My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Dann war das wohl beschlossene Sache. Noel konnte nicht mal wirklich sauer wegen der Entscheidung sein, immerhin hätte er was sagen können, hatte er jedoch nicht. „Sweet! Dann ist es beschlossen.“ grinste Theo. „aber wir sollten uns vielleicht vorher erstmal ein bisschen frisch machen, sonst geht Noel mit uns nirgendwo hin.“ Wie recht der Sänger damit doch hatte. Bis auf Nick - welcher zugegebenermaßen auch beim spielen seines Keyboards und des einstellen der Synthesizer nur halb so sehr abgegangen war wie der Rest von ihnen - sollen sie alle sich mindestens kurz frisch machen.

      Theo legte Jayden als ob sie sich schon ewig kennen würden einen Arm um die Schulter und führte ihn aus der Garage raus in das anliegende Haus, den entschuldigenden Blick den Nick Noel zu warf bekam weder der Sänger noch der Stundet mit. Mit einem leisen Seufzen folge Noel den Bandmitgliedern, nachdem er seine und Jays Jacke mitgenommen hatte ins innere des Hauses. Es hatte sich kein Stück verändert. Er war vor Jahren, fast schon Jahrzehnten schon einmal hier gewesen. Theo hatte in der Mittelstufe mal eine Geburtstagsparty hier veranstaltet zu welcher er die komplette Klasse - und somit auch Noel - eingeladen hatte. Seine Eltern meinten, es wäre eine gute Möglichkeit Anschluss in der Klasse zu finden, deswegen war er hingegangen, lange hatte er es jedoch nicht zwischen den anderen ausgehalten. Die größte Zeit hatte er sich sowieso nur mit Ashers Großvater unterhalten.
      Das Wohnzimmer hatte einen angenehmen Vintageflair, in einem hohen Regal standen schön sortiert allerlei Platten neben einem hochwertigen Plattenspieler der trotz den Jahren die er allen Anschein schon auf dem Buckel hatte top in Schuss war. In einem hohen Sessel saß der alte Gregory Greyson mit einer alten Gibson Akustikgitarre aus den Fünfzigern auf dem Schoß. Ashers Großvater sah aus wie ein Rocker aus den Siebzigern, der seinen Stil nie geändert hatte, man sah auf jeden Fall direkt woher Asher seinen Kleidungsstil hatte. Man konnte sich sehr gut vorstellen wie er wohl in seiner Blütezeit gewesen war.

      „Yo Old G.!“ rief Theo in das Wohnzimmer und grinste Greg breit an. „Noel du kannst hier kurz warten, wir brauchen nicht lange.“ und damit war der Künstler auch schon wieder abgeschrieben, immerhin hatte er nun ein wenig Ruhe von den Band, auch wenn es nur einige, wenige Minuten waren. Mit einem weiteren Seufzen ließ er sich in den zweiten Sessel fallen. „Hallo Greg.“ Auch der Mann hatte sich kein Stück zu damals verändert bis auf die Falten die sich auf seinem Gesicht vermehrt hatten, aber er sprühte immer noch so vor Lebensfreude wie damals. „Hallo Noel. Wie geht es dir? Wir haben uns ja ewig nicht mehr gesehen.“ Gregory Greyson merkte sich jedes Gesicht, jeden Namen, egal wie sehr sich die Person über die Jahre verändert hatte, er erinnerte sich an alles. „Wir gehen uns kurz frisch machen.“ damit zog Theo den Stundeten auch schon ins zweite Stockwerk des Hauses.

      „Brauchst du frische Klamotten? Wir haben alle eins/zwei Teile hier gelagert für solche Fälle…Nick hat sicher einen Pulli der dir passt. Nicht war Nicki?“ Theo war frech wie immer, ‚verkaufte‘ die Klamotten seiner Freunde als wären sie seine eigenen und selbstverständlich beschwerte sich keiner. So war er eben und das wussten die anderen und außerdem hatte Nick am wenigsten Probleme damit, wenn er Jay einen Pullover ausleihen ‚musste‘.
      Theo hatte Jayden in ein Zimmer geführt, welches ganz offensichtlich Ashers Zimmer war. Die Wände waren geradezu vollgekleistert mit Bandpostern, in dem Regal stand ein hohes Glas welches bis oben hin mit kaputten Gitarrensaiten gefüllt war und in einer Ecke stand eine alte Gitarre, welche ihre besten Tage deutlich hinter sich hatte. Das Zimmer hatte sich, obwohl Asher mittlerweile eine eigene Wohnung hatte nie geändert, teilweise schlief er immer noch hier, wenn er seine Großeltern besuchte oder keine Lust hatte nach den späten Bandproben noch Nachhause zu gehen. Der Gitarrist drückte Jayden ein Handtuch in die Hand und zeigte dann auf eine anliegende Tür. „Da ist das Bad, bediene dich einfach.“ Nachdem Jayden sein Können unter Beweis gestellt hatte, war Ash plötzlich viel freundlicher zu ihm.

      Es dauerte knapp eine halbe Stunde bis alle fünf sich soweit frisch gemacht hatten, dass sie wieder los konnten. Glücklicherweise gab es zwei getrennte Badezimmer und so konnten sie die Zeit optimal nutzen. Noel saß währenddessen die ganze Zeit mit Ashers Großvater im Wohnzimmer. Irgendwann hatte der alte Mann eine Platte aufgelegte und so saßen sie in dem sanft beleuchteten Raum, hörten alte Rockklassiker und Noel ließ sich von der tiefen Stimme des Mannes berieseln. Hörte aufmerksam alte Geschichten zu, nippte an dem Wasserglas welches er bekommen hatte und genoss die angenehme Atmosphäre, jedenfalls solange bis Theo mit seiner Energiegeladenen Art wieder alles zerstörte.
      „So da wären wir wieder! Ich hab einen Kohldampf!“ Greg warf dem Künstler ein sanften Lächeln zu, während sicher sich sichtlich aus dem bequemen Sessel quälte, das Glas auf den Beistelltisch abstellte, sich bei dem Mann verabschiedete und der kleinen Gruppe wieder zurück zur Haustür folgte.
    • Theo hatte Jay so schnell gepackt und mitgenommen, dass sich gar kein entschuldigender Blick an Noel mehr ausging. Jay konnte sich aber nicht über die Aufmerksamkeit beschweren. Er hatte Theo und seine Band immer bewundert, ihnen etwas sehnsüchtig bei ihren Auftritten zugesehen und sich bis vor kurzem nicht einmal erträumt, sich mit ihnen anzufreunden, weil eine Bühne irgendwie eine zu prominente Grenze für ihn darstellte. Und jetzt spielte er nicht nur mit ihnen, selbst wenn es eine Ausnahme war, sondern er bekam von allen Seiten Komplimente und die anderen Bandmitglieder schienen ihm gegenüber ebenfalls langsam aufzutauen. Er wollte sich nicht zu viele Hoffnungen machen, aber es war beinahe unmöglich, nachdem sie gemeint hatten, sie würden ihn mal als Ersatzgitarristen zu sich holen. Er könnte niemals Nein sagen. Schon, dass Theo ihn einer Bekannten vermitteln wollte, mit der er spielen konnte, weil er tatsächlich beeindruckt von seinen Skills gewesen war… Jay freute sich viel zu sehr über das alles. Er mochte diese Leute. Sie hatten Noel und ihn keine Sekunde lang schief angesehen und dass Theo deutlich zu neugierig gewesen war, hatte er gut ausblenden können, weil er es offensichtlich nur gut meinte. Sonst wäre er jetzt nicht so hyperfreundlich zu ihm.

