Fui quod es, eris quod sum [kiwi & Zenik]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Man merkte der Ritterin an, dass sie sich von dem einen auf den andern Moment deutlich entspannte. Sie schien sogar seiner Bitte, auf sich Acht zu geben, nachzugeben. Eventuell war das sogar ihr Weckruf, um ihr weis zu machen was eigentlich passierte. Der Samurai war sich sicher, dass sie nun nicht mehr gewillt war, sich im schlimmsten Fall durch pure Erschöpfung in den Tod zu stoßen, nur um ihrem Ziel nachzugehen oder jemandem etwas beweisen zu wollen.

      Plötzlich begann die Dunkelhaarige etwas vor sich hin zu stammeln, erwähnte sogar etwas von einer Wiedergutmachung und dass sie keinerlei Geld bei sich trug, dafür aber Kontakte hätte. Kazuha neigte seinen Kopf zur Seite und sah sie etwas ratlos an. Er persönlich fand nicht, dass er so wirkte, als sei eine Wiedergutmachung nötig.
      Zwar bot sich vor ihm die Gelegenheit, den Goldjungen ausfindig zu machen und mit ihm zu Beidou zurückzukehren, jedoch war dieser Teil im Moment nebensächlich. Bereits mehrfach suchte er nach einer Gelegenheit, die Frau zu unterbrechen, doch diese bot sich ihm lange nicht. Als sie jedoch kurz mich sich selbst haderte, ergriff er die Chance und erwähnte den Jungen, der zuvor mit ihr die Welt bereiste - allerdings erwartete er nicht, dass sie auf einmal von Childe sprechen würde.

      Zuerst dachte er, die Ritterin würde nicht mit der Sprache rausrücken und das Thema wechseln wollen, doch er bemerkte schnell, dass es da einen Zusammenhang gab - nicht zuletzt, weil sie Alora erwähnte.
      Die Piratin war also die ganze Zeit lang bei ihr? Der Weißhaarige war erleichtert, dass Alora wohlauf war, aber aufgrund der Situation, dass sie mal wieder alles im Griff hatte - obwohl sie ohne die Crew tagelang nicht auffindbar war - und dabei nicht einmal die Mission aus dem Auge ließ, musste er sich sein Schmunzeln stark verkneifen. Sie war immer sehr verbissen auf den Erfolg einer Mission, aber wenn er ehrlich zu sich selbst war hätte er eher erwartet, dass sie sich mal wieder mit irgendeinem Mann rumtrieb, den sie bis zu ihrer 'Rettung' bis aufs letzte Hemd ausnahm, um sich solange eine schöne Zeit zu machen.
      Immerhin wirkte all das hier durch den Einfluss der Ritterin und der unüblich langen Suche nach einem verlorenen Crewmitglied beinahe erfolgslos. Außerdem war der Gedanke, dass gerade die Ritterin Childe nicht leiden konnte, ein wenig amüsant. Dabei ist dem Samurai noch nie eine unerträglichere Person über den Weg gelaufen als der Rotschopf. Moment. Sofort wandelte sich seine Stimmung stark als er bemerkte, dass der Zustand der Frau vor ihm allein das Werk des Rothaarigen zu sein schien.
      Plötzlich griff die Dunkelhaarige nach seinem Ärmel - ihre Geste wirkte beinahe verzweifelt. "...kannst du mir versprechen mich mit dem Schiff überall hin zu bringen? Dann sage ich dir was du wissen willst."
      Perfekt. Genau das, was er wollte. Kazuha schenkte ihr ein warmes Lächeln und nahm ihre Hand in seine, um ihr ein Gefühl der Sicherheit zu geben.
      Er wollte gerade ansetzen und ihr sein Versprechen geben, wurde aber von dem Windstoß und dem Aufschlagen der Tür durch den Grünhaarigen Typen unterbrochen, der ihm gleich bedrohlich aufforderte, sich von der Ritterin zu entfernen.
      "Deinesgleichen kann man nicht vertrauen. Wenn du nicht sofort verschwindest dann garantiere ich für nichts, Piratenabschaum!"

      Kazuha war niemand, der sich wegen solchen Aussagen provozieren ließ, gut fand er sie aber trotzdem nicht. Ein leichter Seufzer entwich seiner Kehle und er ließ die Hand der Dunkelhaarigen los. Kurz darauf entfernte er sich von ihr und ging in Richtung Tür. Der Fremde schien gar nicht gut auf ihn zu sprechen zu sein, zumindest verrieten es seine bösartigen Blicke ihm gegenüber; mehr als seine Feindseeligkeit zu ignoriren würde wohl fatal enden. Der Weißhaarige stand nun mit dem Rücken zur Ritterin und dem Fremden im Türrahmen; ohne sich umzudrehen sprach er sanft zu ihr, "ich verspreche es dir. Du wirst mich noch morgen am Hafen finden können."
      Mit diesen Worten verließ er das Krankenzimmer.



      ---



      "Ihr scheint echt beliebt zu sein. Erst die mondstättische Ritterschaft, dann dieser Elite-Kerl, jetzt auch noch der Apotheker... gibt es auch Jemanden in Liyue bei dem ihr nicht bekannt seid?"

      "Wie wäre es, wenn du deine Nase nicht in die Angelegenheiten anderer Leute steckst?", antwortete ihm die Silberhaarige schnippisch und gab dem Rothaarigen einen Schubser auf die Brust, bevor sie näher an das Geländer trat und daran hochkletterte. Auf der oberen Ebene angekommen, drehte sie sich nochmal zu Childe um, "kommst du jetzt endlich mit?".
      Sie wartete einen Moment, bis er nachgezogen war; kurz darauf trat sie näher an eines der Fenster, öffnete dieses und betrat durch dieses die Apotheke. Es fühlte sich beinahe an wie in den alten Zeiten, in denen sie Baizhu mit ihren Besuchen überraschte, falls sie außerplanmäßig in Liyue war.

