I wanna be a knight, no matter what [Kiimesca & Haruka]

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    • Lorae

      Eine gefühlte Ewigkeit später, spürte ich ein Schnipsen gegen meinen Hinterkopf. Das konnte eigentlich nur Marius sein.
      "Ich dachte schon, du wärst im Stehen eingeschlafen..", meinte er und reichte mir ein Päckchen mit einem Zettel auf dem mein Name stand. Vermutlich wollte er es hier einfach nur ablegen.
      "Was ist das?"
      "Von Lis. Keine Ahnung. Sie mag dich."
      Ich öffnete es sofort und hob eine Augenbraue. Es war scheinbar eines ihrer Nachthemden.
      "Lass mich raten.. Du hast ihr erzählt, dass ich mit meiner Kleidung ins Bett gegangen bin, oder?"
      "Jepp. Darauf hin ist sie zurück ins Waisenhaus und kam mit diesem Päckchen wieder. Sie war etwas überrascht, dass du dir ein Zimmer mit uns teilen musst. Anscheinend will sie nicht, dass du nackt schlafen musst."
      Das war sehr nett von ihr.. Ich müsste mich bei Gelegenheit bei ihr bedanken.
      "Ist sie bei dir?"
      "Nein, sie ist wegen den Kindern dort geblieben. Ich wollte Ruven holen, weil Lis nicht will, dass er allein ist."
      Das klang fast, als hätte Ruven keine anderen Freunde neben ihm.. Aber die drei kannten sich offensichtlich schon sehr lang.
      "Okay.. richte ihr meinen Dank aus. Wenn ich sie wiedersehe, bedanke ich mich dann anständig."
      Er tätschelte meinen Kopf und grinste blöd.
      "Aber du hast ihr doch nichts von.. du weißt schon.. erzählt.."
      "Bist du verrückt? Dann würde sie dich wohl eher erstechen, als dir ein Nachthemd zu schenken", meinte er und lachte.
      "War doch halb so wild. Baldr steht aber vor der Herberge und scheint auf dich zu warten."
      "Ja, ich weiß.."
      "Und warum bist du dann noch hier?"
      "Ich weiß nicht. Er ist.. irgendwie anders, seit ich nicht mehr so tue, als wäre ich ein Junge.."
      "Ich glaube nicht, dass es daran liegt."
      "Wieso nicht?"
      Marius kratzte sich kurz am Hinterkopf und sah zum Fenster.
      "Ich hab gehört, wie er in der Kirche gebetet hat.. Und er hat irgendwas von einem Flavius gefaselt und dass er eine Lorae auch mag. Er war also schon vorher komisch."
      Er hat was? Das erklärt, woher Marius meinen Namen kannte.. Aber das war, bevor ich.. Dann.. war ich gar nicht Schuld. Das erleichterte mich einerseits, aber andererseits machte es mich auch nervös.
      "Du bist immer noch hier."
      "Äh.. ja.."
      "Soll ich dich rausschleifen oder gehst du selbst?"
      Wollte er sich gerade etwa dafür revanchieren, dass ich ihm geraten hatte, Lisbeth zu heiraten? Marius könnte mir mit Baldr wohl kaum helfen. Ich wollte ihn nicht verlieren. Nicht an Flavius, aber auch nicht als Freund, wenn es noch komischer mit uns würde. Ich musste nachdenken. Einfach meinem Gefühl zu folgen, hatte mir schon öfter Ärger eingebrockt. Zum Beispiel, als ich nicht tatenlos zusehen konnte, wie Menschen verletzt wurden und ich Basim's Befehl verweigert hatte.
      "Ich geh ja schon.."
      Ich lief schnell die Treppe herunter und traf mich mit Baldr vor der Herberge.
      "Willst du mir die Hüte zeigen?", fragte ich mit einem breiten Grinsen und zog ihn lachend mit mir. Wenn er sich einen kaufen wollte, aber nicht wusste welchen, dann könnte ich ihm bei der Entscheidung vielleicht helfen. Das war zumindest eine Entscheidung, die ich ihm abnehmen könnte.
      "Du kannst mir auch die Blumen zeigen, aber du musst keine kaufen, ja? Du solltest das Geld lieber für etwas sinnvolleres ausgeben." Blumen lebten nicht lang, dafür war das Geld viel zu schade, auch wenn es eine nette Geste sein sollte. Aber ich brauchte keine Geschenke. Das schönste Geschenk war, wenn ich Baldr lachen sehen konnte. Er hatte in letzter Zeit zu viel schreckliches durchgemacht und ich wollte, dass er heute einen tollen Tag haben würde!
      Ich war schon ein paar Mal hier, aber da hatte ich nur die Schmieden aufgesucht. In den anderen Vierteln war ich noch nie und ich hatte auch die riesige Kirche noch nie aus der Nähe gesehen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Ich wartete mehrere Minuten lang. Irgendwann begann ich, vor dem Gebäude hin und her zulaufen. Als Marius an mir vorbeilief, nickte ich ihm kurz zu und lief dann weiter.
      Erleichtert nahm ich Lorae's schließliches Erscheinen zur Kenntnis, die mich fragte. ob ich ihr die Hüte zeigen will und mir anbot, ihr die Blumen zu zeigen.
      "Du hast dir ja ganz schön zeitgelassen. Ist noch etwas dazwischen gekommen?"
      Ein sanftes Lächeln zeigte sich in meinem Gesicht, dann brachen wir auf.
      Naja, eigentlich wollte ich mit dir ein wenig die Stadt erkunden und so, aber wenn du möchtest, dann machen wir einen kleinen Abstecher zu den Geschäften. Vielleicht finde ich sogar die Kirche an diesem Marktplatz wieder."

      Das erste Geschäft, der Galanteriewarenladen war schnell erreicht. Ich schnappte mir den Hut - einen schwarzen aus Stoff mit weißem Leder-Hutband, der laut Beschreibung ein Reisehut für den modebewussten Herren ist - und setzte ihn mir auf.
      "Ich mag die Farben, aber hier hängt nirgends ein Spiegel, also weiß ich nicht, ob er überhaupt zu mir passt und ganz billig ist er auch nicht. Ganze zehn Gulden. Was meinst du?"
      Die Frau, der ich bereits vorhin begegnet bin, bemerkte nun meine neuerliche Anwesenheit und trat aus dem Geschäft und an uns heran.
      "Ah, du bist es wieder. Hast du dich entschieden, ihn zu nehmen? Oder soll deine attraktive Begleitung dir die Entscheidung abnehmen? Wir haben übrigens auch passende Gehstöcke zum Hut...wobei du mir mit Verlaub doch ein wenig zu jung für ein solches Accessoire erscheinst. Du bist ja kaum älter als mein Sohn."
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Lorae

      Unterwegs erzählte ich ihm kurz von dem Geschenk von Lisbeth, dass Marius mir eigentlich auf das Bett legen wollte, aber da ich ja zufällig anwesend war, konnte ich es gleich auspacken. Es war nichts besonderes und doch freute ich mich darüber, denn noch öfter in voller Kleidung wollte ich nicht schlafen gehen. In meiner Unterkleidung allerdings auch nicht. Ein sehr praktisches Geschenk also.

      "Dafür haben wir doch genug Zeit", meinte ich, denn was sollten wir in den nächsten Tagen sonst unternehmen, außer die Stadt zu erkunden? Am liebsten würde ich ja weiter trainieren, aber das sollte ich besser lassen. Die zahlreichen blauen Flecken machten mir nichts aus, aber die Wunden taten schon weh, wenn ich mich falsch bewegte.

      Als wir beim ersten Geschäft ankamen, zeigte Baldr mir einen Hut, der ihm gefiel. Ich betrachtete ihn, doch ich wusste nicht so ganz, was ich davon halten sollte. Bevor ich allerdings etwas sagen konnte, kam eine Frau heraus, die Baldr wiedererkannte. Gehstock? Das würde nun absolut albern aussehen.
      "Ich mag dich ohne Hut lieber", antwortete ich schließlich und nahm den Hut von seinem Kopf, ehe ich breit lächelte.
      "So ist es besser." Dabei betrachtete ich noch einmal sein Haar und fuhr mit meiner Hand hindurch, ehe ich den Hut zurücklegte.
      "Entschuldigt bitte. Wir brauchen den Hut nicht", lehnte ich freundlich ab und schob Baldr schnell vor mir her, da mir die Frau irgendwie unheimlich war. Händler neigten dazu einen zu bequatschen und zu bedrängen und das mochte ich nicht so sehr.

