My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Jayden Haare fühlten sich angenehm weich unter Noels Hand an, daran konnte er sich definitiv gewöhnen, vielleicht nicht unbedingt an die Uhrzeit und sie müssten sich definitiv mit dem morgendlichen Kaffee machen abwechseln, aber an die allgemeine Situation konnte er sich definitiv gewöhnen. Noel wusste nicht ob es Einbildung war oder nicht, aber es hatte das Gefühl die Nacht sogar besser geschlafen zu haben, als die letzten Wochen, dass konnte jedoch auch nur daran liegen, dass er endlich mal wieder etwas mehr Luft zwischen seinen Terminen hatte.

      Als Jayden ihn nach einigen Minuten wieder etwas mehr unter die Bettdecke zog, rutschte er bereitwillig etwas tiefer und schmiegte sich leicht an den Jüngeren. Die kurze, feste Umarmung ließ ihn leise, zufrieden aufseufzten. Als ob Jayden ihm durch die Umarmung ein wenig Kraft und Motivation für den Tag geben wollte, dass Noel jetzt definitiv noch weniger gerne aufstehen wollte, war wohl nur eine ungewollte Nebenwirkung. Die leicht raue und verschlafene Stimme des Studenten zog eine angenehme Schauer mit sich mit, der Noels Fingerspitzen zum kribbeln brachte. daran konnte er sich definitiv gewöhnen.

      Noel hatte seine Augen wieder geschlossen. Seine Finger fuhren sanft über Jaydens Oberarm, malten unsichtbare Muster auf die Haut und genossen den trägen Herzschlag des anderen. Anscheinend hing nicht nur Jaydens Verstand noch in der selbsterrichteten Traumwelt, den langsamen Schlägen zu urteilen.

      „Ich könnte mich da auch dran gewöhnen.“ murmelte Noel, immer noch leicht verschlafen, mit einem leichten grinsen auf den Lieppen und setzte sich dann wieder auf, zu groß war die Gefahr wieder einzuschlafen, wenn er weiter hier so liegen würde, eingebettet in die Körperwärme des Jüngeren. Als Jayden nach seinem Handy griff, strecke sich Noel nach dem Gegenstand der ihm hoffentlich half gleich etwas besser aus dm Bett zu kommen - seiner Kaffeetasse.

      Die Frustration die gerade durch Jaydens Körper schwappte blieben selbstverständlich nicht vor Noel verborgen. Er hätte aber genau so wenig Lust gehabt jetzt aufzustehen um sich stundenlang in die Uni zu hocken und dann auch noch an einem Projekt zu arbeiten. Noel nahm er einen Schluck aus seiner Tasse, bevor seine freie Hand ihren Weg wie von selbst in das Durcheinander der braunen Strähnen fand und Jayden wieder sanft durch die Haare streichelte. Bei der Frage musste der Franzose wieder unwillkürlich lächeln, schnell nahm er noch einen Schluck von seinem Kaffee, obwohl das eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, sie hatten sich gestern gegenseitig mitgeteilt, dass sie sich mochten, warum also verstecken, dass man sich freute wenn der andere einen fragte, wann man sich wieder sehen würde?

      „Wann du möchtest, ich habe keine Fixtermine am Wochenende und würde sicher ein paar Stunden Pause vom Computer vertragen können.“ Keine ‚Fixtermine‘ zu haben bedeutete für Noel, Sachen vorzubereiten, nachzubereiten und Papierkram zu erledigen. Sprich, entweder saß er den ganzen Tag vor dem Rechner und beantwortete E-Mails, verlor sich in der Nachbearbeitung von Bildern die schon viel zu lange gewartet hatten oder er plante schon die nächsten Aufträge, die eigentlich noch weit in der Zukunft lagen, aber trotzdem schonmal vorbereitet werden mussten.

      „Immerhin hast du mir ein Date versprochen und ich hab dir versprochen, dich auf einen Kaffee einzuladen.“ erinnerte er Jayden grinsend nochmal an das Gespräch von gestern Nacht.

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    • Jayden hatte mit Beziehungen nicht allzu viel Erfahrung und vielleicht war das der Grund, weshalb er sich überhaupt nicht zurückhalten konnte, wenn er sich wohl fühlte, und einfach alles aussprach was ihm in den Kopf kam. Aber das hier… ließ sich kaum noch als Fuckbuddy-Arrangement bezeichnen. Über den One Night Stand waren sie längst hinaus, aber in jedem Fall war wohl nicht geplant gewesen, plötzlich auch auf Dates zu gehen, zusammen im Bett zu kuscheln und Kaffee zu trinken und davon zu reden, wie man sich an das alles gewöhnen konnte. Sie machten alles in einer sehr eigenartigen Reihenfolge, aber war es schlau, schon über die Zukunft zu reden? Denn das klang gewaltig nach Beziehung, oder nicht?

      Als jemand, der sich von Dates und allem, das Gefühle beinhalten könnte, seit einer Ewigkeit ferngehalten hatte, war das für Jay gerade etwas verunsichernd. Würde er für Noel eine Ausnahme machen? Ausgerechnet für ihn? Einen Kerl, den er kaum kannte? Jay hatte standfeste, logische Gründe, sich nicht auf Beziehungen einzulassen, aber die schienen sich irgendwie in Luft auszulösen und mit einem angenehm warmen Glücksgefühl ausgetauscht zu werden, das keinerlei Logik zuließ. Stattdessen breitete sich in ihm immer mehr der Gedanke aus, dass es eine unglaublich gute Idee war, auf Dates zu gehen und so viel Zeit wie möglich zusammen zu verbringen und in dieser Zeit am besten auch noch aneinander zu kleben, als würde eine Trennung sie umbringen.
      Im Endeffekt war Jayden ziemlich unerfahren was Beziehungen anging und deshalb hatte er wohl kaum Impulskontrolle. Und… das müsste ihm wohl ein Außenstehender sagen, damit er es mitbekam, aber trotz allem wusste er, dass er diese Sache mit Noel lieber geheim halten sollte. Das verursachte zwar einen inneren Konflikt, aber Jayden wollte nicht das warme Gefühl darunter leiden lassen, also… würde das alles schon irgendwie klappen.

      „Hmm, okay“, murmelte Jay. Eine Woche schien gerade furchtbar lang, aber vielleicht war es gut, etwas Zeit zu haben, um über alles nochmal nachzudenken? Auch wenn er lieber nie wieder denken und für immer hier liegen wollte. „Wie sehen deine Arbeitszeiten überhaupt aus? Ich hab Vormittags auch manchmal Zeit. Und ich arbeite nicht jeden Abend unter der Woche. Donnerstags zum Beispiel nicht…“ Irgendwie… klang das fast schon zu bedürftig, oder? Aber er wollte festmachen, ob es eine Chance gab, Noel nicht immer nur an den Wochenenden zu treffen.

      In jedem Fall musste er langsam los, also setzte er sich widerwillig auf. „Ich sollte mir meine Kleidung wieder zusammen suchen“, sagte er leise und sah sich im Raum um. Urgh, es gab kaum etwas schlimmeres, als sich die Kleidung vom Vortag nochmal anzuziehen. Langsam sollte er das wohl gewohnt sein aber… Nein.
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    • Noel lächelte über den Rand seiner Tasse. Jayden war schon endlich niedlich, diese leicht anhängliche Art, die er so offensichtlich versuchte zu verstecken, Noel war aber schon immer recht gut darin gewesen Menschen zu lesen. „Ich wünschte, ich könnte dir das sagen. Im Grunde bin ich ständig am arbeiten.“ lachte er leise. So war das leider wenn man selbstständig war. Man arbeitete selbst und ständig. Die ersten Jahre hatte er damit echt Probleme gehabt, irgendwann hatte er sich aber ein recht gutes Zeitkonzept erarbeitet und seit dem war das kaum noch ein Problem. Solang er Fixtermine hatte an die er sich halten musste funktionierte das auch grandios, immerhin durfte er als Künstler am allerwenigsten zu spät kommen. Das Problem fing leider erst an wenn er die Papierarbeit erledigen musste, die hatte erstens: meistens keine Deadline und zweitens: war sie stumpf und langweilig und obwohl Noel eigentlich schon immer recht fleißig war, prokrastinierte er in diesem Falle manchmal wie ein Profi.

      „Im Moment arbeite ich einmal die Woche freitag abends im Theater.“ das hatte sich diese Woche erst wieder geändert, das Stück wurde jetzt nach und nach aus dem Programm genommen und bei den Proben musste er - zum Glück - nicht dabei sein. Er konnte es gar nicht abwarten bis sein Arbeitsvertrag auslief. Als er angefangen hatte im Theater zu arbeiten war er zum Teil fünf/sechs mal die Woche dort und hatte sich regelmäßig mit den Darstellern in die Haare bekommen, ein zweites mal würde er sich definitiv nicht zu einer Kooperation überreden lassen, vor allem weil die Bezahlung zwar gut aber nicht herausragend war.

      „Ich kann dir sonst auch mal meine Terminkalender schicken, dann kannst du mal schauen was dir da am besten passt.“ So wie jeder gute neumoderne Mensch nutzte Noel auch die Funktion eines digitalen Kalenders, um immer und überall anstehende Termine checken zu können, das wirkte zwar manchmal nicht so professionell wie ein analoger Kalender in Papierform, ging aber deutlich besser und er hatte nicht das Problem das Buch mal zuhause liegen zu lassen - was ihm natürlich in der Zeit in der er tatsächlich noch analog gearbeitet hatte noch nie passiert ist…

      Als Jayden sich langsam aufsetzte glitte Noels Hand aus dem Durcheinander der braunen Strähnen. „Ich kann dir Klamotten von mir leihen.“ bot er an. Es gibt echt kaum was ekligeres als die Klamotten einer durchgeschwitzten Partynacht wieder anziehen zu müssen, Noel wollte sich gar nicht vorstellen viel verschiedenen Schweißgerüche sich in seinen Klamotten gestern Abend festgefressen hatte.

