Bound by Eternity [Stiftchen & Nao]

    • Ari hatte es ein wenig eilig. Natürlich wollte er vorrangig mit Kit alleine sein, aber für seine Ausrede hatte er schließlich seine Gitarre dabei, und das Case war nicht unbedingt wasserdicht. Aus beiden Gründen war Ari jedenfalls etwas verwirrt, als es an seiner Hand zog und Kit seine Schritte verlangsamte. Er passte sich trotzdem an. Aber… vielleicht wollte er doch nicht mitkommen? Wenn er jetzt gleich wieder weglief, würde Ari ausflippen. Er ließ diese Hand heute definitiv nicht mehr los, Kit musste einfach aufhören, kalte Füße zu bekommen.
      Ari war sich nicht sicher, ob er es deshalb beruhigend oder etwas seltsam finden sollte, dass Kit auf einmal in seinen Satz startete, als würde er gleich ein Märchen erzählen. Zumindest sah es nicht aus, als würde er weglaufen wollen.
      „Mh, klar“, sagte Ari, auch wenn er irgendwie anhängen wollte, dass sie darüber bestimmt auch noch im Bus reden konnten. Da gab es nämlich Handtücher.
      Allerdings blieben sie nun wohl stehen. Ari sah Kit fragend an und weigerte sich, dessen Hand loszulassen. Er runzelte nur die Stirn, als Kit weitersprach.
      „Ah… bist du… high?“, fragte er und lehnte sich Kit etwas entgegen. Er konnte im Dunkeln nicht wirklich erkennen, ob seine Pupillen ausschlaggebend gewesen wären. Sie hatten vor einigen Stunden zusammen geraucht, aber vielleicht hatte Kit zwischenzeitlich noch etwas stärkeres entdeckt.
      Aries wusste bei der Gegenfrage absolut nicht, wie er reagieren sollte, also lachte er etwas. „Du meinst, ob ich von dir träume? Ich kenne dich erst seit heute“, sagte er belustigt, und doch etwas besorgt. Wenn Kit völlig high war, sollte Ari ihm vielleicht doch nochmal die Chance geben, wegzulaufen, bevor er was tat, das er bereute. Das gefiel ihm allerdings nicht.
      Ari bemühte sich, nicht mehr zu lachen. „Hm, ich kann mich erinnern, dass wir über Doppelgänger gesprochen haben“, versuchte er, Kit entgegen zu kommen. Ari drehte sich kurz nach seinem Bus um, der nur einige Meter entfernt von ihnen geparkt war. Mussten sie wirklich im Regen stehen? Das machte die Unterhaltung seltsam ominös.
      „Hey, bist du dir sicher, dass du von Träumen redest? Vielleicht bist du einfach auf einem echt krassen Trip und hast jetzt Erinnerungen, die garkeine Erinnerungen sind, weißt du, was ich meine?“ Er lächelte leicht und griff nach Kits zweiter Hand. Was auch immer das gerade war, Ari konnte ihn einfach nicht ernst nehmen, so leid es ihm tat. Kit sah ziemlich ernst aus, aber das half nicht wirklich, sondern besorgte Ari einfach nur ein wenig. „Willst du… trotzdem mitkommen? Ich meine, Trip hin oder her, es regnet ziemlich krass und wir haben Instant Kaffee…“ Vielleicht half das ja auch bei Mushrooms. Oder LSD. „Und meine Gitarre wird bald nass“, murmelte er schmunzelnd.
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    • "Ich bin nicht high", widersprach Kit pikiert. Ein bisschen angetrunken vielleicht. Oder auch ziemlich angetrunken. Sonst hätte er mit dem Thema nicht angefangen. Eigentlich hätte er einfach generell die Klappe halten sollen. Aber jetzt war es irgendwie zu spät dafür. "Ich habe diese Träume seit meiner Kindheit. Natürlich haben wir uns heute erst kennen gelernt, aber ich kannte deinen Namen, bevor du dich überhaupt vorgestellt hast! Ich-" Kit stieß ein kleines, verzweifeltes Geräusch aus, während er Aries in den Bus folgte. Irgendwie wollte er sofort zurück in den Regen. Der hatte ihn wenigstens abgekühlt. Hier drinnen konnte er die Hitze auf seinen Wangen zu gut fühlen. Wie konnte man jemandem beweisen, wovon man träumte? Das war vollkommen unmöglich! Natürlich könnte er jetzt behaupten vorher gewusst zu haben, wie Ari hieß, oder wie er aussah! Und alles, was Ari ihm im Traum über sich selbst erzählte, war hier vollkommen irrelevant. Was-
      Kit zog Ari an seiner Hand ein wenig näher zu sich, bevor er sanft auf eine Stelle auf seinem Oberschenkel tippte. "Du hast ein Muttermal, genau hier. Und eines hier", fuhr er fort, während er auf eine Stelle etwas weiter unten tippte, "Und eines am Knie." Jetzt musste er nur hoffen, dass Ari seinem Traum-Double tatsächlich komplett glich. Sonst würde er wie ein absoluter Psychopath wirken. Ein Psychopath, der gerade angedeutet hatte, ihn im Traum ohne Hose gesehen zu haben. Was...unter anderen Umständen fast witzig wäre. Normalerweise träumte man ja eher davon, dass man selbst keine Hose trug. Er sollte aufhören zu trinken.
