Haunted [Winter & Alea]

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    • Wenigstens konnte sich Stanford auf seine Nichte verlassen und so nahm er einen Gegenstand nach dem anderen in seine Hand und betrachtete diese akribisch, während er Violet zuhörte. Es war Krimskrams und Tand, den seine Nichte da abgeschleppt hatte, doch wenigstens konnten sie es zu Geld machen. Ein Vermögen würde er damit zwar nicht verdienen, doch Kleinvieh macht aus Mist und diese Tatsache unterschätzte der erfahrene Ganove nicht. "Gut, gut. Daraus werden wir bestimmt Profit schlagen können." nickte er und schenkte Violet ein stolzes Lächeln. Ihm war der Blick von ihr nicht entgangen, wie sie auf sein Whiskyglas geschielt hatte. Daher hob er dieses für einen Moment gegen seine Schläfe und setzte es danach wieder ab. "Gegen die Kopfschmerzen." erklärte er sich, wollte er ihr keine Sorgen bereiten.
      "Du meintest, dieses Haus wird zu eurem neuen Quartier? Bestimmt müsst ihr da noch einiges ausräumen. Alte Leute sammeln oft viel unnützen Kram an. Wenn wir an die Sachen heran, die eh weggeworfen werden sollen, können wir auch das Zeug zu Geld machen." überlegte der Onkel laut und stand dabei auf. "Habt ihr dafür schon alles organisiert? Ein Container und eine Firma, die das alles abholt?" fragte er weiter und lief dabei um seinen Schreibtisch herum, bis er vor seiner Nichte stehen blieb. Sanft legte er seine Hand auf ihrem Haupt ab und streichelte sie ein bisschen. "Auf irgendeine Weise werden wir uns Zugang zu den Sachen verschaffen. Das schaffst du doch, meine Liebe, nicht wahr?" sprach er weiter und machte damit unmissverständlich klar, was er als Nächstes von Violet erwartete. "Und diesen Damerau wickelst du bestimmt auch noch um deinen Finger. Du bist hübsch. Zeig ihm das. Es wäre uns von Vorteil, wenn er dir verfallen würde." merkte er dann noch einen weiteren Gedanken von ihm an. Er konnte und wollte seine Nichte zwar nicht dazu zwingen, doch unterschwellig vermittelte er mit diesen Worten dann doch, dass sie versuchen sollte, den Kopf dieses Agenten vielleicht ein bisschen zu verdrehen. Er konnte ja nicht ahnen, wie asexuell Felix sein konnte, auch wenn er es nicht ist. Doch der Fokus von dem jungen Agenten liegt auf seiner Karriere. Alles andere ist unwichtig.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Violet lächelte breit. Zuspruch von Stanford zu bekommen, war etwas Besonderes. Das Lächeln verblasste ein kleines Bisschen, als er das Whiskyglas an seine Schläfe drückte. Kälte gegen die Kopfschmerzen war erstmal keine brisante Information. Da sie aber wusste, dass Stanford es nicht schätzte, wenn jemand versuchte in seinen Privatangelegenheiten herumzuwühlen, was auch für Violet galt, nickte sie nur still. Als Stanford zum Geschäftlichen überging und den Tisch umrundete um ihr über den Kopf zu streicheln, schob Violet den Gedanken zur Seite. Das Lächeln wurde wieder breiter und sie hob ein wenig stolz das Kinn an, weil sie ganz genau wusste, dass sie die richtige Antwort parat hatte.
      „Was für ein Zufall, dass du genau das richtige Unternehmen dafür leitest“, antwortete sie. „Damerau hat mich schon damit beauftragt mich um die Formularien zu kümmern. Ich werde ihm die Visitenkarte des Unternehmens vorlegen.“
      Der Vorteil war ganz einfach: Niemand wusste, dass sich der Hound höchstpersönlich dahinter versteckte und niemand wusste, dass die kleine und tollpatschige Violet mit ihm verwandt war. Damerau konnte ihr unmöglich dabei auf die Schliche können. Selbst in ihrer Personalakte würde er nicht fündig werden. Offiziell hatte die Agentur die Vormundschaft bis zu ihrer Volljährigkeit besessen. Ein kleiner Trick, der über Stanfords Insider in der Agentur möglich war.
      Bei dem nächsten Satz aber, legte Violet den Kopf mit einem fragenden Blick in den Nacken. Stanford hatte seine Nichte noch nie um einen Gefallen dieser Art gebeten. Sie war zu jung und er hatte andere Leute dafür.
      „Ich…“, zögerte Violet. Sie zögerte. Stanford mochte es nicht, wenn seine Anweisungen in Frage gestellt wurden, aber die Idee behagte ihr nicht. Es war nicht so, dass Damerau nicht attraktiv war. Nur hatte sie trotz der Erziehung durch Stanford umgeben von Kriminellen ein einigermaßen behütetes Leben geführt. Was Standford von ihr verlangte, war Neuland. Allerdings hatte er auch nicht gesagt, wie sehr sie Damerau um den Finger wickeln sollte. „Bist du sicher? Bisher habe hat es uns geholfen, dass die Leute mich möglich nicht beachten. Außerdem, wenn ich Damerau nach den ersten Stunden richtig einschätze, ist er nicht der Typ dafür.“
      Ehrlich gesagt, glaubte sie sogar, dass Felix nicht einmal registriert hätte, dass sie ein Mädchen war, wenn sie nicht mit einem beeindruckenden Stunt ihre gesamte Wäsche vor ihm ausgebreitet hätte.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Stanford grinste zufrieden, als seine Nichte ihm sagte, dass man sie sogar schon dafür beauftragt hatte, sich nach einem Entsorgungsunternehmen zu erkundigen. „Sehr schön. Auf dich ist einfach verlass.“ wiederholte er erneut und lehnte sich dann an seinem Schreibtisch. Unter all dem Gerümpel würden seine Leute bestimmt auch Dinge finden, die man zu Geld machen konnte. Es mussten ja nicht unbedingt Gegenstände sein, die sie als verfluchte an den Mann bringen konnten, es reichten auch die alltäglichen Gebrauchsmittel, die noch zu gebrauchen waren. Zwar fokussierte sich Stanford auf den Schwarzmarkt für diese illegalen Wertstücke, doch schadet es nicht ein weiteres Standbein zuhaben und auch ganz normales Zeugs zu verkaufen. Außerdem half das ihm seine Fassade als Speditionsfirma aufrecht zu erhalten.
      „Ach meine Liebe, ich verlange doch nicht von dir, dass du mit dem Schnösel anbandeln sollst.“ beruhigte er Violet sofort, da er da an etwas anderes gedacht hatte. „Dieser Damerau hört sich nach einem typischen Einzelgänger an. Ich kann dir aber sagen, mein Kind, dass so ein Leben doch sehr einsam ist.“ sprach er weiter. „Füttere sein Ego, sei ihm eine Stütze und du wirst sehen, dass du sein Vertrauen bald haben wirst. Wenn er dich dann als dein Freund, seinen Verbündeten ansieht, kannst du ihn noch viel besser manipulieren. Außerdem ist er auch nur ein Mann und in allen ihnen schlummert der Instinkt, hübsche Jungfrauen in Nöten zu retten.“ führte er gewieft weiter aus. „Mach dir das zu nutze. Dabei kannst du weiterhin da grau Mäuschen bleiben. Wobei, es wäre schon interessant, wenn du vielleicht mal eine Einladung zum Anwesen der Dameraus bekommen würdest.“ überlegte er laut und bekam ein gefährliches Funkeln in den Augen. Alleine die Vorstellung, was für Schätze dort hinter den Gemäuern lagen, sorgte dafür, dass seine Finger zuckten und kribbelten. Doch Stanford ist nicht dumm und weiß, dass er mit so einer übereifrigen Aktion die Scharade seiner Nichte auffliegen lassen konnte, also musste er sich weit in Geduld üben.
