Bound by Eternity [Stiftchen & Nao]

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    • Die erste Gruppe, die Aries ansprach, hielt ihn relativ lange in einem Gespräch gefangen, weshalb sie nicht weit kamen. Er unterhielt sich kurz mit irgendeiner schwangeren Frau, die seinem ‚The Who‘ Bandshirt ein Kompliment machte, woraufhin er sich bedankte und erzählte, dass er sich vor seinem eigenen Act definitiv nochmal umziehen musste, und dann fragte die Frau ihn nach seinen bekanntesten Songs und damit hatte sich eine ziemlich lange Unterhaltung angeboten. Michael war zum Glück nicht der antisozialste aus ihrer Gruppe, also machte er den Kram einfach immer mit. Vielleicht auch, weil er damit die Suche nach dem Gras aufschieben konnte. Michael war nie ein Fan davon gewesen, vor ihren Auftritten zu trinken oder zu rauchen, damit war der Brünette wahrscheinlich aber auch der einzige. Sam, ihr Bassist stand für seinen Teil kein einziges Konzert nüchtern durch, weil seine eigenen Nerven ihn auffraßen.
      Ari wurde erst aus seiner Unterhaltung gerissen, als er hinter sich eine aufgeregte Stimme hörte. Er drehte sich herum und sah plötzlich in ein Paar brauner Augen, die ihn anleuchteten. Er machte fast einen Schritt rückwerts. „Huh? Nein, denke ich nicht“, antwortete er bevor Michael sich mit einem breiten Grinsen herumdrehte und den Arm um ihm schmiss.
      „Wenn du mal bei einem Auftritt von ‚The Heavens‘ warst, dann kennen wir uns definitiv“, sagte er sofort. „Ari, sei nicht so hohl und pack deinen Stift aus, der Kerl fragt nach einem Autogramm“
      Aries schüttelte Michaels Arm ab. Eugh, er wurde manchmal richtig anstrengend, wenn er merkte, dass sie tatsächlich Fans hatten. Da kam das Selbstbewusstsein aus den tiefsten Tiefen hochgekrochen. Auch wenn das eben ein seltsamer Spruch war, um nach einem Autogramm zu fragen. Ari zog einen Permanentmarker aus der Hintertasche seiner Jeans, den Michael ihm ständig andrehte, nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie doch jemand erkannte. Ari hielt den Stift hoch, fühlte sich aber etwas dämlich.
      „Du wolltest kein Autogramm, oder?“, fragte er mit einem schiefen Lächeln. „Sorry, falls du mich verwechselt hast“ Das war definitiv die logischere Erklärung. Selbst, wenn ihr Name ganz klein gedruckt auf dem Flyer gestanden hatte, hatten bestimmt nicht genug Leute nach ihren Platten mit Albumcover gesucht, und die Wahrscheinlichkeit, dass er angesprochen wurde, würde erst nach ihrem heutigen Auftritt wachsen. Aber falls der Typ ihre Band kannte, würde er ihn sofort auf ein Bier einladen. Das wäre nämlich erst das dritte Mal, dass ihn jemand in der Öffentlichkeit erkannte, und das, obwohl sie hier gerade auf Festivalgelände vor ihrem eigenen Auftritt waren.
      „Du solltest unseren Fans keine Worte in den Mund legen, wahrscheinlich fällt ihm gleich wieder ein, dass er bei einem der Konzerte war. Ähm, kennst du ‚The Stars align‘?“, fragte Michael, scheinbar um dem Rothaarigen verzweifelt auf die Sprünge zu helfen, und fing an den Refrain des Songs zu summen. Aries war selten etwas peinlich, aber wenn sein Freund so sehr auf ihre Popularität bestand, wollte er sich in Luft auflösen.
      „Okay, okay“, sagte er und stieß Michael in die Seite um ihn zu stoppen.
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    • "Ich...wollte kein Autogramm, nein. Sorry." Kit lachte ein wenig nervös. Er spielte also in einer Band. Er war Musiker. Kit hatte das Gefühl, dass sich sein Herz zusammenzog. War das ein Zufall? 'Ich schreibe ein Lied über deine Haare, und dann schreibe ich ein Lied über die Leute die deine Haare nicht mögen und danach schreibe ich Lieder über uns beide wie wir herumsegeln und die Welt erkunden' Aris Worte schallten in seinem Kopf wieder, während er sein grinsendes Gesicht vor seinem inneren Auge sah. Das selbe Gesicht, das er jetzt vor sich hatte und das ihn offenbar absolut überhaupt nicht kannte.
      "Ich hab wirklich nur gedacht, dass ich dich von irgendwoher kenne. Tut mir leid", erklärte Kit erneut, um die Situation mit dem Autogramm irgendwie nett zu lösen. Wahrscheinlich hätte er es einfach annehmen sollen.
      Es war...grausam. Irgendwie. Kit hatte das dringende Bedürfnis, seine Hand auszustrecken und dem Fremden durch die Haare zu streichen, ihn an sich zu ziehen und sicher zu gehen, dass er real war. Stattdessen schob er seine Brille zurecht und steckte seine Hände in seine Hosentaschen. Okay. Das war...awkward, oder? Eigentlich war das der Moment, in dem er sich nochmal entschuldigen und einfach gehen sollte. Aber er konnte nicht. Er hatte so oft von Ari geträumt, dass ihn jetzt jede Bewegung des Fremden faszinierte. So, als wäre ein Schauspieler plötzlich aus seiner Leinwand gefallen und würde jetzt in der realen Welt umherlaufen.
      "Tretet ihr heute hier auf?", fragte er, unwillig, das Gespräch enden zu lassen. Er konnte den Fremden nicht einfach so gehen lassen. Das musste ein Zeichen sein! Vielleicht hatte er sich diesen Sog hierher, den er jetzt nicht mehr spürte, tatsächlich nicht eingebildet. Vielleicht sollte es so sein. Auch, wenn das wirklich so klang, als ob er vollkommen high wäre. Selbst wenn es Schicksal geben würde - wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass man sein ganzes Leben lang träume von einer anderen Person in einer vollkommen anderen Zeitepoche hatte und plötzlich tatsächlich vor ihr stand?
    • Okay, war ja klar. Ari steckte den Stift wieder ein und warf Michael einen strengen, vielsagenden Blick zu. ‚Hab ich ja gesagt‘. „Kein Problem“, sagte er also wieder an den Rothaarigen gewandt. Es war eigentlich auch vollkommen egal, Aries war ziemlich geerdet was das anging. Allerdings konnte er nahezu hören, wie Michaels Herz zerbrach.
      Die Stimmung war jetzt ein wenig seltsam. Ari überlegte automatisch, ob er den Fremden kennen könnte. Vielleicht hatten sie sich mal im Vorbeigehen bei einem anderen Konzert getroffen? Oder im Supermarkt — konnte ja keiner wissen. Nur würde Ari sich an die grellen Haare bestimmt erinnern, wenn er mit ihm gesprochen hätte. Und es wunderte ihn, dass der Kerl scheinbar einfach nicht gehen wollte, so wie sie immernoch zu dritt hier standen. Was Ari aber eigentlich ganz gut fand. Es gab ihm mehr Zeit, sein Gesicht zu mustern und zu überlegen. Ein bisschen bekannt kam er ihm vielleicht vor. Die Stimme? Zumindest hatte er gute Vibes.
      „Oh, äh, ja, Abends. 18 Uhr“, sagte er und nickte freundlich. Gut, vielleicht wurde der Fremde ja noch ihr Fan! „Wir haben noch Backstage Pässe, weil niemand von unseren Freunden oder Familie mitkommen wollte“, sagte Ari auf einmal. Das klang trauriger, als es war. Aries Familie wohnte ewig weit weg und niemand war sonderlich glücklich über die ganze Musiker-Geschichte, weder bei Michael, noch bei Samuel oder Aries. Ihre Freunde waren alle nicht überzeugt von Festivals. Zu lang, zu viel, zu laut, zu wenig Hygiene, oder so. Aries konnte sich durchaus schlimmeres vorstellen. Langeweile zum Beispiel.
