Den Dämon, den ich rief, werde ich nun nicht mehr los! [Nimue & Alea]

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    • "Nicht ihr Buch!" Das hatte Ori gehört und dabei zuckten seine Katzenohren nervös auf, so wie sein Schwanz unruhig hin und her. Das waren Worte, die er lieber nicht gehört hätte. Aber wenn es nicht ihr Buch war, welcher Hexe oder Hexer gehörte es dann? Für ihn ergab das alles gar keinen Sinn. Und obendrein wusste diese Maralda nicht ein Mal, wo sie das Hexenbuch gelassen hatte. Das konnte ja was werden!
      "Ihr habt das Ritual ohne Vorkenntnisse und quasi alleine durchgeführt?" wiederholte der Dämon und dabei blieb dem Kater das Maul für einen Moment offen stehen. Seiner Herrin ist wohl nicht bewusst, welche Kräfte wohl in ihr schlummerten, denn das war keine Beschwörung, die man einfach so aus dem Ärmel hätte schütteln könnten. Nur erfahrene Hexen und Hexer trauten sich an die Beschwörung eines Dämons heran und oft waren sie dann doch lieber zu zweit und oder noch mehrere. Ob ihr auch bewusst ist, dass Sterbliche rein gar nichts bewirkt hätten und Maralda wohl der Katalysator war, dass dieses Ritual überhaupt funktioniert hatte? Das erwähnte er vielleicht später ein Mal, da sie nun eine Frage an ihn hatte, die er natürlich beantworten musste.
      "Nun, ihr habt lieber auf dieses Ding geschaut, als mit in die Augen, was ich als unhöflich empfand. Außerdem machte es so lustige Geräusche, daher wollte ich einen Blick darauf werfen und nutzte meine Kräfte, um es mir zu holen, Ich drückte dann auf das rote Zeichen und das Klingeln verstummte. Also ließ ich es fallen." erklärte er mit einem Schulterzucken, als wäre das jetzt nichts Besonderes gewesen.
      "Beraten? Darf ich erfahren, mit wem? Und wieso stellte Ihr mir nicht einfach eure Fragen?" wollte der Dämon wissen, der sich etwas wie bestellt und nicht abgeholt fühlte. Da hatte diese Hexe ein mächtiges und weises Wesen in ihrem Haus und nutzte dies nicht aus. Und das beleidigte Ostiarius dann doch langsam, worauf er hin vom Tisch heruntersprang und in einer flüssigen Bewegung wieder in seine menschliche Gestalt kehrte. Um sich etwas zu orientieren, lief er dann einfach im Raum herum und besah sich die Inneneinrichtung und die Bücher, die er vorfand. Er hoffte, mit deren Hilfe etwas mehr über diese Zeit zu erfahren, denn so wie es aussieht, sind hier einige Jahrzehnte ins Land gezogen und er wollte versuchen sich auf den neusten Stand zu bringen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Der Rotschopf schüttelte leicht abwesend den Kopf, als wäre es nur ein natürlicher Reflex ihrerseits. "Ich... ich war ja nicht allein. Und ich habe Vorkenntnisse. Wenn auch nur flüchtig. Die Siegel und Bannkreise in diesem Haus, die Eigenschaft, verschiedene Energieflüsse oder Schemen aus der Anderswelt wahrzunehmen... das Alles habe ich von meiner Großmutter gelernt." Ihre Stimme wurde mit jedem Satz leiser, bis sie schließlich fast verhallte. Die Erinnerung an ihre Großmutter traf sie wie ein Schlag in die Magengrube. Mildred Davies. Allein der Name brannte sich in ihr Herz. So präsent war plötzlich der Schmerz, so greifbar der Verlust, dass Maralda sich fragte, wie sie überhaupt geglaubt hatte, jemals Abstand von der Magie gewinnen zu können. Diese Welt war untrennbar mit ihrem Leben verknüpft, aber nicht mehr mit Wärme, sondern mit Trauer. Kein Zauber der Welt konnte Mildred zurückbringen. Diese Gewissheit lag nun mehr schwer auf ihren Schultern.

      Und dann verwandelte er sich abermals. Es war ein nicht ganz ungewohnter Anblick. Immerhin tauschte dieses Wesen ziemlich oft sein Erscheinugsbild mit erschreckender Leichtigkeit. Es war gerade mal ein Augenblick, ein Wimpernschlag – und der Kater war verschwunden. Stattdessen stand da ein Mann fremdartig und dennoch von einer überwältigenden Präsenz. Zerzaustes, weißes Haar, das von einer kaum greifbaren Energie durchzogen wurde, als würde in jedem Strähnchen ein Funken Anderswelt flackern. Augen, golden und unergründlich. So genau hatte sie den Dämon vorher nicht wahrgenommen. Ob es an den fehlerhaften Sigel lag, welches er bei den Rotschopf gelöst hatte?

      Maralda konnte den Blick nicht lösen, der Anblick schnürrte ihr die Kehle zu. Mit brutaler Klarheit wurde ihr bewusst, dass dieses Schauspiel nicht länger an den Rand ihres Lebens gehörte. Dies war ihre Realität. Magie war zurück, ob sie wollte oder nicht.
      Die schlanken Finger der Rothaarigen verkrallten sich in den Stoff ihres Oberteils, während sie nervös auf ihre Lippe biss. Sie war eine Hexe, ja – aber eine Hexe ohne brauchbares Fundament. Mildreds halbfertige Notizen, die Fetzen alter Geschichten, Erinnerungen, die wie Nebel zwischen ihren Gedanken waberten... das war alles, was ihr geblieben war. Damit ließ sich kein uralter Dämon bannen. Schon gar nicht ein Wesen wie Ostiarius.
      Er hingegen bewegte sich, als sei er nichts weiter als ein Besucher, der einen flüchtigen Blick durch ihr Wohnzimmer warf. Ganz gelassen, als gehöre er hierher. Die Selbstverständlichkeit, mit der er durch ihre Wirklichkeit schritt, ließ ihr Herz unruhig schlagen. Und sie? Sie stand da, rang nach Worten doch ihr Kopf durchstreifte nur ein Gedanke 'Es ist zum Haare raufen'. Doch selbst das half nicht. Haare raufen half nie.

      Sie zwang sich, die Stille zu brechen. "O-okay. In Ordnung. Ich—" So zögerlich wie ihr Satz begann so schnell verhallte er im Raum. Mit fahriger Geste legte sie ihr Handy auf den Couchtisch, als wäre es ein Schutzanker. "...Ich glaube – nein, ich bin mir sicher, dass es kein Zufall war. Dass der Z. Z. dieses Buch fand, das war gewollt. Jemand wollte, dass wir damit... herumspielen." Ihre Stimme bebte. Mehr noch als das Buch war es diese fremde Präsenz, diese Stimme, die sie bis zum Ritual begleitet hatte aufs Höchste unheimlich. Sie erinnerte sich an das Flüstern, an das Drängen. Jemand, ...oder etwas, hatte die Junghexe dazu getrieben. "Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich Sie aus Versehen hierher gerufen habe, habe ich eine fremde Stimme nach mir rufen hören. Es war nicht Ihre Stimme... und jetzt höre ich sie nicht mehr. Aber das bedeutet doch, dass jemand wollte, dass ich Sie ....oder ein anderes Wesen heraufbeschwöre." Der Gedanke jagte ihr Schauer über den Rücken. Wer hatte ein Interesse daran, einen Dämon wie Ostiarius in ihre Welt zu ziehen?
      Sie holte tief Luft, zwang ihre Beine, sie zu tragen, und richtete sich langsam wieder auf. Ihr Herz pochte bis in die Fingerspitzen, doch sie musste die Frage stellen – auch wenn sie sie womöglich noch mehr kränken konnte. "Fangen wir einmal damit an: Was für eine Art... Dämon sind Sie genau?" Vielleicht lag in seiner Herkunft der Schlüssel zu all dem. Vielleicht auch nicht. Doch sie konnte nicht länger in Unwissenheit verharren. Einen Dämon befragen war riskant – aber Google würde ihr bei Ostiarius wohl kaum weiter helfen können.

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    • Ostiarius lauschte der bedürftigen Erklärung der Rothaarigen. Dass sie nicht alleine war, hatte er ja gesehen und der Dämon hatte etwas geahnt, doch dass sie die einzige Hexer in der Runde war, hat ihn doch sehr überrascht. Er erfuhr auch, dass Maraldas Mentorin, so würde er es jedenfalls nennen, ihre Großmutter war. Und so wie sie von ihr erzählte, lebte diese Althexe nicht mehr, was der Weißhaarige bedauerte, da diese Dame bestimmt gewusst hätte, was sie mit einem Dämon mit anzufangen hatte.
      Seine Finger glitten gerade federleicht über die Buchrücken, deren Titel mehr nach Romanen und alten Erzählungen klangen, als dass sie ihm, Wissen über dieses Zeitalter vermitteln konnten, als das leise Stimmchen seiner Meisterin wieder erklang. Der Dämon hielt in seiner Bewegung inne und drehte sich abrupt zu Maralda herum, als sie ihre Vermutung aussprach. Mit schnellen Schritten war Ori bei ihr und lehnte sich dem Rotschopf so weit entgegen, dass ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt waren.
      "Du glaubst also, dass hier noch jemand anderes seine Finger im Spiel hat? Eine andere Hexe? Oder ein Hexer vielleicht? Kennst du denn welche?" erkundigte er sich direkt bei ihr. Diese Vermutung war gar nicht so abwegig. Machtkämpfe gab es schon immer zwischen den Hexen und das ein oder andere Kräftemessen zwischen ihnen, konnte schon mal tödlich enden. Doch meistens sind es ganze Zirkel, die einander bekriegen, als einzelne Individuen, da Hexen in der Gruppe um einiges stärker sind.
      "Eine Stimme, die jetzt verklungen ist? Wie interessant!" meinte er nur dazu und legte dabei nachdenklich eine Hand an sein Kinn. Ein paar Schritte zurückgetreten, lief er nun nachdenkend durch den Raum, ehe er sich wieder zu der Junghexe umdrehte, als diese fragte, was für eine Art Dämon er denn sei.
      "Ich?" entgegnete der Weißhaarige empört und griff sich gekränkt an seine Brust. Da rief sich aber Ostiarius wieder ins Gedächtnis, dass er mit einer Hexe sprach, die wohl von nichts eine Ahnung hatte und wurde daher etwas nachsichtiger. "Ich gehöre zu den mächtigsten Dämonen und fungiere für die Hexen meist als Keeper." fing er an zu erzählen und holte dann lieber etwas weiter aus, da er vermutete, dass der Rotschopf mit diesem Begriff nichts anfangen konnte. "Keeper sind Dämonen, die zusammen mit anderen bösartigen Dämonen versiegelt werden. Die Macht des Dämons ist dabei so groß, dass er über Jahrhunderte das Siegel aufrecht halten kann, ohne dass die anderen Dämonen ausbrechen können und …" Ori stockte kurz und sah dann Maralda eindringlich an. "Du hast das Siegel gelöst und nicht nur mich damit befreit, sondern auch andere Dämonen." sprach er das offensichtliche aus. "Wir müssen das Buch finden! Ich kann mich nicht mehr an das Ritual erinnern, also kann ich dir auch nicht sagen, welche Dämonen genau es sind, die nun befreit wurden und wie viele." wurde er sehr ernst. "Hast du vielleicht etwas gesehen?" fragte er sie hoffnungsvoll, doch wenn zuvor die Kräfte der Junghexe versiegelt waren, bezweifelte Ori, dass sie irgendetwas wahrnehmen hätte können.
