Den Dämon, den ich rief, werde ich nun nicht mehr los! [Nimue & Alea]

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    • "Ori?!" war das letzte, was Rachel noch vom Dämonen hören konnte, ehe sie die Türe schloss und dann in ihr Bett fiel. Sie war wirklich sehr müde, aber sie wollte Mara nicht weiter beunruhigen, daher tat sie so, als wäre sie putzmunter. Doch jetzt, kaum dass ihr Kopf ihr Kissen berührt hatte, entschwand die Pinkhaarige auch gleich in den Schlaf, der ruhig, traumlos und erholsam für sie war.
      "Also wikrich! Was erdreistet sie sich?!" schmollte der Dämon noch immer über den Spitznamen und schwebte seiner Herrin hinterher, die wieder zur U-Bahn wollte. "Erreicht man mit dieser U-Bahn auch einen Schrottplatz?" fragte Ostiarius dann die Hexe. "Es gibt dort wohl ein kleines dämonisches Problem." meinte er weiter. "Wir sollten uns dem annehmen. Nicht, dass einen weiteren Menschen das ereilt, was deiner Freundin passiert ist." überlegte der Dämon laut. Ihm ist nicht bewusst, dass Maralda damit vielleicht überfordert sein könnte. Ostiarius ging einfach davon aus, dass die junge Frau den Pflichten einer Hexe nachkommen würde. Sorgen brauchte sie sich keine machen, war er ja an ihrer Seite.
      Als er diese Bombe platzen ließ, waren sie auch schon in der Nähe der U-Bahn. Wie verlangt, konnten die Menschen ihn nicht sehen, denn die wären sicher stehen geblieben, beim Anblick eines weißhaarigen Mannes, der einige Zentimeter über dem Boden schwebte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Kaum war die Tür ins Schloss gefallen und Rachel aus ihrem Blickfeld verschwunden, blieb Maralda einen Moment reglos im Flur des Wohnheims stehen. Die Worte, das Chaos, die Erschöpfung... einfach alles hing ihr wie ein dunkler Schatten. Der Spitzname hallte in ihrem Kopf nach. Ori. ... Das passte schon zu Rachel, frech und unkonventionell. Es war mutig einen Dämon so zu betiteln. Ein leises, empörtes Murmeln hinter ihr bestätigte, dass der Dämon das ganz ähnlich sah. Die junge Hexe unterdrückte ein müdes Seufzen, wandte sich schließlich ab und setzte sich in Bewegung. Schritt für Schritt entfernte sie sich von Rachels Zimmer, zurück in den Flur, zurück in die Realität, die sich mit jeder Minute weniger wie ihre eigene anfühlte. Ostiarius schwebte dicht hinter ihr her und schmollte hörbar darüber, Mara konnte förmlich spüren, wie sehr ihn dieser kleine, scheinbar harmlose Spitzname traf. Für einen Moment zuckte ein kaum sichtbares Lächeln über ihre Lippen. Manchmal hatte er verdammt menschliche Züge an sich. Doch es hielt nicht lange. Die Rothaarige blieb abrupt stehen. Langsam drehte sie sich zu ihm um. Ihre großen blauen Augen weiteten sich schnell, während seine Worte in ihr arbeiteten. Ein dämonisches Problem. Noch eines. So kurz nach… allem. Sie schluckte schwer.
      "Beim... Schrottplatz?" wiederholte die junge Frau leise, als müsse sie das Wort erst begreifen, bevor sie darauf reagieren konnte. Ihr Blick suchte kurz Halt im Boden, dann wieder in seinem Gesicht. "Es gibt… keine direkte Verbindung dorthin," antwortete sie schließlich, bemüht, ihre Stimme ruhig zu halten. "Man müsste... entweder mit der U-Bahn fahren und dann noch ziemlich weit laufen... oder einen Bus nehmen." Ihre Worte klangen ruhig und sachlich, doch ihr Inneres war es nicht. Ganz und gar nicht.
      Ein unangenehmes Ziehen breitete sich in ihrer Brust aus, kroch langsam ihren Rücken hinauf. Sie verstand den Ernst der Lage. Natürlich tat sie das. Nach allem, was sie gerade gesehen hatte, gab es keinen Zweifel mehr daran, was passieren konnte, wenn sie nichts tat.
