The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    • Ezra

      Also keine Schulfreunde. Dafür schienen Oliver und Alexis sich schon länger zu kennen. Was nicht erklärte, warum Alexis das Thema offenbar so unangenehm war. Zumindest erklärte er sich gerade so als ob er Angst hätte, dass Ezra ihn als Konkurrenz wahrnehmen könnte, was nicht der Fall war. Nach den letzten Wochen und Monaten war Ezra sich ziemlich sicher, dass ihn nichts mehr daran zweifeln lassen könnte, dass Andrew und er zusammen gehörten und sie nichts mehr auseinanderbringen konnte.
      "Mhm", stieß er nachdenklich aus. "Sicher, dass wir die selbe Person meinen? Andrew sieht definitiv zu gut aus, als dass man sein Gesicht vergessen könnte." Ezra grinste leicht, bevor er kurz ein wenig zur Seite kippte, als Niko sich offenbar dazu entschied, dass Stehen überbewertet war, sich fallen ließ und an Ezras Hand baumelte. Max sah aus, als ob er kurz vor einem Nervenzusammenbruch stehen würde. Ezra lächelte schwach und kniete sich hin, um das Kleinkind auf den Arm zu heben.
      "Ich persönlich finde das nicht seltsam, aber ich spreche das auf jeden Fall mal mit ihm durch", erklärte er. Andrew hatte immerhin eine komplett andere Grundeinstellung, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen ging, als Ezra. Generell schien Ezra vieles deutlich entspannter zu sehen, als sein Freund. An Alexis' Stelle hätte er Andrew wahrscheinlich auch keine Kinder zugetraut. Zum Glück hatte er sich noch nie von trockenem Realismus stoppen lassen. Andrew war ein verdammt guter Vater und ein noch viel besserer Freund. Er hatte einfach nur einen kleinen Anstoß, eine Nahtoderfahrung und drei ungeplante Kinder gebraucht, um das zu realisieren. Manchmal war das halt so.
      "Wir können die Termine ja erst mal so stehen lassen und ich melde mich nochmal." Ezra lächelte, während Oliver ihm kurz zunickte. "Aber zuerst müssen wir auf einen Spielplatz, fürchte ich", fuhr er fort und entlockte Niko damit einen kleinen freudigen Aufschrei. Außerdem schlug das Kleinkind ihm fast ins Gesicht. Zum Glück waren Ezras Reflexe in der Hinsicht in den letzten Monaten wunderbar trainiert worden. "Wir sehen uns ja dann eventuell nochmal."
    • Alexis

      Alexis versuchte auf den… Scherz (?) hin zu lachen, aber er fand die Situation viel zu unangenehm. Nicht, weil es ihm persönlich unangenehm war, sondern weil er sich Sorgen machte, dass es allen anderen unangenehm war. Weshalb er möglicherweise hörbar erleichtert ausatmete, als Ezra meinte, dass er kein Problem mit der Situation hatte. Wenn Andrew allerdings noch ein Fünkchen so war, wie vor sieben Jahren, konnte Alexis sich von den Kindern wahrscheinlich zum letzten Mal verabschieden.
      Er nickte. „Natürlich. Termine können bis 24 Stunden vorher auch online storniert werden, nur um das… mal so in den Raum zu werfen“, sagte er. Das würde höchstwahrscheinlich passieren. Oder? Nie im Leben waren diese Leute wirklich okay damit, dass er der Psychologe ihrer Kinder war, oder? Alexis würde unumgänglich mit ihnen über ihre Eltern und das Leben zuhause sprechen müssen. Es erforderte wahrscheinlich ein hohes Maß an Gelassenheit um das nicht seltsam zu finden. Auch, wenn es Alexis Professionalität nicht störte. Aber das wussten sie ja nicht. Die meisten Menschen sahen immer das schlechteste in anderen, und das konnte Alexis nur zu gut nachvollziehen.
      „Viel Spaß“ Alexis lächelte und winkte den Kindern zu, bevor sie ihm den Rücken zudrehten. Dann stand er wie eingefroren an der Rezeption, bis er das Zufallen der Tür hörte, und ließ dann mit einem lauten Seufzen seine Anspannung fallen. Er lehnte sich am Tisch an und ließ den Kopf hängen.
      „Das war furchtbar“, murmelte er. „Ich hab keine Ahnung, wieso mich das überhaupt so interessiert hat. Das war total unprofessionell und bescheuert“ Auf der anderen Seite hätte es wahrscheinlich nicht geholfen, für immer im Dunkeln zu bleiben und sich bei dem Namen jedesmal insgeheim Gedanken zu machen. Es war ablenkend. Jetzt hatte er zumindest eine Antwort. Und vielleicht zwei Patienten verloren.
      Alexis stützte sich auf und sah Oliver an während er den Kragen seines Pullovers griff und sich Luft zuwedelte. „Vielleicht gehen sie ja zu Dr. Wilson, wenn sie Plätze frei hat. Die ist zwar noch unter Supervision aber sie hatte einige Patienten in dem Alter“, murmelte er und erwartete darauf überhaupt keine Antwort. Eigentlich musste er sich endlich auf die nächste Sitzung vorbereiten und nicht hier herumstehen wie ein Idiot. Aber es war immer seltsam beruhigend, Oliver eine Weile dabei zuzusehen, wie er auf der Tastatur klickte, wenn Alexis eine anstrengende Stunde gehabt hatte. Er sah ihm allgemein gerne zu. Vielleicht ein bisschen zu sehr. Und hoffentlich nicht zu offensichtlich.
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    • Oliver

      "Es war nicht bescheuert. Im Gegenteil, er schien relativ begeistert zu sein, dass du seinen Freund kennst." Oliver lächelte leicht, während er sich eine der Akten schnappte, die noch auf seinem Tisch lagen und Alexis damit Luft zufächelte. Mittlerweile kannte er ihn wirklich gut genug um abschätzen zu können, wann etwas furchtbar gewesen war und wann sein Freund sich in irgendetwas reinsteigerte. Was irgendwie witzig war. Als Kind war ihm nie aufgefallen, wie nervös Alexis werden konnte. Gut, er hatte ihn damals auch nur gesehen, wenn er mit Florin, Alexis' jüngeren Bruder, abgehangen hatte, aber trotzdem. Alexis hatte den 'Cool' Stempel relativ schnell verloren als er angefangen hatte, mit ihm zu arbeiten. Jetzt war er einfach nur noch...knuffig. Oder so ähnlich.
      "Also", Oliver senkte die Stimme, während er sich Alexis entgegen lehnte, als ob er ihm ein Geheimnis anvertrauen wollte, "wie war dieser Andrew so? Irgendwas Brisantes?" Er zwinkerte Alexis kurz vielsagend zu, bevor er sich lachend wieder aufsetzte. Er hatte ziemlich wenig Berührung mit Alexis' Liebesleben, ganz davon abgesehen, dass man selten nach ExBeziehungen fragte, die vor einer Bekanntschaft existiert hatten, aber irgendwie war er jetzt doch ein wenig neugierig geworden. Alexis schien irgendwie nicht so, als ob er besonders gute Erinnerungen an Andrew hatte. Ezra hatte im Gegensatz absolut begeistert geklungen. Oliver wusste nur, dass er selbst nie einen Helden daten könnte. Irgendwie hatten die seiner Meinung nach alle einen kleinen Knacks. Jordan war mit seinem Job als Reporter ab und an schon etwas grenzwertig, wenn er direkt zu Einsatzorten fuhr, um von ihnen aus zu berichten, oder sich wieder viel zu tief in seine eigene Recherche stürzte. Es war eine schlechte Art von Adrenalin. Die ständige Frage, ob irgendwas schlimmes passieren würde. Ganz anders als der kleine Rausch, den Oliver bekam, wenn er auf der Bühne stand.
    • Alexis

