Bound by Eternity [Stiftchen & Nao]

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    • Ari legte sich etwas zögerlich neben Kit, untypisch für ihn, aber heute war alles ziemlich untypisch. "Ich werde es mir nicht anders überlegen", antwortete er bestimmt. Er war schon viel weiter gekommen, als er es sich heute Morgen noch gedacht hätte. Für ihn gab es kein Zurück mehr. Und er wollte nun so weit weg von seinem alten Leben, wie es irgendwie möglich war.
      Ari zog sich die Decke bis zur Brust und legte einen Arm unter seinen Kopf. Er war wirklich… überhaupt nicht müde. Kits Stimme an seinem Ohr, mit den süßen Worten, die sie formte, verringerten seine Chancen einzuschlafen gewaltig. Ein kleines, unbändiges Lächeln legte sich auf seine Lippen und sein Herz flatterte wie ein kleiner Vogel.
      Mit den Augen an die Decke geheftet, weil er Kits Blick im Gesicht spürte, sagte er: "Das klingt nicht verrückt. Ich denke es mir die ganze Zeit. Ich weiß nicht, ob ich mit jemand anderem einfach in ein Boot gestiegen wäre" Er schmunzelte. Er konnte nicht sagen, ob seine Impulsivität wirklich an Kit lag, aber er wusste, dass es sich falsch angefühlt hätte, nicht mit ihm zu gehen. Und abgesehen von der Tatsache, dass er absolut sein Typ war, weckte Kit in ihm irgendein tieferes Vertrauen, das er so nicht gekannt hatte. Er hatte das Gefühl, ihm überall hin folgen zu können. Solange es immer geradeaus war und sie nicht stehen blieben.
      Ari überwand sich und drehte den Kopf zur Seite, um direkt in ein Paar von goldbraunen Augen zu blicken, die ihm einen Moment lang die Sprache verschlugen, bevor Kit selbst den Blick abwandte. Für ihre Impulsivität schienen sie beide armselig schüchtern zu sein, wenn offensichtlich wurde, was sie wollten. Ari ließ sich ungern durchschauen. Er genoss es eher, andere aus dem Nichts mit irgendetwas zu überraschen. Leider wäre das Überraschende in ihrem jetzigen Szenario eher, dass er sich einfach zur Seite drehte und einschlief.
      Oder vielleicht war es das einzig Sinnvolle. Wer wusste schon, wie lange sie tatsächlich zusammen auf diesem Boot sein würden? Das konnte in die eine oder andere Richtung schiefgehen, wenn sie irgendetwas überstürzten. Auch, wenn es beinahe vom Universum impliziert schien, dass sie miteinander schlafen sollten. Oder Ari war mit diesem dämlichen Gedanken allein und ließ sich mal wieder zu sehr von irgendwelchen Trieben steuern.
      Er sah wieder nach oben und versuchte, seine Gedankenkette zu unterbrechen, bevor er sich selbst einen Herzstillstand verschaffte. Er hatte einen Entschluss gefasst, entgegen dieser vielsagenden Reihe an Ereignissen, die irgendwie zu einem sehr offensichtlichen Punkt zusammenzulaufen schienen.
      "Also, keine Sorge, zumindest bis Athen kannst du noch einige Privatkonzerte genießen. Wenn ich dann berühmt bin, kannst du auf diese goldenen Tage deines Lebens zurückblicken" Er grinste ihn noch einmal kurz an, überspielte mit seinem Humor einige Unsicherheiten und drehte sich dann tatsächlich von Kit weg, um sich vorzustellen, dass er nicht da war. Anders würde Ari definitiv kein Auge zubekommen.
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    • Es sollte beruhigend sein zu hören, dass Ari das selbe seltsame Gefühl hatte, wie er, aber irgendwie machte es Kit fast noch nervöser. Das alles klang viel zu perfekt, fühlte sich viel zu gut an. Er wusste immer noch nicht wirklich, was er tun sollte. Es kam ihm unmöglich vor, einfach die Augen zu schließen und zu schlafen, in seinem Kopf war viel zu viel los, um irgendwie zur Ruhe zu kommen. Irgendwas in ihm wollte immer noch, dass er einen Arm um Ari legte und sich an ihn kuschelte. Er hatte das seltsame Gefühl, genau zu wissen, wie es sich anfühlen würde.
      "Privatkonzerte klingen wundervoll", stieg Kit mit einem kleinen Lachen auf das Angebot ein. "Wenn du mal berühmt wirst, werde ich bestimmt jedem erzählen, dass du nur wegen mir in die Welt hinaus gereist bist." Er sah wieder zu Ari, der in der Nähe ein wenig vor seinen Augen verschwamm. Zum ersten mal in seinem Leben störte es Kit, dass seine Augen bei Nähe den Dienst versagten. Er wollte jedes kleine Detail in Aris Gesicht sehen, jede kleine Falte, jedes Glitzern in den atemberaubenden Augen. Sein Herz schlug viel zu schnell dafür, dass sie nur nebeneinander lagen. Wahrscheinlich war es ganz einfach, die Situation in eine andere, etwas eindeutigere, Richtung zu lenken, aber Kit war nie sonderlich gut darin gewesen, zu flirten. Wenn er sich auf jemanden eingelassen hatte, dann meist, weil die andere Person den Anfang gemacht hatte.
      Kit biss sich auf die Unterlippe, während er überlegte, was er tun sollte. Seine Muskeln begannen langsam, ihm klar zu machen, dass er viel zu angespannt war. Er könnte einfach einen Arm um Ari legen, ihn an sich ziehen, Küsse auf seinen Nacken verteilen. Alleine der Gedanke löste ein angenehmes Kribbeln in Kits Brust aus. Aber es war zu riskant. Kit drehte sich von Ari weg und starrte an die Wand.
      "Vielleicht schreibst du ja irgendwann ein Lied über deine Reise", redete er weiter. Er war noch nicht bereit dazu, das Gespräch zu beenden. "Oder ein Seemannslied, das man dann auf jedem Schiff und in jeder Schenke hört." Er starrte auf die Wand vor sich, als ob sein Leben davon abhängen würde. "Ein Epos über einen jungen Mann, der auf die Reise geht, um berühmt zu werden und sich dabei mit einem Seefahrer anfreundet."
    • Ari spürte, wie sich eine sanfte Welle der Enttäuschung in ihm breit machte, als die Koje knarzte, während Kit sich ganz offensichtlich von ihm wegdrehte. Als er dann weitersprach und seine Stimme sehr viel dumpfer klang, als vorher, seufzte Ari. Warum war er überhaupt enttäuscht? Er hatte sich doch selbst schon eingeredet, dass es einfach nur logisch war, auf einem kleinen Boot, das mehrere Tage über das Meer segeln würde, nichts mit dem Mann anzufangen, mit dem er ein verdammtes Bett teilen musste. Haa…
      „Das klingt nicht so schlecht“, antwortete er. Er könnte sogar sofort damit anfangen, Material hatte er jetzt schon genug. „Vielleicht sollte ich noch warten, bis ich ein paar Abenteuer erlebt hab, und dann so ein Lied schreiben“, stellte er dennoch fest. „Aber ich könnte auch einfach eins über dich schreiben“
      Fast wollte er sagen, dass Kit ihm dazu nur noch mehr über sich selbst erzählen musste. Eigenartigerweise stoppte Ari sich aber selbst, bevor er das aussprach. Er hatte das Gefühl, er könnte schon um die fünfzig Lieder über Kit schreiben. Er wusste selbst nicht, wovon die so wirklich handeln würden, aber ihm würde schon etwas einfallen, daran zweifelte er nicht.
      Ari akzeptierte, dass er zu den dümmsten Menschen auf der Welt zählen musste und drehte sich zu Kit herum. Er starrte kurz seinen Nacken an, irgendwie nervte es ihn ein wenig, dass Kit ihm den Rücken zugedreht hatte. Als hätte er nicht gerade eben genau das selbe gemacht.