      Und genau das machte ihr Angst. Ihre Finger krallten sich unbewusst in den Stoff ihrer Jacke. Ein weiterer Dämon. Ein weiteres Wesen, das Menschen schaden konnte. Und sie… sie sollte sich dem stellen? Allein? Mit ihm? Mara hob den Blick wieder, doch diesmal lag etwas Fragiles darin. Ihre eigene Unsicherheit, die sie nicht ganz verbergen konnte. "U-und... der... der Dämon..." setzte sie an, ihre Stimme leicht brüchig. "Wie genau gehen wir gegen dieses Wesen vor?" Die Junghexe fühlte sich nicht bereit und ganz sicher nicht genug vorbereitet. Ihre Magie war ein rohes, ungeschliffenes Etwas. Unberechenbar und unkontrolliert. Quasi ein Werkzeug ohne Anleitung und eine sichere Garantie für mehr Probleme. Diesmal ging es nicht um ein Ritual, das schiefgehen konnte. Diesmal ging es um eine Art offene Konfrontation. Unwillkürlich dachte der Rotschopf an Alex. Zu den Nächten, in denen sie gemeinsam Dinge erlebt hatten, die jenseits von Vernunft lagen. Verzerrungen, Schatten, Erscheinungen, die nicht hierher gehörten. Damals war er da gewesen. Hatte gewusst, was zu tun war. Hatte sie geführt, beschützt, Entscheidungen getroffen, wenn sie selbst erstarrt war.
      Und jetzt? Jetzt stand sie hier. Mit einem Dämon an ihrer Seite. Und ohne ihn. Mara atmete tief ein. Erst einmal ...dann noch einmal.
      Sie zwang sich, die Luft langsam wieder auszustoßen, versuchte, den Knoten in ihrer Brust zu lösen. Ihre Gedanken zu ordnen. Sich nicht von der Angst überwältigen zu lassen. Gerade mit solchen Kräften durfte es einfach nicht passieren. Langsam hob sie den Kopf ein Stück, richtete sich ein wenig auf, auch wenn die Unsicherheit nicht ein bisschen abgeklungen war. "Ich… will helfen," sagte sie leise, mehr zu sich selbst als zu ihm. "Aber ich… ich weiß nicht, ob ich das alleine kann." Ihre Finger lösten sich langsam aus dem Stoff ihrer Jacke. Sie sah Ostiarius wieder an respektvoll, vorsichtig, aber mit einem Hauch von Entschlossenheit, der zuvor noch gefehlt hatte. Denn egal, wie sehr ihr das alles Angst machte… Wegsehen war keine Option mehr.
    • "U-Bahn. Bus. Laufen! Das hört sich alles nach Zeitverschwendung an." grummelte der Dämon, der es wirklich nicht gewohnt war, auf seine Kräfte zu verzichten, um von A nach B zu kommen. Aber gegen den Willen seiner Herrin konnte er sich nun mal nicht widersetzen. Dennoch schien Maralda zumindest die Dringlichkeit, diese Situation zu verstehen.
      "So wie soeben auch." antwortete Ori ihr schlicht und einfach. "Ihr begleitet mich zu diesem Ort namens Schrottplatz, und auf euer Geheiß hin, werde ich diesen Dämon unschädlich machen. Ich werde natürlich darauf achten, dass sonst niemand zu Schaden kommt." erklärte er der Rothaarigen ruhig, als würde das Vorgehen klar auf der Hand liegen.
      "Ihr seid doch nicht alleine." erinnerte er Maralda und stellte sich jetzt vor sie hin. Ja, seine Füße berührten in diesem Moment den Boden. "Ich, Ostiarius, einer der mächtigen Bewahrer, bin an eurer Seite. Ihr könnt euch auf mich verlassen. Euer Wort ist mein Befehl." verkündete er feierlich und verbeugte sich vor der Junghexe. "Habt bitte mehr Vertrauen in euch und auch in mich." fügte er an und sah ihr dabei ernst in die Augen. Es schien, dass er ihr erst einmal richtig beweisen musste, dass er wirklich ein ernst zu nehmender Diener ist. Gerade fühlte er sich wie ein scharfes Schwert, das seine Herrin aber nur gerade dafür nutzte, Blumen zu schneiden. Ori wusste aber auch nicht, wie er ihr endlich zeigen konnte, dass sie mit ihm an ihrer Seite nichts zu befürchten hatte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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    • Maralda spürte, wie ein Hauch von schlechtem Gewissen in ihr aufstieg, als sie den bitteren Unterton in den Worten des Dämons bemerkte. Sie wollte dem Hochgewachsenen keineswegs das Gefühl geben, dass sie an seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten zweifelte, oder ihm mit ihren ständigen Verboten und Bedenken zu nahe treten. Es lag nicht direkt an ihm... vielmehr war es die Sache selbst, die ihr eine Heidenangst einjagte und ihren Magen sich selbst verknoten ließ. Die junge Frau versuchte, die aufkommende Unruhe in ihrer Brust zu irgnorieren. Sie konnte sich zwar nicht mehr an jedes Detail erinnern, doch das bewusste Abwenden von ihrem eigenen Blut, ihrer Herkunft und damit auch von der gesamten Hexenkunst, war damals aus einem verdammt guten Grund geschehen. Die Magie was in Maras Augen kein Geschenk sondern eine Fessel der Verantwortung. Sie forderte immer ein gleichwertiges Opfer und brachte am Ende meistens nur Unglück über diejenigen, die sie leichtfertig heraufbeschworen. Für die Studentin gab es also allen Grund, in dieser brandgefährlichen Situation mehr als nur vorsichtig zu sein, auch wenn es ihren Begleiter wahrscheinlich all zu lästig erschien. "Es tut mir leid, Ostiarius. Ich wollte Ihren Stolz nicht verletzen oder an Ihnen zweifeln", flüsterte sie leise. "Es liegt nicht an Ihnen. Es ist nur... die Magie selbst." Dann war es wohl beschlossene Sache. Die Nachwuchshexe nickte langsam, wodurch ihre feuerroten Locken sacht in Bewegung gerieten und ihr in sanften Wellen über die Schultern glitten. Dann hieß es also ...auf zur Bushaltestelle und zwar schnell!