      „Hm“, machte er und genoss die kühle Luft, die Oliver ihm wie selbstverständlich zufächerte. Alexis war allerdings nicht überzeugt. Er war eher der Meinung, dass Ezra versucht hatte, die Situation zu entschärfen indem er lächelte und furchtbar nett war. Oder es war ihm wirklich einfach egal. Vielleicht hatte Alexis gut genug erklärt, dass die Beziehung absolut nichts bedeutet hatte. Aber Oliver hatte das wohl anders empfunden.
      Alexis erwiderte den Blick seines Freundes für eine lange Sekunde, bevor er ihn sanft ein Stück von sich weg schob, die Hand an seiner Schulter. Er wandte den Blick ab.
      „Es war absolut nicht brisant. Komm mir nicht so nah, ich hab doch gesagt, dass ich das nicht leiden kann“ Es erforderte viel zu viel Konzentration, nicht durchzudrehen, wenn Oliver ihm zu nah war, selbst wenn es ganz natürliche Bewegungen waren, die nichts bedeuteten. Aber Alexis hielt das einfach nicht aus. Er mochte es allgemein nicht, wenn man ihm auf die Pelle rückte, und auch wenn er das bei Oliver… ein wenig anders sah, war die beste Lösung doch, das als Ausrede zu benutzen.
      „Er ist… oder war zumindest ein ziemlich langweiliger Workaholic. Er hat damals den Einbrecher in meiner alten Wohnung festgenommen und ich nehme an… Ich hab mir davon irgendwie zu viele Hoffnungen gemacht, oder so. Wir haben uns in dem halben Jahr kaum gesehen“, erklärte er leise. Das restliche Wartezimmer musste nicht unbedingt alles über sein Liebesleben erfahren. Außerdem… sie hatten vielleicht zwei oder drei Mal miteinander geschlafen, über den Kurs dieser sieben Monate, und wenn es hoch kam, sich 10 oder 15 Mal gesehen. Davon waren sie wohl jedes einzelne Mal irgendetwas essen gewesen. Es hatte immer ein wenig gewirkt, als wäre das Abendessen nur ein formelles Vorspiel. Alexis hatte es gehasst. Er war nicht der Typ für solche Beziehungen. Für Beziehungen allgemein. Und im Endeffekt hatte diese… Bekanntschaft dazu beigetragen, das zu realisieren. Es war nicht einmal so, dass Andrew unsympathisch gewesen war, aber man hatte an jeder Faser seines Körpers ablesen können, dass ihn eigentlich nichts und niemand auf der Welt interessierte, egal wie aufmerksam er versucht hatte zu sein. Er hatte immer nur gearbeitet. Dass dieser Kerl Kinder adoptiert hatte brachte in Alexis eher Sorge um besagte Kinder auf, aber wenn sein Freund so unheimlich glücklich war… Tja, vermutlich war Alexis einfach nicht gut genug für ihn gewesen. Das würde einiges erklären. Und es war sicher etwas, mit dem Andrew nicht alleine war.
      „Außerdem ist es sieben Jahr her“, endete Alexis. Ja, er hatte selten mehr an diese Bekanntschaft gedacht. Ab und zu hatte er sie gedanklich als Beispiel herangezogen, wieso er sich niemals auf Beziehungen einlassen sollte. Er konnte dem nicht gerecht werden.
      „Reden wir nicht mehr darüber“ Es machte Alexis seltsam niedergeschlagen. „Wenn einer der beiden anruft um den Termin abzusagen, empfiehl ihnen die Warteliste bei Dr. Wilson“, ordnete er an. „Ich hab um Eins den nächsten Termin, oder?“, fragte er und warf einen kurzen Blick auf den Bildschirm, um sich zu versichern, dass er sich keinen unnötigen Stress machte.
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    • Oliver

      Oliver lachte leicht, als Alexis ihn von sich schob. "Sorry, Lex, ich konnte nicht anders. Du sahst plötzlich so ernst aus." Er war noch nie jemand für Gossip gewesen und offenbar hatte er beziehungstechnisch nie so viel Glück gehabt, wie Oliver. Eigentlich wusste Oliver, dass ihm das irgendwie leid tun sollte. Er sollte sich wünschen, dass sein Freund jemanden fand, der ihn glücklich machte und verhinderte, dass er irgendwann alleine sterben musste - aber jedes mal, wenn er darüber nachdachte, dass Alexis wieder daten könnte, war er…genervt? Oliver konnte das Gefühl nicht ganz beschreiben. Er mochte zumindest die Vorstellung nicht, dass Alexis zu beschäftigt mit jemand anderem wäre, um ihm auf Nachrichten zu antworten, oder ab und an nach der Arbeit noch irgendwas zu unternehmen. Eine furchtbare Doppelmoral, das wusste er selbst. Er ging ja auch nicht ans Handy, wenn er mit Jordan zusammen war. Wahrscheinlich wollte er sich deshalb auch nicht eingehender damit befassen, wie seltsam dieser Gedanke war. Ganz davon abgesehen, dass sie sich eigentlich nicht gut genug kannten, um Anspruch auf die Zeit des jeweils anderen zu erheben.
      “Klingt heiß”, antwortete er also stattdessen, während er kurz mit der Maus wackelte, um den Bildschirm zu entsperren. “Vielleicht solltest du als nächstes deine Wohnung in Brand setzen und schauen, ob du mit Feuerwehrmännern mehr Glück hast. Die sind wahrscheinlich etwas einfühlsamer, als Helden.” Es fühlte sich seltsam an, das zu sagen, aber der Drang, die Situation aufzulockern und Alexis etwas zu ärgern überwog jeden rationalen Gedanken. “Dein nächster Termin ist um eins. Eileen Briggs. Ich glaube, das war das Mädchen, das letztes mal diese Blumenwiese-Jacke anhatte.”Er klickte den Terminkalender wieder zu und sah erneut zu Alexis. "Kann ich dir noch irgendwas Gutes tun? Noch einen Kaffee? Was kaltes zu trinken? Ich kann gucken, ob dieser alte Ventilator noch irgendwo rumsteht, falls das Zimmer irgendwann zu warm wird."
    • Alexis

