☙Guns and Roses ❣ Yumia & Alea❧

    • Eigentlich wollte Leonardo gleich wieder einen Rundgang machen, doch das Bild, das sich ihm bot, hielt ihn kurz gefangen. Nero hatte sich zu Amalthea getraut und ließ sich jetzt so richtig von ihr verwöhnen, dass der Kater sogar anfing, beruhigend zu schnurren. Die junge Frau wehrte alles ab, das erkannte er direkt an ihrer Körpersprache, nur jetzt schien sie sich zu entspannen, ja, selbst ihre Gesichtszüge wurden weicher, die davor recht ernst und hart auf den Schwarzhaarigen wirkten.
      Amaltheas Frage an ihn, verwunderte Leo einen kurzen Moment. Er ist es nicht gewohnt, dass man nach seiner Meinung fragt. "Er scheint ein tüchtiger, aber freundlicher Mann zu sein. Hier im Haus begegnet er allen mit Respekt. Spricht nicht von oben herab, denn das hatte ich zuerst von dem Blondi erwartet." rutscht Leo seine bewertende Meinung heraus. "Von meinem Vater und Deon weiß ich aber auch, dass er seinen Job stets gründlich, nein, eher penibel und präzise erledigt. Er scheint keine Fehler zu machen. Na ja, ist auch besser so. Fehler können tödlich sein." sprach Leon weiter, ehe er sich dann räusperte. Für seinen Geschmack, hatte er genug gesprochen. Seiner Meinung nach, standen ihm solche Aussagen auch gar nicht zu. Er ist nur ein Werkzeug, der Mann für das Grobe. "Ich gehe jetzt wieder. Du findest allein zurück in dein Zimmer?" fragte er aus Höflichkeit die junge Frau. Wenn es sein musste, würde er sie noch dorthin begleiten, und dann seinen Kontrollgang beginnen. Wenn Amalthea aber meinte, sie fände allein zurück, würde er ihr das fürs Erste glauben und gleich an seine Arbeit gehen. Er hatte nicht zu knapp Zeit verschwendet, mit diesem kleinen Plausch.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Amalthea konnte sich ein amüsiertes Schmunzeln nicht verkneifen, als sie hörte, wie Leonardo ihren Zukünftigen nannte. Diese Wortwahl hatte sie nicht von ihm erwartet. Es überraschte sie auf eine angenehme Weise. Gleichzeitig beruhigte es sie zu wissen, dass Mikail die Angestellten auf dem Anwesen gerecht behandelte. Zumindest schien es so. Ob es jedoch wirklich seiner Natur entsprach oder lediglich eine Fassade war, weil dies nicht sein eigenes Zuhause war, konnte sie nicht mit Sicherheit beurteilen.
      Trotzdem sträubte sich alles in ihr gegen die Entscheidung, die man über ihr Leben hinweg getroffen hatte. Es war ihr Schicksal, das hier verhandelt wurde, und doch hatte sie kein Mitspracherecht gehabt. Bei Leonardos weiteren Worten entwich ihr ein leises Seufzen. Wieder wurde ihr bewusst, in welcher Welt Mikail lebte. Freundlichkeit hin oder her, sein Geschäft bereitete ihr Unbehagen. Wie sollte sie sich jemals wirklich frei fühlen, wenn sie vielleicht nur aus den Fängen ihres Vaters in die eines anderen Mannes geriet? Sicherlich würde es niemanden kaltlassen, wenn der Deal zwischen ihren Familien scheiterte. Und sie war sich sicher, dass Enttäuschung in dieser Welt selten ohne Konsequenzen blieb.
      Als Leonardo sie fragte, ob sie den Weg zurück in ihr Zimmer allein finden würde, nickte sie. So weit war es nicht. Außerdem erschien ihr der Gedanke angenehm, ein paar Minuten für sich zu haben, um die Umgebung bewusster wahrzunehmen. Vielleicht konnte sie sich die Wege einprägen, kleine Details speichern, die ihr später nützlich sein würden. „Viel Spaß“, verabschiedete sie sich und schlug einen anderen Weg ein.