      Der Weg dorthin zog sich jedoch wie Kaugummi, und als sie sich der Anzeige näherten flimmerten die Zeilen unbarmherzig rot, der Bus in den Osten der Stadt würde in genau in fünf Minuten abfahren. Der Rotschopf fackelte nicht lange. Sie straffte die Schultern, presste ihre Tasche eng an den Körper und musste das letzte Stück im Vollsprint zurücklegen, um das Linienfahrzeug überhaupt noch zu erreichen. Ihre Haare peitschten ihr wie wildgewordenes Laub im Spätsommerwind um das Gesicht, während sie die Füße über den Asphalt jagte.
      Gerade noch rechtzeitig stolperte die Junghexe durch die zischenden Türen hinein und sank völlig erschöpft auf den erstbesten freien Sitzplatz. Ihre Lungen brannten, und auf ihren Wangen zeichnete sich eine hitzige Röte ab, die mit ihren Haaren mithalten konnte. Nach einer Fahrt, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam und bei der sich das Band der Magie in ihrem Inneren immer enger zusammenzog, drückte sie hastig den Halteknopf. Das Gefühl, in eine Falle zu laufen, wurde zu stark. Sie stieg an der vorletzten Haltestelle aus, auch hier schon lag irgendetwas in der Luft.
      Der Fußweg, der sie nun erwartete, führte weg von den belebten Straßen in Richtung eines rauen, vernachlässigten Industriegebiets. Der Asphalt unter ihren Füßen war von tiefen Rissen durchzogen, aus denen zähes Unkraut spross, und die Mauern der leerstehenden Lagerhallen waren von düsteren Graffiti überzogen. Am Ende der Straße erstreckte sich schließlich der Schrottplatz hinter einem windschiefen Maschendrahtzaun. Es war ein deprimierender Ort... ein Friedhof aus verrostetem Metall, auf dem sich die Skelette ausgebrannter Autowracks in instabilen Türmen stapelten. Die Luft roch schwer nach Schmieröl, verrostetem Eisen und feuchter Erde, untermalt von einem metallischen Geschmack auf Maras Zunge, der von dunkler Energie kündete. Der Rotschopf kniff verwundert die Augen zusammen. Irgendetwas an dieser Situation kam ihr merkwürdig vertraut vor. Es war als sollte sie sich besser an etwas erinnern, woran sie sich einfach nicht erinnern konnte. Ein innerer Zwist der sich mit verflixten Kopfschmerzen bemerkbar machte.
      Die Nachwuchshexe drückte sich dicht an eine verrostete Containerwand nahe des Eingangstors und spähte vorsichtig auf das Gelände, wo in einem Wellblechhäuschen die Silhouette eines stämmigen Wachmanns zu erkennen war. Ihr Herz schlug bis zum Hals. "Ähm... Ostiarius...", raunte sie kaum hörbar, während sie den Blick nicht von den Autowracks abwandte. "Können Sie von hier aus schon Genaueres über den Dämon sagen? Oder haben Sie eine Idee, wie wir ungesehen an dem Wärter dort drüben vorbeikommen? Ich würde die Blinden nur all zu gern aus der Sache raus halten."
    • Ostiarius konnte diese Zweifel und Angst gegenüber in keiner Weise nachvollziehen, da er schließlich ein magisches Wesen ist. Er atmete Magie, und wie Blut bei den Menschen, zirkulierte sie seinen Körper. Dies ist wohl ein dezenter Hinweis darauf, dass Dämonen nicht wie andere Lebewesen bluten. Sie verloren magischen Äther, leuchtend und dickflüssig und mit eigener magischer Kraft, die aber geführt werden muss, da sonst Chaos entstehen kann.
      Der Dämon hob erstaunt die Augenbrauen, als Maralda sich bei ihm entschuldigte. "Na, na." gab er doch recht überfordert von sich und tätschelte den Kopf der Jungehexe kurz, wie bei einem Haustier. Also wirklich. Seine bisherigen Meister haben sich noch nie bei ihm entschuldigt, jedenfalls konnte er sich daran nicht erinnern. "Ihr werdet es schon noch lernen." versuchte er, aufmunternde Worte zu finden.
      Dann schritt seine Herrin entschlossen voraus. Zumindest versuchte sie es, denn der Weg schien langwieriger zu sein. "Wir können immer noch fliegen." flüsterte Ori ihr verständnislos zu. Er würde es wohl nie verstehen, wieso man sich anders als fliegend fortbewegen wollte.