      Es gab so viele Dinge, die Alexis Oliver gerne sagen würde, und nie über die Lippen brachte. Alles, was er von sich offenbarte, waren notwendige Informationen. Wie, dass er ihm nicht zu nahe kommen durfte, damit Alexis sich an seinem Arbeitsplatz noch konzentrieren konnte. Oder, dass er seinen Kaffee mit Milch aber ohne Zucker trank, weil er es nicht zu süß mochte. Die Art, wie die Mitarbeiterküche aufgeräumt werden sollte, damit er am nächsten Morgen keinen Herzinfarkt bekam, und wie er seine Akten geordnet haben wollte. Spezifische Dinge. Selten etwas zu persönliches, auch, wenn er das Gefühl hatte, dass er diese Verbindung zu Oliver haben könnte.
      Manchmal sah Alexis diesen kleinen Jungen, den sein Bruder damals das erste Mal mit nachhause gebracht hatte. Er wusste genau, was dieser kleine Junge gerne gegessen hatte, welche Snacks er wollte und was sein liebstes Videospiel und Schulfach war. Er hatte keine Ahnung, ob irgendetwas davon noch so war, wie früher. Er würde es gerne wissen. Alexis hatte das Gefühl, Oliver zu kennen, ohne viel über ihn wissen zu müssen, aber er wollte es. Gleichzeitig wurde er jeden Tag daran erinnert, dass sie auf einer sehr kollegialen, bekanntschaftlichen Basis waren, und er Oliver unmöglich sagen konnte, dass er sich wünschte, dass man ihm nie einen Spitznamen gegeben hätte. Oder, dass er manchmal selbst gerne einen Psychologen hätte, der mit ihm redete, als wäre er fünf Jahre alt. Oder, dass er noch nie eine ‚heiße‘ Beziehung mit irgendjemandem jemals erlebt hatte. Es gab so viele Dinge, die er gerne sagen würde.
      Stattdessen blinzelte er Oliver eine ganze Weile an, als er den Vorschlag mit dem Brand machte. Für jemanden, der sein Geld damit verdiente, über Gefühle zu reden, konnte er seine eigenen sehr schlecht benennen.
      „Das ist eine furchtbare Idee“, sagte er deshalb nur und riskierte, wieder einmal wie der humorloseste Mensch auf Erden zu wirken.
      „Wenn du den Ventilator findest, lass ihn hier stehen. Ich hole ihn mir nach dem Termin“ Eileen war ziemlich geräuschempfindlich und sie würden keinen Meter weiterkommen, wenn das Summen eines Ventilators sie ablenkte. Tatsächlich mussten sie ihre Termine um das Wetter herumplanen, weil sogar Regen dazu führte, dass sie in jedem Satz den Faden verlor.
      Alexis ging zurück zur Tür, stoppte aber noch einmal kurz. „Oh. Ich glaube in der Küche steht noch ein Obstkorb, oder? Wenn du kannst, iss irgendetwas davon, bevor das Obst schlecht wird. Ich kann keine Äpfel mehr sehen“ Außerdem hatte er dringende Verlangen, Oliver bei Gesundheit zu halten. Als sein Kollege das letzte Mal krank war, hatte Alexis die längste Woche seines Lebens gehabt.
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    • Oliver

      Okay. Feuerwehrmänner schienen also nicht auf Alexis' Liste zu stehen. Genausowenig wie Helden und Stand-Up Comedians. Irgendwie konnte Oliver sich das sowieso nicht vorstellen. Er selbst würde sich bereitwillig von einem Feuerwehrmann über die Schulter werfen lassen, aber Alexis brauchte wahrscheinlich etwas Ruhigeres? Obwohl es offensichtlich ja auch nicht zu langweilig sein durfte. Es klang ziemlich unmöglich jemanden zu finden, der Alexis' schrägen Ansprüchen gerecht werden würde. Gut so.
      "Ich schau gleich mal nach, wenn ich eh nach dem Ventilator suche", versicherte er mit einem kurzen Nicken und verkniff sich dabei den Kommentar über Doktoren und Äpfel. Alexis schien gerade nicht zum Spaßen aufgelegt zu sein und er wollte es sich nicht mit ihm...verscherzen. Hah.
      Das kleine Lächeln blieb auf Olivers Lippen während er sich wieder zum Computer drehte und kurz seine To-Do's durchging. Nächsten Patienten reinschicken, Ventilator suchen, Ablage machen, damit man die Tischplatte zur Abwechslung nochmal sehen würde und dann heute Abend pünktlich Feierabend machen, damit er sich mit Jordan an dem neuen kleinen Burgerladen treffen konnten, den sie austesten wollten. Ein überschaubarer Tag. Was nicht viel heißen musste.
      Er rief Eileen auf, tippte an seinem Platz noch kurz auf sein Handy, um seine neusten Nachrichten durchzugehen und stand schließlich auf, um in die kleine Küche zu gehen. Jetzt musste er nur noch scharf nachdenken, wo sie diesen verdammten Ventilator hingeräumt hatten.

      Den Ventilator zu finden war schwerer, als gedacht, vor allem, weil Oliver alle paar Minuten zurück zu seinem Platz musste um zu schauen, ob noch alles lief. Er wollte keine wichtigen Anrufe verpassen, oder Patienten zu lange warten lassen. Er fand den Ventilator schlussendlich in eine Ecke gestopft und leicht angestaubt. Er wischte kurz drüber, bevor er ihn neben den Empfang stellte. Alexis nahm ihn nach Eileen mit rein ins Zimmer. Ansonsten blieb es überraschend ruhig. Ein paar Anrufe, ein paar Kinder, die mit ihren eigenen Emotionen überfordert waren und dringend etwas Süßes brauchten und schon hatte Oliver verpasst, dass er eigentlich seit zehn Minuten Feierabend hatte.
      "Wie sieht deine Abendplanung aus?", fragte er Alexis über den Tresen hinweg, während er den Computer herunterfuhr und nebenbei ein paar der Papiere, die er nicht weggeräumt hatte, zusammenlegte. "Irgendwas spannendes geplant?"
    • Alexis

      Alexis hatte an diesem Tag noch drei Termine. Es war nicht so, dass er manche Patienten lieber hatte, als andere, immerhin waren sie alle Kinder mit komplexen Problemen, die einem manchmal das Herz brachen. Aber in Kombination mit der Hitze unter seinem Pullover, der Tatsache, dass er sein Mittagessen zuhause vergessen und schließlich nicht genug Zeit für mehr als einen dieser lausigen Obstkorb-Äpfel hatte, und einem hysterischen Weinananfall eines Kindes, war er doch ganz dankbar, dass seine letzte Sitzung mit ein ein paar Zeichnungen und positiven Gesprächen über die Schule geendet hatte. Die Therapie musste nicht bei jedem Termin gleich ernst und anstrengend sein. Manchmal kamen die Kinder mit kleinen Erfolgen an und wollten nur, dass man sie lobte, weil endlich mal etwas gut lief. Das war auch okay. Sie sahen sich schließlich nicht zum letzten Mal.
      Alexis räumte noch eine Weile auf und tauschte schließlich seinen Pullover mit dem Hemd, das er heute Vormittag getragen hatte, um zumindest etwas mehr Luft an seine Haut zu lassen. Dann wusch er sich die Hände und sperrte sein Therapiezimmer ab. Die anderen zwei Therapeuten ihrer Praxis schienen schon Feierabend gemacht zu haben, dafür war Alexis morgen mit einem kürzeren Tag dran.
      Er gähnte und machte einen kleinen Wartezimmer-Rundgang, bevor er an der Rezeption ankam und sich aufstützte. „Ich werde duschen, mir eine Packung Tiefkühlpommes reinziehen und dann einen Film anschauen. Betonung liegt auf Tiefkühlpommes. Ich hab so Hunger, dass ich wahrscheinlich nichtmal die Energie habe, etwas zu kochen“, erwiderte er.
      Alles in allem wurde es ein langweiliger Abend wie eh und je. Alexis brauchte die Zeit allerdings sowieso, um runterzukommen. Der Tag war seltsam anstrengend gewesen. Wenigstens konnte er morgen wieder mit T-Shirt in die Praxis kommen und er würde sich an die Tür einen Zettel kleben, damit er nie wieder vergaß, sein Essen mitzunehmen. Und vielleicht war er später ja doch noch gut genug drauf, um sein Buch weiterzulesen, oder so. Die Hoffnung bestand. Hauptsache er brachte das Magenknurren unter Kontrolle.
      „Was hast du vor?“, fragte Alexis vorsichtig und wirklich nur der Höflichkeit halber, weil er eigentlich darauf verzichten konnte, zu hören, wie sehr Oliver sich darauf freute, Jordan zu sehen. Also, es war nachvollziehbar — die beiden führten anscheinend eine perfekte Beziehung und Jordan war nett, hilfsbereit und wahrscheinlich der Ausgleich, den Oliver brauchte, um zu überleben und sich daran zu erinnern, dass er einen realen Job hatte. Alexis hasste sich dafür, dass er Jordan nicht richtig mögen konnte. Jedesmal wenn er ihn sah, wollte er sich zeitgleich die Augen ausstechen und sich einen Kopfschuss geben, weil er sich die Augen ausstechen wollte. Darum dachte er an all das so wenig wie möglich. Um sich weniger die Augen ausstechen zu wollen.
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    • Oliver