      „Bist du mit jemandem hier? Dann könntet ihr euch Abends zu uns setzen. Wir haben noch… Bier im Bus, aber eigentlich bin ich auf der Suche nach-“ Ari machte eine kleine Bewegung, die das Ziehen an einem Joint nachstellen sollte und sah nochmal zu Michael, der ein wenig irritiert aussah. „Was? Selbst wenn du und Sam beide noch je zwei Leute kennenlernt, haben wir genug Pässe. Und Sam wird keinen Schritt aus dem scheiß Zelt gehen, bis wir auf die Bühne müssen“ Aries schmunzelte. Michael atmete tief durch und nickte. „Schön, wieso nicht. Wenn dir dann nicht langweilig wird“, stimmte er zu.
      Ari drehte sich zurück zu seiner neuen Bekanntschaft. „Also? Wie heißt du eigentlich? Das ist Michael, ich bin Aries, wir haben noch einen introvertierten Bassisten und eine winzige Crew und übermäßig viel zu Saufen im Gepäck. Nicht, dass du was trinken müsstest, wir freuen uns immer über Gesellschaft. Vielleicht finden wir ja raus, ob wir mal auf derselben Schule waren“ Er grinste.
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    • "Das klingt deprimierend", merkte Kit an, bevor er sich stoppen konnte, als der Fremde anmerkte, dass sie noch Backstagepässe hatten. Stimmte ja auch irgendwie. Gut, seine Eltern würden sich auch ziemlich überwinden müssen, ihn zu sowas zu begleiten, aber er war sich doch irgendwie sicher, dass sie sich am Ende überwinden könnten. Mit etwas Überredungskunst, zumindest. Oh Gott. Seine Eltern. Ob sie ihm glauben würden, dass er jemanden getroffen hatte, der dem Mann aus seinen Träumen so verdammt ähnlich sah? Seine Eltern hatten nie gerne über die Träume geredet. Verständlich, irgendwie. Es musste unfassbar seltsam gewesen sein, wenn das Outing des eigenen Sohnes daraus bestand, dass er einem erzählte, in einem Traum mit einem Mann geschlafen zu haben. Er hatte ziemlich schnell gelernt, ihnen nichts mehr von seinen Träumen zu erzählen. Aber das war eine Ausnahme, oder?
      "Wir sind zu viert. Aber ich glaube meine Freunde stehen nicht so auf Rock." Er nickte kurz zu dem Shirt seiner neuen Bekanntschaft, bevor der angedeutete Joint ihm ein Lächeln entlockte, das sofort erstarrte, als der Fremde ihm seinen Namen nannte. Aries. Das konnte einfach kein verdammter Zufall sein! Das war kein normaler allerwelts-Name. "Kit", antwortete er schnell, bevor man ihm die Irritation anmerken könnte. "Ich heiße Kit." Aber das würde Aries wahrscheinlich auch nicht dabei helfen, sich an ihn zu erinnern, oder? Auch, wenn 'erinnern' wahrscheinlich nicht das richtige Wort war. Er hatte sich ja nicht erinnert, sondern nur geträumt. Aber wie konnte es sein, dass er sein ganzes Leben lang von Ari geträumt hatte und der sich kein bisschen an ihn erinnern konnte? Kit hatte das Gefühl, als würde die ganze Welt sich plötzlich andersherum drehen. Augenscheinlich war alles vollkommen normal, aber irgendetwas stimmte nicht.
      "Ich nehme den Backstagepass gerne. Wenn es nicht die selbe Schule war, dann ja vielleicht der selbe Kindergarten." Er konnte das nicht einfach so stehenlassen. Er musste mehr über...Ari...erfahren. Ob Aries sein Aries war. Der Geist, der ihn in seinen Träumen verfolgte. Aber wie? Er träumte seit Jahren von ihm, aber wirklich viel wusste er im Grunde nicht über ihn. Ganz davon abgesehen, dass Traum-Aries in einer ganz anderen Zeit gelebt und nichts mit dem Aries vor ihm gemeinsam haben konnte, außer Name, Aussehen und der Liebe zur Musik.
      "Ich würde euch empfehlen, etwas mehr in die Menge rein zu gehen, wenn ihr was zum Rauchen sucht. Mir ist eben zumindest relativ viel angeboten worden", ergänzte er schwach, während er immer noch versuchte, das alles irgendwie zu verarbeiten. War das hier echt? Ein Streich? Hatte er doch was geraucht und war jetzt auf so einem extremen Trip, dass er sich nicht mal mehr erinnerte, was getrunken zu haben?
    • Aries grinste freudig, als der Rothaarige zustimmte, auch wenn er dafür wohl seine Freunde im Stich lassen musste. Entweder wollte er ganz dringend Gratis-Bier und die Backstage Experience machen, oder er wollte unbedingt herausfinden, woher sie sich kannten. Aries machte bei dem Spaß gerne mit. Allerdings half der Name ihm absolut garnicht auf die Sprünge. Kit? Er kannte noch nie jemanden, der Kit hieß. So häufig konnte der Name ja auch nicht sein.
      „Ah, super, dann gehen wir quer durch die Menge und zurück zum Bus!“, stellte Ari fest und zog Michael kurz hinter sich her, damit er vor lauter Überforderung und Trauer nicht verloren ging.
      Kit hatte recht gehabt, sie kamen an einigen Rauchwolken vorbei und da die Leute hier großteils unglaublich gesprächig waren und scheinbar in Laune zu teilen, hatten sie sich recht schnell zwei halb gerauchte Joints zusammen gesammelt. Aries vertrug von dem Zeug eh nicht so viel, also war das mehr als genug, wenn Michael weiterhin lieber Angst hatte, dass sie ihren Act versauten, wenn sie nicht nüchtern waren.
      Als sie wieder am Gelände für die Künstler angekommen waren, mussten Ari und Michael mal wieder vorweisen, dass sie überhaupt hier sein durften, und Kit kam mit Backstage Pass rein. Die laute Menge ließen sie hinter sich und Ari ging langsamer, um sich wieder neben Kit zu gesellen.
      „Also, Kit, wenn du dir nach all dem nicht zumindest eins unserer Gratis Shirts anziehst, bin ich enttäuscht. Ich wette, du willst unbedingt mein Gesicht auf deinem Körper haben“, grinste er, während sie durch die trockene Wiese stapften. „Wir machen übrigens ähnliche Musik wie The Who, also hoffe ich, du bist mehr Rock-Fan als deine Freunde. Mein Lieblingssong ist ‚Orange‘, den solltest du dir auf jeden Fall anhören, ich meine, wegen der Haare und allem“ Er deutete mit der Hand einmal über Kits Kopf. Jetzt wo Ari so drüber nachdachte, war es ein witziger Zufall, immerhin war Orange schon immer seine Lieblingsfarbe gewesen, auch wenn er sie überhaupt nicht in seiner Kleidung trug. Aber sein Sofa war orange und seine Katze war orange und allgemein gefielen ihm Sonnenauf- und untergänge sehr gut und er war schon immer überzeugt von Orangensaft gewesen!
      „Und jetzt erzähl mal, wo kommst du her? Ich bin in Chicago aufgewachsen, aber ich hab Michael irgendwann gezwungen, mit mir eine WG in Brooklyn zu gründen, weil ich total neidisch auf die Musik-Kultur war. Man bekommt in New York ganz gut kleine Gigs, wenn man sich ein bisschen anstrengt. Mittlerweile wohnen wir nicht mehr zusammen, weil ich meinen Freiraum brauche, verstehst du? Aber ein bisschen vermisse ich ja die Gesellschaft, darum sind wir jetzt hier“ Redete er zu viel? Irgendwie hatte er zu lange keine neuen Leute kennengelernt, das war wahrscheinlich der Grund. „Also, bist du aus Chicago oder kennen wir uns aus dem lokalen Supermarkt?“, grinste Ari.
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    • Das war alles vollkommen surreal. Kit konnte immer noch nicht glauben, dass das alles passierte, während er hinter Ari herlief und seinen Hinterkopf anstarrte. Der halbe Joint half nicht unbedingt. Eigentlich hatte Kit das Gefühl, dass er sich hinlegen und 24 Stunden an die Decke starren musste, bevor er eventuell wieder halbwegs normal funktionierte und auch dann nur, wenn man danach keine Höchstleistungen von ihm erwartete.
