[2er RPG] In his Thrall [Codren feat. Pumi]

    • Vincents Blick wurde verschwörerisch.
      "Du vergisst, dass ich tatsächlich dem Adel entspringe, Herr Doktor. Ich habe gesehen, was hinter diesen pompösen Türen so los ist. Da ist nichts anständig, sittsam, oder gar keusch. Wenn du einen richtigen Prinzen haben haben willst..."
      Er lehnte seine Stirn gegen die von Thomas und grinste geradezu teuflisch, während er ihm tief in die Augen sah, als wolle er jede noch so obszöne Fantasie direkt aus dem Gehirn des Mannes ziehen.
      "Und du weißt ganz genau, dass meine Seele dem Teufel selbst gehört. Näher komme ich an deinen christlichen Gott nicht heran."
      Vincent grinste und zum vielleicht ersten Mal in seinem Leben provozierte er seinen eigenen Körper zu, seine Fangzähne wachsen zu lassen. Nur die Zähne, alle anderen Teile des Monsters hielt er weiterhin und mit voller Absicht zurück.
      Noch immer grinsend lehnte sich Vincent wieder ein Stück zurück.
      "Aber wenn du bis zur Hochzeit warten willst, lässt sich das bestimmt einrichten. Das dürfte allerdings noch eine Weile dauern, da weder du, noch ich verlobt sind."
      Ganz unschuldig zuckte Vincent mit den Schultern, was eindeutig im Kontrast zu den Anzeichen des Monsters in ihm stand.


    • Thomas' Grinsen wurde steinern angesichts des tief eindringlichen Blickes, mit dem Vincent ihn traktierte. Es wirkte geradezu so, als blickten seine Augen direkt auf die unsittlichen Gedanken, die sich in seinem Kopf zu formen begonnen hatten, kaum als dieser Mann seine Hüfte über ihn geschwungen hatte. Und die wollte Thomas ihm ganz sicher nicht präsentieren, also versuchte er sowohl seine Gedanken, als auch sein Mienenspiel in den Griff zu bekommen.
      "... Ich denke, mit einem Halbprinzen würde ich mich auch zufrieden geben..."
      Dann wurde er unvermittelt aus nächster Nähe Zeuge des Wachstums der vampirischen Zähne in Vincents Mund. Sie schoben sich langsam - wenn auch in tausendfacher Geschwindigkeit zu einem normalen Wachstum - zwischen seinen anderen Zähnen hervor und schließlich zwischen seinen Lippen heraus. Thomas starrte, ziemlich dümmlich für seinen Geschmack, der Jäger schlug Alarm und der ärztliche Instinkt in ihm wollte Vincents Gebiss erkunden. Was aus diesem dreigeteilten Interesse hervorkam, war ein ziemlicher Totalausfall für sein Gehirn. Er starrte, dann lehnte er sich selbst nach vorne und Vincent nach, ergriff sein Kinn mit Daumen und Zeigefinger - und hauchte ihm den zaghaftesten, schüchternsten Kuss auf die Lippen, der kaum mehr hinterließ, als eine hauchdünne Berührung.
      "Noch nicht verlobt."
      Der Jäger gewann daraufhin die Überhand und Thomas fügte sich ihm, bevor die Zähne so nahe ihn noch in den Wahnsinn treiben würden.
      "Runter jetzt mit dir, ich muss meine Waffen reisefertig machen. Den Rest muss ich auch noch von Zuhause abholen."
      Er umfasste wieder Vincents Hüfte und schob ihn von seinem Schoß runter, bevor er fluchtartig aufsprang.
      "Und du wirst artig sein - keine Zähne blecken. Sonst werde ich sie dir abstumpfen wie die Krallen einer Katze."
      Dann flüchtete er sich nach oben in das Gästezimmer, das er bezogen hatte, bevor der Vampir noch seine Rache über ihn bringen würde.
    • Vincent blickte Thomas hinterher, noch immer ein kleines Lächeln im Gesicht, während er spürte, wie sich seine Fangzähne wieder zurückzogen. Er fuhr sich mit dem Mittelfinger hauchzart über die Unterlippe, spürte dort noch immer Thomas. Er hatte ihn geküsst, obwohl das gegen all seine Instinkte hatte sein müssen. Seine Flucht war nur verständlich, weswegen Vincent ihm jetzt nicht hinterher rannte, sondern Thomas den Raum ließ, den er offensichtlich brauchte.
