My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Er folgte Jayden brav und wich nicht von seiner Seite, am lieben hätte Noel ihm wohl die Hand auf den Unterarm gelegt um nicht von der Masse verschluckt zu werden. „Vielleicht war das ein wenig beschönigt.“ meinte er auf Jays Frage hin. „Ich war vor einigen Jahren noch deutlich regelmäßiger hier als sonst…obwohl regelmäßig wohl das falsche Wort ist. Damals war aber auch weniger los und ich wurde ganz oft von Flo, ihrer damaligen Freundin und Yuma gezwungen.“ er warf Jayden ein sanftes lächeln zu auch wenn er echt Mühe hatte ruhig zu bleiben. Irgendjemand drückte sich gerade extrem nah an ihm vorbei und Noel hatte das Bedürfnis diesem jemanden seinen Ellenbogen wo auch immer hin zu rammen. Endlich an der Bar angekommen atmete er fast schon erleichtert auf. Hier war zwar auch viel los, aber es war nicht so eng wie eben. „Hey Vince!“ rief er dem älteren Barkeeper über die Musik hinweg zu. Der Besitzer der Bar schaute sich kurz um bevor er breit lächelnd zu den beiden kam. „Noel! Mensch dich sieht man hier ja auch selten. Was treibt dich hier her? Hast du unseren Jungautor mitgebracht?“ fragte er lachend mit guter Laune. Vincent Rowless - kurz Vince- war ein Anfang fünfzig jähriger Mann mit leicht ergrauten Haar und einem Vollbart. Er konnte mit Kunden genau so gut umgehen wie mit den Flaschen hinter ihm. Jeder der ein wenig länger in der Stadt wohnte und vor allem als Jugendlicher gerne mal mit Freunden ausgegangen war kannte ihn und er kannte - so wie viele älteren Menschen in der Stadt - die üblichen Verdächtigen. Nicht das Noel zu den ‚üblichen Verdächtigen‘ gezählt hätte, aber seine ältere Schwester schon und leider hatte sie Noel regelmäßig überall mit hingeschleppt.

      „Yuma müsste irgendwo hier sein schätze ich.“ antwortete er schwammig auf die Frage, er wollte grade ehrlich gesagt nicht über den Japaner reden, vor allem nicht nach dem kleinen Missverständnis mit dem Studenten. Am lieben hätte er Jayden einfach mit aus der Bar gezogen und sie wären irgendwo hin gegangen wo es ruhiger war. „Machst du uns zwei Long Island Iceteas?“ fragte er bevor Noel sich zu Jayden drehte. „Außer du willst das anderes.“ fragte der Franzose sicherheitshalber. Er brauchte gerade auf jedenfall was starkes, sonst würde er der nächsten Person die sich an ihm vorbei dränge wirklich noch den Ellenbogen in die Rippen rammen.

      Noel hatte das Gefühl ganz dringend duschen zu wollen. Er hatte den Schweiß von Fremden auf seinem Körper und er hasste es generell - bis auf ein paar wenige Ausnahmen - angefasst zu werden. Als sich dann - zu seinem Leidwesen - jemanden nehmen ihn stellte, rückte Noel instinktiv etwas näher zu Jayden. Kurz überlegte er, ob er Jay nicht einfach fragen sollte, ob sie sich nach draußen setzten wollten. Bei dem Wetter wäre es draußen sicher leer und die Musik war so laut, sie würden definitiv jedes Wort verstehen, aber war es nicht der Sinn von einer Bar mit Livemusik sich in besagte Bar zu setzten und die Musik zu genießen? Wahrscheinlich, aber so würde er auf jeden fall nichts genießen können.
    • Nicht regelmäßig, aber doch oft genug, um den Bartender zu kennen, wie es aussah. Jayden schüttelte den Kopf. „Long Island Icetea klingt super“, stimmte er zu. Er hatte sowieso erst ein Bier, also konnte er noch ein wenig Alkohol vertragen. Schnell wurde er ohnehin nicht betrunken, wenn er nicht ein Mischgesöff nach dem anderen runterkippte. Und es wäre wohl besser, wenn er heute Abend noch etwas von seinem Verstand übrig hatte. Das bestätigte sich für ihn nochmal, als Noel sich an ihn drängte, um irgendeinem Fremden auszuweichen. Er sollte sich wohl geschmeichelt fühlen, dass er lieber an ihm klebte, als an jemand anderen, aber es war gerade ein bisschen überwältigender, als Jay vorhersehen hätte können.

      „Oh, äh, du willst nicht zufällig nach draußen gehen? Es ist ziemlich… voll hier…“, fragte er verlegen. Vermutlich würde es auch schon reichen, sich ein Stück von Bar und Bühne zu entfernen, um dem größten Andrang zu entkommen, aber es war sowieso ziemlich heiß. Einerseits wegen der Menschenmasse, andererseits weil es Jay etwas nervös machte, Noel zwei Centimeter von sich entfernt zu haben. Sobald die Getränke fertig waren, nahm er eines in die Hand und, nachdem er sich einen ziemlichen Ruck gegeben hatte, griff er mit der anderen nach Noels Hand, um ihn mit sich nach draußen zu ziehen. Es war ein unangenehmes Gefühl, sich ständig umdrehen zu müssen, um sicherzugehen, dass sie sich nicht verloren hatten, also war das ein kleiner Preis. Auch wenn er heute doch noch ein gutes Stück nervöser war, als die letzten Male, weil er endlich festgestellt, oder akzeptiert, hatte, dass er Noel mochte. Dass er ihn attraktiv fand, und sympathisch und interessant und dass er ihn ungern verscheuchen wollte, oder in einer Bar verlieren. Alles weitere musste er noch mit sich selbst abklären, aber so viel wusste er zumindest.

      Als sie vor der Tür ankamen, begrüßte sie sofort ein kalter Luftstoß. Nach der stickigen Hitze in der Bar war es draußen beinahe eisig, aber die Nächte waren glücklicherweise noch nicht im Minusgrad-Bereich und es war definitiv aushaltbar. Gerade war es sogar ziemlich angenehm und Jay fühlte sich mehr in der Lage, einen kühlen Kopf zu bewahren, trotz der Situation.
      „Wie… wie war deine Woche bisher?“, fragte er. Es kostete ein wenig Überwindung, aktiv ein persönliches Gespräch einzuleiten, nachdem er die letzten Male so beschäftigt damit gewesen war, diesen auszuweichen.
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    • „Ich bitte darum.“ meinte er sofort, griff nach seinem Glas und folgte Jayden. Als der Jüngere dann nach seiner Hand griff schlich sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen. Der Japaner war so gut wie vergessen, er würde schon alleine zurecht kommen. Immerhin waren sie ja hier weil Jayden heute hier war und Yuma hatte ihm gesagt er solle Spaß haben.

      Draußen angekommen atmete Noel einmal tief durch. Seine Lunge füllte sich mit der kühlen Luft und sein Kopf kam ihm gleich viel klarer vor. Endlich hatte er nicht mehr das Gefühl von fremden Schweiß an seinem Körper. Mit einem erleichterten Seufzen ließ er sich auf die Holzbank fallen. Sie war nicht groß genug um eigentlich für Kunden zu sein, wahrscheinlich war sie für das eigne Personal, wenn sie mal eins/zwei Minuten Abstand von dem Chaos im inneren brauchten.