      Die Piratin winkte ihren Begleiter in das Büro des Apothekers, schloss nach seinem Eintritt das Fenster und zog die Vorhänge etwas zusammen. Sie setzte sich danach an den Tisch, an dem Baizhu gerade Platz nahm. "Lange nicht gesehen, hm?", Alora versuchte, ihre Traurigkeit zu überspielen, doch sie hatte das Gefühl, dass es ihr in dieser Situation nicht ganz gelang. Auch wenn sie es nicht wirklich vor dem Apotheker zugeben mag, hing sie noch etwas an ihm, selbst wenn sie wusste, dass die Trennung das Beste gewesen ist was sie tun konnte, um ihre Freiheit in vollen Zügen genießen zu können. Als Qiqi um die Ecke bog und ihnen Tee einschenkte, konnte die Silberhaarige nicht anders, als die Gelegenheit zu nutzen, um unauffällig die Hand des Apothekers zu streicheln. Sie musste aufpassen, dass ihr rothaariger Begleiter nichts bemerkte, doch ihre Tassen standen so nahe beieinander, dass sie die Chance ergreifen musste; andernfalls hatte sie sicher eine Ausrede parat, sollte er sie darauf ansprechen.
      "Das ist im Übrigen Childe. Mein...", sie machte eine kleine Pause und lehnte sich mit dem Kopf an seine Schulter, "fester Freund."
      Alora war sich sicher, dass Baizhu sich im klaren war, dass sie keine Beziehung mit Childe pflegte. Dafür verhielt sie sich viel zu anders und dem Grünhaarigen war die Masche der Piratin - Leute auszunehmen, seien es wichtige Infos für Beidou oder einfach Geld - schon länger bewusst. Trotzdem hoffte sie, dass er den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen würde, um ihre Tarnung nicht auffliegen zu lassen.
    • Die oberste Priorität war es Aether von den Piraten fernzuhalten. Sie wusste ganz genau, dass er in Kisans Obhut vorerst gut aufgehoben war, aber das schlechte Gewissen, ihn und den Rest seiner Familie in Gefahr zu bringen, plagte sie immens. Sie würde den Samurai wohl kaum auf eine falsche Fährte führen können, denn es war schwer zu verkennen, dass er mehr zu wissen schien, als er erahnen ließ.
      Mit hoher Wahrscheinlichkeit versuchte er durch ihr bloßes Mitgefühl an Aether zu gelangen, wie sollte es auch anders sein?
      Aber, wäre es nicht wesentlich einfacher für ihn gewesen, wenn er sie einfach in der Gasse sich selbst überlassen hätte? Nicht einmal jetzt versuchte er sie gegen ihren Willen zum Reden zu bringen. Wenn er sie schon durch die Gegend tragen musste, warum dann nicht gleich direkt auf das Piratenschiff zu Beidou? All diese Fragen schwirrten ihr durch den Kopf, während sie immer noch seinen Ärmel fest umklammert hielt.

      Sanft umschloss seine Hand nun ihre, während ihr Herz, für einen kurzen Moment, welcher sich für ihr Befinden, wie eine Ewigkeit anfühlte, aussetzte. Er begann zu lächeln, ein aufrichtiges und fürsorgliches Lächeln, welches ihr die Sprache verschlug. Die schlichte Berührung fühlte sich vertraut an. Bilder schossen ihr mit einem Mal durch den Kopf, in welchen sie verletzt und am Ende ihrer Kräfte in einer dunklen Gasse lag, zu geschwächt, um es vorerst aus eigener Kraft wieder auf die Beine zu schaffen. Während sie ihre Augen schloss, hoffte sie noch, dass Niemand sie so vorfinden würde; zu peinlich war der bloße Gedanke daran so aufgefunden werden zu müssen. Doch der Samurai hatte sie gefunden, hatte sie den gesamten Weg zur Bubu Pharmacy getragen. Sie konnte sich an die Wärme, welche er ausstrahlte, erinnern; an den zarten Duft eines späten Herbstnachmittgas, gemischt mit dem Geruch der hohen See, welcher auch jetzt noch an ihm haftete.

      Als die Tür plötzlich aufflog und Xiao unbarmherzig auf ihren Retter einredete, den Blick voller Abneigung und Hass, entschied dieser sich für den sofortigen Rückzug, um einer unnötigen Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Das Bedürfnis etwas zu sagen schwoll in ihr an, mit jedem Schritt den er tat, aber es wollte einfach kein Wort über ihre Lippen kommen.

      "Ich verspreche es dir. Du wirst mich noch Morgen am Hafen finden können."

      Xiao starrte den Samurai entgeistert an. Zorn kam in ihm auf, nicht nur, weil dieser verfluchte Pirat doch tatsächlich versuchte Ostara etwas vorzumachen, sondern auch über die Tatsache, dass sie anscheinend immer noch plante Liyue zu verlassen. Es würde Kisan das Herz brechen, wenn sie, so mir nichts dir nichts verschwinden würde; vor allem, weil in ihrem älteren Bruder nun mittlerweile der Wunsch herangewachsen war, dass sie sich hier, in Liyue, ein neues Leben aufbauen könnte. Nein, das Ganze durfte Xiao auf gar keinen Fall zulassen.


      "Am Hafen, also? Und woher weiß ich, dass die Anderen dich nicht überstimmen werden?"

      Ostara wusste ganz genau, dass sie irgendetwas sagen musste damit Xiao nicht auf dumme Gedanken kam. Seine angespannte Körperhaltung sprach Bände und das Letzte was sie gebrauchen konnte war, dass der Dunkelhaarige plötzlich auf den Samurai losging, um einen sinnlosen Streit zu beginnen.
      Schnellen Schrittes lief sie dem Weißhaarigen nun hinterher, vorbei an Xiao, welcher nun verdutzt inne hielt. Sie warf ihm im Vorbeigehen einen bestimmten Blick zu, einen Blick, der ihm auf einem Schlag zu verstehen gab, dass er sich nicht weiter einmischen solle; ein Schauer lief Xiao über den Rücken, als ihm erneut bewusst wurde wie ähnlich sie ihrem Bruder doch war.

      "Versteh das bitte nicht falsch. Ich möchte dir vertrauen, aber ich weiß, dass man schnell auf sich allein gestellt ist, wenn die Anderen... einem nicht zustimmen. Wenn du nachher wegen mir in Schwierigkeiten deswegen geraten solltest, dann kann ich niemals wiedergutmachen, was ich dir schuldig bi-"

      Eine Tür sprang mit einem Mal auf und unterbrach sie, indem sie sie mitten im Gesicht traf.

      [ "Ach herrje... solltest du nicht eigentlich im Bett liegen und dich ausruhen?" ]

      ---

      "Wie wäre es, wenn du deine Nase nicht in die Angelegenheiten anderer Leute steckst?"

      Childe schnappte bereits nach Luft, um ihr zu antworten, aber bevor er auch nur ansetzen konnte, verpasste ihm die Silberhaarige einen leichten Schubser gegen die Brust, bevor sie kurz danach, schnurstracks, das Geländer über ihnen erklomm. Die überdrüssige Luft in seinen Lungen stieß er nun mit einem tiefen Seufzer aus.

      "Kommst du jetzt endlich mit?"

