Wire Walker [Asuna & Codren]

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    • Georgia hätte beinahe schuldbewusst zusammengezuckt, als der Kerl sie so einfach durchschaute. Nein, natürlich war sie noch nie high gewesen, aber sie hatte gedacht, dass sie sich zumindest gerade ganz gut schlug. Ihrer Meinung nach würde so ein Verkauf beim Apothekar auch genau so ablaufen und nicht anders. Der Mann konnte doch unmöglich darauf schließen, dass sie eigentlich gar keine Ahnung hatte, oder?
      Zwischenzeitlich schien das Gespräch völlig in die Brüche zu gehen. Der Kerl wurde aggressiver und Georgia wurde sich auf einen Schlag bewusst, dass sie hier wirklich mit einem Junkie dealte - mit einem Junkie und ziemlich sicher auch einem Typen, der irgendwelchen zwielichtigen Geschäften nachging. Das hier war wirklich ein Drogendeal, wie er im Buche stand, und Georgia hatte keine Ahnung, was sie eigentlich tat. Wenn sie nun entlarvt würde... nun, sie glaubte nicht, dass dieser Kerl sehr viel Verständnis für eine Anfängerin haben würde.
      Dann betrachtete er das Tütchen aber länger, als es seine vorherigen Worte hätten vermuten lassen, und schließlich willigte er doch noch ein. Vor Erleichterung hätte Georgia beinahe laut gestöhnt, als er wirklich einen 50 $ Schein übergab und dazu noch den Preis für das Tütchen. Sie hatte keine Ahnung, wie viel das überhaupt war, akzeptierte aber trotzdem. Die Waren wurden ausgetauscht und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, sprang er auf und verschwand über die Treppe nach draußen. Georgia sammelte ihre klebrigen Geldscheine - bäh - mit den Fingerspitzen ein und kam damit zurück zum Tisch des Apothekar; angeekelt, aufgeregt, aber vollends befriedigt. Das war ihr erster Deal, ihr erster eigener Deal, und sie hatte bereits genug, um an diesem Abend schlemmen zu können, wenn sie das denn gewollt hätte. Natürlich war das meiste Geld für Kleidung und besonders ihr Handy gedacht, aber trotzdem: Sie hatte es geschafft. Und es war tatsächlich unverschämt leicht, an so viel Geld heranzukommen. Und das auch noch so schnell.
      Sogar der Apothekar war davon ganz angetan.
      „Holy shit, ich bin beeindruck. Das ist sogar mehr Cash als ich sonst verlang."
      Georgia konnte nicht umhin, stolz zu sein. Ja sehr richtig, das war ein ordentliches Sümmchen. Da durfte er ruhig neidisch sein.
      „Dabei wusstest du nicht mal, was du da gerade vertickst.“
      Lässig zuckte sie mit den Schultern, als wäre das alles gar kein Problem gewesen. War es ja auch nicht... irgendwie.
      "Es sieht ja eh alles gleich aus."
      Schnell studierte sie die Karte, um sich wieder abzulenken. Denn unter dem ganzen Triumph, den sie spürte, raste ihr Herz immernoch wie wild und ihre Finger zitterten noch leicht.
      „Und, wie war’s? Hat’s Spaß gemacht?"
      "Das fragst du doch nicht im ernst, oder? Es hat natürlich nicht Spaß gemacht. Das sind illegale Geschäfte, die wir hier betreiben."
      Aber von Legalität und Gesetzmäßigkeit musste sie beim Apothekar wohl nicht reden.
      "Was hat der arme Schlucker denn so von sich gegeben?“
      "Er kommt von einem Mavis oder so, und dieser Mavis verkauft wohl nicht über Frauen. Ich glaube, er ist jetzt Stammkunde bei dir, wenn ich es mir recht überlege."
      Sie stutzte, dann sah sie den Apothekar direkt an.
      "Was habe ich ihm denn verkauft? Er kann doch nicht von einer falschen... äh... Dosis sterben, oder?"
