zur Chimäre schauen ließ. "Sei froh, dass du unter meiner Obhut stehst, Sylva", warnte er den Vulthera und deutete dann ins Wasser. Er wäre einem Snack zum Abend nicht abgeneigt.
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Mit jedem Wort das Lucius sprach, weiteten sich Sylva's Augen unwillkürlich ein wenig mehr. Er konnte kaum glauben, was er da hörte. Er schwieg und ballte seine Hände langsam zu Fäusten, um seine wild aufsteigende Wut in Zaum zu halten. DAS - Lucius Worte - waren genau der Grund, warum Gefäßrechte im Reich der Vampire so unfassbar wichtig wären.
      Aber der eingebildete Vampirprinz konnte - und wollte - die Wichtigkeit hinter Sylva's Anliegen einfach nicht sehen, was den Vulthera nur noch mehr frustrierte. Endlich verstand Sylva, dass es Lucius nur um ihn selbst und um seine eigenen Vorteile ging.

      Die Worte Azareth's waren nur ein leises Flüstern im Hintergrund, währenddessen die Stimmen in Sylva's Kopf immer und immer lauter wurden. Er wollte Lucius anschreien, er wollte ihm an den Hals springen...er wollte, dass der Vampirprinz die Situation aus der Sicht eines Gefäßes betrachtete - aber er blieb stumm und sparte sich seinen Atem.
      Es war genau, wie Azareth es eben bereits gesagt hatte: Das ist die Lebensweise der Vampire. Diese arrogante Weltansicht kriegt man nicht aus den Vampiren raus. Egal wie sehr man es auch versuchte. - Vampire sind kalte Wesen. Sie haben keine Ahnung, wie es ist jemanden zu lieben. Sie werden niemals verstehen, was Liebe wirklich bedeutet. Ihre Herzen schlagen nur für Macht und Kontrolle. Sie kennen nichts anderes als das Streben nach Herrschaft, während sie das wahre Gefühl von Liebe und Nähe niemals erfahren werden.

      "Wie Ihr wünscht, Euer Hoheit.", war die einzige Antwort die der Vampir von dem Vulthera erhielt.

      Langsam zog sich der Vulthera aus. Seine Bewegungen waren langsam, aber trugen eine gewisse Eleganz mit sich. Nachdem er sich komplett entblößt und seine Klamotten auf den Boden fallen ließ, trat er langsam ins Becken. Das Wasser umschmeichelte seinen Körper, schlang sich kühl und doch sanft um seine Haut, als ob es ihn einhüllte. Leises Plätschern begleitete seine Schritte, während er tiefer in das Becken trat und schließlich direkt vor Lucius stehen blieb.
      Seine eben noch aufgewühlten Emotionen waren verflogen, und er blickte Lucius mit einer kalten, beinahe unheimlich berechnenden Gleichgültigkeit in seinen violetten Augen an.
      Er würde sich Lucius' Worte merken - eine Erinnerung daran, in diesem Reich niemanden zu vertrauen. Und sobald sie Sylvara gefunden haben...wird er mit ihr verschwinden und nie wieder auch nur einen Fuß in das verfluchte Reich der Vampire setzen.

      Wenn Lucius so spielen wollte...dann würde Sylva es auch tun.
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Lucius schwieg einen Moment, nachdem Sylva sich ihm genähert hatte. Seine Augen ruhten auf dem jungen Vulthera, und für einen flüchtigen Moment wirkte der Prinz… nachdenklich. Nicht weich – niemals das –, aber als würden seine Gedanken abdriften, irgendwohin, wo ihn niemand so leicht folgen konnte. Er spürte die Berechnung in dem Blick seines Gefäß. Sylva war wirklich zu weit gegangen, doch Lucius würde ihm zeigen wo sein Platz ist. Er musste sich nicht unterordnen aber gehorchen. Hatte ihm der Vampir zu viel Freiraum gelassen? Er biss sich mit den spitzen Eckzähnen auf die vollen Lippen. Wasser perlte von seiner Haut, sammelte sich in Tropfen, die lautlos in das Becken zurückfielen. Der Glanz auf seinen Schultern spiegelte das matte Licht der Kristallleuchter, während er reglos verharrte.