      „Meine Woche?“ fragte er nach und überlegte dann. „War tatsächlich okay, es haben sich tatsächlich Verhältnismäßig wenig Leute versucht mit mir anzulegen, aber vielleicht liegt das auch daran, dass mein Vertrag so langsam ausläuft und das Theater hofft mich nochmal buchen zu können…wer weiß das schon. Ich hab im Moment zum Glück keine anderweitigen Projekte, das heißt meine Abenden sind sogar relativ frei, sonst wäre ich heute wohl nicht hier.“ erklärte er etwas umfangreicher als er es wohl bei jeder anderen Person gemacht hätte. Noel wollte das Gespräch mit Jayden am laufen halten. Nicht einfach mit einem ‚war okay, deine?‘ antworten. Er wollte dem Studenten kleine Mengen an Informationen geben und hoffte irgendwie so vielleicht auch ein wenig mehr zu bekommen. „Wie war deine Woche bis jetzt? Du hast eben von einem Projekt geredet. War das, dass…wie hattest du das nochmal genannt?“ Noel überlegte kurz, kramte schon fast in seiner Erinnerung nach dem ausgesprochenen Worten des Jüngeren. „…vollständige futuristische Stadt…hattest du es glaube ich damals genannt. Dieses Ding was auf deinem Schreibtisch stand.“ meinte der Franzose interessiert. Es war nicht diese Art von gespieltem Interesse, Noel interessiert sich wirklich für die Arbeit des Jüngeren auch wenn er wohl kaum ein Wort verstand. Mit einem sanften Lächeln nahm er einen Schluck aus seinem Glas und musste prompt feststellen, dass es Vincent wohl sehr gut mit dem Alkohol gemeint hatte. Komisch…irgendwie schien ihm das in letzter Zeit häufiger zu passieren. Immerhin wurde ihm durch den Alkohol angenehm warm.
    • Jay setzte sich zu Noel auf die Bank und war gezwungen, recht nah bei ihm zu sitzen, wodurch ihm langsam wieder warm wurde.
      „Die Leute legen sich regelmäßig mit dir an? Freiwillig?“, fragte Jay belustigt und leicht überrascht. Eigentlich wäre er davon ausgegangen, dass man recht schnell lernte, Respekt vor Noel zu haben. Er war ein wenig… unberechenbar. Jay hatte zwar keine Angst davor, mal angemeckert zu werden, und er blieb in beinahe jeder Situation ruhig, aber es war ihm doch lieber, wenn er anderen nicht gegen den Strich ging. Und nachdem er nun diese Seite an Noel kannte, wollte er das warme Lächeln nicht mehr missen. Er musste sich ja nicht sehr anstrengend, um einschüchternd auszusehen.

      „Ich, äh, ja. Ich bin gerade im Endspurt, darum sitz ich fast nur in der Uni oder auf meinem Zimmer. Ich hab auch nur eine einzige Schicht in der Karaokebar gehabt diese Woche, weil der Schlafmangel mir sonst den Rest gegeben hätte, aber mit meinen Kollegen lässt sich das immer ganz gut jonglieren“, antwortete er. Obwohl er noch nie Schwierigkeiten dabei gehabt hatte, sich mit jemandem ausschweifend zu unterhalten, war es gerade ziemlich ungewohnt, sich um ein Gespräch mit Noel zu bemühen. Er hatte auch nicht wirklich den Dreh heraus, wenn es es um lockeres Flirten ging, das nicht unbedingt zu etwas führen sollte, darum unterhielt er sich unbeabsichtigterweise mit ihm wie mit einem guten Freund. Nur, dass er innerlich deutlich unruhiger war und er selten Herzklopfen davon bekommen hatte, einem Freund zu lange in die Augen zu sehen. Zumal er immernoch nicht genau wusste, was er von seinem Gegenüber wollte. Er wusste nur, dass er mit ihm Reden wollte, über alles mögliche, ohne sich zurückzuhalten, weil sie sich seltsam gut zu verstehen schienen.

      „Hey, ähm. Wenn du am Wochenende Zeit hast, könnten wir die Sache mit dem Kaffee nachholen. Du weißt schon, du wolltest mich einladen“ Er lächelte leicht und hoffte, nicht zu nervös auszusehen. Es war seltsam genug, jetzt tatsächlich doch noch nach diesem ‚Date‘ zu fragen, aber wenn er es nicht tat, würde es nach seiner letzten Ansage im Auto vermutlich keiner tun. „Ich geb mein Projekt am Montag ab, also werde ich in dem Stress sicher mal eine Pause brauchen und… ich bin ein armer Student und angewiesen darauf, mich auf Getränke einladen zu lassen, wie‘s aussieht“, hing er etwas sarkastisch an und hielt schmunzelnd seinen Cocktail hoch, um die Aussage zu untermalen.
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    • Noel zuckte leicht mit den Schulter. „Ich denke das liegt an der Aufmerksamkeit die, diese Menschen bekommen. Wenn man vor der Kamera steht oder auf einer Bühne bekommt man sehr schnell sehr viel Aufmerksamkeit von anderen. Auf der einen Seite gibt es Menschen die machen sich daraus nichts, die sind noch genau so bodenständig wie vor diesem ganzen ‚Ruhm‘ und dann gibt es die anderen Menschen…die schwachen Menschen die sich in dieser Aufmerksamkeit suhlen, denken sie wären plötzlich was besseres und dann die Menschen die man vielleicht nicht am Gesicht erkennt wie billiges Fußvolk behandeln. Ich hab das bei ganz vielen jungen Models beobachten können. Die ersten paar Male sind sie meistens noch mega zurückhaltend, aber sobald irgendwer auch nur annähernd ihren Namen kennt, kommt plötzlich die ganze menschliche Ignoranz raus die ein Körper aufbringen kann. Ich kenne nur ganz wenige die sich einen Namen gemacht haben und trotzdem ganz normal durchs Leben gehen.“ erklärte er ruhig und nahm dann einen Schluck aus seinem Glas, bevor er Jayden ebenso ruhig zuhörte.

      „Das klingt doch gar nicht mal so schlecht. Kannst du denn nach diesem Projekt ein wenig Pause machen? Einmal runterkommen?“ Der Franzose hatte nie studiert. Alles was er konnte hatte er sich selbst beigebracht und zum Teil an speziellen Schulen gelernt, obwohl er die meisten auch nur für die Zertifikate besucht hatte, ohne war es meistens schwer in der Szene Fuß zu fassen und trotzdem hatte er es irgendwie geschafft.

      Als Jayden die Sache mit dem Kaffee ansprach, leuchtete das hellblau noch ein wenig mehr auf und Noels Lächeln wurde eine ganze Spur breiter. „Ja auf jeden Fall. Ich würde mich freuen.“ Als ob es ein Versehen gewesen war, fuhr Noels Hand einmal kurz sanft über Jaydens Knie. Streifte es beinah nur und obwohl es fast wirklich so gewirkt hätte, war die kurze Berührung definitiv kein Versehen. „Ich lade dich gerne auf einen Kaffee ein oder ein Drink, wenn ich dadurch immer so nette Gesellschaft bekomme und mich von Partys drücken kann.“ grinste er. Im Hintergrind spielte gerade irgendeine Band irgendeinen Song den er nicht kannte. Wahrscheinlich war er selbst komponiert oder Noel kannte ihn wirklich einfach nur nicht.

