Schlägt dein Herz noch? [Yumia & Shio]

    • Liam Davis

      Ich versuchte sie nicht anzusehen. Sie war bildschön. Ja das war sie und klug noch dazu. Doch es fiel mir sehr schwer. Zumal sie nur ein paar Zentimeter neben mir auf der Schaukel sahs und fröhlich hin und her wippte. Ob dieses Mädchen auch so viele Sorgen und Ängste hatte wie ich? Nein sie schien perfekt zu sein. Makellos. Genau so wie ich es auch sein wollte. Doch ich war es nie und werde es auch nie sein.
      "Es freut mich das dir meine Party gefällt, auch wenn ich gerne mal ein Wochenende frei gehabt hätte, ohne das so viele Menschen um mich herum sind. Ich genieße auch gerne einfach die Ruhe. Deswegen flüchte ich hierher. Hier der Platz ist für andere tabu. Du bist da heute eine Ausnahme." Ich lächelte vor mich hin. "Wenn es dich nicht stört." Ich zog eine Zigarette aus meiner Hosentasche und zündete sie mir an. Ich brauchte die Zigaretten um meine Nerven zu beruhigen.
      Ja sie machte mich nervös. Das tat sie schon bei unserer ersten Begegnung.
      Das sie so von meiner Party schwärmte, obwohl sie lieber hier mit mir sahs und dem Treiben in der Ferne nur geringe Beachtung schenkte, sprach für sich.
      "Ob ich das gerne mache? In der Regel schon. Aber wenn diese Hannah nicht ständig mit ihrer Truppe irgendwelche Einladungen auf meinen Namen in der Schule umherschickt, dann würde ich mir auch mal viel Zeit für eine Planung nehmen und nicht eine Woche vorher. Neben der Schule ist das immer sehr schwer für mich.. Ich bin oft alleine weißt du..." Mein Blick ging zu ihr. Sie sah mich sanft und traurig zu gleich an. "Nein schon gut.. ich bin gerne alleine.." Auch wenn das eine Lüge war. Wie oft habe ich mir gewünscht das meine Eltern zu Hause wären und Zeit für mich hätten.. Doch der Tag wird wohl nie kommen. Sie nehmen ihre Arbeit noch mit ins Grab.
      "Wie sieht es mit dir aus. Was machst du gerne?"
    • Cielle

      Es fühlte sich beinahe seltsam an, ihn so offen und so viel reden zu hören. Wenn ich daran dachte, wie er sich mir gegenüber bisher verhalten hatte, war das hier eine überraschend große Veränderung. Und zwar eine positive. Ich hoffte sehr, dass diese Offenheit nicht einfach so wieder verschwinden würde. In diesem Moment wirkte er viel zugänglicher und angenehmer als sonst, fast so, als würde eine Seite von ihm sichtbar werden, die er normalerweise gut vor der Welt versteckte.
      Dass er diesen Ort tatsächlich genoss, überraschte mich. Für jemanden, der ständig Partys veranstaltete und immer von Menschen umgeben war, war Ruhe doch etwas, das man bei ihm am wenigsten erwartete. Meine Augen weiteten sich leicht, als er sagte, dass genau dieses Baumhaus sein persönlicher Rückzugsort war. Ein kurzer Impuls sagte mir, dass ich aufstehen und verschwinden sollte. Ich wollte nicht ausgerechnet den Ort stören, den er als seinen Zufluchtsort betrachtete. Doch anders als ich befürchtet hatte, schien ihn meine Anwesenheit nicht aus der Ruhe zu bringen. Vielleicht störte es ihn viel weniger, als ich es mir ausmalte.
      Als er leicht lächelte, blieb mir für einen kurzen Moment der Atem stehen. Es war kein aufgesetztes oder spöttisches Lächeln, sondern ein weiches, beinahe seltenes. Erst viel später realisierte ich, was er mit dem Stören eigentlich gemeint hatte. Mich irritierte es zwar, dass er rauchte, doch ich war in keiner Position, ihm deswegen eine Predigt zu halten, schon gar nicht hier in seinem eigenen Zuhause, an dem Ort, an dem er zur Ruhe kam. Also schwieg ich lieber und ließ den Moment so stehen.
      Wenig später erfuhr ich, dass die Idee für diese Party gar nicht von ihm stammte, sondern von Hannah. Verwundert neigte ich meinen Kopf leicht zur Seite. Dass er eigentlich viel lieber allein war, überraschte mich ebenfalls, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob ich es ihm ganz glaubte. Er passte nicht in das typische Bild eines Einzelgängers, doch vielleicht sagte das Bild, das man nach außen zeigte, nicht viel darüber aus, wie man sich wirklich fühlte.