      „Wann musst du wieder zu ihm?“ erkundigte er sich dann bei Violet und kehrte wieder hinter seinen Schreibtisch zurück und nahm auf seinem Sessel Platz.
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    • Violet gefiel nicht, in welche Richtung das lief. Obwohl einen Blick in das Darmerau-Anwesen zu werfen, schon eine Verlockung war. Sie wusste, warum ihr Onkel diese Möglichkeit nicht ausschloss. Dort gab es sicherlich einiges an wertvollen Artefakten und anderen Dingen, die sich zu viel Geld machen ließen. Allerdings blieb der Zweifel. Violet glaubte nicht daran, dass sich Damerau auch nur ansatzweise um den Finger wickeln ließ. Vermutlich hätte Felix nicht einmal bemerkt, dass sie ein weibliches Wesen war, wenn ihm Violets Unterwäsche nicht vor die Füße gefallen wäre. Letztendlich tat Violet das, was sie immer gegenüber ihrem Onkel machte. Die junge Frau gab Kleinbei.
      "Verstanden, Onkel", antwortete sie und nickte.
      Bei seiner nächsten Frage warf sie einen Blick auf ihre Armbanduhr.
      "Mist. Ehrlich gesagt, bin ich schon zu spät dran", murmelte sie und verzog missmutig das Gesicht.
      Also sprang Violet von ihrem Stuhl auf, schnappte sich eine von Stanfords Visitenkarten vom Schreibtisch und umrundete den großen Schreibtisch um sich von Stanford eine der väterlichen Umarmungen abzuholen, die er nur sparsam zuließ. Vielleicht machte ihn der Whisky heute etwas nachgiebiger.
      "Ich werde Dich nicht enttäuschen", sagte sie und dann war Violet auch schon aus der Tür verschwunden.

      Mit vollen Einkaufstüten, die sie wackelig in ihren Armen balancierte, kehrte Violet zu ihrem neuen Zuhause zurück. Vorsichtig stieß sie die Eingangstür mit dem Fuß auf, nachdem sie es mit den wildesten Verrenkungen geschafft hatte, den Schlüssel aus ihrer Jackentasche zu ziehen. Das Geschick einer Diebien und Trickserin zahlte sich eben auch bei Alltagsprblemen hin und wieder aus. Es war still im Flur bis auf das ominöse Poltern aus den Keller. Damerau hatte wohl nach ihrem Aufbruch keine Zeit verschwendet.
      "Hey! Damerau! Ich bin zurück von der Agentur!", rief sie die Kellertreppe herunter. "Ich räum' noch schnell die Einkäufe weg, dann komm ich runter und helf Dir!"
      Schnell huschte Violet in die Küche, verstaute alles in den Schränken und bestückte ebenso flink ein Tablett mit Gläsern, eine Wasserkraffe, einer Teekanne und den besten Cookies, die Albhain zu bieten hatte. Wieder mit vollen Händen stieg Violet nun die Kellertreppe herunter und bahnte sich einen Weg durch das vollgestopfte Kellergeschoss. Es wimmelte in allen Ecken vor Spinnenweben und Staubmäusen. Von den ganzen Kisten, Kartons und alten Möbeln wollte sie gar nicht erst anfangen.
      "Felix?"
      Sie sah den Agenten nicht, aber sie hörte immer noch Gepolter und Geraschel von Kartons, die hin und her geschoben wurden. Violet stellte das Tabeltt auf einer der vielen Kisten ab und schlüpfte aus dem Blauer, der das Wappen der Agentur trug. Sie warf ihn über einen alten Stuhl in der Ecke und krempelte die Ärmel des Hemdes bis zu den Ellbogen hoch. Die Haare band sie sich zu einem unordentlichen Knoten am Hinterkopf zusammen. Nicht alle Strähnen blieben, wo sie sein sollten.
      "Das sieht nach Arbeit aus. Ich hab' dir Wasser mitgebracht und ein bisschen Nervennahrung. Sieht so aus, als könnte selbst ein Damerau davon ein Bisschen was gebrauchen bei dem Chaos hier unten. Ach, ein Entsorgungsunternehmen habe ich eventuell auch noch. Sie wären sogar kurzfristig verfügbar. Dann müssen wir uns nicht überall selbst durchwühlen."
      “We all change, when you think about it.
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    • Stanford erwartete auch nichts anderes als ihre Zustimmung und nickte daher zufrieden. Er ist nun mal ein Opportunist und nimmt jede Möglichkeit wahr, um daraus zu Profit zu schlagen. Violet musste dann auch schon wieder los und als sie dann erwartungsvoll vor ihm stand, seufzte der Blonde kurz auf, gab aber nach. Heute hatte sich seine Nichte etwas Zuwendung verdient, also erhob sich Stand und umarmte seine Nichte, tätschelte ihr dabei sogar sanft das Haupt. Die Zärtlichkeit hielt aber nicht lange an und da löste sich der Mann wieder von Violet und setzte sich wieder hin. "Ich werde dich nicht enttäuschen." klang ihre Stimme noch in seinen Ohren nach. Natürlich würde sie das nicht. Niemand wagte es The Hound zu enttäuschen.

      Während Violet also unterwegs war, um die Aufgaben zu erledigen, die Felix ihr aufgetragen hatte, hatte er sich selber an die Arbeit gemacht und angefangen, den Keller zumindest ein bisschen aufzuräumen und zu entrümpeln. Das in diesem Fall wirklich leichter gesagt als getan, denn schon das Aufschließen der Türe alleine, stellte sich als Herausforderung dar. Der große Schlüssel passte natürlich in das dazugehörige Schloss, doch umdrehen ließ sich diese nicht so einfach. Also musste Damerau sich erst ein mal ein bisschen Öl besorgen. Das war der Beginn von sehr vielen Flecken auf seinem Oberteil, dass er wohl nach der Aktion gleich wegwerfen konnte.
      Also, der erste Ölfleck landete schon mein Einölen des Schlosses auf seinem weißen Hemd, was dafür sorgte, dass der Weißhaarige missmutig seine Miene verzog. Doch wenigstens ließ sich jetzt der Schlüssel umdrehen, auch wenn er dafür einiges an Fingerkraft aufwenden musste. Hinter der dicken, schweren, mit Eisen beschlagenen Holztüre kam dann auch schon das nächste Hindernis: Spinnennetze. Und das nicht wenig. Mit einem Besen machte er kurzen Prozess, nahm aber dieses Warnsignal ernst, denn dort wo viele Spinnen hausen, könnte es auch einen Geist geben. "Wenigstens funktioniert das Licht." dachte er sich, als er den alten Schalter aktivierte und das leise Knistern vernahm, ehe die frei hängenden Birnen ihr mattes Licht in die Dunkelheit schickten, sodass man endlich etwas mehr von dem Keller sah. Doch was Felix erblickte, stimmte ihn nicht sehr erfreut. Überall standen Kisten, die sich schon stapelten und anderer Plunder und Kram, der noch im Weg herumlag. Bei diesem Anblick seufzte der Weißhaarige tief auf und krempelte schon mal die Ärmel hoch. Als Erstes sollte er sich einen Überblick über dieses Chaos verschaffen und so begann er damit, in jede Kiste hineinzuschauen und diese zu sortieren.