      "Ich nehme das Shirt aber nur, wenn du mir dann doch ein Autogramm drauf gibst", antwortete er mit einem kleinen Lächeln. Sein Unterbewusstsein ließ ihn zumindest wissen, dass er gerne alles von Ari auf seinem Körper hätte, ganz ohne T-Shirt. Das war wohl der Effekt mit dem man leben musste, wenn man regelmäßig von Sex mit jemandem träumte. Gott war das seltsam und unangenehm.
      "Ich mag Rock. Ich denke, ich werde einfach bei jedem Song an deinen Lippen hängen und dann entscheiden, welcher mir am besten gefällt."
      Aris Frage nach seiner Herkunft konnte er nur mit einem kleinen Kopfschütteln beantworten. "Nein, ich komme tatsächlich aus einem kleinen Dorf, von dem du wahrscheinlich noch nie gehört hast. Ich bin vor ein paar Jahren nach New York gezogen, aber Brooklyn gehört nicht zu meinem Einzugsgebiet. Ich denke, ich habe wirklich einfach nur jemanden gesehen, der dir sehr ähnlich sieht." Und der genau so heißt und auch Musiker war, aber eigentlich nicht existieren konnte.
      "Du schreibst deine Lieder selbst." Er hatte es als Frage formulieren wollen, aber so, wie er Ari kannte, war ihm das irgendwie vollkommen klar. Vielleicht hätte er auf den Joint verzichten sollen. "Oder?", schob er schnell fragend hinterher. "Du...wirkst irgendwie so." Sehr überzeugend und absolut nicht seltsam. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn er sich umdrehen und zurück zu Juniper gehen würde. "Was inspiriert dich?" Ob dieser Ari auch Lehrer geworden wäre, wenn Musik hier nicht ebenfalls ein Leben finanzieren könnte? Wie ähnlich war er seiner Traumversion?
    • „Seltsam“, sagte Ari. Sie waren also überhaupt nicht aus der selben Gegend? Dabei hatte er es langsam geschafft, sich einzureden, Kit irgendwoher zu kennen. Zumindest konnte man gut mit ihm reden. Sehr natürlich. Vielleicht lag das auch am Joint, oder einfach an ihrer beider generellen Art. So oder so war Ari ganz froh darüber, Kit spontan den Backstage Pass angeboten zu haben.
      „Dann hab ich vielleicht ein Double irgendwo da draußen, hm?“, überlegte er. „Sag dem mal, er soll sich eins meiner Konzerte angucken und wir machen zusammen Fotos, das wäre lustig“ Apropos Fotos, vielleicht sollte er langsam mal seine Kamera auspacken und das alles hier festhalten. Die Spiegelreflexkamera hatte er zum Achtzehnten Geburtstag noch von seinen Eltern geschenkt bekommen, damit er ab und zu Fotos entwickeln und ihnen schicken konnte. Seine Eltern waren ganz in Ordnung. Etwas uninteressiert, aber trotzdem ließen sie ihm regelmäßig Checks zukommen, was seinen Kellnerjob zumindest aufs absolute Minimum reduzierte.
      „Yup“, antwortete er auf Kits… Statement. „Achja? Ich nehme es als Kompliment“, grinste er. „Ich muss wohl aussehen wie ein kreatives Genie“, lachte er. „So toll sind meine Texte aber garnicht. Ich schreibe einfach auf, was mir in den Sinn kommt, und manchmal kommt was Stimmiges dabei heraus, und manchmal Songs wie ‚Orange‘, aber nicht alles muss Sinn machen oder einen Grund haben, würde ich sagen. Die Songs sind vielleicht keine Meisterwerke, aber sie kommen definitiv von Herzen. Das ist immer das wichtigste. Das viel Gefühl drin steckt“ Okay, jetzt sprach wirklich der Joint aus ihm. Auch wenn er vollkommen hinter seinen eigenen Worten stand. Und er war zuversichtlich, dass die Menge ihre Songs feiern würde, weil sie ehrlich und gefühlvoll waren und die meisten waren sogar ziemliche Ohrwürmer! Was vermutlich nicht viel hieß, wenn es von dem Kerl kam, der sie schrieb und sang.
      „Aber keine Sorge, wir haben kaum Balladen. Nur, als meine Freundin in der zehnten Klasse Schluss gemacht hat, hab ich sowas wie… ‚Freedom‘ geschrieben, was eine Mischung aus ‚Gott sei Dank, ey‘ und ‚Was jetzt?‘ war, gefühlsmäßig. Irgendwie tut es mir noch immer ein bisschen leid, dass ich den damals am Abschlussball gespielt hab“
      „Ari, trink nen Schluck Wasser“, murmelte Michael von der Seite, der sich die ganze Zeit über brav aus der Konversation gehalten hatte. „Wenn ich mir die Geschichte nochmal anhören muss, muss ich uns alle erschießen, weil es gnädiger ist, als die Fremdscham auszuhalten“
      „So schlimm war‘s nicht“, widersprach Ari.
      „Sie hatte dir eine reingehauen. Manche Gedanken muss man sich für sich behalten“
      Ah, stimmt. „Aber das war nicht wirklich meine Schuld. Es wusste niemand, um wen es im Song ging“, stellte er vor Kit klar. „Nur sie wusste es. Und Michael, klar. Und vermutlich ein paar ihrer Freundinnen. Aber es war nicht der einzige Song, den wir gespielt haben und irgendwie muss man seine Gefühle halt ausdrücken, auch wenn es eine leicht verkorkste Freude Slash Verwirrtheit ist! Jedenfalls ist das vier Jahre her und ich habs echt nicht so schlecht in Erinnerung. Aber keine Sorge, das ist nicht in der Setliste. Wir haben ausnahmslos Stimmungsmacher geplant“ Er lächelte wieder. Er musste sich ja irgendwie vor Kit verteidigen, er konnte nicht als ein Arsch dastehen, wenn sie sich gerade erst kennengelernt hatten und vermutlich noch eine Weile zusammensitzen würden. Vielleicht konnte Kit ihnen ja auch seine Freunde morgen vorstellen. Oh-
      „Achja, bleibst du das ganze Wochenende über hier mit deinen Freunden? Wir bleiben bis Sonntag, damit wir noch ein paar Eindrücke sammeln können“ Ari freute sich darauf auf einmal deutlich mehr, als vorhin noch. Warum war er nochmal so schlecht drauf gewesen? Ah, bestimmt weil er schlecht geschlafen hatte. Aber jetzt fühlte er sich wieder, als wäre er ganz am richtigen Ort.
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    • Es war absolut überfordernd, Ari dabei zuzuhören, wie er von Dingen sprach, die er in seinen Träumen nie gesagt hatte. Als würde der Schauspieler, der eben aus der Leinwand in die Realität gestolpert war, direkt off script gehen und improvisieren. Nur, dass Ari nicht aus seiner Rolle fiel - er war seinem Traumdoppelgänger immer noch viel zu ähnlich - sodern dass er einfach nur eine modernere Version seiner selbst war. Er nickte fasziniert, auch wenn er nur die Hälfte von Aris kleinem Monolog verinnerlichte und zuckte kurz ein wenig zusammen, als sich Michael wieder zu Wort meldete. Er war so auf Ari konzentriert gewesen, dass er vollkommen vergessen hatte, dass sein Freund/Bandmitglied überhaupt noch existierte. Vielleicht hätte er ihn auch eher wahrgenommen, wenn er in einem seiner Träume aufgetaucht wäre, aber Michael sah er eindeutig zum ersten mal.
      Kit musste kurz unfreiwillig auflachen, als Michael erwähnte, dass Aris ExFreundin ihm eine reingehauen hatte, einfach, weil das ganze irgendwie total nach typischem High School Drama klang und der Joint alles viel unterhaltsamer wirken ließ, als es war. Er fing sich mit einem kleinen Räuspern und nickte, als Ari von seiner Setlist sprach. Eigentlich war ihm vollkommen egal, was er sang. Er wollte nur seine Stimme hören. Hören, ob er genau so klang, wie der Ari aus seinem Traum, der auf einem Tisch gestanden und gesungen hatte. Schön, wie eine lebendige Statue.
