The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Ezra

      “Dein Schmachten sieht überaus attraktiv aus”, merkte Ezra an, während er es Andrew gleich tat und - weitaus uneleganter, als er - seine Kleidung los wurde, bevor Andrew ihn wieder küssen konnte. Irgendwie fühlte er sich gerade wieder ein bisschen wie ein Teenager, der es ein wenig zu eilig hatte und sein Körper ließ ihn das mit einem kleinen Ziehen im Rücken spüren.
      “Mir geht es gut”, versicherte er trotzdem. “Ich melde mich schon früh genug.” Musste er. Er wollte auf keinen Fall, dass er die Kinder mit einem versehentlichen Aufschrei weckte. Er musste dringend den Schlüssel fürs Schlafzimmer wiederfinden. Obwohl das wohl eh hinfällig war. Jetzt gerade brauchte er Andrew. Er brauchte die Nähe und den Hautkontakt. Mit dem nächsten Mal würden sie dafür wahrscheinlich einfach warten, bis die Kinder weg waren.
      Er stöhnte sanft in Andrews Ohr und nickte knapp, als er Gleitgel und Kondome erwähnte. “Ja, bitte!” Er hielt ihn für einen kleinen Kuss zurück, bevor er mit seiner Hand erneut über Andrews Rippen strich, während er sich zur Seite lehnte, um besagte Gegenstände aus dem Nachttisch zu holen. “Was schwebt dir vor, Darling?”, fragte er, während er sich so weit aufstützte, wie er konnte, um einen Kuss auf Andrews Schlüsselbein zu drücken. Sobald er wieder beide Arme hatte, musste er sich unbedingt für das alles hier revanchieren. Andrew war bei dem ganzen Durcheinander definitiv zu kurz gekommen, dafür, dass er sich so viel Mühe gab, dass nichts schief lief.
      “Ich bin bei allem dabei, solange ich mich nicht abstützen muss. Du kannst mich also auf diverse Art und Weise weiterhin anschmachten.” Er lächelte, während er mit seiner Hand über Andrews Erektion fuhr, solange dieser mit dem Kondom beschäftigt war, was ein wirklich netter Anblick war, aber…”Andy? Wenn das alles durch ist, also der Arm wieder ganz und so…könnten wir vielleicht darüber nachdenken, uns testen zu lassen? Und dann zukünftig auf Kondome verzichten?”, schlug er bemüht unschuldig vor. Wie oft hatte er schon gehört, dass es sich ohne besser anfühlte, auch, wenn er bezweifelte, dass ihr Sex noch besser werden konnte? Er wollte es wenigstens mal ausprobieren. “Natürlich nur, wenn du dich bei dem Gedanken daran gut fühlst. Veto-Recht und so.”
    • Andrew

      Andrew riss die Folierung vorsichtig auf. Das 'Ja' war ziemlich enthusiastisch gewesen, sodass Andrew gezwungen war, Ezra zu glauben, wenn er sagte, dass es ihm gut ging. Er war sich zwar auch sicher, dass Ezra eine recht hohe Schmerzgrenze haben musste und vor allem die Angewohnheit, Andrew keine Sorgen machen zu wollen, aber manchmal sollte man wohl glauben was man hörte. Und was man sah. Andrew streifte seinem Freund das Kondom über, etwas unkonzentriert, weil Ezras Hand sich zu gut anfühlte, und er vergaß beinahe, ihm zu antworten.
      "Ah… bleib einfach liegen, kein Aufstützen notwendig", hauchte er und beugte sich wieder zu Ezra herunter, um ihn zwischen ein paar tieferen Atemzügen zu küssen, während er sich selbst mit seinen Fingern vorbereitete. Die doppelte Stimulation machte ihn jetzt schon ekstatisch.
      "Huh? Oh, ja, machen wir", stimmte er sofort zwischen leisem Stöhnen zu. Das hätten sie bestimmt längst mal tun können, aber es war in ihrem eigenartigen Alltag nicht wirklich das erste, an das man dachte. Andrew hatte Kondome einfach in die Routine aufgenommen, aber wirklich notwendig war es bei ihnen vermutlich nicht, und er hatte auch nichts dagegen, sie wegzulassen. Nur hatte er auch noch nie ohne Kondom Sex gehabt, dafür waren seine kurzweiligen Beziehungen definitiv nicht ernst genug gewesen, was aber vielleicht… naja… gewöhnungsbedürftig sein könnte, wenn man in seinem Partner kam. Oder auch nicht. Das war vermutlich einfach etwas, das man ausprobieren musste.
      Andrew setzte sich wieder auf, hob seine Hüften und platzierte sich vorsichtig über Ezras Mitte, um ihn mit etwas Dirigierung seiner Hand in sich einzuführen, was deutlich langsamer vonstatten ging, wenn er die Kontrolle darüber selbst hatte. "Hah… fuck…", hauchte er, teils frustriert, dass es jedes Mal aufs neue eine Eingewöhnungsphase brauchte, teils positiv überwältigt von dem Gefühl. Nach ein paar Sekunden, und dann ein paar Bewegungen, überwog das gute Gefühl aber deutlich, und er ließ sich wieder zufrieden nach vorne über Ezra kippen, ohne mit den Bewegungen nachzulassen. Es war schwierig, darauf zu achten, leise zu sein, wenn es normalerweise nicht notwendig war.
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    • Ezra

      Er hatte nicht damit gerechnet, dass das Thema so schnell erledigt sein würde, aber zugegebenermaßen hatte er mit der Frage vielleicht auch nicht das beste Timing gehabt. Er selbst würde gerade auch zu allem Ja sagen, während er langsam in Andrew eindrang. Er biss sich auf die Unterlippe, um ein Aufstöhnen zu verhindern und stieß stattdessen einen tiefen Atemzug aus. Seine Hand wanderte kurz zu Andrews Hüfte, um ihn ein wenig zu stabilisieren, bevor er über seinen Rücken strich, als Andrew sich über ihn beugte.
      “Ist bei dir alles okay?”, gab er die Frage von eben zurück, obwohl Andrews Hüftbewegungen eigentlich Antwort genug waren. Er unterdrückte ein weiteres Aufstöhnen, während er seine Hüften im Takt von Andrews bewegte, auch wenn er das wahrscheinlich nicht lange durchhalten würde. Die Narbe an seinem Bein zog jetzt schon. Dafür war es seltsam erfrischend, leise sein zu müssen. Sicher, er liebte es, wenn Andrew ihn hören ließ, wie sehr er den Sex genoss, oder wenn er ihm ins Ohr stöhnte, aber so achtete er viel mehr auf die Mimik seines Freundes, während seine Hand wieder zurück zu Andrews Erektion wanderte, um ihn noch ein bisschen mehr zu verwöhnen.
      “Ich liebe dich, Baby”, hauchte er leise zwischen zwei Küssen. “Du weißt gar nicht, wie sehr.” Er stützte sich für den nächsten Kuss auf und zuckte kurz zusammen, als er dafür den falschen Arm nutzte. Schmerz schoss von seinem Ellenbogen in seine Schulter, während er ein kleines "Fuck", zischte. "Sorry. Nicht aufhören. Alles gut", versicherte er, während der Schmerz zu einem dumpfen Pochen wurde. "Du verdrehst mir einfach zu sehr den Kopf, fürchte ich." Obwohl er das wahrscheinlich auch ohne Andrew hinbekommen hätte. Also nicht im selben Kontext, dafür benötigte er Andrew definitiv, aber es war immer nur eine Frage der Zeit, bis er sich irgendwo anstieß, oder irgendwo gegen lief. Zum Glück taten die Schmerzmittel ihren Job.
    • Andrew

