☙Guns and Roses ❣ Yumia & Alea❧

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • "Ich muss gestehen, dass ich auch etwas Hilfe hatte." gestand Mikail, als er von Amalthea das Lob bekam, dass er ihr Zimmer doch ganz geschmackvoll eingerichtet hatte. "Meine Schwester hat mir einige Tipps gegeben, sonst wäre das Zimmer doch etwas spartanischer geworden." verriet er ihr, dass ohne die Hilfe seiner Schwester, die Räume doch anders eingerichtet wären.
      Es freute ihn, dass Amalthea ihm doch schon so weit vertraute, dass sie sich von ihm führen ließ und musste doch lächeln, als er sah, wie sehr ihr dieser "geheime" Ort gefiel. "Den Wintergarten, den ich gemeint habe, befindet sich in der Nähe des Außenpools. Das hier, ist wohl eher eine kleine Oase, wo mein seine Seele baumeln lassen kann." antwortete er Amalthea auf ihre Frage, ob er dies der erwähnte Wintergarten war. "Ich habe diesen Ort auch nur entdeckt, nach dem mir Deon allgemein aufgetragen hatte, die Villa etwas herzurichten. Einige Zimmer mussten doch renoviert werden, da der Herr sich meist nur in seinen gewohnten Räumen aufhält und allem andren eher weniger Beachtung schenkt." erzählte Mikial ihr, wie er diesen Ort gefunden hatte. "Die Pflanzen waren schon gut gepflegt, als ich das Zimmer betrat und so habe ich die dienstälteste Angestellte gefragt, ob sie mehr über diesen Ort weiß." sprach der Blonde weiter. "Hannah, so heißt die liebe Dame, hat mir erzählt, dass die ehemalige Dame des Hauses diesen Ort hergerichtet hat. Doch seit dem sie nicht mehr da ist, kümmert sie sich um die Pflanzen. Aber mit dem fortschreitenden Alter, wird es für sie auch schwerer die enge Wendeltreppe hochsteigen, also hat sie noch einen Gehilfen, dessen Namen sie aber nicht erwähnt hat. Jedenfalls scheint es so, dass man sich schon immer gut um die Pflanzen hier gekümmert hat."
      Mikail hatte sich zu Amalthea auf das Sofa gesetzt und die Beine locker überschlagen, als er ihr von allem erzählte, was er über diesen Raum wusste. "Vielleicht meinte Hannah, mit der ehemaligen Dame des Hauses, sogar deine Mutter. Du kannst sie ja mal fragen. Ansonsten könnte es wohl nur noch Deons Mutter sein. Die Villa ist schon einige Jahrzehnte im Besitz der Vecera Familie." sprach er seine Vermutung aus.
      Was wohl nur Hannah wusste, war, dass es Leonardo ist, der sich auch um die Pflanzen kümmerte. Er hatte die alte Dame bei einem nächtlichen Kontrollrundgang im Haus entdeckt, wie sie die Wendeltreppen hochstieg. Dabei sah er ihr direkt an, wie schwer ihr das fiel. Natürlich hatte er sie sofort zur Rede gestellt, was sie da tat und dann hat sie ihm traurig von dem Zimmer erzählt und dass dort die Pflanzen sterben würden, weil sie es nicht mehr dort hoch schaffte. Leo ist zwar eine Art Soldat, doch das bedeutet nicht, dass er kein Mitgefühl hat. Vor allem da es sich um die Köchin Hannah handelte, die schon immer sehr lieb und nett zu ihm gewesen war. Sie war für ihn wie eine Mutter oder eher Großmutter, wo er sich gerade als Kind und Jugendlicher verkriechen konnte und Trost finden. So war es nur selbstverständlich für ihn, dass er Hannah bei der Pflege der Pflanzen half. Er musste eh regelmäßig einen nächtlichen Kontrollgang durch das Haus machen, dann kann er in dem Zuge auch die Blümchen gießen. Und da das alles mitten in der Nacht geschah, bemerkte das auch niemand.
      "Möchtest du noch etwas hier bleiben, oder soll ich dir noch ein paar andere Räume zeigen?" fragte Mikail Amalthea, als sie schon eine Weile einfach nur da saßen und sich die verschiedenen Pflanzen ansahen. "Wenn du noch einen Augenblick für dich sein willst, kann ich auch gerne unten warten." bot er ihr sogar an.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Also hatte er eine Schwester. Wie mochte sie wohl aussehen? Glich sie ihm? Dann musste sie atemberaubend sein, denn Mikail besaß eine Ausstrahlung, die sie bei keinem anderen je gesehen hatte. Sein Wesen war von einer Eleganz geprägt, die mühelos schien – fast schon unwirklich. Jede andere Frau hätte sich Hals über Kopf in ihn verliebt, allein wegen seines makellosen Aussehens. Doch Amalthea ließ sich von solch oberflächlichen Dingen nicht beeindrucken. Nicht, dass sie ihn hässlich fand – im Gegenteil. Wäre ihre Situation eine andere gewesen, hätte sie ihn vielleicht aus der Ferne bewundert. Doch Bewunderung war nicht Liebe.
      Trotzdem konnte sie sich glücklich schätzen, dass er sich bislang freundlich und zuvorkommend verhielt. Es hätte sie schlimmer treffen können. Weitaus schlimmer. Das bedeutete jedoch nicht, dass sie sich mit ihrem Schicksal abfand.
      Als er erwähnte, dass sich der Wintergarten an einem anderen Ort befand, nickte sie verständnisvoll. Sie würde ihn noch aufsuchen, früher oder später. Der Gedanke daran ließ eine leise Neugier in ihr aufkeimen – wie würde er wohl aussehen?
      Ihr Blick glitt zu Mikail, als er beiläufig erwähnte, dass ihr Vater ihm die Aufgabe übertragen hatte, das Anwesen herzurichten. Ihre Lippen verzogen sich leicht, ein Hauch von Skepsis in ihren Augen. Deon mochte ihn vielleicht als zukünftigen Schwiegersohn betrachten, doch das gab ihm noch lange nicht das Recht, solch dreiste Forderungen zu stellen. Sie konnte sich vorstellen, dass er sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, sich zu bedanken – geschweige denn, Mikail für seine Bemühungen zu belohnen.
      Doch was sie am meisten überraschte, war die Tatsache, dass dieser kleine, versteckte Garten einst ihrer Mutter gehört hatte. Oder zumindest nahm Amalthea das an. Sie erinnerte sich vage an die Pflanzen, die in ihrem Zuhause verstreut gewesen waren, doch nie in einer solchen Fülle, dass sie geahnt hätte, dass ihre Mutter sich einst gern um sie gekümmert hatte.
      Langsam ließ sie den Blick durch den Garten schweifen, sog jede noch so kleine Einzelheit in sich auf. Hier könnte sie sich zurückziehen. Ein Ort, an den Deon vermutlich nie denken würde, wenn er sie suchte. Falls er sich überhaupt die Mühe machte, nach ihr zu sehen – wahrscheinlicher war es, dass er einfach das Sicherheitspersonal beauftragte, sie aufzutreiben. Aber hier, hier war sie sicher. Hier konnte sie für einen Moment all das vergessen.
      Die flackernden Lichter, die sich in den Blättern spiegelten, faszinierten sie so sehr, dass sie Mikails Stimme fast überhörte. Erst als er sie direkt ansprach, wandte sie sich ihm wieder zu und schüttelte leicht den Kopf.
      „Nein, alles in Ordnung“, antwortete sie ruhig. „Ich würde gern die anderen Räume sehen.“
      Sie erhob sich mit einer fließenden Bewegung, ihre Finger verschränkten sich hinter ihrem Rücken, während sie zur Tür schritt.
      „Ich hätte nicht erwartet, dass sich ein so schöner Ort hier im Anwesen verbirgt“, gestand sie leise, während sie die Tür öffnete. Mit einer sanften Handbewegung bedeutete sie Mikail, den Vortritt zu nehmen.
      „Aber danke, dass du ihn mir gezeigt hast“, fügte sie hinzu und schenkte ihm ein kleines, kaum merkliches Lächeln.
      Sie meinte es ernst. Und auch wenn sie es sich selbst nicht eingestehen wollte – er hatte damit einen Punkt bei ihr gutgemacht.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Mikail konnte das Eis zwischen den beiden ein bisschen brechen, fiel ihm direkt das leichte Lächeln auf, dass Amalthea ihm schenkte. Der Anfang war damit gemacht, jetzt musste er nur schauen, wie er immer mehr und mehr sie auf seine Seite ziehen konnte. Wenn es sein musste, würde er es auch in Kauf nehmen, dass sie sich in ihn verliebte, nur damit er seine Rache bekam.
      "Gern geschehen und ich muss sagen, ich war auch sehr erstaunt, als ich diesen Raum entdeckt habe." gab der Blonde zu und stieg dann als Erstes die schmale Wendeltreppe wieder herunter. So konnte er die junge Frau noch rechtzeitig auffangen, falls sie bei den schmalen Stufen stolpern sollte. Auf dem weiten Gang wieder angekommen, bot Mikail erneut der Dunkelhaarigen seinen Arm an, um sie weiter durch das Anwesen führen zu können. Er ließ sich dabei Zeit und beantwortete jede Frage, wenn es ihm möglich war, die Amalthea ihn etwas fragte. So brachte er sie in die kleine Bibliothek, an dessen Wänden prall gefüllte Regale mit Büchern standen, mit den unterschiedlichsten Themen. Von Sachbüchern bis Romanen konnte man hier einiges finden und man konnte auch vor Ort sich auf dem gemütlichen Sofa oder die beiden Ohrensessel niederlassen. Die großen Fenster boten auch genug Licht und auch am Abend, sorgten die vielen Lampen hier für genug Helligkeit.
      Danach kam das kleine Heimkino, ein großes Wohnzimmer mit einer Leinwand und einem Projektor an der Decke. Die L-förmige Couch lud direkt zum sich darauf setzen ein und außerdem befand sich in dem Raum auch eine Stereoanlage mit Plattenspieler und dementsprechend einer Sammlung an Schallplatten. Hier konnte man also nicht nur Filme schauen, sondern auch sich auch Musik anhören. Der Raum war dafür extra schalldicht eingerichtet, dass man auch die Lautstärke hochdrehen konnte, ohne die anderen im Anwesen zu stören.