      "Ja. Ich wollte mir das alles hier eigentlich nur einen Tag lang anschauen, aber dann hat Juniper - oh, eine Freundin von mir - mich überredet, doch alle drei Tage zu bleiben, weil wir dann zusammen fahren können. Am Anfang hatte ich da absolut keine Lust drauf und dann dachte ich mir 'eh. Sonst fängst du mit der Zeit ja auch nichts besseres an' und hab zugesagt. Obwohl ich wahrscheinlich doch besser ohne sie nach Hause fahren sollte. Sie wird wahrscheinlich ziemlich sauer sein, wenn sie rausbekommt, dass ich im Backstagebereich gelandet bin." Obwohl sie die Konversation wahrscheinlich wieder an sich gerissen hätte, wenn er sie mitgenommen hätte. Wahrscheinlich war es das Beste, dass er hier alleine war. Mit Ari, der nicht existieren sollte. Den er heute morgen noch sterben gesehen hatte. Den er jetzt immer noch so gerne an sich ziehen wollte, ihm sagen wollte, wie unfair es gewesen war, dass sie sich eine komplette Zukunft zusammen ausgemalt hatten, nur, um direkt am ersten Tag alles zu verlieren. Er hätte liegenbleiben sollen. Bei Kit. Traum-Kit. Auch wenn der Traum sich weniger und weniger wie ein Traum anfühlte, je länger er hier bei Ari stand.
      "Worum geht es in 'Orange'?", fragte er schließlich. Wenn die meisten von Aris Songs von Herzen kamen, musste er auch irgendeine Bedeutung haben, oder? Vor allem, wenn er Aris Lieblingslied war. Er würde sich nicht für einen vollkommen sinnfreien Song entscheiden, einfach, weil er gut klang.
    • "Dann solltest du uns morgen vorstellen und wir verlieren einfach kein Wort über den Backstage Pass", nickte Ari. Er verstand zwar nicht so richtig, wieso seine Freundin sauer sein sollte – immerhin hatte Ari mehrere Pässe angeboten – aber es war ja nicht seine Freundin und Kit wusste schon, was er tat. Je länger sie jedoch miteinander sprachen, desto glücklicher war Ari darüber, dass er mitgekommen war, alleine, und sie sich besser kennenlernen konnten. Ari fühlte sich trotz des Highs immer noch etwas aufgedreht, was vermutlich ganz daran lag, dass er unheimlich gerne neue Freunde machte, und Kit war wunderbar: Er redete viel, er lachte, interessierte sich für seine Songs. Es machte Spaß sich mit ihm zu unterhalten, und es war nett ihn anzusehen, aus irgendeinem Grund.
      Worum es in Orange ging…? "Hm, um alles, das mich glücklich macht", antwortete Ari, als sie endlich bei ihrem Bus ankamen. Er unterbrach kurz seine Antwort und entschuldigte sich, um sich ins Zelt und an der Crew vorbei zu quetschen, um erst drei, dann aber nur zwei, als er Michael im Bus verschwinden sah, von den Camping-Klappstühlen mit nach draußen nahm und seitlich des Busses aufstellte, damit sie beim Aufbauen und Proben nicht störten. Er hatte sich ganz schnell zwei gekühlte Coladosen geschnappt und reichte Kit eine, bevor er sich setzte. "Hoffe du magst Cola?", fragte er etwas zu spät.
      "Wo war ich? Ja, in Orange habe ich über Sonnenuntergänge geschrieben und über meine Katze, über das Gefühl von Zufriedenheit an einem meiner guten Tage" Er lachte. "Ich bin normalerweise nicht so leicht still zu bekommen, aber es gibt ein paar Dinge, wo ich einfach sitzen und beobachten kann und das Gefühl habe, ich bin ausnahmsweise mal ganz am richtigen Fleck. Aber für Außenstehende klingt es wahrscheinlich nicht so tiefgründig, wenn sie den Song anhören, sondern eher nach einer Aufforderung, das Leben zu genießen, oder so" Er zuckte etwas mit den Schultern. Sicher, das war auch eine nette Botschaft, aber Ari tat sich mit dem Genießen selbst schwer. Er war ständig unzufrieden und konnte nicht genau sagen, wieso. Immer, wenn er etwas Neues ausprobierte, hielt die Freude sich für den Moment der Aufregung, aber sobald er etwas zu gewohnt wurde, musste er wieder etwas anderes machen. Er fand einfach nie, was ihn erfüllte. Musik war eher ein Ausdruck von dieser Verzweiflung, als ein instrumentalisiertes Hobby, mit dem er jetzt Geld machen konnte. Es hatte sich so ergeben, weil sich herausgestellt hatte, dass Bands einen recht aufregenden Lebensstil haben konnten, und Ari hatte sich gedacht, wenn er so abartig viel Abwechslung im Leben brauchte, dann musste das ja irgendwie das richtige sein. Tja.
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    • Kit nahm die Cola mit einem kleinen Lächeln entgegen und setzte sich auf den leeren Stuhl, den Ari wohl für ihn mitgebracht hatte. Langsam ließ der Schock ihn getroffen zu haben wenigstens ein bisschen nach. Mit ein bisschen Glück würde er noch ein paar Unterschiede zu seinem Ari finden und dann wäre das alles nicht mehr, als ein einfacher Zufall. Ganz bestimmt. Kein Grund, um durchzudrehen, oder so.
      "Du hast eine Katze?", ein kleines Lächeln erschien auf Kits Lippen. Irgendwie passte das zu ihm. Ein kleines, eigensinniges Lebewesen, auf das er aufpassen musste. Ob das das Equivalent zu- Nein. Kit musste aufhören, Parallelen zu finden. Das alles würde sonst zu seltsam werden. Wenn es nicht sowieso schon seltsam genug war. Wenn Ari nicht Ari wäre, sonder irgendjemand vollkommen anderer, wäre er nie mitgegangen. Er war nicht sonderlich versessen auf den Backstagebereich, er hörte gerne Musik, konnte dem Musiker-Lifestyle aber nicht viel abgewinnen. Er war nicht gut darin, neue Leute anzusprechen. Aber sein kleiner Geist war das alles wert.
      "Also, wir haben ein Lied über Dinge, das du magst und eines über deine ExFreundin, die du wahrscheinlich nicht mehr magst. Was noch? Schicksalsschläge? Liebe?" Das waren die typischen Motive in den meisten Liedern, oder? "Hast du eines übers Meer?", fragte er ins Blaue hinein. Sicher nicht, um noch mehr Parallelen zu finden. Das war es, was seinen Ari in seinem Traum dazu bewegt hatte, mit ihm zu kommen, oder? Die Ferne, das Neue. Das war es auch, was ihn am Ende das Leben gekostet hatte. Hoffentlich hatte der Ari vor ihm ein besseres Schicksal vor sich.
      "Also nicht das Meer wie in einem Sea-Shanty, mehr so über die Ferne, das Reisen, all sowas", erklärte er mit einem kleinen Lächeln. Was wahrscheinlich vollkommen zusammenhanglos klang, oder? "Ich glaube, darüber würde ich schreiben", schob er hinterher, um dem allen irgendwie einen kleinen Kontext zu geben. Auch, wenn das nicht ganz stimmte. Er liebte das Meer und den Strand, auch wenn er beides außerhalb seiner Träume kaum gesehen hatte.
    • Aries nickte fröhlich. „Sunny! Meine Nachbarin passt übers Wochenende auf und füttert sie. Und spielt hoffentlich mit ihr, sie tut mir nämlich leid, wenn sie die ganze Zeit über alleine zuhause ist. Also, sie versteht sich sowieso nicht mit anderen Tieren, aber sie ist extrem liebesbedürftig“, erklärte er. „Ich hab sie erst vor einem halben Jahr adoptiert. Eigentlich ist sie nämlich immer im Stiegenhaus herumgeschlichen, hat aber zu keinem gehört, darum gehört sie jetzt zu mir“
      Ari öffnete seine Coladose und trank einen Schluck. Langsam wurde es heiß, die Mittagssonne stand bereits am Himmel und bis zum Abend würde es kaum mehr besser werden.
