Shared Spaces - [Nao.Dark.Kii]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Als Ash anstelle von Ethan neue Chips organisierte, sah das Mädchen diesem kurz nach. "Danke", sagte sie knapp, nachdem sie die volle Schüssel zurückbekam und verfolgte weiterhin den Film.
      Nik schien ja ziemlich begeistert von diesem Film zu sein. Zumindest schwärmte er von dem Schauspieler. DEM Schauspieler! Offensichtlicher ging ja wohl nicht?! Kurz blinzelte Vicky zu ihm rüber, doch sah schnell wieder zum Film. Ob Jian sich mal so einen Film mit ihr ansehen würde? Dann könnte sie sich an ihn kuscheln. Um ihr verträumtes Grinsen dabei zu verbergen, schob sie sich die nächste Handvoll Chips in den Mund.
      Nachdem Nik das erste Mal in ihre Schüssel gegriffen hatte, stellte sie sie näher zum Mechaniker, damit er sich besser bedienen könnte. Mit Teilen hatte sie keine Probleme. Alleine essen machte ohnehin dick, auch wenn sie so gut wie täglich irgendeiner Sportart nachging. Sei es Krav Maga, Tanzen oder Fußball spielen. Auch zur Schule fuhr sie täglich fast eine halbe Stunde. Mit unliebsamen Fettpolstern hatte sie jedenfalls noch keine Probleme gehabt.

      "Er arbeitet 6 Tage die Woche im Restaurant. Dann steht er immer um halb 6 auf, um vor Ash zu duschen und das Frühstück zu machen. Wenn er nicht im Restaurant ist, kocht er für Dad und mich und bringt es vor seiner Schicht vorbei. Oder er probiert neue Rezepte aus. Dazwischen lernt er noch und geht eigentlich kaum vor Mitternacht ins Bett", erklärte Vicky, die auch von Ash wusste, was ihr Bruder den ganzen Tag so trieb. Wenn man ihn fragte, erzählte er auch davon, nur das es bei ihm so klingt, als wäre das alles kaum der Rede wert. Es hatte sich allerdings gehäuft in letzter Zeit, sodass ihre Gefriertruhe zuhause bald zu platzen drohte, wenn Ethan weiterhin so viel Essen kochte, das man nicht sofort verspeisen konnte.
      Und trotzdem wollte er sich Zeit für seinen Freund und Mitbewohner nehmen und mit ihm einen Film schauen. Dann würde er sich morgen früh bestimmt dafür entschuldigen, dass er eingeschlafen war. Falls er nicht jetzt schon aufwachte, doch auch die Nähe zu Nik bekam ihn gerade nicht so schnell wach.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Was zum… Hatte Nik Ethan gerade an seine Schulter gelehnt? Ashs Augen waren so groß wie Teller, als er die Szene beobachtete. Er konnte den Blick garnicht mehr abwenden. War das… irgendwie normal für Nik? Bei zwei mehr oder weniger Fremden einziehen und direkt loskuscheln? Was zur Hölle passierte hier?
      Ash fühlte den Neid in sich hochsteigen, allerdings war er sich nicht ganz sicher, aus wessen Perspektive, und es war ziemlich irritierend. Er wusste aber nicht, was er zu Nik sagen sollte. Auch wenn es sich falsch anfühlte, dass Ethan schlief und selbst keine Macht über die Situation hatte. Bestimmt würde er nicht an der Schulter eines Quasi-Fremden schlafen wollen! Obwohl… es war Ethan. Ganz sicher konnte Ash nie sagen, was dieser wollte oder nicht wollte. Er war ein wenig unberechenbar. Aber gerade wünschte er sich, er hätte seinen besten Freund vorhin aufgeweckt und ihn gezwungen, ins Bett zu gehen, um dort weiterzuschlafen.

      "Er müsste wirklich mehr auf sich selbst achten", stimmte er Vicky zu. Ethan sah immer zu, dass alle anderen gesund waren, aber auf sich selbst schaute er kaum. "Es wäre sicher nicht schlecht, wenn er mal in seinem Bett schlafen würde", fügte er dann hinzu, sah Nik von der Seite an und hoffte, dass er seine Betonung gut mitbekam. "Das ist sicher erholsamer, als das Sofa" Und erholsamer, als Niks steinharte Schulter sich anfühlen musste, wenn sie seinem Bein auch nur ein wenig ähnelte. Ash zog die Augenbrauen leicht zusammen. Wenn Nik Ethan nicht selbst gleich weckte, würde er es tun. Er konnte dieses Verhalten nicht akzeptieren! Sie kannten sich kaum, was dachte Nik, wer er war?
      "Ich bin auch müde, vielleicht sollten wir einfach alle mal früher schlafen gehen. Unsere Grenzen respektieren. Mal gesünder leben"
      Er schnallte doch, was Ash ihm sagen wollte, oder?
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Nik zog bei Ashs Worten die Augenbraue hoch. Den Wink mit dem Zaunpfahl hatte er definitiv verstanden, es war ihm nur gelinde gesagt egal. „Ja, das stimmt wohl. Schlaf wäre echt nicht schlecht auch wenns schade um den Film ist, aber den können wir ja auch morgen zu Ende schauen.“ meinte er und erhob sich vorsichtig ohne Ethan zu wecken. „Ach und Ash…du kannst mir Dinge auch gerne direkt sagen, ich mag dieses ‚Durch die Blume sagen‘ echt nicht so gerne, das wirft manchmal hässliche Missverständnisse auf.“ meinte er mit einem wissenden Lächelnd bevor er Ethan hoch hob als würde er junge Mann nichts wiegen. Er ging mit Ethan im Arm zur Wohnzimmertür bevor er nochmal kurz stehen bleib, sich zu den beiden auf dem Sofa umdrehte und sich leise räusperte. „Und du brauchst übrigens nicht eifersüchtig sein, wenn du das nächste Mal auf dem Sofa einschlafen solltest, trage ich dich selbstverständlich auch ins Bett.“ zwinkerte er ihm frech zu.

      Nick trug Ethan tatsächlich in dessen Zimmer, legte ihn dort so wie er war ins Bett und deckte ihm zu, bevor er wieder zurück ins Wohnzimmer kam und wie selbstverständlich das Geschirr wegräumte. Immerhin wohnte er nun hier und wenn ihm schon jemand anderes Snacks machte konnte er auch aufräumen. „Kann ich euch sonst noch was gutes tun?“ fragte er mit einem Lächeln erst an Vicky und dann an Ash gewandt.

      Die ganze Situation war zwar ein wenig gewagt von Nik gewesen aber er war einfach manchmal ein wenig sehr direkt.
    • Vicky bekam davon nicht wirklich etwas mit. Erst als Ash irgendwie komisch daherredete, sah sie ihn verwirrt an. Was stimmte denn mit dem nicht? Früher schlafen gehen. Grenzen akzeptieren. Gesünder leben? Ihre Neugierde ließ sie zu Nik sehen, der es bedauerte, den Film nicht zu Ende sehen zu können. Eigentlich hätte Vicky den Film auch lieber weiter geschaut. Woher kam dieses Gebrabbel von Ash so plötzlich?
      Dem Teil mit dem durch die Blume sagen, musste Vicky allerdings zustimmen. Man wusste nie, was sein Gegenüber dachte, wenn man sich nicht klar ausdrückte. Glasklar. Damit hatte sie ja noch nie Probleme.
      Blinzelnd sah auf, als Nik sich erhob und dann ihren Bruder hochhob, als wäre er eine federleichte Prinzessin. War der stark! Der freche Spruch der folgte, ließ Vicky aber auf ihre Lippen beißen. "Er ist nur neidisch auf deine Muckis! Er würde einen Bandscheibenvorfall erleiden, wenn er Ethan hochheben würde!", entschärfte Vicky die Situation lachend und hoffte, dass sie damit die Luft hier ein wenig abkühlen konnte.