      "Ich bin hier hinten." konnte Violet die Stimme von Felix hören, als diese nach ihm gerufen hatte. Seine Antwort kam etwas verzögert, da er durch das Geraschel sie zunächst nicht gehört hatte. Hinter der nächsten Raumecke konnte sie ihn dann entdecken. Sein Antlitz glänzte etwas vom Schweiß und einige Haare hatten sich aus seinem Zopf gelöst und hingen ihm nun strähnig ins Gesicht. Die Ärmel seines Hemdes hatte er weit hochgekrempelt und die obersten Knöpfe waren offen. Der weiße Stoff hatte überall dunkle Flecken und auch er selber hatte ein wenig Dreck auf den Wangen, da ihm zuvor ein Stapel Kisten, ohne Vorwarnung beinahe unter sich begraben haben. "Sehr gut, dieses Entsorgungsunternehmen werden wir hier dringend brauchen." entgegnete er seiner Kollegin und trat etwas näher, da etwas zu Trinken und auch zu Essen gerade sehr gut klang. "Der Keller hat drei größere Räume und wenn wir diese erst ein mal freigelegt haben, können wir hier einiges von unseren Hilfsmitteln lagern." berichtete er dann Violet, wie genau der Keller aussah. "Wir werden auch ein paar Fallen aufstellen müssen, meine ich hier und da eine Maus oder gar Ratte gesehen zu haben." meinte er weiter. "Und wir müssen ganz sicher gehen, ob sich hier unten keine Quelle inklusive Geist befindet. Die Räume sind voll mit Spinnweben." teilte er ihr auch seine Bedenken mit.
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    • „Dachte mir, dass Dich das freut. Wenn Du möchtest, kann ich das Entsorgungsunternehmen gleich sofort anrufen. Mit ganz viel Glück haben die vielleicht kurzfristig Zei…“, stockte Violet mitten im Satz als sie den Kopf in Felix‘ Richtung drehte.
      Nüchtern betrachtet, sah ihr Kollege definitiv danach aus, als hätte ihm das Gerümpel im Keller wirklich das Leben schwergemacht. Allerdings zog der aufgeknöpfte Hemdkragen ihren Blick magisch an. Wenn sie die Augen ein bisschen zusammenkniff und sich konzentrierte, konnte sie sogar kleine Schweißperlen entdecken, die in der Mulde zwischen seinen Schlüsselbeinen glitzerten. Sie hatte ihn schon bei der Arbeit gesehen, ob mit Degen oder Spaten, aber die Kombination aus der dem ungewohnt unordentlichen Haarschopf, den hochgekrempelten Ärmel und dem leichten Schweißfilm auf seiner Stirn…
      Darauf hatte Violet niemand vorbeireitet. Zu allem Überfluss dachte sich gerade jetzt an das Gespräch mit Stanford zurück und augenblicklich spürte Violet wie ihre Wangen glühten. Für einen arroganten Schnösel war Felix unverschämt attraktiv.
      „Äääähm…Hier.“ Sie griff nach der Wasserkaraffe und goss etwas davon in eines der Gläser, das sie gleich an Felix weiterreichte und möglichst nicht darauf achtete, wie sich die Muskeln in seinem Unterarm anspannten. Es war nur ein Unterarm, um Himmels Willen. Violet nippte an ihrem eigenen Glas und ließ den Blick schweifen, möglichst weit weg von Felix.
      „Urgh, Ratten…Widerlich“, kommentierte sie und stellte das Glas wieder weg. Sie hatte kaum etwas darauf getrunken. „Ich sehe mich mal um. Vielleicht kann ich etwas spüren. Wenn mir eine Ratte über die Füße läuft, musst du mich retten kommen.“
      Spinnenweben waren meist kein gutes Zeichen, nicht in einem offiziellen Spukhaus.
      Tatsächlich schien sich zwei Räume weiter etwas zu tun. Es war ein ganz subtiles Gefühl, schwach und ein wenig zu diffus für ein menschliches Echo. Das hier war etwas Anderes. Zwischen ein paar Kisten ging Violet in die Hocke. Sie nieste leise, weil der Staub sie in der Nase kitzelte.
      „Hm. Was haben wir denn hier?“, murmelte sie.
      Mit spitzen Fingern hob sie ein kleines Glöckchen vom Boden auf. Kaum berührte sie das angelaufene Silberglöckchen wurde die Empfindung stärker. Sie wollte den Raum gerade verlassen, als von einem der Regale eine kleine Kiste zu Boden viel. Ein erschrockenes Quietschen ertönte aus Violets Richtung. War die Kiste gerade von selbst vom Regal gefallen?
      „Felix? Schau mal. Das habe ich zwischen den Kisten gefunden. Ich kann etwas spüren, aber es ist sehr schwach. Kein Mensch. Vielleicht das Echo eines Tieres? Das sieht aus wie ein Glöckchen, das man freilaufenden Katzen ans Halsband macht. Es steht kein Name drauf…Ist ein bisschen angelaufen, aber noch nicht alt. Es kann noch nicht lange hier unten liegen. Kannst du irgendwas sehen?“
      Violet hielt Felix das Silberglöckchen mit ihrer geöffneten Hand hin.
      "Was immer es ist, es fühlt sich nicht bedrohlich an."
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    • Felix missinterpretieren das kurze Starren von seiner neuen Kollegin und fuhr mit der Hand durch sein Haar, so als wolle er da noch etwas an seiner Frisur retten. "Ich weiß, ich sehe dreckig aus, aber wenn du hier unten für ein paar Stunden arbeiten würdest, sähest du nicht anders aus." verteidigte er sich für sein schmuddeliges Aussehen. Er hatte ja keine Ahnung, dass sein Anblick eine ganz andere Wirkung auf Violet hatte.
      "Das wäre mir sehr recht, wenn du das Entsorgungsunternehmen gleich kontaktieren könntest. Sie sollen schon mal ein Container vorbeibringen, damit wir das unbrauchbare Gerümpel dort hineinwerfen können. Das macht dann das aussortieren viel einfacher." entgegnete er ihr direkt und kam der Brünetten etwas näher, die ihm dann auch gleich ein Glas Wasser reichte. "Danke." bedankte er sich für das Getränk und setzte das Glas sofort an seine Lippen. Die Arbeit hatte ihn durstig gemacht und so trank Felix das Glas in einem Zug leer. Er nahm sich dann die Karaffe und schenkte sich ein weiteres Mal ein, während Violet nun selber durch den Keller lief, so gut wie es eben ging.
      "Keine Sorge, die Nager haben Angst vor dir, als du vor ihnen." winkte er nur ab, denn wegen einer Ratte oder Maus, würde er bestimmt nicht aufspringen, um seine Kollegin zu retten. Wo kämen sie denn da hin?!
      Der Weißhaarige hörte eine Kiste oder dergleichen herunterfallen, doch darauf achtete er schon gar nicht mehr richtig, waren in der Zeit, wie er hier unten versucht hatte aufzuräumen, irgendwo immer wieder Kiste oder dergleichen heruntergefallen. Auf den kurzen Ausruf des Schreckens von Violet reagierte daher auch nicht wirklich, da er sich dachte, dass das Geräusch sie erschreckt hatte.
      "Hmm?" wandte er sich zu ihr und nahm ihr das Glöckchen ab, um es selber genauer betrachten zu können. Es ging davon nur ein vager Totenschein aus und mit zusammengekniffenen Augen entzifferte er einen Namen. "Wisp." las er laut vor und reichte Violet das Glöckchen wieder. "Es handelt sich wohl um ein verstorbenes Haustier." zuckte Felix mit den Schultern, da er mit dem Ding nicht mehr anfangen konnte und so lange keine bedrohliche Aura davon ausging, schenkte er dem ganzen eher keine Beachtung.
      "Am besten wir fangen mit den Büchern und dem eher leichten Kram an und arbeiten uns dann zu den großen Dingen vor." überlegte er laut, wie sie mit dem Ausräumen am besten vorgehen sollten. "Sobald der Container da ist, können wir damit beginnen. Wer weiß, vielleicht finden wir hier unten sogar den ein oder anderen Schatz." machte er sogar einen kleinen Scherz. "Wir sollten uns aber Staubmasken besorgen." merkte er direkt an, als es auch in seiner Nase kitzelte und darauf niesen musste. "Lass uns wieder hochgehen. Ich brauche dringend eine Dusche." beschloss Felix, dass er für heute genug Zeit im Keller verbracht hatte. Außerdem gab es ja noch andere Arbeiten, die auf die beiden warteten.
