My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • „Ich werde mich dran erinnern.“ meinte er lachend. „Aber dreiundzwanzig Uhr geht ja noch, im besten Falle bin ich da auch gerade erst ins Bett gegangen.“ winkte er ab. Es gab Abende ja verlor er sich so sehr in seiner Arbeit, dass er weit nach Mitternacht noch an irgendwas dran saß, dann auf die Uhr schaute und sich selbst ein wenig erschreckte. Aber im Moment versuchte er seinen Schlafrhythmus so weit im Normalbereich zu halten wie es mit seinem Beruf vereinbar war.

      Kurz überlegte er ob sein Vorschlag mit dem Ersatzschlüssel nicht doch ein wenig seltsam rüber gekommen war…normalerweise machte er sowas nicht, aber normalerweise ließ er auch niemanden über eine längere Zeit bei sich wohnen. Es war in der Situation einfach das logischste, wenn Noel nicht im schlimmsten Falle aus seinem Schlaf geklinkt werden wollte. Es war keine große Sache, er würde den Schlüssel am nächsten Tag einfach wieder zurück in die Schublade legen in der all seine Schlüssel ihren Platz hatten und gut war. Das hieß nicht, dass Jayden bei ihm einzog. Das hieß bloß, dass er nicht zur später Stunde sein warmes Bett nochmal verlassen musste um die Haustür aufzuschließen, so einfach war das. Er handelte im Grunde aus purem Eigennutz.

      Vielleicht atmet er ein klein Ticken zu erleichtert aus als Jayden meinte, dass er Donnerstag nichts geplant hatte. Das war gut. Er kannte Theo und wenn er immer noch nur ein klein wenig so war wie damals in der Schule, dann wäre das wohl der erste und vor allem einzige Termin den Noel von dem Sänger bekommen hätte. Theo konnte manchmal extrem eigen sein, vor allem wenn es um seine Musik ging.

      „Ich hab vielleicht eine Kleinigkeit geplant.“ meinte er schon fast ein wenig geheimnisvoll. „Und lass uns danach Essen gehen.“ Noel brauchte definitiv an dem Abend noch etwas anderes positives um nicht nur seinen Abend mit Theo und der Band zu verbringen. Er tat das nicht für sich, klar hörte er Jayden gerne spielen, aber das am liebsten ohne die Nervensäge mit den gefärbten Haaren, aber wenn er dem Studenten so eine kleine Freude machen konnte (vor allem jetzt nach dem Streit mit seinem besten Freund) war es ihm sogar wert dafür seinen freien Abend in einer alten Garage mit seinen ehemaligen Schulkameraden zu verbringen. Das Essen gehen schlug er wiederum für sich selbst vor. Er wollte unbedingt ein nächstes Date Jayden haben, welches vielleicht nicht so endete wie ihr momentanes.
    • "Oh", sagte er mit einem freudigen Lächeln auf den Lippen. "Ist es eine Überraschung? Klingt irgendwie so" Jay war immer ein großer Fan von Überraschungen gewesen, auch wenn sie meistens nicht so überraschend waren, wie es gewollt war, weil er schrecklich neugierig war. Er hatte als Kind schon im ganzen Haus nach seinen Geburtstagsgeschenken gesucht, nur um dann enttäuscht zu sein, wenn er bei der Übergabe schon wusste, was er bekam. Seine Eltern hatten sich zu hervorragenden Versteck-findern herausgebildet. Allerdings ließen sich Überraschung-Pläne schwerer zu durchschauen, wenn man nicht gerade durch jemandes Handy stöbern wollte, und da zog sogar Jays Neugierde eine Grenze.

      Er versuchte, seine Freude nicht zu offensichtlich zu machen, um Noel nicht unter Druck zu setzen, aber er würde vermutlich kaum noch schlafen können, bis er wusste, was er für ihn geplant hatte. Und, egal was es war, er wäre wohl über alles glücklich, weil das tolle an Überraschungen ja einfach war, dass sich jemand die Mühe machte, etwas zu planen. In jedem Fall hatte Jay sich bisher allerdings als ein offenes Buch herausgestellt, also machte er beim Verstecken wahrscheinlich noch immer keinen allzu guten Job. Alles, was er da noch tun konnte, war, sein Gesicht zu verstecken.

      Er lehnte seinen Kopf an Noels Schulter. Da fiel ihm urplötzlich etwas ein. Sein Gehirn arbeitete bereits unterbewusst daran, die Überraschung herauszufinden. Und jetzt war er sich nicht sicher, ob er hoffen sollte, dass er recht oder unrecht hatte. Er konnte es jedenfalls beim besten Willen nicht unausgesprochen lassen. Er hob langsam den Kopf wieder.
      "Du, äh... ich hab heute etwas gesagt, und ich bin mir grade nicht sicher, ob das jetzt deine... Inspiration für deine Pläne war. Ich will es auch garnicht wissen, außer es ist wirklich das, weil ich dann definitiv einen Hinweis brauche und Vorbereitungszeit", begann er zögerlich. "Du hast nicht vor, mit mir zu schlafen und, ähm, den... den Spieß umzudrehen oder?" Er wandte Noel den Blick zu und suchte nach Antworten.
      "Weil du meintest, du hast es an Halloween nicht getan, weil du Zeit fürs Vorbereiten brauchst, oder so?" Jay konnte fühlen, wie sein Gesicht heiß wurde. Er hatte nicht erwartet, jemals in dieser Lage zu sein. "Nicht, dass ich... direkt Nein sagen würde, ich meine, ich hab offensichtlich selbst absolut keine Ahnung, was ich will - ich wusste nichtmal, dass ich auf Männer stehe, aber ich bräuchte vielleicht erstmal ein Briefing, oder so. V-von Google, nicht von dir. Ich meine, ich weiß mittlerweile, wie es abläuft, aber ich denke, es ist nochmal was anderes, selbst in der Position zu sein. Ich hab auch definitiv zu groß geredet, ich hab mir noch nie Gedanken drüber gemacht, also war ich eigentlich ganz froh, dass du es nicht ernst genommen hast, aber... aber wenn du es willst, würde ich es trotzdem versuchen, nur... bitte gib mir ne Vorwarnung. Ich mag Überraschungen, aber das wäre eine... weirde Überraschung. Vor allem weiß ich nicht, wie ich nachher dazu stehen würde, essen zu gehen"
      Luft holen, atmen. Zumindest konnte ihm niemand vorwerfen, dass er seine Sorgen und Ängste nicht kommunizierte. Oh, er war nichtmal fähig, einen einzigen Gedanken für sich zu behalten, wenn er mal mit dem Reden anfing. Was war das bloß? Der Nebeneffekt, wenn man jahrelang über nichts mit niemandem sprach?
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    • „Sowas in der Art, ja“. Meinte er lächelnd. Im Grunde war es ja tatsächlich eine kleine Überraschung, er hoffte jedenfalls das Jayden sich freute. Schon im Rodeo hatte er das Gefühl gehabt, dass er Theo ein wenig bewunderte und auch davor in der Karaokebar. Immerhin war Theo auch ein eindrucksvoller Mensch. Noel selbst hatte vor Jahren auch sowas wie Bewunderung für ihn empfunden, vielleicht nicht aus den selben Gründen aber trotzdem, irgendwo bewunderte er den Sänger immer noch für seine Art zu leben. Er war offen mit sich und allen anderen, kam eigentlich überall gut an, jeder schien ihn zu mögen und er fand überall unfassbar schnell Anschluss, das waren alles Dinge die Noel sowohl in seiner Schulzeit als auch heutzutage nicht schaffte. Aber Noel hatte Dinge in seinem Leben erreicht auf die er stolzer nicht sein könnte, Dinge von denen er wusste, dass Theo sie niemals erreichen würde, also war das in Ordnung.