      Ari stützte sich an seinem Arm auf und lehnte sich etwas über Kit, erhaschte aber gerade so nur den Blick auf sein Ohr. „Hey“, sagte er leise. „Ich schreibe wirklich ein Lied über dich“ Das hatte er jetzt mal so beschlossen. Er hob nach kurzem Zögern seine Hand und strich Kit ein paar Haarsträhnen hinter sein Ohr. „Mit deiner Haarfarbe fange ich an“, schmunzelte er. Er hatte schon wieder das Gefühl, als wäre diese Bewegung längst in jeder seiner Zellen gespeichert gewesen. „Dreh dich um“, murmelte Ari endlich leise. Wenn er Kit noch länger von hinten sah, würde er depressiv werden.
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    • Kit

      Die ganze Situation war vollkommen irre. Kit wusste nicht mehr richtig einzuordnen, ob Ari Ursprung oder Lösung für seine Anspannung war. Einerseits sträubte sich der rationale Teil seines Hirns immer noch dagegen, seinem Bettnachbarn zu nahe zu kommen - was an sich schon bescheuert war, immerhin hatten sie sich bereits geküsst - andererseits schienen Aris Finger, die hauchzart sein Ohr berührten, sämtliche seiner Anspannung mit sich zu nehmen.
      Er folgte Aris Worten, drehte sich ihm wieder entgegen und realisierte, dass er keine Ahnung hatte, was er sagen sollte. Es war, als wäre sein Kopf immer wie leergefegt, wenn er in Aris Augen sah. "Ich glaube, du wärst der erste, der mich wegen den Haaren nicht aufziehen würde", antwortete er wenig eloquent, bevor er merkte, dass Ari nicht mal erwähnt hatte, ob er positiv oder negativ über ihn berichten würde. Aber da war es eben wieder, dieses Gefühl, dass er den Dunkelhaarigen schon viel länger kennen würde, als er es tatsächlich tat. Es war irgendwie überwältigend und auch ein bisschen frustrierend. Immerhin kannte er ihn eigentlich nicht wirklich und es war schwer, sich ständig selbst daran erinnern zu müssen, dass er nicht mit ihm umgehen konnte, wie mit einem alten Freund. Oder mehr, als einem Freund.
      Kit hob seine Hand, bevor er überhaupt richtig wusste, was er machen wollte. Er hatte das Gefühl, nicht vollkommen er selbst zu sein, als er Ari sanft über die Wange strich. Irgendwie wollte er ihn einfach anfassen, sicher gehen, dass er tatsächlich hier neben ihm lag und nicht einfach nur eine seltsame Einbildung war, ein Traum, oder eine Halluzination. Aber Aris weiche Haut war warm unter seinen Fingerspitzen, während seine Hand von Aris Wangen zu seinem Nacken wanderte und leicht mit den kurzen Haaren spielte. "Wirst du auch in den Liedern über mich vorkommen?", fragte er leise, weiterhin mit dem Gefühl, die Antwort längst zu kennen.
    • Aries Herz machte einen kleinen, glücklichen Sprung und seine Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln, als Kit sich zu ihm herumdrehte. Dann runzelte er die Stirn.
      „Ich kann nicht nachvollziehen, wie man deine Haare nicht mögen könnte, ich meine, diese Leute müssen auch Sonnenaufgänge hassen, oder? Und damit sind sie offiziell unzurechnungsfähig“, beschwichtigte Ari. Wer die Farbe orange nicht mochte, hatte einfach ganz andere Probleme. Man musste sich bloß mal überlegen, wieviele wundervolle Dinge in der Natur diese Farbe hatten.
      „Ich schreibe ein Lied über deine Haare, und dann schreibe ich ein Lied über die Leute die deine Haare nicht mögen und danach schreibe ich Lieder über uns beide wie wir herumsegeln und die Welt erkunden“, grinste er. Diese Idee klang genauso dämlich, wie sie es war, aber sie hatte auch einen Reiz. Damit war sie es schon wert, ausgesprochen zu werden. Er hatte sich immer alles ansehen wollen, was da draußen auf ihn wartete, und es mit Kit gemeinsam zu erleben, machte alles noch besser. Es fühlte sich richtig an, als wäre das schon jahrelang Aries Plan gewesen.
      Seine Haut kribbelte, wo Kits Hand ihn berührte. „Was könnten wir in den Liedern noch so tun, außer die Welt zu bereisen?“, murmelte er leise, seine Augen blitzten Kit interessiert an, und Aries war sich selbst nicht sicher, woher diese Zuversicht kam. Er legte seine Hand, mit der er sich nicht abstützte, sanft auf Kits Brust. Seine Augen folgten seinen Fingerspitzen, die in kreisenden Bewegungen über den Stoff strichen. Vielleicht musste er doch seine Rationalität für immer über Bord werfen und nurnoch tun, was sein Herz wollte. Oder… naja… was sein Körper wollte? Vielleicht beides. Aber gleichzeitig hatte er auf einmal das dringende Bedürfnis, an die frische Luft zu gehen. Ah, es wäre schön, wenn sie das Bett an den Rand des Schiffs schieben könnten, um die Wellen zu beobachten, ohne gleichzeitig den Moment unterbrechen zu können. Was für eine seltsame Idee.
      Aries ignorierte dieses Gefühl, das in ihm aufkam, bestmöglich. Er lehnte sich ein Stück zu Kit herunter. „Fändest du die Idee furchtbar, wenn ich dich noch einmal küsse?“, fragte er leise und lächelte. Irgendetwas in ihm hatte es nun eilig genug, um es darauf ankommen zu lassen. Wieso hatte er nur immer das Gefühl, keine Zeit vergeuden zu dürfen?
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    • Aries hatte eine unfassbar wundervolle Art an sich. Seine wilden Musik-Pläne brachten Kit unweigerlich zum lachen und vertrieben damit sämtliche Anspannung in seinem Körper. Ein Lied über seine Haare. Damit würde ihn wahrscheinlich jede einzelne Person aufziehen, die er kannte. Aber das würde ihm nichts ausmachen, immerhin wäre das Stück von Ari und das wäre das Schönste daran.
      Kit wartete darauf, dass die Anspannung wieder einsetzen würde, als Ari erneut mit ihm flirtete und seine Hand auf seine Brust legte, aber irgendwie fehlte sie weiterhin. Im Gegenteil eigentlich, alles fühlte sich vertraut an, so, als müssten sie hier so eng beieinander liegen. Als wäre zum ersten mal in seinem Leben alles genau so, wie es sein sollte. Seit Kit diesen seltsamen Zug in die Ferne in sich bemerkt hatte, war er immer davon überzeugt gewesen, seinem Schicksal entgegen zu laufen. Er hatte nur nie damit gerechnet, dass es sich bei seinem Schicksal um den Mann mit dem schönsten Lachen der Welt handeln würde. Er hatte mit irgendeiner Geschichte gerechnet, wie man sie in Liedern und Fabeln hörte und nicht mit Ari. Aber er konnte sich nichts besseres vorstellen, als das.
      "Ich fänd es absolut nicht furchtbar", antwortete er ebenso leise. "Ich fänd es viel schlimmer, wenn du mich nicht küssen würdest." Er lächelte leicht, während er eine Hand in Aris Nacken legte und sich leicht aufstützte, um ihn zu küssen. Seine Lippen kamen ihm viel vertrauter vor, als sie sollten. Langsam kam es ihm vollkommen verrückt vor, dass er sich eben noch so einen Kopf darum gemacht hatte, möglichst viel Raum zwischen ihnen zu lassen. Ari gehörte irgendwie in seine Arme. Davon war er fest überzeugt.
      "Darf ich dir etwas beichten?", fragte er, als er sich von Aris Lippen löste, um Luft zu holen. "Ich weiß, dass es komplett irre klingt und das soll kein billiger Anmachspruch sein, oder so, aber-" Er machte eine kurze Pause, um seine Gedanken, die sich gerade wunderbar selbst überschlugen, irgendwie zu sortieren. "Ich habe mein ganzes Leben das Gefühl gehabt, irgendetwas zu suchen. Ich hatte dieses Ziehen in mir, das mich irgendwo hinführen wollte. Ich glaube, es hat mich zu dir geführt." Ja. Ausgesprochen klang es tatsächlich tausend mal schlimmer, als in seinen Gedanken. Er konnte wirklich nur hoffen, dass Ari nicht flüchten würde. Obwohl er das Gefühl hatte, dass ihn dieses seltsame Ziehen auch in diesem Falle wieder direkt zu ihm führen würde.