      Er hatte kaum eine andere Wahl, als ihr zu folgen, auch wenn ihm der Gedanke daran, diesen grünhaarigen Tölpel, der sich unnötig Hoffnungen zu machen schien, nicht sonderlich behagte.

      ...

      "Die Tür zu nehmen lag dir früher schon nie", ein leichtes Schmunzeln zeichnete sich auf den Gesichtszügen des Apothekers ab, während er ihr deutete Platz im Raum zu nehmen.

      "Lange nicht gesehen, hm?"

      "Zu lange. Aber ich hatte gehofft, dass du vorbeischauen würdest. Du weißt doch, unsere Schicksale sind miteinander verwoben, wie die endlos langen Stränge der Zeit, die uns so schmerzlich voneinander trennen."

      Ein lautes Räuspern unterbrach den Moment des Wiedersehens zwischen den beiden. Demonstrativ schritt Childe zwischen den beiden Turtelnden hindurch, um Platz auf einem der Stühle zu nehmen; ein schwer verkennbar breites Lächeln zierte seine Gesichtszüge. "Gibt es diese Sprüche vielleicht kostenlos zu den Pillen dazu, Doktor? Oder überlegen wir uns gerade bloß neue Sprüche für die Vorderseite der neuesten Genesungskarten?"

      Ein seichtes Lachen entsprang Baizhus Kehle, während er mit dem Kopf schüttelte. "Nicht doch, nicht doch. Ich bin kein sonderlich begabter Poet. Aber wenn ich die Zeit finde, dann muss ich zugeben, dass mich bereits das ein oder andere lyrische Schriftstück durchaus in den Bann ziehen konnte. Es wird eben schnell etwas eintönig, wenn nicht gelegentlich Besucher vorbeischauen, die mir etwas über ihre Reisen aus aller Welt berichten können." Hierbei fiel sein Blick bewusst auf Alora, welche nun ebenfalls Platz nahm.

      "Ist das so?" Zu keiner Sekunde verließ den Orangehaarigen sein aufgesetztes Lächeln. Die Atmosphäre im Raum wurde mit jeder Sekunde ein wenig unbehaglicher, während sich die beiden Männer genauestens zu studieren schienen. Ein kleines, lilahaariges Etwas betrat kurz danach den Raum, um ihnen allen eine Tasse Tee vor die Nase zu setzen. Obwohl es dem Orangehaarigen eigentlich nach etwas Stärkerem verlangte, würde er niemals die Gastfreundschaft eines Anderen ausschlagen; immerhin war dies eine reine Sache des Anstands. Dennoch gingen ihm die Bürger Liyues mit ihrem ständigen Bedürfnis nach einer heißen Tasse Tee, zu gefühlt jeder Tagesstunde, langsam aber sicher, auf die Nerven.

      Vermutlich dachte Alora es würde ihm nicht auffallen, aber es entging ihm leider nicht, wie sie die Hand des Apothekers streifte, woraufhin dieser nur mit einem leichten Lachen zur Tasse griff, um einen Schluck zu sich zu nehmen. Damit war wohl klar, dass die beiden sich näher standen, als ihm lieb war. Die Frage war nur, wie nah?

      "Das ist im Übrigen Childe."

      Er hörte nur mit halbem Ohr zu, während er nun, um zumindest beschäftigt zu wirken, ebenfalls die Tasse an seine Lippen führte, um einen Schluck davon zu nehmen.

      "Mein... fester Freund."

      Mit einem lauten Prusten beförderte er den Tee nun augenblicklich quer über den gesamten Tisch. Mit solch einer direkten Aussage hatte er nun absolut gar nicht gerechnet, zumal er sich selbst nicht einmal sicher war, was genau sie eigentlich waren. Woher kam also dieser plötzliche Sinneswandel? Wollte sie ihn in irgendeiner Form testen?

      "Ah... ich lasse wohl besser neuen Tee bringen", mit einer galanten Bewegung setzte der Apotheker nun die Brille ab, um dessen Gläser mit einem Tuch zu putzen. Ein verächtliches Zischen ging von Changsheng aus, welche Alora nun mit ihren roten Augen missbilligend anfunkelte. Sie war noch nie besonders begeistert von der silberhaarigen Halunkin gewesen; dass ausgerechnet Baizhu ihr dermaßen verfallen musste, war eine Tatsache, welche ihr schon seit Beginn missfiel. Nun hatte dieses Flaniermädchen auch noch den Nerv ihre gesammelten Männer wie Trophäen bei ihnen vorzuführen. Während Baizhu sich nun mit einem entschuldigendem Lächeln von seinem Platz erhob, eilte ihm Qiqi bereits voraus und schwang die Tür auf, welche allerdings unerwarteterweise auf Widerstand traf.


      "Ach herrje... solltest du nicht eigentlich im Bett liegen und dich ausruhen?"

      Ostara hielt sich die Nase, während sie auf Baizhus Frage hin nur kurz mit dem Kopf schüttelte. Qiqi rannte sogleich ein paar Mal irritiert von rechts nach links, vermutlich weil sie sich nicht ganz sicher war, was sie nun zuerst besorgen sollte, neue Tassen, Taschentücher oder vielleicht doch lieber etwas zum kühlen? Baizhu war derweil drauf und dran einen genaueren Blick auf das Ganze zu werfen, bevor Kazuha ihm auch schon zuvor kam.

      Als der Samurai plötzlich vor ihr stand war sich die Ritterin erst nicht sicher, was er vorhatte. Wäre jetzt nicht eigentlich sogar der perfekte Augenblick gewesen, um sich aus dem Staub zu machen? Stattdessen hatte er wieder diesen herzzerreißenden besorgten Blick in seinen Augen, als er sachte ihre Hand beiseite schob. Ostara benötigte einen kurzen Moment um zu realisieren, dass er sich anscheinend vergewissern wollte, ob sie sich eventuell ernsthaft verletzt hatte. Irgendwie machte ihr der Schlag ins Gesicht weniger zu schaffen, als die Tatsache, dass sie sich beide schon wieder so Nahe standen. Sie schüttelte unbewusst heftiger mit dem Kopf, um ihn damit zu verstehen zu geben, dass es ihr an nichts fehlte.