      Jay ließ sich ins Bad lotsen und nahm eine schnelle Dusche, dann kam er in fremden, aber seinem Stil sehr ähnlichen, Klamotten und nassen Haaren wieder heraus. Er fühlte sich gleich viel frischer, und noch Milliarden Mal hungriger. Er würde definitiv nicht nur eine Portion bestellen, das wusste er bereits. Jay kam nach unten, wollte sich eben noch zu Noel gesellen, als sie bereits komplett versammelt waren und Theos laute Stimme ihn aufhielt. Okay, je schneller sie zum Essen kamen, desto besser. Bildete er es sich ein, oder hatten Theo und er oft genug dieselben Gedanken? Vielleicht hätte er einfach früher Mal mit diesen Leuten reden sollen. Was genau ihn aufgehalten hatte, war ihm nicht mehr ganz klar.
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    • Kurz vor der Haustür hielt der Franzose Jayden seine Jacke hin, eigentlich hatte er vorgehabt den Studenten ein wenig weiter hinten bei sich zu behalten, einfach um wenigstens ein wenig Zeit mit ihrem mehr oder weniger ‚alleine‘ zu verbringen, selbst wenn es nur der Weg zu dem Burgerladen gewesen wäre, Theo hatte jedoch ganz offensichtlich andere Pläne. Er behielt Jayden nah bei sich und berieselte ihn beinah ununterbrochen mit seiner Affinität über Musik. Es war ein seltsamer Anblick wie der Sänger gerade zu an Jayden klebte, nicht nur wild beim sprechen gestikulierte sondern Jayden immer mal wieder die Hand auf die Schulter legte und seiner Stimme einen Klang verlieh der gefährlich nach einem flirtenden Unterton klang.

      Noel hörte mit halben Ohr den Gesprächen um sich herum zu. Sunny und Nick redeten über irgendwelche Klausuren an ihrer Uni von denen er keine Ahnung hatte und Theo und Asher fragten Jayden gerade zu danach aus wie er zum Gitarre spielen kam. In diesem Moment kamen ihm Jayden Worte wieder in den Sinn ‚Du bist also introvertiert. Dann werd ich deine Worte ab jetzt nicht mehr persönlich nehmen‘, eigentlich hatte Noel immer gedacht, er hätte sich erfolgreich von seiner Introvertiertheit verabschieden können, aber in einer Gruppe voller extrovertierten Menschen (auch wenn er Sunny nicht gerade als extrovertiert betiteln würde) die sich zudem noch alle mehr oder weniger kannten hatte er mit seinem momentanen Level an sozialer Batterie echt Probleme mitzuhalten, vor allem wenn ihm die einzige Person mit welcher er gerade am liebsten Zeit verbringen wollte so schamlos weggenommen wurde.

      Der Weg war tatsächlich nicht sonderlich weit gewesen. Immerhin das war was gutes, es war nämlich immer noch sau kalt draußen. Selbst in dem dicken Wollmantel froh Noel ein wenig, er war sich jedoch beim Betreten des Lokals nicht ganz sicher ob er nicht doch lieber draußen geblieben wäre. Der schon fast penetrante Geruch nach Frittenfett und Fleisch kroch ihm in die Nase.

      „Hey Anna.“ grinste Theo die Kellnerin an. „Hast du noch einen Tisch für sechs Personen?“ selbstverständlich kannte Theo einer der Kellnerinnen, alles andere hätte Noel auch gewundert. „Klar! Folgt mir unauffällig.“ grinste sie zurück, was jedoch nicht ganz so unauffällig war, war der Blick mit welchem sie Jayden kurz interessiert musterte. „Wir haben übrigens Happy Hour, also wenn ihr Süßen was alkoholisches wollt, greift zu.“ zwinkerte sie der Gruppe noch zu bevor sie wieder ging.

      Da saßen sie nun zu sechs an einem Tisch in einem Burgerladen der angeblich ‚die besten Burger in der ganzen Stadt‘ hatte und Noel wünschte sich nichts sehnlicheres als nach Hause zu gehen. Theo hatte sich den Platz neben Jayden förmlich gesichert und Noel war nicht ganz sicher ob er sich so wie er nun saß wohl fühlte. Glücklicherweise saß links von ihm keiner, was ihm deutlich lieber war, als wie Jayden zwischen zwei Menschen zu sitzen, selbst wenn er einer der beiden Menschen war.

      „Die Pommes sind hier übrigens der Wahnsinn!“ schwärmte Theo während er durch die Karte blätterte. Noel überflog die meisten Seiten nur mehr oder weniger. Er ging nicht so gerne in Restaurants die er nicht kannte, oder bei welchen er sich nicht vorher wenigstens einmal die Speisekarte angeschaut hatte um zu checken ob der Laden überhaupt einigermaßen gute Vegane Alternativen zu bieten hatte. Die erste Doppelseite hatte - ganz klassisch amerikanisch - fette Milkshakes mit Sahnehaube zu bieten, bei welchem sich wohl bei jedem Laktoseintolleranten der Magen umgedreht hätte. Glücklicherweise ging es dann weniger fettig mit den ‚normalen‘ Getränken weiter. Dann seufzte er jedoch leise, selbstverständlich war nichts in der Karte vernünftig gekennzeichnet, genau sowas hatte er nämlich erwartet. Es gab zwar Vegane Alternativen, für die musste er jedoch die Karte förmlich studieren um genau herauszufinden welche es dann waren. „Wollen wir noch ein paar Snacks allgemein für den Tisch bestellen? Dann kann sich jeder einfach von allem bedienen wenn er will.“ schlug Asher grinsend vor. „Ouh ja! Ich will auf jeden fall Mozzarella Sticks!“ es war ein wildes hin und her Gewusel an ihrem Tisch. Jeder erwähnte was er oder sie bestellen wollte.

      Theo legte seine Hand sanft - viel zu sehr als würden Jayden und er sich schon ewig kennen - auf den Unterarm des Studenten und zeigte auf einen der Burger. „Das ist wirklich phänomenal!“ grinste er den Jüngeren an. Dieses Verhalten hatte in Noels Augen schon lange nichts mehr mit einem freundschaftlichen Umgang zu tun. Er wusste wie sich Theo benahm wenn er mit anderen schamlos flirtete und dieses Verhalten kam viel zu nah daran. „Noel weißt du schon was du nimmst oder brauchst du Entscheidungshilfe?“ fragte der Sänger über Jayden vorbei. „Danke, ich hab mich schon entschieden.“ Noels Stimme klang kalt, schneidet mit einer Schärfe die Luft als wäre sie ein Blatt Papier. „Alles klar.“ meinte Theo lachend. „Pack deine Krallen wieder ein Baby, ich wollte dir nichts tun.“ grinste er und wandte sich dann wieder Jayden zu. Noel war definitiv eifersüchtig.
    • Jayden ging froh gelaunt neben Theo her und ließ sich von ihm und Asher bequatschen, er beantwortete alle Fragen äußerst offen und zeigte mal wieder, dass er mit neuen Bekanntschaften selten Probleme hatte. Er konnte sich hervorragend an Situationen anpassen und wurde eigentlich immer gleich gemocht, wenn er nicht gerade in betrunkenem Zustand die Selbstkontrolle etwas verlor, aber genau diese Qualitäten waren es auch, die ihm Einladungen auf jede beliebige Party sicherten. Mit Menschen zu reden machte ihm Spaß und man sah ihm definitiv die Freude über das Interesse an seinem Hobby an. Was er dabei nicht so im Kopf hatte… war Noel, der Schwierigkeiten hatte, sich einzubringen. Darüber machte Jay sich bei seinen Freunden nie Sorgen. Er wäre bestimmt der erste, der versuchen würde, alle ins Gespräch zu verwickeln, aber dafür musste ihm das einmal auffallen und sein Auge war auf introvertierte Menschen nicht sonderlich trainiert.

      Als sie saßen, studierte Jay schon beinahe sabbernd die Karte und konnte sich nur noch auf die Burger konzentrieren. Er vertraute Theos Empfehlung vollkommen, immerhin schienen sie bisher ja genug Gemeinsamkeiten zu haben, bestellte den Burger mit einer Extraportion Pommes und einer großen Cola (so viel zum Wasser) und für das Fingerfood meldete er sich mit einer Portion hausgemachter Chicken Nuggets und Barbeque Sauce. Er hatte das Gefühl, sein Magen fraß sich an diesem Punkt bereits selbst auf. Nur Noels genervter Ton erreichte seine Ohren endlich, als wäre er darauf trainiert worden, jede Stimmung in seiner Stimme zu erkennen. Jays Blick schoss zur Seite und er wollte Noel gerade fragen, ob alles okay war, da lachte Theo und sprach ihn sogleich wieder an. Jays Kopf schwang erneut zur anderen Seite.