      "In meinem Traum bist du auch Sänger. Irgendwie. Die Zeit ist eine andere. Aber du warst mir wichtig und es tut fast weh, dich jetzt wieder zu sehen." Kit hob eine Hand, um endlich seinem Impuls nachzugehen und Ari die Haare aus dem Gesicht zu streichen. Es fühlte sich erdrückend an, ihn zu sehen und zu wissen, dass er nicht die selben Träume hatte. Dass er keine Ahnung hatte, wer Kit war und nicht wusste, dass Kit sich seit Jahren jeden Abend wieder und wieder in ihn verliebte, nur, um ihn direkt zu verlieren. Und jetzt stand er vor ihm. Lebendig, aber ohne die geringste Ahnung, wie unfassbar wichtig er ihm war. Obwohl es wohl falsch war zu behaupten, dass er ihm wichtig war. Aries war nicht der Aries aus seinem Traum. Er hatte nicht die selben Erinnerungen. Er war nur...eine ziemlich gute Kopie.
    • Kit wusste nicht, wann man aufhören sollte, hm? Auf der anderen Seite hatte man auf Drogen manchmal auch einfach absolut keine Hemmungen mehr. Aries war sich auf dem Weg ins Zelt nicht sicher, ob er das Geschwafel ignorieren sollte. Er wusste ja nicht einmal, was seine Vorstellung davon gewesen war, mit Kit hier rein zu kommen. Sie konnten… natürlich über seltsame Träume reden, aber Ari hatte gehofft, etwas mehr über Kits Realität zu erfahren, wenn sie wirklich reden würden. Was sie würden. Oder? Das Bedürfnis, nach Kits Hand zu greifen, war ja nicht äquivalent zu…
      Ari wurde von Kit wieder herumgedreht und stand plötzlich erschreckend nah vor ihm. Er fror ein, als er Kits Hand an seinem Oberschenkel spürte. Hatte er sie noch alle? Woher kam das jetzt?
      Ari war sich hundertprozentig sicher, gerade übertrieben rot anzulaufen. Was zum Teufel redete Kit da? „Ich… ich hab viele Muttermale“, fing Ari etwas verwirrt an. „Was… ich meine… ich verstehe nicht…“ Er verstand nicht, wie Kit sich so sicher sein konnte, irgendetwas über seinen Körper zu wissen. Ging die Verrücktheit nicht irgendwie zu weit? Hatte er einen Stalker?
      Er schluckte. Dummerweise hatte er nicht das Gefühl, dass Kit ein Stalker war, oder ihm irgendetwas antun wollte. Im Gegenteil, er fühlte sich sehr sicher an. Aber wie sollte man seinen Gefühlen vertrauen, wenn man ein so beunruhigendes Gespräch führte?
      Ari wusste nicht, wo er hinsehen sollte, als Kit ihm die Haare aus dem Gestrich strich. Kit sah seltsam bedrückt aus. „Dann… uhm… hatten wir in deinen Träumen eine Beziehung?“
      Es war eine unglaubliche seltsame Art, zu flirten, aber Ari beschloss, einstweilen mitzuspielen. Kit klebte derartig an ihm, dass er nicht klar denken konnte. Ari griff über seine Schulter und legte die Girarre ganz einfach neben sich ab ohne Kit aus den Augen zu lassen. „Wenn du… willst“, fing Ari an, ohne sich wirklich sicher zu sein, was er da sagte. „… kannst du die Muttermale abgleichen. Hilft das?“ Er stand etwas verloren im Raum während er Kits Hand hielt. Ja, irgendwie hatte er gerade vorgeschlagen, seine Hose auszuziehen. Das Gute war, dass sie beide nicht mehr ganz dicht waren. Also waren sie wie für einander bestimmt, nicht?
      „Wie wärs mit einem Handtuch, damit wir unsere Haare abtrocknen können, und dann setzen wir uns erstmal hin und… willst du nicht vielleicht doch Kaffee? Aus der Dose oder in Pulverform“ Ari versuchte, zu lächeln, aber die Situation war so bizarr, dass er kaum konnte. Er war seltsam angeturnt, obwohl er wahrscheinlich eher Angst haben sollte. Das wusste er, und es war verwirrend, und vielleicht hatte er wirklich den Verstand verloren.
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    • Konnte man es “Beziehung” nennen, wenn man im Grunde nur ein paar Stunden zusammen gehabt hatte? Kit zögerte kurz, bevor er mit einem kleinen Nicken antwortete. Sie hatten definitiv etwas füreinander empfunden und er war sich sicher, dass sie eine richtige Beziehung geführt hätten, wenn sie mehr Zeit gehabt hätten. Aber nachdem Ari ihn jetzt schon ansah, als ob er vollkommen durchgedreht war, wollte er ungerne seinen Tod mit ihm diskutieren. Es war erstaunlich, dass Ari überhaupt noch hier stand und immer noch seine Hand hielt. Vielleicht hätte Kit doch einfach behaupten sollen, dass er high war. Wenn Ari die Träume nicht teilte, war das alles sowieso vollkommen sinnlos. Er war furchtbar süß, wenn er rot wurde.
