My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • „Gerne.“ meinte Noel lächelnd. „Wann immer du mich willkommen heißen möchtest, ich würde mich freuen.“
      Noel würde sich dem Jüngeren unter keinen umständen aufzwingen, erstens war das nicht seine Art und zweitens würde er damit den Studenten wohl schneller verschrecken als er gucken konnte und das wollte er unter keinen Umständen, vor allem jetzt gerade wo er sich an dessen Gesellschaft so sehr gewöhnt hatte.

      „Ich hab nie ein größeres Arschloch kennengelernt…obwohl das ist eine Lüge. Ich hab mal mit einer Agentur gearbeitet, die Band die geshootet wurde bestand eigentlich nur aus Arschlöchern. Das erste was ich mir anhören durfte war, warum ich denn nicht schon Kaffee geholt hätte, ich sei ja der Assistent der MakeUp-Artistin und das Frauen ja nur gut schminken konnten. Das war auch eine äußerst nette Begegnung.“ erzählte Noel zwischen zwei Schlücken Kaffee bis er merkte, dass die Tasse wohl - schon wieder - leer war.

      „Wie schaut’s bei dir aus? Wollen wir noch ein wenig durch den Park gehen und dann zu dir, wenn Cyrus nicht da ist?“ Er wollte Jayden unbedingt spielen hören. Schon damals als sie von Cyrus in Jaydens Zimmer erwischt worden sind, wollte er den Jüngeren spielen hören. Er wollte Jay dabei zusehen wie er in seiner Leidenschaft aufging, wie sein Körper sich der Musik hingab und noch so viel mehr seiner Seele preisgab als er es eh schon tat.
    • Jay schmunzelte. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass du das einfach widerstandslos hingenommen hast", sagte er und stand bereits auf, um seine Jacke vom Haken zu nehmen. Noel war wahrscheinlich der Letzte, der auf respektlosen Umgang nicht doppelt so scharf antworten würde. Zumindest hatte Jay schon mitbekommen, dass man sich besser nicht auf seine schlechte Seite schlug. Er konnte einem irgendwie Angst machen.

      "Cyrus ist wahrscheinlich bei Mona, wenn ich raten müsste", hing er an und schlenderte mit Noel aus dem Cafe.
      Er hatte zwar nichts dagegen, Noel einzuladen, ganz im Gegenteil. Aber er war sich nicht sicher, ob auch nur einem von ihnen getraut werden konnte, dass sie sich wirklich mit der Gitarre beschäftigten, sobald sie alleine waren. Abseits davon war es am Campus um die Uhrzeit selbstverständlich ziemlich voll. Die einen gingen zur nächsten Lehrveranstaltung, die anderen kamen gerade nachhause oder verbrachten ihre Freizeit irgendwo am Gelände. Jay fühlte sich also nicht hundert prozentig wohl dabei, Noel mitzunehmen, wenn er keine Ahnung hatte, was seine Freunde heute alle so machten. Nicht, dass er nicht einfach erklären könnte, dass Noel und er befreundet waren... Aber dann wurde er bestimmt überredet, mal in der Gruppe mitzukommen und dann würde Jay vermutlich an einem Herzinfarkt sterben, wenn er die ganze Zeit darauf achten musste, was er sagte und wie er sich verhielt und... außerdem hatte Noel sicher keine Lust, seine Freunde nochmal genauer kennenzulernen und seine Freunde würden ihn durchlöchern, warum er mit jemandem wie Noel befreundet war... Ugh. Seine Gedanken rasten jetzt schon.
      Aber er wollte sich von diesen tausend hypothetischen Möglichkeiten auch nicht aufhalten lassen. Noel konnte sich auch weigern, irgendwen je wieder zu treffen, und gut ist.

      "Gehen wir gleich zu mir, es ist sowieso zu kalt, um lange spazieren zu gehen", murmelte er, als sie an der frischen Luft waren. Logische Entscheidung und eine Chance, unfundierte Ängste zu bewältigen.
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    • Noel lachte auf. „Um Gottes Willen nein! Ich hab den Typen verbal förmlich auseinander genommen, der hat den kompletten Tag nur noch über seinen Agenten mit mir geredet.“ Sein Lachen wurde beim erzählen ein wenig lauter und vielleicht schwang sogar eine kleine Spur Schadenfreude mit.

      In einer fließenden Bewegung zog er sich seinen Mantel an, bevor er sich die schwarzen Handschuhe wieder an zog. Als sie aus dem Café wieder in die kühle Kälte traten musste Noel dem Jüngeren unweigerlich zustimmen, es war tatsächlich ganz schön kalt draußen, im warmen Inneren des Cafés hatte er das fast vergessen. Tiefer vergrub er seine Hände in den Manteltaschen, trotz den Handschuhen hatte er das Gefühl, dass seine Finger kalt wurden.

      „Gerne.“ meinte er lächelnd als Jay förmlich für sie beide entschied wie ihre weitere Tagesplanung aussah, auch wenns wohl für beide schwer sein würde hinter verschlossener Tür die Finger von einander zu lassen. Im Grunde fiel es Noel so schon schwer Jayden nicht flüchtig zu berühren. Es war nicht so, dass er ständig im Kopf hatte, mit dem Studenten zu schlafen, es ging um simplere Körpernähe. Finger sie fast schon vorsichtig über einen freien Unterarm strichen, spürten wie die kleinen, feinen Härchen sich unter der Berührung aufstellten. Er war nicht auf was sexuellen aus, jedenfalls nicht ausschließlich. Noel Genosse in Anwesenheit des Jüngeren einfach viel zu sehr. Vor allem genoss er seine Anwesenheit alleine. Jayden benahm sich so anders wenn es keine fremde Augenpaare gab die sie gegebenenfalls beobachten könnten.

      Ruhig folgte Noel dem Stundeten zum Campus, sein Blick fiel auf die Räume hinter den geschlossenen Glasscheiben. Er konnte sich kaum vorstellen den ganzen Tag in einen der Vorlesungssäle zu verbringen, nicht mal ein halben Tag konnte er sich vorstellen. Er liebte es praktisch zu arbeiten, den ganzen Tag zu sitzen wäre der pure Horror von ihm. Sein Beruf ermöglichte ihm genau die richtige Waage zwischen Struktur und Selbstbestimmtheit zu haben.

