I wanna be a knight, no matter what [Kiimesca & Haruka]

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    • Lorae

      Der Anblick einer Leiche ließ mich so kalt wie das Wetter, welches uns umgab. Auch der Umgang damit bereitete mir keinerlei Probleme. Aufgrund der Kälte - und weil er schon eine ganze Weile tot sein musste - blutete er auch nicht. Er hatte auch noch nicht angefangen zu faulen oder dergleichen, was wohl ebenfalls an den niedrigen Temperaturen lag. Für mich war es schwer einzuschätzen, wie lange er dort wohl schon liegen musste. Auch deswegen, weil ich noch nicht viel Erfahrung diesbezüglich hatte.

      Ein weiterer Schneesturm zog hinter uns auf und ich hoffte, dass Baldr darin nicht wieder verloren ging. Nicht, weil ich ihn wie Levi für unfähig hielt, sondern weil ich dieses Gefühl nicht noch einmal erleben wollte. Das Gefühl, in nie wieder sehen zu können. Nie wieder seine Stimme zu hören oder seine Nähe zu spüren.
      Als Levi uns auftrug, Æshe mit dem Gepäck zu folgen, sah ich kurz zu ihm rüber. Dann schnappte ich mir das Gepäck, ehe wir ihm folgten. Man zeigte uns bereits, dass Gäste hier nicht sehr willkommen waren. Es war also auch kein Wunder, dass es hier kein Gasthaus gab. Wo würden wir wohl unterkommen? Vielleicht war der Schneesturm genau so schnell vorbei, wie er aufgezogen war und wir könnten in ein paar Stunden zur Akademie zurückkehren.
      Nachdem wir das Gepäck abgestellt hatten, drehte ich mich zu Baldr und warf meine Arme um ihn. Levi war gerade woanders beschäftigt, sodass ich ihn endlich mit einer Umarmung begrüßen konnte.
      "Tut mir leid, dass ich dich nicht beschützen konnte..." Ich wusste nicht, wie hoch meine Erfolgschancen gewesen wären, aber hätte ich eine von diesen Apparaturen gehabt, hätte ich versucht ihn zu retten.
      "Ich bin froh, dass du lebst..", hauchte ich leise und hielt meine Tränen zurück, um mein Versprechen zu halten, dass ich nicht mehr vor ihm weinen würde.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Wir wuchteten das Gepäck von den Schlitten und trugen es mit Æshe und Lorae in die große Hütte, in welche Æshe bereits vorausgegangen war.
      Ragnar, der an einem langen Tisch saß, ordnete an, das Gepäck in einer kleinen Nische zu deponieren, in der sich außer einer alten Truhe nur Dunkelheit befand.
      "Wollt ihr zum Essen bleiben?", fragte er in unsere Richtung, wobei seinem Blick nach zu urteilen diese an Æshe gerichtet war.
      "Ich weiß nicht, ob Levi das möchte. Er hat das Kommando."
      Während Æshe wegen der Frage abgelenkt war und seinen Blick von Lorae und mir abgewandt hatte, nutzte Lorae die Gunst der Stunde und umarmte mich.
      Nachdem ich ihrern geflüsterten Worten gelauscht hatte, schwieg ich einen Moment lang und erwiderte ihre Umarmung.
      "Schon gut", flüsterte ich. "Æshe hat sich um mich gekümmert. Sei nicht traurig, ich lebe und es geht mir gut."
      Dann löste ich die Umarmung.