      Ich blieb vor einem Geschäft stehen, dass scheinbar alle möglichen Spiegel verkaufte. Adlige hatten wohl einen hohen Bedarf an so etwas.. In der Akademie hatte ich nur einen kleinen Handspiegel, mit dem ich mich nie vollständig betrachten konnte. Deshalb war ich ein wenig neugierig und sah in einen Spiegel, der genau so groß war wie ich. Brauchten manche Leute wirklich so einen riesigen Spiegel? Wahnsinn..
      Aber es war schon ein Unterschied, ob man nur sein Gesicht oder das Gesamtpaket betrachten konnte.
      Offensichtlich hatte die Frau versucht mir Honig ums Maul zu schmieren. Attraktive Begleitung? Ich war weder besonders männlich, noch besonders weiblich. Vor allem war auch mir die Kleidung etwas zu groß.
      Meine Haare könnten auch wieder etwas geschnitten werden, da mein Pony mir bald in die Augen fallen würde. Der Rest war irgendwie immer so voluminös und lästig. Ganz anders als die Haare von Baldr, die sich viel feiner zwischen den Fingern anfühlten, als meine.
      "Meinst du, ich sollte sie wachsen lassen?", fragte ich leise und zupfte an einer Haarsträhne. Ich könnte sie zu einem Zopf binden oder flechten. Jetzt war es nicht mehr so wichtig, dass ich wie ein Junge aussah. Ich versuchte es auch nicht mehr. Mein Gesicht war wesentlich.. entspannter. Vorher habe ich immer ziemlich ernst dreingeschaut, aber nun achtete ich nicht mehr darauf, ob meine Gesichtszüge männlich genug aussahen. Nun konnte ich mich einfach so verhalten, wie ich es immer tat, wenn ich allein oder mit Baldr zusammen war.
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      - Eugene Ionesco
    • "Gut, wenn du das sagst. Keinen Hut für mich", entgegnete ich und kehrte dem Laden den Rücken zu, ehe mich Lorae ein Stück wegschob. Die Frau zog sich ohne große Worte in das Geschäft zurück und ging ihrer Tätigkeit nach.
      Wir waren bereits eine Weile durch die breiten, belebten Pflastersteinstraßen geschlendert und hatten dabei so einige Geschäfte passiert, als Lorae schließlich vor einem Spiegelatelier stehen blieb und sich in einem mannshohen Spiegel betrachtete, der vor dem Geschäft ausgestellt wurde.
      Als sie auf ihr Haar zu sprechen kam, überlegte ich einen Moment. Auf solche Dinge hatte ich nie viel Wert gelegt.
      Hauptsache es war gewaschen und einigermaßen gepflegt.
      "Ich denke nicht, dass es nötig ist", ich trat nah an sie heran und prüfte ihre Spitzen, indem ich mit zwei Fingern durch einige ihrer braunen Strähnen strich, "Viel eher sollten sie geschnitten werden, deine Spitzen fühlen sich an wie Stroh...irgendwie. Allerdings ist es deine Entscheidung, schließlich ist es dein Körper. Wobei mir dieser aktuelle Anblick so vertraut ist."
      Dann legte ich meine Hand auf ihre Schultern.
      "Du solltest übrigens vorsichtig sein. Mir ist beim Holzhacken aufgefallen, dass du Schmerzen hattest. Muss ich mir Sorgen machen?"
      Besorgt strich ich ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht, ehe ich mich von ihr löste und selbst in einem der Spiegel betrachtete.
      Es war irgendwie ein seltsamer Anblick, betrachtete ich mich sonst so gut wie nie in einem. Ich selbst hatte auch nie einen besessen. zwar hing im Waschraum der Akademie einer und auch jener der Herberge war mit einem ausgestattet, jedoch nutzte ich sie fast nie. Wozu auch? Einen Bart oder zumindest einen Ansatz von Gesichtsbehaarung zum entfernen hatte ich noch nicht und auch die Stellen südlich meines Gesichtes waren in diesem Punkt eher spärlich ausgestattet, worüber ich sehr froh war, da ich diese Art der Behaarung ab einem gewissen Punkt als unhygienisch, beinahe schon unangenehm empfand und Haare kämmen konnte ich auch ohne Spiegel.
      Ein wenig grimmig dreinblickend zuppelte ich an meinen pechschwarzen Haaren herum: "meinst du, ich sollte sie mir wieder schneiden lassen?"

      ---

      Unterdessen rollte Levi mit seinem rudimentär zusammengebauten Rollstuhl-Prototypen durch die Straßen. Immer wieder musste er kurz stoppen, da das Antreiben seines Gefährtes über die Pflastersteine anstrengend war und es nicht besser wurde, da das letzte Stück bergauf führte.
      Sein Ziel stand fest, er wollte zur Basilika am Marktplatz, seinem alten Freund Keith einen Besuch abstatten, der dort seit Jahren als Bischof tätig ist.
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    • Lorae

      Schneiden also? Kurze Haare waren ohnehin viel praktischer. Nicht nur, was die Pflege anging, sondern auch im Kampf. Als er seine Hand auf meine Schulter legte, wandte ich mich zu ihm.
      "Musst du nicht." Die Wunden waren schließlich nicht so tief und ungefährlich. Ich mochte es nur nicht, von so etwas eingeschränkt zu werden.
      Als Baldr sich dann selbst betrachtete, beobachtete ich ihn und stellte mich dann zwischen ihm und den Spiegel.
      "Das hat noch Zeit", meinte ich und schob seine Mundwinkel mit meinen beiden Zeigefingern nach oben, während ich schmunzelte.
      So lang waren sie noch nicht und mir gefiel es, wenn sie nicht ganz so kurz waren.
      "Ich mag sie so wie sie sind", gab ich zu und sah in seine Augen.
      "Komm." Ich nahm seine Hand und entfernte mich mit ihm von dem Geschäft, damit wir uns nicht weiter mit unserem Aussehen befassten.

      Nicht weit davon war der Blumenladen, von dem Baldr mir erzählt hatte. Ich betrachtete die verschiedenen Blumensträuße und beobachtete einen Mann, der eine einzelne rote Rose kaufte.
      "Ich weiß nicht, was an Blumen so toll sein soll...", murmelte ich. Man schenkte sie doch seiner Liebsten oder seiner Mutter, aber wieso freuten sie sich so darüber? Sie waren überhaupt nicht nützlich..

      Als ich mich umdrehte, erblickte ich den merkwürdigen Stuhl mit Rädern. Hauptgefreiter Levi..
      "Baldr..", hauchte ich leise und zupfte an seinem Hemd. Ich fand es nicht fair, dass er wegen eines kleinen Kratzers sterben müsste. War das wirklich möglich? Warum sollte Dimitri so etwas erfinden? Aber irgendwie war Dimitri nach dem Kampf ohnehin nicht mehr er selbst, hatte ich das Gefühl.
      Mein Blick ging in die Richtung, in die er unterwegs war und dann wieder zu ihm. Es sah anstrengend aus und der restliche Weg ging ein ganzes Stück bergauf. Auch wenn ich den Drang verspürte ihm irgendwie zu helfen, unterließ ich es. Ich glaubte, dass Levi mir in dem Punkt sehr ähnlich wäre, denn ich würde keine Hilfe wollen und es selbst versuchen, egal wie mühsam es war.
      Aber so gut kannte ich ihn nicht. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass er kein Mitleid wollte. Nein. Er war bereit, zu kämpfen und wenn es sein musste zu sterben. Wie sagte er noch.. dazu bereit sein, sein Herz zu opfern..
      Ob wir ihm also wirklich helfen sollten? Dann wäre es wohl besser wenn Baldr es tat, denn wenn ich - ein Mädchen - dem Hauptgefreiten helfen würde, könnte ich ihn zum Gespött machen.. Hier wusste immerhin niemand, dass ich vor kurzem einen erbitterten Kampf überlebt hatte.
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      - Eugene Ionesco
    • "Gut", sprach ich nickend und folgte ihr.
      Wenig später erreichten wir auch den Blumenladen. Ein Mann kaufte eine einzelne rote Rose.
      Lorae's Gesichtsausdruck strahlte ein gewisses Unverständnis aus, so als würde sie nicht verstehen, warum Menschen Blumen kaufen.
      "Ich hab mal etwas darüber gelesen. Man schenkt Menschen Blumen, um etwas auszudrücken. Oft werden sie auch als Grabbeigaben verwendet. Gelbe Blumen etwa stehen für Wärme und Glück und werden gerne unter Freunden verschenkt. Weiße Blumen", ich strich über die Blüten einer weißen Rose, "sind perfekt für Hochzeiten, sie symbolisieren Unschuld und Naivität".
      Dann schnappte ich mir einen großen Strauß roter Rosen und roch an ihnen.
      "Und die hier stehen für die Liebe." Ich schritt langsam auf Lorae zu.
      "Wenn ich mich entschieden habe, wen ich auf diese Art lieben werde, werde ich der oder dem Glücklichen einen riesigen Strauß dieser Blumen schenken. Also freunde dich schon mal mit dem Gedanken an, künftig oft solch schöne Blumen von mir gereicht zu bekommen. Auch, wenn du sie für Unnütz halten magst, so versuch wenigstens, dich darüber zu freuen, sollte irgendwann der Moment gekommen sein."
      Ich zwinkerte ihr für einen kurzen Augenblick zu, dann steckte ich den Strauß zurück in den Wasserbehälter und hatte mich gerade wieder umgedreht, als Lorae meinen Namen flüsterte und an meinem Hemd zupfte.
      "Der Hauptgefreite.."
      Anhand von Lorae's Blick konnte ich schon erahnen, was sie am Liebsten getan hätte, von daher nickte ich zustimmend.
      Dann ging ich auf Levi zu.

      "Sieht aus, als könnten Sie Hilfe gebrauchen."

