☙Guns and Roses ❣ Yumia & Alea❧

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    • Eigentlich wollte Leonardo gleich wieder einen Rundgang machen, doch das Bild, das sich ihm bot, hielt ihn kurz gefangen. Nero hatte sich zu Amalthea getraut und ließ sich jetzt so richtig von ihr verwöhnen, dass der Kater sogar anfing, beruhigend zu schnurren. Die junge Frau wehrte alles ab, das erkannte er direkt an ihrer Körpersprache, nur jetzt schien sie sich zu entspannen, ja, selbst ihre Gesichtszüge wurden weicher, die davor recht ernst und hart auf den Schwarzhaarigen wirkten.
      Amaltheas Frage an ihn, verwunderte Leo einen kurzen Moment. Er ist es nicht gewohnt, dass man nach seiner Meinung fragt. "Er scheint ein tüchtiger, aber freundlicher Mann zu sein. Hier im Haus begegnet er allen mit Respekt. Spricht nicht von oben herab, denn das hatte ich zuerst von dem Blondi erwartet." rutscht Leo seine bewertende Meinung heraus. "Von meinem Vater und Deon weiß ich aber auch, dass er seinen Job stets gründlich, nein, eher penibel und präzise erledigt. Er scheint keine Fehler zu machen. Na ja, ist auch besser so. Fehler können tödlich sein." sprach Leon weiter, ehe er sich dann räusperte. Für seinen Geschmack, hatte er genug gesprochen. Seiner Meinung nach, standen ihm solche Aussagen auch gar nicht zu. Er ist nur ein Werkzeug, der Mann für das Grobe. "Ich gehe jetzt wieder. Du findest allein zurück in dein Zimmer?" fragte er aus Höflichkeit die junge Frau. Wenn es sein musste, würde er sie noch dorthin begleiten, und dann seinen Kontrollgang beginnen. Wenn Amalthea aber meinte, sie fände allein zurück, würde er ihr das fürs Erste glauben und gleich an seine Arbeit gehen. Er hatte nicht zu knapp Zeit verschwendet, mit diesem kleinen Plausch.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Amalthea konnte sich ein amüsiertes Schmunzeln nicht verkneifen, als sie hörte, wie Leonardo ihren Zukünftigen nannte. Diese Wortwahl hatte sie nicht von ihm erwartet. Es überraschte sie auf eine angenehme Weise. Gleichzeitig beruhigte es sie zu wissen, dass Mikail die Angestellten auf dem Anwesen gerecht behandelte. Zumindest schien es so. Ob es jedoch wirklich seiner Natur entsprach oder lediglich eine Fassade war, weil dies nicht sein eigenes Zuhause war, konnte sie nicht mit Sicherheit beurteilen.
      Trotzdem sträubte sich alles in ihr gegen die Entscheidung, die man über ihr Leben hinweg getroffen hatte. Es war ihr Schicksal, das hier verhandelt wurde, und doch hatte sie kein Mitspracherecht gehabt. Bei Leonardos weiteren Worten entwich ihr ein leises Seufzen. Wieder wurde ihr bewusst, in welcher Welt Mikail lebte. Freundlichkeit hin oder her, sein Geschäft bereitete ihr Unbehagen. Wie sollte sie sich jemals wirklich frei fühlen, wenn sie vielleicht nur aus den Fängen ihres Vaters in die eines anderen Mannes geriet? Sicherlich würde es niemanden kaltlassen, wenn der Deal zwischen ihren Familien scheiterte. Und sie war sich sicher, dass Enttäuschung in dieser Welt selten ohne Konsequenzen blieb.
      Als Leonardo sie fragte, ob sie den Weg zurück in ihr Zimmer allein finden würde, nickte sie. So weit war es nicht. Außerdem erschien ihr der Gedanke angenehm, ein paar Minuten für sich zu haben, um die Umgebung bewusster wahrzunehmen. Vielleicht konnte sie sich die Wege einprägen, kleine Details speichern, die ihr später nützlich sein würden. „Viel Spaß“, verabschiedete sie sich und schlug einen anderen Weg ein.