      Auf seine Gegenfrage hin richtete ich meinen Blick wieder nach vorn und wippte weiterhin leicht mit den Füßen. „Das Übliche, denke ich. Lesen, ein bisschen Zeit für mich selbst haben. Manchmal brauche ich auch einfach meine Ruhe“, antwortete ich und zuckte mit den Schultern. Viel gab es über mich wirklich nicht zu erzählen. Ich verstand bis heute nicht, warum so viele Leute mich kannten und weshalb ich immer wieder zu allen möglichen Veranstaltungen eingeladen wurde. Ich tat schließlich nichts Besonderes.
      Meine Gedanken ließen mich jedoch nicht los, und schließlich musste ich die Frage aussprechen, die mir schon länger im Kopf lag. „Aber warum lehnst du Hannahs Einladungen nicht einfach ab? Du könntest doch deutlich sagen, dass keine Party stattfinden soll.“ Ich konnte mir nicht erklären, warum er das scheinbar einfach über sich ergehen ließ.
      „Wenn du keine Lust hast, dann hast du eben keine Lust. Oder Zeit“, murmelte ich leise und warf ihm einen vorsichtigen Blick zu, nicht sicher, wie er darauf reagieren würde. Vielleicht war ich zu direkt gewesen, aber ich wusste, dass sie nie von selbst damit aufhören würde, wenn er ihr nichts entgegensetzte.
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    • Liam Davis

      Einfach und schlicht. Das war sie in meinen Augen. Sie brauchte nicht viel um glücklich zu sein und das machte sie mir noch sympathischer als sie es eh schon war.
      "Mit der Ruhe sind wir ja dann schon zwei." Ich lies meinen Blick kurz zu ihr schweifen und lächelte zaghaft. Wieder zog ich an meiner Zigarette und blies den Rauch in den sternenklaren Nachthimmel.
      Ihre nächste Frage lies mich wieder auf den Boden der Tatsachen bringen und ich setzte meine Maske wieder auf.
      "Wenn es nur so einfach wäre." Mein Blick wurde ernster und ich krallte meine Finger in die Strippen der Schaukel. Hannah war ein Thema worüber ich nicht gerne sprechen wollte. Ich kann nur eines sagen und das war das sie mich im Griff hatte.
      Ich kann mich einfach nicht von ihren Fesseln lösen.. Sie ist wie eine Schlange, dessen Gift sich immer wieder in mich reinbohrt.
      "Sie versucht mich mit allen Mitteln rumzubekommen. Doch sie weiß das sie keine Chance bei mir hat. Denn ich habe.." Mein Blick ging automatisch zu Cielle und in ihre strahlenden Augen. "Ach vergiss es." Ich biss mir auf die Lippe. Es fühlte sich falsch an zu behaupten ich würde bei ihrer Nähe schwach werden, das meine Knie weich werden und das sie mein kleines krankes Herz zum Schlagen bringt. Doch ich konnte und durfte nicht. Wenn sie mich nur nicht so ansehen würde.. Cielle,....
      Niemals würde Hannah erlauben das ich Gefühle für ein anderes Mädchen entwickle. Sie würde mich ihren Zorn spüren lassen und mich auf ewig verfolgen.
      "Hannah ist einfach Hannah. Sie führt sich auf wie eine Prinzessin und ist es auch. Ich möchte keinen Stress haben, auch wenn ich öfters die Partys einfach abblasen würde. Doch ich kann nicht.." Ich lächelte sie wieder an. "Ich weiß das klingt komisch oder? Vielleicht bin ich das auch." Ich stand von der Schaukel auf und warf den Zigarettenstummel in den Müll.
      Ich ging zurück und lehnte mich an den Baum. "Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest ich möchte noch ein paar Minuten alleine sein."
      Nachdem sie weggegangen war, konnte ich wieder freier Atmen und ich kletterte nach oben in das Baumhaus. Ich zog eine Kiste aus einem Versteck heraus und stellte sie neben mich auf den Boden. Dort drin befanden sich kleine bunte Pillen. Ich schnappte mir zwei mit einem lächelnden Smiley und warf sie mir in den Mund und trank einen großen Schluck von meinem Bier.
      Ich konsumiere nicht oft, doch heute Abend brauchte ich es wieder. Denn ich musste diese Party überstehen und wollte meinen Kopf ausschalten.
      Also räumte ich den Karton wieder weg, kletterte nach unten und warf mich ins Getümmel.