      Ah. Anderen Äpfel andrehen und selbst zu den Tiefkühlpommes greifen. Oliver musste ein wenig lachen, während er nach seiner Jacke griff, die über der Lehne seines Stuhls gehangen hatte. "Ich wollte so einen neuen Burgerladen ausprobieren. Ich hatte ein paar Reviews gesehen und bin neugierig geworden. Ich hasse es, wenn Werbung funktioniert, aber dagegen konnte ich mich irgendwie nicht wehren." Oliver seufzte dramatisch und schlüpfte in seine Jacke.
      Der Abend würde sonst wahrscheinlich relativ ereignislos sein. Jordan und er mussten beide morgen wieder früh raus, also würde es wahrscheinlich wie immer darauf hinauslaufen, dass sie sich einigten, einen Film zu schauen und dann doch zu lange miteinander reden würden, um tatsächlich einen auszusuchen. Irgendwie waren das Olivers liebste Abende. Jordan konnte unheimlich gut von seinem Tag erzählen, egal, wie langweilig er gewesen war und meistens lachten sie viel mehr, als sie sollten. Es war wirklich entspannend. Aber dazu mussten sie erst durch das Essen durch.
      "Dann sehen wir uns morgen." Irgendwie hatte Oliver immer das seltsame Bedürfnis, Alexis zum Abschied zu umarmen. Er wusste selbst nicht, wo es her kam. Bei ihren anderen Kollegen hatte er es zumindest nicht. Vielleicht, weil Alexis immer so ernst und ein kleines bisschen traurig aussah. Wie jemand, der eine Umarmung halt wirklich gut gebrauchen konnte. Er widerstand jedes mal. Es wäre ein wenig seltsam und Alexis betonte oft genug, dass er nicht auf Körperkontakt stand. Irgendwie war das Verlangen noch größer wenn er wusste, dass Alexis den Abend alleine und hungrig verbringen würde.
      "Außer du möchtest mitkommen?" Oliver war sich selbst nicht ganz sicher, woher diese Idee kam. Eigentlich hatten Jordan und er ein paar Freunde einladen wollen, aber irgendwie hatte es sich nicht ergeben, also würde es nicht so schlimm sein, wenn er Alexis mitbringen würde, oder? Auch, wenn er und Jordan sich nicht übermäßig gut leiden konnten. Oliver hatte keine Ahnung, woher die Feindlichkeit kam - die ersten male, als sie sich zu dritt, oder mit anderen Freunden getroffen hatten, waren sie noch überraschend gut miteinander ausgekommen. Immer, wenn er Jordan darauf ansprach, wechselte der das Thema, oder behauptete, er würde sich das alles nur einbilden.
      "Es ist nicht weit von hier und ich wollte nicht so lange bleiben. Ist besser, als Tiefkühlpommes." Er zuckte kurz mit den Schultern.

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    • Alexis

      Alexis schmunzelte. "Falls du den mit der penetranten Neon-Werbung an jeder U-Bahn-Station meinst, kann man dir das nicht übel nehmen. Ich gehe da bestimmt auch bald noch hin", sagte er. Trotzdem sollte Oliver besser mal ein paar Vitamine zu sich nehmen. Hm… vielleicht würde Alexis morgen Früh noch einen Stopp bei einem Supermarkt machen und ein paar Smoothies kaufen. Für… alle Kollegen natürlich. Dann war es in Ordnung, oder? Auch, wenn es wahrscheinlich teuer wurde. Aber genau aus solchen Gründen hatte er kein Auto mehr. Um Geld für wichtigere Dinge zu sparen, wie Smoothies für seine Arbeitskollegen.
      Alexis nickte, hob seine Tasche vom Boden auf, und wollte zur Küche gehen, um auch dort noch zuzusperren, und sich dann auf den Weg zur U-Bahn machen. Er blieb stehen, als Oliver ihn plötzlich zum Essen einlud.
      "Oh… jetzt?", fragte Alexis. Was für eine bescheuerte Frage, natürlich jetzt. Er musste trotzdem kurz überlegen. Es war nicht gut, dass er sofort Herzrasen bei der Vorstellung bekam. Sie waren oft genug gemeinsam essen gewesen, wenn es sich ergab, aber Alexis freute sich über jede einzelne Sekunde, die er mit Oliver verbringen konnte. Dass sie zusammen arbeiteten war wie ein Segen. Zumindest, wenn Alexis erfolgreich Jordans Freund ausblenden konnte, was nur funktionierte, wenn Oliver Jordan nicht erwähnte. Es war idiotisch. Alexis wusste ganz genau, in welcher Lage er war. Er wollte sich auch keine Hoffnungen machen, er redete sich ein, zufrieden damit zu sein, Oliver bei der Arbeit zu sehen. Irgendwann würden diese Gefühle schon verschwinden. Das dachte er sich seit drei Jahren, aber… er wollte ihn noch immer unbedingt zum Essen begleiten.
      "Okay. Wieso nicht. Ich wollte so oder so Pommes essen", akzeptierte er lächelnd. Es war schwer, das so gleichgültig klingen so lassen. "Warte kurz auf mich", sagte er und verschwand hinter der Ecke, um die restlichen Türen in der Praxis zu verschließend alle Lichter auszuschalten. Dann kam er zurück und sperrte hinter ihnen beiden die Praxis zu. Es gab kein besseres Gefühl auf der Welt, als neben Oliver her durch den langen Gang und zur Tür hinaus zu laufen. Es fühlte sich fast ein wenig an, als würden sie zusammen nachhause gehen.
      "Oh, ich hab gesehen, dass die auch hausgemachte Limos haben. Außergewöhnlichere Sorten, Lavendel und so etwas", sagte er und hatte ein bisschen das Gefühl, dass seinem Herz gleich Beine wachsen würden und es ihm aus der Brust springen und davon laufen würde. "Und irgendetwas mit… Rosmarin. Ich liebe es, wenn die Limonaden klingen, als hätten sie einfach irgendetwas im Garten abgeschnitten und in ein Glas geworfen" Er lächelte.
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    • Oliver