      Am Ende kam dann noch richtig Bewegung in die Rothaarige, als sie plötzlich zu rennen anfing. Hätte Ori zu diesem Zeitpunkt das Konzept von Cheerleadern gekannt, wäre er wohl wie Maraldas persönlicher und jubelnder Dämon neben ihr hergeflogen und hätte vermutlich ein Fähnchen geschwenkt oder gar mit Pompons gewedelt. So aber fieberte er nur mit, ob sie es schaffte, ihr Ziel noch rechtzeitig zu erreichen. In dem Gefährt angekommen, blieb Ori davor und winkte etwas frech ihr entgegen, als sich die Türen schlossen. Natürlich blieb er in der Nähe, und so setzte er sich auf das Dach des Busses und genoss, wie manch Hund, den Fahrtwind in den Haaren. Das kam dem Fliegen zumindest etwas näher. Damit aber seine Herrin nicht in Panik verfiel, wo er abgeblieben war, lugte er ein Mal kurz durch das Fenster und grinste ihr dabei schelmisch zu. Man könnte sich fragen, wie Ori es schaffte, bei dem Fahrtwind seinen Hut nicht zu verlieren, und weil er gerade kopfüber durch das Fenster spähte, bis einem wohl wieder einfiel, dass er ein Dämon ist. Was wohl Erklärung genug sein sollte.
      Der Bus führte sie raus aus dem Zentrum der Stadt, in ein eher abgelegenes Außenviertel, und auch der Fußmarsch vergrößerte die Distanz zur Innenstadt. Mit wenig Begeisterung sah sich Ostiarius um. Viel von Mutternatur gab es hier nicht zu sehen, nur, dass sie sich langsam, aber sichtlich zurückkämpfte. Am Schrottplatz angekommen, lag der Duft von Eisen und Rost schwer in der Luft, dass es den Dämon fast schon an der Nase kitzelte. Er folgte seiner Meisterin, die sich langsam und schleichend dem Eingang näherte. "Hmmm. Ich spüre einen Dämon. So viel kann ich sagen. Doch um wen oder was es sich dabei handelt, vermag ich nicht zu erkennen." antwortete er ihr wahrheitsgemäß. "Natürlich habe ich eine Idee. Ich könnte einen Tunnel erschaffen, der uns ins Innere bringt. Oder wir kommen aus der Luft. Damit wird bestimmt keiner rechnen. Hahaha!" machte er seine Scherze. "Oder aber, ich mache euch für einen Moment unsichtbar." erwähnte er zum Schluss die einfachste Methode. "Bleibt dann bitte an meiner Seite, damit ich eure Sicherheit gewährleisten kann." bat er Maralda, und so bald sie ihm ihr Einverständnis gab, berührte er sie kurz mit seiner ganzen Hand und wirkte seine Magie. Jetzt war sie für den Menschen unsichtbar und so konnten sie unbemerkt durch das Torschlüpfen. Vielleicht musste er kurz eine Ablenkung schaffen, indem er die Coladose des Werers einfach aufplatzen ließ. Doch so beachtete er noch weniger das Tor.
      Hinter den Bergen aus Schrott und Autogerippen konnte der Wachmann sie nicht mehr sehen, also löste er die Magie wieder auf. "Die Tiere haben es schon bemerkt. Nicht mal mehr eine Ratte, eine Maus oder gar ein Vogel befindet sich hier in der Nähe." stellte Ori fest, und diese Tatsache machte ihn aufmerksamer. Er konnte spüren, dass etwas zwischen den Trümmern und dem Müll lauerte.

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    • Maralda blinzelte verdutzt, als sie die Hand des Dämons auf ihrem Kopf spürte. Das sanfte Tätscheln wie man es bei einem treuen aber etwas begriffsstutzigen Haustier tat, kam so unerwartet, dass sie für einen Moment völlig aus dem Konzept gebracht wurde. Doch anstatt sich über diese herrlich unangemesse Geste zu ärgern, breitete sich eine unerwartete, wohlige Wärme in ihrer Brust aus. Ein leises, fast unmerkliches Schnauben entwich ihr, und ein sanftes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, während sie den Blick kurz senkte. Es war seltsam beruhigend zu wissen, dass dieser mächtige, uralte Entität trotz seiner sonderbaren Art eine ganz eigene, fast rührende Weise hatte, mit ihrer menschlichen Verletzlichkeit umzugehen. Sie schüttelte amüsiert den Kopf, um die Reste der Verwirrung zu vertreiben, wodurch. "Ich werde mich bemühen, Meisterin - tauglicher zu werden.", erwiderte sie mit einem leisen Räuspern.