      Nachdem Nik aus dem Zimmer verschwunden war, sah sie mit hochgezogener Augenbraue zu Ash und holte ihr Handy heraus. Schade, der Abend war wohl vorbei, also schrieb sie lieber ihrem Vater, dass er sie abholen könnte. "Alles gut bei dir? Ist es, weil er nicht dich angefasst hat oder weil du nicht Ethan anfassen konntest?", fragte sie ohne mit der Wimper zu zucken. Sie sah nicht einmal von ihrem Handy dabei auf. Und Ash sollte wirklich schon erwachsen sein? Naja, Jungs brauchten oft etwas länger um erwachsen zu werden als Mädchen. Vor ihr stand wohl der Beweis.

      "Mir nicht. Danke", antwortete sie und streckte sich ausgiebig. "War echt cool. Nächstes Mal können wir aber ruhig einen Actionfilm schauen", meinte sie dann und verschwand noch mal im Bad. Dabei musste sie aufpassen aus Gewohnheit nicht in Nik's Badezimmer zu gehen, da es vorher Sam's war und sie es als Mädels geteilt hatten, wenn sie zu Besuch war. Ab sofort würde sie dann das von ihrem Bruder und Ash benutzen, welches unerwartet aufgeräumt war und gerade zu glänzte. Sie fragte sich, ob das Ethan's Werk war oder Ash auch so einen Putzfimmel hatte. So wie sie ihren Bruder kannte, würde er aber auch Ash's Dreck wegräumen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Nik ging nach der kurzen Interaktion mit Ash und Vicky ebenfalls erst ins Bad und dann in sein Schlafzimmer. Es war fast schon ein befreiendes Gefühl endlich die Prothese abnehmen zu können. Er liebte es selbstständig zu sein, laufen zu können und sich ohne Einschränkung zu bewegen, es gab ihm das bissen an Lebensqualität zurück, was der Unfall ihm genommen hatte, aber trotzdem merkte er, dass er es jeden Abend genoss die Prothese abnehmen zu können und die Haut einfach ein wenig atmen zu lassen.
      Schnell zog er sich um und dann fiel er ganz bald in einen erholsamen schlaf den er echt gebraucht hatte.

      Einige Stunden später wachte er wieder auf. Draußen war es noch dunkel, Nik tippte auch kurz nach fünf, vielleicht halb sechs…also änderte nicht mal die neue Umgebung was an seinem Schlafrhythmus, aber das war er schon gewohnt obwohl er tatsächlich deutlich länger geschlafen hatte als sonst. Der Rest der WG schlief wohl noch, auf jeden Fall nahm er das an, aber selbst wenn nicht wäre das nicht wichtig für ihn gewesen. So leise wie möglich kramte er sich seine Sportsachen aus einen der Kartons und zog sich um. Es war die perfekte Uhrzeit um eine Runde laufen zu gehen, später am Tag würde es sich er wieder deutlich wärmer werden, da bot es sich an in den frühen Morgenstunden zu gehen…und selbst wenn es nicht wärmer werden würde, es gehörte zu Niks Routine Morgensfrüh eine Runde laufen zu gehen beziehungsweise generell zum Sport zu gehen. Nachmittags hatte er dazu meistens keine Zeit und dann hatte er seinen Sport morgens sofort abgehakt und außerdem war er bei der Arbeit deutlich wacher wenn er morgens schon was gemacht hatte.

      Ungefähr drei Stunden später kam er verschwitzt und fertig wieder in die Wohnung. Er hatte nach der Runde nochmal einen Stop in seinem Fitnessstudio gemacht, obwohl Fitnessstudio wohl das falsche Wort war. Es war wohl eine eine Boxbude als ein Fitnessstudio. Eine alte Lagerhalle mit Mattenboden, Boxsäcken und einem großen Ring wozu er eine der Ersatzschlüssel von seinem Trainer hatte. Nik hatte einen anstrengten Zirkel aufgebaut und danach noch einwenig geboxt. Dementsprechend fertig sah er auch aus. Der Grieche hatte ein wenig die Zeit vergessen, aber immerhin hatte er nun ja keine Freundin mehr die sich sorgen um ihn machte.
    • Ash hatte, ausnahmsweise, keine Antwort parat. Wenn Nik direkt lieber war, hätte er es dann besser aufgenommen, wenn Ash ihm ins Gesicht gesagt hätte, dass er sich nicht an seinen besten Freund ranmachen sollte? Vermutlich hätte er ihm das genau so sagen sollen, denn als er Ethan plötzlich hoch hob, stand Ash nur die Kinnlade offen. Neidisch?? Auf was sollte er neidisch sein? Das war ganz einfach nur unpassend!
      Er sah den beiden ungläubig hinterher und als Vicky ihn dann auf einmal ansprach, schoss sein Blick zu ihr als hätte er einen Geist im Augenwinkel gesehen. Was war denn heute los mit den Leuten?!

      „Ich- was- Wie-“, stammelte er, bevor Nik schon wieder zurück war und er sich nicht einmal sinnvoll hatte verteidigen können.
      „Ich brauche nichts, danke“, sagte er überfreundlich und grinste Nik an, bevor er hinter Vicky verschwand und sich an seine Badezimmertüre lehnte, um auf sie zu warten. Am liebsten hätte er sich einfach gleich in seinem Zimmer eingeschlossen, aber duschen war nichts, auf das er gerne verzichtete. Aber er wollte Nik um jeden Preis aus dem Weg gehen und morgen würde er Ethan bei der ersten Chance, die er bekam, davon erzählen, dass Nik sich für Ashs Geschmack hier ein bisschen zu wohl zu fühlen schien. Und Vicky würde er bei der ersten Gelegenheit gleich mal in den Kopf brennen, dass zwischen ihm und Ethan noch nie und im Moment nichts lief und nie etwas laufen würde! Heute hatten alle wohl die größte Freude damit, seine Grenzen auszutesten. Natürlich war er nicht eifersüchtig! Auf Ethan? Als würde er im schlafenden Zustand gerne von irgendjemanden herumgetragen werden, den er kaum kannte. Egal wie… heiß diese Person objektiv betrachtet sein mochte. Persönlichkeitstechnisch war er ja wohl ganz schön daneben.

      Ash beeilte sich mit seiner Dusche und setzte sich anschließend eine Weile zu Vicky ins Wohnzimmer, bis er sie, paranoid wie er war, durchs Stiegenhaus und auf die andere Straßenseite begleitete, um sie ihrem Vater zu übergeben, obwohl sie sich vermutlich besser selbst verteidigen konnte als Ash.
      Er grüßte nur kurz, immerhin hatte er zu Ethans Vater immer einen ganz guten Bezug gehabt, und dann ging er wieder rauf in seine Wohnung und legte sich ins Bett. Allerdings kam der Schlaf nicht schnell. Der Tag war etwas bizarr gewesen, das musste er erst einmal verarbeiten. Und… das Verarbeiten endete auch in seinen Träumen nicht. Diese wurden von der Szene auf der Couch heimgesucht, nur dass Ash und Ethan sich an Nik gelehnt hatten, alle drei wach waren und zusammen den Film zuende sahen. Es war eigenartig. Auch, als er wach war, ließ ihn das nicht ganz los, und als er gegen 9 Uhr aufstand, um ins Badezimmer zu gehen, lief er beinahe in Nik rein, was alles nur schlimmer machte.