      Er überlegte, ob er die Situation am Sonntag ansprechen sollte. Nicht das fluchtartige Weg stoßen sondern der Beinah-Kuss davor. Irgendwas in Jaydens Augen hatte ihm gesagt, dass er sich nicht dagegen gewehrt hätte, wenn sie nicht gestört gewesen wären. Vielleicht sollte er das Thema auch erstmals durch die Blume ansprechen, sowas wie ‚meinem Rücken geht es übrigens wieder gut‘, das so da legen als wäre nicht passiert. Und trotzdem ließ Noel es erstmal bleiben. Er hatte sich die letzten Tage genug über dieser Situation rumgeschlagen und würde das hier mit Jayden jetzt einfach genießen. Seit den beiden Gesprächen mit Flo und Yuma hatte er sehr viel über Jayden nachgedacht. Er mochte ihn - das war klar - und er genoss seine Gesellschaft definitiv mehr als die jedem anderen und allein dass Jayden gedacht haben könnte, er und Yuma hätten war, hieß oder was oder?
    • „Ahh, das ist ja doch ein bisschen wie in der Uni“, merkte Jay an. „Man würde garnicht glauben, was manche Menschen sich auf ihren Status einbilden“ Und dabei würden sie davon im realen Leben später garnichts mehr haben. Klar, war es lustig, haufenweise Freunde zu haben, der Mädchenschwarm zu sein und auf jede Party eingeladen zu werden. Aber Jayden würde davon nie abgehoben werden. Wenn er erstmal arbeitete, würde das alles verschwinden. Und das war okay, er wollte bloß jetzt eine gute Zeit haben. Er war immer davon ausgegangen, dass die ganzen Partys irgendwann einmal enden mussten und deshalb genoss er das Gefühl solange er konnte. Seine Lebenseinstellung… war manchmal deprimierend realistisch. Er erwartete sich im Berufsleben nicht sonderlich viel Spaß oder Freude. Was vielleicht auch an seiner Jobwahl lag. Oder daran, dass ein Vollzeit Job, egal in welchem Büro, irgendwie trocken und öde wirkte.

      „Der Monat sollte dann halbwegs entspannt bleiben. Im Dezember hab ich erst einige Prüfungen, aber Lernen ist definitiv einfacher als Bauen“, schmunzelte er. Er konnte es kaum erwarten, sich seinen derzeitigen Problemen mal mit mehr Zeit, Geduld und ausgeschlafenem Gehirn zu stellen. Vielleicht war er dann auch nicht mehr ständig so panisch. Wie etwa gerade eben, als Noels Hand ihn so locker und streifend berührte, dass es eigentlich kaum der Rede wert war, aber Jay merkte den ganzen Abend schon, dass er mit jeder Berührung mehr davon wollte. Eigentlich war das für ihn kein Grund, nervös zu werden. Er konnte ja auch einfach ein Stück an Noel heranrutschen, seinen Arm um ihn legen oder so etwas. Aber er war wie festgefroren. Schon wieder. Es war eigenartig.

      „Ich glaube, mir hat noch nie jemand gesagt, dass man sich mit mir gut vor Partys drücken kann“, erwiderte er und musste lachen. „Normalerweise ist es das Gegenteil. Aber ich drücke mich gern vor Menschenmassen mit dir“ Er lächelte und erwiderte Noels Blick definitiv zu lange, sodass er wieder nervös wegsehen musste und den Blick durch die dunkle, von einzelnen Laternen erhellte, Straße schweifen ließ. Es war wirklich kaum etwas los, die ganze Bevölkerung musste sich in diese kleine Bar gequetscht haben. Man hörte die Musik dumpf aber immernoch recht deutlich und langsam wurde Jay tatsächlich ein wenig kalt. Er trug zwar einen Pullover, aber wenn man sich nicht bewegte, hatten auch zehn Grad es in sich, vor allem wenn die Luft noch regnerisch feucht war.

      Jay handelte in einer Kurzschlussreaktion und rutschte doch ein Stück näher zu Noel, sodass er ziemlich an ihm klebte. „Sorry, es ist kalt, also…“, sagte er entschuldigend. So weit war es also gekommen: Er suchte Ausreden, um etwas zu tun, das eigentlich völlig normal war.
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    • „Das freut mich, ich finde es mit dir hier draußen auch definitiv angenehmer als da drinnen.“ lächelte er sanft. „Ich habs glaube ich schon letzte Woche mal erwähnt, aber ich finde du bist echt eine angenehme Gesellschaft.“ so langsam fand Noel sein Selbstbewusstsein wohl zurück, das wurde aber auch echt Zeit. Jaydens Worte halfen ihm und vor allem sein Blick der ein wenig zu lange auf ihm gelegen hatte um noch zufällig zu wirken.

      Als der Jüngere dann zu ihm rutschte musste Noel wirklich ein breites Grinsen verstecken. Er musste jedoch zugeben, dass es wirklich ganz schön kühl war, wenn man nur hier saß. „Was hältst du davon wenn wir die Location wechseln?“ fragte er mit einem Lächeln und legte dem Studenten wie selbstverständlich einen Arm über die Schulter um ihn noch ein wenig näher zu sich zu ziehen. Selbst mit seinem Mantel war Noel kalt. Eigentlich kam das Wetter wie gerufen und außerdem würde er eh viel lieber mit Jayden in seiner warmen Wohnung sitzen. „Ich hab Kirschschnaps, der macht auch wirklich fantastisch in heißen Tee…zum aufwärmen.“ stelle er mit einem Grinsen zur Aussicht, welches er nicht mehr verstecken konnte. Nicht weil er Jayden unbedingt betrunken machen wollte, ganz im Gegenteil, der Schnaps war wirklich einfach nur echt gut und schmeckte noch besser in einen der Teesorten die er zuhause hatte. Vielleicht sollte sich der Franzose mal Gedanken um seinen Alkoholkonsum machen, nicht das er viel trank aber trotzdem.

      „Außer natürlich du hast keine Zeit…ich denke mir nur, was warmes wäre bei dem Wetter wohl doch die bessere Wahl gewesen als kalte Longdrinks…da hätte ich wohl besser aufpassen sollen.“ seine Hand fuhr sanft, fast schon vorsichtig über Jaydens Schulter, die von dem dicken Pulloverstoff verdeckt war. Er wusste wie sich die Haut unter dem Stoff anfühlte und das nicht nur von Halloween sondern auch von der verhängnisvollen Nacht vor knapp einer Woche.
    • Die Location… wechseln. Wollte Noel gerade sagen, was Jay dachte, das er sagen wollte? Die Sache mit dem Kirschschnaps und dem Tee klang ja doch ziemlich glaubwürdig, aber dass er das im selben Moment sagte, in dem er Jay den Arm um die Schulter legte, machte ihn stutzig. Es war nicht so, als wäre er nicht aufgelegt dafür, die Nacht bei Noel zu verbringen, aber damit kam er vielleicht wieder ein wenig von seinem ursprünglichen Plan ab, und der war, Noel wie ein normaler Mensch zu daten. Wenn sie jedes mal miteinander schliefen, wenn sie sich für gerade mal zwanzig Minuten sahen, dann war das von klassischem Dating recht weit entfernt. Aber vielleicht sollte er keine Schlüsse ziehen? Er war ja schon einmal in Noels Wohnung gewesen, also war es nicht seltsam, dass er ihn wieder einlud. Das war ja auch keine Einladung in sein Bett, höchstens auf sein Sofa. Gott, er sollte sich wirklich weniger Gedanken machen, das wurde langsam peinlich.

      „Das klingt nach einer guten Idee“, sagte er also recht neutral, ohne sich das Gedankenkarussell anmerken zu lassen, aber dann fiel ihm etwas ein. Leider saß er so knapp an Noel, dass er ihn nicht wirklich ansehen konnte, ohne ihn unabsichtlich zu küssen. Selbst, wenn zwischen ihnen noch genügend Abstand war, konnte er nicht ausschließen, dass das passierte.
      „Aber, macht es dir was aus, wenn wir nochmal kurz reingehen? Ich wollte Theo noch Bescheid sagen, dass ich da bin… oder zumindest da war“ Wenn er schon mal eingeladen wurde, wollte er sich wenigstens für einen Moment blicken lassen. Diesen Kontakt wollte er nicht in der Anfangsphase sofort wieder vernichten. Er war sich noch immer nicht sicher, was genau er erwartete, aber es konnte ja nie schlecht sein, Menschen mit ähnlichen Hobbies zu kennen…

      Jayden stand langsam auf, auch wenn er sich ungern aus der halben Umarmung befreien wollte. „Nur ganz kurz“, fügte er erneut hinzu. Nicht, dass Noel noch glaubte, er versuchte eine Ausrede zu finden, um nicht mit zu ihm zu kommen. Denn das wollte er auf jeden Fall, wozu auch immer es führte. Die Zeit hatte er ja. Dass er an seinem Projekt arbeiten musste war zwar nicht gelogen gewesen, aber er war heute schon den ganzen Tag daran gesessen und hatte sich den Abend eigentlich sowieso freigehalten. Auch wenn er nicht gedacht hatte, dass er diese Richtung einschlagen würden.