      „So gut“, war Andrews etwas verfehlte Antwort auf Ezras Frage, während er den Kopf gegen die Schulter seines Freunds sinken ließ. Seine Bewegungen waren gleichmäßig und bedacht, bei jedem Stoß das Gefühl völlig ausgekostend, und sein Kopf war abgeschalten. Ezras Liebesgeständnis ließ ihn noch tiefer in die absolute Zufriedenheit sinken. Zumindest so lange, bis er ein schmerzverzerrtes „Fuck“ hörte und verwirrt innehielt, immernoch schwer atmend, unsicher was Ezra in dieser Situation nun getan haben könnte, um sich zu verletzen. Oh. Falscher Arm. Andrew schüttelte kurz den Kopf, bevor er den Kuss erwiderte, für den Ezra sich ihm entgegen lehnen wollte, und dann drückte er ihn kraftvoll an der Brust zurück in die Matratze.
      „Ich hab doch gerade gesagt, du sollst liegen bleiben“, meinte er außer Atem. Das war‘s, seine Hand würde genau da bleiben, auf Ezras Brust, um sicherzugehen, dass er nicht nochmal vergessen konnte, welchen Arm er sich gebrochen hatte. Er kam dennoch schnell wieder in seinen Rhythmus hinein, teils weil er sich selbst kaum stoppen konnte, nicht in dieser Position und wenn es sich so gut anfühlte. Besser, Ezra bewegte sich keinen Millimeter mehr, damit er es nicht auf magische Weise zustande brachte, das hier frühzeitig zu beenden.
      „Sag mir einfach… was du willst… hah“ Sicher, ein Positionswechsel war nach einer Weile immer ganz nett, aber sie hatten gerade wenig Auswahl. Andrew beugte sich wieder zu dem Blonden herunter, um ihn, solange sein Atem reichte, mit Küssen zu verwöhnen, und währenddessen unkonzentriert sein Tempo beizubehalten, was nach ein paar Minuten schon unmöglich wurde. Er wurde schneller, dann wieder langsamer, um tiefer zu gehen, und im Endeffekt verlor er ein wenig das Bewusstsein darüber, dass er sich an Ezra anpassen sollte. Das wurde gegen Ende immer ein Problem, auch wenn es bisher… noch nicht wirklich ein Problem gewesen war. Andrew war eben nicht besonders mindful, wenn er kurz vorm Orgasmus stand.
      „Ich komme gleich“, seufzte er vorwarnend und ließ den Kopf sinken. Es brachte ihn viel schneller an seine Grenzen, wenn er passiv war. Auch wenn passiv irgendwie das falsche Wort zu sein schien, da er von den beanspruchten Muskeln langsam ein brennendes Ziehen in seinen Beinen spürte.
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    • Ezra

      "Ich kann nichts dafür, dass du", Ezra stoppte sich selbst kurz, um ein Stöhnen zu unterdrücken, "so heiß bist, dass ich dir nah sein will", beschwerte er sich schlussendlich mit einem kleinen Schmollen, das schon bei der nächsten Hüftbewegung wieder durch einen hilfloses unterdrücktes Aufstöhnen abgelöst wurde. Mit der Hand auf seiner Brust musste Andrew spüren, wie schnell sein Herz schlug und wie furchtbar warm ihm war. Peinlicherweise war die Hand gar keine so schlechte Idee - Ezra erwischte sich selbst ein paar Augenblicke später dabei, wie er sich wieder aus Reflex aufstützen wollte, um, vollkommen im Rausch gefangen, die Position ein wenig anzupassen. Wenigstens schaffte Andrew es Problemlos, den Schmerz in seinem Arm irgendwo in die hinterste Ecke seines Bewusstseins zu schieben.
      "Mach einfach so weiter, Darling", antwortete Ezra auf die Rückfrage, einfach, weil es keine wirklichen Alternativen gab. Beim nächsten mal, nahm er sich wieder vor. Beim nächsten mal würde er richtig romantisch und kreativ werden und Andrew sämtliche Wünsche von den Lippen ablesen, während er ihn komplett verwöhnen würde. Aber momentan blieb ihm nichts anderes übrig, als die Show zu genießen und zu versuchen, mit Andrew im Takt zu bleiben und das möglichst leise. Was schwerer war, als gedacht.
      Das mit dem leise sein bekam er einigermaßen gut hin. Mit Andrew in einem Takt zu bleiben war gegen Ende schlicht unmöglich. Andrew hatte seinen ganz eigenen Rhythmus, schon seit Beginn ihrer Beziehung und es war unfassbar heiß und ein wenig überfordernd. Ezra hatte sämtliches rationales Denken eingestellt, als Andrew anmerkte, dass er dem Höhepunkt nahe war. "Halt dich nicht zurück", antwortete er atemlos, während seine Hand an Andrews Erektion schneller wurde. Er stand ja selbst kurz vor dem Orgasmus. Der Anblick vor ihm war unglaublich erotisch und Andrews Takt tat sein übriges.
      Ezra erstickte sein Aufstöhnen mit einem Kuss, als er kam. Er tat sein möglichstes, um Andrews Orgasmus möglichst lang zu ziehen, bevor er ihn vollkommen außer Atem zu sich runter zog und einfach festhielt. Kaputt, verschwitzt, aber vollkommen glücklich.
      "Ich liebe dich", flüsterte er in Andrews Ohr hinein, nur um auch wirklich ganz sicher zu gehen, dass ihm bewusst war, dass er dieser Beziehung nicht mehr entkommen konnte. Für einen Moment hielt er ihn weiter, während er gedankenverloren mit Andrews Haarspitzen spielte. Wahrscheinlich sollten sie aufstehen, duschen, sich anziehen. Aber gerade hatte er das Gefühl, dass er so die Augen schließen und einschlafen könnte. Jetzt, wo das Adrenalin langsam abnahm, meldete sich außerdem sein Arm wieder zurück, um ihn an die dämliche Aufstützt-Aktion zu erinnern. "Ich glaube, ich kann nicht mehr aufstehen."
    • Andrew