      Er beobachtete kurz wie sein Atmen in kleinen weißen Wölkchen gen Himmel stieg und dort irgendwo verblasste. Prompt kam ihm eine Idee für ein Shooting, die würde er sich später zuhause notieren um sie so bald wie möglich umsetzt zu können.
    • Unfundierte Ängste, von wegen. Jay war schon ganz erleichtert, als sie es am Universitätsgebäude vorbei zu den Apartments schafften, er konnte sogar den Stiegenaufgang zu seiner Wohnung in der Ferne bereits sehen, als sein Herz ihm urplötzlich in die Hose rutschte.
      "Oh, da ist er, frag ihn selbst", kam es schräg von vorne und Jay erkannte den kleineren Schwarzhaarigen sofort als seinen Freund. Eliot drückte eine Zigarette auf dem Mülleimer neben sich aus und kam, knapp gefolgt von einer Mitstudentin, wie Jay vermutete, auf Noel und ihn zu. Der Studentin schien es sichtlich unangenehm, dass Eliot so zielstrebig auf sie zukam und sie anschließend noch mit einer beschleunigenden Handbewegung zu sich winkte. Jayden konnte schon irgendwie erraten, worauf das hinauslief, und aus der Situation wollte er so schnell wie möglich raus. Nein, er wollte garnicht erst rein.
      "Hey, Eliot. Ich bin grade am Weg nachhause... was gibt's?" Verdammt, er konnte seinen Freund auch nicht einfach unhöflich abschütteln. Er lächelte sogar, und hob kurz die Hand um das unbekannte Mädchen zu grüßen, das dem Dunkelhaarigen wie ein Schatten gefolgt war. Sie war hübsch, hatte langes blondes Haar und ein süßes Gesicht, das gerade in einen rosa Farbton kippte. Dass sie sein Typ war, änderte nur wenig an der unangenehmen Situation.
      "Oh, das ist Alice. Freundin von meiner Schwester", erklärte Eliot knapp, trat einen Schritt zur Seite und rückte die Blonde zwangsweise in den Mittelpunkt.
      "Ah... hi...", sagte sie und lachte nervös, dann sah sie Eliot eindringlich an. "Das war echt nicht notwendig", flüsterte sie eindringlich und gerade laut genug, dass Jay im Boden versinken wollte. Sein Freund meinte es sicher nur gut, brachte aber gerade alle in eine seltsame Lage.
      "Hä? Du wolltest doch wissen, ob er ne Freundin hat. Woher soll ich das wissen? Das wechselt doch die ganze Zeit" Eliot sah ehrlich verwirrt aus, Jayden spürte dagegen eine sanfte Welle der Wut in sich hochkochen. Was sollte das denn heißen, das wechselte die ganze Zeit? Er hatte schon seit Ewigkeiten keine Beziehungen mehr. Auch wenn es das vielleicht nicht besser machte. Aber das Licht, das gerade auf ihn fiel, ließ ihn vor Noel so oder so nicht gut dastehen.
      Auch Alice schien sich zurückhalten zu müssen, Eliot nicht in seine Schranken zu weisen. So gehirnbefreit konnten auch nur Jays Freunde sein. Er wusste nicht einmal, ob er diese indirekte Frage nun beantworten sollte, aber eigentlich konnte das Mädchen ja nichts für das alles.
      "Ich... hab... keine Freundin", brachte er langsam hervor, im Sprechen noch immer unsicher, ob er überhaupt etwas sagen sollte, solange er Noels eisige Aura neben sich spürte. "Aber ich date jemanden, sorry" Okay, damit sollte das geklärt sein. Schadensbegrenzung. Dachte er. Bis Eliot zu grinsen anfing, was wohl die unpassendste Reaktion war solange die Blonde noch neben ihm stand.
      "Ah, echt? Die von der Halloween Party? Dann ist doch noch was draus geworden?", fragte er interessiert.
      Jays Blick wanderte von Eliot über Alice bis zu Noel und die verschiedenen Gesichtsausdrücke machten ihn fertig. "Mhm...", machte er.
      "Oh, sorry, du bist beschäftigt, was? Studierst du auch hier?", fragte er plötzlich Noel.
      Nope, das ging zu weit. Jay packte Noel am Oberarm. "Nope, aber ich hab noch was vor. Bis später" Er lächelte Alice noch einmal zu, weil er sein Mitleid nicht unter Kontrolle hatte, auch wenn er sich vielleicht eher Sorgen um sich selbst machen sollte. Er drehte sich herum und zog Noel mit sich, irgendwann ließ er ihn endlich los und lief einige Meter stumm neben ihm her. Letztendlich hatte er nun zum dritten Mal gelogen, und das vor Noel. Wie sehr konnte er es ihm eigentlich noch auf die Nase binden, dass ihre Beziehung geheim bleiben sollte? Außerdem hatte er Cyrus zuletzt erzählt, dass er tatsächlich eine Freundin hatte... Zumindest lagen die beiden Lügen nicht zu weit voneinander entfernt.
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    • Es war schon fast schön draußen, wenn es nicht so scheiße kalt wäre. Es hatte sich über die Zeit die Jay und Noel im Café waren eine leichte Schneedecke über die Straßen gelegt. Kurz bevor sie auf dem Campus angekommen waren, hatte es wieder angefangen zu schneien. Es war nicht so das Noel pauschal Schnee nicht mochte. Er mochte die Ästhetik von Schnee sehr gerne. Es hatte was beruhigendes vor dem Fenster zu sitzen und dem Schnee beim fallen zu zusehen. Als Kind hatte er sich öfters vor der großen, gläsenden Terassentür gesetzt und beobachtete wie sich der Garten von seinen Eltern weiß färbte. Dazu noch eine kuschelige Decke und eine heiße Tasse Tee - irgendwann hatte er den Tee dann durch einen Kaffee getäuscht, das Ritual blieb aber noch lange bestehen. Teilweise machte er das jetzt immer noch. Wenn er einfach mal eine kleine Pause von allem brauchte, setzte er sich in seinem Wohnzimmer auf dem Boden vor seiner Balkontür und beobachtete durch die leicht beschlagene Scheibe die Welt dahinter.