    • „Es sieht ja eh alles gleich aus.“
      „Nein?“ Der Apothekar rollte mit den Augen. „Der Unterschied geht schon zwischen weiß und gelb los. Pulver oder kristallin. Sei froh, dass der Typ so fertig war. Der hat auf den ersten Blick gesehen, was es sein müsste.“
      Wieso kam Georgia jetzt auf die Idee, einen Überflug zu erleben? Sie hatte sich ein ganz einfaches Ziel hier ausgesucht und ohne sein Mittel wäre sie gar nicht erst soweit gekommen. Was übrigens auch bedeutete, dass er seinen Fair Share von dem Deal auch noch haben wollte. So wie ihre zittrigen Finger die Karte hielten, musste sie ein ganz schönes Adrenalinhigh haben.
      Er nippte an seiner Cola, indem er die Maske am unteren Ende etwas weghielt. Sah kryptisch aus, war aber normal in seinem Falle und wurde nicht weiter beäugt. Immerhin erwartete er jetzt keine weltbewegende Erkenntnis von irgendeinem dahergelaufenen Junkie. Da hatte er sich aber gehörig geschnitten, denn was Georgia nun berichtete, ließ ihn sich an der Cola verschlucken und beinahe sein Glas umstoßen.
      „Warte, warte, der kam von MAVIS?!“, wiederholte der Apothekar ungläubig und wirkte das erste Mal wirklich ein bisschen erschüttert. Stammkunde hin oder her, wenn der Junkie normalerweise bei Mavis kaufte, hatte er eventuell ein ganz anderes Problem.
      Georgia stutzte, hielt sich aber mehr daran auf, was für eine Substanz sie gerade vertickt hatte. Darauf ging er aber nur halbherzig ein. „Prinzipiell kann man von jeder Droge sterben, wenn man falsch dosiert oder konsumiert, aber…“
      Er lehnte sich schwungvoll zurück und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. „Shit…“, murmelte ehe er lauter für sein Gegenüber hinzufügte: „Nicht DIESER Mavis. DIESE Mavis. Das is ne Frau und die hält das Südviertel unter Kontrolle. Der Bezirk hier untersteht T. J. und normalerweise verticken wir nicht in die anderen Gebiete.“
      Hoffentlich war der Kerl wirklich nur ein ganz kleines, krankes Licht gewesen. Wenn nicht, dann würde er sein Amph direkt zu Mavis karren und ihn so hinstellen, als würde er in T. J.‘s Namen ihr die Kundschaft ablunzen.
      „Beten wir mal, dass der Kerl keinen Rang hat. Wenn du das nächste Mal hörst, dass da jemand sonst bei wem anders kauft, lass die Finger von dem. Hast du dem eigentlich meinen Namen gesagt?“
      Das bejahte Georgia natürlich und er schlug die Hände über seinem Kopf zusammen. Großartig. Richtig gut. Wurde immer besser.
      Jetzt hatte er eine bomben Laune und klatschte seine offene Hand auffordernd auf den Tisch. „Fair Share, Missy. Du hast mein Amph vertickt, also her mit 60 $. Amph geht mittlerweile echt gut.“
      Und das würde seinen eigenen Trip finanzieren, den er mit diesen Nerven dringend brauchte.
    • Der Apothekar hatte eine gar so heftige Reaktion auf Georgias Erwähnung über diesen Mavis, dass sie selbst ganz alarmiert aufschreckte. Was war jetzt denn los? Mavis war doch wohl irgendein anderer Drogendealer, nicht?
      "Wer ist denn dieser Mavis? Was soll an ihm so toll sein?"
      „Nicht DIESER Mavis. DIESE Mavis. Das is ne Frau und die hält das Südviertel unter Kontrolle."
      Das überraschte Georgia dann doch und nicht zu gering. Drogenhandel war ein hauptsächlich männlich belegter Beruf und das wusste sie nicht nur durch ihre bisherigen Beobachtungen beim Apothekar. In der Schule waren sie die Statistik recht deutlich durchgegangen und auf dem Revier ging man auch immer zuerst von einem Er aus. Warum das so war, konnte Georgia nicht ganz sicher sagen, aber sie hatte nach den letzten Tagen - nach diesem Typ gerade eben - doch einen recht guten Eindruck davon. Umso überraschender kam es da, dass diese Mavis nicht nur eine Frau war, sondern auch noch ein ganzes Viertel unter Kontrolle hielt. Sie musste ziemlich stark sein, wenn sie das bei solcher Konkurrenz wie T. J. schaffte. Erstaunlicherweise empfand Georgia eher das Bedürfnis, die Frau mal kennenzulernen, anstatt wie bei jedem anderen Drogenhändler auf Abstand zu gehen. Das lag aber auch nur daran, weil sie selbst schon gekostet hatte, wie es war, eine Frau in diesen Gruppen zu sein.