    • Cielle

      Ich verstand noch immer nicht, wie es möglich war, dass ein einziges Mädchen so viel Einfluss auf ihn haben konnte. Hatte sie etwas über Liam herausgefunden und nutzte dieses Wissen, um ihn zu manipulieren? Etliche Fragen schwirrten mir durch den Kopf, doch er hatte mir keine wirkliche Antwort gegeben. Und genau das beunruhigte mich. Doch wer war ich schon. Wir kannten uns kaum, hatten nie wirklich Zeit miteinander verbracht, und es war nur logisch, dass er mir nichts so Persönliches anvertrauen würde. Trotzdem ergaben seine Worte für mich keinen wirklichen Sinn. Es wirkte, als wolle er nicht weiter darauf eingehen, als müsse ich das Gesagte einfach hinnehmen, ohne weitere Erklärungen zu erwarten.
      Neugierig blieb ich dennoch. Ich fragte mich, ob er es mir jemals sagen würde. Auf eine seltsame Art kam er mir merkwürdig vor, schwer greifbar und widersprüchlich. Als er den Ort schließlich verließ, blieb mir nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. Ich versuchte mich damit zu trösten, dass dieses kurze Gespräch immerhin das längste war, das wir je miteinander geführt hatten. Und es war ein normales Gespräch gewesen, etwas, das sich beinahe vertraut angefühlt hatte.
      Schließlich kehrte ich zu meinen Freundinnen zurück. Jemand drückte mir einen Becher in die Hand, den ich dankend annahm, ohne wirklich daraus zu trinken. Irgendwann schüttete ich das Getränk unauffällig weg und tat so, als hätte ich es längst geleert. Immer wieder ließ ich meinrn Blick über die Menge schweifen, in der Hoffnung, Liam noch einmal zu entdecken und vielleicht ein weiteres Gespräch mit ihm führen zu können.
      Doch die Party war inzwischen in vollem Gange. Die Menschen drängten sich dicht an dicht, ließen kaum Raum zum Bewegen, und die wechselnden Lichtstrahlen erschwerten es, Gesichter klar zu erkennen. Trotzdem versuchte ich, den Moment zu genießen und mich von der Stimmung mitreißen zu lassen, auch wenn meine Gedanken immer wieder zu ihm zurückwanderten. Ob ich ein Auge auf Hannah halten sollte? Wobei nicht ein einmal genau wusste, ob ich mich in diesem Angelegenheit mischen sollte.
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    • Liam Davis

      Ich trank ein Bier nach den anderen und lies mich mitreißen. Die Pillen erfüllten ihren Zweck und ich war ein anderer Mensch. Ich heizte die Stimmung weiter auf und tanzte mit ein paar Mädels am Pool. Ich sah einiges verschwommen, aber das war mir egal. ich tanze und jubelte was das Zeug hielt. Bis Brian und Vivi mich zu sich ran zogen. "Da bist du ja endlich wieder! Du glaubst gar nicht was für Sorgen wir uns gemacht haben!" Vivi sah mich ganz verzweifelt an. Ich schwankte und nippte an meinem Bier. "Alles easy. Mir gehts suuuuuuppppppeeer!" Ich riss die Arme nach oben, was die restlichen Leute auch machten. Brian sah Vivi an. "Du bist nicht ganz du selbst. Sag mir bitte nicht das du wieder was genommen hast?" Ich zuckte mit den Schultern. "Wir sollten rein gehen und dich nüchtern machen." Brian zog an meinen Arm, doch ich riss mich wieder los. "Nein die Party fängt doch erst gerade richtig an!" Ich stürzte mich wieder ins Geschehen und war außer Kontrolle. "Was machen wir denn jetzt?" Vivi zog an Brian´s Hemd. "Wir sollten das Mädchen aufsuchen." "Cielle? Okay." "Ja vielleicht weiß sie was mit ihm los ist." Die beiden machten sich auf die Suche nach ihr. Während ich mir das Hemd vom Laib riss und mich in den Pool stürzte. Andere machten es mir nach. Die Abkühlung tat gut und lies mich für einen Moment wieder klarer denken, doch das wollte ich nicht. Ich lies mich auf den Rücken treiben und schloss die Augen.
      Vivi und Brain bannten sich den den Weg durch die Menge bis sie die schwarzhaarige fanden.
      "Cielle? Entschuldige aber können wir dich kurz sprechen?" Vivi zog sie sanft von ihrer Gruppe weg an einen Ort wo es nicht ganz so laut war.