      Der Franzose vergrub seine Hände tief in seinen Manteltaschen. Wie gesagt, es wäre eigentlich ein echt schöner Tag, wenn es nicht so beschissen kalt wäre. In Gedanken dankte er Jayden für die Idee jetzt schon zu ihm zu gehen und nicht noch durch den Park zuspazieren. Keine fünf Minuten später war der Gedanke jedoch schon weg. Er hätte damit rechnen müssen, dass Jay zwangsläufig andere Studenten auf dem Campus kannte, hatte er aber irgendwie nicht…oder hatte er schon, aber Noel hatte nicht damit gerechnet, dass statt einem kurzen zunicken - so wie er es vielleicht gemacht hätte - ein Gespräch zustande kam, auch wenn Jayden anscheinend nicht sonderlich arrangiert war. Vielleicht war das der Grund warum Noel sich zurück hielt und keinen abfälligen Kommentar von sich hab. Außerdem schien das Gespräch eher weniger seine Interesse zu wecken, jedenfalls so lange bis das Thema auf Jaydens momentanen Datingleben zusprechen kam. Das interessierte Noel dann doch wiederum.
      Immerhin sahen sie ihr ‚Treffen‘ beide als ein Date…naja sie hatten es immerhin als Date abgesprochen. Das der Architekturstudent nicht sofort vor seinen Freunden preisgab das er als vermeintlich heterosexueller Typ einen anderen Kerl datete war Noel schon klar gewesen, nicht das es ihn sonderlich stören würde. Es reichte dem Franzosen schon, dass Jay überhaupt andere Personen abblockte und erwähnte, dass er momentan keine Interesse hatte die junge Frau kennen zu lernen. Und dann wurde er von dem Typen - Eliot war anscheinend sein Name - direkt angesprochen. Nein er studierte nicht. Er würde wohl mit seinem Outfit auch nicht unbedingt in das Setting passen, außer vielleicht als Student der alles von einen Eltern in den Arsch geschoben bekam - bekam er nicht.

      Er konnte das leichte Zittern von Jaydens Fingern selbst durch den dicken Mantelstoff spüren. Der Griff um seinen Oberarm war fest, nicht schmerzhaft fest aber fest. So zog Jay ihn einige Meter mit sich mit bevor er den Arm den Franzosen wieder losließ. Nichte nur Noel war allen Anschein froh als die Wohnungstür hinter ihnen endlich ins Schloss fiel. „…er scheint nett zu sein…“ das waren die ersten Worte die Noel von sich gab nach der komischen Situation mit Eliot und der jungen Dame. Eisblaue Augen suchten die des Studenten, während Noel sich wie selbstverständlich ersten den Mantel - welchen er einfach ordentlich über die Stuhllehne in Jaydens Zimmer legte - und dann die Schuhe auszog. Das war nicht Mals gelogen, Eliot wirkte tatsächlich nett, nicht so nett das Noel das Bedürfnis hatte zwangsläufig mit ihm etwas zu unternehmen, aber immerhin wirkte er nicht so unsympathisch wie Cyrus. „Etwas aufdringlich, aber an sich ganz nett.“ korrigierte er sich selbst nochmal ein wenig bevor sich der Franzose auf die Bettkante setzte. Er war sofort durch in das Zimmer des Architekturstudenten gegangen, warum sollte er sich auch großartig im Rest der Wohnung aufhalten? Es interessierte ihn schließlich nicht sonderlich viel wie der Rest der Studentenbude aussah.
    • Jay schmunzelte erwas nervös auf Noels Kommentar hin. Aber das wandelte sich schnell in Irritation um. Das wars? Mehr sagte er nicht dazu?

      Jayden folgte Noel in sein Zimmer und zog hinter sich die Tür zu, bevor er sich auf sein Bett setzte. „Er ist… aufdringlich beschreibt es eigentlich eh ganz gut“, gab er zu. „Eliot ist derjenige, der die meisten Parties und Treffen auf die Beine stellt, also… er ist reich und gesellig, gute Kombi“ Warum erzählte er das Noel überhaupt? Er redete wieder nur vor sich hin, um sein schlechtes Gewissen zu überdecken:
      „Aber… er hat anscheinend Wahnvorstellung, weil ich definitiv nicht ständig Freundinnen wechsle“ War das zu viel des Guten? „Ich hatte ewig keine Beziehung mehr. Einfach zu wenig Zeit neben der Arbeit, der Uni und meiner Familie…“ Jayden stoppte. Das war nicht unbedingt Advertising, das er gerade für sich selbst betrieb. Allerdings wusste Noel ja von seinem Zeitplan, also sollte das keine neue Information sein…
      „Nicht, dass ich überhaupt keine Zeit hätte, ich meine, wenn ich motiviert bin, schaffe ich mir die Freizeit schon irgendwie. Also, ich war in meinen Beziehungen auch immer motiviert, aber…“ Ja, super, reite dich nur selbst weiter rein.
      „Du wolltest mich Gitarre spielen hören, oder?“, fragte er spontan mit einem nervösen Grinsen im Gesicht, um das Thema zu wechseln und sich vor sich selbst zu retten. Manchmal musste man echt einfach die Klappe halten.
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    • Mit jedem Wort wurde Noels Grinsen breiter. Es hatte schon fast was niedliches wie Jayden versuchte sich rauszureden und sich eigentlich immer weiter in ein Strudel aus Worten verloren. Irgendwann konnte sich der Franzose das - zugegebenermaßen recht traurige - Spiel dann doch nicht mehr antun und stoppte den Studenten in dem er ihm schon fast liebevoll seine Hand auf die Wange legte und dessen Gesicht sanft aber bestimmt in seine Richtung drehte. Noels Hand war trotz der Handschuhe, welche er die ganze Zeit über anhatte kühl, aber trotzdem angenehm.