      Der Franzose trank den letzten Schluck seines Kaffees aus, oder eher den letzten Schluck den er trinken wollte, es blieb nämlich eine kleine letzte Pfütze in der Tasse übrig die gerade so den Boden bedeckte. Mit einem sanften Lächeln befreite er sich von den warmen Laken, aber nicht ohne mit seiner Hand liebevoll über Jaydens nackten Oberschenkel zu streicheln. Die ‚leere‘ Tasse stellte er auf den Boden ab und wand sich dann seinem Kleiderschrank zu. „Ich nehme mal an du hättest lieber eine Jeans?“ fragte er ohne auf eine Antwort zu warten und zog Jeans, T-Shirt und Pullover aus dem Schrank. Vor allem die Jeans sah so aus, als hätte sie schon länger nicht mehr die Welt außerhalb des Schrankes gesehen. Normalerweise trug er Stoffhosen, die waren ersten deutlich bequemer für seine Art von Arbeit und sahen dazu noch deutlich seriöser aus. Wenn er jedoch mal eine Jeans trug, hatte er eine einzige Hose die regelmäßig zum Einsatz kommt und das war ganz öffentlich nicht diese. Besagte Jeans nahm er nun für sich selbst raus und zog diese an. „Ich fahre dich, dann kannst du noch einigermaßen in Ruhe deinen Kaffee trinken, der ist jetzt sicher schon kalt.“
    • Jayden drehte sich zu Noel um. Er versuchte das kleine Lächeln zu unterdrücken, das sich auf seine Lippen schlich, um nicht so unglaublich anhänglich zu wirken. „Ja, klar, schick mir den. Ich schick dir später ein Foto von meinem Unterrichtsplan“ Das war perfekt, so konnte Jay zuhause schon abgleichen, wann sie beide frei hatten und sich wieder sehen konnten.

      Er stützte sich auf, um aufzustehen, verharrte dann aber in seiner Position. „Oh, äh-“, machte er, als Noel ihm seine Kleidung anbot. Naja, passen würde ihm das alles bestimmt irgendwie, sie hatten eine ähnliche Statur, würde er meinen. Aber… es würde definitiv auffallen, wenn er auf einmal in Klamotten nachhause kam, die überhaupt nicht seinem Stil entsprachen. Morgens, wenn er über Nacht nicht zuhause war. In der Kleidung eines Kerls. Das… das war doch zu offensichtlich, oder? Oder war das wieder seine Paranoia? Vermutlich gäbe es irgendeine perfekte, glaubwürdige Ausrede, aber ihm fiel gerade keine ein.

      Als Noel ihm aber schon eine Jeans hinhielt, griff er ohne einen weiteren Gedanken danach und zog sie an. Urgh. Okay. Interessante Erfahrung, mal etwas anzuziehen, das haargenau passte. Kam ihm die Hose nur zu klein vor, weil er normalerweise extrem lockere Kleidung trug, oder war sie es wirklich? Egal, er konnte jetzt nicht wählerisch sein, wenn ihm schon etwas angeboten wurde. Auch wenn… die Hose irgendwie 5 Zentimeter über seinem Knöchel abschloss und seltsam anliegend war, was vielleicht doch daran lag, dass sie ganz einfach zu klein war. Zumindest bekam er sie zu.

      „Ah… danke“, sagte er lächelnd und sprach keinen einzigen seiner Gedanken aus. Und er war tatsächlich dankbar, es war ja nicht selbstverständlich, dass Noel ihm Klamotten lieh. Immer und immer wieder kam Jay in den Kopf, wie kurzfristig sie sich kannten, und wie gegensätzlich sie sich dazu verhielten.
      Nachdem Noel voll bekleidet vor Jay und seinem freien Oberkörper stand, sah dieser den Blonden etwas verloren an und lächelte. „Krieg ich noch ein Shirt? Einen Pullover? Hoodie? Jacke? So in die Richtung?“, fragte er belustigt. Innerlich hatte er schon ein wenig Angst vor dem, was jetzt kam.
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    • Noel fokussierte Jayden mit einem seltsamen undefinierten Ausdruck in den Augen. Sein Blick lag auf Jays Knöchel die zu seinem Bedauern ein gutes Stück unterhalb des Hosenbeines lagen. Er hatte eigentlich gehofft, dass die knapp fünf Zentimeter die zwischen ihnen lagen, da nicht so viel Unterschied machten, aber dem war wohl nicht so, jeden falls sah das seine Jeans nicht so. Dann müsste Jayden wohl in Zukunft mal ein paar Klamotten bei ihm lassen, es sah immer hin so aus als würden sie sich öfters mal in dieser Situation wieder finden.

      Jayden holte den Franzosen durch seine Worte wieder zurück ins hier und jetzt. Seine Blick zog sich von den freiliegenden Knöcheln des Jüngeren ein ganzes Stück höher, erst über die nackte Brust und dann - mit einem frechen Grinsen, welches ihn glatt ein paar Jahre jünger wirken ließ - zu dem leicht verloren Lächeln des Studenten. „Eigentlich mag ich dich ganz gerne so.“ meinte er kokett. Dann drehte er sich wieder seinem Schrank zu und zog erst ein einfaches, unifarbenes T-Shirt aus diesem bevor er kurz inne hielt. Er tat sich sichtlich schwer mit der Entscheidung. Noel selbst hatte sich für einen einfachen dunklen Wollpullover entscheiden, eine Entscheidung mit der man wohl nie was falsch machen konnte, vor allem nicht in Kombination mit Jeans. Er sah weniger elegant auch als sonst, aber für den kurzen Weg zu seinem Auto war das wohl in Ordnung. Nach einigen Sekunden in denen er einfach nur in das Innere seines Schrankes blickte, zog er einen etwas lockerer sitzenden grauen Pullover aus diesem und hielt ihn Jayden hin. Von der Größe her sollte besagter Pullover hoffentlich passen, ein Pullover der noch lockerer saß besaß der Franzose nämlich nicht.

      Noel beobachtete den Studenten dabei wie er sich die Klamotten anzog. Es fühlte sich irgendwie komisch an einen anderen Typen in seinen eigenen Klamotten zu sehen. Bei den wenigen Gästen die er in den letzten fünf Jahren Übernacht bei sich zu Besuch hatte, hatte er immer drauf verzichtet seine Klamotten zu verleihen, nicht zu letzten da er die Typen nach einer Nacht meistens nie wieder sah und er hatte mit seinem letzten Freund eine Wohnung geteilt, demnach war es nicht nötig gewesen seine Kleidung auszuleihen. Und noch komischer war das Gefühl das gerade Jayden seine Klamotten trug, als wäre das was zwischen ihnen war schon fast beziehungsähnlich und irgendwie mochte er dieses Gefühl.

      „Deine Zahnbürste von letzten ist noch im Bad, mach dich zu Ende fertig, sonst kommst du noch zu spät.“ Meinte er mit einem sanften Lächeln und verschwand aus dem Schlafzimmer. Sein Gang war nicht fluchtartig, nicht so wie in der Nacht als er Mona eigentlich von der Karaokeparty abholen wollte und stattdessen Jayden mit in seine Wohnung nahm, er hatte nur das Gefühl wenn er jetzt nicht ging dann würden sie nie weg kommen. Was an sich für Noel nicht schlimm war, er musste gleich aber auch nicht in einer Vorlesung sitzen, für Jayden aber wahrscheinlich schon.

      In der Küche fiel sein Blick auf den großen, dunklen Kühlschrank und der Gedanke der ihm darauf hin in den Kopf kam ließ ihn Lächeln. Die Zeit die er gestern mit dem Warten auf Yuma verbracht hatte, hatte er gefüllt in dem er sich den übrig gebliebenen Bananen in seiner Wohnung gewidmet hatte. Besagte Bananen befanden sich nun in Form von Bananenbrot in seinem Kühlschrank und nur wenige Augenblicke nach dem zu Ende denken seiner Gedanken in einer kleinen Dose. Mit der Dose in der Hand machte er sich wieder auf dem Weg zurück in den Flur. Jayden müsste gleich im Bad fertig sich, dann würde er sich noch schnell die Zähne putzen und dann konnten sie sich eigentlich auch schon auf dem Weg zur Uni machen.
    • Der Pullover sah beinahe aus, als könnte er aus Jays Schrank kommen, aber auch nur beinahe. Vielleicht, wenn er seinem 16-Jährigen Ich gehört hätte, das eine Stunde Dodge Ball pro Woche als Sport angesehen hatte. Auf jeden Fall sah er heute aus, als wäre ihm die Wäsche in der Maschine eingelaufen. Aber Jay war zu beschäftigt damit, den Kragen seines Pullovers über seine Nase zu ziehen, sobald Noel den Raum verlassen hatte, um den langsam vertrauten Geruch nochmal einzuatmen, nur um gleich darauf, frustriert über sich selbst, zu seufzen und sein eigenes Verhalten abermals als lächerlich abzustempeln. Der innere Kampf blieb weiterhin unentschieden. Das fiel Jay vor allem nochmal auf, als ihm bewusst wurde, dass er nun eine eigene Zahnbürste in Noels Wohnung zu haben schien. Während er sich fertigmachte, wobei die morgendliche Routine so ziemlich aus Zähneputzen, ein wenig Wasser im Gesicht und einmal durch die Haare streichen bestand, überlegte er schon, wie er sein Outfit erklären würde.