      "Tut mir leid das wir dich so überfallen, aber es geht um Liam. Er ist nicht ganz bei Sinnen und wir wollten wissen ob irgendwas zwischen euch vorgefallen ist?" "Sag es doch frei raus. Wir denken er steht wieder unter Drogen.."
      Vivi biss sich auf die Lippe und Brian schüttelte den Kopf.
      Ich trieb weiter auf dem Wasser und schwamm dann nach ein paar Minuten wieder an den Beckenrand und setzte mich hin.
      Wieder reichte man mir ein Bier und langsam eskalierte die Sache. Klamotten fielen und die Leute sprangen nackt in den Pool und trieben es wild miteinander. Alles verschwamm vor meinem Auge. Bis sich jemand von hinten an mich drückte. "Na genießt du die Party?" "Hannah.." "Wie wäre es? Der alten Zeiten wegen?" Ohne das ich antworten konnte, küsste sie mich innig und drückte mich zu Boden.
      "Mhhhm hab ich das vermisst." Ihre Hand ging über meine Badehose. "Genau wie das." Sie leckte sich über die Lippen. Ich windete mich unter ihr. "Lass das.." Ich versuchte sie von mir zu stoßen, doch mein Körper füllte sich an wie Beton.
      "Ach komm schon. ich will meinen Honeyboy wieder spüren."
      Ich versuchte sie mit aller Kraft wegzustoßen aber es gelang mir nicht. "Geh bitte einfach...Lass mich in Ruhe!"
    • Ich versuchte mein Bestes, mich von der Stimmung mitreißen zu lassen. Es funktionierte nur halbwegs, aber immerhin gelang es mir, meine Gedanken nicht ständig zu Liam abschweifen zu lassen. Gerade als ich anfangen wollte, mit meiner Freundin zu tanzen, bemerkte ich zwei leicht bekannte Gestalten, die direkt auf mich zukamen.
      Es waren Mitschüler, die ich schon öfter in Liams Nähe gesehen hatte. Vermutlich seine Freunde. Sie zogen mich ein Stück zur Seite, dorthin, wo die Musik etwas leiser war und man sich noch verstehen konnte. Höflicherweise entschuldigte sich das Mädchen sofort bei mir, was ich nur mit einem kurzen, freundlichen Lächeln abtat. Doch als sie mich fragte, ob zwischen Liam und mir etwas passiert sei, sah ich sie nur irritiert an.
      Ist etwas passiert? Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, sprach der andere das Wort aus, mit dem ich am wenigsten gerechnet hatte.
      Drogen. Wieder. Meine Gedanken überschlugen sich. Es musste etwas geschehen sein, sonst würden sie wohl kaum eine für sie fremde Person aufsuchen. Ich schüttelte langsam den Kopf.
      „Wir haben nur ein wenig miteinander gesprochen, und dann ist er in sein Baumhaus gegangen, weil er allein sein wollte“, erklärte ich ruhig, ohne darauf einzugehen, worüber wir gesprochen hatten. Doch kaum hatte ich den Satz beendet, wurde mir plötzlich schwer ums Herz. Also war es im Baumhaus passiert… nachdem er schon Alkohol getrunken hatte. Keine gute Mischung. Hatte ich etwas gesagt, das ihn beschäftigt hatte? Warum fiel mir plötzlich wieder der Name Hannah ein? Sorge kroch in mir hoch, und mit ihr Schuld. Wer wusste schon, ob nicht etwas von dem, was ich gesagt hatte, ihn dazu gebracht hatte, zu Drogen zu greifen. Meine Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an. „Ich weiß, es ist vielleicht viel verlangt“, sagte das Mädchen vorsichtig, „aber könntest du uns helfen, ihn zu finden und, im besten Fall, zu beruhigen?“
      Ihre Verzweiflung war kaum zu übersehen, und sie rührte mich mehr, als ich erwartet hätte. Trotzdem sah ich beide überfordert an. Sie waren seine Freunde. Ich dagegen nur eine Mitschülerin, die zufällig ein paar seltsame Begegnungen mit Liam gehabt hatte. Ich bezweifelte stark, dass ich irgendeinen Einfluss auf ihn hatte, schließlich hatten wir bisher nur ein einziges richtiges Gespräch geführt.
      „Ich… ich kann es versuchen“, sagte ich schließlich entschuldigend. „Aber ich kann nichts versprechen.“ „Mach dir keine Sorgen. Besser als nichts“, warf der Freund schnell ein. „Ich denke, er ist noch draußen.“
      Ich nickte nur und machte mich sofort auf den Weg. Doch in der kurzen Zeit, in der ich den Pool nicht mehr im Blick gehabt hatte, war die Situation draußen völlig eskaliert. Nackte Menschen, wilde Knutscherei, lautes Johlen, ein absurdes Bild, mit dem ich weder gerechnet hatte noch wusste, wie ich es einordnen sollte. Das war eindeutig nicht meine Welt.
      Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und suchte die Menge ab. Erst nach mehreren Minuten entdeckte ich ihn. Er war nicht allein. Hannah. Das Mädchen, von dem man sagte, sie hätte ihn fest im Griff. Und so, wie er dort lag, wirkte es auf mich nicht gerade, als wäre er völlig freiwillig in dieser Situation. Er schien sich zu wehren, so gut es ihm eben möglich war. Ein schweres Schuldgefühl drückte auf meine Brust, während ich mich entschlossen durch die Menge schob und auf die beiden zuging. Ich kannte Hannah nur vom Sehen und aus Erzählungen, persönlich hatten wir nie etwas miteinander zu tun gehabt.
      Als ich schließlich neben ihnen stand, bemerkte sie mich sofort und sah zu mir hoch. In ihrem Blick lag unverhohlene Verärgerung.
      „Was?“
      „Sorry für die Störung“, sagte ich ruhig, „aber ich muss Liam kurz für etwas ausleihen.“
      Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. „Siehst du nicht, dass wir beschäftigt sind? Das kann warten.“
      Ich blieb standhaft. „Nein. Wir brauchen ihn jetzt.“
      „Ach ja? Und was ist so wichtig?“
      „Eine private Sache.“
      Offenbar war Hannah es nicht gewohnt, dass man ihr widersprach.
      „Liam kann gerade nicht. Er hat keine Lust.“
      Ich stemmte die Hände in die Hüften. Normalerweise war ich freundlich und zurückhaltend, doch ich hatte kein Problem damit, den Mund aufzumachen, wenn mir etwas missfiel. Und was ich hier sah, missfiel mir gewaltig.
      „Liam kann für sich selbst sprechen“, erwiderte ich schärfer als beabsichtigt. „Und ehrlich gesagt sieht er nicht so aus, als würde er diese Position gerade besonders genießen.“
      „Jetzt pass mal auf-“ Sie rutschte von Liam herunter und stellte sich direkt vor mich. Ein Schritt näher, doch immerhin war Liam nicht mehr unter ihr gefangen. Ich wusste, dass ich jetzt nicht nachgeben durfte.
      „Man kennt dich vielleicht im Jahrgang“, presste sie hervor und tippte mit dem Finger gegen meine Brust, „aber bild dir nicht ein, dass du dich benehmen kannst, wie du willst.“
      „Ich habe mich nicht falsch verhalten“, entgegnete ich ruhig, obwohl mein Herz schneller schlug. „Wir brauchen Liam für etwas, deshalb bin ich hier, um ihn zu holen. Was genau ist daran falsch? Schließlich wollen wir die Party doch nicht ruinieren, oder?“
      Hannah wollte gerade etwas erwidern, doch plötzlich kam jemand angerannt und zog sie energisch mit sich fort. Ich nutzte die Gelegenheit sofort, ging neben Liam in die Hocke und streckte ihm meine Hand entgegen.
      „Komm mit.“
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    • Liam Davis

      Ich wehrte mich weiter aber Hannah lies einfach nicht von mir los. Ich hatte bald keine Kraft mehr und fing zu zittern an. Das waren wohl die Nebenwirkungen von den Drogen, das kalte Wasser vom Pool und die Angst die Kontrolle zu verlieren.
      "Komm gib mir einen Kuss so wie früher." Ich drehte meinen Kopf weg. Mein Körper war wie Beton, so schwer fühlte er sich auf den Boden an. Hannah sah mich empört an. "Denkst du etwa ich merke nicht was hier läuft?" Ich sah sie wieder an, so gut ich konnte. "Diese kleine Schlange namens Cielle hat dir gehörig den Kopf verdreht hm?" "Hör auf so einen Mist zu labbern und jetzt runter von mir..." "Ich weiß zwar nicht was sie hat was ich nicht habe, aber ich lasse sie dir mir nicht wegnehmen!" Ich sah sie ernst an. "Du spinnst doch.." Sie hat wirklich immer noch nicht kapiert das ich nichts mehr von ihr möchte.. Aber in ihrer Welt bin ich immer noch ihr Lover.. Mein Kopf dröhnte nun noch dazu, aber ich sah keinen Ausweg aus der Situation. Ich wollte ihr dennoch nicht das geben was sie von mir verlangte. Sonst hätte Hannah wieder gewonnen und klebt mir weiterhin wie eine Klette am Po. "Zum letzten Mal.. Lass- mich- in-Ruhe!"