      Es war grauenvoll, seine Stimme zurückzuhalten. Darin war er nie gut gewesen, immerhin hatte es auch nie jemanden gegeben, auf den er hätte Rücksicht nehmen müssen. Nicht einmal seine Nachbarn hätte so etwas interessiert.
      Andrew ersetzte sein Stöhnen zum größten Teil mit schweren Atemzügen, bevor er sich zu Ezra herunterziehen ließ und für einen Moment ziemlich zusammensackte. Oh. Er war völlig fertig. Keine Faser seines Körpers hatte noch Kraft übrig. Das war interessant.
      „Ich liebe dich auch“, nuschelte er undeutlich, weil sogar Reden gerade zu anstrengend war, und blieb einfach liegen. Auf Ezra. Der voller blauer Flecken und Narben und Gips war. Bei der Realisation stieß Andrew einen frustrierten Laut auf und stützte sich hoch, was wohl die richtige Entscheidung gewesen war, wenn Ezra sagte, dass er nicht mehr aufstehen konnte.
      „Was meinst du…?“, fragte Andrew, immernoch erledigt, während er sich von Ezra rollte und ins Bett kippte. Dann zuckte er wieder hoch. „Du kannst nicht wirklich nicht mehr aufstehen, oder? Tut dein Arm sehr weh? Sind deine Beine okay- Ich hätte mich nicht mit ganzem Gewicht auf dich setzen sollen“ Andrew redete sich selbst im Flüsterton in eine Spirale aus Panik hinein. Er setzte sich wieder und inspizierte Ezra kurz, dann schnappte er vom Boden Ezras Unterwäsche und machte sich sofort daran, seine Füße durch die Löcher zu fädeln. „Soll ich im Krankenhaus anrufen?“, fragte er gestresst. „Oder willst du was zu trinken?“ Es half irgendwie nicht, dass Andrew kaum in der Lage war, seine Beine zu heben, um sich selbst anzuziehen, aber der Gedanke, seinem Freund vielleicht irgendeinen geprellten Knochen noch gebrochen zu haben, trieb ihn an. Außerdem hatten sie sich völlig gehen lassen und Andrew konnte gerade nicht mehr realistisch nachvollziehen, wie laut sie tatsächlich gewesen waren und ob er unabsichtlich ein paar Kinder traumatisiert hatte, die verängstigt vor der Tür saßen, oder so, und wenn er sich darum kümmerte, wollte er wenigstens eine Hose tragen.
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    • Ezra

      Für einen Moment konnte Ezra einfach nur starren. Sein Hirn war immer noch so in dem kleinen Nach-Rausch seines Orgasmus' gefangen, dass er etwas brauchte um zu verarbeiten, was geschah. Fuck. Er hätte das nicht sagen sollen. Er hätte wissen müssen, dass so was direkt wieder alle Alarmglocken in Andrews Kopf zum schellen bringen würde. "Andrew", setzte er an, aber sein Freund war schon mit Begeisterung dabei, sich selbst in eine Panikattake rein zu reden.
      "Andrew." Ezra stützte sich - diesmal mit dem richtigen Arm - auf und presste Andrew aus purer Hilflosigkeit seine Hand auf den Mund. "Mir geht es gut, Darling", erklärte er leise, aber bestimmt, während er bewusst seinen Blick hielt. Nicht, dass das schwer wäre. Andrew hatte wirklich hübsche Augen, auch wenn man ihm die Panik daraus ablesen konnte. "Alles zieht ein bisschen und der Arm pocht, aber das ist morgen früh wieder weg", versicherte er. "Ich bin nur wirklich, wirklich müde." Und er würde morgen definitiv einen Muskelkater haben, aber das musste er Andrew nicht unbedingt auf die Nase binden.
      "Okay?" Er sah Andrew noch einen Moment an, bevor er die Hand von seinem Mund zurück zog und stattdessen über seine Wange stich. "Ich hab mich blöd ausgedrückt. Du machst dir viel zu viele Sorgen. Wir schleppen uns jetzt ins Bad, gehen ins Bett und morgen ist alles schon viel besser." Er lehnte sich nach vorne, drückte Andrew einen Kuss auf die Wange und stand vorsichtig auf. Okay, vielleicht hatte er doch nicht so sehr übertrieben. Die Narbe an seinem Oberschenkel fühlte sich an, als würde jemand ihm ein Messer ins Bein stechen und irritierenderweise wanderte der Schmerz in seinem Arm langsam runter zu der Narbe, die Nadia vor Monaten in seiner Handfläche hinterlassen hatte. Aber das war alles kein Grund zur Panik.
      "Na komm." Er zupfte seine Boxershorts ordentlich zurecht, bevor er Andrew seine Hand entgegenstreckte. "Je mehr Sorgen du dir machst, desto mehr Anti-Falten-Cremes wirst du brauchen. Das ist dir schon bewusst, oder?"
    • Andrew

      Andrew stoppte in seinem Tun, sein Satinhemd zuzuknöpfen, beinahe bereit Ezra die Stiegen herunter und in sein Auto zu tragen, als die Hand auf seinem Mund landete. Er sah Ezra verwirrt an, wurde aber mit jedem Wort wieder ruhiger. Er machte sich… wohl wirklich viel zu viele Sorgen. Ezra war nur müde. Er sagte dauernd solche Dinge wie ‚ich kann nicht aufstehen‘ und ‚ich kann mich nicht bewegen‘. Warum reagierte Andrew so über? Er spürte, wie seine Lippe unfreiwillig etwas zitterte, als Ezra ihm versicherte, dass morgen schon alles besser sein würde.
      „Okay“, flüsterte er. „Tut mir leid“ Und dann floss ihm eine Träne über die Wange, die er nicht aufhalten konnte. Er sah Ezra kurz dabei zu, wie er wackelig aufstand, und das war alles, was Andrew gebraucht hatte, damit ihm ein Wasserfall aus den Augen stürzte. Er nahm Ezras Hand an, nutzte sie aber nicht wirklich als Hilfe, um aufzustehen, sondern einfach um sie festzuhalten.
      „Ich benutze längst eine Anti-Falten-Creme“, wand er mit zittriger Stimme ein und versuchte sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen, was absolut nichts brachte. Er war sich auch nicht sicher, wieso er in letzter Zeit so empfindlich darauf reagierte, wenn Ezra nur sein übliches ‚Ouch‘ im Laufe des Tages aussprach. Seit dem Unfall schossen die Tränen aus ihm heraus, ohne dass er noch eine Chance hätte, an etwas anderes zu denken. Dabei hatte er nie oft geweint und war eher noch emotionslos genannt worden. Es war nur… der Gedanke, dass Ezra etwas passierte, ließ sein Herz stoppen. Nicht nur die Tatsache, dass er sterben könnte, alleine seine Verletzungen waren plötzlich unerträglich vorzustellen. Was… nicht gut war, wenn man Ezra datete, der sich immer verletzte.
      Vielleicht war er auch einfach nur erschöpft. Er war wirklich müde. Das war er die letzten Tage schon gewesen und Schlaf schien es auch nicht besser zu machen. Wahrscheinlich übertrieb er derzeit deshalb so schnell.
      „Sorry, ich weiß, es ist alles okay, es geht dir gut“, begann er zu versichern, mit recht fester Stimme, die gegen Ende immer zerbrechlicher wurde. Noch armseliger ging es kaum, aber seine eigenen Worte trieben ihm sofort noch mehr Tränen in die Augen.
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    • Ezra