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    • Prompt bekam Violet das Glöckchen zurück. Mit ebenso zusammengekniffenen Augen drehte sie das Glöckchen zwischen ihren Fingern, aber der Name, den Felix gefunden hatte, blieb ihren Augen verborgen. Felix' Gabe musste ihm da wohl unter die Arme gegriffen haben. Während Damerau bereits neue Pläne schmiedete, ließ Violet das Glöckchen achtlos in ihrer Hosentasche verschwinden. Wisp. Eigenartiger Name für ein Haustier. Irrlicht. In einer Welt voller Geister, Wiedergänger und anderen Phänomen sein geliebtes Haustier nach einer dieser Erscheinungen zu benennen, kam Violet merkwürdig vor.
      Violet erinnerte sich an ihre Pflichten und zückte gleich ihr kleines Notizbuch, um sich die Besorgung der Staubmasken zu notieren. Nicht, dass sie die Erinnerung wirklich benötigte, aber sie hatte einen Schein aufrecht zu erhalten.
      "Staubmasken...", murmelte sie. "Alles klar. Wird erledigt."
      Sie folgte Felix zum Fuß der Kellertreppe und drehte sich, kurz bevor sie einen einen Fuß auf die erste Stufe gesetzte hatte, aus blanker Intuition noch einmal um.
      "Hm?"
      Violet könnte schwören, dass es in einem der Kartons voller aller Papiere vor einer Sekunde geraschelt hatte. Vielleicht doch eine Ratte. Die junge Agentin schüttelte sich angewidert und nahm beim Aufstieg gleich zwei Stufen auf einmal.
      "Während du duschen gehst, kümmere ich mich ums Essen und ruf das Entsorgungsunternehmen an. Dann sollten wir den Keller zügig leer bekommen", sagte Violet und lächelte Felix dabei sogar an.
      Sei nett. Versuch ihn für dich zu gewinnen.
      "Ähm, kann ich sonst irgendetwas für dich tun?", hakte sie nach.
      Felix schien über die Frage irritiert.
      "V-vergiss es", stotterte Violet und winkte schon ab.
      Dumm. So dumm.
      Violet hatte so viel Zeit damit verbracht, keine Aufmerksamkeit zu bekomme, dass sie gar nicht wusste, wie sie diese bekommen sollte ohne, dass es seltsam wirkte. Und flirten?
      Zu ihrem eigenen Ärger spürte Violet wie ihre Wangen ganz warm wurden...und dass sie Felix noch immer anstarrte.
      "Essen. Richtig", platzten die zwei Worte aus ihr heraus.
      Sie machte auf dem Absatz kehrt und rauschte davon.
      Nachdem Telefonat, dass ihren Onkel zufrieden stimmen sollte, wollte Violet sich umziehen. Sie war nur kurz im Keller gewesen und trotzdem klebte überall Staub und Spinnenweben an ihrer Kleidung und in ihren Haaren. Mit gerunzelter Stirn sah sie in den Spiegel auf de Flur. Gut, vielleicht sollte sie auch ein Dusche nehmen bevor sie sich ums Essen kümmerte, dachte sie und zupfte eine Spinnenwebe aus ihren Haaren.
      Sie ging nach oben und näherte sich dem Bad, die neue Kleidung unter den Arm geklemmt.
      Das Wasser rauschte nicht mehr.
      Sie klopfte an die Tür.
      "Felix? Bist du fertig?"
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    • Felix lief auch gleich voraus, konnte er es kaum erwarten diesen staubigen und muffigen Ort fürs Erste hinter sich zu lassen. Er erklomm gerade die knarrenden Stufen, als er Violet fragen hörte. "Etwas für mich tun?" Was könnte sie schon für ihn machen? Der ein oder andere hätte wohl an eine Massage gedacht oder andere Bequemlichkeiten, doch Felix tickte nicht so und daher hatte er darauf auch keine konkrete Antwort. "Vergiss es." ertönte dann auch direkt die Stimme seiner Kollegin und entschied, dass er das auch tun würde.
      Oben angekommen eilte Violet dann auch recht hastig an ihm vorbei, wobei Felix nur mit den Schultern zuckte. Auf ihn wirkte es einfach nur so, als wäre die Brünette ein bisschen verstreut. Also begab er sich in den ersten Stock und gönnte sich eine schnelle Dusche. Seine frische Kleidung hatte er dabei und er zog sich gerade sein dunkelblaues Hemd an, als es an der Badezimmertüre klopfte. Als er einen Augenblick später diese öffnete, stand der junge Mann mit seinem offenen und noch leicht feuchten Haar vor Violet. Das Hemd war nicht ganz zu geknöpft und ein paar Strähnen hatten sich vor sein Antlitz verirrt. Es roch angenehm nach seinem Duft, den er sich frisch aufgetragen hatte und noch leichte Schwaden des heißen Wassers hingen im Raum, auch wenn Felix das Fenster schon geöffnet hatte.
      "Ich bin fertig. Du hast das Bad für dich." gab er ihr Bescheid und machte Platz für seine Kollegin. "So lange du eine Dusche nimmst, werde ich schon einmal mit den Vorbereitungen für das Essen anfangen." sprach Damerau weiter. Es sollte nicht heißen, dass er seine Kollegin die ganze Arbeit machen ließ, auch nicht die Häusliche. Er musste zeigen, dass er in jeder Hinsicht selbstständig ist und nicht auf die Hilfe von anderen angewiesen ist.
      So ging Felix in die Küche und warf einen Blick in die Lagerkammer und entdeckte dort den Salat und etwas Gemüse, wie Tomaten, Gurken und Radieschen. Gerade den Salat sollten sie so schnell wie möglich verwenden, hielt sich diese nicht allzu lange. Ohne weitere Umschweife, wusch er diesen, so wie die restlichen Zutaten und schnitt diese in mundgerechte Stücke, ehe er alles in eine Schüssel tat. Danach bereitete er einfaches Dressing vor, mit Öl, Essig, Salz und Pfeffer, ehe er die Mischung über den Salat kippte und diesen etwas untereinander mischte, ehe er den Tisch deckte.
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      Monkey D. Ruffy


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    • "Ähm...", stotterte Violet.
      Violet hatte die Konsequenzen nicht richtig bedacht. Das wurde ihr bewusst, als sie nach ihrem zögerlichen Klopfen von einem frischgeduschten Felix begrüßt wurde, dessen Hemd ihm offen über die Schultern hing. Offensichtlich hatte sie ihn beim Anziehen unterbrochen. Ein Fehler, denn Felix' Parfüm, leicht und unaufdringlich, kitzelte sie an der Nase. Sie bisher lediglich einen winzigen Hauch davon wahrgenommen. Immer dann, wenn sie Felix ein wenig näher gewesen war. Das Bild eines halbnackten Damerau hatte sich unwiderruflich mit diesem Duft verknüft. Großartig.
      Felix sah...gut aus. Sehr gut. Das war ihr vorher auch schon bewusst gewesen, aber jetzt, sah sie ihn irgendwie aus einem anderen Blickwinkel. Seit sie mit ihrem Onkel gesprochen hatte, gingen ihr seine Worte nicht mehr aus dem Kopf. Warum hatte er sowas auch sagen müssen?
      "Ja, danke. Ich bin dann...na ja, duschen", murmelte Violet, huschte flink an ihm vorbei und schloss die Tür.
      Frisch geduscht kehrte die Agentin knapp eine halbe Stunde später in die Küche zurück. Sie trug ein lockeres und weißes Hemd, denn Ärmel sie bis zu den Ellbogen umgeschlagen hatte und darüber eine Weste mit einem dezenten Karomuster. Die Beine steckten wie üblich in Hosen, die sie ebenfalls bis über ihre Knöchel hochgekrempelt hatte. Nichts schien ihr richtig zu passen.