      "Rosmarin Limonade klingt...interessant", antwortete Oliver mit einem kleinen Lächeln, das zu nett aussah, um wirklich ernst gemeint zu sein. Eigentlich klang es irgendwie nach Medizin, oder so. Rosmarin gehörten für ihn eher über Kartoffeln, aber weniger in Limonade, aber es lag ihm fern, irgendjemanden wegen seinen Essgewohnheiten zu kritisieren. Seine Mutter war ein riesen Fan von Nudeln Hawaii. Nudeln mit Sahnesoße, Schinken und Anannass. Das war eine Stufe schlimmer, als Pizza Hawaii.
      "Ich brauche irgendwas wirklich Fettiges", verkündete er, während er seine Jackentaschen nach seinem Autoschlüssel durchkramte. "Die Woche war jetzt schon anstrengend und ich habe Freitag wieder einen kleinen Auftritt. Wenn ich jetzt noch anfange gesund zu essen denkt mein Körper, ich würde ihn umbringen wollen." Er seufzte dramatisch, während er sein Auto aufschloss. Sie hatten keinen eigenen Parktplatz für die Praxis, aber dadurch, dass er immer relativ früh hier war, hatte Oliver nie Probleme gehabt, einen Stellplatz in der Nähe zu finden. Er selbst setzte sich hinters Lenkrad und drehte mit einem kleinen "Upps" das Radio leiser, als das Auto startete und es in voller Lautstärke zu spielen begann. Jordan zog ihn oft damit auf, dass Oliver in ein paar Jahren taub sein würde, wenn er weiterhin so laut Musik hörte - fünf Minuten später sangen sie dann meistens trotzdem beide mit.
      "Wie geht es Florin eigentlich?", fragte er, während er losfuhr. "Er ghostet mich seit gestern, also gehe ich davon aus, dass er beschäftigt ist? Oder hab ich was verpasst und er hasst mich plötzlich?" Er grinste leicht. Es war ab und an ein wenig seltsam, jetzt mehr Zeit mit Alexis zu verbringen, als mit seinem Bruder. Florin und er waren Klassenkameraden gewesen. Sie hatten super viel Zeit miteinander verbracht, bevor sie sich durch Studium und Ausbildung und das Leben an sich einfach aus den Augen verloren hatten. Jetzt fast jeden Tag mit Florins Bruder zu verbringen fühlte sich ein wenig so an, als wäre er in ein Paralleluniversum gestoplert. Obwohl er Alexis wirklich mochte.
    • Alexis

      „Ich glaube nicht, dass das so funktioniert“, sagte Alexis und lachte leicht. Aber sie gingen ja auch Burger essen und wer bestellte da schon einen Salat. Alexis war auch nicht wirklich jemand, der anderen Vorwürfe machen durfte. Er kochte nicht gerne und aß wahrscheinlich zu wenig. Oder vielleicht war das sein Kindheitstrauma, das ihm in der Stimme seiner Oma ständig ins Ohr flüsterte, dass er zu wenig aß. Er war trotzdem jedesmal ziemlich dankbar, wenn er von einem Besuch mit massenweise hausgemachtem Essen zurück kam. Dann musste er ja auch weniger kochen.
      Alexis stieg ein, wollte sich anschnallen und bekam sofort einen kleinen Herzinfarkt, als das Radio ihm in die Ohren dröhnte. „Woah…“, murmelte er und nahm die Hand wieder von seiner Brust. Er hatte es garnicht in sich, darauf irgendetwas zu sagen. Alexis war bisher noch nie in Olivers Auto gesessen, und es war fast interessanter als schockierender, zu erfahren, wie laut Oliver Musik hörte. Aber sollte es ihn wirklich wundern? Dummerweise würde er nur in ein paar Jahren taub sein und Job wechseln müssen.
      „Oh. Er hat viel zu tun, weil sie im Restaurant ein Event planen“, erzählte Alexis. Er hörte sowohl von Oliver als auch von Florin, dass die beiden seit einiger Zeit wieder regelmäßigeren Kontakt hatten. Irgendwie war es süß, dass die beiden wieder befreundet waren. Auf der anderen Seite fühlte Alexis sich ab und zu ein bisschen ausgeschlossen. Was wirklich dämlich war. Früher hatte ihn das ja auch nicht gestört. Allerdings hatte er früher auch nichts für Oliver empfunden.
      Es freute ihn deshalb jedenfalls irgendwie, dass Oliver ihn fragte, wie es Florin ging. Manchmal… hatte er das Gefühl, dass er gerade seine Teenager Jahre nachholte, oder so. „Du hast also einen Gig am Freitag… Florin geht dieses Wochenende auch zu irgendeinem Auftritt, aber die Karten hat anscheinend ein Freund besorgt und er weiß nicht, wo es hingeht. Vielleicht ist es ja dein Auftritt?“ Alexis sah Oliver an. Von ihnen beiden war definitiv Florin eher der Konzertgänger, aber Alexis würde wahrscheinlich über Leichen gehen, um zu Olivers Auftritt zu kommen, wenn er ihn einlud. Aber… nur, wenn er ihn einlud. Irgendwann. Oder auch nicht. Garkeine große Sache.
      „Bist du nervös? Vor deinen Auftritten, meine ich“ Alexis wusste manchmal nicht, was über ihn kam, wenn er so etwas sagte, so selten es auch passierte. Es gab eine Grenze, die er offensichtlich mutmaßlich überschreiten wollte. Was war nur manchmal los mit ihm? Sie sollten lieber weiter über Limonaden sprechen. „Wahrscheinlich hilft es, jemanden in der Menge zu sehen, den du kennst, oder? Also“ Alexis räusperte sich. „Jordan“
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    • Oliver

      “Welches Event ist wichtiger, als die Antwort auf die Frage, ob Florin lieber Bungeejumpen, oder durch eine Höhle tauchen würde?”, fragte Oliver mit gespielter Dramatik in der Stimme. Er war davon ausgegangen, dass Florin sich einfach übermäßig viel Zeit für eine sehr ernste Antwort auf eine vollkommen bescheuerte Frage nahm, aber irgendwie beruhigte es ihn, dass er anderweitig beschäftigt war und sich nicht den Kopf über seinen Blödsinn zerbrach.
      “Ich denke nicht, dass er Karten für meinen Auftritt hat. Wir spielen in einer kleinen Kneipe, die freitags immer kleinere Bands einlädt. Ich glaube, das ist zu nieschig, als dass jemand speziell Karten dafür holen würde. Die meisten Leute werden spontan vorbeikommen, denke ich.” Aber das war okay. Die Band, in der Oliver zur Zeit spielte, bestand aus ihm und zwei Freunden und war ursprünglich entstanden, als keiner von ihnen Glück mit Solokarrieren oder anderen Bands gehabt hatte. Sie hatten sich den passenden Namen ‘Notlösung’ gegeben, der…unvorteilhafterweise irgendwie hängengeblieben war. Oliver selbst sang die meisten Lieder und spielte Gitarre, Sameer, ein anderer alter Schulfreund, spielte Keyboard und Marcelina, die sie mal auf einem Festival kennengelernt hatten, sang und spielte Schlagzeug. Sie waren mittlerweile ein ziemlich eingespieltes Team, wenn auch nur mäßig erfolgreich.
      “Meistens nimmt man das Publikum gar nicht so richtig wahr. Es hilft zu wissen, dass man nach dem Auftritt jemanden hat, der einem versichern kann, dass es nicht ganz so schlimm war, wie man vorher gedacht hat. Mir zumindest. Marcy musste sich das letzte mal fast übergeben, als ihre Familie da war, weil sie das noch nervöser gemacht hat.” Er lachte kurz. Sam und er hatten sie abgefüllt, was seltsamerweise überraschend gut funktioniert hatte. Auch, wenn Oliver ein paar Lieder von ihr übernehmen musste, weil sie sich nicht mehr an den Text erinnert hatte. Übergeben hatte sie sich später trotzdem, aber da war wenigstens der Auftritt schon vorbei gewesen und sie hatten liebevoll ihre Haare zur Seite halten können.
      “Jordan ist aber sowieso eine große Hilfe. Er ist meistens schon beim Aufbau dabei und macht viel für unsere Social Media Kanäle. Er ist wirklich gut darin. Natürlich nicht so gut, wie wenn man es live sieht. Du solltest auch mal vorbeikommen. Vielleicht ja mit dem heißen Feuerwehrmann.”
    • Alexis