    • Kits Lachen brachte sein ganzes Gesicht zum leuchten. Aries könnte bei dem Anblick schmelzen. Die Anziehungskraft zwischen ihnen zog ihre Lippen zueinander wie zwei Magneten, und ganz genauso überwältigend fühlte sich jeder Kuss an. Er lächelte in den Kuss hinein und nutzte seine Chance, um sich über Kit zu schwingen. Über ihn kniend küsste er ihn weiter, ohne genug davon zu bekommen, wobei seine Gedanken an die Wellen des Meeres wieder in die hinterste Ecke seines Gedächtnisses rückten. Zumindest, bis Kit sprach. Ari stützte sich auf und lächelte ihn sanft an, als er fragte, ob er ihm etwas beichten könnte. Aries nickte. Dann lachte er leicht. Er fühlte sich in erster Linie geschmeichelt, auch wenn es tatsächlich wie ein schlechter Anmachspruch klang, aber Aries musste Kit einfach ernst nehmen. Etwas sagte ihm, dass er das nicht einfach so sagen würde, wenn er sich dessen nicht sicher wäre. Und… er freute sich irgendwie darüber. Er kannte Kit kaum und doch freute er sich darüber, dass er nach ihm gesucht hatte und sich nun fühlte, als wäre er am Ziel angekommen. Es machte ihn so glücklich, dass er am liebsten das selbe sagen würde, und er hatte das Gefühl, dass es für ihn auch so sein müsste, aber… Es war immer noch da, das Verlangen, weiterzugehen. Nur wollte er Kit mitnehmen.
      „Es war wohl von den Göttern vorher bestimmt“, grinste er und küsste Kit erneut. Seine Lippen wanderten zu Kits Hals. „Ich wusste… dass ich nicht in dieser Stadt bleiben kann… und mehr auf mich da draußen wartet. Ich bin froh, dass du mich angesprochen hast“, murmelte er zwischen Küssen. Er war ehrlich, immer. Aber das hieß nicht, dass er kleine Teile der Wahrheit nicht auslassen konnte. Er wollte Kit schmeicheln, ihm weiterhin das Gefühl geben, dass sie beide auf seltsame Art zueinander gefunden hatten, weil es so bestimmt gewesen war. Und, naja, das hieß nicht, dass sie nicht zusammen die Welt bereisen konnten, oder? Aries Drang nach der Ferne war immernoch ungestillt, aber er hatte das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Endlich.
      „Ich will dich nicht überfordern, aber ich würde dir gerne so nah sein, wie irgend möglich“, sagte er. Kit wirkte entspannt, aber Ari brachte die Eile, die durch seinen Körper strömte, einfach nicht unter Kontrolle. Vielleicht sollte er doch einen Moment an die frische Luft.
      „Wir könnten auch einfach versuchen zu schlafen, aber du musst mich weiter festhalten“ Er hauchte ein paar Küsse auf Kits Wange und Kiefer, seine Hand fuhr dem Rothaarigen sanft unter den Stoff seines Chitons, und ruhte dann auf der warmen Haut. Das Festhalten war ein wichtiger Teil des Ganzen. Ari hatte die Höffnung, es würde seinen inneren Stress doch noch auflösen können, wenn Kit ihn hier an Ort und Stelle bei sich behielt und nicht mehr losließ.
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    • Kit wusste nicht, wie er bisher ohne Aris Küsse überleben konnte. Seine Lippen ließen ein kribbelndes Gefühl an seinem Hals zurück, während die wandernden Finger ihr übriges taten. Seine eigenen Finger wanderten über Aries' Rücken hinein in seine Haare und wieder zurück zu seinen Schultern, während er ein kleines Lachen ausstieß. "Ich glaube nicht, dass ich mich jetzt einfach hinlegen und schlafen könnte", antwortete Kit. Nicht, wenn Ari ihm schon so nah war und noch mehr wollte. Er war auch verdammt froh, dass er Ari angesprochen hatte. Wenn er es nicht getan hätte, würde er jetzt wahrscheinlich hier liegen und sich ärgern.
      Er genoss die Küsse noch für einen Moment, bevor er seine Hände an Aris Hüften legte und ihre Position tauschte. Er lächelte kurz über den Anblick von Ari unter ihm, bevor er sich für einen weiteren leidenschaftlichen Kuss zu ihm herunter lehnte. Das alles war fast ein bisschen zu viel. Sein Herz schlug wie wild und ihm war warm, aber der Hautkontakt mit dem wundervollen Musiker unter ihm war verdammt berauschend. Er konnte ihn absolut verstehen - Kit wollte ihm auch so nah wie möglich sein.
      "Warst du einem Mann schon mal so...nah?", fragte Kit etwas vorsichtiger, während er mit seinen Fingern Aris Bein hochstrich und den Rand des Chitons, den er trug, dabei mit nach oben schob. Er selbst hatte schon ein paar Nächte mit Männern verbracht, aber keine davon war mit dem hier vergleichbar. All die anderen male war es nicht um irgendwelche Gefühle gegangen. Meistens hatte man sich nur nach einem zweiten Körper gesehnt, wenn man zu lange alleine auf Reisen gewesen war. Ein kurzes Aufflammen von Lust, das befriedigt werden wollte. Man wollte irgendjemanden in seinem Bett haben. Das hier war vollkommen anders. Kit hatte das Gefühl, dass er Ari zum Leben brauchte. Er wollte ihn jede Nacht in seinem Bett haben und Küsse auf seiner Haut verteilen, bevor sie zusammen einschliefen. Er brauchte nicht den Sex, er brauchte Ari, egal wie.
    • Aries ließ sich mit einem kleinen Lachen auf seinen Rücken befördern, zog seine Beine an und grinste Kit unaufhörlich entgegen. Der Ausblick gefiel ihm. Kit war ihm sowieso viel zu schüchtern dafür, dass er ihre gemeinsame Reise so mutig begonnen hatte. Er durfte sich mehr trauen. Und Aries fühlte sich hervorragend aufgehoben in Kits Armen, schon seit dem ersten Moment an.
      Er schüttelte bei der Frage leicht den Kopf, ohne das Lächeln von seinen Lippen weichen zu lassen. Kits Hand an seinem Bein, die sich ihren Weg nach oben bahnte, hinterließ bei Ari eine angenehme Gänsehaut. Es war aufregend. Ihm war egal, ob er das schon einmal gemacht hatte, immerhin konnte es nicht so übel sein, wenn die meisten verheirateten Männer es mit männlichen Prostituierten trieben. Nicht, dass er das jetzt aussprechen wollte, er wollte schließlich die Stimmung nicht kippen lassen. Genau aus diesem Grund hielt er auch seine Erklärung für seine Unerfahrenheit zurück: Dass er seit zehn Jahre mit Antheia verheiratet gewesen war, hätte ihn kaum abhalten sollen, mit anderen Leuten zu schlafen, aber das hatte es. Im Gegensatz zu seiner nun wohl Exfrau, war er sehr loyal gewesen und schlichtweg uninteressiert an sexuellen Beziehungen mit anderen. Er hatte immer mehr für spannende Geschichten und gute Freundschaften übrig gehabt, und für seine Musik. Kit war also der erste Mann, dem er näher kam, und auch die erste Person abseits von Antheia, die er sowieso die meiste Zeit auf großzügigem Abstand gehalten hatte.
      Ari grinste etwas. „Du etwa?“, fragte er und legte seine Hände in Kits Nacken. Die Antwort auf die Frage war ihm völlig egal, schlimmer, als dass sie beide verheiratet waren, konnte es wohl kaum kommen. „Weißt du, was du tust?“, fragte er dann leise, was ihn deutlich mehr interessierte. Es war Aries kein Rätsel, was passieren würde, aber Theorie und Praxis unterschieden sich ja immer massiv, als Lehrer wusste er darüber bestens Bescheid.