      So ausgiebig, wie sie es sich erhofft hatte, konnte sie das Anwesen jedoch nicht erkunden. Auch wenn nur wenig Zeit vergangen war, spürte sie plötzlich eine tiefe Müdigkeit. Der kleine Spaziergang und die frische Luft hatten ihr gutgetan, doch nun forderte ihr Körper seinen Tribut. Immerhin nahm sie etwas Positives mit. Sie hatte sich den Gang eingeprägt, wusste nun, wie viele Türen sich auf der Etage befanden, wie hoch die Decken waren und was sich darunter befinden musste. Kleine mentale Notizen, die ihr ein Gefühl von Kontrolle gaben.
      Kaum hatte sie ihr Zimmer erreicht und sich auf das Bett gelegt, überrollte sie die Erschöpfung wie eine Welle. Ihre Augenlider wurden schwer, und nur wenige Minuten später war sie eingeschlafen.
      Ein hartnäckiges Klopfen riss sie unsanft aus dem Schlaf. Genervt brummte sie leise und drehte sich auf die andere Seite, doch das Klopfen hörte nicht auf. „Was?“, fauchte sie schließlich gereizt und warf einen Blick zur Tür. Eine Bedienstete trat ein und informierte sie höflich, dass das Frühstück bald serviert werde. „Ich habe keinen Hunger“, erwiderte Amalthea knapp. Doch das schien keine akzeptable Antwort zu sein. Die Frau erklärte ihr mit vorsichtiger Stimme, dass ihr Vater darauf bestehe, dass sie am Frühstück teilnehme, damit sie Zeit mit Mikail verbringen könne. Ist das sein Ernst, dachte Amalthea verärgert. Ihre Laune sank augenblicklich tiefer. Dennoch wusste sie, dass die Bedienstete lediglich ihre Anweisungen ausführte, also schickte sie sie wortlos wieder hinaus.
      Die Müdigkeit lag ihr noch schwer in den Gliedern. Nicht einmal ausschlafen durfte sie. Kaum war sie wieder eingenickt, klopfte es erneut. Diesmal pochte zusätzlich ein dumpfer Schmerz in ihrem Kopf. Für einen Moment verspürte sie den impulsiven Drang, ihr Kissen quer durch den Raum zu werfen. Man forderte sie erneut auf, sich fertig zu machen. Da sie ahnte, welche Konsequenzen es haben könnte, wenn sie sich weiter widersetzte, stand sie schließlich widerwillig auf. Ihre schlechte Laune machte sie nicht einmal ansatzweise zu verbergen. Warum sollte sie auch, wenn man sie ohne triftigen Grund aus dem Schlaf riss und sie zu etwas zwang, wozu sie keine Kraft hatte?
      Sie erinnerte sich daran, dass Deon am Vortag erwähnt hatte, man erwarte heute einen Gast. Wer das wohl sein mochte? Hoffentlich musste sie bei diesem Treffen nicht anwesend sein. Ihre Stimmung war ohnehin auf einem Tiefpunkt.
      Wie schon am Tag zuvor zog sie Kleidung an, die nicht ihrem Geschmack entsprach. Doch sie hatte keine Wahl. Sie war überstürzt hierhergebracht worden und hatte keine Gelegenheit gehabt, eigene Sachen einzupacken.
      Schließlich wurde sie zum Frühstück begleitet. Ihre Mutter war noch nicht erschienen, zumindest war sie ihr nicht begegnet. Auch wenn Mikail ihr bisher stets höflich begegnet war, verspürte Amalthea wenig Lust, ihn in dieser frühen Stunde zu sehen oder gar ein Gespräch mit ihm zu führen.
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    • Leonardo nickte Amalthea zu, als sich diese verabschiedete, und sah ihr nur kurz nach, ehe er seinen Rundgang im Außenbereich antrat. Die restliche Nacht blieb auch ereignislos, bis seine Ablösung kam und der Schwarzhaarige sein Zimmer aufsuchte und dort, ohne sich umzuziehen, ins Bett fiel, um auch gleich tief und fest einzuschlafen. Im Gegensatz zu Amalthea konnte er ausschlafen, so war er beim morgigen Frühstück nicht dabei.

      Mikail gehört zu den frühen Vögeln und so war der Blonde schon gegen sieben Uhr in der Früh auf. Auf Geheiß seines Leibwächters, war er sogar für 30 Minuten im Pool gewesen, um ein paar Runden zu schwimmen. Er war wahrlich keine Sportskanone und er hasste es, zu schwitzen, was es nicht leichter machte, ihn zum Sport zu motivieren. Daher war Schwimmen wohl die einzige sportliche Aktivität, der er ohne zu murren nachging, da man hier nichts vom Schwitzen merkte und sich danach auch gleich duschte.