      "Was denn, spionierst du uns jetzt etwa doch nach, Mister 'Ich hab noch was zu erledigen, deswegen gehen wir getrennte Wege'?", der abfällige Unterton in Childes Stimme triefte nur so vor Selbstgefälligkeit, als er nun ebenfalls aus dem Raum trat. Er konnte sich einfach nicht entgehen lassen den Mistkerl aus frischer Tat zu ertappen, da er Alora und ihm ganz klar gefolgt sein musste. Es konnte für Kazuha absolut keinen triftigen Grund geben sich am exakt selben Ort wie sie beide aufzuhalten; aber auf die stotternde Ausrede des redseligen Samurais war er nun mehr als gespannt, denn anscheinend hatte er, mit hoher Wahrscheinlichkeit, auch etwas für die Silberhaarige übrig. Sein Blick wanderte weiter zu der Person, welcher Kazuha eigentlich zugewandt war und ein unglaubwürdiges Lachen entsprang seiner Kehle, als er die Ritterin wiedererkannte. "...nicht dein scheiß Ernst."

      ---

      Baizhu schien vermutlich der Einzige im Raum zu sein, der guter Dinge war. Mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Kanne frisch gebrühtem Tee in der Hand, wanderte er mit federleichtem Schritt durch die Gegend und schenkte jedem etwas von der wohltuenden Kräutermischung ein. Da sie mittlerweile zu solch einer großen Truppe geworden waren, mussten sie sich etwas im Raum verteilen, weshalb Childe und Alora vorerst wieder ihre Plätze am Tisch eingenommen hatten.

      Xiao hatte sich strikt dagegen entschieden sich zu setzen, vermutlich war er nicht gerade erpicht darauf länger als notwendig an diesem Ort zu bleiben. Mit verschränkten Armen lehnte er nun an der Wand; sein eisiger Blick direkt auf Alora gerichtet. Er hatte nicht vergessen, was sie getan hatte und über den Weg traute er ihr sowieso auch nicht mehr.

      Ostara saß derweil auf einer länglichen Couch, welche sich auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes befand, mit einem Eisbeutel in der Hand, welchen sie gegen ihre Nase hielt. Der Schmerz hatte bereits nachgelassen und hatte nicht einmal ansatzweise seine Spuren hinterlassen, aber Qiqi hatte so sehr darauf bestanden, dass die Ritterin vermutlich ein schlechtes Gewissen gegenüber der Kleinen entwickelt hätte, wenn sie den Eisbeutel nicht benutzen würde. Neben ihr auf der Couch hatte sich zu ihrer Überraschung Kazuha niedergelassen.

      "Herzallerliebst wie du dich um die Rittermaid kümmerst. Hätte nicht gedacht, dass das die Sache wäre, die du so unbedingt heute erledigen wolltest", Spott schwankte in seiner Stimme, als er endlich die Stille zwischen ihnen allen durchbrach und dem Samurai dabei einen abwertenden Blick entgegenwarf.

      "Kaum zu glauben, dass es noch Menschen gibt die aus Ehrgefühl und Anstand handeln. Wenn man eben allen Leuten nur etwas vorspielt, kann man das sowieso nicht nachvollziehen." Ostara kannte kein Pardon was den Orangehaarigen betraf; nur ihr finsterer Blick allein verriet, dass sie einen inneren Groll gegen ihn hegte.

      "Und du würdest wesentlich furchteinflößender wirken, wenn du das Teil nicht ständig an der Nase kleben hättest."

      "Wenn ich nicht befürchten müsste, dass du Alora als Schutzschild missbrauchen würdest, dann bliebe uns sowieso jegliche Konversation erspart."

      "...du nimmst den Mund ganz schön voll für Jemanden, der nicht nur unachtsam ist, sondern auch noch auf den ältesten Trick im Buch hereinfällt."

      "...und doch treffen wir uns wieder, welch Überraschung. Bleib nur weiterhin so selbstgefällig und eingeschnappt. Das macht es mir leichter zu verstehen wie du eigentlich funktionierst."
      "Genieß deine 5 Minuten Ruhm
      und pass auf, dass es nicht 6 werden."
    • Alora hörte der Diskussion irgendwann nicht mehr wirklich zu. Ihre Gedanken schweiften ab und sie blickte desinteressiert in die Ferne, bis sie plötzlich Xiaos durchdringenden Blick im Nacken spürte. Es war, als würde er sie mit seinen Augen festnageln und auch wenn sie es sich nicht anmerken ließ, wurde es ihr mit der Zeit doch immer unangenehmer. Was stimmte bloß nicht mit ihm?
      Sie hatte allerdings keinerlei Interesse, eine weitere Diskussion in den Raum zu werfen, nur weil sein Blick ihr nicht passte. Mit der Zeit gelang es ihr, Xiao keinerlei Beachtung mehr zu schenken, da Baizhu ihr jedes Mal, wenn ihre Tasse auch nur halb leer war, sie mit in einer ruhigen, fast meditativen Bewegung wieder auffüllte, ohne dass es großer Worte bedurfte.
      Dadurch nutzte sie die Gelegenheiten, immer wieder kurze, innige Blicke mit ihm auszutauschen, ohne dass der Rothaarige etwas davon mitbekommen konnte. Leider war dies im Moment die einzige Möglichkeit, ihm zumindest ein kleines Stück näher zu kommen.
      Wie sehr wünschte sie sich jetzt, dass damals alles anders gelaufen wäre. Die Trennung von ihm war schon damals kaum zu ertragen gewesen, doch sie wusste, dass sie niemals ihre Freiheit dafür hätte opfern können.
      Trotzdem nagte der Schmerz weiterhin an ihr, und sie versuchte sich immer wieder einzureden, dass es so richtig gewesen war und dass es keine andere Lösung gab.

      Mit einem leisen Seufzen erhob sie sich von ihrem Stuhl. Childe und Ostara waren so in ihre hitzige Diskussion vertieft, dass sie ihren Aufbruch nicht einmal bemerkten. Alora brauchte dringend einen Moment für sich, weg von der stickigen Atmosphäre im Raum. Ohne ein Wort zu verlieren, verließ sie den Raum und passierte Xiao, dessen starrer Blick sie förmlich durchbohrte. Sollte er doch sauer sein, wegen... was auch immer ihn gerade beschäftigte. Sie hatte keine Kraft, sich darum zu kümmern.
      Den Gang hinuntergehend, erreichte die Piratin eine Tür. Sie legte sie ihre Hand auf den kühlen Türgriff und versuchte sie zu öffnen. Doch bevor sie Erfolg haben konnte, spürte sie plötzlich Widerstand. Der Grünhaarige war aufgetaucht und hielt die Tür mit seiner Hand zu. Innerlich zählte Alora stumm bis drei, um ihren aufkeimenden Ärger zu bändigen. Sie drehte sich langsam um und Blickte in Xiaos Augen.
      "Was? Willst du mir jetzt noch auf die Toilette folgen, um mich dort anzustarren?", sie versuchte die Tür wieder zu öffnen, doch er ließ ihr keine Chance und stellte ihr sich endgültig in den Weg. "Hör zu, ich-", weiter ließ er sie nicht kommen. Sein Blick wurde schärfer, als er sie ohne Umschweife darauf ansprach, warum sie ihn zuvor geküsst hatte. Alora war für einen Moment sprachlos. Die Situation wirkte so surreal, dass sie kaum wusste, ob sie lachen oder genervt die Augen verdrehen sollte.
      Normalerweise war sie ganz andere Reaktionen gewohnt, wenn so etwas passierte. Überraschung, Verlegenheit oder manchmal sogar Begeisterung – aber Wut? Nein, das war neu. Niemand hatte sie jemals wegen eines Kusses so herausgefordert, als hätte sie ein Verbrechen begangen. Klar, bei einem Diebstahl konnte sie die Empörung verstehen, aber das hier? Das war doch einfach lächerlich.