      Ash fror kurz ein. War Nik draußen gewesen? Sah danach aus. Und es sah vor allem so aus, als wäre er einen Marathon gelaufen. Ash trat einen Schritt zurück. „Das wird zu unserer Routine, hm?“, fragte er, möglichst locker, da sie wohl täglich ineinander hineinzulaufen schienen. Er nahm ihm die Sache von gestern Abend nicht mehr wirklich übel, dafür war er zu beschäftigt mit seinem seltsam verherrlichenden Traum. Vielleicht hatte Vicky mit ihrer Aussage garnicht so unrecht gehabt. Und das störte Ash unglaublich.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Auch Vicky dachte etwas nach, während sie auf ihren Vater und irgendwie auch auf Ash wartete, der sie wie so oft beinahe schon bis zur Autotür begleitete. Sie mochte ihn wirklich sehr, tatsächlich wie einen richtigen Bruder, aber sie machte sich auch Sorgen um ihn. Vielleicht auch gerade deswegen. Sie wollte ihn nicht ärgern. Sie wollte ihm nur helfen. Sie wollte das er glücklich war! Aber wie glaubte eine 17jährige denn einem älteren zum Glück zu verhelfen? Wie, wenn sie bei Ethan rein gar nichts bewirken könnte. Ob Ash nun mehr für ihn empfand oder nicht. Ethan war Ethan. Vermutlich irgendwann in seiner Kindheit oder Jugend von Aliens ausgetauscht oder so. Wobei gerade sie nicht sagen dürfte, dass ihr Bruder nicht normal wäre. Es war alles okay mit ihm, aber irgendwann würde sie noch verrückt werden.
      Wollte Ash vielleicht deswegen, dass sie sich auf ihre eigene Beziehung konzentrierte? Damit sie weniger Zeit hatte um über Ash nachzudenken? Und auch damit Ash mehr Zeit hatte, um über ihre nachzudenken, anstelle seiner eigenen? Klang das kompliziert... Sie waren doch nicht in einer Seifenoper. Und doch fühlte es sich manchmal genau danach an.

      Ethan's Wecker klingelte grundsätzlich pünktlich um halb 6. Nur das er sich dieses Mal nicht daran erinnern konnte ins Bett gegangen zu sein. Und dann stellte er fest, dass er auch noch seine Kleidung trug. Also war er wohl beim Film eingeschlafen. Das war die einzige logische Erklärung dafür. Wie dem auch sei. Davon ließ er seine Morgenroutine nicht beeinflussen. Er bekam noch mit wie die Haustür ins Schloss fiel, was wohl Nik gewesen sein musste. Ash würde kaum so früh auf den Beinen sein. Was okay war, denn so kamen sich die beiden Männer im Bad nie in die Quere. Auch wenn Ethan höchstens 15 Minuten brauchte. Für das komplette Programm.
      Frisch aus dem Ei gepellt ging er in die Küche, wo er sich einen Cappuccino machte. Er sah nach, ob er wichtige Nachrichten hatte und begann dann auch schon loszulegen. Um 12 begann seine Schicht im Restaurant. Sie mussten immerhin alles vorbereiten, bevor sie um 13 Uhr öffneten. Die Lieferung kam auch in dieser Zeit. Ethan's Krafttraining sozusagen. Sie waren insgesamt zu fünft in der Küche, aber wenn Ethan mal nicht da wäre, würde alles ganz schön aus dem Ruder laufen. Andersherum schaffte Ethan es irgendwie immer einen ausfallenden Kollegen so zu ersetzen, dass es beinahe gar nicht auffiel. Sein Chef und seine Kollegen waren also wirklich froh darüber, dass Ethan in den 4 Jahren die er dort war, noch nicht einmal krank war.

      Als sowohl Ash, als auch Nik auf ihre Weise die Wohnung betraten, duftete es dort bereits nach Mittagessen. Frühstück hatte er auch vorbereitet, doch der deftige Eintopf, der bis nachher gut durchziehen konnte, dominierte mit seinem Geruch alles. Ethan kochte immer vor, damit Ash und Sam - nun eben Nik - etwas zu essen hatten. Sie brauchten es sich nur aufwärmen.
      Das die beiden beinahe wieder kollidierten bekam er in der Küche nicht mit. Dafür begrüßte er sie mit einem - für Ethan-Verhältnisse - strahlendem Lächeln, als würden gerade die ersten Sonnenstrahlen in ihre Wohnung kriechen. "Guten morgen", begrüßte er die beiden und deutete auf die angerichteten Teller. Selbst das heimische Frühstück sah aus, als wäre es gerade aus einem namenhaften Magazin für Sternerestaurants entsprungen. Bei Ethan gab es keine halben Sachen. All seine Mühen würden sich auch eines Tages auszahlen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Der Grieche strich sich die verschwitzen Haarsträhnen aus der Stirn. Nach den stressigen letzten Wochen hatte er sowas echt gebraucht. Schön alleine sich einmal ordentlich auspowern. Die Laufrunde war gut gewesen, er hatte seine übliche Route durch einen kleinen Waldabschnitt genommen und dem Himmel dabei zugesehen wie er sich langsam hell färbte. Er hatte diesen Anblick schon immer geliebt. Dann hatte er, ganz klassisch zu dem besten Motivationssoundtracks überhaupt trainiert. Alleine Trainieren war nochmal eine ganz andere Sache. Man war total in seinem Film und plötzlich war nicht mehr Sylvester Stallone der Protagonist der Rocky-Reihe sondern man selbst.

      Noch in Gedanken bei der Trainingseinheit lief Ash beinah in ihn rein. „Morgen.“ begrüßte er seinen neuen Mitbewohner mit einem freundlichen, wenn auch ganz schon ausgepowerten Lächeln. „Scheint wohl so. Nicht das ich ein Problem damit hätte.“ lachte er gut gelaunt auf. Nik hatte unter der kurzen Sporthose eine enganliegende Hose drunter, bei Frauen hätte man besagte Hose wohl als Leggings betitelt, für Männern wurde sie aber wohl eher als Kompressionshose vermarkte, im Grunde war es Nik egal wie das Ding hieß. Er trainierte grundsätzlich nicht mit langen Sporthosen - einerseits weil der Stoff meistens zu weit war und andererseits weil es beim Kampfsport einfach unpraktisch war - aber da er auch nicht nur mit kurzer Hose laufen ging, war das eine gute alternative und eine gängige Kombination beim Kampfsport. Es gab schließlich kaum was ekligeres als ein verschwitztes, haariges Männerbein im Gesicht zu haben und das konnte beim sparring und Bodenkampf schon mal vorkommen. Der Stoff der Hose machte eine komische Falte an der Stelle wo Niks linkes Knie war. Der Stoff lag nicht glatt auf der Haut sondern wirkte ein wenig wie eingefallen, als ob sich an der Stelle eine Lücke befand.

      „Ich werde dann mal duschen gehe, ich stinke sicher wie eine halbe Kompanie. Wir sehen uns gleich beim frühstück.“ lachte er auf, bevor Nik an dem Jüngeren vorbei ging und in seinem Badezimmer verschwand. Er hatte vor dem Sport schon alles vorbereitet. Handtücher so wie frische Klamotten bereit gelegt, so das er nur noch duschen musste.