      Zum Schluss suchte er dann mit Amalthea den Wintergarten auf, bei dem man auch den Außenpool finden konnte. Dank der exotischen Pflanzen wie Palmen und Hibiskus wirkte dieser Ort wie eine kleine Oase und das Glasdach war so sauber, dass man glauben konnte, man befand sich wirklich im Freien. Somit war auch der Übergang zum Pool, der im Winter beheizt werden konnte und von seinem Sonnensegel geschützt wurde, wenn gewollt, sehr fließend.
      "Wenn du gern schwimmst, kannst du den Pool selbstverständlich nutzen. Es gibt auch einen Trainingsraum mit allerlei Geräten, um sich fit zu halten, doch ich dachte mir, dass das jetzt nicht so spannend ist, wie die anderen Räume." erzählte Mikail ihr auch von der Möglichkeit Kraftsport im Hause ausüben zu können. Vor allem die Leibwächter und anderen Mitarbeiter von Deon, die mehr körperliche Arbeit verrichteten, nutzen diesen Raum sehr regelmäßig.
      Die beiden blieben auch nicht lange allein, da tauchte plötzlich ein Hausmädchen bei ihnen auf und machte sich leise auf sich aufmerksam. "Verzeiht die Störung, aber der Hausherr wünscht, dass ihr zum Abendessen wieder dabei sein sollt." erläuterte sie und sah dabei vor allem Amalthea an, so als hätte explizit auf die Teilnahme seiner Tochter bestanden.
      "Also, ein bisschen Hunger bekomme ich schon. Was ist mit dir, Amalthea? Die Köche hier sind wahre Zauberer, wenn es ums Essen geht. Wenn du einen bestimmten Wunsch hat, kannst du den bestimmt auch an die Küche tragen. Die werden dir jedes Mal zaubern, was du gern hättest." ließ er sie wissen. "Sag Deon, dass wir kommen werden." gab er dem Dienstmädchen Bescheid und schickte sie wieder weg. "Ich kann mir vorstellen, dass dieses Umfeld neu für dich ist und bestimmt auch der ganze Luxus. Leider kann ich deinem Vater seine Ideen und Pläne nicht ausreden. Was ich aber versuchen kann, dass die "Konditionen", wenn man das so nennen will, etwas besser für dich ausfallen. Sag mir also einfach Bescheid, wenn du mit etwas unzufrieden bis und ich werde sehen, was ich ändern kann." erklärte Mikail Amalthea, wie er genau auf Deon Einfluss nehmen konnte. Es ist nicht viel, doch er kann bewirken, dass hier alles etwas erträglicher wird.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Es blieb weiterhin ungewohnt, Arm in Arm mit einem fremden Mann durch die Flure zu schreiten. Doch womöglich war es in der Welt der Reichen nichts weiter als eine höfliche Geste – ein Ausdruck von Etikette, den sie nicht gewohnt war. Nicht, dass sie etwas dagegen hatte, doch sie ertappte sich immer wieder dabei, wie sie länger als nötig darüber nachdachte.
      Nach dem geheimen Garten führte Mikail sie als Erstes in die Bibliothek. Amalthea war kein großer Freund des Lernens – zumindest nicht, wenn es erzwungen wurde und die Themen sie nicht interessierten. Sie war sich sicher, dass keines der Bücher hier ihr Interesse wecken würde. Wahrscheinlich waren es Fachbücher über Wirtschaft, Philosophie oder Politik – alles Dinge, mit denen sie sich nur ungern beschäftigte. Doch sie musste zugeben, dass die schiere Menge an Büchern beeindruckend war. Ein wahres Paradies für Leseratten. Wäre es nicht die Bibliothek ihres Vaters, hätte sie diesen Ort womöglich selbst als Rückzugsort genutzt, um ungestört Musik zu hören.
      Aber genau deshalb musste sie sich fernhalten.
      Der nächste Raum weckte schon mehr ihr Interesse – ein Heimkino. Hier konnte sie sich durchaus vorstellen, ihre Zeit zu verbringen, um der Langeweile zu entfliehen. Vielleicht würde Deon auch ab und an hier auftauchen. Während ihr Blick durch den Raum wanderte, blieb er an einem Schallplattenspieler hängen. Sofort keimte in ihr die Vermutung auf, dass ihr Vater diesen Ort ebenfalls gerne besuchte. Das bedeutete, dass sie vorsichtig sein musste. Sie würde herausfinden müssen, wann dieser Raum leer war, um ihn in Ruhe nutzen zu können.
      Die gezeigten Orte wurden nur noch besser. Als Nächstes führte Mikail sie in den Wintergarten. Im Gegensatz zum Garten von vorhin wirkte er beinahe exotisch – was jedoch nichts Schlechtes war. Amalthea staunte über Pflanzen, die sie bisher nur aus Videos oder Bildern kannte. Vor allem über solche, die in diesem Klima eigentlich gar nicht gedeihen konnten. Der Aufwand, diese Pflanzen zu pflegen, musste enorm sein – ebenso wie die Kosten. Sie hob den Blick und betrachtete das glasklare Dach. Wäre es nicht so perfekt sauber, hätte sie sich wirklich vorstellen können, draußen zu stehen. Wie oft wurde das wohl geputzt?
      Erst als Mikail weitersprach, bemerkte sie, dass sich der Pool direkt in der Nähe befand. Diese Anordnung überraschte sie. Sie hätte erwartet, dass sich der Pool in einem separaten Bereich befand, doch stattdessen lag er inmitten dieser grünen Oase. Eine positive Überraschung.
      Neugierig trat sie näher, entfernte sich von Mikail und kniete sich am Beckenrand nieder. Vorsichtig tunkte sie einen Finger ins Wasser – angenehm warm. Beheizt. Perfekte Temperatur. Genau ein solcher Ort, an dem sie gerne verweilen würde. Und dann erwähnte Mikail auch noch einen Trainingsraum. Wäre dies nicht das Anwesen ihres Vaters, hätte sie sich tatsächlich vorstellen können, hier zu leben. Es gab alles, was sie brauchte. Doch das Leben machte es ihr nicht so einfach.
      Egal, wie sehr sie die Räume beeindruckten oder wie angenehm sie manche Orte fand – sie durfte sich nicht ablenken lassen. Immerhin kannte sie nun die Gegebenheiten des Anwesens. Vielleicht würde ihr dieses Wissen helfen, einen Fluchtweg zu finden.
      Als sie sich wieder erhob und die Hände in die Hüften stemmte, ertönte eine Stimme hinter ihr. Amalthea drehte sich zur Seite und schielte zu der Frau, die sie angesprochen hatte – eine Dienerin. Der Blick der Fremden verweilte einen Tick zu lange auf ihr, was Amalthea missfiel. Sie erwiderte ihn ausdruckslos.
      Sie hatte nicht bemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war.
      Das Auftauchen des Hausmädchens erinnerte sie wieder daran, dass sie nicht einmal in Ruhe allein essen durfte. Amalthea unterdrückte ein genervtes Seufzen. So sehr sie ihren Missmut ausdrücken wollte, wusste sie doch, dass die Frau nur ihre Arbeit tat. Also ließ sie es bleiben. Dennoch konnte sie ihren genervten Gesichtsausdruck nicht unterdrücken.
      Mikail versuchte, die Stimmung aufzulockern.
      „Meeresfrüchte wären eine gute Wahl“, entschied sie schließlich – ihre Worte und Blick richteten sich jedoch an das Hausmädchen, nicht an Mikail. Die Dienerin nickte verstehend und verschwand.
      Als Mikail ihr erneut versicherte, dass er versuchen würde, ihr zu helfen, konnte sie nur mit einem knappen „Hm, okay“ antworten. Sie wusste, dass es unfair war, ihn so abzufertigen, doch die bloße Erwähnung ihres Vaters hatte ihre Stimmung bereits ruiniert. Selbst wenn Mikail einen gewissen Einfluss hatte – am Ende lag die Macht doch bei ihrem Vater. Und niemand konnte ihr garantieren, dass Mikail irgendetwas bewirken konnte.
      Deshalb wollte sie sich keine falschen Hoffnungen machen.
      Sie hatte nicht vor, stillzuhalten und sich fügen zu lassen. Sie würde ihren eigenen Weg finden.
      Nun, leicht gereizt bei dem Gedanken, ihrem Vater erneut gegenübertreten zu müssen, drehte sie sich um und verließ das Gartenhaus. Da sie sich die Wege noch nicht vollständig eingeprägt hatte, blieb sie kurz stehen und wartete auf Mikail.
      „Ich hoffe, er kommt nicht auf die Idee, dass wir immer zusammen essen müssen“, brummte sie mehr zu sich selbst – doch laut genug, dass Mikail es hören konnte.
      Um das Gespräch auf etwas anderes zu lenken, fragte sie schließlich:
      „Was machst du eigentlich in deiner Freizeit hier?“
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Amalthea fand klare Worte und richtete ihren Wünsch für ihr Essen an das Dienstmädchen, welchen sie so gleich an die Küche und so auch den Koch tragen würde. Kurz sah Mikail der Frau hinterher, ehe er sich wieder an die Brünette wandte. "Meeresfrüchte klingen wirklich lecker." stimmte er ihrer Wahl zu und überlegte dabei kurz, ob er hier in dem Haus jemals Meeresfrüchte gegessen hatte. Doch ihm fiel kein Moment ein, wo Deon Muscheln oder dergleichen als Mal serviert bekommen hatte. Fisch ja, aber eben keine Meeresfrüchte. Ob es dafür einen bestimmten Grund gab? Er wusste, dass manche Menschen dagegen allergisch sind, doch traf das auch auf das Oberhaupt der Veceras-Familie zu? Vielleicht sollte er Joe mal darauf ansetzen, um herauszufinden, ob etwas Größeres dahinter steckte.