      Mit Noel hinter sich bahnte Jay sich wieder seinen Weg in die Bar hinein, wo er hoffte, dass er Theo in der Menschenmenge überhaupt finden würde. Es konnte aber auch gut sein, dass er sich mit der Band Backstage befand, denn der Auftritt war noch nicht gewesen. Eigentlich war es ziemlich unsympathisch, dass Jay sich diesen nicht mehr ansah, aber… dafür war er so gut wie jedes andere Mal hier gewesen.
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    • Noel folgte Jayden wieder brav wie ein kleiner Hund ins innere der Bar. Wie auch schon beim verlassen des Ladens versuchte er so gut wie möglich von keinem anderen Menschen berührt zu werden, selbst wenn er sich dazu vielleicht ein wenig zu sehr an Jays Rücken schmiegen musste. Das fiel aber hoffentlich nicht auf, jedenfalls nicht anderen Leuten, dem Studenten fiel das ganz offensichtlich sehr unweigerlich auf. So wie Jayden, hatte Noel ebenfalls anfangen sich ein wenig umzuschauen, je schneller sie Theo fanden, desto schneller waren sie hier auch wieder raus. Das auffällige rot von Theos Jackett war kaum zu übersehen und so fiel der Sänger Noel schnell ins Auge. Nun war es an ihm Jayden hinter sich her zu ziehen und ihn durch die Masse an Menschen zu manövrieren, penibel drauf geachtet jeder nur möglichen Person so weit es ihm möglich war aus dem Weg zu gehen.

      Theo saß mit seinen Freunden an einem runden Tisch nah der Bühne. Der Sänger selber in einem schwarzen Stoffhose, schwarzen Croptop und dem besagten auffälligen rot schimmernden Blazer. An den Füßen schwarze Heels mit einem dicken Blockabsatz, die man normalerweise wohl nur an Frauenfüßen fand. So war er aber nun mal - auffälligen und behaupt nicht so wie die Gesellschaft es von einem jungen Mann erwartete.

      „Noel, der Inhalt meiner schlaflosen Nächte.“ Theo hatte getrunken. Obwohl, er hätte wahrscheinlich genau so ein Quatsch von sich gegeben wenn er nüchtern gewesen wäre. „Ich habe mir schon fast gedacht, dass du hier irgendwo steckst, ich hab Yuma auch schon gesehen. Bist du…“ - „ja ich bin mit ihm hergekommen.“ unterbrach Noel den Jüngeren sofort schärfer als beabsichtigt. Anscheinend war das nicht die richtige Antwort auf die Frage, oder die falsche Frage auf die Antwort. Auf jeden fall war es an Theos leicht verwirrten Gesichtsausdruck abzulesen, dass er eigentlich was anderes hätte fragen wollen. „Aber ihr seid noch…“ - „nein ganz offensichtlich sind wie hier nicht mehr zusammen unterwegs.“ Noels Blick vernichtete jeden weiteren Protest des Sängers. Theo schien den Wink mit dem Zaunpfahl wohl verstanden zu haben, auf jeden Fall schien er das Thema nicht weiter ausführen zu wollen.

      „Ouh wie dumm von mir. Noel du kennst Ash und Sunny ja sicher noch und das ist Nick. Nick das ist Noel Rivière. Und du bist…“ endlich wand sich Theo zu der Person die er eingeladen hatte, die Pause die er zwischen den Worten machte, schien jedoch drauf zu schließen, dass er sich nicht mehr ganz sicher war, wer Jayden eigentlich war. Sein Gesicht kam ihm bekannt vor, aber der Name des Architekturstudenten wollte ihm einfach nicht mehr einfallen. Noel warf Jayden einen schnellen entschuldigenden Blick zu und fokussierte dann Theo mit seinem Blick. Es war ganz schön peinlich wenn man jemanden einlud und dann nicht mal wusste wie dieser jemand hieß. Noel hatte es ihm schon mal gesagt, so war Theo einfach, er lud jeden zu diesen Abenden ein, im Grunde hieß das gar nichts. Der Sänger genoss einfach die Aufmerksamkeit von so vielen Menschen wie möglich.

      „Jayden!“ kam es plötzlich von Theo. „Aber selbstverständlich! Die Karaokeparty. Er war da Barkeeper.“ erklärte er kurz an Ash, der Jay schon mit einem merkwürdigen Blick fixiert hatte. Ash - eigentlich Asher - Greyson war ein Typ wie aus einer 80er Jahre Rockband und dazu noch groß gebaut und mit Muskeln an den richtigen Stellen, die er auch gerne mal einsetzte. An sich war er ein netter Typ, konnte aber sehr schnell sehr eifersüchtig werden, vor allem wenn es um seinen besten Freund Theo ging.

      „Warte warte warte!“ kam es plötzlich von Nick. „Noel Rivière wie in ‚Gott hast du seinen neuen Post gesehen? Das MakeUp ist der Hammer und die Haare und allgemein die Fotos! Ich hätte auch so gerne ein Shooting mit ihm‘-Noel Rivière?“ Nick war damals nicht mit ihnen zusammen zur Schule gegangen. Wenn man es genau nahm wohnte er auch noch gar nicht so lange in der Stadt. Nick - eigentlich Nicholes Rowless - war der Sohn des Barinhabers - Vincent Rowless. Er hatte die letzten Jahre bei seiner Mutter gelebt, bis diese einen neuen Lebensgefährten hatte mit dem Nick nicht so ganz klar kam. Nun lebte er zwar nicht mehr bei seinem Vater in der Wohnung, aber die Stadt hatte es ihm angetan, also war er geblieben, außerdem studierte er mittlerweile hier Maschinenbau.

      Bei den Worten des Keyboarders konnte Noel sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Ich mag deine Interpretation von Theo.“ meinte er leise lachend. „Aber ja, scheint so als wäre ich das.“ Trotz dessen das Noel versuchte so locker wie möglich zu wirken, merke man, wenn man ihn gut kannte oder wusste wie er war wenn er wirklich locker war, dass er ganz schön angespannt war und so schnell wie möglich hier weg wollte. Das schien der Band jedoch nicht aufzufallen. Sie kannten sich zwar schon seit der frühen Schulzeit, hatten aber nie sonderlich viel miteinander zutun gehabt, außer vielleicht die ein oder andere Projektarbeit, die sie zusammen gemacht hatten.
    • Jay wollte nicht wirklich wissen, was das seltsame Gespräch über diesen Yuma zu bedeuten hatte. Wenn er es sich erlaubte, konnte er es sich auch selbst denken. Aber er wollte nicht. Noel meinte, dass sie nur Freunde waren, und er hatte ganz offensichtlich mit Jayden geflirtet und ihn zu sich eingeladen, mehr musste er gerade nicht wissen.

      Und, wow, er hatte wohl ein ziemlich generisches Gesicht. Jay blinzelte nur, während er darauf wartete, dass Theo sein Name einfiel, und gerade als es begann unwahrscheinlich zu wirken, schoss er ihn doch noch heraus.
      „Yup, das bin ich“, nickte er und hob kurz die Hand. Es war ihm relativ egal, ob Theo sich noch wirklich an ihn erinnerte, oder nicht, denn immerhin hatten sie ein einziges Gespräch miteinander geführt. Dass Noels Gesichtsausdruck irgendwo zwischen ‚entschuldigend‘ und ‚mitleidig‘ lag, war das einzige, das ihn störte. Er war sich schließlich recht sicher, dass er ihm irgendwann im Gedächtnis bleiben würde, wenn Jay oft genug im Rodeo auftauchte und sich zeigte. Vielleicht war das hier eine verzweifelte Ausflucht aus seiner Architekten-Zukunft, die furchtbar unrealistisch und sinnlos war, aber es war zumindest gedanklich ein wenig beruhigend, dass es Menschen gab, die sich tatsächlich mit Musik verwirklichen konnten, also würde er sich weiterhin hier blicken lassen. Außerdem kannte er jetzt die Namen der restlichen Band und Jay war erstaunlich gut darin, sich Namen zu merken.