      Die junge Hexe presste sich dicht an das kalte Blech der Containerwand hinter sich, um nicht unnötig ihre Silhouette abzeichnen zu lassen. Ihre seeblauen Augen suchten fieberhaft die unübersichtlichen Gänge ab, die sich zwischen den rostigen Autowracks und den instabilen Metallbergen auftaten. Dass nicht einmal mehr Ungeziefer oder Vögel diesen Schrottplatz bevölkerten, war ein untrügliches, alarmierendes Zeichen dafür, dass das Wesen, das hier nistete, die natürliche Ordnung völlig vergiftet hatte. Sie spürte, wie sich ein eisiger Schauer über ihren Nacken ausbreitete. Alles hier wirkte wie ein Labyrinth des Verfalls, in dem jeder falsche Tritt eine Lawine aus Eisen auslösen und sie verraten konnte. "Ähm... können Sie spüren, aus welcher Richtung diese Präsenz am stärksten strahlt? Ich möchte ungern blind in die Enge getrieben werden." Die Rothaarige schluckte den bitteren, metallischen Geschmack hinunter, der immer intensiver auf ihrer Zunge brannte, je länger sie an diesem verfluchten Ort verwelte. Jeder Instinkt in ihr schrie danach, auf dem Absatz kehrtzumachen, zurück zum schützenden Bannkreis ihrer Wohnung zu fliehen. Doch sie wusste, dass es dafür zu spät war. Das Siegel war gebrochen, und die Verantwortung lastete nur schwerer auf ihren Schultern.
      Sie zwang sich dazu, das Zittern in ihren Knien zu ignorieren, straffte die Schultern und spähte am Rand des Containers vorbei.
      Vorsichtig, um ja kein verräterisches Klappern zu verursachen, bückte sich die Nachwuchshexe und tastete nach einem Haufen weggeworfener Autoteile, der neben der Containerwand lag. Ihre Finger schlossen sich um ein langes, schweres Stück eines abgebrochenen Eisenrohrs. Es war kalt, von einer dicken Schicht rotem Rost überzogen und am Ende rau und scharfkantig gesplittert. Es war keine Waffe, die einen Dämon aufhalten würde, aber das solide Gewicht in ihrer Hand schenkte ihr zumindest einen Funken bitter benötigter Selbstvertrauen. Sie richtete sich langsam wieder auf, umklammerte das rostige Rohr mit beiden Händen und hielt es schützend vor sich, während sie den Blick wieder auf die pechschwarzen, dornigen Ausläufer richtete. "Es ist wahrscheinlich lächerlich", flüsterte die junge Frau, ohne den Blick von den pulsierenden Gewächsen abzuwenden, während sie das Rohr ein Stück fester packte. "Aber ich gehe keinen Schritt weiter, ohne zumindest das Gefühl zu haben, mich wehren zu können." Freilich, Hexen waren nicht wehrlos allein schon wegen ihren Wissen und der selben Magie die auch durch ihre Adern flossen. Doch jetzt war kein rechter Zeitpunkt für 'Try an Error'.
      Maralda schlich tiefer in die engen Gassen aus gepresstem Blech, wobei jeder Schritt auf dem schmierigen, ölverschmierten Boden sie äußerste Konzentration kostete. Das schabende Geräusch war verstummt, doch die Stille, die nun über dem Schrottplatz lag, wirkte nur noch bedrohlicher. Es war eine leblose, fast schon künstliche Taubheit, die sich wie eine bleierne Decke über ihre Sinne legte.
      Die junge Frau hielt inne, als sie an einer Weggabelung zwischen zwei aufeinandergestapelten Autowracks vorbeikam. Ihr Blick fiel auf den Boden vor ihren Füßen, und sie spürte, wie sich ihr Magen unwillkürlich zusammenzog.
      Aus den tiefen Rissen des rissigen Asphalts quollen keine gewöhnlichen Unkräuter mehr. Dicke, tiefschwarze Ranken wanden sich wie schlafende Schlangen über den Boden. Sie waren überzogen mit fingerlangen, nadelspitzen Dornen, die im fahlen Licht matt schimmerten und eine dunkle, klebrige Flüssigkeit absonderten. Das Sekret fraß sich mit einem leisen, zischenden Geräusch in den rostigen Stahl der umliegenden Autowracks und hinterließ hässliche, zerfressene Narben im Metall. Wo immer die Ausläufer dieser Gewächse die Autogerippe berührten, schienen sie das Eisen regelrecht zu umschlingen und langsam in die Tiefe zu ziehen. Ein eisiger Schauer lief der Rothaarigen über den Rücken. Sie wich instinktiv einen halben Schritt zurück, darauf bedacht, mit ihren Schuhsohlen nicht das giftige Sekret auf dem Boden zu berühren. Sie spürte die kalte, beruhigende Präsenz von Ostiarius direkt hinter sich, was ihr das nötige Quäntchen Mut gab, um nicht augenblicklich die Flucht zu ergreifen. Sie wandte den Kopf leicht zur Seite, ohne den Blick gänzlich von den pulsierenden Ranken abzuwenden.