      Ihr "Hm, okay." war doch sehr ernüchternd für den Blonden. Er würde sich noch einige Male Amalthea gegenüber beweisen müssen, damit sie anfangen würde ihm zu vertrauen und ihm auch zutraute, dass er Deon zumindest etwas beeinflussen konnte. Dies würde ein langwieriges und auch eher schweres Unterfangen werden, so cholerisch der Mann manchmal war.
      Mikail folgte der jungen Frau, als diese schon loslief und schloss direkt auf, als sie dann doch auch ihn wartete. Ihre Schritte waren voller Elan, bestimmt, weil sie nicht erpicht ist, mit ihrem Vater zu essen. "Ich kann zwar nichts versprechen, aber so wie ich Deon kenne, wird das nicht lange anhalten. Gib dem ganzen ein paar Tage und dann wird er sich wieder in sein Büro zurückziehen." meinte er dazu, denn auch bei ihm ist es nicht anders gewesen. Am Anfang wollte Deon wie ein Vater für Mikail wirken, den er in seine Familie aufgenommen hatte und in dem er großes Potenzial sieht. Eine Woche lang schaffte er es, mit dem Blonden die Mahlzeiten gemeinsam zu essen, doch schnell änderte sich das, als er merkte, dass auf Mikail Verlass ist und er keine Überwachung seinerseits brauchte. Sollte er also Amalthea den Tipp geben, ihrem Vater das gehorsame Mädchen vorzuspielen, damit er glaubte über sie Kontrolle zu haben und sich so zurückzog? Lieber nicht, dann das würde ja die Frage aufwerfen, ob nicht auch er hier etwas vormachte. Doch Mikail war guter Dinge, dass die Brünette das bald selber irgendwie herausfinden würde, wie sie ihrem Vater entkommen konnte, mehr oder weniger.
      "Lass mich kurz überlegen." entgegnete Mikail Amalthea, als diese ihn fragte, was er denn in seiner Freizeit hier so auf dem Anwesen trieb. Dabei bot er ihr wieder seinen Arm an, damit sie zurück in den kleinen Speisesaal gehen konnte. Derweil legte er eher einen gemütlichen Schritt an den Tag und suchte sich vielleicht nicht den direkt Weg zurück durch die große Villa aus. Man konnte sich ja schließlich hier drinnen beinahe verirren, wenn man sich nicht auskannte.
      "In dem kleinen Heimkino schaue ich mir den ein oder anderen Film an und manchmal spiele ich etwas Billard, doch alleine macht das leider weniger Spaß. Ansonsten lese ich ein Buch oder höre Musik, doch bedauerlicherweise habe ich gar nicht so viel Freizeit. Ich muss für deinen Vater oft durch die Stadt fahren und hier und da ein paar Aufgaben übernehmen." erzählte er ihr, was er denn so tat, dabei erwähnte er lieber nicht, was diese Aufgaben von Deon genau sind.
      Auch mit dem gemütlichen Schritt und dem Umweg gelangen sie über kurz oder lang in das geräumige Esszimmer, wo schon Deon erwartungsvoll am Tisch saß. Neben ihm, mit steinerner Miene, hatte Veronica Platz genommen und warf ihrer Tochter einen intensiven Blick zu, so als wolle sie ihr sagen, dass sie sich beim Essen lieber zurücknehmen sollte. Sie hatte es wohl geschafft, Deon irgendwie zu besänftigen, doch da der Mann sehr reizbar ist, konnte sie nicht dafür garantieren, dass das auch den Rest des Abends so blieb.
      Mikail grüßte die beiden Herrschaften, in dem er seinen Kopf leicht neigte und zog dann für Amalthea den Stuhl zurück, den er ihr natürlich auch wieder zu Recht schob, sobald sie sich gesetzt hatte. Dann nahm er neben ihr Platz und übte sich in Geduld, denn es herrschte eine eher eisige Stimmung am Esstisch und vermutete, dass nur ein falscher Ton dafür sorgen konnte, dass die angespannte Stimmung wieder kippte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Amalthea hoffte inständig, dass Mikails Worte der Wahrheit entsprachen. Ein paar Tage – das klang dennoch zu lang. Doch wenn er recht behielt und Deon irgendwann von seinem absurden Vorhaben abließ, wäre es erträglicher. Allein der Gedanke, mit diesem Mann am selben Tisch sitzen zu müssen, ließ ihre Nerven vibrieren. Es war ohnehin schon unerträglich, sein Gesicht sehen zu müssen, aber sobald er auch noch den Mund öffnete oder gar zu laut atmete, kochte die Wut in ihr hoch.
      Es schien, als würde Deons bloße Existenz genügen, um sie zum Brodeln zu bringen. Dass er das Geld hatte, sich Männer zu leisten, die sie entführen konnten, war vermutlich das einzige Glück, das ihm blieb. Und in gewisser Weise war es auch ihres – schließlich schien Mikail zumindest freundlich und höflich. Doch wer konnte schon sagen, ob das nicht nur Fassade war? Vielleicht spielte er ihr auch nur eine Rolle vor. Doch das war nichts, was sie herausfinden wollte. Sie hatte ohnehin nicht vor, lange genug hierzubleiben, um es zu erfahren.
      Als Mikail seinen letzten Satz sprach, zog Amalthea leicht ungläubig eine Augenbraue hoch. Also behandelte Deon ihn tatsächlich wie einen Laufburschen? Warum ließ er sich das gefallen? Sie konnte nicht glauben, dass Mikail das einfach so über sich ergehen ließ. Aber sie kannte die Hintergründe ihrer Abmachung nicht – sie war sich sicher, dass mehr dahintersteckte, als Mikail ihr verriet.
      Seine Freizeitgestaltung klang hingegen erstaunlich gewöhnlich. Sie wusste nicht genau, was sie erwartet hatte, aber sicherlich etwas Exzentrischeres, etwas… Spannenderes. Zumindest wusste sie nun, wo sie ihn in Zukunft möglicherweise antreffen – oder meiden – konnte. Es klang jedenfalls ganz danach, als würde er kaum Zeit in diesem Anwesen verbringen. Würde sie hier also weitgehend auf sich allein gestellt sein?
      In Gedanken verloren bemerkte Amalthea kaum, wie schnell sie den Saal erreichten. In dem Moment, als sie ihn betrat, sank ihre Stimmung augenblicklich auf den Tiefpunkt. Ihr Blick wich Deon bewusst aus, stattdessen glitt er zu ihrer Mutter. Sie sah, trotz ihres Alters, immer noch jung und makellos schön aus. Ihr eindringlicher Blick traf Amalthea wie eine stumme Mahnung.
      Amalthea schnaubte leise, weigerte sich jedoch, darauf einzugehen. Doch der durchdringende Blick ihrer Mutter blieb hartnäckig. Zähneknirschend bewegte sie sich auf ihren Platz zu und ließ sich auf den Stuhl sinken. Kurz nickte sie Mikail dankend zu, doch ihre Augen hielten weiterhin an ihrer Mutter fest.
      Zwischen ihnen entstand ein stummer Austausch, ein wortloses Duell aus Blicken. Und auch wenn in ihr alles dagegen rebellierte, auf ihre Mutter zu hören, wusste sie doch, dass es klüger war, sich ihrer Situation bewusst zu bleiben. Mit einem frustrierten Seufzen wartete sie auf das Essen, das wenig später serviert wurde.
      Vielleicht könnte das Essen zumindest für einen Moment von Deons Präsenz ablenken. Doch kaum hatte sie sich einen Bissen nehmen wollen, begann er bereits zu sprechen.
      „Dieses Anwesen besteht bereits seit Generationen. Berühmte Architekten und Innenarchitekten haben gemeinsam an seiner Gestaltung gearbeitet. Millionen sind hier eingeflossen.“
      Amalthea konnte nicht anders, als ihrer Mutter einen vielsagenden, leicht verzogenen Gesichtsausdruck zuzuwerfen. Was um alles in der Welt sollte sie mit dieser Information anfangen?
      Sie begann, sorgfältig sämtliche Meeresfrüchte auszusortieren. Die Auswahl war groß, das Essen sah hervorragend aus. Doch sie kam nicht dazu, einen Bissen zu nehmen, da Deon bereits mit seinem nächsten Kommentar nachsetzte.
      „Sicherlich hat dir der Rundgang gefallen. Vielleicht seid ihr euch ja dabei sogar nähergekommen.“
      Die Zinken ihrer Gabel trafen ein wenig zu laut auf den Teller – ein Geräusch, das die Etikette wohl missbilligt hätte. Doch Amalthea ignorierte es. Stattdessen starrte sie die Garnele auf ihrem Teller an, als könnte sie darin eine Art Fluchtweg entdecken.
      Der Smalltalk, gepaart mit Deons überheblich-arrogantem Tonfall, ließ es unangenehm in ihrem Kopf kribbeln. Es war, als würde er bewusst an ihren Nerven sägen. Sie atmete leise, tief durch, zwang sich zur Ruhe.
      Du schuldest mir was, dachte sie, während sie ihrer Mutter einen vielsagenden Blick zuwarf.
      War ihr Verhalten kindisch? Vielleicht. Womöglich wirkte es sogar trotzig. Aber nach diesem Tag konnte sie sich kaum noch zusammenreißen.
      „Es ist bedauerlich, dass du in deinem Alter immer noch keine Tischmanieren beherrschst.“
      Für einen Moment stand Amaltheas Mund leicht offen. Ein Reflex, der einem scharfen Konter weichen sollte – doch bevor sie einen Ton herausbringen konnte, ertönte die Stimme ihrer Mutter.
      „Amalthea kennt ihre Manieren. Der Tag lastet schwer auf uns beide. Hab Nachsicht.“
      Ihre Stimme klang sanft, doch in ihrem Ton lag eine gewisse Bestimmtheit, die keinen Widerspruch zuließ. Amalthea ließ den Mund wieder zuschnappen und wandte sich still ihrem Essen zu.
      „Das Gartenhaus ist schön“, sagte sie schließlich an ihre Mutter gewandt.