      "NEIN! Du wirst für immer mir gehören, kapier das doch endlich."
      Doch sie wurde unterbrochen, als sie bemerkte das sich jemand zu uns gesellte. Ich konnte sie nur schemenhaft erkennen, da die Kopfschmerzen mittlerweile so unerträglich waren das ich kaum noch die Augen offen halten konnte, aber ihre Stimme... ihre Stimme war unvergleichlich.. Cielle war hier.. und sie rette mich schon wieder.. wo waren Vivi und Brian.. Haben sie sie beauftragt mich zu holen?
      Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, doch mein Herzschlag wurde schneller und lauter. Ich lauschte den Wortgefecht der beiden Frauen, so gut es ging und ich war froh als ich spürte das Hannah nicht mehr auf mir sahs.
      Vorsichtig öffnete ich meine Augen und blickte in die von Cielle. Ich nahm ihre Hand und kam mir so schwer vor. Ich legte meinen Arm um sie und stützte mich auf ihr ab. Wir liefen durch die Menschen und ich hatte das Gefühl das die Anzahl der Leute sich verdoppelt hatte. Oder vielleicht sah ich einfach nur alles verschwommen. In der Ferne konnte ich Vivi und Brian ausmachen. Brian erlöste Cielle und stützte mich von nun an. "Wir sollten ihn ins Gästehaus bringen, da ist es am ruhigsten und da darf keiner rein", sprach Vivi zu den anderen beiden.
      Ich wurde sanft auf das Sofa abgelegt und mit einer Decke zugedeckt. Mein Körper zitterte immer noch, mein Herz raste. Vivi brachte mir Wasser und Aspirin und stellte das Glas neben mir ab. "Wir sollten ihn nicht alleine lassen.. Sein Zustand kann jederzeit wechseln", sprach Brian.
      Lächelnd wandte sich Vivi zu Cielle. "Danke für deine Hilfe.. auf uns wollte er ja nicht hören."

      Mein Zustand schwankte mit der Zeit hin und her. Plötzlich war mir nicht mehr kalt, nein ich schwitzte.. Meine Stimmung war ebenfalls hitzig und ich schlug um mich. Brian hielt mich fest und ich beschimpfte ihn. Im selben Atemzug fing ich an zu weinen und konnte mich kaum beruhigen.
      Einige Zeit später hatte ich das Schlimmste überstanden und konnte etwas essen. Sie waren immer noch alle da und auch wenn ich mich dafür hasste das Cielle mich in diesem Zustand gesehen hat, so war ich trotzdem dankbar darüber das sie hier geblieben ist. Mein Körper war erschöpft und sehnte sich nach Schlaf. Es dauerte nicht lange und ich fiel in einen tiefen Schlaf.
      Brian sah die beiden Mädchen an. "Wir sollten die Party beenden und ihn erst einmal Ruhe gönnen. Keine Sorge ihm wird es wieder gut gehen."
      Die drei machten sich also auf den Weg nach Draußen um die Party für heute zu beenden. Es war schon kurz nach 2 Uhr. Brian zögerte nicht lange und schnappte sich das Mikrophon und machte eine Ansage. Natürlich erhielt er Buhrufe und wurde mit Pappbechern abgeworfen, aber die Leute spurten und machten sich alle vom Acker.
      Vivi seufzte als sie das Chaos sah was sie hinterlassen hatten. "Na dann wollen wir mal aufräumen." Sie ließen Cielle die Wahl ob sie helfen möchte oder mit ihren Freunden nach Hause geht.
    • Als Liam sich plötzlich schwer gegen mich lehnte, entwich mir unwillkürlich ein leises Keuchen. Er war deutlich schwerer, als ich erwartet hatte. Vielleicht fehlte ihm einfach jede Kraft und er hatte sich mehr fallen lassen, als er selbst bemerkte, sodass sein gesamtes Gewicht nun auf mir lastete. Für einen Moment geriet ich ins Wanken, fing mich jedoch wieder und legte seinen Arm fester um meine Schultern.
      Mit Mühe schlängelten wir uns durch die Menge. Die Musik dröhnte noch immer in meinen Ohren, Lichter zuckten über Gesichter hinweg, und ich war erleichtert, als ich endlich seine Freunde entdeckte. Noch erleichterter war ich, als einer von ihnen Liam das Stützen abnahm. Meine Arme fühlten sich sofort leichter an.
