Haunted [Winter & Alea]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Die Welt in völliger Dunkelheit schärften sich Dameraus andere Sinne. Man erkannte sofort, dass er das nicht zum ersten Mal machte. Der junge Agent wurde schon früh im Fechten unterrichtet und sein Lehrer war nicht nur sehr streng, sondern forderte seinen Schüler zum äußersten. Wie oft hatte Felix mit einer Augenbinde dagestanden und einen Schlag nach dem anderen ertragen müssen, ehe er es zum ersten Mal schaffte seinen Mentor zu blocken. "Du musst es an der Wärme spüren! Geister sind kalt. Wenn er dich von hinten angreift, ist der kalte Schauer in deinem Nacken die letzte Vorwarnung, die du noch bekommst, um dich zu verteidigen!" hallten die Worte seines Mentors noch immer in seinem Kopf. Diesen, man könnte sagen, sechsten Sinn, hat Felix so oft trainiert und geschärft, dass es ihm jetzt möglich ist, Violets Angriff zu parieren. Im letzten Moment hatte er seinen Degen gehoben und ihren Schlag abgeblockt. "Nicht schlecht." kommentierte er ihren Angriff und wandte sich dann ihr zu, wobei er nur erahnen konnte, wo seine Kollegin steht. "Du kannst es gerne noch eine Mal ver- …" sprach Felix weiter und brach dann mitten im Satz ab. Ein kalter Schauer zog sich über seinen Nacken und reflexartig drehte er sich zum Haus, zog dabei die Augenbinde ab und hob seine Degen, um bereit für einen Kampf zu sein. Doch da war kein Geist, jedenfalls konnte er keinen sehen. Ein angezogenes und grübelndes "Hmmmm" kam ihm über die Lippen, ehe er sich wieder an Violet wandte. Er konnte schwören, dass er für einen kurzen Augenblick die Präsenz eines Geistes gespürt hatte. Sie war schwach, doch der kühle Luftzug war da gewesen. "Vielleicht war es auch nur das; ein Luftzug." dachte er für sich, ehe er die Brünette ansprach. "Du hast nicht gerade zufällig etwas gefühlt oder gehört, oder?" fragte er sie, denn als Fühlende nahm man Geister noch stärker wahr.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Das ließ Violet sich nicht zweimal sagen. Wenn sie wirklich ehrlich zu sich selbst war, machte ihr die Übung sogar ein wenig Spaß, obwohl sie dabei Felix' Ego streichelte. Mit einem Grinsen, das Damerau nicht sehen konnte, machte sich die Agentin bereit, ihren Kollegen zu umrunden, da stockte Felix unerwartet mitten im Satz. Bereits in derselben Sekunde gefror auch Violet mitten in der Bewegung, Degen und Unterricht ganz vergessen. Etwas huschte an ihnen vorbei, flink und kühl wie ein Windhauch.
      Nur, dass Violet sofort wusste, dass es keine auffrischende Brise war. Die feinen Härchen in ihrem Nacken und eine Gänsehaut breitete sich über ihren Unterarmen aus. Violets Blick entrückte der Realität für einen kurzen Augenblick. Was sie fühlte, war schwer einzuordnen. Es war ein Geist, ohne Frage, aber die Bruchteile der Emotionen, die sie aufnahm, fühlten sich befremdlich an. Nicht bedrohlich, aber auf eine merkwürdige Art und Weise auch nicht menschlich. Ein diffuser Schalk blitzte auf, dann war das Gefühl schon wieder vorbei. Violet kniff die Augenbrauen zusammen.
      "Hm, ich bin mir nicht sicher. Also, ja. Ja, da war etwas, aber es fühlte sich merkwürdig an. Und am helllichten Tag? Was immer es war, es ist keine Bedrohung. Zumindest will es das nicht sein...es will...spielen? Das macht keinen Sinn...Ich denke nicht, dass wir uns Sorgen machen müssen, Felix. Wir sollten..."
      Violet sah Felix von der Seite an. Sein silberweißes Haar zerzaust vom Training und der provisorischen Augenbinde. "...der Keller wartet. Wir haben viel zu tun."

      Das Duo hatte den ganzen Tag damit verbracht, den Keller auszuräumen. Jetzt stand der gesamte Vorgarten mit Gerümpel voll. Viel Brauchbares hatte sie nicht gefunden. Ein paar Möbelstücke und etwas Krimskrams waren noch in Ordnung gewesen. Wenn sich ihr Team vergrößerte, könnte der Rest noch nützlich sein.
      Die Stille in der Küche war nicht drückend, lediglich geprägt von purer Erschöpfung. Nach der Dusche wäre Violet am liebsten gleich ins Bett gegangen, wenn ihr Magen nicht so laut geknurrt hätte. Träge schob sie sich die Gabel in den Mund. Ihr war so schwer, als hingen Bleigewichte daran.
      "Bitte sag mir, dass wir bald einen Tag Pause machen können? Ich bin fix und fertig. Wir soll-", nuschelte sie und erstarrte plötzlich. Etwas stimmte nicht. Violet bekam keine Luft und es war auf einmal eiskalt in der Küche. Etwas drückte auf ihren Brustkorb, engte ihre Lunge ein.
      "Fe..lix...da ist...sieht du...ich bekomm keine..." würgte sie alarmiert hervor, ließ die Gabel fallen und packte reflexartig seinen Unterarm.