      Sie machte sich gar nicht erst die Mühe, Mikail gegenüber eine besonders charmante oder umgängliche Seite zu zeigen. Es war ihr von Anfang an gleichgültig gewesen, welchen Eindruck er von ihr bekam. Im besten Fall erkannte er, wie angespannt ihre Beziehung zu Deon war – und änderte seine Meinung über sie.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Es wurde gerade aufgedeckt, wobei auch heute das Essen nicht nur vorzüglich aussah, sondern auch so duftete, doch anstatt, dass alle ruhig zu Abendessen dinierten, fing Deon an, von der Villa zu erzählen. Auch Mikail durfte sich diese Erzählungen schon öfters anhören, prahlte der Hausherr einfach gerne, mit seinem Besitz, was ihn in ein nicht so sympathisches Licht erscheinen ließ. Und dann nahm das recht unangenehme Gespräch seinen Verlauf. Veronica versuchte ihrer Tochter beizustehen, was ihr auch gelang und Amalthea schaffte es wohl, sich ein bisschen zusammenzureißen. Doch an ihrer Körpersprache und ihrem Tonfall konnte Mikail eindeutig herauslesen, wie sehr die junge Frau ihren Vater verabscheute. Erzeuger wäre wohl in ihren Augen ein passenderer Ausdruck. Doch das machte sie nur noch interessanter für den Blonden, denn in Wirklichkeit hasste er ja Deon und wollte ihn am liebsten tot sehen. Doch dann würde der Mann nicht genug leiden, für all das, was er seinem Vater angetan hat.
      "Ich habe Amalthea ein bisschen herumgeführt und dabei hatten wir ein angeregtes Gespräch." meldete sich dann auch Mikail zu Wort. "Wir wollen doch nichts überstürzen." meinte er dann weiter und setzte ein charmantes und entwaffnendes Lächeln auf, sodass selbst Deon verstummte und direkt anfing zu essen. "Darf ich dir etwas reichen?" wandte er sich an Amalthea, dabei das freundliche Lächeln immer noch auf den Lippen. Der Blonde hat es wohl mit den Jahren perfektioniert, eine glaubwürdige Maske aufzusetzen, die einer nicht so schnell durchschauen kann.
      Das Abendessen verlief danach eher ereignislos und schweigsam und mit einem Brummen, erhob sich Deon und verabschiedete sich von der kleinen Gesellschaft. Doch ehe er den Speisesaal gänzlich verließ, winkte er noch einmal Mikail zu sich her. "Morgen werden wir gegen Mittag einen besonderen Gast bei uns haben. Ich möchte, dass du dich um ihn kümmerst. Und nimm Leonardo mit. Er soll das für dich werden, was sein Vater für mich ist." sprach er den Blonden ernst an und das mit einem Tonfall, der keine Widerworte duldete. "Sehr wohl, Deon." nickte Mikail, dem das zwar nicht wirklich passte, aber es war eine der Bedingungen, die er erfüllen musste, um das Vertrauen des Mafiabosses aufrechtzuerhalten. Und im gleichen Zuge konnte er es ja vielleicht schaffen, diesen Leonardo auf seine Seite zu ziehen, so wie er es mit Amalthea vor hat.
      Nach dem kurzen Wortwechsel kehrte er wieder an den Esstisch zurück und setzte sich zu Mutter und Tochter. "Ich hoffe euch hat das Essen geschmeckt." erkundigte er sich bei den beiden. "Es steht euch frei, noch etwas hier zu verweilen oder auch einen anderen Raum aufzusuchen." meinte Mikali dann weiter, während schon ein paar Bedienstete kamen, die anfingen die Tafel langsam abzuräumen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Amalthea hatte ein wenig Zeit gehabt, um ihre eigenen Gedanken zu sortieren – ebenso wie die düsteren, beinahe schon mörderischen Szenarien, die sich in ihrem Kopf abgespielt hatten. Sie verbannte sie in die hintersten Ecken ihres Verstandes, fest entschlossen, nicht weiter darüber nachzudenken. Denn je weniger sie ihnen Raum gab, desto weniger würde sie sich darüber aufregen.
      Mikails Worte waren längst an ihr vorbeigerauscht – erst als er sie direkt ansprach, hob sie den Blick und musterte ihn. Nach einem Moment des Zögerns nickte sie und deutete auf einen Teller mit kunstvoll angerichteten Tintenfischen. Wortlos nahm sie ihn entgegen, füllte sich eine Portion auf und stellte ihn anschließend zurück.
      Der Rest des Abends verlief in fast bedrückender Stille. Man hörte lediglich das Klirren von Besteck, wenn es auf Porzellan traf. Amalthea versuchte, das Essen zu genießen, so gut es eben ging – wobei sie darauf achtete, ihren Blick nicht einmal aus Versehen in Deons Richtung schweifen zu lassen. Sie wusste, dass ihr Appetit dann endgültig verschwinden würde. Es war ohnehin kaum zu ertragen, ihn so nah bei sich zu wissen. Umso erleichterter war sie, als er schließlich aufstand und den Raum verließ. Der Appetit kehrte zwar nicht zurück, aber das Atmen fiel ihr etwas leichter.
      Das Gespräch zwischen Deon und Mikail interessierte sie nicht im Geringsten. Stattdessen konzentrierte sie sich darauf, ihren Teller leer zu essen – wohl wissend, dass sie es später bereuen würde, wenn sie es nicht täte. Anschließend legte sie das Besteck beiseite und lehnte sich etwas zurück.
      Als Mikail sich schließlich wieder zu ihnen gesellte, stieg in Amalthea ein leises Seufzen auf. Auch wenn er nicht offiziell zum Sicherheitspersonal gehörte, hatte sie dennoch das Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen – nie wirklich allein mit ihrer Mutter sein zu können. Ihr Blick wanderte zu Veronica, wo er schließlich ruhte, während die Bediensteten damit begannen, den Tisch abzuräumen.
      „Ich würde gern dein Zimmer sehen“, sagte sie dann schließlich, verschränkte die Arme vor der Brust.
      „Gerne“, erwiderte ihre Mutter schlicht, stand auf. Ohne Mikail auch nur eines Blickes zu würdigen, folgte Amalthea ihr. Dieses Gespräch war nicht für seine Ohren bestimmt – und sie war sich sicher, dass Mikail das verstand.
      Gemeinsam verließen sie den Raum, und Veronica führte sie in ihr Schlafzimmer – ein Raum, der sogar größer zu sein schien als Amaltheas eigener.
      „Nicht schlecht“, meinte Amalthea anerkennend, verzog leicht den Mund und ließ sich auf einen der Sessel fallen. Ihr Blick wanderte prüfend durch das Zimmer. Ob Mikail auch dieses Zimmer hatte einrichten lassen?
      Schweigen legte sich über die beiden, während Veronica ihre Schuhe auszog und sich gegenüber ihrer Tochter auf die Couch setzte. Sie zog die Beine an sich und lehnte sich zurück.
      „Und?“
      „Du willst mich doch nicht ernsthaft fragen, wie ich das Haus finde“, entgegnete Amalthea und stöhnte leise. „Es sieht ziemlich cool aus. Vor allem der Pool und so. Aber ehrlich? Es würde mir deutlich besser gefallen, wenn die Umstände andere wären.“
      Verständnisvoll nickte ihre Mutter.
      „Hast du schon eine Idee, wie wir hier rauskommen?“, flüsterte Amalthea vorsichtig. Man wusste nie, wer gerade hinter der Tür stand. Veronica schüttelte den Kopf – bedauernd. Amalthea stöhnte genervt.
      „So einfach ist es nicht, Thea“, versuchte ihre Mutter sie zu beruhigen.
      „Wer weiß, wann die Hochzeit stattfinden soll“, fauchte Amalthea leise. „Beim ersten Mal hat das Weglaufen funktioniert. Jetzt ist Deon aufmerksamer denn je.“
      Sie verstand, was ihre Mutter ihr damit sagen wollte – doch das machte es nicht weniger frustrierend.
      „Glaubst du wirklich, er zieht das durch?“ Ihre Frage war rhetorisch. Beide kannten die Antwort.
      Ein Seufzer.
      „Das kann doch nicht so weitergehen“, murmelte sie, drehte sich leicht zur Seite und ließ ihre Beine über die Armlehne hängen.
      Viel mehr sprachen sie an diesem Abend nicht. Sie mussten es nicht. Beide wussten in etwa, was die andere dachte – und beide hatten keine wirkliche Idee, wie sie dieser Lage entkommen konnten. Nicht nur Deon würde sie genau im Blick haben, sondern auch das restliche Sicherheitspersonal – und Mikail.
      Es würde schwieriger denn je, diesen Ort unbemerkt zu verlassen. Und selbst wenn ihnen das gelänge: Was dann? Nach Hause konnten sie nicht zurück. Das wäre der erste Ort, an dem man nach ihnen suchen würde.
      Amaltheas Gedanken kreisten, ihr Kopf war ein einziger Nebel aus Fragen – ohne klare Antworten.
      Sie verbrachte den restlichen Tag im Zimmer ihrer Mutter – dort, wo sie zumindest ein wenig entspannen konnte. Nicht vollkommen allein, aber auch nicht ausgeliefert. So sehr sie manchmal die Einsamkeit schätzte – heute war sie dankbar für ein wenig Nähe. Nähe zu jemandem, der ihr vertraut war inmitten all der Fremde.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Mikail
      Die junge Frau wollte wohl mit ihrer Mutter alleine sein und verließ somit auch mit ihr den Speisesaal. Er wünschte beiden noch eine gute Nacht, bemerkte aber natürlich, wie abweisend Amalthea zu ihm war. Dass sie ihn so plötzlich ignorierte, verwirrte den Blonden doch etwas. Hatte er etwas Falsches gesagt oder getan? "Versteh einer die Frauen." dachte er sich nur seufzend und suchte dann auch sein eigens Zimmer auf. Dort angekommen, zog sich Mikail um und machte sich bettfertig. Als er dann in seinem großen und gemütlichen Bett lag, las er noch etwas in seinem Roman und legte diesen beiseite, als er schwer war, die Augen noch offenzuhalten. Es war eh besser, dass er Zeit schlafen ging, erwartete ihn ein anstrengender Tag.