      Ezra hatte das Gefühl, dass sich seine Brust zusammenschnürte, als er die erste Träne über Andrews Wange rollte. Er hatte ihn noch nie so weinen gesehen, egal, wie frustriert er gewesen war, oder in was Ezra ihn reingezogen hatte. Er entschied sofort, dass er diesen Anblick nicht mochte und am liebsten nie mehr sehen wollte. Er unterdrückte seinen Reflex, sofort wieder Tee aufsetzen zu wollen. Das schien bei Kindern - und vielleicht auch bei ihm - zu funktionieren, aber Andrew war ein deutlich schwierigerer Fall.
      “Andrew”, begann er sanft, während er sich wieder neben ihn aufs Bett setzte. “Es ist okay. Das war alles ein bisschen viel in den letzten Wochen, mhm?” Er ließ vorsichtig seine Hand los, um ihm die Tränen von der Wange zu wischen. Er sollte wohl wirklich besser darauf achten, was er sagte, was ihm furchtbar ungewohnt vorkam. Bisher hatte er noch nie jemanden in seinem Leben gehabt, der sich so viele Sorgen um ihn machte, wie Andrew. Alle anderen hatten seine ständigen Unfälle immer einfach hingenommen. Allerdings hatte er vorher auch noch nie im Koma gelegen und alle anderen hatten sich nicht zeitgleich um eine Beförderung und drei Kinder kümmern müssen.
      Mit einem kleinen Seufzen hauchte Ezra Andrew einen Kuss auf die Wange, bevor er seinen Kopf gegen seine Schulter lehnte und wieder nach seiner Hand griff. “Es ist gut, sich ab und an einfach mal richtig auszuheulen”, merkte er an, während er mit dem Daumen über Andrews Handrücken strich. “Wie wäre es, wenn wir uns morgen keinen Wecker stellen? Wir schlafen aus und du kümmerst dich halt um deine Mails, wenn wir irgendwann wach werden. Und dann schauen wir einfach, was der Tag so bringt.” Wahrscheinlich brauchten sie selbst auch einfach einen guten Psychologen. Ezra hasste die Vorstellung, dass Andrew sich jetzt dauerhaft selber kaputt machen würde, weil er sich nur noch Sorgen machte.
    • Andrew

      Alles, was er die letzten Tage zusammengehalten hatte, um Ezra keine Sorgen zu machen und die Arbeit mit den Kindern und dem Job alleine zu schultern, konnte er jetzt nicht anders als loszulassen. Er mochte das Gefühl nicht. Es schien plötzlich alles zu viel zu sein, obwohl ihm in den letzten Jahren nichts zu viel hätte sein können. Er hatte sich immer freiwillig in die Arbeit gestürzt, keine ruhige Sekunde gehabt, aber es war anders, wenn er sich nicht um stumpfe Arbeit und fremde Leute, sondern Menschen kümmerte, die ihm wichtig waren. Er hatte ständig Angst, etwas falsch zu machen, oder etwas zu übersehen. Unabsichtlich Ezra mehr Arbeit zu machen, als sie ihm abzunehmen, weil er von all dem, was er tun musste, keine Ahnung hatte.
      „Ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst und denkst, du musst irgendetwas selbst machen“, murmelte Andrew rau. „Oder dass du etwas selbst machst und etwas passiert“ Die Kombination aus seiner allgemeinen Kontrollsucht und der jetzigen Panik, Ezra und den Kindern irgendetwas zustoßen zu lassen, war teuflisch. Er hatte noch nie mit so viel unterschwelliger Angst gelebt, die seinen Körper irgendwie nie ganz verlassen wollte. In der letzten halben Stunde hatte er diesen ganzen Stress einmal fallen lassen können, nur damit er es jetzt nicht mehr zusammenhalten könnte und Ezra anweinte.
      Er dachte über den Vorschlag nach. Kein Wecker? Andrew wachte ohnehin fast immer automatisch vor jedem Wecker auf, aber das war gerade kein Normalzustand. Er war schrecklich müde. Die Arbeit konnte tatsächlich etwas warten, weil er dank der Kinder eine gute Ausrede hatte, aber-
      „Was ist mit den Kindern? Die schlafen nicht so lange“, sagte Andrew leise. Dass er den Vorschlag überhaupt annehmen wollte ließ ihn selbst das Level seiner eigenen Verzweiflung nochmal spüren. Sie hatten morgen geplant, auf einen Spielplatz zu gehen und Andrew wollte sie nicht alleine gehen lassen. Und dann die ganzen anderen Dinge, wenn man drei Kinder irgendwie durchfüttern und bei Laune halten musste… Was machten Eltern eigentlich, wenn sie mal krank waren? Andrew war nie krank. Nie. Er war auch nicht wirklich ein Elternteil, aber… ein wenig fühlte er sich schon so.
      Er wischte sich erneut über sein Gesicht, seine Tränen hatten nach ein paar Sekunden gestoppt, sobald Ezra sich zu ihm gesetzt hatte.
      „Solange du nicht versuchst, alleine zum Spielplatz abzuhauen, können wir das machen, aber ich will mitkommen“, murmelte er seinen Einwand. Und jetzt wollte er bloß noch ins Bett. Okay, vielleicht einmal kurz nach den Kindern sehen, duschen, und dann ins Bett.
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    • Ezra

      “Wir sind ein Team, Andrew”, antwortete Ezra sanft, aber bestimmt. “Es tut mir leid, dass ich dir praktisch gerade nicht so viel abnehmen kann, aber das heißt nicht, dass du die komplette emotionale Last auch alleine tragen musst.” Er drückte ihm einen weiteren Kuss auf die Wange. Wenn sie sich nicht zumindest ihre Sorgen teilten, könnten sie die Beziehung schließlich auch ganz bleiben lassen. Was er wahrscheinlich auch nicht laut aussprechen sollte. “Du musst nicht mehr versuchen, alles alleine hinzubekommen. Mir geht es nur gut, wenn es dir auch gut geht.” Er lächelte leicht und drückte Andrews Hand. Bei allem, was sie durchgemacht hatten, mussten sie sich immerhin wenigstens gegenseitig unterstützen. “Friss nicht immer alles in dich rein, okay?” Er konnte nur hoffen, dass Andrew sich das zumindest ein bisschen zu Herzen nehmen würde. Wenn nicht, müssten sie dringend nochmal ein deutlich ernsteres Gespräch führen.
      “Ich bin mir sicher, dass Max und Niko sich morgen früh mit ein paar Cartoons wunderbar selbst beschäftigen können. Oder eben mit Dokus.” Gott, Max war so ein seltsam erwachsenes Kind. “Um Elli kümmere ich mich schon. Bleib einfach zur Abwechslung mal liegen und mach gar nichts. Das hilft, du wirst schon sehen.” Elli brauchte ja meistens nicht mehr, als eine neue Windel und was zu Essen und das würde er locker auch mit einem Arm hinbekommen. “Ich glaube, sie werden nicht eingehen, wenn wir erst morgen Nachmittag zum Spielplatz gehen. Wenn du nett fragst, lässt Niko dich vielleicht sogar mal mitrutschen.” Er grinste, bemüht, Andrews Sorgen und Ängste langsam, aber sicher zu vertreiben. Sie würden morgen einen herrlich unaufregenden Tag haben und dann würde Andrew hoffentlich langsam runterkommen. Er wollte ihn nicht länger so traurig sehen. Vielleicht könnten sie Steve und Thomas fragen, ob sie die Woche babysitten würden, dann könnten sie sich sogar einen netten Tag zu zweit machen.
      “Und jetzt müssen wir es irgendwie schaffen, leise ins Bad zu kommen, bevor wir die Kinder wecken und gleich doch wieder bei uns im Bett liegen haben. Denkst du, wir schaffen das?” Er stand vorsichtig wieder auf und zog Andrew an der Hand mit sich. “Ich wette, dass Niko schon auf deiner Seite liegt, wenn wir aus dem Bad rauskommen.”
    • Andrew