      Mit einem knappen Nicken bedeuteten sie mir, ihnen zu folgen, und wir machten uns auf den Weg zum Gästehaus. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass es hier eines gab. Doch Privatsphäre war in diesem Moment wohl das Beste für ihn.
      Sorgenvoll beobachtete ich, wie sie ihn vorsichtig auf das Bett legten, ihn zudeckten und ihm Wasser sowie eine Tablette reichten. Es wirkte routiniert, fast so, als sei das nicht das erste Mal. Dieser Gedanke gefiel mir nicht. Und doch konnte ich nichts anderes tun, als daneben zu stehen und zuzusehen. Ich war nicht seine Freundin. Eigentlich wusste ich kaum etwas über ihn.
      „Kein Ding“, murmelte ich leise, als seine Freunde sich bei mir bedankten. Ich schenkte ihnen ein schwaches Lächeln.
      Warum er ausgerechnet auf mich gehört hatte und nicht auf sie, verstand ich selbst nicht. Vielleicht lag es an seinem Zustand oder an der Situation mit Hannah. Ich schob es darauf. Alles andere würde keinen Sinn ergeben.
      Trotzdem blieb ich. Mein Pflichtbewusstsein ließ es nicht zu, einfach zu gehen. Ich setzte mich in einen Sessel in der Nähe des Bettes und beobachtete ihn. Seine Reaktionen wechselten immer wieder, als würde eine Welle durch ihn hindurchrollen. Mal war er ruhig, dann wieder unruhig, beinahe fahrig. Es schien seinen Körper unglaublich anzustrengen. Schließlich fiel er in einen tiefen Schlaf.
      Die ganze Zeit über blieb mein Blick auf ihn gerichtet, als könnte sich sein Zustand verschlechtern, sobald ich auch nur eine Sekunde nicht hinsah.

      Irgendwann wandte sich einer seiner Freunde an mich. Ich konnte ihm nur zustimmen. Die Party zu beenden war wohl das Vernünftigste. Also folgte ich ihnen zurück ins Haupthaus. Ohne die laute Musik und die dichte Menschenmenge wirkte alles plötzlich ruhiger, fast gespenstisch. Was für ein Chaos.
      Und genau dieses Chaos offenbarte sich nun überall. Becher, Flaschen, Essensreste, verstreute Jacken und noch vieles mehr.
      Auch wenn mich niemand direkt bat zu bleiben und zu helfen, packte ich trotzdem mit an. Zuvor schrieb ich meiner Mutter eine kurze Nachricht, um ihr Bescheid zu geben. Ich war ohnehin schon in diese Sache hineingezogen worden. Mein moralischer Kompass ließ es nicht zu, mich einfach davonzustehlen.
      Also sammelte ich Müll ein, stopfte alles in große Tüten und versuchte, nicht allzu genau hinzusehen. Manches ekelte mich an. Benutzte Kondome, halb gegessene Speisen, verschüttete Getränke, die bereits klebrig geworden waren. Das hier war nicht meine Welt. Jede Woche so eine Feier zu veranstalten, würde mich wahnsinnig machen.
      Noch immer verstand ich nicht, weshalb Liam sich von Hannah so herumschubsen ließ und Partys veranstaltete, auf die er offensichtlich keine Lust hatte. Dieser Gedanke ließ mich nicht los.
      Während ich weiter aufräumte, merkte ich, wie meine Bewegungen langsamer wurden. Die Müdigkeit kroch schleichend in meine Glieder. Nachdem ich meinen Teil erledigt hatte, ließ ich mich kurz auf das Sofa sinken, nur um einen Moment zu verschnaufen. Ich schloss die Augen. Nur für einen Moment, sagte ich mir. Doch ich hätte es besser wissen müssen. Die Erschöpfung übermannte mich vollständig, und noch bevor ich es bemerkte, war ich eingeschlafen.
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    • Liam Davis

      Ich schreckte mitten in der Nacht auf und war schweißgebadet. Das grelle Licht von vorhin, war gedimmt und ich brauchte kurz einen Moment um zu realisieren wo ich mich gerade befinde. Ich war im Gästehaus. Doch die Erinnerung an all das Geschehene war verschwommen. Mein Kopf fühlte sich schwer an und ich stöhnte leicht auf. Ich blinzelte ein paar Mal und starrte an die Decke. Langsam kamen die Erinnerungen Stück für Stück zurück. Das Zittern, das Schwitzen, Brian´s Arme die mich festgehalten hatte, den sorgenvollen Blick von Vivi und Cielle.. Cielle die das alles mitbekommen hatte. Mir wurde plötzlich flau im Magen und ich hatte das Gefühl ich müsste mich hier und jetzt übergeben. Ich griff zu dem Glas Wasser neben mir auf dem Nachttisch und trank einen Schluck davon. Ich stellte das Glas wieder zurück und erhob mich vorsichtig. Sofort begann sich der Raum zu drehen und ich musste kurz innehalten. Ich wartete den Moment ab, bis sich alles stabilisiert hatte. Meine Beine waren wie Wackelpudding und es war mühsam einen Schritt vor den Anderen zu setzen. Ich fuhr mir mit der Hand über mein Gesicht. Es fühlte sich immer noch warm und feucht vom Schweiß an.