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    • Maralda hatte kaum ausgesprochen, da spürte sie bereits, wie die Situation ihr entglitt. Seine Nähe war plötzlich erdrückend. Als Ostiarius sich ihr mit wenigen schnellen Schritten näherte, spannte sich ihr ganzer Körper an, als hätte jemand eine unsichtbare Saite in ihr gezogen. Doch sie wich nicht zurück, nicht weil sie mutig war, sondern weil ihre Beine in diesen Augenblick einfach nict auf sie hören wollten. Die Fragen trafen sie unerwartet hart. Andere Hexen. Hexer. Zirkel.
      Alles Begriffe, die in ihrem Leben lange keinen Platz hatten. Die junge Frau schluckte trocken, ihr Blick glitt einen Moment an ihm vorbei, als suche sie im Raum nach einer Antwort, die dort nicht lag.
      "Nein." sagte sie schließlich leise. "Ich kenne niemanden. Keine Zirkel. Keine anderen Hexen." Ein kaum merkliches Kopfschütteln folgte, was ihre roten Wellen wippen ließ. "Meine Großmutter… sie war die Letzte...wie ich." Allein das Aussprechen ließ ihre Brust eng werden. Sie hatte nie darüber nachgedacht, wie schutzlos sie ohne Mildred wirklich war... bis jetzt jedenfalls. "Ich kenne nur noch ein paar Sterbliche die sehen können und eine... Lebensform sie Sie aber keine weiteren Hexen."
      Als er die Stimme erwähnte, lief ihr sein "Wie interessant", wie ein kalter Schauer über den Rücken. Für ihn mochte es Neugier sein. Für Mara war es ein warnendes Echo. Sie spürte, wie sich ihre Finger leicht ineinander verkrampften.
      "Sie ist seitdem verstummt." ergänzte sie hastig, fast defensiv. "In dem Moment, als das Ritual abgeschlossen war. Als hätte sie… bekommen, was sie wollte." Sie wusste selbst, wie vage das klang, doch mehr hatte sie nicht. Keine Bilder. Keine Namen. Nur dieses bohrende Gefühl, benutzt worden zu sein.
      Als Ostiarius begann, durch den Raum zu gehen, folgte sie ihm mit dem Blick. Jede seiner Bewegungen ließ die Atmosphäre dichter werden. Und dann erklärte er sich. Keeper. Siegel. Andere Dämonen. Mit jedem Wort sank die Rothaarige tiefer in das Ausmaß dessen, was sie ausgelöst hatte.
      Als er schließlich aussprach, dass sie nicht nur ihn befreit hatte, sondern auch andere, fühlte es sich an, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen. Dabei war es nach der Logik seiner Welt doch so unglaublich glasklar. Ihr Atem stockte.
      "Ich… ich hab es vermutet, gehofft es wäre anders doch ich war mir nicht ganz sicher ob es ein Siegel ist." brachte sie hervor, die Stimme brüchig. "Ich habe mir eingeredet es wäre ein bloßer Bannkreis. Einer zur Kontrolle oder zur Begrenzung oder so." Ihre Schultern sanken ein wenig. "So wie die an der Wohnungstür ... die hat meine Großmutter mir beigebracht." Das Wort andere Dämonen hallte in ihr nach wie ein dumpfer Schlag. Unbekannte Wesen. Frei. Wegen ihr.
      Als er nach dem Buch verlangte und eingestand, sich nicht an das Ritual erinnern zu können, spürte Mara, wie sich Panik in ihr ausbreitete. Doch bei seiner letzten Frage, ob sie etwas gesehen habe, zwang sie sich, ruhig zu bleiben. Ehrlich zu sein.
      Sie schüttelte langsam den Kopf. "Nein. Keine Gestalten. Keine Gesichter." Für einen Sekundenbruchteil zögerte die Junghexe dann fügte sie hinzu: "Aber... ich habe etwas gespürt. Es war, als würde etwas… nachgeben. Als würde mehr als nur eine Präsenz gelöst." Sie hob den Blick zu ihm, unsicher, ob diese Worte genügten. Wahrscheinlich nicht. Bisher hatte ihn keines ihrer Worte wirklich genügt- warum sollte es jetzt anders sein? Und doch... Der innere Wirbel in der jungen Frau kam langsam zur Ruhe, doch das Gefühl der Bedrohung blieb. Es legte sich um die Hexe wie ein schwerer Mantel, den sie nicht abstreifen konnte.
      Zum ersten Mal fragte sich Maralda ernsthaft, ob ihr spärliches Wissen, ihre Ehrlichkeit und ihr Wille überhaupt ausreichen würden, um das wieder einzufangen, was sie freigesetzt hatte. Und ob sie ohne ihre Großmutter oder die Hilfe von Alexander stark genug sein würde, sich dem zu stellen. Sie schüttelte den Kopf, versuchte die Gedanken zu vertreiben. "Nachdem ich die anderen in den Katakomben stehen gelassen habe, haben sie sicher aufgeräumt. Meistens hatte Rachel das Buch, sie war so fasziniert und überwältigt von dem Ding .... gut möglich das sie es auch wieder mit nach Hause genommen hat. Ich- ich frage sie später sofort danach." Jetzt wäre besser, sicherlich war ihre Freundin auch noch wach. Jedoch war Maralda von den Erlebnissen, Eindrücken und der Situation etwas überwältigt und so rang sie langsam mit ihren schwindenden Bewusstsein. Menschen mussten im Gegensatz zu Dämonen nun einmal schlafen, auch wenn sie noch so magisch begabt waren. "Wenn Sie nicht weitere meiner Besitztümer in ihren Erkundungsdrang zerstören können Sie sich auch gern weiter umschauen." Morgen könnte sie die Besenkammer für den ungebetenen Gast etwas ausräumen, irgendwo musste er ja unter kommen wenn er auf Zeit zum Blieben verdammt war. Oh je, das würde Ostiarius sicher auch überhaupt nicht gefallen. Mehr Zimmer gab diese kleine Wohnung jedoch nicht her.
    • "Keine Hexen? Kein Zirkel? Und deine Mentorin ist auch nicht mehr?" fragte Ostiarius, um sicherzugehen, und man hörte die Enttäuschung in seiner Stimme, begleitet von leichter Frustration. "Aber wenn es Sehende gibt, muss es noch andere Hexen geben. Ich vermute, sie verstecken sich einfach nur zu gut, oder -" Der Dämon stockte und schüttelte dann seinen Kopf leicht. "Oder die anderen sind wie du, ahnungslos, und verschließen sich vor dem, was sie sind, und vergeuden damit ihr Talent." dachte der Weißhaarige kurz, sprach dies aber lieber nicht aus. Maralda schien schon so sehr verunsichert und überfordert zu sein, da musste er nicht noch weiter auf ihr herumhacken. "Die Stimme ist verstummt? Nach dem Ritual? Für mich hört sich das so an, als hätte dich jemand zu mir geführt oder etwas." überlegte Ostiarius laut. Für ihn ist das ein Indiz, dass Maralda eben nicht die letzte Hexe ist. "Oh je, wie kann man ein Siegel mit einem Bannkreis verwechseln? Hat man dir nicht beigebracht, die Finger von Dingen zu lassen, die du nicht kennst?" fragte er sie mit etwas Vorwurf in der Stimme. Der Dämon seufzte dann und massierte sich für einen Augenblick den Nasenrücken. Eine sehr menschliche Geste, die er sich von früher schon abgeschaut hat. Maralda berichtete ihm zwar, dass sie nichts gesehen hatte, doch sie hatte wohl etwas gespürt, und das zweifelte der Dämon nicht an. Eher bestätigte ihm das seine Annahme, dass mit ihm auch noch andere Wesenheiten befreit wurden. "Es hilft nichts. Dir ist klar, dass wir diese ausgebüxten Dämonen wieder einfangen müssen, vielleicht sogar vernichten." ließ er sie wissen, welche Aufgabe auf sie zukam. Aber eins nach dem anderen. "Zumindest hat die Junghexe eine Vermutung, wo das Buch ist, mit deren Hilfe sie mein Siegel gelöst hat." dachte er sich, etwas beruhigt, und so darüber hinweg sah, dass Maralda sich erst später darum kümmern wollte, was so viel bedeutete, dass sie es am nächsten Morgen angehen würde, da es jetzt schon tief in der Nacht war.
      "Ich zerstöre doch nicht das Eigentum meiner Herrin." gab der Weißhaarige empört von sich und sah auch sehr beleidigt bei dieser Annahme aus. Und ja, es war besser, dass die Rothaarige das mit der Besenkammer nicht laut ausgesprochen hatte, denn das hätte Ostiarius noch viel mehr gekränkt. Eine Besenkammer, wieso nicht gleich eine Hundehütte!
      "Wenn ich das richtig verstehe, erlaubt ihr mir, dass ich mich hier frei bewegen kann, solange ich nichts zerstöre?" wollte er sich noch einmal vergewissern. Wenn die Hexe das genau so aussprach, konnte er sogar ihr Zuhause verlassen und ein wenig die Stadt erkunden. Dabei konnte er gleich auf die Suche gehen, sei es nach dem Buch oder nach anderen Hexen, denn er war der festen Meinung, dass sie hier einen Profi brauchten. Auch wenn er als Dämon viel weiß, so ist er nicht allwissend und es gibt Geheimnisse, die eben nur die Hexen wissen können.
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    • Maralda nickte kaum merklich, als Ostiarius ihre Aussagen noch einmal hinterfragte. Die Enttäuschung in seiner Stimme war nicht zu überhören, selbst wenn er versuchte, sie zu dämpfen. Keine Hexen, kein Zirkel, keine Mentorin mehr. So nüchtern ausgesprochen klang ihre Lage erschreckend einfältig. Die Rothaarige spürte, wie sich in jenen Augenblick ihr Magen zusammenzog. Sie schluckte das Unbehagen jedoch leicht herunter und versuchte sich noch einmal zu fokussieren. Als er laut darüber nachdachte, dass es dennoch andere geben müsse, Sehende, die sich verbargen oder sich selbst verleugneten, senkte Mara kurz den Blick. Sie fühlte sich angesprochen, vielleicht sogar etwas ertappt. Lange hatte sie selbst versucht, die Magie in ihrem Leben kleinzuhalten, sie an den Rand zu drängen. Jetzt holte sie scheinbar von der einen auf die andere Sekunde alles ein.
      Die Erwähnung der verstummten Stimme ließ die Nachwuchshexe unwillkürlich frösteln. Dass jemand sie gezielt zu diesem Ritual geführt haben könnte, machte die Sache nicht einfacher... nur bedrohlicher. Sie sagte nichts dazu, doch ihre Finger verkrampften sich leicht, während sie seine Worte auf sich wirken ließ. Der Vorwurf in seiner Stimme, als er Bannkreis und Siegel erwähnte, traf sie härter, als sie erwartet hatte. Es war sicher nicht so gemeint doch der Rotschopf fühlte sich so verdammt naiv und einfältig, völlig unwürdig und auch überfordert zugleich. "Ich habe gearbeitet mit dem, was ich kannte. Oder...geglaubt habe zu kennen." Zudem war das Zeitalter der Magie lange vorbei. Für jemanden dem seit Äonen Magie durchfloss wie der eigene Pulsschlag war es sicher lächerlich und kaum nachzuvollziehen. Für die moderne Menschheit welche sich lieber der Technik zu gewandt war, war Maraldas Wissensschatz jedoch recht breitgefächert. Als er seufzte und sich den Nasenrücken massierte, wirkte er für einen Moment beinahe menschlich. Diese kleine Geste irritierte sie mehr, als sie sollte. Ein Dämon, der sich sorgte, der bewusst plante ...das machte alles nur realer.