      „Hey, alles gut. Ich glaub dir, dass du deine Freundinnen nicht so häufig wechselst wie Eliot gemein hatte, und selbst wenn, wäre doch keine Schande, du bist jung.“ meinte er mit einem sanften - schon fast aufmunternden - Lächeln auf den Lippen. „Aber ich muss ehrlich gestehen, ich freu mich, dass du eben meintest, dass du keine Interesse hast weil du gerade wen datest.“ gab Noel offen zu. Immerhin war das die Wahrheit - das freute ihn tatsächlich und gab ihm vielleicht auch das letzte Fünkchen Sicherheit, welches er irgendwo tief in seinem Inneren gebraucht hatte. „Und mach dir bitte nicht so viele Gedanken, ich verurteile dich schon nicht, egal was du gemacht hast.“ seit wann war er bitte so verständnisvoll geworden? Die Frage konnte Noel selbst auch nur schwer beantworten. Er fuhr einmal sanft mit seinem Daumen über die warme Haut des Studenten, bevor er seine Hand langsam sinken ließ.
      „Ja, ich wollte dich Gitarre spielen hören.“ bestätigte er mit einem leicht amüsierten Lächeln.
    • Noels Bewegung und Blick versetzte Jay kurzzeitig in einen noch nervöseren Zustand, vermutlich entgegengesetzt zur gewünschten Wirkung. Aber seine Worte lösten dies sogleich wieder. Jay schaffte es nicht, sein Lachen zurückzuhalten.
      „Ich bin jung? Und was bist du? Ein Greis, weil du zwei Jahre älter bist als ich?“ Sein Lachen schüttelte die Spannung aus seinem Körper und Jay ließ sich zurück in sein Bett fallen. Zugegeben, Noels Worte hatten auch ihren Job getan und Jay etwas entspannt. Er verurteilte ihn nicht. Zwar für etwas, das sowieso nicht wahr war, aber Jay war beruhigt, dass Noel Eliots Worten nicht zu sehr nachhing. Es war auch ein wenig überraschend, dass Noel alles so locker zu sehen schien, denn Jay hatte ab und an etwas Angst vor seiner Reaktion. Besonders, wenn es um die ganze ‚Vor fünf Minuten noch hetero“ Geschichte ging. Aber er schien geduldig zu sein. Soweit jedenfalls.

      Jays Augen wanderten zurück zu Noel, der vor seinen Beinen stand, und er stützte sich auf die Unterarme um einen besseren Blick zu bekommen.
      „Ich würde doch nicht mit mehreren Leuten gleichzeitig ausgehen“, murmelte er und schwenkte sein Bein leicht, sodass es sanft gegen Noels stieß. „Du kannst dich überhaupt geschmeichelt fühlen, dass ich mir Zeit für dich nehme. Bei meinem stressigen Alltag“, neckte er ihn leicht und lächelte. Dann setzte er sich wieder auf.
      „Na schön, was willst du auf der Gitarre hören? Ich bin ganz gut darin, Songs nach Gehör zu spielen, also spiel mir was am Handy vor“, schlug Jay vor.
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    • „Ach ja? Ist das so?“ Fragte Noel mit einem koketten Grinsen auf den Lippen und einer leicht hochgezogener Augenbraue. „Dann fühle ich mich selbstverständlich sehr geschmeichelt, dass du deine ach so kostbare Zeit mit einem alten Greis wie mir verschwendest…ich meine, ich hab dir immerhin frisch gebackene Croissants versprochen.“ meinte er zwinkernd. So locker gefiel Jayden ihm definitiv besser, die leichte Nervosität, die ihm im Café begleitet hatte, hatte schon fast Noel selbst nervös gemacht.

      „Ich date übrigens auch keine anderen Personen nebenher…falls es dich interessieren sollte.“ stellte Noel klar, nachdem sein Blick kurz auf Jays Bein fiel, welches sein eigenes sanft anstubste. War es überhaupt nötig, dass Noel das nochmal sagte? Es war sicher mehr als offensichtlich, dass er es im allgemein nicht ganz so einfach hatte mit anderen Menschen zu interagieren, geschweige denn Personen so weit von seiner ‚strahlenden‘ Persönlichkeit zu überzeugen, dass es über ein erstes Date hinaus ging und trotzdem sah er es irgendwie als nötig, dass doch nochmal zu sagen.

      Nun kam die eine schwere Frage über die er sich seit dem Jayden meint hatte, er würde für ihn Gitarre spielen schon fast den Kopf zerbrach - okay das war vielleicht ein wenig hoch, aber Gedanken hatte er sich trotzdem gemacht. Auf der einen Seite sollte das Lied nicht zu einfach sein - immerhin wäre das ja langweilig - auf der anderen Seite war sich Noel meistens nicht so ganz sicher was man für ein Musikgenre erwartete wenn man ihn sich an sah. Nach kurzem überlegen und einigen Minuten in denen Noel durch seine Musikbibliothek scrollen ertönten die ersten Takte von Arctic Monkeys Do I wanna know?. Er mochte den Song. Es hätte sicher bessere gegeben und eigentlich gehörte dieses Lied nicht zu denen die er sich überlegt hatte und trotzdem schien es für ihn die einzog richtige Entscheidung zu sein.
    • Jay blinzelte, dann stand er ohne Widersprüche auf und hob seine Gitarre von der Wand, steckte sie an den Amplifier und setzte sich wieder aufs Bett. Noel hatte sich einen lächerlich einfachen Song ausgesucht, aber er wollte mal nicht so sein. Jay stimmte seine Gitarre, dann setzte er zum Spielen an, bevor er stockte.
      „Setz dich, du machst mich nervös“, murmelte er. Noel hatte was belehrendes an sich, wenn er da so vor ihm stand und ihn mit seinem durchdringenden Blick ansah.

      Jayden erfüllte Noel letztendlich seinen Wunsch und spielte den Song an, wiederholte das Riff einige Male in allen Variationen und beließ es dann dabei. „Es gibt Songs, die man als Gitarrist nicht leiden kann, und der gehört dazu“, schmunzelte er zuletzt. Es war ein guter Song, aber beim Spielen wurde es einfach unglaublich langweilig.
      „Willst du was Cooles hören?“, fragte er dann lächelnd. Jay spielte nicht sehr oft, seine Gitarre war schon mehr zur Dekoration geworden in den letzten Wochen und vielleicht hätte er nochmal spielen sollen, bevor Noel zu Besuch kam. Aber es gab Songs, die wiederholte er immer wieder, wenn er mal daran dachte, weil es nicht langweilig wurde, und ‚Sweet Child O‘ Mine‘ von Guns and Roses war einer davon. Sowohl das bekannte Riff als auch die Gitarrensolos waren unter seinen Favoriten.
      Er spielte den Anfang des Songs und sah grinsend zu Noel, ob er den Song denn auch erkannte, bevor er zu dem deutlich schwierigeren Solo überging und es auch garnicht schaffte, es bis zum Ende zu spielen. Dafür war er definitiv zu eingerostet und selbst an guten Tagen war das eine Herausforderung. Er war schließlich auch kein Profi, jetzt nicht, und auch nie gewesen.