      Nach seinem auferlegten Training und einer ausgiebigen Dusche, richtete sich Mikail wie immer sehr adrett und gepflegt her. Er legt sehr viel Wert auf sein Äußeres und besucht sogar die Maniküre für seine Nägel. Heute trug er einen hellen Anzug, wobei er die Krawatte wegließ. Wie frisch aus dem Ei gepellt, setzte er sich an seinen Schreibtisch und ging einige Dokumente und Berichte durch. Es wurde in jüngster Vergangenheit ein Verräter in den Reihen von Deons Geschäftsmännern geschnappt, der bis jetzt im Keller des Anwesens schmorte. Heute würde er sich um die Vernehmung kümmern müssen, und dafür musste er noch einen Mann der Tat aussuchen, wobei sein Augenmerk hier auf Leonardo lag. In der Zeit, wie er hier lebte, hatte er den Mann genausten beobachtet. Er ist still, dafür aber zuverlässig und stellt keine Fragen. Er ist wahrlich ein Werkzeug, das in den richtigen Händen, bestimmt Großes vollbringen kann.
      Später würde er ihn aufsuchen und ihn bitten, ihn bei der Befragung zu unterstützen. Doch jetzt wurde es langsam Zeit für das Frühstück und Deon bestand erneut darauf, dass Mikail aber auch Amalthea diesem beiwohnten.
      Er saß schon an dem reich gedeckten Tisch, sowie auch Deon. Nur die Damen des Hauses fehlten noch. "Da bist du ja endlich." blaffte das Mafiaoberhaupt seine Tochter an, als diese in Begleitung den Speisesaal betrat. Mikail zuckte bei ihrem Anblick etwas zusammen. Sah Amalthea schrecklich aus, mit den tiefen, dunklen Augenringen, die sie wohl nicht zu verstecken versuchte. "Da hat wohl jemand nicht schlafen können." dachte er sich, wobei er ist auch jemand, der am Anfang in einem neuen Bett sich mehrere Momente hin und her wälzt, ehe er einschlafen kann. Und in ihrem Fall war es ein fremdes neues Bett, das sie sich nicht ein mla ausgesucht hatte.
      "Guten Morgen." begrüßte er die junge Frau dennoch mit einem Lächeln und erhob sich, um ihren Stuhl zurückzuziehen. Er setzte sich dann wieder und widmete sich seinem Frühstück. Er schenkte Amalthea auch gleich Kaffee in ihre Tasse, versuchte sie aber nicht in ein Gespräch zu verwickeln. Mikail selbst konnte es gar nicht leiden, wenn jemand versuchte, ihm ein Ohr abzukauen, wenn er selbst, viel lieber tot ins Bett fallen würde. Es nahm daher auch an, dass Amalthea in diesem Moment keine Lust hatte auf einen kleinen Plausch.
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    • Amalthea trat in Begleitung in den Speisesaal, ihre Schritte etwas langsamer als sonst. Noch bevor sie sich einen Überblick verschaffen konnte, traf sie die scharfe Stimme ihres Vaters. „Da bist du ja endlich.“
      Für einen kurzen Moment blieb sie stehen. Sie hätte sonst vielleicht sofort reagiert, doch Amalthea war schlicht zu müde, um sich auf eine Auseinandersetzung einzulassen. Statt einer Antwort hob sie nur leicht den Blick und warf ihm einen stinkigen, wenig begeisterten Blick zu, bevor sie sich wortlos abwandte.
      Ihr Blick fiel kurz auf Mikail. Sie bemerkte sein leichtes Zusammenzucken, sagte jedoch nichts. Vielmehr ließ sie es einfach geschehen, als er aufstand und ihr den Stuhl zurechtrückte. Ohne ein Wort nahm sie Platz. Seine Höflichkeit war… unerwartet. Fast irritierend aufmerksam.
      Als er ihr dann auch noch Kaffee einschenkte, ohne dass sie etwas sagen musste, huschte für einen flüchtigen Moment ein kaum merklicher Ausdruck von Verwunderung über ihr Gesicht. Sie kommentierte es nicht, griff lediglich nach der Tasse und nahm einen ersten Schluck. Die Wärme tat gut, auch wenn sie die Müdigkeit nicht vertreiben konnte, die wie ein schwerer Schleier auf ihr lag. Sie hatte keine Energie für Gespräche. Kein Interesse daran, Worte zu wechseln, die ohnehin bedeutungslos wären.Stattdessen verlor sie sich in ihren eigenen Gedanken.