      Levi blickte zu uns auf, mit einem Blick aus eigenem Stolz und Erschöpfung.
      "Gut erkannt."
      "Wo soll es hingehen?"
      Proaktiv nahm ich die beiden hölzernen Griffe, die an der Stuhllehne befestigt waren und fing an, langsam zu schieben,
      "Zur Basilika. Oben am Marktplatz."
      "Wollen sie beten?"
      "Nein. Einen alten Freund besuchen. Ich glaube nur an meine Waffen und meine Kameraden."
      "Wieso überhaupt dieser Stuhl?"
      "Meine Operation am Bein..."
      Mein Blick fiel nun auf sein rechtes Bein, welches einen deutlich sichtbaren Verband trug. Innerlich schlug ich mir den Hand vor den Kopf.
      Eine Weile schwieg ich. Dabei plagten mich doch noch einige Fragen wegen meiner beruflichen Zukunft. ich atmete durch und versuchte, eine Frage zu formulieren.
      "Hauptgefreiter...denken Sie, ich bin für den Aufklärungstrupp geeignet? Was muss ich an Fähigkeiten mitbringen?"
      Levi schwieg für einen langen Moment.
      "Du musst stark sein, körperlich und ganz besonders mental und das bist du nicht. Zumindest wirkst du auf mich mental nicht sonderlich stark, sondern wie jemand, der nach schlimmen Erlebnissen oft weint und generell zu viel über seine Gefühle nachdenkt. Meine Kameraden und ich sind dafür da, die Drecksarbeit für die anderen Einheiten zu machen. Arbeiten, für die das reguläre Militär nicht gut genug ist. Wir kämpfen unter den widrigsten Bedingungen, stoßen als Vorhut tief in feindliches Gebiet vor, leisten Aufklärungsarbeit im Feindesland und erledigen den größten Schmutz, damit die reguläre Armee ein leichteres Spiel hat. Für Gefühle und Weinen ist in meiner Truppe kein Platz. Gefühle vernebeln die Sinne und provozieren Fehlentscheidungen. Im Feindesland geht es nur darum zu töten und das schnell und effizient. Es ist ein Spiel auf Zeit und wer zuviel Zeit mit Nachdenken verbringt, hat weniger Zeit zum Handeln und damit schon verloren, denn man ist immer in der Unterzahl und den Feind kümmert es nicht, was du machst. Sobald sie dich sehen, werden sie dich jagen und deine Schwächen gnadenlos ausnutzen."
      Das hatte gesessen. Meine Miene wurde nachdenklich, Levi drehte für einen Moment seinen Kopf und Oberkörper ein Stück, sodass er mein Gesicht sehen konnte.
      "Genau das meine ich, du denkst du viel nach und bist nicht entschlossen zu Handeln. Ich rate dir davon ab, dem Aufklärungstrupp beizutreten. Solltest du dennoch den Entschluss fassen, beizutreten, wirst du schon nach zwei Wochen komplett daran zerbrochen sein und darum Winseln, gehen zu dürfen. Wenig Schlaf, lange Märsche mit viel Gepäck auf dem Rücken, robben im Schlamm, Tarnübungen, das Nutzen dieser Apparatur", Levi klopfte auf sein teilweise defektes Gerät, "Tauchen und Schwimmen unter Zeitdruck, Muskelaufbau, waffenloses Nahkampftraining, Training mit den verschiedensten Waffen im Nah- und Fernkampf und so weiter. Wir sind keine Spaßtruppe, die den ganzen Tag lustig umherfliegt, wir sind das Taschenmesser des Königs und genau solche Leute suchen wir; Leute die vielseitig sowie mental und körperlich robust sind und auch unter radikalem Druck und Schlafentzug noch klar denken und sich schnell an sich verändernde Gegebenheiten anpassen können. Wenn du meinen Rat willst, geh zur Militärpolizei. Die Leute hier haben nicht viel zu tun."
      Er deutete unauffällig auf eine Gruppe Militärpolizisten, die am Straßenrand standen und sich unterhielten. Es schien eine heitere Unterhaltung zu sein, da einige von ihnen herzhaft lachten.
      "Außerdem kannst du bei ihnen in Sicherheit leben und musst dir über deinen mentalen Zustand keine Sorgen machen. Es passiert hier ohnehin nur selten aufregendes, dass dir emotional zusetzen würde."
      Erneut fühlten sich seine Worte an wie ein Schlag in die Magengrube.
      "Warum hast du mich damals dann überhaupt mitgenommen?", wechselte ich nun ins persönliche.
      "Weil ich mir selbst ein Bild machen wollte, jedoch hast du mich nicht wirklich überzeugt. Dir hat während der gesamten Mission die Entschlossenheit gefehlt. Stattdessen konnte ich nur Angst und Unsicherheit in deinem Gesicht erkennen."
      "Was hat Basim über mich erzählt?"
      "Er sprach gut von dir. Doch das bedeutet nichts, er ist nicht unvoreingenommen, da er dich schon länger und von einer anderen Einheit kennt. Du weißt, was ich meine?"
      "Bin ich wenigstens für diese...andere Einheit geeignet?"
      Ich presste meine Lippen aneinander.
      "Weiß ich nicht. Ich hab mit dieser Truppe nichts zutun und kenne deren Anforderungen nicht."
      Dann schwieg ich.
      Nach einer Weile hatten wir den Anstieg hinter uns gelassen und den Marktplatz erreicht und ich schob Levi noch bis zum Eingang der gewaltigen Basilika.
      "Danke, das reicht. Den Rest schaffe ich alleine. Dennoch wäre es genehm, wenn ihr hier wartet. Schließlich muss ich wieder nach unten kommen."
      Dann rollte er durch den Eingang ins Innere des riesigen Gebäudes.
      Links des gewaltigen Eingangsportals war ein Schild angebracht: "Basilika Sagrada Familia, erdacht von Antoni Gaudi und geweiht dem Heiligen Georg, Schutzpatron des Königreichs Bohemia und seiner Bewohner."

      Eine ganze Weile sprach Levi mit einem Fremden. Jedoch konnte ich nicht viel verstehen, da sie tief im Inneren des Gewölbes standen. Erst als sie sich langsam dem Eingang näherten, konnte man etwas hören.

      "Gut. Ich werde morgen wiederkommen."
      "Um erneut zu versuchen, mich zu überzeugen?"
      "Ja. Und wenn ich es morgen nicht schaffe, dann komme ich übermorgen wieder. Und dann wieder. Und dann wieder. Und dann wieder und so weiter und wenn ich irgendwann nicht wiederkomme, dann bin ich entweder draufgegangen oder der Trupp wurde ausgelöscht."
      "Warum ist dir das so wichtig?"
      "Weil du der fähigste Ausbilder bist, der noch übrig ist."
      "Sind denn alle tot?"
      "Nein, nicht alle. Doch die, die noch übrig sind, sind als Ausbilder zu unerfahren, für das, was uns bevorsteht. Meine Leute, meine Kameraden brauchen einen Veteranen. Jemanden, der die Neuen möglichst schnell und effizient ausbilden kann. Sie brauchen dich."
      Dann schwieg der Mann.
      "Liest du die Bibel, Levi? Es gibt da ein Zitat, dass ich fast auswendig kann und das irgendwie zu diesem Anlass passt, Ezechiel 25,17: Der Pfad der Gerechten ist auf beiden Seiten gesäu..."
      "Erspar mir dieses Geschwätz. Ich glaube nur an meine Waffen und meine Kameraden. Wir sehen uns dann morgen, Keith", unterbrach er ihn jedoch.
      Dann rollte er zu uns an den Eingang, wo wir geduldig gewartet hatten.

      "Da bin ich wieder. Bringt mich jetzt zurück zur Herberge, ja?"
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    • Lorae

      Ich wusste gar nicht, dass Baldr so viel über Blumen wusste.. Aber seine Nase steckte auch sehr oft in irgendwelchen Büchern, von daher war er eben in vielen Bereichen wesentlich gebildeter als ich.
      Als er mir die roten Rosen zeigte, betrachtete ich diese einen Moment, ehe ich ihm ins Gesicht sah. Ich sollte mich damit anfreunden, von ihm rote Rosen zu bekommen? Ich wusste nicht, was ich hätte sagen sollen. Einerseits.. wünschte ich mir, dass er mir dieses Geschenk machte, wobei ich nicht nur so tun würde, als würde ich mich darüber freuen..
      Andererseits..

      Das sich unsere Wege wohl bald trennen würden, bestätigte das Gespräch mit dem Hauptgefreiten, als wir ihm halfen.
      Ich wollte meinen Wunsch nicht aufgeben, aber ich wollte Baldr auch nicht in Gefahr bringen.

      Ich ging die ganze Zeit neben her und lauschte seinen Worten. Obwohl er Baldr nicht sehr lang kannte, hatte er ihn unheimlich gut durchschaut. Was er wohl über mich dachte? Das wollte ich vielleicht gar nicht wissen.. Ich war zwar entschlossener und zum Teil gnadenloser als Baldr, aber vermutlich auch zu stur. Levi hatte unsere Hilfe ohne zögern angenommen und bat uns sogar zu warten.
      Ich hätte das nicht einfach so annehmen können, was mir deutlich machte, dass meine Sturheit mich ebenso das Leben kosten könnte, wie Baldr seine Unsicherheit.

      Der Hauptgefreite war.. wirklich beeindruckend. Er suchte zwar nach einem Weg zu überleben, weshalb er sich dieser Operation unterzogen hatte, aber er klammerte sich weder zu sehr an diese Hoffnung, noch versank er in Verzweiflung, dass sein Leben bald ein Ende finden könnte. Er kämpfte weiter. Er bemühte sich einen Nachfolger zu finden, der uns an seiner Stelle ausbilden könnte, sollte er..

      Während wir gewartet hatten, hatte ich mir die Basilika von außen angesehen und sagte kein Wort.
      "Jawohl, Hauptgefreiter Levi."
      Ich trat vor und ging voraus, während Baldr wieder den Rollstuhl schob. Sollte ich Baldr die Idee mit dem Aufklärungstrupp ausreden? Oder sollte ich ihn ermutigen?

      Bei der Herberge angekommen, hielt ich Baldr's Handgelenk fest und blickte ihn sehr entschlossen an, nachdem wir uns von Levi verabschiedet hatten.
      "Ich muss mit dir reden.."
      Nachdem ich mir ein ruhiges Plätzchen mit ihm gesucht hatte, wo wir ungestört reden konnten, drehte ich mich zu ihm um und atmete tief durch.
      "Lass dir von niemandem vorschreiben, was du tun kannst oder nicht", begann ich und packte ihn sanft am Kragen, um ihm eindringlich in die Augen zu sehen.
      "Ich habe mir in letzter Zeit immer wieder darüber Gedanken gemacht, was passieren könnte, wenn heraus kommt, dass ich kein Junge bin. Ich bin.. beinahe daran verzweifelt.. Aber in diesem Moment, als ich einfach auf meinen Bauch gehört habe, habe ich diese Angst besiegt. Was wäre wenn.. Hätte, könnte.. Es.. bringt nichts, sich darüber Gedanken zu machen, denn am Ende, kann man doch nicht vorhersehen, was passiert.
      Ich habe gezögert, meinem Impuls zu folgen, dem Hauptgefreiten zu helfen, weil ich befürchtet hatte, dass er sie ablehnen könnte. Ich lag falsch. Ich hätte auch richtig liegen können, aber.. das weiß man immer erst, wenn man es ausprobiert hat, nicht?"

      Meine Hände lösten sich von seinem Kragen und legten sich auf seine Brust, auf die ich nun blickte.
      "Was ich sagen will... Wir können weder die Vergangenheit ändern, noch die Zukunft vorhersehen. Was wir in der Gegenwart tun, ist wichtig. Entscheide dich für das, was du jetzt für richtig hältst. Ob du es später bereuen wirst? Ja, vielleicht. Aber vielleicht wirst du es stattdessen bereuen gezögert zu haben.."
      Lächelnd legte ich meine rechte Hand an seine Wange und sah wieder in seine Augen.
      "Wenn du mir folgst, werde ich dich beschützen, wenn ich es kann. Wenn du hier bleibst... werde ich dich immer in meinem Herzen tragen.." Das klang tiefgründiger, als ich es beabsichtigt hatte. So etwas kam eben zustande, wenn ich einfach drauf los rede.
      So war es bei Marius. So war es in Paradis. So war es nach dem Kampf. Ich habe keine dieser Entscheidungen bereut und einen Freund gewonnen, ein Leben gerettet und bin endlich für mich eingestanden.
      "Sag mir.. wovor du Angst hast.. und ich versuche dir zu helfen, sie zu überwinden.. Ich weiß, dass irgendwo da drin ein fähiger Ritter steckt", meinte ich und drückte meine Faust leicht gegen seine Brust.
      "Du bist klug und mutiger, als du denkst. Ich glaube an dich."

