Lorae
Eine gefühlte Ewigkeit später, spürte ich ein Schnipsen gegen meinen Hinterkopf. Das konnte eigentlich nur Marius sein.
"Ich dachte schon, du wärst im Stehen eingeschlafen..", meinte er und reichte mir ein Päckchen mit einem Zettel auf dem mein Name stand. Vermutlich wollte er es hier einfach nur ablegen.
"Was ist das?"
"Von Lis. Keine Ahnung. Sie mag dich."
Ich öffnete es sofort und hob eine Augenbraue. Es war scheinbar eines ihrer Nachthemden.
"Lass mich raten.. Du hast ihr erzählt, dass ich mit meiner Kleidung ins Bett gegangen bin, oder?"
"Jepp. Darauf hin ist sie zurück ins Waisenhaus und kam mit diesem Päckchen wieder. Sie war etwas überrascht, dass du dir ein Zimmer mit uns teilen musst. Anscheinend will sie nicht, dass du nackt schlafen musst."
Das war sehr nett von ihr.. Ich müsste mich bei Gelegenheit bei ihr bedanken.
"Ist sie bei dir?"
"Nein, sie ist wegen den Kindern dort geblieben. Ich wollte Ruven holen, weil Lis nicht will, dass er allein ist."
Das klang fast, als hätte Ruven keine anderen Freunde neben ihm.. Aber die drei kannten sich offensichtlich schon sehr lang.
"Okay.. richte ihr meinen Dank aus. Wenn ich sie wiedersehe, bedanke ich mich dann anständig."
Er tätschelte meinen Kopf und grinste blöd.
"Aber du hast ihr doch nichts von.. du weißt schon.. erzählt.."
"Bist du verrückt? Dann würde sie dich wohl eher erstechen, als dir ein Nachthemd zu schenken", meinte er und lachte.
"War doch halb so wild. Baldr steht aber vor der Herberge und scheint auf dich zu warten."
"Ja, ich weiß.."
"Und warum bist du dann noch hier?"
"Ich weiß nicht. Er ist.. irgendwie anders, seit ich nicht mehr so tue, als wäre ich ein Junge.."
"Ich glaube nicht, dass es daran liegt."
"Wieso nicht?"
Marius kratzte sich kurz am Hinterkopf und sah zum Fenster.
"Ich hab gehört, wie er in der Kirche gebetet hat.. Und er hat irgendwas von einem Flavius gefaselt und dass er eine Lorae auch mag. Er war also schon vorher komisch."
Er hat was? Das erklärt, woher Marius meinen Namen kannte.. Aber das war, bevor ich.. Dann.. war ich gar nicht Schuld. Das erleichterte mich einerseits, aber andererseits machte es mich auch nervös.
"Du bist immer noch hier."
"Äh.. ja.."
"Soll ich dich rausschleifen oder gehst du selbst?"
Wollte er sich gerade etwa dafür revanchieren, dass ich ihm geraten hatte, Lisbeth zu heiraten? Marius könnte mir mit Baldr wohl kaum helfen. Ich wollte ihn nicht verlieren. Nicht an Flavius, aber auch nicht als Freund, wenn es noch komischer mit uns würde. Ich musste nachdenken. Einfach meinem Gefühl zu folgen, hatte mir schon öfter Ärger eingebrockt. Zum Beispiel, als ich nicht tatenlos zusehen konnte, wie Menschen verletzt wurden und ich Basim's Befehl verweigert hatte.
"Ich geh ja schon.."
Ich lief schnell die Treppe herunter und traf mich mit Baldr vor der Herberge.
"Willst du mir die Hüte zeigen?", fragte ich mit einem breiten Grinsen und zog ihn lachend mit mir. Wenn er sich einen kaufen wollte, aber nicht wusste welchen, dann könnte ich ihm bei der Entscheidung vielleicht helfen. Das war zumindest eine Entscheidung, die ich ihm abnehmen könnte.
"Du kannst mir auch die Blumen zeigen, aber du musst keine kaufen, ja? Du solltest das Geld lieber für etwas sinnvolleres ausgeben." Blumen lebten nicht lang, dafür war das Geld viel zu schade, auch wenn es eine nette Geste sein sollte. Aber ich brauchte keine Geschenke. Das schönste Geschenk war, wenn ich Baldr lachen sehen konnte. Er hatte in letzter Zeit zu viel schreckliches durchgemacht und ich wollte, dass er heute einen tollen Tag haben würde!
Ich war schon ein paar Mal hier, aber da hatte ich nur die Schmieden aufgesucht. In den anderen Vierteln war ich noch nie und ich hatte auch die riesige Kirche noch nie aus der Nähe gesehen.
