My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Noel gab einen zustimmenden Laut von sich. „Architektur…ja das hätte ich mir wohl auch selbst erschließen können.“ nickte er leicht. „Ich bin furchtbar schlecht in sowas, aber man kann ja nie wissen, was sich die ganzen Professoren so ausdenken. Mona erzählt auf jeden fall immer von den unmöglichsten Dingen.“ meinte er ein wenig in den Gedanken und hörte Jayden dann wieder aufmerksam zu. Als der Student dann jedoch davon erzählte, dass ihm sein Studium gar nicht so richtig interessiert zogen sich Falten der Verwirrung auf Noels Stirn. „Aber wenn dich das gar nicht so wirklich interessiert, warum machst du es denn dann?“ fragte er so, als ob das, die logischste Konsequenz überhaupt wäre. „Du könntest ja auch was anderes im künstlerischen Bereich machen, es muss ja nicht unbedingt etwas sein, was dich nur zur Hälfte interessiert.“

      Bei der Erzählung, der zwei jährigen Findungsphase musste Noel grinsen. Das hatten einige in seiner Schule damals auch gemacht. Erstmal die neu erworbene Freiheit genießen, er war damals sofort in das nächste Kapitel gestartet, ähnlich wie seine ältere Schwester auch schon. Seine Eltern hätten ihm eine längere Pause wohl auch nur schwer erlaubt.

      Bei der Berufsbezeichnung die Jayden sich aus dem Ärmel geschüttelt hatte, musste er laut auflachen. „Ich bin Hair- und MakeUp-Artist, mit einer Spezialisierung für Special effects, Bühnen-makeup und Maskenbildnerei.“ ratterte er seine eigentliche Berufsbezeigung runter, als ob er täglich zehn Minuten vor dem Spiegel stand und diese auswendig lernte. „Im Moment bin ich aber größtenteils als Maskenbildner am Theater. Sprich ich designe die Masken und mache das Bühnen-MakeUp und die Haare der Artisten.“ erklärte er Jayden recht grob was momentan seine Aufgabe war, dass er regelmäßig noch bei Fotoshootings und diversen kleineren Dreharbeiten dabei war, ließ er erstmal aus.

      Das breite Lächeln brachte Noel zum grinsen. „Stimmt wohl…aber ich mach das echt gerne, so lang mir die Leute nicht auf die Nerven gehen…“ er machte eine kurze Pause bevor er weiter sprach. „Es ist nochmal eine ganz andere Art von Kunst, seine Werke auf menschliche Haut zu bringen. Und vor allem verbinden Special Effect MakeUp sowohl die Kunst als auch diese makabere und düstere was ich unfassbar interessant finde.“
    • „Ich mach es eben. Kein besonderer Grund. Ich hab meinen Abschluss ja schon fast“, erklärte er und räusperte sich. Ein guter Lügner war er noch nie, aber er konnte Noel jetzt nicht von seinen Wünschen und Träumen erzählen, oder?

      „Fancy“, antwortete er dann grinsend auf den langen Jobtitel. Er merkte selbst, wie er dringend versuchte, Noel nicht allzu ernst zu nehmen. Es war interessant, was er erzählte, und Jayden verspürte wirklich den Drang, sein Grinsen fallen zu lassen und sich mehr über die Arbeit am Theater erzählen zu lassen, weil er sich da absolut nicht auskannte und Noel irgendetwas reizendes an sich hatte, wenn er etwas erklärte, aber Jay wollte dieses Gespräch einfach nicht zulassen. Es war ein innerer Kampf. Und aus irgendeinem Grund war seine Lösung dafür, unausgesprochen ehrlich zu sein, was definitiv nach hinten losgehen würde, wenn er Noel emotional von sich fernhalten wollte.

      Er ließ den Arm fallen und lehnte sich wieder zurück. Sein Blick wurde ein wenig ernster. „Wieso sitzen wir hier eigentlich?“, fragte er, vielleicht etwas zu direkt heraus. Er merkte sofort, wie unsympathisch das klang. „Ich meine, ist das hier Small Talk oder eine Kennenlernphase? Ich unterhalte mich… viel zu gern mit dir, darum frage ich“ Er schwieg einen Moment und überlegte, wie er am besten fortfuhr. Was wollte er damit eigentlich erreichen? Klarheit? Die brauchte er doch garnicht, ihm war schon klar, dass er keine Freundschaft aufbauen wollte, die am Ende zu mehr wurde; zu etwas, mit dem er gerade nicht klarkam. Aber es wäre wohl bescheuert, Noel zu erklären, dass er ihn nicht zu gern haben wollte. Obwohl er das mit seiner letzten Aussage schon irgendwie angeteasert hatte.

      Also hielt Jay seine Ehrlichkeit im nächsten Satz ein wenig zurück. „Du willst doch keine komplizierte Kennenlernphase mit einem verwirrten Studenten, oder?“ Er grinste leicht, auch wenn es ihm ein bisschen zuwider war. Super, immer nur die Aufmerksamkeit davon weglenken, was er selbst wollte. „Zerstören wir doch keine gute Sache“
      In gespielter Ignoranz stand er vom Tisch auf, trank ein paar Schluck Wasser und stellte dann Teller und Glas in die Spüle. „Fahren wir? Mona und Cyrus zerlegen mir sonst noch im Streit die Wohnung“ Zumindest eins war sicher: die beiden würden ein wahnsinnig toxisches Pärchen abgeben, wenn es so weiterging, und Noel und Jay mussten es ihnen ja nicht gleichtun.
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    • Noel grinste den Jüngeren bei dem ‚Kompliment‘ zu seinem Beruf an, je mehr Jayden jedoch zu ihrer momentanen Situation sagte, desto mehr verschwand das Grinsen und gab einem, erst etwas verwirrten Blick und dann einer harten Miene platz. Sie erinnerte ein wenig an den Gesichtsausdruck, den Noel auch schon an Halloween hatte. „Wer hat auf sowas schon Lust.“ meinte er nur während er selbst aufstand. Ja, wer hatte das schon?

      Der ungewohnte, fast schon stechende Schmerz in seiner Brust fühlte sich komisch an. Eigentlich dürften ihm die Worte doch gar nicht so nah gehen. Eigentlich müsste es Noel doch egal sein. Sie waren in keiner Beziehung, sie waren nicht mal Freunde. Sie hatten bloß ein einziges Mal betrunken Sex gehabt und aus einem Anflug von…was auch immer das gestern war, hatte er Jayden angeboten, ihn bei sich schlafen zu lassen. Sie wollten gestern einfach beide nicht alleine sein und hatten dann ein wenig miteinander rum gemacht, mehr war das nicht.

      Als Noel aufstand, konnte man deutlich sehen wie sich seine Haltung von jetzt auf gleich verändert hatte. Wie rapide er die kalte Mauer um sich wieder errichtete, die Jayden seit Halloween so erschreckend schnell eingerissen hatte.
      Es war besser so.
      Schon nach Halloween war Noel eigentlich der Meinung, dass es besser so wäre und trotzdem konnte er einfach nicht anders als die Nähe des anderen zu suchen. Jayden war einfach ein sehr angenehmer Mensch und die letzten Stunden hatte er mehr genossen als es ihm lieb war, aber es wurde Zeit wieder in sein geregeltes und sortiertes Leben zu gehen, ohne irgendwelche Probleme, ohne Partys und vor allem ohne Stunden die sein Leben unnötig verkomplizierten.