      Die Worte über die entflohenen Dämonen, über Einfangen oder Vernichten, legten sich schwer auf ihre Schultern. Wir, hatte er gesagt. Maralda schluckte, nickte langsam. Sie wusste, dass sie sich dieser Verantwortung nicht entziehen konnte, selbst wenn ihr der Gedanke Angst machte. Als das Gespräch schließlich auf die Wohnung kam und Ostiarius sich vergewisserte, wie frei er sich bewegen dürfe, richtete die junge Frau sich etwas auf. "Ja." antwortete sie ruhig, auch wenn ihre Erschöpfung deutlich mitschwang. "Sie dürfen sich IN MEINER WOHNUNG frei bewegen. Solange Sie bitte nichts beschädigen." Ein kurzer Moment des Zögerns, dann fügte sie einen gewagten Hauch von Humor hinzu: "Wenn Sie möchten, können Sie sich auch schon einmal... die Besenkammer nach ihren Vorstellungen herrichten." Der Scherz war dünn, doch ehrlich gemeint zumindest zur Hälfte. Innerlich hoffte sie inständig, dass er weder Chaos anrichtete noch irgendwem schadete. Weder in ihrer Wohnung noch draußen. Allein der Gedanke daran raubte ihr den letzten Rest Energie.
      Die Müdigkeit gewann schließlich. Normalerweise hätte sie nach einer Nacht wie dieser kein Auge zugetan, doch Maralda war am Ende ihrer Kräfte. Sie zog sich ins Schlafzimmer zurück, ließ sich ins Bett sinken und fiel beinahe augenblicklich in einen tiefen Schlaf. Irgendwann hörte sie ein Flüstern. Ganz leise. Sanft. Es klang wie Mildreds Stimme. Fast als sorgte das leise Summen und Murmeln für den überraschend guten Schlaf. Mara rührte sich kaum, ein unbewusstes Lächeln huschte über ihre Lippen, während der Traum sie tiefer hinabzog. Was sie nicht bemerkte, war das leise Vibrieren ihres Handys auf dem Nachttisch. Alexanders Anruf blieb unbeantwortet, seine besorgte Nachricht landete auf der Mailbox. Als die junge Frau am nächsten Morgen gegen acht, vielleicht neun Uhr erwachte, fiel warmes Sonnenlicht durch das Fenster. Für einen kurzen Moment war alles still. Normal. Dann kehrte die Erinnerung zurück. "..Verdammt..." Und mit ihr die Gewissheit, dass diese Nacht etwas unwiderruflich verändert hatte.
    • "Ich habe geglaubt zu kennen … " Wenn Ostiarius das schon hörte, stellten sich ihm die Haare zu Berge. Zwischen Glaube und Wissen gibt es einen gewaltigen Unterschied. Aber das Kind ist nun in den Brunnen gefallen, so wie die Menschen so schön sagen, und sie mussten mit der Situation leben. "In meiner Wohnung." Ach, es wäre doch zu schön gewesen, doch anscheinend war die Junghexe nicht müde genug und hatte doch etwas Ahnung, dass sie ihre Worte dem Dämon gegenüber sehr genau wählte. Und einen Satz weiter, zweifelte der Weißhaarige wieder daran. "BESENKAMMER!?" rief er der Rothaarigen entrüstet hinterher, als sich diese in ihr Schlafgemach zurückzog. Also wirklich! Er ist doch kein Ding, das man zu Besen und Feger einfach so dazustellen kann. Anscheinend hatte die junge Frau die Vorstellung, dass ein Dämon wie sie einen Raum braucht, um zu nächtigen oder sonst etwas. Doch dem war nicht so. Ostiarius braucht weder Schlaf noch Nahrung, auch wenn er diese gerne gelegentlich aus Neugierde probierte.
      Noch etwas eingeschnappt trieb er auf der Stelle in der Luft umher, die Arme vor seiner Brust verschränkt und auf dem Kopf stehend, wobei er sich dabei langsam gegen den Uhrzeigersinn drehte. Zuerst spielte er eine Weile noch die beleidigte Leberwurst, doch das Gefühl verflog bald und der Dämon fing an nachzudenken. Er durfte das Gebäude also nicht verlassen. Aber Maralda hat nie etwas von seinen Helfershelfen gesagt. Na gut, sie konnte ja nicht wissen, dass er ein paar ausgewählte Tiere befehligen konnte. Bei ihm sind es Raubtiere und Katzen. Das nutzte er auch sofort aus und ging an eines der Fenster. Er brauchte einen Moment, bis er den Mechanismus verstand, doch dann bekam er es geöffnet. Den Kopf nur leicht herausgestreckt, durfte er ja das Haus nicht verlassen, rief er einfach in die Welt hinaus, ob ihm jemand helfen konnte. Ein Mensch konnte diesen Ruf nicht hören, sind die Worte nur für seine tierischen Helfer bestimmt, und ein paar Momente später, tauchte eine Elster und ein roter Kater vor dem Fenster auf. "Ah, wunderbar. Ihr müsst mir einen Gefallen tun." fing Ostiarius an und erklärte den beiden dann, dass sie nach magischen Menschen für ihn Ausschau halten sollten. Doch anstatt, dass die beiden sich sofort auf den Weg machten, blieben sie zunächst einfach vor dem Fenster sitzen. "Und was springt dabei für uns heraus?" krächzte die Elster und sah den Dämon eindringlich durch ihre schwarzen Augen an. "Genau! Wir wollen eine Gegenleistung!" maunzte der Kater, der in den Augen des Weißhaarigen, ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hatte. "Wie bitte? Gegenleistung?" fragte er verwundert und zog dabei die Stirn kraus. Die Welt hat sich wirklich stark verändert, nicht nur die Menschen waren anders, sondern auch die Tiere. "Von mir aus. Und was kann ich euch für die Hilfe anbieten?" fragte er die beiden, worauf der Kater sofort seine Bedingung nannte. "Ich will etwas zum Fressen." Die Elster überlegte etwas länger. "Ich hätte gerne etwas Glitzerndes.", entschied sie sich dann, und beide sahen daraufhin Ostiarius erwartungsvoll an. "Wie? Jetzt!?" fragte er die Tiere, worauf beide nickten. "Also wirklich." gab der Dämon grummelnd von sich und zog sich in die Wohnung zurück. "Und wo soll ich das jetzt herbekommen?" fragte er noch die beiden, worauf der Kater einfach in die Wohnung hoppste. "Ich zeigs dir." meinte er und lief schnurstracks seiner Nase nach. "Worauf wartest du? Folg ihm." forderte die Elster Ori auf, die sich dreist auf seine Schulter gesetzt hatte. Der Weißhaarige schien keine Wahl zu haben, und folgte dem Kater, der ihn geradewegs in die Küche führte. "Da! Den Schrank musst du jetzt öffnen." wies der Kater ihn an und deutete mit seinem Köpfchen auf den Kühlschrank. Da der Dämon dieses Affentheater so schnell wie möglich hinter sich bringen wollte, tat er, wie ihm geheißen, und öffnete die Türe. "Agh!"[/b gab er überrascht von sich, als er von dem Licht aus dem Inneren etwas geblendet wurde, da es mittlerweile stockduster in der Wohnung war. [b]"Das ist ja kalt." stellte er darauf erstaunt fest und berührte mit seiner Hand einige Dinge, die darum herumlagen. "Da! Ein Stück Wurst. Gib mir die und ich mache mich gleich auf den Weg." rief der Kater und tappste aufgeregt mit seinen Vorderpfoten auf der Stelle. Ein Glück konnte Ori mit dem Begriff etwas anfangen, gab es auch schon zu seinem Zeitalter geräucherte Wurst. Also bekam der Kater seine Wurst, die er sofort schnappte und mit der er auch gleich wieder aus der Wohnung flitzte. "Ich melde mich dann, wenn ich etwas finde!" rief er dem Dämon noch zu und verschwand dann in der Nacht. "Den siehst du nicht mehr wieder." kommentierte die Elster das ungefragt und sah sich dabei neugierig in der Küche um, ob sie etwas fand, das ihr gefiel. "Oh! Was ist das?" fragte sie und flatterte auf den Küchentisch, der noch vom Licht des offenen Kühlschranks erleuchtet wurde. Auf der Platte lag ein einzelner silberner Ohrring, der ihre Aufmerksamkeit erregt hatte. Ori griff nach dem Ohrring, der schön im Licht anfing zu glitzern, als er sich hin und her bewegte. "Das nehme ich!" meinte sie dann, schnappte mit ihrem Schnabel nach dem Schmuckstück und prompt flog sie davon. "Ich glaube, ich werde beide nicht mehr wiedersehen." murmelte Ostiarius ernüchtert, während langsam der Kühlschrank wieder zufiel und er alleine im Dunkeln stand.

      Am nächsten Morgen würde Maralda den Dämon trübsalblasend wiederfinden, da dieser immer noch damit zu kämpfen hatte, dass ein Vogel und eine Katze ihn hinters Licht geführt hatten. Welch eine Schmach! Wenn er die beiden wiederfindet, dann können sie sich auf ein Donnerwetter gefasst machen – und das wortwörtlich, würde Ori ein paar Blitze auf sie niederregnen lassen.
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    • Die junge Frau setzte sich langsam auf, rieb sich über das Gesicht und ließ den Blick durch den Raum wandern, als rechne sie damit, etwas Fremdes vorzufinden. Doch nichts hatte sich verändert. Keine verwüsteten Ecken, keine unheimlichen Spuren. Ihr Herzschlag verlangsamte sich ein wenig. Erst jetzt fiel ihr Handy auf dem Nachttisch ins Auge. Das Display leuchtete auf, kaum dass sie es berührte. Eine neue Mailbox-Nachricht. Alexander. Er musste sich wohl um sie sorgen. Maralda seufzte leise und legte das Handy wieder weg, ohne die Nachricht abzuhören. Dafür fehlte ihr im Moment die Kraft ...und die passenden Erklärungen.
      Sie stand auf, verließ das Schlafzimmer und bewegte sich aufmerksam durch den Flur. Jeder Schritt war vorsichtig, lauschend. Die Wohnung lag still da. Beinahe zu still. Die Tür zur Besenkammer stand einen Spalt offen. Der Rotschopf hielt inne. Ihr gestriger Kommentar war halb Scherz, halb ein unbeholfener Versuch gewesen, die Situation zu entschärfen. Sie warf einen vorsichtigen Blick hinein. Kein Chaos. Keine Verwüstung. Ordentlich wie sie vorher war. "Danke." murmelte sie leise, ohne zu wissen, ob er sie hören konnte.
      In der Küche setzte sie Wasser für Kaffee auf. Der vertraute Ablauf: Tasse, Löffel, der Duft frisch gemahlener Bohnen. Alles half, ihre Gedanken zu sortieren. Für einen Moment fühlte sich alles beinahe normal an. Beinahe zumindest.
      Unweigerlich dachte sie an das Flüstern aus der Nacht. An die Stimme, die so sehr nach Mildred geklungen hatte. Die junge Hexe schluckte. Sie hatte keine Angst gespürt. Eher Trost. Und genau das beunruhigte sie mehr als alles andere.