      "Ostiarius...", flüsterte sie mit belegter Stimme, während sie auf eine der dicken, pechschwarzen Schlingen deutete, die sich langsam um die Achse eines alten Lieferwagens zog. "Sehen Sie das? Die Ranken... sie bewegen sich fast so, als würden sie atmen. Wenn wir einen Fuß in diese Gasse setzen, werden wir die Aufmerksamkeit dieses Dinges erregen. Also... wie lautet unser Plan genau?"
    • Ostiarius spürte natürlich, wo die dämonische Präsenz am stärksten war, und deutete mit dem Kopf in die jeweilige Richtung. "Es kommt aus dem Zentrum dieses Sammelsuriums an müffelnden und ekligen Dingen." beschrieb er und ging weiter voraus, oder eher schwebte. Er beobachtete dann Maralda, wie sie sich mit einer rostigen Eisenstange bewaffnete. Es war überflüssig zu erwähnen, dass diese nichts bringen würde, erwähnte sie das sogar selbst. "Ich kann euch ein besseres Gefühl geben." meinte dann Ori und berührte kurz die Stange. Das Metall wurde warm und plötzlich glühte die Spitze auf und ein blaues Feuer brannte am Ende. "Das ist eine dämonische Flamme. Sie verbrennt nur magische Wesen oder Objekte." erklärte er kurz und hielt zum Beweis ein Stück Holz in die Flammen, die nur darum tanzten, es aber nicht angriffen oder gar versenkten.
      Sie bewegten sich weiter und bald erkannte man die ersten eindeutigen Spuren des entkommenen Dämons. Er machte sich auch keinerlei Mühe, sich zu verstecken, so ragten die Ranken überall hervor, hinterließen Spuren und eine zog sogar eine Kiste tiefer zu sich ins Zentrum.
      "ja ich sehe es." seufzte Ostiarius und rümpfte dabei die Nase. "Es handelt sich hier wohl um einen Mandragora-Dämon. Wahrscheinlich ein Follet. Schlauer als der Quälgeist zuvor. Aber nicht viel stärker. Dafür nervig und widerspenstig." ließ er die Rothaarige wissen, worum es sich hier genau handelte.
      "Mein Plan wäre es, ihn ein bisschen zu kitzeln, damit der Dämon aus seinem Versteck kommt." grinste der Weißhaarige fast schon teuflisch und ließ kleine Blitze um seine Finger herumtanzen. Ehe sich Maralda vorbereiten konnte, jagte Ori einen solchen Blitz auch schon durch eine der Ranken. Es entstand eine Kettenreaktion, denn so harmlos war der Schlag nicht gewesen. Die Ranken zogen sich fluchtartig zusammen und der Schrottberg erbebte so heftig, dass einige größere Teile, wie alte Fernsehrröhren, Metalltonnen und anderer Müll, herunterfielen.
      "Er ist dort drinnen und versteckt sich." seufzte Ori, der bestimmt keine Lust hatte, in dem Abfall nach dem ausgebüchsten Dämon zu suchen. Jedenfalls nicht bloßen Händen.
      "Wir müssen ihn wohl suchen gehen." ächzte der Weißhaarige, der darauf wirklich keine Lust hatte. "Bleibt bei mir." erinnerte er Maralda daran, in seiner Nähe zu bleiben, und schritt zu dem Berg aus Schrott und Müll zu.
      Zunächst hob Ostiarius mit seinen telekinetischen Kräften größere Teile an, um unter sie zu schauen, so als ob jemand etwas unter einem Teppich versteckt hätte. Doch er sah schnell ein, dass die keinen Zweck hatte. "Dann halt auf die grobe Art," brummte er missmutig und ging in die Hoche. Dabei legte er beide Hände auf den Boden und die Rothaarige konnte sehen, wie blau Blitze anfingen, aus den Fingern zu tanzen und sich in den Boden stürzten. "Geht am besten ein paar Schritte zurück." riet er der Jungehexe, und erst als Maralda den gebührenden Abstand eingenommen hatte, jagte Ori einen gewaltigen Stromschlag in die Erde, der seinen Weg sofort auf den massiven Schrotthaufen suchte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
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    • Maralda senkte für einen Moment den Blick und betrachtete etwas überrascht das obere Ende des Rohres, an dem nun das unheimliche, azurblaue Feuer des Hochgewachsenen lautlos emporloderte. Ein echter Flammenwerfer wäre ihr in dieser Situation zwar irgendwie lieber gewesen, aber… der Gedanke zählte wohl. Da Ostiarius ohnehin so lange versiegelt gewesen war, wusste er vermutlich gar nicht, was so ein moderner Gegenstand überhaupt war.
      "Danke... das ist sehr... aufmerksam.", brachte die Rothaarige leise über die Lippen und spürte, wie das solide Gewicht des Metalls ihr trotz allem ein Fünkchen Halt gab.