      „Ja lass uns fahren. Ich zieh mir eben was anders an, dann können wir los.“ sein Geschirr verfrachtete er auf dem Weg in die Spüle und ging dann ohne ein weiteres Wort in sein Schlafzimmer. Als die Tür hinter ihm ins schloss fiel seufzte er leise auf. Die harte, unnachgiebige Maske verrutschte ein wenig, das würde er aber in den nächsten Minuten hoffentlich wieder in den Griff bekommen, ohne das Jay irgendwas bemerkte.
      Er würde einfach genau so weitermachen wie zuvor.

      Es dauerte nicht lange bis Noel in Jeans und Pullover aus dem Schlafzimmer raus kam, die Haare immer noch in dem ‚Outfit-of-bed-Look‘ wie er sie auch schon beim Frühstück hatte. Die Ärmel hatte er bis kurz vor den Ellenbogen hoch geschoben und die leicht defensive Abwehrhaltung die er ganz unbewusst eingenommen hatte war fast schon greifbar.

      Er wollte diese Worte nicht so nah an sich ran lassen, wollte sich nicht davon beeinflussen lassen und vor allem wollte er nicht, dass sie ihm so weh taten, und trotzdem hinterließen sie einen furchtbar bitteren Beigeschmack. Sie kannten sich im Grunde nicht und trotzdem hatte sich Noel in den letzten Stunden, dem Studenten wohl mehr geöffnet als jedem anderen Menschen, was das jedoch mit sich brachte, wurde ihm nun mehr als nur deutlich dar gelegt - schon fast auf dem Silbertablett serviert.
    • Okay. Das war nicht ganz so gelaufen, wie erhofft. Jayden blieb einen Moment alleine in der Küche zurück, fing sich wieder und ging dann langsam zur Haustür, um auf Noel zu warten.

      Er hatte das definitiv nicht gut aufgenommen. Wobei das wohl normal war, die Aussage war ziemlich beschissen gewesen. Aber was sollte Jayden sonst tun, wenn er merkte, dass sie sich immer näher kamen? Er konnte es irgendwie akzeptieren, was lockeres mit Noel am laufen zu haben; einfach, weil er sich viel zu sehr zu ihm hingezogen fühlte. Was wohl auch das Problem war. Wenn er wenigstens eine absolut nervige Persönlichkeit hätte, könnte Jayden sich mehr darüber freuen, nur mit ihm zu schlafen. Aber früher oder später mussten sie sich ja mal unterhalten und offenbar konnten sie das zu gut, also sollten sie es besser vermeiden.

      Jay wusste auch keine Lösung für diese Situation. Es machte ihm ein wenig Angst, wie sehr ihn die abweisende Haltung seines Gegenübers störte, als er aus dem Zimmer kam. Er hatte nicht gewollt, dass er sich gleich wieder so zurückzog. Nur… ein bisschen eben.

      „Hey, ich meinte nicht, dass ich dich nicht wiedersehen will“, versuchte er zu erklären. „Das sollte nur nicht zu ernst werden, verstehst du?“ Machte es das jetzt irgendwie besser? Er wollte nicht, dass Noel ihm jetzt einfach nur aus dem Weg ging. Hatte er nicht auch etwas zwangloses gewollt? Einfach ein bisschen Gesellschaft, ohne Gefühle. Das konnte nunmal nur so bleiben, wenn sie ihre angeregten Unterhaltungen minimierten und aufs Frühstück verzichteten.
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    • Noel seufzte leise als er nach seinem Haustürschlüssel griff. „Mit ‚nicht zu ernst‘ meinst du was? Kein kennenlernen weil du ja nicht schwul bist?“ fragte er in einem harschen Ton. Da war sie wieder, seine sonst so charakteristische Art mit welcher er grundsätzliche alle Menschen ins einer Umgebung vergraulte. „Im Grunde ist es mir egal was du damit meinst. Ich lass mich nicht vögeln und dann vor die Tür setzen.“

      Er wollte mit ihm reden. Er wollte so mit ihm reden, wie sie vorhin noch am Tisch geredet hatten Er wollte es wirklich. Diesen haschen, scharfen Ton wieder in die kleine Kiste schließen, wo er eben noch friedlich geschlafen hatte. Aber er konnte nicht. Seine selbstaufgebaute Schutzmauer hatte sich viel zu schnell wieder errichtet und er hatte Mühe überhaupt durch das dicke Mauerwerk hindurch zu kommen.

      Vor Jahren hatte er für sich selbst festgelegt, dass er dieses ganze Beziehungszeug nicht konnte. Das er einfach Beziehungsunfähig war mit seiner Art, die für die meisten Leute einfach abschreckend war, obwohl er eigentlich gute Gesellschaft sehr genoss. Und trotzdem hatte Jayden es innerhalb weniger Stunden geschafft, seine komplette Theorie ins schwanken zu bringen.

      Die ausgesprochenen Worte des Jüngeren bohrten sich wie ein scharfe Klinge in sein Fleisch. Wandte sich, in dem imaginären Bild vor seinem inneren Auge, in seinem Muskelgewebe und riss alles was er in den letzten Stunden an Wahrzeichen ignoriert hatte brutal ans Tageslicht.

      Er hatte nach seiner letzten Beziehung panische Angst sich wieder an jemanden zu binden, generell hatte er jeden näheren Kontakt der in eine romanische Richtung hätte gehen können gemieden. Es war nicht so, dass die Trennung besonders schmerzhaft war, sie hätte nur nicht nötig sein müssen und er war ganz alleine daran Schuld - das bildete er sich jedenfalls immer noch ein. Und trotzdem hatte Jayden ihn innerhalb weniger Stunden geschafft so dermaßen in seinen Bann zu ziehen, dass er für einen viel zu langen Moment die Vergangenheit vergessen konnte.

      Das Noel gerade einen inneren Kampf führte, war wohl deutlich zu sehen. Nicht das er seine Gefühlswelt grundsätzlich nicht gut verstecken konnte, er hatte dem Studenten einfach schon viel zu viel von sich Preis gegeben.

      „Ich hab kein Problem damit das hier, was auch immer das ist, locker zu halten.“ meinte er ernst, bevor seine Stimmlage einen etwas weicheren Ton annahm. „Ich habe nur ein Problem damit, eine Möglichkeit für schnellen und unverbindlichen Sex zu sein. Es muss nicht gleich die ganze Welt wissen, was hinter geschlossenen Türen passiert und im Grunde arbeite ich zu viel um mir wirklich Zeit für eine Person zu nehmen aber…“ ja was genau wollte er eigentlich sagen?
      Sein Haustürschlüssel drückte sich unangenehm aber nicht schmerzhaft in seine Handinnenfläche, er öffnete seine Hand jedoch nicht. Irgendwie brauchte er gerade den Druck gegen seine Haut um sich auf etwas konzentrieren zu können. „Ich könnte gut damit leben, wenn wir, was auch immer das ist, so halten wie in den letzten Stunden. Wir haben einfach eine entspannte Zeit mit einander, kommunizieren offen und ehrlich und gut ist. Kein Drama, keine komplizierte Geschichte, einfach entspannt.“