      Der Moment kam ihm gerade ohnehin so romantisch und perfekt vor, dass er sich keine Gedanken darum machte, was passieren würde. Hätte ihm vor einer Woche jemand gesagt, dass er heute in einer Kajüte auf einem Schiff liegen würde, mit einem unheimlich attraktiven Mann, der sich wie sein neues Zuhause anfühlte und ihm die Chance gab, die Welt zu bereisen… Naja, er hätte gelacht. Und innerlich gehofft, dass es wirklich so kommen würde.
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    • Kit nickte kurz auf die erste Frage und beantwortete die zweite mit einem kleinen "Das hoffe ich doch", während er anfing, Ari langsam von dem ganzen Stoff an seinem Körper zu befreien. Er musste sich selbst dazu zwingen, sich nicht zu beeilen. Alles in ihm wollte mehr Hautkontakt, aber sie hatten den ganzen Abend Zeit. Wenn es nach ihm ging, sogar den Rest ihres Lebens. Was absolut unnormal war. Wer verbrachte ein paar Stunden mit jemand anderem und war sich sofort sicher, dass er ihn nie wieder verlassen wollte? Das klang eher nach irgendeinem komischen Wahn, als nach Romantik. Aber Kit kam der Gedanke, Ari ewig überall hin zu folgen, gar nicht so seltsam vor.
      "Sag bitte trotzdem Bescheid, wenn du dich bei irgendetwas unwohl fühlst", hauchte er in Aris Ohr, während er seine Hand zu der Körpermitte des Mannes wandern ließ. Er wusste ungefähr, was er tat. Er war selbst schon in beiden Positionen gewesen, wusste was er mochte und hatte bisher nie den Eindruck gehabt, seinen Liebhaber irgendwie enttäuscht zurück zu lassen. Aber bei Ari war wieder alles anders. Er wollte ihm vollkommen den Kopf verdrehen, ohne ihn dabei zu sehr zu überfordern, was schwierig war, wenn sich ihm schon hunderte Ideen aufdrängten, was er mit ihm anstellen könnte.
      Er lauschte auf jeden Atemzug, während er seine Hand langsam rauf und runter streichen ließ und sich dabei sanft einen Weg hinab über seinen Hals und seine Brust küsste. "Du siehst unfassbar gut aus", murmelte er, während er sich ein wenig aufsetzte und zurück rutschte. Bei dem Anblick, der sich ihm bot, würden wahrscheinlich selbst die Götter neidisch werden. Kein gutes Zeichen, eigentlich, aber eine riesige Motivation. Er durfte jetzt nur nichts falsches tun.
      Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen neigte sich Kit wieder über ihn, zwischen seine Beine, küsste sanft seinen Oberschenkel entlang und nahm schließlich seine Erektion in den Mund. Seine eigene erste Nacht mit einem Mann war ähnlich verlaufen und irgendwie kam ihm das verhältnismäßig sicher vor. Obwohl bei den ganzen seltsamen, überfordernden Gefühlen gerade irgendwie nichts wirklich sicher war.
    • Ari hatte das Gefühl, in dieser Situation schon etliche Male gewesen zu sein, sonst wäre er doch nicht so entspannt, oder? Klar, er war schon immer neugierig gewesen und offen, verschiedenste Dinge auszuprobieren, nur, um sie mal gemacht zu haben, und doch… sollte es ihm vielleicht ein anderes, nicht so schrecklich heimeliges Gefühl geben, von einem nahezu Fremden ausgezogen zu werden. Jedoch fühlte sich das vollkommen natürlich an. Als wäre er garnicht dazu bestimmt, überhaupt Kleidung zu tragen. So war es jetzt deutlich besser. Näher. Wärmer.
      Aries Blick folgte Kits Hand für einen Augenblick, bevor er die Augen wieder schloss und Kits angenehme Stimme an seinem Ohr ihn in den siebten Himmel brachte. Seine Arme hatte er noch um Kits Hals geschlungen, und er zog ihn ein Stück näher, als er die Bewegungen seiner Hand spüren konnte und in einem wohligen Rausch tiefer in das Kissen sinkte. „Ah… das ist gut“, murmelte Ari leise als Rückmeldung. Ein warmes Kribbeln breitete sich von seiner Körpermitte aus. Er atmete tief, um jede Sekunde auszukosten und sich nur dem Moment hinzugeben. Alles andere war völlig ausgeblendet. War er in seinem Leben jemals so entspannt gewesen? Der Tatendrang von vorhin schien wieder absolut nebensächlich zu werden, beinahe nicht mehr spürbar, übertrumpft von purem Glück. Er öffnete die Augen erst wieder, als Kit sich von ihm entfernte, oder eher einfach nur eine Etage tiefer rutschte, und Ari erneut einen Blick nach unten riskieren ließ. Er mochte den Anblick, Kits Hand um seine Erektion, seine Lippen die sich an seine Brust, dann an seinen Bauch drückten. So nah sollten sie sich sein. Aries wusste es einfach, sie mussten einander so nah sein.
      Kits attraktive Lächeln jagte Ari einen leichten Schauer über den Rücken, kurz bevor es verschwand, und seine Lippen sich an Aris Oberschenkeln fanden. Er war sich sicher, in seinem Leben noch nie so verwöhnt worden zu sein. Aries bleib auf seine Unterarme gestützt, um das Spektakel mit mehreren Sinnen erleben zu können. Seine Augen fixiert auf Kits Lippen, seinen Mund, wie er sich um seine Erektion schloss. Er nahm alles in sich auf, bis er nicht mehr konnte, und ihm doch ein Stöhnen entwischte, das ihn zu sehr ablenkte und wieder zurückfallen ließ. Das war‘s, seine Konzentration war endgültig weg. Ari spürte nurnoch die fantastische Wärme, die seinen ganzen Körper einzuhüllen schien, und seinen Hüften sanfte Bewegungen entlockte. Er ließ seine Finger in Kits Locken gleiten und legte die andere Hand in einem kleinen Moment der Erleuchtung auf seinen eigenen Mund, um die Stille der Nacht nicht zu sehr zu durchbrechen.
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    • Aris Stöhnen machte süchtig. Es ließ Kits Herz sofort schneller schlagen und er wollte definitiv viel mehr davon. Trotzdem ließ er sich Zeit, Ari nach Strich und Faden zu verwöhnen, indem er das Tempo etwas erhöhte und ihn tiefer nahm. Er machte lediglich eine kurze Pause, um seine eigene Kleidung loszuwerden. Der kleine Raum musste sich langsam mit der Hitze zwischen ihnen aufgewärmt haben, trotzdem bekam er eine leichte Gänsehaut, als er sich wieder zu Ari hinab lehnte, um ihn zu küssen.
      "Dein Stöhnen klingt wie Musik", murmelte er gegen seine Lippen, während er an ihm vorbei zu einem kleinen Kästchen auf einer größeren Kiste neben dem Bett griff und ein Fläschchen mit Öl hervorzog. Er wollte Ari heute nicht bis zum äußersten treiben, aber er hatte zumindest einen kleinen Vorgeschmack auf das verdient, was er haben könnte, wenn er bei ihm blieb, nicht?
      "Lass es mich noch mal hören." Seine Lippen küssten Aris Hals entlang, während er das Öl zwischen seinen Fingern verteilte und einen davon an Aris Eingang drückte. "Entspann dich", hauchte er und drang vorsichtig mit dem Finger in ihn ein. Er ließ sich Zeit, damit Ari sich an das neue Gefühl gewöhnen konnte, bevor er mit seinen Lippen zurück zu seiner Erektion wanderte. Es brauchte einen kurzen Moment, bevor er den perfekten Takt zwischen Mund und Finger fang, aber Aris Stöhnen trieb ihn an. Es musste einfach Schicksal sein, dass sie sich getroffen hatten. Er hatte das Gefühl, Ari viel besser zu kennen, als er sollte. Er fand den relativ gut ertastbaren Punkt, der Ari hoffentlich in Ekstase versetzen würde vollkommen mühelos. Es war, als würde er Aris Körper bereits kennen.