      Besagte Dusche war schnell hinter sich gebracht und so kam er wieder gut riechend und mit noch nassen Haaren in die Küche. Statt den Sportklamotten trug er nun ein weites Shirt und die gleiche Joggingshose wie gestern, immerhin war es Sonntag. Der Geruch des Essenes erschlug ihn kurz als er die Tür öffnete, damit hatte er definitiv nicht gerechnet. Klar wusste er, dass Ethan Koch war, immer hin hatte er es ihm gesagt, aber das Ethan am frühen Morgen schon so viel kochte, darauf war Nik nicht eingestellt gewesen, vor allem nicht, dass Frühstück für ihn bereit stand. Etwas überfordert stellte er den kleinen Plastikkorb auf eine freie Fläche der Arbeitsplatte.

      „Ehm…Morgen…“ begrüßte der Grieche den Koch immer noch etwas perplex. „Du kochst.“ stellte er unnötigerweise fest, ganz offensichtlich kochte Ethan. „Das wäre echt nicht Nötig gewesen.“ Sein Blick wanderte zu den hergerichteten Tellern. Wie brachte er dem jungen Mann nur bei, dass er sich zwar freute von Ethan Essen vorgesetzt zu bekommen, das besagte Essen aber so gar nicht in seine Routine passte. Das war unangenehm. Nik war noch nie gut darin Menschen die ihm eigentlich nur was gutes tun wollten gegen den Kopf zu stoßen. Mit den Fingern trommelte er etwas überfordert auf einen der dunkelbraunen Einmachgläsern rum. Er hatte irgendwann angefangen seine gesamten Vorräte in Einmachgläsern zu lagern, noch hatte er nicht alle aus den Kartons gesammelt, aber die in denen sich die Zutaten für sein standardmäßiges Frühstück befanden schon.
    • Ash sah Nik einen Moment hinterher. Er ließ das klingen, als wäre an seinem Auftritt eben irgendetwas negatives gewesen. Dabei hatte Ash nur im Kopf, dass sich die Flashbacks zukünftig anhäufen würden, wenn er nicht aufpasste. Dann träumte er irgendwann nicht mehr davon, seinen Kopf an Niks Schulter zu legen, sondern von Dingen, die es ihm nie wieder ermöglichen würden, ihm in die Augen zu sehen.
      Ash schüttelte den Kopf, als könnte er sich damit von diesem Gedanken befreien, und ging selbst in sein Badezimmer. Nach der Dusche fühlte er sich ein wenig besser. Weniger im Delirium, das sein Traum hinterlassen hatte.

      Er kam beinahe zeitgleich mit Nik in die Küche und nachdem sie beide Jogginghosen trugen, ging er davon aus, dass sie wohl beide eine Weile zusammen in der Wohnung sein würden. Allein. Ethan arbeitete immerhin. Oh, Ethan! Ash hatte noch keine Gelegenheit gehabt, mit ihm über gestern Abend zu reden, aber ihm musste doch aufgefallen sein, dass er nicht magisch in seinem Bett gelandet sein konnte, oder? Und sie konnten wohl alle ausschließen, dass Ash ihn dort hin gebracht hatte. Zumindest die Aussage konnte er Vicky nicht verübeln, auch wenn sie jedes Mal wieder eine kleine Vene auf seiner Stirn zum Vorschein brachte. Egal wie sportlich er war, das was ihm an Körpergröße fehlte, konnte er kaum wettmachen, wenn er seinen Lebensinhalt nicht in ‚Gym Bro‘ umwandelte. Er sollte dem Universum wohl danken, dass er schwul war und zusätzlich auf Männer stand, die größer waren, als er — was nicht wirklich schwierig war — denn so war es zumindest deutlich leichter, sich mit seinem Schicksal abzufinden, als ständig von Frauen hören zu müssen, dass er ihnen zu klein war. Aber das blieb ihm auch so nicht immer erspart. Und konnte er es ihnen verübeln? Nein, er wollte ja auch keinen Kerl daten, der es schaffte, ihn mit 1.65 noch zu unterbieten.

      In jedem Fall konnte er trotzdem nicht davon ausgehen, dass Ethan so weit dachte. Vielleicht dachte er auch, dass er im Halbschlaf noch ins Bett gekrochen war und sich nicht erinnern konnte. Naja, was auch immer. Scheinbar musste Ash garnichts zu tun, damit Nik es sich in Zukunft mit seinem besten Freund vermieste.
      Er setzte sich an den Tisch und ließ sich sein Frühstück servieren, weil er gelernt hatte, dass es da stehen würde, ob er es nun wollte oder nicht. Und besser war es, er wollte es, denn Ethan schien versessen darauf zu sein, dass seine Mitbewohner, seine Familie und bestenfalls die ganze Stadt mit nahrhaften 3 Mahlzeiten am Tag versorgt wurden.
      Aber Nik schien daran weniger zu liegen. Ash kommentierte den durchschaubaren Gesichtsausdruck mit einem kleinen Grinsen, das er mit viel Kraft wieder herunterschluckte. „Hey, wir haben auch noch irgendwo Fruit Loops, falls dir das mehr zusagt“, bot er unschuldig an. „Oder was ist das Zeug in dem Glas da?“, fragte er mit einem Blick auf das Einmachglas.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Natürlich war Ethan bewusst, dass er nicht ins Bett geschwebt war. Und so verschlafen war er noch nie, dass er nicht wüsste, dass er es selbst geschafft hatte. Nur war es ihm schlichtweg egal. Er zerbrach sich einfach nicht den Kopf darüber, auch wenn er sicher auch auf die richtige Lösung gekommen wäre, denn bevor Nik da war, hatten Sam oder Ash ihn immer geweckt. Wobei das so häufig nun auch wieder nicht vorkam.
      Jedenfalls kreisten seine Gedanken nach dem Aufstehen wieder nur ums Essen. Was er heute kochen würde und wie es auf Arbeit laufen würde. Da floss sein gesamtes Herzblut hinein. Er dachte aber insbesondere über seine Kollegin nach, die um seine Hilfe gebeten hatte. Süßspeisen waren zwar nicht sein Fachgebiet, doch so gutmütig und wissbegierig wie er war, sagte er zu.

      Bevor er sich aber zu den anderen setzen konnte, betrachtete er Nik, der irgendwie etwas verloren wirkte. Sein Blick fiel auf die Einmachgläser und noch während er sich umdrehte, hörte er Ash etwas über Fruit Loops sagen. Die waren wirklich 'irgendwo' - Ethan wusste natürlich genau wo - aber die gehörten Ash. Ethan rührte so etwas nicht an.
      Was immer Ash nun erwartet hatte, traf wohl nicht ein. Stattdessen stellte er ihrem neuen Mitbewohner eine Schüssel hin. "Brauchst du Milch? Wir haben normale, fettarme und Hafermilch", fragte er und ging zum Kühlschrank, um ihm diese dann auch noch zu bringen, sollte er sie brauchen.
      Er war sich sicher, dass einer der beiden Nik's Frühstück später noch essen würde. So schnell verdarb es ja nicht und würde einfach im Kühlschrank auf einen hungrigen Magen warten.
      Böse war er also nicht. Auch nicht gekränkt. Viel mehr hätte er Nik vorher fragen sollen, wie sein Frühstück aussah. Es soll ja auch Menschen geben, die nie frühstückten, weil sie morgens nichts runterbekamen. Da könnte Ethan sie ja wohl schlecht zwingen. Er würde nur erwähnen, dass es gesünder wäre etwas zu frühstücken.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • „Hafermilch wäre fantastisch. ich danke dir“ meinte Nik ein wenig aus seinen Gedanken gezogen und lächelte Ethan dankbar an bevor er eins der Gläser aus dem Körbchen nahm. „Hier sind Haferflocken drin.“ meinte er an Ash gewandt während er sich eine Banane aus dem Obstkorb nahm und diese in der Schale die der Koch ihm hingestellt hatte zerdrückte. Dann gab er einige Löffel Haferflocken in die Schale und öffnete ein weiteres braunes Einmachglas mit weißlichem Pulver. „Und das ist Eiweißpulver. Sonst hab ich hier noch verschiedene Samen und Körner drin, Mandelmus, Erdnussmus…sowas halt. Du weißt schon, alles was ein ausbalanciertes Frühstück braucht.“ zwinkerte er ihm kurz zu, bevor er das ein oder andere Glas ebenfalls noch öffnete und ebenfalls zu der Mischung hinzugab. Am Ende kippte er etwas von der Milch über sein Essen und stellte die Schale in die Mikrowelle. Normalerweise bevorzugte Nik sein Frühstück am Vortag vorzubereiten, über Nacht hatten die Haferflocken genug Zeit um die Milch aufzunehmen und zu quellen, aber so ging es auch. Nach der kurzen Behandlung in der Mikrowelle hatten die Haferflocken die Milch ebenfalls recht gut aufgenommen auch wenn die Mischung nun eher einer Pampe glich. Selbst der Zimt und das Mandelmus, welches Nik schön drapierte, ließ das Essen nicht sonderlich besser aussehen, aber das war dem Grieche egal. Er ging bei Frühstück eher auf Effizienz und nicht auf Aussehen. Er brauchte etwas was ihm die nötigen Nährstoffe gab, ihn lange satt hielt und schnell zubereitet war, wenn er mal vergessen sollte es abends vorzubereiten.

