My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Mit jeder Minute die verstreich wurde Noel nur noch verwirrter. Jaydens plötzlicher Stimmungsumschwung kurbelte sein Gedankenchaos nur noch mehr an und das er im Moment zusätzlich auch nicht unbedingt in der besten Verfassung war um vernünftige Gedankengänge zu ziehen, spielte noch dazu, immerhin hatte Jay in den letzten Minuten erfolgreich dafür gesorgt, dass sich sein Blut eine Etage tiefer bewegte. Das letzte was er wollte war, dass sich Jay ungewollt fühlte, er wollte per se einfach nur aus dieser Eiseskälte raus, das sie nun in dem kalten Auto saßen machte dabei kaum einen Unterschied.

      Noel hatte das Gefühl, dass wenn er nicht so langsam den Mund aufmachte und dieses schreckliches Missverständnis löste es nur noch schlimmer wurde, immerhin war er sich nun endlich sicher, dass es tatsächlich um die Frankreich-Sache ging. Nick hätte es einfach gar nicht ansprechen sollen.

      Jaydens Worte bohrten sich wie ein spitzer Speer mit voller Wucht in Noels Körper. Eigentlich hätte er bei jeden anderen Menschen genau die selbe Energie in seine Stimme gelegt, hätte genau so zurück geschossen ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob er seinen Gegenüber verletzte, jedoch ließen nicht die Worte des Studenten ihn zweifeln sondern eher der schon fast unsicherer Unterton in dessen Stimme. Als ob er Angst hätte, was Noel nun antworten würde. „Eigentlich heute Abend beim essen…wenn wir alleine gewesen wären.“ seufzte er leise. „Jayden…“ dieses Gespräch hätte so einfach sein können. Er hätte Jayden beim Essen gesagt, dass er vor Weihnachten zwei Wochen weg müsste und ihn dann gefragt ob er nach Weihnachten nicht nachkommen wollte, diese Einfachheit wurde jedoch aufgrund eines dummen kleinen Missverständnis zunichte gemacht. „…Zwei einhalb Wochen.“ kam es dann doch relativ direkt aus seinem Mund. „Vier wenn du nicht nachkommen möchtest, was ich echt schade finden würde, weil Frankreich wirklich wunderschön ist und wir genau im Zentrum von Paris wären.“
    • Zweieinhalb Monate also.

      WOCHEN?!
      Jays Kopf drehte sich langsam zu Noel herüber, nachdem er eine ganze Weile stur aus dem Fenster geblickt hatte. Er zog eine Grimasse, die klar seine Ungläubigkeit ausdrückte. Das war doch jetzt nicht sein Ernst. Die Wut kehrte ein wenig zurück.
      „Wochen? Zwei Wochen und du willst mit mir nach Paris?! Was zur Hölle hat dich abgehalten, mir das einfach gleich zu sagen?!“, ging er Noel an. Er wurde wirklich selten wütend, und gerade hatte er wohl kaum einen richtigen Grund dazu, das war ihm selbst bewusst. Aber er war einfach schrecklich irritiert. Er hätte sich keine einzige Sekunde Gedanken machen müssen? War es das, was Noel ihm gerade sagte? Für Jay war eben eine ganze Welt zusammengebrochen, nur damit der Kerl ihm sagte, er wollte Urlaub mit ihm machen?!

      Jay stieß in einer Mischung aus Lachen und Empörtheit Luft aus und sah wieder aus dem Fenster. Das war doch vollkommen lächerlich. Dass er wütend war, war noch lächerlicher. Er hatte sich eindeutig in alles enorm hineinsteigert, wenn ihn so eine Kleinigkeit direkt sein persönliches Worst Case Szenario ausmalen hatte lassen. Und jetzt war er wütend, weil es nicht stimmte. Was… irgendwie nicht sehr sinnvoll war. Hatte er nicht, was er wollte? Immernoch die Chance, Noel für sich allein zu haben? Wenn er sogar wollte, dass er ihn nach Frankreich begleitete, dann bestätigte sich auch noch Jays Verdacht, dass Noel einfach selbst noch nicht wusste, dass er mit ihm zusammen sein wollte. Denn das war definitiv nichts für Affären.
      Jay schüttelte den Kopf und zwang sich, runterzukommen. Kein Grund, sich weiter zu ärgern. Auch wenn es ihm mehr als bescheuert vorkam, dass Noel ihn so lange an einem Faden hatte hängen lassen, wenn er genau wusste, dass Jay wegen einem dämlichen Missverständnis sauer gewesen war, das sich in einer Sekunde klären ließe. Wobei das nichtmal das richtige Wort war. Wenn überhaupt war er wütend auf seine eigene Naivität, die heute ihr nächstes Level erreicht hatte.

      „Fahr rechts ran“, sagte er. „Los“
      Seinen Ton hatte er immernoch nicht so recht unter Kontrolle.
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    • Noel zuckte bei dem plötzlichen lauten Ton leicht zusammen. Eigentlich war er kein schreckhafter Mensch, aber dieses ganze Gefühlschaos welches sich in den letzten Minuten zwischen ihnen abgespielt hatte brachte ihn fast um den Verstand. Erst wurde er angeschwiegen, dann machte Jayden plötzlich mit ihm rum als hätten sie sich seit Monaten nicht mehr gesehen, dann war er sauer auf ihn und jetzt schrie er ihn an weil…es sich rausstellte, dass alles nur ein schreckliches Missverständnis war…das waren definitiv zu viele verschiedene Emotionen für diese Uhrzeit.

      „Naja, da saßen eben noch mindestens vier gute Gründe um es nicht laut rauszuposaunen.“ rechtfertigte er sich eher halbherzig. „Und wenn man es genau nimmt wäre ich zu dem Zeitpunkt schon in Paris…aber ja.“ bestätigte er Jaydens These. Für Noel hatte es vor ungefähr einer Viertelstunde noch absolut Sinn gemacht, dieses Thema nicht an dem Tisch auszuschweifen, warum sollte er auch, es ging ja auch nur sie beide etwas an, dass aus seiner wagen Antwort so eine große Sache gemacht wurde, hätte er sich kaum vorstellen können.