      Der Kontakt erdete sie, verankerte sie im Hier und Jetzt. Durch den Ärmel des Hemdes fühlte sie die lebendige Wärme seins Körpers. Sie versuchte noch etwas zu sagen, doch sie erstickte beinahe an der nächsten Silbe. Ein erdiger Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus. Ein Klumpen aus Lehm und schwarzer Erde, der sich in ihren Rachen zwängte und ihr die Luft endgültig abschnürte. Sand knirschte zwischen ihren Zähnen, hörbar nur für Violet, die langsam versank. Das Gefühl war so real, dass schwarze Punkte vor ihren Augen tanzten bis sie gar nichts mehr sah. Sie erstickte während das Gewicht auf ihrer Brust immer stärker wurde.
      Was Felix sah, war eine zuckende und bleiche Violet, deren Augen soweit nach hinten rollten, dass nur das Weiß ihrer Augäpfel noch zu sehen war. Als ihre Lippen sich langsam blau färbten, griff sich Violet an die Kehle. Mit einer ruckartigen, beinahe unmenschlichen Bewegung zuckte ihr Kinn zur Seite in Richtung der Tür zum Flur. Ihre Fingernägel bohrten sich in seinem Arm. Der Griff rettete sich nicht davor, vom Stuhl zu kippen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Auch Violet hatte es bemerkt und durch ihre Gabe mehr wahrnehmen können. "Spielen?" wiederholte Felix skeptisch und strich sich dabei die Haarsträhnen, die in sein Gesicht hingen, wieder zurück. "Das ergibt wirklich keinen Sinn." stimmte er ihr zu und war ihrer Meinung, diese flüchtige Begegnung einfach fürs Erste zu ignorieren. "Das haben wir wirklich. Dann lass uns weiter den Keller ausräumen." gab er seiner Kollegin recht und befestigte den Degen an seinem Gurt, ehe er seine Ärmel hochkrempelte, um sich erneut an die Arbeit zu machen.

      Die beiden jungen Agenten waren sehr fleißig gewesen und haben so gut wie den ganzen Keller fürs Erste ausgeräumt. Jetzt sah aber der Garten sehr unordentlich aus, so wie dort alles abgestellt wurde. Doch wenn die Entsorgungsfirma am nächsten Morgen ihre Container vorbeibrachte, sollte der Garten auch in Nu wieder vorzeigbar aussehen.
      Felix saß mit Violet am Küchentisch. Seine Muskeln brannten etwas, von dem viel hin und her Geschleppe und das endlose auf- und absteigen der Treppe. Und da beide so müde waren, wurde beschlossen, dass man einfach Nudeln mit einer Fertigsoße zum Abend aß.
      Felix kratzte mit seinen letzten Nudeln den letzten Rest seiner Soße zusammen, als er Violet jammern hörte. Sein Blick war auf sein Essen gerichtete, als er merkte, wie sie mitten in ihrem Satz abbrach. "So ein bisschen …" wollte er schon darauf etwas erwidern, doch griff sie schon nach seinem Arm, was ihn aufblicken ließ. Sofort schrillten bei dem Anblick der Brünetten die Alarmglocken in seinem Kopf. Doch auch die plötzliche Kälte und das Gefühl von Schwermütigkeit war ein eindeutiger Hinweis darauf, dass sich in der Nähe ein Geist befinden musste. Und noch dazu musste es ein sehr mächtiger und gefährlicher Geist, so wie Violet darauf reagiert. Doch Felix wäre kein Damerau, wenn nicht auch hier einen kühlen Kopf bewahren würde und so erhob er sich so ruckartig von seinem Stuhl, dass diese klappernd nach hinten umfiel und schnappte sich seine Kollegin. Sie mussten so schnell wie möglich von hier verschwinden! Also hob er Violet auf seine Arme und stürme aus der Küche. Keine Hand frei, trat er einfach die Haustür auf und brachte so viel Distanz wie möglich zwischen sich und das Haus. Erst als die Maladigkeit langsam abblies, wurde Felix ruhiger und setzte vorsichtig Violet wieder auf ihren Füßen ab. Noch immer konnte er das Grauen spüren, dass von ihnen Besitzt ergriffen hatte und ihm wurde bewusst, wie knapp sie einer Geisterstarre entkommen waren.
      "Alles okay bei dir?" erkundigte er sich gleich bei seiner Kollegin und sah dann zum Haus zurück. Auf den ersten Blick konnte man nichts erkennen, doch es war da. Irgendetwas lauerte in dem Haus und er vermutete schon, wo es genau war, da es nur einen Ort gibt, an dem sie in letzter Zeit etwas verändert hatten: der Keller! Doch ehe sie sich dem Geist stellen konnten, musste er sicher gehen, dass es Violet wieder gut ging. Felix ist zwar gut, aber selbst ihm ist klar, dass er in so einem Fall nicht kopflos handeln sollte. Sie brauchten einen Plan. Und ihre Hilfsmittel! Aber die befanden sich zurzeit alle im Haus selber. Außerdem wollte er nicht ihre Agentur kontaktieren. Wie sah das denn aus, wenn sie nicht ein mal einen Geist vertreiben konnten, der in dem Haus spukte, dass man ihnen extra zur Verfügung gestellt hatte. Nein, das wollte und musste er alleine klären, damit er beweisen konnte, dass sie hier auch ohne größere Unterstützung klarkamen. Ansonsten würde man ihnen auch keine weiteren Aufträge zutrauen, davon war der ehrgeizige junge Mann überzeugt.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Violet verlor den Boden unter den Füßen. Erstaunlich starke Arme fingen ihren Fall ab und ihre Hände krallten sich in Felix' Schultern. Sie bekam immer noch keine Luft, aber ihr auserwählter Anker half. Mit aller Konzentration, die sie aufbringen konnte, hielt sie an der Wärme fest. Atem, aufgeregt und schnell, streifte ihre Stirn und sie konnte dem Drang nicht widerstehen, ihre Stirn gegen Dameraus Hals zu drücken. Im Gegensetz zu ihrer schien seine Haut zu glühen. Es wurde besser, als sie durch die Haustür in Freie stürmten.