      Leonardo
      Nach dem Leo von Mikail abkommandiert wurde, hatte er sich etwas schlafen gelegt, damit er heute Nacht auch patrouillieren konnte. Gegen zehn Uhr abends wachte er auf und machte sich fertig für seine Nachtschicht. Heute würde er wieder in der Villa durch die Flure wandeln und nutzte dabei die Gelegenheit auch wieder die Pflanzen, in dem abgeschiedenen Raum zu gießen. Ganz in Schwarz gekleidet lief er durch die Flure des Anwesens und vergewisserte sich, dass hier niemand herumlief, der nicht hier hergehörte. Der junge Mann war sogar bewaffnet, doch in den letzten Monaten war nichts Auffälliges vorgefallen, sodass er eher entspannt bei seiner Wache war. Noch war es zu früh um die Pflanzen zu umsorgen. Das würde Leo erst gegen zwei oder drei Uhr Nachts in Angriff nehmen, wenn ihm wirklich niemand dabei begegnen würde.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Wie lange Amalthea im Zimmer ihrer Mutter verweilt hatte, wusste sie nicht mehr. Die Zeit schien in dem gedämpften Licht und der ungewohnten Stille zu verschwimmen. Sie hatte mit geschlossenen Augen auf dem Sofa gelegen, vor sich hin gedöst, halb wach, halb träumend. Als sie schließlich wieder die Augen aufschlug, war der Tag längst der Dämmerung gewichen. Schatten zogen sich über die Wände, das letzte Licht der Sonne war kaum noch zu erkennen. Ein leises Stöhnen entwich ihr, als sie sich aufrichtete und ihre steif gewordenen Glieder dehnte.
      Der Raum war nun stiller als zuvor. Ihre Mutter lag im Bett, den Kopf leicht zur Seite gedreht, friedlich schlafend. Amalthea betrachtete sie einen Moment lang. Trotz allem wirkte sie erschöpft, gealtert – und doch unendlich vertraut. Amalthea wollte sie nicht wecken. Leise erhob sie sich, schlich zur Tür und schloss sie mit größter Vorsicht hinter sich. Die Dunkelheit des Flurs empfing sie wie ein kühles Tuch auf warmer Haut – kühl, ruhig, aber irgendwie unwillkommen.
      Zum ersten Mal an diesem Tag war sie allein. Und dennoch fühlte es sich nicht wie Freiheit an. Nicht so, wie sie es sich gewünscht hatte. Es war ein seltsames Gefühl, ungewohnt, beinahe bedrückend. Immer war jemand in ihrer Nähe gewesen. Ein Wächter. Mikail. Der andere Mann. Und jetzt? Niemand. Keine Schritte, keine Stimmen, nicht einmal ein Wächter, der vor der Tür auf sie wartete. Offenbar vertrauten sie darauf, dass das Anwesen sicher genug war. Zu sicher. Der Gedanke ließ sie unwillkürlich die Stirn runzeln. Wieder entwich ihr ein Seufzer, der wievielte an diesem Tag, konnte sie nicht mehr zählen.
      Kopfschmerzen begannen sich in ihrem Schädel zusammenzuziehen, dumpf und drückend, wie das Gewicht des Tages, das auf ihren Schultern lastete. Sie beschloss, in ihr Zimmer zurückzukehren und dort weiterzuschlafen. Vielleicht würde sie so wenigstens einen Moment der Ruhe finden.
      Um ihre Schritte nicht hallen zu lassen, zog sie ihre Schuhe aus, hielt sie locker an den Riemen, die an ihren Fingern baumelten, und schlich lautlos in ihren Socken über den kalten Flur. Die Stille war so tief, dass sie beinahe körperlich spürbar wurde. Die Flure, die schon am Mittag fremd auf sie gewirkt hatten, fühlten sich nun noch lebloser an wie ein Ort, der ihr nicht gehörte, der sie nicht willkommen hieß.
      Mitten im Gang blieb sie stehen. Eines der großen Fenster warf silbernes Licht auf den Boden, beleuchtet vom künstlichen Schein der Gartenlampen draußen. Amalthea trat näher, legte eine Hand an die kalte Scheibe und blickte hinaus. Der weitläufige Vorgarten lag ruhig da, sorgfältig gepflegt, mit einem gepflasterten Weg, der zu einem steinernen Brunnen führte, der im Dunkeln glitzerte. Der Anblick war schön, beinahe märchenhaft und doch fühlte sich Amalthea fehl am Platz. All der Reichtum, der sie umgab, gehörte nicht in ihre Welt. Ihre Welt war klein, vertraut, warm gewesen nicht groß und glänzend, nicht leer und voller fremder Gesichter.
      Sie wandte sich schließlich ab, suchte und fand ihr Zimmer wieder. Drinnen schloss sie die Tür hinter sich, streifte ihre Kleidung ab, schlüpfte in ein schlichtes Shirt und kroch ins Bett. Die Decke war weich, das Kissen kühl und doch fand sie keinen Schlaf. Sie hatte vorhin wohl zu viel gedöst, als dass sie jetzt zur Ruhe kommen konnte. Seufzend richtete sie sich auf, fuhr sich durch das Haar und starrte in die Dunkelheit. Schlaf erzwingen hatte noch nie funktioniert.
      Nach kurzem Überlegen kam ihr ein Gedanke der kleine, versteckte Garten, den sie am Tag entdeckt hatte. Vielleicht würde der nächtliche Besuch dort sie beruhigen. Vielleicht würde die Stille dort leichter zu ertragen sein. Und das Glas, dieses wunderschöne Glas, das dort auf sie gewartet hatte, allein die Erinnerung daran ließ sie ein klein wenig zur Ruhe kommen.
      Leise schlich sie sich aus ihrem Zimmer. Niemand war im Flur zu sehen. Sie trug nur Socken an den Füßen, doch das war ohnehin besser, als mit Schuhen Lärm zu verursachen. Auch wenn es keinen wirklichen Grund gab, sich zu verstecken, verspürte sie die Angst, entdeckt und zurückgeschickt zu werden. Sie wollte keine Erklärung abgeben, keine Fragen beantworten, sie wollte einfach nur einen Moment für sich.
      Der Flur lag still und dämmerhaft vor ihr. Die Nacht ließ alles gleichförmig erscheinen, machte es schwer, sich zu orientieren. Immer wieder musste sie innehalten, sich sammeln, sich fragen, ob sie den richtigen Weg nahm. Als sie schließlich die Treppe entdeckte, atmete sie erleichtert auf. Sie war auf den richtigen Weg. Amalthea stieg die Treppen hoch.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Während Leonardo durch die leeren Flure lief, hörte er ein Geräusch. Es war nicht besonders laut, doch in der nächtlichen Stille, ertönte es um einiges deutlicher, als am Tage. Es war eine Türe, die geöffnet wurde und einen Augenblick später wieder geschlossen. Auf lautlosen Sohlen, gedämpft von manchen Teppichen, steuerte er in die Richtung, von wo er das Geräusch vernahm und verbarg sich hinter der nächsten Ecke, da er eine Person erblickte. Um nicht von ihr gesehen zu werden, blieb er in den nächtlichen Schatten und beobachtete einfach nur. Es handelte sich um Amalthea, die gerade aus dem Zimmer ihrer Mutter geschlüpft war. Sie lief zu ihrem Zimmer und seufzte dabei. Unauffällig folgte Leonardo der jungen Frau mit etwas Abstand und beobachtete, wie sie in die Richtung ihres Zimmers kehrte, dabei zog sie ihre Schuhe aus, sodass ihre Schritte nicht auf den leeren Fluren hallten. Ihm war nicht ganz klar, wieso sie das tat, gab es dazu keinen Anlass, in seiner Wahrnehmung. Sie brauchte nicht zu schleichen und wenn sie es doch tat, machte sich die Tochter des Hausherren leider etwas verdächtig. Das war dann auch der Grund, weshalb er ihr weiter folgte und sogar eine Weile in der Nähe ihres Zimmers wartete. Erst dachte Leo, dass sie wirklich Schlafen ging, doch dann öffnete sich gerade die Türe wieder, als er kurz davor war seiner Patrouille weiter nach zugehen.
      "Was hat sie vor?" fragte er sich und folgte Amalthea durch die Villa. Leonardo war dabei sehr bedacht, aber auch wirklich gut trainiert, dass sie ihn keinesfalls bemerkte. Er hielt sich immer in den Schatten auf und da er spezielle Schuhe trug, mit sehr weichen Sohlen, verursachte er auch keine verräterischen Geräusche. Es wirkte auf ihn, als müsste sich die junge Frau immer wieder neu orientieren. Das sollte aber nicht verwunderlich sein, da sie kaum einen ganzen Tag sich in dem Anwesen aufhielt.
      Als sie dann am Fuße der Wendeltreppe angekommen waren, fragte sich Leonardo, woher Amalthea diesen Raum kannte. Wenn man dieses spezielle Zimmer nicht kennt, würde kaum jemand auf die Idee kommen, diese enge Treppe zu erklimmen. Ohne zu zögern, folgte er ihr und als er dann oben hinter ihr stand, machte sich der Schwarzhaarige endlich mal bemerkbar.
      "Was machst du hier?" fragte er die junge Frau und falls sie vor Schreck schreien sollte, würde er seine Hand auf ihren Mund legen. Es wäre nicht so gut, wenn sie dadurch die anderen weckte und plötzlich ein paar Wachleute in dieses Zimmer eilten.