      Mit der warmen Tasse in beiden Händen ging sie zurück ins Wohnzimmer und blieb stehen. Ostiarius saß nicht dort, wo sie ihn erwartet hätte. Stattdessen hatte er auf einem der Stühle Platz genommen, ungewöhnlich still, die Haltung zusammengesunken, der Blick ins Leere gerichtet. Trübsalblasend war wohl das treffendste Wort dafür. Die Rothaarige verharrte einen Moment im Türrahmen und beobachtete ihn schweigend. Er wirkte gekränkt. Nicht wütend. Nicht bedrohlich. Sondern ehrlich beleidigt, als hätte jemand seinen Stolz empfindlich verletzt. Ob es ihre Unfähigkeit gewesen war, der Scherz mit der Besenkammer, oder etwas ganz anderes, sie konnte es nicht sagen. Die Atmosphäre im Raum war gedrückt, beinahe greifbar. Ostiarius schien tief in Gedanken versunken, und selbst ohne ein Wort von ihm spürte Mara, wie sehr ihn diese Demütigung beschäftigte. Für einen kurzen Moment fragte sie sich, wie gefährlich ein gekränkter Dämon wohl sein konnte und hoffte inständig, dass sich seine Rachefantasien auf Gedanken beschränkten.
      Sie räusperte sich leise, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. "Guten Morgen." Ihre Stimme war vorsichtig, da sie die Ausmaße der Katastrophe noch nicht ganz einschätzen konnte. Ob er reagieren würde, wusste sie nicht. Doch eines war ihr klar: So sehr sein Stolz auch verletzt sein mochte, sie würde ihn im Auge behalten müssen. Nicht nur wegen der entflohenen Dämonen. Müde war sie noch immer. Aber nicht mehr ganz so hilflos.
      Heute würden sie das Buch suchen. Heute würde sie handeln müssen. Mara setzte sich an den kleinen Tisch im Wohnzimmer und nahm einen ersten Schluck Kaffee. Die Wärme beruhigte sie für einen Augenblick. Während ihre Blicke immer wieder zu Ostiarius glitten, zog sie ihr Handy hervor. Sie begann zu scrollen. Soziale Netzwerke. Lokale Gruppen. Stadtteilforen. Nachrichtenfeeds. Die junge Hexe suchte weniger nach einzelnen Meldungen als nach Mustern. Plötzliches Chaos. Seltsame Zwischenfälle. Häufungen von Unfällen, Bränden oder Todesfällen ohne klare Erklärung. Dinge, die man rational erklären konnte - oder eben grade nicht. Doch außer vereinzelten Beschwerden über Verkehr, einer hitzigen Diskussion über nächtlichen Lärm und ein paar sensationslüsterne Schlagzeilen fand sie nichts, was ihr den Magen enger zog. Noch nicht. Dann wechselte sie zu ihren Nachrichten. Ungelesene Chats.Die meisten kamen von ihren Freunden. Jede hatte einen anderen Wortlaut doch im Kern stand überall das Gleiche:

      Alles okay bei dir? Du bist gestern einfach raus gestürmt.
      Du meldest dich gar nicht mehr.
      Hast du was von Rachel gehört?
      Mara hielt inne. Rachel! Unweigerlich dachte sie an das Buch. An das Ritual. An die Nacht. Rachel hatte es bei sich gehabt und schon gestern hatte sie nicht gesund gewirkt. Zu still. Zu blass. Zu gefesselt von den Seiten, als hätten sie sie nicht mehr loslassen wollen. Ein ungutes Ziehen breitete sich in Maraldas Brust aus. Sie öffnete den Chat mit ihrer Freundin und tippte zögernd eine Nachricht.

      Hey… melde dich bitte, wenn du das liest. Ich mache mir Sorgen um dich.
      Ein letzter Blick auf den Bildschirm, dann schickte sie die Nachricht ab. Keine Antwort. Noch nicht.
      Die junge Frau stellte die Tasse ab und erhob sich. Im Bad machte sie sich frisch, wusch sich das Gesicht, putze sich die Zähne und band sich die Haare zusammen. Der Blick in den Spiegel wirkte entschlossener als noch vor einer Stunde, auch wenn die Schatten unter ihren Augen geblieben waren. Dann zog sie sich um schlicht und bequem als würde sie sich innerlich auf etwas vorbereiten. Zurück im Wohnzimmer griff sie erneut nach dem Handy und wählte Rachels Nummer. Es klingelte. Einmal. Zweimal. Dann sprang die Mailbox an.
      Mara schloss kurz die Augen. Das ungute Gefühl verstärkte sich. Langsam hob sie den Blick zu Ostiarius. "Kein Lebenszeichen. Sie meldet sich nicht." sagte sie leise, aber bestimmt. "Ich glaube, ich sollte nach ihr sehen. Sie hat das Buch und… ihr ging es schon gestern nicht gut." Die Entscheidung war gefallen, noch bevor der Satz verklungen war. Rachel lebte in einem Studentenwohnheim im Osten der Stadt. Maralda kannte das Gebäude gut. Den langen Flur. Das Zimmer.
      Schwarz gestrichene Wände, bis auf eine blutrote als Eyecatcher. Totenköpfe, Kerzenhalter, okkulte Symbole. Für Außenstehende reine Provokation, für Mara war es ein Schatten der Vergangenheit und damit schon immer mit einem unangenehmen Beigeschmack verbunden. Rachel hatte das Okkulte geliebt, gesammelt, studiert. Nur aus Interesse, hatte sie immer gesagt. Nun fragte sich die junge Hexe, ob Interesse allein wirklich die Wahrheit gewesen war. Sie griff nach ihrer Jacke, atmete tief durch und hoffte inständig, dass sie zu früh reagierte. Dass Rachel einfach nur schlief. Dass das Buch harmloser war, als es sich anfühlte. Doch irgendwo tief in ihr wusste die Nchwuchshexe, dass sie sich selbst belog.
    • Den Rest der Nacht ärgerte sich Ostiarius noch über die beiden Tiere, ehe er sich kurz beruhigte und beschloss, etwas Produktives zu tun. Also graste er alle Bücher und auch Magazine ab, die er in diesem Haushalt finden konnte. Querbeet schien alles dabei zu sein; von Unibüchern bis Boulevardpresse fand er genügend Lesestoff, den sich der Dämon quasi einverleibte. Ein wenig verstand er diese moderne Welt nun besser, doch gibt es genug Dinge, die ihm ein Rätsel sind. Und dann, dachte er wieder an den fetten Kater und die gierige Elser und verfiel erneut in Trübsal. Auf einem Stuhl im Wohnzimmer hatte er Platz genommen und starrte Löcher in die Luft. Der Dämon war in sich gekehrt, dachte viel nach, schmiedete Rachepläne: "Ob Elster schmeckt, wenn man sie wie ein Brathähnchen zubereitet?" und versuchte sich daran zu erinnern, was geschehen war, als man ihn versiegelt hatte. Er kramte tief in seinem Gedächtnis, doch es wollte ihm einfach nicht wieder einfallen.
      Ein leises "Guten Morgen." holte ihn aus seiner Gedankenwelt zurück ins Hier und Jetzt. Er blinzelte kurz, ehe wieder Bewegung in den Weißhaarigen kam. Da er es liebt zu fliegen, ist diese dies am nächsten zum Gefühl der wahrhaftigen Freiheit, schwebte er zu Maralda herüber und blieb über ihr in der Luft stehen und beobachtete sie dabei, wie sie an ihrem Handy, ja, jetzt weiß er, wie dieses kleine Ding heißt, ihre Nachrichten durch las. Auch das hat er vor allem durch die Zeitschriften gelernt. Ostiarius fragt sich zwar, wieso man so auf das Leben von anderen fixiert ist, aber was weiß er schon, ist er ja kein Mensch, sondern ein Dämon.
      Seine Herrin sah beim Lesen etwas besorgt aus und tippte selber eine Nachricht. Ori ist ein guter Diener und schnüffelte Maralda nicht hinter, was sie da geschrieben hatte. Er sagte auch nichts, als sie wieder eine Weile schwand, besitzen Menschen nun mal Bedürfnisse, die ein Dämon nicht hat.
      Dann kam endlich etwas Schwung in den trägen Morgen, als die Rothaarige meinte, dass sie ihre Freundin besuchen will. Die mit dem Buch. "Wie es sich meine Herrin wünscht." entgegnete Ostiarius und deutete eine leichte Verbeugung an. "Soll ich euch hin fliegen? Vielleicht als Drache? Oder doch lieber als ein Pegasus?" fragte er direkt weiter, bereit der Hexe zu zeigen, wozu er alles im Stande ist. "Wenn ihr es wünscht, kann ich auch mein Äußeres wieder ändern. Ich habe gesehen, dass diese Gestalt den Menschen momentan sehr gut gefällt." sprach der Dämon weiter und mit einem Fingerschnippen verwandelte sich der Weißhaarige in Ryan Gosling, in der Rolle des Kens aus dem Film Barbie.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Mara hatte kaum bemerkt, wie sehr sie sich auf ihre Gedanken konzentriert hatte, bis eine Bewegung in ihrem Augenwinkel sie innehalten ließ. Sie hob den Blick... und erstarrte. Ostiarius schwebte.
      Nicht bedrohlich, nicht hastig, sondern mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit, die ihr erneut bewusst machte, was er war. Er bewegte sich lautlos durch den Raum, hielt schließlich direkt vor ihr in der Luft inne und beobachtete sie mit einer Offenheit, die sie kurz aus dem Konzept brachte.
      Dass er mitkommen wollte, schien für ihn vollkommen selbstverständlich zu sein. Für sie hingegen ganz und gar nicht. Die junge Hexe blinzelte überrascht und richtete sich etwas auf. "Oh...oh?! Sie… Sie wollen mit?" fragte sie, ehe sie sich bremsen konnte. Sie hatte nicht ernsthaft damit gerechnet, dass er sie begleiten würde. Ein Teil von ihr war wohl davon ausgegangen, dass er hierbleiben, grübeln oder weiter beleidigt sein würde. Als er dann auch noch vorschlug, sie zu fliegen, musste Mara unwillkürlich die Stirn runzeln. "Nein. Nein, das ist wirklich nicht nötig-" sagte sie schnell und hob beschwichtigend eine Hand. "Ich nehme die U-Bahn. Ganz normal.“
      Ganz normal. Zwei Worte, die in den letzten Stunden zunehmend an Bedeutung verloren.
      Während sie ihren Gedanken nachhing, glitt ihr Blick kurz über ihn. Er war ein verdammter Dämon. Mächtig und uralt. Und offenbar… chronisch unterbeschäftigt. Das Handbuch ›Dämonenhaltung für Dummies‹ wäre jetzt wirklich hilfreich gewesen. Wenn es wirklich existieren würde, stand darin sicher so etwas, wie man solche Wesen regelmäßig beschäftigen, ausführen oder zumindest geistig fordern musste, sonst bekamen sie Lagerkoller...oder Schlimmeres. Aber Maralda konnte ihn unmöglich einfach auf die Menschheit loslassen. Nicht unbeaufsichtigt. Andererseits nagte da dieses unangenehme Gefühl in ihr. Sie hatte sein Siegel gelöst. Ihn aus etwas herausgerissen, dessen Tragweite sie noch immer nicht vollständig begriff. Vielleicht schuldete sie ihm mehr als ein improvisiertes Nachtlager in der Besenkammer. Und dann… dann so wie er sie manchmal aus der Trübsal ansah... Diesee Blicke musste er während der Äonen seiner Versieglung wohl inzwischen perfektioniert haben. Unschuldig. Niedergeschlagen. Trotzig. Erwartungsvoll. Beinahe lieb. Die Rothaarige seufzte. Großartig. Jetzt ließ sie sich schon von Dämonen erweichen.
      Als er schließlich mit einem Fingerschnippen sein Äußeres veränderte, blieb ihr fast der Atem weg. Daran würde sie sich wohl so schnell nicht gewöhnen können. Sie starrte ihn an. Blinzelte. Und starrte erneut. Nein. Nein, das konnte unmöglich sein!