      "Ernsthaft?", murmelte sie schließlich leise und konnte ein amüsiertes Schnauben nicht unterdrücken.
      Anstatt ihm eine Antwort zu geben, setzte Alora dazu an, einfach an ihm vorbeizukommen. Doch bevor sie ihre Hand erneut an den Türgriff legen konnte, machte Xiao ihr klar, dass er nicht die Absicht hatte sie passieren zu lassen. Mit einem genervten Seufzen verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah ihn herausfordernd an. "Hör zu", begann sie mit einer Mischung aus Frustration und Ungeduld, "ich habe ungefähr zwölf Tassen Tee intus. Wenn du nicht willst, dass hier gleich ein wirklich unangenehmer Unfall passiert, dann solltest du mich besser gehen lassen."


      ---


      Es war erschöpfend, der endlosen Diskussion zwischen der Ritterin und dem Rotschopf zu folgen. Ihre Worte schossen wie Pfeile hin und her, jeder Satz schien den nächsten noch hitziger zu machen. Mittlerweile saß ihr Samurai einfach da, mit der Hand an die Stirn gepresst, als könnte er die aufkommenden Kopfschmerzen dadurch vertreiben.
      Das ständige Hin und Her zerrte nicht nur an seinen Nerven, sondern fühlte sich auch zunehmend wie eine endlose Schleife an. Wenn er jetzt nicht selbst die Initiative ergriff, war er sich sicher, dass diese Auseinandersetzung noch tagelang, wenn nicht sogar wochenlang andauern würde. Seufzend richtete er sich auf, bereit, dem Chaos ein Ende zu bereiten – oder es zumindest zu versuchen.

      Kazuha stellte sich mit ruhiger Entschlossenheit Ostara in den Weg. Einerseits blockierte er so Childes Blick, andererseits wollte er die Ritterin aus ihrem hitzigen Redefluss reißen, bevor sie sich selbst vollkommen aufrieb.
      "Es reicht", sagte er mit sanfter, aber bestimmter Stimme, "es wird dir nicht besser gehen, wenn du dich durch all das deiner letzten Kräfte berauben lässt." Sein Tonfall war ruhig, doch dahinter lag eine Sorge, die nicht zu überhören war. Er wusste, dass sie sich eigentlich schonen sollte, doch ebenso hatte er längst gemerkt, dass sie kaum bereit war, auf Ratschläge zu hören. Trotzdem versuchte er es auf seine eigene Art.
      Kazuha beugte sich ein wenig zu ihr hinunter, seine Stimme wurde zu einem leisen Flüstern, das nur für sie bestimmt war: "Ich werde, wie versprochen, morgen am Hafen auf dich warten", er nahm vorsichtig ihre Hand in seine. "Wenn es dir aber nicht möglich ist zu kommen, kann ich dich holen."

      Der Samurai richtete sich wieder auf und warf Ostara einen strengeren Blick zu: "aber du solltest dich wirklich ausruhen. Das wird keine leichte Zeit werden und ich hoffe, dass dir das bewusst ist, auch wenn ich dir helfen werde."
      Während er sprach, begann ein unwohles Gefühl in ihm aufzusteigen. Etwas stimmte nicht. Der Raum, der zuvor von der hitzigen Diskussion erfüllt gewesen war, war plötzlich unnatürlich still. Zu still.
      Er drehte sich langsam um, seine Augen suchten den Raum ab – und dann bemerkte er es. Der Rothaarige war verschwunden. Was auch immer Childe vorhatte, es konnte nichts Gutes bedeuten.
    • Die hitzige Diskussion zwischen den beiden Streithähnen spitzte sich immer mehr zu. Baizhu schien der Einzige in der Runde zu sein, der die Situation mit einer ungetrübten Gelassenheit hinnahm. Mit einem bescheidenen Lächeln drehte sein Kopf sich von Ostara zu Childe, ganz so, als würde man einer spannenden Runde Pingpong beiwohnen.

      "Ritter aus Mondstadt verteidigen ihren Titel, als wäre dieser eine festgeschriebene Klausel, welche für ganz Teyvat gilt. Eure frisierten Normen gelten aber leider nur in eurem Land und, kleiner Newsflash, gerade mit euch Rittern, will wirklich Niemand etwas zu schaffen haben."

      Mit einem Satz stand Ostara auf beiden Beine, den Blick bedrohlich auf Childe gerichtet, welcher sich nun ebenfalls mit einem spielerischen Grinsen vom Stuhl erhob. Bevor das Spektakel jedoch Chance hatte, sich zu entfalten, stand Kazuha plötzlich vor ihr und zwang sie mit seiner bloßen Präsenz innezuhalten. Sein bittender Blick zwang die temperamentvolle Ritterin, ohne Umschweife, in die Knie; langsam ließ sie sich wieder auf die Couch sinken, den Kopf beinahe schon etwas beschämend zu Boden gerichtet. Es fühlte sich nicht direkt wie ein Schelten an, denn die Sorge, welche in Kazuhas Stimme mitschwang war unverkennbar.
      Früher hatte sie Kaeya immer darauf hingewiesen, dass sie dringend lernen müsse, sich besser unter Kontrolle zu haben; denn wie sonst sollte sie jemals in der Lage sein einen Archon hinters Licht zu führen, wenn sie sich bereits von bescheidenen Kameraden der Ritterschaft aus der Fassung bringen ließ. Es war ein Leichtes sie zu reizen, dass war ihr selbst seit Langem bewusst. Kaeya sorgte dafür, dass sie es nicht vergaß, vermutlich in der Hoffnung, dass sie durch die wiederkehrende Ermahnung irgendwann von selbst abstumpfen würde.

      "Es wird dir nicht besser gehen, wenn du dich durch all das deiner letzten Kräfte berauben lässt."