      Ihm ist bewusste, dass er durch sein plötzliches Auftauchen sie erschrecken könnte, doch wie sollte er sich sonst bemerkbar machen? Also ging er dieses Risiko einfach ein, da er keine Probleme damit hat, die Drau zum Schweigen zu bringen, auch wenn das ihr wahrscheinlich noch mehr Angst einjagen würde.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Auch wenn Mikail ihr versichert hatte, dass dieser Raum kaum besucht wurde, befürchtete Amalthea dennoch, plötzlich auf jemanden zu treffen. Sie verspürte keinerlei Lust, sich erklären zu müssen, weder, warum sie um diese Uhrzeit hier war, noch was genau ihr Plan gewesen war. Der Grund, weshalb sie ihr Zimmer verlassen hatte, war schließlich der Wunsch nach Ruhe. Doch bislang hatte sie weder jemanden gesehen noch Schritte gehört, die auf eine Verfolgung hindeuteten.
      Es war ihr trotzdem ein wenig unheimlich, in dieser Dunkelheit umherzuschleichen und einen unbekannten Ort zu erkunden. Doch sie war nun so weit gekommen, umzukehren erschien ihr sinnlos. Amalthea streckte die Hand nach dem Türknauf aus, als plötzlich, wie aus dem Nichts, eine Stimme hinter ihr ertönte.
      Da sie fest davon überzeugt war, dass ihr niemand gefolgt war, hatte sie nicht damit gerechnet. Vor Schreck riss sie den Mund auf, doch noch bevor das Anwesen von ihrem Schrei erfüllt wurde, legte sich eine Hand über ihren Mund und dämpfte ihren Aufschrei. Ihr gesamter Körper zuckte heftig zusammen und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals – eine völlig natürliche Reaktion auf den Schock.
      Doch an der Stimme hatte sie sofort erkannt, wer hinter ihr stand. Sie kannte hier nur wenige Menschen, daher fiel ihr die Zuordnung leicht.
      Sie fuhr abrupt herum und sah ihn wütend an. Zischend, um niemanden auf sich aufmerksam zu machen, senkte sie ihre Stimme: „Bist du wahnsinnig?“ Sie schlug seinen Arm beiseite. „Mach dich bemerkbar, bevor jemand wegen dir einen Herzinfarkt bekommt!“
      Sie wandte sich wieder ab, ihr Herz noch immer rasend, öffnete schließlich die Tür und trat in den Raum ein. Auf seine Frage hin antwortete sie knapp: „Hier sein.“ Dann schloss sie die Tür hinter sich, schaltete das Licht ein, und hoffte inständig, dass er nicht auf die Idee kam, ihr zu folgen. Auch wenn sie sich fast sicher war, dass er es doch tun würde. Immerhin gehörte er zum Sicherheitspersonal, und aus seiner Sicht sah es sicher verdächtig aus, dass sie sich mitten in der Nacht heimlich davonschlich.

      Ohne weiter zu zögern, setzte sie sich auf eine der Sitzgelegenheiten. Umgeben von Pflanzen und warmem, angenehmem Licht, lehnte sie sich zurück und stützte den Ellbogen auf die Lehne. Ihr Blick blieb an der Tür hängen. Wie sollte sie zur Ruhe kommen, wenn er jetzt auch noch hier war?
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Blitzschnell legte sich seine Hand auf den Mund der jungen Frau, sodass der spitze Schrei nie den Raum erfüllen konnte. Amalthea beruhigte sich aber auch rasch wieder und so ließ sich Leo von ihr wegstoßen, als er bemerkte, dass sie ihn erkannt hatte und eher ruhig blieb. Mehr oder weniger. Sie drehte sich sofort zu ihm um, und funkelte ihn böse an, was der junge Mann erwartet hatte und mit einem eher gleichmütigen Gesichtsausdruck wahrnahm.
      "Ich bin nicht wahnsinnig. Es ist mein Job, nachts meine Runden durch das Anwesen zu machen, um die Bewohner zu schützen, die um solch eine Uhrzeit eigentlich schlafen sollten." entgegnete Leonardo und sah mit einem leicht fragenden Blick an, was denn die junge Frau hier macht.
      "Und wie hätte ich das machen sollen? Dir auf die Schulter tippen oder dich ansprechen? Ich wette, du hättest dennoch dich erschreckt und geschrien." zuckte der Schwarzhaarige nur mit den Schultern.
      "Hier sein?" Das war eine sehr unbefriedigende Antwort auf seine Frage und als Amalthea in den Raum ging, folgte er ihr, wobei sie ihm einfach die Türe vor der Nase zuschlug. "Ganz schön unhöflich." dachte er sich nur, doch sprach es nicht aus und trat dann selber in das mit Pflanzen verzierte Zimmer ein. Dort fand er die junge Dame auf dem Sofa sitzend vor, die nicht gerade glücklich dreinblicken, als auch er in den Raum eintrat. "Das kann mir ja eigentlich egal sein." ging es Leo durch den Kopf und wenn er eh schon hier ist, kann er auch gleich die Pflanzen gießen. Gedacht, getan und so nahm er die Gießkanne und fing an jedem Gewächs etwas Wasser zugeben. Sobald er damit fertig ist, würde er auch wieder gehen. Amalthea konnte von ihm aus gerne hier bleiben, solange sie ihn nicht bei seiner Arbeit störte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Tief in ihrem Inneren wusste Amalthea, dass er Recht hatte. Seine Antworten waren logisch und nachvollziehbar, und bisher hatte er ihr mehr Klarheit verschafft als alle anderen. Doch obwohl sie das verstand, ärgerten ihn seine Worte jedes Mal aufs Neue. Es war nicht unbedingt der Inhalt seiner Aussagen, der sie reizte, sondern vielmehr seine ruhige, unerschütterliche Art, sie zu äußern. Jeder Satz fühlte sich an wie ein gezielter Stich in ihre aufgewühlte Gefühlswelt, und bei jedem einzelnen wollte sie sich am liebsten aufregen, auch wenn sie genau wusste, dass es keinen rationalen Grund dafür gab.
      Obwohl er zu den vernünftigeren Personen zählte, vielleicht abgesehen von Mikail, bei dem sie das dumpfe Gefühl nicht loswurde, dass etwas an ihm nicht stimmte, konnte sie nicht anders als ihm gegenüber vorsichtig zu sein. Etwas in ihr hielt sie davon ab, ihm Vertrauen zu schenken. Vielleicht lag es an der Verbindung, die er zu ihrem Vater hatte. In einer Welt wie dieser, in der Machtspiele und undurchsichtige Absichten an der Tagesordnung standen, glaubte sie kaum, dass jemand, der mit ihrem Vater arbeitete, ein guter Mensch sein konnte. Dafür hatte sie zu viele Filme gesehen, zu viele Geschichten gehört, in denen genau solche Männer am Ende ihr wahres Gesicht zeigten.
      Kurz darauf betrat der Schwarzhaarige den Raum. Amalthea verzog unwillkürlich das Gesicht, als sie ihn sah. Sie hatte gehofft, für einen Moment allein sein zu dürfen, sich zurückzuziehen und durchzuatmen. Doch offenbar sollte ihr selbst diese kleine Freiheit nicht gegönnt sein.
      Sie schwieg, beobachtete ihn aus dem Augenwinkel, bereit, sich abzuwenden. Doch was er dann tat, überraschte sie. In einer fast beiläufigen Bewegung griff er nach der Gießkanne und begann, die Blumen am Fenster zu versorgen. Amalthea blinzelte irritiert. Etwas an diesem Bild ließ sie innerlich zur Ruhe kommen. Ihre Miene, eben noch angespannt, glättete sich. Die Schärfe in ihrer Stimme verschwand, als sie sich schließlich zu Wort meldete.
      „Gießt du immer die Blumen?“, fragte sie, leise und mit einem Ton, der beinahe sanft war. Ihre Augen lösten sich nicht von ihm. Der Kontrast war zu absurd, um ihn zu ignorieren. Ein großgewachsener Mann mit scharfen Gesichtszügen, von einer Präsenz, die Dominanz ausstrahlte, und doch stand er da, sorgsam und beinahe behutsam, während er die zarten Blätter befeuchtete. Die Szene wirkte fast komisch, aber gleichzeitig berührte sie etwas in ihr.
      Sie erinnerte sich an das, was Mikail gesagt hatte. Dass Deon diesen Ort schon lange aufgegeben hatte, dass er die Vergangenheit hier hinter sich gelassen hatte. Und doch kümmerte sich jemand noch immer um die Blumen. Vielleicht waren es einst die Blumen ihrer Mutter gewesen, etwas, das sie gepflegt hatte, während sie durch dunkle Zeiten ging. Dass ausgerechnet er diese Aufgabe übernommen hatte, verlieh dem Bild etwas Tröstliches.
      Jetzt wurde ihr klar, dass er der geheimnisvolle Helfer der alten Dame sein musste. Wie es wohl dazu gekommen war? Amalthea spürte, dass sie mehr über ihn wissen wollte. Etwas in seiner Stille machte sie neugierig.
      „Wie war noch gleich dein Name?“, fragte sie ehrlich, nicht gespielt. Zu viel war in den letzten Tagen geschehen, zu viele Eindrücke, zu viele neue Gesichter. Sie stand langsam später auf und näherte sich ihm, ließ sich dann neben den Blumen in die Hocke sinken, um sie genauer betrachten zu können.
      „Wie kommt es, dass du dich jetzt um sie kümmerst?“, fragte sie leise, mit einem ehrlichen Interesse in der Stimme. Sie verschränkte ihre Arme auf den Knien, hob den Kopf und sah zu ihm auf, während sie auf seine Antwort wartete.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Leonardo sah den missmutigen Blick der jungen Frau, als er auch das Zimmer betrat und spürte, wie sie ihn weiter beobachtete. Er verstand nicht ganz, weshalb sie so abweisend zu ihm ist. Wobei, er hatte sie und ihre Mutter hier her entführt, aber das hatte nicht er entschieden, sondern Deon. Leo ist eben nur eine Art Werkzeug, das Befehle ausführte, was es aber nicht besser oder verständlicher für andere machte.
      Na ja, es konnte ihm ja eigentlich egal sein, was Amalthea so über ihn dachte, also ging er dem Blumengießen nach, was hier regelmäßig machte. Auch jetzt spürte er ihre Blicke und dann ertönte in der Stille ihre leise Stimme. In ihr lag nicht mehr Abweisung und Ablehnung, sondern eher aufrichtige Neugier.