      „Weißt du, Sylva…“, begann er leise, ohne ihn anzusehen, „ich frage mich manchmal, warum wir Vampire so gerne sterbliche Wesen - abgesehen von ihrem Blut besitzen. Ginge es nur ums Blut könnten wir es auch abzapfen, aber wir lieben eure ... Gesellschaft.“
      Er schloss die Augen für einen Moment, als würde er dem Gedanken nachspüren, ihn drehen, wie man einen seltenen Kristall in der Hand wendet, um ihn besser zu verstehen. „Ihr erinnert uns an etwas, das wir verloren haben. An Wärme. An das Leben selbst.“ Seine Stimme war seltsam nüchtern, fast resigniert. „Und vielleicht macht euch genau das so gefährlich.“ Azareth hob eine Augenbraue. Die Leichtigkeit war aus seinem Blick gewichen, das Abendessen war längst vergessen. Stattdessen sah er nun zwischen den beiden Männern hin und her – und etwas in seinem Gesicht zog sich für einen Moment finster zusammen.
      „Jetzt philosophiert er auch noch“, murmelte er mit rauer Stimme. „Er wird weich. Oder sentimental. Oder beides. Götter bewahre, bald rezitiert er noch Gedichte.“ Er schnaubte, verschränkte die Arme vor der Brust und richtete seinen Blick fest auf Lucius. „Wenn du ihn nicht willst, Lucius, dann sag es. Aber tu nicht so, als wäre er ein Rätsel, das dich nächtelang wach hält.“

      Lucius öffnete langsam wieder die Augen. Und in seinem Blick lag nun keine Nachdenklichkeit mehr – nur Hunger. Kontrolliert. Elegant. Eiskalt. „Ich weiß genau, was ich will“, entgegnete er. „Und ich weiß, was ich brauche.“
      Er hob die Hand, legte sie an Sylvas Hals. Sanft, beinahe zärtlich – doch unter der Berührung lag ein Anspruch, der keinen Widerspruch duldete. Seine Finger glitten über die Ader, spürten den Puls. Dann beugte er sich vor, ließ Sylva keinen Moment mehr zum Reagieren, griff ihn und setzte ihn auf seinen Schoß ehe er ihn sanft, aber bestimmt biss. Der Schmerz war flüchtig, überdeckt vom seltsamen Gefühl der Leere, das sich in Sylvas Gliedern ausbreitete. Ein Gefühl, als würde ihm nicht nur Blut, sondern auch ein Teil seiner Kraft entzogen werden – und gleichzeitig füllte sich der Körper des Gefäß mir einer Art warmen Gefühl von Nähe und Zuneigung als ob das Trinken von ihm etwas Schönes wäre. Lucius trank nicht gierig. Er trank gezielt. Maßvoll. Wie ein Mann, der sich alles nimmt, aber nichts verschwendet.

      Als er sich schließlich löste, leckte er sich beiläufig den letzten Tropfen vom Mundwinkel und sah Sylva eindringlich an.
      „Interessant“, murmelte er. „Du schmeckst nach Zorn. Aber auch nach Hoffnung. Eine gefährliche Mischung. Dennoch gefällt sie mir.“ Er grinste zufrieden. Azareth hingegen wirkte angespannt. Er sagte nichts mehr – aber seine Augen verfolgten jede Bewegung der beiden. Sein Schweigen war lauter als jedes Wort.
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Sylva presste die Zähne zusammen und spannte den Kiefer an, während er schweigend Lucius’ Worten lauschte. Seine Fuchsohren lagen flach am Kopf – eine abwehrende Geste. Kein Zucken entging ihm, jede noch so kleine Bewegung von Lucius verfolgte er mit wachsamer Präzision.
      Erst als Azareth sprach, huschten seine violetten Augen für einen Moment zu der Chimäre. Seine Augen verengte sich und er presste die Zähne noch fester zusammen. Aber er schwieg - sagte weiterhin kein Wort.

      Der Vulthera schauderte unwillkürlich, als sich die kalte Hand des Vampirs an seinen Hals legte. Seine Urinstinkte, tief in seinem Inneren verborgen, schrien ihn an, zu fliehen, solange es noch möglich war.
      Doch selbst wenn er es gewollt hätte, war es bereits zu spät. Denn noch bevor er überhaupt reagieren konnte, hatte Lucius ihn schon gepackt und auf seinen Schoß gezogen.