      Irgendwann war dieses Frühstück zur Routine geworden und Nik hatte nie die Muße gehabt diese Routine abzulegen. So wie es zur Routine wurde im stehen zu essen, meistens angelehnt an die Küchenzeile so wie er es jetzt ebenfalls tat oder damals noch in seiner alten Wohnung, vor der großen Fensterfront stehend. Eine Angewohnheit die selbst Roxana ihm nie austreiben konnte.

      „Kaffee wäre fanatisch.“ fiel ihm plötzlich ein, nachdem er schon zwei Löffel gegessen hatte. Seine Schale stellte er einfach neben sich auf die Theke bevor er sich an der Kaffeemaschine zu schaffen machte. „Wollt ihn auch einen?“
    • Alles, was ein ausbalanciertes Frühstück brauchte. Klar, Pampe, Pampe und noch mehr Pampe, die sich kombiniert zu einem schicken cremigen Braunton vermischte. Ash runzelte leicht die Stirn, als er Nik zusah, wie er wohl versuchte, das Ganze mit Zimt zu retten, es aber rein optisch absolut nicht schaffte. Es war eine Weile her, dass Ash auf Müsli oder Porridge zurückgegriffen hatte und während das ganz erträglich war, konnte er doch drauf verzichten, wenn er auf der anderen Seite French Toast mit Joghurt, Honig und Beeren drapiert auf dem Teller serviert bekam. In dem Zustand konnte man den Toast zwar nicht mehr mit den Händen essen, was für Menschen wie Ash, die am liebsten am Sofa aßen, manchmal ein Problem darstellen konnte, aber es war kein Weltuntergang. Und wer brauchte schon ausgeglichen, wenn man etwas essen konnte, das einen in den 7. Frühstücks-Himmel versetzte?

      Ash begann zu essen und trank gerade einen Schluck Orangensaft, als ihm der selbe Gedanke kam wie Nik. Kaffee, klar, irgendetwas fehlte hier eindeutig. Als Nik dann auf einmal zu seiner Kaffeemaschine ging, stellte er sein Glas schnell wieder ab.
      „Hey. Kennst du dich mit Siebträgermaschinen… aus?“, fragte er langsam und stand auf, um sich selbst um Niks Vorhaben zu kümmern. Vor etwa zwei Jahren hatte er seine billige Filterkaffeemaschine endlich gegen etwas besseres getauscht, als Sam ihn motiviert hatte, seine Ideen mal in die Tat umzusetzen. Ethan trank so gut wie keinen Kaffee, also war das das einzige Gerät, dessen Anschaffung an Ash hängen geblieben war. Und er war ein recht sparsamer Mensch, als hatte er sich sofort eine Vertriebs-Level Kaffeemaschine zulegen können. Zugegeben hätte es sich um den Preis bestimmt gelohnt, einen Vollautomaten zu kaufen, aber das hätte dann wenig mit einem Hobby zu tun. Ash schaltete die Maschine ein.

      „Du kannst die Maschine auch mitverwenden, hat Sam — unsere alte Mitbewohnerin — auch gemacht, aber guck mir einmal zu“, wies er Nik an. Er wollte ja auch nicht, dass er am Ende irgendwas komisches anstellte und seine teure Maschine dahin war. Also begann er eine kleine Rundführung.
      „Zuerst einschalten, dann dauert es etwa fünf Minuten, bis die Maschine aufgeheizt ist. Du musst den Siebträger in der Zeit drin lassen und unten auf den Wärmer die Tasse stellen“ Weil er nicht wusste, was Nik normalerweise trank, nahm er sich selbst eine mittelgroße Tasse aus dem oberen Schrank, wobei er sich ein bisschen an Ethan vorbeikämpfen musste. Es war nicht ganz leicht, zu dritt in der Küche zu sein ohne sich im Weg zu stehen. Eigentlich versuchte Ash auch, sich eher fernzuhalten, wenn Ethan gerade am Kochen war.

      Er nahm eine Packung Milch inklusive einer leeren, gewaschenen Aufschäumkanne aus dem Kühlschrank und füllte sie auf. Dann nahm er das Sieb wieder aus der Maschine und drückte einen Knopf. „Spülvorgang“, kündigte er knapp an und wenig später wurde das überhitzte Wasser aus dem Wärmetauscher abgelassen. Dann zeigte er Nik eine Lade mit einigen Kaffeemischungen und die elektrische Kaffeemühle. „Single Shot circa 10 Gramm, Double Shot circa 20 Gramm“,
      erklärte er während er die Bohnen in die Mühle leerte, die glücklicherweise eine Waage beinhaltete und den Prozess ein wenig erleichterte.
      „Das kommt dann ins Sieb“, sprach er weiter. „Und wird mit dem Tamper festgedrückt und kommt zurück in die Maschine“ Er stellte die Tasse drunter und drückte einen weiteren Knopf. „Dann läuft der Kaffee, und, wenn du willst, kannst du Milch aufschäumen. Oder nur erhitzen. Je nachdem kommt die Düse weiter rauf oder runter in der Kanne“ Er schäumte die Milch auf und nach etwa einer halben Minute konnte er sie in die gefüllte Kaffeetasse einleeren, wobei er ein kleines, einfaches Herz malte.