      Bis das Essen kam beanspruchte Theo mit seinen Fragen und Komplimenten Jays völlige Aufmerksamkeit. Er war deutlich netter zu ihm als noch heute Mittag und auch die eigenartigen Fragen hatte Jay längst vergessen. Eigentlich hatte er das Gefühl, er könnte locker noch privat den Kontakt mit Theo halten und sich mit ihm anfreunden. Bestimmt wäre er auch von ihren College Parties ein Fan.
      „Hey, weißt du was? Ihr solltet mal bei einer Party auftreten! Einer meiner Freunde hat verdammt reiche Eltern, der würde euch sicher ne gute Gage zahlen. Aber nur, wenn ich mitspielen kann“, grinste Jay ihm entgegen.
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    • Nick warf dem Franzosen einen kurzen, entschuldigenden Blick zu. Ihm schien als einziger aufzufallen wie unwohl sich Noel in der Gruppe allen Anschein nach zu fühlen schien, ehe er jedoch was sagen konnte oder Noel irgendwie in ein Gespräch mit einbringen konnte zog Sunny ihn auch schon wieder in ein weiteres Gespräch über ihre Uni. Noel hatte sowieso nicht gerade viel Energie um sich jetzt auch noch zu bemühen nett zu seinen Mitmenschen zu sein. Man konnte sich im Moment gut vorstellen, wie der Franzose sonst so bei der Arbeit drauf war.

      „Klar! Was anderes stand zur Debatte?“ fragte Theo den Jüngeren grinsend. Seine Finger konnte er schon lange nicht mehr bei sich belassen. Sie strichen immer wieder über Jaydens Hand, über sein Unterarm als wäre das hier schon mindestens ihr drittes Date. Noel wurde beinah schlecht bei dem Anblick.

      „So ihr Süßen, wie ich sehe habt ihr auch entschieden.“ meinte Anna grinsend als sie wieder an den Tisch kam. Jeder der Anwesenden ratterte seine Bestellung runter, als hätten sie diese auswendig gelernt, ließen Dinge streichen oder bestellten nochmal extra Bacon auf ihre Burger, so wie Asher. Als Noel seinen Burger bestellte zog Anna kurz etwas verwirrt eine Augenbraue hoch, ließ seine Bestellung jedoch unkommentiert, ob es an seiner Wahl oder an seinem Ton lag, war schwer zu differenzieren. Und dann ging die zweite Runde an Bestellungen los. Wilde Namen von alkoholischen Getränken wurde verteilt, bis Theo Jayden und Noel erwartungsvoll anschaute. „Ich bleib bei Wasser, danke.“ winkte Noel direkt ab. Er brauchte weder Bier noch Cocktails (oder beides so wie Asher) und außerdem musste er immer noch fahren, was er definitiv nicht alkoholisiert tun würde.
    • Wieder der Ton. Irgendetwas schien Noel gerade gewaltig gegen den Strich zu gehen. Hätten sie doch nicht als Gruppe ausgehen sollen? Jay war hin und hergerissen, weil er verdammt viel Spaß hatte, er Noel aber auch nicht schlecht gelaunt sehen wollte. Er war sich nicht sicher, was er zu ihm sagen könnte, um seine Stimmung zu lockern, aber irgendetwas musste er doch tun.

      Kurzerhand bestellte er bei der netten Kellnerin einen Bierkrug wie Asher, auch wenn ihm der Cocktail mit dem Sahnehäubchen mehr ins Auge gefallen war. Er hatte nur seit Noels Bestellung etwas das Gefühl, dass er ihm mit dem ganzen Fleisch auf seinem Teller auch keinen Gefallen getan hatte. Als die Kellnerin verschwunden war, um die Bestellungen zu holen, schaffte Jay es endlich sich kurz von Theo zu lösen, zumindest metaphorisch, denn er schien ein ziemlich körperlicher Mensch zu sein, der gerne an anderen hing, und er wandte sich Noel zu.
      „Alles okay bei dir?“, fragte er leiser und lächelte. „Bist du müde? Wir sind schon echt lange unterwegs, was? Wenn es dich stört, kannst du schonmal nachhause fahren, ich ruf mir ein Taxi“, bot er an. Er schob heimlich eine Hand unter dem Tisch auf Noels Oberschenkel. Seine Zuneigung konnte er nicht so offen zeigen, wie er es wollte, aber das war noch in Ordnung. Hier am Tisch hatte er wohl kaum von jemandem eine negative Reaktion zu befürchten.

      Dass Jay am Freitag Morgen um 8 Uhr seine erste Vorlesung des Tages hatte, hielt ihn jedenfalls nie davon ab, länger auszubleiben. Er hatte eben immer nur die Wahl zwischen Freizeit und einem sinnvollen Schlafrythmus. Er wollte Noel damit nicht verärgern, aber eigentlich konnte er es ihm kaum verübeln, dass er etwas Spaß haben und länger bleiben wollte, oder? Klar, er hatte selbst damit gerechnet, den Abend alleine mit ihm zu verbringen, aber manchmal ließ Jay sich einfach vom Tag treiben, so viel Spontanität musste für ihn sein.
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    • Noels Blick wurde ein wenig weicher als er Jaydens Hand auf seinem Oberschenkel spürte. „Nein alles gut.“ meinte er mit einem sanften lächelnd, legte seine Hand auf Jays und drückte diese sanft. Der plötzlich Wechsel in seiner Stimme ließ selbst Theo kurz aufmerksam werden. Wenn es dem Sänger nicht schon von Anfang an klar gewesen wäre, dass zwischen den beiden mehr als nur Freundschaft war, dann spätestens jetzt. „Ich freu mich einfach nur dich später für mich zu haben.“ hauchte er ihm so leise entgegen dass es nur der Student selbst hören konnte. Er war definitiv eifersüchtig, obwohl er eigentlich kein Recht dazu haben dürfe, immerhin waren sie beiden nicht offiziell zusammen - obwohl Jayden das gerne wollte, immerhin hatte er Noel vor nicht einmal vierundzwanzig Stunden genau das gefragt.

      „Ash wollen wir eine rauchen? Jay willst du mit?“ ob Theo das absichtlich machte oder nicht konnte wohl keiner am Tisch so genau sagen. Was aber wohl jeder bemerkte war, wie sehr der Sänger die Aufmerksamkeit des jungen Studenten genoss. Das tat er generell und bei jedem, egal welchem Geschlecht. Er suhlte sich gerade zu darin im Mittelpunkt zu stehen. Es war nicht so, dass er nur nett zu Jay war, weil er dessen Aufmerksamkeit genoss, er meinte jedes Wort mit welchem er Jaydens Ego streichelte einhundert Prozent ernst, was jedoch nicht hieß das er das leichte kribbeln in seinen Fingerspitzen nicht genoss welches er bekam wenn er mit Jay flirtete obwohl Noel nur wenige Meter neben ihm saß.

      „Noel du würdest uns doch kurz rauslassen oder?“ grinste er den Künstler über Jaydens Kopf mit einem unschuldigen Lächeln an. Er hatte längst mitbekommen wie es in Noel gerade zu brodelte vor Eifersucht und irgendwie genoss er das Wissen noch mehr. Er interessiert sich wirklich für Jayden, er war ein wahnsinnig guter Gitarrist, aber dieses kleine Spiel machte ihm viel zu viel Freude.

      Der Franzose warf Theo einen kalten Blick zu, rutschte dann jedoch trotzdem von seinem Platz, ließ dem nach - eher unfreiwillig - Jays Hand wieder los im die anderen aus ihrer Sitzecke zu entlassen.
    • Jay bekam anders als Noel kein bisschen mit, dass Theo womöglich absichtlich um Jays Aufmerksamkeit kämpfte. In seinen Augen hatte er nur schlechtes Timing, aber nachdem Jay ja auch nicht die Aufmerksamkeit aller auf sich und Noel ziehen wollte, konnte er es Theo kaum verübeln. Er schob sich aus der Sitzecke, und jetzt, wo er schonmal aufgestanden war, konnte er sich ja auch den Rauchern anschließen. Er rauchte selten, meistens in Kombination mit Alkohol und Gesellschaft, aber er war immer schon ein Fan von Raucherpausen in der nächtlichen Kühle gewesen, wenn man aus dem stickigen, warmen Raum heraustrat und den Lärm kurz hinter sich ließ. Manchmal leitete einen das ganz automatisch in tiefgründigere Gespräche, was ebenfalls etwas war, das Jay gefiel. Wie konnte er da also Nein sagen?