      Nach einem Moment streckte er sich, dann stand er auf und schnappte sich den kleinen Stapel misshandelter Bücher und brachte sie nach oben in sein Arbeitszimmer. Er würde daran denken müssen, sein Reparaturkit bei Thomas abzuholen, bevor sie fuhren. Zwar hatte er auf seinem Anwesen eine ganze Werkstatt dafür eingerichtet, aber wenn das Kit einmal liegen ließ, würde er es komplett vergessen - so weit kannte er sich selbst.
      Eine halbe Stunde später informierte ihn Nora darüber, dass das Abendessen fertig war. Sie klopfte auch bei Thomas.
      "Wie schnell wollen wir los?" fragte Nora, während sie gemeinsam mit Vincent nach unten zurückkehrte.
      "Zügig, aber nicht gehetzt," antwortete Vincent. "Ich will hier keine losen Enden zurücklassen, wenn wir gehen."
      Er ergriff Noras Hand und zwang sie dazu, sich ihm zuzuwenden, kaum hatten sie das Ende der Treppe erreicht.
      "Das heißt auch, dass du einen wunderschönen Abend mit deiner Liebsten verbringen wirst. Auf meine Kosten. Sucht euch ein absurd teures Restaurant und spielt euch als Herzoginnen auf. Habt Spaß, seid romantisch."
      Nora hob skeptische eine Augenbraue.
      "Du weißt, was ich meine," seufzte Vincent. "Du hast dir so oder so einen freien Abend verdient. Ich werde die nächsten Tage so oder so mit packen beschäftigt sein - da kann ich mich ja wohl kaum in Gefahr bringen. Morgen Nacht will ich dich nicht im Haus sehen, verstanden?"
      Angesichts dieser Anordnung seufzte nun Nora, dann nickte sie.
      "Aber nur, weil du's bist."
      "Falsche Antwort, Frau! 'Weil sie es ist' wäre die richtige gewesen."
      Daraufhin wurde Nora ein kleines Bisschen rot, was Vincent zum Lächeln brachte. Er drückte ihr ungefragt einen Kuss auf die Stirn, dann schlenderte er mit ihr ins Esszimmer, wo sie - wie immer - ordentlich aufgetischt hatte.


    • Thomas machte seine Waffen reisefertig - was so viel bedeutete, als dass er sie in einer Menge Kleider und Tücher und Taschen vergrub, wo sie niemals gefunden werden sollten. Seine Lippen kribbelten noch immer und er wollte nicht darüber nachdenken, wie nahe er Zähnen gewesen war, die spitz genug waren, um ohne zusätzliche Krafteinwirkung seine Haut zu durchbohren. Er liebte Vincent ja, aber er musste auch auf sein eigene mentale Gesundheit acht geben.
      Nora kam ihn später zum Abendessen abholen, wo Vincent sie auch gleich zwangs-verabredete. Thomas runzelte die Stirn, als er das erfuhr, aber auch nur, weil er sich sicher war, dass Nora nicht freiwillig den ganzen Abend das Haus verließ.
      "Soll das heißen, wir sind morgen abend alleine?"
      Er studierte Vincents Miene auf der Suche nach einer versteckten Antwort und richtete dann einen anklagenden Finger auf ihn.
      "Kommen Sie bloß nicht auf dumme Gedanken, Lord!"
      Danach lächelte er selbst und konzentrierte sich sehr auf sein Abendessen, um seinen stark durchbluteten Kopf zu verbergen.
      Ophelia kam am nächsten Abend Nora nicht persönlich abholen, zu groß war der Respekt - oder vielleicht auch die Angst - vor Vlad und seiner Aufforderung, sich von Vincent fernzuhalten. Dafür betonte sie, in ihren unendlich langen Liebesbriefen, dass sie sie um Punkt Sonnenuntergang beim Theater erwarten würde und keine Sekunde früher. Sie würde sie die Nacht über ausführen, so lange, bis Nora entweder keine Lust mehr hatte, oder zu müde war. Und dann würde sie sie sicher bis an die Einfahrt bringen, wobei sie auch betonte, dass es ebenso in ihrer kleinen Kammer über dem Theater sicher war und dass Nora jederzeit ihre Nacht dort verbringen dürfte. Ophelia würde eigenhändig dafür sorgen, dass es ihr dort gut ging.
    • Vincent musste gar nichts sagen. Nicht ein Wort. Er musste nicht einmal grinsen. Er schob sich einfach nur ein Stück Steak in den Mund und ließ Thomas seine Gedanken haben. Die waren wahrscheinlich sowie so viel besser als alles, was Vincent hätte sagen können. Und der Anblick, wie rot Thomas wurde, nur weil er sich die ein oder andere Unsittlichkeit vorstellte, war mehr als nur amüsant.