      Zwanzig Minuten später saßen wir an einem großen Tisch. Levi links von mir, Lorae auf der anderen Seite.
      Nach einer Weile des stillen Essens, das nur durch gelegentliche kurze Dialoge unterbrochen wurde, wandte sich Levi schließlich an Æshe: "Was gibt es eigentlich für ein Problem zwischen deinem Vater?"
      "Ich weiß nicht was du meinst."
      "Es muss einen Grund geben, warum sich die anderen an deinem Vater rächen wollen."
      "Den gibt es. Aber das geht euch als Außenstehende nichts an."
      "Wenn jemand eine wichtige Person wie den Leiter einer Militärakademie umbringen will, dann geht es mich schon etwas an. Wir vom Aufklärungstrupp sind ein Exekutivorgan von Bohemia und wer die Sicherheit des Reiches gefährdet, muss mit uns rechnen."
      Æshe schwieg.
      "Was habt ihr vor?"
      Er schwie weiterhin.
      "Lass den armen Jungen in Ruhe", mischte sich schließlich Ragnar ein, seine Stimme war streng, jedoch nicht laut.
      "Fein. Erzählst du mir wenigstens, was du mit Baldr gemacht hast?"
      "Nichts. Meine Hunde fanden ihn, ich brachte ihn her und kümmerte mich um ihn."
      "Sonst nichts?"
      "Sonst nichts."
      Levi wischte sich den Mund mit einer Serviette ab und beugte sich nach vorne: "weißt du, ich hab schon seit einer Weile das Gefühl, dass zwischen euch eine gewisse Spannung herrscht, ein Knistern. Es erinnert mich an die Zeit, als ich Magnolia kennengelernt habe. Bist du dir da wirkich sicher?"
      Æshe blieb ganz ruhig, ich hingegen vertiefte mich - mein Beschämen unterdrückend - in mein Essen und biss herzhaft in die kleine Putenkeule. Fleischsaft floss meine Hand hinab und tropfte auf meinen hölzernen Teller. Während ich nicht an die vielen heißen Dinge zu denken versuchte, die er mit mir gemacht hatte und von denen ich tief in mir drin wollte, dass sie mir wieder und wieder passieren werden. Wäre Lorae nicht meine Freundin, wäre ich wohl mit ihm nach Aslo durchgebrannt. Die Welt entdecken könnte ich schließlich auch ohne den Aufklärungstrupp.
      "Ja. Das musst du dir einbilden."
      "Lass endlich den armen Jungen in Ruhe", mischte sich nun Freya ein, die sich den anderen vorgestellt hatte, als sie vorhin pünktlich zum Mittag die große Hütte - die als Gemeinschaftszentrum fungierte, in der man für Speis, Trank und Tanz zusammenkam - in der Mitte des Dorfes erreicht hatte.
      Dabei spielte sie verspielt mit ihrem langen schwarzen, lockigem Haar; ihre veilchenblauen Augen funkelten leicht.
      "Ich als seine Verlobte kann euch bestätigen, dass er mit eurem Schützling nichts unanständiges gemacht hat."
      "Wir haben ihn gemeinsam gepflegt. Freya kennt sich gut mit Heiltränken und Suden aus", fügte Æshe hinzu.
      "Kannst du das bestätigen?", wandte Levi sich nun mir zu.
      "Ja. Wobei ich mich nicht an alles erinnern kann, ich schlief die meiste Zeit", murmelte ich mit halbvollem Mund.
      "In Ordnung", sprach Levi. "Wir essen fertig und warten, bis der Sturm vorüber ist. Dann packen wir unsere Sachen und brechen in die Akademie auf. Wir konnten zwar nicht die gestohlenen Waffen finden, dafür aber vermutlich einen der Täter. Ich werde ihn an der Akademie gründlicher untersuchen. Vielleicht finde ich eine Spur, die uns zu den anderen Schweinen führt."
      "Ihr könnt den auch hier untersuchen. Wir packen ein altes Fell auf den Tisch hier, ihr packt ihn obendrauf und macht euch ans WerK", bot Ragnar an. Dabei gestikulierte er leicht mit seiner Gabel, die er mit der linken Hand fest umklammert hielt und an der ein Stück Fleisch aufgespießt war.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Lorae

      Ich nickte leicht, als Baldr zu mir sprach und setzte ein kleines Lächeln auf.
      Entgegen Æshe's Vermutung blieben wir doch zum Essen. Ich war sicher nicht die einzige, die Hunger hatte.
      Das Essen verlief recht friedlich, bis Levi den Groll auf den Leiter der Eulenakademie ansprach. Die Stimmung wirkte auf einmal recht angespannt. Æshe wollte sich nicht dazu äußern oder konnte es vielleicht auch nicht. Doch der Hauptgefreite hatte Recht. Als Aufklärungstrupp ging es uns sehr wohl etwas an, ob sie ihm etwas antun wollten oder nicht.
      Meine Augen lagen stets auf dem Sprechenden, während ich völlig vergaß zu essen. Dann sprach Levi Æshe wegen Baldr an, wobei ich kurz meinen Atem anhielt. Der Hauptgefreite war wesentlich erfahrener als ich und er konnte andere gut einschätzen, weshalb mir seine Worte zu denken gaben. Es sprach für meine absurde Annahme, dass dies Flavius sein sollte, auch wenn ich mir nicht ganz erklären konnte, wie das möglich war. Doch irgendwie ergab es durchaus Sinn. Durch Levi noch mehr als vorher.

      Als Baldr die Aussage der beiden bestätigte, sah ich kurz zu ihm, ehe ich meinen Blick auf meinen Teller richtete und weiter aß. Das Angebot von Ragnar bekam ich dennoch mit, doch ich sah nicht mehr auf. Es war okay, wenn sie versuchten ihn anzulügen. Schließlich hatte dies keine Relevanz für unsere Untersuchung, oder doch? Was wenn.. Levi Zweifel an Baldr's Loyalität bekam? Glaubte er, dass er sich wegen Æshe gegen uns und den Schulleiter wenden könnte? Das würde Baldr nicht tun.