      Etwas überraschend war es nur, dass Noel sich ihnen anschloss. Jay war der festen Überzeugung gewesen, dass Noel Nichtraucher war und er viel eher sicherlich ein Problem mit den Gerüchen hätte. Nicht zuletzt ein Grund, weshalb Jay es sich zweimal überlegen würde, aber es war spät und mehr als eine Dusche stand heute eh nicht mehr auf dem Plan. Auf seinem, jedenfalls, aber was Noel vorhin gesagt hatte, hing noch in seinem Kopf fest. Hatte er einen flirtiven Unterton gehört? Sollte es so sein, würde Jay ihn nachher noch überreden müssen, das aufs Wochenende zu verschieben.

      Jay trank einige Schlucke aus dem Bierkrug, den er noch kaum angerührt hatte, bevor er den anderen vors Lokal folgte und sich von Theo eine Zigarette stibitzte, weil er normalerweise keine selbst kaufte. Er ließ sie sich anzünden, dann zog er zwei Mal daran und genoss den frischen Wind und die von Straßenlaternen erhellte Straße.
      „Ich krieg die Krise, wenn ich jetzt daran denke, dass ich morgen zur Uni muss“, sagte er dann und verzog das Gesicht. „Das Leben ist nicht fair“ Wo blieb sein Lottogewinn?
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    • Theo warf Noel einen kurzen, verwirrten Blick zu als dieser ihnen ebenfalls nach draußen folgte, ließ es jedoch unkommentiert, er bot ihm sogar eine seiner Kippen an, welche der Franzose mit einem tonlosen „Danke, ich rauche nicht.“ ablehnte. Schulterzuckend zündete er sich selbst eine an und gab die Packung dann weiter an Asher.

      Die kühle Nachtluft tat Noels Kopfschmerzen gut. Das Pochen hinter seiner linken Schläfe wurde in dem nach Fritten und fettigem Fleisch riechenden Raum nicht gerade besser. Die Luft war zwar kalt, tat jedoch gut und obwohl er ein wenig fror war es immer noch besser als an dem Tisch zu sitzen oder Jayden mit dem Sänger alleine zu lassen. Eigentlich war er kein eifersüchtiger Mensch und trotzdem brachte Theo gerade Charakterzüge in ihm zum Vorschein die er selbst nicht kannte und das machte ihn mehr Angst als er zugeben wollte.

      „deswegen hab ich damals abgebrochen.“ grinste Theo und ließ durchsickern dass er selbst mal Student gewesen war. „Ich hab mich aber auch regelmäßig mit meinem Hauptdozent angelegt…der hatte aber auch ein Stock im Arsch.“ - „Du legst dich doch grundsätzlich mit jedem an.“ kam es lachend von Asher. Wo er recht hatte, hatte er recht. Theo provozierte einfach unwahrscheinlich gerne, wahrscheinlich war das auch ein Grund warum dieses kleine Machtspielchen zwischen ihm und Noel den Musiker so reizte.
    • „Ich bin fast fertig, jetzt noch abzubrechen wäre dämlich“, seufzte Jay. Auch wenn er deutlich lieber Musik machen würde, aber manchmal musste man die Option wählen, die einem Geld einbrachte. Zumindest war er im Zeichnen nicht völlig unbegabt. Der ganze Mathekram war nicht super interessant, aber es war eben Teil des Ganzen.
      „Was macht ihr eigentlich nebenbei, neben der Band?“, fragte er neugierig. Vielleicht konnte er sich ein paar Ideen einholen, wenn er auf wundersame Weise nur noch Geld für sich selbst brauchte anstatt für seine gesamte Familie.

      Dann warf er einen Blick auf Noel und ging sicher, dass er ihm nicht den ganzen Rauch ins Gesicht blies. „Ist dir nicht kalt? Brauchst du eine Jacke?“, murmelte Jay dem Franzosen zu, der sich einige Male etwas kälteempfindlich gezeigt hatte. Es war schließlich Winter und Jay fror selbst ein wenig, aber im Vergleich zu Noel war er ein wandelnder Heizkörper. Wären sie nur zu zweit, würde er einfach den Arm um ihn legen und ihn aufwärmen. Es würde Jay nicht wundern, wenn die bei den Temperaturen dieses Jahr mal früher mit Schnee rechnen könnten, aber so richtig vorhersagen konnte man das Wetter eh nicht.
      „Es hat heute Minusgrade, oder? Kommt mir jedenfalls so vor“, meinte er. Wenn er die Zigarette nicht halten würde, hätte er sich wohl schon selbst darum gekümmert, Noel und sich selbst ihre Jacken zu holen. Jetzt krank zu werden würden sich nicht ideal auf seine Noten auswirken.
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    • „Ach dann geht’s ja. Zieh das auf jeden Fall durch, selbst wenn du später in den Beruf nicht arbeitest, hast du immerhin was.“ machte Theo ihm Mut, wurde jedoch direkt von Asher gestoppt. „Sagt der Typ in welchem am meisten Hoffnung gesetzt wurde.“ lachte der Gitarrist. „Wollte dich dein Dozent nicht zurück an die Uni holen nur damit du wieder auf die Bühne gehst?“ Theo verdrehte grinsend die Augen. „Jaja, ich weiß ich weiß. Ich hab’s einfach nicht so mit Autorität.“ Das war schon in der Schule Theos Problem gewesen und allen Anschein nach hatte er es nie ablegen können. „Ash studiert Musik an der Hochschule und gibt nebenbei Unterricht und ich arbeite unteranderem in dem Café meiner Tante und bei Vincent in der Bar…und gelegentlich bei einem Italiener wenn er mich mal braucht.“ zählte Theo auf. Egal was man von ihm hielt, als faul konnte man ihn definitiv nicht betiteln.

      Als Jayden den Franzosen wieder direkt ansprach schüttelte dieser leicht den Kopf. „Es geht schon.“ winkte er ab. „Hier ist es immer noch ein wenig angenehmer als drinnen.“ und damit meinte er nicht nur seine Kopfschmerzen. Im inneren es Ladens war es ihm schon fast ein Ticken zu wuselig, überall gab es Geräusch, Menschen die miteinander redeten. Dafür dass es mitten in der Woche war, war der Laden recht gut gefüllt und selbstverständlich aßen die meisten Gäste nicht nur still und heimlich sondern redeten wie jeder normale Mensch auch miteinander.

      „Heute war es echt kalt.“ klinkte sich Theo frech in ihr Gespräch ein und legte Jayden wie selbstverständlich einen Arm um die Schulter. „Noel du kannst gerne wieder reingehen wenn’s dir zu frisch ist.“ bot er ihm mit einem Grinsen an. So langsam wurde dem Franzosen dieses kleine Spiel echt zu blöd. Was dachte Theo sich eigentlich hierbei?! Er war keine Konkurrenz für Noel und das wusste er hoffentlich auch. Vielleicht wollte er ihn nur ein wenig provozieren - was sehr wahrscheinlich war - weil Noel ihn so lange hat abblitzen lassen und Theo seit gefühlten Jahren gerade zu bettelte Noel für ein kleines Band-Shooting zu buchen, er jedoch immer abgesagt hatte. War das Theos Rache dafür? Wenn ja hatte er eine seltsame Art ihm das zu zeigen aber solange platze ihm echt der Kragen. Einige kleine Sticheleien konnte er ja noch runterschlucken aber dieses ständige Machtspielchen um Jaydens Aufmerksamkeit machte ihn fertig. Ohne wirklich darüber nachzudenken nahm er dem Stunden mit zwei Fingern die Zigarette aus der Hand, legte ihm sanft aber bestimmt seine freie Hand in den Nacken und zog ihn näher zu sich und somit aus Theos Umklammerung.