      Sylva spürte, wie sich die Zähne tief in seinen Hals bohrten, wie sich die Reißzähne erbarmungslos durch seine Haut gruben.
      Ein kurzer brennender Schmerz schoss durch seinen Körper. Es war, als würde flüssiges Feuer durch seine Adern strömen. Seine Glieder wurden schwer, sein Blick verschwamm – mit jedem Tropfen, den er verlor, schien auch ein Teil seines Willens zu schwinden.
      Ein Gefühl tiefer Leere durchströmte seinen Körper. Doch da war noch etwas – etwas Unfassbares, das sich durch den Nebel seiner Gedanken tastete. Er konnte es nicht benennen, nicht begreifen. Es war schwach, kaum mehr als ein Flüstern in der Dunkelheit… und doch schien es so warm – als wäre es ihm vertraut, und als wünschte er, es würde niemals verschwinden.


      Kraftlos sackte Sylva nach vorn und lehnte sich gegen Lucius’ Brust - schwer, erschöpft, aber nicht ganz widerstrebend. Langsam hob er den Blick, seine Augen glasig, als sie sich zu dem Vampirprinzen emporrichteten. Einen Moment lang regte sich nichts. Nur ihr Atem, der zwischen ihnen hing, heiß und flach.
      Sylva hätte ihn wegstoßen sollen. Er hätte ihm ins Gesicht spucken, ihm die Worte an den Kopf schleudern sollen, die sich wie Scherben in seinem Inneren sammelten. Doch er tat nichts davon. Stattdessen blieb er still, während seine Stirn ungewollt gegen Lucius’ Schulter sank.
      „Ich hasse dich.“, dachte er. Und doch… war da etwas in Lucius’ Nähe, das ihn nicht losließ.

      „Zorn und Hoffnung sind Waffen, die man niemals unterschätzen sollte.“, murmelte er, seine Stimme rau und leise, doch unerschütterlich. „Ich mag vielleicht dein Gefäß sein… aber du wirst mich niemals besitzen, hörst du?“
      Er hob das Kinn, seine violetten Augen funkelten kalt.

      „Niemals.“
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Der Vampirprinz ließ sich Sylvas Worte auf der Zunge zergehen. „Zorn und Hoffnung sind Waffen, die man niemals unterschätzen sollte.“ Das klang wie eine Drohung – oder ein Versprechen. Lucius’ Mundwinkel zuckte spöttisch, doch seine Augen verrieten ein anderes Spiel.
      „Das will ich doch hoffen“, entgegnete er kühl, aber nicht ohne ein gefährliches Maß an Interesse in der Stimme. Es wäre so leicht gewesen, Sylva an seinen Platz zu verweisen. Doch der Widerstand des Fuchswesens war zu… lebendig. Zu reizvoll. Er hatte es nicht mit einem willenlosen Diener zu tun, sondern mit einem Wesen, das noch kämpfte – und genau das machte ihn für Lucius nur umso wertvoller. Fast unbemerkt legte der Vampir seinen Arm um Sylvas geschwächten Körper. Eine fast beschützende Geste, die so gar nicht zu seinem sonstigen Verhalten passte. Seine Finger ruhten auf Sylvas Hüfte, fest, aber nicht grob. Besitzergreifend, aber nicht gewaltsam. Zwischen den beiden hing eine eigentümliche Spannung – wie ein Faden aus Dunst, der jeden Moment reißen könnte. Lucius öffnete den Mund, wollte eine spitze Bemerkung machen, doch hielt inne. Stattdessen schloss er langsam die Augen, neigte den Kopf zurück und lehnte sich gegen den Beckenrand. „Aber natürlich“, murmelte er mit trügerischer Sanftheit.