      Nach dem Essen holten Marik und ich den Leichnam, um ihn wie angeboten auf den Tisch zu legen. Das Wetter war sehr wechselhaft, sodass vermutlich nur das Risiko erneut in einen Schneesturm zu geraten dafür sorgte, dass Levi dieses Angebot annahm. Ich half dabei seine Taschen zu durchsuchen, doch ich konnte nichts finden, dass für mich irgendeinen Anhaltspunkt auf die anderen bot. Als ausgebildeter Arzt stand Marik ihm am tatkräftigsten zur Seite bei der Untersuchung, während wir anderen kaum mehr tun konnten, als ihnen zuzusehen. Und das tat ich auch, denn ich wollte so viel vom Hauptgefreiten lernen, wie möglich. Deshalb verfolgte ich alles sehr aufmerksam und lauschte dem Gespräch zwischen den beiden.
      Marik murmelte vor sich hin, als würde er Selbstgespräche führen, doch es war auch kein großes Mysterium, was die Todesursache war. Dennoch teilte er Levi jeden seiner Gedanken mit.
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      - Eugene Ionesco
    • Nachdem Æshe aufgegessen hatte, wischte er sich den Mund mit einem Tuch ab und erhob sich mit mürrischer Miene. Levi schien nicht unrecht gehabt zu haben.
      "Ich werde jetzt gehen. Ihr kommt sicher auch ohne mich klar." Dann wandte er sich mir zu: "und Baldr; du weißt, wo du mich findest, ja? Lass mal von dir hören."
      "Werde ich", murmelte ich und sah ihm noch nach. Levi und die anderen konnten sein Gesicht nicht erkennen, da wir zu ungünstig saßen. Lediglich Ragnar, der am Kopf des Tisches und damit der Tür ins Freie am Nächsten saß, konnte einen Blick auf das von tiefer Trauer gezeichnete Gesicht erhaschen.
      Als Æshe die Tür geöffnet hatte und im Begriff war, ins Freie zu treten, erhob sich Levi und wandte sich dem Hinausgehenden zu: "Wohin wirst du nun gehen?"
      "Weg. Unsere Wege trennen sich nun. Ihr findet alleine zurück zur Akademie. Und gebt mir auf Baldr acht."

      Als die Übrigen ihr Essen beendet hatten und das benutzte Geschirr mitsamt des Besteckes von Freya und zwei anderen jungen Frauen abgeräumt wurden, schnappte sich Ragnar ein altes Bärenfell aus einer alten Truhe, die in einer dunklen Ecke des Zimmers stand und warf es auf den leeren Tisch.
      Staub wurde aufgewirbelt. "Die lag da schon länger", witztelte er und breitete es auf der Tischplatte aus.
      "Packt den Typen hierdrauf. Wenn da Flüssigkeiten drauf kommen macht das nichts, ich werde es dann einfach verbrennen. Ich lass euch dann mal alleine."
      "Gut. Und ihr beiden holt den Leichnam", wandte er sich Marik und Lorae zu. Dann verließ er das Haupthaus, um in einer kleinen Holzkabine neben der Hütte seine Notdurft zu verrichten. Durch den Fluch plagten ihn immer wieder Schmerzen, die Nekrose befiel inzwischen seine Genitalien und wanderten scheinbar langsam die Arme und die Brust hinauf. Dann musste er husten. Es fühlte sich schmerzhaft und trocken an. Levi blickte auf seine Hand - Aschepartikel und blutiger Schleim. Vom Anblick des Sekretes schockiert wischte er es an der Uniform ab.
      "Mir bleibt wohl nicht mehr viel Zeit..was zum Geier mache ich hier eigentlich noch? Ich habe doch eine Mission zu erledigen?"

      Ein paar Minuten später kehrte er wieder zu den anderen ins Haupthaus zurück. Seine Rückkehr hatte sich durch einen kleinen Hustenanfall und dem Entfernen der Aschepartikel sowie des blutigen Schleimes verzögert. Die Leiche lag inzwischen auf dem Tisch, an den Levi zu Marik und Lorae trat, um ihn genauer zu untersuchen. Die Taschen gaben dabei nichts her, daher entschlossen sie sich, den Toten seiner Kleidung zu entledigen und einen Blick auf die Wunden und sonstigen Verletzungen zu werfen. Dabei war Levi das Gemurmel Mariks nicht entgangen: "Was murmelst du eigentlich die ganze Zeit vor dich hin?"
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    • Lorae