      Der Kerl namens Ash schien allerdings nicht sonderlich Fremden-freundlich zu sein und Jay erwiderte seinen Blick nur kurz mit einem überzogenen Lächeln, weiten Augen und hochgezogenen Brauen, bevor er sich wieder an Theo wandte.
      „Ich wollte mich nur für die Einladung bedanken, und mich gleichzeitig verabschieden“, sagte er und lächelte. „Sorry, dass ich euren Auftritt nicht mehr sehe, aber ich hab zumindest so gut wie jeden bisherigen gesehen und ich komme definitiv wieder“ Er lachte leicht. Dann sah er kurz zwischen Noel und den anderen hin und her. „Vielleicht ja… schon nächste Woche. Ähm, wollen wir uns auf den Weg machen?“, fragte er an Noel gerichtet. Er wollte niemanden unterbrechen und eilig hatten sie es auch nicht, aber ungeduldig wurde Jay trotzdem irgendwie. Immerhin… sollte der Kirschschnaps echt hammer sein.
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    • Theo winkte lächelnd ab. „Ach was, kein Problem. Wir hätten heute eh nur gecovert, also kein großer Verlust.“ lachte er bei Jaydens Entschuldigung auf. „Man sieht sich bestimmt mal wieder, nur vielleicht nicht nächste Woche. Unsere Einsteins hier…“ er deutete mit einer ausschweifenden Handbewegung zu seinen Freunden. „haben Klausurphase, in der Zeit treten wir eher weniger auf, aber irgendwann kommt sicher nochmal die Gelegenheit.“ und dann war das Gespräch auch schon beendet. Von links bekam Theo ein Handy unter die Nase gehalten und nach wenigen Sekunden lachte er leise auf.

      Noel verdrehte die kurz die Augen, leider hatte er sowas ein wenig erwartet. Theo war nett und wirklich sympathisch aber Asher war den größten Teil der Zeit einfach nur ein Arsch, auf jeden fall wenn es um Leute ging die nicht zu seinem Freundeskreis gehörten und Theo ein wenig zu gut fanden. Als Jayden dann wieder Noel ansprach nickte er leicht. „Ja, auf jeden fall.“ bestätigte er die Frage in einem deutlich freundlicheren Ton, als er mit Theo eben noch gesprochen hatte. Er war nicht unhöflich gewesen aber distanziert, so ähnlich wie mit Cyrus am Sonntag auch wenn nicht ganz so trocken. Und dann war er auch schon dabei sich umzudrehen bevor Theo ihn nochmal zurief. „Noel! Wir schrieben ja? Du weist schon…wegen der Sachen.“ Noel wusste nicht welche ‚Sache‘, aber er konnte es sich denken. Entweder wollte Theo wissen was denn jetzt zwischen ihm und Yuma war - oder eben nicht mehr war- oder er wollte ihn überzeugen Fotos für und von der Band zu machen. „Klar, machen wir.“ meinte er undurchsichtig, griff dann sanft nach Jaydens Hand und zog ihn - oder eher manövrierte ihn - aus der überfüllten Bar zurück ins freie.

      Draußen angekommen atmete der junge Franzose die kühle Abendlicht tief ein, als ob er die letzten Momente nicht atmen konnte. „Gott, es tut mir so leid. Ich hätte dich wahrscheinlich vorwarnen sollen oder? Die Gruppe kann manchmal echt scheiße sein.“ meinte Noel ehrlich und lächelte Jayden sanft an. Noel hielt immer noch Jaydens Hand fest, der Griff hatte sich ein wenig gelockert und nun lagen ihre Hände eher nur noch sanft aufeinander und trotzdem hatte der Franzose gerade nicht im Muße die Verbindung ihrer bedienen Hände zu lösen.

      Das eisblau der Augen fuhren zärtlich über Jaydens Gesicht, sie bohrten sich nicht in die Haut so wie es der stehende Blick von Theos Freund eben gemacht hatte. Er lag eher sanft auf der Haut des Studenten, beobachtet jede kleine Regung, nahm alles in sich auf und verharrte dann vielleicht ein ticken zulange auf den Lippen des Jüngeren. Schon seit Sonntag hatte er das unstillbare Verlangen ihn zu küssen. Sie hätten sich am Sonntag fast geküsste. Die Stimmung war elektrisierend, hatte sich in seinen Verstand gebrannt und verpasste Noel immer noch eine Gänsehaut wenn er daran dachte.
    • Und schon quetschten sie sich für die nächste Runde durch die Bar. Aber Jayden konnte sich daran gewöhnen, wenn es beinhaltete, dass Noel seine Hand hielt. Es war nicht viel, aber doch ein bisschen Nähe, ein bisschen Verbindung, die sich gut anfühlte. Genauso wie die Entschuldigung von Noels Seite, über die Jay nur leise lachen konnte. „Ist schon okay. Wenn das mein Ego ankratzen würde, hätte ich mir echt die falschen Freunde gesucht“ Mit Verpeiltheit und Ignoranz hatte er genug zu tun. Das konnte ihn garnicht mehr richtig stören. Es wunderte ihn ja, dass Cyrus sich überhaupt irgendwann seinen Nachnamen gemerkt hatte oder Eliot noch wusste, was seine Freunde studierten. In den allermeisten Fällen war das nicht böse gemeint. Wenn Jayden etwas nicht sonderlich interessierte, konnte er ähnlich reagieren, und so ging es wohl den meisten Menschen. Auch wenn er selten unfreundlich wurde. Aber auch das nahm er nicht persönlich. Asher würde wohl auch seine Gründe haben, ihn skeptisch zu betrachten, aber es konnte wenig mit Jay als Person zu tun haben. Die besten Freunde würden sie wohl nicht werden, aber das war nicht sein Ziel.

      Alles was Jay interessierte, war, wie ihn Menschen behandelten, die er mochte. Und auch wenn die Wandlungen immernoch ein wenig überraschend waren, wenn Noel mit ihm oder mit anderen sprach, konnte er fast nicht genug davon bekommen, sie mitanzusehen. Irgendetwas hatte er wohl doch richtig gemacht, in der kurzen Zeit in der sie sich kannten.

      Und jetzt standen sie vor der Bar, hielten immernoch ihre Hände und Noel sah ihn an, als würde er schon wieder in seine Seele hineinschauen. Jay konnte fast nicht wegsehen, aber er hielt seine Jacke in der anderen Hand und es war kalt und er wusste nicht, wie sie zu Noels Wohnung kamen. Also ließ er langsam los und zog sich die Jacke an.
      „Fahren wir öffentlich oder mit dem Taxi?“, fragte er lächelnd. Gleichzeitig fragte er sich, ob er heute noch in seine eigene Wohnung zurückkommen würde. Er war jedenfalls mit der Straßenbahn gefahren und die Verbindung zu Noels Apartment würde er sich erstmal online ansehen müssen.
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    • „Wir können auch laufen wenn es dir nicht zu kalt ist.“ bot er an. Noel fuhr nicht gerne öffentlich. Ganz offensichtlich, er konnte ja schon größere Veranstaltungen nicht ab, wie würde er dann bloß reagieren wenn er in ein öffentliches Verkehrsmittel steigen müsse? „Ich kann aber auch gerne ein Taxi rufen, aber das würde wohl noch ein paar Minuten dauern.“ Normalerweise machte der Franzose viel zu Fuß, wenn er nicht gerade mit dem Auto fuhr. Die meisten Läden zu denen er mit Freunden ging, wenn er mal ausging, waren relativ zentral gelegen und somit auch gut zu Fuß von seiner Wohnung zu erreichen. Er genoss es innerhalb kürzester Zeit zu Fuß in die Innenstadt zu kommen und nicht für alles den Motor seines Wagens starten zu müssen, immerhin saß er oft genug in dem Auto und fuhr längere Strecken.