      Er hielt Nik die Tasse mit einem Lächeln vor die Nase. „Voilà: Cappuccino. Also ein Drittel Espresso, zwei Drittel Milchschaum. Und ich hab einen Blend Kaffee verwendet, aber du kannst probieren, was du willst“ Er nahm einen Schluck, dann stellte er die Tasse auf den Tisch und wischte mit einem Geschirrtuch über die Dampfdüse und machte erneut einen Spülvorgang.
      „Man muss nur immer alles reinigen, sonst schmeckt der Kaffee irgendwann komisch. Oh, ich hab meine alte Filterkaffeemaschine aber… noch im Abstellraum, falls dir das zu anstrengend ist“ Er zuckte mit den Schultern.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Egal wo, nicht einmal in der Küche, würde er Ash's Nähe jemals als störend empfinden. Warum auch? Er war sein bester Freund und einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben. Davon gab es nur 3, die für Ethan allerdings alle auf einer Stufe standen.
      Er beobachtete seinen Freund kurz, als er Nik begann diese komplexe Kaffeemaschine zu erklären. Bevor sie sie hatten, trank Ethan noch keinen Kaffee. Nun aber genehmigte er sich ab und an doch ein Tässchen. Manchmal ließ er sie sich von Ash servieren, aber konnte dieses Teil auch allein benutzen. Wobei er damit umging, als wäre es eine Kostbarkeit, wie eigentlich alles in der Küche.
      Ein kleines Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als Ash sich nach den Tassen streckte. Seinetwegen standen sie extra im unteren Fach und auch, wenn Ethan ihm spielend leicht eine hätte reichen können, tat er das nicht. Immerhin wusste er, dass sein Freund - mehr oder weniger - Komplexe wegen seiner Körpergröße hatte. Wenn Ash ihn also nicht fragte, half er ihm auch nicht. Aus Rücksicht. Denn manchmal ging eine nette Geste auch nach hinten los, das war ihm klar. Der Koch mochte zwar seltsam emotionslos wirken, doch er nahm immer viel Rücksicht auf die Gefühle anderer.

      Nachdem er Nik's Frühstück in den Kühlschrank verfrachtet hatte, begann er seines zu essen. Es gab immer eine Auswahl an Obst und Früchten, an denen sich Nik ja bereits bedient hatte. Bananen. Die würden in diesem Haushalt wohl nie ausgehen. Deshalb genehmigte Ethan sich auch eine, die er in Scheiben schnitt und auf seinem French Toast drapierte.
      Mit seinen Gedanken war er wieder irgendwo beim Kochen. Sobald er aufgegessen hatte, kramte er auch schon irgendwelche Schüsseln aus den Schränken hervor. Irgendwas hatte er also wieder vor, obwohl er das Mittagessen bereits fertig hatte. Tatsächlich holte er einen dünnen, braunen Teig aus dem Ofen, der beim Öffnen seinen süßen Duft in der Küche verteilte. Während dieser abkühlte, bereitete er die Füllung vor. Diese verteilte er darauf und rollte es ein, um es dann in kleine Stücke zu schneiden. Die Biskuitrollen, die auch in ihrem Restaurant als Dessert angeboten wurden. Allerdings probierte Ethan unterschiedliche Dinge aus, um das Rezept zu perfektionieren.
      Ein paar davon legte er auf einen separaten Teller. "Die müssen noch abkühlen.. Schreib mir später, wie sie dir geschmeckt haben", sagte er an Ash gewandt und sah dann auch zu Nik. "Du auch, wenn du willst." Je mehr Meinungen er hatte, desto besser. Obwohl es schade war, dass er Ash dabei nicht beobachten konnte. Er sah gern, wenn Ash sich seine Gerichte schmecken ließ. Süßspeisen schienen diesen Effekt noch zu verstärken.
      Die anderen würde er mitnehmen und Kat und den anderen geben. Es freute ihn, dass seine Kollegin ebenso ambitioniert war dem Restaurant zu mehr Erfolg zu verhelfen, indem sie sich selbst immer weiterbildete, wie Ethan es tat. Das sie möglicherweise nur mehr Zeit mit ihm verbringen wollte, kam ihm dabei nicht in den Sinn. Das versteckte sie zu gut. Ihre Schwärmerei über das Backen lenkte ihn zu sehr davon ab.

      Damit schnappte er sich auch schon sein Zeug, um es sorgfältig zu verpacken und sich dann auf den Weg zur Arbeit zu machen. Zuvor würde er bei seinem Vater vorbeischauen und dann war er mit Kat in der Küche verabredet. Der Chef hatte ihnen erlaubt, die Küche auch früher zu betreten, deswegen bekam Ethan auch einen Schlüssel anvertraut. Immerhin konnte er sich nicht glücklicher schätzen einen Mitarbeiter wie Ethan zu haben.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Nik hörte Ash aufmerksam zu. Er hatte als Teenager einige Jahre neben der Schule in einem kleinen Café in seiner Heimatstadt gejobbt und war mit dieser Art von Kaffeemaschinen vertraut. Er hatte den Job gerne gemacht, genoss es an den großen Industriemaschinen zu arbeiten und immer frischen Kaffee zu haben. Mittlerweile war ihm das jedoch zu Zeitaufwendig geworden und ein wenig bereute er es, nicht doch seinen Vollautomaten mitgenommen zu haben, stattdessen hatte er sich von Rox die Hälfte auszahlen lassen. Nik genoss immer noch guten Kaffee aber mittlerweile eher schnellen und zuverlässigen. Morgens erstmal zu warten bis das Ding fünf Minuten warm geworden war, dazu hatte er einfach weder die Zeit noch die Muße, immerhin gehörte er zu den Personen die ihr Frühstück am Vorabend schon vorbereitete. Vielleicht hatte ihn seine Armyzeit auch einfach abgestumpft. Davor hatte er nur guten Kaffee getrunken. Wenn er der Meinung gewesen war, der Kaffee würde seinen Ansprüchen nicht genügen, hatte er keinen getrunken. Man lernte jedoch irgendwann jede Art von Kaffee zu schätzen, solang diese einen wach hielt. Es war nicht so, dass Nik nicht immer noch guten Kaffee liebte, aber dafür nahm er sich dann auch die Zeit in sein gutes Café zu gehen und sich diesen serviere zu lassen.

      „Stört es dich wenn ich meine Frech Press benutzte?“ meinte der Grieche nach der ausführlichen Einweisung irgendwann. Eigentlich war die Frage überflüssig, immerhin war es Niks freie Entscheidung was er für seinen Kaffee benutzte und wenn er der Meinung war nicht Ashs Highend-Gerät nutzen zu müssen war das eben so. Und trotzdem wollte er den Jüngeren ungern vor dem Kopf stoßen, aus diesem Grund hatte Nik ihn auch bei seiner Erklärung nicht unterbrochen, obwohl er selbstverständlich wusste wie man diese Art Maschine bedienen musste und auf was er achten musste. „Wenn ich deine Mühle nur mitbenutzten dürfte wäre das super, meine ist mir beim Umzug kaputt gegangen und ich kam noch nicht dazu mir eine neue zu Kaufen…und die meisten Röstereien mahlen Bohnen nicht so grob.“

      Kurz überlegte er in welchem der Kartons seine Frech Press überhaupt war und etwas bedauern musste er feststellen, dass er es nicht mehr wusste. Hieß wohl, dass er fürs erste auf seinen Kaffee verzichten musste…dann sei es so. Er hatte nun wirklich keine Lust zehn Minuten vor einer Siebträger zu stehen damit er einen simplen schwarzen Kaffee bekam.
    • Ash nickte. "Nur zu", antwortete er. Wenn er etwas nicht war, dann besitzergreifend wenn es um sein Zeug ging. Nur bei seinem Heimstudio hatte er ein wenig Angst, wenn Unerfahrene sich daran ausprobieren wollten – also Vicky. Aber er vertraute darauf, dass Nik nicht unfähig genug war, um seine Kaffeemühle kaputt zu kriegen. Und wenn doch, dann hatte er wenigstens das Geld, um sie zu ersetzen, im Gegensatz zu einer Highschoolerin.