      Vincent war noch recht groggy, als er Nora aus der Haustür schob. In den letzten zehn Minuten hatte er ihr bestimmt genauso oft gesagt, dass er auch einen Abend allein überleben konnte, dass Thomas schon auf ihn aufpasste, und dass er Simon auch ganz bestimmt schicken würde, sollte doch etwas schiefgehen. Nora hatte darauf bestanden, dass er etwas aß, bevor sie ging, also hatte sich Vincent noch im Halbschlaf ein Glas Blut die Kehle hinunter gezwungen. Er schickte sie mit Simon, nur um sicherzugehen. Vlad mochte vielleicht gerade anderweitig beschäftigt sein, das Nest mochte vielleicht beseitigt sein, doch Menschen waren auch gut darin, Monster zu spielen und eine Frau, selbst wenn es sich dabei um die resolute Nora handelte, sollte sich nicht einfach so des Nachts allein auf den Straßen herumtreiben.
      Vincent lehnte sich von innen gegen die Haustür und gähnte ausgiebig. Er hatte sich vorhin aus dem Bett gezwungen, um Nora noch eine schöne Nacht zu wünschen. Er hatte sich bloß seine seidene Abendrobe übergeworfen und das war es dann auch schon. Er fuhr sich mit einer Hand durch die wilden Haare und überlegte, ob er sich nicht einfach auf das Sofa im Salon legen sollte, um ein bisschen zu schlafen, oder ob er doch den beschwerlichen Weg zurück in sein Schlafzimmer auf sich nehmen sollte. Eine überraschend schwere Entscheidung.
      Schlussendlich wählte er letzteres aus dem einfachen Grund, dass er sowie so dorthin zurück musste, wenn er Thomas den Gefallen von Hosen machen wollte. Also richtete er seine Robe, band sie ordentlich zu und kämpfte sich, noch immer im Halbschlaf, die Treppen wieder hinauf. Als er in seinem Schlafzimmer ankam, betrachtete er kurz seinen Kleiderschrank, entschied sich dann aber dazu, Thomas erst später den Gefallen von Hosen zu machen, und steuerte stattdessen sein Bett an, in dass er sich prompt einfach hineinfallen ließ, das Gesicht versteckt zwischen den Kissen. Sie rochen nach Zimt, nach Thomas, und Vincent brummte wohlig in den Stoff hinein. Fünf Minuten konnte er sich ja wohl noch gönnen, immerhin war die Sonne noch gar nicht ganz untergegangen...


    • Das Knarzen von Vincents Bett im Nebenzimmer erleuchtete Thomas nicht nur darin, dass Nora verschwunden war - und außerdem noch Simon - sondern auch, dass der Hausherr sich zurück ins Bett geschleift hatte. Dabei war die Sonne sowieso schon fast untergegangen und Thomas hätte ihn in ein paar Minuten auch so oder so geweckt.
      Also tat er das einzig logische, ließ sein Gepäck zurück, ging ins Nebenzimmer, schloss die Tür hinter sich und kroch zurück zu Vincent ins Bett. Dass er noch wach war erkannte er darin, dass er vehement versuchte, das Gegenteil zu sein.
      "Vincent..."
      Er legte sich schwer auf ihn, begrub ihn unter seinem Körpergewicht und traktierte seine präsentierte Hälfte seines Gesichtes mit warmen Küssen.
      "Ich weiß, dass du noch nicht schläfst... es ist viel zu spät dafür, es noch zu versuchen. Steh auf und komm mit mir nach unten..."
      Er wanderte zu seinem Ohr und knabberte an seinem Ohrläppchen herum, während er die Arme um Vincents Taille schlang.
    • Vincent machte einen protestierenden Laut.
      "Die Kinder sind alle aus dem Haus," nuschelte er in seine Kissen. "Also lass mich einmal ausschlafen, ja?"
      Er schob die Arme unter seine Kissen und machte es sich unter Thomas' Gewicht - und Küssen - so bequem wie er es konnte. Vincent war fest entschlossen, noch ein kleines Nickerchen zu machen. Natürlich beinhalteten seine Pläne, in Thomas' Armen aufzuwachen und gemeinsam mit dem Mann einfach nur faul im Bett herumzuliegen, unterbrochen von kleinen Phasen, in denen sie weniger faul waren. Nicht auf seiner Liste stand, aufzustehen und die Treppen schon wieder zu überwinden. Und das mit den Hosen hatte er praktisch auch schon wieder gestrichen. Die brauchte er ja auch gar nicht, wenn er einfach hier liegen blieb und sich von dem wundervollen Duft nach Zimt einlullen ließ, während ein äußerst attraktiver Mann einfach so auf ihm drauf lag.