      Alexis lachte. "Das kann ich dir auch beantworten. Er ist klaustrophobisch, also eher Bungeejumping. Aber ich bin mir sicher, dass er dich nicht absichtlich ignoriert" Weitestgehend. Florin hatte schon manchmal die Angewohnheit, in eine Funkstille zu verfallen. Aber dann meistens, weil er verkatert war und seine Arbeit ihn ausnahm. Er war immer ein wenig sorgenfreier unterwegs gewesen, als Alexis. Trotzdem war er recht verantwortungsbewusst also übernahm er sich nicht, wenn er viel zu tun hatte. Da konnte so eine Antwort schonmal warten. Alexis hatte ihn erst letztes Wochenende gesehen, als sie ihre Familie besucht haben. Seitdem hatten sie nicht gesprochen, aber so lief das meistens.
      "Oh", machte Alexis und nickte langsam, als Oliver erzählte, dass seine Bandkollegin noch nervöser wurde, wenn ihre Familie dabei war. Das… machte wohl auch Sinn, wenn man das Gefühl hatte, sie beeindrucken zu müssen. Alexis war froh, dass Oliver scheinbar jemanden hatte, der ihn ohne Kondition liebte, damit er sein Hobby sorgenfrei weitermachen konnte. So sollte es sein. Alexis hatte eigentlich überhaupt kein Recht, sich zu wünschen, zu diesem Konzert zu gehen.
      Vielleicht waren Alexis Gefühle deshalb eine Achterbahnfahrt, als Oliver ihn plötzlich das erste Mal einlud. Und seinen… imaginären Plus One. "Gerne", sagte Alexis schnell und schoss etwas zu schnell mit dem Kopf in Olivers Richtung. "Ich hab Freitag Abend sowieso nichts vor. Vielleicht bringe ich eher… Florin, bevor ich meine Wohnung in Brand setzen muss. Ich muss ihn nur fragen, wann das andere Konzert ist"
      Gut kaschiert. Alexis hatte gerade dezente Angst, dass das zum Running Gag wurde. Er hatte absolut nicht vor, sich einen heißen Feuerwehrmann zu suchen, oder sonst irgendjemanden. Er war sich erschreckend sicher, dass er nie wieder etwas für irgendjemanden empfinden konnte, nachdem er es geschafft hatte, drei Jahre lang auf einen vergebenen Mann zu stehen. Irgendetwas stimmte eben nicht mit ihm. Und es war nicht die Tatsache, dass er asexuell war. Es war die Obsession, die er entwickelt hatte, ohne dass er irgendetwas dagegen tun konnte. Er hatte überhaupt keine Kontrolle darüber. Manchmal fragte er sich, ob sein Gehirn sich absichtlich Oliver ausgesucht hatte, weil es völlig unmöglich war, dass aus ihnen jemals mehr wurde, und Alexis sich damit ein Leben als Single gesichert hatte. Vielleicht war es das, was er wirklich wollte, aber er war zu feige, um es zuzugeben. Oder… er war einfach nur verrückt. Er war es zwar gewohnt, alleine zu sein, aber er konnte leider nicht leugnen, dass es schön wäre, jemanden zu haben. Zusammen aufzuwachen, zu frühstücken, den Tag gemeinsam zu verbringen. Er musste nur endlich damit aufhören, dieser Fantasie Olivers Gesicht aufzukleben.
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    • Oliver

      Alexis' Begeisterung zauberte Oliver ein kleines Lächeln aufs Gesicht. Irgendwie hatte er das Gefühl, ihn abseits von den Kindern viel zu selten wirklich glücklich zu sehen. Meistens irgendwie etwas angespannt, oder schlichtweg traurig, was offenbar Alexis' Grundausstrahlung war. Irgendwie sollte er daran gewöhnt sein, aber es zog ihn doch immer ein bisschen mit runter. Ihn zur abwechslung mal begeistert zu sehen war wirklich schön.
      "Du musst Florin nicht wegen mir das Wochenende ruinieren. Du vereinsamst uns schon nicht. Sam hat auch immer ein paar Freunde dabei. Marcy nicht, wegen der Sache mit den Nerven. Und Jordan ist ja auch noch da."

      Die Fahrt war nicht besonders lang. Oliver drehte das Radio wieder ein wenig lauter, nachdem er eingeparkt hatte und schaltete den Motor aus. Er hatte einen der letzten Parkplätze am Straßenrand erwischt. In der Richtung des kleinen Restaurants war nicht sonderlich viel los, aber die Einkaufsstraße unweit von ihnen war ziemlich lebendig mit Menschen, die offenbar ihren Feierabendeinkauf hinter sich bringen wollten.
      "Also, dann wollen wir mal schauen, ob wir wirklich einfach furchtbare Werbeopfer sind, nicht?" Oliver grinste, bevor er die Tür öffnete und ausstieg. Sie gingen ein paar Schritte auf das Restaurant zu, während Oliver sein Handy zückte, um Jordan bescheid zu geben, wo sie waren. Was offenbar unnötig war. Er sah seinen Freund schon von weitem vor dem Restaurant sehen, vertieft in sein Handy, die braunen Haare halb hochgesteckt. Jordan war immer schon verdammt hübsch gewesen. Deshalb hatte Oliver ihn damals überhaupt erst angesprochen. Ein Gesicht, wie eine Porzellanpuppe. Eine hübsche Porzellanpuppe, keine von diesen gruseligen Dingern, deren Augen einen verfolgten und die mit absoluter Sicherheit besessen waren. Oliver war ab dem Moment verliebt gewesen, in dem er realisiert hatte, dass das hübsche Gesicht außerdem ein ziemlich kluges Köpfchen war.
      "Joe!" Oliver lächelte leicht, während er seinem Freund zuwinkte. Jordan zuckte kurz zusammen, sah auf und erwiderte das Lächeln für eine Sekunde aufrichtig, bevor es seltsam hölzern wurde. Oh. Vielleicht hätte er ihm eben eine kurze Nachricht schicken sollen, dass er Alexis eingeladen hatte. Irgendwie hatte er nicht daran gedacht. "Alexis hatte heute auch noch nichts gegessen, also habe ich ihn eingeladen", erklärte er, zog Jordan kurz an sich und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Lippen.
      "Das sehe ich", antwortete Jordan in einem Tonfall, als ob er ein 'leider' in letzter Sekunde runtergeschluckt hätte. "Hey", schob er flach hinterher, während er sich an Alexis wandte, das hölzerne Lächeln immer noch auf den Lippen. "Ich schätze, du hast Oliver keine Zeit gelassen, mich vorzuwarnen, hm?"
      "Sollen wir rein gehen, bevor kein Platz mehr da ist?", schritt Oliver dazwischen, bevor die Atmosphäre zwischen ihnen noch seltsamer werden konnte. Er verstand einfach nicht, warum Jordan und Alexis sich immer so abweisend zueinander verhielten. Auf dem Papier mussten sie eigentlich problemlos die besten Freunde werden. Sie waren sich in manchen Punkten so verdammt ähnlich.
    • Alexis