      Die Schwermütigkeit wich ebenso wie der erstickende Druck auf ihrer Brust. Die Gedanken wurden klarer und ihre Füße berührten kaum den Boden, als sie Felix mit weitaufgerissenen Augen anstarrte.
      "In der Erde...Da ist etwas in der Erde", keuchte sie und schien seine Frage völlig überhört zu haben. "Ich hab's gespürt. Ich konnte es schmecken, Felix! Erde und Enge...Überall. Mein Körper war wie gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen."
      Ihre Hände rutschten von seinen Schultern zu seinen Armen. Violet konnte sich nicht dazu bringen, Felix loszulassen
      "Wie konnte wir das übersehen!?", murmelte sie fassungslos. "Ein zweiter Geist, Felix! Wieso haben wir das nicht bemerkt?"
      Die Finger um seine Oberarme zuckten, bohrten sich tiefer in den Stoff seines Hemdes.
      Das war knapp gewesen. Zu knapp. Das letzte Mal, dass Violet diese ganz spezielle Schwere so eng um ihr Herz gespürt hatte, war...Violet schüttelte den Kopf. Sie wusste ganz genau, welches Wesen durch das Haus geisterte. Die alte Dame war nie das Problem gewesen, nur von einer größeren Macht und Melancholie an den Ort gefesselt.
      "Es ist ein Alb. Ich bin mir ganz sicher. Es kann nur ein Alb sein. Dieses Gefühl...das hab' ich schon einmal gespürt. Meine Eltern sind einem Alb zum Opfer gefallen. Ich war da...und ich konnte mich nicht rühren. Genau wie jetzt. Ich...ich...Ich kann da nicht wieder rein, Felix. Ich kann nicht."
      Als Felix den Kopf in Richtung des Hauses drehte, erreichte die Angst ein neues Level.
      Das Haus war nicht wichtig. Was der Hound, ihr Onkel, von ihr wollte, war nicht mehr wichtig. Sie packe Damerau noch fester.
      "Du kannst da nicht wieder reingehen! I-ich kann nicht..."
      Noch jemanden verlieren.
      Auch, wenn dieser jemand ein arroganter, reicher und privilegierter Schnösel wie Damerau war, den sie kaum kannte.
      "Wir müssen Hilfe holen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Violet stützend, lauschte er ihren Worten, als sie ihre Vision beschrieb, wie sie den Geist wahrgenommen hatte. "In der Erde also." murmelte er vor sich hin und fing an zu überlegen, während seine Kollegin sich fragte, wie sie das übersehen konnten. "Unsere Aufräumaktion muss den Geist quasi aktiviert haben. Vielleicht haben wir seine Quelle verrückt oder aus Versehen die Versiegelung gelöst." dachte Felix laut nach und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Viele seiner jungen Kollegen hätten jetzt schon um Rat und Vertretung gefragt, doch nicht er. Der junge Damerau will das Problem alleine lösen.
      "Ja, das schätze ich auch so ein." stimmte er Violet zu, als diese ansprach, dass es sich um einen Alb handeln musste. Dies hatte er auch geschlussfolgert, waren die Indizien dafür doch sehr eindeutig. Es gibt nur wenige Geister, die so mächtig und auch gefährlich sind wie ein Alb. Doch als Violet damit anfing, dass sie nicht wieder das Haus betreten konnte und er es auch nicht tun sollte, sah er sie fassungslos an. Ja, fast schon wütend. "Reiß dich zusammen! Wir sind Agenten und genau für solche Vorfälle wurden wir ausgebildet." schnaubte der junge Mann. "Ich kann das aber nicht alleine machen. Du bist meine Partnerin. Ich muss mich auf dich verlassen können." sprach Felix weiter und legte seine Hände auf Violets Schultern, um sie eindringlich anzusehen. "Hast du verstanden?" fragte er sie ernst, ehe er seine Hand wieder von ihrer Schulter löste. Er konnte spüren, wie sie leicht zitterte, auch wenn es weniger geworden war. Das ist auch kein Wunder, war ihre letzte Begegnung mit einem Alb doch der Grund, weshalb ihre Eltern gestorben sind. Sie hatte damals wohl einen Schutzengel gehabt, dass sie nicht auch dem Geist zum Opfer gefallen war.