    • Thomas brachte seine Ablehnung mit einem Brummen zum Ausdruck, während er weiterhin Vincents Ohr attackierte und seine Wange liebkoste. Mit einer Hand suchte er sich seinen Weg unter Vincents Abendmantel, schob den Stoff beiseite und streichelte ihm die Seite an seiner Hüfte entlang.
      "Du hast eine Ewigkeit um auszuschlafen. Heute Abend wirst du das nicht tun."
      Er positionierte sich etwas um, schob ein Bein zwischen Vincents und zog eine Spur aus Küssen von seiner Wange abwärts. Er erreichte seinen Kieferknochen, streifte mit seinen Zähnen daran entlang und zog mit den Lippen weiter zu seinem Hals hinab. Sehr wohl darum bewusst, wie empfindlich Vincent dort war, schob er sich absichtlich weiter nach vorne, drückte seinen Kopf in die Kissen hinein und erreichte seine Kehle, seinen Adamsapfel. Ganz vorsichtig küsste er ihn dort, vorsichtig genug, um ihn nicht zu sehr zu reizen, aber auch nachdrücklich genug, dass er es auch spüren konnte. Die andere Hand schob er in seine Haare und auch, wenn er gerne in die volle Länge gegangen wäre und Vincents Kopf zurückgezogen hätte, streichelte er ihm nur über den Hinterkopf hinweg. Noch.
      "Vincent...."
    • Vincent brummte erneut auf Thomas' Worte hin. Dann seufzte er wohlig, als er die sanften Lippen, die er so liebte, an seinem Hals spürte. Er lächelte.
      "Du machst es gerade nicht sonderlich attraktiv, tatsächlich aufzustehen, weißt du?"
      Ein Teil von ihm wollte sich umdrehen, wollte die Liebkosungen gleichermaßen zurückgeben. Ein anderer Teil - der stärkere für den Moment - fand es vollkommen in Ordnung, einfach genauso liegen zu bleiben und sich weiterhin verwöhnen zu lassen. Allerdings entging ihm der leicht drängende Ton in Thomas Worten nicht.
      "Vielleicht lasse ich mich überzeugen, wenn du mir die großen Pläne, die dein hübsches Köpfchen ausgeheckt hat, verrätst. Ansonsten sehe ich leider keinen Grund, diesen wundervoll weichen Ort voller Wärme zu verlassen."
      Vincent streckte sich ein bisschen unter Thomas - räkelte sich praktisch - und ließ sich dann wieder entspannt in seine Laken sinken, wie eine faule Katze.


    • "Meine großen Pläne", begann Thomas, nachdem er den Anblick genossen hatte, wie sich Vincent unter ihm lang streckte, "beinhalten, dass wir nach unten gehen", er strich Vincents Mantel von seiner Schulter und küsste sein Schulterblatt entlang, "vielleicht einen Wein zum Abendessen genehmigen", er küsste wieder seinen Nacken entlang nach oben, bis er zurück an seinem Ohr war, "und den Abend genießen."
      Er stellte sicher, dass er das letzte Worte geradewegs in Vincents Ohr flüsterte, bevor er sich abrupt aufsetzte und vom Bett runterglitt.
      "Aber wenn du lieber hier bleiben möchtest, mache ich es mir eben selbst unten gemütlich. Vielleicht mit einem hübschen Buch. Ich habe meine Studie dazu, ob Knochenmark wundheilfördernd wirken kann, noch immer nicht abgeschlossen."
      Vincent wusste vermutlich noch gar nicht, dass es für Thomas absolut unmöglich wäre, ihn jetzt einfach alleine zu lassen. Der Mann lag auf seinem Bett, in seiner vollen Länge ausgestreckt, die Haare vom Schlaf noch zerzaust und der Mantel zerknittert und schief über ihm. Thomas wollte jetzt sofort wieder zu ihm zurück ins Bett, aber er wollte auch ausnutzen, dass sie alleine waren. Trotzdem schwankte sein eiserner Wille gefährlich, als er sich mit Mühe abwandte.
      "Ich kann dir ja morgen früh erzählen, ob ich etwas neues herausgefunden habe."