      Onkel Stanford hatte gut Reden. Selbst wenn sie ernsthaft in Erwägung ziehen sollte, den Versuch zu wagen Damerau um den Finger zu wickeln, sie hatte nicht die Garderobe dafür. Männer mochten es doch wenn Frauen sich hübsch machten. Verstohlen schielte sie zu Damerau herüber. Aber Felix? Der Mann hatte auf den Anblick ihrer Unterwäsche mit nicht mehr als einem müden Zucken seiner Mundwinkel reagiert. Er wr weder peinlich berührt noch intressiert daran gewesen...er hatte eher, na ja, genervt ausgesehen.
      Violet setzte sich an den Tisch und wartete auf Felix.
      "Danke fürs Essen machen. Ich bin den ganzen Tag durch die Gegend gerannt und völlig erledigt", gestand sie.
      Ganz stimmte das zwar nicht, aber genauso wie Männer es liebten wenn die Damenwelt sich herausputzte, gefiel es ihnen auch gebraucht zu werden, oder nicht? Violet hatte nicht den blassesten Schimmer.
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    • Bald darauf kam auch Violet in die Küche und das wie üblich in ihrer eher burschikosen Aufmachung. Felix ist es eigentlich egal, was seine Kollegin für Kleidung trägt, doch er musste gestehen, dass er Hosen, Kleider oder Röcke vorzog. Sie sind Agenten und mussten daher auch kämpfen und sehr agil sein, da war ein Rock einfach unpraktisch. "Sie sollte aber für feierliche Anlässe oder wenn wir einen Kunden empfangen dann doch lieber schicker auftreten." dachte er sich im Stillen.
      "Keine Ursache. Wir werden in diesem Haus gemeinsam wohnen und leben, daher sollten wir auch die Aufgaben gleichermaßen zwischen uns aufteilen." meinte er nur dazu, als er sich zu Violet an den Tisch setzte. Außerdem ist ein Salat nichts Aufwendiges zum Zubereiten und auch wenn er in einem reichen Haushalt aufgewachsen ist, hat er in der Zeit, in die er schon alleine lebte, sich ein bisschen Kochen und dergleichen beigebracht. Er wollte seiner Familie zeigen, dass er selbständig klarkommt und nicht auf ihre Hilfe angewiesen ist.
      "Ich denke, für heute haben wir auch genug getan. Wenn die Container dann da sind, können wir sowieso erst richtig mit dem Ausräumen des Kellers beginnen." meinte er weiter und fing an zu essen.
      Als er dann fertig war, stellte er seinen Teller in die Spüle und auch die Schüssel, worin sich der Salat befunden hatte, da diese jetzt leer war. Es war ihn selbst verständlich, dass jetzt seine Kollegin den Abwasch machen sollte, wobei er zumindest beim Abtrocknen helfen würde.

      Sorry für das lange Warten. ''^^
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    • Violet bemerkte, dass Felix sie musterte. Bisher hatte der Agent nichts durchblicken lassen, ob die Aufmachung ihn störte. Auch in diesem Moment war seine Mimik nur schwer zu deuten. Kurz zupfte Violet an den hochgekrempelten Ärmeln, dann am Saum ihrer Weste. Nein, sie würde sich von dem jungen Mann nicht komplett verunsichern lassen.
      "Keine Ursache. Wir werden in diesem Haus gemeinsam wohnen und leben, daher sollten wir auch die Aufgaben gleichermaßen zwischen uns aufteilen", sagte Felix schlicht und überrascht zog Violet eine Augenbraue hoch.
      "Das ist...", begann sie. In den meisten Haushalten waren die Ansichten diesbezüglich meist sehr...antiquiert. Hätte sie nicht eine Gabe besessen, wäre sie sicherlich auch auf einer dieser spießigen Benimm-Schulen für junge Damen gelandet, anstatt in der Agentur. Was das anging, war Albhain leider noch recht altmodisch. "...sehr nett von dir."
      Wunderbar. Sehr wortgewandt, Violet.
      "Ich denke, für heute haben wir auch genug getan. Wenn die Container dann da sind, können wir sowieso erst richtig mit dem Ausräumen des Kellers beginnen", fuhr er fort.
      "Hmhm", stimmte ihm Violet murmelnd zu, die sich bereits eine Gabel vom Salat in den Mund geschoben hatte. Sie schluckte geräuschvoll und wischte sich mit den Fingern ein den Rest eines verirrten Salatblattes vom Mundwinkel. "Ist quasi schon erledigt. Die Container werden morgenfrüh geliefert."
      Der Rest des Essens verlief eher still, bevor Violet ihre Grübelei, worüber sie sich unterhalten konnten, beendet hatte.
      Felix bot an, das Geschirr zu trockenen. Niemand mochte Geschirrspülen, aber Violet beklagte sich nicht. Aus dem Augenwinkel betrachtete sie seine ersten Miene. Sie fragte sich, ob Damerau überhaupt lächeln konnte. Ehrlich lächeln, nicht dieser höfliche Abklatsch von einem Lächeln. Violet tauchte einen Teller ins Wasser, spülte ihn ab und reichte ihn Felix. Einen Augenblick sah sie ihn an, ehe sich ein spitzbübisches Grinsen auf ihre Lippen stahl. Sie tauchte langsam eine Hand ins Wasser, zog sie heraus und schnippte Damerau ganz frech etwas Wasser in seine Richtung.
      "Würde es dich umbringen hin und wieder zu lächeln?", scherzte sie. "Oder liegt der todernste Gesichtsausdruck in der Familie?"
      Violet nahm sich als nächstes das Besteck vor. Sie grinste immer noch vor sich hin. Sie hatten zwar gerade erst geduscht aber...
      "Wenn wir für heute nichts mehr zu erledigen haben...Du schuldest mir eine Unterrichtsstunde mit dem Degen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Die Container werden morgen früh geliefert." Das hörte Felix gerne und war doch positiv von Voilet überrascht, dass sie doch so effizient arbeiten konnte. "Das ist nicht der Rede wert." winkte er ihren Dank ab, als er meinte, sie würden die Arbeit im Haus gerecht zwischen ihnen aufteilen. Für ihn war das nur logisch, da er nur die extreme Alternative kennt. "Wie die du bestimmt weißt, ist die Familie Damerau nicht nur bekannt, für ihre hervorragenden Agenten, sondern auch recht wohlhabend. In meinem Elternhaus habe ich nie einen Finger rühren müssen." erzählte er ein bisschen von seiner Erziehung. Felix hatte schon immer seinem Bruder nachgeeifert, doch je älter er wurde, desto mehr erkannte er, dass man ihn ganz anders behandelte wie Viktor. Man erwartete von ihm nicht, dass auch er Agent wurde. Es würde ausreichen, einfach nur eine hübsche Dame aus demselben Stand zu ehelichen. Wie ein Vogel in einem goldenen Käfig fühlte er sich und wie sollte er die Erwartungen, wie sein Bruder je zu werden, denn erfüllen, wenn man ihn von hinten bis vorne verwöhnte. Sein Vater begrüßte es dann doch, dass auch sein Jüngster eine Laufbahn als Agent angestrebt, wobei dadurch der Vergleich mit Viktor nur noch größer wurde. Seine Mutter jedoch hätte ihren kleinen Felix lieber bei sich behalten, doch jetzt musste sie um ihrer beider Kinder bangen, dass sie nicht eines Tages an der Geistersieche starben.
      Daher empfand es Felix nur logisch, dass man die Hausarbeiten gemeinsam erledigte, denn das Bild, dass je seine Mutter etwas im Anwesen Damerau getan hätte, kennt er nicht. Gearbeitet hat immer nur das Personal und das war bunt gemischt.