      Sie nickte. Ihre Hände formten sich zu Fäusten. Es war schrecklich was seine Sorge diesbezüglich ihres Wohlergehens mit ihren Gefühlen anstellte.

      "Ich werde, wie versprochen, Morgen am Hafen auf dich warten..."

      Er schien Gefallen daran gefunden zu haben ihr näher zu kommen, wann immer er sie beschwichtigen wollte; zumindest erweckte es langsam aber sicher den Anschein. Mit aller Kraft versuchte sie sich nicht anmerken zulassen, dass der geringe Abstand zwischen ihnen beiden ihr Herz unerwartet zum Pochen brachte. Gott sei Dank, hatte er nicht wirklich die Möglichkeit dahinter zu kommen, bis er sich dazu entschließen musste ihre Hand zu ergreifen. Mit einem Satz zog Sie diese zu sich zurück, ein schierer Reflex, welcher aus der Not heraus entstand etwas Abstand zwischen ihnen beiden zu schaffen.

      "...wenn es dir aber nicht möglich ist zu kommen, kann ich dich holen."

      Seine Worte hallten wie ein unaufhörliches Echo in ihrem Innern wieder. Alles Weitere was er von sich gab konnte sie bereits nicht mehr hören, denn ihre Gedanken kreisten um den einen verheißungsvollen Satz, der wie ein Versprechen klang, sich bald wiederzusehen.
      Irgendwie sonderbar wie sehr sie dieser bloße Gedanke vermochte mit Freude zu erfüllen.
      Die Ritterin erwachte erst wieder aus ihrer Starre als Baizhu nun auch beschloss ihre Hand zu ergreifen. Mit einem genauso charmanten Blick richtete er mit ruhiger Stimme das Wort an sie: "Und wenn du stattdessen bleibst, dann zahle ich dir den doppelten Mindestlohn."

      Er schien nicht ansatzweise denselben Effekt zu erzielen wie sein Weißhaariger Kontrahent, denn die Ritterin beäugte ihn nur mit irritierter Miene. "...ich bin nicht Ritterin des Geldes wegen."

      "Umso besser", der Grünhaarige lachte freudig auf, "Dann wird es Zeit für einen Berufswechsel. Man sollte sich doch viele Türen offenhalten."

      "Um ehrlich zu sein, bin ich ganz froh, wenn ich weiß, dass ich nur durch eine, und nicht durch mehrere Türen, muss..."

      Eine betretene Stille kehrte zwischen den Dreien ein. Merklich blinzelte Baizhu mit den Augen auf; der kreative Ehrgeiz, welchen er zuvor noch ausgestrahlt hatte, verflog binnen Sekunden. Sachte legte er Ostaras Hand wieder auf ihrem Schoß ab, fast so, als hätte er gar nicht erst versucht diese zu ergreifen. "Ich werde dir noch einen Tee aufsetzen, ja?"

      ---

      "Oh wie sich das Blatt doch gewendet hat."

      Childe schoss dem Samurai ein amüsiertes Lachen entgegen, bevor er die Arme verschränkte und sich gemächlich gegen die Wand lehnte. Anscheinend hatte er sich etwas auf dem Flur umgesehen, zuletzt stand er vor einem Regal, welches mit diversen Büchern und Habseligkeiten des Apothekers vollgestopft war. Es war schwierig in diesem Möbelstück auch nur den Ansatz von Ordnung ausfindig zu machen, weshalb es eventuell genau aus diesem Grund Leute gezielt in seinen Bann zog.

      "Erst machst du dich unbemerkt vom Acker und dann klebst du mir förmlich an den Fersen. Ich geb ja zu, dass es ein recht feiner Schachzug von dir war, die Ritterin mit deinem guten Willen zu bezirzen. Wenn ich gewusst hätte, dass sowas bei ihr tatsächlich möglich ist, hätte ich es ebenfalls damit probiert. Aber die Rittermaid hatte einfach von vornherein was gegen mich... da blieb mir eben keine andere Wahl."

      Es kümmerte ihn nicht wirklich, was genau der Weißhaarige von ihm dachte. Immerhin war Kazuha ja nicht der Grund, weshalb er sich in diese Angelegenheit einmischte. Würden die anderen Harbinger erst einmal von seiner dezenten Planänderung Wind bekommen, würde er sich vermutlich auf eine entsprechende Strafe einstellen können; weshalb es ebenfalls in seinem Interesse lag endlich mit dem Schiff abzulegen, um Liyue zu verlassen.

      "Aber du scheinst dir deiner Sache ja ziemlich sicher zu sein. Da kann man ja nur hoffen, dass du dir nicht zu viel aufgebürdet hast. Es ist immerhin schwer zu verkennen, dass die Kleine dir ziemlich verfallen ist, also meinen Glückwunsch. Mach was Gutes draus."

      ---

      Seine flache Hand klatschte gegen das hölzerne Material der Tür und verwehrte der Silberhaarigen somit jegliche Möglichkeit seinem Blickfeld gänzlich zu entweichen. Ob es die feine Art und Weise war einer Frau bis zu den Toiletten zu folgen, ganz sicher nicht, aber bei dieser Art von Frau konnte man genauso gut davon ausgehen, dass sie das Fenster im Bad unweigerlich zur Flucht nutzen würde, um sich klammheimlich aus dem Staub zu machen. Immerhin hatte er bereits am eigenen Leib erfahren, wie sie ihm in aller Öffentlichkeit einen Kuss aufgedrückt hatte, um dann gleich darauf in der nächstbesten Seitengasse zu verschwinden. Keine Erklärung. Keine Ostara. Er stand in der Menge wie ein ahnungsloser Trottel, überrumpelt und ohne Anhaltspunkte. Ob sie wirklich davon ausging, dass sie jetzt noch vertrauenswürdig in seinen Augen erschien?

      "Was? Willst du mir jetzt noch auf die Toilette folgen, um mich dort anzustarren?"

      Er erwiderte nichts auf ihre Aussage hin, sondern durchbohrte sie nur weiterhin mit seinem eiskalten Blick. Es gab Begriffe für Frauen wie sie, aber in seinem Kopf formte sich bereits, seitdem sie beide sich hier wieder getroffen hatten, nur ein einziges Wort, welches die Piratin für ihn zusammenfasste: hinterlistig.

      "Hör zu-"

      Er schlug erneut gegen die Tür, der Groll gegenüber ihr stand ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben. "Ich bezweifle, dass auch nur ein wahres Wort aus deinem Mund kommt. Das letzte Mal, als ich auf eine Erklärung aus war, hast du die Situation schamlos ausgenutzt, um dich aus dem Staub zu machen. Ich bin fertig mit Reden."