      “Nein, schon gut”, winkte Kit vielleicht eine Spur zu panisch ab, als Ari praktisch anbot, seine Hose auszuziehen. Die Muttermale abzugleichen würde Kit nichts bringen und falls Ari immer noch nicht glauben würde, dass Kit ihn in seinen Träumen sah, hätte er keine Beweise mehr. Sein Shirt hatte Ari schon ausgezogen und mehr harte Gemeinsamkeiten zu seinem Traumselbst gab es kaum. Außerdem würde es wirklich wie ein furchtbar billiger Anmachspruch wirken, wenn er jetzt zustimmen würde, oder?
      “Kaffee und Handtuch klingt gut”, stimmte er zu und ließ Aries’ Hand etwas widerwillig los, damit er sich bewegen konnte. Durch das Handtuch konnte er wenigstens endlich seine Brillengläser trocknen.
      “Es tut mir leid”, setzte Kit an, während er sich mit dem Handtuch durch die Haare rubbelte. Es würde nicht viel bringen, er war immer noch tropfnass und der Regen draußen schien eh nicht aufhören zu wollen, aber wenigstens fühlte er sich minimal besser dadurch. “Ich hätte dir gar nichts von dem Traum erzählen sollen. Es- Das-” Er deutete kurz auf Aris Hand, die bis eben noch seine gehalten hatte. “Das hat sich wie flirten angefühlt und plötzlich hatte ich dieses Gefühl, dass ich dich anlügen würde, wenn ich es nicht erzähle. Ich kann gehen, wenn du willst. Ich würde dir das nicht übel nehmen.” Auch wenn Ari nicht besonders verängstigt aussah. Im Gegenteil, er war überraschend ruhig. Kit wollte nicht gehen. Er würde gehen, wenn Ari es wollte, aber es fühlte sich richtig an, bei ihm zu sein. Er hätte nicht nochmal zu ihm gehen sollen.
    • Oh, irgendwie hatte er nicht damit gerechnet, dass Kit ablehnen würde. Ari war voll und ganz bereit gewesen, sich auszuziehen, einfach nur um Kit in seinem Wahnsinn irgendwie entgegen zu kommen und ihn gleichzeitig hier zu behalten. Außerdem hatte er mit Kit geflirtet. Definitiv. Sonst hätte er ihn wohl garnicht erst mit zum Bus genommen.
      Ari riss sich aus seiner Starre und öffnete die Türe zum Bus, um aus einem kleinen Schrank zwei Handtücher zu schnappen und Kit eines zuzuwerfen. "Das muss dir nicht leid tun", sagte Ari während er sich die Haare trocknete. Er war verwirrt. Kit klang völlig klar, er hatte geleugnet, dass er high war, und er entschuldigte sich dafür, ihm von den Träumen erzählt zu haben, nicht dafür, etwas erfunden zu haben. Vielleicht hatte er eine Psychose? Es gab so etwas wie… Hellsehen und Zeitreisen und so, einfach nicht. Heute Mittag hatte er allerdings auch noch nichts erwähnt. Er hatte Ari nur angesprochen, weil er gedacht hatte, ihn zu kennen. Aber das konnte unmöglich sein, weil er von ihm geträumt hatte…
      Ari setzte sich im Bus an die kleine Sitzecke und stellte zwei Dosen auf den Tisch, dann winkte er Kit, sich zu ihm zu setzen. "Du musst nicht gehen. Und wehe du läufst nochmal weg" Er öffnete seine Dose und trank einen Schluck von dem Kaffee, den er eigentlich nur angeboten hatte, um Kit auszunüchtern. Er schien allerdings abgesehen von seinen Worten tatsächlich recht normal drauf zu sein, jetzt wo sie zumindest dimmes Licht hatten.
      Ari stellte seine Dose ab und schwieg, während er überlegte. Dann fasste er einen Entschluss. "Ich hab absolut mit dir geflirtet. Ich biete nicht jeder x-beliebigen Person an, meine Hose auszuziehen, damit sie meine Muttermale kontrollieren kann. Außer vielleicht meinem Hautarzt" Er schmunzelte nervös. "Hör mal, ich hab wirklich keine Ahnung, wovon du redest. Ich hab dich noch nie gesehen, bevor wir uns heute kennen gelernt haben. Aber wir verstehen uns gut, oder? Ich mag dich. Ich hab das Gefühl, ich muss dir das direkt sagen, damit du nicht wieder fliehst. Ich glaube weder an Schicksale, noch an Hellseher, oder an irgendetwas mystisches wie Träume, die etwas vorhersagen, aber…" Ari griff nach kurzem Zögern wieder nach Kits Hand auf dem Tisch. "Meinetwegen geb ich dem Ganzen eine Chance, wenn du so überzeugt davon bist. Ich will nur nicht, dass du wegläufst" Ari hielt seine Hand etwas fester. Er war sich nicht sicher, ob er erwähnen sollte, dass ihm der Gedanke, Kit nie wieder zu sehen, fast das Herz zerrissen hatte, obwohl sie sich eben erst so kurz kannten. Was auch merkwürdig war. Vielleicht war das Grund genug, um Kit ein wenig Vertrauen entgegen zu bringen, was diese Träume anging.