      Noel beobachtete wie sich Jayden seine Jacke anzog. Durfte er seine Hand wieder nehmen? Immerhin war das eben nur ein Mittel zum Zweck damit sie sich nicht in der Menge verloren. Aber war es okay jetzt wieder die Hand des anderen nehmen oder würde das komisch wirken? Er machte sich schon wieder viel zu viele Gedanken, immerhin hatten sich die beiden jungen Männer schon mehrfach geküsste und er machte sich Gedanken um ein einfaches Hand halten.

      Die Strecke war zwar nicht weit, aber es war immerhin schon November und somit Abends schon recht kalt. Demnach waren, jedenfalls Noels Finger schon fast abgefroren als er die Tür zu seiner Wohnung aufschloss. Dieses mal brauchte er zum Glück jeweils nur einen Versuch für die beiden Türen, die Peinlichkeit vom letzten mal blieb ihm somit erspart. Die Wohnung hatte sich zu Jaydens letzten Besuch nicht verändert, lediglich ein wenig aufgeräumter war es. Es lagen keine Massen an MakeUp auf dem Wohnzimmertisch, oder irgendwelche halbfertigen Perücken. Auf dem Couchtisch stand nur die leere Flasche Chardonnay und ein benutztes Weinglas vom Vortag, beide Sachen nahm Noel jedoch direkt mit in die Küche.

      Das Bild an dem er letzte Woche noch gemalt hatte war allen Anschein nach fertig, denn nun stand eine neue Leinwand auf der Staffelei. Sie war ein wenig schlanker an den Seiten aber ähnlich hoch. Ein ästhetischer Männerrücken erstrecke sich in einem schon fast fotorealistischen Stil über den Leinwandstoff. Die Malerei war in schwarz und Blautönen gehalten, als ob die Person von einer Seite mit blauem Licht angeleuchtet wurde und man diesen Moment durch ein Foto festgehalten hatte. Es war schwer zu sagen wer für dieses Bild Modellgestanden hatte, es hätte wohl jeder einigermaßen sportlicher junge Mann sein können, dass Noel beim malen jedoch eine ganz bestimmte Person im Kopf gehabt hatte, könnte man sich wohl irgendwie denken.

      „Mach es dir ruhig gemütlich, ich setzte schon mal Tee auf.“ meinte der Franzose wie der gute Gastgeber der er - normalerweise nicht - war und machte sich sofort an den besagten Tee. Wenige Minuten später kam er mit einem Teeservice auf einem Tablett samt Teekanne, Löffeln und einen keinen Zuckerstreuer zum Sofa. Das Teeservice war schön, wenn auch schlicht gehalten. Schwarzes Porzellan mit hellen Akzenten, die wie kleinen Blitze wirken die sich über das Material zogen. Noel hatte sich beim einkaufen an Jaydens Worte erinnert und ihm seine Wünsche tatsächlich erfüllt. Es brachte ihn schließlich nicht um ein wenig Zucker und die ein oder andere Packung Mandelmilch in der Wohnung zu haben. Auf dem Weg ins Wohnzimmer hatte Noel eine kleine Stehlampe in der Ecke am Sofa angeschaltet, die nun den Raum vage in warmes Licht tauchte.

      In den beiden Tassen befand sich schon ein ordentlicher Schluck des Schnaps und eigentlich wartete der Franzose auch nur noch darauf, dass der Tee durchgezogen war, damit er ihnen einschenken konnte.
    • Jay nickte nur, laufen klang auch gut. Dachte er, bis die Strecke doch ein wenig weiter war, als gedacht, und ihm recht kalt wurde. Scheinbar wurde es bald wieder Zeit für Winterjacken. Seine schwarze Bomberjacke war eher für herbstliche Nächte geeignet, aber es lag bereits ein Geruch in der Luft, der auf die kältere Jahreszeit schließen ließ. Er steckte beide Hände in die Taschen, aber der Stoff war nicht dick genug, um großartig zu wärmen, also war er ziemlich durchgefroren, als er in Noels Wohnung trat. Ihm lief eine Gänsehaut über den ganzen Körper, als er sich Jacke und Schuhe auszog und ins Wohnzimmer ging. Nun steckten beide Hände in den Taschen seines Wollpullovers, während er es Noel nachmachte und eine analysierende Runde durch den Raum drehte. An der Leinwand blieb er stehen. Noel war unglaublich begabt.

      Jay beugte sich der Malerei etwas entgegen, um sich die Pinselstriche genauer anzusehen. Er hatte selbst wohl das letzte Mal mit Öl oder Acryl gemalt, als er in der Schule dazu gezwungen worden war. Bleistiftzeichnungen und Digitales hatte ihm immer mehr gelegen. Aber er bewunderte die Farben und vor allem die Anatomie, die so perfekt umgesetzt war. Ob er von einem Foto oder einem Modell abgezeichnet hatte? Vielleicht hatte er auch ein Modell fotografiert? Scheinbar war Makeup am Theater ja nicht das einzige, das er beruflich machte, so wie es von Theo geklungen hatte.

      Erst als Noel mit dem Teeservice zurückkam, setzte Jay sich zu ihm aufs Sofa. Gewohnheitsmäßig ließ er recht viel Abstand zwischen ihnen, aber er korrigierte sich schnell und rutschte ein Stück näher. Gleichzeitig schnappte er sich von der Seite eine dünne Decke, die er sich über die Schultern legte. Es war zwar angenehm warm in der Wohnung, aber Jay fühlte sich, als wäre der Wind draußen durch ihn hindurch geweht und hätte seine Innereien als Eiszapfen hinterlassen. Tee und Alkohol klang gerade nach einer umwerfenden Mischung.

      Er lehnte sich zurück und sah Noel zu, wie er den Tee herrichtete. „Du fotografierst also?“, fragte Jay aus dem Nichts. „Hobbymäßig? Theo meinte, du würdest online Fotos posten, wenn ich das richtig verstanden hab. Kann ich mal welche sehen?“ Er lächelte. Es war an der Zeit, dass er ihn mal besser kennenlernte.
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    • Nachdem Noel die beiden Tassen gefüllt hatte nahm er eine der beiden in die Hände. Der Tee war noch viel zu heiß um ihn zu trinken, aber so hatte er immerhin etwas was er festhalten konnte und gleichzeitig konnte er seine eingefrorenen Finger aufwärmen.

      Bei der Frage nickte er. „Ja, auch…also auch hobbymäßig. Wenn es sich anbietet fotografiere ich auch gerne in den Studios aber das lassen nicht alle Models und Fotografen zu…naja Zeit ist Geld und so. Ich habe zwei Freunde mit denen ich in der Vergangenheit des Öfteren kleine Shootings gemacht habe, oder wenn das Wetter es zulässt gehe ich gerne spazieren und schau was mich so anlächelt.“ erklärte er, wenn er Glück hatte, und das hatte er meistens, durfte er von den Models die er fertig gemacht hatte einige Fotos für sein Portolie machen, mehr war aber meistens nicht drin.