      Bei dem Kuss wurde selbst Theo ein wenig schwindelig, obwohl er nur zusah. Dieser Kuss beweist nicht nur, dass Theo keinerlei Chancen gegen den Franzosen hatte sondern auch was dieser eigentlich für Jayden empfand. Noel zog den Jüngeren noch ein klein wenig näher an sich, intensivierte das Spiel ihrer Lippen ein klein wenig mehr. Wenn sie nicht alleine gewesen wären, wäre das wohl der perfekte Einstieg um weiter zu gehen, aber erstens waren sie nicht alleine und zweitens war es immer noch verflucht kalt hier draußen, obwohl Jays Körperwärme sanft zu Noel überging und ihn ein wenig wärmte. Mit einem letzten, etwas sanfteren Kuss löste er sich von dem Studenten, die Zigarette zwischen seinen Fingern glimmte immer noch fröhlich vor sich her. Ohne seinen Blick von Jayden zu nehmen führe er die Kippe an seine Lippen, nahm den letzten tiefen Zug bevor er diese auf den Boden schnipste und austrat. Es gab nicht viele Menschen die beim rauchen ein einigermaßen ästhetisches Bild abgaben, aber der Franzose gehörte definitiv zu besagten Menschen. Der Rauch wirkte seltsam als er zwischen seinen Lippen entweichte.„Wollen wir wieder rein?“ die Frage hatte er absichtlich nur an Jayden gewandt, außerdem schien Theo von dem gesamten Anblick noch so begeistert eingenommen zu sein, dass er kaum im Stande war zu antworten.
    • Gastronomie, also… Das war irgendwie typisch, sowohl für Musiker als auch für Studenten, und Jay fiel in beide Gruppen. Kein Wunder, dass er sich als erstes um einen Job in der nächsten Bar bemüht hatte, er lebte schließlich von Trinkgeld. Was andere Pretty Privilege nannten, war für ihn einfach lebensnotwendig, irgendwie musste er sich ja die Taschen voll flirten. So armselig das auch klang.

      Theos Einfall in sein kleines Gespräch mit Noel fiel Jayden gerade zum ersten Mal ein wenig negativ auf. Er war doch gerade beschäftigt, den Blonden irgendwie zu besänftigen, da wollte er nicht wieder unterbrochen werden. Und dann noch mit dem Arm um seine Schulter, der Jay irgendwie zwang, sich etwas in Theos Richtung zu drehen, da dieser deutlich kleiner war als er. Wen das jedoch mehr zu stören schien als sonst irgendjemanden, war Noel.

      Jay wusste garnicht, wie ihm geschah, als er auf einmal Noels kühle Hand im Nacken spürte, ihm die Zigarette abgenommen wurde und er im nächsten Moment seine weichen Lippen spüren durfte. Er war überrascht, dann etwas verwirrt, weil sie schließlich nicht alleine waren und Noel genau wusste, wie er dazu stand, und doch wurden diese Gedanken schnell vertrieben. Jay war sich sicher, dass der Kuss beinahe in einen french style mutiert wäre, hätte Noel ihn nicht rechtzeitig losgelassen, ihn mit einem niedlichen kleinen Kuss verabschiedet, mit den Augen aber weiterhin gefangen gehalten. Der Blick, den er manchmal drauf hatte…
      Jay erwischte sich dabei, wie er überlegte, ob sie das auf der Diner Toilette fortführen konnten, aber das war definitiv nicht Noels Stil. Er kam zum Glück dank des kalten Winds schnell wieder zu Sinnen. Auch, wenn ihm der Kuss so oder so nicht aus dem Kopf ging. Es war ihm… nur gerade dezent peinlich, dass sie Zuschauer gehabt hatten, weshalb er Noel mit einem schnellen Nicken zustimmte, keinen Blick mehr über die Schulter warf und ihm einfach zurück zum Tisch folgte. Was genau da gerade in ihn gefahren war, wusste Jay nicht, aber er war ein riesen Fan davon. Davon wollte er dringend mehr, wenn sie alleine waren.

      Zurück am Tisch exte er sein Bier beinahe und bestellte sogleich eines nach. Eigentlich wollte er seinen Kopf frei kriegen, solange sie in einer Gruppe unterwegs waren, aber der Alkohol bewirkte irgendwie das Gegenteil. Was nicht völlig problematisch war, schließlich wollte Jay schnell vergessen, dass Theo und Asher alles mitangesehen hatten. Das war ein Nebeneffekt… Und der andere war ein deutlicher Nachlass an Hemmungen.
      Jay rutschte ein wenig an Noel heran, als sie wieder saßen. Seine Hand fand schnell ihren Weg zu seinen Beinen, wo sie nun nicht mehr so schnell wegzubekommen war. Jays Aufmerksamkeit war ebenfalls nicht mehr von Noel wegzulenken. War er vielleicht zu leicht manipulierbar? Aber nach so einem Stunt konnte ihm das echt niemand verübeln, oder? Vielleicht konnte er sich irgendwann ja nochmal in ein Treffen mit der Band reinquatschen, aber gerade hatte er nur Augen für Noel. Äußert offensichtlich sogar, er bekam nur selbst nicht mehr mit, wie offensichtlich. Jays Körpersprache nach zu urteilen konnte man meinen, er würde Noel gleich hier ausziehen wollen.
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    • Vor allem Theo, aber auch Asher schaute den beiden etwas irritiert hinterher. Wurde dem Sänger allein beim zusehen von diesem einen Kuss schon ungewöhnlich heiß oder bildete er sich das nur ein? Wurde er jemals schon mal so geküsst? Er war sich da nicht ganz so sicher. Er konnte auf jeden Fall gut nachvollziehen was sowohl Jayden als auch Noels letzte Beziehung an dem Franzosen fand - bis auf den Fakt das Noel einfach wirklich attraktiv war und gar nicht mal so einen schlechten Charakter zu haben schien, wenn man ihn näher kannte.

      Es dauerte noch einige Minuten bis die beiden Musiker wieder ins innere des Lokals kamen. Mittlerweile stand ihr Essen an ihrem Tisch. Die eigentliche Tischplatte war kaum noch zu sehen. Überall standen Teller und kleine Schälchen mit Saucen und Dips. „Ouh das sieht ja mega aus! Noel lässt du uns…“ der Blick des Franzosen, welcher sich wie ein spitzer Speer direkt in Theos Seele bohrte, ließ diesen wieder verstummen. „Rutsch durch Theo.“ meldete sich auch schon Nick, der seit dem Wiedereintreffen von Jay und Noel ein leichtes Grinsen auf dem Lippen hatte. Der Keyboarder konnte sich das Theater um Jaydens Aufmerksamkeit auch nur schwer antun. Und so saßen sie wieder alle in dem Tisch, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Jaydens gesamte Aufmerksamkeit nun vollständig auf Noel lag und von diesem auch nur noch schwer weg zu bekommen war.

      Noels Finger fuhren immer mal wieder sanft über Jaydens Handrücken. Jetzt wirkte er deutlich entspannter in der Runde. Er hatte nicht nur den kleinen, geheimen Kampf zwischen ihn und Theo gewonnen, er hatte den ganzen Krieg für sich entscheiden können und es war offensichtlich, dass Theo keinerlei Chancen mehr gegen ihn hatte - jedenfalls heute Abend nicht.

      Der Franzose konnte verstehen, warum Theo sich geradezu in Jays Aufmerksamkeit suhlte, nun wo er sie wieder komplett für sich hatte, würde er sie auch nicht mehr so schnell hergeben, vor allem jedoch weil er sich das erste Mal seitdem sie diesen Laden betreten hatten wieder ein wenig wohl fühlte. Vielleicht lag das aber auch daran, dass er Theo mehr als nur deutlich gezeigt hatte, dass da was zwischen ihm und Jayden war und dass der Sänger aus diesem Grund doch bitte seine Finger von dem Studenten lassen soll.
      Es war nicht so, dass Theo es nicht trotzdem nochmal versuchte, jedoch wirkten diese Versuche jedesmal recht jämmerlich und spätestens als er - frech wie der Sänger nun mal war - halb über den Tisch griff um sich eine der Süßkartoffelpommes zu nehmen versuchte, welche Noel als einziger zu seinem Burger dazugestellt hatte spießte Noels Blick ihn nicht nur auf, er setzte seinen Kopf unter eine Guillotine und hakte ihm diesen gnadenlos ab.

      „Nimm deine Finger von meinem Teller.“ Das war definitiv eine Drohung und eine ziemlich eindrucksvolle noch dazu. Trotz der Wärme in dem Restaurant schien ein kalter Wind über den Tisch zu ziehen. Die einzige Person an diesem Tisch, welche sich ohne auch nur vorher zu fragen von Noels Teller bedienen durfte saß neben ihm und konnte seine Finger kaum von ihm lassen.

      Nachdem Jayden sein zweites Bier ebenfalls fast bis zur Hälfte geleert hatte, füllte Noel ihm sein eigenes Glas mit Wasser und stellte es ihm hin. „Du trinkst danach übrigens nur noch Wasser.“ hauchte er ihm schon fast mit einem leicht anzüglichen Ton ins Ohr. Bei der Berührung welche er kurz unterhalb seines Ohres hinterließ konnte man sich kaum sicher sein, ob seine Lippen dort nur kurz die Haut berührt hatte oder ob er wirklich einen saften Kuss hinterlassen hatte. So oder so war die Message klar. Noel sprühte gerade eine Dominanz aus, bei der selbst Theo - der für sein fehlendes Schamgefühl gerade zu bekannt war - freiwillig die Klappe hielt und sich nicht weiter einmischte.