Eine gefühlte Ewigkeit später, spürte ich ein Schnipsen gegen meinen Hinterkopf. Das konnte eigentlich nur Marius sein.
"Ich dachte schon, du wärst im Stehen eingeschlafen..", meinte er und reichte mir ein Päckchen mit einem Zettel auf dem mein Name stand. Vermutlich wollte er es hier einfach nur ablegen.
"Was ist das?"
"Von Lis. Keine Ahnung. Sie mag dich."
Ich öffnete es sofort und hob eine Augenbraue. Es war scheinbar eines ihrer Nachthemden.
"Lass mich raten.. Du hast ihr erzählt, dass ich mit meiner Kleidung ins Bett gegangen bin, oder?"
"Jepp. Darauf hin ist sie zurück ins Waisenhaus und kam mit diesem Päckchen wieder. Sie war etwas überrascht, dass du dir ein Zimmer mit uns teilen musst. Anscheinend will sie nicht, dass du nackt schlafen musst."
Das war sehr nett von ihr.. Ich müsste mich bei Gelegenheit bei ihr bedanken.
"Ist sie bei dir?"
"Nein, sie ist wegen den Kindern dort geblieben. Ich wollte Ruven holen, weil Lis nicht will, dass er allein ist."
Das klang fast, als hätte Ruven keine anderen Freunde neben ihm.. Aber die drei kannten sich offensichtlich schon sehr lang.
"Okay.. richte ihr meinen Dank aus. Wenn ich sie wiedersehe, bedanke ich mich dann anständig."
Er tätschelte meinen Kopf und grinste blöd.
"Aber du hast ihr doch nichts von.. du weißt schon.. erzählt.."
"Bist du verrückt? Dann würde sie dich wohl eher erstechen, als dir ein Nachthemd zu schenken", meinte er und lachte.
"War doch halb so wild. Baldr steht aber vor der Herberge und scheint auf dich zu warten."
"Ja, ich weiß.."
"Und warum bist du dann noch hier?"
"Ich weiß nicht. Er ist.. irgendwie anders, seit ich nicht mehr so tue, als wäre ich ein Junge.."
"Ich glaube nicht, dass es daran liegt."
"Wieso nicht?"
Marius kratzte sich kurz am Hinterkopf und sah zum Fenster.
"Ich hab gehört, wie er in der Kirche gebetet hat.. Und er hat irgendwas von einem Flavius gefaselt und dass er eine Lorae auch mag. Er war also schon vorher komisch."
Er hat was? Das erklärt, woher Marius meinen Namen kannte.. Aber das war, bevor ich.. Dann.. war ich gar nicht Schuld. Das erleichterte mich einerseits, aber andererseits machte es mich auch nervös.
"Du bist immer noch hier."
"Äh.. ja.."
"Soll ich dich rausschleifen oder gehst du selbst?"
Wollte er sich gerade etwa dafür revanchieren, dass ich ihm geraten hatte, Lisbeth zu heiraten? Marius könnte mir mit Baldr wohl kaum helfen. Ich wollte ihn nicht verlieren. Nicht an Flavius, aber auch nicht als Freund, wenn es noch komischer mit uns würde. Ich musste nachdenken. Einfach meinem Gefühl zu folgen, hatte mir schon öfter Ärger eingebrockt. Zum Beispiel, als ich nicht tatenlos zusehen konnte, wie Menschen verletzt wurden und ich Basim's Befehl verweigert hatte.
"Ich geh ja schon.."
Ich lief schnell die Treppe herunter und traf mich mit Baldr vor der Herberge.
"Willst du mir die Hüte zeigen?", fragte ich mit einem breiten Grinsen und zog ihn lachend mit mir. Wenn er sich einen kaufen wollte, aber nicht wusste welchen, dann könnte ich ihm bei der Entscheidung vielleicht helfen. Das war zumindest eine Entscheidung, die ich ihm abnehmen könnte.
"Du kannst mir auch die Blumen zeigen, aber du musst keine kaufen, ja? Du solltest das Geld lieber für etwas sinnvolleres ausgeben." Blumen lebten nicht lang, dafür war das Geld viel zu schade, auch wenn es eine nette Geste sein sollte. Aber ich brauchte keine Geschenke. Das schönste Geschenk war, wenn ich Baldr lachen sehen konnte. Er hatte in letzter Zeit zu viel schreckliches durchgemacht und ich wollte, dass er heute einen tollen Tag haben würde!
Ich war schon ein paar Mal hier, aber da hatte ich nur die Schmieden aufgesucht. In den anderen Vierteln war ich noch nie und ich hatte auch die riesige Kirche noch nie aus der Nähe gesehen.
~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
- Eugene Ionesco
- Eugene Ionesco