      Dann umarmte ich ihn, um in sein Ohr zu flüstern. Ich drückte ihn fest an mich, damit er nicht sehen konnte, wie mein Gesicht errötete.
      "Ich wünsche mir.. dass du glücklich bist, Baldr.."
      Je öfter er mir sagte, wie er für mich empfand, desto mehr wünschte ich mir, dass ich ihn glücklich machen könnte. Das Flavius mein Konkurrent war und keine andere Frau, nahm mir zunehmend die Sorge, dass ich nicht gut genug wäre. Deshalb sollte er wissen, wie ich dabei fühlte. Immerhin sollte ich mich auch selbst an meine Ratschläge halten.
      "Ich werde mich für dich freuen.. egal wie du dich entscheidest.."
      Noch immer versuchte ich mein Gesicht vor ihm zu verbergen, wobei ich auch seine Nähe sehr genoss. Er gab mir immer das Gefühl, dass ich alles schaffen könnte, was ich mir vornahm. Dabei hätte er mich genau so gut davon abhalten können ein Ritter zu werden.
      "Aber.. ich würde mich auch darüber freuen, wenn du mir Rosen schenkst..", gab ich zu.
      Seufzend lockerte ich meine Arme, legte meinen Kopf jedoch an seine Schulter.
      "Und vielleicht kann man mehr haben, als man denkt.. Wer sagt, dass du eine Sache aufgeben musst, wenn du dich für die andere entscheidest?"
      War das verrückt? Ihm indirekt zu sagen, dass er.. auch uns beide haben könnte? Natürlich wusste ich nicht, was Flavius davon halten würde, aber.. Baldr war ein Mensch und keine Sache, die man besitzen könnte. Wenn ihn der Verlust von einem unglücklich machen würde, wäre er doch.. glücklicher, wenn er nichts von beiden verliert, oder? Aber das war wieder einmal mehr dieses Bauchgefühl, das aus mir sprach. Es sagte mir, dass ich mir sehnlichst wünschte, dass er bei mir blieb. Doch nicht, wenn er dafür etwas anderes aufgeben müsste.
      Aber ich wollte es nicht bereuen, nichts dafür getan zu haben.. Nichts gesagt zu haben..
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
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    • Der Rückweg verlief schweigend. Levi musterte Lorae und dachte nach.
      Als wir die Herberge erreicht hatten, wandte sich er an mich und blickte mit ernster Miene vor sich auf den Boden.
      "Baldr..in ein paar Tagen findet am Marktplatz eine Messe statt, wo jede Einheit des regulären Militärs um Anwerber wirbt. Du bekommst dort einen Einblick in den Alltag und die Aufgaben, kannst mit Ausbildern und Rekruten sprechen und bekommst sogar einen Überblick über die einzelnen Module. Du solltest dir das wirklich zu Herzen nehmen. Nur so als Tipp. Der Aufklärungstrupp ist nichts für mich und die anderen werden dir das auch sagen, solltest du deren Stand aufsuchen wollen."
      "Danke, schätze ich."

      Als wir uns von Levi verabschiedet hatten, hielt mich Lorae mit entschlossenem Blick am Handgelenk fest und brachte mich zu einem verlassen aussehendem Plätzchen, welches an das Gebäude der Herberge angrenzte und aufgrund einer mannshohen Hecke nur schwer von außen einsehbar war.
      Lediglich ein Fenster, welches offenbar zum Speisesaal gehörte, gewährte einen Blick auf den Platz und damit auch auf uns. Daneben war scheinbar mal eine Tür, die dazugehörige Öffnung wurde irgendwann jedoch mal zugemauert, was leider die Schönheit der eigentlich schönen Außenfassade ein wenig negativ beeinflusste.
      Nach einem Moment der Stille, offenbar musste sie sich erst sammeln, begann sie ihre Rede. Ich hörte einfach zu und als sie mich schließlich umarmte, legte ich meine Arme ebenfalls um sie und ließ sie fertig sprechen, beziehungsweise flüstern. Es war, als würden diese Worte mir und nur mir gelten.
      Als sie schließlich fertiggesprochen und ihren Kopf auf meine Schulter gelegt hatte, musste ich eine ganze Weile überlegen, was ich darauf erwidern soll...zumindest fühlte es sich für mich wie eine Weile an, wobei wahrscheinlich kaum mehr als eine ganze Minute vergangen war. Dies schloss ich darauf, dass mein Gegenüber keine Anstalten machte, nachzuhaken oder auf andere Weise die Ursache meines Schweigens zu ergründen oder mein fortlaufendes Schweigen gar an sich zu unterbrechen. Stattdessen verharrte Lorae in ihrer Position und atmete ein wenig nervös.
      "Ich..", begann ich nun den Versuch, leise sprechend, beinahe schon flüsternd eine Antwort zu formulieren, "Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll...das Leben ist nicht so einfach und die Liebe ist es auch nicht. Ich hab viele Ängste....dich zu verlieren zum Beispiel. Und alleine schon der Gedanke daran, dich weinen zu sehen, zerreißt mir das Herz...wenn ich nicht in den Aufklärungstrupp gehe, wird beides passieren. Ich werde dich verlieren und du wirst weinen, auch wenn du mich das nicht sehen lassen würdest...von daher hab ich keine andere Wahl, als in den Aufklärungstrupp zu gehen. Für mich fühlt sich das allerdings irgendwie wie emotionale Erpressung an, meine eigene psychische Gesundheit aufs Spiel zu setzen, um dich nicht traurig zu machen...das ist ein hoher Preis, den ich zu zahlen hätte. Und deine letzte Aussage...ich weiß nicht...das klingt für mich so, als würdest du mir die Möglichkeit bieten, sowohl mit dir, als auch mit Flavius eine Beziehung führen zu können und das will ich nicht. Ich will mich einer Person auf romantische Weise voll und ganz hingeben und mich nicht teilen müssen...wenn ich Flavius nicht kennen würde, hätte ich dich gestern nach deinem Kuss auf Händen in ein Gästezimmer der Taverne getragen und mit dir Dinge angestellt, auf die Marius und Lisbeth noch in Jahren neidisch wären...doch so einfach ist es nun mal nicht, wenn man für mehr als einen Menschen etwas empfindet. Ein anderer Weg ist, dass ich mich für niemanden entscheide und für immer alleine bleibe....aber damit würde ich dich vermutlich zum Weinen bringen und das will ich nicht. Am Sinnvollsten ist es wohl, mit Flavius zu sprechen und seine Meinung einzuholen...aber das mache ich nicht jetzt...die Eulenakademie ist weit im Norden und meine berufliche Zukunft hat erstmal Vorrang...wir haben schon bald den Ritterschlag und dann ist es auch schon so weit.."
      Ich keuchte leise und war mir unsicher, ob meine Antwort zufriedenstellend war.
      "Doch auch wenn wir uns trennen sollten, weil ich mich der regulären Armee anschließe und du dich dem Aufklärungstrupp...so möchte ich die letzte Nacht vor dem Abschied mit dir ganz alleine verbringen und es mit dir haben."
      Dann knabberte ich für einen kurzen Moment ganz sanft an ihrem Ohrläppchen, ehe ich mich sanft von ihr wegdrückte und beschämt von ihr wegdrehte. Ich hatte das Gefühl, es ein wenig übertrieben zu haben...

      Durch das inzwischen einen Spalt breit geöffnete Fenster, das zum Gebäude der Herberge gehörte, konnte Levi unbemerkt einige Passagen mithören. Er runzelte mit der Stirn.

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    • Lorae

      Ich hatte Baldr wohl ziemlich überrumpelt, dass er nicht so schnell eine Antwort fand. Das war in Ordnung, er konnte sich ruhig Zeit damit lassen. Er hätte mir nicht einmal heute darauf antworten müssen. Ich wollte.. nur nie wieder bei etwas zögern, was ich für das richtige hielt.
      Doch als er anfing zu sprechen, schlug mein Herz noch schneller. Was, wenn mir Baldr's Antwort nicht gefiel? Was, wenn er Recht hatte?

      Ich hatte befürchtet, dass er ernsthaft darüber nachdachte mich zum Aufklärungstrupp zu begleiten, weil er genau wie ich, nicht voneinander getrennt sein wollte. Auch wenn ich mich darüber freute, fühlte es sich auch nicht richtig an. Levi hatte vielleicht Recht, dass Baldr nicht dafür gemacht war.
      Aber ich war wie immer viel zu stur, dass zu akzeptieren. Ich glaubte, dass Baldr alles durchstehen könnte, wenn ich nur bei ihm bin. Aber was wenn nicht? Ich kam mir vor wie eine Heuchlerin, dass ich ihm seine Zweifel nehmen wollte, aber mir selbst meine nicht nehmen konnte. Die Zweifel, die durch Baldr's Worte noch größer wurden.. Emotionale Erpressung.. und der hohe Preis, den er dafür zahlen müsste.

      Ich wurde nachdenklicher, doch meine Gedanken wurden still, als er auf meine letzte Aussage zu sprechen kam.
      Was wusste ich schon von der Liebe? Noch weniger als Baldr, vermutlich. Dafür war in meinem Leben bisher einfach nie ein Platz gewesen. Ich hatte meinen Blick immer nur auf eine Sache gerichtet und das war der Ritterschlag. Koste es, was es wolle.. Wenn ich keine Liebe finden würde, dann wäre es so. Durfte ich mich dann so an Baldr klammern? Mehr und mehr hatte ich das Gefühl, dass es ein Fehler sein würde.
      Aber seine Worte, was er gestern mit mir gemacht hätte, wenn Flavius nicht wäre, ließen mich rot anlaufen. Mir war heiß, ich war aufgeregt, erfreut und gleichzeitig beunruhigt. Es fühlte sich richtig, aber auch falsch an. Mein Bauchgefühl könnte mir dabei auch nicht helfen. Ich wollte ihn festhalten, aber gleichzeitig auch von mir wegstoßen. Aber ich wollte nicht auf sein Gespräch mit Flavius warten und versuchte passende Worte zu finden, wobei ich mir auf die Unterlippe biss.