      Als der Keeper dann jedoch mit einem teuflischen Grinsen verkündete, er wolle das Ding da drinnen ein bisschen 'kitzeln', schluckte die Nachwuchshexe schwer. Ihr wurde augenblicklich ganz mulmig bei dem Gedanken, dass sie tiefer in das unübersichtliche Territorium dieses Rankenmonsters eindringen und die Kreatur auch noch suchen mussten. Bevor die Situation vollends eskalierte, warf die junge Frau noch einmal einen hektischen Blick über die Schulter zurück zum Eingangstor. Sie musste sich absolut sicher sein, dass wirklich niemand und vor allem kein unbeteiligter Blinder in der Nähe war, um dieses magische Schauspiel zu beobachten. Oder schlimmer... in irgendeiner Weise mit reingezogen wurde. Doch zum Glück blieben die Gassen aus Schrott menschenleer.
      Sie atmete tief durch, straffte die Schultern und folgte dem Dämon schließlich mit weichen Knien, als dieser zielstrebig auf den massiven Schrotthaufen zustürzte.
      Als der Weißhaarige kurz darauf in die Hocke ging und ihr ruhig riet, besser ein paar Schritte zurückzugehen, wollte sie gehorchen. Sie blickte auf seine Hände hinab, die bereits von gefährlich knisternden, blauen Blitzen umzüngelt wurden. Beim Anblick dieser ungebändigten Energie begriff die Junghexe augenblicklich, dass ein einfacher Schritt niemals ausreichen würde. Die schiere Macht, die sich da vor ihr zusammenbraute, verlangte nach wesentlich mehr Sicherheitsabstand.
      Hastig machte sie erst zwei große Schritte rückwärts, hielt kurz inne und setzte dann noch einen weiteren, eiligen Schritt nach hinten, bis sie sich im Halbschatten eines verrosteten Autogerippes befand. Sie umfasste das glühende Eisenrohr mit beiden Händen so fest, dass ihre Knöchel weiß anliefen, suchte auf dem ölverschmierten Asphalt nach sicherem Stand und fixierte den Dämon mit ihren seeblauen Augen. Gerade war sie wohl nicht mehr als eine Art Risikofaktor oder ein Klotz am Bein. Und doch, wollte die Azubi-Hexe ihr Bestes geben. "Okay... ich bin bereit. Es kann los gehen.", rief sie ihm mit fester, entschlossener Stimme zu.
      Kaum waren die Worte verhallt, schossen die blauen Blitze auch schon wie hungrige Nattern aus den Händen des Dämons direkt in die Erde. Die Luft zwischen den Schrottbergen lud sich augenblicklich so stark mit statischer Elektrizität auf, dass der Rotschopf spürte, wie ihre feuerroten Locken sich knisternd aufstellten und die Härchen auf ihren Armen aufsprangen. Sie presste das eiserne Rohr, an dessen Spitze das azurblaue Feuer tanzte, schützend fest gegen ihre Brust. Die dämonische Flamme verströmte zwar keinerlei Hitze, doch ihr Anblick schenkte ihr in diesem Moment ausufernden Chaos die nötige Verankerung.
      Mit einem ohrenbetäubenden Krachen entlud sich die gewaltige magische Spannung im Zentrum des Schrotthaufens.
      Maralda musste sich hastig eine Hand vor das Gesicht halten, als der massive Berg aus Zivilisationsmüll unter dem heftigen Stromschlag erzitterte. Alte Waschmaschinentrommeln rutschten scheppernd in die Tiefe, verrostete Kotflügel verkeilten sich kreischend ineinander, und eine dichte Wolke aus Staub, Ruß und aufgewirbeltem Schmierölgeruch nahm der Nachwuchshexe für Sekunden fast die Sicht. Sie hustete leise und blinzelte verbissen durch den trüben Schleier, während sie sich tiefer in die Hocke zwang, um von herabfliegenden Trümmern nicht getroffen zu werden.
      Als sich der Staub allmählich legte, weiteten sich Augen der jungen Frau. Aus dem aufgerissenen Inneren des Schrottberges drang ein hasserfülltes, ohrenbetäubendes Kreischen. Es klang wie eine Mischung aus einer brechenden Alraunenwurzel und dem wütenden Fauchen eines wilden Tieres. Die pechschwarzen Dornenranken, die eben noch versucht hatten, sich fluchtartig im Verborgenen zusammenzuziehen, peitschten nun wild und unkontrolliert durch die Luft. Sie schlugen gegen das umliegende Blech und rissen tiefe Furchen in den ölverschmierten Asphalt.
      Und dann, direkt im Zentrum der Zerstörung, schälte sich die eigentliche Gestalt des Mandragora-Dämons aus dem Unrat. Mara spürte, wie ihr das Herz bis zum Hals schlug. Das Wesen war eine groteske, knollige Abscheulichkeit, deren wulstige Haut an verfaulte Baumrinde erinnerte. Überall aus seinem unförmigen Körper sprossen die dornigen Ausläufer, und zwei glühende, boshafte Schlitzaugen fixierten sie und Ostiarius voller Zorn.