      Ohne mit dem Wimper zu Zucken, betätigte er seinen Blinker und fuhr an den rechten Seitenstreifen. Eigentlich wäre das kaum nötig gewesen, die Straßen waren komplett leer. Bis auf einzelnen Straßenlampen war es stockduster auf der Strecke, nicht mal die Ampeln waren mehr eingeschaltet, es war jedoch auch schon mächtig spät. Der Blinker gab einen gleichmäßigen Ton von sich, jedenfalls solange bis Noel diesen wieder ausmachte und sich - soweit es ihm durch den Gurt möglich war - zu Jayden drehte.
    • Jay wartete noch nicht einmal, bis Noel sich nach dem Parken völlig zu ihm herumgedreht hatte, bevor sein Gefühlsschwall wieder von ihm Besitz ergriff und er den Blonden am Kragen zu sich zog, um ihn viel zu energisch zu küssen. Er war sich garnicht sicher, was das bisschen Wut noch in ihm verloren hatte, aber er brauchte wohl einen Moment um die wieder abzubauen. Gleichzeitig fühlte er sich euphorisch. Die Traurigkeit hallte noch nach, aber die Euphorie war stärker, schließlich wollte Noel ihn nicht abservieren, sondern die Ferien mit ihm in einer absolut romantischen Stadt verbringen. Hätte er ihm das gleich gesagt, hätte Jay ebenfalls Luftsprünge gemacht, aber jetzt kamen eben noch so viele andere Emotionen hinzu, dass er sich nicht mehr zurückhalten konnte und wirklich nah dran war, sich endgültig an Noel festzutackern. Damit er es sich ja nicht anders überlegen konnte.

      Einen Tacker hatte er gerade nicht, aber seine Zunge, seine Lippen und seine Hände und die mussten für die Überzeugung reichen. Er wusste, dass Noel drauf stand, wenn er seinen Hals berührte, also hinterließ er wie letzten Male ein paar Knutschflecken, die ihn tagelang schmücken würden. Es tat Jayden absolut nicht leid. Wenn er schon so nah dran war, seinen Willen zu bekommen, würde er Markierungen an Noels Körper hinterlassen so oft er wollte. Außerdem mochte er die Geräusche, die sich jedes Mal unterdrückt zwischen Noels Lippen hervorstahlen.
      Bevor er sich selbst noch weniger im Griff hatte, als er es eh schon tat, löste er sich Noel und lehnte sich wieder in seinem Sitz zurück. Er atmete durch und zupfte seinen Pullover zurecht.

      „Klar komm ich mit nach Paris, was dachtest du eigentlich? Und zweieinhalb Wochen ohne dich hätten mich nicht so schockiert, dass ich auf den Tisch gesprungen wäre und eine Szene gemacht hätte, falls das die Sorge war“, meinte er etwas außer Atem. „Ich hab ein eigenes Leben, weißt du?“
      Diese Gleichgültigkeit war eine absolute Lüge, die er Noel gerade auftischte, und sonderlich glaubwürdig war sie nach seinem Ausbruch eben auch nicht, aber irgendwie musste er ja wenigstens versuchen, seine Ehre zu wahren.
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    • Noel verstand nun ganz offiziell die Welt nicht mehr. War er in dem Alter auch so drauf? War er überhaupt schon mal in seinem Leben so drauf gewesen? Und seine Gefühlsschwankungen sollten ‚nicht von dieser Welt sein‘? Jayden hatte mit seinen Worten damals aber mächtig falsch gelegen, und trotzdem konnte Noel nicht anders als leicht zu Grinsen als der Jüngere ihn plötzlich wieder an sich zog und ihn küsste. Mit dieser Reaktion hatte er durchaus mehr gerechnet als mit all dem was davor passiert war. Vielleicht hätte er wirklich von Anfang an mit der Sprache rausrücken sollen. Kommunikation war nur leider noch nie seine Stärke gewesen, Jays allen Anschein nach jedoch auch nicht wirklich.

      Das sie immer noch in dem Auto des Franzosen saßen, mitten auf einer dunkeln Straße irgendwo am Straßenrand schien der Student anscheinen komplett auszublenden, anders konnte sich Noel dessen Verhalten nicht erklären, aber spätestens als er die Lippen des Jüngeren an seinem Hals spüre war ihm dieser Fakt auch sehr egal. Immerhin war es in dem Wagen mittlerweile angenehm warm, also gab es im Gegensatz zu ihrer letzten spontanen ‚Rummachaktion‘ ein Problem weniger. Ein leises Geräusch, welches stark an ein unterdrücktes Wimmern erinnerte kroch über Noels Lippen als Jayden sich - mal wieder - sehr erfolgreich auf dessen Hals verewigte. Manchmal verfluchte es der Künstler ein wenig, dass er so sensibel auf diese Stelle reagierte, aber gerade jetzt in diesem Moment konnte er nicht anders als die kleinen Stromschläge, welche durch seinen Körper jagten mit einem leisen stöhnen zu quittieren. Die Erregung von eben, schien wohl doch noch nicht komplett seinen Körper verlassen zu haben, jedenfalls nicht so sehr, dass sie nicht prompt wieder hätte aufflammen können. Noel merkte erst, dass er eine seiner Hände in Jays Haaren vergraben hatte, als sich diese sanft aus den braunen Strähnen lösten und Jayden schon fast etwas kraftlos auf die Schulter rutschte.

      „Du machst mich wahnsinnig.“ meinte er leicht schmunzelnd. „Keine Ahnung ob auf die gute oder auf die schlechte Art, aber egal was du machst, du machst es echt gut.“ sein Schmunzeln wurde zu einem leichten Grinsen ehe er Jayden wieder etwas näher zu sich zog, ihm einen letzten - etwas sanfteren - Kuss gab und sich dann wieder in seinen Sitz fallen ließ. „Können wir jetzt nachhause?“ Jaydens Worte ließ er fürs erste umkommentiert.
    • „Mhm“, gab Jay sein Okay zur Weiterfahrt. Er schielte einmal kurz zur Seite, sah, dass Noel von den Küssen genauso begeistert gewesen war, wie Jay es beabsichtigt hatte, und musste sein Lächeln hinter seiner Hand verstecken, in der er sich am Fenster abstützte. Mehr hatte er ja garnicht gewollt. Okay, gegen mehr hätte er keinen Einwand, aber sie saßen schließlich im Auto und auch, wenn Jay sich sicher war, dass die Sitze sich in diesem großen Wagen bestimmt bequem und platzreich umlegen ließen, wollte er Noel es nicht antun, sein Auto zu versauen. Das wäre vielleicht in der komischen kleinen Kiste seiner Freundin gegangen.
      So oder so hatte Jay für den nächsten Tag einen viel zu frühen Wecker gestellt und auch, wenn nun einige Tage nichts zwischen ihnen gelaufen war — weil einerseits Cyrus irgendwie die Stimmung zerstört hatte und Jay andererseits in Stress und Arbeit versunken war — wollte er es heute nicht drauf ankommen lassen. Nicht mehr lange, dann war Weihnachten und endlich Ruhe, aber bis dahin musste er sich noch ins Zeug legen, was die Uni anging. Er konnte sich nicht leisten, öfter zu spät zu kommen, dafür stach er seinen Dozenten schon zu sehr ins Auge.