      "Auf gar keinen Fall!!!" sagte sie prompt und rieb sich über die Stirn. "Sie können nicht so aussehen. Und auch nicht so einfach mit dieser Erscheinung draußen herumlaufen." Ihre Stimme blieb höflich, aber bestimmt. "Das würde… Aufregung erzeugen. Sehr viel Aufregung. Und wir wollen unauffällig bleiben."
      Unauffällig. In der Öffentlichkeit. Auf dem Weg zu einem Studentenwohnheim. Mit einem Dämon. Haha... es wäre witzig wenn es nur ein Comedy Sketch gewesen wäre aber das war ihr Leben.
      Sie atmete tief durch und sammelte sich. "Bitte verstehen Sie mich nicht falsch," fügte sie hinzu, bemüht um Frieden und Ruhe, "...aber als berühmter Schauspieler durch die Straßen zu laufen würde uns nur aufhalten. Und Fragen provozieren. Viele Fragen."
      Ihr Blick ruhte prüfend auf ihm. "Wenn Sie mitkommen möchten – und ich sehe ein, dass es vielleicht besser ist, wenn Sie es tun –, dann nur unter Bedingungen." Die junge Dame richtete sich etwas gerader auf. Als wollte sie das neu gewonnene Selbstbewusstsein nach außen tragen. "Sie bleiben in einer unauffälligen, menschlichen Gestalt. Oder Sie sind gar nicht für die Blinden erkennbar. Keine Magie in der Öffentlichkeit. Kein Fliegen. Kein Gestaltwandeln oder... sonstige Späße." Für einen Sekundenbruchteil überlegte Maralda ob sie alle Eventualität erwähnt oder noch eine Ansage vergessen hatte. Sie war ja noch nie in solch einer Sitatuion gewesen. Auch wenn es war als würde die junge Dame zu einen kleinen Kind sprechen. "Sie folgen mir. Wir gehen zum Studentenwohnheim und auch nur zum Studentenwohnheim, sehen nach Rachel sowie dem Buch und kommen wieder zurück." Die Junghexe wusste nicht, ob sie gerade die richtige Entscheidung traf. Aber irgendetwas sagte ihr, dass sie ihn nicht zurücklassen sollte. Nicht jetzt. Nicht, nachdem sich alles bereits so sehr verschoben hatte. Also griff sie nach ihrer Tasche, zog die Jacke an und warf ihm einen letzten, prüfenden Blick zu. "Dann… kommen Sie. Aber bitte-" setzte sie nach, "...benehmen Sie sich."
      Und während sie zur Tür ging, fragte sich der Rotschopf, ob irgendetwas an diesem Tag noch planbar sein würde oder ob sie längst improvisierend durch eine Realität stolperte, die größer war als alles, was Mildred ihr je beigebracht hatte.
    • "Von wollen ist hier keine Rede. Dort wo Ihr seid, muss ich auch sein. Also nicht wie ein Papagei, der immer zu auf Eure Schulter sitzt, aber unser Bund lässt es nun mal nicht zu, dass ich mich nicht ohne eine explizite und ausführliche Erlaubnis, mich allzu weit von euch entfernen kann." erklärte Ostiaius die jetzt herrschenden Spielregeln etwas.
      "U-Bahn?" wiederholte der Dämon mit fragendem Blick, da er sich darunter nichts vorstellen konnte. "Ich glaube kaum, dass dieses "U-Bahn" schneller ist, als meine Flugkünste. Aber, wenn ihr es so befiehlt, werde ich mich dem beugen." schmollte darauf Ostiarius etwas, aber fügte sich dann auch der Junghexe und ihrer Entscheidung.
      Nach seiner Verwandlung in den hübschen Ken, hatte der Dämon eigentlich mit Erstaunen und Bewunderung gerechnet, doch stattdessen wurde ihm nachdrücklich mitgeteilt, dass er in dieser Form auf gar keinen Fall in Erscheinung treten durfte. Wieder konnte er nicht zeigen, um was es sich für einen mächtigen Diener bein ihm handelte, was ihn dann doch erneut schmollen ließ "Da hat sie einen hochrangigen Dämon und nutzt dennoch seine Kraft nicht." seufzte Ori innerlich und fragte sich langsam, was er denn tun konnte, wenn man ihm seine Magie nicht nutzen ließ. Maralda wurde dann endlich konkreter. Er sollte unauffällig sein, sodass die Menschen ihn nicht sehen. Das war leicht umzusetzen. Aber nicht fliegen. Das gefiel dem Dämon nicht wirklich, daher würde er gleich versuchen ein bisschen zu verhandeln. "Ich kann mich unsichtbar für das menschliche Auge machen." kam es mit Stolz über Oris Lippen, worauf er wieder in seiner herkömmlichen Menschenform schlüpfte. "Wenn mich also niemand sieht, darf ich dann fliegen?" fragte er lieb und recht unterwürfig seine Herrin."Ich verspreche auch nur für euch, sichtbar und hörbar zu sein." fügte er auch direkt an, dass er wie Luft für andere sein würde. Die Antwort von Maralda noch abwartend, folgte er seiner Herrin und blieb in ihrer Nähe, so wie sie es befohlen hatte. "Wenigstens hat sie keine komplizierten Wünsche." versuchte der Dämon dem etwas Positives zu geben. Wie ein Schatten blieb er an der Rothaarigen kleben und sah sich mit großen Augen um. Zum ersten Mal sah er Autos, Motorräder oder gar Fahrräder. Außerdem leuchteten von überall Lichter in den verschiedensten Farben. Reklametafeln und Ampeln, um nur ein paar Dinge zu erwähnen, erregten seine Aufmerksamkeit. Er musste aber auch feststellen, dass die Welt lauter geworden ist und dreckiger. Er konnte die Abgase der Fahrzeuge riechen und das Brummen der Motoren klang fremdartig und ungewohnt in seinen Ohren. "Oh! Was ist das? Und das?" fragte er Maralda unentwegt, wobei ihr auffallen musste, dass niemand anderes den Dämon sehen oder hören konnte, da sich niemand zu ihnen umdrehte, wie seine Fragen stellte. Sie waren bald bei der U-Bahn angekommen, als plötzlich ein roter, dicker Kater vor der Junghexe auftauchte und ihr um die Beine ging. "So einen wie dich, nur viel gruseliger und auch gefährlicher, habe ich beim Schrottplatz der gesehen. Okay, ich habe das Vieh selber nicht gesehen, aber meine Katzenfreunde, die dort jagen, haben von einer komischen Gestalt berichtet. Sie spüren, dass es etwas unheimliches ist und meiden jetzt den Schrottplatz." erzählte der der Kater, wobei Maralda nur ein leises Miauen hören konnte. Seine Information an Ori gegeben, sprang der Rote auch schon wieder davon und suchte sich sein Fresschen. Das war natürlich eine wichtige Information, doch erst sollten sie sich um das Buch kümmern, worauf der Dämon beschloss, Maralda erst später vom Schrottplatz zu erzählen. Was hinzu kam, war, dass sich die Laune von Ostiarius hob. Anscheinend hatte der Kater ihn nicht reingelegt und jetzt war die Hoffnung auch groß, dass auch die Elster irgendwann wieder bei ihm auftauchen würde. "Sind wir bald da?" fragte er dann die Junghexe, um von der Begegnung mit dem Kater abzulenken.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Maralda hatte kaum Zeit, ihre Gedanken zu ordnen, da erklärte Ostiarius ihr bereits mit ruhiger Selbstverständlichkeit die Regeln ihres neuen… Arrangements. Sie hörte aufmerksam zu, auch wenn sich bei jedem seiner Worte ein leises Ziehen in ihrer Brust bemerkbar machte. Dass er nicht aus freiem Willen bei ihr blieb, sondern durch den Bund dazu gezwungen war, ließ die Situation schwerer wirken, verbindlicher. Unausweichlich.
      Sie nickte langsam. "Ich verstehe..." sagte sie schließlich leise. Zumindest glaubte sie das. Ein Teil von ihr fragte sich, wie viel Verantwortung sie damit wirklich trug – und wie wenig Spielraum sie beide eigentlich hatten.
      Als sie die U-Bahn erwähnte und er das Wort wiederholte, mit dieser unverhohlenen Skepsis, musste sie sich ein Seufzen verkneifen. "Ja. U-Bahn." bestätigte sie ruhig. "Ein Transportmittel wie eine sehr lange Kutsche. Unterirdisch, schnell und unauffällig."
      Dass er schmollte, entging ihr nicht. Es war beinahe… menschlich und dabei fast schon wieder wie ein süßes kleines Kind. In dieser Mischung war der Umstand wirklich irritierend.
      Die Diskussion nach seiner erneuten Verwandlung hingegen brachte sie endgültig an ihre Grenzen. Mara verschränkte kurz die Arme, musterte ihn streng und schüttelte dann entschieden den Kopf. "Nein. Wirklich nicht. Egal was sie sich von diesen Fremden Erscheinungen anderer Menschen erhoffen. So gehen wir ganz sicher nicht raus." Sie stellte sich bereits die Blicke, die Fotos, die Fragen vor und schob das Bild hastig beiseite. Ehrlich gesagt hatte sich Maralda noch nicht ganz von den Schock erholt als Alexander aus den Spanienurlaub plötzlich in ihrer Küche stand. "Wir wollen nicht auffallen. Und Sie… fallen auf. Das hält uns nur auf." Unsichtbar hingegen klang wirklich gut, wenn er denn schon mit kommen müsste. Irgendwelche Zugeständnisse musste sie ja machen. "In Ordnung." Erlaubte der Rotschopf seufzend. Als sie sich umdrehte, kramte einer ihrer Hände bereits wohlwissend in ihrer Tasche nach ihre Kopfhörern. Wenn sie die trug würde sich niemand wundern wenn scheinbar mit sich selbst sprach. Er folgte ihr schließlich, dicht an ihrer Seite. Fast zu dicht. Wie ein Schatten, der sich an sie heftete. Mara spürte seine Präsenz deutlich, auch wenn niemand sonst sie wahrzunehmen schien. Und genau das ließ sie unruhig werden.
      Draußen schlug ihr die Stadt entgegen. Lärm. Gerüche. Bewegung. Sie bemerkte, wie Ostiarius Blick rastlos über alles glitt. Autos, Motorräder, Fahrräder, Lichter, Reklamen. Seine leisen, staunenden Fragen begleiteten sie auf Schritt und Tritt, und erst da wurde ihr bewusst, dass sich niemand zu ihnen umdrehte. Niemand reagierte. Niemand hörte ihn. Sie waren wirklich allein inmitten der Menge. Irgendetwas sagte ihr, das es besser so war und das diese fast schon verdächtige Ruhe der Atmosphäre trügerisch war. Normalerweise pulsierte die Stadt und deren Umgebung vor magischer Energie doch heute.... war sie wie eingefroren.
      Kurz bevor sie den Eingang zur U-Bahn erreichten, blieb Mara abrupt stehen. Ein roter, dicker Kater war vor ihr aufgetaucht und strich ihr um die Beine. Sie senkte automatisch den Blick, lächelte schwach und hörte nichts als ein gewöhnliches, leises Miauen.