    • Vincent grummelte ein paar unverständliche Worte auf Französisch in die Kissen, um seinem Unmut über Thomas' Willensstärke Luft zu machen. Dann, in der Zeitspanne eines einzelnen Herzschlages, stand er auf und ging zu Thomas, drückte sich von hinten an ihn und legte ihm die Arme locker um die Hüften.
      "Du wahnsinnig kluger Mann mit deinen intelligenten Worten..." grummelte er. "Du hast Glück, dass du so gut aussiehst. Und so gut riechst."
      Seine Robe hatte er natürlich nicht gerichtet und jetzt, wo sie nicht mehr von der bloßen Geschwindigkeit seiner Bewegungen festgehalten wurde, rutschte sie ihm einfach von der Haut und plumpste zu Boden. Das hatte Thomas jetzt eben davon, dass er ihn so aus dem Bett ärgerte. Vincent lehnte seine Stirn zwischen Thomas Schulterblätter und grinste in sich hinein, als er den leichten Hüpfer in Thomas' Puls hörte.


    • Siegreich ging Thomas aus der Unterhaltung hervor, ein Umstand, der ihn grinsen ließ. Wenn Vincent seinen Bluff nur durchschaut hätte, hätte sich das Spiel sehr leicht umgedreht. So legte er ihm aber die Hände auf die Unterarme und lehnte sich zurück in dessen Umarmung.
      "Jetzt weiß ich ja, was dich aus dem Bett bringt. Das werde ich nur zu deinem Nachteil einsetzen."
      Dann begann er den fatalen Fehler, sich in Vincents Umarmung umzudrehen, denn der Mann hatte sich keinerlei Mühe um seinen Abendmantel gemacht, der jetzt zu seinen Füßen lag. Stattdessen präsentierte er sich Thomas in seiner ganzen, himmlischen, sündhaften Form.
      "Um Gottes Willen, Vincent."
      Sein zweiter, schwerwiegender Fehler war der, sich eigenständig nach der Robe zu bücken. Das fiel ihm aber auch erst auf, als er bereits in die Hocke gegangen war und es zu spät war. Mit hochrotem Kopf sprang er wieder auf und warf Vincent seinen Abendmantel über die Schultern. Er hätte es besser wissen müssen, als mit dem Feuer zu spielen.
      "Wir genießen den Abend nur mit geschlossenen Klamotten. Zumindest das Abendessen."
      Soviel dazu, siegreich gewesen zu sein.
      Er nahm Vincent bei der Hand und führte ihn nach unten, darauf bedacht, ihn aus seinem Blickfeld zu halten. Zumindest den Mantel ließ er ihm. Er wusste um seine Vorliebe, halbnackt durchs Haus zu wandern, und nachdem sie jetzt auch allein waren, sah er keinen Grund darin, es ihm jetzt zu verbieten.
      Er führte ihn zum Esstisch, deckte eine Karaffe Blut für ihn auf, schenkte ihnen außerdem jeweils ein Glas Wein ein und ließ sich zu Noras vorbereitetem Abendessen nieder - an Vincents Seite, nachdem sie immerhin keinen Höflichkeitsabstand halten mussten. Zufrieden damit, dass Vincents Robe geschlossen blieb, prostete er ihm zu.
      "Auf eine baldige, erfolgreiche Jagd."
    • Vincent warf einen Blick auf die Karaffe und seufzte. Er wollte protestieren, dass er in dieser Hinsicht schon gegessen hatte, aber welchen Unterschied machte das schon, wenn er doch immer noch hungrig genug war, beim Anblick des Blutes sein Zahnfleisch pochen zu spüren? Er versuchte immer noch, seinen Hunger zu ignorieren, Nacht für Nacht, doch irgendwann musste er sich diesem Problem stellen und es wirklich in den Griff bekommen. Vorzugsweise bevor Vlad wieder bei ihm auftauchte und seine Spielchen spielte. So wie Vincent ihn kannte, würde er ihn dazu verführen wollen, Menschenblut zu trinken - das tat er immer - und Vincent wusste nicht, ob er in seinem jetzigen Zustand lange würde Nein sagen können.
      Dennoch ignorierte Vincent die Karaffe für den Augenblick und griff nach seinem Weinglas, um Thomas zuzuprosten.
      "Auf einen Abend nur für uns," erwiderte er und erlaubte sich ein verschmitztes Lächeln.