      Also war es nur selbstverständlich, dass er das Geschirr abtrocknen, während seine Kollegin es abwusch. "Hey! Was soll das?" fragte er irritiert, als Violet ihn plötzlich mit etwas Spülwasser anspritzte. "Wenn ich an die Galerie meiner Vorfahren denken, scheint es in der Familie zu liegen." entgegnete er trocken, wieso er nicht wie ein Honigkuchenpferd grinsend durch die Weltgeschichte lief. Zuletzt hatte er wohl als Kind gelacht, soweit er sich erinnern konnte. Und wenn man ihn mal lächeln sah, dann meist, wenn er mit seinem Dagegen gegen Geister oder andere Gegner kämpfte. Vor allem, wenn er ihnen überlegen ist.
      "Eine Übungsstunde?" hakte er nach und schielte dabei zu Violet. "Wieso nicht. Schaden kann es ja nicht. Aber sei dir gewiss, dass ich dich nicht schonen werde. Du sollst ja besser werden." Und da war ein kurzes Lächeln, ein ziemlich arrogantes und überhebliches.
      Sobald sie mit dem Abwasch fertig waren, hängte Felix das Geschirrtuch bei Seite und holte direkt seinen Degen, ehe er in den Garten ging. Dort hatten sie am meisten Platz. "Möchtet du einfach einen Übungskampf, oder soll ich dir die Grundlagen doch lieber noch ein mal zeigen?" fragte er sie selbstsicher und zog dabei seine Waffe, wie als Aufforderung, dass sie gerne beginnen konnten.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Felix‘ Antworten kamen, wie Violet es bereits gewöhnt war, sachlich und unterkühlt daher. Aufmerksam beobachtete sie sein Gesicht, doch die Mimik verriet der Agentin absolut nichts. Es war unheimlich schwer Felix Damerau zu lesen und eigentlich hatte Violet nie Probleme damit, dank einer guten Beobachtungsgabe die Geschichten in ihren Augen zu entschlüsseln. Wenn sie Felix ansah, lag alles im Nebel verborgen. Sie konnte weder seine Emotionen richtig greifen noch welche Gedanken ihm durch den Kopf gingen. Das machte ihren aktuellen Job zu einer echten Herausforderung, aber über die Hilfe würde sie sich trotzdem nicht beschweren.
      Bei seinen nächsten Worten zuckte sie lediglich mit den Achseln und schenkte ihm ein schiefes, zurückhaltendes Grinsen mit einer Prise Unsicherheit, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte – genauso, wie sie es geübt hatte, damit sich die Herren in ihrer Gegenwart überlegen fühlten.
      „Hatte ich auch nicht erwartet“, murmelte sie und widmete sich wieder dem dreckigen Besteck.

      Draußen im Garten wartete Felix schon auf seine neue Schülerin. Violet war ganz kurz nach oben verschwunden um ihren Degen zu holen. Sie wusste, dass ein Agent seinen Degen immer griffbereit haben sollte, aber es passte zu der kleinen, schusseligen Violet ihr wichtigsten Werkzeug irgendwo zu vergessen. Bevor sie in den Garten trat, klopfte sich Violet leicht auf die Wangen bis sie mit dem rötlichen Schimmer im Spiegelbild zufrieden. Atemlos und mit geröteten Wangen, als hätte sie sich beeilt, als wäre es ihr peinlich, huschte sie über die Türschwelle in den Garten.
      Violet zauberte ein schüchternes Lächeln auf ihre Lippen und ließ Felix damit hoffentlich glauben, dass die freche Violet, die ihn noch mit Spülwasser bespritzt hatte, von der Aussicht mit dem großen Felix Damerau einen Übungskampf auszufechten, nicht mehr ganz so überzeugt war. Irgendwann würde der Tag kommen, an dem sie ihm seine Überheblichkeit und dieses arrogante Lächeln aus dem Gesicht wischte.
      "Möchtet du einfach einen Übungskampf, oder soll ich dir die Grundlagen doch lieber noch einmal zeigen?", fragte er und streckte ihr den Degen entgegen.
      Die schlanke Klinge funkelte im Sonnenlicht und Violet tat es ihm gleich, kopierte die Ausgangsposition für die Übung. Sie würde aufpassen müssen. Felix und der Rest der Agentur glaubte, dass sie im Umgang mit dem Degen ein hoffnungsloser Fall war. Sie nahm seine Einladung an und führte den ersten Angriff aus, mit weniger Kraft und Genauigkeit als sie eigentlich konnte. Der Hieb würde für Felix leicht zu blocken sein.
      Allerdings war der Gedanke, Felix eine Lektion zu erteilen und ihn auf den Rücken zu befördern beinahe zu verlockend. Der große Felix Damerau auf dem Rücken unter ihr im Gras, außer Atem und mit der Spitze ihres Degens unter seinem Kinn…
      Hitze explodierte hinter ihren Wangen. Violet knirschte mit den Zähnen als die Degen klirrend aufeinanderprallten.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Den Degen in der Hand zuhalten, war für Felix ein gutes Gefühl. Das Heft lag passgenau in seiner Hand, war weder zu schwer noch zu leicht. Sein Griff war nicht zu stark und locker genug, dass er gut Angriffe parieren konnte, ohne einen zu großen Rückstoß zu haben. Er liebte es einfach zu fechten, ein Zeitvertreib, dem er fast ewig nachgehen konnte.
      Als Violet im Garten auftauchte, schwenkte er seine Klinge locker hin und her und das so schnell, dass man das leise Surren vernehmen konnte, wie die Luft von dem Metall quasi zerschnitten wurde. Sein Blick wanderte zu der Klinge seines Gegenübers und sofort betrachtete er die Brünette mit anderen Augen, wie einen Gegner. Jetzt würde ihm nicht die kleinste Regung ihres Körpers entgehen. Man musste im Kampf versuchen sein Gegenüber so zu lesen, dass man seine nächste Bewegung vorausahnen konnte, ehe er selber es wusste. Darin war Felix schon immer sehr gut gewesen, gepaart mit seinen schnellen Reflexen.
      Violet griff an und ihr erster Schlag war für den Weißhaarigen fast eine Enttäuschung. Irgendwie hatte er sich mehr von ihr erhofft, dass jemand ihn endlich mal ein bisschen fordern konnte. Doch so wie es aussah, musste er wirklich hier Lehrer spielen.
      Abschätzend schnalzte Felix mit der Zunge und machte sich nicht ein mal die Mühe den Angriff abzublocken. Satt dessen, winkelte er seine Klinge so an, dass Violet mit dem Schwung einen weiteren Schritt nach vorne gehen musste, da von ihm kein Widerstand kam und er so galant an ihr vorbeitänzeln konnte. Mit einer Drehung stand er ihr wieder gegenüber, während die Brünette ihm noch immer den Rücken zu gewandt hatte. Er konnte es sich nicht verkneifen und schlug leicht mit der stumpfen Seite seiner Waffe auf ihren Hintern. "Zu langsam." tadelte er sie so gleich und hielt den Degen wieder vor seien Körper, bereit für einen Angriff oder die Verteidigung. "Ich hoffe, du wärmst dich nur auf, denn wenn das wirklich dein kräftigster Schlag war, schaffst du es wohl kaum, einen Waberer oder ein Irrlicht damit zu besiegen." stichelte er Violet ein wenig. Und das mit voller Absicht, denn vielleicht kam etwas mehr Biss in ihre Angriffe, wenn sie wütend auf in war. Und ohne es zu wollen, blitzte kurz ein freches Grinsen auf seinen Lippen auf.
