My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Als sich ihre Lippen endlich berührten seufzte Noel leise in den Kuss. Das wollte er die ganze Woche schon. Er hatte immer wieder überlegte Jayden anzurufen oder eine kurze Nachricht zu schreiben, hatte es aber nie getan. Das hier war wie eine Erlösung von den Qualen der letzten Tage. Die Hand in seinem Nacken war warm und jagte ihm eine sanfte Gänsehaut über den Körper die Jayden sicher spüren konnte. Als er dann auch noch die andere Hand des Studenten auf seinem Oberschenkel spürte waren alle Gedanken die er sich bis eben gemacht hatte wie ausradiert. Jetzt gerade gab es nur sie beide.

      Noel löste den Kuss kurz, bewegte sich aber keinen Zentimeter von Jay weg, eher rutschte er noch näher an ihn und eher er sich versah, saß er auf dem Schoß den Jüngeren. Eine Hand in dessen Haare, die andere auf dessen Schulter. „Habe ich dir schon mal gesagt, dass du wirklich verflucht gut küssen kannst?“ hauchte er ihm fast schon ein wenig atemlos gegen die Lippen. Noel wartete die Antwort gar nicht erst ab, vielleicht erwartete er auch gar keine Erwiderung auf die gesagten Worte, stattdessen küsste er Jay wieder. Seine Hand fuhr wie von alleine unter den dicken Pulloverstoff, fuhr über das Schlüsselbein des Studenten und von dort aus wieder über den ausgeprägten Schulterknochen.

      Noel hatte das Bedürfnis so viel Haut wie nur möglich berühren zu wollen. Am liebsten hätte er Jayden auf der Stelle den Pullover ausgezogen, aber das konnte er ja wohl nicht einfach so machen, oder? Stattdessen streichelte er nun, so weit es ihm möglich war mit seiner Hand über den Rücken des anderen.
    • Jayden hatte seine Hände absichtlich an der Oberfläche behalten, aber in der Sekunde, in der Noel auf seinen Schoß rutschte und seine Hände über Jays ganzen Oberkörper gleiten ließ, sah er sich eingeladen, es ihm gleichzutun.

      Er wusste noch immer nicht, was durch Noels Kopf ging: Ob er es heute beim Küssen belassen oder doch weitergehen wollte, darum hatte Jay vorgehabt, sich ordentlich zurückgehalten. Das hätte ihr erstes normales Date werden können, oder, naja, etwas auf die Art. Normal wurde es wohl erst, wenn sie sich nicht mehr zufällig trafen und ihnen beiden bewusst war, dass sie das Treffen als Date betiteln würden. Aber Jay hatte sich dennoch irgendwie vorgenommen, Noel kennenzulernen und seine Finger weitesgehend von ihm zu lassen. Manchmal hatte sein Gegenüber aber wohl andere Pläne; und sein Unterbewusstsein auch.

      Vielleicht war es gerade weil er sich hatte zwingen wollen, es langsam anzugehen — als wäre ihr erstes Treffen kein One Night Stand gewesen. Aber ihm war schnell, und doch etwas zu spät, bewusst geworden, dass Noel sich in eine gefährliche Position begeben hatte. Er spürte Noels Hände auf seiner nackten Haut, seinen Atem im Gesicht und er schmeckte eine Mischung aus dem Kirschschnaps und etwas noch härterem, was vermutlich der Long Island Icetea von vorhin sein musste, und er ließ sich hinreißen. Jay fuhr mit beiden Händen unter Noels Pullover, hielt ihn einerseits am unteren Rücken fest, damit er nicht von ihm runter kippte, und nutzte andererseits die Chance, um seine Wirbelsäule in allen Hebungen und Senkungen abzutasten. Es war viel Wärme, viel Haut, zu viel Zungenkontakt um sich nicht fallen zu lassen, und Jay fiel ein wenig zu spät auf, wieviel enger sich seine Jeans als heute Morgen anfühlte.

      Vermutlich war der Grund wirklich, dass er sich vorgenommen hatte, nicht zu tun, was er unter allen anderen Umständen ohne zu zögern tun würde. Noel hatte seine Pläne durchkreuzt; Jay hatte seine eigenen Pläne durchkreuzt. Zumindest hatte er sich selbst ein wenig hintergangen, aber das hieß auch noch nicht, dass Noel und er nicht kurz darüber lachen würden und er in einer halben Stunde auf dem Heimweg war. So würde das wohl jeder normale Mensch beim ersten, zweiten oder dritten Date handhaben, wenn man unglücklich genug war, in die Situation zu geraten. Aber sie hatten hier völlig andere Umstände. Jay wusste von Anfang an nicht, worauf der Abend hinauslaufen würde, und er wusste es noch immer nicht. Manchmal wäre er gern in der Lage, Gedanken zu lesen. Das würde so vieles erleichtern. Gerade wusste er nur, dass Noel ihn unheimlich anturnte und sie sich besser bald entschlossen, was das Ziel war, bevor Jay sich wieder hinreißen ließ und einfach selbst entschied, entgegen seines ursprünglichen Plans.
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    • Sein Atmen zitterte leicht zwischen den Küssen. Vielleicht war das der Grund warum Noel sich selbst und Jayden nie mehr als wenige Sekunden gab um wieder zu atmen zu kommen. Vielleicht war der Grund aber auch einfach, die Sehnsucht der letzten Tage gepaart mit dem unstillbaren Verlangen, welches Jayden - wenn Noel ehrlich zu sich selbst war - schon seit Halloween in ihm ausgelöste.

      Die Hände des Franzosen fuhren fahrig über den Jaydens Rücken, strichten fast schon ein wenig unkontrolliert durch die dunklen Strähnen, krallten sich in regelmäßig-unregelmäßigen Abständen in die Haare nur um wenige Momente später fast schon liebevoll über die Stellen zu streicheln.

      Die fremden Hände auf seinem Rücken jagten eine Gänsehaut nach der nächsten über seinen Körper, ließen ihn erzittern, fast schon nach mehr betteln. Noel wusste nicht wann er das letzte mal so viele Gefühle gleichzeitig gefühlt hatte, er wusste nicht mal ob er jemals so viel auf einmal gefühlt hatte.

      Noel löste den Kuss, schmiegte sich noch näher an Jayden und versuchte irgendwie wieder Herr einer Sinne zu werden, was in dieser Position gerade zu unmöglich war. Er hatte ihre Körper noch näher zusammen gebracht als eh schon und spürte alles. Jede minimale Regung des Körpers unter ihm, jedes Zucken und Jayden - da war er sich sicher - müsste genau so jede Regelung spüren die von dem Körper des Franzosen ausging. Wahrscheinlich war das die wohl schlechteres Möglichkeit um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, aber er wollte die Wärme die ihn umgab nicht aufgeben.

      Sein Atmen ging schnell, zittrig und dafür das sie sich ‚nur‘ geküsst hatten viel zu unregelmäßig und Jay konnte sicher jeden Atemzug, den Noel von sich gab hören, beinah an seinem Ohr und an seinem Hals spüren. Er hatte genau zwei Minuten ausgehalten ohne Jayden zu küssen. Genau hundertzwanzig Sekunden bevor er dem Verlangen einfach wieder nachgegangen war und nun hauchzarte Küsse auf Jays Halsseite verteilte. Noel spürte den harten Puls unter seinen Lippen, spürte wie Jaydens Herz dessen Blut durch die Venen und Arterien jagte.

      „Jayden…“ hauchte er ihm leise ins Ohr und eigentlich konnte man von diesem simplen Wort wohl all das ableiten was Noel gerade von dem Jüngeren wollte. „…ich…ich will dich…“ seine Stimme glich bloß einem leisen hauchen. Noel fiel es schon immer schwer solche Bitten auszusprechen. Es fiel ihm wohl alleinigem schwer seine Gedanken auszusprechen. „…aber, ich will dich auch kennen lernen weist du? So mit Dates und all dem Quatsch.“ er hatte den Eindruck dass seine Stimme noch mehr zitterte als eh schon. War das hier ein Fehler? Riskierte Noel gerade alles was sie hatten und vielleicht haben könnten? „…aber du meinst du willst was lockeres und das ist okay…wir…“ seit wann fiel es ihm so schwer klare zu kommunizieren? Gerade war Noel doch ganz froh drum, dass sie so eng aneinander geschmiegt waren, so konnte Jay die leichte Röte immerhin nicht sehen die sich wahrscheinlich auf Noels Gesicht ausgebreitet hatte, jedenfalls füllte es sich so an, als ob er rot wurde. „Ich mag dich Jay…ich mag dich wirklich weist du…“
    • Je mehr Zeit verging, desto mehr schienen ihre Körper eins zu werden. Zumindest rutschte Noel immer weiter an Jay heran, bis zwischen ihnen kaum mehr Luft übrig war und er schien trotzdem nie nah genug zu sein. Jayden war sich sicher, zu wissen, was Noel von ihm wollte, bis er sich aus den unkontrollierten Küssen löste und sie nur noch ineinander verschlungen auf der Couch saßen.

      Jay öffnete seine Augen und sah über Noels Schulter hinweg und er wartete ab. Er lauschte dem unregelmäßigen Atem und strich ihm weiter in langsamen Bewegungen über den Rücken, während er sich zurückhielt, Noel zurück in einen Kuss zu ziehen, weil es sich furchtbar unnatürlich anfühlte, seine Lippen nicht auf seinen zu haben. Aber früh genug schien Noel wieder die Motivation zu packen und Jayden seufzte, als er die Küsse an seinem Hals spürte. Nur auf die Worte war er wirklich nicht vorbereitet gewesen.

      Ihm lief ein Schauer über den Rücken, als Noel aussprach, was er hören hatte wollen, und er war fast drauf und dran, aufzustehen und sich mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen, als Noel weitersprach und er wieder innehielt. Seine Sätze bliesen kurz den Nebel in Jays Kopf davon und ließen ihn klar und ruhig darüber nachdenken, was er sagen wollte. „Okay, ich mag dich auch“, murmelte er nach einer kurzen Pause unter Noels Schulter. „Ich will dich auch kennenlernen. Das war heute eigentlich mein Plan“ Und er war sich nun nicht mehr ganz sicher, was jetzt passieren würde. Wurden sie sich gerade einig, dass sie auf Dates gehen sollten, anstatt nur miteinander zu schlafen? Und was wurde dann aus… jetzt?

      Jay wusste noch nicht genau, wie er sich ausdrücken sollte, ohne wie ein Arsch zu klingen, der seine Instinkte nicht unter Kontrolle hatte.
      „Das eine muss das andere aber nicht ausschließen, oder?“, fragte er leise. Er saß wirklich in einer verdammt unguten Position, in der er keinerlei Kontrolle hatte. Alles, was er tun konnte, war Noel festzuhalten. „Ich will mich nicht selbst einladen, aber wir könnten morgen Früh diesen versprochenen Kaffee trinken, wenn du Zeit hast“ Er schluckte. Das fühlte sich nun endlich nach Date an. Auch wenn sie die Reihenfolge nicht so ganz drauf hatten, aber lieber spät als nie. Trotzdem würde er zumindest gerne Noels Gesicht sehen, um zu wissen, wie sein Vorschlag ankam.
      „Ein, zwei Stunden kann ich aus meinem Arbeitsprozess morgen noch rausschlagen“ Er drehte den Kopf zur Seite und verteilte nun selbst ein paar Küsse auf Noels Hals, und er war völlig eingehüllt in seinen Duft und Dunkelheit. Vielleicht war seine Position auch garnicht so übel. „Und ich muss trotzdem nicht nachhause“, hauchte er. „Ich hab mir die ganze Nacht für dich freigehalten“
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    • „Ich hätte dich gerne über Nacht hier.“ gestand Noel etwas leiser. Er hatte seine Arme noch einwenig enger um Jayden gelegt, als ob er Angst hätte, der Jüngere könnte jeden Moment aufstehen und gehen oder sich in Luft auflösen, obwohl das natürlich völliger Quatsch war. „Und ich würde mich freuen wenn wir morgen Kaffee trinken gehen und…“ er hielt inne, was wollte er gerade eigentlich noch sagen? Das Blut, welches der Meinung gewesen war ein wenig tiefer sinken zu müssen, machte ihm das Denken ein wenig zu schwer und leider musste Noel zugeben, dass diese Position nicht gerade positiv ihren Beitrag dazu beitrug.

      Ihm war schrecklich heiß. Es war eine angenehme Wärme die sich durch seine Blutbahn schlängelte und ihn von innen aufwärmte, ein warmes Gefühl hinterließ und ihn ein wenig süchtig machte.

      Erst Minuten später schien Noel verarbeitet zu haben was Jayden neben den Sätzen, das er ihn mochte und mit ihm ausgehen wollte noch gesagt hatte. ‚Das eine muss das anderen ja nicht ausschließen, oder?‘, das war sein Wortlaut…nein das musste es nicht. Das musste es ganz und gar nicht, aber… „Weißt du…ich will dich kennen lernen ohne das da ständig nur diese sexuelle Spannung zwischen uns liegt. Ich will dich kennen lernen, weil du einfach ein unfassbar interessanter Mensch bist und ich dich mag und weil ich mich wirklich wohl bei dir fühle…aber Gott ich kann gerade echt nicht so ganz klar denken wenn wir weiter in dieser Position verharren.“ lachte er leise, etwas verlegen auf. Trotz dessen machte der Franzose keinerlei Anstalten besagte Position zu ändern. Eigentlich rutschte er sogar noch ein wenig näher an Jayden ran - wenn das überhaupt noch möglich war - was zwangsläufig dazu führte, dass Jagden selbst durch die Lagen an Stoff sehr deutlich spüren konnte, warum Noel Probleme hatte klare Gedanken zu fassen.
    • „Gut, da sind wir einer Meinung“, murmelte er. Die Spannung zwischen ihnen konnte einen wirklich ablenken, wenn man sich bloß normal kennenlernen wollte. Das war wohl das Problem, wenn man schon wusste, wie genial sexuell kompatibel man war. Glücklicherweise schien ihnen das ja beiden zum Verhängnis zu werden, also fühlte Jayden sich weniger assozial, so leicht ablenkbar zu sein.

      Auf der anderen Seite war er gerade ein wenig überwältigt davon, schon wieder so viel Zuspruch von Noel zu bekommen, dass er einen Moment lang fest fror. Er mochte ihn, fand ihn interessant, sympathisch, attraktiv, fühlte sich wohl bei ihm… Jaydens Selbstbewusstsein hatte noch nie ein Bedürfnis nach tonnenweise Komplimenten gehabt, aber sie aus Noels Mund zu hören, war etwas anderes. Es bedeutete irgendwie mehr, nachdem er wusste, welche Ansprüche Noel an Menschen hatte. Es fühlte sich noch ein wenig surreal an, dass genau Jay diese Ansprüche zu erfüllen schien.

      Er brauchte trotzdem keine zweite Einladung, als Noel ihm demonstrierte, wie sehr ihm die Position die Konzentration raubte.
      „Du solltest mich jetzt lieber kurz loslassen“, warnte er den Älteren amüsiert vor, bevor er sich rücklings aufs Sofa fallen ließ und Noel mit sich nahm. Seine Beine endlich aus ihrer selbst gestellten Falle zu entwirren, dem Schneidersitz, fühlte sich unglaublich erleichternd an. Zumal er endlich seine Bewegungsfreiheit zurück erlangt hatte und sich mit ihrer Situation auseinandersetzen konnte. Noel saß auf ihm, das war fast schon zu viel des Guten, zumindest in bekleidetem Zustand. Aber das ließ sich ja ändern. Nachdem er Noel mit sich gezogen hatte, konnte Jay sich wunderbar ein paar Küsse stehlen, während seine Hände sich den Weg zum Verschluss seiner Hose suchten und immer wieder zur Seite und an Noels Hintern wanderten. Es war zu verlockend. Er hielt sich damit zwar selbst ziemlich auf, aber sobald er endlich den Kopf hob und einen Blick nach unten werfen konnte, schaffte er es endlich den Hosenknopf spiegelverkehrt zu öffnen, ohne sich völlig davon abzulenken.

      Währenddessen kamen ihm ein paar flüchtige Gedanken, denen er nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken versuchte. An Halloween war das erste Mal gewesen, dass er Sex mit einem Mann gehabt hatte. Wäre er nicht völlig betrunken gewesen, hätte er an dem Tag vielleicht bereut, sich damit noch nie auseinandergesetzt zu haben. Auch, wenn der Unterschied zu seinen bisherigen Erfahrungen, zumindest in seiner Position, nicht unbedingt groß gewesen war und Noel auf ihn wie eine Art Sensei gewirkt hatte, aber heute bereute er es doch ein kleines bisschen.
      Dank der schieren Menge an Studentenpartys in Kombination mit einer relativ hohen Libido hatte er schnell den Dreh raus, und selten Beschwerden zu hören bekommen. Und der Trick war recht simpel: Nachdem jeder Mensch anders war, konnte man sich nicht auf irgendeine Technik verlassen, oder sowas. Offen zu sein war das wichtige. Und die Devise hatte ihm besonders bei Noel etwas gebracht.
      Zumindest dachte Jay das. Aber man bat nach einem One Night Stand üblicherweise nicht um Feedback, das ihm sonst auch eher um zehn Ecken zu Ohren gekommen war. Aber Noel hätte sich kaum auf irgendetwas mit ihm eingelassen, wenn er ein Problem gehabt hätte, oder? Außer, er war einfach nur ziemlich verzweifelt gewesen und mittlerweile punktete Jay mit seiner Persönlichkeit, weshalb er sich eben irgendwie damit abfand, mit einem Azubi zu schlafen. Die sexuelle Kompatibilität war dann vielleicht auch nur Einbildung seinerseits. Was ein unheimlicher Gedanke war. Aber… auch garnicht so unrealistisch.

      Okay, gut, diese Sorgen ließen sich nicht so leicht abwimmeln, wie gedacht. Bevor Jay also auch nur einen weiteren Schritt tat, fragte er: „Du… sagst mir doch, wenn irgendetwas nicht passt, oder?“ Und er schaffte es nicht ganz, die leichte Besorgnis, die in seiner Stimme mitschwang, zu verstecken. Obwohl eigentlich allem Anschein nach davon auszugehen war, dass Noel kein People Pleaser war und den Mund halten würde. Ganz sicher konnte man sich aber nie sein. Und Jay zweifelte gerade mehr an sich selbst, als er sollte, um das einfach dem Zufall zu überlassen.
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    • „Und was wenn ich dich nicht…“ Noel unterbrach sich selbst mit einem leisen, erschrockenen Geräusch, welches doch sehr stark an einen leisen schon fast unmännlichen Aufschrei erinnerte, als Jayden ihn mit sich nach hinten aufs Sofa zog. Eine der Hände des Franzosen hatte sich an die Schulter des Jüngeren gekrallt, der Griff lockerte sich jedoch augenblicklich wieder. „Du bist doch verrückt.“ lachte Noel mit einem kurzen verdrehen seiner Augen. Er ließ sich nur zu gerne von Jay in den ein oder anderen Kuss navigieren. Er konnte wirklich wahnsinnig gut küssen, das war eine Sache die sich seit der verhängnisvollen Halloweennacht nicht geändert hatte und Noel war irgendwie wirklich froh, dass er sich damals diese Tatsache nicht einfach nur schön getrunken hatte.

      Er ließ sich schon fast in den Kuss fallen. Vergaß alles um sich herum und ließ sich einfach von dem Gefühl treiben. Die Hände die sich unter sein Pullover schoben, machte es ihm nicht gerade leichter im hier uns jetzt zu bleiben. Sie hinterließen ein warmes und angenehmes Gefühl auf seiner kühlen Haut. Der Franzose hatte schon immer ein kleines Problem mit kalten Fingern gehabt, nur das in solchen Fällen nicht nur seine Finger kalt waren sondern meistens auch der Rest seines Körpers. Ein Grund warum er eigentlich nicht der Fan von zu kaltem Wetter war.

      Zu sagen, er hatte es schon immer genossen angefasst zu werden, wäre wohl die Lüge des Jahrtausends gewesen, aber Noel genoss es sichtlich wie Jaydens Hände über seinen Körper fuhren. Das Gefühl von nackter Haut aufeinander und dann der brutale Wechsel als sich wieder Stoff unter Jays Finger schob.

      Noel hatte angefangen Küsse auf der Halsseite des Jüngeren zu verteilen, als sich dieser an die hochkomplexe Aufgabe gesetzt hatte, seinen Hosenknopf zu öffnen. Währenddessen fuhren Noels Finger immer wieder in die kurzen, braunen Strähnen. Vergruben sich in diesen nur um wenige Sekunden später wieder raus zu gleiten, über die Haut zu streicheln und sich dann unter den Pulloverkragen zu schummeln. Anscheinend hatte Noel eine seltsam faszinierende Anziehung zu Jaydens Schulterblätter entwickelt, anders konnte man es sich wohl kaum, erklären, warum er sonst immer wieder mit den Händen über die harten Knochen fuhr. Noel hatte aber anscheinend allgemein ein Ding für Knochen - was bei seiner Liebe für makaberes und Horror wohl kein Wunder war.

      Die Worte die schon fast vor Besorgnis trieften ließen des Franzosen kurz inne halten. Man hätte vielleicht erwartet, dass Noel einem bei so einer Frage komisch musterte, gar verwirrt war. Fragte was das denn nur bitte für eine dumme Frage sei und danach schon fast etwas genervt die Augen verdrehte. Jedenfalls hätte das wohl die meisten Leute die ihn recht oberflächlich kannten von ihm erwartet, immerhin würde das zu der Persönlichkeit passen die er den meisten Leuten preis gab. Mit dem warmen Lächeln hätten wohl nur die wenigsten gerechnet. Vor allem mit dieser Art von ‚warmen Lächeln‘. Es wirkte fast so als würde die kühle Schneelandschaft in dem eisigen Blau seiner Augen auftauen. Als würde sich die warme Sonne in dem kalten weiß des Schnees spiegeln und diesen zum glitzern bringen.

      „Selbstverständlich.“ hauchte er Jayden sanft gegen die Lippen. „Mach dir nicht so viele Gedanken.“ eine seiner Hände fuhr ihm sanft über die Wange, streichelte liebevoll über die Haut bevor er den Abstand zwischen ihnen wieder verringerte und Jayden einen Kuss gab der wohl jedem den Boden unter den Füßen weggerissen hätte.
    • Ah, verdammt. Wieso gab Noel ihm ständig das Gefühl, dass sie die einzigen beiden Menschen auf der Erde waren? Jay vergaß schon wieder, was er eben mit seinen Händen gemacht hatte, als Noel ihn küsste. Sein Gehirn schaltete völlig ab. Sich keine Sorgen machen? Die Mission war damit abgeschlossen. Und wenn er ihm schon sagte, dass er sich keine Gedanken machen sollte, würde er das auch nicht. So ersparte man sich verdammt viel Stress im Leben.

      Jay wusste zwar irgendwo im Hinterkopf, dass er nach drei Treffen nicht ständig Herzrasen bekommen sollte, wenn Noel auch nur etwas mäßig sensibles sagte, und dass es wirklich etwas zu schnell ging, ein Kribbeln im ganzen Körper zu spüren, als hätte er gerade im Lotto gewonnen, denn er wollte nicht heiraten, sondern sich ein erstes Date klären, aber es war gerade auch einfach völlig egal. Ausnahmsweise wollte er wiedermal glücklich sein, ohne es sich selbst mit seinen Gedanken zu ruinieren. Wen interessierte das alles schon, wenn er sich selbst gerade zu den glücklichsten Menschen überhaupt zählen konnte?

      Ihm war auf einmal unglaublich heiß. Von der eisigen Kälte vor der Tür war überhaupt nichts mehr zu spüren. Sein Pullover hatte nichts mehr an Jays Körper zu suchen — außerdem steckten Noels kühle Hände sowieso die ganze Zeit schon unter dem Stoff — und er ließ sich von einem kleinen Motivationsschub hinreißen, Noel auf dem Schlafsofa von sich runter zu rollen, sodass er selbst über ihm lag. So konnte er sich endlich aufsetzen und von den Lagen Stoff befreien, die sie voneinander trennten, und wohl nur den Vorteil gehabt hatten, Noels Hände aufzuwärmen. Den Job würde Jay aber selbst zuende bringen.

      Er ließ keine Zeit verstreichen und half Noel, seine Hose loszuwerden, bevor er sich wieder über ihn lehnte, ihn küsste und eine Hand an seine Mitte legte. Irgendwie hatten die paar Tage, die sie auseinander waren, wohl bei ihnen beiden bewirkt, dass das bisschen Rumknutschen sich schon wie der halbe Akt angefühlt hatte, aber das bestätigte Jay nur darin, sich keine weiteren Sorgen zu machen. Trotzdem fühlte sich das hier gerade deutlich aufregender an, als beim ersten Mal, obwohl er garnicht völlig nüchtern war. Er bräuchte definitiv noch mindestens zwei oder drei Tassen von dem Tee, damit ihm wieder alles egal war, aber so war es eigentlich besser. Es war ihm überhaupt nicht egal, das machte es irgendwie so spannend.
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    • Noel hätte wohl eigentlich damit rechnen sollen, dass sie in den nächsten Minuten die Position wieder wechselten und trotzdem überraschte ihn die schnelle Drehung ein wenig. Er würde sich jedoch definitiv nicht beklagen, vor allem da er nun Jayden dabei zusehen konnte wie er sich endlich den Pullover auszog. Als ob seine Hände magisch von der nun freigelegten Haut angezogen wurden, fuhr der Franzose sanft über die Taille des Jüngeren. Hoch zu dessen Rippen, zu Jaydens Brust nur um dann den selben Weg wieder runter zu wandern und sich nun ebenfalls an Jays Hose zu schaffen zu machen.

      Noel hatte gerade geschafft den Hosenknopf zu öffnen da war er selbst schon seine eigene los und hatte dank der fremden Hand die nun in seinem Schoß lag hatte er nun auch - fürs erste - keine Devise mehr um weiter zu machen. Stattdessen fanden sich seine Finger in den brauenden Strähnen wieder, streichelten von dort aus Jays Nacken, über seinen Rücken, wieder ein wenig tiefer zu dem Bund seiner Hose.

      „Lass uns doch das Zimmer wechseln.“ schlug er leise hauchen gegen Jaydens Lippen vor nur um ihn danach sofort wieder in einen leidenschaftlichen Kuss zu ziehen. Seine Stimme zitterte minimal, nicht weil ihm kalt war oder weil er - ausnahmsweise mal - nervös war, sondern von der Erregung die sich langsam aber sicher in seinem Körper ausbreitet. Seinen Körper infiltrierte und ihm das Denken schwer machte. Das schien alles viel zu viel auf einmal zu sein, viel zu viele Eindrücke die gleichzeitig auf ihn einbrächten und gleichzeitig war das hier viel zu wenig. Viel zu wenig von allem.

      Jaydens Hand entlockte ihm immer wieder leise Geräusche, abgedämpfte durch die Küsse die er immer wieder einleitete - um besagte Geräusche ein wenig verschleiern zu können. Im Gegensatz zu Mona war Noel wohl nie eine sonderlich laut Person gewesen, selbst wenn man sich seine allgemeine Persönlichkeit anschaute, er gehörte einfach nicht zu den Personen die sich sonderlich auffällig gaben, aber Jayden - das hatte er schon an der Halloweennacht unter beweist gestellt - entlockte dem Künstler ganz neue Persönlichkeitsmerkmale.

      Von neuer, aufkeimenden Motivation gepackt fing Noel nun auch wieder an, sich an der Hose des Jüngeren zu schaffen zu machen, immerhin wollten sie nicht ewig halb angezogen auf dem Sofa rummachen, das sah jedenfalls Noel so. Seine Finger schoben sich unter den Hosenbund der Jeans, zogen ihn ein wenig runter so dass dieser nun recht tief auf Hayden Hüfte saß, jedenfalls so weit wie es in ihrer momentanen Position möglich war, und würde Jaydens Hand ihn nicht die ganze Zeit ablenken würden seine eigenen wohl definitiv mehr arbeiten.
      Obwohl Noel sich eigentlich als sehr Multitasking fähig betiteln würde, war es gerade schon fast erschreckend wie wenig er hinbekam wenn Jayden ihn küsste.
    • Die warmen Hände auf seinen Oberkörper ließen Jay fast schon übereifrig werden und seine Küsse wurden etwas unkontrollierter und inniger. Seine Hand schob sich, angespornt von den Lauten die aus Noels Mund kamen, endlich in dessen Boxershorts hinein, als Noel einen Vorschlag machte, den Jay garnicht im Kopf gehabt hatte. Sofas, speziell das hier, waren noch unter den komfortableren Orten, an denen er es getan hatte, aber ein Zimmerwechsel hatte den Vorteil, dass er endlich die lästige Jeans loswerden konnte, die ihn in der jetzigen Position schon fast einschnürte.

      So ungern er sich gerade auch von Noel lösen wollte, er nutzte die nächste Gelegenheit, in der sie beide zu Luft kommen mussten, um zu antworten. „Guter Plan“, sagte er kurz angebunden, mehr hatte er gerade nicht in sich. Er wollte nur schnell in Noels Bett, das er als verdammt gemütlich in Erinnerung hatte. Irgendwie freute er sich viel zu sehr darauf, hier zu schlafen. An seinem Zimmer zuhause war natürlich nichts auszusetzen, aber er wollte gerade weitestmöglich von seinem Mitbewohner und dem Rest seines alltäglichen Lebens entfernt sein, um mal kurz abschalten zu können. Vielleicht konnte er ja heute wieder schlafen, ohne die verrücktesten Träume zu haben und Nachts fünf Mal aufzuwachen. Hier fühlte er sich wohl. Was vielleicht ein bisschen seltsam war, weil er Noel kaum kannte und zum zweiten Mal in seiner Wohnung war, aber er hatte hier tatsächlich das Gefühl, durchatmen zu können.

      Nur in der Sekunde nicht. Ihm blieb ein wenig die Luft weg. Also rutschte er von Noel weg und wand sich vom Sofa, um aufzustehen und endlich seine Jeans loszuwerden. Er war so hektisch, dass er fast umfiel, als er auf einem Bein stand, aber wenn er ein paar Sekunden einsparen konnte, war es das wert. Er griff nach Noels Hand und zog ihn zu sich hoch, nur um ihn mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen wieder zu küssen und sanft rückwärts aus dem Wohnzimmer zu drängen, in der Hoffnung nirgendwo dagegen zu laufen.
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    • Noel lachte leise auf, als Jayden, übereifrig wie er war, schon fast vom Sofa sprang und bei dem Versuch seine Hose so schnell und zweckmäßig wie möglich auszuziehen fast umfiel. Den kurzen freien Moment nutze der Franzose jedoch ebenfalls um sich selbst wenigsten schon mal den lästigen Pullover über den Kopf zu ziehen, den würde er in den nächsten Minuten erstmal nicht mehr brauchen.

      Bei dem kleinen Lächeln, musste Noel direkt mit Lächeln. Er wusste noch nicht so ganz was Jayden genau an sich hatte, dass dessen Lächeln so ansteckend war, aber irgendwas musste da sein und dieses etwas würde er hoffentlich noch rausfindenden, wenn die Zeit das zulassen würde.

      Der Weg zu seinem Schlafzimmer ereignete sich schwieriger als gedacht, obwohl zwischen den beiden Räumen nicht viele Meter lagen, dafür jedoch die ein oder andere Wand vor vor allem zwei Türen, bei denen sie beide unweigerlich eine kurze Pause machen mussten um die Küssen - die sich über den Weg austauschten - noch zu intensivieren. Irgendwann schien es Noel dann doch nicht schnell genug zu gehen. Von außen öffnete der seine Schlafzimmertür, nach dem sie beide sicher wieder einige Momente an dieser gelehnt hatten, zog Jayden in den Raum direkt zu seinem Bett. Ohne Rücksicht auf Verluste, ließ er sich auf die Matratze fallen und zog den Studenten über sich.

      Er machte sich keine Gedanken darüber, ob das hier vielleicht ein wenig zu schnell ging, im Grunde ging das alles im Moment gar nicht schnell genug. Er wusste nicht wo dieses plötzliche Verlangen her kam, aber Noel hinterfragte es auch nicht. Mit einer Hand in Jays Nacken zog er ihn in den nächsten Kuss und somit noch ein wenig mehr auf sich.

      Durch einen kleinen Spalt, der die schwereren Vorhänge von einander trennte fiel ein breiter Streifen weißliches Mondlicht in das Zimmer. Er war nicht hell genug um den ganzen Raum zu erleuchten, tauchte gerade so das Bett in einen schon fast gespenstischen Schleier und ließ Noels Augen schon fast noch mehr leuchten als es das Blau eh schon tat.

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    • Jayden stützte sich links und rechts von Noel ab, als er aufs Bett gezogen wurde. Das Manöver schien ihm zu gefallen, aber irgendwann würde Jay sich noch zu spät abfangen und direkt auf ihn drauf knallen. Er streckte den Arm aus und knipste eine Lampe an, um nicht wortwörtlich im Dunkeln zu tappen, und küsste Noel erneut, bevor er nachgab und akzeptierte, dass sie beide zur Sache kommen wollten, auch wenn Jayden immer mehr das Gefühl hatte, dieses unausgesprochene 'Date' auf ganzer Linie scheitern gelassen zu haben.

      Er löste sich und stand auf, um erst seine eigene, dann Noels Boxershorts loszuwerden und sich einen Platz zwischen dessen Beinen einzuräumen. Das hier war immernoch eine ungewohnte Situation, die seinen Kopf ein bisschen rauchen ließ, aber er hatte die letzten zwei Wochen mit seiner Identitätskrise verbracht und wollte gerade wirklich eine Pause davon haben. Dennoch merkte er genau jetzt, dass er Redebedarf hatte. Vielleicht… nicht unbedingt in dieser Situation oder heute noch oder überhaupt mit Noel. Aber er musste alles herunterschlucken, das sich den Weg von seinem Gehirn zu seiner Zunge bahnte, und seine heimtückischen Gedanken irgendwie brutal zum stoppen bringen, bevor das hier etwas anderes wurde, als die komfortablen Pause die er sich gewünscht hatte.

      Zum Glück funktionierte das ziemlich gut, wenn er Noel einfach nur ansah. Der Blick hatte seinem Gehirn seit ihrem ersten Treffen einen Kurzschluss verpasst. Dafür war gerade unheimlich dankbar. Jay scannte Noels Körper einen Augenblick ab, wie er unter ihm lag und das Licht seinen eigenen Schatten auf ihm abzeichnete, und er schluckte aus einem anderen Grund. Es konnte nicht legal sein, so heiß zu sein. Kein Wunder, dass er irgendetwas in Jay geweckt hatte.
      Jay beugte sich über Noel und küsste ihn, während wieder etwas Entspannung in ihn einkehrte und er erinnerte sich an seinen Job. Also setzte er sich auf, legte seine Hand um Noels Erektion und ließ die andere über seinen Körper streichen. Er versuchte sich bei dem Anblick nicht zu verlieben und fragte irgendwann: "Kondom?" Das Wort für Gleitgel war ihm entfallen aber er war schon auf den minimalen verbleibenden Wortschatz recht stolz.
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    • Das Licht der Nachttischlampe füllte den Raum zwar nicht komplett aus, beleuchtete jedoch das Bett gerade so in einem angenehmen warmen Ton und glich so ein wenig den kühlen Blauschimmer des Mondes wieder aus.

      Noel beobachtete wie Jayden nach dem Kuss wieder aufstand um sich nun - endlich - von dem letzten Kleidungsstück was sie noch trug zu verabschieden. Trotz des kühlen Blaus schienen seine Augen noch mehr Wärme auszustrahlen, als sie es sonst schon taten wenn er Jayden anschaute. Da lag etwas in seinem Blick, was Noel wahrscheinlich selbst nicht so ganz beschreiben könnte. Zuneigung wäre wohl das erste Wort, welches einem einfallen würde wenn man nach Worten suchen würde. Diese Wort beschrieb jedoch nicht mal im Ansatz die Emotionen die gerade in dem Blick des Franzosen lag. Da war viel mehr als einfache Zuneigung oder Attraktivität. Da war viel mehr eine Verbindung die sie seit dieser verhängnisvollen Halloweennacht teilten und niemand je angesprochen hatte.

      Als Jayden nun wieder zwischen seinen Beinen saß, fuhr Noels Hand direkt über Jays Oberschenkel. Die leicht angespannte Haltung hatte er direkt gemerkt. Es war nicht diese Art von angespannte Haltung die ein Mensch hatte, der sich unsicher über die Momentane Situation war. Der sich fragte ob das hier alles so richtig war und überlegte doch einen Rückzieher zu machen. Es war eher die Art von Haltung, die aussagte, dass man über etwas reden wollte, man sich jedoch schwer tat die richtigen Worte zu finden. Man hatte Probleme das Thema richtig aufzuziehen, damit es der Gegenüber verstand.

      Noel streichelte ihm sanft über die Haut, bis Jayden sich wieder über ihn beugte und in den nächsten Kuss zog. Die Hand die eben noch auf Jays Bein lag, hatte sich wie von alleine in dessen Nacken gelegt und fuhr dort sanft durch die dunklen Strähnen.

      Der Kuss brachte Noels Finger zum zittern. Nicht unbedingt auf einer sexuellen Art und Weise, viel mehr auf einer tiefen emotionalen Ebene. Er ging viel tiefer als einfache sexuelle Attraktivität. Das hier war nicht einfach nur das Produkt zweier Menschen die sich objektiv attraktiv fanden.

      Der Kuss schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben, jedenfalls wirkte Jayden augenscheinlich wieder ein wenig entspannter. Noels Hand wanderte von dem Nacken des Jüngeren über dessen Schulter, bevor Noel ihm die Hand auf die Wange legte und sanft mit dem Daumen über die Haut streichelte. Sein Blick lagen dabei die ganze Zeit auf dem Gesicht des Studenten. Selbst als Jaydens Hand sich an die Mitte des Franzosen legte und dieser leise aufkeuchte, nahm Noel nicht den Blick von seinem Gegenüber.

      Abermals fiel Noel auf wie sehr ihm die Augen des Jüngeren in den Bann zogen. Er hatte schon immer ein Ding für außergewöhnliche Augen übrig, im allgemein faszinierten ihn Augen an sich schon immer. Doch Jaydens Augen hatten nochmal was ganz besonderes an sich. Eine ganz besondere Anziehung die Noel nicht erklären konnte, aber irgendwie auch nicht erklären wollte. Wenn man es wollte, konnte man so viel in ihnen lesen, das einem schon fast schwindelig dabei wurde und man Mühe hatte sich nicht in dem Bernstein zu verlieren.

      Jays Stimme zog ihn ein wenig abrupt aus den Facetten aus Braun und Gold und brachte ihn wieder zurück ins hier und jetzt. Obwohl so weit weg war er gar nicht mit seinen Gedanken gewesen.

      „Nachttischschublade.“ Meinte er mit einem warmen Lächeln, ehe er sich zu besagter Schublade streckte, ohne sich auch nur ansatzweise von Jay weg zu bewegen. Die kleine, eingeschweißte Folie ließ auf die Matratze fallen, bevor er Jayden seine Hand wieder in den Nacken legte und den jungen Stundeten sanft zu sich runter zog.

      „Denk nicht so viel nach.“ hauchte Noel ihm sanft gegen die Lippen, strich ihm eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht und küsste ihn. „Ich genieße deine Anwesenheit sehr, weißt du das?“ murmelte er ihm leise zwischen zwei Küssen. Die Worte schienen augenscheinlich nicht viel zu bedeuten. Viele Menschen genossen die Anwesenheit ihrer Mitmenschen, bei Noel schien das gesagte jedoch eine ganz andere Tiefe zu haben. Er war im allgemeinen lieber für sich alleine und wenn ließ er nur extrem wenige Menschen so nah an sich ran. Im Grunde kannten die beiden sich ja auch noch nicht wirklich lange und wenn Noel ehrlich zu sich selbst war, war Jayden wohl die erste Person die er nach so kurzer Zeit so nah an sich ran ließ.
    • Auch wenn Noel nicht den ersten Eindruck gemacht hatte, sonderlich einfühlsam oder schlichtweg auch nur halbwegs nett zu sein, und Jay sich ihm eigentlich bloß aus oberflächlichen Gründen angenähert hatte, war er von Sekunde zu Sekunde dankbarer, dass er nicht an irgendeinen anderen Kerl geraten war. Gut, dass hier war eine kleine emotionale Zwickmühle für ihn, weil er sich nicht sicher war, ob er dankbar dafür sein sollte, sich seiner Sexualität so bewusst geworden zu sein, aber er war trotzdem froh, dass sich ihre Wege gekreuzt hatten und Jayden hätte wohl weitaus mehr Probleme mit sich selbst, wenn Noel nicht so unerwartet geduldig mit ihm wäre. Obwohl… konnte man wirklich von Geduld sprechen, wenn sie bei drei von drei Treffen im selben Bett gelandet waren?

      Es war eben irgendetwas anderes, das Jay dieses Gefühl gab. Vielleicht war es der unbeschreibliche Blick in seinen Augen oder seine Stimme, die ihn ein wenig schmelzen ließ. Irgendetwas gab ihm zumindest die Sicherheit, das hier zuzulassen. Bei jedem anderen wäre Jay vermutlich schreiend weggerannt, wenn er auch nur Andeutungen machte, intim zu werden. Es war nunmal eine recht überfordernde Gesamtsituation, der Noel ein bisschen die Härte nahm.

      Jayden zögerte nicht, sich das Kondom schon vorzeitig überzuziehen, bevor er seine ganze Aufmerksamkeit noch einmal Noels Körper schenkte. In dem Moment hinterfragte er nicht mehr, wie es sein konnte, dass er ihn attraktiv fand. Es kam ihm total selbstverständlich vor. Noel mit Küssen einzudecken war eine Freude für Jay selbst.
      Es blieb nicht dabei, Jay hatte schon auf dem Sofa gemerkt, dass Noel ihn wirklich wollte, und der Ego Push beschleunigte alles natürlich auch ein wenig. Doch heute war es irgendwie anders, als beim letzten Mal. Klar, sie waren beide einigermaßen nüchtern, sie kannten sich, es war nicht mehr das erste Mal. Aber es war auch für ein zweites Mal deutlich intensiver, als Jay ihnen zugetraut hätte. Noel zog ihn an, stärker als die Schwerkraft. Er hatte nicht das Gefühl, auf irgendetwas hinzuarbeiten; am liebsten würde er einfach für immer mit dem Künstler verschmolzen bleiben. Was… alleine aufgrund dieses herausragenden Gefühls schon einfach absolut unmöglich war. Aber man konnte es ja versuchen, hm? An Ausdauer mangelte es ihm jedenfalls nicht. Nicht, wenn er andauernd von Noels Stimme verzaubert wurde und seine Finger überall auf seiner Haut spürte. Das einzige Ziel, das er gerade hatte, war, Noel diesen Abend für immer in die Erinnerungen zu brennen und dafür lohnte es sich doch wirklich, alles zu geben.

      Wieviel er gegeben hatte, merkte er auch erst, als es vorbei war, und er so wenig Energie im Körper übrig hatte, dass er sich kaum vom Fleck bewegen konnte. Seine Atmung ging schwer und alles was er wollte, war weiterhin und am besten für immer an Noel zu kleben, also tat er das auch. Währenddessen spielten sich in seinem Kopf ein paar der gerade erlebten Bilder ab, die er in sein Langzeitgedächtnis zu verschieben versuchte, obwohl er vor kaum anderthalb Wochen noch alles verdrängen und vergessen wollte.
      Was ihm nun jedenfalls bewusst war, wenn auch noch nicht völlig greifbar, war, dass er Noel nicht mehr gehen lassen konnten. So kompliziert das auch werden mochte.
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    • Noels Augen schienen eine ganz einigende Sprache zu sprechen. Eine Sprache die wohl nur die wenigsten Menschen verstehen konnte, geschweige denn selbst sprachen. Eine Sprache die auf den ersten Blick so hoch kompliziert wirkte, dass sich die meisten gar nicht erst an sie ran trauten. Doch wenn man sich mit ihr beschäftigen würde - wirklich ernsthaft beschäftigen würde - würde man feststellen, dass diese Sprache gar nicht so komplex ist wie sie auf den ersten Blick erscheint. Und plötzlich lagen dort alle Gefühle, Gedanken und Empfindungen wie auf dem Silbertablett serviert vor einem. Plötzlich sah man das Leben in der kalten Eislandschaft, spürte den eisigen Wind wie er einem durch die Haare wehte, fühlte die kleinen Eiskristalle die langsam vom Himmel tanzten und sich auf den eignen Klamotten ablegte, verlor sich in dem glitzern des Schnees…

      Noel schaute Jayden die ganze Zeit in die Augen. Es war kein undurchdringliches Starren, kein Blick unter dem man die ganze Zeit das Gefühl hatte etwas falsch zu machen. Es lag so viel Zuneigung in seinem Blick, dass wohl selbst Shakespeare Probleme hätte diese Gefühle in Worte zu fassen.

      Ihre Körper spielten eine Melodie die nur sie beide kannten, nur sie beide hören konnte, nur sie beide fühlen konnten. Eine Melodie die einem Gedicht gleich, neben der die Sonnet 18 wie ein lächerliches Kinderbuch wirkte.


      Noel schloss erst seine Augen als er das Gewicht des Jüngeren auf sich spürte. Er wusste nicht wann er das letzte mal so eine Intensität von Gefühlen wahrgenommen hatte, er wusste nicht wann er Gefühle generell schon mal so intensiv wahrgenommen hatte. Er hatte das Gefühl durch den Blickkontakt direkt in Jaydens Seele geklettert zu sein. Er hatte nicht nur in den Abgrund des menschlichen Selbst gesehen, er hatte jede Faser dieser Seele gespürt, in sich aufgenommen und fühlen können.

      Er genoss das Gewicht des Studenten auf sich, genoss das Gefühl der braunen Strähnen wie sie ihn an der Schulter kitzelten, genoss wie sich der warme Atem an seinem Hals anfühlte, genoss wie sich die Haut unter seiner Hand ihr sanft entgegen schmiegte. Noel legte wie selbstverständlich seine Arme um den Jüngeren, fuhr ihm sanft über den Rücken, spürte die feinen Erhebungen die er auf dem Rücken hinterlassen hatte. Spürte die Überbleibsel der letzten Minuten auf der Haut des anderen.
      Er spürte wie sein Herz gegen seine Rippen schlug und noch deutlicher spürte er wie Jaydens Herz gegen seinen eigen Brustkorb schlug, es fühlte sich seltsam an, als ob er zwei Herzschläge besitzen würde, die doch irgendwie eins waren. Sie spielten eine ganz eigene Melodie, fernab der sanften Klänge ihrer Körper. Sie glichen eher einem Presto, schnelle Töne in einem schnellen Rhythmus und trotzdem passte alles irgendwie zusammen. Trotzdem fühlte sich alles so seltsam natürlich an.
    • Wie lange man sich wohl in dem angenehmen Schleier der Verliebtheit aufhalten konnte, bis die Realität wohl oder übel auf einen einprasselte? Jay wollte es herausfinden. Er drückte jeden noch so kleinen Gedanken metaphorisch in die hinterste Ecke seines Gehirns, solange er nichts damit zu tun hatte, wie unglaublich gemütlich es war, hier mit Noel im Bett zu liegen, und dass er am liebsten nie wieder aufstand. Irgendwann bekam er zwar ein schlechtes Gewissen, und rollte sich zumindest von dem Künstler herunter, um ihn nicht zu erdrücken, schlang aber weiterhin einen Arm um ihn und ließ sein Gesicht knapp an Noels Wange ruhen. Es war still. Er hatte auch nicht das Bedürfnis, irgendetwas zu sagen. Für einen Moment wollte er noch so tun, als ließe sich die Zeit anhalten. Er hatte ein wenig das Gefühl, jetzt aufzustehen, um etwa zu duschen, war ein zu großes Risiko, dass alles plötzlich den Bach runterging und er nie wieder zurück zu diesem Zeitpunkt kommen konnte. Musste man wirklich weiterleben und die Zeit verstreichen lassen? Bis gerade eben war ihm noch nie aufgefallen, wie hinterhältig das Konzept Zeit eigentlich war.

      Jay traute sich kaum den Mund zu öffnen und etwas zu sagen, aus Angst mit seinen Worten diesen zerbrechlichen Moment ins Negative beeinflussen zu können. Aber… früher oder später musste er wohl akzeptieren, dass sich nichts einfrieren ließ. Irgendwann musste er mit allem, das diesen Augenblick umgab, auch zurechtkommen. Wenn er gerade auch wirklich noch nicht darüber nachdenken wollte.

      "Wenn ich aufstehe, duschen gehe und zurück komme, versprich mir, dass du dich nicht in Luft aufgelöst hast", murmelte er also. So etwas kitschiges hatte noch nie seinen Mund verlassen, geschweige denn hatte er solche Worte jemals gedacht. Irgendwie machte diese Verletzlichkeit ihn ungewollt romantischer als er wirklich war, nur weil er seine Angst laut aussprach. Aber es war schon in Ordnung, wenn Noel dachte, dass er ihm einfach nur schmeicheln wollte. Besser, als zu durchschauen, dass Jay sich wirklich Sorgen machte, gerade den Höhepunkt seines Lebens erreicht zu haben, ab dem es nur noch abwärts ging. Dass Noel sich auf die eine oder andere Art ja wirklich in Luft auflösen konnte und Jay völlig alleine in diesem Zustand zurückließ.

      Er setzte sich langsam auf, sammelte alles auf der Matratze ein, das da nicht hingehörte, und warf Noel nochmal einen Blick zu. War das hier wirklich erst ihr drittes Treffen? Das kam Jay surreal vor. Eigentlich hatte er sich nie für den Typ gehalten, der sich emotional sehr von Sex beeinflussen ließ, aber vielleicht war er deutlich schwächer, als er dachte. Irgendwie wollte er Noel direkt ins Gesicht schreien, dass er ihn nicht mehr loswurde, aber ein kleines bisschen Selbstkontrolle hatte er noch übrig. Außerdem musste er langsam wirklich überdenken, was so eine Deklaration für sein eigenes Leben bedeuten würde. Urgh, da war er wieder, der Beweis, dass schöne, friedvolle Momente nicht einzufrieren waren.

      "Ich meins ernst", wiederholte er. Wenn er zurück kam, musste alles so sein wie es gerade noch war.
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    • Als Jayden sich von Noel runterrollte, drehte sich der Franzose fast zeitgleich auf die Seite um den Jüngeren weiterhin - mit einem sanften Lächeln auf den Lippen - beobachten zu können. Das schwache Licht der Nachttischlampe warf ihre beiden Schatten an die Wand und als ob Noel es schon tausende male davor gemacht hatte, strich er seinem Gegenüber eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn.

      Er genoss die Atmosphäre die sie umgab. Die Dunkelheit von draußen die durch das warme Licht verdrängt wurde, der Geruch nach Liebe und Zweisamkeit der sich in dem Zimmer ausgebreitet hatte. Noels Finger fuhren von Jaydens Stirn über dessen Hals zu seiner Schulter, streichelten dort über die Haut.

      Die Unsicherheit in Jaydens Stimme tat Noel seltsam weh in der Brust. „Ich könnte auch einfach mit duschen kommen, dann kannst du sicherstellen, dass ich mich nicht in Luft auflöse.“ lächelte er ihm sanft entgegen. Beim Sprechen hatte Noel den Abstand zwischen ihnen ein wenig verringert und hauchte ihm einen federleichten Kuss auf die Lippen. „Klingt das nach einem Deal?“

      In Noels Stimme lag kein Spott. Irgendwie konnte er Jays Angst sogar nachvollziehen. Was würde passieren wenn sie morgen aufstehen würden? Irgendwann mussten sie sich schließlich wieder der ‚echten Welt‘ stellten. Sie konnten nicht ewig in ihrer kleinen Traumwelt verbringen in der Jayden mit dem Faktum das Noel ein Kerl war zurecht kam. Und selbst wenn Jayden damit zurecht kam - was anscheind so langsam der fall war - , würde es schwierig werden.
      Dass das zwischen ihnen nicht bloß auf körperlicher Anziehung beruhte, war ihnen beiden wohl klar, aber wäre das zwischen ihnen überhaupt machbar? Hinter geschlossenen Türen sicherlich. Noel ging mit seiner Homosexualität nicht sonderlich offen um, er versteckte sie aber auch nicht, wenn man ihn fragte antwortet er ehrlich.

      Bevor Noel sich selbst in seinen Gedankenkarussel verlor und sich mit der Frage verrückt machte wie eine mögliche Beziehung mit Jayden ansehen würde, setzte er sich ebenfalls auf und schwang seine Beine aus dem Bett. Sein Körper schien noch ein wenig in der vergangen Ekstase zu stecken und war anscheinend von der Idee jetzt aufzustehen nicht ganz so angetan, damit musste er aber nun zurecht kommen. Nachdem sich Noel zwei frische Boxershots aus einer Schubladen genommen hatte blieb er in der Schlafzimmertür stehen und warf Jayden ein warmes Lächeln zu, unter dem wahrscheinlich jeder geschmolzen wäre.
    • "Oh, das klingt nach einer Lösung", murmelte Jay und konnte sich nicht verkneifen, leicht zu grinsen, bevor er aufstand. Das löste zwar keines der Probleme, die ihm langsam aber sicher wieder in den Sinn kamen, aber vielleicht würde es Jay wirklich etwas beruhigen, einfach so lange wie möglich mit Noel auf engstem Raum zu sein und damit etwas länger zu verdrängen, oder vergessen, was spätestens morgen früh auf ihn wartete. Aber an seine Kurse wollte er gerade am allerwenigsten denken.

      Glücklicherweise konnte das kleine Lächeln, das Noel ihm immer wieder zuwarf, alles Negative in seiner Welt übermannen. Die Dusche war notwendig gewesen, auch wenn alles fünf Mal so lange dauerte, wie wenn er alleine gegangen wäre, aber er konnte sich nicht beschweren. Das warme Wasser und die flüchtigen Küsse machten ihn so müde, dass er sich anschließend garnicht mehr vorstellen konnte, nicht hier zu bleiben. So selbstverständlich ihm das jetzt auch vorkam, es war fast eine Schande, dass er sich nicht aktiver darüber freuen konnte, schon wieder mit Noel an seiner Seite einzuschlafen. Er hätte wohl nie damit gerechnet, dass Noel selbst so kuschlig war – oder zumindest ließ er es das letzte Mal aufstandslos über sich ergehen – aber Jay konnte seine Hände sowieso nicht von dem Franzosen lassen. In der Sekunde, in der er bekleidet wieder in seinem Bett gelandet war, schlang er die Arme bereits um ihn. Entgegen seiner irrationaler Sorge, etwas könnte sich innerhalb der matten halben Stunde geändert haben, war er noch genauso seelenruhig wie vorher und genoss es einfach, hier zusammen zu liegen. Morgen konnte er sich ja um den Rest Gedanken machen. Gerade… wollte sein Speicher an Glückshormonen unbedingt aufgeladen werden.

      "Mein Wecker läutet morgen Früh um 7, ich hoffe das stört dich nicht. Ich muss dann relativ schnell nachhause", flüsterte er noch, bevor er wegnicken konnte, weil das vielleicht garkeine so unnötige Information war. Es war wirklich unpraktisch, dass er morgen erstmal in seine Wohnung musste, um sich umzuziehen und seinen Laptop zu holen, bevor er zur Uni konnte. Wenn er damit gerechnet hätte… Zumindest seinen Laptop hätte er mitnehmen können. Aber das war auch irgendwie seltsam. Wenn er dann noch extra Kleidung mitbrachte konnte er auch gleich hier einziehen.
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    • Noel genoss die Zeit die sich zusammen im Badezimmer verbrachten. Er genoss das warmes Wasser von was oben auf ihre beide Körper runter rieselte, er genoss die Wärme die sie umgab, er genoss das vertraute Gefühl von Jaydens Händen auf seinem Körper. All das fühlte sich seltsam heimisch an.

      Als sie wieder zusammen im Bett lagen, ließ sich der Franzose widerstandslos in die Arme des Jüngeren ziehen. Wie schon beim letzten mal schmiegte er sich sanft gegen Jays Brust und schloss seine Augen. „Damit werde ich wohl noch zurecht kommen.“ murmelte er leise. „Ich fahr dich.“ hing er noch hinter her und vielleicht waren diese drei kleinen Worte kein verstecktes ‚ich mag dich‘, aber sie sagten trotzdem genug aus.

      Noel konnte sich nicht dran erinnern wann er das letzte mal so gut geschlafen hatte, das musste auf jeden fall schon eine Weile her sein. Mit einem kurzes Blick auf sein Handy, stellte er fest, dass er noch vor Jaydens angekündigtem Wecker aufgewacht war. Im jedem anderen Falle würde er seine innere Uhr dafür wohl verfluchen, nur heute hatte er dazu irgendwie keine Lust. Vorsichtig hauchte er Jayden einen sanften Kuss auf die Wange bevor er sich aus der Umarmung befreite, sich kurz streckte und sich dann so leise wie möglich auf dem Weg in die Küche machte.

      Die Kaffeemaschine kam ihm in dem Moment unnatürlich laut vor, das Mahlwerk ratterte und nach wenigen Sekunden durchströmte der altbekannte Duft von frisch gemachten Kaffee die Küche. Gab es morgens was besseres?
      Noel nahm seinen ersten Schluck während er eine zweite Tasse von der Maschine füllen ließ, kippte dann einen ordentlichen Schluck Mandelmilch in die Tasse bevor er erst ein Löffel Zucker in dem Inhalt versenkte und noch kurzem überlegen einen zweiten. Noel war zwar nun der Meinung dass der Inhalt der Tasse nicht mehr viel mit Kaffee zutun hatte, aber er musste ihn ja auch nicht trinken.

      Mit beiden Tassen kehrte er zurück in sein Schlafzimmer, nachdem er die Tasse auf die kleine Kommode abgestellt hatte kuschelte er sich wieder zwischen die warmen Laken. Das Bett war immer noch angenehm warm. Halb sitzend, halb liegend strich er Jayden sanft durch die Haare. Sein Wecker würde bald klingeln, die Zeit die sie jedoch noch zusammen hatten, wollte Noel noch genießen, bevor der Stressige Alltag wieder losgehen würde.
    • Irgendetwas an dieser Wohnung, an diesem Bett oder einfach an Noel, knockte Jayden völlig aus, wenn er bei ihm schlief. Obwohl er getrunken, sich gestern Abend dann zusätzlich körperlich verausgabt und allerhöchstens sechs oder sieben Stunden Schlaf intus hatte, fühlte er sich absolut zufrieden, als er wach wurde. Was vielleicht daran lag, dass ihn nicht sein nervtötender Wecker aus den Träumen riss, sondern er von Noels streichelnder Hand in seinen Haaren wach wurde. Für etwa zwei Minuten tat er so, als würde er noch schlafen, sog den Geruch des Kaffees ein, der aus der Nähe kam, genoss die warme Bettdecke und die Berührungen, bevor er blinzelte und sich an die Helligkeit gewöhnte. Statt sich aufzusetzen zog er Noel sofort zu sich herunter und drückte ihn kurz so an sich, dass er ihm kaum Luft zum Atmen ließ. Jay testete mit einem genüsslichen Raunen seine Stimme, bevor er zwei Küsse auf Noels Wange hinterließ und ein kleines "Morgen" murmelte, ohne zu hinterfragen, ob seine Liebkosereien irgendwie übertrieben waren. Er hing noch ziemlich in der Traumwelt von gestern Abend fest. Vielleicht hätte er sich garnicht so viele Sorgen machen müssen, dass der Moment schnell verstreichen würde, immerhin fühlte er sich immernoch leicht und glücklich.

      Irgendwann hob er endlich den Kopf und warf einen Blick auf die Kommode neben Noel, wo die zwei Tassen den Kaffeegeruch verströmten. "Hm… ich könnte mich daran gewöhnen, so aufzuwachen", sagte er, bevor er sich herumdrehte und nach seinem Handy griff, um den Wecker auszuschalten, bevor sie beide einen Herzinfarkt bekamen. Dabei warf er einen Blick auf die Uhr und musste feststellen, dass er ohnehin nur noch fünf Minuten gehabt hatte. Jay seufzte. Er hatte absolut keine Lust auf… eigentlich alles, was der Tag bereithielt. Er wollte weder nachhause oder weg von Noel, noch wollte er zur Uni. Heute Nachmittag begann der Countdown seiner letzten Projektphase. Er würde wohl durcharbeiten müssen, um bis Montag fertigzuwerden. Und das hieß auch, dass heute alle verdammt schlecht gelaunt sein würden. Niemand begann das Wochenende gerne mit dem Wissen, keine Sekunde Freizeit zu haben.

      Jay ließ den Kopf leicht frustriert ins Kissen fallen, während er versuchte, irgendwo in sich drin die Kraft zu lokalisieren, die er heute brauchen würde, um überhaupt aufzustehen. Dass Noel bei ihm war half auch nur minimal, denn er wusste ja nicht so wirklich, wann sie sich wiedersahen. Bis jetzt… waren ihre Treffen dem Zufall überlassen gewesen, aber er erinnerte sich schwach, dass sie gestern ein richtiges Date vereinbart hatten. Nur… das Wochenende war unmöglich. Und nachdem sie beide nicht nur unbeschäftigt zuhause saßen, würden sie sich wohl unter der Woche auch nicht wirklich sehen, oder? Jay biss kurz die Zähne zusammen, bevor er endlich fragte.
      "Hey, wann sehen wir uns eigentlich wieder?" Gemessen daran, dass er noch nichtmal bei der Tür raus war, klang die Frage irgendwie armselig, aber er musste sie einfach stellen, um ein bisschen Energie für das Wochenende zu sammeln.
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