      Doch etwas an der Situation ließ sie frösteln. Sie richtete sich langsam wieder auf, ihre Aufmerksamkeit scharf. Ostiarius Haltung hatte sich verändert. Sie konnte es nicht genau benennen, aber sie spürte es. Wachsamkeit. Konzentration. Der Kater verschwand so plötzlich, wie er gekommen war ehe sie ihren Gedanken zu Ende denken konnte. Die junge Hexe runzelte leicht die Stirn. "Alles in Ordnung?" fragte sie leise, ohne stehenzubleiben. Sie hatte nur ein Miauen gehört und doch blieb ein ungutes Gefühl zurück, als hätte sie etwas Wichtiges verpasst. Als er schließlich fragte, ob sie bald da seien, nickte sie. "Es ist nicht mehr all zu weit." antwortete sie ruhig. Ihr Blick ging bereits zum U-Bahn-Schild. "Erst Rachel. Dann das Buch. Alles andere… danach." Sie ahnte nicht, dass ihr gerade Informationen vorenthalten wurden. Doch sie spürte, dass dieser Tag mehr bereithielt, als ihr lieb war und dass die Stadt unter ihren Füßen längst nicht so ruhig war, wie sie wirkte.
      Der Abgang zur U-Bahn verschluckte die Beiden förmlich mit Haut und Haaren. Mit jedem Schritt nach unten wich das Tageslicht dem kalten, künstlichen Leuchten der Lampen. Mara spürte, wie sich die Geräuschkulisse veränderte das gedämpfte Dröhnen der Stadt wich einem hohlen Echo aus Stimmen, Schritten und dem fernen Rattern einfahrender Züge.
      Sie kaufte ein Ticket, bewegte sich routiniert durch die Schranken und hinunter auf den Bahnsteig. Ihrer neunen Begleiter spürte die Jungehexe wie einen Druck im Nacken, auch wenn niemand sonst ihn wahrzunehmen schien. Immer wieder glitt ihr Blick seitlich zu ihm, reflexhaft, um sicherzugehen, dass er noch da war oder gerade etwas anderes aus seiner persönlichen Trickkiste.
      Der Bahnsteig war belebt. Studenten mit Kopfhörern, eine ältere Frau mit Einkaufstaschen, zwei Kinder, die sich stritten und eine aufgeregte Mutter die dazwischen platzte. Für Mara war es ein vertrautes Bild. Für ihn offenbar nicht. Seine Aufmerksamkeit hing an allem gleichzeitig: an der gelben Sicherheitslinie, den Schienen, den Anzeigen über ihnen, dem Fahrtwind eines vorbeirasenden Zuges auf der anderen Seite. Sie konnte seine Neugier beinahe körperlich spüren.
      Als die U-Bahn einfuhr, kündigte sie sich mit einem lauten Kreischen an. Metall auf Metall, Funken, Wind. Mara zuckte kaum noch zusammen. "Alles gut. Die ist… normal, Das ganze hier ist eine U-Bahn."
      Die Türen öffneten sich, Menschen strömten heraus und hinein. Sie ließ sich mitziehen, fand einen Platz nahe der Tür und hielt sich an einer Stange fest. Die U-Bahn setzte sich ruckelnd in Bewegung, das rhythmische Rattern begleitete jede Sekunde der Fahrt.
      Der Wagen roch nach Metall, Parfum, kaltem Kaffee und etwas Unbestimmtem, das sich nur in öffentlichen Verkehrsmitteln fand. Mara starrte einen Moment auf ihr Spiegelbild im dunklen Fenster. Die junge Frau dort sah deutlich müder aus, als sie sich fühlte.
      Station um Station glitt vorbei. Namen flackerten auf den Anzeigen, verschwanden wieder. Sie zählte innerlich mit, um sich zu beruhigen. Ihre Finger umklammerten die Haltestange fester, als der Zug in eine Kurve ging. Immer wieder fragte sie sich, wie Ostiarius diese Enge empfand. So viele Menschen. So wenig Raum. So viel Kontrolle von außen.
      Endlich kündigte die Durchsage ihre Station an.
      Sie stieg aus, ließ sich erneut vom Strom der Menschen mittragen. Die Luft hier unten war stickiger, schwerer. Der Aufgang nach oben fühlte sich an wie ein Auftauchen. Mit jedem Schritt Richtung Tageslicht fiel die Anspannung ein kleines Stück von ihr ab.
      Draußen empfing sie ein grauer Vormittag. Der Osten der Stadt wirkte rauer und kantiger als ihr Viertel. Mehr Beton, weniger Grün. Graffitis an den Wänden, abgeplatzte Farbe, alte Laternen. Das Wohnheim lag ein paar Straßen weiter.
      Der Weg führte sie an einem Kiosk vorbei, an parkenden Fahrrädern, an einer Gruppe Studierender, die rauchend vor einem Hauseingang standen. Niemand schenkte ihr besondere Beachtung. Niemand ahnte, dass direkt neben ihr ein Dämon ging.
      Je näher sie dem Wohnheim kamen, desto langsamer wurden Maras Schritte. Das Gebäude ragte grau und funktional vor ihr auf, Fenster an Fenster, anonym und doch voller Leben. Sie kannte diesen Anblick, sie war öfters hier gewesen. Vor zwei Jahren hatte sie sogar hier ein Zimmer gehabt. Und doch fühlte er sich heute anders an.
      Mara blieb kurz stehen, atmete tief durch und hob den Blick zur Fassade. "Da sind wir." sagte sie leise. Ihr Herz schlug schneller. Sie hoffte noch immer, dass sie sich irrte. Dass sie gleich lachen würden über ihre Sorgen. Doch tief in ihrem Inneren wusste die junge Hexe, dass sie die U-Bahn nicht nur durch die Stadt getragen hatte sondern ein Stück weiter hinein in etwas, das sie nicht mehr ignorieren konnte.
    • Könnte man Ostiarius sehen, würde es so wirken, als hätte Maralda einen lebensechten Luftballon bei sich, der nicht von ihrer Seite weicht. Wo er den Menschen noch leicht ausweichen konnte, nutzte er auch seine Füße, doch als es dann unter die Erde ging, wurden es immer mehr Menschen, und so beschloss er, einfach über ihnen allen zu gleiten. Er ist zwar unsichtbar, aber man konnte dennoch mit ihm zusammenstoßen, und das hätte unwillkürlich Aufmerksamkeit erregt, die sie ja aber nicht haben wollten. Am Bahnsteig wartend konnte sich der Dämon erneut nicht sattsehen, wobei er darauf achten musste, nicht gegen ein Schild zu stoßen. Als dann diese ominöse U-Bahn vorfuhr, musste sich Ori mit beiden Händen doch die Ohren zuhalten. Dieses Quietschen war ja nicht auszuhalten! Mit Erstaunen sah er zu, wie eine Horde Menschen aus dem Metallgetüm herausströmte und dann wieder andere hineingingen. Dazu gehörte auch seine Herrin, also hieß es für ihn, ihr ins Innere zu folgen. Hätte Ori den Ausdruck "Wie in einer Sardinendose" gekannt, hätte er seine momentane Situation so beschrieben. Die Menschen standen sehr dicht beieinander, und Maralda konnte sehen, dass sich der Dämon einfach in die Gepäckablage gelegt hatte und von oben herunter das Geschehen beobachtete. "Und wie Vieh zusammengepfercht zu werden, bevorzugt ihr wirklich lieber, als auf einem stattlichen Drachen durch die Gegend zu fliegen?" vergewisserte er sich bei seiner Herrin erneut. Aber was weiß er schon, vielleicht lieben es die Menschen, so beieinander zu sein, sind sie ja zuvor immer sehr sozial gewesen und rotteten sich zu Gruppen zusammen.
      Sie waren einige Zeit unterwegs, ehe die junge Hexe das Metallungetüm wieder verließ und Ostiarius doch erleichtert ihr hinterherflog. Er ist zwar nicht klaustrophobisch, doch auf Dauer hielt auch er es nicht in so einem egnen Raum aus. Wieder in Freiheit und auch an der Erdoberfläche, streckte der Weißhaarige ausgiebig seine Glieder und lief sogar wieder neben seiner Heerin neben her. Jetzt war ja wieder Platz da. Dennoch fühlte sich Ori in diesem Ortsteil etwas mehr eingeengt. Ihm fehlte die Natur, Bäume, Gras, ja selbst der Himmel wirkte weiter weg als sonst. Dennoch sagte er nichts dazu und lief Maralda hinterher, als sie ein großes Gebäude betrat.
      "Da sind wir." hörte der Dämon die Rothaarige sagen, doch schien dieser für einen Augenblick weit weg zu sein. Etwas beunruhigte Ori. Er konnte die Anwesenheit eines Dämons spüren. "Wür müssen da rein. Sofort." kam es ruhig, aber bestimmt und mit Ernsthaftigkeit in seiner Stimme, die Maralda so noch nicht bei ihm gehört hatte. Er verlor auch gar keine Zeit und legte seine Hand auf die Türe. Da er ja weiterhin unauffällig sein sollte, wirkte der Weißhaarige einen Zauber, und einen Moment später konnte die Junghexe das Schloss hören, das mit einem Klick entriegelt wurde. Ohne zu zögern trat er ein und entdeckte den Ursprung, weswegen er so alarmiert war. Eine junge Frau mit pinkfarbigem Haar, wahrscheinlich die Freundin von Maralda, saß wie abwesend auf einem Sessel. Rachel sah schrecklich aus. Sie hat ja von sich aus doch sehr helle Haut, doch jetzt glich die Studentin einer wandelnden Leiche. Sie war bleich, als hätte das Leben sie verlassen, abgemagert, mit tiefen, dunklen Augenringen. Rachel starrte nur vor sich hin, mit einem leeren Blick, und um ihren Hals, wie ein grotesker Schal, saß ein Dämon, der Ori und seine Herrin mit seinem roten, großen Glupschauge anstarrte.
      Sie kamen gerade noch rechtzeitig, denn noch lebte die junge Frau. Noch hatte der Dämon nicht den letzten Funken Lebenswillen aus ihr gesaugt. Ostiarius tauchte im nächsten Augenblick bei dem Dämon auf, der ihn sofort mit seinen dicken Tentakelarmen angriff. Mit Absicht ließ der Weißhaarige es zu, dass sich die vielen Arme um seinen Körper schlangen, bis der Dämon ganz von Rachel abließ. Auf diesen Moment hatte Ori gewartet, und plötzlich jagten viele kleine blaue Blitze aus ihm heraus und drangen in den fremden Dämon ein, der darauf aufzuckte und versuchte, von ihm wegzukommen. "Hier geblieben!" fauchte der Weißhaarige gefährlich, und seine Hand legte sich mit einem eisernen Griff um den Kopf des Glupschauges, sodass an ein Entkommen nicht zu denken war. Das Wesen fiebte und fauchte, doch Odtiarius ließ nicht locker und immer mehr Blitze jagten in den Körper. "Gibr her, was du genommen hast!" befahl er dem parasitären Dämon, und bald darauf konnte man erkennen, dass dieser so etwas Ähnliches wie Dampf aus dem Körper der Gestalt freisetzte. Diese hellen Schwaden, welche die gestohlene Lebensenergie von Rachel waren, suchten sofort ihren rechtmäßigen Besitzer und strömten ohne Umwege in die junge Frau zurück. Man konnte förmlich zuschauen, wie Rachel sich körperlich veränderte und bald wieder so aussah wie immer. Im Gegensatz dazu, schrumpfte der Tentakeldämon zusammen und wurde immer kleiner und kleiner, als würde man aus einem Ballon die Luft herauslassen. Kaum größer als ein handelsüblicher Teddybär, zappelte er noch immer herum, während Ostiarius ihn einfach nicht gehen ließ. "Du bist zu gefährlich, als dass ich dich gehen lasse." sprach der Weißhaarige den Dämon kalt an, und ein finaler Blitzschläg, löste das Wesen in Staub auf, der dann gänzlich verschwand.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Sie wollte gerade nach dem Türgriff greifen, als sich etwas veränderte. Die Luft spannte sich. Ihr lief ein kalter Schauer über den Rücken. Ostiarius’ sonst verspielte, neugierige Präsenz wurde plötzlich scharf und fokussiert. Seine Stimme, als er sprach, war ruhig, viel zu ruhig. Dazu noch dieser viel zu ernste Unterton der in jeder Silbe mitschwang. Es war beinah so erdrückend, dass Maralda unwillkürlich erstarrte. "Wir müssen da rein. Sofort." Ihr Herz schlug schneller. Sie nickte, ohne nachzufragen.