      Andrew seufzte leicht. Er wusste das theoretisch ja, immerhin wollte er genauso, dass Ezra ihm immer ehrlich sagte, wie es ihm ging, und was ihm durch den Kopf ging, damit Andrew ihm auch helfen könnte. Er tat sich selbst nur etwas schwer dabei, ehrlich zu sein. Aus verschiedenen Gründen. Meistens sprach er seinen eigenen Gefühlen und Problemen einfach nicht viel Bedeutung zu. Er hatte es bisher auch wunderbar überlebt, alles immer etwas in den Hintergrund zu schieben. Auf der anderen Seite war er es schlichtweg nicht gewohnt, diese Dinge laut auszusprechen und mit jemandem zu teilen, und zusätzlich wollte er Ezra nicht belasten. Obwohl es ihn wahrscheinlich mehr belastete, wenn Andrew plötzlich zu heulen beginn, was alles andere als typisch für ihn war.
      Er hob den Kopf. "Okay. Ich will nur, dass du weißt, dass ich immer alles für dich tun würde. Auch, wenn es mich an meine Grenzen bringt. Ich will immer da sein, und dir deine Probleme abnehmen, bevor du sie überhaupt bemerkst. Es ist aber… wirklich schwer, dich am Leben zu halten" Andrew lächelte unweigerlich. Früher hatte er sich darüber aufgeregt, wie resilient Ezra war. Und jetzt erst fiel ihm auf, wie gut er darin war, sich ständig zu verletzen und wieviel Glück er hatte, dass es nie allzu schlimm endete.
      "Ich korrigiere, es ist schwer, dich vor Unfällen zu bewahren. Aber ich bin daran… wahrscheinlich sowohl in den letzten Jahren also auch in letzter Zeit zu einem großen Teil schuld, weil ich dich immer in solche Situationen reinziehe. Ich mache das nicht mehr. Wenn ich MLO leite, und ich hoffe Harald überlegt es sich nicht plötzlich anders, dann lege ich alles daran, dass wir nicht mehr in solche Situationen kommen" Er hob Ezras Hand und küsste seinen Handrücken, dann stand er auf, weil ja doch nichts daran vorbei führte, zu duschen und vermutlich mindestens ein Kind zu wecken.
      "Ich mag es übrigens, dass Niko so eine Klette ist", sagte er während er Ezra vom Bett zog. "Er erinnert mich an dich"
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    • Ezra

      Wenigstens lächelte Andrew wieder. Das war die Hauptsache, alles andere konnte auch bis morgen warten. Es würde jetzt sowieso nichts bringen, ihn daran zu erinnern, dass Ezra bis jetzt auch wunderbar alleine mit seinen Problemen fertig geworden war und Andrew sich nicht auch noch um sie kümmern musste. Zumindest nicht vollständig. Sie sollten generell einfach alle ihre Probleme teilen und zusammen lösen. Dafür war eine Partnerschaft doch da. Oder war das wieder eine von Ezras viel zu romantischen Vorstellungen?
      Er war noch nie in einer so ernsten Beziehung gewesen und irgendwie musste er feststellen, dass er sich das alles viel zu leicht vorgestellt hatte. So, als würde die Beziehung auf magische Art und Weise dafür sorgen, dass Andrew und er sich auch blind verstanden und nie Probleme haben würden. Meistens war das vielleicht auch wirklich der Fall, aber mit Situationen wie dieser hatte er irgendwie nie so richtig gerechnet. Wahrscheinlich sollte er zwischendurch mal irgendwas anderes lesen, als Romanzen, in denen immer alles gut lief und das größte Problem ein dämliches Missverständnis war. Vielleicht sollte er mal auf einen tatsächlichen Beziehungsratgeber zurückgreifen, um wenigsten einigermaßen vorbereitet in ein solches Gespräch herein zu gehen.
      "Ich weiß gar nicht, was du meinst", antwortete Ezra betont unschuldig, als Andrew Nikos Klammergewohnheiten ansprach. Er musste selbst ein bisschen dabei lachen. "Ich kann den Jungen verstehen. Ich würde auch gerne den ganzen Tag einfach nur an dir hängen. Sag das nur nicht zu laut, sonst kannst du ihn bald gar nicht mehr absetzen ohne dass er direkt wieder an deinen Beinen hängt." Es war unfassbar süß und wirklich niedlich mit anzusehen. Außerdem war es ein unfassbarer Kontrast zu Max, der manchmal so wirkte, als wollte er am liebsten nichts mit ihnen zu tun haben. Aber das würde sich hoffentlich noch einpendeln, bevor sie die Kinder abgeben mussten. Ezra wollte nur ein mal hören, wie Max wirklich mit ihnen redete, ohne, dass er dafür emotional am Ende sein musste.

      Ezra hetzte sich ein wenig durch seine Abendroutine, einzig aus dem Grund, dass er wirklich schlafen wollte. Es dauerte nicht lange, bis er wieder das verwaschene Shirt und die Jogginghose anhatte, Andrew zunuschelte, dass er sich so viel Zeit lassen sollte, wie er brauchte und wieder das Schlafzimmer ansteuerte. Er stoppte nur kurz zwischen, um nach den Kindern zu schauen, aber alle drei schienen immer noch zu schlafen. Zumindest gaben sie keinen Ton von sich, als Ezra den Kopf ins Wohnzimmer steckte. Er lächelte leicht, bevor er ins Schlafzimmer ging und sich vorsichtig in sein eigenes Bett fallen ließ, nur darauf wartend, dass Andrew sich zu ihm gesellte. Sie würden das schon alles hinbekommen, irgendwie. Er musste Andrew nur davon überzeugen, etwas von seinem Stress abzugeben. Schwer, aber nicht unmöglich. Hoffte er zumindest.
    • Andrew

      Andrew zuckte mit den Schultern. „Das ist okay, ihr könnt beide an mir hängen, ich hab ja zwei Beine“, flüsterte Andrew und küsste Ezras Wange. Es war wahrscheinlich nicht vorteilhaft, wie sehr die Kinder Andrew ans Herz wuchsen, auch wenn er selbst noch nicht so ganz verstand, wieso. Andrew war nicht nur für sie verantwortlich, er fühlte sich auch sehr verantwortlich, vor allem dafür, die Kinder möglichst oft lachen zu sehen. Max war eine kleine Herausforderung, aber es war eindeutig, dass man einfach auf seine speziellen Interessen eingehen musste, beziehungsweise sie erstmal herausfinden musste, um ihn glücklich zu machen. Dass er skeptisch war, würde sich noch legen. Irgendwann. Nur hatten sie dazu nicht mehr viel Zeit und eigentlich konnte es Andrew auch egal sein, eigentlich wäre es besser, Max gewöhnte sich nicht an ihn, aber Andrew wollte unbedingt, dass er sich wohl fühlte. Vielleicht war das selbstsüchtig und er sollte den Kindern nicht zu viele Hoffnungen machen, aber… er hatte das Gefühl, er machte sich selbst die Hoffnungen. Und wie sollte er damit umgehen? Es zulassen? Das ging mit so vielen Schwierigkeiten einher.