      Sie brauchten ja nichts unbedingt unnötig kompliziert gestalten. Sie hatten kein exklusiv Recht auf den anderen, verbrachten einfach nur eine schöne Zeit mit einander und wenn Noel sich mal wieder in seine Arbeit verkroch und sich Wochen lang nicht meldete, durfte Jayden nicht sauer sein, immerhin waren sie ja nicht in einer Beziehung…
      Das war wohl das einfachste was sie machen könnten. Vor allem war so aber die Gefahr ausgeschlossen, dass das genau so endete wie seine letzte Beziehung, die ihm immer noch ein wenig schmerzhaft in den Knochen hing.
    • Jay konnte nichts darauf antworten. Irgendwie hatte Noel ja nicht unrecht. Sein Tonfall machte Jay nicht wütend, sondern frustrierte ihn nur, weil er wusste, dass er ihn selbst provoziert hatte.
      Er wollte sich mit dem ganzen Kram einfach nicht auseinandersetzen, aber Noel nie wiedersehen wollte er auch nicht. Das war schwer zu vereinbaren und so stimmte er oberflächlich den Worten des anderen zwar zu, hatte aber innerlich mit dem Wissen zu kämpfen, dass er sich nicht im Griff haben würde, wenn sie sich weiter trafen und dann auch noch den Morgen zusammen verbrachten, oder… irgendeine Zeit, in der sie nicht so beschäftigt miteinander waren, dass sie beide nicht reden konnten. Vielleicht war er auch naiv und das tat garnichts zur Sache. Solange er Noel traf, unter welchen Umständen auch immer, würde er ihn nicht aus dem Kopf kriegen. Es war nichts für Jay, mehrmals mit derselben Person ins Bett zu steigen, dafür war er einfach zu leicht ablenkbar und nach ein paar Mal existierte in seinem Kopf nur noch diese Person. Er war selbst schuld, dass er sich jetzt auf so etwas einließ und erwartete, dass es irgendwie anders enden könnte.

      „Okay. Ich wollte nur sichergehen, dass es so bleibt. Ich bin kein Beziehungsmensch. Wenn wir uns einig sind, ist alles in Ordnung“, erklärte Jay ruhig, als wäre Noel das Problem und nicht er selbst. Verdammt, gerade eben hatte er noch versucht, Noel von sich wegzustoßen und jetzt arbeitete er wieder daran, ihn näher zu sich zu ziehen, weil er ihn auch nicht gleich wieder verlieren wollte. War er in einem Wettbewerb mit sich selbst, wie toxisch er sein konnte?
      Das war alles zu viel für ihn. Wieso hatte Noel irgendwelche Erwartungen an ihn, wenn er gerade mal seit einer halben Woche wusste, dass er nicht so hetero war, wie er es immer gedacht hatte? Er war nicht bereit für das alles.

      Am Heimweg hatte Jay keine Ahnung, worüber er mit Noel reden sollte, abgesehen davon dass von ihm sowieso eine eisige Stimmung ausging. Jay hielt weiter an dem Glauben fest, dass es etwas ändern würde, wenn sie bloß nicht zu viel voneinander wussten. Also erzählte er nichts und fragte nach nichts. Und hatte ein unheimlich schlechtes Gewissen. Also worüber sprach man dann? Das Wetter?
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    • Sie redeten kein Wort miteinander als Noel Jayden von seiner Wohnung weg und zurück zu der Bar von gestern Abend führte. Die Stimmung die sie umgab war eisig und hing dick und unnachgiebig zwischen den beiden jungen Männern. Noel hing seinen eigenen Gedanken hinter her, wollte am liebsten die ganze Zeit was sagen, tat es jedoch nicht.

      Sagen, dass es nichts gemeint war. Sagen, dass der Ton in seiner Stimme nicht Jays Fehler war, dass er einfach selbst überfordert mit der Intensität seiner eigenen Gefühle war. Er konnte sich jedoch nicht dazu durchringen. Erst als sie vor dem schwarzen, sportlich aussehenden Auto standen, welches deutlich besser zu Noel passte als Monas Schrottkarre, räusperte sich der Künstler leise.

      „Jayden…Jay…das…“ er stoppt sich, fuhr mit der Hand durch die gefärbten Haare und seufzte leise, ein wenig überfordert auf. Wo sollte er bloß anfangen? Er war noch nie gut in solchen Gesprächen.

      „Das war scheiße von mir. Ich hätte nicht in so einem Ton mit dir reden sollen, das war nicht okay und es tut mir leid. Ich kann verstehen, dass diese ganze Situation für dich wahrscheinlich nicht sonderlich einfach ist. Ich…Ich habe die letzten Stunden wirklich sehr mit dir genoßen und ich würde es schade finden wenn wir das, was auch immer das ist, beenden. Du bist ein wirklich angenehmer Mensch und…“ Noel stoppt kurz, vielleicht sollte er einfach aufhören zu reden, er merkte schon wieder, dass er sich hier total in was reinritt. „…ich.“ verbringe gerne Zeit mit dir, dass war, was er eigentlich sagen wollte, stattdessen biss er sich kurz auf die Unterlippe. Wann hatte er das denn bitte zum letzten Mal gemacht? Da war er sicher noch ein kleiner, unerfahrener Teenager, zu seiner Verteidigung, genau so fühlte er sich gerade.

      „Wir sollten das einfach locker halten.“ meinte er dann, ohne den angefangen Satz zu Ende zu bringen. Es war wahrscheinlich besser so. Der Franzose machte wieder eine kurze Pause, bevor er Jayden die Beifahrertür aufhielt. „Lass uns fahren, sonst zerlegt dir Mona wahrscheinlich wirklich noch die Wohnung.“

      Hast du mal wieder großartig gelöst, schimpfte er sich selbst in seinem Kopf aus. So wie er, die Sache damals auch grandios gelöst hatte. Er hätte gar nicht erst mit sowas anfangen sollte. Noel wusste doch von Anfang an, dass sowas schlecht enden würde und nun war es eigentlich schon wieder fast vorbei, obwohl es kaum begonnen hatte. Und eigentlich wollte er wirklich mit Jayden reden. Er wollte ihm am liebsten so viele Dinge sagen, ihm seine Gefühlswelt am liebsten bis ins kleinste Detail erklären, damit Jayden ihn verstand, aber er traute sich einfach nicht.

      Noel ließ die Beifahrertür ins Schloss fallen, ging dann um den Wagen rum bevor selbst einstieg. Der Motor bewegte sich jedoch kein Stück, auch als Noel sich wenige Sekunden später anschnallte, schein der Franzose nicht der Meinung zu sein das Auto zum starten zu bringen. „Darf ich dich auf einen Kaffee einladen?…als Entschuldigung für den harschen Ton eben.“ hing er schnell hinten dran um es nicht nach einem kläglichen Versuch klingen zu lassen, Jayden zu einem Date einzuladen.
    • Jay war schlichtweg zu überfordert, um gleich zu antworten. Er stieg ins Auto ein, immernoch stumm, als hätte er in den letzten Minuten des Schweigens verlernt zu sprechen. Dann bot Noel ihm einen Kaffee an. Jay kniff kurz die Augen zusammen. Was verstand er denn bitte unter locker, wenn sie anfingen, andauernd Zeit miteinander zu verbringen?
      Das anfängliche beruhigende Gefühl, als Noel sich entschuldigte und nicht vorzuhaben schien, Jay nie wieder zu sehen, wurde wieder von einer leichten Abwehrhaltung abgelöst, vor allem als er merkte, dass Noels Worte im Gesamten nicht nur wie eine Entschuldigung, sondern eher nach einem Geständnis klangen. Er war ein angenehmer Mensch? Tat das viel zur Sache, wenn sie nur Sex hatten?