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    • Damerau war in seinem Element. Für die Erkenntnis benötigte Violet lediglich den Bruchteil einer Sekunde. Die Art, wie Felix seinen Degen mit lockerem Handgelenk führte und Violet trotzdem einen Widerstand bot, der sich anfühlte wie eine Granitmauer, sprach für sich. Dabei hatte Felix sich nicht einmal die Mühe für eine richtige Parade gemacht. Funken sprühten als ihr Degen an seiner Klinge entlangglitt. Er ließ sie schlicht und ergreifend ins Leere laufen. Das überraschte Violet doch ein Bisschen und das leichte Stolpern war keineswegs gespielt. Sie hatte angenommen, dass Felix sie ohne mit der Wimpern zu zucken auf die Bretter, pardon, das Gras schickte.
      Ein kurzes, scharfes Ziepen traf sie unvermittelt und entlockte Violet ein überraschtes Quietes. Empört fuhr die junge Frau herum und starrte geradewegs in das grinsende Gesicht von Damerau. Der Kerl amüsierte sich. Felix spielte mir ihr. Mit tiefroten Wangen sah sie ihren Partner an. Violet wusste haargenau, was Felix da versuchte. Er wollte sie provozieren, sie aus der Reserve locken.
      Unter normalen Umständen wäre ihr ein solcher Fehler nicht unterlaufen. Sie hätte sich mit allem, was sie geben konnte, auf Damerau gestürzt. Felix mochte größer und kräftiger sein. Er besaß auch ganz zweifellos eine größere Reichtweite aber Violet, aufgezogen im Milleu des Schwarzmarktes und von ihrem eigenen Onkel als Diebin ausgebildet, war vor allem eins: Flink.
      Was Felix unmöglich wissen konnte, war, dass er tatsächlich ein kleinwenig Erfolg mit seiner Provokation hatte. Obwohl Violet selbst nur eine eingespielte Rolle zum Besten gab, kratzte es an ihrem Stolz, wie Felix mit ihr sprach. Sie suchte festeren Stand auf dem unebenen Gras und erwischte sich bei dem unerwarteten Gedanken, dass sie seine Anerkennung haben wollte...und das passte Violet gar nicht.
      Mit einer Hand rieb sie sich demonstrativ über die Stelle ihres Hinters, wo der brennende Nachhall des Klapses noch auf der Haut kribbelte.
      "Aua. Das hat weh getan! Bringen die euch das in der Schule für feine Adelsprößlinge bei?", fauchte Violet.
      Sie musste sich wirklich, wirklich anstrengen, danach betreten auf den Boden zu sehen. Die Violet, die Felix kannte, hätte das getan, beschämt darüber, dass sie gegenüber ihrem Partner laut wurde. Dabei hätte die echte Violet nichts lieber getan, als sich mit gezücktem Degen und voller Kraft auf den Weißhaarigen zu stürzen.
      Violet musterte seine wachsamen Augen, das belustigte Funkeln darin, und wurde sich noch einer Tatsache gewahr.
      Sie musste viel mehr auspassen, als sie gedacht hatte. Felix war aufmerksam, beobachtete ihre Körperhaltung, ihre Mimik um keine Regung seiner 'Gegnerin' zu verpassen. Das kleinste Zucken an der falschen Stelle und er könnte bemerken, dass etwas nicht stimmte.
      Mit den Fingern fuhr sich Violet durch die braunen Haare, fischte verirrte Strähnen aus ihren Augen und atmete tief durch, bevor sie sich erneut Damerau entgegen warf. Dieses Mal balancierte sich Violet besser auf den Fußballen aus und legte ihr gesammtes Gewicht in den Angriff.
      "Manche Probleme lassen sich nicht mit dem Degen lösen", presste sie angestrengt hervor, weil Felix keinen Zentimeter wich,als die Degen aufeinander prallten.
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    • Beinahe hätte Felix laut gelacht, als er das empörte Quietschen von Violet vernahm. So etwas Mädchenhaftes hörte er nicht allzu oft von ihr. Dann hörte er ihre Beschwerde und erneut umspielte ein freches Grinsen seine Lippen. Die brave Brünette konnte also auch Zähne zeigen. "Das kann ich nicht sagen, solch eine Schule habe ich nie besucht. Ich wurde zu Hause unterrichtet." entgegnete er ihr und behielt Violet fest im Blick, die nun betreten zu Boden blickte. Er ließ ihr Zeit, sich wieder zu sammeln und wartete ihren nächsten Angriff ab. Die Degen kreuzten sich und dieses Mal wollte Damerau herausfinden, wie viel Kraft und Ausdauer in seiner Kollegin steckte.
      "Da würde ich dir zustimmen, wenn es sich bei unseren Problemen nicht um Geister handel würde." erwiderte er. "Doch wir werden nicht nur auf Geister treffen, sondern auch auf Männer vom Schwarzmarkt, die mit fiesen Tricks arbeiten." fügte Felix an und dann wandte er einfach selber so eine gemeine List an. Mit seinem linken Bein, hakte er sich in Violets ein und zog ihr dieses weg, sodass sie ihren Halt verlieren musste. Dem half der Weißhaarige noch nach, in dem er noch mehr Druck mit seinem Degen aufbaute und dann sah er dabei zu, wie die junge Frau auf ihren Hintern plumpste und steckte seinen Degen weg. Er hatte gewonnen, doch machte dieser Kampf ihm keine Freude. Es fehlte einfach die Herausforderung. "Ich denke, ich habe von deinem Talent genug gesehen." kam es recht ernst über seine Lippen und reichte dann Violet seine Hand, um ihr aufzuhelfen. "Du scheinst eine solide Grundtechnik zu beherrschen. Mit der kann ich arbeiten." meinte er weiter und sobald die junge Frau seine Hand ergriff, zog er sie mit solch einem Schwung und Kraft zu sich hoch, dass Violet wieder auf beiden Beinen stand. Dabei kamen sie sich sehr nahe, was Felix aber nichts ausmachen. Er hegte keine Hintergedanken und blieb stets sehr professionell. "Als Erstes arbeiten wir an deinem Stand. Du darfst nicht zu starr sein, sondern musst flexibel bleiben … hmm … wie Bäume, die sich mit dem Wind wiegen." versuchte er ihr zu erklären, was er damit meinte. Ohne zu zögern, stellte er sich dann hinter sie und griff mit beiden Händen an ihre Hüfte, die er so positionierte, dass die Brünette gerade stand, aber mit leicht gebeugten Knien. "Wenn ich dich jetzt leicht stoße, solltest du es im Nu ausbalancieren können." erklärte er ihr und kaum sprach dies aus, verpasste er Violet einen sanften, aber dennoch bestimmten Stoß, mit seiner Hand, gegen ihre rechte Schulter. Sie hatte doch gemeint, er solle ihr Nachhilfe geben, also bekam sie diese auch.
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      Monkey D. Ruffy


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    • Über die Männer und Frauen vom Schwarzmarkt wusste Violet bestens Bescheid. Die schmutzigen Tricks beherrschte sie ebenfalls. Am Liebsten hätte sich Damerau mit einem dieser Tricks von den Füßen geholt Mit den Zähnen knirschend, ließ sie die Belehrungen brav über sich ergehen.
      Auch den zweiten Angriff wehrte Felix mit Leichtigkeit ab. Violet ahnte bereits, was er vorhatte. Etwas dagegen zu unternehmen, kam allerdings nicht in Frage. Es nagte an ihrem Stolz, dass sie es war, die am Boden landete. Der Tag, an dem sie ihm seine Enttäuschung aus dem Gesicht wischte, konnte nicht schnell genug kommen. Die Röte auf ihren Wangen stammte von unterdrückter Wut, nicht von Scham. Damerau konnte das natürlich nicht wissen. Er hatte sich bereits ein Bild von ihr gemacht wie Violet es gewollt hatte. Allzu gerne hätte sie die angebotene Hand ausgeschlagen, doch um das Bild zu wahren, griff sie danach. Mit Schwung zog er sie zurück auf die Füße. Hinter dem Manöver lag mehr Kraft, als Violet vermutete. Er brachte sie näher an Damerau. Wenige Millimeter fehlten und sie wäre gegen seine Brust geprallt. Trotzig hob sie das Kinn, blinzelte ihn missmutig an wie es wohl jede Schülerin getan hätte.