      Die Tasse die er eben erst in die Hände genommen hatte, stellte er wieder auf den Couchtisch ab um sein Handy aus der Tasche zu ziehen. „Ich habe einen kleinen Instagramaccount, den ich teils als Portfolio nutze und teils ein wenig zeige was ich beruflich so tue. Immerhin lebe ich davon, dass man meine Arbeit sieht.“ lächelte er sanft und hielt Jayden dann sein entsperrtes Handy hin. Noel hatte besagten Instagramaccount geöffnet. Der ‚kleine‘ Account hatte mehrere tausend Follower und etliche Beiträge. Jedoch waren auf kaum einen dieser Beiträge sein eigenes Gesicht zu sehen, dafür gab es viele professionell wirkende Shootingbilder oder Videos wie er andere schminke, Perücken herrichtete oder Kostüme an denen er gearbeitete hatte zeigte. Die Menschen auf den Bildern wiederholten sich selten. Es kam mal vor dass man eins der Gesichter mehr Mals sah, aber in der Regel waren die Bilder nur kleine Ausschnitte von großen Shootings, eine einmalige Aufnahme von lang vergangen Aufträgen und Ereignissen. Oft waren die Fotos auch von anderen Fotografen, die er auf seinem Account erneut hochgeladen hatte. In der Regel hatte er schließlich nur das MakeUp und die Haare gemacht.

      ‚Noel V. Rivière
      Künstler/in
      Hair and Make Up Artist

      SFX Artist
      Theater Make Up
      Photography‘

      So stand es in blockartigen Buchstaben in seiner Profilbeschreibung, darunter ein Link über welche man zu seinem richtigen Portfolio gelangen konnte. Wenn man auf besagter Seite nach unten scrollen würde, würde man zu einer Auflistung seiner Kontaktmöglichkeiten gelangen. Eine E-Mailadresse so wie eine Handynummer.

      Wenn man sich das Profil genauer anschauen würde, würde einem auffallen dass es nicht sonderlich privat wirkte. Es gab keine typischen Urlaubsfotos, keine Aufnahmen von schön herrichteten Essen oder Spiegelselfies, eben all das nicht, wozu andere Leute soziale Netzwerke um Normalfall benutzen. Noel sah diese App als Mittel, seine Arbeit in die Öffentlichkeit zutragen. Er war so gut wie nie auf den Beiträgen zu sehen und selbst bei den Beiträgen wo er zu sehen war, lag der Fokus nicht auf ihm sondern auf seiner Arbeit. Anders sah es auch nicht auf den Beiträgen aus, auf denen er markiert wurde. Eine noch buntere Aneinanderreihung von Shootingbildern, kurzen Videos oder Gruppenfotos, auf denen er meistens in der Beschreibung neben den Worten ‚Hair und MakeUp:‘ auftauchte. Manchmal wurde ihm in einem längeren Text für seine gute Arbeit gedankt, aber all diese Worte klangen nie sonderlich persönlich. Er machte sich daraus jedoch nichts.

      Nachdem er Jayden sein Handy in die Handy gedrückt hatte, hatte Noel sich wieder seine Tasse gegriffen. Die Wärme tat seiner kalten Haut erschreckend gut, kurz überlegte er sich ebenfalls eine Decke zu nehmen, dafür hätte er jedoch aufstehen müssen um ins Schlafzimmer zu gehen, also ließ er es bleiben.
    • Jay nahm das Handy entgegen und scrollte durch den Account. Ab und an klickte er auf Fotos und Videos, die Noel von der Seite oder von hinten zeigten, wie er die Models schminkte. Ohne es zu merken, fing er an leicht zu lächeln.
      „Wie bist du überall darauf gekommen, Make Up auszuprobieren?“, fragte er nebenbei. Er merkte langsam, wie er nach Fotos von Noel suchte, aber er fand nichts, das ihn zentral im Bild hatte, abgesehen von seinem Profilbild. Dabei musste er unglaublich fotogen sein. Zumindest stellte Jayden sich das so vor. Er konnte sich nicht ausmalen, dass Noel jemals nicht gut aussah, sogar sein genervtes Gesicht war irgendwie heiß.

      Da kam Jay die Idee des Jahres. Er merkte sich den Namen von Noels Profil, swipte hoch um Instagram zu schließen und klickte auf seine Foto App. In einer fließenden, nicht aufzuhaltenden Bewegung, lehnte er sich zurück und lichtete Noel mit einem breiten Grinsen ab. „Sag Cheese“, wies er ihn an und schoss noch ein paar Fotos, bevor er ihm lachend das Handy zurück gab. „Jetzt hast du auch ein paar Fotos von dir zum posten“

      Er setzte sich wieder aufrecht hin und stieß Noel freundschaftlich mit der Schulter an. Und das war‘s dann wieder mit freundschaftlich, nachdem die Leichtigkeit immer nur kurzzeitig seinen Körper zu übernehmen schien, bevor er sich wieder ein paar zu viele Gedanken um sein eigenes Verhalten machte. Also nahm er schnell die Teetasse in die Hand und trank vorsichtig einen Schluck. Und dann stieß er ein kleines, überraschtes Geräusch aus. „Oh, hey, das ist echt gut. Wie kommt man auf so eine Kombination? War der Tee eines Tages nicht beruhigend genug und du wolltest direkt ins Koma fallen?“ Er grinste.
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    • Bei der Frage hielt er kurze inne, bevor er sich leise räusperte. „Ich bin tatsächlich erst in die Special Effects Szene gerutscht bevor ich MakeUp gemacht habe.“ erklärte er. „Im Grunde fand ich diese ganze Szene allgemein schon immer sehr interessant, es ist wie malen nur eben mit einer lebendigen Leinwand. Ich hab dann mit SFX MakeUp und Bodypainting angefangen und irgendwann experimentiert man dann mit anderen Sachen. Sieht irgendwo Inspiration und will die nach schminken…an sich ist es eine recht unspektakuläre Geschichte.“ meinte er sanft Lächelnd und beobachtete wie Jayden durch sein Handy scrollte.

      Bei den nächsten Worten des Studenten schaute Noel etwas perplex in die Kamera, bei dem breite Grinsen von Jayden konnte er Franzose aber kaum anders als zu ebenfalls zulächeln. „Ich denke zwar nicht, dass ich die Fotos jemals posten werde, aber ich kann sie dir gerne schicken, dann hast du was zum anschauen wenn du an mich denkst.“ meinte er mit einem frechen Grinsen und legte sein Handy mit dem Bildschirm nach unten neben sich aufs Sofa. Noel rutschte ein wenig näher an den Jüngeren ran, verschränkte seinen Beine so, dass er ihm nun im Schneidersitz gegenüber saß ehe er ebenfalls einen Schluck aus seiner Tasse nahm.

      „Anstrengender Arbeitstag, Architekturstudenten die einen den letzten Nerv rauben aber irgendwie doch echt sympathisch und attraktiv sind…muss wohl einer dieser Tage gewesen sein. Manchmal braucht man einfach die Kombination um süßem Alkohol und beruhigenden Tee.“ zwinkerte er Jayden grinsend zu. Nun wo sie wieder in Noels Wohnung waren fühlte er sich sicher, vielleicht war das aber auch einfach nur dem Alkohol geschadet oder der Tatsache das Jay ihn tatsächlich begleitet hatte.

      Dann war es kurz still zwischen ihnen. Noel lag eine Frage, die ihm schon seit Tagen durch den Kopf ging, förmlich auf der Zunge.
      Er konnte nicht anders als Jayden zu beobachten. Kurz schoss ihm in den Kopf, dass der Studenten das vielleicht komisch fand, Noel beobachtete ihn oft, meistens absolut ungeniert, aber er konnte einfach nicht anders. Jayden war unweigerlich attraktiv und Noel hatte das Gefühl jedesmal neue Dinge in dessen Gesicht zu sehen. Wie ein Sternenhimmel und je länger man in sich anschaut desto mehr Sternbilder erkannte man.