      Er geriet ein bisschen aus dem Takt, immer noch versucht, Ari die beste Nacht seines Lebens zu bescheren, aber das war okay. Die Musik in Aris Stöhnen schien den Takt seiner Berührungen nicht zu benötigen. "Denkst du, du hältst einen zweiten Finger aus?", fragte er sanft, als er den Kopf hob, um kurz durchzuatmen. Stattdessen verteilte er wieder atemlose Küsse auf der Innenseite von Aris Oberschenkel. "Ich will dich nicht überfordern, aber ich will noch mehr von deinem Stöhnen hören."
    • Kit verdehte ihm völlig den Kopf. Es war fantastisch, sich mal ganz am richtigen Fleck zu fühlen. Ari sollte nirgendwo anders sein, als in Kits Armen. War das verrückt? Ja, aber verrückt konnte er eigentlich ganz gut.
      Er presste seinen Kopf in das Kissen unter ihm und konnte seinen Körper nicht still halten, als Kit sein Erlebnis immer und immer intensiver gestaltete. Die Spannung in seinem Körper baute sich auf, so weit, bis er das Gefühl hatte, sie würde bald ihren Höhepunkt erreichen, aber dann ließ Kit von ihm ab und Ari war in einer Mischung aus Frust und Dankbarkeit gefangen, weil er wirklich wollte, dass das noch länger ging. Als er zu Kit sah, entledigte er sich gerade seiner Kleidung und machte Ari noch ein Stück dankbarer. Der Anblick hatte ihm eindeutig noch gefehlt. Ari wollte den Rothaarigen in dem Moment sofort wieder zu sich ziehen, ihn küssen und seinen Körper mit seinen Händen erforschen, und war sehr zufrieden, als dieser sich wieder zu ihm herunter beugte. Ari ließ seine Hände über Kits Brust gleiten, über seinen Rücken bis zu seinem Nacken, aber bevor er ihn näher an sich drücken konnte, lehnte Kit sich zur Seite und tauchte mit glänzenden Fingern wieder in Aries Blickfeld auf. Er war trotz allem etwas überrascht, als er seine Hand an seinem Hintern spürte und einen Moment später einen der Finger in sich. Er brauchte die kurze Eingewöhnungsphase definitiv. Es fühlte sich erst unglaublich seltsam und irgendwie nicht richtig an, auch wenn Ari rein logisch wusste, dass es da kein richtig und falsch gab. Trotzdem… er kniff die Augen etwas zusammen und versuchte sich an die Sensation zu gewöhnen, weil er Kit dabei vertraute, dass er wusste, was er tat. Trotzdem kam das angenehme Gefühl erst langsam wieder, als Kit ihn wieder in den Mund nahm, auch wenn Ari gleich wieder vermisste, ihn an sich drücken zu können. Mit jeder Bewegung fühlte er sich dann jedoch besser. Erst ließ es ihn den Finger etwas ausblenden, dann kombinierten beide Empfindunten sich zu etwas noch besseren, spätesten als Kits Finger sich in eine spezifische Richtung drückte, und Aries wieder zum leise aufstöhnen brachte. Wie elektrisches Knistern breitete sich das Gefühl durch seinen Körper aus. Er sank zurück in seinen Zustand der Ekstase und hätte Kits Angebot nicht ablehnen können.
      „Ich bin schon überfordert, auf gute Art“, hauchte er atemlos mit geschlossenen Augen. „Mach irgendetwas, das sich für dich auch gut anfühlt. Ich will das Gefühl mit dir teilen“, flüsterte er. Er stützte sich leicht auf, und sah Kit wieder an. Es war etwas frustrierend, dass Ari in seiner Position keine Möglichkeit hatte, Kit zu befriedigen, denn er sah einerseits zum anbeißen aus, und andererseits als würde er vor Erregung bald zu zittern beginnen. Ari musste grinsen, als er sich das Bild genauer ansah. Er konnte nicht anders, er griff Kit an die Schultern und lenkte ihn wieder sanft zu sich hoch, um ihn zu küssen. Währenddessen nutzte er heimlich seine Chance und ließ seine Hand runter zu Kits Erektion gleiten, die auch etwas Aufmerksamkeit verdient hatte.
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    • Über seine eigenen Bedürfnisse hatte Kit in den letzten Minuten eigentlich kaum nachgedacht. Alles in seinem Kopf drehte sich um Ari, darum, dass er den Sex genoss und sich wohl fühlte, darum, dass er bei ihm bleiben musste. Erst, als Aris Hand seine Erektion berührte realisierte er, wie angeturned er selbst war. Er stöhnte in den nächsten Kuss hinein und ließ seine Hand ebenfalls wieder zu Aris Erektion wandern. Das alles war eine vollkommene Reizüberflutung, aber er konnte und wollte sich nicht darüber beschweren.
      Er fand seinen Takt wieder, verteilte Küsse auf Aris Haut, die im fahlen Licht der Lampe neben dem Bett leicht schimmerte und spürte, wie er sich seinem eigenen Orgasmus näherte. Er ging trotzdem sicher, dass Ari zuerst seinen Höhepunkt fand, bevor er sich entspannte und mit einem tiefen Stöhnen auf den Lippen kam. Er hatte das Gefühl, dass ihn damit auch jegliche Kraft verlassen hatte, als er sich zur Seite rollte und versuchte, gleichmäßig zu atmen. Sein Herz pochte immer noch viel zu schnell in seiner Brust, aber er war einfach verdammt glücklich.
      Kit drehte seinen Kopf mit einem Lächeln in Aris Richtung und streckte seine Hand nach ihm aus, um ihm eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht zu wischen. Mit diesem Anblick könnte er wunderbar leben. "Bleib bei mir", flüsterte er leise, während das Schiff sanft auf den Wellen schaukelte. Eine vollkommen übertriebene Bitte dafür, dass sie sich erst ein paar Stunden kannten, aber Kit war sich sicher, dass er niemanden finden würde, der besser zu ihm passte, als Ari. "Wir könnten zusammen die Welt bereisen." Irgendwie kam ihm das fast verboten vor. Aber er konnte sich nichts schöneres vorstellen, als Ari ständig in seiner Nähe zu haben. Vielleicht könnten sie zusammen neue Orte entdecken. Kit konnte sich irgendwie schon vorstellen, wie begeistert Ari aussehen würde, wenn er ein neues Land mit fremden Kulturen betreten würde. Aber er wollte es sich eben nicht nur vorstellen. Er wollte real erleben, wie Aris Augen glitzerten, während er ihn über fremde Märkte zog. Aber dafür durfte er halt nie wieder seine Seite verlassen.
    • Es war wirklich besser. Das Gefühl mit Kit zu teilen und sich in seinem Stöhnen zu verlieren, es war berauschend und turnte Aries unglaublich an. Kits Schulter über ihm tauchte ihn in einen Schatten, sodass er sich völlig auf die Hitze konzentrieren konnte, die der Rothaarige ausstrahlte. Ari gab sich die größte Mühe, gleichmäßige Bewegungen mit seiner Hand zu machen, war jedoch völlig überwältigt von den Kits Lippen auf seiner Haut. Eine Reihe an angenehmen Gefühlen breitete sich in ihm aus, und er wollte dass der Moment nie endete. Es war, als wäre er plötzlich ganz.
      Und dann nahm die elektrisierende Spannung in seinem Körper erneut zu, Ari ließ sich hinein fallen und war gedanklich zu weit weg, um sein Stöhnen zu kontrollieren. Seine Finger bohrten sich sanft in Kits Haut, bis seine Atmung wieder tiefer und langsamer wurde und er sich in halber Entschlossenheit wieder um den Rothaarigen über sich kümmern konnte. Er stützte sich mit einem Arm auf, um sich für die Küsse zu revanchieren und liebkoste Kits Nacken. Seine Stimme an Aris Ohr war wie Musik. Als er letztlich neben Ari auf die Schlafunterlage fallen ließ, rollte der Dunkelhaarige sich ihm sofort entgegen und legte einen Arm um ihn. Er presste seine Nase an Kits Wange, plötzlich überwältigt von dem Wunsch, ihm weiterhin nahe zu sein und nicht mehr loszulassen. Der Gedanke kehrte seit gestern immer wieder zurück. Er war dringlich, als würde irgendetwas schlimmes passieren, wenn er Kit losließ, was völlig verrückt war.