      Ich betrachtete den nackten Leichnam kurz und musterte vor allem die Wunde auf seiner Brust, die man nur grob versorgt hatte. Seine Kameraden wussten über Medizin anscheinend genau so viel wie ich.
      Marik hatte sich Handschuhe übergezogen und legte seine Hände um die Wunde herum, um abzuschätzen, wie tief sie war. Vermutete ich jedenfalls. Immerhin hatte ich von solchen Dingen keine Ahnung.
      Deshalb sah ich ihn auch aufmerksam an, als Levi ihn fragte, was er vor sich hinmurmelte. Marik sah aber nicht auf.
      "Wegen der Kälte kann ich den Todeszeitpunkt nicht bestimmen", sagte er. Also wussten wir nicht, wie lange er dort lag und wann Dimitri und seine Leute dort ihr Lager aufgeschlagen hatten.
      "Allerdings hätte er die Wunde an einem anderen Ort möglicherweise überlebt. Bei besserer Versorgung und höheren Temperaturen. Der Blutverlust hat für eine geringere Kälteresistenz gesorgt, weshalb er nicht verblutet, sondern erfroren ist", meinte er, woraufhin ich meinen Kopf schief legte und weiterhin versuchte einen genaueren Blick auf seine Arbeit zu erhaschen.
      Er schien über irgendetwas nachzudenken und bewegte stumm seine Lippen ein wenig.
      "Von der Akademie bis zum Lager sind es etwa 5 Stunden. Zum Zeitpunkt des Überfalls gab es kein Unwetter. Vermutlich haben sie vorher irgendwo einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, um seine Wunde notdürftig zu behandeln. Viel zu nachlässig, denn sie mussten weiter. Man hätte ihnen folgen können. Demnach würde ich sagen, dass sie höchstens 7 bis 8 Stunden gebraucht haben. Seine Kleidung ist wetterfest, aber ich vermute, dass er etwa 10 Stunden nach dem Überfall gestorben oder eher eingeschlafen ist. Er wäre nur Ballast gewesen und die Aussicht auf sein Überleben gering, sodass ich ihn auch aufgegeben hätte. Sie waren ja immer noch auf der Flucht und konnten sich keine Verzögerungen leisten. Wahrscheinlich war das nur ein kurzer Halt an der Stelle gewesen. Das bedeutet aber, dass er schon ein paar Tage dort lag und die anderen eine zu große Distanz geschafft haben. Der Radius, den wir einschätzen können ist zu groß, um ihre Route bestimmen zu können. Außerdem wissen wir nicht wie gut sie sich hier auskennen. Entweder gut genug, um nicht auf dieses Dorf zu stoßen oder es war purer Zufall. Die Akademie liegt nordwestlich vom Lager. Sie könnten weiter südöstlich gezogen sein, wo sie allerdings mehrere Tage auf keine Zivilisation treffen würden. Wenn sie gut vorbereitet waren, war dies auch nicht nötig."
      Nun sah er zu Levi, als wolle er eine Einschätzung von ihm. Marik kannte Dimitri nicht, weshalb er nicht mal ansatzweise eine Vermutung über sein Handeln anstellen konnte. Er selbst hätte weit genug vorausgedacht, um die anstrengendere Route zu nehmen, die weniger nachverfolgt werden konnte.
      Auch mein Blick ging zum Hauptgefreiten, gespannt, was er darauf sagen würde.
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      - Eugene Ionesco
    • Marik hatte seine Ausführungen kaum beendet, als er einen erneuten Hustenanfall bekam. Kleine Aschepartikel regneten aus seinem Mund und er schien Schmerzen zu haben. Jedoch gab er sein Bestes, um sich nichts anmerken zu lassen, sondern wischte sich den Mund ab.
      "Es macht keinen Sinn, diesen Leuten nachzujagen. Wie du schon angedeutet hast, kennen wir den Aufenthaltsort dieser Leute nicht. Wir sollten den Typ hier mitnehmen und zurück zum Eulennest gehen. Wir haben keine Zeit zu verlieren."
      Levi schien es plötzlich ein wenig eilig zu haben. Er stürmte auf die Tür des Gebäudes zu, riss sie hektisch auf und hustete erneut mehrere Male.
      "Steht nicht so in der Gegend rum sondern macht euch für die Abreise bereit!", befahl er.
      Sein Handeln wirkte auch mich völlig irrational und unvorhergesehen, etwas das so gar nicht zum Hauptgefreiten passte. Da unmittelbar zuvor dieser Hustenanfall aufgetreten war, schob ich es darauf und leistete seinem Befehl Folge. Ich hatte nicht die Zeit, darüber nachzudenken.

      Eine halbe Stunde später saßen wir in den Schlitten, welche von den Hunden zurück dem Berg hinaufgezogen wurden.
      "Was nun?", fragte einer von Levis Begleitern.
      "Nichts. Ich werde dem Leiter der Akademie sagen, dass wir außer dieser Leiche keine Spuren haben. Vielleicht kann er ihn identifizieren. Dann werden wir ihn verbrennen und dann...mal sehen..mein Kopf ist gerade leer."

      Die restliche Fahrt über schlief Levi.
      Die Sonne war bereits hinter den schneebedeckten Gipfeln versunken, als wir auf den Hof der Akademie traten. Erneut ging alles sehr schnell und nach einer schnellen Wäsche mit gottseidank warmen Wasser - die Kälte war mir in jede Pore gekrochen - saßen wir am Tisch im Esszimmer und aßen alleine ein karges Abendmahl, bestehend aus einigen Kartoffeln mit Kohlgemüse und ziemlich zähmen Fleisch.
      Im Aufenthaltsraum nebenan brannte ein gemütliches Kaminfeuer, davor saßen einige der Bewohner der Akademie und tuschelten über etwas. Ich konnte nicht genau verstehen, worum es ging; lediglich etwas von einem Gespenst hörte ich.
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    • Lorae

      Dem Hauptgefreiten ging es immer schlechter zu gehen, weshalb ich besorgt zu Marik sah. Doch nicht einmal er könnte ihm wohl helfen. Die Ärzte in Praha konnten ebenfalls nichts tun, um seine Krankheit aufzuhalten. Diese Waffe war wirklich gefährlich und Dimitri besaß sie nun. Ebenso wie seine eigene, besondere Waffe. Ein Kampf mit ihm und seinen Leuten würde also sehr gefährlich werden. Aber wollte er wirklich den König stürzen? Wieso.. Und wie sollten wir ihn aufhalten?
      "Jawohl, Hauptgefreiter Levi!", rief ich zusammen mit ein paar anderen und machte mich sofort an die Arbeit. Die Fahrt über dachte ich weiterhin über Dimitri und seine Absichten nach. Handelte er wirklich noch im Interesse des Volkes? Er.. wäre nicht der erste, der seinen Verstand verlor.. Obwohl ich es bei ihm am wenigsten erwartet hätte.