      „Übers Meer?“, fragte Ari nachdenklich. Hatte er jemals über das Meer geschrieben? „Ich war noch nie am Meer, aber ich würde gerne mal. Am Strand liegen, das klingt nett. Ich war mal auf nem Familienurlaub in Oregon, da waren wir an einem See, aber das war‘s. Ehrlich gesagt bin ich aber kein Fan vom Schwimmen. Irgendwas hat mich daran immer verstört, obwohl ich als Kind schwimmen gelernt habe, aber manchmal hat man halt irrationale Ängste, nehme ich an“ Er zuckte mit den Schultern. Ein bisschen uncool war es ja schon, dass er Angst vor Wasser hatte. Auch wenn das so nicht ganz stimmte, es ging vorwiegend um tiefe Gewässer. Sobald er nicht mehr stehen konnte, bekam er Panik. Ungefähr so irrational wie der Fakt, dass er mit zwanzig Jahren immernoch ein Nachtlicht in seinem Schlafzimmer angesteckt hatte, weil er die Dunkelheit hasste. Das war vermutlich mit ein Grund, warum er im Tourbus kaum schlafen konnte.
      „Ich war auch noch nicht an vielen Orten, aber ich schreibe gern über so ein… Ziehen in die Ferne“, grinste er. „Wenn ich berühmt bin, oder so, dann kann ich ja vielleicht mal internationale Konzerte geben, und sowas. Dann komme ich endlich mal dazu, richtig zu verreisen. Ich wollte immer mal nach Griechenland. Ich mag Oliven“, erklärte er. „Schicksalsschläge hab ich keine erlebt, und auf die wahre Liebe warte ich halt noch, wenn man daran glauben will“ Er trank noch einen Schluck und zog letztendlich die Sonnenbrille aus dem Kragen seines Shirts, wo er sie vorhin eingehängt hatte, und setzte sie auf.
      „Hey, die ganzen Fragen sind die perfekte Übung für Interviews“, schmunzelte er. „Aber was ist mit dir? Du reist also gerne herum? Wie findest du das Meer?“, fragte er. Wenn er Songs darüber schreiben würde, musste Kit es ja ziemlich lieben.
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    • Irgendwie machte auch das Sinn. Oder redete Kit sich einfach zu viel ein? Es gab genug Gründe, kein Fan von Wasser zu sein. Aries Tod musste damit nichts zu tun haben. Wie auch? Das hier war nicht sein Aries. Sein Aries existierte nicht. Aber es fiel ihm immer und immer schwerer, das zu akzeptieren. Er hatte auch keine Ahnung, wie er mit seinem Leben weitermachen sollte jetzt wo er wusste, dass es da draußen einen Aries gab, der seinem Traum so ähnlich war. Sollte er Montag ganz normal zurück zu seinem Job gehen? Wie? Das schien ihm vollkommen unmöglich. Am liebsten würde er jetzt bis zu seinem Tod einfach nur noch Aries folgen und sehen, was er tat, wie nah er noch an seinen Traum herankommen würde.
      "Ich weiß, was du meinst", merkte er an, als Ari über das Ziehen in die Ferne sprach. Bis eben hatte er das selbe Ziehen gespürt. Oder zumindest ein ähnliches. Nicht in die Ferne, sondern zu einem Ziel. Zu ihm. So schräg das auch war. Es wurde nicht besser, als er über Griechenland sprach und die Grenzen damit weiter verschwimmen ließ. Kit hätte ihm fast erzählt, dass er schon mal dort gewesen war, auch, wenn er die USA nie verlassen hatte.
      "Oh, sorry", entschuldigte Kit sich mit einem kleinen Lachen, als er das ganze schon als Interview betitelte. Gut, Ari musste selbst grinsen, aber vielleicht waren die Fragen tatsächlich etwas ausgewöhnlich für eine vollkommen neue Begegnung, oder? Oder bildete er sich das ein? Er hatte einfach das Gefühl, Ari viel besser zu kennen, als er es tatsächlich tat.
      "Ich komme eigentlich selten wirklich raus. Ich glaube, ich würde lieber öfter Reisen, aber...Geld." Er zuckte kurz mit den Schultern und verkniff sich ein Seufzen. "Meine Eltern sind früher oft mit mir ans Meer gefahren. Ich mag es einfach in die Ferne zu sehen und sich darüber bewusst zu werden, dass da draußen noch so viele Menschen sind, die man nie kennenlernen wird. Ich will irgendwann mal eine Bootsfahrt machen, oder so." Nur ohne Ari. Definitiv ohne Ari. Aber die Version vor ihm würde er wohl sowieso nicht auf ein Schiff bekommen.
      "Oh. Halte ich dich übrigens von irgendwas ab?", fragte er plötzlich. Immerhin hatte Ari wahrscheinlich noch genug zu tun, wenn er heute abend live spielen würde. "Du kannst mir sagen, wenn ich gehen soll, oder so. Eigentlich wollte ich dich auch nicht so lange aufhalten. Ich finde dich nur irgendwie...faszinierend." Und ein wenig beängstigend.
    • „Ja, ich weiß, was du meinst. Glaub mir, mein Kühlschrank war auch schonmal voller und ich kann nur dem Universum dafür danken, dass unsere kleine Crew alles Freunde sind, die unbezahlt mithelfen“ Er schmunzelte. Geld war nie seine Motivation gewesen, um irgendetwas zu tun, vielleicht auch, weil seine Eltern davon immer genug hatten als er aufgewachsen war. Aber er hatte direkt bei seinem Auszug gemerkt, dass Geld notwendig für alles war, das er gerne machen wollte. Ein Dilemma, schließlich wollte er seine Freiheit auch nicht aufgeben. Er brauchte viel zu viel Abwechslung für einen normalen Job.
      „Woah, eine Bootsfahrt? Ist Fliegen nicht irgendwie deutlich schneller, wenn du herumreisen und Leute kennenlernen willst?“, fragte Ari belustigt. Reisten Menschen wirklich per Boot? War das nicht eher so eine… Freizeitaktivität? Oder hatte Kit geplant, sich ein eigenes Segelschiff zu kaufen? Das wäre witzig. Vielleicht sollten sie Freunde werden. Nicht, weil Ari auf ein Schiff wollte, Gott nein, aber er mochte spontane Menschen. „Du wohnst doch auch in New York, nicht? Wenn wir beide genug Geld haben, sollten wir zusammen irgendwo hinreisen. Um Kosten zu sparen und damit es nicht langweilig wird, und so“, grinste er. Er hatte sowieso das Gefühl, sich stundenlang mit Kit unterhalten zu können. Langsam kam es ihm auch so vor, als hätten sie sich irgendwoher gekannt. Viellicht irrte Kit sich ja und sie hatten sich mal ganz zufällig als Kinder bei irgendeinem Ausflug getroffen. Sowas konnte unterbewusst in Erinnerung bleiben, nicht?
      Ari winkte sofort ab, als Kit fragte, ob er ihn bei irgendetwas aufhielt, kam aber nicht dazu, ihm zu erklären, dass er kein Fan von Proben direkt vorm Auftritt war, weil er eine Gänsehaut bekam. Er fand ihn faszinierend? Woah, war das das Gefühl, wenn man tatsächlich Fans hatte? Fans, die… noch nie einen Song von ihm gehört hatten. Oder vielleicht machte Kit anderen einfach oft Komplimente, sodass es sich für ihn natürlich anfühlte, das zu einem Fremden zu sagen. Ari war jedenfalls ein bisschen überrascht und… geschmeichelt.
      „Faszinierend, huh?“, fragte er leise und überlegte, ob die Sonne ihm gerade einfach nur volle Kanne ins Gesicht strahlte oder er tatsächlich rot wurde. „Hoffentlich verknallst du dich dann nicht in mich, sobald du echt mal ein paar unserer Songs gehört hast“, scherzte er nervös und lachte. Obwohl Ari nichts gegen das Kompliment hatte. Hätte Michael das zu ihm gesagt, hätte er ihn nie im Leben ernst nehmen können. „Du hältst mich jedenfalls von garnichts ab, die Gitarre zu stimmen dauert fünf Minuten und alles, was ich jetzt gerade nicht performen kann, werde ich in den nächsten fünf Stunden auch nicht lernen“ Er lächelte leicht. Kit sollte einfach hier sitzen bleiben und mit ihm reden.