      Nach diesem ‚kleinen Zwischenfall‘ und einigen Minuten betretenem Schweigen an ihrem Tisch zog Nick den Franzosen elegant in ein neues Gesprächsthema. „Noel, fährst du über die Feiertage zu deinen Eltern? Sie wohnen oder wieder in Frankreich oder?“ Nick hatte ein gutes Gedächtnis und interessierte sich - anders als andere Leute an diesem Tisch - tatsächlich sehr für seine Mitmenschen. Selbst wenn er nur kleine Details in einem Nebensatz hörte, merkte er sich diese, genau das schien Noel ein wenig zu verwirren, immerhin hatte er nie sonderlich viele Worte mit irgendwem aus der Band gewechselt, der plötzliche Themenwechsel kam ihm jedoch nur zu gute. „Ich bin mir tatsächlich noch nicht ganz sicher, sie hätten es gerne, aber ich muss noch schauen wie und ob das arbeitstechnisch zu verwirklichen ist.“ Eigentlich wusste er schon, dass er über die Feiertage in Frankreich sein wird, um genau zu sein wusste er auch schon, dass er einige Wochen vor den Feiertagen in Frankreich sein wird, immerhin war das Telefonat diesbezüglich noch gar nicht so lange her, aber er hatte mit Jay noch nicht darüber geredet und wollte das jetzt auch ungern hier zwischen Tür und Angel machen. Stattdessen nickte Nick leicht und zog das Thema elegant auf die französischen Alpen und wie gerne er dort nochmal hinwollte.
    • Hatte Noel eine extreme Vorliebe für Süßkartoffeln oder war zwischen Theo und ihm etwas vorgefallen, dass Jay nicht mitbekommen hatte? Vielleicht, weil er ständig mit dem Sänger geredet hatte… Wenn es ein Eifersuchtsproblem war, fand Jay es unglaublich süß. Nicht, dass er sich über Noels schlechte Laune freute und irgendwie wollte er sich auch nicht anmaßen, auf die Art der Auslöser dafür gewesen zu sein, aber… Brachte ihn das nicht… irgendwie ein Stück näher an eine Beziehung?

      Das zwischen ihnen fühlte sich für Jay schon lange so an, wenn er ehrlich war. Er hatte nicht das Verlangen, irgendwen anderen zu treffen, sondern dachte eher aktiv darüber nach, wie er es wohl hinbekam, die Beziehung vor seinem gesamten Umfeld zu verstecken ohne Noel einzuschränken, oder sich zu outen ohne einen Krieg mit jedem seiner Bekannten zu starten. Er tendierte immernoch zu ersterem. Auch, wenn er heute die Erfahrung gemacht hatte, dass es Leute gab, denen es völlig egal war, wen er datete, und das war eine nette Abwechslung. Gut, Cyrus hatte auch hauptsächlich interessiert, dass Jay ihn belogen und ihm nicht vertraut hatte, was im Nachhinein ziemlich verständlich war, aber trotzdem war das seltsame Interresse an seiner Sexualität da gewesen, als wäre er auf einmal ein Alien. Dabei war Noel auch nur ein Mensch, ein verdammt heißer dazu, und Jay wusste garnicht, wie irgendwem das nicht auffallen konnte. Er verstand nicht, dass nicht jeder andere Mensch auch seine bisherig gedachte sexuelle Neigung über Bord warf, um mit ihm auszugehen. Aber, naja, besser für Jay. Er hatte das Gefühl, ebenfalls ein Meister der Eifersucht zu sein, wenn es um Noel ging. Aber er suhlte sich bislang in dem Erfolg, dass dessen Stimmton sich sogar völlig änderte, wenn er mit Jay sprach. Er musste nur noch erreichen, dass Noel mit ihm zusammen sein wollte. Dass er nichts zerstören konnte und wenn überhaupt Jay hier das Problem war, das Noel hoffentlich nicht zu ernst nahm.

      Jay wurde aus seinen Gedanken gerissen und stoppte sein verträumtes Streichen über Noels Oberschenkel, das ihn nur mit einer Hand Pommes essen ließ, als ein Urlaub nach Frankreich erwähnt wurde. Er sah Noel an, mit einem Fragezeichen über dem Kopf, schluckte seine Pommes herunter und fragte, während Nick noch über die Alpen sprach: „Das klingt cool, besuchst du deine Familie oft?“
      Klar klang es cool, Jay war noch nie so richtig im Urlaub gewesen, jedenfalls nicht außerhalb von England. Nur als Kind, als seine Geschwister noch garnicht existiert hatten, war er mit seinen Eltern wohl mal in Schottland gewesen, aber daran konnte er sich nicht erinnern.
      Was er aber auch dachte, war, dass Noel bestimmt länger als zwei Tage dort bleiben würde und Jay irgendwie die Hoffnung gehabt hatte, in seinen Weihnachtsferien mehr Zeit mit Noel zu verbringen, da er zwar arbeiten musste, sonst aber deutlich mehr Freizeit hatte. Klar, der Franzose musste dennoch arbeiten, aber… zumindest war Jay eine Weile von Projekten und Lernphasen befreit.

      „Und… wann genau fährst du?“, fragte er schließlich doch, weil er sich sowieso nicht zurückhalten konnte, was ihn sogleich nach dem Wasserglas greifen ließ, nur dass er stattdessen gedankenverloren nach dem Bier griff.
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    • Noel nahm seine Aufmerksamkeit so plötzlich von Nick, dass es spätestens jetzt auffallen würde, dass der Student einen eher besonderen Platz in dem Leben des Franzosen einnahm. „Nicht so oft wie sie es wohl gerne hätten.“ gab er zu. Meistens schaffte er es Ausreden zu finden warum er nicht unbedingt für jeden Geburtstag nach Frankreich musste oder seinen nächsten Urlaub dort verbrachte - obwohl Urlaub meistens eine Sache war, die sowieso nicht so oft in seinem Leben vorkam. Eigentlich würde er wahrscheinlich sogar versuchen für die Winterfeiertage eine passende Ausrede zu finden, aber erstens war es immer noch Weihnachten und wenn seine Eltern auf einen Feiertag bestanden waren es diese und zweitens war er sowieso beruflich in Frankreich und alles andere wäre dann doch ein wenig sehr unhöflich gewesen. Immerhin hatten sie kein schlechtes Verhältnis, Noel war einfach nur kein sonderlich geselliger Mensch. Und dann kam die Frage die er eigentlich nicht unbedingt in dieser Runde beantworten wollte. Wann fuhr er…viel zu früh wenn er sich Jaydens Gesichtsausdruck so anschaute.

      Noel strich ihm sanft über den Oberschenkel. „Lass uns das Thema nochmal aufgreifen wenn wir Zuhause sind ja?“ bat er leise. Er hatte sich beim sprechen ein wenig Nähe zu Jay gebeugt, so dass nur dieser ihn primär hören konnte. Eigentlich hatte Noel gehofft, dass sein Dezember so frei blieb wie die letzten Wochen, der spontane Last-Minute-Termin einer seiner Stammkunden hatten ihm da jedoch einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Normalerweise hätte er das Angebot ohne mit der Wimper zu Zucken angenommen. Zwei einhalb Wochen Frankreich klang für die meisten wie ein Sechser im Lotto und Noel dachte da ähnlich. Er kannte den Fotografen, die Models, seine Arbeitgeber, die Designer, selbst die Stadt kannte und liebte er. Es gab kaum einen Ort an dem er lieber arbeitete und trotzdem, war da dieser leichte Beigeschmack der ihn zögern ließ. Im Umkehrschluss würde das nämlich heißen, dass sie sich zwei einhalb Wochen nicht sehen würden, tendenziell sogar länger, wenn er das Angebot annehmen würde noch länger in Frankreich zu bleiben um dort ein wenig Urlaub zu machen, was auch eine Sache war, zu welcher er normalerweise niemals nein sagen würde. Die Entscheidung könnte man so einfach treffen, allein wegen des Honorars würden die meisten Menschen kaum darüber nachdenken und trotzdem, fiel ihm diese Entscheidung schwer, allein wenn er sich vorstellte wie der Blick aus bernsteinfarbenen Augen ihn traurig musterte.
    • Das klang irgendwie nicht gut. Oder, nicht nach dem, was Jay sich erhofft hatte. Wenn Noel ihm nichtmal hier am Tisch sagen wollte, wie lange er weg sein würde, was für eine schockierende Zeitspanne musste das dann wohl sein? Zwei, drei Monate? Ein Jahr? Dann… war das vielleicht auch ein Grund, weshalb für Noel keine Beziehung zur Option stand? Weil er wegging und es sich für ihn nicht lohnte?