      Ari seufzte zufrieden und spielte mit Kits Locken, während er versuchte seine Worte und den genauen Stimmton in sein Langzeitgedächtnis einzuprägen. Es gab doch nichts schöneres, als so eine Bitte zu hören.
      „Okay“, flüsterte er ganz ohne Nachdenken. Es war doch völlig klar für ihn. Zusammen die Welt zu bereisen klang nach allem, was er je wollte. Oder…?
      „Ich bleibe bei dir… Wir wiederholen das hier regelmäßig und besuchen zusammen neue Städte. Und ich mache Musik, singe Texte über uns beide, und verursache ein paar Skandale in Tavernen weil ich keine Details auslassen will“, murmelte er verschlafen. Er küsste Kits Wange, seine Hand rutschte zurück an seine Brust.
      „Ich spüre dein Herz klopfen“ Seine Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln. So lebendig hatte er sich selbst seit Ewigkeiten nicht gefühlt. „Wir bleiben zusammen, okay?“ Aries war sich nicht sicher, ob er noch ganz klar im Kopf war, während er diese ganzen Dinge aussprach, aber er hatte das Gefühl, er würde es bereuen, wenn er dieser Beziehung jetzt nicht alles gab, das er hatte.
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    • "Das klingt wundervoll", stimmte Kit mit einem kleinen Lachen zu. Es war wahnsinnig. Als sie hier angelegt hatten, hatte er Ari noch nicht mal gekannt und jetzt hatte er das Gefühl, dass er ohne ihn nicht leben konnte. Es hatte immer schon Personen gegeben, mit denen er gerne länger gereist wäre, oder die er gerne immer wieder traf, aber das hier war vollkommen anders. Ari war anders. Es war, als wären sie zwei Teile eines Ganzen. Kit wäre vollkommen zufrieden, wenn er bis ans Ende seines Lebens mit Ari im Arm hier liegen könnte. Was wohl leider ein Wunschtraum bleiben musste.
      "Bleib liegen", flüsterte er leise, bevor er sich kurz aus Airs Umarmung löste, was sich ein bisschen so anfühlte, als hätte man ihm sämtliche Atemluft genommen. Vielleicht ein etwas überdramatischer Vergleich dafür, dass er nur kurz zu einem kleinen Wasserkrug in der Ecke des viel zu engen Raumes ging, um ein Tuch anzufeuchten. Das Wasser war der Zimmertemperatur entsprechend lauwarm als er das Tuch auswrang und zu Ari zurück ging, um erst ihn und dann sich selbst zu säubern, wobei er sich noch einen weiteren Kuss von Aris Lippen stahl. Wie konnte ihm ein Fremder so schnell so wichtig werden?
      Kit beeilte sich, zurück ins Bett zu kommen, seine Arme um Ari zu legen und ihn an sich zu ziehen, bis er den Geruch seiner Haare in seiner Nase hatte. Zum ersten mal seit Ewigkeiten war er einfach nur wunschlos glücklich, was fast schon ein wenig peinlich war - wie oft hatte er andere dafür belächelt, dass sie die Antwort auf sämtliche Probleme scheinbar in einer Beziehung gefunden hatten? Jetzt lag er selbst hier mit einem Mann in den Armen, der alles an seinem Leben schlagartig besser gemacht hatte. Vielleicht sollte er anfangen, sich bei all den anderen Leuten zu entschuldigen, so bescheuert das auch klang.
    • Ari konnte sich nicht daran erinnern, je so gut aufgehoben gewesen zu sein. Kit war rücksichtsvoll und sanft, und zu allem Übermaß vollkommen verrückt nach Ari, soweit er das beurteilen konnte, nachdem er sich wieder zu ihm legte und sich so nah an ihn drückte, dass zwischen ihnen kein Zentimeter Luft war. Ari lächelte und ließ sich enger ziehen, vollkommen eingehüllt in Kits Duft, vollkommen zufrieden. Er fühlte sich zuhause. Das hier war der Ort, an dem er immer sein wollte, und es war einfach… Kit. Ari hatte nichts mehr zu sagen, er schloss die Augen und schlief eng umschlungen mit Kit ein.

      Als er das nächste Mal aufwachte, war er sich völlig sicher, dass Morgen sein musste. Doch sobald er die Augen aufschlug, merkte er, wie finster es war. Kit und er hatten sich im Schlaf etwas voneinander getrennt, doch Ari hatte weiterhin einen schweren Arm über seiner Brust liegen, den er langsam und vorsichtig von sich runter hob, ohne Kit zu wecken. Er rutschte etwas zur Seite und blinzelte sich den Schlaf aus den Augen, bis sie sich der Dunkelheit ein wenig angepasst hatten. Eigentlich hatte er nie einen unruhigen Schlaf gehabt. Schon garnicht war er Nachts aufgewacht. Müde war er jedoch auch nicht.
      Er zwängte sich an Kit vorbei aus der Koje, bis er draußen am Gang des Schiffes stand und wieder das Schaukeln der Wellen wahrnahm. Nur, diesmal deutlich stärker, als gestern Abend, weil sie wohl früher abgelegt hatten, als geplant… War er deshalb wach geworden? War es überhaupt Absicht, dass sie bereits nicht mehr am Hafen waren? Oder bildete er sich das Geschaukel nur ein?
      Ari zupfte sein Gewand zurecht und streifte durch den Gang bis zur Leiter, um an Deck zu kommen. Der salzige Wind verwehte ihm augenblicklich die Haare, und er konnte kaum sehen, ob noch jemand wach war. Er beeilte sich, aufzustehen, wischte sich die Haare aus den Augen und sah sich am Schiff um. Niemand. Waren sie… einfach weggetrieben? Sollte Nachts nicht jemand wach bleiben, um genau so etwas zu verhindern??
      Er überlegte kurz, nach unten zu gehen, und irgendjemanden aufzuwecken. Aber dann lief er doch eine Runde übers Deck, um zu sehen, ob jemand da war. Er konnte weit und breit nichts erkennen außer Dunkelheit. Das Meer war genauso schwarz wie der Nachthimmel. Er sah keine Sterne, vermutlich war es zu bewölkt. Fast ein wenig unheimlich. Irgendetwas trieb Ari an, an die Spitze des Schiffs zu laufen und noch einmal nach dem Kapitän zu suchen. Die kalte Luft trieb ihm eine Gänsehaut über den Körper, und als er nichts fand, ging er nach vorne zur Reling, um… ja, warum eigentlich? Er war noch nie auf einem Schiff gewesen, noch nie am offenen Meer. Es war wohl das Interesse, sich alles genau anzusehen. Er verstand selbst nicht, was ihn daran so anzog. Für ein paar Moment hatte er Kit völlig vergessen, alles, das ihn einnahm, war der Anblick des Meeres, die tiefe Schwärze und das salzige Wasser, das ihm mit jeder Welle, die am Schiff zerbrach, entgegen spritzte. Er sollte sich nicht so weit über die Reling lehnen. Aber der Geschmack des Wasser, das langsam seine Lippen benetzte, ließ ihn mehr davon haben wollen.

      Er hatte nicht gespürt, wie er gekippt war. So tief hatte er sich garnicht hinunter gebeugt, oder? Das Wasser war ohnehin zu weit entfernt gewesen, und doch war er so… versessen darauf gewesen, es zu berühren. Es war nicht Aris Absicht gewesen, gleich darin eingehüllt zu werden, besonders weil er nicht schwimmen konnte. In den ersten Sekunden hatte ihn das nicht gestört, bis er die Augen geöffnet und bemerkt hatte, dass um ihn herum nichts als Dunkelheit und Kälte war. Dann hatte ihn doch die Panik erreicht. Er wollte wieder auf das Schiff. Zurück an Deck, über die Leiter und in die Koje zu Kit, wo er seelenruhig schlief, wo es warm war und sicher. Er hatte nicht gewollt, dass seine Lungen sich mit Wasser füllten, er oben von unten nicht mehr unterscheiden konnte und die Angst seinen Körper völlig einnahm. Aber egal wie sehr er kämpfte, er kam nicht mehr vom Fleck. Er wollte nur… zurück nachhause.