      Bevor ich jedoch etwas sagen konnte, brachte Baldr mich mit seiner letzten Aussage wieder völlig aus dem Konzept. Es mit mir haben?
      Ein Schauer durchfuhr meinen ganzen Körper, als er nach diesen Worten an meinem Ohrläppchen knabberte und meine Knie etwas weich wurden.
      Mit einem sanften Lächeln legte ich meine Hände an sein Gesicht und drehte es wieder zu mir zurück.
      "Baldr..", hauchte ich leise und legte meine Stirn an seine.
      "Ich kann nicht zulassen, dass du mich begleitest.. Ich.. werde Levi bitten, dich nicht aufzunehmen, egal, wie sehr du darum bettelst. Ich.. Du wärst mir nur im Weg.." Ich atmete tief durch vor den letzten Worten und entfernte mein Gesicht von seinem.
      "Du hast mich schon einmal mein Ziel aus den Augen verlieren lassen.. Ich hatte überlegt, ob ich mit dir zur Militärpolizei gehen soll, um bei dir zu bleiben. Dich mitkommen zu lassen, würde nicht nur dich selbst gefährden."
      Ich versuchte dabei zu lächeln, auch wenn es mich sehr schmerzte, diese Worte auszusprechen.
      "Du gefährdest damit auch das Leben meiner Kameraden und mein eigenes. Mein Wunsch dich zu beschützen, beeinflusst meine Entscheidungen und.. wenn ich die falsche treffe, könnten nicht nur du oder ich sterben."
      Auch wenn es mich betrübte, war es vermutlich das klügste, was ich je gesagt hatte.
      "Du.. kannst bestimmt auch zu einem späteren Zeitpunkt noch zum Aufklärungstrupp, wenn du eines Tages dafür bereit sein solltest. Ich werde dir auf ewig dankbar sein.. Aber wenn ich dich festhalte, um dich nicht zu verlieren... werde ich dich verlieren.."
      In meinen Augen sammelten sich die Tränen, die ich mühsam zurückhielt. Eine davon bahnte sich ihren Weg über meine noch immer lächelnden Lippen.
      Sanft legte ich meine Lippen auf seine, um ihn zu küssen. Kurz darauf löste ich mich wieder von diesen und näherte mich seinem Ohr, um hineinzuflüstern.
      "Ich möchte es auch mit dir haben.. Bevor wir uns trennen..", betonte ich es, wie er es zuvor getan hatte.
      "Ich vertraue dir, wie niemandem sonst.. Du bedeutest mir mehr, als jeder andere.. Deswegen.. sollst du der erste sein..", flüsterte ich nervös, wobei mein Gesicht immer wärmer wurde und meine Hände immer kälter. Ob es danach noch jemanden geben würde, bezweifelte ich in diesem Augenblick zwar, aber das war bedeutungslos. Es war das, was ich jetzt wollte.
      "Versprich mir, dass du deine Entscheidung ungeachtet meiner Tränen triffst, in Ordnung?"
      Da meine Unterlippe ein wenig zitterte, biss ich darauf, um Baldr wieder in die Augen sehen zu können.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Lorae drehte mein Gesicht um und drückte ihre Stirn an meine.
      Während ihrer Worte blieb ich gefasst, ihr plötzlicher Kuss und ihre Zustimmung, dass sie es auch mit mir möchte, ließen mein Herz höher schlagen und mich im Schritt erhärten.
      Dennoch blieb ich weiterhin gefasst. Zwischenzeitlich hatte ich sogar meine Augen geschlossen, um ihre Tränen nicht sehen zu müssen.

      "Fein", sprach ich nach einem kurzen Seufzer, als sie mir ihre abschließende Frage gestellt hatte. "Dann...werde ich uns für unsere Nacht ein Zimmer in der Taverne organisieren, sobald die Termine für den Ritterschlag und den Start der Ausbildung feststehen...oder nein, ich suche uns ein richtiges Hotel...eine billige Taverne ist dafür ungeeignet...außerdem muss ich Flavius finden und mit ihm reden...oder ihr beide redet miteinander...gerne auch ohne mich...und bis dahin...ich weiß nicht, wie es jetzt weitergeht...es fühlt sich alles so endgültig an...macht jetzt fortan jeder seins oder...?", ich schlug meine schwarzen Augen auf und griff mir mit der Situation überfordert an die Stirn; irgendwann schlug ich mir dagegen...wieder und wieder und wieder, "..ach ich weiß doch auch nicht, ich wünschte, alles wäre so wie früher, dieser ganze Gefühlskram überfordert mich....ich glaube, ich gehe einfach in den Aufklärungstrupp und spar mir die Sache mit den Gefühlen...einfach nur auf mich konzentrieren...versuchen, dort irgendwie klarzukommen...ich wollte immer so gerne die Welt sehen, weißt du...doch für immer hier als Militärpolizist angekettet zu sein und nur Bücher über die Welt da draußen zu lesen, die sowieso schon veraltet sind, muss doch langweilig sein...wie soll mir das weiterhelfen? Ich hatte Träume und Ziele im Leben...ich wollte als Kind unbedingt das Meer sehen...doch wenn ich in die Militärpolizei eintrete, werde ich auch weiterhin nur auf Mauern blicken...Mauern, die ich eigentlich zerstören wollte..."
      Ich war unsicher, wie es jetzt mit uns weitergehen würde... . Nachdem ich meinen abgehakten Monolog beendet und mich ein wenig beruhigt hatte, fiel mein Blick nun auf ihr Gesicht. Zuerst bemerkte ich ihre Tränen, die sich in ihren Augen sammelten, dann ihre zitternde Unterlippe, auf die sie sich biss. Ob es Trauer war oder Erregung, wusste ich nicht zu sagen. Frauen waren kompliziert, mein Dilemma war kompliziert, mein Leben war kompliziert und ich musste das in Ordnung bringen.
      "Sag...was ist mit deiner Lippe? Hast du etwas bestimmtes im Sinn?"
      Ich drehte mich erneut um und lief zum mannshohen Tor, das unseren Platz mit dem Vorplatz - der an den Haupteingang der Herberge anknüpfte und auf dem die Bank unter den zwei Eichen stand, auf der ich bereits zwei Mal auf Lorae gewartet hatte - verband und hielt sie mit beiden Händen fest. Eine Person näherte sich der Herberge, die auf die Ferne ein wenig an Ruven erinnerte.
      "Ist es dir lieber, wenn ich es von außen schließe oder von innen?"
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    • Lorae

      Selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich nicht so schnell etwas sagen können. Das er bereits Pläne schmiedete und ein Hotel buchen wollte.. Das klang irgendwie völlig absurd und albern und doch.. freute ich mich irgendwie darauf.
      Baldr war ganz offensichtlich noch immer verwirrt, genau wie ich. Ob ich mit Flavius darüber sprechen könnte? Und was sollte ich sagen?
      Hey, so wie es aussieht, kann Baldr sich nicht zwischen uns entscheiden. Lass uns das in einem Duell klären? Klar..

      Als er mich jedoch fragte, ob nun jeder sein eigenes Ding machen würde, atmete ich tief durch. Ich wusste doch auch nicht, was das beste wäre. Allerdings glaubte ich, dass diese Entscheidung nicht nur uns beeinflussen würde. Was, wenn ich während eines Kampfes sehe, wie Baldr verletzt wird und dann meine Position verlasse, um ihm zu helfen? Könnte ich es einfach ignorieren und darauf hoffen, dass ihm ein anderer zur Hilfe eilen würde? Könnte ich wie Levi so sehr an meine Kameraden glauben, wie er es tat? Wenn ja, dann könnte das vielleicht funktionieren.. Ich müsste bereit sein, mich auf mein Ziel zu fokussieren und.. ihn notfalls zu opfern.. Könnte ich das? Könnte er das? Was, wenn er mir zur Hilfe eilen wird und dann getötet wird?

      Mein Herz beruhigte sich nur langsam, während er sprach. Vor 2 Wochen sah das ganze noch vollkommen anders aus. Baldr wollte zum Aufklärungstrupp, ich nicht. Ich dachte über seine Worte nach, was im Moment gar nicht so einfach war. Irgendwie war ich glücklich und traurig zu gleich. Ein wenig wütend auch. Und ich war immer noch ein wenig durcheinander von seinen Worten und das ich dem auch noch zugestimmt hatte. Doch das war etwas, dass ich nicht bereute.
      Als er mich wegen meiner Lippe ansprach, wischte ich mir mit dem Ärmel über mein Gesicht und lächelte, während ich ihm nachsah.
      Ich dachte er würde gehen, aber dann hätte er sich vorher verabschiedet. Also wollte er vielleicht reingehen und ich sollte ihn begleiten.
      Seine Frage verwirrte mich jedoch im ersten Moment. Von innen?
      "Weiß nicht..", murmelte ich leise und legte meine Hand an meinen Ellenbogen. Ohh.. war das eine Frage, ob wir.. hier? Jetzt? Bei dem Gedanken stieg mir wieder die Hitze zu Kopf und es kribbelte im Bauch und irgendwie auch.. weiter unten. Das Gefühl hatte ich vorhin schon. War ich erregt? Das wäre in dieser Situation wohl nicht unerwartet.. Es war auch viel intensiver, als damals.. Als ich Baldr mit Piotr gesehen habe.. Diese Bilder waren jetzt aber nicht sehr hilfreich.
      Ihm eine Gegenfrage zu stellen, was ihm denn lieber wäre, wäre wohl nicht fair, da er zuerst gefragt hatte.
      "Nicht.. hier..", sagte ich beschämt, denn ich wollte nicht, dass uns irgendjemand sehen könnte.