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    • Kit stieß ein kleines, panisch-überfordertes Lachen aus, als Ari wieder nach seiner Hand griff. Er klang, als ob er komplett high wäre und Ari hatte trotzdem noch mit ihm geflirtet? Er schien dezent Lebensmüde zu sein und hatte offensichtlich einen grausamen Männergeschmack. Das alles kam nach Kits nervösem Anfall fast aus dem Nichts. Ari war offenbar sogar bereit, ihrer Beziehung eine Chance zu geben. Kit starrte auf ihre verschränkten Hände auf dem Tisch und griff nach seinem Kaffee.
      “Ich weiß, dass es vollkommen verrückt klingt, aber ich möchte trotzdem nochmal betonen, dass das kein billiger Flirtversuch sein sollte”, erklärte er vorsichtig. Nur um sicher zu gehen, dass Ari das alles nicht nur sagte, um mitzuspielen, bis er Kit loswerden konnte, oder so. Er drückte kurz Aris Hand, während er überlegte, was er sagen sollte. Seine Gedanken schwammen ihm praktisch durch den Kopf. Unfertig und unsinnig.
      “Ich glaube ich hätte das Angebot mit der Hose deutlich leichter als Flirt wahrgenommen, wenn du dir nicht vor ein paar Stunden bereitwillig das Shirt ausgezogen hättest”, sagte er schließlich viel zu ernst. “Oder hast du da auch schon geflirtet? Es tut mir leid, ich bin furchtbar bei sowas. Ich…würde trotzdem gerne sehen, was sich hieraus entwickeln könnte.” Vielleicht würde er die Muttermale auf Aris Oberschenkeln eines Tages auf ganz… natürliche Weise abgleichen können. Vielleicht fanden sie auch heraus, dass sie doch zu viel geraucht hatten und eigentlich gar nicht aufeinander standen, sobald sie zurück im Alltag waren. Sein Traum war offenbar wirklich nicht mehr als ein furchtbar seltsamer Traum. Irgendwie hoffte er, dass Junipers Plan, Aris Freunde anzuflirten, einfacher lief, als das hier. Würden seine Träume aufhören, wenn er mit Aries zusammen war? Würde er ihn immer noch im Traum sterben sehen, aufwachen und neben ihm liegen? Kit hoffte, dass die Träume aufhörten. Aries weiterhin immer wieder sterben zu sehen wäre jetzt schlimmer, als vorher schon.
    • „Ich hoffe es doch, das würde nämlich ziemlich sicher bei niemandem funktionieren. Es ist eher unheimlich“, sagte Aries ehrlich. „Also, ich finde dich nicht unheimlich, aber ähm… reden wir einfach nicht mehr darüber“ Kit würde ihn so schnell nicht überzeugen können. Und was auch immer er glaubte, zu träumen, zu wissen und gesehen zu haben, war wahrscheinlich nichts weiter, als ein sehr ausführliches Déjà-vu.
      Ari blinzelte, als Kit sein Shirt ansprach. „Das war kein Flirt, ich hab dir mein Tattoo gezeigt…“, sagte er vollkommen ernst und zeigte nochmal auf seine Brust, wo das Tattoo gestochen war. „Zugegeben das mit der Hose war seltsam, aber was soll ich tun, wenn du so wirres Zeug redest“, murmelte er. Viel seltsamer war es, was Kit gesagt hatte, und dass er ihn plötzlich angetatscht hatte. Das hatte eben ein paar Sicherungen durchbrennen lassen. Jetzt waren sie beide bescheuert.
      „Äh… jedenfalls… ich will dir keine zu großen Hoffnungen machen, weil ich eigentlich nur Frauen gedated habe. Vielleicht ähm… fehlinterpretiere ich auch irgendetwas, aber du scheinst ja mit deinen Träumen eh schon ziemlich tief drin zu stecken, also schreckt dich das nicht ab, oder?“ Er lächelte unsicher. Eigentlich war er sich relativ sicher, dass er nichts fehlinterpretierte. Er war, bis zu Kits psychotischem Gerede, ziemlich angeturnt gewesen. Kit war heiß, und auch wenn Ari sich das ab und zu schon objektiv bei Männern hatte denken können, hatte er nicht das Verlangen gehabt, ihnen näher zu kommen. Er wollte auf jeden Fall den Abstand zwischen ihnen auf ein Minimum verringern. Deshalb war ihm vermutlich auch das mit der Hose so rausgerutscht.
      „Ich fände es aber so oder so gut, dich wiederzusehen. Ich mag den Gedanken nicht, dich in der Menge zu verlieren“, murmelte er. Er strich weiterhin mit dem Daumen über Kits Hand, und wenn er nicht so verdammt verwirrt wäre, hätte er wohl längst einen Schritt weiter gemacht. Wahrscheinlich war es ganz gut, dass sie zuerst darüber redeten. So riskierten sie vielleicht weniger, sich später doch nie wieder zu sehen. Ari wollte alles dafür tun, dass es dazu nicht kam. Selbst wenn er dafür ab sofort mit Tarotkarten und Fake-Visionen klarkommen musste.
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    • "Das macht mir nichts aus. Wir richten uns einfach nach deinem Tempo." Kit lächelte - hoffentlich - aufmunternd. Dass Ari vorher noch nie eine Beziehung mit einem Mann gehabt hatte war wirklich das aller kleinste all ihrer Probleme. Sie mussten nichts überstürzen, wenn Ari es nicht wollte. Sie hatten Zeit und Kit war alles egal, solange Ari bei ihm war. Er hatte nur nicht damit gerechnet, das Festival mit einem Date zu beenden. Mit einem Date mit einem Mann, von dem er seit Jahren träumte. Vielleicht war das hier auch alles nur ein Traum. Vielleicht würde er gleich aufwachen und Juniper würde ihm sagen, dass sie langsam los zum Festival mussten. Oder er war doch richtig, richtig high und bildete sich das hier alles nur ein.