      Jay brachte es kaum über sich, zustimmend zu nicken. Nein, es war nicht so, als wäre er in dieser kurzen Zeit abhängig von Noel geworden. Er hatte ohnehin viel zu tun, ein eigenes Leben und viele Beschäftigungen, seinen Job, seine Freunde, Musik… Aber ihm fiel schlagartig der Grund ein, weshalb er sich selbst so lange nicht auf Beziehungen eingelassen hatte. Irgendetwas ging immer schief. Es tat irgendwie weh, darüber nachzudenken, dass Noel nur spaßhalber Zeit mit ihm verbrachte, ohne so richtig an etwas längerfristiges gedacht zu haben. Das war zwar ganz Jays Stil, aber doch nicht, wenn er selbst völlig andere Erwartungen hatte. Und sich deutlich zu große Hoffnungen gemacht hatte, wie es schien. Eine Beziehung konnte er sich gleich ganz abschminken, was? Dabei hatte er sich auf Noels Blicke und Worte so viel eingebildet.

      Jay nahm seine Hand sanft zurück und griff nach seinem Burger, den er mehr als Ausrede verschlang, um unauffällig verstummen zu können. Er wollte sich da jetzt nicht hineinsteigern. Sie waren nicht alleine, der Tag war super gewesen, ganz abgesehen von dem Korb heute morgen, und selbst das hatte seine Laune nicht genug getrübt, um die Zeit mit der Band nicht genießen zu können. Er konnte Noel außerdem offensichtlich nicht umstimmen, er schien längst entschieden haben, dass er bloß eine lockere Sache mit Jayden haben wollte, bis er England verließ. Okay. Schön. War eben so.
      Vielleicht war er doch auch wenig aufgebracht, weil er sich kurz nach diesem Gedankenschwall auf die Zunge biss und beim Essen einen Moment innehalten musste, um den Schmerz über sich ergehen zu lassen. Fuck. Aber was konnte er schon tun? Die restliche Zeit genießen, eben. So, wie er die kurzen Bekanntschaften auf Parties auch genoss. Das würde ihm nicht schwerfallen.
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    • Noel hielt kurz inne. Hatte er was falsches gesagt? Er hatte dieses Thema extra nicht hier ansprechen wollen, es gab schließlich auch keinen Grund so ein Thema in SO einer Runde anzusprechen…heute lief wirklich alles gnadenlos schief. Wären sie doch bloß nur zu zweit ausgegangen, dann hätte Noel dem Studenten ganz in Ruhe die Situation erklären können, ihn fragen können ob er ihn nicht vielleicht sogar die letzten ein einhalb Wochen begleiten wollte. Noel wusste selbst, dass dieser Vorschlag viel zu schnell kam, ungefähr genau so schnell und unüberlegt wie der Vorschlag ob Jayden ihn nach London begleiten wollte. Beides kam nicht ganz uneigennützig von Noel. Er wollte so viel Zeit wie möglich mit Jayden verbringen bevor er zwei einhalb Wochen in Frankreich verbrachte und sie sich gar nicht sehen konnten. Genau aus diesem Grund hatte er Jayden gefragt ob er mit ihm kommen wollte…und weil er Jayden vielleicht auch nochmal beweisen wollte dass er eben nicht so ein umgänglicher Mensch war wie der Student selbst.

      Spätestens als Jayden seine Hand weg zog, verstand Noel wie sehr der Student seine Antwort wohl missfiel. Wahrscheinlich war das einfach nur ein großes Missverständnis, wahrscheinlich malte sich Jayden gerade eine Zeitspanne aus die so weit weg von der Realität war, dass es schon fast unwirklich erschien. Es waren ‚nur‘ zwei einhalb Wochen, okay wenn man es genau nahm, waren vier Wochen die er in Frankreich verbringen würde, aber wenn Jayden wollte, wäre er die letzten ein einhalb Wochen nicht allein…diese ganze Situation machte ihn fertiger als es sollte. Nur leider konnte man Jayden viel zu sehr ansehen was in seinem Kopf vor sich ging und das kurbelte wortwörtlich Noels Gedankenkarusell an. Genau deswegen hatte er sich die letzten Jahre von Beziehung ferngehalten. Er traf seine Entscheidungen gerne ohne auf eine weitere Person Rücksicht nehmen zu müssen, nur leider fühlte es sich mit Jayden so viel anders an als mit jeder anderen Person. Er wollte auf ihn Rücksicht nehmen, seine Gedanken und Gefühle in seinen Entscheidungen mit einfließen lassen um so einen optimalen Mittelweg für sie beide zu finden, hätte er nur gewusst wie kompliziert sowas sein würde, hätte er sich das nochmal anders überlegt.
    • Nach dem Essen blieb eine gewisse emotionale Leere zurück, die Jayden dringend mit irgendetwas füllen wollte. Er war deprimiert über seine neueste Realisation, aber es gab nichts, das Alkohol nicht erträglicher machen könnte. Entgegen Noels Wunsch bestellte der Student sich erneut etwas zu trinken, diesmal einen Cocktail, der ihn deutlich schneller ins Blut gehen würde. Und dann sprach er ein wenig mit Theo, er fragte ihn ein paar Dinge über June, sprach über Musik und die Grauen des Studiums und welche Auftritte bei der Band eigentlich noch anstanden, weil Jay auf jeden Fall dabei sein wollte. Er ignorierte Noel nicht, aber er war sich gerade unsicher, worüber er mit dem Franzosen reden sollte, wenn nicht ihre scheiternde Bekanntschaft und seine viel zu lange Reise. Aber nicht alles musste man in Worten äußern.

      Als der Abend sich zum Ende neigte, war Jay mehr als angetrunken. Die Welt drehte sich ein wenig, als er aufstand, aber er brachte es zustande, geradeaus zu laufen. Er verabschiedete sich fröhlich von seinen neuen Freunden bevor er Noel zu dessen Auto folgte. Er wartete noch nicht einmal, bis die anderen außer Sichtweite waren, als er Noel bereits gegen seinen Wagen drückte und ihn küsste. Er war sich selbst nicht ganz sicher, wieso. Er würde sich auch nie auf diese Art aufdrängen, aber gerade hatte er das Gefühl, seinem Ärger irgendwie Raum machen zu müssen und Noel zu zeigen, dass er die Zeit mit ihm, die ihm blieb, definitiv ausnützen würde und er sich so leicht nicht vertreiben ließ. Vielleicht war er etwas zu überschwänglich, auch weil er aufgekratzt war, aber vor allem mangelte es ihm an Koordination.
      Obwohl der Franzose scheinbar größer war als Jay, hatte er mehr Kraft. Es war keine große Herausforderung, Noel herumzudrehen und ihn an seinem Auto festzupinnen. Er war trotzdem sanft, das lag in seiner Natur, egal wie er sich fühlte. Er wanderte mit seinen energischen Küssen entlang Noels Hals und schob eine Hand unter seinem Pullover seinen Rücken hoch. Dass sie mitten auf der Straße standen hatte er weit und breit nicht im Sinn.
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    • Der Abend war in einem Wort zusammengefasst eine Katastrophe.
      Sie hatten stark angefangen, schwach weitergemacht, stark nachgelassen und am Ende war alles in einer Explosion geendet die Oppenheimer mit seiner Atombombe wohl kaum besser hätte machen können. Noel blieb nach dem kleinen Zwischenfall mit dem Missverständnis - wie er sich immer noch dachte - recht ruhig. Gelegentlich klinkte er sich bei Nick und Sunny mit ein, gab aber nur einige, wenige fast schon tonlose Kommentare dazu und aß dann ruhig weiter.
      Theo hatte recht, die Burger waren wirklich sehr gut, auch wenn definitiv nicht die besten die er je gegessen hatte, aber trotzdem gut, jedoch hatte Noel trotz der hohen Qualität das Gefühl das sein Essen sich zu einem geschmacklosen Brei in seinem Mund vermischte. Ihm war definitiv der Appetit vergangen.