      Andrew folgte Ezra ins Bad und putzte sich wie aus Reflex ein zweites Mal die Zähne, bevor er mit seinem Freund tauschte und duschte. Es wäre schön, wenn es eine Erfindung gäbe, um sich nach dem Sex nicht verschwitzt und verklebt zu fühlen, damit man der Müdigkeit einfach nachgeben und direkt schlafen konnte. So viele doppelte Duschen wie sie in den letzten Monaten gemacht hatten, musste man das fast schon Wasserverschwendung nennen. Aber Andrew konnte sich nicht vorstellen, dass es einen so spezifischen Stein gab. Und selbst wenn… wie bekam er den bei MLO raus ohne seine Reputation zu gefährden? Hm.
      Er beeilte sich, so fern seine schmerzenden Muskeln es zuließen, und zog sich anschließend wieder an um zurück zu Ezra zu gehen. Dazwischen stoppte er kurz im Wohnzimmer, er konnte nicht anders, und kontrollierte, ob alle friedlich schliefen. Dann war er erst endgültig entspannt. Alles war okay. Ezra hatte recht, er konnte sich bestimmt mal eine kurze Auszeit gönnen, ohne dass die Welt unterging.
      Als er zurück ins Schlafzimmer kam, musste er leicht lächeln. Sein kleiner Zusammenbruch war fast vergessen. Er ging um das Bett herum, legte sich hin, rutschte aber sofort eng an Ezra heran. Er legte einen Arm um ihn, mit der Nase berührte er beinahe seine Wange, und heute war er wieder mit dem Klammern an der Reihe.
      „Schlaf gut“, murmelte er und küsste Ezras Wange, bevor er die Augen schloss.

      Andrew schreckte so schnell hoch, dass er kurz nicht wusste, wo oben und unten war. Es war stockfinster, sein T-Shirt klebte an seiner Brust und der erste Instinkt war, durch die Dunkelheit zu blinzeln und nach Ezra zu tasten. Nachdem er sanft seinen Arm berührt und festgestellt hatte, dass er hier war, dass sie beide hier waren, in ihrem Bett, und nicht in einem feuchten Keller gefesselt, strich er sich über die Stirn und atmete kurz durch. Und dann realisierte er, warum er genau jetzt hochgeschreckt war. Er hörte Elli im Nebenzimmer schreien. Oh, verdammt. Sie hatte bestimmt auch schon die Jungs aufgeweckt. Wahrscheinlich war sie aufgewacht und hatte bemerkt, dass sie alleine in dem neuen Bett lag. Andrew seufzte.
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    • Ezra

      “Bleib liegen, ich mach schon”, murmelte Ezra, während er sich über die Augen fuhr. Große Worte für jemanden, der sich gerade nicht sicher war, ob er überhaupt existierte. Er griff nach Andrews Hand, drückte sie kurz und quälte sich anschließend aus dem Bett, um nach Elli zu sehen, die sich die Seele aus dem kleinen Leib schrie. Max hing bereits halb im Gitterbettchen, als er ins Wohnzimmer kam, während Niko ihm verschlafen vom Sofa aus zu blinzelte.
      “Tu dir nicht weh, Großer”, murmelte Ezra, während er Max auf die Schulter tippte. Der Junge gab einen unzufriedenen Laut von sich, ließ sich aber wieder aus dem Bett raus auf den Boden sinken. Elli hatte aufgehört zu schreien, gab aber weiterhin traurige, glucksende Geräusche von sich. Sie saß in ihrem Bettchen und sah mit feuchten Augen zu Ezra hoch, als er sich über sie neigte. “Was ist los, Prinzessin, mhm?”, fragte Ezra. Sie mit einem Arm hochzuheben war deutlich einfacher, als gedacht. Sie klammerte ihre kleinen Finger in sein Shirt, während er sich zu Max drehte.
      “Geh dich wieder hinlegen. Ich mach das schon”, beteuerte er ihm, was ihm nur einen zutiefst misstrauischen Blick einbrachte. “Oder willst du mir helfen?” Das schien ihn ein wenig zu beschwichtigen. Zumindest nickte Max kurz, bevor er sich umdrehte, um Niko etwas auf russisch zu sagen. Dem Tonfall nach nichts sonderlich nettes, was daran liegen könnte, dass Niko, Teddy in der Hand, langsam zur Sofakante rutschte, wohl, um seiner wahren Bestimmung nachzugehen und sich wieder wie eine Klette an Andrew zu hängen. Niko argumentierte zurück - soweit ein Kleinkind das konnte - und ließ sich unbeirrt auf den Wohnzimmerteppich rutschen, bevor er sich, immer noch vor sich hin redend, auf den Weg ins Schlafzimmer machte. Max hatte einen Blick auf dem Gesicht, den Ezra nur zu gut von seinen eigenen Geschwistern kannte. Meistens hatte dem Blick ein ‘Ich hab es dir ja gesagt’ gefolgt. Ezra musste ein kleines Lachen unterdrücken.
      Max hielt Elli, während Ezra die Milch ein wenig erwärmte und bestand darauf, seiner Schwester das Fläschchen selbst zu geben. Ezra ließ ihn, zu müde für eine Diskussion. Außerdem sah es irgendwie niedlich aus. Wenig später legte Ezra das Baby zurück in das Bettchen. Elli stieß einen kleinen Portestlaut aus und streckte ihm die kurzen Ärmchen entgegen, wurde aber stiller, als er ihr beruhigend über den Bauch strich. “Ich würde dich ja gerne mitnehmen, aber du musst wirklich wieder lernen, alleine zu schlafen”, flüsterte er ihr zu, bevor er zu Max sah, der neben ihm aussah, als ob er gleich im stehen einschlafen würde. “Und du? Willst du hier schlafen, oder kommst du mit rüber?”
      Max deutete kurz auf das Sofa. Ezra zog seine Hand vorsichtig von Elli zurück, während Max sich auch wieder hinlegte. Er zog die Decke über ihn zurecht und strich ihm kurz durch die dunklen Haare. “Träum schön. Von ganz vielen Dinos”, wünschte Ezra mit einem Lächeln, bevor er zurück ins Schlafzimmer ging, wo Niko mittlerweile auf Andrew geklettert war und sich offenbar immer noch munter über seinen Bruder beschwerte.
      “Sorry. Ich bin davon ausgegangen, dass er zu müde zum reden ist”, murmelte Ezra, während er neben Andrew ins Bett rutschte. “Niko? Das hat bestimmt bis morgen Zeit”, flüsterte er, während er sich an Andrew kuschelte und seinen Arm über ihn und Niko ausstreckte. Niko blinzelte kurz irritiert, schien aber wenigstens Ruhe zu geben. Vielleicht blieben die Kinder dadurch morgen auch ein bisschen länger liegen.
    • Andrew