      Eine Bewegung im Wasser ließ seine Lider wieder aufschlagen. Ein tiefes, zufriedenes Schnaufen durchbrach die Stille, gefolgt vom leisen Plätschern, als eine weitere Gestalt ins Wasser stieg. Lucius blinzelte – und verzog belustigt die Lippen, als er Azareth sah, der nun ebenfalls im Becken Platz genommen hatte. Der Chimärenkrieger wirkte mit seiner muskulösen, von Narben durchzogenen Gestalt wie ein Fremdkörper in der Eleganz des Raumes – ein Krieger unter Adligen. Und doch… passte er auf irritierende Weise in das Bild.
      „Wie schade“, sagte Lucius mit einem kaum unterdrückten Grinsen. „Hättest du deinen Auftritt nicht mit Fanfaren ankündigen können?“
      Er musterte Azareth offen. Tätowierungen, Narben, dieser urtümliche, fast tierhafte Stolz, der ihm anhaftete – und dennoch eine Unsicherheit, die sich tief in den goldenen Augen verborgen hielt.
      Azareth verzog den Mund, als hätte er in etwas Saures gebissen. „Wenn du weiter so glotzt, wird das noch teuer für dich, Vampir.“
      Lucius grinste breiter. „Ich befürchte, du bist unbezahlbar. Oder einfach zu kompliziert.“
      Er lehnte sich ein Stück vor, seine Stimme wurde tiefer, beinahe einladend. „Oder willst du uns einfach nur Gesellschaft leisten, weil du dich einsam fühlst?“
      Azareth verschränkte die Arme. „Ich bade. Mehr nicht. Ich bin weder euer Spielzeug noch eure Ablenkung.“
      „Und doch sitzt du hier… wie ein braver Wachhund. Ganz nah bei uns“, entgegnete Lucius, seine Stimme samtig vor Spott.
      „Weil ich muss. Weil die Nocturns euch beide mir aufgehalst haben. Nicht weil ich will.“
      Lucius' Grinsen wurde messerscharf. „Oh, ich weiß. Und dennoch bleibst du. Vielleicht, weil du sehen willst, was passiert. Oder weil du etwas suchst, was du selbst noch nicht benennen kannst.“
      Azareth schnaufte gereizt, seine Hände ballten sich kurz unter Wasser. Doch er schwieg.

      Lucius wandte sich wieder Sylva zu. Der Vulthera war noch immer blass, seine Stirn an Lucius’ Schulter, sein Atem flach. Die Wärme seines Körpers fühlte sich seltsam vertraut an. Beunruhigend vertraut. Der Prinz zog ihn näher an sich, ließ seine Finger durch das nasse Haar des Fuchswesens gleiten – eine Geste, irgendwo zwischen Besitz und Zärtlichkeit. Etwas in ihm rebellierte. Was tust du da, Lucius? Er hatte sich geschworen, keine Schwäche zu zeigen. Nicht noch einmal. Nicht wie damals, bei... Er brach den Gedanken ab. Azareth beobachtete ihn. Stumm, aber wachsam. Und in seinen Augen loderte etwas, das Lucius nicht einordnen konnte – Eifersucht? Sorge? Hass? Oder all das zugleich?
      Ein dumpfes, unterschwelliges Grollen vibrierte in Azareths Brust, kaum hörbar, aber deutlich spürbar. Er sagte kein Wort. Doch seine Anspannung war wie ein Damm kurz vor dem Bersten. Lucius leckte sich beiläufig über die Lippen, während Sylvas Blut noch wie Feuer in seinen Adern pulsierte. Es nährte ihn – und veränderte ihn zugleich. Er schloss die Augen für einen Moment. Was zum Teufel mache ich hier…?
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Sylvas geschwächter Körper zitterte leicht in Lucius’ Armen, die Kälte der Erschöpfung hatte sich tief in ihn gegraben. Die Müdigkeit nagte an ihm, schwer und gnadenlos, doch er klammerte sich trotzig an das Bewusstsein, als wolle er sich nicht auch noch das nehmen lassen.
      Er blieb an Lucius’ nackter Brust gelehnt, spürte das leise, ruhige Heben und Senken seines Atems – zu beruhigend, zu...gefährlich.
      Er wollte sich abwenden - musste es eigentlich. Doch sein Körper rührte sich nicht. Die Muskeln unter seinen Fingerspitzen waren fest, lebendig – und da war etwas in ihm, das diese Nähe suchte, obwohl er sie hassen sollte.
      Er schloss kurz die Augen und biss die Zähne zusammen. "Verdammt.", dachte er angepisst. Warum fühlte es sich nicht falsch an?
      Warum fühlte es sich nicht falsch an, dass der Vampir seinen Körper näher an sich zog? Warum sträubte sich nichts in ihm, als diese kühlen Finger durch sein noch nasses Haar glitten – langsam, beinahe zärtlich? Es sollte sich falsch anfühlen - es musste falsch sein.