      Da war doch etwas gewesen. Ihr Blick glitt kurz zu Mikail, während sie gedankenverloren mit dem Rand ihrer Tasse spielte. Hatte er heute nicht etwas vor? Irgendetwas Wichtiges… jemand, den er treffen wollte? Sie runzelte leicht die Stirn. Sollte sie nachfragen? Nein.
      Allein der Gedanke an ein Gespräch ließ sie innerlich seufzen. Vielleicht später. Jetzt ganz sicher nicht.
      Sie senkte den Blick wieder und ließ ihre Gedanken weiterziehen. Da sie das Anwesen ohnehin nicht verlassen durfte, blieb ihr nichts anderes übrig, als sich selbst irgendwie zu beschäftigen. Der Gedanke gefiel ihr ganz und gar nicht. Dann fiel ihr der kleine Pool ein, den sie am Vortag gesehen hatte. Vielleicht wäre das eine Möglichkeit.
      Wasser hatte etwas Beruhigendes. Und solange Deon und Mikail beschäftigt waren, würde sich wohl kaum jemand daran stören, wenn sie sich dort aufhielt. Zumindest hoffte sie das. Der Gedanke, in Ruhe ein paar Momente für sich zu haben, ohne beobachtet oder in Gespräche gezwungen zu werden, war verlockend. Auch würde man sie im besten Fall nicht in einem Bikini sehen.
      Während sie mechanisch ein wenig von dem Essen zu sich nahm, begann sie im Stillen, einen kleinen Plan zu schmieden. Vielleicht würde sie sich später dorthin zurückziehen. Einfach verschwinden, ohne viel Aufsehen zu erregen. Ein paar Stunden Ruhe. Mehr verlangte sie gar nicht.
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    • Das Frühstück verlief ruhig, da alle am Tisch schwiegen. Als dann Deon wohl eine Frage oder vielleicht eher eine spitze Bemerkung an Amalthea richten wollte, kam er ihm zuvor. "Deon. Um wie viel Uhr genau, kann ich mit dem Gast rechnen? Ich nehme an, ich soll ihn mit dem Keller bekannt machen. Daher würde ich zuvor noch ein paar Vorbereitungen treffen. Alle wussten auf dem Anwesen, was sich im Keller der Villa befand: ein Folterkeller. Verschieden große Räume. Schalldicht, mit Fliesen verkleidet, die man mit einem Schlauch Wasser gut und schnell reinigen kann. Wer als Gast in den Keller kam, konnte nur hoffen, dass er wieder lebend das Tageslicht erblickte. Er ist reserviert für Verräter und Feinde, aus denen man sämtliche Informationen herauskitzeln wollte, die dem Don nützlich waren.
      Die Frage lenkte Deon von seiner eigenen ab, und wie von Mikail erwartet, ging er direkt darauf ein. "Alfredo hat mir vorher mitgeteilt, dass unser Gast gerade hierher begleitet wird. Das vor … ungefähr einer Stunde. Daher gehe ich davon aus, dass sie sogar schon vor 12 Uhr hier eintreffen werden." erläuterte Deon und aß dabei schmatzend von seinem Speck mit Eiern. "Ah, ich habe nichts anderes erwartet von deinem treuesten Mann." entgegnete der Blonde und nahm dann einen Schluck von seinem Kaffee. Kurz blickte er zur Tasse von Amalthea und schenkte dieser kommentarlos nach, als er sah, dass sie fast leer war, ehe er sich selbst etwas einschenkte. Mikail nahm dann seine Tasse in die Hand und schwenkte diese etwas hin und her, ehe er einen weiteren Schluck von dem dunklen Getränk nahm. Ruhig stellte er dann die Tasse wieder vor sich ab und sah mit wachem Blick zu Deon. "Es wäre wohl am besten, wenn wir uns in dein Büro begeben, damit ich weiß, welche Informationen ich beschaffen soll." schlug er dann dem Don vor. Deon nahm den Vorschlag auf und dachte beim Kauen darüber nach. "Gut." grunzte er einverstanden und warf seiner Tochter einen kühlen Blick zu. "Amalthea scheint ja eh nicht in Plauderlaune zu sein. Wir sollten keine Zeit verlieren." meinte das Oberhaupt des Hauses grimmig und erhob sich dann von seinem Platz. Mit seiner Serviette putzte er sich den Mund ab und warf diese auf den Teller, der nicht ganz aufgegessen worden war. Ohne seine Tochter einen weiteren Blick zu würdigen, verschwand Deon aus dem Speisesaal und verschwand in Richtung seines Büros.