      Als er an seinem Wein nippte, hielt er den Augenkontakt mit Thomas, hielt den so viel versprechenden Blick aufrecht, bis er das Glas wieder absetzte. Er überschlug die Beine unter dem Tisch und bediente sich an dem vorbereiteten Essen, während er weiterhin den lockenden und abstoßenden Duft des Tierblutes neben sich ignorierte. Vorerst.


    • Thomas lächelte selbst, aber auch nur, um seinem Gesicht etwas anderes zu tun zu geben als rot zu werden. Er hatte ja nicht einmal Grund dazu, sie würden lediglich einen ungestörten Abend miteinander verbringen.
      Sie aßen auf und tranken von ihrem Wein, ohne dass Vincent etwas von seinem eigentlichen Essen angerührt hätte. Natürlich fiel Thomas das auf, aber er entschied sich dazu, es nicht zu erwähnen. Stattdessen plauderten sie über andere Belanglosigkeiten.
      Nach dem Essen räumten sie gemeinsam den Tisch ab, damit Nora nicht allzu viel zu tun hätte, wenn sie wieder zurückkam, und Thomas nahm Vincent wieder an der Hand, um ihn hinüber in den Salon zu führen. Er bedeutete ihm zu sitzen, bevor er ihre beiden Weingläser und eine aufgefüllte Blutkaraffe brachte und nochmal verschwand, um mit Kerzenständern wiederzukommen. Er baute die Kerzen auf, entzündete sie, bis das Zimmer in einen weichen, dämmrigen Lichtschimmer getaucht war, und setzte sich dann zu Vincent. Jetzt brauchte er sich in keinster Weise mehr zurückzuhalten, er setzte sich gleich zu Vincent, legte seinen Arm um seine Schultern und zog ihn fest an sich. So war er zufrieden. So könnte er definitiv einen Großteil seines Lebens verbringen.
      "Vergiss dein Blut nicht."
      Selbst griff er nach seinem Weinglas.
    • Vincent ließ sich bereitwillig an die starke, warme Brust des Mannes ziehen, den er liebte.
      "Wie könnte ich?" seufzte er.
      Er betrachtete die Karaffe. Der Geruch des Blutes, auch wenn es bloß minderwertiges Tierblut war, war mit jeder Minute verlockender geworden. Und trotzdem sträubte sich etwas in ihm dagegen, sich davon zu ernähren. Sein Kiefer schmerzte. Er war sich ziemlich sicher, dass Tierblut noch nie so ekelhaft geschmeckt hatte, seit Thomas das Silber aus ihm herausgebrannt hatte. Die Narbe zog sich immer noch über seine Flanke, hatte sich seit einer ganzen Weile nicht mehr verändert. Vincent hatte sich schon damit abgefunden, dass sie nicht mehr weggehen würde. Ein Vampir mit einer Narbe... Normalerweise passierte das nicht. Nicht nach dem eigenen Tod jedenfalls.
      Vincent wusste, was sein Körper wollte. Er wusste, wie er die Narbe loswerden konnte. Aber er weigerte sich, diesem Instinkt nachzugehen.
      Er setzte sich auf und schenkte sich - wenn auch widerwillig - ein Glas Blut ein. Er betrachtete es im dumpfen Licht der Kerzen. Das machte es nicht attraktiver. Sein Zahnfleisch pochte. Er wollte es nicht trinken. Er wollte seine Zähne in Fleisch schlagen.
      "Der Hunger lässt dich nicht vergessen," erklärte er und schenkte Thomas ein wenig begeistertes Lächeln.
      Dann hob er das Glas an seine Lippen und nahm einen kleinen Schluck, anstatt das ganze Glas auf einmal hinunter zu kippen. Das Blut verteilte sich wie Balsam auf seiner Zunge, rann seine Kehle hinab wie Honig. Aber es schmeckte nach etwas, was schon lange tot war, zu lange. Vincent verzog das Gesicht, als er anklagend in das Glas starrte.
      "Nicht ganz zweihundert Jahre und ich habe mich immer noch nicht an den Geschmack gewöhnt," kommentierte er, dann warf er den Kopf zurück und leerte das verdammte Glas endlich.
      Er stellte es etwas energischer als nötig wieder weg und lehnte sich zurück gegen Thomas, seinen eigenen Körper verfluchend.


    • Thomas betrachtete Vincent, dem dessen Abneigung gegenüber seinem eigentlichen Mahl deutlich ins Gesicht geschrieben stand. Wie gerne er ihm die Last erleichtert hätte. Es musste doch eine Möglichkeit geben, die Nährstoffe aus dem Blut anderweitig zu bekommen. Es musste doch einen Nahrungsersatz geben, kein Lebewesen war auf eine einzige Nahrung angewiesen. Aber Thomas hatte nicht einmal die Expertise, darüber zu spekulieren.