      „Heul leiser …“, knurrte der Vulthera mit gedämpfter Stimme, als Azareths Worte in seine Fuchsohren drangen. Träge hob er den Kopf von Lucius’ Schulter und ließ seine violetten Augen langsam zur Chimäre wandern.
      „Als ob du bei den Nocturns je wirklich glücklicher gewesen wärst.“, fuhr er fort, seine Stimme nun schärfer, von einem bitteren Unterton durchzogen. „Erschaffen, um zu kämpfen. Um zu siegen.“
      Er machte eine Pause, seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, in denen Verachtung glitzerte.
      „Und was geschah, als du verloren hast? Genau. Man hat dich verschenkt. Weggegeben wie ein nutzloses, zerbrochenes Schwert – entsorgt, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Genau wie man es mit allem tut, was seinen Zweck nicht mehr erfüllt.

      Langsam ließ er seinen Blick wieder zu Lucius gleiten. Ihre Augen trafen sich – für einen Moment schien alles andere zu verblassen. Trotz der Müdigkeit, die sich wie ein Schleier über seinen Verstand legte, wich Sylva seinem Blick nicht aus.
      „Und du–“, setzte er an, doch der Rest blieb unausgesprochen. Die Worte hingen für einen Herzschlag in der Luft, bevor sie in einem stillen Seufzen untergingen. Er war zu erschöpft, um sich ein weiteres Mal mit ihm anzulegen. Nicht heute. Nicht jetzt. Stattdessen ließ er den Kopf wieder sinken.

      „Ich bin müde …ich will ins Bett...vor allen, wenn wir morgen früh gleich weiterziehen.“, murmelte er leise, kaum mehr als ein Hauch. Langsam begann er, sich von Lucius zu lösen. Seine Finger griffen nach der Hand des Vampirs, die noch an seiner Hüfte ruhte – und drückten sie mit sanftem Nachdruck zur Seite, eine klare, aber stille Grenze.
      Dann stützte er sich mit beiden Händen am Beckenrand ab, das Wasser rann ihm schwer von der Haut, während er sich aus dem Becken hob – jeder Muskel angespannt vor Anstrengung, als wolle er nicht nur dem Wasser, sondern auch der Nähe entkommen.
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Lucius’ Miene blieb unbewegt, als Sylvas Stimme scharf durch den Dampf schnitt. Kein Muskel in seinem Gesicht zuckte – und doch war etwas in seinem Blick, das sich veränderte. Eine feine, kaum merkliche Spannung legte sich über seine Züge, wie ein kalter Schatten, der durch eine Glut streicht. Azareth hingegen reagierte sichtbarer. Die Worte trafen ihn wie Nadeln – nicht wegen ihres Inhalts, sondern wegen der Stimme, aus der sie kamen. Für einen Moment flackerte etwas in seinem Blick auf. Kein Zorn. Kein Schmerz. Etwas Bittereres. Eine Stille, die keine Worte mehr kannte, weil sie alles längst gehört hatte. „Zerbrochen also.“, wiederholte er leise, seine Stimme rau, fast tonlos. Er ließ den Kopf ein Stück zur Seite sinken, das nasse Haar klebte an seinem kantigen Gesicht. „Ein Schwert, das nicht mehr tötet, wird abgestoßen. Du sagst es, Fuchs.“ Er sah Sylva nicht an, aber seine Hände im Wasser hatten sich zu Fäusten geballt. Nur kurz. Dann lösten sie sich wieder – gezähmter Zorn, wie ein Tier, das gelernt hatte, im Käfig still zu bleiben. Lucius hingegen schnaubte nun leise. „Er ist noch weit davon entfernt, nutzlos zu sein“, sagte er mit gefährlich ruhigem Ton. „Aber du hast recht – die Nocturns verschwenden nichts. Sie verwenden etwas wieder. Ein Funkeln lag in seinen goldenen Augen, das sich nicht entscheiden konnte, ob es Hohn oder Anerkennung war. Vielleicht beides.

      Lucius ließ Sylva ziehen. Seine Hand glitt widerstandslos zur Seite, folgte jedoch für einen Moment länger der Wärme, die sie eben noch berührt hatte – eine Wärme, die in seinem kalten Inneren seltsam lange nachhallte. Als der Vulthera sich mühsam aus dem Becken stemmte, verfolgte Lucius jede Bewegung mit Blicken, die mehr verrieten, als er zugeben wollte. Ein Teil von ihm hätte ihn zurückgezogen – festgehalten. Nur um zu sehen, ob er es zuließe. Aber er tat es nicht.