      _____

      Valerius Hazen

      Ich war schon sehr gespannt auf den neuen Bogen, was daran lag, dass ich bei der Herstellung hautnah dabei sein konnte, wenn ich eine Pause eingelegt hatte. Das Training war anstrengend, doch ich fühlte mich besser, je ernster ich es nehmen würde. Wie peinlich wäre es, wenn ich schlechter als diese Grünschnäbel wäre? Sehr.

      Nachdem ich mir erneut den Schweiß vom Körper gewaschen hatte, wollte ich zu meinem Gasthaus zurück, wobei ich an der Jugendherberge vorbeikam. Ich betrachtete diese und überlegte tatsächlich eine Sekunde daran sie zu betreten. Doch die einzige Gesellschaft in die ich mich nun begeben würde, wäre die vom General und Hautgefreiter Levi. Aber was dann? Ich hatte ihnen nichts zu berichten. Also ging ich vorbei und sah dabei kurz zu dem Jungen am Tor. Einer der Absolventen, die den Angriff überlebt hatten.. Ob der auch zum Aufklärungstrupp gehen würde? Wieder ein Haufen neuer Gesichter, die ich mir einprägen müsste..
      Ich kratzte mich kurz am Hinterkopf und richtete meinen Blick wieder auf die Straße vor mir.
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      - Eugene Ionesco
    • Ich streckte ihr seltsam lächelnd meine Hand aus, meine Augen waren geweitet, der Kopf leicht schief gelegt. "Dann führe mich. Bring mich an einen Ort, der dir vorschwebt. Lass uns heute mal verrückt sein und unseren überspannten Ideen nachjagen...sei meine große Schwester."
      Mir war irgendwie komisch. Ich war durcheinander und mir war im Moment alles egal. Zuviel traumatisches war für mich in den letzten Tagen geschehen und ich hatte das Gefühl, dass es jetzt einen gewaltigen Knall braucht, eine Explosion, die alles um sich herum in Schutt und Asche legt, damit daraus etwas Neues entstehen kann.
      Vielleicht könnte ich dann klarer sehen und mir würde sich ein neuer Weg eröffnen.

      ---

      "Bist du irgendwann fertig, die Absolventen zu beobachten?", sprach der General, der mit Levi gerade Schach gespielt und sich unterhalten hatte, als Levi durch das Fenster bemerkte, dass wir beide uns dort unterhielten und das Spiel sofort einstellte, um Detektiv zu spielen, gleichwohl er längst nicht alles verstanden hatte, weil wir teilweise recht leise sprachen.
      "Warte noch kurz...es könnte gleich richtig interessant werden."
      "Du bist paranoid. Was erhoffst du dir davon?"
      "Ich will Baldr davor bewahren, einen großen Fehler zu begehen und sich meinem Trupp anzuschließen. Und ich muss wissen, was sie besprechen, um entsprechend darauf reagieren zu können."
      "Ah, bestimmt weil er sensibel und einfühlsam ist, richtig?"
      "Ja. Er ist emotional auf Karten gebaut und damit völlig ungeeignet."
      "Er erinnert dich an Porco, nicht wahr?"
      Levi nickte.
      "Und du befürchtest, dass Baldr auch dieses Schicksal erfährt?"
      "Nicht exakt dieses, aber irgendetwas in der Art. Ich hab mir selbst geschworen, nie wieder den Fehler zu machen und einen instabilen Rekruten aufzunehmen."
      "Weißt du, was der Unterschied zwischen den Beiden ist?"
      "Hm?"
      "Porco hatte Dimitri. Die beiden waren sehr gute Freunde. Mein Sohn war immer für ihn da und half, wo immer er kann, um ihm zu unterstützen. Doch als sie sich trennten, brach diese Stütze weg und Porco hatte niemanden mehr. Vielleicht hätte ein emotional stabiler Freund ihm helfen können. Geteiltes Leid ist halbes Leid, weißt du? Baldr ist in einer besseren Position als Porco, denn er hat nicht nur dieses Mädchen, sondern eventuell auch Marius und vielleicht sogar Yoichi. Und wenn du Basim für die erste Zeit in die Ausbildung einbeziehst, sind es sogar schon vier oder mehr Leute, die sich um ihn kümmern können. Vier gegen Niemanden. Was meinst du?"
      "Ich will kein Risiko eingehen...außerdem zählt Basim nicht, er ist kein Ausbilder", Levi schloss das Fenster und rollte zurück an den Tisch.
      "Aber du brauchst frisches Blut. Außerdem...denke ich, dass der Junge dringend einen Tapetenwechsel braucht. Er kann sich nicht für immer unter seiner Glasglocke verstecken, er muss raus und Stück für Stück mit der echten Welt konfrontiert werden. Je später er damit anfängt, desto härter wird die Wucht, mit der die Welt auf ihn einprallen wird. Bei der Militärpolizei wird er den nicht kriegen."
      "Was ist, wenn es wieder schiefgeht?"
      Levi bewegte einen weißen Bauern über das Feld, dieser wurde von einem Läufer des Generals geschlagen.
      "Ich bin davon überzeugt, dass es nicht dazu kommen wird. Ich kenne die Beiden seit fast sechs Jahren."
      Levi kniff seine Augen ein Stück zusammen; dann schlug sein Läufer einen Bauern.
      "Ich werde es mir überlegen..."
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    • Lorae

      Ein Ort, der mir vorschwebt?
      Ich nickte und lachte. "Große Schwester? Sicher?" Das klang im Anschluss an unser Gespräch etwas eigenartig, aber es hatte mich zum Lachen gebracht.
      "Gut", sagte ich und ging mit ihm durch das Tor. Wenn er sich dem Aufklärungstrupp für seine eigenen Ziele anschließen würde, könnte ich das akzeptieren. Ich machte mir zwar immer noch Sorgen, ob er dafür bereit war, aber dafür war ich umso entschlossener ihn dabei zu unterstützen.
      Wie auch immer.. Daran sollte jetzt erstmal keiner von uns denken.

      Deshalb sah ich mich in den Straßen Praha's nach etwas interessantem um. Kurz dachte ich daran ihn zu bitten, mir zu zeigen, wie er auf ein Haus kletterte, aber mit meinem linken Arm würde ich das wohl nicht schaffen. Ich sollte es lieber auch gar nicht erst versuchen.
      Hmmm.. Baldr wünschte sich ein Stück von früher zurück, weshalb ich mich mit einem Grinsen zu ihm umdrehte.
      "Lust auf ein Wettrennen? So wie früher. Du weißt schon." Nur leider kannten wir uns hier nicht sehr gut aus, weshalb ich stehen blieb und die Straße entlang deutete.
      "Bis zum Stall dahinten.." Dann sah ich ihn wieder an.
      "Wir könnten uns ein Pferd leihen und.. irgendwohin reiten.." Wohin war egal. Einfach ein wenig die Freiheit und den Frieden genießen.

      ____

      Ruven Avenor

      Ich dachte immer, dass ich zwischen Lis und Marius überflüssig wäre, aber irgendwie widmete sie mir mehr Aufmerksamkeit als ihm. Ob sie nur nett sein wollte?
      "Weißt du schon, wo du hin willst, Ruven?", fragte sie mich, als wir im Park unter einem Baum lagen. Ich drehte meinen Kopf zu ihr, doch da unsere Köpfe in der Mitte zusammenlagen, konnte ich ihr nicht ins Gesicht sehen, ohne mich vollkommen zu verdrehen.
      "Ich glaube, ich will Ausbilder werden... So wie Theo.."
      Ich seufzte leise, woraufhin sich Lisbeth zur Seite rollte und ihre Hand auf meine Brust legte, um mir in die Augen zu sehen.
      Ich hatte ihr davon erzählt, dass ich glaubte, dass er tot wäre. Das sie nicht versuchte mir einzureden, dass er noch leben könnte, erleichterte mich.
      "Als Ausbilder brauchst du aber etwas mehr Mumm in den Knochen", meinte sie und grinste.
      Marius hatte seine Arme unter seinen Kopf gelegt und sah weiter in die Baumkrone.
      "Bist du dafür nicht viel zu nett?", fragte er.
      "Ich kann auch streng sein..", meinte ich und schmollte, als die beiden lachten.
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    • Ich war froh, dass ich sie zum lachen bringen konnte, nachdem sie Minuten vorher noch Tränen in den Augen hatte. Natürlich hätte ich auch Dinge sagen können wie "Sei meine Liebhaberin" oder "Lass uns durchbrennen und von hier abhauen", um die gefühlte Stimmung aufzugreifen, doch ich wollte nichts provozieren und das Thema auf andere Dinge lenken, um wenigstens ein wenig das Gefühl alter Tage zu bekommen. Wenn es später noch passiert, dann passiert es und wenn nicht...dann nicht.
      Ihre Idee mit dem Wettrennen bis zu einem Stall nahm ich wohlwollend entgegen. Besagter Stall lag ein gutes Stück weit die Straße hinunter in der Nähe des Osttores, das aus der Stadt führte.
      Ich zählte von "drei" bis "los", dann rannten wir los. Es war für mich nicht leicht, den Passanten auszuweichen, einmal musste ich sogar kurz abbremsen, sodass Lorae am Ende gewinnen konnte. Dennoch war es knapp, sehr knapp.
      Keuchend kam ich vor ihr zum Stehen. Ich atmete für einen Moment schwer und legte meine Hände auf die Knie. Meine Kondition war noch immer nicht sonderlich gut. Anschließend dehnte und streckte ich mich.
      "Wenn wir uns ein Pferd leihen wollen...was kostet das und wo willst du mit mir hin?"
      Ich war aufgeregt und lief auf einen Hengst zu, der meinem alten Pferd an der Akademie ähnlich sah. Nachdenklich strich ich ihm vorsichtig über den Hals.
      "Ein Jammer, dass du es nicht geschafft hast", murmelte ich leise in Gedenken an es.
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    • Lorae

      Obwohl ich fest damit gerechnet hatte zu verlieren, konnte ich mich geschickter an den anderen vorbei schlängeln. Das einige von ihnen uns merkwürdig ansahen oder uns sogar etwas hinterherriefen, ignorierte ich. Dennoch war der größte Beitrag zu meinem Sieg das Glück, dass Baldr einfach mit mehr Passanten zu kämpfen hatte.