      „Mir fällt noch einer ein, den ich besser kann, aber ich muss ihn kurz hören“, fuhr er fort und öffnete die Musik App auf seinem Handy, um seinen Ohrwurm von ‚Sweet Child O‘ Mine‘ gegen ‚Slow Cheetah‘ von den Chili Peppers zu tauschen.
      „Kennst du den?“, fragte er nach ein paar Sekunden, machte den Song aus und spielte den Anfang selbst nach. „Was hörst du sonst so?“, fragte er während er spielte, verspielte sich fast in derselben Sekunde und begann von vorne.
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    • Noel biss sich kurz auf die Unterlippe um sich einen provokanten Kommentar zu verkneifen, welchem ihm schon fast mit einem frechen Grinsen von den Lippen gerutscht wäre, eher er sich dann - wie Jay es von ihm wollte - zu ihm auf das Bett setzte. Den durchdringenden Blick aus kalt-blauen Augen blieb ihm jedoch erhalten, auch wenn das eisige Blau in Jayden’s Gegenwart schon fast was viel zu liebevolles an sich hatte.

      Noels Blick rutschte von Jayden’s Gesicht zu dessen Finger. Er war definitiv viel zu fasziniert wie der Student mit Leichtigkeit an den Saiten zupfte und dem Instrument Töne entlockte. Er fand Musik schon immer toll, aber eher aus dem Grund, weil sie ihn beim zeichnen entspannte, selbst Musik zu spielen hatte er (bis auf die paar Male in der Schule) nie wirklich probiert. Auch hatte er nie Interesse daran gehabt Musik live performen zu sehen, aber Jayden nun hier spielen zu sehen weckte den Wunsch in ihm das nun öfters zu tun.

      „Tut mir leid…hätte ich das gewusst, hätte ich einen besseren Song rausgesucht.“ meinte er leise lachend. Was Do you wanna know? dazu machte, dass Gitarristen diesen Song nicht mochten, wusste er nicht, aber wenn Jay das sagte, musst das wohl so stimmen.

      „Noch cooler als dich Gitarre spielen zu sehen?“ fragte er mit einem viel zu flirtenden Unterton in der Stimme und einem breiten Grinsen auf den Lippen. Man merkte, dass Jayden die Musik liebte, so wie man wahrscheinlich merkte das Noel die Kunst liebte. Man sah Leuten an wie sehr sie ihre Leidenschaften liebten, wenn sie diese ausübten.

      Auf Noels Unterarmen breitete sich eine angenehme Gänsehaut aus als Jay die ersten Töne von Sweet Child O‘Mine anspielte. Lag das an den Song? Sicher nicht. Er mochte den Song, das Riff war allgegenwärtig bekannt und es war gut, aber es gab Noels Meinung nach definitiv bessere - definitiv gänsehautwürdigere - Songs.


      „Klar kenne ich den.“ meinte der Franzose als wäre die Frage schon fast eine persönliche Beleidigung gewesen. „Ob du es mir glaubst oder nicht, das ist tatsächlich so ziemlich genau mein Musikgeschmack.“ grinste Noel, mit seinem Blick immer noch die Finger des Studenten gerichtet, so als ob er Angst hätte einen Ton des Songs verpassen zu können. Jayden verspielte sich und begann nochmal von vorne, und irgendwie machte das diese Situation nur noch vollkommener. Diese kleinen Fehler die einen menschlich machten.
    • „Achja? Ich hätte eher auf moderne Songs getippt“, antwortete Jay, konzentrierte sich noch ein paar Sekunden lang auf den Song und stoppte dann. Er sah auf. „Abgesehen von den ehemals pinken Haaren gibts auch kein Anzeichen, dass du auf Alternative stehst. Und ins Rodeo gehst“ Jay schmunzelte.
      „Ich bin aber froh drüber. Das heißt, wir können zusammen auf Konzerte gehen. Theoretisch“ Er lächelte, dann hob er seine Gitarre auf und legte sie Noel ungefragt auf den Schoß.

      „Probier mal. Ich helfe dir auch. Wie wärs mit ‚Come as you are‘? Das kriegt auch ein Kleinkind hin. Nicht, dass ich dir nicht mehr zutraue“, neckte er Noel, rutschte näher an ihn heran und führte seine Hände an die richtigen Stellen.
      „Ist zwar falsch gestimmt, aber was solls“, murmelte er. „Du spielst viermal E“, fing er an. „Zweimal so, dann den Finger hier rauf“ Er tippte auf das Griffbrett. „Dann eins nach unten“ Und so erklärte er Noel jeden Schritt ganz langsam, bis sie das Riff einmal durch hatten.
      „Und dann… schneller“, schmunzelte er. Jay klebte mittlerweile so sehr an Noel, dass er das Verlangen bekam, seinen Kopf an dessen Schulter zu lehnen. Also tat er es. Sie waren auf einem Date, nicht in einer Gitarrestunde, richtig? Es war außerdem nett, mal nicht derjenige zu sein, der sich wie ein völliger Anfänger fühlen musste, egal was sie taten.

      Es war auch eine Ausnahmesituation, dass Jay sich so entspannt fühlte, während Noel in seiner Studentenwohnung saß. Das kam einerseits daher, weil er sich absolut sicher war, dass Cyrus bis spät Abends nicht zurück sein würde, und andererseits vermutlich, weil er im Café und bis vor die Haustüre schon so nervös gewesen war, dass dagegen jetzt alles sehr friedvoll wirkte. Es war vielleicht nicht optimal, aber Jayden fühlte sich eben sehr viel wohler, wenn sie alleine waren. Und, naja, gewissermaßen war das auch schon ein Fortschritt. Zumindest hatte er sich mit dem Gedanken angefreundet, Noel zu daten. Jay war am Ende ja doch sein eigener größter Feind.
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    • „Ich bin tatsächlich einerseits ein sehr passionierter Oldies-Fan und habe wohl andererseits einen sehr breitgefächerten Musikgeschmack…Ich muss zugeben, Chili Peppers gehören mittlerweile nicht mehr zu meiner Go-to Auswahl aber sagen wir so…ich hatte ein Teenager eine ‚kleiner‘ alternativ Phase…“ den letzten Teil seines Satzes verschluckte er ein wenig. Es gab nicht sonderlich viel was ihm peinlich war, aber seine Jugendliche Phase gehörte definitiv dazu. Gut das er dafür gesorgt hatte, dass es eigentlich keine Fotos mehr aus dieser Zeit gab (eigentlich hieß auch nur, dass er wusste, das Flo noch welche besaß und ihm regelmäßig mit diesen Fotos das Leben schwer machte).