      Das Essen wirkte ein wenig wie das erste missglückte Date zweiter Menschen die nicht wussten worüber sie reden sollten und die Zeit einfach versuchten rumzubekommen. Als Jayden dann auch noch - trotz Noels Bitte keinen Alkohol mehr trinken - einen Cocktail bestellte war der Abend offizielle für den Franzosen gelaufen. Er selbst hielt sich an der Flasche Wasser fest, bestellte auch nach der dritten Aufforderung des nun deutlich angetrunkenen Theos keinen Alkohol und ließ sich von den eher weniger spannenden Gesprächsthemen berieseln. Als sie fertig waren, bezahlte Noel sein und Jays Essen und sie gingen in der Gruppe zurück zu Noels Auto. Der Rückweg war fast noch schlimmer als das Essen selbst. Es war deutlich kälter geworden und Noel hatte nicht nur Kopfschmerzen sondern war so langsam auch echt müde. Er wollte nichts sehnlicheres als in sein Bett, im besten Falle würden sie klären was auch immer Klärungsbedarf hatte und Jayden dazu brachte Noel fast schon zu ignorieren und dann konnten sie beide in ruhe schlafen, so jedenfalls in der Theorie.

      Mit einem wachsamen Blick beobachtete er den jungen Studenten. Er hatte definitiv zu viel getrunken, nicht so viel wie bei ihrer ersten Begegnung aber genug um das leichte Schwanken in seinem Gang nicht mehr verstecken zu können.
      Noel verabschiedete sich knapp von den Bandmitglieder, schaute Jayden dabei zu wie er sich überschwänglich von dem ebenfalls schwankenden Theo verabschiedete, wie sie Worte wechselten welchen wahrscheinlich keiner der beiden mehr richtig verstanden und wie der Sänger ihm schon fast ins Ohr kicherte. Theo war schon immer ein lustiger Betrunkener gewesen, für Noels Geschmack ein ticken zu anstrengend, aber er wurde in der Regel auch nicht gefragt.
      Und dann war’s endlich vorbei. Die Vier verschwanden im Schatten einer Straßenlaterne und tauchten dann wieder vor dem Haus auf als der Bewegungsmelder das Verandalicht anmachte.

      Noel seufzte leise. Er hatte schon vor einigen Minuten angefangen mit seinem Autoschlüssel in seiner Manteltasche zu spielen, hatte den Wagen schon mindesten zweimal aufgeschlossen nur um den anderen zu signalisieren, dass er so langsam echt gerne nachhause möchte und zweimal hatte sich sein Auto wieder von selbst verschlossen. Eigentlich wollte er gerade ein drittes Mal auf den Knopf mit dem geöffneten Schloss-Symbol drücken, als er plötzlich und ohne Vorwarnung gegen den schwarzen Lack seines Wagens gedrückt und geküsst wurde.
      Die Lippen des Studenten waren kühler als sonst, immerhin waren es fast Minusgrade…vielleicht waren es auch schon Minusgrade, so ganz war sich Noel da nicht sicher, er hatte aber auch gerade wichtiges zu tun als sich über die Außentemperatur Gedanken zu machen. Er hatte vieles erwartet. Vielleicht das Jayden ihn direkt sagte was los war, ihn vielleicht sogar anschrie wegen der Sache mit Frankreich (obwohl diese Möglichkeit in seinem Kopf doch ehe eine der unwahrscheinlicheren war) oder das sie sich einfach stumm ins Auto setzten würden, aber womit er nicht gerechnet hatte war von Jayden so geküsst zu werden. In dieser Berührung lag so viel mehr als nur betrunkenes Verlangen. Es lag eine Sehnsucht in den Küssen die Noel weder begreifen noch in Worte fassen konnte.

      Er wusste nicht was er tun sollte. Obwohl Noel einige Zentimeter Größer war, schien Jayden offensichtlich keine Probleme zu haben ihn an Ort und Stelle zu halten. Er pinnte den Künstler geradezu an sein eigenes Auto fest ohne dass dieser irgendwas dagegen hätte tun könnte - nicht das Noel es großartig versuchte, Jays Berührungen hatten eine seltsame Wirkung auf seinen Körper, die er sich selbst nicht ganz erklären konnte. Diese Wirkung bestand solange bis er Jaydens Finger unter seinem Pullover spürte, dicht gefolgt von einem kalten Luftzug, welcher ihn zum frösteln brachte. „Jay…“ fing er an, weit kam er jedoch nicht nicht, denn der Name des Studenten ging in ein leises Stöhnen über, als dieser sich schamlos an den Hals den Franzosen zu schaffen machte. Glücklicherweise waren die blauen Flecke von vor ein paar Tagen mittlerweile deutlich blasser geworden, bei dem Rest hatte er einfach mit etwas MakeUp nachgeholfen.
      Nach einem weiteren Anlauf schaffte Noel es dann doch tatsächlich zwischen dem Studenten und sich selbst ein wenig Abstand zu bringen, nicht viel aber gerade genug damit Jayden ihn mit seinen Küssen nicht um den Verstand brachte. Was hatte er nochmal vor gehabt? Sein Kopf fühlte sich an, als wäre er in Watte gepackt und das nicht wegen den Kopfschmerzen die er bis eben noch gehabt hatte. Wie konnte ein Mensch ihn innerhalb von Sekunden und weniger Berührungen in so einen Zustand versetzten?

      Ach stimmt ja, er wollte nachhause. Der Gedanke kam ihm gerade so weit entfernt vor, das er einige Sekunden dafür gebracht hatte. „Wir…wollten fahren…“ Seine Stimme zitterte leicht. Jaydens dominante Art machte ihn gerade einfach ein wenig mehr an als er sich selbst eingestehen wollte.

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    • Jay ließ sich unwillig von Noel wegschieben. Er ließ seine Hände fallen und ging einen Schritt zur Seite, damit Noel die Tür öffnen konnte. Seine Laune wurde schlechter, je länger sie nicht miteinander redeten, weil es Jay umso bewusster machte, dass sich irgendetwas geändert hatte, selbst wenn das nur die Realisation auf seiner Seite war, dass er Noel nicht bei sich behalten konnte.
      Er ging wortlos um das Auto herum und stieg auf der Beifahrerseite ein, den Blick richtete er eine Weile nicht auf Noel, weil er es selbst nicht aushielt. Wenn er ihn ansah, wollte er ihn festhalten und nicht mehr loslassen, aber der Gedanke daran tat bereits weh. Er hatte garnicht vorgehabt, sich in diesen Gefühlen so schnell zu verlieren, und er war mit Sicherheit ziemlich naiv gewesen, aber er wollte seine Illusionen noch nicht ganz verabschieden.

      Dennoch konnte er nicht so tun, als wäre nichts, als würde die Sache an ihm vorbeigehen, also schaffte er es auch nicht, ein neues Gesprächsthema zu finden. Nicht nur wegen dem Alkohol war sein Kopf völlig leer. Er hatte das Gefühl, gerade zu nichts imstande zu sein, als sich an Noel zu klammern und sich genau einzuprägen, wie es sich anfühlte, damit er es nicht so schnell vergaß. Das war so unglaublich armselig, dass er sich nicht einmal traute, ihm den Blick zuzuwenden. Im schlimmsten Fall würde er diesem Wunsch sonst noch nachgehen und dann würde er Noel mit seiner Anti-Beziehungs-Einstellung gleich noch schneller loswerden.

      Es half alles nichts. Es würde nicht weniger wahr werden, wenn er dem Thema aus dem Weg ging. Jay räusperte sich und bemühte sich, seine Worte nicht ineinander zu ziehen, während er sprach, aber er war von der schlechten Laune schon ein wenig ausgenüchtert.
      „Und, wann wolltest du mir davon eigentlich erzählen?“, fragte er. Sein Ton war nicht wütend, nicht einmal beleidigt, eher ein wenig unsicher, was er ganz sicher nicht beabsichtigte. Er wollte auch nicht, dass die Deprimiertheit in seiner Stimme mitschwang, aber er hatte sich nie gut verstellen können.
      „Also, wie lange bist du weg? Ich versteh nicht, wieso du mir das beim Essen nicht schon sagen konntest“ Dann hätte er ihm das Grübeln zumindest erspart.
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