      „Meinst… Meinst du jetzt gleich?“, fragte er erst unsicher. Immerhin hatten sie es schon eilig gehabt, Mona abzuholen, und sie hatten gerade eben erst gefrühstückt. Aber wenn sie sich an einem anderen Tag trafen… wie unterschied sich das dann von einem Date? „Ähm, egal. Ich nehm dir das nicht übel, vergessen wir es einfach. Ich hätte es auch… anders ausdrücken können, nehme ich an“, lehnte er das Angebot ungeschickt ab. Diese ganze Geschichte bereitete ihm schon Kopfschmerzen. „Ich muss nachhause, ich hab viel zu tun, aber wir sehen uns bestimmt mal wieder irgendwo, dann kannst du mir einen Drink ausgeben“, versuchte er eine Alternative zu finden. Er warf Noel einen kontrollierenden Seitenblick zu. „Achja, wir sollten vielleicht… Nummern austauschen, oder so“, merkte er leiser an. Sie mussten es ja nicht komplett dem Zufall überlassen, ob sie sich je wiedersahen. Solang sie wirklich nur Treffen vereinbarten, war das ja auch in Ordnung…

      Jay hielt Noel sein Handy vor, damit er seine Nummer eintippen konnte. „Ich hab kommende Woche viel zu tun, aber… schreib mir, wenn du Gesellschaft brauchst oder so“ Er zuckte leicht mit den Schultern. Warum hatte er ständig das Gefühl, Noels Gefühle zu verletzen, wenn er sowas sagte? Das war wirklich kein gutes Zeichen.
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    • Noel nickte leicht. „War wohl einfach an sich ein grundlegender Fehler in der Kommunikation.“ meinte er etwas zu wissenschaftlich bevor er wieder eine kurze Pause machte. Seit wann fiel es ihm denn so schwer vernünftig zu kommunizieren? Die Frage konnte er wohl recht leicht beantworten, seit immer. Noel war noch nie gut seine Gefühle offen zu kommunizieren, etwas was wohl damit zusammenhing, dass er sich grundsätzlich von anderen Menschen weitestgehend fern hielt.

      „Ich hab eigentlich auch noch ein wenig was zu tun.“ erwiderte er etwas nachdenklich, machte jedoch immer noch nicht den Anschein den Motor starten zu wollen. „Die Stadt ist ja nicht so groß…also…es ist wohl wahrscheinlich, dass wir uns wiedersehen.“ vor allem wenn Mona sich weiterhin mit Cyrus traf. Er kannte seine beste Freundin und wusste wie versessen sie sein konnte und sie würde Noel sicher zu jedem Gruppentreffen schleifen wollten.

      Als Jayden dann plötzlich vorschlug Nummern auszutauschen, schaute der ältere ihn etwas perplex an, bevor er das Handy an sich nahm. Noel kannte das genaue Modell nicht. Mit Smartphones kannte er sich im allgemeinen nicht wirklich aus. Sein eigenes war schon einige Jahre älter und wahrscheinlich nicht mehr ‚ganz so in Mode‘, was Noel jedoch egal war, ihm waren andere Dinge schlicht und ergreifend wichtiger.

      Schnell tippte er seine Nummer ein, fügte sein Vor- und Nachname hinzu, so wie er all seine Kontakte grundsätzlich in seinem eigenen Handy einträgt. Dann rief er sich von Jayden’s Handy selbst an um auch die Nummer des jüngeren zu haben.

      „Das Angebot gilt übrigens auch für dich. Wenn du mal Gesellschaft brauchst oder aus deiner Wohnung flüchten willst, kannst du dich gerne melden. Ich werde jedoch wohl eher auf Anrufe reagieren als auch Textnachrichten, aber tue dir bitte keinen Zwang an.“ meinte er mit einem sanften Lächeln bevor er Jay sein Handy wieder hinhielt. „immerhin habe ich dir ja frische Croissants versprochen.“ der Satz klang weniger locker als Noel eigentlich gewollt hatte. Wo kam denn plötzlich diese komische Unsicherheit her?

      In einer fließenden Bewegung nahm er sein eigenes Handy in die Hand um die - noch - unbekannte Nummer einzuspeichern. Kurz überlegte er Jayden nach seinem Nachnamen zu fragen, ließ es dann jedoch bleiben, die Frage kam ihm plötzlich etwas komisch vor, immerhin kannten sich die beiden jungen Männer kaum.
    • "Du hörst dich an wie mein 50 Jahre alter Vater", murmelte Jay und schmunzelte. "Alles klar, dann rufe ich eher an", gab er sich aber schnell geschlagen. Konnte ihm recht sein, dann gab es weniger Raum für Missverständnisse, wie es Textnachrichten gerne an sich hatten. Die richtige Tonlage war manchmal nicht so unwichtig, besonders zwischen Noel und ihm.
      "Ich nehm dich beim Wort, beim nächsten Mal hast du lieber ein paar Croissants vorbereitet" Er lachte. Beim nächsten Mal. Das freudige Kribbeln bei dem Gedanken wurde leider konstant von einer seltsamen Ablehnung überschattet. Besser, Jay nutzte die nächsten Tage mal, um endlich mit sich selbst klarzukommen. Noel konnte auch nichts dafür, dass er sich selbst so unsicher bei all dem war. Er wollte wirklich nicht das Arschloch sein, das andere für seine Zwecke ausnutzte, aber gerade lag sein Verhalten ziemlich an der Grenze. Das war kein Bild, das er gerne von sch selbst haben wollte.

      Nachdem sie immer noch standen meinte Jay nach einer kurzen Pause: "Du hast schon vor, mich heute noch nachhause zu bringen, oder?" Er lächelte. Noel würde ihn kaum hier gefangen halten, aber Jay wollte auch nicht, dass er gleich das nächste Date vorschlug, je länger sie hier saßen. Frühstück ging wohl noch klar, damit konnte er sehr gut leben, jetzt wo sie darüber gesprochen hatten. Aber sie mussten es ja nicht zu weit treiben. Es war schlimm genug, dass Jay sich zumutete, dieses Arrangement einhalten zu können, ohne entweder aus Panik abzuhauen oder doch noch Gefühle zu entwickeln. Gott bewahre, dass das jemals passierte. Das brauchte er gerade am allerwenigsten.
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    • Als Jayden ihn drauf ansprach, dass sie immer noch standen wirkte der Franzose kurz etwas perplex bevor er nickte und schnell den Motor startete. „Ja selbstverständlich.“ meinte er hastig. Der Motor schnurrte wie ein Kätzchen unter ihnen auf und setzte sich in Bewegung. Geübt führte Noel das Auto aus der Parklücke. Er liebte diesen Wagen wirklich. Es war ein ganz anderes Fahrgefühl als Monas Schrottkiste bei der man bei jeder Bewegung Angst haben musste, dass diese auseinander fiel.

      Nicht mal zwei Minuten nachdem er losgefahren war klingelte sein Handy und auf dem integrierten Bildschirm, welcher unteranderem als Navi und Freisprechanlage fungieret, erschien in dicken, weißen Blockbuchstanden ein Name. Man sah Noel an, dass er kurz überlegte ob er den Anruf entgegen nehmen solle, entschied sich dann jedoch dafür. „Bonjour.“ Noels Blick war starr auf die Straße vor ihm gerichtet.