      Als er nun plötzlich selbst die Gitarre auf dem Schoß hatte, schaute er den Studenten erst etwas überfordert an, bevor sein Blick auf das Instrument fiel. Das Material war angenehm schwer und anscheinend ließ Jayden auch keinen Protest zu, also war es wohl beschlossene Sache. „Na dann, wenn ich’s nicht schaffe, bin ich also noch unbegabter als ein Kleinkind? Wolltest du mir das, damit sagen?“ fragte er neckend zurück, mit dem Blick schon nach unten auf seine eigenen Finger gerichtete, welche sanft von Jayden’s Hand in die richtige Position gelegt wurden. Zu Noels Überraschung spielte er das Stück gar nicht mal so schlecht. Einige Töne klangen sehr viel dumpfer als sie es bei Jay getan hatten aber nach einigen Wiederholungen konnte man sogar recht gut raushören, was sie gerade versuchten zu spielen.

      Jayden’s Körper schmiegte sich schon fast eng gegen Noels Rücken. Das Gefühl von Muskels die sich sanft gegen seinen eigene Körper drückten löste eine Gänsehaut aus, welche die feinen Härchen in seinem Nacken aufstellte. Obwohl zwischen ihnen beiden genug (oder zu viele) Stofflagen lagen, hatte der Franzose den Eindruck die Körperwärme des jüngeren spüren zu können. Er spürte den warmen Atem an seinem Hals und das war wohl auch der Punkt als er sich - obwohl er wirklich versuchte sich auf das Spielen der Gitarre zu fokussieren - verspielte.

      Als ob es ein Versehen war, lehnte er sich ein Ticken mehr nach hinten, ließ sich ein Ticken mehr gegen den Architekturstudenten sinken ohne die sitzende Position in der er sich gerade befand gänzlich aufzugeben. Und da war dieses Gefühl wieder. Dieses eine ganz bestimmt Gefühl, welches er in dem Café schon fast schmerzlich vermisst hatte, das Gefühl welches in seiner eigenen Wohnung schon fast greifbar gewesen war, dieses sanfte knistern zwischen ihnen, welches so viel aussagen konnte ohne sich nur ein einziges Wort von sich zu geben.
    • „Mhhm, glaub nicht, dass ich das nicht gehört hab“, murmelte Jay. „Ich will später mal Fotos sehen, bitte“
      Noel in einer ‚alternative‘ Phase? Was, hatte er die Augen dann schwarz geschminkt und ein paar Piercings? Jay wollte sich eigentlich darüber lustig machen, aber der Gedanke an Piercings kam ihm ziemlich heiß vor. Und ganz unabhängig davon wollte er unbedingt Kinder- und Jugendfotos von Noel sehen, jetzt wo er es gesagt hatte. Sein Interesse in den Franzosen stieg minütlich an, seit sie sich kannten. Irgendwann würde er ihn noch stalken müssen.

      „Hey, du lernst schnell“, sagte er leicht stolz, als Noel das Stück alleine wiederholte. Vielleicht war Jay auch einfach ein verdammt guter Lehrer, aber das änderte nichts an der Faszination mit Noels langen, schmalen Fingern, die sich über die Saiten bewegten. Jay hob sein Kinn von Noels Schulter, um einen besseren Blick zu bekommen. Seltsam, er hatte das Gefühl vorher garnicht gekannt, wenn man jemandem sein eigenes Hobby näherbringen konnte. Jemandem, den man mochte, und mit jeder Sekunde, die er Mühe ins Lernen steckte, noch mehr mochte.
      Jay grinste, als Noel sich verspielte, wollte gerade einen Kommentar dazu abgeben, dass er gerade ausnahmsweise so unschuldig und süß wirkte, da lehnte Noel sich weiter gegen Jays Körper und die Worte gingen irgendwo zwischen seinem Gehirn und seinen Lippen verloren.

      Er sah eine Weile länger zu, wie Noel sich mit der Gitarre beschäftigte, dann hob Jay seine Hände vom Bett und schlang sie von hinten um Noel, ohne ihn beim Spielen zu stören. Oder, ohne ihn stören zu wollen, jedenfalls nicht bewusst.
      Er strich sanft über Noels Brust und stützte sein Kinn wieder auf Noels Schulter auf, und nach einer Weile drehte er den Kopf und gab sich kurz dem Verlangen hin, seinen Hals sanft zu küssen. Es war zu schön, ihm so nahe zu sein. Sich auch kein bisschen zurückhalten zu müssen. Oder sich von der eigenen Angst zurückhalten zu lassen.

      „Du kannst das wirklich gut, fürs erste Mal“, murmelte er sanft und lehnte seinen Kopf gegen Noels. Am liebsten würde Jay sich an ihm festkleben, um nie wieder loslassen zu müssen. Noel war warm und seine schlanke Form schien sich perfekt an Jays Umarmung anzupassen.
      „Soll ich dir noch was beibringen?“ Er überlegte. „Day Tripper von den Beatles? Das ist auch nicht schwer“

      Gerade wurde Jay jedenfalls bewusst, dass dieses enorme Verlangen, Noel irgendwie zu berühren, und die Nervosität die er in der Öffentlichkeit bei zu viel Nähe spürte, garkeinen sexuellen Hintergrund hatte. Oder, jedenfalls nicht nur. Gerade war er glücklich, Noel einfach nur zu stützen und festzuhalten. Was furchtbar kitschig war. Vielleicht hatte er seine eigenen Gefühle bisher etwas unterschätzt.
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    • „Auf gar keinen Fall.“ kam lachend von dem Franzosen. „Ich hab alle Fotos die es von mir gab verbrannt.“ das war eine Lüge, er wusste, dass Flo welche hatte und er wusste auch, dass seine Mutter definitiv ausgedruckte Exemplare in irgendeinem Fotoalbum ganz tief versteckt auf dem Dachboden hatte, aber er würde den Teufel tun, dass diese Fotos irgendwann an die Oberfläche kamen. Es war ihm nicht peinlich - okay es war ihm doch peinlich - wie er damals rumgelaufen war, aber im Grunde war er auch nur einer von vielen Teenager die ihren Style über die Jahre gefunden hatte. Und trotzdem würde er Flo wahrscheinlich die Tage mal fragen, ob sie ihm die Fotos schicken könnte, einfach nur aus dem Grund, weil Jayden ihn gefragt hatte…er musste verrückt geworden sein, diesen Gedanken überhaupt zu haben, verrückt oder einfach ganz schön verknallt.