      "Ich komme sofort." ließ Mikali ihn wissen und beendete sein Frühstück nicht so hektisch und abrupt. Im Gegensatz zu Deon, aß Mikail alles auf, was auf seinem Teller lag, und leerte auch seine Tasse. Sorgfältig tupfte er sich den Mund mit der Serviette ab und legte sie dann feinsäuberlich neben seinen Teller. "Verzeih, Amalthea, dass wir dich alleine lassen." richtete er sein Wort an die junge Frau, wobei er sich ein verschwörerisches Zwinkern nicht nehmen konnte. "Vielleicht haben wir später die Gelegenheit, ungezwungen zu reden und Zeit miteinander zu verbringen, wenn du denn willst." sprach der Blonde weiter und erhob sich dann von seinem Stuhl. "Ich hoffe bis später." verabschiedete er sich von ihr und deutete sogar eine kleine Verbeugung an, ehe er dem Don in sein Büro folgte.
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    • Amalthea musste ein theatralisches Seufzen unterdrücken. Der Gast. Immer sprachen sie nur vom Gast, nie fiel ein Name. Als würde sie mit dieser Bezeichnung auch nur ansatzweise etwas anfangen können. Selbst wenn sie den Namen erfahren hätte, hätte er ihr vermutlich nichts gesagt. Sie kannte sich weder mit Deons Geschäften noch mit den Menschen aus, mit denen er verkehrte. Sie hatte nie den Wunsch verspürt, mehr über seine schmutzigen Machenschaften zu erfahren, und dabei sollte es auch bleiben. Je weniger sie wusste, desto besser.
      Lustlos schob sie ihr Frühstück mit der Gabel über den Teller, während die beiden Männer sich weiter unterhielten. Wörter drangen zwar an ihr Ohr, doch sie bemühte sich, ihnen keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken. Ein bissiger Kommentar lag ihr bereits auf der Zunge. Sie hätte Deon ohne Weiteres fragen können, ob seine Gäste inzwischen grundsätzlich mit Handschellen empfangen wurden oder ob das nur ein besonderer Service des Hauses war. Doch sie schluckte die Bemerkung hinunter. Sie wusste nur zu gut, wohin das führen würde. Zu einem weiteren Streit, einer weiteren Standpauke und vermutlich einem weiteren Vortrag darüber, wie sie sich zu benehmen hatte. Darauf konnte sie an diesem Morgen gut verzichten.
      Zu ihrer Erleichterung schien Deon mit seinem Frühstück fertig zu sein. Kaum hatte er sich erhoben, verspürte Amalthea beinahe Genugtuung. Endlich. Sie war bereits davon ausgegangen, dass Mikail ihm sofort folgen würde. Stattdessen blieb dieser seelenruhig sitzen, führte seinen letzten Bissen zum Mund, trank seinen Kaffee aus und legte die Serviette anschließend ordentlich neben seinen Teller, als hätte es keinerlei Eile gegeben.
      Unwillkürlich hob Amalthea den Blick zu ihm. Sie wusste nicht recht, was sie davon halten sollte. Es hätte doch deutlich mehr Sinn ergeben, wenn er Deon unmittelbar folgte. Schließlich schien dieser Mann jederzeit nach ihm verlangen zu können. Umso sonderbarer wirkte es auf sie, dass Mikail sich nicht hetzen ließ.