      Als Jayden dann anfing zu reden veränderte sich Noels Gesicht fast schon im Minutentakt. Erst schaute er den Studenten ein wenig neugierig an, dann machte sich eine klare Verwirrung auf seinem Gesicht breit, bis er sich das Grinsen verkneifen musste, schlussendlich musste der Franzose sich echt zusammenreißen nicht leise anzufangen zu lachen. „Hey, vergiss das Atmen nicht.“ kam es lachend von dem Franzosen als Jay zuende gesprochen hatte.
      „Oh Gott Jayden.“ Noel nahm Gesicht seines Gegenübers in beide Hände. „Du bist der Wahnsinn.“ grinste er und zog ihn in einen langen Kuss.

      „Nein, ich hatte jetzt nicht unbedingt vor mit dir zu schlafen…jedenfalls nicht so.“ lachte er leise nachdem er sich von den Lippen des Jüngeren gelöst hatte. „Aber ich muss zugeben, ich finde es sehr interessant was du für Ideen hast, was ich mir an ‚Überraschungen‘ ausdenke. Denkst du wirklich ich plane samt Datum und Uhrzeit wann ich mit dir schlafen möchte?“ er hatte wohl noch nie in seinem Leben so breit gegrinst wie jetzt gerade. Er machte sich nicht über den Jüngeren lustig, ganz im Gegenteil, er fand es schon fast niedlich wie Jayden rumdrukste, die leichte Röte auf seinen Wangen immer dunkler wurde und so schnell sprach, das er erstmal wieder Luft holen mussteweil er sich so viele Gedanken um das Thema machte. „Mach dir da bitte keinen Stress, wenn du irgendwann mal soweit sein solltest, sagst du mir Bescheid und dann helfe ich dir.“ er zwinkerte ihm grinsend zu. „Du bist wirklich großartig.“
    • Jayden war ein wenig schockiert über das gigantische Grinsen in Noels Gesicht, und der Kuss kam für ihn völlig ohne Vorwarnung, entlastete ihn jedoch nicht. Er war sich nicht sicher, ob er so schockiert von seinen eigenen, offenbar völlig wirren, zusammenhanglosen Gedankengängen war, oder von Noels Reaktion auf seine verrückte Idee. Oder ganz einfach, weil es ihm selbst gerade wirklich absolut verrückt vorkam, wie er seine Rede damit beendet hatte, dass Noel ihn doch jederzeit gerne vögeln konnte, wenn er wollte.

      „Okay, ich würde mich wahrscheinlich auch auslachen, keine Sorge“, erwiderte er, halb im Scherz, aber mit einem deutlich zu ernsten Gesichtsausdruck. Er hatte mit seiner Vermutung anscheinend weit daneben gelegen. Das machte es noch milliarden Mal peinlicher, egal ob Noel gerade völlig begeistert davon wirkte. Wobei… war er von der Idee begeistert oder davon, dass der Kerl, mit dem er ausging, ein sexsüchtiger Verrückter war, dessen Gedanken gerne in alle möglichen Richtungen sprangen? Naja, wenigstens hatten sie etabliert, dass Donnerstag Abend kein fixierter Sex-Termin war, den Jay nur mit Nervenkitzel einhalten könnte.
      „Ich sag dir Bescheid, wenn ich…“ Oh Gott, den Satz hatte er begonnen, ohne sich das Ende zu überlegen. „…deine Hilfe brauche, nehme ich an“ Er runzelte die Stirn. Vielleicht sollte er allgemein weniger Drogen zu sich nehmen, vielleicht würde das auf das lange Sicht helfen.

      Er räusperte sich und versuchte den Gedanken einfach loszuwerden, damit auch die Röte aus seinem Gesicht… und seinen Ohren, seinem Nacken und seinen Handrücken schwand. Er sah aus, als hätte man ihn kopfüber in eine Feuerschale gehalten.
      „Äh, war da nicht irgendwas mit Essen bestellen und einem Film?“, fragte er als Themenwechsel. „Welchen Film willst du ansehen? Oder ne Serie? Wir haben ja Zeit. Außer du musst arbeiten, dann… kann ich auch mein Essay schreiben, das ist sowieso in zwei Wochen abzugeben“
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    • Noel Blick wurde weicher. Einer seiner Hände, welche immer noch locker an Jaydens Wange ruhte rutschte ein wenig runter, fuhr sanft über seinen Hals, bevor sie sich mit einer fließenden Bewegung unter sein Oberteil schob. „Ich hab dich übrigens nicht ausgelacht, ich war nur selbst ein wenig von deinen Gedankengängen überrascht.“ meinte er lächelnd. „Und davon, dass du anscheinend der Meinung bist das ich so wenig Anstand besitze und fixe Sex-Termine vereinbaren will. Weist du, ich bin grundsätzlich der Meinung, dass Sex eine Sache ist die am besten spontan passiert.“

      Das kalte Blau seiner Augen fuhren sanft über Jays Gesicht. Über seine geröteten Wangen, seine Ohren die schon fast glühten, schauten seinen Finger dabei zu wie sie über den Nacken den Jüngeren streichelten. Der Anblick hatte definitiv was. Noel hatte sich bei Jayden bis dato immer ein wenig zurückgehalten. Er hatte die Kontrolle immer bis auf ein Maximum abgegeben - was er normalerweise nie tat. Er vertraute Jayden und deswegen war das war okay. Er wusste, dass er sich jederzeit die Kontrolle, die er so bereitwillig in die Hände des Studenten legte zurück holen konnte und genau das gab ihm das Gefühl von innerer Sicherheit was er brauchte.