      Ein stolzes Grinsen verirrte sich auf Noels Lippen, welchem jedoch nicht so viel Aufmerksamkeit bekam, wie sein kleines Ego gerne hätte, denn alles was Noel gerade an Aufmerksamkeit besaß richtete sich auf die Gitarre in seinen Händen und die Saiten die er spielte und alles was nicht dem Instrument galt, galt dem jungen Studenten hinter ihm.

      Wann hatte er sich das letzte mal so wohl bei einer Person gefühlt? Die Antwort war recht einfach, als Jay das letzte mal bei ihm war. Auch wenn die fremden Hände, die sanft bei seine Brust wanderten und der warme Atmen an seinem Hals ihn mehr ablenkten als er es zugeben wollte, spielte er das Stück weiter, auch wenn vielleicht nicht ganz so ‚flüssig‘‘ wie davor (obwohl sein Spielen wohl noch sehr weit weg von ‚flüssig‘ war). „Ich hab ja auch einen hervorragenden Lehrer.“ kam es flirtend von dem Franzosen, ehe er seine eine Hand vom Griffbrett löste und sanft über Jaydens Handrücken streichelte, den Kopf leicht in den Nacken lehnte und dem Jüngeren dann einen etwas umständlichen, flüchtigen Kuss auf die Wange hauchte, bevor er sich wieder der Gitarre widmete. „Also Day Tripper.“

      Noel hätte nicht gedacht, dass ihm Gitarre spielen so viel Spaß machen würde, wahrscheinlich lag das auch nicht alleine an der Gitarre selbst, sondern an der Kombination des Instrumentes und seinem Lehrer, aber gerade im Moment fühlte sich alles perfekt an. Die Situation hatte was unfassbar intimes an sich. Es war so als würde Noel, Jay auf einer ganz anderen Ebene kennen lernen, einfach und alleine durch die Tatsache, dass er das Hobby des Jüngeren ausübte.
    • „Hat deine Familie keine Fotoalben? Meine Mutter hat alle Jugendsünden von mir dokumentiert und in einer Schublade im Wohnzimmer liegen“, lachte Jay.

      Auch wenn es nicht viele Jugendsünden gab, weil er sich immernoch ziemlich genau gleich kleidete, wie damals. An seinen Haaren hatte sich auch nie etwas geändert, abgesehen von ein paar unbeabsichtigt zu kurzen Schnitten und einer kahlen Stelle mit 14, als man ihm eine Platzwunde genäht hatte. Vielleicht sollte er sich Gedanken machen, ob bei ihm etwas falsch lief, da er sich kaum geändert hatte. Auf der anderen Seite sollte er sich wohl nicht mit Noel vergleichen. Er kam ihm deutlich gefestiger im Leben vor, und wenn man einen richtigen Job hatte musste man sich auch dementsprechend geben. In der Bar trug Jay ja auch nicht gerade seine XXL Jeans. Außerdem besaß er im Kontrast zu Cyrus wenigstens formpassende Klamotten, auch wenn sie selten in Aktion waren.

      Jay brachte Noel Schritt für Schritt den neuen Song bei, führte seine Hände von hinten über das Griffbrett und merkte selbst, wie seine Motivation nach einer Weile etwas nachließ, weil seine Aufmerksamkeit viel mehr Noel als seinen Gitarrenskills galt.
      „Also, wie stehen die Chancen, dass du eine Band mit mir gründest?“, fragte er scherzhalber und stützte seine Hände hinter sich auf die Matratze. „Dann haben wir zwei Gitarren, kein Schlagzeug, keine Vocals und keinen Bass, außer du gibst dir bisschen Mühe, übernimmst die Gitarre und ich kauf mir einen Bass, sobald ich im Lotto gewonnen hab. Ein bisschen was kann ich am Bass sogar“
      Das war alles nur Gerede, aber der Gedanke an eine Band begleitete Jay tatsächlich immer. Es hatte wirklich Spaß gemacht, früher zusammen zu spielen. Er hatte Songs geschrieben und sich nie besser gefühlt, als in den Momenten, in denen sie ohne Sorgen zusammen Musik gemacht hatten. Und dann kam die reale Welt und seit Jay als letzter auch in sie eingetaucht war, kam er nicht mehr heraus.
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    • „Zu meiner schade wahrscheinlich schon.“ lachte er leise. „Ich werde mal schauen ob ich was finde.“ und jetzt hatte er sich doch dazu überreden lassen. Kurz überlegte er, zog dann jedoch sein Handy aus seiner Hosentasche und schrieb Flo eine kurze Nachricht. Der Inhalt war recht simpel: Schick mir mal bitte alten Fotos, aber nur die nicht so schlimmen.

      Noel hielt wohl nichts von Höflichkeitsfloskeln wie ‚Hey‘ oder ‚wie geht’s dir so?‘, er kam direkt zum Punkt. Noel war bewusst, das Jayden die Nachricht wahrscheinlich lesen konnte, vielleicht war das auch der Grund warum er ausnahmsweise mal nicht auf Französisch schrieb, er war sich selbst nicht so ganz sicher warum er Jayden die Fotos zeigen wollte, obwohl er sich sonst immer mit Nachdruck dagegen wehrte. Der Student schien definitiv was besonderes an sich zu haben.