      So sah er ihm nur mitfühlend zu und reichte ihm dann sein Weinglas.
      "Zum Runterspülen."
      Vincent leerte auch dieses Glas, bis der Blutgeschmack von seiner Zunge verschwunden war, dann gab er es an Thomas zurück, der es zurück auf den Tisch stellte.
      "Komm her."
      Er legte wieder seinen Arm um Vincent und ließ sich mit ihm zurücksinken, bis er sich an die Armlehne lehnte und Vincent zu sich an seine Brust zog. Er ließ sich in das Polster des Sofas einsinken, umschlang Vincent in seinen Armen und fing an ihn zu küssen, lange und ausgiebig. Vincent schmeckte nach Wein und Abendessen und außerdem ein bisschen noch nach Blut, aber Thomas küsste ihn trotzdem. Er hielt ihre Lippen miteinander verschlossen und genoss das allgegenwärtige Gefühl von Vincent an sich, bis er sich sanft von ihm löste.
      "Ich bin stolz auf dich, weißt du das?"
      Liebevoll strich er ihm über die Wange.
      "Mein vegetarischer, vampirischer Freund."
    • Vincent kuschelte sich eng an Thomas. Er hatte nicht das Gefühl, auf seine Essgewohnheiten stolz sein zu müssen. Aber er sagte nichts dazu, nahm das Kompliment einfach hin und genoss die Nähe seines Liebsten.
      "Sprach der Mann, der sich im wahrsten Sinne des Wortes Knochen gebrochen hat, um einen Punkt zu machen," gab er zurück.
      Er küsste Thomas' Kiefer.
      "Einen ziemlich guten Punkt," fügte er lächelnd hinzu und küsste Thomas' Wange.
      Dann kuschelte er sich wieder an die Brust des Mannes, lauschte dem entspannten Schlagen des wichtigsten Herzens der Welt. Er legte seine Hand auf die Stelle genau darüber, ließ seine Fingerspitzen sanft über den Stoff von Thomas' Hemd gleiten.
      "Mein Ritter," säuselte er, meinte es aber.
      Vincent war noch nie ein Fan von Gewalt gewesen, aber er wusste, dass Thomas sie niemals einsetzte, wenn er nicht musste, und irgendwie gab ihm das eine Sicherheit, die er nie zuvor gekannt hatte. Thomas nutzte Gewalt, um zu beschützen, nicht um zu vernichten. Thomas würde ihn niemals verletzen.
      "Ich mag deinen Herzschlag," meinte Vincent nach einer kleinen Weile. "Ich höre ihm gerne zu. Es ist irgendwie... beruhigend."
      Noch ein Grund dafür zu sorgen, dass es weiterschlug.


    • Thomas lächelte, kicherte sogar ein bisschen, als Vincents Küsse ihn im Bart kitzelten.
      "Ich habe mir mal eine Schulter ausrenken lassen, das war viel schmerzhafter als diese paar Daumenknochen."
      Glücklich und zufrieden nahm er Vincent wieder in die Arme und drückte den Mann fest an sich. Es war lange her, seit sie sich außerhalb des Schlafzimmers so nahe gekommen waren.
      "Hmm soll ich dich etwa auch aus einem Turm befreien? Dich vor dem feuerspeienden Drachen beschützen?"
      Noch immer schmunzelnd drückte er einen Kuss auf seinen Scheitel, dann lehnte er sich wieder zurück, glückselig in ihrer Zweisamkeit. Als Vincent nach einem Moment wieder sprach, waren es seine Worte alleine, die eine Hitzewelle durch Thomas' Körper sandte.
      "Du hörst meinem Herzschlag zu?"
      Natürlich wusste er, dass Vincent kaum eine andere Wahl hatte als ihm zuzuhören, nachdem er für ihn vermutlich ohrenbetäubend laut war, aber dennoch waren seine Worte merkwürdig intim. Schließlich konnte er damit größtenteils Thomas' Emotionen lesen, ohne dass dieser sie zuerst ausgedrückt hätte. Nicht, dass er jemals etwas schlechtes gegenüber Vincent empfinden würde.
      "Was sagt er dir?"