      "Ich muss aber zugeben, dass wir vor einem größeren Problem stehen, als ich es gerne hätte. Unsere ganze Ausrüstung, um so einen Geist auszutreiben, befindet sich im Haus. Ich habe zwar meinen Degen …" dabei klopfte Felix mit seiner freien Hand auf seine Waffe "… doch es wäre wirklich Selbstmord, sich nur damit dem Haus wieder zu nähern." gab er zähneknirschend zu. Sie brauchten also eine andere Lösung. "Kennst du einen Laden oder vielleicht eine Person, bei der wir um diese unchristliche Uhrzeit auftauchen können und die uns mit Eisen und Silber ausrüsten kann?" wandte er sich wieder an Violet. Er selbst kennt da auch den ein oder anderen Kontakt, doch Felix ist es wichtig, dass die Agentur davon nichts erfuhr.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Reiß Dich zusammen! Violet zuckte zusammen, ob sie es nun wollte oder nicht. Peinlich berührt über den ängstlichen Zusammenbruch und Felix' deutlichem Missfallen presste Violet die Lippen zu einer schmalen, blassen Linie zusammen. Zitternd atmete sie durch die Nase ein, sichtlich erschüttert von den Ereignissen und der Wut, die ihr nun entgegenschlug. Reiß Dich zusammen...Wie oft hatte ihr diese Worte schon jemand entgegen geschleudert? Violet hatte aufgehört zu zählen.
      Dabei beließ es Damerau nicht. Hände legten sich schwer und warm auf ihre Schultern, doch nicht um Trost zu spenden. Dafür fühlte sich die Berührung zu distanziert an und er ließ sie genauso schnell los wie er nach ihr gegriffen hatten. Violet blieb nichts anderes übrig, als Felix wieder ins Gesicht zu sehen. Der Degen! Jetzt sah Violet neben ängstlich auch noch beschämt aus. Ihr eigener Degen lehnte säuberlich angelehnt neben der Küchentür. Sie hatte nicht einmal eine Waffe dabei. Noch ein Grund mehr Damerau davon zu überzeugen, dass es die schlechteste Idee der Welt war, wieder zurück in dieses Haus zugehen.
      Bei der Frage nach einem geeigneten Geschäft kehrte ein wenig Bewegung in die erstarrte Agentin zurück. Fahrig klopfte sie ihre Taschen ab und atmete erleichtert auf, als sie ihr Notizbuch zu Tage förderte. Was als Untermalung ihrer Fassade begonnen hatte, war zu einem ihrer wichtigsten Besitztümer geworden. Alles, was sie gelernt hatte, alles, was sie sich so hart erkämpft hatte, befand sich in diesem Buch. Eine Existenz, ein Leben, ein Sinn...Violet presste das Buch in diesem fragilen Moment an ihre Brust.
      Mit zittrigen Fingern blätterte sie durch die säuberlich notierten Nummern und Adressen.
      "Z-zwei Straßen weiter gibt es eine Pfandleihe", murmelte sie. "Ich glaube n-nicht, dass ein paar silberne Ringe und Uhren uns viel weiterhelfen. Etwa eine halbe Stunde von hier ist ein...hm...Juwelier, ein Eisenwarengeschäft...Mit Hammer und Nägeln würden wir maximal der knarrenden Treppenstufe Angst einjagen. I-ich...ich weiß nicht, Felix. Ich..."
      Violet knirschte mit den Zähnen, weil das Zittern in ihren Händen und ihrer Stimme einfach nicht aufhörte.
      "Hör mal...vielleicht ist das eine Nummer zu groß für uns. Für zwei Agenten, selbst wenn wir unsere Ausrüstung hätten. Das ist ein verdammter Alb. Und...ich bin dir da drin keine große Hilfe, so lange dieses...dieses Ding da herumspukt", wisperte sie und streckte zögerlich die Hand aus, um mit ihren Fingerspitzen eine winzige Ecke seines Hemdsärmels zu greifen. Was sie dann sagte, meinte sie zu ihrem eigenen, stillen Entsetzen, todernst. "Geh nicht allein da rein, bitte? Das ist Selbstmord."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Pfandleihe. Juwelier. Eisenwarengeschäft? Was könnten sie denn dort besorgen? Violet schien komplett neben der Spur zu sein, und langsam, aber sicher verlor der Weißhaarige die Geduld. Als sie ihn dann auch noch an seinem Hemdsärmel festhielt, reichte es ihm. Er wollte die Brünette anschnauzen, wenn nicht sogar eine Backpfeife verpassen, damit sie sich endlich beruhigte. Doch wie er sich zu ihr wandte, verflog sein ganzer Zorn. Violet sah verängstigt aus und ihre Augen waren voller Sorgen. Sorgen, die ihn betrafen, etwas, das Felix so noch nicht sehr oft erlebt hatte.
      Also atmete er einmal tief durch und blieb ruhig. "Keine Sorge, ich werde da nicht alleine hineingehen. Aber du musst dich jetzt endlich mal beruhigen. Du bist mir keine große Hilfe, wenn du so aufgewühlt bist." versicherte er Violet, dass er jetzt nicht in das Haus ginge. Er musste nachdenken, und dafür legte er seine linke Hand an seine Schläfen und massierte diese ein wenig.