      „Beten wir mal, dass der Kerl keinen Rang hat. Wenn du das nächste Mal hörst, dass da jemand sonst bei wem anders kauft, lass die Finger von dem."
      "Okay. Wusste ich nicht."
      "Hast du dem eigentlich meinen Namen gesagt?“
      Jetzt hatte sie sogar ein schlechtes Gewissen dafür. Dabei wollte sie ja nur Werbung machen.
      "Ja. Klar."
      Daraufhin schlug der Apothekar die Hände über dem Kopf zusammen. Georgia fragte sich dabei nicht zum ersten Mal, wie seine Miene unter der Maske wohl aussehen mochte.
      Ihr Blick fiel auf die Hand, die er vor ihr auf den Tisch warf.
      „Fair Share, Missy. Du hast mein Amph vertickt, also her mit 60 $. Amph geht mittlerweile echt gut.“
      "Was - 60?!"
      Ihr fiel die Kinnlade hinab. Das konnte doch wohl nicht sein ernst sein! ... Klar, er hatte ihr auch was von dem Gewinn beim letzten Deal abgegeben, aber 60 Dollar?!
      "Das ist -"
      Ihr Protest drohte bereits, ihr aus dem Mund zu sprudeln, als ihr Gehirn aufholen konnte. Ja, ohne die Drogen des Apothekars wäre sie gar nicht erst an das Geld gekommen. Aber was noch viel nachdrücklicher war, war die Tatsache, dass er sie auch einfach wieder ausschließen könnte. Keine Drogen mehr, kein Einkommen mehr. Kein Handy mehr.
      Sie starrte ihn weiter aufgebracht an, aber dann fügte sie sich schließlich doch zum Wohle ihrer Zukunft. Zum Ausgleich bekam er die schmierigsten Geldscheine von ihrer Beute ab und bevor er noch etwas verlangen konnte, ließ sie den Rest gleich verschwinden. Im Anschluss bestellte sie sich einen Salat; dann also doch kein Dessert diesen Abend. Jetzt musste sie ja doch wieder sparen, wenn sie ihr Handy aufladen wollte.
      Missmutig starrte sie in den Raum hinein. Dann warf sie dem Apothekar einen Seitenblick zu.
      "Du hast dich wirklich mal prostituiert? War das in der Zeit vor der Maske oder danach?"
      Sie sah ihn einmal von oben bis unten an.
      "Irgendwie ist das schwer vorstellbar bei dir. Was verdient man denn da so?"
    • „Das ist –„
      „Verfickt teuer? Ja klar, weiß ich. Magipramin ist nur deswegen noch so günstig, weil ich aufpassen muss. Wenn ich da zu viel draufschlage können die ja gleich in ne Apotheke gehen und sich da eindecken“, erklärte der Apothekar fachmännisch, aber seine Gedanken kreisten schon weiter. Offiziell lief er selbst unter T. J.. Wenn das rauskam, dass er mit Leuten aus anderen Vierteln gedealt hatte und es in Verbindung gebracht wurde, würde T. J. ihm die Hölle heiß machen. Den Fehler hatte er nur ein einziges Mal begangen.
      Also wackelte er mit seinen Fingern, damit Georgia ihm wenigstens das Geld rüberwachsen ließ. Nun kostete er halb seine eigene Medizin, als er nur sah, wie sie ihn eindringlich anstarrte. Ohne die Mundpartie fehlte schon noch ein beträchtliches Stück der Mimik, aber das hier reichte auf alle Fälle aus, damit er ihren aufkeimenden Protest sah. Georgia war jedoch schlau genug sich zu fügen und ihm die verlangte Summe auszuhändigen. Dass sie noch einiges übrig hatte entging ihm selbstverständlich nicht.