      "Ich habe nicht vor zu verschwinden", beschwichtigte Kit ihn sanft. Er überlegte kurz, Ari von diesem Gefühl zu erzählen, dass ihn wieder und wieder zu ihm hin zog, entschied sich allerdings dagegen. Die Sache mit seinem Traum war schon schräg genug gewesen, er musste nicht testen, wo Ari die Grenze zog und einfach ging. Vielleicht würde er ihm das irgendwann mal erzählen, wenn es romantisch und nicht noch gruseliger klingen würde.
      "Was hattest du nach dem Festival vor?", fragte er nach einer kurzen Pause, in der er auf ihre Hände geschaut hatte. Ari löste langsam aber sicher eine kleine Gänsehaut bei ihm aus. Er wusste nicht, wie er die Nacht ohne ihn überstehen sollte. Er musste so viel in seinem Kopf sortieren. "Hast du direkt Zeit für ein Date, oder musst du wieder den Nachbarsjungen babysitten?" Der Regen prasselte über ihnen aufs Dach und verschluckte den Lärm des Festivals. Eigentlich war es im Bus seltsam gemütlich. Er könnte für immer mit Ari hier sitzenbeiben. Aber leider mussten sie wohl früher oder später zurück zum Rest von Aris Band.
      "Nimmst du öfters Fans mit in den Bus, oder machen sich deine Band-Kollegen Sorgen, wenn sie zu lange nichts von dir hören?"
    • Er hatte nicht vor zu verschwinden. Gut. Aries war sich sicher, dass er das nicht aushalten würde. Vielleicht hatten sie etwas zu sehr geklickt, für die kurze Zeit, in der sie sich kannten, oder vielleicht hing Ari so an ihm, weil er sich bisher noch nie für einen Mann interessiert hatte. Wer wusste schon, ob das nochmal passierte? Er wollte das hier auf jeden Fall ausreizen, so weit er konnte. Er wollte wissen, wieso Kit so einen magnetisierenden Effekt auf ihn hatte.
      Ari grinste, als Kit seine Chance ergriff und sofort nach einem Date fragte. Richtig, so fing man normalerweise an. "Ich hab zwei Tage frei", antwortete Ari und war seinem vergangenen Selbst gerade unglaublich dankbar dafür, dass er diesen Mini-Urlaub eingeplant hatte. "Und ich nehme nie jemanden mit in den Bus" Er sah Kit einen Moment lang schweigend an.
      "Die anderen werden sich nach dem Essen definitiv zudröhnen und feiern. Das können wir auch machen, wenn du willst" Oder… "Ich denke, das wird die ganze Nacht so gehen. Keiner wird zurück zum Bus kommen, um zu schlafen. Und, naja, schlimmstenfalls haben wir ein Vorzelt" Die Worte rollten ihm von der Zunge, ohne dass Ari eimal kurz stoppte um darüber nachzudenken.
      "Außerdem lässt sich die Tür von innen absperren", murmelte er. "Also können wir hier sitzen, so lange wir wollen. Wenn deine Freunde dich nicht vermissen" Ari wandte wieder den Blick ab und sah auf ihre Hände. Es war viel zu warm im Bus, obwohl ein paar Fenster gekippt waren und die frische Regenluft hereinließen. Obwohl Ari klatschnass war, war ihm heiß. Ihm war nach irgendetwas stärkerem als Gras oder Bier. Vielleicht ließ sich diese Atmosphäre dann besser aushalten. Diese leicht erdrückende… elektrisierte Atmosphäre.
      Ari schielte zu Kit hoch. Es war vollkommen bescheuert, wie gut er gerade aussah, und wie perfekt die Stimmung zwischen ihnen war. Nach allem worüber sie eben gesprochen hatten, sollte das nicht einmal möglich sein. Er verlor den Verstand.
      "Du hast von heute Mittag keinen Sonnenbrand, oder?", fragte er leise und starrte Kits Hals an, den Kragen seines T-Shirts und die Falten, die es warf.
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    • “Ich glaube, meine Freunde sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich Sorgen um mich zu machen.” Kit war sowieso den Großteil des Tages verschwunden gewesen. Wahrscheinlich konnten sie sich ziemlich gut denken, wo er war. Juniper hatte ihn ja praktisch in Aris Arme geschoben. Obwohl Juniper wahrscheinlich genau so verschwunden sein würde, wie er. Worüber er viel lieber nachdachte, als über die nun doch ziemlich offensichtlichen Andeutungen, die Aries machte. Zumindest war er sich ziemlich sicher, dass er nicht die Tür abschließen wollen würde, damit sie ungestört reden konnten.