      "Ich weiß von einem Mann, im nördlichen Arbeiterviertel, der für manche Agenten Sonderanfertigungen herstellt." erzählte Felix, wobei er mehr zu sich sprach. "Er heißt Benjamin Jacobi. Und ich würde sagen …" kurz zog Felix seine Taschenuhr hervor, um einen Blick auf die Zeit zu werfen "... ja, ich würde sagen, es ist noch nicht zu spät am Abend, um es dort zu versuchen." nickte er, zufrieden mit seiner Idee. "Wir brauchen einen Wagen." wandte er sich dann wieder direkt an Violet. "Und einen Fahrer." fügte Felix an, denn er selbst hat noch nicht das Fahren mit einem Automobil gelernt. "Hast du da dementsprechende Kontakte?" erkundigte sich der junge Agent bei seiner Kollegin, die sich hoffentlich wieder beruhigt hatte und damit auch wieder klar denken konnte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • "Fahrer...? Wagen...? O-okay, okay. Warte", hauchte Violet und die Erleichterung war der Agentin anzusehen.
      Felix würde nicht todesmutig und ganz allein zurück in das Haus gehen, wo der Alb auf ihn wartete. Gut. Das war gut. Langsam löste sie die Finger aus seinem Ärmel, als wäre sie noch nicht ganz von seinem Versprechen überzeugt. Erst als sie erneut in den Seiten ihres Buches blätterte, wurde ihr bewusst, was sie gerade getan hatte. Violet hattte sich von ihren Ängste, Gefühlen und dem Einfluss der Albs überrollen lassen. Die klamme, kalte Schwere hatte sie selbst viele Meter vom Haus entfernt noch nicht komplett abgeschüttelt. Das Echo klebte an ihr wie Teer. Sie war für eine Fühlende schon immer äußerst sensibel gewesen, dagegen hatte auch das Training ihres Onkels nicht gefholfen.
      "Ähm, ich kenne da tatsächlich jemanden, aber überlass mir das reden, okay? Er...ist kein großer Fan deiner Familie. Eigentlich ist er von den Adliegen allgemein nicht sonderlich begeistert und...na ja, Damerau ist ein großer Name", seufzte Violet.
      Sie wollte das wirklich nicht machen. Es brachte Felix viel zu nah an Violets Welt mit all ihren kleinen Geheimnissen und irgendwie machte es ihr Felix' Reaktion auf die Wahrheit mehr Angst als die Aussicht als kleinkriminelle Diebin hinter Gittern zu landen. Die Dameraus und ihr gottverdammter, kühler Charme. "Warte hier."
      Damit eilte Violet die Straße ein Stück herunter bis sie eines der öffentlichen Münztelefone erreichte. Ein paar Minuten später war sie auch schon wieder zurück. Als Felix sie erwartungsvoll ansah, zuckte sie leicht mit den Schultern und schlang dann die Arme um sich selbst. "Jetzt warten wir."
      Es dauerte knapp eine Viertelstunde bis das Poltern eines rauchenden Motors ertönte. Ein lautes Knallen unter der Blechhaube ließ Violet das Gesicht verziehen. Der Wagen war...mehr ein Grippe aus Metall, weil fast alle Verkleidungen aus Blech fehlten. Violet konnte ganz genau sehen, wo sich Zahräder und Zugriemden bewegten. Das Dacht bestand aus geflicktem Leder und war an einem einfachen Gestell befestigt. Fenster suchten die Wartenden Vergebens. Der Fahrer schob seine Brille hoch. Er trug tatsächlich eine alte, getönte Pilotenbrille.
      "Violet!", rief er lachend, wobei der gezwirbelte Schnäuzer an den Ecken zitterte. Der Mann, um die Ende seiner Dreißiger, verstummte erst, als er Damerau erblickte. Er musterte ihn vom Scheitel bis zu Sohle. "Oh, mir war nicht klar, dass du so wertvolle Fracht heute für mich hast."
      "Komm schon, Joe. Lass gut sein. Es ist nicht das, was du denkst. Außerdem schuldest mir noch einen Gefallen", zischte Violet, die immer noch zu blass aussah und das bemerkte auch der Mann, Joe. Sofort wurde seine Miene noch finsterer.
      "Hat dieser Schnösel dir was getan? Sag nur ein Wort und..."
      "Nein, nein. Komm runter, Joe. Fahr uns einfach zu dieser Adresse", sie reichte ihm einen Zettel.
      "Fein", seufzte Joe und ließ die beiden auf der Rückbank einsteigen. Er fuhr polternd und holprig los und beäugte Felix misstrauisch im Rückspiege. Er nahm den Blick nur von seinem unliebsamen Passagier, damit er nicht gegen eine Laterne fuhr.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Violet schien sich wieder gefangen zu haben, was Felix doch erleichterte. Nicht, dass er sich allzu große Sorgen gemacht hätte, doch er ist wahrlich der falsche Ansprechpartner, wenn es ums Trösten geht. Doch es kam wieder Leben in die junge Agentin und zu seiner Freude, kannte sie auch jemanden, der sie ins Nordviertel fahren konnte.
      Felix verzog ein bisschen das Gesicht, als seine Kollegin dann erwähnte, dass der Fahrer kein großer Fan von seiner Familie bzw. vom Adel allgemein ist. "Hmm. Nun gut. Ich überlasse dir das, aber wehe, er redet schlecht über meine Familie oder mich." war er damit einverstanden, dass Violet das Reden übernahm. Aber er würde sich nicht beleidigen lassen.