      Stattdessen lehnte er sich wortlos zurück, das Wasser kräuselte sich sacht um seine Schultern, als er sich in eine halb liegende Position verlegte. Seine Augen jedoch lösten sich nicht von Sylva. Nicht, als dieser taumelnd das Becken verließ. Nicht, als das Wasser in Rinnsalen an seinem schmalen Rücken hinabglitt. Nicht einmal, als er sich außer Sichtweite begab. Erst dann wandte sich Lucius langsam Azareth zu. Die goldenen Augen des Vampirs glommen im schummrigen Licht wie zwei halb geschlossene Klingen. „Und was genau“, begann er mit jener ruhigen, trügerisch milden Stimme, die jedem Nocturn vertraut war, bevor es brannte, „wolltest du mit diesem kleinen Schauspiel erreichen?“
      Azareth hatte sich kaum bewegt, seine Schultern ruhten schwer und statuenhaft über dem Beckenrand, doch sein Blick war nun ganz auf Lucius gerichtet. Etwas in seinen dunklen, schrägen Augen zuckte – eine Mischung aus Trotz und etwas Tieferem, kaum Fassbarem.
      „Ich hab ihn nicht belogen“, brummte der Chimärenkrieger. „Er hat recht. Ich war ein Werkzeug. Bin es immer noch. Nur dass ich inzwischen gelernt habe, die Richtung selbst zu bestimmen.“
      Lucius schnaubte leise. Ein Laut, halb Spott, halb Anerkennung.
      „Und doch beißt das Werkzeug immer noch in jede Hand, die es nicht richtig führt.“ Er lehnte sich nach vorne, seine Stimme wurde weicher, gefährlicher. „Aber lass mich eines klarstellen, Azareth. Wenn du noch einmal versuchst, Sylva in deinem Selbstmitleid zu ertränken, reiße ich dir die Zunge raus – und steck sie dir als Halskette um.“
      Azareths Lippen zuckten. War es ein Grinsen? Ein Zucken von Respekt?

      „Ich vergaß, wie besitzergreifend du werden kannst, wenn dich etwas interessiert“, entgegnete er mit gespielter Nachlässigkeit, während sein Blick in Lucius’ goldenem flackerte. Ein Moment der Spannung hing in der Luft, schwer wie die Dämpfe über dem Wasser. Dann erhob sich Lucius langsam, ließ das Wasser lautlos von seinem Körper gleiten. Muskeln spannten sich wie bei einer Raubkatze, die gleich zum Sprung ansetzt – und doch wandte er Azareth den Rücken zu.
      „Wenn du schlafen willst – tu’s. Wenn du wütend bist – spar dir’s. Aber wenn du glaubst, du darfst dich an ihm abarbeiten, nur weil du selbst zu feige bist, deinen Platz einzufordern…“, seine Stimme klang nun kühl, fast gleichgültig, „…dann solltest du morgen besser einen Schritt hinter mir laufen. Und nicht vor mir.“

      Ohne eine weitere Silbe verließ er das Becken – nackt, stolz, unbeirrbar. Nur das Echo seiner Schritte blieb, als er Sylva folgte. Nicht, um ihn zu bedrängen. Nicht heute. Aber um zu sehen, ob er gefallen war – oder gefallen wollte.
      Azareth blieb zurück. Und für einen langen Moment war da nichts außer dem Plätschern des Wassers. Und einem langen, leisen, tonlosen Lachen, das niemand hörte. Einen Moment lang schien er zu verharren, reglos wie aus Stein. Die Muskeln unter der teils dunklen Haut zuckten schwach, als kämpften sie gegen etwas Unsichtbares. Die Worte hallten noch nach – „zerbrochen“, „weggegeben“, „nutzlos“. Sie hatten keinen neuen Schmerz geöffnet. Nein. Sie hatten nur die alten neu aufbluten lassen. Jene, die er tief genug vergraben geglaubt hatte. Er atmete tief durch, einmal, zweimal. Die Fäuste pressten sich ins Wasser, die Knöchel hell gegen die dunkle Haut. Und dann zerbrach etwas in ihm. Mit einem plötzlich herausbrechenden Knurren, rau und wütend, schlug er die Faust gegen den Beckenrand. Stein splitterte. Ein dumpfer, klirrender Laut hallte durch den Dampf, als ein Stück der Marmorverkleidung absplitterte und ins Wasser fiel. Es sank schnell, als würde es fliehen wollen vor der Hitze, vor der Wut.