      “Wir könnten was Essen gehen, oder ins Kino, oder so”, schlug Kit vor, bemüht, zumindest ein bisschen Normalität in ihre Beziehung zu bringen. Das ging alles viel zu schnell und es irritierte Kit, dass ihn das selbst irgendwie kaum störte. Er brauchte normalerweise viel länger, um einer anderen Person nah zu kommen - Ari konnte nach den wenigen Stunden, die sich jetzt kannten, alles von ihm haben, was er wollte. Wahrscheinlich, weil er das Gefühl hatte, ihn durch seinen seltsamen Traum viel länger zu kennen. Natürlich, die Umstände waren andere, die Zeit vollkommen unterschiedlich, aber der Ari, der vor ihm saß und ihn ansah, als ob er ihn anspringen wollte, war durch und durch wie der Ari aus seinem Traum.
      “Nein, ich habe keinen Sonnenbrand.” Kit zögerte kurz. Er hatte eine ungefähre Ahnung, was Ari wollte. Er wusste genau, was er selbst wollte. Aber er hatte gerade erst ziemlich wirr über seine Träume geredet und irgendwie passte das alles nicht zusammen. “Willst du dich selbst davon überzeugen?”, fragte er trotzdem, während seine Finger zum Saum seines Shirts wanderten. Er wusste nicht ganz, was er fühlte. Irgendwie war alles furchtbar durcheinander. Es war irritierend, dass Ari noch nicht schreiend weggelaufen war und zeitgleich ließ sein Blick Kits Herz schneller schlagen. Es war berauschend. Er fühlte sich fast wieder high. “Wie sieht es mit dir aus? Hat die Sonnencreme geholfen?”
    • „Ich liebe es, ins Kino zu gehen. Lass uns das machen“, sagte Ari und seine Augen leuchteten für einen Augenblick begeistert auf. Filme waren beinahe so schön, wie selbst irgendwo hin zu reisen. Aber auch das hatte er mit Kit vor. Wobei er gerade das Gefühl hatte, dass er ausnahmsweise überall zufrieden sein konnte, solange Kit dabei war. Seltsam.
      „Ich bin aber noch das ganze Wochenende hier, also… können wir uns auch zusammen die anderen Konzerte ansehen und…“ Ari zögerte bevor er nickte. „Vielleicht siehst du den Sonnenbrand einfach nicht…“, murmelte er. Er hatte nichts dagegen, Sonnenbrandinspektor zu spielen, um seine Hände eimal über Kits Haut gleiten zu lassen.
      Er schluckte, als Kit tatsächlich sein nasses Shirt auszog, das bis zuletzt an ihm klebte und schließlich mit einem klatschenden Geräusch neben ihm auf der kleinen Bank landete.
      Aris Augen wanderten über seinen Oberkörper, bevor sie wieder in Kits Gesicht ankamen. „Ich bin mir nicht sicher, hab nicht mehr nachgesehen“, antwortete er leise, und anstatt sein Shirt auszuziehen, stand er zuerst auf. Er machte einen Schritt um den Tisch herum und stellte sich vor den Rothaarigen. Er legte ihm die Hände auf seine von der Nässe abgekühlten Schultern.
      „Sieht okay aus“, schmunzelte er. Er lehnte sich vor, um über Kits Schulter einen Blick auf dessen Rücken zu werfen. „Vielleicht ein bisschen rot“ Er ließ seine Hände etwas über Kits Schultern streichen bevor er sie ihm an die Wangen legte und sein Gesicht etwas mehr zu sich hochdrehte.
      „Ich mag deine Sommersprossen. Werden die mehr, in der Sonne?“, murmelte er und strich mit dem Daumen von Kits Nase zu seiner Wange, wo die Sommersprossen am konzentriertesten waren. Ari hatte das Gefühl, sich jeden Moment auf Kit stürzen zu können, aber er hatte keine Ahnung, woher es kam. Für ihn verschwand gerade die komplette Welt um sie herum, solange er seine Hände an Kit hatte. So sehr, wie er seine Hand halten wollte, ihn berühren wollte, war es, als hätte er das bereits geahnt. Dass er sich auf einmal völlig geerdet fühlen würde. Einfach, als wäre er am richtigen Ort. Zum ersten Mal.
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    • "Das musst du selbst rausfinden", antwortete Kit, als Ari seine Sommersprossen ansprach. Er hatte es selbstbewusst sagen wollen, aber seine Stimme war ein wenig zu leise dafür. Aris Nähe machte ihn vollkommen atemlos. Jede kleine Berührung fühlte sich wie ein Feuerwerk auf deiner Haut an. Vollkommen richtig und perfekt und immer noch so seltsam vertraut, dass er gar nicht glauben konnte, dass Ari und er sich praktisch nicht kannten. Er legte eine Hand auf Aris, die immer noch an seiner Wange lag und drehte den Kopf leicht zur Seite, um ihm einen Kuss auf die Pulsadern zu geben.
      "Was für Filme schaust du am liebsten?", fragte er, während er beide Hände an Aries' Hüften legte und ihn sanft etwas näher zu sich zog, so dass sich ihre Knie fast berührten. Ein kleiner Ruck und Ari würde auf seinem Schoß sitzen. Der Gedanke, ihn in Zukunft jederzeit sehen zu können, kam Kit immer unwirklicher vor. Irgendwie hatte er alle drei Minuten die selbe plötzliche Erkenntnis, dass Ari real war und nicht nur in seinen Träumen existierte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass Ari sich in Luft auflösen würde, wenn er ihn loslassen würde. Aber er war echt. Er stand hier und flirtete mit ihm. Kit gab sich selbst einen kleinen Ruck und zog Ari auf seinen Schoß. Sie hatten in dem engen Bus nicht so viel Platz, wie ihm lieb wäre, aber es passte schon irgendwie. Er schlang einen Arm um Aris Hüften um ihn zu stabilisieren, während seine freie Hand an Aris Wange wanderte. Ohne das nasskalte Shirt war ihm furchtbar warm, was zum Teil wohl auch an der Nähe des unfassbar heißen Sängers auf seinem Schoß lag.