      Kurz sah er der Brünetten nach, als sie ein Münztelefon ansteuerte. Während Violte also telefonierte, blickte Felix wieder zum Haus. Er konnte beinahe sehen, dass etwas Unheilvolles im Keller lauerte. Am Tag zuvor wirkte dieser Ort noch sehr idyllisch und friedvoll, doch jetzt strahlte er Gefahr und Tod aus.
      Es dauerte eine Weile, da kam die junge Agentin wieder zurück und teilte ihm mit, dass sie jetzt warten mussten. Wirklich reden taten sie in der Zeit nicht, dachte er viel zu sehr darüber nach, mit welcher Taktik sie den Alb am besten austreiben konnten. Felix hob dann den Kopf, als er ein metallisches Knattern und Klappern hörte. Seine Miene verzog sich, als er dann das Fahrzeug erblickte. Das war kein Automobil, sondern eher ein wandelndes Gerippe. Der Weißhaarige musste kräftig die Lippen aufeinanderpressen, damit er keinen Kommentar zu diesem Anblick von sich gab. Denn dieser wäre mehr als unhöflich gewesen.
      "Wertvolle Fracht?!" Was sollte denn diese Aussage über ihn bedeuten? Wieder lag eine bissige Erwiderung auf Dameraus Zunge, die er herunterschluckte. Doch man konnte ihm ansehen, dass er mit der Situation ganz und gar nicht zufrieden war. Aber er hatte nun mal keine andere Wahl, wenn er zu seinem Ziel kommen wollte. Violet konnte diesen Joe dann auch überzeugen, dass er für eine Fahrt ihren Chauffeur spielte, und so setzte sich Felix auf die Rückbank, wo seine Kollegin ihm Gesellschaft leistete. Es müffelte hier hinten und der Motor ließ den ganzen Wagen vibrieren. An eine Unterhaltung während der Fahrt war auch nicht zu denken, war der Motor einfach viel zu laut, da die Geräusche auch von nichts gedämmt wurden.
      Es dauerte eine Weile, doch dann kamen sie an ihrem Ziel an. Im Arbeiterviertel glichen die Häuser einem dem anderen. Sie waren aus roten Ziegelsteinen gefertigt und hatten alle eine ähnliche Form und Größe. Manche Familien besaßen noch einen Holzschuppen nebenan. Auch bei der Familie Jacobi war dies der Fall, doch glich dieser Anbau mehr einer offenen Werkstatt, hatten die Besitzer sich die Mühe gemacht, auch den Anbau aus Ziegel zu fertigen.
      Licht brannte nicht im Haus, aber dafür leuchtete es aus der Werkstatt und man hörte auch dort jemanden arbeiten. Felix konnte es kaum erwarten, den Wagen zu verlassen, und er rang sich sogar ein genuscheltes "Danke" ab, eher aus dem Metallgerippe kletterte und direkt auf die Werkstatt zuging. Doch zu seiner Enttäuschung entdeckte er keinen Mann, der Benajmin sein könnte, sondern eine junge Frau, in seinen Augen fast noch ein Kind. Sie saß an einer Werkbank und werkelte an etwas, das wie eine Pistole aussah. Er räusperte sich kurz, um auf sich aufmerksam zu machen, doch die Schwarzhaarige schien nicht zu reagieren.
      Nein, Elana war viel zu sehr in ihre Arbeit vertieft. Sie arbeitete gerade an ihrer neusten Kreation. Eine Salzpistole, die aber Metallkugeln abfeuerte, die dann beim Aufprall aufplatzen und Metallspäne aus Eisen verstreuten. Sie konnte es kaum erwarten, diese auszuprobieren.
      "Entschuldigung. Ist Benjamin Jacobi gerade verfügbar?" hörte sie dann eine Stimme, die recht ernst und teilweise drängend klang.
      "Oh!" wirbelte Ella um, immer noch mit ihrer modifizierten Waffe in der Hand. "Mein Vater ist in der Fabrik. Überstunden. Aber was wollt ihr denn von ihm? Vielleicht kann ich euch ja helfen."
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Die Bedrohung durch den Alb fiel langsam von Violet ab. Je weiter sie sich von ihrem neuen Zuhause entfernten, desto mehr enstpannte sich die kreidebleiche Agentin. Eigentlich war es ihr relativ egal, wohin sie fuhren, hauptsache weit weg. Bei der Adresse, die Felix ihr gegeben hatte, klingelte zumindest nichts. Der Wagen rumpelte durch die Straßen, die schon bald aus grobgeschlagenem Kopfsteinpflaster bestanden. Die Achsen des Automobils ächzten ununterbrochen. Joe schien dadruch nicht beeunruhigt, obwohl es sich anfühlte, als würden sich gleich eines der Räder verlieren. Er vertraute seiner Bessie voll und ganz.
      Am Ziel angekommen, kletterte Violet hinter Felix aus dem Wagen und blieb einen Moment zurück um ein kurzes Wort mit Joe zu wechseln. Sie senkte die Stimme, damit Felix nichts davon mitbekam. Unauffällig zog sie einen zerknitterten Zettel aus ihrer Hosentasche. Es war eine herausgerissene Seite aus ihrem Notizbuch. Darauf stand eine knappe, kurze Botschaft, die sie aufs Papier gekritzelt hatte, während sie Joe gerufen hatte: Problem aufgetaucht. Alb im Haus. Melde mich.