      Als wir in der Akademie angekommen waren, konnten wir uns alle aufwärmen, waschen und essen. Allerdings war ich wohl so sehr in Gedanken versunken, dass mir die Kälte erst wirklich bewusst wurde, als ich merkte, wie warm es in der Akademie war. Ich saß neben Baldr, mit dem ich noch kaum ein Wort gesprochen hatte.
      Doch ich ergriff die Gelegenheit, als wir ungestört waren und legte meine Hand an sein Handgelenk, ohne ihn anzusehen. "Sag... Ist Æshe... Flavius..?", fragte ich, um endlich Gewissheit darüber zu bekommen, wieso sich die beiden so nahe zu stehen schienen. War er der Junge, den Baldr neben mir mochte? Ich sprach leise, damit uns niemand hören konnte und hob meinen Blick, um in seine Augen zu sehen. Was ich dabei fühlen sollte, wusste ich nicht. Zum einen war ich dankbar, dass Baldr dank ihm noch lebte, aber zum anderen war ich irgendwie auch traurig.
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      - Eugene Ionesco
    • "Ja", sprach ich knapp und bat sie, dieses Geheimnis für sich zu behalten. Æshe trug nicht umsonst diesen zweiten Namen.

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      Die restliche Zeit zwischen damals und heute verlief ereignislos, beinahe schon trist. Der Kadaver schien zwar einem der Eindringlinge zu gehören - der Leiter der Akademie, dessen Name mir entfallen war, erkannte ihn sofort - dennoch ergaben sich darüber hinaus keinerlei nützlichen Anhaltspunkte, sodass die Truppe unverrichteter Dinge und von den Ergebnissen enttäuscht am nächsten Morgen abziehen musste.
      Dies war jedoch dem Umstand geschuldet, weil Levi es sehr eilig zu haben schien, so als müsse er etwas sehr dringliches erledigen wollen, das keinen weiteren Aufschub bedürfe. Ein wenig war es Schade, da ich gerne mehr von der Akademie und ihren Bewohnern erfahren hätte.
      Levi war ohnehin verändert. Von Tag zu Tag wurde er nun müder und kraftloser, auch unsere Rückkehr in das Ausbildungslager änderte nichts daran. Stattdessen bekamen wir die anderen Ausbilder umso mehr zu sehen und spürten, wie sie uns triezten und uns alles abverlangten; Tag für Tag. Ohne Rücksicht, ohne Gnade.
      Darüber hinaus kreiste bei unseren regelmäßigen Tischgesprächen während der Mahlzeiten in unserer kleinen Kaserne die Frage im Raum, wie es ohne Levi weitergehen würde. Die Nekrose hatte inzwischen beinahe seinen gesamten Körper bedeckt, die Aschepartikel, die er hustete, wehten durch den frischen Herbstwind und der Geruch des Todes wehte im Klang seines fortwährenden, von Schmerzem gepeinigten Ächzens unweit seiner Hütte und sorgte für wilde Diskussionen um die Zukunft des Aufklärungstruppes. Wir fragten uns, wie lange er noch leben und wer seine Nachfolge antreten würde.
      Darüber hinaus steht schon sehr bald die Jahrtausendfeier in Praha an. Gäste aus dem gesamten Kontinent würden anreisen und dieser Feier beiwohnen. Entsprechend groß waren die Sicherheitsvorkehrungen, welche nicht zuletzt Dimitri zu verdanken waren.
      Basim war zwischenzeitlich auch aufgetaucht und hatte es erfolgreich geschafft, mich unter einem - wie ich vermutete - Vorwand für die Assassinen vom Trupp loszueisen. Scheinbar herrschte Mangel an allen Fronten und da während der Veranstaltung die Ausbildung wegen zu weniger ausgebildeter Truppem pausiert wird, sagten die Veramtwortlichen zu. Die Rollen zwischen Assassinen und Trupp waren klar verteilt. Einige von uns würden in der Menge untertauchen, der Aufklärungstrupp überwacht das Geschehen mit den anderen und den Vögeln von den Dächern aus. Die Kadetten des dritten Jahrganges würden dabei unterstützen, die Kadetten des ersten und zweiten Jahrganges würden einem Sonderkommando unter Führung der Stadtwachen zugeteilt werden. Deren einzigen Aufgaben würden es sein, durch Anwesenheit Sicherheit auszustrahlen, bei unmittelbaren Bedrohungen die schnelle Eingreiftruppe sein und die Bevölkerung im Falle einer Bedrohung zu evakuieren. Ein Kadett wird hierbei zwei ausgebildeten Stadtwachen unterstellt sein.
      Was mich angeht, teilte Basim mit Levi die Gemeinsamkeit, dass er es eilig zu haben schien. Entsprechend früh war er heute zu Pferd auf dem Gelände aufgetaucht und hatte das Gespräch mit dem stellvertretenden Ausbildungsleiter gesucht.