      „Kommt drauf an was für mich dabei rausspringt.“ meinte er kokett. Mittlerweile zupfte er nur noch ein wenig an den Saiten und spielte nicht mehr richtig. Seine Aufmerksamkeit hatte sich nun doch vollständig auf Jayden gelegt. Vorsichtig lernte er die Gitarre neben sich auf das Bett und setzte sich so um, dass er den Besitzer des Zimmern anschauen konnte. „Warum suchst du dir nicht wieder eine kleine Band? Es muss ja nichts besonderes sein, aber einfach so als Hobby?“ die Antwort konnte er sich selbst denken, es war wahrscheinlich nicht so einfach andere Leute zu finden die seine Leidenschaft teilte. Noel wusste selbst wie schwieg es sein konnte Menschen zu finden die, die gleiche Passion teilten und dann auch noch in dem selben Bereich. Er nahm sich vor, Theo mal zu fragen, ob er nicht vielleicht jemanden kennen würde, der noch einen Gitarristen brauchte.
    • Jay lehnte sich zurück und machte Noel Platz. Er zuckte mit den Schultern. "Von meinen Freunden hier würde das keinen interessieren", antwortete er. Party war da deutlich wichtiger und es machte wenig Sinn eine Band mit jemandem zu gründen, der erstmal ein Instrument lernen musste. "Und meine Freunde von früher haben sich in alle Windrichtungen verstreut. Weggezogen, Auslandsstudium... Oder einfach keine Zeit und Motivation wegen dem Job. Ich hab ja auch nicht wirklich die Zeit, aber wenn es sich ergeben würde, könnte ich mir die schon irgendwie nehmen", meinte er nachdenklich. Dafür musste er vielleicht das Feiern etwas zurückschrauben, was er wegen seines Jobs und des Babysittens sowieso schon tat. Warum konnte ein Tag nicht wenigstens dreißig Stunden haben?

      Jay sah Noel einen Moment an, dann rutschte er zurück, um sich an die Wand zu lehnen und öffnete die Arme, in einem Signal, dass Noel sich auf seinen Schoß setzen sollte.
      "Und du willst sicher nicht, dass ich Musik mache anstatt Zeit mit dir zu verbringen, oder?", fragte Jay lächelnd.
      Der Gedanke an eine Band war für ihn so realitätsfern, dass er ihn garnicht richtig ernst nehmen konnte. Aber Noel war real und gerade hier und Jay wollte seine ganze Aufmerksamkeit nur für sich haben. Schade, dass er nicht einfach das Studium schmeißen, seinen Job kündigen und hier im Bett verrotten konnte. Obwohl es in Noels Wohnung etwas gemütlicher und ruhiger war, also würde er auf lange Sicht wohl bei ihm einziehen und sich finanziell von ihm abhängig machen.
      "Komm her", sagte er in einem etwas wehleidigeren Ton. Es gab leider nur diesen Weg, um kurzzeitigen Seelenfrieden zu erleben. Besser sie nutzten ihre Zeit sinnvoll, denn in einer platonischen Entfernung zueinander konnten sie auch draußen sein.
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    • „Schließt das eine das eine das andere denn aus? Ich meine, im schlimmsten Falle komm ich einfach mit zu deinen Bandproben und schmachte dich an.“ grinste er. Das war alles nur hypothetisches Gerede, aber Noel könnte sich dran gewöhnen Jayden beim Gitarre spielen zu zuschauen und wenn Jay statt Theo und seiner Gruppe von Nervensägen im Rodeo Musik spielen würde, würde er sicher häufiger in die Bar gehen.

      „Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann verbring die Zeit lieber mit mir.“ grinste er und rutschte tatsächlich erst näher zu dem Studenten bevor er sich - wie Jayden es nonverbal von ihm verlange - auf dessen Schoß bequem machte und ihm sanft seine Hände auf die Schultern legte.

      Seine Finger rutschten etwas verspielt unter den Kragen von Jays Oberteil, strichen teilweise sanft über die Haut an dem Hals des Studenten, teilweise über die Haut, die sich unter dem Stoff versteckte, bevor er einer seiner Hände schlussendlich komplett unter dem Stoff verschwinden ließ. Er war gerade dabei Jayden mit seinem Kopf ein wenig entgegen zu kommen, seine Intention dahinter war wohl nicht nur ihm selbst klar, als sein Handy die Matratze unter ihnen sanft zum vibrieren brachte. Kurz überlegte er das Gerät zu ignorieren, aber Noel konnte sich denken, vom wen die Nachricht war, und gerade war er in einem guten Zustand um die Peinlichkeiten seiner Vergangenheit über sich ergehen zu lassen. Statt den Architekturstudenten also zu küssen, hauchte er ihm ‚nur‘ einen sanften Kuss auf die Wange, bevor er mit der Hand, welche nicht über die nackte Haut des Jüngeren strich, nach seinem Handy griff und den Sperrbildschrim entsperrte.

      Flo hatte ihm tatsächlich die Fotos geschickt und allen Anschein nach nicht nur das, neben einem ganzen Repertoire an Fotos, hatte sie ihm auch zwei Videos geschickt…er erinnerte sich an die beiden Tage und verfluchte seine ältere Schwester in Gedanken.
    • Jay lächelte zufrieden, als Noel zu ihm kam. Natürlich redete er auch gerne einfach mit ihm, dafür hatten sie sich definitiv genug zu sagen, aber offensichtlich war Jay ein riesiger Fan von Körperkontakt. Das war ihm nicht neu, aber die Intensität war bei Noel irgendwie eine andere. Er hatte ja aber bisher auch noch nie jemanden gedatet, bei dem er das Gefühl hatte, als einziger die zahme Version zu Gesicht zu bekommen. Es war nicht zu bestreiten, dass Noel sich nichts gefallen ließ, und umso besser fühlte Jay sich, wenn Noel ihm keine einzige Bitte ausschlug.
      Er genoss die Nähe und die Ruhe, hatte einen Moment lang das Gefühl, plötzlich körperlich und seelisch von absolut allem geheilt zu sein, als Noel ihm für einen Kuss entgegen kam und Jay in ein kleinen Vorfreude Gänsehaut bekam. Vielleicht lag das an dem Pavlov Training, dass es zwischen ihnen bisher noch nie bei einem Kuss geblieben war. Jetzt hatte er schon unterbewusste Erwartungen.

      Die definitiv nicht mit einem Kuss auf die Wange erfüllt wurden. Ernsthaft, er checkte jetzt seine Nachrichten? Jetzt?
      Aber zumindest merkte Jay gleich, wieso. Er hatte doch gerade eben seiner Schwester eine Nachricht geschickt, also...
      "Fotos?", fragte er grinsend. "Das ging schnell. Hat deine Schwester die immer abrufbereit?" Er lachte. Das war etwas, das er nachvollziehen konnte. Er hatte ein Album mit Familienfotos, das zum Großteil aus furchtbaren Shots von seinen Geschwistern bestand. Nur Sadie sah leider ausnahmslos immer süß aus, sogar mit Essen im Gesicht kleben. Aber in zehn Jahren würde sie die Fotos trotzdem genauso hassen, wie Noel die aus seiner Jugend.
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