      „Worauf hättest du denn Lust? Also sowohl Essenstechnisch als auch Filmtechnisch?“ ließ er sich in den Themenwechsel ziehen, seine Finger fuhren jedoch immer noch weiter über Jaydens gerötete Haut. Seine Berührungen hatten nichts sexuelles an sich, gerade genoss er einfach die warme Haut unter seinen Fingerkuppen. Das war auch so eine Sache mit Jay, er hatte ständig das Bedürfnis ihn zu berühren. Sei es flüchtige Berührungen in seinem Café, wenn er aufstand um sich einen neuen Kaffee zu bestellen und wenn sie alleine waren. Er genoss den Gedanken, dass er den Studenten alleine mit einfachen Berührungen aus dem Konzept bringen konnte ohne jedoch es böswillig zu meinen. „Ich bin da flexibel, wir können den Tag auch gerne genießen und uns morgen erst an unsere Sachen setzten, ich hab keine zeitnahe Abgabefrist.“ naja, ganz wahr war die Aussage nicht, die Hochzeitsfotos die er gezwungenermaßen gemacht hatte waren noch nicht ganz fertig, aber es reichte, wenn er sich morgen an die Sachen setzten würde, im schlimmsten Falle würde er morgen einfach etwas länger machen müssen.
    • Gut, da waren sie einer Meinung. Abgesehen davon, dass bei ihnen mit dieser gewissen Spontanität schon beinahe zu rechnen war. Aber… wenn er jetzt so darüber nachdachte, würde er für diese spezifische Sache doch etwas mentale Vorbereitungszeit brauchen. Da sehr spontan zu sein, würde ihn bloß richtig stressen, also war es gut, dass Noel ihm das völlig frei ließ. Aus irgendeinem Grund hatte Jay auch das Gefühl, dass diesem Schritt nochmal einiges an Selbstakzeptanz vorausgehen musste. Oder einiges an Alkohol. Oder anderen Substanzen. Oder, naja, vielleicht schaffte Noel es auch einfach, ihn genug anzuturnen, dass ihm alles egal wurde. Irgendwie traute Jay ihm das auch zu, oder besser gesagt, sich selbst.

      „Ich bin froh, dass du keine Mitbewohner hast, und die Spontanität uns hier auch noch zum Verhängnis werden könnte“, kommentierte Jay, bevor er zum nächsten Thema überging. „Wie wär‘s mit irgendwas lockerem, the Office, oder so?“, fragte er, zog sich die Kapuze seines Hoodies über den Kopf, damit sie nicht störte, und sank etwas tiefer ins Sofa. „Und… worauf hast du Lust? Ich kann absolut alles essen, also… Zwischen Indisch, Italienisch und Chinesisch ist alles gut“ Er war, was Essen anging, noch nie sehr wählerisch gewesen. Er aß alles, und dann auch locker Portionen für drei.
      „Oh, und wir könnten irgendwelche Snacks bestellen“, fiel ihm ein und er nahm sein Handy wieder in die Hand, um durch eine Liefer-App zu scrollen. „Hmm… Lust auf Kuchen? Donuts, oder sowas?“ Zuhause hatten Cyrus und er immer einen gigantischen Vorrat aus Chips und Süßkram, weil sie ja auch ihre Freunde irgendwie durchfüttern mussten, wenn jemand vorbeikam. Das war außerdem weitaus billiger, als Donuts zu bestellen, aber irgendwie war heute ja auch ihr Date-Tag, also konnte er sich etwas gönnen.
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    • „Ich glaube, ich würde mich oder meinen Mitbewohner umbringen, wenn ich einen hätte.“ meinte er lachend. Noel war nicht die Person die lange mit jemanden zusammen wohnen konnte. Er genoss es viel zu sehr seine gesamte Wohnung komplett für sich zu haben ohne Rücksicht auf eine andere Person nehmen zu müssen. Schon damals als er noch bei seinen Eltern gewohnt hatte, war ihm das zu anstrengend gewesen und auch die kurze Zeit auch der Schule als er tatsächlich mit jemanden zusammen gewohnt hatte, brauchte er regelmäßig Zeit für sich alleine, vorzugsweise in einem anderen Raum.

      „Indisch klingt gut. Schau mal bei India Spice, die machen das beste Curry in der ganzen Stadt.“ beteuerte er. Normalerweise koche Noel lieber selbst, aber wenn es doch mal dazu kam, dass er bestellte, bestellte er regelmäßig bei den selben fünf Läden, von denen er wusste, dass sie gut waren. „Und schau mal ob Cinnamoon liefert. Ich hätte Lust auf Zimtschnecken.“ Der Franzose hatte seine Sitzposition so verändert, dass er ohne sich groß verrenken zu müssen ebenfalls guten Ausblick auf Jaydens Smartphonedisplay hatte. Er lehnte sich sanft an die Schulter des Studenten und beobachtete wie dieser durch die Angebote der Liefer-App scrollte.

      „Ich würde das Cashew-Kokos-Curry mit Reis nehmen…wollen wir Naan dazu bestellen? Das ist da wirklich großartig.“ Er bestellte bei dem Restaurant grundsätzlich und ausschließlich immer das selbe. Das Cashew-Kokos-Curry und bis jetzt hatte er auch kein Restaurant gefunden, welches das besser machte als der Inder bei dem er bestellen wollte.
    • „Mhmm“, raunte Jay während er konzentriert in der Auflistung nach den Läden suchte, die Noel vorschlug. Er packte seine Bestellung in den Warenkorb, sah sich das Menü einmal im Schnelldurchlauf an und entschied sich dann auch selbst. „Ich nehm dieses Mango-Limetten Ding“, sagte er und hatte den Namen auch schon vergessen, sobald er vom Bildschirm verschwunden war. Dann wandte er sich den Zimtschnecken zu. „Oh, wow“, sagte er, durchs Angebot scrollend. „Und, was willst du? Das klingt alles super. Ich bestell so eine 6er Packung, dann haben wir morgen noch was davon“

      Es war nicht wirklich zu beschreiben, wie gut Jay sich fühlte, als er diesen Satz aussprach. Wie ein Testlauf. Für ein mögliches Zusammenwohnen. Irgendwann mal…
      Gut, sie kannten sich noch nicht lange, aber Jay hatte jetzt schon das Verlangen, jede freie Sekunde mit Noel zu verbringen. Seine Gegenwart hatte etwas entspannendes. Vielleicht würde es seinem allgemeinen Stresszustand sogar helfen, mit Noel zusammenzuwohnen. Zumindest angenehmer als mit Cyrus war es bestimmt, weil Noel deutlich ordentlicher und bestimmt ruhiger war. Und sie könnten immer zusammen aufwachen und frühstücken… Und Abends dann wieder zusammen ins Bett gehen.

      Jay zog den Kopf wie eine Schildkröte in seinen Pullover hinein und versteckte die untere Hälfte seines Gesichts im Stoff. Er musste sich wirklich zurückhalten, was diese Gedanken betraf. Es war völlig irre, mit jemandem zusammenziehen zu wollen, den man quasi gerade erst kennengelernt hatte, oder?
      Obwohl Jay Cyrus ja irgendwie sogar erst am Tag ihres gemeinsamen Einzugs kennengelernt hatte, und es war super gelaufen. Auch, wenn sie unterschiedliche Sauberkeits-Standards hatten, ließ sich jedes Problem irgendwie lösen. Bis heute, zumindest.
      Aber, Jay war optimistisch, dass Noel und er auch jedes Problem lösen könnten, bisher waren sie darin ja auch ziemlich gut.

      „Ich bestelle dann, okay?“, fragte er, bevor er auf sein Display tippte.
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    • Noels Blick lag abwechselnd auf Jayden und auf dessen Handy. Er genoss die ganze Situation gerade sehr. Es fühlte sich angenehm heimisch an, so wie vor einiger Zeit als Jay schon einmal über Nacht geblieben war. „Such dir gerne welche aus, solang mindestens zwei dabei sind, die vegan sind, ist mir das egal.“ meinte er lächelnd. Die Vegane Auswahl war zwar nicht exorbitant, aber sie war vorhanden, deswegen hatte Noel auch gerade diesen Laden ausgesucht. Es gab nicht viele Läden im Umkreis die Gebäck lieferten und dann auch noch ohne tierische Inhaltsstoffe waren war doppelt schwer zu finden.

      „Mach das.“ bestätigte er und schloss dann, immer noch an Jaydens Schulter gelehnt kurz die Augen. So langsam fiel der Stress von seinen Schultern und er entspannte sich immer weiter. Die Situation in Jays Zimmer hatte ihm vom Stresspegel her dann doch mehr mitgenommen als er ursprünglich gedacht hatte.
      „Wann kommt das Essen?“ mit der Zeit bekam er Hunger, nicht so sehr dass er nicht mehr warten konnte, aber er könnte auf jeden fall langsam aber sicher was essen.

      Nachdem er einige Male ruhig geatmet hatte, öffnete er seine Augen wieder, richtete sich auf. Und griff nach der Fernbedienung. Auf halben Weg füllte er seine Teetasse zu Dreiviertel mit Tee - den er glücklicherweise direkt auf ein Stövchen gestellt damit dieser warm blieb - auf und schaltete dann den Fernseher an. „Du wolltest was entspanntes schauen oder?“ erkundigte er sich nochmal und schaute dann durch seine Streaminganbieter. Seine Watchlist war voll mit diversen Filmen und Serien, was jedoch auffiel war, das seine Liste sehr Krimi und Thriller lastig war und dass es sich bei vielen Filmen um ältere Filmklassiker handelten. Einer der ersten Filme die einem entgegen sprang war jedoch tatsächlich Pretty Woman.
    • „Vegan?“, fragte Jayden leicht interessiert. So richtig hatte er bisher ehrlich gesagt nicht darauf geachtet, was Noel zu essen und zu trinken bestellte, aber jetzt wo er es sagte… In seinem Kühlschrank hatte Jay beim letzten Mal auch nur die Hafermilch gesehen, sich dabei aber nichts gedacht, weil er selbst auch oft Hafermilch kaufte, einfach, weil sie länger haltbar war.
      „Also ohne Milch und Ei und dem Zeug, richtig?“, fragte er nebenbei, während er die Zimtschnecken auswählte und direkt bei jeder einzelnen davon darauf achtete, dass Noel sie essen konnte.

      Nachdem er bestellte, sagte die App ihm, wann sie etwa mit dem Essen rechnen konnten. „Halbe Stunde, ungefähr“, teilte er Noel mit, der gerade irgendwie halb einzuschlafen schien. Jay hatte kein Problem damit, seinetwegen konnten sie stundenlang in Stille koexistieren. Er legte seinen Kopf auf Noels und öffnete Instagram, um eine Weile durch den Feed zu scrollen. Er sagte nichts weiter, um Noel nicht zu stören, bis er sich dann von selbst wieder aufsetzte, um den Fernseher einzuschalten, und Jay sich innerlich schon unglaublich darauf freute, den Rest des Tages einfach nur hier zu sitzen, zu essen und Noels Gegenwart zu genießen.

      „Mhm, zumindest keinen Horrorfilm“, erwiderte Jay überrascht, als Noels Watch List sah. „Oh. Pretty Woman ist wahrscheinlich das einzige, das ich heute noch ertragen könnte“, schmunzelte Jay. „Stehst du auf Romanzen?“, fragte er. „Ich guck mir eher Komödien und Actionfilme an, aber solange es nicht zu viel Brain-Power braucht, können wir uns anschauen, was du willst“ Eigentlich war er gespannt auf Noels Filmgeschmack. Bisher unterschieden sie sich ja in so ziemlich allem, und auch das schien keine Ausnahme zu sein, aber Jay war offen für so ziemlich alles. Nur heute hatte er den Anspruch, sich etwas entspannen zu können. Also solange es nicht um Verbrechen oder irgendwelches unheimliches Zeug ging, konnte er wohl mit allem leben.
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    • „Mh-hm.“ bestätigte er summend. Er war froh, dass Jayden aus seinen Essgewohnheiten kein großes Ding machte, vor allem weil er den Studenten echt gern hatte und zum zweiten hatte er gerade auch weder die Energie noch große Lust eine Grundsatz Diskussion zuführen, das tat er schließlich dann doch leider zu häufig. Glücklicherweise wussten die Leute mit denen er schon länger und vor allem häufiger zusammenarbeitet, dass er sich pflanzlich ernährte und achteten bei den gelegentlichen Geschäftsessen grundsätzlich darauf. Schwieriger wurde es dann eher bei den kleinen Geschenken die er von dem ein oder anderen Management bekam, er hatte sich jedoch angewöhnt, das dann einfach umkommentiert zu lassen und die Sachen weiter zu verschenken.

      „Einen Horrorfilm hätte ich wahrscheinlich auch nicht angemacht, das wäre mir heute auch zu viel gewesen.“ meinte er, ehe er an seinem Tee nippte. „Ich stehe vor allem auf Filmklassiker und Pretty Woman ist einfach ein absoluter Klassiker, genau so wie Dirty dancing. Bei Titanic hört es dann aber tatsächlich auf.“ meinte er, während er durch die vorgeschlagenen Filme zappte. „Es gibt einige sehr gute Actionfilme, ich bin nur bei vielen der Meinung, dass es einfach immer wieder das gleiche ist. Ich bin aber sehr großer Terminator-Fan, primär zwar weil das Special effects Make-Up einfach der Wahnsinn ist aber die Filme sind auch echt gut, jedenfalls die älteren.“ Noel schien mit der angezeigten Auswahl nicht ganz so zufrieden zu sein, an den meisten Filmen blieb er nicht Mals wenige Sekunden hängen bevor er weiter scrollte. „Alien war auch echt gut, aber wenns um Horrorfilme geht wird wohl nichts Jaws schlagen können.“ erzählte er ruhig weiter ohne seinen Blick von dem Fernseher zu nehmen. „Sonst gibt es auch einige echt gute Science Fiction Klassiker die man eigentlich gesehen haben muss.“

      Noel war ein schwieriger Filme- und Serientyp, im Grunde würde er wohl lieber regelmäßig die selben vier/fünf Sachen schauen als sich ständig Sachen raussuchen zu müssen die ihm dann auch noch gefielen. Viel brach er schon in den ersten paar Minuten ab, wenn er nicht direkt gecatcht wurde oder das Geschehen auf dem Bildschirm lief nur nebenbei als Hintergrundsmusik während er eigentlich was wichtigeres zu tun hatte.
    • "Ich kann bei Klassikern wahrscheinlich höchstens noch bei Herr der Ringe mitreden", murmelte Jay. Er kannte Jaws und Terminator und Alien, aber er hatte nie sehr starke Meinungen zu Filmen gehabt, und sie immer eher nur aus dem Prinzip angesehen, um einen Filmabend mit seiner Familie oder seinen Freunden zu verbringen. An vieles erinnerte er sich nicht einmal. Der soziale Aspekt hatte ihn immer mehr interessiert. Darum war es ihm auch immer völlig egal, welcher Film im Kino ausgewählt wurde. Auch wenn er gerne Action und Comedy ansah, hatte das eher den Grund, dass er es mochte, etwas zum lachen zu haben. Wenn man nach einer Party verkatert auf der Couch verkümmerte, war man meistens für nichts tiefgründiges aufgelegt.

      Jay sah Noel dabei zu, wie er sich, irgendwie unzufrieden, durch die Filme klickte, letztlich bei einem hängen blieb und seinen Gedankengang aber nicht mit Jay teilte. "Den kenn ich nicht", meinte Jay und spielte mit den Schnüren an seinem Hoodie. "Love, Simon? Irgendeine Romanze? Damit kann ich gut leben" Er setzte sich einen Moment auf, um es Noel gleichzutun und sich etwas von dem Tee in die Tasse zu leeren.
      "Willst du schonmal beginnen, bis das Essen da ist?", fragte er und lehnte sich mit der Tasse in den Händen wieder zurück. Oh, er war so bereit für einen Couch-Tag. Gehirn ausschalten. Nichts tun. Einfach nur haufenweise oberflächliche Filme angucken und die Welt vergessen.
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    • „Dann schauen wir den.“ stimmte er zu. Er konnte sich wage dran erinnern, dass Mona davon erzählt hatte, obwohl erzählt das falsche Wort war, sie hatte förmlich davon geschwärmt und ihm angedroht, dass sie den Film unbedingt miteinander schauen mussten, allen Anschein nach kam sie damit zu spät. Im Normalfall hätte Noel den Film wohl nie angemacht, aber wenn Jayden ihn schauen wollte, warum nicht? Außerdem war er heute definitiv nicht mehr in der Lage dazu einen anspruchsvollen Film zu schauen.

      „Wir können gerne schon mal anfangen, im schlimmsten Falle machen wir danach einfach einen zweiten Film an.“ grinste er. Den Rest den Tages bei gutem Essen und noch besserer Gesellschaft auf dem Sofa verbringen? Da würde er sich definitiv nicht gegen wehren.

      Noel rutschte wieder nach hinten auf das Sofa, warf die dünne Stoffdecke über sie beide und lehnte sich dann an die Rückenlehne. Wann hatte er das letzte Mal einen Filmabend gemacht? So einen richtigen ohne nebenbei zu arbeiten? Das musste schon ewig her sein. Noel nahm sich vor das hier zu genießen. Er rutschte noch ein kleines Stückchen näher an den Studenten, so das sich ihre Beine sanft berührten und er - nachdem er seine Tasse geleert hatte - seinen Kopf vorsichtig gegen Jays Schulter lehnen konnte.

      Der Film startete. Love Simon war ein klassisches Coming-of-Age Drama - was anderes hätte Noel bei der Aufmachung auch nicht erwartet. Mit was er jedoch nicht wirklich gerechnet hatte war, dass der Film wohl zu einen der wenigen queeren Filmrepräsentationen gehörte die es auf dem Markt gab - oder er hatte von den anderen einfach nichts mitbekommen, was auch sehr wahrscheinlich war. Bei den ganzen Klischees, die der Hauptcharakter verkörperte, hätte der Franzose wohl schon in den ersten zehn Minuten den Film wieder ausgemacht, aber stattdessen schmiegte er sich einfach etwas näher an den Studenten und griff vorsichtig- unter der Decke - nach dessen Hand.
    • Oh, Jay fiel auf jeden Fall auf, weshalb er sich keine Romanzen ansah. Auch, wenn ihn diese ein wenig aufmerksam machte, anstatt ihn einzuschläfern. Was vermutlich nur am heutigen Tag lag, es war ein wenig ironisch. Jay hatte natürlich in der ein oder anderen Serie queere Charaktere mitbekommen, aber die bekamen auch üblicherweise nicht sehr viel Screentime und er hatte bisher einfach keine Meinung zu dem Thema gehabt. Jetzt hatte er eine Meinung. Er hatte auf einmal Angst, dass seine Eltern ganz genauso reagieren würden, wie die im Film. Auch, wenn alles irgendwie überzogen wirkte. Aber… Cyrus hatte eben auch schon dieselbe Reaktion gehabt, wie jemand in dem Film, und sogar aus dem selben Grund. Weil Jay nicht ehrlich zu ihm gewesen war.
      Aber wie konnte man von Jay erwarten, ehrlich zu irgendjemandem zu sein, wenn er immer damit rechnen musste, dass das Gespräch vollkommen schief lief und er am Ende alleine war? Er hatte diese Sorge in seinem ganz Leben noch nie gehabt und…. es fühlte sich grauenhaft an.

      Als ihr Essen ankam, stand Jay als erstes auf und ging zur Tür, nur um eine winzige Pause von dem Bildschirm zu bekommen, der irgendwie die ganze Zeit mit dem Finger auf ihn zu zeigen schien. So fühlte es sich an. Irgendwie lächerlich, dass Jay sich von so einem kitschigen Kinderfilm aufrütteln ließ.
      Nach dem Essen lehnte Jay sich an Noel, wie auch der Franzose es tat, bis sie beinahe verschlungen auf der Couch saßen, und dafür lohnte sich wohl die ganze Achterbahnfahrt. War sein Leben am Ende genauso so kitschig, wie dieser Film? Er hatte jedenfalls ein Happy End. War das der Grund, weshalb Noel den Film ausgesucht hatte? Um ihn aufzumuntern, oder so? Jay hatte das Gefühl, dass er zum Großteil einfach seine Realität wiedergespiegelt hatte.

      Als der Abspann durchlief, bewegte er sich nicht, und sagte nach einer Weile: „Was, wenn meine Eltern zu stur für ein Happy End sind, und nicht mehr mit mehr reden wollen?“
      Er hatte eigentlich nicht vorgehabt, mit Noel über das alles zu sprechen, weil er das Gefühl hatte, ihn unnötig zu belasten. Am Ende verließ er ihn noch, weil er ihm zu nervig war. Er hatte oft genug gesagt, dass er aus diesen Gründen niemanden datete, der vermeintlich hetero war, und Jay hatte vielleicht endlich akzeptiert, dass er es nicht war, aber das wusste ja bisher auch nur er. Und Cyrus… wusste es auch. Insofern war sein Leben aber noch so, als wäre er wirklich hetero. Seine Nervosität in der Öffentlichkeit musste auch anstrengend sein, aber er musste sich eben daran gewöhnen. Es war unglücklich gelaufen, dass Noel diese Umgewöhnung von Sekunde 1 an miterleben musste.

      Jay hatte seine Gedanken, wenn sie nicht positiv waren, oder ganz einfach zu gefühlsduselig, grundsätzlich immer für sich selbst behalten. In Beziehungen hatte er sich gezwungenermaßen etwas geöffnet, aber es hatte sich immer falsch angefühlt. Und jetzt… er wollte Noel nicht in seine Probleme mitreinziehen, aber er war der einzige, mit dem er darüber reden konnte und bei dem die winzige Chance bestand, dass er ihn verstehen würde. Bisher hatte Noel außerdem, ohne etwas zu tun, schon einiges aus Jay herausgeholt, dass er vorher tief in sich vergraben hatte. Es fühlte sich nicht immer schlecht an. Oder zumindest so, als könnte Jay alles irgendwie überstehen, auch wenn es unangenehm war.
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    • Der Film hatte ihn eher gelangweilt als wirklich unterhalten, aber so schlimm wie er gedacht hatte war er bei weitem nicht, also war das wohl okay. Dafür war das Essen mal wieder herausragend gut gewesen - was er auch nicht anders erwartet hätte. Jaydens Anwesenheit machte den Film deutlich erträglicher. Die Klischees zogen sich zwar durch den kompletten Film und Noel verdrehte bei der ein oder anderen Szene die Augen - der Film war an einigen Stellen wirklich sehr übertrieben dargestellt. Als der Abspann lief seufzte er leise auf, bevor sein Blick zu Jay glitt der nach einigen Minuten anfing zu reden.

      „Ich denke nicht, dass deine Eltern nicht mehr mit dir reden. Weist du, die meisten Eltern lieben ihre Kinder egal was passiert. Mein Vater war bei der französischen Armee und ist immer noch ein absoluter Macho wenn es um Geschlechterrollen geht und selbst er hat mir den Kopf nicht abgerissen, als ich mich geoutet hab. Und glaub mir, mein Outing war definitiv nicht das was man sich so wünscht.“ meinte er aufmunternd, bei dem kurzen Gedanken an sein Outing bei seinen Eltern musste er kurz schmunzeln, das hätte definitiv besser laufen können, aber auch deutlich schlechte. Glücklicherweise hatten seine Mutter recht entspannt reagiert und nach einiger Zeit kam sogar sein Vater damit klar, auch wenn er Noel danach immer noch versucht hatte in Geschlechterrollen zu zwängen in die er nicht wollte. Immerhin war es für die meisten Väter nicht sonderlich einfach zu verstehen, dass ihr einziger Sohn schwul war und sich dann auch noch lieber mit Make-Up beschäftigte als die Liebe für Autos mit ihm zu teilen. Das Noel definitiv kein klassisches Make-Up machte, damit hätte er gar nicht anfangen können, für sein Vater war alles was mit Schminke zu tun hatte Make-Up und Make-Up war ein Ding für Frauen…so war das einfach bei ihm. Mittlerweile kann er jedoch echt gut damit klar, spätestens als Noel mal eine Flasche guten Rotwein mitgebracht hatte, den er von einem Ehepaar geschenkt bekam, mit dem er häufiger zusammen arbeitete, waren die bogen endgültig geglättet. Mittlerweile würde er sogar sagen, dass sein Vater mehr als nur stolz auf ihn war, auch wenn sie eher sporadischen Kontakt pflegten - was jedoch an Noel selbst lag und nicht an seinen Eltern, er war einfach nicht der Typ der jede Woche anrief. Da fiel ihm ein, er sollte sich mal wieder bei seinen Eltern melden, Flo hatte erwähnt, dass sie sich - mal wieder - bei ihr beschwert hatten, dass Noel nicht anrief und die meisten Anrufe von ihnen verpasste - oder ignorierte.
    • Jay schwieg einen Moment. Vermutlich hatte Noel recht, schließlich waren seine Eltern noch nie besonders... hasserfüllt gewesen, wenn man es so sagen wollte. Es hatte für seine Geschwister und ihn zwar immer einige sehr spezifische Regeln zuhause gegeben, aber nichts davon war willkürlich gewesen, und ihre Eltern hatten eigentlich immer ihr Bestes im Sinn gehabt. Ihm war nie aufgefallen, dass seine Eltern irgendjemanden jemals wegen irgendetwas diskriminiert oder beschimpft hatten, oder auch nur abweisend reagiert hatten, aber Sexualität war auch absolut kein Thema bei ihnen zuhause gewesen. Weder in Form von ernsten Gesprächen, noch als Witze. Vermutlich waren seine Eltern ein bisschen... zugeknöpft. Jay hatte ihnen mit seinem gesamten Musik-Traum damals schon die Nerven geraubt, und eigentlich hatte er ihnen keinen Ärger mehr machen wollen. Abgesehen davon, dass sie jedes einzelne Mal, wenn sie sich sahen, etwas an seinem Kleidungsstil auszusetzen hatten, und an der Art wie er sich gab, wie er sprach. Aber es waren immer bloß kleine Kommentare, ein Augenverdrehen und dann ein Lachen, das signalisierte, dass sie eh schon aufgegeben hatten. Er fühlte sich nicht verurteilt wegen etwas so unwichtigem.

      Aber wenn er ihnen sagen würde, dass er einen Freund hatte, dann konnte er sich die erste Reaktion ganz ungefähr vorstellen.
      Schweigen. Glauben, dass es ein Scherz war. Verwirrung.
      Da endete seine Vorstellung. Vermutlich würden sie einen Haufen Fragen stellen und dann eine Weile brauchen, um damit klarzukommen. Dass sie anschließend nicht mehr mit ihm reden würden, war eine unfundierte Angst. Aber Jay konnte nicht ausschließen, dass sie es nicht seltsam finden und versuchen würden, das Thema im Gesamten zu umzugehen, wie sie sich auch strikt geweigert hatten, jemals ein Aufklärungsgespräch zu führen. Und, nein, er würde sich nicht verurteilt fühlen, nur ein wenig... fehl am Platz, vielleicht. So wie in vielen anderen Situationen.

      War das Grund genug, um seine Sexualität um jeden Preis verheimlichen zu wollen? Wahrscheinlich nicht. Aber er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, es jemals freiwillig anzusprechen, wenn man ihm keine Pistole vorhielt.
      "Du hast wahrscheinlich recht", beendete er das Thema leise. Noels Optimismus schwappte nicht auf ihn über. Selbst, wenn seine Eltern ihn in jedem Fall lieben würden, hieß das nicht, dass sich zwischen ihnen nicht ein Gefühl der Befremdlichkeit entwickeln könnte. Er war 24 und hatte sein eigenes Leben, also würde es keinen Weltuntergang bedeuten, den Kontakt nochmal etwas zu minimieren, aber es würde Jay trotzdem stören. Sie hatten ein gutes Verhältnis, dachte er zumindest. Wenn es nicht notwendig war, warum würde er das dann negativ beeinflussen?
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    • „Wenn du nicht möchtest, musst du dich auch nicht sofort outen, das weist du oder? Es muss nicht jeder wissen was du mit wem tust.“ meinte er sanft. Noel hatte sich beim sprechen ein wenig mehr zu Jayden gedreht um ihn anschauen zu können. „mit wem du zusammen bist hat im Grunde keinen was anzugehen außer dich selbst.“ der Franzose streichelte Jay sanft über den Unterarm. „Wenn du über irgendwas reden möchtest, kannst du jederzeit zu mir kommen, ich bin mir zwar nicht ganz sicher ob ich alle Sachen nachvollziehen und nachfühlen kann aber manchmal hilft es schon mit jemanden über seine Gedanken zu reden.“

      Noel hatte wahrscheinlich deutlich weniger Probleme mit seinem Outing gehabt als viele andere Menschen. Es war für ihn selbst nie ein Thema. Er musste sich nicht erst finden und fragen was mit ihm nicht stimmte. Noel wusste relativ früh dass er an dem weiblichen Geschlecht keinerlei Interesse hatte und das war für ihn nie ein Problem. Er hatte sich auch erst bei paar wenigen Leuten geoutet als es ernster mit seinem damaligen Freund wurde - beziehungsweise als ein guter Freund seines Vaters ihn mit besagten Freund gesehen hatte und es seinem Vater erzählte. Zu dem Zeitpunkt war seine Beziehung aber auch schon einige (zugegebenermaßen lange) Monate alt.

      „Was hältst du davon wenn wir einen zweiten Film anmachen und uns über die Zimtschnecken her machen?“ versuchte er das Thema galant zu wechseln während er sich auch schon zu der Packung mit den Zimtschnecken streckte. „Du hättest dir ruhig welche bestellen können die nicht vegan sind.“ meinte er mit dem Blick immer noch auf das Gebäck gerichtet, aber mit einem Grinsen auf den Lippen, welches man sicherlich hören konnte, selbst wenn man es nicht sah. Noel hätte damit kein Problem gehabt und trotzdem hinterließ das Wissen, dass Jayden in gewisserweise auf ihn Rücksichtnahme, ein angenehmes kribbeln.

      Mit der Schachtel in der Hand rutschte er wieder nach hinten zu Jay auf das Sofa und versuchte es sich dann - nur mit der einen freien Hand die er gerade hatte - wieder unter der Decke bequem zu machen.
    • Jay zögerte, als Noel meinte, dass er eigentlich niemandem von ihnen erzählen musste. War er sich da so sicher?
      "Stört dich das nicht?", fragte er etwas unsicher. Jay hatte nicht den Eindruck, dass Noel ein Fan von Versteckspielen war. Da hatte er ihm auch etwas ganz anderes gesagt.

      Irgendwie bekam Jay eine leichte Gänsehaut, als Noel meinte, er könnte zu ihm kommen, wenn er über etwas reden wollte. Das war auch seine Intention, und vermutlich seine einzige Option, weil er nur mit Noel wirklich reden konnte, aber trotzdem war es seltsam, das zu hören. In ihm kämpften zwei Gefühle gegeneinander - einerseits die Entspannung und Geborgenheit, die Noel in ihm auslöste, und andererseits die Sturheit, das schon selbst hinzubekommen. Er wollte Noel eben auch nicht in seine Probleme hineinziehen. Er konnte vielleicht seine tröstendes 'Du schuldest keinem ein Outing' aussprechen, aber Jay wusste, dass er das nur halb ernst meinen konnte. Er würde nicht plötzlich seine ganze Einstellung zu dem Thema ändern, oder?
      Aber vielleicht sollte Jay es ihm einfach glauben. Es war ja nicht so, als hätte er eine andere Wahl. Er war nicht bereit, mit irgendjemandem darüber zu reden.

      "Was willst du anschauen?", fragte er und setzte sich auf, um sich ebenfalls eine der Zimtschnecken zu schnappen. "Oh, und, ich wollte, dass du die ganze Auswahl hast", erklärte er. Er würde einfach das essen, was Noel sich nicht nahm. Bei Zimtschnecken fiel es Jay sehr viel leichter, ihm einfach das zu geben, was er wollte.
      "Wie wär's mit... Science Fiction, oder so? Je realitätsfremder, desto besser" Er lehnte sich zurück und griff nach der Fernbedienung. Für heute hatte er echt genug davon, mit seinen Problemen konfrontiert zu werden, egal auf welche Art. Er war deutlich mehr in Stimmung für ein paar Kämpfe mit Aliens.
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    • „Was heißt stören? Es würde mich stören wenn du eine Freundin hättest, die du nur hast damit keiner auf die Idee kommen könnte dass du bisexuell sein könntest, oder wenn du sagen würdest, du wärst Single obwohl du in einer Beziehung bist. Das würde mich stören. Ich glaube es gibt immer noch einen Unterschied zwischen ‚Geheimhalten‘ und anderen Menschen seine Sexualität auf die Nase binden. Ich halte im allgemein sowieso nicht so viel davon in der Öffentlichkeit rumzumachen als wäre man ein notgeiler Teenager. Klar würde ich mich freuen, wenn wir ausgehen würden ohne das du dich die ganze Zeit paranoid umschaust, aber ich kann verstehen warum dir das im Moment noch schwer fällt.“ erklärte er ruhig. „Mach dir da einfach nicht so viel Stress okay? Wir machen das ganz entspannt und wenn du irgendwann das Gefühl hast du bist bereit dich zu outen unterstützte ich dich dabei.“

      Jayden schien wirklich etwas mit Noels Denkweise zu machen und das erschreckte ihn selbst ein wenig. Klar war er der Meinung, dass man seine Sexualität nicht unbedingt in die Öffentlichkeit tragen musste, vor allem nicht so brutal wie es viele andere taten, aber auf endlos lange Versteckspiele und paranoides Umschauen hatte er eigentlich auch keine Lust. Im Moment genoss er einfach Jaydens Anwesenheit. Seit langem fühlte er sich endlich mal wieder wirklich wohl bei einem anderen Menschen und dieses Gefühl versuche er einfach nur zu genießen.

      „Science Fiction klingt gut. Such dir aus worauf du Lust hast. Alien ist echt gut…obwohl ich weiß nicht ob ich in der Stimmung for science fiction horror bin…“ überlegte er laut während er sich überlegte auf welche der Zimtschnecken er am meisten Lust hatte, am Ende entschieden er sich - ganz langweilig - für die klassische Variante. „Du bist übrigens fantastisch.“ lächelte er nach dem ersten Bissen. Er kannte zwar die ein oder anderen Leute die sich auch vegan ernährten, aber das war in seinem - zugegebenermaßen recht kleinem - Freundes- und Bekanntenkreis recht rare. Er sollte sich definitiv häufiger Zimtschnecken bestellen, jedes Mal wenn er welche aß merkte er wieder wie sehr er das Gebäck eigentlich liebte.
    • Wenn er eine Freundin hätte, damit keiner auf die Idee kam, dass er bisexuell war... Jay wollte bei dem Satz am liebsten im Boden versinken. Er hatte zwar keine Freundin, aber er erzählte reflexartig allen, dass Noel eine Frau war. Was... problematisch werden könnte, sobald Noel mal mit ihm unterwegs war und jemand Jay nach seiner Freundin fragte. Aber die Chance, dass das passierte, war so unglaublich gering, dass Jays Paranoia in dem Fall nur kontraproduktiv war.

      "Mal sehen, wieviel Stress Cyrus mir macht, wenn ich ihn mir nicht selbst mache", murmelte er zur Antwort. Es war übel, dass er es nicht einmal geschafft hatte, Noel zwei Wochen lang geheim zu halten. Vermutlich war das alles weniger eine Willenssache, als reiner Zufall.

      "Ich hatte auch mehr so an... Men in Black gedacht", erwiderte Jay dann schmunzelnd. Alien wäre ihm nicht in den Sinn gekommen. Sie hatten mit Horror doch schon abgeschlossen. Hoffentlich auch in der Realität. Aber für heute war Jay eher in Comedy Stimmung, und bestenfalls etwas, das völlig frei erfunden und kein Stück real war. Er war nie ein Filmfreak gewesen aber heute fing er an, das Potential zu verstehen, wenn man sich von seinem eigenen Leben ablenken wollte.
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