      "Beeil dich, Baldr", rief Basim durch die geschlossene Tür.
      "Bin gleich da", rief ich zurück und schrieb die letzten Zeilen in mein kleines Tagebuch, welches Basim mir vorhin überreicht hatte:
      Ich muss oft an das denken, was Æshe mit mir gemacht hat. Es verging seitdem keine Nacht, an dem mich nicht diese unzüchtigen Gedanken heimsuchen und es sich wieder so anfühlt, als würde er noch immer in mir stecken und seinen warmen, nicht enden wollenden Fluss aus "Honig" in mir ergießen, bis mein Bauch vor lauter kribbelnder Extase platzt. Entsprechend oft musste ich Nachts meinen Samen auf der Toilette verschütten. Die Lust in mir auf mehr scheint stark... Und Lorae? Die weiß von alldem nichts - zumindest gehe ich davon aus, ihr nichts erzählt zu haben, meine Erinnerungen an diese Reise an die Akademie sind abseits der wenigen Zeit mit Æshe ziemlich lückenhaft - und dabei soll es auch bleiben. Jetzt muss ich aber los, Basim wird ungeduldig. Außerdem muss ich mich noch von Lorae verabschieden. Wir werden uns erst in drei Tagen auf dem Fest wiedersehen - vielleicht.
      Ich klappte seufzend das Buch zu, legte die Feder zur Seite und erhob mich. Das das Buch ein kompaktes Format hatte, passte er sehr gut in meine überschaubar große Ledertasche, die farblich zu meiner braunen Kadetten-Kleidung passte. Ich schob den Stuhl näher an den kleinen Sekretär und verließ den Wohnbereich der Hütte, um nach draußen zu treten.
      Basim und Lorae warteten bereits auf mich.
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    • Lorae

      Natürlich behielt ich Æshe's Decknamen für mich, keine Frage. Er gehörte schließlich zum Orden, dem auch Baldr und Basim angehörten. Dem ich mich nach der Ausbildung womöglich auch anschließen würde. Doch so detailliert hatte ich meine Zukunft noch nicht geplant. Mein Wunsch war es immer noch, als Ritter akzeptiert zu werden. Demnach wollte ich die Ausbildung im Aufklärungstrupp meistern.
      Darauf konzentrierte ich mich die letzten Tage mehr denn je. Endlich konnte ich beim Training alles geben, ohne eine Tarnung aufrecht erhalten zu müssen. Ich musste nur mein bestes geben und niemanden mehr täuschen. Das war so befreiend.

      Anders war es mit Baldr. Ich war nicht sicher, wo uns das alles hinführen würde. Der Gedanke, ihn zu verlieren war schrecklich. Als ich dachte, dass er tot wäre, glaubte ich alles wichtige in meinem Leben verloren zu haben. Und doch hatte ich den Drang weiterzumachen. Das er überlebt hatte, freute mich unheimlich, aber glücklich fühlte ich mich seitdem nicht wirklich. Ob es an dem Ausbildungscamp lag? Manchmal hatte ich das Gefühl, dass wir uns hier ferner waren, als wir es früher waren und bevor wir.. miteinander geschlafen hatten. Bevor Baldr den Wunsch äußerte, mich zur Mutter seiner Kinder zu machen. Und bevor er Flavius wieder traf. Man konnte ihn wohl als meinen Rivalen bezeichnen, aber tatsächlich war ich nicht sicher, ob ich mir wünschte, dass er sich für mich oder für ihn entscheiden würde. In ruhigen Momenten gingen mir immer wieder seine Worte durch den Kopf. Das er nur einem von uns sein Herz voll und ganz geben wollte. Und dann doch wieder eine Familie mit mir gründen wollte, egal für wen er sich entschied. Das war so verwirrend. Ging es denn wirklich um Liebe? Hegt er einfach nur den Wunsch nach Kindern, den Flavius ihm nicht erfüllen könnte? Ging es nur um Lust? Ich weiß es nicht... Von all dem konnte ich kaum noch etwas spüren. Hatte Baldr sich also für ihn entschieden? Oder war doch ich diejenige, die ihn fernhielt? Auch hier legte ich schließlich zusätzliche Trainingseinheiten hin. Mit Val und Marius hatte ich unglaubliche Trainingspartner gefunden, die mich ernst nahmen. Marius war wirklich einer meiner engsten Freunde geworden. Kaum zu glauben.