      Andrew zögerte einen Moment bevor er nickte und sich wieder ins Bett sinken ließ. Er musste wirklich kurz durchatmen. Er legte eine Hand auf seine Brust und versuchte seinen Herzschlag wieder auf ein normales Tempi herunterzubringen. Die Alpträume hatten ihn bisher selten aufgeweckt.
      Gerade, als Ellis Schreien verstummte und Andrew wieder fast eingeschlafen war, stieß ihm etwas in den Bauch und er öffnete mit einem dumpfen Schmerzlaut die Augen wieder. Niko hatte entschieden, sich mit den Armen in seinen Bauch zu stützen, um aufzustehen und ihn von oben herab anzustarren, während er irgendetwas recht aufgebracht erzählte. Andrew war kurz verwirrt, dann schaltete er doch noch und zog Niko sanft herunter in die Mitte des Bettes. Er lag, aber er redete immernoch. Andrew gab sein Bestes, zuzuhören und zu nicken, und er fragte sich zwischenzeitlich, ob wirklich die Sprache der Grund für seine Verwirrungwar oder ob sein Gehirn einfach zu langsam war, um Niko zu verstehen.
      Als Ezra wieder zurückkam, griff er dankbarerweise durch und brachte Niko wieder zum Schweigen. Wenigstens hatte es Andrew von seinem Traum abgelenkt. Und nochmal musste er daran denken, wie seltsam ähnlich die beiden sich waren.
      „Was ist mit Max und Elli?“, nuschelte Andrew durch geschlossene Augen. Niko hatte sich zwischen ihnen eingekuschelt und war wohl in der Lage, auf Befehl wieder einzuschlafen. Andrew fühlte sich direkt besser. Ezras Arm über ihm gab ihm das bisschen Nähe, das er nach einem dieser grauenhaften Träume brauchte, und er konnte Nikos und Ellis Bedürfnis, nicht alleine schlafen zu wollen, gut nachvollziehen. Wenn sie Elli nicht wegen des Waisenhauses angewöhnen müssten, alleine zu schlafen… Andrew kam es immernoch ein wenig riskant vor, falls er sich eines Tages unabsichtlich auf sie rollen würde, aber wenn das kein Problem wäre, würde er sie ohne Zweifel bei ihnen im Bett schlafen lassen. Aber auch die Tatsache, dass Ezra Medikamente nahm, die ihn wahrscheinlich tiefer schlafen ließen, war zurzeit zu gefährlich. Wenigstens mussten sie sich bei Niko keine Sorgen machen. Andrew drückte den kleinen Jungen etwas an sich. Es tat doch irgendwie gut, zu wissen, dass so viele Menschen hier waren, die er liebte, und denen es allen gut ging…
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    • Ezra

      "Elli hat sich wieder abreagiert und Max wollte im Wohnzimmer bleiben", antwortete Ezra leise. Was ihm irgendwie einigermaßen gelegen gekommen war. Er hätte Elli ungerne alleine im Wohnzimmer gelassen, aber sie wieder ins Bett zu holen wäre ihm zu riskant vorgekommen. Sie hätten höchstens ihr komplettes Bett mit ins Schlafzimmer ziehen können, aber für die Aktion war es deutlich zu spät. Zumal sie eigentlich sowieso daran gewöhnt sein musste, alleine zu schlafen. In der Zeit vor den letzten zwei Wochen musste sie ja auch irgendwie durchgekommen sein. Die Pfleger im Kinderheim würden bestimmt nicht bei den Kindern schlafen. Aber sie würden nach ihnen sehen, wenn sie schrien, oder? Oder hatte Elli die letzten Monate die Nächte durchgeschrien, bis sie vor Erschöpfung eingeschlafen war? Vollkommen alleine. Nein. Das wäre unmenschlich. Er las zu viele Bücher mit überspitzt dramatischen Darstellungen von Waisenhäusern. Das Personal war doch heutzutage super geschult und so.
      "Weißt du was? Ich glaube, ich hole sie doch rüber. Bevor sie später wieder weint." Die kleine Maus hätte noch genug einsame Nächte vor sich. Dann könnte sie wenigstens hier bei ihnen schlafen. Max schenkte ihm einen müden Blick, als er zurück ins Wohnzimmer kam, aber Elli steckte ihm die Ärmchen entgegen, als ob sie gewusst hätte, dass er nochmal wieder kommen würde. Ezra hob sie auf den Arm und sah zu Max, der ein wenig überfordert zurück sah.
      "Na komm." Ezra nickte kurz zum Schlafzimmer. Max folgte seinem Blick, bevor er sich beeilte, aufzustehen und vor ihm her ins Schlafzimmer ging. "Aber nur noch heute", erinnerte Ezra Elli, die mit einem kleinen "Ah!" antwortete, was wahrscheinlich 'Das entscheide immer noch ich' bedeuten sollte. Ezra legte sie in die Mitte von Niko und Max. Die beiden Jungs würden wahrscheinlich weniger Schaden anrichten, wenn sie versehentlich auf Elli rollen sollten und es war so immer noch einfacher, als enger zusammen zu rücken und wieder eine Kissenwand aufzubauen. Sie brauchten dringend ein größeres Bett. Oder Ezra musste endlich lernen, sich nicht so von den dreien um die klebrigen Kinderfingerchen wickeln zu lassen.

      Elli meldete sich nicht mehr. Ezra wusste nicht, ob sie nochmal geschrien hätte, wenn er sie alleine gelassen hätte, aber irgendwie redete er sich ein, dass er in dem Falle wahrscheinlich alle zwei Stunden wach geworden wäre. So wachte er auf, als Max versuchte, irgendwie aufzustehen und über ihn zu klettern, ohne dabei auf ihn zu treten. Ezra griff nach Max' Arm, um ihn zu stützen, erreichte damit aber nur, dass der Junge erschrocken zusammenzuckte und fast aus dem Bett fiel.
      "Sorry! Alles okay?", fragte Ezra leise, während er sich aufsetzte. Die anderen schliefen noch und er wollte Andrew nicht unnötig erneut aufwecken. Auch, wenn er wahrscheinlich sowieso innerhalb der nächsten halben Stunde selbst wach werden würde.
      Max presste sich dramatisch eine Hand auf die Brust, nickte aber und deutete in die Richtung des Wohnzimmers. Offensichtlich hatte er ebenfalls ausgeschlafen und wollte zurück zu seinen Dino-Dokus. Ezra nickte ebenfalls kurz.
      "Ich komme mit." Er stand vorsichtig auf und nahm Elli, die ihre Augen langsam blinzelnd öffnete, direkt mit, bevor sie sich darüber beschweren konnte, geweckt worden zu sein. Niko hatte derweil seinen Teddy für Andrew eingetauscht und klebte an ihm, als ginge es um Leben und Tod. Ein süßes Bild. Ezra schaute nochmal zu den beiden zurück, bevor er die Schlafzimmertür mit dem Fuß zuzog und runter zu Max sah. "Hilfst du mir mit dem Frühstück?"
    • Andrew

      Als Andrew am nächsten Morgen wach wurde und sich den Schlaf aus den Augen blinzelte, strahlte bereits Licht durch die Fensterjalousien und Ezra lag nicht mehr im Bett. Dafür war Niko immernoch an ihn gekuschelt und brachte Andrew zum lächeln. Okay, wie spät konnte es nur sein, dass sogar Ezra wach war? Oder hatte er selbst so sehr verpennt, dass sich jemand um die Kinder kümmern musste, die keine Siebenschläfer-Gene hatten? Andrew wollte vorsichtig aus Nikos Umarmung befreien, weckte den Jungen natürlich aber sofort auf, was ihn nicht daran hinderte, sich einfach herumzurollen und nach ein wenig Meckern weiterzuschlafen. Lange würde das wohl eh nicht halten, er war nur erfahrungsgemäß schlecht darin, morgens aufzustehen. Also hievte Andrew sich aus dem Bett und ging mit einem Gähnen ins Wohnzimmer. Er fühlte sich nicht sonderlich ausgeschlafener oder wacher als sonst, vermutlich wegen der unruhigen Nacht, aber irgendwie ein klein wenig… leichter. Und das war auch schon etwas. Er war zwar kein Fan davon, Ezra zu belasten, vor allem mit der Tatsache, dass Andrew tatsächlich derzeit ein paar Schwierigkeiten damit hatte, alles für sie stemmen. Ezra konnte nichts dafür, dass er im Koma gelegen hatte und dass sein Arm nun gebrochen war. Dafür hatte er Andrews Nervenzusammenbruch gestern Abend gut weggesteckt. Hoffentlich war er auch aufrichtig gewesen und machte sich nun nicht extra Sorgen um Andrew, oder so. Das hatte er genau vermeiden wollen.
      "Guten Morgen“, sagte er und ließ sich neben Max auf die Couch sinken. „Was schaust du da?“, fragte er und legte seinen Arm leicht um den Sechsjährigen während er den Kopf seitlich zu ihm neigte und den Fernseher anstarrte. Aha. Dinosaurier. „Wieder Dinosaurier? Die mochte ich auch als Kind. Hast du einen Lieblingsdino?“ Irgendwie musste man mit dem Kind doch auf ein Level kommen.
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    • Ezra