      „Oh, ich kann aber den Sonnenschirm rausstellen, wenn dir zu heiß ist“, schlug er plötzlich vor, als ihm einfiel, dass Kit vielleicht aus verschiedensten Gründen auch einfach nicht hier sitzenbleiben wollte.
      „Und du kannst noch ein Soda haben? Oder Bier? Ist alles gekühlt. Snacks haben wir auch genügend, irgendwie mussten wir die Fahrt ja überleben. Wir waren die Woche bei Freunden in Maryland, weil wir als Vorband für sie gespielt haben. Kleiner Gig, wenige Leute aber es war verdammt lustig. Deshalb sind wir auch Nachts einen Teil der Strecke gefahren“, erklärte er, auch wenn absolut niemand gefragt hatte. „Ich kann dir nicht empfehlen, die Nacht vor einem Festivalauftritt in einem Bus mit fünf anderen zu schlafen, wenn du ohnehin Schlafprobleme hast“ Er lachte leicht. Aber was soll‘s, ein bisschen Müdigkeit würde Ari auch nicht das Leben konnten.
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    • Irgendwie war das wieder süß. Wenn Ari offenbar schon keine Familie hatte, die im Backstagebereich auf ihn wartete, hatte er wenigstens Unterstützung von Freunden, die sogar gratis mithalfen, damit alles reibungslos lief. Das war fast ein bisschen besser, oder? Auch, wenn Kit jetzt fast das Verlangen hatte, ebenfalls irgendwie mitzuhelfen. Aber er wollte Ari nicht hier sitzen lassen. Sobald das Festival zuende war, würden sie sich wahrscheinlich nie mehr sehen und die Zeit bis dahin wollte er auf jeden Fall nutzen, so viel aus diesem unwirklichen Menschen heraus zu bekommen, wie es nur ging.
      Obwohl ihre Bekanntschaft vielleicht doch etwas länger durchhalten könnte, wenn er Ari so reden hörte. Direkt zusammen irgendwo hin zu fahren war- seltsam realistisch. War es so bei ihrem Treffen im Traum nicht auch gewesen? Sie hatten sich kennengelernt und sofort beschlossen, zusammen auf Reisen zu gehen. Kit wusste mit seltsamer Klarheit, dass sein Traum-Selbst alles für Ari getan hätte. Er wusste, wie sehr ihn die Trauer getroffen hatte, als er aufgewacht und Ari nicht mehr da gewesen war. Er wusste, wie nah er daran gewesen war, alles aufzugeben, als sie Aris Leiche aus dem Wasser gezogen hatten. Traum-Kit war bis zum Ende seines Lebens nie wieder wirklich froh gewesen. Es war ein wenig einfacher geworden, ja, aber er war nie über Ari hinweg gekommen. Nach nur einer gemeinsamen Nacht voller Pläne für ein Leben, das sie nie gehabt hatten. Also schien das manchmal zu funktionieren, wenn auch nur im Traum.
      "Oh. Nein. Keine Sorge", versprach er mit einem ebenfalls etwas nervösen Lachen, als Ari meinte, dass er sich nicht in ihn verlieben sollte. Auch, wenn er über diesen Punkt irgendwie schon hinaus war. Nicht im klassischen Sinne. Er war nicht Schockverliebt in jemanden, den er gerade zum ersten mal sah. Er hatte mehr das Gefühl zu jemandem zurück zu kommen, mit dem er schon lange zusammen war. Wie sollte man auch sonst über jemanden denken, mit dem man schon geschlafen hatte? Mit dem man im Traum ein komplettes Leben verbracht hatte? Aber die leichte Röte stand Ari.
      "Stelle ich mir auch wirklich hart vor", stimmte er zu. "Die WG in der ich wohne ist auch oft ziemlich chaotisch. Bei uns kommen und gehen die Leute, wann sie wollen und manchmal teilt man sich das Zimmer mit jemandem, der auf der Couch schläft. Da gibt es auch ein paar Fälle, die einem das Einschlafen erschweren. Obwohl das wahrscheinlich immer noch besser ist, als in einem Bus zu schlafen." Er lachte leicht, während er Ari musterte. Seltsam daran zu denken, dass sie sich auch irgendwie schon ein Zimmer geteilt hatten. Wenn auch nicht wirklich. "Vielleicht kannst du dir sie auch irgendwann mal ansehen, bevor wir offenbar zusammen auf Reisen gehen."
    • „Wow, dass du da überhaupt schlafen kannst. Ich wache beim kleinsten Geräusch auf, du willst nicht wissen, wie oft Sunny mich schon mit ihrem urplötzlichen Schnurren aus dem Schlaf gerissen hat“ Ari schüttelte den Kopf. Er beneidete Menschen mit einem festen Schlaf, auch wenn er schon immer so gewesen war. Tausende Kriterien mussten erfüllt sein, damit er überhaupt mal einschlafen konnte. Darum hatte er letztlich auch die WG mit Michael wieder aufgelöst. So sozial Ari sonst war, er konnte einfach nicht gut schlafen, wenn andere Leute in der Nähe waren und ihn irgendwie störten. Mit ihrem Atem oder Fußstapfen in die Küche oder weil sie absolute Dunkelheit brauchten. Zumindest hatte Aries gelernt, mit chronischer Müdigkeit umzugehen und er bemerkte garnicht mal mehr, wie müde er eigentlich war. Nach dem Festival würde er sich zuhause erstmal Melatonin einwerfen und einen Tag durchschlafen.
      „Oh“, sagte er lächelnd. „Klar, macht auch keinen Unterschied mehr, wenn man ständig in einem Tourbus schläft. Da ist so eine chaotische WGs garnichts. Wir sollten uns einfach bei dir treffen und dann zusammen zum Flughafen fahren und am Rückweg stelle ich dir Sunny vor“ Dann wäre das ja geklärt. „Und wohin wollen wir? Bist du mit Griechenland einverstanden, wenn du nur ans Meer willst? Oder… was hältst du von Asien? Irgendwas verrücktes vielleicht. Wenn schon, denn schon. Wenn ich reich bin, lade ich dich auch ein und dann gibt‘s keine Grenzen mehr“, scherzte er lachend. Es war nett, mit Kit über die Zukunft zu fantasieren. Sonst war nie jemand einfallsreich und spontan genug, um mit Ari bei so etwas mitzumachen. Ob sie sich nun schon einmal getroffen hatten oder nicht, für Aries fühlte es sich an, als würde er mit einem alten Freund reden.
      „Hast du eine Freundin?“, fragte er schließlich. Er ging irgendwie nicht davon aus, wenn Kit so ungehemmt seinen nächsten Urlaub mit Ari plante, ohne jemanden zu erwähnen, mit dem
      er sich vielleicht absprechen müsste, oder der mitkommen sollte. Aber vielleicht war es ja… was lockeres. Wenn er so ein lockeres WG Leben hatte, war ja alles möglich. „Oh, ähm, oder einen Freund“, fügte er nach kurzem Zögern hinzu. Heutzutage wusste man einfach nicht, ob das Gegenüber es einem übel nahm, wenn man so etwas vorschlug, oder ob es einem übel nahm, wenn man es nicht vorschlug. Aber Kit wirkte offenherzig, er würde sicher nicht sauer werden, weil er dachte, Ari unterstellte ihm was, nicht? Und Ari war der Meinung, das Liebe nichts mit dem Geschlecht zu tun haben sollte, sondern mit der Person. So oder so interessierte es Aries nur, weil er… na, so eben. Sie konnten doch nicht einfach Kits… Partner übergehen, wenn einer existierte. Auch wenn er kein Problem damit gehabt zu haben schien, seine Freunde mal eben hinter sich zu lassen.