      "Bringst du die Nachricht bitte sofort zu meinem Onkel?", wisperte sie, als Joe ihr den Zettel aus der Hand nahm.
      Er tippte sich kurz gegen die Fliegerbrille.
      "Kein Problem, für die Tochter von Thea, jeder Zeit."
      "Vielen Dank, Joe."
      Joe warf einen prüfenden Blick über Violets Schulter zu dem Agenten mit dem silbernen Haarschopf.
      "Ein Damerau, hm? Kommst du klar?", fragte der Joe.
      "Sicher. Ich hab' nur nicht mit einem Alb im Keller gerechnet, das ist alles."
      "Pass auf dich auf, Vi."
      "Mach ich."

      Danach schloss sie schnell zu Felix auf. Statt des erwarteten Mr. Jacobi, fanden sie eine junge Frau in der Werkstatt. Dem ersten Eindruck nach, konnte nicht viel älter sein als Violet. Ein Blick zu Damerau reichte, um gleich zu sehen, dass er mit der Anwesenheit der Frau nicht glücklich war. Er hatte natürlich jemand anderen erwartet. Violet überließ Felix das Reden, bis sie den Gegenstand entdeckte, den sie in den Händen hielt.
      "Oh!" Kurzerhand schob sie sich an Felix vorbei und deutete auf die Pistole. "Hast du die modifiziert?"
      Die Unterschiede waren so fein, dass sie für ein ungeübtes Auge kaum zu sehen waren. Es war nicht so, dass Violet sich gut mit Metallarbeiten auskannte oder gar Talent dafür besaß, aber sie hatte das scharfe Auge einer Diebin für Außergwöhnliches. Der Alb war für einen Moment vergessen. Die Modifikationspläne, egal, was die Pistole jetzt verschoss, dürften für den Hound von Interesse sein.
      "Das war ursprünglich eine Salzpistole, oder? Was verschießt sie jetzt?"

      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Zu dem Weißhaarigen gesellte sich noch eine Person, eine junge Frau, wobei Ellana behaupten würde, dass sie ungefähr gleichalt sind. Ohne zu zögern ging die Brünette auf sie zu, obwohl sie eine Waffe in der Hand hielt, und betrachtete genau diese. "Äh, ja." antwortete Ella auf beide Fragen, wobei sie doch überrascht ist. Kaum jemand reagiert so auf ihre Erfindungen, die sie für die Bekämpfung von Geistern kreierte.
      "Eisenkapseln mit Eisenspänen darin. Die sollen beim Aufprall aufplatzen." erklärte Elana zögerlich.
      Da meldete sich auch schon wieder Felix zu Wort, oder eher, räusperte sich geräuschvoll und warf Violet einen strengen Blick entgegen. "Dafür haben wir jetzt keine Zeit." erinnerte er sie eindringlich, ehe er sich an die junge Frau wandte. "Mein Name ist Felix Damrerau. Wir brauchen dringend Eisenketten, aber am besten wären Silberketten und auch ein Silbernetz. Hast du das hier auf Lager?" fragte er sie direkt, mit einer ernsten Miene.
      "Äh, ich denke schon. Aber, wieso braucht ihr das?" wollte Elana daraufhin wissen.
      "Wieso wohl? Natürlich, um Geister zu bekämpfen." entgegnete Felix, als würde das klar auf der Hand liegen.
      "Aha! Ich dachte, ihr Agenten seid immer so perfekt ausgerüstet." stichelte Elana ein wenig. Daraufhin warf der junge Agent einen bösen Blick zu. "Außerdem scheint es mir so, als ob ihr außerhalb eurer Befugnis agiert." vermutete Ella einfach ins Blaue hinein.
      Dameraubesitzt kein gutes Pokerface, daher sah man ihm schon fast direkt an, dass er sich ertappt fühlte. Missgelaunt knirschte er mit den Zähnen. "Du willst doch bestimmt etwas von uns?" spekulierte Felix und sah die junge Frau eindringlich an. Ihm gefiel es nicht, dass jemand anderes gerade die Zügel in der Hand hielt. Doch er hatte keine Zeit und vielleicht konnte er sich ja das Schweigen dieser jungen Frau erkaufen.
      "Also ..." fing Elana an und wog dabei ihre Waffe in der Hand hin und her. "Ihr seid Agenten, und mir scheint es so, als hättet ihr einen ziemlich starken Geist an der Backe. Ihr müsst nämlich wissen, ich bin auch eine Agentin. Nur leider habe ich die Aufnahmeprüfung in einer der großen Agenturen nicht geschafft. Ich muss auch zugeben, dass ich nicht sehr geschickt mit dem Degen bin. Aber ich habe supertolle Erfindungen, die wirklich nützlich sind, um einen Geist zu bannen. Ich brauche nur eine Chance, um das zu beweisen." erklärte Ella enthusiastisch und sah dabei die beiden Agenten mit leuchtenden Augen an. "Mein Vorschlag ist also: Ihr bekommt alle Hilfsmittel, die ihr braucht, und ich werde auch zu diesem Vorfall hier schweigen, wenn ihr mich mitnehmt und ich meine Erfindungen testen kann. Deal?" Elana hielt ihre Hand zum Einschlagen hin. Auf solch eine Chance wartet sie schon seit Ewigkeiten. Sie hat schon so viele Erfindungen kreiert, aber noch nie eine Gelegenheit bekommen, sie wirklich im Einsatz zu testen. Jetzt war ihre Chance und sie würde sie nicht verstreichen lassen.