      So ausgiebig, wie sie es sich erhofft hatte, konnte sie das Anwesen jedoch nicht erkunden. Auch wenn nur wenig Zeit vergangen war, spürte sie plötzlich eine tiefe Müdigkeit. Der kleine Spaziergang und die frische Luft hatten ihr gutgetan, doch nun forderte ihr Körper seinen Tribut. Immerhin nahm sie etwas Positives mit. Sie hatte sich den Gang eingeprägt, wusste nun, wie viele Türen sich auf der Etage befanden, wie hoch die Decken waren und was sich darunter befinden musste. Kleine mentale Notizen, die ihr ein Gefühl von Kontrolle gaben.
      Kaum hatte sie ihr Zimmer erreicht und sich auf das Bett gelegt, überrollte sie die Erschöpfung wie eine Welle. Ihre Augenlider wurden schwer, und nur wenige Minuten später war sie eingeschlafen.
      Ein hartnäckiges Klopfen riss sie unsanft aus dem Schlaf. Genervt brummte sie leise und drehte sich auf die andere Seite, doch das Klopfen hörte nicht auf. „Was?“, fauchte sie schließlich gereizt und warf einen Blick zur Tür. Eine Bedienstete trat ein und informierte sie höflich, dass das Frühstück bald serviert werde. „Ich habe keinen Hunger“, erwiderte Amalthea knapp. Doch das schien keine akzeptable Antwort zu sein. Die Frau erklärte ihr mit vorsichtiger Stimme, dass ihr Vater darauf bestehe, dass sie am Frühstück teilnehme, damit sie Zeit mit Mikail verbringen könne. Ist das sein Ernst, dachte Amalthea verärgert. Ihre Laune sank augenblicklich tiefer. Dennoch wusste sie, dass die Bedienstete lediglich ihre Anweisungen ausführte, also schickte sie sie wortlos wieder hinaus.
      Die Müdigkeit lag ihr noch schwer in den Gliedern. Nicht einmal ausschlafen durfte sie. Kaum war sie wieder eingenickt, klopfte es erneut. Diesmal pochte zusätzlich ein dumpfer Schmerz in ihrem Kopf. Für einen Moment verspürte sie den impulsiven Drang, ihr Kissen quer durch den Raum zu werfen. Man forderte sie erneut auf, sich fertig zu machen. Da sie ahnte, welche Konsequenzen es haben könnte, wenn sie sich weiter widersetzte, stand sie schließlich widerwillig auf. Ihre schlechte Laune machte sie nicht einmal ansatzweise zu verbergen. Warum sollte sie auch, wenn man sie ohne triftigen Grund aus dem Schlaf riss und sie zu etwas zwang, wozu sie keine Kraft hatte?
      Sie erinnerte sich daran, dass Deon am Vortag erwähnt hatte, man erwarte heute einen Gast. Wer das wohl sein mochte? Hoffentlich musste sie bei diesem Treffen nicht anwesend sein. Ihre Stimmung war ohnehin auf einem Tiefpunkt.
      Wie schon am Tag zuvor zog sie Kleidung an, die nicht ihrem Geschmack entsprach. Doch sie hatte keine Wahl. Sie war überstürzt hierhergebracht worden und hatte keine Gelegenheit gehabt, eigene Sachen einzupacken.