      Es herrschte eine angenehme Stille hier und von Draußen war auch nichts mehr zu hören. Die Party schien vorbei zu sein. Ich ging langsam zum Fenster und zog die Vorhänge zurück. Draußen lag alles in Dunkelheit. Ich öffnete ein Fenster und lies frische Luft in das Zimmer strömen. Für einen Moment schloss ich wieder die Augen und genoss die frische Priese auf meinem Gesicht. Es war wirklich ruhig. Keine laute Musik mehr, keine Menschen die feierten.. nein es war still. Ich schloss das Fenster wieder und zog den Vorhang zu. Für einen kurzen Augenblick lehnte ich mich an die Fensterbank. Scham kroch erneuert in mir hoch. Die Bilder von vorhin blitzten wieder auf.. Ein leises Seufzen entwich mir. Ich sollte mich definitiv bei allen Beteiligten entschuldigen. Mein Blick ging zur Tür des Zimmers. Ob Brian und Vivi noch da sind? Ich erhob mich von der Fensterbank und ging zur Tür und steckte meinen Kopf in den Wohnbereich des Gästehauses. Ich scannte den Raum ab und blieb an etwas hängen. Meine Augen weiteten sich. Cielle.. Cielle lag auf dem Sofa. Ich konnte weder Brian noch Vivi ausmachen. Mein Herz schlug verräterisch schneller. Ich schnappte mir eine Decke vom Sofa und legte sie behutsam auf sie, ohne sie zu wecken. Ich setzte mich für einen Moment neben sie und betrachte ihre Gesichtszüge. Sie waren sanft und sie schien einen ruhigen Schlaf zu haben. Plötzlich bekam ich einen Stich im Kopf und mir sprangen Bilder vor die Augen. Hannah die mich auf dem Boden festgenagelt hatte und Cielle die mich wegzog von all dem. Ich sah zu ihr und lächelte, auch wenn sie es nicht sehen konnte. "Danke", hauchte ich. Die Müdigkeit übermannte mich und ich schlief auf dem Sofa neben ihr ein.

      Am nächsten Morgen wachte ich auf. Mir tat alles weh. Der Geruch von Kaffee und Frühstück kroch in meine Nase. Ich öffnete langsam die Augen und blickte auf das Sofa. Sie lag immer noch da. Vorsichtig erhob ich mich und ging zu der Küche. Dort stand Brian und bereitete gerade Pancakes vor. "Guten Morgen Langschläfer." "Dir auch einen guten Morgen.. Wie spät ist es?" "Kurz vor halb 11. Vivi holt noch Brötchen und Croissants. Wie fühlst du dich?" Brian drehte sich zu mir um. "Besser, denke ich.." Er nickte mir zu. "Ich geh dann kurz ins Bad. Fühl mich nicht ganz so frisch und möchte nicht stinkend am Frühstückstisch sitzen."
      Ich verließ das Gästehaus und sah wie ordentlich alles war. Haben sie wirklich die ganze Nacht alles aufgeräumt? Nichts erinnerte einen mehr an die Party. Das schlechte Gewissen machte sich in mir breit. Ich schluckte.. Ja ich sollte mich definitiv bei ihnen bedanken und revanchieren. Ich ging in mein Zimmer, schnappte mir neue Klamotten, die anderen warf ich in den Wäscheabwurf. Das warme Wasser fühlte sich gut auf meinem Körper an und ich fühlte mich wie neu geboren. Frisch gekleidet ging ich wieder zurück zum Gästehaus. Vivi war bereits wieder da und schloss mich in ihre Arme. "Du hast mir so einen Schrecken eingejagt.." "Tut mir leid.. das Ganze.." Brian winkte ab. "Wir reden später darüber." Ich nickte ihm zu. Mein Blick ging wieder zum Sofa und sah das es leer ist. "Sie ist im Badezimmer", beruhigte mich Vivi. Ich lächelte ihr zu und setzte mich auf einen der Hocker an der Theke.