      Natürlich wurden es wieder Dinos. Ezras Versuch, etwas anderes vorzuschlagen war mit einem Blick puren Entsetzens gestraft worden. Dafür schaffte er es wenigstens, Max zu überreden, die Doku auf englisch zu schauen, damit er im Hintergrund arbeiten konnte, ohne ständig Untertitel lesen zu müssen. Elli hatte er auf einer alten Krabbeldecke zwischen Fernseher und Wohnzimmertisch zwischengeparkt, während er selbst kurz in der Küche verschwunden war, um ein bisschen Brot, Aufschnitt und Tee zu organisieren. Er hatte sämtliche Morgenroutine sofort nach hinten geschoben und alles einfach auf dem Wohnzimmertisch aufgestellt, damit Max sich nicht von seinen Dinos lösen musste. Danach hatte er seine Morgenhygiene im Eiltempo durchgezogen, bevor er sich um die Wäsche von gestern gekümmert hatte. Wenigstens konnte man mit einer Hand bügeln.
      Er war mit mehr als der Hälfte der Bügelwäsche fertig, als Andrew ins Zimmer kam. "Morgen", grüßte er fröhlich. "Ich hab dir den Kaffee schon vorbereitet. Du musst nur noch die Maschine anmachen." Er legte den nächsten kleinen Kinderpullover zur Seite, während Max auf dem Sofa offensichtlich hart darüber nachdachte, was sein Lieblingsdino war.
      Elli schien derweil Krabbeldecke auszutesten. Ezra hatte keine Ahnung, warum, aber irgendwie schienen die Kanten der Decke sowas wie ihre persönlichen Grenzen zu sein. Egal, in welche Richtung sie krabbelte, auf den Parkettboden weiter zu krabbeln schien ihr zu suspekt zu sein, was ihm gerade absolut gelegen kam. Wenigstens müssten sie so vorerst nicht ihre Steckdosen kindersicher machen. Er musste nur hoffen, dass Elli in der kurzen Zeit, in der sie noch hier war, nicht mutiger wurde.
      "T-Rex", antwortete Max schließlich entschlossen, auch, wenn er eine Sekunde danach nicht mehr so sicher aussah. "Triceratops?", warf er fragend hinterher, als ob er sich entscheiden müsste.
      "Wenn Niko sich heute auf dem Spielplatz austoben darf, sollten wir morgen vielleicht mal ins Natural History Museum", schlug Ezra vor, während er sich auf das Bügelbrett stützte. "Da gibt es doch die Dauerausstellung zu Dinosauriern. Mit ganz vielen Skeletten und Nachbildungen und diesem T-Rex, der sich bewegt und Geräusche macht. Der Eintritt ist eh gratis und man bekommt den Tag gut rum." Max drehte sich so schnell zu ihm um, dass er dabei fast das Gleichgewicht verlor. Er starrte ihn ein paar Sekunden mit großen Augen an, bevor er sich zurück zu Andrew drehte und ihm den selben hoffnungsvollen Blick zuwarf.
    • Andrew

      Andrew musste sofort lachen, als Max seinen beinahe bettelnden Blick zwischen Ezra und ihm hin und her schoss.
      „Das klingt super. Vielleicht gibt es sogar eine Führung, damit wir noch extra Infos zu allem bekommen“, bestätigte er. Er hatte nicht gelogen, dass er Dinosaurier in Max Alter ebenfalls gemocht hatte, aber… wer hatte das nicht. Als Hobby hätte er es wohl nicht gezählt, und er wusste auch kaum etwas über Dinosaurier, da könnte so eine Ausstellung sicherlich helfen, um sich verbundener zu fühlen. Wenn… Max bei ihnen bleiben würde, könnten sie vielleicht auch irgendwann mal in einen dieser Dino-Freizeitparks fahren…
      Andrew versuchte, die Freude über diesen unrealistischen, naiven Gedanken zu unterdrücken. Sie konnten die Kinder nicht behalten. Das ging einfach nicht. Sie konnten doch nicht plötzlich drei Kinder adoptieren! Und wo wohnen? Hier?! Und dann waren die Kinder auch gleich zehn Mal so gefährdet, in Nadias Fänge zu geraten — nicht, dass Andrew das je zulassen würde. Dennoch. Das war nicht fair. Aber wären sie glücklicher in einem Waisenhaus? Oh Gott, sie sollten die Kinder definitiv erstmal fragen, ob sie überhaupt bei ihnen bleiben wollten. Sie hatten so schon viel zu wenig Entscheidungsfreiheit, aber konnten kleine Kinder so etwas überhaupt rational entscheiden?? Niko würde sich wohl auch einem Wildfremden ans Bein klammern, egal ob er ein guter Mensch war oder nicht!
      Andrews Atem setzte bei dem Gedankenschwall beinahe aus. Immerhin… war das wichtigste… und wohl erste, woran er denken sollte… dass Ezra ihm zustimmen müsste. Ezra wollte immer Kinder. Aber jetzt schon? Hatten sie das nicht irgendwie mal in die ferne Zukunft geschoben? Vielleicht war er garnicht bereit dafür. Andrew war es doch auch nicht… aber Ezra schlug sich so gut mit den Kindern und Andrew wollte jedesmal alle vier fest in den Arm nehmen, wenn er sie zusammen sah.
      Er war ein hoffnungsloser Fall. Wie konnte man nur so sprunghaft und impulsiv sein, wie er? Es war völlig unverantwortlich. Eigentlich hatte er immer gedacht, seine Lebenseinstellungen und Zukunftspläne ganz gut fixiert zu haben, aber seit er mit Ezra zusammen war, schwankte alles nur noch. Und die Kinder… Er würde es vermissen, morgens neben Niko aufzuwachen, der an ihm klammerte. Oder Max dabei zuzusehen, wie er sich ganz ernst um seine Geschwister kümmerte. Wie süß er aussah, wenn er so ernst tat, obwohl er selbst nur ein kleines Kind war. Und Ellis kleine Stirn und ihre kleinen, klammernden Fingerchen und das Lachen, das sie einem zuwerfen konnte.
      Andrew blinzelte. Das war alles nicht gut. Was dachte er da bloß? „A-also dann, ich geh mal… duschen und danach… sollten wir auf den Spielplatz“, begann er und stand etwas unsicher auf. Bevor er endgültig aus dem Wohnzimmer stakste, drehte er sich nochmal herum und sah seine kleine Familie an, die eigentlich keine war, und trotzdem so perfekt war, und… Dann drehte er schnell um und ging ins Badezimmer.
      Vielleicht musste er doch mit Ezra reden. Nur mal ganz hypothetisch. Er musste bloß… überlegen, was er sagen sollte. Und das schnell, bevor alle skeptisch wurden, weil Andrew die Anrufe der Sozialarbeiterin wegdrückte, was er tatsächlich… seit gestern Nachmittag tat. Er war übergeschnappt.
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