      Noch bevor sie reagieren konnte, hörte sie das leise Klicken eines Schlosses. Die Tür öffnete sich. Drinnen schlug ihr stickige, abgestandene Luft entgegen. Der Flur war still. Zu still. Sie folgte den Keeper, ihre Schritte waren jedoch viel zu vorsichtig, ihr Blick suchte nach allen Anomalien. Dann sah sie Rachel. Die junge Frau saß reglos in einem Sessel. Für einen Moment erkannte die junge Frau sie kaum wieder. Ihre Freundin wirkte ausgezehrt, unnatürlich blass, als hätte man ihr alles Lebendige entzogen. Ihre Augen starrten ins Leere. Mara stockte der Atem. Und dann sah sie es. Um Rachels Hals lag etwas, das dort nicht sein durfte. Ein Wesen, grotesk und fremd, mit einem einzelnen, großen roten Auge, das sie anstarrte. Panik machte sich in der Nachwuchshexe auf, lähmend und heiß zugleich. Sie wollte einen Schritt vor, wollte etwas sagen, irgendetwas tun – doch Ostiarius war schneller. Der Rotschopf konnte kaum folgen. Sie sah nur Bewegung, spürte Magie, rohe und uralte Energie. Der Dämon löste sich von Rachel, wand sich um Ori, Tentakel schlangen sich um ihn. Sie hielt den Atem an. Dann durchzuckten blaue Blitze den Raum. Die Luft knisterte, ihre Haut prickelte. Die Rothaarige sah, wie etwas Helles, Nebelhaftes aus dem fremden Dämon strömte und zu Rachel zurückfand. Es war, als würde man einem verdorrten Körper langsam wieder Leben einhauchen. Farbe kehrte in Rachels Gesicht zurück, ihre Schultern hoben und senkten sich gleichmäßiger. Mara spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen aus Erleichterung, aus Angst, aus purer Überforderung. Der andere Dämon schrumpfte. Wurde kleiner. Schwächer. Ori hielt ihn fest, dabei war er so kalt und unerbittlich das es ihr Schauer über den Rücken laufe ließ. Seine Kälte ließ keinen Zweifel daran, dass es kein Entkommen gab. Ein letzter Blitz. Dann war es vorbei. Stille senkte sich über den Raum. Mara stand da, die Hände zu Fäusten geballt, das Herz hämmernd. Sie sah Rachel an ... lebendig. Sie schluckte hart. Erst jetzt begriff die junge Hexe wirklich, wie knapp es gewesen war. Und wie gefährlich das Buch, der Bund, all das war, was sie so leichtfertig in ihr Leben gelassen hatte. Langsam atmete sie aus. Maralda brauchte einen Moment, um sich wieder zu bewegen.
      Die Stille nach dem Kampf war fast lauter als alles zuvor. Kein Knistern mehr in der Luft, kein Druck auf der Brust nur ihr eigener Atem, der noch viel zu schnell ging. Die junge Frau zwang sich, nicht wegzusehen, sondern bei Rachel zu bleiben. Ihre Freundin saß noch immer im Sessel, doch sie wirkte… anwesend. Das allein ließ Maras Knie weich werden.
      Langsam trat sie näher, vorsichtig, als könnte sie den Moment zerbrechen. Sie kniete sich vor Rachel und legte ihr zögernd zwei Finger an den Hals. Ein Puls. Schwach, aber da. Erleichterung rauschte heiß durch sie hindurch, so heftig, dass ihr kurz schwindelig wurde. "Rachel?" Ihre Stimme war leiser als beabsichtigt. Wohl eher etwas unsicher.
      Die Studentin reagierte nicht sofort, doch ihre Augen bewegten sich. Ein Blinzeln. Ein kaum wahrnehmbares Zusammenziehen der Stirn. Für Mara war es genug. Sie schluckte und wischte sich hastig über die Augen, ärgerlich über die Tränen, die sie mal wieder nicht zurück halten konnte.
      Erst jetzt nahm sie wahr, wie angespannt ihr eigener Körper war. Jeder Muskel schmerzte, als hätte sie selbst gekämpft. Sie setzte sich auf den Boden, lehnte sich mit dem Rücken an den Sessel und atmete tief durch. Neben ihr spürte sie Ostiarius Präsenz. Ruhiger als zu vor, aber wachsam. Die Nachwuchshexe hob den Blick zu ihm. "Danke." sagte sie leise, aber nicht weniger ernsthaft. Kein Scherz, kein Zögern. Nur Dankbarkeit. Sie wusste, dass Worte nicht reichten, doch es war alles, was sie im Moment hatte.
      Ihr Blick glitt durch den Raum. Das Buch war nicht sofort zu sehen, doch sie spürte es. Wie einen Splitter unter der Haut. Irgendwo hier. Wartend. Ihre Hand ballte sich unwillkürlich. Dieses Ding hatte Rachel fast das Leben gekostet. Fast! Das durfte nicht noch einmal passieren, mit niemanden.
      Mara stand auf, zwang ihre Beine zur Ruhe, und begann den Raum systematisch abzusuchen. Sie öffnete Schubladen, sah unter den Tisch, auf Regale. Als sie das Buch schließlich entdeckte ... aufgeschlagen, die Seiten leicht gewellt, als hätten sie Hitze gespürt, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Sie berührte es nicht sofort. Erinnerte sich an letzte Nacht. An das Flüstern. An das Gefühl von Trost, das keines hätte sein dürfen. "Das kommt weg." sagte sie bestimmt, mehr zu sich selbst als zu ihren Begleiter. "Und zwar so, dass es niemandem mehr schadet." Sie schlug das Buch zu, wickelte es in ein Tuch vom Tisch und hielt es auf Abstand, als könnte es beißen. In ihrem Kopf ratterten Gedanken. Bannkreise. Aufbewahrung. Vielleicht jemand, der mehr wusste als sie. Jemand Älteres. Erfahreneres.
      Ein leises Geräusch ließ sie herumfahren. Rachel bewegte sich wieder. Diesmal deutlicher. Mara war sofort bei ihr, legte ihr eine Hand auf die Schulter.
      "Hey. Du bist okay." sagte sie sanft, auch wenn sie wusste, dass das nur halb stimmte. "Du hattest einen Schwächeanfall. Ruh dich aus. Wir kümmern uns um den Rest."
      Sie wusste, dass Fragen kommen würden. Später. Erklärungen. Vielleicht Wut. Schuld. Aber nicht jetzt.
    • Ostiatius machte sich keine Gedanken darum, ob sein Handeln seine Herrin erschrecken könnte, oder sie gar vor ihm Angst bekam. Er tat einfach das, wofür ein Keeper da ist: böse Dämonen unschädlich machen. Den Dank hörte er aber dennoch gerne. Das war mal etwas anderes, als immer zu hören zu bekommen, was er nicht tun durfte.
      Ostarius sah dann Maralda dabei zu, wie sie das gesuchte Buch in ein Tuch wickelte. Es juckte ihn schon in den Händen, einen Blick hineinzuwerfen, doch eigentlich ist das den Dämonen nicht erlaubt und solche Zauberbücher haben auch sehr oft einen Schutzbann, sodass ein Dämon erst gar nicht dazu kam.
      Ein leises Stöhnen erregte die Aufmerksamkeit des Weißhaarigen. Schien sich die Freundin seiner Herrin wohl wieder zu erholen. "Ganz schön zäh." dachte er sich dabei. Steckte ein Mensch das nicht so schnell weg, wenn ein Dämon seine Lebenskraft fast gänzlich ausgesaugt hatte.

      Rachel brummte der Kopf, als sie allmählich zu sich kam. Sie fühlte sich so, als wäre sie aus einem viel zu langen Albtraum erwacht. Da ist doch etwas gewesen, oder nicht? Irgendein Ding, das schwer auf ihren Schultern lag. So als wollte sich Rachel davon überzeugen, tastete sie nach ihrer Schulter, doch war nichts. Die Pinkhaarige rieb sich wie verschlafen die Augen, als sie dann angesprochen wurde. "Mara?" ertönte ihre Stimme, die wie trockenes Espenlaub klang, so als hätte sie seit Ewigkeiten nichts mehr getrunken. Aber seid wann ist denn ihre Freundin hier? Sie konnte sich nicht daran erinnern, sie hereingelassen zu haben. An sich konnte sie sich kaum an etwas erinnern, was in den letzten Stunden vorgefallen war. Sie hatten das Ritual vollführt. Doch ab da an, verblassten Rachels Erinnerungen.
      "Schwächeanfall." wiederholte die Studentin leise, wobei sie an dieser Aussage doch etwas zweifelte. "Wir?" fragte sie Maralda dann verwirrt. Hier ist doch niemand außer ihnen. Oder etwa doch? Suchend sah sich Rachel um und dann sah sie ihn. Ein hochgewachsener Mann, mit weißem Haar und fast leuchtend goldgelben Augen. Sie konnte ihn eindeutig sehen, doch wirkte es, als betrachtete sie diese Person durch einen Schleier hindurch, oder durch ein ganz milchiges Glas. Rachles Kopf wanderte wieder zu Maralada. Vielleicht hatte sie ja etwas an den Augen. Doch die Rothaarige war scharf, also sie konnte sie optimal erkennen. Dann blickte Rachel wieder zu dem Fremden, doch dieser wirkte immer noch wie ein Geist.
      "Bitte sag mir, dass da noch ein Kerl mit dir mitgekommen ist. Wenn nicht, muss ich wohl ganz schnell ins Krankenhaus." wandte sich die Pinkhaarige an ihre Freundin. Da stimmte doch etwas mit ihren Augen nicht.

      Ostiarius bekam ganz große Augen, als er bemerkte, wie diese junge Frau ihn mehrmals direkt ansah. Nicht an ihm vorbei, oder durch ihn hindurch. Nein, die Augen der Pinkhaarigen versuchren ihn zu fokussieren. "Faszinierend. Eine Sehende." gab er aufgeregt von sich, als er dann Rachels Worte vernahm.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Mara spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog, noch bevor Rachel den Blick hob.
      Zuerst war da nur Erleichterung gewesen, dass ihre Freundin wieder bei Bewusstsein war. Doch kaum hatte Rachel ihren Namen gehaucht, veränderte sich etwas. Die Nachwuchshexe bemerkte es an der Art, wie ihr Blick nicht an ihr hängen blieb, sondern weiterwanderte. Suchend. Tastend. Doch nicht etwa nach diesen verflixten Buch? Und dann blieb er stehen. Nicht an einer Wand. Nicht im Leeren. ...An Ostiarius. Mara hielt unwillkürlich den Atem an. Für einen flüchtigen Moment hoffte sie noch, es sei purer Zufall. . Ein Rest Halluzination. Nachwirkungen des Dämons. Doch als Rachel den Kopf leicht schieflegte und wieder hinsah, wusste Mara es besser. Nichts in ihren Leben war seit gestern eine Art von Zufall. Verdammt!