      Seufzend steckte er sich das Geld ein. Das hatte er jetzt gerade nicht nötig, aber einem geschenkten Gaul sah man nicht ins Maul.
      „Du hast dich wirklich mal prostituiert? War das in der Zeit vor der Maske oder danach?“
      Jetzt rollte er doch noch mit den Augen. Dieses Mädel… blieb echt nur an den unwichtigen Dingen hängen, die für sie selbst so, so furchtbar erschienen. „Was interessiert dich das? Kann dir doch egal sein, oder nicht? Aber streng dein Köpfchen doch mal an: Fändest du ne Maske im Bett sexy, wenn es keine BDSM-Sache ist?“
      Ihm fiel auf, wie sie ihn von oben bis zur Tischkante musterte. Sie hatte noch nicht sein Gesicht gesehen und zugegebenermaßen entging ihr damit auch nicht viel. Er war nicht hübsch und sein Drogenkonsum hatte ihn schon gezeichnet. Mit diesem Look würde er keine einzige Schachtel mehr ins Bett kriegen können, das war ihm klar. Aber damals, als er noch jung und unverbraucht gewirkt hatte…
      „Irgendwie ist das schwer vorstellbar bei dir.“
      „Danke. Wie freundlich.“
      „Was verdient man denn da so?“
      Er hob die Augenbrauen. War das geheucheltes Interesse oder zwackte sie bereits an ihrer eigenen Moralvorstellung, wenn es um Geld ging? Wieso war sie denn jetzt auf einmal so erpicht darauf? Klar, er hatte schon bemerkt und sie immerhin dazu aufgefordert nach Geld zu schauen, aber das hier war dann doch etwas zu eindringlich. Auch schon, wie sie auf das Mallard gedrängt hatte….
      „Mehr als mit Drogen, wenn du das meinst. Keine Ahnung was die jetzt nehmen, aber ein Handjob könnte bei 50 Dollar liegen. Blowjob 100 oder so? Und wenn du mit einem schläfst, geht’s nach Stunde. Kann dann bei 300 Dollar anfangen oder so. Kannst ja George dahinten fragen, deinen Namensvetter.“ Er grinst unter der Maske bei dem Wortspiel. „Der kriegt sonst immer nur so schmierige Weiber, aber wenn du dich ihm anbietest kriegst du locker das doppelte. Ohne Maske, versteht sich.“
    • "Was interessiert dich das? Kann dir doch egal sein, oder nicht? Aber streng dein Köpfchen doch mal an: Fändest du ne Maske im Bett sexy, wenn es keine BDSM-Sache ist?“
      Georgia spürte ihr Gesicht warm werden. Mit dem Apothekar über sexuelle Sachen zu sprechen war nichts, was unbedingt auf ihrer Liste stand. Sie hatte ja nur gefragt, weil es so... absurd schien.
      "... Nein?"
      Seine hochgezogene Augenbraue zeigte ihr, dass er nicht gerade viel von ihrer Antwort hielt.
      Zumindest ihre nachgehende Frage beantwortete er recht unverfänglich.
      "Keine Ahnung was die jetzt nehmen, aber ein Handjob könnte bei 50 Dollar liegen."
      Ihre Augen wurden groß.
      "Blowjob 100 oder so?"
      Ihre Augen wurden noch viel größer.
      "Und wenn du mit einem schläfst, geht’s nach Stunde. Kann dann bei 300 Dollar anfangen oder so."
      300 Dollar? 300 Dollar dafür, dass sie mit irgendjemandem schlief? Man würde 300 Dollar für eine Stunde Sex bezahlen?
      Georgia war völlig geschockt davon. Sie hatte sich nie mit solchen Einzelheiten beschäftigt - denn wirklich, wer fragte sich denn schon sowas? Aber es jetzt so unverblühmt vom Apothekar zu hören, war irgendwie ganz und gar nicht angenehm.
      "300 für eine Stunde? Wirklich? Und 50 für die Hand?"
      "Kannst ja George dahinten fragen, deinen Namensvetter."