      Eine leicht verzerrte Frauenstimme antwortete ihm auf französisch. Sie tauschten einige kurze Worte aus bevor Noel wieder auflegte. Selbst wenn man nicht unbedingt französisch verstand, konnte man sich wohl ableiten, dass Noel so etwas wie ‚ich habe gerade keine Zeit‘ und ‚ich ruf dich gleich nochmal zurück‘ gesagt haben musste. Das was einem unfreiwilligen Zuhörer, so wie Jayden in diesem Moment einer war, jedoch direkt auffiel war, das Noels Stimme wenn er französisch sprach viel weicher klang. Sie hatte nicht diesen harten und erbarmungslosen Unterton den alle Menschen um ihn hervor wohl ein wenig abschreckten. Es schwamm viel mehr Gefühl in seiner Stimme mit, so als ob die Worte tief aus seiner Seele an die Oberfläche drangen und nicht so als würde er sie stumpf sagen.

      Er ließ das Gespräch unkommentiert. Solang Jayden ihn nicht drauf ansprechen sollte, würde er ebenfalls nichts dazu sagen. Eigentlich hätte er wohl gar nicht abgenommen, wenn er nicht gewusst hätte, dass die Person am anderen Ende ihn sonst mit Anrufen bombardieren würde. Er kannte sie einfach zu gut.
    • "Sexy", murmelte Jay und beließ es damit auch schon dabei. Er sprach kein Französisch also hatte er kein Wort verstanden, auch wenn der Inhalt des Gesprächs relativ leicht zu entziffern war. Dennoch war ihm aufgefallen, dass die Sprache Noel deutlich natürlicher von den Lippen zu kommen schien und ihm einen gefühlvolleren Ton verlieh, der ihm sonst ein wenig fehlte. Es war normal, dass Fremdsprachen mit einer gewissen Distanz und Ehrlichkeit gesprochen wurden, dagegen konnte auch keiner etwas unternehmen; schließlich lag das an Verbindungen, die im Gehirn entstanden. Doch Jay war sich eigentlich sicher gewesen, dass Noel zumindest zweisprachig aufgewachsen war. All das konnte er nicht wirklich in einen normalen Satz verpacken, der sein ehrliches Interesse versteckte, also sprach er nur aus, was ihm als zweites in den Sinn gekommen war: Fremdsprachen war heiß. Immer. Es war sogar relativ egal, welche es war.

      "Gibt's bei dir auch Dirtytalk auf Französisch?", fragte er mit einem leichten Grinsen auf den Lippen. Natürlich war das ein Scherz. Zum größten Teil. Jay gab so einiges von sich, wenn der Tag lang war. Aber irgendwie kam es ihm gerade auch ziemlich reizvoll vor, ein paar Dinge auszuprobieren, wenn sie schon dabei waren. Was mal wieder etwas war, das nicht laut ausgesprochen werden würde, solange er klar denken konnte…

      Als sie am Campus ankamen, kämpfte Jay mit sich selbst, ob er Noel einladen sollte, kommenden Donnerstag mit ihm ins Rodeo zu gehen, nachdem er Theo sogar selbst persönlich kannte. Allerdings… wo zog man wirklich die Grenze zu einem Date? Er konnte schlecht davon ausgehen, dass er nachher wieder mit in Noels Wohnung kam. Aber sonst wäre es bloß ein Treffen unter… was, Freunden? Das konnte nicht gut enden.
      "Äh, na dann. Wir sehen uns", sagte er also, als er den Kampf aufgab. Der Deal stand schließlich. Nur Sex. Das würde ihnen beiden einen Gefallen tun. Noel wollte unkomplizierte Gesellschaft und Jay… wusste nicht so recht, was er wollte, aber es wäre vermutlich ein Anfang mal herauszufinden, wie lange diese kleine Phase gehen würde. Je weniger ernst das Ganze, desto besser. Er stieg aus dem Auto aus.
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    • Ein leichtes Grinsen zog sich auf seine Lippen. Sexy. Das hatte er schon mal gehört und so wie damals schon musste er dieses mal wohl wieder unweigerlich zustimmen. Wenn man es drauf ankommen lassen wollte, konnte französisch unfassbar sexy klingen. Die Sprache an sich war viel weicher und melodischer als viele andere Sprachen und machte aus jedem gesprochenen Satz schon fast Poesie.

      Als die nächsten Worte die Jayden aussprach in Noels Verstand sickerten wurde das Grinsen nur noch breiter. „Klar, wenn du mich nochmal so küsst wie an Halloween bestimmt.“ gab er mit einem sanften französischen Akzent kokett zurück. Dieser leichte Nachhall der gesprochenen Worte würden in den nächsten Minuten seine Stimme wieder verlassen. Er hatte den Akzent nur wenn er viel französisch sprach oder kurz nachdem er französisch gesprochen hatte. Wenn er wieder einige Zeit in Frankreich verbringen würde, würde er wohl wieder stärker werden, wieder deutlich präsenter und er mochte ihn. Er mochte wie sich seine Stimme mit dem sanften, melancholischen Nachhall seiner Vorfahren anhörte. Sie klang dann viel mehr nach seiner eigentlich Stimme, so wie er der Meinung war, wie sich seine Stimme eigentlich anhören müsste.

      Irgendwie gefiel ihm dieses kleine Spiel mehr als er zugaben wollte. Diese lockere Umgangsform der beiden. Ohne Zwang, ohne dass man auf irgendwas besonderes achten müsse. Es fühlte sich einfach angenehm natürlich an mit Jayden im Auto zu sitzen. Genau so hatte es sich heute morgen beim Frühstück angefühlt.

      Als Jayden sich dann nach einigen Minuten verabschiedete nickte er leicht.
      Hätte er noch was sagen sollen? Von wegen wann sie sich wieder sahen? Ein nächstes Treffen ausmachen? Würden sie das einfach spontan irgendwann über Textnachrichten vereinbaren? Plötzlich war er schrecklich überfordert mit sich selbst. Sollte er nochmal aussteigen damit sie sich vernünftige verabschieden konnten? Tat man das überhaupt wenn man diese Art von Vereinbarung hatte? Wahrscheinlich nicht und wahrscheinlich war es Jayden auch nicht mal recht, immerhin wollte er es nicht unbedingt in die Öffentlichkeit tragen…
      Noel hatte sich schon fast mit den Gedanken angefreundet als ihm wieder einfiel was er als Ausrede genommen hatte um Jayden zu fahren. Er wollte Mona wieder mitnehmen, auch wenn er gerade definitiv keine Lust auf die Rothaarige hatte. Auf der anderen Seite wäre das eine Möglichkeit einen kurzen Blick in Jaydens Studentenwohnung zu werfen.

      So stieg Noel kurz nachdem Jay sein Auto verlassen hatte ebenfalls aus und schloss den Wagen ab. „Ich wollte Mona mitnehmen.“ Informierte er den jüngeren von seinem Plan. Immerhin war das so abgesprochen gewesen und der Student würde sich sicher auch freuen wenn er in seiner Wohnung Ruhe hatte und sich nicht noch zusätzlich um das Energiebündel kümmern müsse.
    • Es war ein wenig gefährlich, dass Noels Worte Jay immer wieder kleine Schauer den Rücken hinunter jagen konnten. Innerlich wehrte er sich bestmöglich gegen das Gefühl, aber wer mochte es nicht, ständig angeflirtet zu werden? Nur zu sehr freuen wollte er sich auf ihr nächstes Treffen nicht. Das war Phase Eins der Abhängigkeit. Die kommenden Tage musste er irgendetwas tun, um seine Gedanken umzulenken und einen freien Kopf zu bekommen, denn sowas wie letzte Woche überlebte er nicht noch einmal.