      Sie richtete sich ein wenig auf, stellte sich unbewusst näher an Rachel, als könne sie sie abschirmen. Die junge Dame zwang ihre Stimme zur Ruhe, obwohl ihr Herz ihr einmal mehr bis zum Hals schlug. "Du bist nicht verrückt." sagte sie ruhig, bestimmt. "Und du musst nicht ins Krankenhaus." Rachel klang verwirrt und erschöpft doch nicht panisch. Das machte es komplizierter. Wohlmöglich würde sie sich, sobald sie ihre Energie wieder fand, in irgendwelche gefährlichen Ritualen verlieren. Mara folgte ihrem Blick kurz, sah Ostiarius der offensichtlich genauso überrascht war von ihrer Freundin wahrgenommen zu werden. "Du hast… etwas gesehen, das du eigentlich nicht sehen solltest..." fuhr sie fort und legte Rachel eine Hand auf den Unterarm. Fest. Erdend. "Das liegt daran, was dieses Ding mit dir gemacht hat. Nicht, weil du dir etwas einbildest." Sie zögerte einen Sekundenspruchteil lang. Wieder begann sie abzuwägen. Abstreiten oder erklären. Doch da sie bereits begonnen hatte entschied sich die Rothaarige sich für Letzteres. "Er ist real." sagte sie schließlich leise. "Aber... seit gestern gehört er irgendwie zu mir. Und er ist der Grund, warum du noch lebst." Es war merkwürdig darüber zu reden, ja sich all das gerade einmal ein zugestehen. gereade einer Person gegenüber die nicht der Dämonenjäger Alexander Lane war.
      "Das Buch der schwarzen Dämmerung was wir gefunden haben, war kein Scherz und auch kein Spielzeug." fuhr die junge Hexe fort, ruhiger jetzt. "Etwas daraus hat sich an dich gehängt. Aber Ostiarius hat es entfernt." Während sie von ihren Haustier-Dämon sprach spürte sie seine Präsenz deutlicher denn je, spürte seine… Neugier. Seine Faszination. Das gefiel ihr nicht. Nicht jetzt. Nicht hier. Unauffällig hob sie die Hand ein Stück und machte eine kleine, kaum sichtbare Bewegung eine stumme Mahnung.
      Später. Rachel oder irgendjemand ihrer Freunde wollte sie eigentlich so gut es ging aus allen heraus halten. Das was hier vor sich ging war echt und es war, das wurde ihr gerade um so bewusster, es war verdammt ernst.
      Mara wandte sich wieder Rachel zu. "Du brauchst Wasser. Ruhe. Und du wirst dich die nächsten Tage fühlen, als hättest du eine Grippe plus Jetlag." Ein schwaches, schiefes Lächeln huschte über ihr Gesicht. "Das ist normal. So normal es eben sein kann." In ihrem Inneren ratterten bereits die nächsten Schritte. Vielleicht würde Rachel das Sehen wieder verlieren. Vielleicht auch nicht. Der Gedanke ließ die junge Hexe unruhig werden. "Eins nach dem anderen." sagte sie sanfter, mehr zu sich selbst als zu ihrer Freundin. "Ich erkläre dir alles. Aber nicht heute." Draußen rauschte die Stadt weiter, gleichgültig wie zuvor. Doch für Mara hatte sich etwas unwiderruflich verschoben. Rachel hatte ihn gesehen. Und nichts daran war zufällig.
    • "Nicht verrückt. Nicht ins Krankenhaus." Das klang zunächst doch beruhigend für Rachel, doch gleichzeitig warf es noch viel mehr Fragen auf. Wer ist dieser Mann? Und weshalb ist er bei Maralda? Ist sie vielleicht in Gefahr?
      Die Gedanken im Kopf der Studentin drehten sich, was ihr nur noch mehr Kopfschmerzen bereitete.
      "Was ich nicht sehen sollte?" wiederholte Rachel verwirrt. Das ergab alles langsam keinen Sinn mehr. Oder doch?
      Je mehr Rachel ihrer Freundin zuhörte, desto mehr fügten sich die losen Puzzleteile in ihrem Kopf allmählich zusammen. Es erklärte nicht nur diese absurde Situation, sondern so viele andere, die Rachel schon mal erlebt hatte.
      Als Maralda ihr offenbarte, dass der weißhaarige Fremde sie gerettet hatte, sah sie wieder zu ihm hin, und immer noch wirkte er wie unscharf oder verschwommen. "Danke, Ostiarius." richtete sie ihr Wort aufrichtig an diesen. Seinen Namen auszusprechen, machte alles nur noch realer.
      "Grippe plus Jetlag. Das hört sich grauenvoll an." grinste die Pinkhaarige ihre Freundin mit einem schiefen, doch erschöpften Lächeln an. Rachel wollte aber nicht, dass Mara sich zu sehr um sie sorgte. Doch schien sie nicht mehr erzählen zu wollen.
      "Okay. Dann erklärst du mir das ein anderes Mal." stimmte sie zu, sah dabei Maralda ernst in die Augen, dass sie diesem Versprechen nicht entkommen konnte.
      "Aber was ist mit dir?" erkundigte sich Rachel, denn Mara sah nicht sehr viel besser als sie selbst aus. Sie blickte erneut zu Ostiarius, rieb sich dabei wieder die Augen. "Wer oder was ist er?" fragte sie ihre Freundin dann leise.
      "Flüstern bringt nichts. Mein Gehör ist da doch zu gut." ertönte da die Stimme des Weißhaarigen, der nun näher herantrat. Ori löste dann auch den Zauber, der ihn vor dem menschlichen Auge verbarg.
      "O.M.G. Jetzt kann ich dich richtig sehen!" platzte es aus Rachel heraus, als dieser komische Schleier plötzlich verschwand, der Ostiarius umgeben hatte. "Wie … wie hast du das gemacht?" wollte sie direkt von ihm wissen. Zwar fühlte sich die Pinkhaarige erschöpft, doch das alles war so verrückt und cool, dass es ihr einen kleinen Adrenalinkick gab.
      "Ich muss schon sagen, du scheinst aus einer Blutlinie von starken Sehenden entstammen. Nur wenige können selbst Magie durchschauen, auch wenn sie schwach ist." erwiderte der Dämon und trat noch näher an Rachel heran. Wie so oft zu nahe, dass sie quasi riechen konnte, wie er roch, wobei das jetzt nicht unangenehm war. Rachel hatte sich vorgestellt, dass Dämonen, das spekulierte sie gerade, was Ostiarius ist, nach Schwefel und Verbranntem rochen. Doch er roch ganz anders. Eher nach Regen und Blitzen, wenn man das überhaupt riechen kann.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Mara spürte, wie sich etwas Unruhiges in ihr regte, noch bevor Ostiarius den Verschleierungszauber löste.
      Zuerst war es nur ein Ziehen im Bauch gewesen, ein instinktives Warnsignal, das sie nicht sofort einordnen konnte. Dann hörte sie seine Stimme näher als zuvor, klarer, selbstbewusst. Zu klar. Die junge Hexe fuhr unwillkürlich herum, ihr Blick schoss zu ihm, gerade in dem Moment, als der Schleier fiel.
      Es war, als würde sich die Luft verändern.
      Nicht sichtbar, nicht greifbar aber spürbar. So, als hätte jemand einen Vorhang zurückgezogen, von dem Mara selbst kaum bemerkt hatte, dass er existierte. Mara stockte der Atem. Ihr Herz machte einen unregelmäßigen Satz, irgendwo zwischen Ärger, Überraschung und einem leisen Anflug von Panik. "Moment Ori-" setzte sie an, brach jedoch ab, als Rachel beinahe ehrfürchtig auflachte. Die Worte trafen Mara härter, als sie erwartet hätte. Sie sah, wie Rachel ihn musterte nicht ängstlich, nicht abgestoßen. Sondern fasziniert. Neugierig. Wach. Und genau das war das Problem. Die Nachwuchshexe kannte diesen Blick. Sie hatte ihn selbst schon getragen. Damals, bevor ihre Großmutter ihr beigebracht hatte, wann Neugier gefährlich wurde.
      Maralda trat einen halben Schritt vor, stellte sich unbewusst zwischen Rachel und den Dämon, ohne ihn ganz zu verdecken. Es war eine reflexhafte Geste und eine Art der... Schadenbegrenzung. "Das reicht. Stopp!" sagte sie ruhig, aber mit einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. Ihr Blick fixierte ihren Dämon auf eine Art und Weise mit welchen sie ihn vorher niemals bedacht hatte. Anschließend seufzte sie leise. "Sie sollten… etwas Abstand halten." sehr Noch hatten sie wohl nicht über die unausgesproche Regel des Abstandes gesprochen. "Menschen kommen sich nur selten nah. Gerade wenn sie nicht miteinander vertraut sind. Die Faustregel ist eine Armlänge, das ist genug." Rachel schien sich zwar nicht all zu sehr daran zu stören doch irgendwann musste dieser Dämon es einfach einmal lernen. Dass sie Ostiarius sehen konnte, war kein gutes Zeichen. Kein schlechtes im klassischen Sinn. Aber ein bedeutsames. Zu bedeutsam.
      Mara wandte sich wieder ihrer Freundin zu. "Er hat recht." sagte sie schließlich, auch wenn es ihr widerstrebte. "Nicht jeder kann Magie sehen. Und noch weniger können sie durchschauen. Oder gar anwenden." Die Rothaarige zögerte einen Moment lang. "Das… hat vermutlich etwas in dir geweckt." Sie ließ offen, was genau. Immerhin war die junge Hexe sich selbst nicht sicher. "Du solltest dich wirklich lieber hinlegen," sagte sie sanft, aber bestimmt zu Rachel. "Trinken. Schlafen. Und heute keine weiteren Offenbarungen mehr, bitte." Ein schiefes, müdes Lächeln huschte über ihr Gesicht. "Ich glaube, das war wirklich genug Input für einen Tag."
      In ihrem Inneren arbeitete es fieberhaft weiter. Sehende. Blutlinie. Schutzmechanismen. Das Buch. Und Ostiarius, der offenbar vergessen hatte ...oder ignorierte, dass Menschen keine Spielzeuge waren. Auch keine spannenden Ausnahmen. Mara atmete tief durch, sammelte sich, dann sah sie wieder zu dem Weißhaarigen auf. Ihr Blick war ruhig, aber fest. Als könne sie ihn lesen oder erahnen was nun zu tun war. Das Buch wollte sie hier auf jeden Fall nicht wieder auspacken.
      Dann wandte sie sich erneut Rachel zu, legte ihr behutsam eine Hand auf die Schulter. Die Berührung war vorsichtig, beinahe zögerlich, als hätte Mara Angst, ihre Freundin könnte zerbrechen. "Danke... mir geht es ganz gut. Ich habe nur verdrängt ...wie vertraut ich mit den Ganzen bin. Jedenfalls bist du bist nicht allein, Rachel." sagte sie leise. "Und du bist nicht kaputt. Aber wir müssen vorsichtig sein. Ab jetzt mehr denn je." Ob Alexanders Vater etwas über dieses Buch wusste? Um das herauszufinden musste sie aber mit ihn sprechen... Wie zur Hölle sollte sie ihn von ihren neuen Anhängsel erzählen?! "Ich glaube wir sollten langsam gehen. Und... ich muss wohl bald einmal Alex zurück rufen. Auch wenn ich noch nicht weiß wie ich ihn das sagen..." Maraldas blaue Augen kreuzten Rachels Blick. "Ähm... jaaa... das ist vielleicht der Zeitpunkt an dem ich dir gestehen kann, das meine Ex-Freund Erbe einer Dämonenjäger Dynastie ist. Das ist ein Grund warum wir nicht...-", Maralda massierte ihre Schläfen mit ihren Zeigefinger, bis sie plötzlich inne hielt und schluckte schwer. "...-nicht mehr- ... uns getrennt haben."