      Schließlich wurde sie zum Frühstück begleitet. Ihre Mutter war noch nicht erschienen, zumindest war sie ihr nicht begegnet. Auch wenn Mikail ihr bisher stets höflich begegnet war, verspürte Amalthea wenig Lust, ihn in dieser frühen Stunde zu sehen oder gar ein Gespräch mit ihm zu führen.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Leonardo nickte Amalthea zu, als sich diese verabschiedete, und sah ihr nur kurz nach, ehe er seinen Rundgang im Außenbereich antrat. Die restliche Nacht blieb auch ereignislos, bis seine Ablösung kam und der Schwarzhaarige sein Zimmer aufsuchte und dort, ohne sich umzuziehen, ins Bett fiel, um auch gleich tief und fest einzuschlafen. Im Gegensatz zu Amalthea konnte er ausschlafen, so war er beim morgigen Frühstück nicht dabei.

      Mikail gehört zu den frühen Vögeln und so war der Blonde schon gegen sieben Uhr in der Früh auf. Auf Geheiß seines Leibwächters, war er sogar für 30 Minuten im Pool gewesen, um ein paar Runden zu schwimmen. Er war wahrlich keine Sportskanone und er hasste es, zu schwitzen, was es nicht leichter machte, ihn zum Sport zu motivieren. Daher war Schwimmen wohl die einzige sportliche Aktivität, der er ohne zu murren nachging, da man hier nichts vom Schwitzen merkte und sich danach auch gleich duschte.
      Nach seinem auferlegten Training und einer ausgiebigen Dusche, richtete sich Mikail wie immer sehr adrett und gepflegt her. Er legt sehr viel Wert auf sein Äußeres und besucht sogar die Maniküre für seine Nägel. Heute trug er einen hellen Anzug, wobei er die Krawatte wegließ. Wie frisch aus dem Ei gepellt, setzte er sich an seinen Schreibtisch und ging einige Dokumente und Berichte durch. Es wurde in jüngster Vergangenheit ein Verräter in den Reihen von Deons Geschäftsmännern geschnappt, der bis jetzt im Keller des Anwesens schmorte. Heute würde er sich um die Vernehmung kümmern müssen, und dafür musste er noch einen Mann der Tat aussuchen, wobei sein Augenmerk hier auf Leonardo lag. In der Zeit, wie er hier lebte, hatte er den Mann genausten beobachtet. Er ist still, dafür aber zuverlässig und stellt keine Fragen. Er ist wahrlich ein Werkzeug, das in den richtigen Händen, bestimmt Großes vollbringen kann.
      Später würde er ihn aufsuchen und ihn bitten, ihn bei der Befragung zu unterstützen. Doch jetzt wurde es langsam Zeit für das Frühstück und Deon bestand erneut darauf, dass Mikail aber auch Amalthea diesem beiwohnten.
      Er saß schon an dem reich gedeckten Tisch, sowie auch Deon. Nur die Damen des Hauses fehlten noch. "Da bist du ja endlich." blaffte das Mafiaoberhaupt seine Tochter an, als diese in Begleitung den Speisesaal betrat. Mikail zuckte bei ihrem Anblick etwas zusammen. Sah Amalthea schrecklich aus, mit den tiefen, dunklen Augenringen, die sie wohl nicht zu verstecken versuchte. "Da hat wohl jemand nicht schlafen können." dachte er sich, wobei er ist auch jemand, der am Anfang in einem neuen Bett sich mehrere Momente hin und her wälzt, ehe er einschlafen kann. Und in ihrem Fall war es ein fremdes neues Bett, das sie sich nicht ein mla ausgesucht hatte.
      "Guten Morgen." begrüßte er die junge Frau dennoch mit einem Lächeln und erhob sich, um ihren Stuhl zurückzuziehen. Er setzte sich dann wieder und widmete sich seinem Frühstück. Er schenkte Amalthea auch gleich Kaffee in ihre Tasse, versuchte sie aber nicht in ein Gespräch zu verwickeln. Mikail selbst konnte es gar nicht leiden, wenn jemand versuchte, ihm ein Ohr abzukauen, wenn er selbst, viel lieber tot ins Bett fallen würde. Es nahm daher auch an, dass Amalthea in diesem Moment keine Lust hatte auf einen kleinen Plausch.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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