    • "Dass du stark bist," antwortete Vincent ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. "Es schlägt kräftig und regelmäßig, kein einziger Fehler im Rhythmus. Aber manchmal," Vincent lächelte geradezu verträumt, "manchmal zuckt es ein kleines bisschen. Deswegen weiß ich, dass du mich liebst. Denn dieses Zucken passiert jedes Mal, wenn du mich siehst. Wenn ich den Raum betrete, wenn ich am Abend das erste Mal meine Augen öffne. Wenn ich dich küsse."
      Vincent lehnte sich über Thomas' Brust und drückte einen sanften Kuss auf die Stelle, unter der Thomas' Herz schlug. Und genau da, da war es, das Zucken. Er lächelte und schwang die Beine über Thomas' Schoß, richtete sich ein bisschen auf, um ihn ansehen zu können.
      "Dein Herz allein verrät mir, wie sehr du mich liebst. Weil es schneller schlägt, wenn du mich berührst. Wenn ich dich berühre."
      Er strich mit seinen Händen über Thomas' Brust, lauschte wie sein Puls in die Höhe schoss.
      "Deswegen mag ich deinen Herzschlag so sehr: weil er ehrlich ist. Weil es deiner ist. Und weil er für mich schlägt."
      Vincent legte Thomas die Hände an die Wangen, lehnte sich vor und küsste ihn mit all er Liebe, die sein eigener Puls nicht ausdrücken konnte. Mit all der Liebe, die Thomas nicht einfach in seiner Brust schlagen hören konnte.
      "Dein Herzschlag ist Poesie," flüsterte er an Thomas' Lippen. "Dein Herzschlag ist Musik."


    • Thomas konnte nur starren, eine ganze Weile lang, während Vincent die wohl rührendste Erklärung über seinen Herzschlag abgab, die er sich nur hätte vorstellen können. Er hatte nicht gewusst, wie sehr ihm die Nuancen auffallen könnten, dass bei jeder Hitze, die ihm durch den Körper schoss, auch sein Herz aus seinem Rhythmus fiel, als wäre es nicht darauf vorbereitet gewesen, mit einer solchen Schönheit konfrontiert zu werden, die Vincent für ihn darstellte. Aber es war so, jede einzelne Beobachtung von Vincent entsprach vollkommen der Wahrheit und sogar noch mehr als das. Thomas brannte für ihn, jede einzelne Sekunde, auch wenn sein Herz sich schon wieder davon beruhigt hatte, dass dieser Mann Thomas' Präsenz wahrnahm.
      Noch immer völlig in Bann gezogen schloss er die Arme um Vincents Nacken, erwiderte den Kuss, spürte die Eindringlichkeit, mit der Vincents Lippen ihn liebkosten. Er liebte ihn mindestens genauso sehr. Vincents Gefühle für ihn waren ebenso stark, auch wenn er sie nicht mit seinem Herzschlag ausdrücken konnte, und das war für Thomas noch immer vollkommen unglaublich.
      "Wenn du nur wüsstest", flüsterte er zurück, den Blick auf die himmelsblauen Augen vor sich gerichtet. Er nahm Vincents ganze Erscheinung in sich auf, seinen Liebsten, für den sein Herz wahrhaftig alleine schlug. Er hätte es mit Worten niemals so wunderschön ausdrücken können, wie Vincent es getan hatte.
      "Wenn du nur wüsstest, wie schön es sich anfühlt, dich zu lieben."
      Zärtlich strich er ihm eine kleine Strähne aus der Stirn, lächelte.
      "Erinnerst du dich an Hollow's Eve, als wir uns das erste Mal begegnet sind? Du hattest diesen... eleganten, dunklen Anzug an und du hast alle in deinem großen Salon begrüßt. Nora hat uns zu dir gebracht und du hast uns begrüßt und hast mich... angelächelt. Ich kann es noch genau vor mir sehen, ich weiß ganz genau, wie ich dir die Hand gegeben habe, wie du Darcy begrüßt hast und ich mir gedacht habe, dass du dabei das schönste Lächeln hast, das ich jemals gesehen habe. Bei weitem. Du warst dieser junge, charmante, erfolgreiche Lord und du hast gelächelt, als wärst du alleine das Licht, das den Saal erhellen kann."
      Er strich ihm über den Rücken, hielt ihn in seiner Umarmung fest.
      "Und ich denke es mir immer noch, jedes Mal. Ich sehe dich an und denke mir, dass du der schönste Mann bist, der auf Erden existieren kann. Und wie glücklich ich bin, dass ich dich küssen darf. Dass ich dich berühren darf."
      Er schob die Hände unter Vincents Hemd, spürte seine Haut, strich darüber.
      "Du bist das beste, was mir je passieren konnte, Vincent Caley Harker."
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