      Es war schlechtes Karma. Alexis hatte sich im Auto gerade noch gedacht, dass er auf jeden Fall Florin mitnehmen musste, wenn seine andere Option war, sich bei dem Konzert mit Jordan zu unterhalten. Manchmal… hatte Alexis das Gefühl, dass Jordan ihn genau durchschaute. Dass er in der Sekunde, in der sie sich zum ersten Mal getroffen hatten, gewusst hatte, was Alexis für seinen Freund empfand. Und… Alexis kämpfte seither unglaublich damit, ihm überhaupt in die Augen zu sehen. Was das Ganze vermutlich noch offensichtlicher machte. Irgendwie war die Abneigung ja auch vollkommen gerechtfertigt. Immerhin arbeiteten Oliver und er zwar zusammen, aber es gab wohl keinen Grund, sich außerhalb der Arbeit zu treffen, mit Ausnahme… dass sie so etwas wie Kindheitsfreunde waren. Aber sie hatten ewig lange keinen Kontakt gehabt, also zählte das irgendwie auch nicht richtig.
      Jedenfalls war es Karma. Dass Alexis ausstieg und er Oliver auf einmal Jordans Namen rufen hörte. Ihm zwei Sekunden später Augen entgegen blitzten, die sowohl Alexis überraschten, als auch von ihm überrascht zu sein schienen. Alexis war völlig perplex und grüßte Jordan ein Stück zu langsam. Dafür durchschaute er die bissigen Worte sofort.
      „Tut mir leid, ich wusste nicht, dass du-“ Nein. Alexis stockte. Das machte es noch viel schlimmer. Dass er Oliver problemlos treffen würde, wenn sein Freund nicht dabei war? Das ging vollkommen in die falsche Richtung.
      Alexis war erleichtert, als Oliver ihm das Wort abschnitt. Aber er hatte auf einmal das Bedürfnis, umzudrehen und in den nächsten Bus zu steigen. Er folgte den beiden trotzdem ins Restaurant und sprach innerlich ein kleines Gebet aus. Eine verzweifelte Bitte an sich selbst, sich normal zu verhalten. Jordan in die Augen sehen zu können und nicht bei jedem flüchtigen Kuss der beiden das Gefühl zu haben, dass seine Organe sich neu anordneten.
      Alleine, Platz zu nehmen, stellte sich als schwierig heraus. Alexis ließ den beiden schließlich den Vortritt und setzte sich gegenüber. Das war normal. Das war in Ordnung. Nur starrte er direkt in Jordans Gesicht.
      „Ähm… also stand das Restaurant schon lange auf eurer Liste?“, fragte er, um das unangenehme, erdrückende Schweigen zu durchbrechen. Alexis hatte sich selten so fehl am Platz gefühlt, aber es kam ihm beleidigend vor, einfach zu gehen. Egal, was er tat, er würde sich nicht zu Jordans Freund damit machen. Aber brachte es überhaupt noch etwas, ihn überzeugen zu wollen, dass Oliver und er nur Freunde waren? Es stimmte zwar, und es würde nie anders sein, aber Alexis würde sich selbst an Jordans Stelle genauso hassen. Er tat es ja schon an seiner eigenen Stelle.
      „Ich hab gehört, es gibt ziemlich gute Saucen… für die Pommes“, murmelte er und schlug ein Menü auf.
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    • Jordan

      Oliver Fairchild war einer der besten Menschen, die es auf dieser Erde gab. Er schien immer gut gelaunt zu sein, hatte ein mitreißendes Lachen und war ein unfassbar guter Küsser. Jordan liebte ihn. Aufrichtig. Meistens. Jetzt gerade wollte er ihm am liebsten den Hals umdrehen. Obwohl Oliver eigentlich nicht das Problem war. Oliver war ein wenig übereifrig, wenn es um seine Freunde ging. Er wollte immer das Beste für sie. Das war okay. Das war einer der Gründe, warum Jordan sich in ihn verliebt hatte, nachdem er ursprünglich Bedenken über Bedenken gehabt hatte. Es war okay gewesen, bis Alexis sich in ihr Leben gedrängt hatte.
      Jordan wusste nicht viel über Alexis. Als er anfangs noch versucht hatte, sich mit ihm anzufreunden war ziemlich schnell klar gewesen, dass sie beide nicht unbedingt extrovertiert waren. Alles was er wusste war, dass Oliver zu Schulzeiten mit seinem Bruder befreundet gewesen war, dass sie zusammen arbeiteten und dass Alexis ziemlich offensichtlich auf seinen Freund stand und offensichtlich nicht genug Anstand besaß, um einfach Abstand zu halten. Nicht, dass Oliver überhaupt irgendwas davon merken würde. Jedes mal, wenn Jordan kleine Andeutungen machte, lachte sein Freund es mit der Erklärung weg, dass sie halt gut befreundet waren, oder dass Alexis halt etwas eigen war. Gott, kotzte ihn das an. Er hatte schon seine ganze Zukunft mit Oliver zusammen gesehen, bevor Alexis aus dem Nichts aufgetaucht war und seinen Freund angesehen hatte, als wäre er ein nettes Dessert. Und Oliver war sozial genug, um ihn mit zum Essen zu bringen.
      "Nein", antwortete Jordan knapp auf Alexis' Frage.
      "Es hat nur ein/zwei Wochen gedauert, bis die Werbung mich gecatched hat. Ich glaube, ich habe vorher noch nicht mal was von dem Laden gehört. Wir wollten eigentlich früher gehen, aber dann ist uns was dazwischen gekommen und dann wollten wir heute mit Freunden hier sein, aber die hatten keine Zeit und irgendwie ist das wahrscheinlich ein schlechtes Zeichen, aber jetzt sind wie sowieso hier", erklärte Oliver etwas ausführlicher. Er klang ein kleines bisschen nervös, was Jordan ein wenig erleichterte. Was ziemlich furchtbar war. Warum sollte man wollen, dass sich der eigene Freund schlecht fühlte? Er starrte auf die Karte, ohne wirklich zu lesen, was der Laden überhaupt anbot.
      "Wovon hat Oliver dich heute abend abgehalten?", fragte er etwas desinteressiert zurück. Was genau Alexis' eigentliche Abendplanung gewesen war, interessierte ihn nur, weil Jordan abschätzen wollte, wie viel Alexis mittlerweile aufgeben würde, um mit seinem Freund abzuhängen. Vielleicht entwickelte Jordan langsam auch einfach etwas Selbsthass.
    • Alexis