      "Ernsthaft..."

      Sie schien wohl selbst nicht fassen zu können, dass ihre ausgeklügelte Taktik bei ihm auf Widerstand traf. Ihre Gehässigkeit kannte anscheinend keine Grenzen und brachte ihn nur noch mehr zur Weißglut. Trotzdem würde er sich auf das Nötigste beschränken müssen. Ein Streit würde sie beide nicht weiterbringen, zumal die Silberhaarige nun erneut darauf bestand, dass sie dringend ins Bad müsse. Mit einem genervten Seufzer zog er seine Hand nun wieder zu sich zurück, um somit den Weg freizumachen.

      "Halte dich zukünftig einfach von uns fern."

      Damit schien sie wohl nicht gerechnet zu haben, denn gerade als sie die Tür aufriss, drehte sie sich ein letztes Mal zu ihm herum. Fast wie erwartet fiel ihm noch eine Sache ein, die er ihr mit auf den Weg geben wollte, denn immerhin hatte er nicht vor ihr Schaden zuzufügen, zumindest nicht, wenn sie ihm keinen Anlass dazu gab.

      "Pfeif gefälligst auch den Samurai zurück. Er schleimt sich bei Ostara ein, um ihr Vertrauen auszunutzen... ist fast so als wäre er du."

      Mit diesen letzten Worten, kehrte er ihr den Rücken und machte sich daran zurück zu Ostara zu kommen. Er kannte keine Gnade wenn es um seine Familie ging und Alora hatte sich mit den jüngsten Ereignissen leider als eine Bedrohung entpuppt, welche er zukünftig meiden würde.

      ...

      "Ist euch beiden eigentlich bewusst wie weit wir bereits mit unserem Zeitplan hinterherhängen? Unser 'erlesener Lord
      Kamisato' versteht in derlei Angelegenheiten absolut keinen Spaß, da sind wir uns doch einig, oder?" Ungeduldig klopften ihre Fingernägel auf das morsche Holz ihres Tisches. Mittlerweile war ihnen wohl allen bewusst, dass sie sich eine wirklich gute Ausrede für die unerwartet lange Verzögerung der Lieferung einfallen lassen mussten und, ob sie damit schlussendlich durchkommen würden war nochmal eine völlig andere Geschichte. Beidou war wütend, keine Frage. Sie hatte sich darauf verlassen, dass ihre beiden Spitzenkandidaten den Jungen schnellstmöglich einfangen und an Bord schleifen würden; ob tot oder lebendig war ihr mittlerweile gleich.

      "Dieser verfluchte Bengel bringt wirklich nichts als Ärger mit sich."

      Ihre Faust sauste unbarmherzig auf den Tisch und mit einem unschönen Krachen splitterten sogleich ein paar Holstücke ab und fielen zu Boden. Kazuha und Alora starrten wie gebannt auf die Stelle, wo Beidous Faust nun offiziell ihre Spuren hinterlassen hatte.
      "...ich mochte den Tisch noch nie. Nicht mein Farbton. Wird wohl Zeit für einen Neuen. Hätte ich gewusst, dass wir solange in Liyue bleiben hätte ich mir gleich einen Neuen besorgt." Ein gehässiger Lacher entsprang ihrer Kehle. Sie wurde langsam ungeduldig und das war nie ein gutes Zeichen.
      "Wann sagtest du noch gleich tauchen die beiden hier auf? Dir ist doch wohl hoffentlich klar, dass ich die Blechbüchse nicht mitnehmen werde. Sie stellt ein zu großes Risiko dar. Sobald wir mit ihr in Inazuma anlegen geht das Ganze nur wieder von Vorne los. Nicht mit mir, sie wird hier in Liyue bleiben."

      Sie konnte es nicht leiden wenn man ihr widersprach. Vor allem Kazuha besaß eine ziemlich irreführende, wenn nicht sogar recht raffinierte Taktik, welche er gekonnt mit seiner blumigen Aussprache ausschmückte, um Jemanden letzten Endes doch noch vom Gegenteil zu überzeugen. "Der Zug ist abgefahren, Kazuha. Versuch es gar nicht erst. Und was ist eigentlich mit dir?", etwas vorwurfsvoll wandte sie sich an die Silberhaarige, welche sich bis jetzt kein einziges Mal zur Situation geäußert hatte, "Du hast doch sonst immer was zu sagen. Sag mir jetzt nicht, dass du ihm beipflichtest."

      Genervt schnalzte die Kapitänin mit der Zunge. Früher hatten die beiden sich nicht so häufig gegen sie verschworen, zumindest war das ihre Auffassung. "Wisst ihr was, fein. Ihr beide kennt unseren Kodex, also macht ihn euch zunutze. Jemand muss für die Ritterin bürgen, mit allem was dazugehört, dann kann sie als Passagierin an Bord mitreisen. Sie gibt ihre Vision ab und beim kleinsten Fehlverhalten wird der Bürge bestraft, nicht sie. Oh, und bevor ich es vergesse", erneut traf ihr Blick auf Alora, "Wenn dein Orangehaariger Himbo mit soll, dann bist du schon mal raus. Du kannst nicht auf mehrere Leute gleichzeitig aufpassen."

      Bevor Kazuha jedoch zu Wort kam sprang die Tür zur Kapitänskajüte auf und einer ihrer Kameraden berichtete, völlig außer Atem, dass die Ritterin mit dem Jungen an Deck eingetroffen sei. Erleichterung machte sich unter den Dreien breit, da die elendige Suche nun endlich ein Ende hatte. "A-Aber... das ist noch nicht alles, Captain. Doran ist auch bei ihnen..."

      ...

      "Bleib hinter mir", ihre Stimme nahm einen nahezu ermahnenden Tonfall an, während ihre Augen beunruhigt über das Deck schweiften. Nach allem, wieder hier zu sein, fühlte sich etwas erniedrigend an, beinahe so, als wäre das Ganze, trotz jeglicher Bemühungen, unausweichlich für sie gewesen. Aether schien auch nicht gänzlich begeistert, zumindest konnte sie spüren, wie er auf ihre Aufforderung hin, nach ihrem Ärmel griff. Mit den ganzen Piraten um sie herum, kam man sich schnell wie eine Hauptattraktion in einem Zirkus vor.

      Doran schien sich im Gegensatz zu ihnen beiden wesentlich mehr zu freuen. Die Meisten hier kannte er von früher und es blieb nicht aus, dass er dem Ein oder Anderen kurz die Hand schüttelte, der guten alten Zeiten willen. Trotzdem hatte er sich damals dafür entschieden das Schiff zu verlassen, um sich ein Leben mit Kisan in Liyue aufzubauen und die Regeln für den Austritt der Piratenbande beinhalteten, dass man nie wieder zurückkehren durfte.