      „Was ist mit Juniper? Ich mag den Namen, ist der echt? Meiner ist es jedenfalls, wie auch immer man darauf kommt, sein Kind Aries zu nennen. Ares wär ja deutlich netter gewesen, auch wenn der Gott des Krieges nicht unbedingt zu meinem Motto passt“ Ari setzte sich kurzerhand auf und zog sich sein Shirt in einer fließenden Bewegung über den Kopf. „Wäre ganz schön lächerlich“, grinste er und zeigte auf seine linke Brust, wo ein kleines anatomisches Herz tätowiert war und darunter die Großbuchstaben für ‚Love.‘. Quasi eine Aufforderung. Love! Ari hatte nicht viel Erfahrung mit romantischer Liebe, aber er liebte alle möglichen Dinge und Menschen. Trotzdem war das Tattoo eine zu spontane Entscheidung gewesen. Es sah cool aus, aber so richtig erklären, was er sich dabei gedacht hatte, konnte er auch nicht.
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    • "Ich glaube, das trainiert man sich irgendwann an", antwortete Kit amüsiert, auch wenn er eigentlich nie sonderlich große Probleme damit gehabt hatte, einzuschlafen. Im Gegenteil, als diese seltsamen Träume angefangen hatten und er irgendwann realisiert hatte, dass sie zusammenhingen, wie in einer Nachmittagsserie, hatte er deutlich mehr geschlafen, als je zuvor. Er hatte unbedingt wissen wollen, was als nächstes passierte. Oder...vorher passiert war. Die Träume schienen nie wirklich in der richtigen Reihenfolge zu kommen. Er hatte Aries zuerst getroffen, bevor er von seinem eigenen Leben als Kind im antiken Griechenland geträumt hatte, so, als wäre Aries der deutlich wichtigere Faktor der Träume. Er träumte auch deutlich öfter von ihm, als von dem Rest. Es war ein ziemlicher Schock gewesen, als er zum ersten mal von Aris Tod geträumt hatte.
      "Griechenland klingt nach einem guten Ziel", stimmte er mit einem kleinen Lachen zu. "Wenn du reich und berühmt bist, kannst du mich ja auch öfter mit auf Reisen nehmen. Vorausgesetzt, du findest mich nicht nach der ersten schon furchtbar nervend." Er grinste leicht, während er nicht davon ausging, dass das je passieren würde. Irgendwie kam Ari ihm dafür viel zu vertraut vor. Was wahrscheinlich ein riesen Fehler war, aber darüber wollte er nicht nachdenken.
      "Freund. Aber nein, ich bin single." Und mit einem Schlag nervös. Ari war ihm so selbstverständlich als Freund vorgekommen, dass er keinen einzigen Gedanken daran verschwendet hatte, ob er überhaupt auf Männer stand. In seinem Traum hatten sie miteinander geschlafen. Irgendwie hatte er das einfach vorausgesetzt. Vielleicht sollte er doch gehen, bevor sich die beiden Versionen von Ari zu sehr überschneiden würden und er sie nicht mehr auseinanderhalten könnte. Das könnte ziemlich schnell ziemlich unangenehm werden. Aber Ari hatte selbst ins Spiel gebracht, dass Kit auch einen Freund haben könnte, also würde er nichts dagegen haben, oder?
      "Der Name ist nicht echt. Ich habe auch keine Ahnung, wie sie heißt. Mein voller Name ist 'Kitalpha', aber der klingt so bescheuert, dass sie denkt, dass er fake wäre und mir ihren auch nicht verraten will. Vielleicht hast du ja mehr Glück. Aries klingt niedlich." Er zuckte kurz lächelnd mit den Schultern, während Ari aufstand und sein Shirt auszog. Kit blinzelte kurz irritiert, bis der Musiker auf das Tattoo auf seiner Brust deutete, was definitiv das erste war, was er wahrgenommen hatte. Er hatte garantiert nicht erst auf die Haut geachtet. Auf die Muttermale, die genau an den Stellen saßen, an die er sich erinnerte.
      "Das ist ziemlich gut gestochen", kommentierte er, weil er nicht wusste, was er sonst sagen sollte. Irgendwie hatte er den Drang, Aries von seinem Traum zu erzählen. Vielleicht hatte Ari eigentlich einen ähnlichen Traum und versuchte nur, sich nichts anmerken zu lassen, so wie Kit es tat. Aber ihm jetzt zu sagen, dass er von ihm geträumt hatte, wenn Ari sich gerade halb ausgezogen hatte, kam ihm wie ein unfassbar billiger Flirt vor. Kit schob seine Brille zurecht.
      "Hast du dir das für jemand bestimmten stechen lassen? Deine Exfreundin? Oder einen Exfreund?", gab er die Frage mit einem kleinen Schmunzeln zurück, das hoffentlich nicht halb so verzweifelt klang, wie er sich fühlte.
    • Ari hatte nicht das Gefühl, dass Kit ihm schnell auf die Nerven gehen würde. Er wirkte ruhig und nett und vielleicht ein wenig seltsam, aber Ari hatte das Gefühl, dass sie sich sehr gut ergänzten. Es war seltsam, sowas über jemanden zu denken, den man gerade erst getroffen hatte, aber Aries Menschenkenntnis enttäuschte ihn sonst auch nie.
      „Ich bin sicher, das wird lustig, und die nächsten Reiseziele überlegen wir uns dann spontan. Länder-hopping oder wie das heißt“, er grinste. So seltsam war es für Ari garnicht, Pläne mit beinahe Fremden zu schmieden, aber er hatte selten das Gefühl, dass er es wirklich durchziehen würde. Er zog sein Shirt wieder über den Kopf und lehnte sich zurück, um nicht unhöflich zu sein, auch wenn sie hier langsam in einem Kessel saßen.
      Ari stutzte, als Kit seinen vollen Namen aussprach. Er runzelte belustigt die Stirn. „Ist das… hebräisch? Waren deine Eltern einfach gut drauf?“ Ari grinste. Er hatte gut reden bei seinem Namen, aber Kitalpha war nochmal verrückter. Aries hatte bisher noch niemanden getroffen, der einen ebenso außergewöhnlichen Namen hatte. „Aber ich mag‘s, das macht dich nochmal etwas besonderer. Klingt außerdem schön, sehr einzigartig“, sagte er beschwichtigend. Er meinte es auch so, aber zum Teil wollte er Kit nicht noch weiter verunsichern. Nur, dass dieser jetzt Aries leicht verunsicherte. Einen Freund, was? Dann waren die Komplimente vielleicht… auch etwas tiefgründiger gemeint? Ari wollte sich nichts einreden, aber gerade kam es ihm seltsam naheliegend vor. Vielleicht war er zu abgehoben. Aber die nächste Frage bestätigte es ihm wieder ein bisschen.
      „Ohh, das Tattoo war für niemanden, weder Freundin, noch… Freund“, antwortete er. Er war sich selbst nicht ganz sicher, was er mit der bedeutungsvollen Pause erreichen wollte, schließlich hatte er noch nie Männer gedated und sich damit nicht wirklich auseinandergesetzt. Klar, er war der Meinung, dass Liebe nichts mit dem Geschlecht zu tun hatte, vielleicht machte ihn das irgendwie weniger hetero, und er war nicht abgeneigt, sich auszuprobieren, aber aktiv nach so etwas gesucht hatte er definitiv auch nicht. Seinetwegen hätte er auch den Rest seines Lebens mit einem Fragezeichen über dem Kopf verbringen können. Aber bisher hatte er auch nie die Vermutung gehabt, dass sich die… Chance ergeben würde. Wahrscheinlich sollte er garnicht in die Richtung denken. Nur weil Kit offenbar schwul war. Und gut aussah. Und wirklich nett war.
      Aries räusperte sich. „Also, das Tattoo war wirklich eher für mich selbst, aber viel darüber nachgedacht habe ich auch nicht. Aber es war nicht wirklich schmerzhaft, ich mache das sicher nochmal. Hast du Ideen für Motive? Nicht, dass es sich finanziell gerade ausgehen würde“ Er schmunzelte.