      Es war, als könnte man den Hass, der in der Luft schwebte, durchschneiden. Was machte Alexis überhaupt hier? Er fühlte sich wie das dritte Rad am Wagen und… er war es auch. Die wirkliche Frage war ja, wieso Oliver ihn eingeladen hatte. Versuchte er, Jordan und ihn wie mittels einer Art „Parent Trap“ zu Freunden zu machen? Das würde in diesem Leben nicht mehr passieren. Das Gute war ja nur, dass Oliver scheinbar absolut keinen Schimmer hatte, dass Alexis etwas für ihn empfand. Wenn… wenn er dadurch nicht riskieren würde, dass Oliver es je rausfand, und wenn Jordan ihm auch nur einen Funken Vertrauen entgegenbringen könnte, hätte Alexis längst versucht, es ihm zu erklären. Dass er seine Gefühle nicht unter Kontrolle hatte, aber er nie versuchen würde, zwischen die beiden zu kommen, egal wie oft es ihm das Herz brach, sie zusammen zu sehen. Weil das furchtbar war. Weil er kein schlechter Mensch war, der so etwas tat. Er wusste, dass die beiden einander liebten, und er würde Abstand von Oliver halten, wenn er es könnte. Wenn er es… emotional könnte. Er mochte ihn zu sehr. Irgendwann hatte Alexis diese Grenze zwischen einem kleinen Schwarm und einer verrückten Verliebtheit irgendwie übertreten ohne es zu merken.
      „Ah…“, machte Alexis nur, als Oliver die ausschweifendere Erklärung bot, und seltsam nervös wirkte, wie Alexis es nicht gewohnt war. Wenn er jetzt schon dafür sorgte, dass Oliver sich schlecht fühlte, sollte er eigentlich wirklich gehen. Vielleicht, wenn er so tat, als würde es ihm nicht gut gehen? Das war wahrscheinlich zu offensichtlich… Er könnte Florin eine Nachricht tippen, dass er ihn anrufen und hier rausholen sollte.
      „Eigentlich nur von einer Packung Tiefkühlpommes und einem Film… Ich hab heute dummerweise mein Mittagessen zuhause stehen lassen, also dachte ich, dass ein Restaurantbesuch dann doch irgendwie… schneller und gemütlicher ist“, antwortete er auf Jordans Frage. Wie man sich doch irren konnte. Gemütlich war nicht unbedingt ein Wort, das Alexis nutzen würde, um das hier zu beschreiben.
      Er räusperte sich. „Ich nehme dann den Chicken Burger, glaube ich“ Er nahm möglichst unauffällig sein Handy in die Hand und tippte Florin ganz einfach nur ein >Hilfe<, bevor er sein Handy verkehrt herum wieder ablegte und wartete, ob sein Bruder überhaupt annähernd erreichbar war, bevor er ihm dazu eine unnötige Erklärung schrieb.
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    • Oliver

      Das lief nicht ganz so, wie geplant. Jordan saß seltsam angespannt neben ihm, während Alexis noch miserabler aussah, als sonst. Oliver spielte ein wenig mit der Speisekarte in seinen Händen. Jordan hatte seine viel zu lange nicht umgeschlagen, was untypisch war. Er war nicht gerade abenteuerlustig, wenn es um sein Essen ging und suchte normalerweise die Karte nach dem langweiligsten Gericht ab, das er finden konnte, sobald sie im Restaurant saßen. Oliver selbst war da nicht ganz so wählerisch. Auch wenn er die Grenze bei den Limos zog.
      "Ah", kommentierte Jordan flach. Normalerweise war er nie so drauf. Vielleicht hatte er irgendwie zusätzlichen Stress auf der Arbeit, oder so. Jordan hing meistens an mehreren Themen zeitgleich, recherchierte oft viel zu lange und half zusätzlich ab und an bei dem kleinen Radiosender aus, bei dem er damals die Ausbildung gemacht hatte. Das war viel. Vielleicht würde er sich wieder einbekommen, wenn er was gegessen hatte.
      "Oh, der klingt super. Oh. Die haben sogar einen mit Anannass. Mom würde ausflippen. Ich glaube, ich probiere den ganze normalen Cheeseburger, so als Base Line", antwortete Oliver, bemüht, möglichst unbekümmert zu klingen. Sie würden es schon irgendwie durch diese komische Stimmung hindurch schaffen und einen schönen Abend haben, nicht? Er ward Jordan ein kleines Lächeln zu, was sein Freund beinahe reflexartig erwiderte. So schlimm konnte es also noch nicht sein.
      "Oh, weißt du, was heute witziges passiert ist?", fragte er, während er sich zu Jordan drehte. "Wir hatten zwei neue Patienten und es hat sich herausgestellt, dass Alexis ihren Dad gekannt hat. Manchmal ist London doch ein Dorf, oder?"
      "Offensichtlich. Muss gut gewesen sein, ihn nochmal gesehen zu haben. Kleine Umstellung, dass er offenbar in einer Beziehung steckt, nehme ich an?" Jordan starrte Alexis mit einem Lächeln an, das seine Augen nicht erreichte. Oliver griff nach der Hand seines Freundes und drückte sie kurz.
      "Alles okay?"
      "Alles wunderbar. Wieso?" Das Lächeln war verschwunden. Jordan presste seine Lippen aufeinander. Er erwiderte den Druck von Olivers Händen nicht. Irgendwas lief gerade gewaltig schief.
    • Alexis

      Alexis wusste nicht, was er sagen sollte, also warf er Oliver ein aufmunterndes, wenn auch etwas ungemütliches Lächeln zu. Es war süß, dass er noch versuchte, die Stimmung zu lockern, oder ganz einfach zu ignorieren, wie furchtbar sie war. Gleichzeitig wurde Alexis die Frage nicht los, warum er hier war. Was hatte Oliver sich dabei gedacht? Dachte er überhaupt irgendetwas? Manchmal war es ganz süß, dass er nicht so viel nachdachte. Und manchmal könnte es zu einem Gruppenselbstmord führen.
      Alexis riss die Augen unabsichtlich ein wenig auf, als Oliver von der kleinen Geschichte von heute Vormittag anfing, und wollte bereits durchatmen, als er nicht zu viel offenbarte. Das brauchten sie gerade noch. Ein weitläufiges Gespräch über Alexis Ex.
      Er konnte trotzdem nicht durchatmen, weil Jordan auf einmal direkt gehässig wurde, während er es sonst nur indirekt war. Okay, ganz direkt war es noch nicht. Aber Alexis konnte spüren, dass sie auf dem besten Weg waren, um eine Szene im Restaurant zu machen.
      „Eigentlich war es der… andere Vater, der die Kinder mitgebracht hat. Den kannte ich nicht“, antwortete Alexis zivil. „Aber ich hab mich sehr für ihn gefreut. Anscheinend sind sie sehr glücklich zusammen. Die Kinder waren auch niedlich“ Alexis wusste genau, was Jordan ihm sagen wollte, also konnte er ja so eine direkte-indirekte Botschaft zurückschicken, nicht? Das war nicht unbedingt professionell, aber Alexis hatte auch kein Lehrbuch, das solche Situationen behandelte. Also musste er halt raten, was die beste Lösung war.
      „Ich… glaube ich-“, fing Alexis an und wollte sich schon zur Toilette davonstehlen, um Florin selbst anzurufen, als sein Handy vibrierte und er ein Dutzend Fragezeichen als Nachricht bekommen hatte.
      „Ah… Sorry. Mein Bruder“, sagte er und lächelte entschuldigend. Er tippte zurück und versuchte so vage zu bleiben, wie irgend möglich, ohne die Situation zu alarmierend klingen zu lassen. „Er hat bald ein Event… Vielleicht will er, dass ich seine Katzen füttere, oder so…“, murmelte Alexis. Das war keine Lüge. Vielleicht wollte Florin das ja wirklich.
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