      Er hatte bei einem Freund übernachtet? Schwachsinn, Cyrus kannte alle seine Freunde. Und auch sonst jeden Aspekt seines Lebens, wie das so war, wenn man so viel Zeit zusammen verbrachte. Allerdings war die Stimmung zwischen ihnen immernoch ein wenig seltsam seit dem Wochenende, also würde Cyrus vielleicht garnicht nachfragen. Nur war sein Blick oft schon schlimm genug und mit jedem dieser Momente drifteten sie weiter auseinander, was Jay überhaupt nicht gefiel. Aber wie sollte er das auch verhindern? Er würde die Wahrheit nichtmal über die Lippen bringen. Was ihn wiederum wie eine Schande für die queere Community fühlen ließ. Musste es so schwer sein, sich mit sowas abzufinden? Die Tatsache war doch, dass es alles andere als schwer war, auf Noel zu stehen, und das einzige Problem die Panik vor den Reaktionen anderer Menschen war. Und… dadurch merkte er immer mehr, dass es ihm deutlich an Selbstbewusstsein mangelte.

      Als er fertig war, und immernoch aussah, als wäre er gerade aus dem Bett gefallen (und in die Klamotten seiner Schwester hinein), kam er zurück zu Noel in die Küche, leerte sich in drei große Schlücken den restlichen Kaffee in den Hals und stand dann wie bestellt und nicht abgeholt vor dem Blonden, wartend auf ein Zeichen. Fahren wir?, wollte er fragen, aber das klang zu fordernd, nachdem Noel sich immernoch dazu entscheiden konnte, seine Zeit nicht mit Taxifahrer-spielen zu vergeuden.
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    • Noel putzte sich ebenfalls noch schnell die Zähne bevor er Jayden mit einem Zwinkern die Dose in die Hand drückte und sich dann seinen Mantel aus der Garderobe nahm. „Frühstück.“ erklärte er mit einem Lächeln. „Ich kann dich ja unmöglich ohne was zu essen in die Uni lassen.“ meinte er als wäre das selbstverständlich und hielt dem Jüngeren dann seine eigene Jacke hin. „Und wir sollten echt los, ich weiß nicht wie der Verkehr um die Uhrzeit ist.“ mit den Worten griff er nach seinen Schlüsseln und hielt Jayden die Tür auf. Die ganze Situation fühlte sich schrecklich heimisch an. So als ob es nie anders gewesen wäre und nie anders werden würde. So als ob sie dass schon tausende von Malen gemacht hatten. So als ob das hier, dass normalste der Welt war.

      Der kurze Weg zu Noels Auto war schnell zurück gelegt und obwohl es erst Anfang November war, war es am Morgen schon erschreckend kühl und kündigte die kommende Winterzeit an. Glücklicherweise hatte Noels Auto funktionierende Heizung. Der Motor schnurrte leise unter ihnen auf und der Franzose lenkte den Wagen routiniert aus dem Parkplatz auf die Straße.

      Noel genoss die Atmosphäre in seinem Auto, der Motor ratterte leise vor sich hin, die Lautsprecher summten irgendeinen Song der zu leise war um das Lied zu erkennen, sein Arm lag locker auf der Armlehne und seine Hand noch lockerer auf dem Schalthebel, obwohl er sie da eigentlich gar nicht brauchte, immerhin fuhr er ein Automatikwagen und schaltete daher weder hoch noch runter. Mit einer Hand lenkte er den Wagen entspannt durch den morgendlichen Verkehr, so als ob er es schon tausende Male davor gemacht hatte.

      „Ist alles okay? Du bist so still.“ erkundigte er sich als er vor einer roten Ampel zum stehen kam und warf dem jungen Mann auf seinem Beifahrersitz ein sanftes Lächeln zu. Wäre es zu viel des Guten wenn er nach Jaydens Hand griff? Vermutlich. Was in seiner Wohnung passiert war in Ordnung, in der Sicherheit von geschlossenen Räumen konnte die Außenwelt ihnen nichts anhaben, aber er hatte in Jays Studentenwohnung mehr als nur intensiv mitbekommen wie es außerhalb seiner Wohnung war und wenn Noel ganz ehrlich war, in einem fahrenden Auto wollte er sein Glück nicht überstrapazieren. Das war jedenfalls das was er sich vorgenommen hatte, er konnte es sich dann nämlich doch nicht verkneifen einmal kurz über Jays Handrücken zu streicheln bevor er wieder Gas gab und die nun grüne Ampel hinter sich ließ.
    • Was… passierte hier eigentlich?
      Jay nahm die Dose entgegen, dann seine Jacke, die er etwas unbeholfen mit einer Hand anzog, und er folgte Noel nach draußen. Ein flüchtiger Kuss wäre noch etwas gewesen, das ihm den Rest gegeben hätte, aber auch so hatte er gerade das Gefühl, in einer dreijährigen Beziehung zu stecken. Und, das sollte man nicht falsch verstehen, es war ein schönes Gefühl, ein geborgenes, zufriedenes irgendwie. Es war nur… sehr plötzlich und ein wenig überwältigend. So, dass Jay kurzzeitig wieder einmal die Panik packte. Eine etwas andere Panik. Ja, schön, er stand auf einen Kerl. Das war eine Sache. Die andere war, eine Beziehung mit jemandem einzugehen, was wieder etwas war, das ihm eigentlich völlig gegen den Strich ging, und er hatte ja von Anfang an geahnt, dass er für ‚casual‘ nicht geeignet war und schneller Gefühle entwickeln würde, als er blinzeln konnte.

      Aber das war nicht einfach nur Bindungsangst, die ihn hier überrumpelte, sondern die Tatsache, dass er überhaupt keine Zeit hatte, eine Beziehung zu führen. Er hatte wirklich zu wenig Selbstkontrolle, wenn es um Gefühle ging und im Endeffekt würde er wieder sein Studium vernachlässigen und damit seine Familie und sich selbst im Stich lassen. Und es fing ja gerade schon an… Jay kannte Noel kaum und irgendetwas an ihm faszinierte ihn so sehr, dass er ihn am liebsten jeden Tag sehen würde.
      Auf die eine oder andere Art musste das schiefgehen. Vielleicht sah Noel das Ganze noch nicht einmal so ernst (was Jays sexueller Unschlüssigkeit eigentlich zugute kommen würde) und am Ende vernachlässigte er seine Lebensziele auch noch umsonst. Im besten Fall passierte auch noch dasselbe wie vor 2 Jahren und er würde darauf angewiesen sein, dass Cyrus ihn aus dem Bett und in die Uni zog. Bei dem Gedanken bekam Jay jetzt schon Gänsehaut. Er konnte nicht schon wieder so aus der Bahn geraten.

      Bei Noels Worten zuckte Jay leicht zusammen, so versunken war er in seinem Panikschub gewesen. „Oh, ja, alles okay, ich bin immernoch müde. Ich glaube ich brauch einen zweiten Kaffee“, murmelte er zur Antwort und setzte sich etwas auf, um konzentriert zu bleiben und nicht wieder innerlich abzurutschen. Wobei… diese kleine streifende Bewegung von Noels Hand ihm ein kleines Kribbeln durch den Körper jagte und ihn wieder aufmerksamer machte.
      Er musste sich ganz einfach zusammenreißen. Nicht so anhänglich sein und gleichzeitig die Sache ordentlich geheimhalten, damit die Probleme sich nicht häuften. Was auch immer das zwischen ihnen war, war etwas, das Jay ungerne so schnell wieder loslassen wollte.

      „Hey, was ist eigentlich da drin?“, fragte er, um das Schweigen wieder zu durchbrechen und tippte auf die Dose.
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    • Etwas verwirrt schaute Noel mit einem flüchtigen Blick auf die Dose, auf die Jayden getippt hatte. „Bananenbrot.“ meinte er lächeln und richtete seinen Blick schnell wieder auf den Verkehr. „Ich hab gestern gebacken bevor…“ Yuma und ich ins Rodeo gegangen sind „…wir uns im Rodeo getroffen haben. Ich dachte mir, es wäre besser wenn du zwischen deinem ersten und zweiten Kaffee was isst.“
      Und genau das war das Problem! Noel war nicht die Art von Person die große Liebesgeständnisse machte, er hatte Yuma in den fast sechs Jahren Beziehung wenn überhaupt nur eine Handvoll Male ‚ich liebe dich‘ gesagt, stattdessen zeigte er seine Zuneigung mit Kleinigkeiten. Dinge die er fast schon automatisch tat, so wie jemanden einige Stücke selbst gemachtes Bananenbrot einpacken wenn man wusste, dass dieser jemand vielleicht nicht unbedingt die Zeit hatte zu frühstücken. Oder diesen jemand zur Uni fahren, wenn man da durch noch ein bisschen mehr extra Zeit bekam.

      Noel wusste genau, dass er sich hier auf gefährlichem Terrain bewegte und das er, das eigentlich tunlichst lassen sollte und trotzdem tat er das nicht. Er hatte gestern ein sehr langes und sehr intensives Gespräch mit Yuma gehabt, in welchem der Japaner ihn - sehr unsanft - mit seinen Ängsten konfrontiert hatte. Und Yuma hatte recht, es war nicht allein Noels Schuld gewesen, dass ihre Beziehung in die Brüche ging und alleine diese Realisation reichte aus um dem ganzen mit Jayden vielleicht eine minimal kleine Chance zu geben. Was hatte Yuma noch gleich gesagt? ‚Wenn sich etwas gut anfühlt, vielleicht ist es dann auch einfach gut und man sollte nichts daran ändern. Nimm das Gefühl an und lass es sich einfach gut anfühlen, ohne dass du dir das mit deinen Gedanken wieder kaputt machst.‘ und genau das versuchte er hier. Er nahm das gute Gefühl an und ließ es einfach genau das sein was es war - ein gutes Gefühl. Er brauchte es nicht mit seinen Gedanken kaputt machen, er brauchte es nicht unnötig zerdenken, er konnte es ganz schlicht und ergreifend einfach jetzt in diesem Moment genießen, der Rest würde noch früh genug kommen, da war er sich sicher.