      Vielleicht konnte Jay sich ja noch fürs Wochenende unbemerkt bei Noel einnisten, selbst wenn die Problematik mit Cyrus sich mittlerweile erledigt hatte. Er schlief eben zu gerne neben Noel… und frühstückte mit ihm und sah abends zusammen fern oder schwieg sich mit ihm gegenseitig an, wenn sie beide arbeiten mussten. Es war perfekt gewesen die letzten Tage und Jay wollte es noch etwas länger auskosten. Außerdem wollte er nie wieder mit irgendjemandem in seinem Studentenzimmer rummachen, das hatte sich für ihn erledigt. Je mehr Zeit er in Noels Wohnung verbrachte, desto mehr Gelegenheiten boten sich also an.
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    • Irgendwann würde der Student ihn wirklich noch ins Grab verfrachten, aber bis dahin würde er die Zeit einfach genießen.
      Nachdem Noel seinen Wagen wieder von dem Seitenstreifen manövriert hatte fuhr er das letzte kurze Stück zu seiner Wohnung. Sie waren zugegebenermaßen nicht wirklich weit gekommen aber glücklicherweise wohnte er ja relativ zentral und war so recht schnell egal wo er gerne hinwollte. Sobald sie wieder auf der Straße waren, legte Noel seine rechte Hand auf Jaydens Oberschenkel. Dank der Automatik-Schaltung musste er sich nicht Mals deswegen Gedanken machen und außerdem war er ein sehr geübter Autofahrer, was bei den langen Strecken die er teilweise zurücklegte auch kein Wunder war.

      „Du bist also nicht mehr sauer auf mich?“ fragte Noel nochmal zur Sicherheit während er vor seiner Wohnung parkte. Eigentlich war ihm Jays Antwort auf diese Frage schon klar, trotzdem wollte er es nochmal zur Bestätigung hören. Die ganzen Stimmungswechsler der letzten paar Minuten hatten ihn zwar nicht wirklich unsicher gemacht, aber fragen konnte man ja trotzdem, sie sollten sowieso nochmal über ihr kleines allgemeines ‚Kommunikationsproblem‘ reden, aber das am besten nicht mehr heute Abend. Noel wollte jetzt am liebsten einfach nur noch eine schnelle Dusche nehmen und dann ab ins Bett, auch wenn er sich nicht beschweren würde wenn zwischen den beiden Punkten eine undefinierbare Zeitspanne stehen würde oder sich die Reihenfolge etwas ändert, trotzdem sollten sie damit anfangen aus dem Auto in die Wohnung zu kommen.
    • "Nein, bin ich nicht", stimmte er zu und legte seine Hand über Noels. Er war ein Fan von diesem Auto. Trotzdem hatte er noch das Gefühl, die Sache sinnvoll abschließen zu müssen. "Ich dachte, du sagst mir nichts, weil du für ein paar Monate weg müsstest und das der Grund war, wieso du keine Beziehung haben möchtest. Weil es sich nicht lohnt", murmelte er in seine Hand hinein, den Blick weiter stur aus dem Fenster gerichtet, aber dann brachte er sich doch dazu, Noel anzusehen. "Sorry, ich hätte mich da nicht reinsteigern sollen. Kam mir nur… so logisch vor" Nachdem er Noels Grund dafür, ihm nicht am Tisch gleich alles zu erzählen, auch nur halb nachvollziehen konnte, war es für Jay sogar immer noch logisch, dass er zu solchen Schlüssen gekommen war. Aber Noel hatte sich das Gespräch wohl irgendwie romantischer vorgestellt. Tja, so hatten sie es beide völlig versaut. Aber im Endeffekt ging es um eine ziemlich coole Sache, über die Jay sich deshalb nicht weniger freuen würde. Es gab noch ein paar Details, die er für sich selbst klären musste, aber dann wäre er good-to-go. Flugpreise waren so ein Detail.

      Als sie hoch zur Wohnung gingen, gähnte Jay unzählige Male. Der Tag war anstrengend gewesen, aber als besonders auslaugend hatte er die letzte Stunde empfunden. Er freute sich darauf, ins Bett zu kommen. Vor allem freute er sich darauf, Noel neben sich zu haben und sich der beruhigenden Tatsache hingeben zu können, dass ein Ende ihrer Zweisamkeit noch nicht absehbar war. Und auf eine Dusche, das ebenfalls. Der Geruch nach Bier und Burger wollte ihm nicht aus der Nase gehen. Viel lieber war er eingehüllt in den Duft von Noels Duschgels und Shampoo. Für Jay roch er immer ein wenig nach Sandelholz und einer Blume… deren Name ihm nie einfiel, obwohl er sie genau vor Augen hatte - ganz unabhängig davon, was für Düfte er tatsächlich benutzte. Fakt war, dass Jay sich darin einhüllen könnte und er sich immer sofort wohl fühlte, wenn er Noel in seinen Armen hatte.
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    • „Versprichst du mir was?“ fragte Noel etwas leiser nachdem Jayden ihm die Sache nochmal abschließend aus seiner Sichtweise erklärt hatte. „Versprichst du mir, dass wir versuchen werden offener zu kommunizieren? Ich hab das Gefühl, dass unsere meisten Probleme eigentlich keine Probleme sind sondern kommunikative Missverständnisse, die sich eigentlich super einfach klären lassen wir sie aber unfassbar kompliziert machen.“ Fing Noel an, machte eine kurze Pause in welcher er Jaydens Hand zu seinen Lippen führte und einen sanften Kuss auf die Haut hauchte. „Ich weiß selbst, dass ich da wohl gut reden habe, Kommunikation war noch nie einer meiner Stärken, aber du bist mir echt wichtig Jayden, und ich will nicht, dass das hier nicht funktioniert weil wir auf den kommunikativen Niveau von Grundschülern sind. Wenn es irgendwann man dazu kommen sollte, dass ich länger als nur ein paar Wochen weg sein werde, werden wir selbst dafür eine Lösung finden, wenn du das möchtest.“ er lächelte seinen Gegenüber sanft an, schaltete den Motor seines Autos aus, bevor er jedoch endgültig Ausstieg, beugte er sich nochmals ein wenig näher zu dem Studenten. „Und außerdem hab ich nie gesagt, dass ich keine Beziehung mit dir möchte.“ hauchte er ihm leise ins Ohr, der danach folgende Kuss hätte auch nur ein sanften streicheln seiner Lippen gehen Jays Wange sein können. „Lass und hoch gehen, ich hab das Gefühl wir riechen beide nach Burgerfleisch und brauchen ganz dringend eine Dusche.“ lachte er leise.