      Er blieb noch, bis das Wasser sich wieder geglättet hatte. Bis der Dampf alles verschluckte, auch die letzte Regung in seinem Blick.
      Dann erhob er sich. Langsam. Schwer. Und schwieg. Die Emotionen herunter geschluckt wie sein verletztes Ehrgefühl - wohlwissend er würde beides wiederherstellen, auch wenn er jeden Vampir eigenhändig dafür töten müsste.
    • Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire

      Es war eine düstere und stürmische Nacht, die sich wie ein schwerer Schatten über das Graumoor legte. Der Regen peitschte erbarmungslos gegen die Fensterscheiben, als wolle er sich mit Gewalt Zutritt verschaffen. Der Wind heulte durch Ritzen und grelle Blitze rissen die dunkle Landschaft immer wieder in gespenstisches Licht, gefolgt vom drohenden Grollen des Donners.

      Sylva war zwar in der Natur aufgewachsen, aber er würde wohl lügen, wenn er behauptete, dass ihm ein derart heftiges Gewitter nichts ausmachte.
      Er lag in dem weichen Bett und hatte die Decke bis kurz unter die Augen gezogen – als könne sie ihn vor dem grollenden Himmel schützen.
      Bei jedem Donnerschlag zuckte er kaum merklich zusammen und seine Fuchsohren zuckten gestresst hin und her, als könnten sie sich nicht entscheiden, ob sie fliehen oder sich vergraben wollten.
      Doch er war müde. Müde vom ganzen verdammten Tag. Müde von der Reise zur Burg Schwarzer Stern. Müde von dem erbitterten Kampf zwischen Lucius und Azareth. Und müde von der Tatsache, dass Lucius nun schon zum zweiten Mal von ihm getrunken hatte.

      Lucius. Beim Gedanken an den Vampirprinzen biss Sylva angespannt die Zähne zusammen. Unweigerlich schossen ihm Azareths Worte wieder in den Kopf. War er wirklich nichts weiter als ein Spielzeug für Lucius? Ein Spielzeug, das er ohne Zögern wegwerfen konnte, sobald es ihm nichts mehr nützte? Das durfte nicht passieren. Nicht bevor sie Sylvara gefunden hatten. Er konnte ihm doch trauen…oder?
      Lucius hatte ihm versprochen, bei der Suche nach seiner Schwester zu helfen. Aber andererseits…war er trotzdem einer von ihnen...ein Vampir.

      Und dennoch konnte Sylva die wachsende Anziehung nicht länger leugnen. Wie sehr er sich nach der Berührung des Vampirprinzen sehnte… nach seiner Stimme, wenn er ihn zurechtwies – ruhig, eindringlich, und mit dieser gefährlich weichen Autorität, die ihm die Knie schwach machte. Nach seinen Lippen – auf seinem Hals … oder auf seinen eigenen Lippen.
      Sylva riss erschrocken die Augen auf, als ein greller Blitz das Schlafgemach in kaltes Licht tauchte und richtete sich hastig auf.
      Was hatte er da gerade gedacht? Seine Lippen – auf seinem Hals? Auf seinen Lippen?

      Seine Augen zuckten zu Lucius, der ruhig und mit geschlossenen Augen auf der anderen Seite des Bettes lag. Schlief er wirklich? Konnte ein Vampir überhaupt schlafen?
      Sylva presste wieder die Zähne aufeinander und eine leichte Röte stahl sich auf seine Wangen. „Du verdammter …“, fluchte er leise – kaum mehr als ein Hauch von Stimme.
      Ehe er sich versah, war er näher an Lucius herangerutscht. Seine Augen ruhten fest auf dessen Lippen. Er musste es wissen.
      Musste wissen, ob das, was er fühlte, echt war – oder ob seine Gefühle ihn nur täuschten.

      Für einen Moment glitten seine Blicke noch einmal über Lucius’ Gesicht, suchten nach dem kleinsten Anzeichen von Bewusstsein.
      Und dann… ganz langsam, beinahe zögerlich, beugte sich der Vulthera vor und legte seine Lippen auf die des Vampirprinzen.