      Felix blickte skeptisch auf die dargebotene Hand. Er warf dann einen kurzen Blick zu Violet. Doch eigentlich hatte er schon entschieden. "Na gut. Einverstanden. Aber wehe, du stehst mir im Weg oder stirbst." Damit schlug Damerau ein und besiegelte das Ganze mit einem recht kräftigen Händedruck, sodass Elana kurz eine schmerzliche Grimasse zog.
      "Ich werde schon nicht sterben. Ich will der Welt beweisen, dass es auch andere Waffen gibt als einen Degen, um einen Geist zu bekämpfen." entgegnete Elana entschlossen.
      "Also dann packt mal mit an." rief sie den beiden Agenten zu und zeigte ihnen schnell, wo sie die standardtypische Ausrüstung für Agenten finden konnten. "Gleich neben der Werkstatt steht ein Wagen. Ihr könnt alles auf die Pritsche werfen." ließ sie die beiden wissen. Ella selbst schnappte sich einen großen Rucksack und stopfte ein paar ihrer Erfindungen hinein. Dazu gehörten die modifizierte Salzpistole, ein Umhang mit einer Silber- und Eisenpulverbeschichtung und eine Art Armbrust, die ein Netz verschießen kann.
      Sobald alles auf der Ladefläche lag und mit einer Plane zugedeckt wurde öffnete sie die Beifahrertür für die beiden Agenten und deutete ihnen mit einer Handbewegung an, einzusteigen. "Ich muss nur noch schnell den Motor anwerfen, dann steige ich ein und fahre euch. Wo geht's eigentlich hin?" fragte Ella und begab sich an die Front des Automobils, wo sie die Kurbel für den Motor drehen musste.

      Automobil.png
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • „Okay, das ist genial“, gab Violet zu und kam nicht umhin zu bemerken, dass die Erfindungen wohl selten Begeisterungsstürme auslösten. „Ich meine…Jetzt mal im Ernst. Jeder Agent riskiert bei einem Auftrag sein Leben im Nahkampf. Eine Waffe, die aus der Distanz benutzt werden kann, das ist...“
      Felix räusperte sich geräuschvoll in ihrem Rücken und Violet zog den Kopf ertappt zwischen die Schultern.
      „Ja, ja natürlich. T’schuldige“, murmelte Violet. Sie schenkte der anderen, jungen Frau ebenfalls ein entschuldigendes Lächeln. Seufzend trat sie einen Schritt zurück und überließ Damerau die Verhandlungen. Oh, das konnte interessant werden. Da hatten sie wohl die einzige andere Person in ganz Albhain getroffen, die sich nicht von dem Namen Damerau einschüchtern ließ. Und Felix? Violet warf ihm einen unauffälligen Seitenblick zu. Es kostete sie alle Willenskraft, die sie aufbringen konnte, um nicht zu grinsen. Wer hätte das gedacht? Der große Felix Damerau war eine Niete im Bluffen. Missmutig mahlte der Weißhaarige mit den Zähnen und Violet empfand ein klein wenig zu viel Befriedigung dabei, wie sich Damerau unter den Fragen wandte.
      Die Beiden wurden sich schnell einig und wenige Minuten später war alles was sie brauchten, ein wenig mehr sogar, sicher auf der Ladefläche verstaut. Violet wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn und pustete sich eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn. Neugierig warf sie einen Blick in eine der Kisten: Ein seltsamer, schillernder Umhang und etwas, dass verdächtig nach einer Armbrust aussah. Ebenfalls modifiziert, natürlich. Danach kletterte Violet zu Felix auf den Vordersitz. Viel Platz gab es nicht, also musste sie damit leben, dass sich ihre gesamte Seite an Damerau drückte. Von den Schultern, über den Arm bis zum Knie spürte sie die Wärme, die er ausstrahlte, durch ihre Kleidung sickern. Bei dem Gedanken zu dem tobenden Alb ins Haus zurückzugehen, atmete Violet tief ein und aus, als müsste sie sich jetzt schon dafür wappnen. Die Nähe wandelte sich von erträglich zu tröstlich.
      Von der Front des Automobils ertönte die Stimme ihrer unerwarteten Unterstützung.
      Violet löste sich etwas von Felix um sich aus dem Seitenfenster zu lehnen. Sofort fiel ihr das Atmen ein wenig leichter. Der Alb war wohl doch nicht das einzige das ihr Unbehagen bereitete. Zumindest redete sich Violet ein, dass es definitiv Unbehagen sein musste.
      Wie gewünschte, nannte sie Adresse.
      „Das alte Wadsworth Haus. Mit einem waschechten Alb im Keller hat niemand gerechnet“, spezifizierte Violet das Ziel, erschauderte kurz und dann… „…man gewöhnt sich dran.“
      Bei dem fragenden Blick der folgte, deutete Violet mit dem Daumen über ihre Schulter zu Felix.
      „An den einzigartigen Damerau-Charme.“
      Welchen Blick Felix ihr auch zu warf, sie beschloss ihn zu ignorieren. „Oh, wir wissen noch gar nicht wie du heißt. Mein Name ist Violet. Violet Kempen.“
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”