      "Sag Bescheid, wenn dir das alles zu schnell geht, oder ich zu weit gehe", murmelte er, lehnte sich ein wenig nach vorne und küsste ihn vorsichtig. Aris Lippen fühlten sich fantastisch an. Genau so, wie sie es im Traum getan hatten. Warm und weich. Ihn zu küssen fühlte sich an, wie das letzte Teil eines Puzzles, das endlich an den richtigen Platz rutschte.
    • Ari schmunzelte. „Okay. Meinetwegen stehen wir morgen ein bisschen in der Sonne rum, und ich schaue live dabei zu…“ Schon wieder. Er hatte das Gefühl, mit Kit ständig herumscherzen zu können, ohne dass die Stimmung sich änderte. Wenn sie beide mal richtig locker waren, hatten sie bestimmt verdammt viel Spaß. Das mit dem Urlaub… wurde immer mehr zu einem fixen Plan in Aris Kopf.
      „Ah…“, Ari entkam ein seltsames Geräusch, weil er gerade auf Kits Frage antworten wollte, als dieser ihn zu sich zog. Das war heiß. Er konnte ihn ruhig noch fester greifen. Ari entdeckte gerade irgendwie eine neue Seite an sich.
      „Ich hab… letztes Jahr Planet der Affen gesehen, der war mal was Neues… Und Rosemary‘s Baby… Ich steh eigentlich nicht so auf Horror, aber der war trotzdem gut-“ Ari konnte seinen Satz nicht beenden, weil Kit ihn mit seinem plötzlichen Manöver überraschte. Ari stolperte etwas vorwärts, als er an ihm zog, und endete auf Kits Schoß. Hatte Kit seine Gedanken vorhin gehört?
      Ari fühlte sein Gesicht brennend heiß werden, was einzig und allein der Überraschung geschuldet war. Vermutlich. Vielleicht auch ein wenig der Tatsache, dass er mit gespreizten Beinen auf Kits Schoß saß, er kein Shirt trug, und Ari trotzdem derjenige war, der sich seltsam entblößt fühlte.
      „Uhm-“ Kit legte so schnell den Arm um ihn und kam seinem Gesicht näher, dass Ari garkeine Gelegenheit hatte, einen Gedanken zuende zu denken. Was…
      … völlig okay war. Ihm hätte mal früher jemand sagen sollen, dass sich ein Kuss so gut anfühlen konnte. Konnte Kit ihn noch ein wenig fester halten? Ari liebte es, wieviel Wärme er ausstrahlte. Er presste sich etwas näher an Kit, nur einige Sekunden in den Kuss hinein. Er brauchte überhaupt nicht zu denken, oder Zeit um zu reagieren. Er fühlte sich wie in einem Strudel, der ihn einsaugte.
      „Mmh…“ Ari öffnete seine Lippen leicht, um den Kuss inniger werden zu lassen. Seine Hände schoben sich beinahe automatisch in Kits Nacken und seine nassen Strähnen hinein. Er spürte seine warme Haut an seinen Armen und hatte das Verlangen, sein Shirt auszuziehen, um mehr von ihm zu spüren. Wahrscheinlich sollte er sich Sorgen machen, dass ein lausiger Kuss ihn so von der Rolle brachte.
      „Mh… warte. Warte“, murmelte er und wand sich aus dem Kuss. Er griff bereits nach dem Stoff seines Shirts, als er stockte und sagte: „Mir ist heiß. Sorry. Kann ich das ausziehen?“
      Er hatte das Gefühl, dass es reine Gewohnheit war, die diese Frage einsetzen ließ. Er wollte Kit nicht damit überfordern, dass sie am Ende beide keine Klamotten mehr trugen. Sich ungefragt auszuziehen kam ihm irgendwie anstandslos vor, wenn sie mehr, als Freunde waren. Als er Kit sein Tattoo gezeigt hatte, war Ari der Gedanke noch nicht gekommen. Aber nachdem sie es langsam angingen… oder was auch immer… sollte er wahrscheinlich erst fragen, oder? Sie kannten sich schließlich erst seit heute, also hatte Kit das vorhin unmöglich nur wegen Ari gesagt, oder? Wenn es wirklich nur nach Ari ging… hatte er knappe fünf Minuten gebraucht, um herauszufinden, dass er absolut kein Problem damit hatte, Männer zu daten, wie es aussah. Und er hatte anscheinend auch kein Problem damit, auf dem Schoß von einem zu sitzen und jegliche Führung abzugeben. Man lernte immer was Neues.
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    • Neu

      Es war vollkommen schräg - Kit ging nochmal durch den Kopf, dass nichts hiervon in irgendeiner Weise geplant, oder vorhersehbar gewesen war. Er war mit Freunden auf ein Festival gegangen und hatte dort vollkommen zufällig seinen wortwörtlichen Traummann gefunden. Kein One Night Stand, an das man sich eine Woche später kaum noch erinnern würde, sondern eine richtige Beziehung mit Dates und allem was dazugehörte.