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    • Kit Summers | Leben Nr.: 2 | Alter: 22 | Ort: USA | Zeit: 15. August 1969

      Als Kit aufwachte, war Ari verschwunden.
      Natürlich war er das. Aries existierte immerhin nicht wirklich. Er war ein Geist. Ein Phantom. Eine Erfindung aus seinem Unterbewusstsein. Trotzdem schlug Kits Herz viel zu schnell in seiner Brust. Er hatte Glück, dass er aufgewacht war, bevor sein Traum-Selbst wach geworden war. Ari war zwar nur ein Geist, dafür aber ein ziemlich penetranter. Kit kannte diesen Traum auswendig. Er selbst als Händler im antiken Griechenland. Vollkommen abwegig.
      Der Traum war immer unverändert - er sah verschiedene Szenen, verschiedene Eindrücke, aber alles in allem immer dasselbe Leben, das im Traum an ihm vorbeizog, ohne Änderungen. Ari war immer da, sah immer gleich aus, tat und sagte immer dasselbe und ertrank jedes mal. Er wusste, wie furchtbar verzweifelt das sein Traum-Selbst machte. Er fühlte den Schmerz jedes mal so stark in seiner Brust, als hätte er tatsächlich jemanden verloren, den er geliebt hatte, aber im Gegensatz zu seinem Traum-Selbst sah er Aries zum Glück immer und immer wieder.
      Er hatte schon oft versucht, anderen von seinem Traum zu erzählen, aber bisher war er immer nur für verrückt erklärt worden. Niemand träumte so oft exakt denselben Traum. Es gab immer Details, die anders waren, als vorher, Gesichter änderten sich, Dialoge variierten, oder so. Aber sein Traum änderte sich nie. Er war über die Jahre etwas schärfer geworden und…mit ihrer ersten und letzten Nacht hatte Kit erst vor ein paar Jahren wirklich etwas anfangen können, aber sonst blieb alles so, wie es immer schon war. Irgendwann hatte er es aufgegeben, anderen davon zu erzählen.
      Kit starrte an die Decke, bis sein Herzschlag sich normalisierte und die irrationale Trauer nachließ, bevor er nach seiner Brille griff und aufstand. Es war noch dunkel draußen, als er in die Küche der WG ging, in der er wohnte. Niemand wusste so richtig, wer hier die Miete zahlte, wer regulär hier lebte und wer eigentlich nur auf der Durchreise war. Seine Eltern hatten das ganze abwertend als “Hippie-Lifestyle” bezeichnet, als er ihnen das Konzept - oder eher das Fehlen eines Konzepts - erklärt hatte, aber er mochte es. Wenigstens hatte man so immer Leute um sich herum. Er hatte gerade die Kaffeemaschine eingeschaltet, als Juniper die Küche betrat.
      Juniper hieß eigentlich nicht Juniper, aber ihren echten Namen hatte Kit nie erfahren, was wahrscheinlich vor allem daran lag, dass sie davon ausging, dass “Kitalpha” nicht sein echter Name war. Sie war eine schmale junge Frau mit blauen Federn in den blonden Haaren, die sie mit ihren Fingern durch kämmte, als sie ihn erblickte und kurz besorgt die Augenbrauen zusammenzog. “Alles gut, Kit-Cat? Du siehst aus, als ob du einen Geist gesehen hättest.”
      Wenn sie wüsste, wie recht sie damit hatte. Kit schüttelte kurz abweisend den Kopf. “Nein, alles gut. Nur müde.”
      “Oh. Das ist nicht gut. Ich dachte, wir feiern durch!” Juniper streckte ihre Arme in einer kleinen Geste, die wohl feiern darstellen sollte, über ihren Kopf und sah Kit erwartungsfreudig an. Sie sprach seit Tagen von nichts anderes mehr. Woodstock war ihr Thema Nummer 1 und Kit war sich ziemlich sicher, dass ein paar langfristige WG-Mitglieder in den letzten Tagen ausgezogen waren, um ihr aus dem Weg zu gehen.
      “Ich kann ja schlafen, wenn jemand anderes fährt”, merkte er an und zog eine zweite Tasse für sie aus dem Regal. Sie waren zu viert. Kit hatte keine Ahnung, warum er eigentlich mitfuhr. Er hatte nicht viel für große Veranstaltungen übrig, aber irgendwas zog ihn dort hin. Irgendwas seltsames, was er nicht erklären konnte. Es war wie der Sog, den er im Traum immer spürte, wenn er Ari begegnete. Warum sollte er ihm also nicht folgen? Im schlimmsten Fall würde er halt schauen, dass er irgendwie wieder nach Hause kommen würde, während die anderen noch mit Zelten dort campen und feiern würden.

      Kits Laune hatte sich immer noch nicht merklich gehoben, als sie ins Auto einstiegen. Das war nichts ungewöhnliches. Wenn er von Ari träumte, lief ihm das meistens länger nach, als es sollte. Es war vollkommen bescheuert um jemanden zu trauern, den es gar nicht gab, oder? Auch, wenn sich der Traum nicht wie ein Traum und mehr wie eine Erinnerung anfühlte. Was noch viel verrückter war.
      Wenigstens war es gut, dass sie deutlich zu früh losgefahren waren. Die Straßen um das Festivalgelände füllten sich zunehmends und als sie ihr Auto endlich losgeworden waren wurde klar, dass sie definitiv nicht nah an der Bühne sein würden. Gruppen von Menschen standen oder saßen schon wartend bereit, unterhielten sich und lachten miteinander.
      "Vielleicht finden wir ja doch noch einen Platz weiter vorne, wenn wir uns etwas durchdrücken", schlug Juniper vor, während sie sich auf die Zehenspitzen stellte, um über die anderen Leute hinweg nach einer Lücke zu suchen. Kit schüttelte kurz den Kopf. Irgendwie zog es ihn nicht zur Bühne. Nicht direkt, zumindest.
      "Ich schaue mich ein wenig auf dem Gelände um", entschied er und erhielt ein einstimmiges, abwesendes Nicken der anderen. Sie hoben zum Abschied kurz die Hand, bevor Kit ein letztes Mal zur Bühne sah und sich schließlich einfach etwas von dem Menschenstrom treiben ließ. Stetig in die Richtung, aus der er diesen seltsamen Zug spürte.
    • Aries Moore | Leben Nr.: 2 | Alter: 20 | Ort: USA | Zeit: 15. August 1969

      Es gab deutlich angenehmeres, als mit fünf anderen Menschen die Nacht in einem Tourbus zu verbringen, wenn ungefähr vier von fünf dieser Menschen schnarchten. Ari schlief mittlerweile mit Ohrstöpseln und einer Decke über den Kopf gezogen, als würde es irgendetwas an dem begleitenden Erdbeben ändern. Er hatte seit Ewigkeiten nicht mehr gut geschlafen. Außerdem fror er sich den Arsch ab.
      Glücklicherweise hatte er die Nacht zu dem Zeitpunkt hinter sich und konnte sich in der Morgensonne am Parkplatz ein wenig aufwärmen, mit einer Plastiktasse Instant-Kaffee in der einen Hand und einem Croissant in der anderen, bis Michael aus dem Bus stapfte und sich zu ihm gesellte. Michael war Aries Drummer und bester Freund seit der Highschool. Das änderte gerade nichts an Aries Ablehnung ihm gegenüber und seinen abartigen Schlafgewohnheiten. Aber er hatte sich das selbst eingebrockt. Hätte er die Band eben mal nicht dazu gezwungen, sich für ein Festival anzubieten.
      "Wie läufts, Dornröschen?", fragte Michael und lehnte sich an den Bus.
      Ari ignorierte ihn einen kleinen Moment. "Ich weiß, das war ein Scherz, aber Menschen können nur so lange ohne Schlaf überleben. Geh zum Arzt und tu was gegen das Schnarchen, sonst wirst du irgendwann alleine enden" Er drehte sich herum und lächelte knapp.