      Beim Stall angekommen, legte ich meine Hand an einen der Balken und war weniger außer Atem als Baldr, aber dafür taten meine Rippen ein wenig weh. Als ich den Schmerz verdrängt hatte, drehte ich mich zu ihm um und zuckte mit der rechten Schulter. Ich wollte nicht, dass er sich Sorgen machte.
      "Weiß nicht. Hab mir noch nie eins geliehen...", gestand ich und beobachtete ihn dabei, wie er sich einem der Pferde näherte, dass seinem ähnlich sah.
      Auch ich musste jetzt an mein treues Tier denken. So ein Mist. Ich wollte doch, dass er auf andere Gedanken kam.
      "Ist doch egal, wo hin oder? Ist nicht der Weg das Ziel?"

      Ich stellte mich dicht hinter ihn und legte meine Hände an seine Schultern, um in sein Ohr zu flüstern, auch wenn gerade niemand in der Nähe war.
      "Wir könnten auch eins stehlen.."
      Doch ich lachte und klopfte ihm auf die Schulter, ehe der Sohn des Pferdezüchters zu uns kam.
      "Was kostet ein Pferd für.. 3 bis 4 Stunden?", fragte ich ihn und blinzelte, als er mir einen Preis von 16 Gulden nannte.

      "Danke. Wir passen", winkte ich lächelnd ab und zog Baldr wieder aus dem Stall heraus.

      "Was jetzt?", fragte ich ihn und sah mich um.
      Wir könnten auch zu Fuß die Stadt verlassen, allerdings kämen wir nicht weit, wenn wir zur Nacht wieder in der Herberge sein wollten.

      "Warte.." Ich ließ Baldr stehen, um in Richtung des Parks zu laufen, aus dem Marius, Ruven und Lisbeth gerade kamen.
      "Ähm.. Ruven.. kannst du mir etwas Geld leihen? Du bekommst es so schnell wie möglich zurück..", fragte ich ihn und sah ihn mit großen Augen an.
      "Au.." Marius hatte mir gegen die Stirn geschnippst.
      "Verführ ihn nicht mit deinen Kulleraugen, klar?"
      "Pfff, wer verführt hier wen.."
      "Wieviel brauchst du denn?", fragte mich Ruven, woraufhin sich Lis an Marius Arm schmiegte, der seufzte. Vermutlich weil Ruven einfach zu gutherzig war und man ihn zu leicht ausnutzen könnte.. Aber ich würde es auf jeden Fall zurückzahlen!
      "Hm.. so.. 16... Gulden?" Dann müsste Baldr nichts von seinem Geld ausgeben.
      Die Drei sahen mich einen Moment an, ehe Ruven mir seinen Geldbeutel entgegenhielt.
      "Danke Ruven! Ich zahl dir 20 zurück, versprochen!" Ich umarmte ihn kurz, was ihn etwas verwirrte und lief damit zurück zum Stall, um anschließend mit dem gesattelten Hengst wieder herauszukommen.
      "In 4 Stunden muss er zurück sein, sonst müssen wir nachzahlen..", meinte ich und wartete bis Baldr aufgestiegen war, um mich hinter ihn zu setzen.
      "Egal wohin..", lächelte ich zufrieden und schmiegte mich an seinen Rücken.
      "Wusstest du, dass eine Stunde südöstlich von hier ein See ist? Wir könnten ihn uns ansehen..", schlug ich vor, wobei ich auch ohne Ziel zufrieden wäre. Einfach nur etwas den Wind im Gesicht spüren und Baldr's Wärme.
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    • Als schließlich ein für den Stall Verantwortlicher zu uns kam und den Preis für die von Lorae´s genannte Preisspanne nannte, war ich bereits im Begriff, mein Säckchen mit dem Geld aus der Hosentasche zu kramen.
      Jedoch kam sie mir zuvor, indem sie mir sagte, ich solle warten und anschließend in einen nahegelegenen Park eilte, aus dem gerade Ruven, Marius und Lisbeth kamen. Die drei hatten ja keine Ahnung von dem Drama, dass Lorae und ich heute schon durchmachen mussten und es war besser so, wenn dem so bleibt. Ich hatte keine Lust, mich Fragen oder mitleidvollen Blicken der drei aussetzen zu müssen.
      Von Letzterem gaben mir die meisten Angestellten in der Herberge bereits genug.
      Kurz darauf kam Lorae mit dem entsprechenden Geld wieder, sodass wir den Hengst für vier Stunden leihen konnten.
      "Ein See im Südosten, ja? Das hört sich schön an. Vielleicht schaffen wir es sogar noch vor Sonnenuntergang, auch wenn wir davon nicht viel mitbekommen dürften, wenn ein Hügel oder so uns die Sicht versperrt."
      Dann ritten wir los. Ich an der Front, Lorae hinter mir und an meinen Rücken geschmiegt.
      "Ich frage mich, wo Ruven das ganze Geld herhat. Naja, erinnere mich nachher daran, dass ich noch zu ihm muss. Er hat uns die Kleidung besorgt, jedoch war da kein Nachthemd dabei und eine weitere Nacht halbnackt in einem noch fremden Bett schlafen ist mir irgendwie unangenehm...ich hoffe wenigstens, dass die Bettwäsche vorher gewaschen wurde..."
      Für einen Moment fühlte ich mich wie ein Prinz, der gerade seine Prinzessin gerettet hat und nun mit ihr in Richtung Sonnenuntergang reiten würde. Jedoch war sie das noch nicht, schließlich hatte ich mich noch nicht entschieden und was würde ich auch nicht, solange ich nicht mit Flavius gesprochen hatte. Schließlich war ich ihm zumindest das schuldig, unabhängig von meiner Entscheidung. Gleichzeitig wollte ich nicht, dass Lorae sich schlecht oder gar ausgenutzt fühlt, sollte der restliche Abend noch eine seltsame Wendung nehmen und ich mich in der Zukunft trotz dessen doch gegen sie entscheiden. Ich verfiel wieder in einen Strudel aus Gedanken, während wir aus der Stadt ritten und ich einem Wegweiser vor den Toren in süd-östliche Richtung folgte, der zum einem die Himmelsrichtungen anzeigte und zum anderen nahegelegene Orte preisgab.
      Das Reiten entlang des menschenleeren Weges, das Geräusch der Hufen, die rhythmisch im Galopp den trockenen Weg berührten, das regelmäßige Schnauben des Hengstes und der Wind, der durch mein Haar wehte, entspannten und beruhigten mich und auch die Gedanken an die Zukunft ließen ein wenig nach.
      Ich fühlte mich irgendwie ausgeglichener, jetzt wo ich die Stadt verlassen konnte und sogar das Ziel ein angenehmes war. Ein See irgendwo im Nirgendwo sollte es sein, frei von Kämpfen, Schreien und den leblosen Körpern gefallener Kameraden, die einem mit aufgerissenen Augen bis tief in die Seele hinein zu blicken vermochten und einen das Blut in den Adern gefrieren ließen. Friedlich und aus der Zeit gefallen.
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    • Lorae

      Als Baldr sich fragte, wo Ruven das ganze Geld her hat, dachte ich ein wenig nach. War er nicht der Sohn eines Bäckers? Demnach war er also kein reicher Adliger.

      - Ruven gab sein Geld einfach nie aus und hortete es zuhause, was ich zudem Zeitpunkt noch nicht wusste. Außerdem hatte Theo ihm auch immer wieder etwas von seinem Sold zugesteckt.

      "Du stellst dich an...", schmunzelte ich und hielt mich weiter an ihm fest. Er war wohl ganz schön verwöhnt durch das Leben in der Akademie. Aber ein paar Ansprüche durften wir als angehende Ritter ja wohl haben.
      Während ich mich so an Baldr schmiegte und mit geschlossenen Augen den Hufen lauschte, war mein Kopf irgendwie.. leer. Es war ruhig da drin und ich verharrte einfach in dieser Ruhe und dem schwarzen Nichts innerhalb meiner Augenlider.

      Als ich meine Augen später wieder öffnete und über seine Schulter sah, konnte ich den See noch nicht sehen. Stattdessen blickte ich von der Seite auf Baldr's Gesichtshälfte und wie sein schwarzes Haar im Wind tanzte.
      Kurz darauf hob ich den Blick jedoch wieder, da wir nun den See sehen konnten. Es gab ein paar Bäume auf der einen Seite, doch die Sonne lag auf der freien Seite, auf der sich über mehrere Meilen eine bunte Wiese erstreckte.
      Ich band das Pferd an einen Baum und lief vor, um einen besseren Blick auf den Horizont zu haben.
      "Baldr..", hauchte ich lächelnd und streckte meine Hand zu ihm nach hinten aus, damit er schnell zu mir käme. Diese Wiesen sahen fast so aus wie die vor der Kleinstadt, in der wir bis zu unserer Ausbildung gelebt hatten. Wo es keine Mauern gab, die uns die Sicht darauf versperrten. Wo wir uns immer die kleinen Hügel herunterrollen ließen und damit die ganzen Pollen aufwirbelten.
      Das.. sollte ich jetzt aber lieber lassen..
      Ich setzte mich langsam hin und zog an seiner Hand, damit er sich ebenfalls setzte.
      "Lass uns.. nicht immer zu sehr an die Zukunft denken.. Sonst.. könnten wir noch etwas verpassen..", sprach ich in sein Ohr und legte meinen Kopf dann auf seiner Schulter ab, um die untergehende Sonne zu betrachten. Es war gut, eine Richtung zu wissen, aber ich hatte das Gefühl, dass es uns beide nur mehr plagte, je intensiver wir darüber nachdachten.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • "Ich mein ja nur", murmelte ich leise, um die angenehme Geräuschkulisse nicht unnötig zu unterbrechen.
      Wir ritten noch eine ganze Weile, als schließlich der See in Sicht kam und wir nur auf etwa zwei Dutzend Meter an das Seeufer herangeritten waren.
      Während Lorae das Pferd an einen Baum band und schon einmal vorlief, lockerte ich meine Muskulatur, da meine Beine durch das lange Sitzen müde geworden waren und sich ein wenig taub anfühlten.
      Als sie meinen Namen hauchte und ihre Hand nach hinten ausstreckte, beeilte ich mich und schloss zu ihr auf.
      Wir befanden uns auf einer kleinen Anhöhe unweit einer kleinen Baumgruppe.
      Der See lag vor uns in einer kleinen Senke und wurde von mehreren kleinen Bäumen gesäumt. Rund um den See und am anderen Ufer erstreckte sich eine beinahe unberührte Naturlandschaft, Blumen und verschiedene Gräser soweit das Auge reicht. Glücklicherweise war der Sonnenuntergang deutlich zu erkennen, wenn auch längst nicht so gut und lange, wie an der Küste.
      "Ist schön hier, hm? Erinnert mich an die Kleinstadt, wo unser Waisenhaus stand."
      Lorae setzte sich und zog an meiner Hand. Sie wollte, dass ich mich dazugesellte, was ich gerne tat.
      "Ich weiß noch, wie wir früher immer die Hügel runtergerollt sind und die Pollen an unserer Kleidung klebten. Bertha hat es gehasst, sie danach wieder sauberzumachen."
      Als Lorae mir ihre Wörter ins Ohr hauchte, wurde ich leicht rot im Gesicht.
      "Da hast du wohl recht", entgegnete ich und blickte nachdenklich in den Sonnenuntergang.
      "Wenn die Sonne verschwunden ist...wollen wir danach im See baden oder...hast du noch andere Pläne? Wir müssten uns dafür allerdings ausziehen..."
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Lorae

      Bertha hatte so vieles gehasst, was ich angestellt hatte.. Aber ich hatte dabei immer eine Menge Spaß mit Baldr. Dennoch war der Gedanke an sie im Moment nichts schlechtes. Im Gegenteil. Manchmal fehlte mir ihr Geschimpfe, weil wir damals noch ganz naiv unseren Träumen nachjagten.
      "Hatte ich jemals ein Problem damit?", fragte ich schmunzelnd. Vor Baldr hatte ich mich noch nie geschämt mich auszuziehen. Obwohl ich bei dem Gedanken irgendwie schon eine gewissen Nervosität empfand. Aber da war noch eine andere Sache, doch ich wartete damit und betrachtete schweigend den Sonnenuntergang. Ob wir sowas in Zukunft wieder öfter sehen würden? Oder waren dort, wo wir hingingen, auch wieder Mauern? Ich hoffte nicht..

      "Hm.. Ich kann aber nur bis zum Bauch rein.." , sagte ich, als die Sonne vom Erdboden verschluckt war und stand langsam auf. Ich sollte kein Risiko mit meinen Wunden eingehen.
      Dann lächelte ich und ging voraus. Am Ufer zog ich meine Stiefel und Strümpfe aus, um meinen nackten Fuß ins Wasser zu halten. Es war gerade so noch erträglich. Jedenfalls wenn man keine Memme war.
      Mein Hemd auszuziehen war ein wenig umständlicher, wenn ich den linken Arm nicht wie gewohnt anheben konnte. Ich wusste mir allerdings zu helfen, denn dadurch, dass es mir etwas zu groß war, konnte ich es mit der rechten Hand einfach zu erst über meinen Kopf ziehen und musste es dann nur noch von meinen Armen rutschen lassen.
      Der Verband saß noch gut und war sauber. Die Wunden waren auch gut vernäht worden. Die blauen Flecken vom Training schmerzten teilweise sogar mehr als die Schnittwunden.
      Ich legte meine rechte Hand auf den Verband an meiner Schulter und sah zu Baldr rüber. Als er.. bewusstlos war, hatte ich ihn sogar gewaschen, doch daran wollte ich ihn jetzt nicht erinnern. Wenn es mir gelingen würde ihm genug schöne Erinnerungen zu schaffen, könnte er die schlechten damit vielleicht besser überstehen. So ging es mir jedenfalls.

      Mit einem Schmunzeln wandte ich meinen Blick wieder zum See und ließ meine Hose herunter, aus der ich mit einem Schritt zurück schlüpfte. Ganz nackt.. war ich ja eher selten in seiner Gegenwart.. Da ich immer früher wach war als er, schlief er dabei noch.
      Ich sah wieder zu ihm rüber und betrachtete seinen nackten Oberkörper, wobei ich mir nicht verkneifen konnte ihn zu ärgern.
      "Du hättest mehr trainieren sollen. Ich habe mehr Bauchmuskeln als du..", meinte ich und strich mir dabei über den Bauch, auf den ich schon ziemlich stolz war. So hatte mein ganzes Training sich wenigstens auch äußerlich bemerkbar gemacht.
      "Dafür hast du mehr im Kopf", schmunzelte ich und streckte mich leicht, während ich wieder zum See sah. Dann ließ ich auch meine Unterkleidung fallen, sodass ich bis auf den Verband, der meine Brust verdeckte, nichts mehr an meinem Körper trug.
      Ich war ein wenig aufgeregt und fragte mich, wie weit Baldr schon war. Statt mich erneut zu ihm umzudrehen, ging ich langsam ins Wasser. Sofort legte sich eine Gänsehaut auf meinen gesamten Körper, weshalb ich nur bis zu den Knien reingegangen war. Es war doch ein wenig kälter, als ich gedacht hatte. Normalerweise würde ich einfach reinspringen, denn dann würde man sich schneller daran gewöhnen, doch das konnte ich jetzt nicht.
      Ohne mich vollständig umzudrehen, sah ich zu Baldr zurück und legte meine Hände an meine Ellenbogen. Es war.. anders ihn jetzt so zu sehen. So viel hatte sich zwischen uns geändert.
      "Es ist kalt..", warnte ich ihn, als er näher kam und drehte mich langsam zu ihm um, wobei mir zumindest von innen heraus sehr warm wurde. Baldr hatte nie irgendeine Reaktion gezeigt, wenn ich mich vor ihm auszog. Deswegen hoffte ich, dass ich eine positive Reaktion sehen würde.
      Bei seinem Anblick atmete ich tief durch, doch ich wandte meinen Blick nicht von ihm ab, auch wenn meine Wangen sich immer roter färbten. Ich war ganz und gar nicht schüchtern, aber meine Wangen, meinen Herzschlag und das Kribbeln konnte ich nicht beeinflussen. Es war nicht aus Scham, sondern aus.. Erregung, schätze ich. Meine Neugierde hatte ich bisher nie sehr unterdrücken müssen, doch seit ich Baldr gestern geküsst hatte, war es immer schwieriger es zu verbergen.
      Es war eine ganz andere Art von Nervosität, die ich bei ihm spürte. Verglichen mit Marius jedenfalls.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Gemeinsam blickte ich mit Lorae schweigend, nein eher den Moment genießend in den Sonnenuntergang. Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war und es dunkel wurde, stand Lorae auf und begann, sich am Ufer nach und nach zu entkleiden.
      Ich blieb noch einen Moment sitzen und ließ die Szenerie auf mich wirken, ehe ich mich aufrappelte und ebenfalls begann, mich meiner Kleidung zu entledigen.
      Meine Kleidung legte ich auf einen Felsen am Ufer, dann trat ich an Lorae heran.
      "Ich bin mir sicher, dass meine Bauchmuskeln richtig sichtbar werden, wenn ich mit meiner Ausbildung angefangen habe. Dann werden sie so hart, dass jeder, der mir in den Bauch boxt, sich die Hand brechen wird", witzelte ich.
      Ihrer Warnung zum Trotz stieg ich langsam mit den Füßen hinein ins Wasser und ging tiefer, bis mir das kühle Nass bis zu den Knien reichte.
      "Du siehst gut aus", keuchte ich erregt, ein Lächeln zeichnete sich in meinem Gesicht ab, meine Wangen bekamen einen leichten Rot-ton, dann spürte ich dieses Kribbeln im Bauch.
      "Apropos harte Bauchmuskeln", ich kam Lorae näher und näher, bis ich nah genug bei ihr war, um sie zu umarmen, was ich auch tat. Nun stand ich bis zu den Hüften im Wasser, ich spürte ihre ausreichende Oberweite an meiner Brust und bedauerte es ein wenig, dass dieser Verband vorhanden und überhaupt notwendig war. Doofe Verletzungen...Wiederholt leise keuchend knabberte ich ihr wieder am Ohrläppchen, ehe ich anfing zu flüstern.
      "Ich hab da noch einen anderen harten Muskel..."
      Mein verlegener Blick zielte an den Horizont. Irgendwie war mir das unangenehm, mich ihr so zu präsentieren, jedoch gab es nun kein zurück mehr. Wobei es den schon gäbe, beispielsweise könnte ich jetzt einfach untertauchen und eine Runde schwimmen gehen, um mein Gemüt zu beruhigen. Jedoch schien sie von meinem Anblick nicht angewidert, das zeigten ihre geröteten Wangen, die geweiteten Pupillen und die beschleunigte Atmung, die auf meiner nackten Haut zu spüren war...außerdem kannten wir einander beinahe unser ganzes Leben und hatten nichts zu verbergen und naja, ich musste mich zum Glück nicht schämen, ich bot ausreichend, vielleicht sogar ein wenig mehr als das...jedoch merklich weniger als Flavius, der sein Geschlecht gerne - wie ich erst neulich selbst hören durfte - als Jörmungandr bezeichnet, was übersetzt Midgard- oder Weltenschlange bedeutet, welche wiederum die Welt der Menschen, auch Midgard genannt, umspannt und er nannte es nicht ohne Grund so...ich hatte vor einigen Jahren mal ein Buch über diese Mythologie gelesen und war dabei auf einen Gott gestoßen, der denselben Namen wie ich trug, woraus ich schloss, das meine Eltern aus dem hohen Norden stammen könnten und dort vielleicht noch Verwandte von mir leben, vielleicht hatte ich sogar Geschwister, von denen ich nichts wusste...aber das sollte an diesem Abend keine Rolle spielen...momentan ging es nur um Lorae und mich. Eine liebliche Stimme riss mich aus meinen Gedanken, ich knabberte noch immer an ihrem Ohrenläppchen und keuchte leise vor mich hin.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
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