      Die Rothaarige wich noch einen Schritt zurück, den Griff um ihr brennendes Eisenrohr verstärkt, während sie den Blick fest auf die rasende Kreatur gerichtet hielt. "... ich glaube, Ihr Kitzeln hat gewirkt!", rief sie gegen den Lärm der peitschenden Ranken an, bemüht, die Panik in ihrer Stimme zu verstecken. "Er ist stinksauer. Was ist der nächste Schritt Ihres Plans, bevor diese Dornen uns lebendig begraben?"
    • Kleine blaue Blitze tanzten noch immer über die Finger des Dämons, und seine Haare standen durch die elektrostatische Aufladung noch deutlich wilder vom Kopf ab als zuvor.
      Mit spielerischer Leichtigkeit wich Ostiarius den Tonnen, Waschmaschinen und anderen Gerätschaften aus, die polternd und scheppernd auf ihn zurollten. Keine seiner Bewegungen wirkte hektisch. Im Gegenteil – das Chaos schien ihn eher zu amüsieren.
      "Da bist du ja endlich!" sagte er mit einem schiefen Grinsen und musterte die Kreatur abschätzig. "Und du siehst ja noch hässlicher aus als deine Sippschaft." fügte Ori an und verzog dabei das Gesicht. Ein feindseliges Fauchen gab der Mandragora-Dämon nur von sich und schlug wütend mit seinen Ranken.
      "Der Plan?" Ori zuckte gelassen mit den Schultern. "Der Plan ist, diese Kreatur zu vernichten."
      Seine Stimme klang so selbstverständlich, als wäre der Kampf nicht einmal eine Herausforderung. Er warf Maralda einen kurzen Blick über die Schulter zu.
      "Bleibt einfach brav hinter mir. Dann wird euch schon nichts geschehen."
      Noch während er sprach, züngelten blaue Flammen aus seinen Handflächen. Im nächsten Augenblick verdichteten sie sich zu mehreren leuchtenden Feuerkugeln, die mit einem scharfen Zischen auf den Mandragora-Dämon zuschossen.
      Die Geschosse trafen ihr Ziel mit voller Wucht. Augenblicklich ging die Kreatur in Flammen auf. Ihre mit Dornen besetzten Ranken zuckten wild, schrumpften unter der sengenden Hitze zusammen und wurden hastig an den Körper zurückgezogen, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
      Unter dem unaufhörlichen Feuer wurde der Dämon immer kleiner. Aus dem gewaltigen, von dornigen Ranken umgebenen Monster blieb schließlich kaum mehr als eine knollenartige Gestalt zurück.
      Doch noch bevor Ostiarius sich ihm nähern konnte, grub sich die Kreatur mit einem Ruck in den Erdboden. Erde flog in alle Richtungen, während sie panisch die Flucht ergriff.
      "Du entkommst mir nicht!", rief Ori und setzte dem flüchtenden Dämon ohne zu zögern nach.
      Noch während er lief, begann sich sein Körper zu verändern. Seine Gestalt wurde kleiner, schneeweißes Fell überzog ihn, und einen Wimpernschlag später jagte ein weißes Kaninchen über den Boden. Mit unglaublicher Geschwindigkeit verschwand es dem Dämon hinterher im aufgewühlten Erdreich.
      Für einen kurzen Moment kehrte Stille ein.
      Dann konnte Maralda ein feines Vibrieren unter ihren Füßen spüren. Es wurde rasch stärker. Der Boden bebte, als würde sich tief unter der Erde etwas mit ungeheurer Geschwindigkeit bewegen.
      Nur wenige Meter vor der jungen Hexe brach der Boden explosionsartig auf. Erdklumpen flogen in alle Richtungen, als Ostiarius aus dem Erdreich schoss. Mit beiden Händen hielt er den Mandragora-Dämon gepackt und riss ihn mit sich an die Oberfläche.
      Sofort loderten erneut seine blauen Flammen auf und hüllten die Kreatur vollständig ein.
      Der Mandragora-Dämon stieß ein schrilles, ohrenbetäubendes Kreischen aus, das durch Mark und Bein ging. Doch Ostiarius kannte keine Gnade. Es war seine Pflicht als Keeper, die entkommenen Dämonen wieder einzufangen und sie unschädlich zu machen.
      Im verzweifelten Kampf um sein Überleben ließ der Mandragora-Dämon plötzlich eine mit langen Dornen besetzte Ranke auf Maralda zupeitschen.
      Doch noch bevor sie die junge Hexe erreichen konnte, fing Ostiarius sie mit bloßer Hand ab.
      Die Ranke schlang sich augenblicklich um seinen Unterarm und zog sich mit brutaler Kraft zusammen. Die Dornen bohrten sich tief in seine Haut. Ori kniff für einen Moment die Augen zusammen. Es tat weh – doch seinen Griff lockerte er keinen Augenblick.
      Seine goldenen Augen blieben fest auf den Dämon gerichtet, während die blauen Flammen unaufhörlich weiterbrannten.
      Er würde seine Herrin beschützen.
      Und dieser Dämon würde ihm nicht entkommen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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