      "Du hast dir den Woodstock-Kram in den Kopf gesetzt, jetzt musst du damit leben", grinste Michael und zuckte kurzerhand mit den Schultern. "Ich leg mich nochmal hin, Anthony fährt später weiter. Wir haben noch ne gute Strecke vor uns aber sind wahrscheinlich gegen 11 Uhr in Bethel"
      Ugh. Anthony fuhr weiter? Ihr Tontechniker ließ auf der Straße immer seinen inneren Psychopathen raushängen und hupte andere an, als wären sie nicht diejenigen im fetten Bus, der dank des Fahrers eine Gefährdung für die Allgemeinheit darstellte. Aries seufzte etwas unmotiviert, stieg aber wieder in den Bus, um die Abfahrt nicht zu verzögern. Eigentlich war alles noch halb so schlimm und er sollte sich mental darauf vorbereiten, wenn alle sechs von ihnen drei Tage lang auf eine Dusche verzichten mussten.

      Sie kamen etwas nach 11 Uhr am Festivalgelände an. Ari legte sein Buch erst zur Seite und kletterte aus dem Hochbett, als sie fix in der Zone für die Künstler geparkt hatten und endlich ihr Zelt vorm Bus aufbauen konnten. Ari nutzte den plötzlichen Freiraum im Bus und zog sich als erstes Jeans und T-Shirt an, um sich am Gelände ein wenig umzusehen. Sie hatten ihren Auftritt heute Abend, hatten aber zusammen beschlossen, sich den Rest des Festivals ebenfalls anzusehen. Das war die Neugierde einer aufsteigenden Band, die noch nie auf einem Festival spielen durfte und schon garnicht auf einem so großen. Sie wollten alle wissen, wie die anderen Musiker so drauf waren, und vielleicht ein paar Kontakte knüpfen. Oder, Aries wollte das. Wahrscheinlich überließen sie das Quatschen eh wieder ganz ihm. Als Sänger und Gitarrist war es aber wahrscheinlich normal, dass er öfter im Rampenlicht stand.
      Bevor Ari loslaufen konnte, schloss Michael sich ihm an, der sich ebenfalls in Sekundenschnelle umgezogen und mit einem verspäteten Frühstücks-Brötchen auf den Weg gemacht hatte. Es war vollkommen egal, dass sie sich durch die ganzen Besucher am Gelände zweigten, da sie ohnehin niemand kannte. Oder, kaum jemand. Eigentlich war es verrückt, dass sie einen relativ guten Auftrittstermin bekommen hatten.
      "Freust du dich? Du siehst nicht sehr fröhlich aus, dafür, dass du uns alle hier rausgeschleppt hast", kommentierte Michael nach einem kurzen Blick auf Ari.
      "Doch, ich freue mich", gab dieser zurück, nicht ganz sicher, was es tatsächlich war, das er fühlte. Vielleicht Nervosität? Er war nie besonders nervös vor Auftritten, aber die waren sonst auch eher auf sehr kleinen Bühnen. Er war auch nicht besonders nervös gewesen, als er vor zwei Jahren nach New York gezogen war. Seitdem hatte er außerdem schon drei Apartments hinter sich, weil er immer etwas gefunden hatte, das ihm besser gefiel. Kurz gesagt, es fiel ihm schwer, stillzusitzen, und eigentlich hatte es ihn aus dem selben Grund nach Woodstock gezogen. Mal was neues erleben. Noch machte ihm das Spaß, aber was, wenn er nie das richtige fand, das ihn erfüllte? Er hatte das Gefühl, ständig laufen zu müssen, und das schlechte Gewissen lief mit ihm, weil er befürchtete, seine Freunde auch irgendwann abzuhängen.
      "Du bist nur nervös, das wird schon", sagte Michael in einem etwas besorgteren Ton und klopfte ihm auf den Rücken. Klar. Nervös, dass nichtmal ein Festival dieser Größe ihn erfüllen würde und er merkte, dass eine Band garnicht das war, was er wirklich gewollt hatte. Nur, dass er keine Ahnung hatte, was er sonst wollen konnte. Das ständige Herumreisen hätte er hiermit ja perfekt erfüllt.
      "Hey, bei den ganzen Hippies lässt sich sicher ein bisschen Gras finden, oder?", fragte Ari auf einmal. Vielleicht kam ihm dann ja entweder eine Einleuchtung, oder er war endlich mal kurz entspannt.
      "Woah, ich wusste nicht, dass unser Rock 'n' Roll Freak so nervös werden kann. Solange du bis zum Auftritt nicht mehr high bist…", murmelte Michael, schien aber nicht widersprechen zu wollen, also ging es nun daran, die Nase an die Arbeit zu schicken und den Gerüchen zu folgen, bis sie ein paar Hippies anquatschen konnten. Peace, Love, Weed.
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    • Es war schwierig, sich durch die Menge von Menschen zu winden. Zum einen waren einfach jetzt schon viel zu viele Leute hier, die in Gruppen zusammensaßen und standen und das Navigieren schwierig machten, zum anderen wurde Kit überraschend oft angesprochen. Es war eine wirklich nette Atmosphäre. Leute um ihn herum machten ihm Komplimente zu seinen Haaren oder seiner Brille und boten ihm nach einem kurzen Austausch irgendwas zu essen, trinken oder rauchen an.
      Kit gab ein paar Komplimente zurück, lehnte alles andere allerdings größtenteils ab. Er war nie sonderlich gut darin gewesen, neue Leute kennenzulernen - daher auch irgendwie die WG als Selbstherausforderung - und dieses seltsame Ziehen ließ ihn nicht mehr los, also hatte er keine Zeit, um zu lange stehen zu bleiben. Außerdem musste er sich zu sehr darauf konzentrieren, Juniper und die anderen später irgendwie wiederzufinden, um sich ablenken zu lassen. Obwohl er die Bühne langsam überraschend weit hinter sich zurück ließ.
      Je näher er dem Rand des Geländes kam, desto leerer wurde es. In ein paar Stunden würden sich hier wahrscheinlich auch tausende Menschen zusammendrängen, aber jetzt gerade konnte man den Boden noch sehen. Der Rand war gesäumt mit Toilettenhäuschen und kleinen Ständen, an denen man sich etwas zu trinken kaufen konnte. Beides war jetzt schon relativ gut besucht. Abgesehen davon war der Rand nur...der Rand. Viel mehr gab es wohl nicht zu sehen. Wahrscheinlich hatte er sich den seltsamen Zug tatsächlich nur eingebildet, weil er wieder von Aris Tod geträumt hatte. Es war albern. Er sollte wirklich zu seinen Freunden zurückgehen, bevor die Menschenmasse zu dicht wurde, um sich noch durch zu zwängen.
      Kit drehte sich zur Seite und erstarrte. Unmöglich. Vollkommen unmöglich. Alles in ihm zog sich zusammen, während er den jungen Mann anstarrte, der unweit von ihm in eine Konversation vertieft war. Der junge Mann, der Ari aus seinem Traum so unfassbar ähnlich sah. Kit blinzelte, irgendwie darauf hoffend, dass er sich das alles einbildete, aber 'Ari' stand immer noch dort. Er bewegte sich sogar ein wenig so, wie der Ari in seinem Traum, was verdammt gruselig war. War er high? Konnte man high werden, wenn man nur lange genug um rauchende Menschen herumgelaufen war? Sein Herz begann, unangenehm stark zu schlagen, während sich seine Beine beinahe automatisch bewegten. Er hatte das Gefühl, tausend Emotionen auf einmal zu erleben. Die Trauer von heute morgen erschlug ihn jetzt beinahe, während Freude ihm den Kopf vernebelte. Das war albern. Das konnte nicht real sein. Er blinzelte erneut und zwang sich, sich zusammenzureißen, um nicht vollkommen verrückt auszusehen, als er sich räusperte.
      "Entschuldigung?" Er musste ihn ansprechen. Wenn er es nicht tat, würde er sich das nie verzeihen. "Hi. Sorry. Ich- Kennen wir uns? Du kommst mir so unglaublich bekannt vor." Was vielleicht nicht unbedingt der eleganteste Start in eine Konversation war. Kit wusste immerhin, dass "Ari" ihn nicht kannte. Er hatte ihn bisher nur in Träumen gesehen. Aber wie sollte man das irgendjemandem erklären?