      „Wäre Cyrus Sonntag nicht reingekommen…“ Fing er plötzlich an seine Gedanken auszusprechen. „…hätten wir uns geküsst?“ die Frage schwirrte Noel seit Sonntag durch den Kopf. Eigentlich konnte er sich die Antwort selbst geben, aber aus unerfindlichen Gründen wollte er sie von Jayden hören.
    • Jayden wusste nicht, ob Noel scherzte, aber er konnte ihn schlecht im Ernst darum bitten, ihm diese Fotos zu schicken, wenn er sowas sagte. Vielleicht lag es ihm aber das Angebot klang ziemlich schmutzig. Er ging der Aussage also mit einem leichten Lachen aus dem Weg, bevor er wieder ein paar Mal an seinem Tee nippte. Was genau Noel ernst meinte, nicht ernst meinte, und was er unabsichtlich sagte, hatte er noch nicht ganz herausgefunden.

      Wofür er aber ein außerordentlich gutes Gespür hatte, waren Fragen, auf die es nur eine Antwort geben sollte. Jayden sah Noel wieder an. Er hatte diesen leicht hoffenden Ausdruck, der ihm vielleicht selbst nicht auffiel. Aber Jay müsste schon ziemlich langsam sein, wenn er nicht schnallen würde, was Noel hören wollte. Er war immerhin derjenige gewesen, der auf Jay zugekommen war. Und Jay war nur da gesessen, regungslos vor Schock, bis er sich endlich zusammengerissen hatte und da war es auch schon zu spät gewesen, dank Cyrus. Natürlich hätten sie sich geküsst. Und es hatte sich aus unerklärlichen Gründen auch angefühlt, als wäre es dabei geblieben. Natürlich abgesehen davon, dass sie sowieso nicht alleine gewesen waren und Mona auf Noel gewartet hätte.
      Die Stimmung war seitdem einfach eine andere gewesen. Jay war sich ziemlich sicher, dass das zu einem großen Teil ihm selbst und seiner Unfähigkeit, locker zu sein, zuzuschreiben war.

      Er stellte seine Tasse also wieder ab. Er wollte wirklich ja sagen, auf irgendeine charmante, flirtive Art, die er normalerweise so gut drauf hatte, aber er bekam das in letzter Zeit einfach nicht mehr hin. Irgendwas hatte er zwischen dem One Night Stand und dem Beinahe-Kuss verloren. Und es war vermutlich seine Leichtigkeit. Hoffentlich bekam er die bald zurück, und nicht nur schubweise, wenn ihm kindische Ideen kamen.

      „Da… darauf wäre es wohl hinausgelaufen“, antwortete er ungeschickt. Er räusperte sich und beschloss, dass er nicht weiter so steif sitzen konnte, wenn er nicht vor die Tür gesetzt werden wollte, weil er so unnatürlich humorlos war.
      Also zog er die Beine an sich und spiegelte Noel mit seinem Schneidersitz, auch wenn seine Jeans das zu einer kleinen Herausforderung machte.
      „Du hast aber keine Mitbewohner, von denen ich nicht weiß, stimmt‘s?“, fragte er und lächelte leicht. „Also… die Chancen stehen ganz gut, dass wir das einfach nachholen können“ Er schwieg kurz, dann konnte er nicht anders. „Immerhin bin ich ein ziemlich sympathischer, attraktiver Architekturstudent und stets zu Diensten, um dir die Nerven zu rauben und hervorragende Rezept Ideen zu liefern“
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    • Noel wollte schon fast leicht enttäuscht aufseufzten als er von Jayden die leicht steife Antwort bekam die er zwar irgendwie erwartet, sich aber nicht erhofft hatte. Als Jayden nun aber seine Tasse zurück auf den Tisch stellte und sich ihm ebenfalls im Schneidersitz gegenüber setzte, kam das Grinsen auf Noels Lippen zurück. Er hatte diesen leicht flirtenden Unterton schon fast nachgetrauert. „ich kenne außer dir tatsächlich auch keine attraktiven Architekturstudenten.“ zwinkerte er Jay zu. Ihm kam zwar in den Kopf das Cyrus sicher auch Architektur studierte, aber erstens fand er den besten Freund des Jüngeren nicht mal halb so attraktiv und zweitens hatte er Jayden mit seinen Worten auch gemeint.

      Noel nahm noch einen Schluck aus seiner Tasche bevor er, ohne Jayden aus den Augen zu lassen, diese ebenfalls auf den Tisch stellte. Nachdem seine Hand nun wieder unbeschäftigt war, fand sie ihren Weg schnell zu Jays Knie. Der Jeansstoff spannte sich auf Grund der Sitzposition ein wenig. Noel konnte die feste Muskulatur unter dem Stoff erahnen. Er hatte schon immer ein Ding für Muskeln übrig. Nicht das der Franzose auf total austrainiert Körper stand. Sie mussten an den richtigen Stellen sein, die richtige Menge, duften nicht zu aufgepumpt aussehen, eher natürlich. Es war bei ihm wohl eher ein ästhetisches Ding. Noel stand allgemein auf ästhetische Körper. Menschen die man gerne anschaute weil sie einfach attraktiv waren. Deswegen hatte er angefangen zu fotografieren, er wollte Ästhetik einfangen, was jedoch nicht hieß, dass er mit jeden Menschen den er fotografieren wollte, ins Bett wollte. Jayden war da wohl eine große Ausnahme. Damit Noel überhaupt Gefühle für jeden entwickelte, musste das Gesamtbild passen und genau das passte bei Jayden einfach. Er musste sich wohl bei jeder Person fühlen.

      „Ich würde das gerne nachholen…“ hauchte er leise, während die seine Beine aus dem Knoten lösten und er noch ein Stückchen näher an Jayden rutschte, seine Hand folgte der Bewegung und fuhr ebenfalls ein wenig höher. Nicht hoch im Sinne von, dass sie gleich in Jaydens Schritt lag, sondern einfach nur auf dessen Oberschenkel ein wenig, oberhalb dessen Knies.
    • Wie schon am Wochenende spürte Jayden, wie der Rhythmus seines Herzschlags an Geschwindigekit zulegte, als Noels Beine sich links und rechts von ihm positionierten, er ihm näher kam und über sein Bein strich. Die Position war doch irgendwie etwas intimer, als beim letzten Mal, also fühlte es sich fast nur natürlich an, Noel zu küssen, egal wie nervös er unnötigerweise war.
      Sobald er ihm eine Hand in den Nacken legte und sich zu ihm lehnte, wurde sie fast unerträglich. Er ließ sich einen Moment Zeit, bevor er seine Lippen tatsächlich auf Noels legte. Und in dem Moment wich die Nervosität endlich und machte Platz für etwas anderes. Ebenfalls einen Adrenalinschub, aber einer, der ihn nicht aufhielt, sondern anspornte. Er ging es langsam an, aber dann kippte er doch in einen leidenschaftlicheren Kuss. Es war auch nicht das erste Mal, dass sie das taten, und gewissermaßen nahm das Jayden ein wenig die Hemmungen. Er legte Noel seine andere Hand auf den Oberschenkel, strich mit zunehmendem Druck auf und ab bis sie sich automatisch den Weg zu seinem Oberkörper fand.

      Jayden wusste noch immer nicht, was ihn trieb, wenn er das tat. Noel hatte schon an Halloween irgendetwas an sich gehabt, dass er aufregend gefunden hatte, und er hatte keine Angst gehabt, sich mit diesem Gefühl auseinanderzusetzen. Und egal, wie typisch es für ihn war, offen für Neues zu sein, das hätte im Normalfall außerhalb seiner Komfortzone liegen sollen. Tat es aber nicht. Er hatte keinerlei zweite Gedanken, wenn er Noel küsste oder in irgendeiner Weise berührte. Tatsächlich hatte er überhaupt keine Gedanken im Kopf. Alles, was von ihm übrig war, war der Teil, der einfach tat, wonach ihm gerade war, ohne es zu überdenken, wie er in den letzten Tagen alles überdacht hatte. Es war eine wunderbare Abwechslung. Er konnte endlich für einen Moment abschalten, die Stimmen in seinem Hinterkopf verstummen lassen und einfach bei Noel sein.
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