      Oh, natürlich kam jetzt sowas. Sie konnte sein Grinsen ja schon hören, als er es sagte, und ließ entsprechend theatralisch die Augen rollen.
      "Der kriegt sonst immer nur so schmierige Weiber, aber wenn du dich ihm anbietest kriegst du locker das doppelte. Ohne Maske, versteht sich."
      "Ich frage nicht wegen mir", zischte sie zurück, plötzlich paranoid, dass ihnen jemand zuhören könnte. Ihr Blick glitt automatisch zu George, der sich zwischen seinen beiden Damen räkelte. Als sein Blick über sie strich, zuckte sie ertappt zusammen und machte sich klein.
      "Ich würde sowas nicht machen. Das ist doch ekelhaft. Und wenn du dich mittendrin entscheidest, dass du doch nicht willst?"
      Angewidert rümpfte sie die Nase.
      "Ich war ja nur... neugierig."
      Der Apothekar schien von ihrer Neugier jedenfalls ganz prächtig unterhalten zu sein und Georgia war froh, als ihr Salat kam. Sie schlang ihn eifrig runter und umschiffte das Thema mit größtem Eifer.

      Sie verließen das Mallard mit einer netten kleinen Summe in der Tasche. Georgia trennte sich vom Apothekar mit der Begründung, sich noch etwas Süßes holen zu wollen, und ging ihr Handy aufladen. Kaum eine halbe Stunde später war sie auch wieder bei ihm und konnte es kaum erwarten, dass er ins Bett ging und sie wieder ihrer Mutter schreiben konnte.
      "Wann steht dein nächster Deal an? Machst du sowas nicht häufiger?"
    • „Wann steht dein nächster Deal an? Machst du sowas nicht häufiger?“
      Sie hatten es noch nicht einmal zurück zu seiner Wohnung geschafft, da hatte Georgia den Anschluss zum Apothekar wiedergefunden und löcherte ihn bereits mit neuen Fragen. Sie meinte, sie wolle sich etwas Süßes holen, aber unter seinem findigen Blick fiel ihm nichts auf. Sie trug weder Tasche noch einen großen Mantel, sodass ihn eine gewisse Skepsis beschlich. Auf der anderen Seite hatte sie ja nur einen Salat gehabt – da war es nicht unwahrscheinlich, dass sie sich was auch immer direkt zwischen die Backen geschoben hatte.
      „Kommt drauf an. Normalerweise kontaktieren die mich, wenn die kaufen wollen. Ich muss mich nicht mehr irgendwo hinstellen wie eine Bordsteinschwalbe und auf Kundschaft warten“, erklärte er lässig, als sie sich um die nächsten Ecken schlichen und in einer geschützten Seitengasse eintauchten. „Und wenn du mit deinem Ruf dafür sorgst, dass ich mehr einnehmen kann, dann muss ich noch seltener los. Is‘ logisch, oder?“
      So wirklich angetan schien Georgia von dieser Äußerung nicht zu sein. Fast so, als würde sie es plötzlich doch nicht mehr gut finden, weniger häufiger zu dealen. Das war alles viel zu seltsam. Der Apothekar hielt das Mädel für naiv und gutgläubig, zu scheu und zu provokant wo sie es besser nicht sein sollte. Aber ganz bestimmt nicht für so schlau, als dass sie innerhalb von Tagen verstand, wie sich das Leben hier in den Schatten lebte. Dafür hatte sie zu Beginn und immer wieder einfach viel zu deutlich gemacht, was sie von ihm und der ganzen Sache hielt. Dass sie diese Zweckbeziehung schneller beenden wollte als ihm lieb war. Der plötzliche Wandel von Abneigung zu Befürwortung und Interesse kam einfach viel zu schnell und das stimmte den Apothekar mehr als nur misstrauisch.