      Obwohl der Weg hoch in die Wohnung nicht weit war, reichte das Noel schon aus. Es war wirklich entsetzlich kalt draußen. Wenn das so weiterging würde der Winter definitiv früher als er sich erhofft hatte an die Tür klopfen.
      Noel beobachtete Jay mit einem sanften Lächeln als sie die wenigen Stufen hoch zu seiner Wohnung gingen. Der Student schien genau so müde und fertig zu sein wie er selbst. Die letzten Stundeten waren aber auch ein auf und ab gewesen in allen möglichen Richtungen. Sobald sie ihre Jacken und Schuhe ausgezogen hatten, zog Noel den Jüngeren sanft mit ins Badezimmer. Jetzt wo er endlich wieder in seiner eignen Wohnung stand fielen ihm die Erinnerungen wie schwerer Ballast von den Schultern. Auf einem Schlag war er plötzlich unwahrscheinlich müde, die Dusche würde er sich aber definitiv vorher nicht nehmen lassen, nicht wenn er das Gefühl hatte tote Tiere an sich riechen zu können. Als hätten sie sich vorher schon geeinigt zusammen duschen zu gehen, zog der Franzose seinen Pullover aus. Sein Blick fiel auf sein eigenes Spiegelbild, oder wohl eher auf die dunkel lilafarbenen Flecke die sein Spiegelbild am Hals trug. Durch die Spiegelung ihm gegenüber warf er Jayden einen kurzen Blick zu, so richtig sauer konnte er ja nicht sein, immerhin konnte er sich immer noch viel zu bildlich vorstellen, wie die kleinen Stromschläge durch seinen Körper zuckten wenn er Jays Lippen an seinem Hals spürte, also ließ er das einfach unkommentiert. Es war immerhin Winter, er sollte keine Probleme haben seinen Hals irgendwie zu verdecken, trotzdem sollten sie dich dafür irgendwann eine anderen Lösung suchen, aber nicht heute, und vor allem nicht jetzt.
    • Noel hatte vermutlich recht. Kommunikation war nicht Jays Stärke. Der Bedarf war auch selten dagewesen, also gab es wenig Gelegenheiten um sich darin zu üben. Seine Freunde waren unglaublich unkompliziert und wenn es doch mal Probleme gab, konnte man die meistens gut über einem gemeinsamen Bier lösen oder sie lösten sich von alleine. Beziehungen hatten aus vielen Gründen bei Jay nie lange genug gehalten, um an ihnen arbeiten zu wollen und seine Eltern waren immer deutlich zu beschäftigt gewesen, um ihm viel Aufmerksamkeit zu schenken. Liebevoll waren sie und Jay wusste, dass man immer Rücksicht auf Menschen nehmen musste, das war sozusagen das erste, das man ihm beigebracht hatte. Dass das beinhaltete, auszusprechen, was man dachte, kam in seinem Kopf wohl nicht so richtig an. Meistens war er besser dran gewesen, wenn er Dinge für sich behielt.

      „Okay“, sagte Jay also. „Ich versuch es“ Dass er sofort sonderlich gut darin sein, sich so etwas anzugewöhnen, bezweifelte er, aber er wollte sich nicht mit Noel streiten. Es fühlte sich grauenhaft an. Wenn er das irgendwie umgehen konnte, würde er es tun. Außerdem genoss er es, Noel sagen zu hören, wie wichtig er ihm war. Da würde er ihm jeder Bitte nachkommen.
      Er wollte gerade hinzufügen, dass ein Aufrechterhalten ihrer kleinen Sache hier über mehrere Long-Distance Wochen doch ziemlich an eine Beziehung angrenzte (weil er langsam nunmal etwas stur wurde), da lehnte Noel sich zu ihm herüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr, das Jays Herz schneller schlagen ließ. Also… was hieß denn das jetzt?
      Jays Augen folgten dem Franzosen mit großen Fragezeichen als dieser aus dem Auto ausstieg, ohne dem etwas hinzuzufügen. Was denn jetzt? Wollte er ihn nur ärgern? Wie konnte er das nur so verführerisch sagen und dann aussteigen, als wäre nichts gewesen?

      Jay folgte Noel aufmerksam, immernoch irgendwie darauf wartend, dass dieser seinem Satz etwas hinzufügen würde. Aber da kam nichts. Kein ‚lass uns doch einfach zusammen sein‘ oder ‚ich hab heute realisiert, dass ich dich nur für mich haben will‘. Nichts von dem, das Jay gerade so unbedingt hören wollte. Ja, ihm war immernoch bewusst, wie schnell alles ging und dass er vor allem nach dem heutigen Tag vielleicht etwas langsam machen sollte, aber er konnte nicht anders. Er war absolut bereit, Noel jeden Wunsch zu erfüllen. Einer davon… würde ihn noch etwas Zeit und Überwindung kosten aber er plante durchaus in entfernter Zukunft ganz offen mit seinen Gefühlen sein zu können. Irgendwann eben, aber der Wille zählte doch, also reichte das nicht um ihn von einer Beziehung zu überzeugen? Jay wollte sich einfach nicht vorstellen, wie Noel plötzlich entschied, dass er sie beide doch nicht auf Dauer zusammen sah.

      Seine Gedanken kreisten ein wenig, jedoch war er deutlich zu müde und betrunken, um zu einem Schluss zu kommen und Noel überraschte ihn mit seiner Aktion im Badezimmer so sehr, dass in seinem Kopf sowieso von einem Moment auf den anderen Stille herrschte.
      Wollte er gemeinsam duschen? Das hatten sie bisher noch garnicht zusammen gemacht. Jay spürte, wie sich die Müdigkeit geringfügig verabschiedete und es ihn so unter den Finger juckte, dass er Noel kurzerhand zu sich drehte und ihm eigenständig das Shirt über den Kopf zog. Er war zu k.o. und unkoordiniert, um Lust auf mehr zu haben, vorrangig weil ihm der kommende Morgen im Hinterkopf hing, aber er war einfach zu verliebt in Noels Körper, um ihm nicht zumindest etwas Aufmerksamkeit zu schenken, wenn er mal wieder die Gelegenheit bekam, mehr davon zu sehen.

      Er ließ das Shirt zuboden fallen und zog Noel an seinen Hüften ein Stück zu sich.
      „Ich mag es, dass du auf meiner Augenhöhe bist“, murmelte er leise. In seinem Kopf formten sich zusammenhanglose, betrunkene Gedanken, die er unbedingt aussprechen wollte. Er drückte Noel einen Kuss auf die Lippen.
      „Und dass du eifersüchtig wirst“ Jay lächelte. „Obwohl du meine volle Aufmerksamkeit haben kannst, wenn du sie willst“ Er strich Noel sanft über den Rücken.
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    • „Ich war nicht…“ er stoppte sich selbst kurzerhand mitten im Satz. Und wie er eifersüchtig war. Am lieben hätte er Theo in der Luft verrissen nur leider wäre das erstens eine ganz schöne Sauerei geworden und zweitens wollte er ungern eine Gefängniszelle von innen sehen…naja und wahrscheinlich hätte er das sowieso nur verbal geschafft und dazu hatte ihm in dem Moment deutlich die Energie gefehlt. „…okay vielleicht war ich ein klein wenig eifersüchtig, aber so wie der mit dir geflirtet hat, wärst du sicher auch eifersüchtig geworden.“ rechtfertigte Noel sich eher halbherzig. Eigentlich hatte er ja offiziell (noch) gar keinen Grund eifersüchtig zu sein. Sie dateten sich nur und trotzdem störte ihn der Gedanke, das Theo offenbar gefallen an Jayden fand. Zeigte nicht genau dieser Gedanke, dass Noel eigentlich schon bereit für eine Beziehung mit den Studenten war und das ihn nur seine eigenen irrationalen Ängste davon abhielten? Er sollte sich ganz dringen mal selbst im klaren werden was er eigentlich selber wollte…obwohl eigentlich war ihm das schon längst klar…

      Ehe er sich wieder in den Strudel aus Gedanken steigern konnte lehnte er sich ein wenig mehr an den Studenten. Er hatte recht, er konnte Jays gesamte Aufmerksamkeit jederzeit haben wenn er sie wollte, das hatte er heute nur zu gut unter Beweis gestellt, so wie er wunderbar unter Beweis gestellt hatte, das Theo keinerlei Konkurrenz für ihn bedeutete. Klar sah der Sänger attraktiv aus, aber Noel konnte sich kaum vorstellen, dass Theo der Typ Mensch war mit dem Jayden jemals eine romantische und / oder sexuelle Beziehung eingehen würde, er wusste nicht mal warum, aber irgendwie kam es dem Franzosen so vor, als ob Jayden keinerlei Interesse an dem eigenen Geschlecht hatte, wenn er sich selbst mal vorne weg nahm. Er sollte ganz dringend aufhören sich seinen Kopf über solche Themen zu zerbrechen, vor allem um diese Uhrzeit.

      „Lass uns duschen gehen.“ beschloss er kurzerhand, zog Jay für einen - vorerst - letzten Kuss kurz an sich, ehe er sich auch schon seiner restlichen Klamotten entledigte, diese einfach auf den Wäschekorb warf und sich dann unter die Dusche stellte.

      Das Glas beschlug schnell durch die Hitze. „Kommst du jetzt, oder lässt du mich alleine duschen?“ fragte er den Jüngeren mit einem frechen zwinkern und strich sich die nassen Haare nach hinten.
    • Jaydens Kopf wurde für einen Moment völlig klar, als Noel etwas sagte, das für ihn gänzlich neu war.
      „Geflirtet?“, fragte er irritiert und blieb einen Moment irritiert stehen, bevor er Noel in die Dusche folgte. „Nein, ich meinte… ich hab heute Abend ziemlich viel mit Theo geredet, er ist… echt gesprächig. Keiner hat was von flirten gesagt, ich würde nie…“ Nein, Noel hatte gesagt, Theo hatte mit ihm geflirtet. Das konnte Jay sich kaum vorstellen… oder? Zugegebenermaßen hatte der Sänger ziemlich an ihm geklebt, aber das kam Jay garnicht allzu seltsam vor. Ähnliches war er zum Beispiel von Eliot gewohnt, wenn er zu viel geraucht hatte, und sie hatten heute schließlich auch das eine oder andere Glas weggekippt.

      Jay schäumte sich noch immer nachdenklich die Haare auf und war kaum bei der Sache, was etwas heißen mochte, nachdem ihm zum ersten Mal die Ehre zuteil wurde, mit Noel zu duschen. Offensichtlich war er heute viel zu zerstreut.
      „Ich glaube nicht, dass er das so gemeint hat. Warum auch? Wir haben nur über Musik gesprochen. Kein Geflirte. Wäre auch seltsam, weil er wusste, was zwischen uns ist“, weigerte er sich, Noel zu glauben. Nur, weil ein Mann mal etwas weniger Berührungsangst hatte, hieß das ja nicht gleich, dass er mit einem flirtete — Jay hatte selbst nie ein Problem mit Umarmungen und dergleichen gehabt, auch wenn er sich bei manchen seiner Freunde mehr zurückhielt als bei anderen. Aber flirten… Das machte schon garkeinen Sinn, wenn Jay so völlig offensichtlich an Noel interessiert war, der die ganze Zeit über neben ihm gesessen hatte. Aber wenn Noel das so gesehen hatte, war es kein Wunder, dass es seine Laune beeinträchtigt hatte.

      „Ich glaube, das hast du falsch verstanden“, sagte er bestimmt. Der plötzliche Kuss vor dem Lokal machte jetzt… mehr Sinn. Aber wenn Noel deshalb eifersüchtig gewesen war, sollte er sicher nochmal überdenken, zu seinem Satz im Auto vorhin etwas hinzuzufügen.
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    • „Ich denke nicht, dass ich mich da geirrt habe.“ warf er in einem ruhigen Ton ein. „Theo hatte schon immer eine sehr flirtende Persönlichkeit. Vielleicht hatte es auch gar nichts mit dir im spezifischen zu tun sondern eher mit der Tatsache, dass du, in der Hinsicht ‚der Neue‘ in der Gruppe warst…pass einfach ein bisschen auf ja? Er ist zwar allgemein ganz nett, aber manchmal trau ich ihm nicht.“ fügte der Franzose sein Bedenken hinzu. „Aber ich finde es schön, dass du Leute gefunden hast, die deine Leidenschaft teilen und mit denen du dich so gut verstehst.“ hing er noch hinten dran. Es hieß nicht nur weil er eifersüchtig auf den Sänger war, dass er es Jay nicht gönnte Leute mit der selben Leidenschaft gefunden zu haben. Noel wusste selbst wie schwer es war Menschen zu finden, welche das selbst Hobby teilten, nicht das er nach diesen Menschen suchte, er führte die meisten seiner Hobbys gerne klamm und heimlich alleine in seiner Wohnung durch, aber er konnte die Freude durchaus nachvollziehen Menschen mit den selben Passionen um sich herum zu haben.

      „Lass uns das Thema jetzt aber ruhen lassen.“ bat er etwas leiser, ehe er Jayden sanft etwas näher an sich zog. „Vielleicht hab ich mir das auch nur eingebildet.“ Hatte er nicht, aber Noel hatte gerade weder Lust noch Kapazität jetzt eine Diskusion anzufangen die nicht sein musste. Wenn Jayden das nicht so sah, war ja alles gut, das hieß im Umkehrschluss auch nur, dass er keinerlei Interesse an dem Musiker hatte, jedenfalls keine Interesse welche über eine Freundschaft und idolbehaftete Schwärmerei hinaus ging und das konnte Noel gerade noch so verkraften.
    • „Also wenn er tatsächlich geflirtet hat, dann ja wohl, weil ich absolut heiß bin. Was für einen Grund braucht er sonst noch?“ Jay schmunzelte und ließ sich an Noel heranziehen, das Thema ließ er wie erboten damit auch bleiben, aber aus seinem Hinterkopf verschwand das Ganze dennoch nicht. Es war eindeutig, dass Noel nicht ernsthaft der Meinung war, sich womöglich irgendetwas eingebildet zu haben. Daher blieb die Sache Jay länger im Kopf als er wollte. War das Flirten gewesen? Normalerweise fiel ihm sofort auf, wenn man mit ihm flirtete, aber womöglich… hatte er nie darauf geachtet, dass Männer Interesse an ihm haben könnten. Nun fragte er sich irgendwie, ob ihm seine Sexualität vielleicht viel früher bewusst gewesen wäre, wenn er nur gemerkt hätte, wenn irgendein Typ mit ihm flirtete. So unwahrscheinlich war das doch bestimmt nicht, bei den ganzen Parties… Unmöglich war jede einzelne Person hetero gewesen. Vielleicht sah Jay aber auch einfach zu hetero aus, um angeflirtet zu werden.

      Mehr oder weniger unfreiwillig kam Jay auf das Thema nochmal indirekt zurück.
      „Sag mal, woher wusstest du, dass ich Interesse an dir hatte und nicht nur Spaß gemacht hab?“, fragte Jay während er darauf wartete, sich unter dem Wasser die Seifenreste abspülen zu können. Naja, wohl abgesehen davon, dass er Noel ganz direkt angemacht hatte… Aber er war stockbesoffen gewesen. Vielleicht hatte Noel sich auch nur auf ihn eingelassen, weil er betrunken gewesen war und wissen hatte wollen, was wohl passieren würde, wenn ein hetero Typ ihn anmachte. Tja, Jay hatte in dem Moment selbst noch garnicht so richtig verarbeitet, dass er mit einem Mann sprach und nicht einer etwas zu großen, dünnen Frau mit kurzen Haaren und fiesem Blick. So oder so hatte Noel ihn von der ersten Sekunde an völlig eingenommen, da hatte ihn nichtmal mehr sein Geschlecht abschrecken können. So redete Jay es sich jedenfalls selbst ein. Wer hatte schon sein sexuelles Erwachen mit 24.

      „Findest du, ich sehe hetero aus?“, fragte er. Dumme Frage. Wie sah man hetero aus? Und wie schwul?
      „Oder… keine Ahnung… gibt es nicht sowas wie… ein Gaydar? Gay Radar? Hab ich mal gelesen. Hast du das? Dachtest du dir sofort ‚oh, der meint das ernst‘?“ Jay war neugierig. Irgendeinen Grund musste es doch dafür geben, dass er bisher nur mit Frauen ausgegangen war. Und dass Theo an ihm Interesse hatte, aus welchem Grund auch immer, erschien ihm so… realitätsfern.
      „Ach, egal, vergiss die Frage“, zog er es wieder zurück. Sie war sowieso dämlich gewesen. Wahrscheinlich war es eine Mischung daraus, dass Jay die Option garnicht wahrgenommen hatte und dass er zu hetero wirkte um von Männern angeflirtet zu werden. Wenn er ständig irgendein Mädchen neben sich gehabt hatte war es auch kein Wunder.
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    • „Stimmt leider, du bist echt verflucht heiß.“ hauchte Noel ihm leise, ganz nah in sein Ohr und küsste dann die Stelle darunter. Trotz seines Stimmtons fuhren die Hände des Franzosen schon fast ein wenig träge über Jaydens Rücken. So als ob er gar keine wirkliche Interesse hatte ihre Situation auf ein anderes Intensitätlevel zu steigen, hatte er in dem Moment tatsächlich auch gar nicht. Er genoss gerade einfach die Zweisamkeit, davon hatten sie an diesem Tagen definitiv zu wenig gehabt.

      Als Jayden dann jedoch mit seinen Fragen kam, hielt Noel in seiner Bewegung inne und lächelte ihn dann sanft an. „Ich denke, ich hab das einfach gemerkt…keine Ahnung. An Halloween war das eher ein ‚schauen wir mal was passiert‘ und dann wurde daraus eine gewisse Neugier. Ich glaube spätestens als du damals zu mir ins Schlafzimmer gekommen bist ist es mir klar geworden. Ich meine, kein Typ der keine Interesse an jemanden hat, kommt Mitten in der Nacht in das Schlafzimmer von einem um diesen jemand zu küssen.“ grinste er. „Ich glaube ab einem bestimmten Punkt hab ich…ich weiß nicht, es einfach gehofft…frag mich nur nicht wann. Irgendwie ist das alles schrecklich schnell passiert. Ich glaube da gab es keinen richtigen Startzeitpunkt, aber wenn ich einen bestimmten Zeitpunkt nennen müsste, dann die Nacht der Karaokeparty...“ überlegte er laut. Das war ihr zweites Treffen gewesen. Er konnte sich noch gut dran erinnern wie fertig er an diesem Abend gewesen war und das er gar nicht mehr wirklich wusste, warum er Jayden den Platz auf seinem Sofa angeboten hatte, aber jetzt im Nachhinein war es definitiv die richtige Entscheidung gewesen.

      „Und ich finde du siehst aus wie du. Es gibt kein Hetero-Aussehen oder Schwul-Aussehen. Eine Sexualität ist kein Klamottenstil, aber ich kann verstehen was du meinst. Und ja, der Mythos mit dem ‚Gaydar‘ ist wahr.“ lachte er leise. „Keine Ahnung wie das funktioniert, es ist eher eine Art Gefühl und nein ich dachte mir nicht ‚der meint es ernst‘, als du an Halloween stockbetrunken mit mir geflirtet hast als würde dein Leben davon abhängen.“ auf seinen Lippen hatte sich ein freches Grinsen geschlichen. „Aber ich bin froh, dass du’s gemacht hast.“ gab er ehrlich zu.
    • „An dem Tag bist du mir nicht so froh vorgekommen“, neckte Jay ihn, hatte dabei aber ein entschuldigendes Lächeln auf den Lippen. Dass er furchtbar anhänglich und dreist werden konnte, wenn er betrunken war, wusste er, und seine Worte hatten damals vermutlich auch nicht mehr allzu viel mit Flirten zu tun gehabt. Er war sicherlich ein wenig verzweifelt gewesen, Noel um jeden Preis für sich zu gewinnen, egal worin es endete. Und es hatte… in einer völligen Existenzkrise geendet, aber jetzt war er garnicht unglücklich darüber. Er kam damit klar, dass er auf Noel stand, und er hatte nicht einmal allzu lange gebraucht, um es zu akzeptieren. Wieso auch? Er war unglaublich attraktiv. Jay hatte über keinen einzigen anderen Mann jemals wissentlich so gedacht, er achtete noch nicht einmal darauf, ob einer an ihm interessiert sein könnte. Es war ihm auch völlig egal. Noels Aufmerksamkeit reichte ihm völlig und bedeutete ihm mehr, als die von jedem Mädchen mit dem er je halbherzig ausgegangen war. Es lag nicht an deren Geschlecht, kein Stück, bloß an der Persönlichkeit. Noel war eben sehr eigen, völlig anders als die Menschen in Jays Umfeld und scheinbar hatte er endlich seinen Typ entdeckt. Jemand, der eine Seite an ihm herausbrachte, die er nicht gekannt hatte weil er sie unwissend unterdrückt hatte. Das betraf nicht nur seine Sexualität, sondern alle Gefühle, die Noel im Laufe des Tages so in ihm auslösen konnte. Und deshalb wollte er ihn auch nicht mehr loslassen.

      „Du magst es doch, wenn man unverschämt mit dir flirtet, oder?“, stellte Jay mehr fest, als zu fragen. Bisher hatten seine direkten Sprüche ihm ausschließlich Pluspunkte eingebracht. Das gefiel nicht jedem, aber Noel war ganz offensichtlich nicht abgeneigt, wenn man ihm das Ego streichelte. Völlig zurecht, nebenbei bemerkt. Wenn sich jemand erlauben konnte, von sich selbst überzeugt zu sein und auf andere herabzusehen, dann Noel.
      „Der Abend von der Karaokebar war ähnlich wie heute, oder?“, meinte er nachdenklich. „Ich war nicht betrunken, nur müde und überarbeitet, aber ich brauche überhaupt keine Überredung, um dich abzuknutschen“ Passend verteilte er ein paar eilige Küsse über Noels Gesicht. Wenn sie noch lange hier standen, müssten sie wohl kaum mehr ins Bett gehen.
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    • „Ich mag es wenn Leute direkt sind.“ gab er zu und lehrte sich ein wenig näher an Jayden. „Ich mochte deine direkt Art zu flirten von Anfang an. Es hatte was einfaches. Man weiß direkt worauf man sich einlässt auch wenn ich die meisten Menschen wohl eher abblitzen lasse.“ sprach er laut seine Gedanken aus. „Ich glaube, du hast da einfach ein ganz großen Bonus, keine Ahnung warum aber ich fühl mich einfach wohl bei dir…“ zum Ende hin wurde er ein wenig leiser und lächelte Jayden dann sanft an. „Lass uns ins Bett gehen.“ entschied er dann kurzerhand. Es war mittlerweile schon schrecklich spät geworden und er konnte sich wage dran erinnern, dass Jayden morgen zur Uni musste.

      Noel schaltete das Wasser aus, nahm sich dann eins der Handtücher bevor er es an den Studenten weiter reichte und sich dann selbst eins nahm. „Wann musst du morgen los?“ eigentlich würde er viel lieber den Tag mit dem Jüngeren im Bett verbringen, vor allem nach ihrer etwas gescheiterten Date-Night, aber sie hatten noch das gesamte Wochenende, wenn Jay das wollte. Noel müsste zwar einige Vorbereitungen für das Shooting in London treffen, aber das konnte er auch immer noch nächste Woche tun oder wenn Jayden in der Uni war.
    • Jay biss sich auf die Lippe. Mit jedem Wort, das Noel sagte, wollte er ihm am liebsten entgegen schreien, wie unsinnig es war, dass er so vor einer Beziehung zurückschreckte. Aber er war selbst einfach nur furchtbar ungeduldig und wenigstens war ihm das mittlerweile bewusst, weshalb er sich abhielt. Auch wenn es frustrierend war. Schließlich würde es doch nichts mehr wirklich ändern, außer, dass sie exklusiv zusammen waren. Für Jay war das wie eine Art Versprechen, nicht nach ein paar Tagen seine Meinung zu ändern und die Sache zu beenden. Denn das war doch der einzige Grund, weshalb man es nicht offiziell machte, nicht? Um einen leichten Ausweg zu haben. Aber so wie Noel sprach, schien das wirklich sein Grund zu sein. Es hatte also… keinen einzigen Vorteil. Jay wollte ihm das unbedingt sagen, aber es würde ja doch nichts bringen.

      Er nahm das Handtuch entgegen. „Oh… mein Wecker geht um Sieben“ Er hatte zuletzt getimed, wie lange er von hier zur Uni brauchte, es waren fünfzehn Minuten. Das war Luxus, aber vom Campus aus war er natürlich deutlich schneller da. Er rechnete noch fünf Minuten ein, um nicht zu spät zu kommen, was Cyrus sich definitiv mal abschauen sollte.
      Irgendwie freute Jay sich zur Abwechslung mal wieder darauf, seinen besten Freund zu sehen. Seit sie sich ausgesprochen hatten, wenn man das so nennen konnte, hatte Jay die ganze Zeit mit Noel verbracht. Ihre Wohnung musste mittlerweile ins Chaos gestürzt sein, wenn Jay sich nicht alle paar Tage darum kümmerte, dass es halbwegs normal aussah.

      „Ich glaube, ich bleibe morgen zwischen den Seminaren und Arbeit am Campus. Und dann… will ich dich eigentlich nicht stören, weil ich erst gegen… halb zwei oder so hier sein könnte. Das Aufräumen dauert an den Wochenenden immer ewig“ Obwohl es Jay ein wenig deprimierte, weil er gerne neben Noel aufwachte. Das war immer ein guter Start in den Tag. Zumal er sowieso erst Abends wieder zur Arbeit musste und den ganzen Tag mit Noel verbringen könnte.
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    • „Du kannst gerne wieder den Ersatzschlüssel haben wenn du willst.“ bot er dem Jüngeren lächelnd an. Wenn er so weiter machte, war zwischen dem was zwischen ihnen war und einer ‚richtigen‘ Beziehung wirklich kein Unterschied mehr. Selbst jetzt gab es kaum einen nennenswerten Unterschied. Sie verbrachten doch sowieso schon ihre komplette freie Zeit miteinander und selbst die Zeit die sie eigentlich was zu tun hatten verbrachten sie miteinander nur das eben jeder seine eigene Arbeit erledigte. Wenn da nicht diese kleine, gemeine Stimme in Noels Hinterkopf wäre hätte er schon längst das Gespräch vom Frühstück wieder aufgegriffen und trotzdem war da dieses jämmerlich keine Bedürfnis das ganze doch noch ein klein wenig weiter hinaus zu zögern. Nur noch ein bisschen. Nur noch bis er sich einhundert Prozent sicher war. Er seufzte leise. Eigentlich war er sich schon lange einhundert Prozent sicher. Er war sich sogar zweihundert Prozent sicher und trotzdem fiel ihm diese Entscheidung so unendlich schwer.

      Er würde sich morgen wieder mit seinen sinnlosen und irrationalen Ängsten beschäftigen. Jays Wecker ging Morgen um sieben, das hieß, dass auch er zwangsläufig um sieben wach sein wird, immerhin konnten sie dann wenigstens noch zusammen frühstücken…oder einen Kaffee trinken je nach dem. Noel sollte sowieso mal anfangen die Vorbereitungen für London zu treffen und er musste sich nochmal mit seinem Arbeitgeber aus Frankreich unterhalten, Flüge und Abläufe planen, sowas passierte leider nicht von selbst. Apropos Flüge, diesbezüglich musste er Jayden auch nochmal fragen, aber das konnte er auch morgen noch tun.

      „Ich kann dich morgen auch gerne zur Uni fahren, wenn du das möchtest.“ bot der Franzose an während er sich eine frische Boxershorts anzog und das nasse Handtuch dann wieder aufhing.
    • „Ja…“, murmelte Jay sofort, bevor er sich dann selbst hörte und anhing: „Wenn es dich sicher nicht stört, dass ich dich wieder aufwecke? Ich versuche leise zu sein“ Er lächelte leicht. Mittlerweile könnte man meinen, sie machten einen Probedurchlauf fürs Zusammenwohnen. Bisher verlief es Jays Meinung nach mehr als ideal, aber wenn er das laut aussprach — wenn auch nur als Witz — müsste er vielleicht damit rechnen, wieder vor die Tür gesetzt zu werden. Wenn es nicht sein Ziel einer Beziehung behindern würde, fände Jay es ja irgendwie lustig, dass Noel beim Thema Bindung so empfindlich war, wenn man doch meinen müsste, dass Jay da größere Probleme hatte. Was seine liebestechnische Vergangenheit anging, jedenfalls, aber manchmal fand man wohl einfach die richtige Person, mit der man seine Zeit verbringen wollte.

      „Oh… naja, wenn es dich nicht stört“, widerholte Jay sich belustigt. Er wollte Noel ungern auf die Nerven gehen bevor sie überhaupt ein Paar waren. Um sieben Uhr morgens wegen ihm aufzustehen, wenn er nicht musste, war auf Dauer sicher der Weg, um Noel für sich zu gewinnen. Noch dazu war eine ziemlich unnötige Unbequemlichkeit, immerhin wäre Jay auch ohne Auto in kürzester Zeit in der Uni, aber wenn er es sich aussuchen konnte… Natürlich sah er Noel lieber ein paar Minuten länger am Tag, wenn es ging. „Du kannst mich ja im Pyjama hinfahren, ohne auszusteigen, dann musst du nichtmal gleichzeitig mit mir aufstehen“, grinste er und zog sich mittlerweile ebenfalls eine Boxershorts an, und dabei blieb es auch, weil er mittlerweile nicht mehr trug, wenn über Nacht hier blieb. Ihm war grundsätzlich zu heiß, um sich noch höflichkeitshalber in ein T-Shirt zu zwängen.

      Nachdem Jay sich die Zähne geputzt hatte und sich wieder weniger ekelhaft und mehr menschlich fühlte, machte er es sich im Bett bequem. Die kühle Decke über seinem Körper und der Geruch nach Shampoo waren himmlisch, nachdem er sich den ganzen Tag in Schweiß und Frittengeruch eingegraben hatte. Nur das leichte Schwindelgefühl vom Alkohol machte es weniger bequem, aber zum Trost hatte er ja Noel bei sich. Jay schmiss seinen Arm zur Seite um Noel direkt ins Bett und zu sich zu locken.
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