      Das Gefühl, dass Baldr mir dafür umso mehr entglitt, hielt mich nachts oft wach. Ich war doch.. sein Schwert und sein Schild; und er mein Herz. Wer war ich denn ohne ihn? Nur eine Frau, die davon besessen war, als Ritter anerkannt zu werden. Stark zu werden.
      Und wer war ich mit ihm? Eine Frau, die früher oder später nichtsdestotrotz als gewöhnliche Mutter enden würde? Dabei fiel mir auf, dass ich Baldr nur gesagt hatte, dass ich glaubte, keine Kinder haben zu wollen. Nicht einmal mit ihm. Aber ich hatte ihn nie gefragt, wie er sich unser Leben als Familie vorstellte. Ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen, dass Baldr von mir verlangen würde, nicht mehr zu kämpfen. Ja, er war sogar für den Beitritt zum Orden, bei dem ich weiterhin dienen könnte, wenn ich Mutter wäre.
      Früher war das Leben wohl doch irgendwie einfacher... Ich dachte nur daran, dass ich nicht auffliegen dürfte und stärker werden musste. Jetzt dachte ich so viel mehr nach, dass es mich manchmal etwas wahnsinnig machte. Ob es jeden so ging, wenn er erwachsen wurde? Menschen ändern sich. Aber war das immer etwas gutes? Es gab niemanden, den ich um Rat fragen konnte deswegen. Also nahm ich mir vor, mich auf das zu konzentrieren, was ich wusste. Das war meine Ausbildung und das Überstehen der Jahrtausendfeier in Praha. Unser Gegner war Dimitri. Das war so surreal. Ich erinnerte mich noch genau an seine Worte damals. Irgendwie konnte ich ihn nicht so einfach als den Bösen abstempeln. Vermutlich glaubte Dimitri selbst, dass er das Richtige - etwas Gutes - tun würde. Vielleicht könnten wir ihn wieder auf den rechten Pfad führen.

      Nun musste ich mich jedoch vorerst von Baldr verabschieden. Er hatte sich hier im Camp so sehr verbessert, dass ich übermäßig stolz auf ihn war. Vielleicht.. brauchte er mich bald schon nicht mehr als seinen Beschützer.. Dieser Gedanke war gleichzeitig bedrückend, wie auch beruhigend. Zu wissen, dass er zurecht käme, sollte ich nicht mehr da sein.. Ha! Aber so schnell hatte ich nicht vor zu sterben!
      "Haa... Ich bin fast ein wenig neidisch...", sagte ich und grinste, als er mir gegenüberstand. Als Assassine hatte Baldr zwar irgendwie die aufregendere Aufgabe, aber meine würde ich genau so ernst nehmen. Auch wenn ich noch nie ein großer Fan von der Stadtwache war. "Vermassel es nicht, ja?" Dabei drückte ich meine Faust gegen seine Brust und schmunzelte frech. Dann umarmte ich ihn und seufzte leise. "Pass auf dich auf.."
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      - Eugene Ionesco
    • Ich erwiderte ihre Umarmung und erwiderte Loraes Umarmung: "werde ich und pass auch auf dich auf. Bis in drei Tagen...hoffentlich."
      Stumm hing ich meinen Gedanken nach, während ich neben Basim hergallopierte.
      "Wir haben viel vor, keine Zeit zu träumen. Wir brauchen dich hochkonzentriert und fokussiert, okay?"
      Ich nickte und widmete mich ihm zu.
      "In der Stadt herrschen höchste Sicherheitsbedingungen, da Gerüchte auf einen Anschlag während der Feierlichkeiten umgehen. Jeder, der die Stadt betritt, wird gründlich kontrolliert. Die Zugänge der Kanalisation wurden für die Tage versiegelt und werden überwacht. Außerdem sind bereits die ersten Gäste eingetroffen."
      Ich lauschte der restlichen Ausführungen Basims. Es war gefühlt Monate her, seit ich das letzte Mal in Praha war.