      Eine gute Woche verging, in der Georgia nicht lockerließ und den Apothekar weiterhin antrieb. Täglich ging sie ihm auf die Nerven und fragte, ob sie wieder ins Mallard gehen konnten oder ob sich jemand bei ihm gemeldet hatte. In dieser Woche machte er so viel Umsatz wie sonst gefühlt in einem Monat. Einfach nur der Tatsache geschuldet, dass er sich von ihr ein bisschen zu Höchstform hatte treiben lassen. Immer mehr schien sich Georgia dabei auch damit abzufinden, dass sie in einer winzigen Wohnung saßen, die, zugegebenermaßen, mittlerweile auch besser aufgeräumt war als zuvor. Noch immer war er misstrauisch gegenüber ihrem plötzlichen Elan, aber entgegen seiner Vermutungen fand er keine handfesten Beweise oder auch nur Gründe dafür, warum sie auf einmal so erpicht war, Geld zu verdienen. Irgendwann schlich sich der Verdacht ein, dass sie sparte, um sich schließlich von ihm abzusetzen. Was wiederum bedeutete, dass er sie irgendwie dazu kriegen musste, ihn als Notwendigkeit anzusehen.
      Als an diesem Freitag sein Handy wegen einer SMS summte, dachte sich der Apothekar nichts Weiteres dabei. Georgia und er lungerten nach einem erfolgreichen Deal wieder in seiner Wohnung und zählten das Geld. Als er auf das Display schaute, war es eine ihm unbekannte Nummer. Nichts Ungewöhnliches, aber er erinnerte sich nicht unbedingt daran, neue Kontakte geschlossen zu haben.
      Mindestens genauso gewöhnlich war die Nachricht. 50 Gramm Amphetamin, 5 Gramm Crack und ein bisschen Hasch. Ein Einkauf der etwas teureren Sorte, aber alles andere als ungewöhnlich. Der Treffpunkt war von demjenigen, der sich Cole nannte, vorgeschlagen. Ein privates Bordell am Rande von T. J.‘s Bezirk. Auch das war nichts Ungewöhnliches.
      „Hey, wir haben einen neuen Auftrag für Sonntagabend“, ließ er Georgia wissen und schwang sich vom Bett hoch, um seine Vorräte zu prüfen. Eventuell müsste er sonst noch etwas mischen und abpacken, aber das sollte wohl das geringste Problem sein.
    • Von Georgia etwas angetrieben, machte der Apothekar in der kommenden Woche mehr Ausflüge ins Mallard. Sie verliefen jedes Mal so wie beim ersten, mit dem Mann am Tisch, während er es Georgia überließ, ihnen das Geld zu verdienen. Sie konnte sich dabei einfach nicht daran gewöhnen, die Leute anzureden; selbst nach dem dritten Tag kam sie sich komisch vor, wenn sie sich einfach zu jemandem an den Tisch setzte und ihm Drogen verkaufen wollte. Machte man das so? Fühlte sich dabei jeder so... absurd? Aber die Maske half ihr dabei, sich ein wenig zu verstecken und bot ihr damit die Stütze, die sie vermutlich benötigte. Der Apothekar war ihr gar keine Hilfe und ohne hätte sie sicher viel zu viel Angst, dass die Leute sich ihr Gesicht merken würden. So redete sie sich einfach ein, dass sie vergessen würden. Zu ihrem Glück war George in den kommenden Tagen nicht wieder im Mallard.
      Sie verdiente sich ein hübsches Sümmchen, das immernoch hübsch war, wenn sie ihren Anteil an den Apothekar abgegeben hatte. So konnte sie zum ersten Mal sicherstellen, dass sie jede Nacht in dieser Woche genug Guthaben auf ihrem Handy hatte und das fühlte sich gut an. Richtig gut sogar. Es war schön, sich nachts unter ihrer Decke zu verkriechen und ihrer Mutter zu schreiben, ihr zu sagen, dass es ihr gut ging, dass sie sie lieb hatte und dass sie es schon irgendwann nachhause schaffen würde. Es fühlte sich fast schon normal an. Fast konnte Georgia sich in diesen Nächten einreden, dass alles irgendwie normal war und sie nur auf einem Ausflug war, von dem aus sie ihrer Mutter schrieb. Fast. Doch diese Momente reichten dazu aus, sie für den nächsten Mallard-Trip neu zu motivieren. Egal, ob George da war oder nicht.
      Dann eröffnete der Apothekar ihr, dass es einen neuen Auftrag gab, einen von der üblichen Sorte. Überraschenderweise war Georgia deswegen nun gar nicht mehr aufgeregt. Die Woche im Mallard hatte sie wohl irgendwie ein bisschen desensibilisiert.