      Sie könnten ruhig den restlichen Abend genau so verbringen. Ari hatte ja schon selbst angemerkt, dass seine Freunde auch im Vorzelt schlafen könnten. Hauptsache, Kit müsste den jungen Mann in seinen Armen nie mehr loslassen. Er strich mit einer Hand über seinen Rücken hoch bis zu seinen Haaren, während der andere Arm ihn immer noch stützte und öffnete leicht seine Lippen, als Ari es tat, bis dieser den Kuss unterbrach. Für einen schrecklichen Moment hatte Kit Angst, zu weit gegangen zu sein, auch, wenn Ari zu enthusiastisch war, als dass dies der Fall sein könnte, dann realisierte er, wo Aris Hände hinwanderten.
      "Natürlich", antwortete er. "Womit auch immer du dich wohl fühlst." Kit lehnte sich ein wenig zurück, um Ari mehr Raum zu geben, während er ihm half, das nasse Shirt aus zu ziehen. Alles klebte und es landete mit einem ziemlich nassen Geräusch auf dem Boden, aber irgendwie machte es das fast besser. Es war nicht ganz perfekt. Seine Hose klebte bei jeder Bewegung an der Bank fest, er konnte nicht so leicht über Aris Haut streichen, wie er wollte und ihre Haare waren nass, aber dadurch fühlte sich alles irgendwie auch realer an.
      "Noch alles okay?", fragte er, während er mit einem Finger über die Linien von Aris Tattoo strich. Ari hatte ihm noch keinen Grund dazu gegeben zu denken, dass er eine Grenze überschritten hatte, aber zwischendurch kurz nachzufragen kam ihm trotzdem sinnvoll vor. Nicht, dass Ari morgen doch irgendwas hiervon bereuen würde, egal, wie weit sie noch gehen würden. Sie kannten sich immerhin erst ein paar Stunden und der Kuss war eigentlich schon mehr, als Kit aus anderen ersten Treffen gewohnt war - auch, wenn er nicht genug erste Dates gehabt hatte, als dass seine Erfahrungen in der Hinsicht irgendwie aussagekräftig waren.
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      Womit er sich wohl fühlte… Eigentlich hatte Ari darüber bisher kaum nachgedacht. Womit er sich wohl fühlte? Er hatte ein paar oberflächliche Beziehungen mit Mädchen geführt, hauptsächlich in der Schule, und später kurze Begegnungen mit den wenigen Fangirls, auf die sie bei ihren kleineren Auftritten gestoßen waren. Er hatte sich damit sehr wohl gefühlt. Eigentlich hatte er sowieso nie das Bedürfnis gehabt, eine sehr… tiefgründige Beziehung mit jemandem zu führen, auf lange Zeit.
      Aber Ari mochte Kit, er wollte mit ihm Pläne machen, Zeit mit ihm verbringen, und ihn kennenlernen. Und außerdem fühlte er extrem zu ihm hingezogen. Wahrscheinlich gab es selbst jetzt nichts, mit dem er sich nicht wohl fühlen würde. Obwohl er so etwas noch nie erlebt hatte. Vermutlich wurde es einfach Zeit. Er war zwanzig und noch nie richtig verknallt gewesen. Im Nachhinein betrachtet waren ihm selbst seine Exfreundinnen in der Schule nicht besonders wichtig gewesen. Zumindest hatte sich nichts je so gut angefühlt, wie mit Kit, den er seit ein paar Stunden kannte. Lag es daran, dass er ein Mann war? Wahrscheinlich war Ari mit seinem eigenen Geschlecht einfach mehr auf einer Wellenlänge. Damit konnte er leben. Hauptsache es war Kit, und nicht sonst irgendjemand.
      Endlich sein nasses T-Shirt los zu sein und gleichzeitig mit diesen Gedanken abgeschlossen zu haben, ließ ihn nur ein knappes, freudiges "Mhm" summen, als Kits Hände anfingen über seine Brust zu streichen. Er schlang die Arme wieder um Kits Hals und küsste ihn von sich aus. Er hatte nicht vor, sich tatenlos abknutschen zu lassen und keine Initiativen zu ergreifen. Ehrlich gesagt fühlte er sich so euphorisch von dieser neuen Erfahrung, dass er sich nur knapp davon abhielt, etwas zu überstürzen. Allerdings musste er auf einmal etwas lachen.
      "Das ist so stereotyp, dass es wieder richtig witzig ist", lachte er und unterbrach zwangsweise die Küsse. "Ich meine, nicht der Teil mit den Träumen oder den Dates, aber nach einem Auftritt im Tourbus rumzumachen. Hey Groupie, du kriegst später noch ein signiertes Shirt von mir, lass mich das nicht vergessen" Er grinste keck und warf sich instinktiv wieder in den nächsten Kuss. Vielleicht konnte Kit auch einfach nur richtig gut küssen, oder Ari war selbst high und betrunken, oder er war zu aufgedreht nach seinem Auftritt, aber er fühlte sich wirklich verdammt gut. Seltsam aufgeladen. Vielleicht hatte Kit eine Superkraft die über visionäre Träume hinaus ging.
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