      "War das etwa ein Lob? Das muss ich mir rot im Kalender anstreichen", antwortete sie ein wenig zu bissig, aber sich unter Wert und Talent zu präsentieren, hatte schon immer an ihren Nerven gezerrt. Violet biss sich auf die Zunge, bevor ihr noch mehr unpassende und verräterische Kommentare entwichen.
      Felix machte die Nähe nichts aus, doch Violet war sich jeder Bewegung überdeutlich bewusst. Wie sein Kiefer sich beim Sprechen dank des ernstes Zuges um seine Mundwinkel anspannte. Wie seine langen, hellen Wimpern die Augen umrahmten. Wie sich seine Hände auf ihren Hüften anfühlten, als er hinter sie trat. Wärme sickerte durch das Hemd. Violet spielte mit, widerstand den Ablenkungen durch Damerau mit Mühe.
      Sie sog scharf den Atem ein, als er sie sanft nach vorn stieß. Ihr rechter Fuß schnellte nach vorne und balancierte das Ungleichgewicht reflexartig aus. Die Lektionen hatte sie schon als Kind beigebracht bekommen. Mit der Methode war schnell geklärt, welches das stärkere Bein war. Mit dem sie Schwung holte, sich abstieß und die Balance hielt.
      "Du weißt, dass sie diese Übung an der Akademie mit Kindern machen, oder?", beschwerte sich Violet möglichst kleinlaut. "Ich bin vielleicht nicht die Geschickteste, aber ich habe die letzten Jahre nicht hinterm Mond gelebt."
      Violet war enttäuscht darüber, dass Damerau sie nicht ernst nahm. Sie sollte es nicht sein, aber sie war es.
      In ihr wuchs der Wunsch, Felix zu beeindrucken und Anerkennung in seinen Augen zu sehen.
      Um die merkwürdige Stimmung zu überspielen, schob sie die Brille wieder die Nase hoch und zog ein anderes Thema heran, während sie Übung um Übung wiederholten.
      "Hat die Agentur sich schon gemeldet? Was glaubst du, wann wir die ersten Aufträge bekommen?"
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    • Felix zog eine Augenbraue hoch, als er ihren doch eher bissigen Kommentar vernahm, nach dem er Violet ja eigentlich gelobt hatte. "War das zu sehr von Oben herab?" überlegte er kurz, doch schob den Gedanken schnell wieder bei Seite. Es ist nicht sein Problem, wenn die junge Agentin nicht mit Kritik klarkam, egal ob positiv oder negativ. Und ja, vielleicht sollte sie sich diesen Moment rot in ihrem Kalender anstreichen, denn er ist nicht dafür bekannt Lob zu verteilen, so wie es Großmütterchen mit ihren Hustenbonbons tun.
      Er seufzte, wie Violet die Übung als eine für Kinder abstempelte. "Das kann gut sein. Und als Kind ist einem das auch viel leichter gefallen, da man zu diesem Zeitpunkt noch schnelle Reflexe besitzt. Doch das nimmt im Alter wieder ab. Angeblich soll man schon mit 25 Jahren schlechter werden. Das habe ich zumindest gelesen." erklärte er ihr nun. "Daher ist es nie verkehrt, diese immer wieder zu trainieren. Mein Ziel ist es, dass deine Reflexe automatisch kommen, ohne, dass du darüber großartig nachdenkst. In einem Kampf gibt es genug Informationen, die man aufnehmen muss. Da ist es von Vorteil, wenn eine Sache ganz ohne Nachdenken funktioniert." führte er weiter aus.
      Violet sprach dann ein neues Thema an, worauf Felix kurz überlegen musste. "So wie ich es verstanden habe, werden die Aufträge uns erst erteilt, wenn wir diese Zweigstelle komplett eingerichtet haben. Daher ist es gut, dass du für uns so schnell die Container organisieren konntest." Na so was? War das etwa wieder ein Lob von ihm? Doch er dachte über seine Worte nicht weiter großartig nach, sprach der Weißhaarige nur aus, was ihm durch den Kopf ging.
      "Vielleicht sollte ich dir zeigen, was ich mit den Reflexen meine." überlegte Damerau laut, wie er das am besten demonstrieren konnte. "Du darfst mich jetzt angreifen, während ich meine Augen verbunden habe. Da es mir ein Training ist, bitte ich darum, nicht allzu fest zuzuschlagen. Du darfst von jeder Richtung mit deinem Degen einen Angriff durchführen und ich werde versuchen ihn zu parieren." erklärte er sehr selbstbewusst und zog aus seiner Hosentasche ein Stofftaschentuch heraus, da blütenweiß war, mit einer goldenen Stickerei seiner Initialen. Ohne zu zögern, faltete er so, dass Felix es als Augenbinde umlegen konnte und nun stand er mit gezogenen Degen da, bereit, dass Violet ihn angriff.
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      Monkey D. Ruffy


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    • Violet zählte bereits die Tage bis sie ihre Tarnung nicht mehr brauchte bzw. ihr Onkel Standord keine Verwendung mehr dafür hatte. An diesem Tag würde sie Damerau diesen selbstgefälligen Gesichtsausdruck aus dem Gesicht wischen. Andererseits...Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass Felix sich bei der Übungsstunde tatsächlich Mühe gab etwas zugänglicher aufzutreten. Damerau hatte sie gelobt, zweimal. Sie musste lernen miteinander auszukommen. Es war unvermeidlich, wenn sie als Team funktionieren wollten.
      "Vielleicht sollte ich dir zeigen, was ich mit den Reflexen meine", schlug Felix vor.
      Violet kreuzte abwartet und gleichzeitig neugierig die Arme vor der Brust.
      "Da bin ich jetzt mal gespannt", antwortete sie.
      Es hätte weitaus schnippischer klingen können, aber die junge Agentin nahm sich zurück. Eigentlich hatte Violet sogar verdammt viel Glück, dass Damerau die leichten Veränderungen in ihrem Verhalten noch nicht aufgefallen waren. Entweder das oder Violets kleiner Akt der Rebellion erschien ihm belanglos.
      "Du darfst mich jetzt angreifen, während ich meine Augen verbunden habe", erklärte Felix.
      Mit Vergnügen, d
      achte Violet. Sie hielt sich selbst für eine ausgezeichnete Fechterin und mit ihrem Können hinterm Berg zu halten, kostete sie in der Gegenwart von Damerau mehr Mühe als sonst. Wie viel Spaß hätte ein Training sein können, wenn sie auf gleicher Augenhöhe fochten?
      Sie nickte um zu signalisieren, dass sie verstanden hatte und festigte den Griff um ihren Degen.
      Violet spürte wie ihr Atem sich beschleunigte, als Felix die Augenbinde aufsetzte und sich ein bisher ungeahnter Nervenkitzel breitmachte. Es würde eine Herausforderung sein, sich so zu bewegen, dass Felix sie nicht kommen hörte. Dabei musste sie sich nicht einmal verstellen. Als analytischer Bücherwurm wurde von ihr erwartet, dass sie die Schlupflöcher suchte. Violet mied demnach allzu trockene Stellen im Gras während sie sich von links anpirschte. Ganz vorsichtig zog sie sich das Halstuch über Mund und Nase um die Atemgeräusche zu dämpfen. Als sie nah genug war, holte sie aus, aber gerade doll genug, dass sie ihm mit der dünnen Klinge einen Klaps gegen den rechten Oberarm verpassen würde.
      Damerau hatte Recht, leider. Bei der Übung ging es nicht um Kraft sondern um Geschick.
      “We all change, when you think about it.
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