      Etwas verdutzt über diesen Stimmungswandel, drehte sich Leonardo zu der jungen Frau um, die noch immer auf dem Sofa saß. "Ja." antwortete er darauf nur und machte dann damit weiter. Es entging ihm nicht, dass sich auch ihre Körpersprache geändert hatte. Zuvor, war sie angespannt, doch jetzt schien dies verflogen zu sein, weshalb auch immer.
      Gerade zupfte er ein paar welke Blätter aus den Töpfen, als die junge Frau erneut ihre Stimme erhob. "Leonardo Santis, Miss Vecera." antwortete er ohne zu zögern und blieb dabei höflich. Schließlich ist diese junge Frau die Tochter des Don, daher musste er ihr einfach Respekt zollen.
      Sie kam dann nach einer Weile auf ihn zu und gesellte ich neben ihn, dabei in die Hocke gehend und die Pflanzen betrachtend.
      "Hmmm." antwortete Leo auf die nächste Frage nicht direkt und überlegte, wie er es am besten formulieren sollte. Konnte er Amalthea das einfach so erzählen? An den Don würde sie es wohl eher nicht verraten, hat sie demonstrativ keinen Hehl darum gemacht, dass sie ihn gar verabscheute, also entschied Leonardo frei heraus zu sprechen.
      "Unserer Köchin Hannah hat sich eigentlich immer um die Blumen hier gekümmert. Aber sie ist schon recht alt und die steile Wendeltreppe bereitet ihr Probleme. Daher habe ich die Pflege übernommen. Ich muss sowieso nachts meine Kontrollgänge durch das Anwesen machen, dann kann ich auch ein paar Minuten mich um die Pflanzen hier kümmern. Ist eine nette Abwechslung." erzählte er ihr, während der Schwarzhaarige weiter welke Blätter heraus zupfte und hier und da etwas weiter goss.
      Diese Arbeit beendet, stellte Leonardo die Gießkanne wieder an ihren vorigen Platz, als hätte man diese nie bewegt und deutete an, zu gehen. "Ich muss meinen Pflichten weiter nach kommen. Ach ja, und noch ein wichtiger Hinweis. Auch andere sind für die Nachtpatrouille eingeteilt, die sind aber recht nervös mit ihrem Zeigefinger, wenn du verstehst, was ich meine." erklärte er ihr ruhig und warf dann einen offensichtlichen Blick auf das Holster, dass er an der rechten Seite seiner Hüfte trug. Er hatte die Waffe nicht mal berührt, als er Amalthea sah, da er sie erkannt hatte. Aber manche der Männer fackelten nicht lange und stellte meist erst nach einem Schuss die wichtigen Fragen. "Daher würde ich dir empfehlen, nur nachts durch die Flure zu wandeln, wenn ich Wache halte. Sonst könnte es sein, dass wir einen Krankenwagen hier bestellen müssen." meinte er weiter "Oder einen Leichenwagen. Je nachdem wie gut die Schützen sind." dachte er im Stillen, erwähnte er das aber lieber nicht gegenüber der jungen Frau, denn er vermutete, dass schon die Erwähnung anderer Wachleute mit Waffen ihr Angst machen könnte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Leonardo also. Vermutlich der einzige Name, den sie sich von all den Sicherheitsleuten wirklich merken würde. Er war derjenige, der für sie immer herausstechen würde, denn am Ende des Tages war er es gewesen, der sie entführt hatte. Befehl hin oder her, es war keine Tat, die man jemals einfach vergessen konnte. Dass er sie nun mit solcher Höflichkeit ansprach, war für sie beinahe irritierend, doch sie ging nicht näher darauf ein.
      Leo erzählte ihr dieselbe Geschichte, die bereits Mikail erwähnt hatte: von einer alten Hannah, die nicht mehr in der Lage war, die Treppen hinaufzusteigen, und deren Aufgabe nun an ihn gefallen war. Es klang schlicht, fast banal, doch in Wirklichkeit war es ein Dienst, den niemand sonst übernommen hatte. Natürlich hatte er recht, während seiner nächtlichen Streifzüge konnte er sich ebenso gut auch um die Pflanzen kümmern. Dennoch blieb es eine bemerkenswerte Geste, die in Amalthea ein gewisses Nachdenken auslöste. Er war schließlich nicht der Einzige, der hier seine Runden drehte. Warum also gerade er?
      Mit einer leichten Belustigung in den Augen beobachtete sie seine Bewegungen. Doch lange verweilte er nicht. Viel zu schnell schien er seine Aufgabe beendet zu haben und deutete an, den Raum wieder zu verlassen. Ehe er jedoch ging, schien er ihr noch einen stummen Hinweis geben zu wollen. Noch in der Hocke, warf er ihr einen Blick zu, der sie fragend zurückließ.
      In ihrem Kopf ratterten die Gedanken. Was wollte er ihr damit sagen? Erst als sie seiner Blickrichtung folgte, verstand sie. Amalthea erhob sich langsam. Der Anblick einer Waffe erschreckte sie inzwischen längst nicht mehr so sehr wie zu Beginn ihrer Gefangenschaft, was sie selbst erstaunlich fand. Vielleicht war es kurios, doch wer von klein auf wusste, dass der eigene Vater zur Mafia gehörte, der konnte sich nur schwer der Tatsache entziehen, dass Waffen und Gewalt früher oder später immer Teil der Umgebung sein würden.
      Hier jedoch, an diesem Ort, gab es keine unmittelbare Bedrohung für sie. Zumindest im Moment nicht. Sie war dort, wo man sie haben wollte, wo sie herbestellt worden war. Es gab keinen Grund, sie mit Gewalt zu bedrängen. Vielleicht war es gerade diese nüchterne Erkenntnis, die ihr den Mut verlieh, sich ihm ohne Zögern zu nähern. Mit verschränkten Händen hinter dem Rücken trat sie einen Schritt auf ihn zu.
      „Da du auf deinem Weg ohnehin nichts anderes zu tun hast als zu laufen, kann ich dir Gesellschaft leisten“, meinte sie ruhig. Ein leises Lächeln huschte über ihre Lippen, doch in ihren Augen blitzte Wachsamkeit. Zum einen würde sie so ihre eigene Zeit ein wenig sinnvoller verbringen und sich vielleicht leichter in den Schlaf finden, wenn sie zuvor genug Ablenkung hatte. Zum anderen jedoch, und dieser Gedanke drängte sich unweigerlich in den Vordergrund, bot es ihr die Gelegenheit, die Umgebung bei Nacht kennenzulernen.
      Sie wollte sehen, wie die Dunkelheit diesen Ort veränderte, wie die Schatten fielen, welche Geräusche sie hörte, und vor allem: wann und wo die Wachen ihre Runden zogen. Sollte sie tatsächlich eines Tages versuchen, die Flucht in der Nacht zu wagen, dann musste sie diese Rhythmen, diese Muster genau kennen.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Die junge Frau schien zu verstehen und Amalthea schreckte auch gar nicht zurück, als sie seine Waffe sah. Diese steckte ja auch noch im Holster und wurde ihr nicht, wie bei ihrer ersten Begegnung vor die Nase gehalten, bzw. damit ihre Mutter bedroht. Er dachte, damit hätte sich das erledigt, doch dann wandte sie sich mit einer Frage an ihn. Leonardos Gesichtszüge blieben darauf wie versteinert, lediglich seine Augenbrauen wanderten wie fragend hoch. "Du willst mich begleiten." wiederholte er, was mehr nach einer Feststellung klang, wie eine Frage und lief dann einfach weiter. "Wenn du nichts Besseres zu tun hast, von mir aus." Nur kurz hatte Leo sich das durch den Kopf gehen lassen, doch sah er darin keine Probleme. Er würde um so eine Uhrzeit natürlich viel lieber schlafen, doch was wusste er schon, wie Frauen ticken. Also lief Leo einfach voraus und stieg die Wendeltreppe wieder hinab, bis er erneut auf dem breiten Flur stand. Gedimmte Lampen spendeten hier und da Licht, sodass man nie völlig im Dunklen stand. Einen Rhythmus, so wie ihn sich Amalthea erhoffte, gab es bei ihm nicht und auch die anderen Wachmänner hatten keine festen Wege oder Abläufe, schließlich sind sie Profis. Wirklich gesprächig ist der Schwarzhaarige auch nicht und schwieg daher die ganze Zeit.
      Als sie bei der Küche ankamen, betrat Leo die und schenkte sich einen Kaffee ein, den man für ihn vorbereitet hatte. Gute, alte Hannah, diese Aufmerksamkeit bekam aber auch nur er von ihr. "Kaffee?" fragte er dann nur seine Begleitung und stellte eine zweite Tasse hin. Einschenken konnte die junge Frau sich das Getränk schließlich selber. Mit seiner Tasse ging er dann an die Hintertüre, schloss diese mit einem Generalschlüssel auf, den jeder Wachmann hatte, wenn er die Nacht patrouillieren musste und trat ins Freie. Mit einer Hand zog er dann eine Packung Zigaretten aus seiner Hosentasche hervor und fischte mit seinen Lippen geschickte eine aus der Packung. Die Fluppe zwischen seine Lippen geklemmt, steckte er mit der einen Hand die Packung wieder weg und holte sein Feuerzeug hervor, mit der er die Zigarette anzündete, schließlich hielt er in der anderen Hand noch immer seinen Kaffee. Das Feuerzeug auch wieder eingesteckt, nahm Leonardo dann einen tiefen Zug und blies den Qualm langsam aus. Kaffee und eine Fluppe, mitten in der Nacht gab es nichts Besseres. Und während er seine Laster für einen Moment genoss, huschte ein kleiner Schatten immer näher heran, bis dieser sich um Leos Beine schlich. Es war ein kleiner schwarzer Kater, mit grünen Augen, der es irgendwie geschafft hatte, sich auf das Gelände zu schleichen und sich seit dem irgendwo versteckte und nicht mehr ging. Das lag vielleicht daran, dass nicht nur Leo, sondern die meisten anderen Wachleute den Kater nachts fütterten und auch die Angestellten aus der Küche, konnten dem kleinen Fellknäuel nicht widerstehen. Einfallsreich, wie sie alle sind, wurde der Kater Nero getauft, der Leonardo immer weiter um die Beine schlich. "Ist ja gut. Ich weiß, dass du dein Fressen haben willst." brummte er und sah dann zu Amalthea. "Willst du das übernehmen? Immer Küchenschrank, gleich neben dir, ist im unteren Teil Futter und ein Fressnapf. Er darf aber nur draußen gefüttert werden." fragte er die junge Frau, ob sie sich um den Kater kümmern wollte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Leo war kein Mann vieler Worte. Er führte kaum Smalltalk und schmückte seine Sätze nicht aus. Das hatte etwas Ehrliches, beinahe Beruhigendes, denn Amalthea wusste dadurch genau, woran sie bei ihm war und wie er sie sah, als Teil seiner Arbeit, nicht mehr und nicht weniger. In gewisser Weise machte das den Umgang mit ihm einfacher, da sie seine Reaktionen besser einschätzen konnte. Zu ihrem Glück hatte er jedoch nichts dagegen, dass sie ihn begleitete. So konnte sie sich in Ruhe die Umgebung bei Nacht ansehen und sich die Wege merken, die er bei seinen Runden ging. Sie hatte in Filmen oft gesehen, dass Sicherheitsleute ihre Strecken zu festen Zeiten abliefen, und sie fragte sich, ob das hier ähnlich war.