      Als Jay in Richtung Campus lief hatte er das seltsame Gefühl, von einem One Night Stand nachhause zu kommen. Dabei war es weder das, noch wäre es das erste Mal gewesen. Aber ein ähnlich unruhiges Gefühl begleitete ihn wie üblich, nur war etwas anders. Die Unruhe hatte nichts damit zu tun, dass er stolz drauf war und demnächst vor seinen Freunden mit irgendetwas angeben konnte. Er war nervös, weil es das Gegenteil war. Und jetzt kam Noel auch noch mit in seine Wohnung, das machte alles nicht besser.
      Jay nickte bloß mit einem kleinen Lächeln und deutete, dass Noel ihm folgen sollte, auch wenn er Mona am liebsten einfach persönlich aus dem Apartment und zurück ins Auto transportiert hätte, damit keiner jemals Noel zu Gesicht bekam und irgendwelche Schlüsse zog, wenn man sie oft am selben Ort sah. War das etwas zu paranoid?

      Wie erwartet war die Wohnung der reinste Saustall, so wie immer, wenn Cyrus mit jemandem nachhause kam und Jay nicht da war, um direkt hinter ihm her zu räumen. Er lächelte etwas beschämt, als er ein paar Schuhe im Eingang aus dem Weg schob.
      „Ich sagte ja, dass es chaotisch ist“, versuchte er sich zu rechtfertigen. Obwohl… es ihm doch egal sein konnte, was Noel von seiner Wohnung dachte. Oder?
      Das Sofa in dem kleinen Raum, an dem nach hinten zwei Türen in Jays und Cys Zimmer anschlossen — unglücklicherweise eine Wand teilend, war völlig zerstört. Hier lagen einige Kleidungsstücke, die definitiv nicht seinem besten Freund gehörten. Sie hatten es also ernsthaft am Sofa getrieben? Es gab nur eine einzige Regel, verdammt!

      Jay lief etwas angeekelt vorbei zu Cyrus Tür und klopfte an. „Ist Mona noch da? Jemand ist hier, um dich abzuholen“, rief er hinein. Irgendetwas fiel im Zimmer um, aber es ließ sich nicht erörtern, was es war. Zumindest gab es Lebenszeichen.
      Cyrus öffnete eine lange Minute später die Tür, in der Jay in ein peinliches Schweigen mit Noel versunken war, hoffend, dass er sich nichts anmerken lassen würde. Der Rothaarige stand in einer Boxershort in der minimalst geöffneten Tür, um einen Blick ins Zimmer zu vermeiden.
      „Hey“, murmelte er mit einer Stimme, die vermuten ließ, dass Jays Anklopfen ihn eben aufgeweckt hatte. „Wer ist das? Bist du ihr Bruder oder sowas?“, fragte Cyrus etwas verwirrt.
      „Freund, Cy. Sie sind befreundet“, stellte Jay klar. „Ich hab ihn eben… unten beim Tor getroffen, als ich zurück gekommen bin und er meinte, er hat Monas Standort und ist hier, um sie abzuholen. Nicht?“ Jay warf Noel einen auffordernden Blick zu.
      „Ich könnte sie doch auch nachhause bringen… Mit Eliots Auto oder so. Nächstes Mal ist das echt nicht notwendig“ Cyrus zuckte mit den Schultern. „Dann warte eben kurz“
      Zugegeben war es etwas unvorteilhaft wenn man von einem Fremden in der eigenen Wohnung halbnackt erwischt wurde, weil er seine Freundin ungefragt abholen kam. Es war ein wenig seltsam.

      Und da stand Jay wieder alleine mit Noel in einer Schweigeminute.
      „Äh, sorry, willst du dich in der Zwischenzeit setzen?“, fragte er und scannte selbst mit den Augen den Raum ab, allerdings wollte er es Noel nicht antun sich auf dieses Sofa zu setzen, und sich selbst auch nicht. Also öffnete er seufzend seine Zimmertüre. Nur ein Blick hinein ließ schon erschließen, wer für das Chaos verantwortlich war. Jays Zimmer war mit ein paar extra Möbeln eingerichtet, die nicht in der Grundausstattung des Campus inkludiert gewesen waren, um ein wenig mehr Stauraum zu schaffen. Da standen ein paar Pflanzen und Deko Gimmicks — hauptsächlich Merchandise aus Action Filmen — das Bett war ausnahmsweise gemacht, und es lag sogar ein Teppich am Boden, alles mehr oder weniger farblich abgestimmt in weiß und schwarz, sofern es eben möglich war. Das einzige, das unordentlich aussah aber eben seine eigene Ordnung in der Unordnung hatte, war Jays gigantischer Arbeitstisch, auf dem sein Projekt verstreut lag. An der Wand darüber hingen etliche Skizzen, die auf der Tischplatte keinen Platz mehr gefunden hatten, und gegenüber über dem schmalen Bett hingen zwei Band-Poster und eine rote E-Gitarre. Alles in allem gab der Raum ein stimmiges Bild ab, aber sowas sollte man von einem Architekturstudenten vielleicht erwarten können. Naja, nicht von Cyrus. Dabei war Jay derjenige, der sich auf Landschaften spezialisieren wollte.
      „Du kannst dich… gerne auf den Sessel setzen oder aufs Bett, wie du willst“, bot Jay an und konnte den untypisch nervösen Unterton in seiner Stimme nicht unterdrücken.
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    • Okay, das war eine schlechte Idee. Das wurde Noel direkt bewusst als er in die Studentenbude eintrat. Das Chaos warf ihm beinah um. Es war nicht so, dass es bei ihm nicht auch mal chaotisch werden konnte, vor allem wenn er viel arbeitete und kaum mit dem Haushalt hinterher kam, türmten sich langsam aber sicher die Unordnung, aber das war trotz allem immer noch eine gepflegte Unordnung. Das was er hier erblickte war einfach nur das pure Chaos. Vor allem das Sofa, welches den kleinen Raum in den er gerade eingetreten war fast komplett ausfüllte, wirkte als wäre es vollkommen zerstört worden. Er warf Jayden ein kurzes, leicht entschuldigendes Lächeln zu, sagte aber nichts zu der chaotischen ‚Einrichtung‘.

      Als er kurz darauf eine zweite, recht verschlafene Männerstimme hörte horchte er auf. Noel kannte die Stimme. Er hatte sie gestern zwar nur flüchtig gehört, aber sie kam ihm bekannt vor, auch wenn sie ohne den lallenden Unterton anders klang. Bei dem auffordernden Blick des jüngeren nickte er etwas verspätet. „Klar.“ stimmte er zu. „Und nichts für ungut, du scheinst mir nicht unbedingt in der Verfassung zu sein jemanden nachhause zu fahren.“ meinte er ernst. Der Unterschied wie er sprach, sobald er nicht mehr mit Jayden alleine war, war gravierend. Seine Stimme hatte prompte diesen harten und unnachgiebigen Ton angenommen, den er auch schon an Halloween gepflegt hatte. Er hatte was schrecklich distanziertes. Als ob er jeden Menschen grundsätzlich auf Abstand halten wollte. „Und außerdem war das abgesprochen.“ meinte er ernst. Im Grunde war es nicht falsch. Korrekt war es jedoch auch nicht. Immerhin war es abgesprochen, dass Noel Mona gestern Abend abholte und nicht einen halben Tag später.


      Als Erwiderung auf Jaydens Frage nickte er leicht. Wahrscheinlich mussten sie sowieso wieder ein wenig warten und bevor sie das in dem zu gemüllten Wohnzimmer taten, konnte sich Noel genau so gut Jays Zimmer anschauen. War immerhin nur fair, nachdem dieser seine Wohnung gesehen hatte.

      Die schon fast kalt blauen Augen schauen sich interessiert in dem kleinen Raum um. Jay hatte ein Auge für Inneneinrichtung, das war das erste was Noel auffiel. Der Raum wirkte belebt und angenehm gefüllt. Die Möbel harmonierten gut und passten zu dem Student. Die Farben wirkten schlicht aber nicht so dunkel und monochrom wie bei dem Franzosen selbst. Noel fühlte sich direkt wohl in dem kleinen Zimmer, auch wenn er hier wohl nicht zwangsläufig auf Dauer drin wohnen würde. Sein Blick wanderte über die Actionfiguren, blieb bei einer ein wenig länger hängen als bei den anderen, bevor er sich weiter durch den Raum bewegte. Dann nahm er eine der Skizzen in die Hand, begutachtete die feinen Bleistiftlinien bevor er sie wieder zurück auf ihren Platz legte. Noel fand es unfassbar faszinierend zu sehen wie Leute lebten. Die Inneneinrichtung einer Wohnung sagte meistens mehr über den Charakter einer Person aus als alles andere. Sie war wie ein Einblick in den Seele des Menschen. Gab eine Idee mit was für einer Person man es zu tun hatte. Zeigte die Hobbies, die Interessen, die Träume und Hoffnungen einer Person und Jaydens lagen gerade vor ihm wie ein offenen Buch. Er musste die Worte nicht Mals lesen, das Buch las sich selbst vor, gab all ihr Innenleben so willenlos Preis, das Noel mühe hatte sich nicht in diesem zu verlieren.

      Bevor sich der Franzose zurück zu dem Besitzer des Raumes drehte, blieben seine Augen an der roten E-Gitarre hängen. Sie war ganz offensichtlich das Herzstück des Zimmers. Wie auf dem Präsentierteller hergerichtet, für alle Besucher optimal sichtbar. „Spielst du?“ fragte er lächelnd. Seine Stimme wieder warm, beinah weich als ob er Jayden nur mit den Vibrationen seiner Stimmbändern verführen wollte. Er hatte sich beim Sprechen zu dem Jüngeren gewandt, versuchte mit seinem Blick herauszufinden was in dessen Kopf vor sich ging. Als Jayden ihm dann anbot sich doch hinzusetzten, ließ er sich einfach auf das Bett fallen. Die Matratze hatte eine angenehme Federung, sie war zwar deutlich durchgelegener als seine eigene, aber trotzdem angenehm auch wenn ihm das Bett wohl definitiv zu schmal wäre.
    • Es war ein wenig irritierend, Noel dabei zuzuhören, wie er mit anderen sprach. Jay fiel dabei auf, wie ungewohnt sein harscher Tonfall langsam zu klingen begann, besonders als er ihn fragte, ob er Gitarre spielte. Dabei hatte er Noel heute morgen erst so gereizt, dass er ihn angefahren hatte. Und jetzt analysierte er Jays Zimmer, als wolle er dadurch in seine Seele blicken.

      „Ja“, antwortete Jay und setzte sich auf den Drehstuhl an seinem Schreibtisch, nachdem er einen Moment zur Verarbeitung gebraucht hatte und irgendwie hoffte, dass seine Wangen sich nur warm anfühlten, weil er gerade seltsam genau darauf achtete. „Schon lange. Ich hab deswegen verspätet mit dem Studium begonnen“, gab er verlegen zu und fragte sich schon während er es aussprach, wieso er Noel davon erzählte. Irgendetwas an ihm verleitete Jay andauernd dazu, seine Vorsätze aus dem Fenster zu werfen. Auf der anderen Seite war es keine große Kunst, Informationen aus ihm herauszubekommen. Er redete ja normalerweise auch, als hätte er ein Buch zu füllen.

      Beinahe fragte er Noel, ob er irgendetwas von ihm hören wollte, aber das wäre zu viel des Guten, oder? „Magst… du Rock Musik? Oder kennst du Theo und seine Band aus irgendeinem anderen Grund?“, fragte er stattdessen. Das interessierte ihn sowieso schon eine Weile. Und ob diese Bekanntschaft zwischen den beiden vielleicht dazu führen würde, dass Noel ohnehin ins Rodeo gehen würde und sie sich dort zufällig treffen konnten um den Begriff ‚Date‘ zu umgehen. Auch wenn Jay ihn jetzt wohl jederzeit anrufen konnte, wenn er etwas von ihm wollte, also sollte er nicht so verzweifelt nach einer Option suchen, ihn zufällig treffen zu können. Er musste sich wirklich endlich zusammenreißen.
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    • Noel hörte Jayden aufmerksam zu, die ganze Zeit mit einem warmen Lächeln auf den Lippen. „Wer weiß, vielleicht haben wir ja mal ein wenig Zeit, dann spielst du mir was vor.“ meinte er mit einem sanften, kaum sichtbaren Funkeln in den Augen. Er wollte das nicht, Noel wollte sich wirklich nicht so wohl bei Jay fühlen aber irgendwie hatte der jüngere einfach eine Art an sich, bei der musste man sich einfach wohl fühlen.

      Als Jayden den Franzosen dann nach Theo fragte, lachte er leise auf. „Wir sind zusammen zur Schule gegangen.“ antwortet er immer noch leise lachend. „Und vielleicht hatte ich als Teeanger einen ganz kleinen Crush auf ihn.“ beichtete er etwas leiser. „Ich war damit aber wohl nicht die einzige Person, er hatte schon in der Schulzeit seine Fans. Obwohl ich da wohl noch recht gut dran war, im Grunde war das auch nur eine kleine Schwärmerei. Theo war schließlich der einzige offen Bisexuelle Kerl in meinem Jahrgang, ich glaube das ist dann irgendwo schon fast vorherbestimmt.“ versuchte er sich ein wenig zu rechtfertigen und wusste eigentlich, dass er da sogar nichts brauchte. Theo sah gut aus und war als Kandidat für den ersten Schul-Crush wahrscheinlich eine echt ganz gute Partie . Es war Noel auch nicht unbedingt unangenehm. Jeder Teenager hat man einen Crush auf irgendwen und bei Noel hatte sich die kleine Schwärmerei damals auch recht schnell wieder erledigt gehabt, spätestens als er dann seinen damaligen Freund hatte, hat er kaum noch einen Gedanken an Theo verschwendet. Noel wusste nur, dass er Theo immer ein ticken weniger nervig fand als alle anderen ihrer Klassenkameraden.

      „Sie machen gute Musik. Ich bevorzuge zwar meine Musik eher an Orten zu hören an denen nicht so viele Menschen sind, aber wenn es sich anbietet und sie im Rodeo spielen schau ich gelegentlich mal vorbei.“ Das war eine Lüge! Er war seit Jahren kein einziges Mal zu den Auftritten gegangen. Er mochte zwar die Atmosphäre des Rodeos, aber irgendwie hatte es sich nie angeboten. Mona hatte er grundsätzlich abgesagt und sonst war er allgemein eher für sich oder arbeitete die Wochenenden.