      "Okay."
      Sie stand von der Couch auf, umrundete den Couchtisch - den sie neuerdings mal von den ganzen Tüten befreit hatte - und nahm sich den kleinen Notizblock, den der Apothekar auch für seine Einkäufe verwendete. Dort schlug sie eine neue Seite auf.
      "Was wird's?"
      Er sagte es ihr und Georgia überschlug den Preis dafür. Neuerdings hatte sie Gefallen daran gefunden, sich im Vorfeld bereits auszurechnen, was sie für einen Gewinn machen würde. Sie konnte sich bereits neue Kleider anschaffen und wenn sie sparsam war - wenn sie wirklich sparsam war - würde sie sich bald ein Smartphone kaufen können. Sie wusste zwar noch nicht, was sie damit anfangen würde, aber es würde in jedem Fall besser sein als dieses Wegwerf-Gerät.
      Sie zeigte dem hereinkommenden Apothekar die Zahlen und grinste dabei. Nach den Mallard-Ausflügen war es fast wie ein Segen, so viel an einem einzigen Abend zu machen. Und sie würden wie lange weg sein? Vielleicht zwei Stunden? Das war ja fast schon zu schön um wahr zu sein.
      "Und wo?"
      Als der Mann es ihr sagte, fiel ihr die Kinnlade hinab. Bitte wo sollte das sein? Aber über ihren Gesichtsausdruck konnte er nur lachen. Zu ihrem Horror wirkte er so, als sei es ein ganz gewöhnlicher Treffpunkt.

      Am Sonntag verhüllte Georgia sich zunächst in ihren dicken, schwarzen Kapuzenpulli, bis der Apothekar sie zu sehen bekam und zurechtwies. Sie gingen in ein Bordell und nicht etwa in das verlassene Lagerhaus vom letzten Mal; sie solle sich entsprechend anziehen. Das hieß natürlich nicht, dass sie auf ihre Maske verzichten sollte, aber in ein Bordell ging man nicht in Kapuzenpulli. Sie sollte sich für was anderes entscheiden.
      Als sie später dann vor dem Gebäude standen, das mit seinen Neonschildern schon lauthals verkündete, was drinnen zu finden war, war Georgia nur halbwegs froh über ihren zurückgelassenen Pulli. Beim Anblick der "Kunden" die dort hineingingen, hätte sie sich doch irgendwie lieber versteckt.
      Das Bordell war keine öffentliche Einrichtung, sondern nur durch Einladung oder irgendetwas anderes betretbar. Georgia sah diverse Leute beim Türsteher scheitern, der auch sie beide musterte, als würde er sie am liebsten direkt auf die Straße setzen. Aber der Apothekar konnte sie durchbringen. Der Apothekar konnte sie an viele Orte bringen, so wie es schien.
      Drinnen führte ein Gang durch das Gebäude, der in diverse Räume abzweigte. Georgia blieb stehen und gaffte ganz offen, als eine halbnackte Frau an ihnen vorbei schlenderte, die Hüften in einem Schwung kreisend, der einen hypnotisieren konnte, um im nächsten Raum zu verschwinden. Georgia war noch nie in einem Bordell gewesen - so nackt hatte sie sich die Stripper nicht vorgestellt. Waren das überhaupt Stripper oder nannte man die anders? Wie viel bezahlte man überhaupt für so eine Frau? Bei der nächsten glotzte Georgia auf pralle, gut gefüllte Brüste, die gerade mal durch ein dünnes, schmales Tuch bedeckt waren. Die zugehörige Frau hielt mit einem breiten Lächeln genau auf sie zu, die langen Beine in irrsinnig hohen Absätzen endend. Georgia wurde warm, als sie an den Kurven ihrer Hüfte hinab sah und dann verstohlen auf das unverschämt winzige Höschen sah.
      "Ähm..."
      Sie rückte so dicht zum Apothekar, dass sie ihn fast berührt hätte. Wer hätte schon gedacht, dass der Mann sie mal mit seiner Anwesenheit beruhigen würde.
      "Wo, ähm, wo müssen wir denn... lang?"