      Noel parkte er in einer ruhigen Seitenstraße vor der Uni. Dann stellte er den Wagen in den Park-Modus und drehte sich - soweit es sein Sitz zuließ - zu Jay. „Ich schreib dir…wegen dem Kalender.“ durchbrach er nach wenigen Sekunden die Stille, die eigentlich gar nicht bestand, da immer noch leise Musik durch die Lautsprecher drang. Der Blick des Franzosen lag ruhig auf dem Studenten. Es lagen keine Erwartungen in den blauen Augen. Noel erwartete nicht, dass sie sich nun überschwänglich von einander verabschieden und trotzdem sank sein Blick für eine Millisekunde runter zu Jaydens Lippen bevor er ihm wieder mit einem sanften Lächeln in die Augen sah.
    • Jay war sich nicht sicher, wann ihm zuletzt jemand etwas zu essen eingepackt hatte. Vermutlich, als er in der sechsten Klasse war. Und dann war es selbstgebackener Kuchen?
      Er sah Noel einen viel zu langen Augenblick von der Seite stumm an, bevor er endlich ein sanftes „Danke“ herausbrachte, das in seinem Ton hoffentlich mehr von seinen Gefühlen mittrug, als dieses simple Wort. Noel tat ihm allerdings nicht wirklich einen Gefallen. Jayden konnte schrecklich anhänglich sein und er machte es ihm gerade ziemlich leicht, diesem Instinkt nachzugeben. Obwohl… seine Art von ‚anhänglich‘ in ihrem Zustand wohl noch als ‚normal‘ durchging, weil die Hemmungen immer ein wenig überwogen. So hatte er jetzt gerade das Gefühl, dass es absolut verrückt wäre, Noels kleinen abgerutschten Blick nicht zu ignorieren und ihn tatsächlich zu küssen, im Auto, außerhalb seiner vier Wände, wenn er auch einfach aussteigen und das Geheimhalten ernst nehmen konnte. Aber dann wäre er ja nicht er. Vermutlich war die Grenze der Zurückhaltung schon längst überschritten. Vermutlich seit letztem Wochenende.

      Nach kurzem Zögern gab Jayden seinen Versuchungen nach und lehnte sich Noel entgegen, um ihm einen viel zu sanften, viel zu zärtlichen, zu… beziehungstypischen Kuss auf die Lippen zu drücken und anschließend gleich aus dem Auto zu steigen, fast als wolle er vor dieser Tatsache flüchten.
      „Ja, ich… schick dir das Foto von meinem Unterrichtsplan“, wiederholte er sich, den Arm auf der Autotür und den Blick immernoch auf dem Blonden. „Ähm… die Klamotten… geb ich dir gewaschen zurück, wenn wir uns wieder sehen. Und die… Dose“ Okay, und? Zeit schinden much? Jayden tippte kurz etwas nervös mit den Fingern auf der Tür herum.
      „Na dann, bis nächste Woche?“ Sie sollten für ihr erstes Date vielleicht ein Datum setzen. Aber gerade hatte er noch genau zwanzig Minuten um im Sprint seine Wohnung zu erreichen, sich umzuziehen und währenddessen Cyrus eine Ausrede vor die Schuhe zu knallen, und anschließend in den Vorlesungssaal zu rennen, weil er sich selbst beweisen wollte, dass er wegen Noel NICHT zu spät kommen würde und sein Studium NICHT vernachlässigen würde, auch wenn Cyrus ihm vermutlich im Trott folgen und dann 10 Minuten nach ihm ankommen würde. Oder der Rothaarige schwänzte ohnehin, aber so war Jay nicht, er nahm sein Studium ernst. Er nahm es verdammt nochmal ernst!

      „Ich muss jetzt los, sonst komme ich zu spät“, lächelte er, ein wenig zu verträumt um es wirklich ernst zu meinen, aber er zwang sich mit aller Kraft endlich den Arm von der Autotüre zu nehmen.
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    • Das leise ‚Danke‘ ließ Noel lächeln. Es war nicht die Art des Wortes, in der Regel bedankten sich alle Menschen, wenn man ihnen was schenkte, das hatte schlicht und ergreifend was mit Höflichkeit zu tun, die man schon im Kindesalter eingeprügelt bekam. Wenn man ein Geschenk bekam hatte man sich zu bedanken! Es war eher die Art wie Jayden dieses kleine, fast schon bedeutungslose Wort sagte. In diesem Moment war es nicht bedeutungslos, in diesem Moment war es keine einfache Floskel die man Tag ein Tag aus von sich gab nur um in der Gesellschaft als höflich anerkannt zu werden. Es lag tatsächlich Bedeutung in diesem Wort und das war, dass was Noel zum lächeln brachte.

      „Gerne. Erzähl mir gerne wie du ihn findest, ich hab das Rezept ein wenig geändert.“ Okay jetzt wollte er selbst Zeit schinden. Irgendwelche Themen suchen um noch ein wenig länger in dieser Seitenstraße zu stehen in der die Welt außerhalb seines Autos nicht zu existieren schien. Und dann existierte die Welt außerhalb seines Autos plötzlich wirklich nicht mehr. Alles was er in diesem Moment wahrnahm waren Jaydens Lippen die sich sanft, schon fast ohne jeglichen Druck gegen seine eigenen schmiegten. Die Zärtlichkeit hätte ihm sicher den Boden unter den Füßen weggerissen, aber glücklicherweise saß er ja ohne hin und zu dem war er auch noch angeschnallt.
      Noel kam den Kuss ein wenig entgegen, nicht um mehr Intensität in die Berührung zu legen, einfach nur damit Jay sich nicht so weit zu ihm beugen musste. Sein Gurt blockierte die Bewegung ein wenig, rastete ein und versuchte Noel zurück in seinen Sitz zu zwängen, was dem Franzosen jedoch in diesem Moment herzliches egal war. Und dann ließ er sich doch von dem Polyerster zurück in den Ledersitz dirigieren.

      Noel merkte wie sein Herz hinter seinen Rippen laut und hart pochte. Er hatte diese leicht verliebte Aufregung schon fast vergessen. Sie fühlte sich wie ein kleines Abenteuer an, ein Gefühl was einen definitiv abhängig machen konnte und er war auf dem besten Weg ein Junkie zu werden.
      „Ja, tu das.“ bestätigte er unnötigerweise nochmal Jays Worte. Wie war das nochmal mit dem Zeit schinden?

      „Ja, bis nächste Woche. Ich freu mich drauf.“ Noch so eine Floskel die irgendwie ihren Weg in die Gesellschaft fand und von der Noel eigentlich nichts hielt und trotzdem meinte er diese vier kleinen Worte gerade verflucht ernst. Er freute sich wirklich auf ihr Date. Er freute sich auf die angenehm, nervöse Aufregung die sich vor einem Date in einem breit machte. Er freute sich drauf mit Jayden irgendwo in einer kleinen Nische eines Cafés zu sitzen und das was auch immer zwischen ihnen war, das sein zu lassen was es war.

      Noel nickte bestätigend. „Du solltest auf jeden fall los. Uni ist wichtig.“ meinte er, als ob er wirklich wissen würde wie ‚wichtig‘ Uni war. Als ob er jemals studiert hätte und genau wüsste was man genau in den großen Universitätsgebäuden machte. Und trotzdem fiel es ihm gerader schrecklich schwer Jayden gehen zu lassen.
    • Jayden nickte noch einmal und überlegte eine Sekunde, ob es denn nicht noch irgendetwas gab, das diesen Moment zwangsweise in die Läge ziehen würde, aber dann schloss er die Autotüre nur mit einem Lächeln und akzeptiere widerwillig, dass man manchmal Dinge tun musste, die man nicht tun wollte. Wie etwa, sich von jemandem verabschieden um stattdessen in der Uni vor sich hin zu rotten.

      Dass Jay überhaupt noch rechtzeitig zur Wohnung kam, war ein Wunder. Kurz hatte er am Weg überlegt, ob er einfach direkt zur Vorlesung gehen und den Campus hinter sich lassen sollte, aber er hatte ja noch nichtmal seinen Laptop oder zumindest ein Blatt Papier dabei. Nur…diese Metalldose und ein zu kleines Outfit, das er nicht sinnvoll erklären konnte. Aber, naja, versuchen musste er es trotzdem. Aber nur vor einer Person.

      "Was… trägst du da?", kam es mit einem irritierten Blick von Cyrus, der tatsächlich mit einer Schüssel Cereals auf dem Sofa saß, als Jay hereinkam, und offenbar vorhatte, die Vorlesung zu besuchen, obwohl sie morgens stattfand. Einmal… ein einziges Mal wäre es ihm wirklich zugute gekommen, wenn Cy einfach verschlafen hätte.
      "Oh, ich musste gestern Abend spontan Babysitten und hatte heute Morgen nichts zum anziehen außer den Sachen, die ich noch bei meinen Eltern hatte", erklärte Jay möglichst locker, bevor er in sein Zimmer lief und das Outfit mit einer lockeren Cargo und einem übergoßen Hoodie ersetzte, und anschließend seine schwarze Laptop Tasche von seinem Schreibtisch schnappte.
      "Ich hab dich noch nie in Skinny Jeans gesehen", rief Cyrus aus dem Wohnzimmer.
      Jay kam wieder heraus. "Ja, weil die einzige, die ich besitze, im Schrank meines alten Zimmers vergraben war. Und da kommt sie auch wieder hin", meinte er etwas außer Atem. "Okay, ich gehe. Wir sehen uns später" Und damit war er verschwunden. Das war nur halb so mies gelaufen, wie gedacht. Aber langsam war es nicht mehr nur unangenehm, Cyrus anzulügen. Er hatte ein schlechtes Gewissen und er vermisste es, dass Cyrus einer der wenigen Menschen gewesen war, in deren Nähe er sich nie Gedanken darüber hatte machen müssen, was er sagte oder tat. Er wollte da wieder hin zurück. Aber dafür müsste er nicht nur ehrlich sein, er müsste sich auch entschuldigen und dann hoffen, dass Cyrus ihm erstens vergab und zweitens… dass er mit der ganzen Bi-Sache zurechtkam und ihre Freundschaft nicht erst recht seltsam veränderte. Jay war sich relativ sicher, dass Cyrus ihn nicht verurteilen würde, aber es gab immernoch einen ziemlichen Sprung zwischen 'akzeptieren' und 'normal behandeln'. Dass Jay sich damit überhaupt selbst herumschlagen musste, reichte ihm schon, aber sich um seine Freunde zu sorgen, war wirklich grenzwertig nervig. Warum konnte Noel nicht einfach eine Frau sein? Gefühlsmäßig war da doch überhaupt kein Unterschied für ihn. Es war nur… wie sie auf andere wirkten das Problem.