      Ash blieb fast der Mund offen stehen, als ihm auf einmal eine frische Biskuitrolle präsentiert wurde. Und er musste sie jetzt erst auskühlen lassen?! Verdammt. Wenn er eine Schwachstelle hatte, war es Kuchen. Alle Arten von Kuchen und Torten und Keksen… Es war wirklich nicht ganz vorteilhaft, mit jemandem zusammenzuwohnen, der sein halbes Leben in der Küche verbrachte. Ash musste sich zusammenreißen, deshalb nicht sein ganzes Leben dem Essen zu verschreiben. Obwohl Kuchen wohl das einzige waren, neben Chili, das ihn wirklich herausforderte. Er zwang sich den Blick von dem Biskuit abzuwenden und irgendwie den Duft zu verdrängen, der sich in der Wohnung ausbreitete, nachdem Ethan das Backrohr geöffnet hatte. Hah…
      "Alles klar", meinte er etwas niedergeschlagen darauf, dass er Ethan später schreiben würde. Er würde die nächste Stunde wirklich mit sich kämpfen müssen. Er verabschiedete sich von seinem Mitbewohner, setzte sich wieder an die Kücheninsel und widmete sich wieder seinem Frühstück, während er weiterhin irgendwie automatisch ein Auge auf Nik hatte.

      "Hey, was hast du heute vor?", fragte er nebenbei. Er wollte ein wenig abschätzen, wieviel Zeit des Tages sie hier wirklich koexistieren würden. Ash hatte nicht eingeplant, auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen. Sonntag war immer eine Mischung aus Herumsitzen und Erholen und vollgas Lernen und Aufgaben nachholen, für die er unter der Woche wegen der Arbeit entweder keine Zeit oder einfach absolut keine Lust gehabt hatte. Heute würde er ein paar Lektüren durchgehen müssen für die nächste Prüfung im Post Production Kurs und er hatte noch ein bisschen an seinem eigenen Projekt zu feilen.

      Es wirkte auf Ash hin und wieder noch immer surreal, dass er auf dieser Universität angenommen wurde. Vor zwei Jahren war er in der mehrphasigen Aufnahmeprüfung mit bestimmt 300 Leuten gesessen, und hatte es mit nur etwa 30 anderen zur Einschreibung geschafft. Er konnte sich wirklich nicht leisten, diese Chance irgendwie sausen zu lassen, nur weil ihn ein oder zwei Fächer langweilten. Tonproduktion war das perfekte Berufsfeld für jemanden, der sich mit Musik auskennen und nebenbei am eigenen Erfolg als Musiker arbeiten wollte. Vermutlich dank seiner Familie war er ziemlich praktisch veranlagt, was sich mit künstlerischem Interesse oft nur schwer vereinbaren ließ, aber so hatte er die ideale Lösung für sich gefunden und seine Eltern machten sich keine Sorgen. Und er selbst konnte trotzdem das tun, was ihm Spaß machte. Er würde also Lernen bis zum Umfallen, um auszukosten, wie extrem unwahrscheinlich es eigentlich gewesen war, überhaupt aufgenommen zu werden.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • „Ich werde wohl noch das eine Regal aufbauen und dann ein wenig aufräumen.“ meinte er auf Ashs Frage. „Und dann schau ich mal was der Tag noch so bringt, wenn ich so gut voran komme wie wir gestern werde ich wohl kaum den ganzen Tag brauchen.“ überlegte er laut. „Was sagt dein Tagesplan denn?“ vielleicht hatte Ash ja eine Tagesplanung in die er sich einfach ganz frech mit einklinken konnte. Sonst würde er vielleicht einfach wieder zur Werkstatt fahren und ein wenig an einen der Autos schrauben auch wenn er sich dann sicher wieder was von seinem Chef anhören durfte. Eigentlich war das meistens kein Problem und im Normalfall blieb er Abends noch recht lange auf der Arbeit, aber sein Chef sah es nicht gerne, wenn sich Nik das komplette Wochenende in er Werkstatt aufhielt und dort die Arbeit für die kommende Woche schon mal anfing. Im Grunde machte er unbezahlt seinen Job und der alte Mann wollte das nicht.

      „was kann man hier in der Umgebung denn an einem Sonntag gut machen?“ fragte er Ash während er seine leere Schale anfing zu spülen und dann zurück in den Schrank stellte. Er hatte die letzten Wochen zu viel Kontakt mit andere Menschen, dass es sich im Moment komisch für ihn anfühlte gerade alleine zu sein. Er hatte sich die letzten Woche auf ein wenig Privatsphäre gefreut und jetzt wo er diese haben konnte, fühlte es sich schrecklich seltsam an.
    • Ash stützte den Kopf in eine Hand und überlegte. Sollte er als guter Mitbewohner vielleicht seine Hilfe anbieten? „Ich hab nichts vor, außer zu lernen“, murmelte er. „Und dann muss ich ein paar Aufnahmen machen… du weißt schon, das, wovor Ethan dich beim Interview warnen sollte. Mein Schallschutz ist nicht perfekt“ Er lächelte leicht. „Aber ich kann dir beim Aufbauen helfen, damit du schneller fertig wirst und abhauen kannst, falls dir die Musik auf die Nerven geht“ Ash zuckte mit den Schultern.

      Gut, er würde auch so helfen. Aber auch wenn die Warnung von Anfang an ausgeschrieben gewesen war, versuchte Ash trotzdem ein wenig Rücksicht zu nehmen, wann wer zuhause war und was machte, damit er auch nicht störte. Selbst wollte er ja auch nicht gestört werden, wenn er irgendetwas wichtiges zu erledigen hatte. Bisher hatte ihr WG Leben immer perfekt funktioniert, wenn sie einfach ihre Zeitpläne abgesprochen hatten. Solange jeder wusste, wann die anderen arbeiteten oder außer Haus waren, konnte man sich selbst fixe Zeiten für alle möglichen Dinge setzen — oder zumindest machte Ash das, weil er ein bisschen versessen darauf war, sich die Zeit ideal einzuteilen. Aber auch für Sam war es beispielsweise unmöglich gewesen, zu telefonieren, während Ash im Nebenzimmer existiert hatte, weil sie sich dann grundlos belauscht gefühlt hatte. Nicht, dass es ihn sonderlich interessiert hätte, was sie mit ihrer Freundin besprach, oder dass er überhaupt mehr als verzogenes Murmeln durch die Wand gehört hätte, aber sie hatte da irgendwelche Komplexe. Die langen, geplanten Gespräche wurden also auf die Time Slots verschoben, die Ash im Tanzstudio verbrachte.

      Jetzt, wo Sam weg und Nik eingezogen war, würde sich der ganze Plan allerdings wieder ändern. Das war Ash von Anfang an bewusst gewesen, aber der Gedanke nervte ihn trotzdem ein wenig, also hoffte er einfach, dass Nik so unkompliziert war, wie er tat, und sie sich alle — oder eben er — schnell eine neue Routine zulegen konnten um sich nicht gegenseitig unabsichtlich in den Wahnsinn zu treiben. Denn egal wie gut man zu Beginn miteinander auskam, ohne ein paar Regeln und Pläne würden sich am Ende wahrscheinlich trotzdem alle gegenseitig umbringen. Oder Ash brachte jemanden um. Ja, vermutlich war die ganze Planerei ziemlich auf seinem Mist gewachsen aber es hatte noch keinem geschadet, sich Freunde statt Feinde zu machen.