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    • Hieß die kleine Pause, dass Aries durchaus Männer daten würde, oder war er einfach etwas peinlich berührt von der Frage? Kit nippte an seiner Cola und versuchte, nicht zu sehr über die Antwort nachzudenken. Eigentlich konnte es ihm auch egal sein. Er kannte Ari faktisch erst seit höchstens einer Stunde und ja, er war verdammt hübsch, aber ein Großteil seiner Attraktion kam wahrscheinlich immer noch von diesem dämlichen Traum, was nichts zu bedeuten hatte. Es war einfach, sich mit Ari zu unterhalten. Er war offen, nett, energetisch, aber das musste auf lange Sicht ja nichts heißen. So oder so sollte Kit sich wahrscheinlich einfach keine Hoffnungen machen. Das wäre das einfachste, nicht?
      Er musste ein wenig lachen, als Ari ihn sofort nach neuen Ideen für sein nächstes Tattoo fragte. "Eine Orange vielleicht? Für deinen Song und alles, was du magst?", schlug er vor, während er seine Brille hoch schob. Für den Abend war Regen vorhergesagt worden, aber aktuell war es so warm, dass er schwitzte. Vielleicht hätte er den Schirm abnicken sollen, als Ari ihn angeboten hatte, aber dann hätten sie ihr Gespräch kurz pausieren müssen.
      "Aber dann bräuchtest du einen wirklich guten Tätowierer, damit die Orange nicht einfach nur wie ein Ball aussieht. Also vielleicht etwas für ein anderes Lied von dir? Sterne?" Michael hatte eben noch irgendwas mit Sternen erwähnt, oder? 'The stars'...irgendwas. Kit war zu fasziniert von Ari gewesen, um seinem Bandmitglied wirklich zuzuhören. Aber Sterne wären auch ein nettes Motiv, oder?
      "Ansonsten kannst du 'Love' noch mit 'Peace' ergänzen. Das sollte immer passen, oder?" Er grinste leicht, bevor er auf seinem Klappstuhl etwas nach vorne rutschte. "Aber wo wir schon bei deinen Liedern sind - ich weiß, dass du vor deinem Auftritt nicht üben musst, aber magst du mir vielleicht ein paar eurer Songs zumindest ansingen? Ich bin neugierig." Außerdem wollte er wissen, ob seine Musik genau so gut war, wie im Traum. "Nur wenn du willst, natürlich. Ich will dir keine Pre-Auftritts-Rituale ruinieren, oder so."
    • Aries lachte leicht und war irgendwie froh, dass Kit seine kleine Pause im Satz eben nicht ansprach. Konfrontation wäre noch etwas zu überwältigend, wenn er selbst keine Ahnung hatte, was er damit eigentlich sagen hatte wollen. Oder- vielleicht noch ein paar Gespräche brauchte, um sich damit abzufinden.
      “Klingt garnicht so schlecht, vielleicht nehme ich mir das zu Herzen. Ein Glas Orangensaft als Alternative. Das macht sich bestimmt gut in riesengroß auf meinem Arm, oder so“, schlug er sarkastisch vor. Obwohl die Idee, sich auf seine Songs zu beziehen, garnicht schlecht war. Vielleicht auf keinen spezifischen Song, aber Musik allgemein. Immerhin war es bisher das einzige Hobby, das er schon ziemlich lange hatte und ihn irgendwie nicht mehr verließ, selbst wenn das Interesse phasenweise mehr oder weniger vorhanden war. Es half jedenfalls, klarzukommen. Allgemein. Mit seinem Leben. Musik würde er wohl nie aufgeben.
      „Sterne… Wie furchtbar wäre es, mir das Sternbild Aries tätowieren zu lassen? Das schlimmste ist ja, dass mein Sternzeichen zufällig genau dasselbe ist“, schmunzelte er. „Aber das wäre, wie wenn man sich ein Foto von sich selbst tätowiert, oder? Sonst kenne ich mich leider kaum mit Sternen aus, außer, dass ich mir den Himmel Nachts einfach gerne ansehe und vorstelle, was da draußen noch alles sein könnte“ Aries lächelte, dann setzte er sich etwas auf. Er konnte etwas singen, damit hatte er kein Problem. Nur auf die E-Gitarre musste Kit verzichten, oder auf sonstige Instrumente, weil alles noch wundervoll im Bus verstaut war. Gerade eben zumindest, aber bei den Geräuschen, die aus dem Gefährt kamen, änderte sich das wohl langsam.
      „Ich singe dir Orange vor, weil“, stellte Aries fest und gab keine Begründung. Die Begründung war selbsterklärend, für ihn zumindest. Und es brauchte kein Stück Überwindung, um in den Zustand hineinzufallen, der ihm am natürlichsten vorkam. Er sang gerne. Man musste ihn dazu nicht mehrfach auffordern. Er lehnte sich richtig in den Song, grinste Kit zwischendurch an, weil er hoffentlich genauso viel Spaß beim Zuhören hatte, und endete nach einer kurzen Passage mit ein paar übertriebenen Verbeugungen seine Vorstellung.
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    • Kit musste automatisch mitlachen, vor allem, als Aries das Sternbild erwähnte. Er selbst war auch nach einem Stern benannt. Er hatte die Bedeutung seines Namens öfter in seinem Traum gehört und später nachgeschlagen. Was er nie rausbekommen hatte war, wie seine Eltern auf den Namen gekommen sind. Seine Mutter hatte immer nur mit den Schultern gezuckt und behauptet, dass sie eine plötzliche Eingebung gehabt hatte, gerade so, als ob sie ihm nie einen anderen Namen hätte geben können, auch, wenn sie sich weder für Sterne, noch für ausgefallene Namen interessierte. Generell waren seine Eltern eigentlich alles, außer ausgefallen.
      "Also auf einer Skala von 'Glas mit Organgensaft' und 'Foto von sich selbst' ist das Sternbild tatsächlich gar nicht so abwegig." Kit musste leicht grinsen. "Aber ich weiß, was du meinst. Ich meine, hast du die Mondlandung letzten Monat gesehen? Absoluter Wahnsinn. Irgendwie kann man sich gar nicht vorstellen, wie...weit und leer das da draußen alles sein muss." Obwohl Kit es sich seltsam schön vorstellte. Hier auf der Erde kam ihm alles manchmal irgendwie viel zu eng und zu laut vor. Da draußen musste man wunderbar Zeit haben, seine Gedanken zu sortieren. Außerdem war er vielleicht kein Alien-Verschwörungstheoretiker, aber...vielleicht konnte er sich doch irgendwie vorstellen, dass es da draußen noch anderes Leben gab, als nur die Menschheit. Der Kosmos war so unfassbar groß, dass es irgendwie furchtbar langweilig wäre, wenn sich nur auf diesem einen Planeten Leben gebildet hätte, oder?
      "Oh!" Kit setzte sich automatisch ebenfalls auf und nickte kurz, als Ari seinen Song ankündigte, auch wenn sie angeteaserte Erklärung offen blieb. Eigentlich brauchte er auch keine Erklärung. Sie hatten jetzt lange genug über Aris Lieblingslied geredet, dass alles andere komisch gewesen wäre. Ari schien sich auch ohne Instrumente mühelos in den Song einfinden zu können. Kit lauschte mit einem kleinen Lächeln und schloss zwischendurch kurz die Augen, um sich auf die Lyrics konzentrieren zu können, ohne dabei von diesem hübschen, viel zu vertrauten Gesicht ablenken zu lassen. Aris Singstimme war auch genau wie in seinen Träumen. Vielleicht war das hier ja auch alles nur ein Traum. Vielleicht war Griechenland seinem Unterbewusstsein zu langweilig geworden und es hatte sich etwas Neues ausgedacht. Vielleicht würde Juniper ihn gleich wecken und ihm sagen, dass sie fast am Festivalgelände waren.
      Kit klatschte pflichtbewusst, als Ari sich verbeugte und stieß einen kleinen Pfiff aus. "Ich glaube, das wird auch mein Lieblingslied von dir", merkte er mit einem kleinen Lachen an. Weniger wegen dem Text und mehr, weil Ari so gestrahlt hatte, als er es gesungen hatte. "Vielleicht sollte ich mir das Foto von dir tätowieren lassen. Ist vielleicht weniger schlimm, als sich das eigene Foto stechen zu lassen." Er lachte kurz, während er sich wieder in dem Stuhl zurücklehnte.