Den Dämon, den ich rief, werde ich nun nicht mehr los! [Nimue & Alea]

    • "Ori?!" war das letzte, was Rachel noch vom Dämonen hören konnte, ehe sie die Türe schloss und dann in ihr Bett fiel. Sie war wirklich sehr müde, aber sie wollte Mara nicht weiter beunruhigen, daher tat sie so, als wäre sie putzmunter. Doch jetzt, kaum dass ihr Kopf ihr Kissen berührt hatte, entschwand die Pinkhaarige auch gleich in den Schlaf, der ruhig, traumlos und erholsam für sie war.
      "Also wikrich! Was erdreistet sie sich?!" schmollte der Dämon noch immer über den Spitznamen und schwebte seiner Herrin hinterher, die wieder zur U-Bahn wollte. "Erreicht man mit dieser U-Bahn auch einen Schrottplatz?" fragte Ostiarius dann die Hexe. "Es gibt dort wohl ein kleines dämonisches Problem." meinte er weiter. "Wir sollten uns dem annehmen. Nicht, dass einen weiteren Menschen das ereilt, was deiner Freundin passiert ist." überlegte der Dämon laut. Ihm ist nicht bewusst, dass Maralda damit vielleicht überfordert sein könnte. Ostiarius ging einfach davon aus, dass die junge Frau den Pflichten einer Hexe nachkommen würde. Sorgen brauchte sie sich keine machen, war er ja an ihrer Seite.
      Als er diese Bombe platzen ließ, waren sie auch schon in der Nähe der U-Bahn. Wie verlangt, konnten die Menschen ihn nicht sehen, denn die wären sicher stehen geblieben, beim Anblick eines weißhaarigen Mannes, der einige Zentimeter über dem Boden schwebte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Kaum war die Tür ins Schloss gefallen und Rachel aus ihrem Blickfeld verschwunden, blieb Maralda einen Moment reglos im Flur des Wohnheims stehen. Die Worte, das Chaos, die Erschöpfung... einfach alles hing ihr wie ein dunkler Schatten. Der Spitzname hallte in ihrem Kopf nach. Ori. ... Das passte schon zu Rachel, frech und unkonventionell. Es war mutig einen Dämon so zu betiteln. Ein leises, empörtes Murmeln hinter ihr bestätigte, dass der Dämon das ganz ähnlich sah. Die junge Hexe unterdrückte ein müdes Seufzen, wandte sich schließlich ab und setzte sich in Bewegung. Schritt für Schritt entfernte sie sich von Rachels Zimmer, zurück in den Flur, zurück in die Realität, die sich mit jeder Minute weniger wie ihre eigene anfühlte. Ostiarius schwebte dicht hinter ihr her und schmollte hörbar darüber, Mara konnte förmlich spüren, wie sehr ihn dieser kleine, scheinbar harmlose Spitzname traf. Für einen Moment zuckte ein kaum sichtbares Lächeln über ihre Lippen. Manchmal hatte er verdammt menschliche Züge an sich. Doch es hielt nicht lange. Die Rothaarige blieb abrupt stehen. Langsam drehte sie sich zu ihm um. Ihre großen blauen Augen weiteten sich schnell, während seine Worte in ihr arbeiteten. Ein dämonisches Problem. Noch eines. So kurz nach… allem. Sie schluckte schwer.
      "Beim... Schrottplatz?" wiederholte die junge Frau leise, als müsse sie das Wort erst begreifen, bevor sie darauf reagieren konnte. Ihr Blick suchte kurz Halt im Boden, dann wieder in seinem Gesicht. "Es gibt… keine direkte Verbindung dorthin," antwortete sie schließlich, bemüht, ihre Stimme ruhig zu halten. "Man müsste... entweder mit der U-Bahn fahren und dann noch ziemlich weit laufen... oder einen Bus nehmen." Ihre Worte klangen ruhig und sachlich, doch ihr Inneres war es nicht. Ganz und gar nicht.
      Ein unangenehmes Ziehen breitete sich in ihrer Brust aus, kroch langsam ihren Rücken hinauf. Sie verstand den Ernst der Lage. Natürlich tat sie das. Nach allem, was sie gerade gesehen hatte, gab es keinen Zweifel mehr daran, was passieren konnte, wenn sie nichts tat.
      Und genau das machte ihr Angst. Ihre Finger krallten sich unbewusst in den Stoff ihrer Jacke. Ein weiterer Dämon. Ein weiteres Wesen, das Menschen schaden konnte. Und sie… sie sollte sich dem stellen? Allein? Mit ihm? Mara hob den Blick wieder, doch diesmal lag etwas Fragiles darin. Ihre eigene Unsicherheit, die sie nicht ganz verbergen konnte. "U-und... der... der Dämon..." setzte sie an, ihre Stimme leicht brüchig. "Wie genau gehen wir gegen dieses Wesen vor?" Die Junghexe fühlte sich nicht bereit und ganz sicher nicht genug vorbereitet. Ihre Magie war ein rohes, ungeschliffenes Etwas. Unberechenbar und unkontrolliert. Quasi ein Werkzeug ohne Anleitung und eine sichere Garantie für mehr Probleme. Diesmal ging es nicht um ein Ritual, das schiefgehen konnte. Diesmal ging es um eine Art offene Konfrontation. Unwillkürlich dachte der Rotschopf an Alex. Zu den Nächten, in denen sie gemeinsam Dinge erlebt hatten, die jenseits von Vernunft lagen. Verzerrungen, Schatten, Erscheinungen, die nicht hierher gehörten. Damals war er da gewesen. Hatte gewusst, was zu tun war. Hatte sie geführt, beschützt, Entscheidungen getroffen, wenn sie selbst erstarrt war.
      Und jetzt? Jetzt stand sie hier. Mit einem Dämon an ihrer Seite. Und ohne ihn. Mara atmete tief ein. Erst einmal ...dann noch einmal.
      Sie zwang sich, die Luft langsam wieder auszustoßen, versuchte, den Knoten in ihrer Brust zu lösen. Ihre Gedanken zu ordnen. Sich nicht von der Angst überwältigen zu lassen. Gerade mit solchen Kräften durfte es einfach nicht passieren. Langsam hob sie den Kopf ein Stück, richtete sich ein wenig auf, auch wenn die Unsicherheit nicht ein bisschen abgeklungen war. "Ich… will helfen," sagte sie leise, mehr zu sich selbst als zu ihm. "Aber ich… ich weiß nicht, ob ich das alleine kann." Ihre Finger lösten sich langsam aus dem Stoff ihrer Jacke. Sie sah Ostiarius wieder an respektvoll, vorsichtig, aber mit einem Hauch von Entschlossenheit, der zuvor noch gefehlt hatte. Denn egal, wie sehr ihr das alles Angst machte… Wegsehen war keine Option mehr.