      "Doran, was soll das werden wenn es fertig ist? Du kennst doch die Regeln. Was zur Hölle hast du hier zu suchen?", mit verschränkten Armen betrat Beidou das Deck, rechts von ihr stand Alora und links Kazuha.

      "Ah, Alora. Schön, dass du auch hier bist. Du wirst einem alten Freund doch sicher dabei helfen den Captain davon zu überzeugen ihm einen klitzekleinen Gefallen zu tun, oder?", lachend faltete Doran die Hände zusammen und blickte erwartungsvoll in Aloras Richtung.

      "Ich bin verwirrt", irritiert zog Beidou die Stirn kraus und blickte von Kazuha zu Alora, "Wer von euch beiden ist jetzt verantwortlich dafür, dass Doran hier ist? Hieß es nicht, die Ritterin kommt allein?"

      Die Aufregung an Deck nahm immer mehr zu, zum einen fragte man sich, was genau nun mit Doran geschehen würde, da er mit seiner bloßen Anwesenheit an Bord eindeutig gegen den Piraten-Kodex verstieß und zum anderen war man gespannt, was wohl die Ritterin für eine Bestrafung ereilen würde, da sie mit ihrer Aktion die ganzen Pläne über den Haufen geworfen hatte.

      Ostaras Anspannung stieg von Minute zu Minute. Was wäre wenn der Plan letzten Endes doch nach hinten losging. Dann hätte sie nicht nur Aether, sondern auch noch Doran unnötig in Schwierigkeiten gebracht. Sie wusste nicht, ob Alora ein gutes Wort für sie einlegen würde und sie wagte es nicht einmal zu hoffen, dass Kazuha sich an sein Versprechen halten und ihnen zur Hilfe eilen würde. War es ein Fehler gewesen hierher zu kommen?

      "Ich bitte dich Beidou. Ich war der Crux wirklich lange treu... und jetzt würde ich dich um meinetwillen bitten, dass du meine Schwägerin mitnimmst. Als eine feste Passagierin an Bord dieses Schiffes. Im meinen Namen möchte ich für sie bürgen."

      "Schwägerin, also? So, so...", sie lachte kurz, dann entsprang ihrer Kehle ein rauer Seufzer, "Ich muss dich enttäuschen Doran, aber um für Jemanden auf der Crux bürgen zu können, musst du auch Teil der Crux sein, anders funktioniert es nicht." Ihr scharfer Blick traf nun auf Ostara, welche wie ein Schild zwischen ihr und Aether stand. Zorn überkam sie von Neuem beim bloßen Gedanken daran, dass sie erneut ihre wertvolle Zeit damit verplemperten sich nicht einig werden zu können. "Aber vielleicht, würde sich hier in der Menge ja Jemand bereit erklären für sie zu bürgen. Ich meine, wer hätte denn nicht gerne eine Ritterin aus Mondstadt als Haustier? Wenn sie es richtig anstellt, findet sie hier genug Freiwillige."

      Beidou wusste genau welchen Ton sie anschlagen musste, um ihre Kameraden in Schwung zu bringen. Ein schallerndes Gegröle ging durch die Reihen; zwar waren Einige noch mit Doran vertraut und erwiderten aus Anstand vorerst nichts, aber der Rest hielt sich nicht zurück. Ob es wirklich notwendig gewesen war die Ritterin derart bloßzustellen? Gewiss nicht. Aber sie konnte nun mal schlecht zulassen, dass einer ihrer besten Leute sich für solch eine Banalität aufopferte. Die Ritterin hatte einen schwierigen Charakter und Anpassung war nicht gerade ihre Stärke, was anders gesagt bedeutete, dass sie sich selbst dann nicht eingliedern könnte, wenn sie sich bewusst Mühe geben würde.
      Der bloße Gedanke, dass Kazuha demnach jedes Mal die Schuld für ihre ungestüme Art auf sich nehmen müsste und sie niemals gänzlich unter Kontrolle hätte, versetzte der Kapitänin einen unangenehmen Stich. Der Unterschied zwischen ihm und Alora war, dass Alora ihre Mitbringsel so gut wie immer zu kontrollieren wusste und wer mal nicht spurte wurde eben irgendwo im Nirgendwo ausgesetzt. Kazuha war zwar auch Jemand, der durchaus in der Lage war, Jemanden erfolgreich um den Finger zu wickeln, aber Ostara war gefühlt von einem anderen Stern. Selbst wenn man sie auf einer einsamen Insel mit nur einer Kugel im Revolver aussetzen würde, würde sie dennoch ihren Weg zurückfinden und zwar mit zwei vollgeladenen Revolvern; wo auch immer sie diese unterwegs aufgreifen würde.

      Gerade als sie ihr kleines Gedankenspiel fertig gedacht hatte, bemerkte sie, dass Kazuha nicht mehr neben ihr stand. "Verdammter Mistkerl." Selbstverständlich, war er nicht von dem Gedanken abzubringen, dass er sich, warum auch immer, verantwortlich für die Ritterin fühlte, welche ihn verdutzt anblickte, als er mit seinen Anemo Kräften nun dazwischen ging, bevor sich irgendeiner der Piraten zu nah an Ostara heranwagen konnte.

      "Kannst du das fassen? Da mache ich solch eine Ansage und dann rennt der Kerl trotzdem-", abrupt stoppte sie, als sie bemerkte, dass Alora ebenfalls nicht mehr neben ihr stand. "Oh gut. Rede ich einfach mit mir selbst. Undankbare Bratzen."

      ...

      "Ziemlich viel Chaos an Deck, das riecht doch geradezu nach unserer Rittermaid", gemächlich lag Childe in einer Liege und genoss die einfallenden Sonnenstrahlen. Die Augen hielt er geschlossen, während er anfing ein gängiges Seemannslied zu summen, um den Krach von weiter Vorne zu übertönen, der ihn bei seinem Nickerchen störte. Dass Kazuha sich nun um die Ritterin kümmerte, kam ihnen allen tatsächlich recht gelegen, denn es bedeutete vor allem eins, weniger Arbeit. "Und? Warum bist du nicht dabei? Versteht ihr beiden euch nicht mehr so gut? Als ich euch getroffen hatte, war sie ziemlich erpicht darauf, dass du dich nicht auf mich einlässt."
      "Genieß deine 5 Minuten Ruhm
      und pass auf, dass es nicht 6 werden."