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    • Haha. Konnte der Kerl Gedanken lesen? Jay war sich nicht sicher, ob er aus Unbehagen unruhig wurde oder weil er sich ertappt fühlte. Dass Noel schon davon ausging, mal wieder in diesem Zimmer zu sitzen, war allerdings ein wenig überraschend. Jay war sich sicher gewesen, dass der Zustand des Wohnzimmers ihn ein für alle mal weggeekelt hätte. Und ehrlich gesagt war es doch deutlich angenehmer in Noels Wohnung. Es war ruhig und sauber und aufgeräumt… Und das Doppelbett durfte man auch nicht vergessen. Studentenzimmer waren alles aber romantisch definitiv nicht.

      "Oh, klar. Wenn mal Zeit ist…", stimmte Jay leise zu und nickte. Und dann verschlug es ihm ein wenig die Sprache, als Noel seine Vergangenheit offenbarte und ihm ein paar Neuigkeiten über Theo mitteilte, die Jay zum ersten Mal hörte. Gut, er kannte ihn ja auch nicht sonderlich gut.
      "Mhm, ich kann mir vorstellen, dass man nicht viel Auswahl hat in dem Alter. Ich kann mich nichtmal erinnern, dass ich jemals mit irgendeiner nicht-hetero Person in der Schule war. Also, die gab es sicher, aber ich wusste nichts davon", stimmte er zu, nicht ganz sicher, ob es ihm zustand, überhaupt eine Meinung zu haben, nachdem er bisher eher ignorant durchs Leben gegangen war, was andere Sexualitäten anging. Er wäre wohl der letzte gewesen, der von Mitschülern irgendetwas mitbekommen hätte aber es war ihm nunmal völlig egal gewesen.Nachdem er immer mit Mädchen zusammen gewesen war, war dieses Wissen auch nicht notwendig gewesen. Noel hatte sich sicher mehr damit auseinander gesetzt.
      In gewisser Weise konnte Jay sich auch jetzt nichts unwichtigeres vorstellen, als mit wem irgendjemand in seinem Bekanntenkreis ins Bett stieg. Die Aufregung hatte er nie ganz nachempfinden können und jetzt störte sie ihn deutlich mehr als je zuvor. Wenn man selbst betroffen war, war plötzlich nicht mehr alles völlig egal…

      Das Thema lenkte sich glücklicherweise von selbst in eine andere Richtung, denn Jay hatte nicht vorgehabt, jetzt ein tiefgründiges Gespräch mit Noel zu führen. "Ah", sagte er, bemüht sich nicht anmerken zu lassen, dass er sich weitaus mehr dachte als das. Die Chancen, sich am Donnerstag zufällig wiederzusehen, stiegen. "Und wann… ist so eine Gelegenheit mal wieder bei dir?" Jay räusperte sich. Das war eine absolut bescheuerte Frage. Uninteressiert wirken war wirklich nicht sein Spezialgebiet.
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    • Noel zuckte bei der Frage leicht mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich denke sowas ergibt sich immer recht spontan. Schauen wir einfach mal.“ antwortete er etwas ausschweifend auf die Frage. Er hatte mitbekommen, dass am kommende Donnerstag wohl was geplant war, aber sollte er da wirklich antanzen nur um zu riskieren, dass er sich schrecklich unwohl fühlen würde? Denn genau das würde wahrscheinlich passieren. Auf der Halloweenparty hatte er auch nur Glück gehabt, dass das Haus einen Garten hatte, aber das Rodeo war ein wenig kleiner als die letzte Partylocation und wenn er raus gehen würde, würde er nichts von dem geplanten Programm mitbekommen…so oder so würde es sich sicherlich nicht lohnen, jedenfalls nicht wenn er alleine gehen würde.

      „Du gehst am Donnerstag hin?“ fragte er interessiert um die Aufmerksamkeit ein wenig von seiner Wochenplanung weg zu schieben. Vielleicht wäre es für Noel ein Grund sich die Idee nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Dann war es einige Augenblicke still zwischen ihnen. Noel wusste selbst nicht so ganz was er erzählen wollte. Small Talk fühlte sich nachdem sie gemeinsam gefrühstückt hatten falsch an.

      „Deine Inneneinrichtung passt zu dir.“ fing der Franzose irgendwann, nach einigen Momenten der Stille wieder an und ließ seinen Blick nochmals durch den Raum schweifen. „Ich glaube, ich hätte es mir auch ähnlich vorgestellt…die Gitarre hat mich ein wenig überrascht muss ich zugeben, aber jeder Mensch hat wohl Dinge die man nicht sofort erwartet.“ lächelte er den Besitzer des Zimmers sanft an. „Wäre wohl auch langweilig wenn nicht.“ gab er zu und fuhr sich durch die Haare. Langsam aber sicher wurden sie heller, auch wenn das Rosa immer noch gut zu erkennen war. In einigen Wochen würde es sich sicher in einen sanften Pastellton ausgewaschen haben und irgendwann, nach Wochen und endlosen Haarwäschen, würde von er Farbe nur noch ein leichter Hauch übrig bleiben.
    • Klar, spontan. Das machte natürlich Sinn, wenn er eben gesagt hatte, dass er nur gelegentlich vorbei schaute. Jay fand sich bereits etwas enttäuscht damit ab, dass er es wohl auf sich zukommen lassen musste, ob er Noel diesen Donnerstag im Rodeo sehen würde — und er war etwas irritiert von diesem Gefühl — als Noel ihn plötzlich ebenfalls fragte.
      „Ja, ich gehe hin. Theo hat mich eingeladen. Lustigerweise… obwohl ich nur ein einziges Mal mit ihm gesprochen hab. Aber ich gehe sowieso andauernd hin. Komisch, dass ich dich da noch nie gesehen hab“ Man konnte heraushören, wie perplex er noch immer darüber war, dass er mit einer Art Mini-Idol in Kontakt getreten war. Vermutlich musste Jay sich jetzt jeden Donnerstag Abend freischaufeln.

      Allerdings war‘s das mit dem Gespräch auch wieder. So wirklich hatte wohl keiner von ihnen den Mut, direkt zu fragen, ob sie zusammen hingehen wollten. Allerdings hatte Jay sich ja auch aus einem simplen Kaffee-Trinken herausgewunden, es war also kein Wunder, dass Noel nicht noch einmal nach so etwas fragen würde. Und es störte Jay ein wenig, dass ihm das nicht gefiel. Er war furchtbar schlecht darin, sich an seine eigenen Vorsätze zu halten.

      „Die Einrichtung? Inwiefern?“, schmunzelte er und musste sich selbst nochmal in seinem Zimmer umsehen. Es war relativ langweilig. Die Gitarre war neben den Skizzen wohl das einzige, das ein wenig Persönlichkeit zeigte.
      „Also ich hatte auch nicht direkt erwartet, dass du in einem Gothic Museum wohnst, aber es passt wohl“, erwiderte er neckend, war aber leicht abgelenkt von Noels Bewegungen. Seine Haare sahen aus wie Zuckerwatte.
      Jay blinzelte und stand plötzlich auf, nicht ganz sicher was er selbst damit bezwecken wollte. „Denkst du, Mona ist bald fertig, oder willst du irgendetwas zu trinken?“, fragte er eilig. Sie verbrachten doch schon wieder viel zu viel Zeit zusammen oder? Irgendwie kam nach einer Weile immer ein Fluchtinstinkt in Jay auf. Eine seltsame Kombination mit dem Wunsch, Noel öfter zu sehen.
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