      Als er sich schließlich bei ihr verabschiedete, sah sie lediglich schweigend zu ihm auf. Weder erwiderte sie sein Zwinkern noch seine Worte. Nicht aus Unhöflichkeit. Vielmehr wusste sie selbst nicht, was sie darauf antworten sollte. Sollte sie sich wirklich darauf freuen, Zeit mit ihm zu verbringen? Deon erwartete offensichtlich genau das von ihr. Andererseits langweilte sie sich auf diesem Anwesen bereits jetzt zu Tode. Vielleicht wäre ein Gespräch zumindest eine willkommene Ablenkung. Oder vielleicht wäre es sogar besser, wenn Mikail endlich ihre wahre Persönlichkeit kennenlernte. Nicht die schweigende Tochter, zu der ihre Mutter sie ständig ermahnte, sondern die Frau, die widersprach, provozierte und ihren Mund nicht hielt, wenn ihr etwas gegen den Strich ging. Wer wollte schon eine aufbrausende, vorlaute und sture Frau an seiner Seite haben, wenn man dabei war, sich sein eigenes Imperium aufzubauen?
      Amalthea schüttelte kaum merklich den Kopf.
      Du denkst eindeutig zu viel für diese Uhrzeit.
      Nachdem schließlich auch Mikail den Speisesaal verlassen hatte, blieb sie noch einige Minuten sitzen und beendete in aller Ruhe ihr Frühstück. Erst danach erhob sie sich und verließ ebenfalls den Raum. Sie verspürte nicht die geringste Lust, den restlichen Vormittag in ihrem Zimmer einzusperren. Fast wie von selbst trugen ihre Schritte sie hinaus in den Garten, den sie am Vortag bereits gemeinsam mit Mikail gesehen hatte.
      Im Morgenlicht wirkte die Anlage beinahe noch beeindruckender. Die Blumen standen in voller Blüte, akkurat geschnittene Hecken säumten die Wege, und irgendwo plätscherte ein Springbrunnen so gleichmäßig, dass es beinahe beruhigend wirkte. Langsam schlenderte Amalthea über den Kiesweg, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft gelang es ihr, für einen kurzen Augenblick tief durchzuatmen. Sie blieb an einem Rosenbeet stehen und ließ ihre Fingerspitzen über eine geöffnete Blüte gleiten.
      „Schön...“, murmelte sie leise. Schön, aber eingesperrt. Fast wie sie selbst. Ein bitteres Schmunzeln legte sich auf ihre Lippen.
      Nach einer längeren Weile führte ihr Spaziergang sie schließlich zum Pool. Das Wasser glitzerte einladend im Sonnenlicht und ließ sie unwillkürlich stehen bleiben. Sie hatte ohnehin nichts Besseres vor. Vielleicht würde das kalte Wasser ihren Kopf wenigstens für eine Weile freibekommen. Sie hielt eine vorbeigehende Bedienstete an. „Entschuldigung.“ Die junge Frau blieb augenblicklich stehen und verbeugte sich leicht.
      „Ja, Miss Amalthea?“
      „Ich würde gern schwimmen gehen.“
      „Selbstverständlich. Ich kümmere mich sofort darum.“
      Während die Bedienstete verschwand, setzte sich Amalthea an den Beckenrand und ließ ihre Beine ins angenehm kühle Wasser gleiten. Kleine Wellen breiteten sich kreisförmig über die glatte Oberfläche aus. Sie wusste genau, dass sie nicht wirklich allein war. Auch wenn sie niemanden direkt sehen konnte, war sie sich sicher, dass irgendwo ein Sicherheitsmann jede ihrer Bewegungen beobachtete. Der Gedanke gefiel ihr überhaupt nicht. Sie fühlte sich wie ein Vogel in einem goldenen Käfig, dessen Tür zwar offenstand, der aber trotzdem nicht fliegen durfte. Viel lieber hatte sie es, wenn Leo offensichtlich bei ihr stand, anstatt zu wissen, dass ein fremder Mann im Schatten stand.
      Kurz darauf kehrte die Bedienstete zurück und reichte ihr einen sorgfältig zusammengelegten Bikini. Argwöhnisch betrachtete Amalthea den Stoff einen Moment, ehe sie ihn entgegennahm. Offenbar hatte man ihre Größe erstaunlich gut eingeschätzt.
      „Danke.“
      Sie verschwand in einer kleinen Umkleidekabine am Rand des Pools. Während sie sich umzog, schweiften ihre Gedanken erneut ab. Schwimmen würde ihre Probleme nicht lösen. Deon würde dadurch nicht verschwinden und auch die drohende Hochzeit nicht. Doch vielleicht konnte sie sich für eine Stunde wenigstens einreden, dass sie einfach eine gewöhnliche junge Frau war, die einen Sommertag am Pool verbrachte.
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