      Er hätte wohl schon ahnen können, dass die Konzentration in der Vorlesung zu wünschen übrig lassen würde. Etwa alle zehn Minuten tippte Jay mal einen Satz ab, der auf der Powerpoint Präsentation stand und das war's. Da hätte er auch garnicht kommen müssen. Er hätte einfach mit Noel im Bett liegen bleiben können…
      Bevor er sich versah hatte er schon sein Handy in der Hand und den Kopf in die andere gestützt, und er öffnete Instagram um Noels Account zu suchen. Den Namen hatte er sich nicht umsonst eingeprägt. Jay sah sich alles viel zu genau an. Das Profilbild, einen Post nach dem anderen, und sogar wem er folgte. Und irgendwann schlich sich ein Lächeln in sein Gesicht, das er garnicht bemerkte. Das war alles… hoffnungslos. Er war einfach hoffnungslos.
      Und dann… kam sein Finger unabsichtlich auf dem Herz an, anstatt der kleinen Kommentar-Blase, und das Lächeln war ihm blitzschnell aus dem Gesicht gewischt. Unwillkürlich setzte er sich im Schock etwas auf. Oh Gott. Hatte er gerade einen Post von vor drei Jahren geliked?
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    • Noel schaute Jayden durch den Rückspiegel nach bis er hinter der nächsten Ecke verschwundene war. Dann nahm er die Handbremse raus, setzte den Wagen vom Parkmodus in den Drivemodus und fuhr aus dem Parkplatz wieder auf die offene Straße. Als Noel an der Uni vorbei fuhr, fuhr er automatisch ein wenig langsamer, als ob er schauen wollte ob er einer der Studenten erkennen würde - tat er nicht. Und obwohl er sein Verhalten für lächerlich fand schimpfte er sich nicht stumm selbst aus, sondern nahm es ausnahmsweise so hin - manchmal konnten Gespräche mit Freunden echt Wunder bewirkten.

      Wieder zurück in seiner Wohnung angekommen, steckte er als erstes die getragenen Klamotten von gestern Abend in die Waschmaschine. Wenn Jay ihm seinen Klamotten wusch, dann konnte er das ja genau so machen. Außerdem musste er so oder so eine Maschine ansetzen, ob er nun eins/zwei Teile mehr waschen musste oder nicht machte da keinen großen Unterschied. Mit der obligatorischen Hausarbeit fertig, belohnte sich Noel mit einem zweiten Kaffee und einem Stück Bananenbrot - welches auch eigentlich schon fast zwei Stücke hätte sein können. Mit beidem setzte er sich auf das Sofa, griff nach der Decke und dann nach seinem Laptop. Eigentlich hatte Noel sich vorgenommen keine Rechnungen mehr auf dem Sofa zu schrieben, irgendwo hatte er mal gelesen dass es psychologisch ratsamer wäre Arbeit auch an Arbeitsplätzen zu machen weil man sich dort erstes besser konzentrieren konnte und zweites nicht so schnell ablenken ließ, beides war ihm jedoch in diesem Moment egal. Er hasste es Rechnungen zu schreiben. Obwohl er sich damit mittlerweile nicht mehr so schwer tat wie noch vor einigen Jahren, was jedoch nicht hieß dass es ihm Spaß machte. Vielleicht war das der Grund warum es gerade mal fünf Minuten dauerte bis er sein Handy in die Hand nahm und durch Instagram wischte. Es war nicht mal so, dass er sich was besonderes anschaute, er wischte einfach durch die verschieben Fotos und Videos, bis zu dem Zeitpunkt als die App ihn benachrichtigte, dass wohl jemand eins seiner hochgeladenen Bilder geliked hatte. Das war nichts sonderbares, immerhin hatte er einen nicht ganz so schlecht laufenden Social Media Account und im Normalfall würde er sich niemals jeden einzelnen Account anschauen der mit seine Posts interagierte, aber er musste auch eigentlich Rechnungen schreiben und prokrastinierte erfolgreich, diese Situation schien demnach nicht zum ‚Normalfall‘ zu gehören.

      Der Bildschirmschoner seines Laptops war angesprungen, das schien jedoch nicht der Grund zu sein warum der Franzose etwas verwirrt die Augenbrauen zusammen zog. Das Bild, welches der ausschlaggebende Punkt der Benachrichtigung war, war fast drei Jahre alt, was ihn jedoch noch viel mehr verwirrte war nicht sein Bild sondern die Person die mit diesem interagiert hatte. Unweigerlich musste Noel grinsen. Es war nicht sonderlich schwer zu erraten wem der Account gehörte, spätestens wenn man sich die Bilder anschaute. Und dann tat er das, was Jayden wohl nur wenige Sekunden vorher gemacht hatte, er schaute sich die hochgeladenen Fotos an. Im Gegensatz zu seinem eigenen Account waren es zwar deutlich weniger, sagten jedoch deutlich mehr über Jayden als Person aus. Bilder von sich und seinen Freunden, Schnappschüsse von Partys, Selfies in irgendwelche Umgebungen die Noel nicht zu ordnen konnte. Eins der Bilder erweckte jedoch eine besondere Art von Aufmerksamkeit bei ihm. Das Foto schien noch gar nicht so alt zu sein, jedenfalls sagte, das das Post-Datum. Es zeigte Jayden vor einem geöffnet Fenster sitzend, irgendwo in die Ferne schauend, Oberkörper frei. Künstlerisch war das Bild eher so mittelmäßig, das Licht beleuchtete die eine Seite des Fotos kaum und auch die Auflösung war eher medoker und trotzdem hatte das Foto eine seltsam ästhetische Wirkung. Als Antwort auf Jaydens ‚Like-Debakel‘, tippte Noel zweimal auf seinen Bildschirm und das kleine Herz links am Rand seines Bildschirmes wurde rot.
    • Zwei Zentimeter vor Jays Augen lag das schwach gemusterte, helle Holz des Tisches, das er anstarrte, als wäre es die Lösung aller Probleme. Herausgerissen wurde er aus diesem verzweifelten Moment erst, als der zu spät kommende Cyrus sich neben ihm fallen ließ, nachdem er Jaydens Tasche auf den Boden fallen ließ und ihn schließlich von der Seite anstupste. Er beugte sich ein Stück herunter und flüsterte: "Pennst du?"
      Jay hob den Kopf. Eigentlich war schlafen gerade alles, das er wollte. Irgendwie musste er diesem peinlichen Moment ja entkommen. Noel musste denken, dass er nichts besseres zu tun hatte, als ihn zu stalken. Dass er komplett verrückt nach ihm war, wenn er nach gerade mal einer halben Stunde nachdem sie sich verabschiedet hatten, schon sein Instagram Profil suchte. Wenn er wenigstens den neuesten Post geliked hätte, oder so. Urgh, jetzt konnten sie sich beide gemeinsam Sorgen um Jaydens Anhänglichkeit machen.
      Hatte er jedenfalls gedacht, aber da leuchtete sein Bildschirm auf und bevor er Cyrus irgendetwas antworten konnte, hielt er das Handy schon wieder in der Hand. Ihm fiel eine gigantische Last von den Schultern. Oh, Gott sei dank… Noel hielt ihn vielleicht noch nicht für zu anhänglich. Er folgte ihm. Und… liked seinen letzten Post.
      Ein neuer kleiner Panikanflug machte sich in Jay breit. Sein Profil war nicht unbedingt… ein Businessprofil. Zumindest war es kaum so organisiert oder professionell wie Noels, der es ja wohl für seinen Job verwendete. Jay dagegen zeigte sich, wenn man es genau nahm, von seinen schlechtesten Seiten. Social Media war für ihn eine Art Erinnerungskollektion, wo er die mitunter lustigsten oder grauenvollsten Fotos und Videos aus seinem Leben teilte. Höchstens ein Viertel davon würde er Noel freiwillig zeigen. Naja… der Moment hatte früher oder später ja kommen müssen, er war auch wirklich selbst schuld. Mit dem Bild, das Fremde sowie seine besten Freunde von ihm hatten, war er okay, aber er wollte nicht unbedingt, dass Noel dieses Bild von ihm bekam. Nicht, nachdem Jay endlich das Gefühl hatte, ein bisschen… anders sein zu können. Mehr er selbst. Auf der anderen Seite wusste Noel ganz genau worauf er sich eingelassen hatte, also…
      "Hallo? Erde an Jay?", kam es geflüstert.
      Oh. Er sah hoch und versuchte das erleichterte Lächeln herunterzuschlucken. Sehr erleichtert war er eh nicht mehr, als er Cyrus ansah. "Sorry", murmelte er zurück. Mehr hatte er irgendwie nicht zu sagen. Was sollte er schon erklären? Und schlimmer als ein Ausbruch von Cyrus Seite, von wegen 'Du bist so seltsam drauf' oder 'Warum erzählst du mir nichts', sah der Rothaarige ihn bloß lange irritiert an, ehe er seinen Laptop aufklappte und sich der Vorlesung widmete. Und das… war weitaus schlimmer, als jede Konfrontation.
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    • Noel grinste noch ein kurze Weile sein Handydisplay an, bevor er die App schloss und auf WhatsApp den Chat von sich und Jayden suchte. Sie hatten bis jetzt noch nicht miteinander geschrieben. Warum auch, immerhin hatten sie sich die letzten Male immer ungeplant irgendwo getroffen.

      Noel: ich dachte man sitzt in der Uni um was zu lernen und nicht um jemand auf Instagram zu stalken ;).

      Sein Finger schwebte einige Sekunden über den Sende-Button bevor er sich einen Ruck gab und die Nachricht abschickte. Dann klickte er auf die kleine Kamera rechts unten und suchte das Bild seines Kalenders raus, welches er gemacht hatte bevor er Jayden die Nachtricht geschrieben hatte.

      Er hatte Jayden die zwei kommenden Wochen fotografiert und hatte dabei mal wieder festgestellt wie wenig Fixtermine er in der nächsten Zeit hatte. Irgendwie freute er sich auf die etwas ruhigere Zeit, auf der anderen Seite war Noel ein Arbeitstier und er arbeitete gerne vor allem praktisch. Wenn er mal eins/zwei Tage keine Aufträge hatte, war das okay, dann konnte er sich der Arbeit widmen für die er sonst keine Zeit hatte, aber er konnte auch nicht Tagelang nur Rechnungen schrieben und Mails beantworten, irgendwann wurde er verrückt bei sowas. Vielleicht sollte er sich darüber aber auch einfach keine Gedanken machen und die freie Zeit die er im Moment hatte einfach genießen. Wahrscheinlich würde Last Minute noch genug Anfragen eintrudeln und ihm die Vorweihnachtszeit alles andere als entspannt machen.

      Auf Grund der nicht vorhandene Termine war sein Kalender recht übersichtlich. ‚Dienstag: Deadline Rechnung‘ und dadrunter stand wohl mal eine E-Mailadresse die Noel jedoch aus Datenschutzgründen - mehr schlecht als recht - geschwärzt hatte. Mittwoch hatte wohl jemand namens Martin Geburtstag, Noel würde nicht zu dem eingetragenen Geburtstag gehen, wenn der Franzose ehrlich zu sich selbst war, wusste er im Moment nicht mal wer Martin war. Wahrscheinlich war das wieder einer dieser Menschen, dessen Nummer Noel auf Grund irgendeines Auftrags besaß und zufälligerweise hatte sein Handy den eingetragenen Geburtstag aus seinem digitalen Telefonbuch in seinen Kalender übertragen. Dann gab es ersten wieder Freitag einen eingetragenen Termin. ‚Theater‘, stand dort einfach nur und genau der selbe Eintrag wiederholte sich eine Woche später nur dass neben dem Wort Theater die Ergänzung ‚ und Essen‘ stand.

      Wenn man sich Noels Kalender so anschaute erkannte man eins direkt, Noel war definitiv pragmatisch veranlagt und hielt sich nicht mit komplizierten Kalendereinträgen auf. Wenn er eine Deadline hatte, stand diese genau so in seinem Kalender, wenn er einen Termin hatte, stand dieser genau so in einem Kalender, so wie die Eintragung nächste Woche Mittwoch bestätigte. Dort stand in weißen Buchstaben auf dunklem Hintergrund ‚Arzt Blut 10:30 Uhr‘. Egal wie gewissenhaft er seine Arbeit machte, sein Kalender schien er gerade so mit den nötigen Informationen zu füttern damit er wusste was damit gemeint war.

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    • Jayden war im Verlauf der Vorlesung ziemlich beschäftigt mit seinem Handy. Noels Nachricht hatte sein Herz kurz zum Aussetzen gebracht, aber er freute sich, dass Texting-Hasser Noel ihm als erstes geschrieben und ihren Chatverlauf eingeweiht hatte.

      Jay: Stalking bewahrt mich vorm Einschlafen, XO

      Und dann verbrachte er tatsächlich noch den Rest der Einheit damit, Noels Instagram Posts durchzusehen. Das Talent war Jay ja spätestens aufgefallen, als er seine Malereien in Noels Wohnung gesehen hatte, aber er war auch verdammt gut in diesem ganzen Makeup Kram. Jay fragte sich, wie Noel wohl dazu gekommen war, so ein Hobby zu haben und beruflicher Make Up Artist zu werden. Vielleicht würde er ihn das beim nächsten Treffen mal fragen, denn er kannte sich selbst damit überhaupt nicht aus. Ein, zwei Mal war er zum Opfer seiner Schwester geworden, als sie etwa 15 war und er noch zuhause gewohnt hatte, und sie plötzlich sein Gesicht beschmieren wollte, aber bei Noels Fotos konnte man ja kaum noch von beschmieren reden. Da müsste Liv sich vielleicht mal eine Scheibe abschneiden. Obwohl Noel im Alltag kein Makeup trug, oder? Nicht sichtbar, jedenfalls. Man sollte von Äußerlichkeiten auch nicht auf Sexualität schließen, aber er hätte Noel auch nicht für schwul gehalten, wenn er ihn einfach so getroffen hätte, oder? Allerdings war er bei ihrem ersten Treffen so betrunken gewesen, dass er nichtmal Mann von Frau unterscheiden konnte, und jetzt kannte er Noel schon, also konnte er das objektiv wohl nicht wirklich beurteilen. …Würde es ihn denn stören, wenn man es ihm ansah? Was ja nicht ging, aber- Was, wenn Noel zu ihren Dates mit Makeup kam, was dann? Sah man ihnen dann nicht irgendwie auch direkt an, dass sie ausgingen?

      Bei all diesen Gedanken machte sich ein massives schlechtes Gewissen in Jay breit. Er wusste, dass er sich nicht darum kümmern sollte, was Noel trug oder wie er sich verhielt, wenn sie zusammen waren, weil er ihn ja bisher auch genauso mochte, wie er war, aber… in der Öffentlichkeit war das etwas anderes. Seine eigene Unsicherheit auf andere zu übertragen war aber auch ein ziemlicher Shit Move. Gott, er musste mit all dem endlich ins Reine kommen. Aber wie, solange er in diesem Umfeld lebte? Und auch danach… Würde er Noel überhaupt wählen, wenn er sich zwischen all seinen Freunden, seinem jetzigen Leben und ihm entscheiden musste?

      "Hey, kommst du morgen mit zum Paintball?", riss Cyrus Stimme Jay mal wieder aus seinen Gedanken. Ah, die Vorlesung war zu Ende und er hatte es nichtmal mitbekommen. Schnell packte er sein Handy und den Laptop in seine Tasche.
      "Äh, was? Seit wann ist das geplant? Wir haben doch die Projektabgabe am Montag", antwortete Jay verwirrte.
      "Ja, ich weiß. Darum versuche ich, das heute fertig zu kriegen und Sonntag ist auch noch ein Tag"
      "Hm… ich muss morgen arbeiten", meinte Jay mehr zu sich selbst. Er hatte wirklich absolut keine Zeit für sowas, aber… Zeit mit seinen Freunden zu verbringen wäre vielleicht nicht so schlecht. Vielleicht konnte er diese komische Phase mit Cyrus auch überwinden, wenn sie mal wieder was zusammen machten. "Also… ich überlegs mir. Mal schauen, wie weit ich heute mit dem Bauen komme", sagte er und warf sich die Tasche über die Schulter.
      „Mhm, alles klar. Ich glaube Eliot hat zur Sicherheit sowieso für alle reserviert. Wenn einer nicht kommt, wird sich schon wer anderer finden“
      Der neutral-arschige Ton in Cyrus Stimme nervte Jayden etwas. Er konnte ja nichts dafür, dass er kein Geld in den Arsch geschoben bekam und seinen Job und das Studium ernst nehmen musste. Aber er verkniff sich alles, das er gerade sagen wollte, weil er echt nichts weniger wollte, als einen riesigen Streit mit seinem besten Freund der vielleicht noch physisch endete. Sie waren beide nicht so der Typ für Schlägereien, aber gerade brodelte da irgendetwas, das Jay nicht richtig einschätzen konnte.
      „Okay. Ich meine, solange ich um 17 Uhr zuhause und dann rechtzeitig in der Bar bin, wird’s schon gehen“, murmelte er. Ja, und wenn er sein Projekt heute noch fertig bekam ohne damit rechnen zu müssen, dass sein Professor ihn deshalb durchfallen ließ.
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    • Nachdem sich Noel erfolgreich von seinem Handy von seiner Arbeit abhalten gelassen hatte, machte er sich einen weiteren Kaffee - er sollte sich vielleicht so langsam mal Sorgen um seinem fast schon enorm hohen Kaffeekonsum machen - und setzte sich dann tatsächlich sogar an die verhassten Rechnungen, aber selbstverständlich nicht ohne sich nicht nochmal zwei Stücke von dem Bananenbrot zu nehmen und dieses damit vollständig zu vernichten.

      Nach etwa drei Stunden hatte Noel nicht nur die Rechnung fertig die er bis zur Deadline fertig machen musste, sondern auch noch zwei weitere, die schon drauf gewartete hatten bearbeitet zu werden. Nachdem er dann noch ungefähr eine Stunde teilweise durch seine Mails und teilweise durch Instagram gewischt hatte, beschloss er, dass es keinen Sinn hatte den ganzen Tag in der Wohnung zu sitzen wenn draußen einigermaßen passables Wetter war. Schnell knappte er sich einer seiner Kameras - ein Durchschnittsmodell einer recht hochwertigen und neumodernen spiegellosen Kamera - auf die er mit wenigen Handgriffen ein Makroobjektiv steckte. Die Kamera verstaute er in einer der passenden Taschen, zog sich im Flur seinen Mantel und ein paar etwas geländefreudigere Boots an und machte sich dann auch schon auf den Weg nach unten. Als er aus der Tür seines Wohnhauses raustrat hatte er bereits Kopfhören in den Ohren und atmet die leicht kühle Luft ein. Es war ein wenig wärmer geworden als noch am Morgen, nicht wirklich warm aber wärmer.

      Den Weg zu dem kleinen Waldstück kannte er mittlerweile auswendig. Er ging dort oft hin wenn er spazieren ging, einfach und allein aus dem Grund, weil er dort meistens ungestört war und es recht einfach war von dem Spaziergängerweg in das kleine Waldstück zu gelangen. Noel hatte nicht wirklich einen Plan was er genau fotografieren wollte, das einzige was er sich vorgenommen hatte war mal wieder etwas mit dem Markoobjektiv zu machen, damit es nicht nur in seinem Schrank verstaubte.

      Als er nach fast zweieinhalb Stunden wieder in seiner Wohnung war hatte er fast dreihundertfünfzig Fotos geschossen und somit genug Arbeit um sich fürs erste zu beschäftigen. Aussortieren, die schlechten Fotos löschen und die guten in sein Bearbeitungsprogram exportieren. Zum Nachmittag hin hatte er eine schöne Auswahl an Makroaufnahmen aus dem Wald und einfach nur um Jayden mehr Input für sein Stalking zu geben postete er einige der Aufnahmen in seine Instastory. Später würden sich die Fotos in der Fotografiesammlung auf seinem Instagram-Account wiederfinden und sich somit nicht nach vierundzwanzig Stunden löschen.

      Nun hatte er wieder keine Arbeit, obwohl seine spontane Fotosession auch nicht wirklich Arbeit war, eher Freizeit, aber wenn man es genau nahm schulte er damit nur seine Fähigkeiten, also konnte er sich die Zeit wohl doch als Arbeit schön reden, dann fühlte es sich immerhin nicht ganz so sehr danach an, als würde er für seine Freizeit bezahlt werden.
    • Mit vierundzwanzig im siebten von sechs Semestern eines Bachelor Studiengangs festzustecken, war nicht unbedingt etwas, über das Jay wahnsinnig glücklich war. Seine Unschlüssigkeit hatte ihm bereits zwei Jahre gutes Gehalt gestohlen und gerade eben weil er kein großer Fan seines Faches war, hätte er das Architekturstudium gerne in Mindeststudienzeit abgeschlossen. Nur kamen ihm ständig Sachen dazwischen. Und, nein, es war nicht Paintball. Auch keine der etlichen Partys, zu denen er eingeladen wurde, denn er konnte ganz gut einschätzen, wann er mehr oder weniger lernen musste. Außerhalb seiner Kontrolle lag aber, dass er verdammt pleite war, von seinen Eltern finanziell keine Unterstützung erwarten konnte und man eben hin und wieder keine Schichten tauschen konnte, auch wenn eine riesige Prüfung anstand. Dass er technisch gesehen also gerade erst im fünften Semester war, war nicht wirklich seine Schuld. Er war schließlich auch kein Genie und brauchte ganz normal Zeit um zu lernen, damit er die Prüfungen auch bestand. Und der Tag hatte auch nur 24 Stunden.
      Also, er hatte sich die Zeit über die letzten Wochen eigentlich hervorragend eingeteilt und wenn er nun zwei Tage lang durchackerte, wenn er gerade nicht arbeitete, dann würde er sein kleines Stadt-Projekt auch pünktlich am Montag abgeben können, damit es am Dienstag in der Ausstellung stand, und das ohne irgendetwas zu bereuen. Aber… vielleicht schaffte er es auch, wenn er zwischendurch noch seine Freundschaft rettete. Seine Schicht konnte er unmöglich wieder kurzfristig tauschen, der Hass seiner KollegInnen war schon stark genug. Und außerdem konnte er nicht riskieren, dass seine Chefin Wind davon bekam, dass er so ein Chaos verursachte, und er im Endeffekt seinen Job verlor, denn dann hatte er ganz andere Probleme. Er wohnte vielleicht am Campus, aber er hatte keinen geheimen Lotto Gewinn verstaut, mit dem er seine Lebensmittel bezahlen konnte. Das hieß also… heute Projekt, morgen Projekt, dann Paintball, dann Arbeit, und Sonntag Projekt? Hm.
      Jayden war schon gestresst, wenn er nur daran dachte. Und das schlimmste war, dass die Sache mit Cyrus nun fast schon, aber nicht ganz, die Sorgen um Noel übertrumpften und er wahnsinnig anfällig war, alles andere zu vernachlässigen, wenn ihm sowas durch den Kopf ging. Er hatte sich ja gerade in der Vorlesung schon nicht konzentrieren können. Aber… zumindest hatte er den Planungsprozess ja schon hinter sich und konnte die restlichen Teile für seine Stadt auch zusammenbauen, wenn er gedanklich irgendwo anders war, oder? Zumindest solange er sich keinen Finger absägte.
      So konnte man sich das Leben auch schön reden. Naja. Aber innerlich wusste er ja, dass er morgen mit seinen Freunden zum Paintball gehen würde. Irgendwann musste er Cyrus ja mal wieder an erste Stelle stellen, auch wenn das ein denkbar schlechter Moment war, aber…sowas konnte man sich nicht aussuchen. Es wäre lächerlich, wenn er seine Freundschaften jetzt schon gefährdete, ohne überhaupt irgendjemandem von Noel erzählt zu haben. Und Jay konnte sich gut vorstellen, dass das jetzt gerade sein Ende wäre.
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    • Der Tag zog sich wirklich ätzend lang. Kurz hatte Noel überlegt ob er Jayden nicht einfach schreiben sollte, um ihn zu fragen ob sie nicht schon heute noch einen Kaffee trinken wollen würden, das hatte er dann jedoch doch gelassen. Stattdessen hatte er angefangen sich was zu kochen und saß nun mit seinem Essen in einer Schale und einem Glas Wein auf dem Sofa. Ein Vorteil wenn man selbstständig war, war dass Wochentage plötzlich keine Bedeutung mehr hatten, plötzlich arbeitete man das Wochenende durch und hatte an einem Mittwoch frei. Ein Nachteil daran war jedoch, dass man auch anfing nicht nur am Wochenende Alkohol zu trinken und sich plötzlich mit einem Glas Wein an einem Mittwochabend auf der Couch wiederfand, glücklicherweise war es aber Freitag Nachmittag und somit nur halb so schlimm. Er sollte seinen Kunden wohl mal sagen, dass er kein Wein mehr geschenkt haben wollte, irgendwann würde das noch zur Gewohnheit werden.

      Was fing er denn nun mit dem Rest der Woche an? Und noch schlimmer was fing er mit der nächsten Woche an? Es würden wahrscheinlich irgendwann in den nächsten Tagen Anfragen in sein Postfach flattern, aber er stellte sich nun mal jetzt die Frage. Die Winterzeit war immer etwas ruhiger, das war er gewohnt. Die meisten seiner Stammkunden hatten ebenfalls Winterpause, da es schlicht und ergreifend zu kalt war um draußen Shootings oder Filmdrehs anzusetzen.
      Keine Arbeit zu haben, war auszuhalten wenn man etwas hatte vorauf man hinarbeiten konnte. Es kam schon öfters vor, dass er auch mal eins/zwei Wochen Leerlauf hatte, dann aber ein mehrtägiges Shooting vor der Tür stand und er die Zeit gebraucht hatte um diverse Dinge vorzubereiten.

      Gerade als er sich darüber Gedanken machen wollte wie er die nächste Zeit füllte, klingelte sein Handy. „Wir haben doch letztens erst telefoniert, hast du schon wieder Sehnsucht nach mir?“ lachte Noel leise ohne jegliche Begrüßung auf und legte die weiße Keramikschüssel auf den Couchtisch. „Immer doch Bruderherz.“ auch wenn er das Grinsen seiner Schwester nicht sehen konnte, er konnte es ganz deutlich hören. „Aber ich hab tatsächlich ein Anliegen…oder eher eine Frage.“ Oh-uh. Wenn seine ältere Schwester mit einem Anliegen zu ihm kam, wusste er, dass er irgendwas machen sollte was er eigentlich nicht machen wollte. „Okay.“ antwortete er etwas vorsichtiger. „Aaaaalos…“ meinte Flo langgezogen. „Eine gute Freundin von mir heiratet am Samstag und ihr ist die Person weg gefallen die für Das MakeUp und die Frisuren eigentlich zuständig war…“ Oh nein, Noel ahnte böses. „…naja ich hab vielleicht in einem Nebensatz erwähnt, dass ich jemanden kennen würde, der das kann und…“ - „Ich mache kein Braut-MakeUp.“ grätschte er dazwischen. Wenn er eins nicht tat dann war es Braut-MakeUp, generell Hochzeitsmakeup machte er super ungern. Noel hatte sich nicht auf Special effects-MakeUp spezialisiert um dann ein langweiliges, eintöniges Brautmakeup zu schminken. „Ich weiß, das hab ich ihr auch gesagt, aber ich meinte ich Versuch trotzdem mal mein Glück.“ Noel schwieg eine Zeitlang. Eigentlich hatte er nichts zu verlieren, im schlimmsten Falle würde er einen Samstag mit dem schminken von langweiligem Brautmakeup verschwenden aber da er eh nichts am besagten Samstag geplant hatte, war das auch nur halb so wild. „Jetzt kommenden Samstag? Also morgen?“ Das war wirklich extrem knapp, normalerweise würde er so eine Anfrage aus Prinzip nicht annehmen. „Ja morgen.“ bestätigte Flo leise. „Sag deiner Freundin sie soll mir eine Mail schicken. Mit allen Einzelheiten. Ort, Zeit, was sie sich vorstellt, wie viele geschminkt werden müssen, Budget und so weiter.“ wies er seine Schwester an. Seit wann ließ er sich eigentlich so schnell überreden? „Und das am besten jetzt gleich, und sag ihr, sie soll nicht denken, dass ich ihr einen Freundschaftspreis mache nur weil du meine Schwester bist.“ Das Strahlen konnte man selbst durch den verzerrten Handylautsprecher hören. „Du bist der Wahnsinn Noel! Ich liebe dich! Vielen Dank. Du bist großartig.“ - „Ich weiß.“ Meinte er mit seiner leicht arroganten Art.
      Danach ging alles recht schnell, Noel und Flo verabschiedeten sich und keine halbe Stunde später hatte er eine Mail von Flos Freundin in seinem Postfach. Die Inspirationsfotos im Anhang waren schon fast anspruchslos aber das hieß auch, dass Noel nicht besonders viel Arbeit haben würde. Immerhin hatte er nun was zu tun.
    • Wie er es vermutet hatte war Jayden am Freitag Abend natürlich nicht mit seinem Projekt fertig geworden. Er hätte es vielleicht schaffen können, aber dafür mussten ihm seine Noten genauso egal sein, wie Cyrus. Und ja, Noten waren wirklich nicht besonders wichtig, aber wenn er schonmal so viel Zeit in etwas steckte, dann sollte es am Ende nicht daran scheitern, dass er sich zu sehr beeilt hatte obwohl er genug Zeit gehabt hätte. Ganz einfach aus Prinzip und Selbstrespekt wollte er sich um dieses Projekt bemühen, wenn es doch schon fast geschafft war. Das hieß nun natürlich auch… dass er am Sonntag nicht sehr viel Schlaf bekommen würde, denn er hatte sich bereits entschlossen, die anderen zum Paintball zu begleiten.

      Die Begeisterung war noch nicht sonderlich hoch, als er sich einen armeegrünen Hoodie und schwarze Jeans anzog und sich jetzt schon Gedanken um die nächste Wäscheladung machte, für die er kommende Woche Zeit einplanen musste. Zeit, die er einfach nie zu haben schien. Wurde das irgendwann mal besser? Zumindest lagen die Weihnachtsferien nicht mehr in allzu weiter Ferne.
      Die Stimmung zwischen Cyrus und ihm war nicht anders, als in den letzten Tagen, aber Jayden hatte einen Plan. Er würde mit Cyrus in ein Team kommen und ihm den Rücken freihalten, sich auch für ihn opfern, wenn es sein musste. Mehr wollte er heute garnicht erreichen. Nur, das Cyrus ihm ein bisschen verzieh, wie verschlossen er in letzter Zeit gewesen war. Für Jayden war das alles auch nicht witzig, aber er steckte eben in einer Zwickmühle.

      Teil 1 von Plan A war tatsächlich gelungen. Sie waren ja auch nur 12 Leute und seine Freunde würden ihn kaum zwingen, nicht in Cyrus Team zu sein. Zu ihrer Gruppe gehörten Eliot, der den ganzen Spaß bezahlte und alle einlud, Marcus, Mia und Jenny. Unglücklicherweise war Caleb im gegnerischen Team, was definitiv zu einem Problem werden würde. Theoretisch, aber Jay brauchte ja einen Grund, um Cyrus den Rücken freizuhalten, und das war für ihn optimal. Sie konnten garnicht anders, als sich zu zweit fortzubewegen.

      Marcus und Jenny waren so schnell raus, dass die Vermutung bestand, dass Caleb, und wer auch immer, heute absolut keinen Spaß verstanden. Das hieß auch, erstens war er definitiv ziemlich nah, und zweitens würden sie mehr als eine Runde spielen, weil das jetzt schon viel zu schnell ging. Sie standen auf jeden Fall ganz schön unter Strom. So sehr, dass die Laune ein wenig kippte, als Cyrus und er mitbekamen, wie Mia nur ein wenig entfernt aus dem Spiel geschossen wurde. Damit waren sie zu zweit. Zwei gegen fünf. Cyrus ließ den Arm mit seiner Waffe frustriert sinken und klappte das Visier seines Helms hoch. Er stieß irgendein leicht wütendes Geräusch aus, bevor er vor Jay stehen blieb. "Im Ernst?" Cyrus warf die Hände leicht in die Luft. "Ich meine, kann der Typ sich mal entspannen? Wer lädt Cal eigentlich immer wieder zu diesen Sachen ein?"
      Jay schmunzelte unter seiner Maske. "Ist doch egal, dann spielen wir halt heute zehn Runden. Zahlt doch sowieso Eliot, oder?"
      "Ja", grummelte Cyrus.
      "Hey, wir sollten nicht auf einem Fleck stehen bleiben", warf Jay ein.
      "Wieso? Je schneller die Runden vorbei sind, desto früher kannst du abhauen und tun, was auch immer du momentan so tust"
      Jay ließ seine Waffe etwas irritiert runtersinken. "Das meinte ich nicht. Wir werden einfach abgeschossen, wenn wir hier so herumstehen. Willst du verlieren?"
      "Willst du überhaupt hier sein?"
      Jayden schwieg, dann klappte er auch sein Visier hoch. Die Angriffe waren gerade völlig ungerechtfertigt. Er war schließlich nur hier, um Zeit mit seinen Freunden zu verbringen. Wenn sich hier mal jemand entspannen sollte, war es Cyrus, nicht Cal. "Hey, ich hab verdammt viel zu tun und bin trotzdem hier. Weil ich dachte, du willst dass ich mitkomme"
      Cyrus lachte leicht. "Ich weiß nichtmal, was ich darauf antworten soll", sagte er. Jay schüttelte den Kopf. Das ging nicht in die Richtung, die er geplant hatte. "Klar will ich, dass du hier bist, aber wen juckt es eigentlich, was ich will? Ich fänds auch super, wenn du dich nicht dauernd wegschleichst und dann so tust, als würde es eh keinem auffallen. Ich meine, was zur Hölle machst du? Hast du irgendwie ne bessere Freundesgruppe gefunden? Ist mit deiner Familie irgendwas? Hast du ne Freundin? Ich versteh einfach nicht, was es sein könnte, dass du nichts darüber erzählst und du dauernd aussiehst wie ein Reh im Scheinwerferlicht"
      "…" Wie antwortete man auf sowas? "…" Die Wahrheit wollte er Cyrus gerade echt nicht sagen. "Es ist kompliziert", fing er an, aber das war vermutlich ein Fehler gewesen. Doch bevor er auf Cyrus massiv irritierten Gesichtsausdruck noch reagieren konnte, spürte er einen dumpfen Schlag am Rücken, der ihn so überraschte, dass er einen Schritt nach vorne taumelte. Ahh, shit. Genau das hatte er gemeint. Keine zwei Sekunden später hatte auch Cyrus einen riesigen Farbfleck auf der Brust und sie hatten offiziell die erste Runde verloren. Hinter Jay tönte Geschrei aus den Büschen, das immer lauter wurde, bis sich ein bekannter Arm um seinen Hals schmiss und er Cals nervtötend laute Stimme im Ohr vernahm. Das Lachen nahm allerdings ab, als Cyrus und er nicht reagierten. Sie nahmen nur beide ihre Helme ab und Jayden wich Cyrus Blick aus. Mit Cal neben ihm konnte er schon garnicht ehrlich sein.
      "Hä? Was ist mit euch? War nur Paintball, keine richtige Schlacht. Du siehst aus, als würdest du gleich losheulen, Jay", sagte Cal durch ein hörbares Grinsen. Ha, ha. Jay stieß genervt Luft aus und warf Cals Arm von seiner Schulter. "Was ist denn mit euch los…", murmelte der Blauhaarige, der offensichtlich endlich schnallte, das etwas nicht in Ordnung war.
      "Oh, Jay wollte mir gerade erzählen, was ihn in letzter Zeit so ablenkt"
      Jays Blick schoss hoch zu Cyrus.
      "Ohh, wetten er hat was mit der von Halloween angefangen? Ist doch so? Mich würde interessieren, was mit ihr falsch ist, dass du sie versteckst", lachte Caleb.
      Cyrus kniff die Augen zusammen. "Ja, frag ich mich auch. Kurz dachte ich schon, du hast was mit diesem schwulen Kerl… Wie hieß Monas Aufpasser nochmal? Der, den wir in der Bar getroffen haben, mit dem du am nächsten Morgen zusammen nachhause gekommen bist? Schlimmer als die Vermutung kanns ja nicht sein, also würdest du dir mit der Wahrheit definitiv selbst helfen"
      Jay fror ein. Was hatte er sich eigentlich bei all dem gedacht? Natürlich konnte er sowas nicht richtig geheimhalten. Und dann die Sache in seinem Zimmer, als Cyrus reingeplatzt ist… Verdammte Scheiße. Wie kam er da wieder raus?
      Erst ein Schulterklopfen von Cal brachte ihn zurück ins Jetzt. "Hey, dein Blick spricht nicht dafür, dass er unrecht hat", lachte er.
      Jay bekam Panik. "D-das ist so ein Schwachsinn. Natürlich hab ich eine Freundin. Mit ihr ist garnichts falsch, aber sie studiert nicht und hat ein richtiges Leben. Ihr Loser seid mir einfach zu peinlich. Ich könnte euch nie im Leben vorstellen", rutschte es Jay plötzlich heraus und er lachte nervös. Cyrus sah ihn weiterhin irritiert an, Cal lachte erneut so laut, dass Jay bald das Trommelfell platzte, und innerlich fühlte er sich, als hätten seine Organe einander den Krieg erklärt. Wie tief konnte man sich selbst eigentlich in die Scheiße reiten? Aber so war es vermutlich besser. Nur… hatte er nicht das Gefühl, mit dieser Lüge seine Freundschaft mit Cyrus gerettet zu haben.
      "Was soll das heißen? Natürlich musst du uns mal vorstellen. Ich will wissen, wer dein gefrorenes Herz auftauen konnte", meinte Caleb schmunzelnd.
      "Träum weiter", erwiderte Jay und zwang sich ein Grinsen auf. "Ich will nicht, dass sie mich gleich wieder verlässt" Oh, Noel würde ihn vermutlich wirklich sofort stehen lassen, wenn er dieses Gespräch mitbekommen würde.
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