      „Wann arbeitest du eigentlich? Bist du immer zur selben Zeit zuhause?“, fragte er also aus Interesse. Gedanklich konnte er sich ja schonmal einen kleinen Plan anfertigen. Es war nicht so, als würde er einen Kalender an den Kühlschrank kleben, an den sich jeder halten musste — vielmehr hatte er das alles einfach im Kopf abgespeichert und vielleicht etwas genauer als es unbedingt notwendig war. Zum Beispiel wusste er immer exakt, in welchem Zeitfenster er an jedem Tag aufstehen konnte, um niemanden anzutreffen, wenn er es vermeiden wollte. Er war nicht wirklich ein Morgenmensch, also war diese vorbeugende Taktik oft lebensnotwendig. Dass Nik vermutlich öfters morgens laufen ging hatte er also schon vermerkt.
      Insofern war seine Routine viel eher ein taktisches Ausweichen versus Aufeinandertreffen mit seinen Mitmenschen…
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Nik winkte dankend ab. „Ach was, ich glaube ich komm zurecht. Im Grunde muss ich nur noch ein Regal aufbauen und dann ist eh nur noch ausräumen und einsortieren. Nimm es mir nicht übel, aber das mache ich dann doch lieber alleine…du weist schon, private Sachen und so.“ lächelte er. Vor allem auf Grund seiner Krankheitsgeschichte und mehreren sehr umfangreichen Ordnen mit Dokumenten war ihm das schon ein wenig unangenehm. „Ich hab aber auch kein Problem wenn du Musik machst, im schlimmsten Fall, ich hab gute Kopfhörer also werde ich wohl Mittel und Wege finden.“ zwinkerte er Ash zu.

      Als der jüngere ihn dann Frage wann er arbeitete beziehungsweise ob er immer zur selben Zeit zuhause sein würde runzelte Nik kurz die Stirn. Die Frage kam ihm komisch vor, irgendwie kontrollierend. Er erinnerte sich an die Zeitangaben in der Army. Ab einer bestimmten Uhrzeit wurde das Kasernengelände geschlossen und dann war es kaum mehr möglich auf seine Stube zu kommen und die zu Bettzeit wurde an einigen Tagen schon fast penibel genau kontrolliert.

      „Grundsätzlich von halb acht bis fünf ungefähr, aber ich bleib meistens länger…und stehe früher auf.“ beantwortete er sehr vage die Frage. „manchmal gehe ich früher, manchmal mache ich früher Schluss, manchmal bin ich noch bis spät abends in der Werkstatt, kommt ganz auf den Tag an. Es wird sicher Tage geben an denen ich mich den ganzen Tag nicht blicken lasse, abends vielleicht noch mit irgendwem unterwegs bin.“ vertiefte er seine Antworte, gab jedoch immer noch keine sehr konkrete Zeitangabe auf die Frage.

      Es hatte auch schon Wochen gegeben, da war er mehrere Tage am Stück nicht nachhause gekommen weil er sich wie ein Tier im Käfig gefühlt hatte. Dann hatte er zum Teil freiwillig in der Werkstatt geschlafen oder bei dem Freund, bei dem er die letzten Wochen ebenfalls untergekommen war. Das hatte ihn nie wirklich gestört, in den letzten Wochen war es jedoch zu einem Zwang geworden und eben das störte ihn. Sonst war es immer ein ‚ich könnte muss aber nicht‘, immerhin hatte er eine Wohnung gehabt. Er mochte es die Möglichkeit offen zu haben, entscheiden zu können und nicht gezwungen zu sein woanders als in seinem eigenen Bett schlafen zu müssen.
    • Private Sachen? Dass Ash Niks Kram nicht einräumen würde, war doch völlig klar. Jeder hatte seine eigene Ordnung und er hatte heute besseres zu tun, als jemandes Unterwäsche zu ordnen oder irgendwelche Hobbys zu entdecken, von denen er lieber nichts wusste. Aber zumindest schien er sich wirklich nicht zu sehr daran zu stören, dass in der Wohnung nicht immer völlige Stille herrschen konnte, und hatte nicht nur komplett zweckmäßig einem Einzug zugesagt. "Mhm, okay. Ich versuche sowas auch immer an Tage zu legen, an denen ich alleine bin, aber das geht ja nicht immer", erklärte er.
      Niks Antwort auf seine Frage war dann aber doch irgendwie sehr vage und mit jedem seiner Worte kam es Ash unnötiger vor, überhaupt gefragt zu haben. Wenn er so gar keinen Zeitplan hatte, nichtmal fixe Arbeitszeiten, dann musste er wohl damit klarkommen, dass Ash nicht um ihn herum leben konnte, sondern wie früher zuhause einfach jederzeit mit allem zu rechnen hatte. Es war irgendwie unangenehm, nicht zu wissen, wann sich wer wo befand. Mit der Zeit würde sich bestimmt irgendetwas einpendeln und eine Möglichkeit zur Planung ergeben, aber ein wenig unzufriedenstellend war die Antwort trotzdem. Aber als er in eine Wohngemeinschaft gezogen war, hatte er ja schon damit rechnen müssen, dass sowas passierte. Er lebte eben nicht allein. Und vermutlich zog er Gesellschaft sogar einem Zeitplan und Privatsphäre vor, er war noch nie gut darin gewesen, dauerhaft alleine zu sein.

      Ash akzeptierte also erstmal die neue Information. "Okay. Ähm, du scheinst mir ziemlich spontan zu sein, aber falls dich interessiert, wann Ethan oder ich arbeiten, oder wann ich sonst Termine hab, kannst du ja dem geteilten Kalender beitreten, da kann ich dir einen Link schicken. Übrigens, wir sollten mal Nummern austauschen, ich hab deine nicht" Es war zwar ziemlich notwendig, Kontakte auszutauschen, aber ein wenig seltsam war es ja schon, mal eben nach Niks Nummer zu fragen. Es musste erst noch in Ashs Gehirn ankommen, dass sie Mitbewohner waren.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • „Mach dir um mich keine Gedanken.“ winkte er ab, während er seine leere Schale anfing zu spülen. „Lass dich von meiner Anwesenheit oder nicht-Anwesenheit einfach nicht stören und mach dein Ding so wie du es gemacht hast bevor ich hier war.“ hing er noch lächelnd dran bevor er das Geschirr abtrocknete und wieder zurück in den Schrank stellte.

      Nik war ein angenehmer Zeitgenosse, wahrscheinlich bekam man die meiste Zeit gar nicht mit das er überhaupt da war und die andere Hälfte der Zeit war er wirklich nicht da. Er verließ morgens in der früh das Haus um seinen Sport zu machen, kam dann kurz wieder um zu frühstücken und war dann wieder den ganzen Tag unterwegs. Wenn überhaupt kam er abends irgendwann zurück in die Wohnung oder er ließ es ganz bleiben. Vielleicht war das der Grund warum er sich explizit nach einer Wohngemeinschaft umgeschaut hatte, es lohnt sich für ihn einfach nicht eine Wohnung alleine zu haben, wenn er eh kaum zuhause war und außerdem genoss er manchmal die Anwesenheit anderer sehr. Wenn er alleine sein wollte blieb er abends länger in der Werkstatt und beschäftigte sich mit den Autos die dort auf dem Hof standen.

      Als Ash dann vorschlug Nummern auszutauschen nickte er und zog sein Handy aus der Tasche seiner Jogginghose. Nik entsperrte das Gerät und hielt es Ash mit der geöffneten Kontaktapp hin. Fast Punkt genau als Ash das Handy an sich nahm tauchte am oberen Rand eine eingegangen Nachricht ein.

      |Isaac: Hey My love, wie ist die neue Wohnung? Wann darf ich mich denn zum Kaffee trinken einladen?|

      Nik bekam mit das sein Handy in Ashs Hand vibrierte, wer genau ihm da jedoch eine Nachricht geschrieben hatte wusste er nicht, grundsätzlich war es ihm aber auch egal ob Ash die Nachricht lesen würde oder nicht, im Grunde hatte er nichts zu verheimlichen.