      Am südlichen Stadttor angekommen wurden wir von den dort postierten Wachen gründlich kontrolliert.
      Anschließend machten wir uns zu Pferd auf den Weg in unsere Unterkunft.
      Zuvor wollte Basim jedoch noch an einem Markt haltmachen, der auf dem großen Platz vor dem Hradschin aufgebaut war. Das laute Bimmeln der massiven Glocken der imposanten Kathredale Sagrada Familia war deutlich zu hören und vibrierte in meinen Ohren.
      "Brauchst du etwas? Falls nicht, bitte ich dich, auf die Pferde aufzupassen. Ich beeile mich auch."
      Ich nickte stumm, dann lief Basim vom Pferdestall, der am Rande des Marktplatzes stand weg und hinüber zum vollen Markt, der mit allerlei Ständen besonders die ausländischen Gäste zum Kauf verführen sollte. Währenddessen striegelte ich die Pferde.
      Irgendwann fiel mein Blick auf einen Stand, der schöne Hüte verkaufte.
      Seufzend gab ich meiner Neugier nach und ließ meine Beine den Weg hinüber zum Stand tätigen, wo ich mir unsicher einige Hüte anzog und mich durch den kleinen Spiegel betrachtete.
      Jedoch gefiel mir keiner der Kopfbedeckungen. Ich fühlte mich eher wie ein Mützenclown statt eines adretten jungen Mannes mit schicker Kopfbedeckung...
      Ich wollte mich gerade vom Stand entfernen und im dichten Gedränge der Menschen abtauchen, als ich mit einem jungen Mann - der kaum
      älter als ich schien - mit fremdländichen Aussehen zusammenstieß, der neben einer seltsamen Rüstung ein großes Schwert und einen hölzernen Koffer bei sich führte, in dem sich der Form nach zu urteilen ein Instrument befinden könnte.
      "Gomene. Ki o tsukemasen deshita", sprach er in einem seltsamen Dialekt und verbeugte sich vor mir.
      "Was?", entgegnete ich und verstand nicht.
      "Ah,du sprichst kein Yamitai!", stellte mein Gegenüber fest.
      "Nein..was hast du gesagt?"
      "Ich sagte Tut mir Leid, ich hab nicht aufgepasst."
      "Ah...das macht nichts.."
      "yokatta!...das bedeutet da bin ich aber froh..ich muss jetzt weiter."
      Der junge Mann eilte an mir vorbei und schloss sich zwei anderen Männer an, die ebenfalls eine solche Rüstung trugen. Verwirrt blickte ich ihm nach. Was war das für eine seltsame Rüstung?
      "Noch nie einen Samurai gesehen?", fragte Basim, der plötzlich hinter mir aufgetaucht war.
      Ich drehte mich um und verneinte seine Aussage.
      "Kaiser Naruhito vom Kaiserreich Yamato hat uns einige Samurai zur Unterstützung geschickt. Samurai sind in deren Land hoch angesehene und fähige Krieger, die einem strikten Ehrernkodex folgen."
      "Ich verstehe", murmelte ich und blickte in die Richtung, in der ich ihn zuletzt gesehen habe.
      "Hast du dich in den Typen verknallt? Du hast ganz rote Wangen."
      "Nein..ich musste nur gerade an Æshe denken. Was hast du gekauft?"
      "Äpfel. Der Herbst ist da und Herbstzeit ist Apfelzeit." Er drückte mir einen in die Hand. "Du siehst ziemlich blass aus. Du brauchst Nährstoffe, damit du mir nicht krank wirst."
      Auf dem Weg in die Unterkunft aß ich den saftigen Apfel und dachte dabei an Lorae. Ich fragte mich, was sie wohl gerade macht.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Lorae

      Ich sah ihm kurz nach, ehe ich mich zum Training begab.
      Nur weil wir ebenfalls bald aufbrechen würde, gab es für uns keine Pause. Vor allem unser Jahrgang hatte jede Trainingseinheit nötig, auch wenn die meisten von uns sich deutlich verbessert hatten.
      Ich hoffte nur, dass was immer in Praha passieren würde, nicht so schlimm werden würde und das vor allem keine Unschuldigen dabei ums Leben kämen. Ob Baldr inzwischen besser mit dem Anblick zurecht käme? Zum Glück war Basim bei ihm und ich vertraute ihm.

      Nach dem Training und dem Abendessen verbrachte ich die Zeit wieder mit Marius und Val. Val konzentrierte sich zwar darauf im Nahkampf besser zu werden, doch er wollte auch sein Bogentraining nicht vernachlässigen, weshalb wir am Schießstand waren und ihm dabei zu sahen. Er traf wirklich immer in die Mitte, echt erstaunlich. Marius hatte es auch mal versucht, aber nicht einmal die Zielscheibe getroffen. Mein Pfeil war allerdings weit von der Mitte entfernt. Naja, Val trainierte auch schon seit Jahren mit dem Bogen und hatte auch die Ausbildung der Scharfschützen absolviert. Also überließen wir ihm das Schießen und saßen abseits auf einer Bank.
      "Alles okay bei dir und Baldr? Anfangs hat er ja regelrecht an dir geklebt, aber in den letzten Tagen wirkte er etwas distanzierter auf mich..", meinte Marius und sah mich an.
      Ich sah ihn etwas verwundert an, weil er sich darüber Gedanken zu machen schien.
      "Alles bestens. Der Hauptgefreite duldet keine Beziehung im Trupp. Er kann sich nur besser beherrschen", log ich.
      "Also hast du ihm nicht das Herz gebrochen?", grinste er frech, woraufhin ich schmunzelte.
      "Nein. Keine Sorge."
      "Willst du denn überhaupt Mutter werden?", fragte er und wirkte nachdenklich.
      "Ich bin mir nicht sicher.. Eigentlich.. wollte ich das nie.. aber.. wenn Baldr sich das so sehr wünscht..", meinte ich etwas leiser und zuckte mit den Schultern. Von meiner Alternative den Assassinen beitreten zu können, durfte ich ihm nichts erzählen. Sollte ich mich jedenfalls dazu entscheiden mit ihm Kinder zu bekommen, bliebe mir noch diese Möglichkeit.
      "Aber zuerst will ich die Ausbildung beenden. Danach schauen wir weiter", sagte ich und blickte in den Himmel. Abgesehen von meinen eigenen Wünschen.. gab es ja auch noch Æshe.. Ich wusste also nicht, wie es mit Baldr und mir weitergehen würde.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
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