      Schweigend folgte Amalthea Leo aus dem Raum und die Wendeltreppe hinunter. Keiner von ihnen fühlte das Bedürfnis zu reden, und es gab auch nichts, was sie hätten besprechen können. Das Einzige, was sie miteinander verband, war Deon, ein Name, der für Amalthea nichts Gutes bedeutete. Sie war durch ihr Blut an ihn gebunden, Leo hingegen durch seine Arbeit. Ihre Wege kreuzten sich nur, weil sie beide Teil desselben Systems waren, doch sie standen auf völlig verschiedenen Seiten. Amalthea sah in ihm jemanden, der zu starr in seiner Pflicht verankert war, um moralisch zu handeln oder Fragen zu stellen.
      Als sie in der Küche ankamen, schüttelte Amalthea leicht den Kopf, als Leo ihr Kaffee anbot. Sie war ohnehin wach, und Koffein würde sie nur länger vom Schlaf fernhalten. Stattdessen ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen, der sie nicht sonderlich fesselte, und beobachtete Leo, der an die Hintertür trat, sie öffnete und eine Zigarette anzündete. Ein leises Seufzen entwich ihr. Es war nicht ihre Art, anderen Vorschriften zu machen, und schon gar nicht jemandem wie ihm. Dennoch konnte sie sich mit dem Geruch und dem Anblick von Rauch nicht anfreunden.
      Sie stützte sich auf die kühle Tischplatte und blickte ins Freie. Bewegung am Rand ihres Sichtfeldes ließ sie den Kopf leicht wenden. Eine Katze schlich sich zu Leo, als wäre sie an seinen nächtlichen Besuch gewöhnt. Da Leo ein paar Worte an das Tier richtete, schloss Amalthea, dass der Kater kein Fremder war. Offenbar gehörte er zur Routine, vielleicht sogar zum Haushalt.
      Als Leo sie fragte, ob sie das Füttern übernehmen wolle, nickte sie nur. Sie hatte ohnehin nichts Besseres zu tun, und Tiere mochte sie schon immer. Schnell fand sie die benötigten Sachen, schüttete das Futter in einen Napf und trat hinaus. Der Boden fühlte sich kühl an, die Luft war frisch. Sie ging in die Hocke und stellte den Napf vor sich ab. Der Kater, zunächst misstrauisch, wich ein Stück zurück, doch als sie den Napf leicht von sich wegschob, kam er vorsichtig näher. Nach kurzem Zögern begann er zu fressen, ruhig und gelassen.
      „Hat er einen Namen? Wie alt ist er?“, fragte sie schließlich, halb aus Langeweile, halb aus echtem Interesse. Ihre Stimme war leiser, fast gedämpft von der nächtlichen Stille. Der Anblick des Tieres hatte etwas Friedliches, fast Tröstliches. Schade, dachte sie, dass er nicht mit ins Anwesen durfte. Ein Tier wie er würde der Atmosphäre dort etwas Wärme verleihen, etwas, das Amalthea hier schmerzlich vermisste. Doch sie wusste, dass Deon so etwas niemals erlauben würde.
      Ein weiteres, leises Seufzen entwich ihr, während sie den Kater weiter beobachtete, der seelenruhig fraß, als gehörte ihm die Welt.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Mit einem Schulterzucken vernahm Leonardo, dass die junge Frau keinen Kaffee wollte. Im Gegensatz zu ihm konnte Amalthea auch jederzeit zu Bett gehen. Seine Schicht war zu Ende, wenn seine Ablösung kam, so lange musste er wach bleiben.
      Die junge Frau war sich nicht zu schade und so holte sie Futter und Fressnapf für den schwarzen Kater hervor. Nero schien noch etwas skeptisch ihr gegenüber zu sein, roch die Frau nicht wie die anderen Menschen, doch als sie ihm den Napf mit dem leckeren Futter zu schob, verflog die Zurückhaltung und der Kater fing an zu fressen.
      "Er heißt Nero, aber ich habe keine Ahnung, wie alt er ist. Eines Abends stand er einfach hier vor der Türe und da man seinen großen Augen nicht widerstehen konnte, wurde er gefüttert." erzählte er Amalthea bereitwillig, während er einen großen Schluck seines Kaffees nahm und danach wieder an seiner Zigarette zog. "Ab da an, stand der Kleine jede Nacht vor der Türe und wickelte jeden um seinen Finger." gab Leo mit einer leichten Belustigung in der Stimme von sich. "Aber verrate es nicht Deon, er mag Tiere nicht so gerne." fügte der Schwarzhaarige rasch an, wobei er kaum glaubte, dass die Tochter es verraten würde, so schlecht wie das Verhältnis zwischen ihnen schien. So genoss Leonardo die leicht kühle Nachtluft und die Ruhe, die mit ihr kam. Doch allzu lange konnte er keine Pause machen, der Kaffee war bald ausgetrunken und die Zigarette aufgeraucht, bis nur noch ein kleiner Stummel übrig blieb, den er in einen Aschenbecher drückte, den man draußen auf der Fensterbank gestellt hatte. Dieser war schon recht voll, ist er nicht der einige Raucher in der Belegschaft. Auch Nero hatte seinen Napf geleert und jetzt näherte er sich weiter neugierig der fremden Frau, schien dabei so zutraulich zu sein, dass man es wagen konnte, sein Köpfchen zu streicheln.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Amaltheas rechte Augenbraue schoss unwillkürlich in die Höhe, als sie den Namen des Katers hörte. Er war nicht besonders einfallsreich, vor allem wenn man die Fellfarbe des Tieres bedachte. Dennoch war sie fast erleichtert, dass der Kater überhaupt einen Namen hatte. Es hätte sie kaum überrascht, wenn man ihm gar keinen gegeben hätte.
      Während Amalthea dem Kater weiterhin beim Fressen zusah, hörte sie Leo aufmerksam zu. Sofort fiel ihr die Veränderung in seinem Tonfall auf, und zwar im positiven Sinne. Sie hatte nicht damit gerechnet, ihn so sprechen zu hören. Bisher war er ihr stets stoisch, beinahe unnahbar erschienen. Diese ungewohnte Wärme in seiner Stimme verlieh ihm plötzlich etwas Menschliches, etwas Greifbares.
      Ihr war jedoch ebenso klar, dass sie ihrem Vater niemals von dem Kater erzählen würde. Es war offensichtlich, wie er reagieren würde, sollte er davon erfahren, und allein der Gedanke daran ließ ihr Unbehagen durch den Körper ziehen. Das wollte sie weder dem Tier noch sich selbst antun.
      So blieb sie still und beobachtete den Kater weiter. Eine ruhige Stille legte sich zwischen ihr und Leo, unterbrochen nur von leisen Geräuschen aus der Nacht. Als der Kater schließlich fertig war, entfernte er sich nicht sofort. Stattdessen schien er neugierig auf Amalthea zu werden. Vorsichtig tappte er näher an sie heran. Ihr Herz setzte einen Moment aus, als sie langsam ihre Hand ausstreckte. Sie tat es so behutsam, als könnte jede falsche Bewegung das fragile Vertrauen zerstören.
      Zu ihrer Erleichterung wich der Kater nicht zurück. Im Gegenteil, er ließ die Berührung zu. Amalthea streichelte ihn sanft und begann schließlich, vorsichtig seinen Kopf zu kraulen. Ein leises Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Für ein paar Sekunden existierte nichts außer diesem ruhigen, unerwartet friedlichen Moment.
      Schließlich öffnete Amalthea den Mund und durchbrach die Stille mit leiser Stimme. „Was denkst du über Mikail?“
      Sie wusste selbst nicht genau, weshalb sie ihm diese Frage stellte. Wahrscheinlich erwartete sie eine ausweichende oder gleichgültige Antwort. Dennoch wollte sie es versuchen. In ihr herrschte Unsicherheit. Zwar hatte sie sich bereits eine eigene Meinung über Mikail gebildet, doch sie schwankte, ob sie ihm wirklich eine Chance geben konnte oder nicht. Der Gedanke, verheiratet zu werden, war ihr ohnehin zuwider. Noch weniger wollte sie einen Mann heiraten, den sie kaum kannte und den ihr Vater für sie ausgesucht hatte.
      Bisher war Mikail ihr gegenüber höflich und nachsichtig gewesen. Doch Amalthea wusste nur zu gut, dass Höflichkeit eine Maske sein konnte. Sie schloss nichts aus. Schließlich war sie Teil dieser Mafiawelt, ob sie es wollte oder nicht. Und alles, was sie darüber wusste, hatte sie aus Filmen und Serien gelernt. Eine rosige Welt war das ganz sicher nicht.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა