[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

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    • Konnte ein Mensch nach Leben schmecken?
      August Foremar hatte bereits viel gesehen in 150 Jahren des Lebens. Viel Leid und viel Freude. Das Lachen wie das Weinen waren Teil seines Lebens und seiner Erzählungen und dennoch...Niemals hatte er nach einem Kuss gedacht, dass es nach Leben schmeckte. Honigwein und Feuer waren das letzte Mal die Geschmäcker gewesen, die beide geteilt und doch...Heute war es anders. Da war etwas in ihr. Etwas, das sie zurückhielt. Früher wären sie vermutlich wie wild gewordene Teenager übereinander her gefallen und hätten sich ihrer Lust hingegeben. Und irgendetwas hielt sie zurück.
      SO war auch das Angebot, das sie ihm unterbreitete, mehr als unmoralisch. So unmoralisch, dass es ihn beinahe dazu brachte, zu seufzen. Manchmal, so hieß es doch, musste man kopfüber in die Hölle springen um den Himmel zu sehen. Und dieses Mal würde er nicht zögern wie beim letzten Male. Oder so tun als wäre es ihm egal.
      "Ich warne dich vor", nickte er und lachte kurz auf als er sich ein wenig erhob, obgleich er es nicht wollte.
      Selten hatte er etwas derartig begehrt als diese Frau. Und doch erschien es so merkwürdig, als würden sie sich neu kennen lernen und erst abtasten müssen.
      Innerlich schrie eine Stimme in ihm "Greif nach mir, bitte!" und August war für einen Moment irritiert, als sie es nicht tat. Hatte er eine Grenze überschritten? ODer hatte er etwas getan, das sie nicht wollte und sie dazu gezwungen?
      Würde sie sich zwingen lassen?
      Gott, dieses unmoralische Angebot. Auf dem Gesicht des Zauberers entstand eine Art Stillstarre. Als würde er mit einem Mal vergessen wie man atmet. Das Bett...Er würde es ungerne verlassen, vor allem weil sein Körper zum einen nach Erholung schrie (die er niemals würde finden können!) und zum anderen...Da war Ember...Halbnackt...In seinem Bett...Und bot ihm an, zu bleiben. Wusste sie wohin das alles hier führen würde, wenn er sich jetzt zu ihr legte?
      August schluckte eine Welle der Beklemmung hinab und war sich sicher, dass man den Puls auf seinem Hals sehen und sogar spüren konnte. Beinahe hatte er das Gefühl, dass seine Hände die Bezüge der Kissen schmelzen könnten, die er immer noch als Stütze nutzte. Nachdenklich sah er Ember an und unterstand sich, den schweren Atem zuzulassen. Doch wie? Wie sollte es gelingen? Sorgsam leckte er sich über die Lippen und ergriff die Hand, die sie achtlos neben den Kopf hatte fallen lassen.
      "Du weißt...", wisperte er beinahe tonlos. "Ich meine...Weißt du, was passiert, wenn..."
      Sachte legte er ihre Finger an seine Lippen und sah ins Leere des Raumes. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit fand er den Weg zurück zu ihrem Blick und hauchte einen Kuss auf die Fingerkuppen.
      Ach, scheiß drauf!
      Kopfüber in die Hölle und zurück!
      Schweigsam erhob er sich von der Bettkante. Im Dunkeln und im Dämmerschein des Flures, der unter der Tür hindurch schien, ging er zum Schrank und riss die Hose, die er trug von sich. Sollte sie einen Schemen seiner Nacktheit sehen, sie kannte seinen Körper ohnehin. Sorgsam suchte er eine Schlafanzughose heraus, dessen Oberteil von Ember warm gehalten wurde und stülpte sie über.
      Nur um Sekunden später neben ihr im Bett Platz zu nehmen.
      Und sich zu fragen, was er sich da eingebrockt hatte.
      Er spürte sie. Spürte ihre Wärme, ihren Puls auf den Laken und ihren Leib so nah an seinem. So nah wie lange nicht mehr. Und sie waren allein. Alles schlief. Und keiner wachte. Und beinahe war es so als würde der Wind ein Fauchen unterdrücken als August Foremar langsam und stetig mit der Hand nach etwas suchte.
      Zunächst stieß er nonchalant gegen ihre Hüfte. Falsche Adresse. Das heißt: eigentlich richtige Adresse, aber...Ach verflucht noch eins! Kopfschüttelnd rutschte seine Hand höher und fand schließlich die Hand, die er suchte und hielt sie fest.
      "Mein Gott..", wisperte er. "Was tu ich hier eigentlich..."
      Und wie alt warst du?
      Als sein Puls nicht mehr beherrschbar war, drehte er sich auf die Seite, um sie anzusehen. Wenigstens anzusehen. Nicht mehr. Oder?

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    • Man mochte es Feigheit nennen, aber Ember bewegte sich vorerst einen Zentimeter. Noch immer starrte sie August in der Dunkelheit an, der offensichtlich festgefahren war. Sie war sich nicht sicher, was sie in seinem Gesicht ablesen sollte, denn es glich eher einer Maske als allem anderen. Er dachte nach, das sah man überdeutlich und sie würde den Teufel tun und ihn zu irgendetwas drängen. Dann ging Bewegung durch ihn, als er ihre Gestik vor ein paar Sekunden immitierte. Oh Gott, er spiegelte sie schon. Jetzt war es vielleicht eher eine Schockstarre, die sich Embers Körper bemächtigt hatte als er ihre Hand ergriff, die sie noch immer neben ihrem Kopf gehabt hatte. Sachte hob er sie vom Bett und führte sie zu seinen Lippen. "Du weißt...", wisperte er beinahe tonlos. "Ich meine...Weißt du, was passiert, wenn..."
      Zum aktuellen Zeitpunkt herrschte nur vollständige Leere in ihrem Kopf vor. Nein, sie spielte nicht mit den Gedanken was geschehen könnte, sollte er sich zu ihr legen. Sie war drauf und dran gewesen, sein Lager zu räumen und würde es auch weiterhin tun. Man sah doch, wie er sich nicht wirklich von seinem Bett trennen mochte und es mindestens genauso sehr vermisste wie sie. Trotzdem hatte sie verstanden, dass er ihre Nähe gerade suchte. Wenn es nach ihm ginge, dann wollte er beides. Alles hing von der verbleibenden Zeit ab, die sich Ember selbst limitiert hatte. Noch während sie selbst in ihrer gedanklichen Kaskade hing, schien August mit seiner Überlegung endlich fertig zu sein. Kurz streifte er ihren Blick mit seinen Augen und ihre Fingerkuppen mit seinen Lippen, dann gab er sie frei und entfernte sich vom Bett. Mit jedem Schritt wurden ihre Augen ein stückchen größer als sie kurz damit rechnete, dass er einfach die Flucht hiervon ergriff. Sofort kam Leben in ihre Glieder zurück, sie kämpfte sich halbhoch und stellte dann fest, dass er nur den Schrank angepeilt hatte und sich dort umzog. Oh. Ja.... so schnell kann es gehen.
      So schnell, dass August schon innerhalb der nächsten Sekunden wieder bei ihr war und sich unter die Decke schob, die von ihrer Körperwärme allein aufgeheizt worden war. Gut drei Sekunden lang sah sie ihn noch wie hypnotisiert an, dann stieß seine Hand gegen ihre Hüfte und sie missinterpretierte es als Zeichen, zu verschwinden. Das war machbar. Das verstand sie. Sofort rollte sie sich auf den Rücken, um sich weiter weg von ihm zu drehen und schließlich aus dem Bett zu verschwinden, da hatte seine Hand ihre eingefangen. Sofort verharrte Ember auf dem Rücken liegend und die Decke anstarrend. Ihr Atem war noch immer flach, wenn auch leicht erhöht. Seit wann war es so komisch zwischen ihnen geworden? Was war das überhaupt zwischen ihnen geworden?
      "Mein Gott..", wisperte er. "Was tu ich hier eigentlich..."

      "Selber Gedanke...", gab sie knapp zurück und wusste nicht, ob sie sich kalt oder warm fühlen sollte. Vermutlich beides zur gleichen Zeit. Sie hätte einfach gehen sollen und ihn nicht weiter reizen. Vielleicht hätte sie diese verhängnisvollen Sätze nicht sagen sollen, die zu all dem hier gefühlt hatten. Doch die leicht drückende Hand, in der ihre kleinere so wunderbar Platz fand, bedeutete ihr, dass er sie nicht gehen lassen wollte. Dass er sie an seiner Seite haben wollte und, ja, er hatte das erste Mal einen Kuss initiiert. Es war das erste Mal gewesen, dass sie ihn nicht eingeladen hatte, sie ihn nicht angemacht oder angestiftet hatte.
      Wieder ging Bewegung durch die Matratze als sich August auf die Seite drehte, um sie besser mustern zu können. Sie musste sofort die Augen schließen, sonst hätte er gesehen, wie sie sich ein wenig geweitet hätten. Aber vermutlich war ihm das sachte Schütteln nicht entgangen als sein Atem sie streifte. Er war so nah. Jetzt sah sie die Grenze so deutlich wie noch nie zuvor. Erneut könnte sie sich gehen lassen und würde ihn eiskalt mit sich reißen. Aber das sollte es nicht werden. Es sollte nicht dieses sinnlose Fröhnen des Fleisches werden wie sie einst taten. Das hatte er nicht verdient.
      Noch immer auf dem Rücken liegen bliebend drehte Ember ihren Kopf leicht zu August. Nur ganz leicht, sodass ihre geöffneten Augen maximal auf der Decke ruhten, wo seine Brust sein mochte. "Keine Ahnung, wie viel Uhr es ist, aber Perley soll mich um Sechs wecken. Wenn du willst... bleib ich bis dahin hier."
      Bleiben konnte sie. Bleiben war unverfänglich. So konnte sie ihm wenigstens einen Teil seines Wunsches erfüllen und ihm vielleicht ein wenig seine Angst vor dem Alleinsein nehmen. Viel Zeit würde es vermutlich nicht sein, außer, sie war gerade erst nur eine Stunde weggetreten gewesen. Wie dem auch sei, sie konnte sich nicht länger davon abhalten, ihre kühlen Finger der anderen Hand nach seiner Brust auszustrecken. Genauso blind wie er suchte sie nach seiner Brust, fand sie und begann über die Haut hinweg zu streichen. Bis sie die Stelle fand, wo ihre Kugel ihn durchschlagne hatte. Erneut bildete sich ein Kloß in ihrem Hals.
      "Danke, dass du heute gekommen bist. Dass du trotz deiner Verletzung gekommen bist... es.... tut mir wirklich leid..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Warum schloss sie die Augen obgleich sie wissen musste, dass er es bemerkte?
      Er brauchte keine übersinnlichen Fähigkeiten, um sich bewusst zu sein, dass Ember versuchte, eine Grenze zu wahren, die es in seinen Augen leider nicht mehr gab. Oder gab es sie doch?
      "Perley wird deinem Wunsch bestimmt Folge leisten", flüsterte August und genoß die Wärme, die zu ihm herüber wehte. "Mich würde es freuen, wenn du hier bleiben würdest. Es ist lange her, dass wir derart allein waren."
      Dummer Satz, dachte er und verdrehte die Augen ungesehen. Manchmal war die Dunkelheit störend, jedoch dieses Mal war er dankbar dafür. Sag doch gleich, dass du am Liebsten...Nein! Eine kleine Stimme in seinem dunklen Hirnareal gemahnte ihn eines Ausspruches, an den er eigentlich nicht denken wollte. Das Andere in ihrem Leben. Auch wenn August nur ahnen konnte und nichts wusste, so war Nolands Ratschlag nicht ganz haltlos in der Nacht verpufft.
      Bleiben war unverfänglich. Bleiben war okay. Was taten sie schon? Außer Händchen halten und nebeneinander liegen, während er sie wie ein schlechter Stalker von der Seite begaffte und selbst in der Dunkelheit spürbar war, dass sein Puls stieg und er einen Moment lang seine gute Kinderstube vergessen wollte.
      Als er die kühlen, zarten Finger an der Stelle spürten, wo sie einst so großen Schaden angerichtet hatte, konnte er in Zucken nicht verhindern. Es schmerzte noch immer, die Erinnerung an den Verrat, für den sie nichts konnte. Die Erinnerung an Eitelkeit und Arroganz, wieder in dem Bewusstsein, dass kein Gesetz dieser Welt für August Foremar galt. Er würde sich auch Jemanden anderes suchen, dachte er während sein Körper nach den Fingern drängte. Er wollte berührt werden. Noch weiter. So viel mehr.
      "Kein Problem...", murmelte er. "Ich wäre egal in welchem Zustand gekommen."
      Das war nicht mal gelogen, auch wenn es ihn schmerzte was hier gerade geschah. Seit wann war es nicht mehr so leicht zwischen ihnen? Seit wann hatte sich diese Mauer gebildet, die jeder durchstoßen mochte und gleichsam nicht konnte? Wieso war es so schwer, Dinge zu sagen oder zu tun? Er hatte doch sonst nie um Verzeihung gebeten. Oder um Erlaubnis. Die Welt war ein Spielplatz gewesen, wenn man es so betrachtete. Ein einziges Jammertal aus gräulichen Schmerzwolken, die erst beiseite geschoben wurden, als diese Frau kam. Sie hatte ihn heraus geholt aus dem selbstgewählten Moloch und sich ihm geöffnet. Und wie hatte er es gedankt? Mit Kälte und Dummheit.
      Es war kein Wunder, sollte sie Jemand anderen haben.
      Er war das Schwarz in ihrem Weiß. So hell sie schien, umso dunkler wurde sein Schatten. Und August schmerzte die Erkenntnis beinahe mehr als die Tatsache, dass es bereits 5 Uhr morgens war.
      "Ich ähm...Ich...Ich möchte ich mich entschuldigen", flüsterte er ebenso ruhig und ließ sie weiter machen. Nur für dieses eine Mal. Danach konnte die Mauer wieder entstehen. Alsbald war das hier alles ohnehin vorbei. Wochenlang hatte er nach Lösungen gesucht und sie nicht gefunden. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit?
      "Für alles was ich dir angetan habe. Ich habe dich benutzt und manipuliert wie man es seinen schlimmsten Feinden nicht wünscht und mich hinter edlen Motiven versteckt. Und das hast du nicht verdient, Ember Sallow. Du verdienst mehr."

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    • Freilich würde Perley tun, worum Ember ihn gebeten hatte. Immerhin hatte sie beim Gehen noch mitbekommen, wie er sein Handy gezückt hatte. Umso gravierender war wohl das Zeitlimit, das sie somit gesetzt bekommen hatte. Allerdings musste Ember selbst konzentriert zurück denken als August erwähnte, dass sie schon lange nicht mehr solche Zeiten geteilt hatten. Wenn sie sich recht entsann war das letzte Mal kurz vor dem Schuss gewesen. Und dann war wochenlang Totenstille gewesen. Immerhin hatte sie auch an die Endgültigkeit ihrer Tat geglaubt und nichts anderes.
      "Kein Problem...", murmelte er. "Ich wäre egal in welchem Zustand gekommen."
      "Mhm", machte sie nur während sie sich noch ein Stück weiter zu ihm auf die Seite drehte und die Finger an seiner Austrittswunde zu einer glatten Handfläche werden ließ. Seine Brust fühlte sich an, als stünde sie in Flammen. Spätestens jetzt bemerkte sie den Puls, der fernab von Ruhe und Entspannung war. Sein Herz versuchte seinen eigenen Rhythmus zu schlagen und die Vorstellung, dass ihre Kugel das schlagende Herz eigentlich zerfetzt haben musste, wog schwer. Umso faszinierter hatte sie den Blick leicht gesenkt auf die Höhe, wo ihre Hand nun liegen musste. Das sah sie natürlich unter der Decke nicht so genau.
      "Ich ähm...Ich...Ich möchte ich mich entschuldigen".
      Embers Lider flogen auf, als ihr Blick unverwandt in der Dunkelheit seinen fand. Seit wann entschuldigte sich August? Er rechtfertigte sich und seine Taten, zog sich zurück und grenzte alle aus. Aber niemals entschuldigte er sich oder sprach aufrichtig darüber, was in ihm vorging. Das war ein Punkt gewesen, den sie bei ihm immer kritisiert hatte und vielleicht auch ihre Handlungen maßgeblich beeinflusst hätte. Er wäre dadurch greifbarer geworden.
      "Seit wann entschuldigt sich Mister Foremar?", fragte Ember belustigt nach und ließ das Schmunzeln zu. "Ich weiß, dass ich das nicht verdient habe. Deswegen war ich ja auch so angepisst, schon vergessen? Vielleicht muss ich einfach nur ein bisschen kämpfen, um das mehr zu verdienen, hm?"
      Unter der Decke löste sie ihre Hand von der seinen, um sie umzupositionieren. Sie verstand, dass man manchmal einfach jemanden an seiner Seite brauchte. Niemanden, der nur temporär da war und ein Zeitvertreib war. Sondern jemanden, der es wert war, seine Zeit in ihn zu investieren. Er würde nicht wollen, dass sie auch noch versuchte, einen Weg zu finden, etwas zu Unmögliches wie den Tod auszutricksen. Aber sie wäre nicht sie, wenn sie es nicht dennoch versuchen würde. Also verschränkte sie ihre Finger mit seinen und zog ein bisschen die Beine an, bis ihre Knie irgendwo an seinen Körper stießen. Mittlerweile lagen sie sich Gesicht zu Gesicht gegenüber, nicht einmal eine Armlänge von einander entfernt.
      "Entschuldigung akzeptiert... Dann können wir das Thema ja abhaken." Noch immer lag ihre flache Hand an seiner Brust und fühlte den rasanten Puls eines zum Tode Verdammten. "Können wir uns übrigens auch darauf einigen, dass du nicht gesehen hast, dass ich wie ein Schlosshund geheult hab?" Das Schmunzeln wuchs zu einem Grinsen während sie seine Gesichtszüge nicht aus den Augen ließ.

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    • Seufzend konnte er nicht anders, als müde zu grinsen und schließlich in ein leichtes Kichern zu verfallen.
      ja, wann hatte er sich zuletzt entschuldigt? Vermutlich war es Jahre her, Jahrzehnte vielleicht. Es wäre auch gelogen gewesen, die flache kühle Hand an seiner marodierenden Brust nicht angenehm zu empfinden. Vielmehr erschien es ihm wie ein Stück, dass er lange vermisst und endlich gefunden hatte. Inmitten all diesem Chaos war es doch eine Art Anker, den er zu greifen gedachte und legte umsichtig seine Hand kurz auf ihre kalte Hand. Nur einen Moment lang schloss er die Augen und ließ sie anschließend wieder sinken, ohne ihr zu signalisieren, dass sie die Hand wegnehmen sollte. Er genoß es vielmehr.
      "Seit dem Mr Foremar auch ein wenig klüger geworden ist, seit all dem Blödsinn damals. Und Mr Foremar begriffen hat, dass eine Frau wie du kein Spielball von Mächten ist sondern ein lebendes, denkendes Wesen, was ich sehr zu schätzen weiß. Dessen Nähe mich zufriedener macht, zu einem besseren Menschen macht", sagte August mit festem Blick auf ihre endlich geöffneten Augen.
      Und jetzt wusste er auch, warum sie ihre strikt geschlossen hielt. Gott, man konnte darin versinken, wenn man sich so nahe war. Und es waren nur Zentimeter die sie noch trennten. Auch wenn die Grenzen gewahrt werden mussten, so bemerkte er doch belustigt, dass sie ihre Hand nicht fortnahm.
      "Du musst nicht kämpfen"; sagte er und schüttelte beinahe enttäuscht den Kopf, als sie die Hand umpositionierte. "So etwas wie wir es hatten, hätte niemals Kampf verdient. Ich habe nicht vertrauen können und hätte mehr auf weibliche Intuitionen hören sollen."
      Lächelnd spürte er ihre Hand sich mit seiner verschmelzen und seufzend betrachtete er einen Moment die Erhebung unter der Decke. Es war schön, die Wärme nun dort zu spüren. Beinahe zuckte er zusammen als ihre Knie an seine Oberschenkel stießen und eine körperliche Nähe hergestellt wurde, die ihm den Schweiß auf die Stirn trieb. So übermächtig war der Gedanke, nach ihr zu greifen und...
      Doch er konnte nicht. Die Hand hielt ihn und die andere brauchte er zum Abstützen. Nein, eigentlich nicht. Das brauchte er nicht.
      "Ja, das können wir gern", kicherte er und lachte beinahe frei von Sorgen darüber. Auch wenn es kein besonders witziger Umstand war.
      Ach, drauf geschissen.
      Seine linke Hand, frei geworden durch einen raffinierten (nicht raffinierten) Händetausch glitt unter der Decke suchend vorwärts, ehe er die zarte Haut ihrer freien Beine spürte. Sachte legte er die Hand auf ihrem Oberschenkel ab und tat so, als würde er sich neu justieren. Teenagerartig beobachtete er dabei, dass er es tatsächlich schaffte, weitere Zentimeter an sie heran zu rücken.
      Nun waren es nur noch wenige Zentimeter...
      "Aber weshalb soll ich es vergessen? Den besten Teil an dir? Diese unbändig starken Gefühle, die du versteckst sind wunderbar...Also...Ich meine, ich will nicht sagen, dass du gerne schwach sein sollst...also...äh...Shit...Also...Ich meine eher, dass du so wunderbar reich an Gefühl...Ach verfluchter Affendreck!"
      Schwer ließ er seinen Kopf auf das Kissen plumpsen und verzog das Gesicht.
      "Tut mir Leid, ich..Ich weiß nicht was ich da sagen wollte."
      Du bist wunderschön. Und ich ertrage keine Sekunde länger diesen Anblick ohne dich küssen zu dürfen.
      "Weißt du, was das Schlimme an einem langen Leben ist?", fragte er schließlich.

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    • Endlich konnten sie beide mit der leidigen Vergangenheit abschließen. Für Ember war es so, als fielen Ketten, die sie ständig um ihre Gelenke getragen hatte, schlagartig ab und die neugewonnene Freiheit wirkte so fremd wie nie. Nun hatten sie es endlich geschafft, sich gegenseitig auf einen Nenner zu bringen nur um diesen Zustand maximal drei Wochen beizubehalten... Drei Wochen... was für eine lächerlich kurze Zeitspanne dies doch war. Sie würde alle ihre noch zur Verfügung stehenden Ressourcen nutzen, um einen Weg zu finden, den Tod zu überlisten. Das war sie August zwar nicht schuldig, aber es wäre vielleicht ein wenig Wiedergutmachung für das, was sie verbockt hatte. Ob manipuliert oder nicht.
      Noch immer belustigt sah sie dabei zu, wie er seine Hand der ihren entwand und fix die andere an deren Stelle schob. Sie selbst blieb unbeweglich auf der Seite liegen als sich eine suchende Hand über ihr Bein schob. Es ging gar nicht anders, sie musste langsam und tief einatmen, um nicht zu zucken oder etwas Unangebrachtes zu sagen. Ihr Blick fraß sich regelrecht in seine Iren als sie abschätzte, wo er Halt machen würde und ab wann es doch Zeit war, das ein oder andere Wort an ihn zu richten. Was sich scheinbar als Umpositionierung hätte tarnen sollen, ging in dessen Form nicht gänzlich auf. Obzwar Ember nicht darauf geachtet hatte, wie der Zauberer ihr ein kleines Stückchen enger auf die Pelle gerückt war. Dafür ruhte jedoch seine Hand auf ihrem Oberschenkel und bedurfte keinen Einspruch. Wobei... Beieinander liegen war unverfänglich. Sich anzugucken war unverfänglich. Die Hand des Mannes auf dem nackten Oberschenkel einer Dame war hingegen schon grenzwertig.
      Embers Augenbrauen wanderten aufwärts als August versuchte seine Aussage zu kaschieren. Im liegenden Zustand wirkte ein Kopfschütteln nicht so eindeutig wie sonst, trotzdem versuchte sie es. "Du hast es doch schon ganz richtig bezeichnet. Das waren starke Gefühle, das hätte genauso gut abgrundtiefer Hass sein können. Vermutlich hättest du mein von Hass verzerrtes Gesicht auch noch schön gefunden. Und Hass ist alles andere als schwach. Ich würde auch mein Heulen da nicht als schwach bezeichnen.... Eher als... verletzbar." Ihre Augen wanderten kurz zur dunklen Decke als sie nachdachte. "Du bist zu den gleichen Gefühlen fähig. Du versteckst sie nur noch besser als ich."
      Sie lächelte. In der Zeit, in der sie sich mit Emilys Tod intensiv auseinandergesetzt hatte, hatte sie natürlich auch darüber sinniert, was sie mit einem schier unendlichen Leben machen würde. Was sich zunächst als toll und spannend anhrte, entpuppte sich schnell als das genaue Gegenteil. Deswegen konnte sie jetzt auch nur noch lächeln weil sie für sich wusste, was das schlimmste an einem langen Leben war.
      "Längere Geschichte. Hab ich dir eigentlich mal von Emily erzählt? Nein oder?" Das war Ruairi, dem sie es erzählt hatte. August war erst gar nicht bis in ihr Schlafzimmer gelangt und hatte das Bild mit der Locke erspähen können. Zugegeben, vermutlich hätte er sich damals nciht dafür interessiert und sie hätte es ihm auch nie unterbreitet. Das war damals. "Ich bin Polizistin geworden weil ein Rogue meine Nichte getötet hatte. Sie war damals, ich glaube, Sieben und war mit mir am spazieren. Der Rogue hat in seiner Scheune irgendetwas machen wollen, keine Ahnung was es war. Es war eine kleine Stadt, man kannte sich und rühmte sich damit, dass es keine Zauberer bei uns gäbe. Und dann ist da dieser Unfall passiert, die Scheune ist explodiert und ein Balkensplitter hat Emilys Brustkorb durchlöchert. Sie ist mir damals in den Armen gestoorben und ich habe lange darüber sinniert, wie ich weitermachen soll und was aus ihr hätte werden können. Was ich tun würde, wenn mein Leben noch dreihundert weitere Jahre andauern würde."
      Ihre Hand, die noch immer an seiner Brust lag, stellte sich ein bisschen auf, sodass sie ihre Fingerspitzen über das Narbengewebe fahren lassen konnte. Sanft die Ränder erspüren konnte, die ihre Gewalteinwirkung hinterlassen hatte.
      "Ich kam zu dem Schluss, dass ich irgendwann allein sein würde. Was bringen mir meine dreihundert Jahre, wenn ich sie allein verbringen muss? Ich würde nur immer zu dabei zusehen, wie die Menschen, die ich mag, vor mir sterben. Einer nach dem anderen. Ich glaube, das ist das Schlimme an einem langen Leben, oder?"
      August hatte rund 150 Jahre auf dem Buckel. Wie viele Tode von Geliebten hatte er wohl mitansehen müssen? Zu viele vermutlich, die ein menschlicher Verstand noch ertragen könnte. Sie drückte unterbewusst seine Hand ein wenig fester.

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    • Es war schwierig, sich auf das Gesagte zu konzentrieren und gleichsam den Verstand beizubehalten.
      Die Hand auf ihrem Oberschenkel war ein Versuch, die Nähe wieder herzustellen, die sie einst hatten. Ja, vielleicht war dies nur die körperliche Komponente, die sie verbunden hatte. Vielleicht waren nicht einmal Gefühle im Spiel. Aber irgendetwas in August wollte gewisse Dinge verifizieren. Und als Ember zwar nicht das Wort erhob, um ihn zu stoppen, jedoch auch keine Reaktion auf seine Berührung zeigte (zumindest keine, die er bemerken konnte), beließ er es dabei.
      Vielleicht (und dessen war er sich schmerzlich sicher) war er der Einzige, der sich eine derartige Nähe zwischen ihnen wünschte. Vielleicht hatte er auch zu lange gewartet, als dass es noch besser werden würde.
      Auf ihre Frage hin, schüttelte er behelfsmäßig mit dem Kopf. Und lauschte Lauschte aufmerksam.
      Denn diese Geschichte war fürchterlich und erklärte einige Eigenarten, die Ember an den Tag legte und machte sie so herrlich angreifbar. Greifbar, wenn man es so wollte.
      Schweigsam lauschte er ihren Worten und atmete hier und dort durch. Erst nach einer Zeit, beinahe mitten in ihrer Rede, nahm er die Hand von ihrem Oberschenkel fort und legte sie zwischen sich beide. Wie hatte er glauben können...So ein Dummkopf, dachte er und nickte ernst.
      "Das...Das ist eine grausige Geschichte", murmelte er. "Es tut mir Leid, was mit deiner Nichte geschehen ist... Es muss schrecklich gewesen sein, das alles durchzustehen..."
      Er konnte es nachempfinden. Wie viele MEnschen und Geliebte hatte er zu Grabe getragen und war immer der dunkle Schatten am Rande des Lichts geblieben? So wie jetzt. Auch jetzt war er der Schatten, vor dem man sich eher fürchtete, als der Schatten, den man suchte. Sanft drückte er ihre Hand und seufzte schwer, als sie ihre letzte Frage stellte.
      "Es ist eines davon, ja", gab er lächelnd zu und rieb mit dem Daumen über ihre Fingergelenke. "Die Angst vor der Einsamkeit deines eigenen Daseins. Die Gewissheit, dass keiner so lange leben wird wie du und jeder, den du liebst, einstweilen zu Grabe gehen wird. Ich begrub meine Freunde damals, obgleich es keine Leichen gab. Keine Körper die ich hätte betrauern können. Und ich trug so viele Freunde zu Grabe. Ich kann sie nicht mehr zählen. Ich will sie nicht zählen."
      Für eine Weile wirkte sein Gesicht fernab jeder Maske. Und eine tiefe Traurigkeit stahl sich darauf wie ein schweigender Beobachter in der Nacht. Eine Art Müdigkeit, die schwer in Worte zu fassen war. Selbst jetzt, als er Ember in die Augen sah und sich dort einbrannte, erschien sein Blick nicht mehr so lebhaft wie sonst. Dies war der August, der zu viele Jahre der Einsamkeit gesehen und erlebt hatte. Sie selbst gewählt hatte.
      "Aber das schlimmste ist das Vergessen", wisperte er und unterstand sich, sie erneut zu berühren. "So seltsam es klingt, aber...Je länger man lebt, umso selbstverständlicher wird man für seine Umwelt, seine Mitmenschen. Und man vergisst sie allzu leicht. Je länger ich lebte umso weniger Menschen werden meinen Tod betrauern. Umso weniger Menschen werden sich meiner Erinnern. Denn Erinnerungen verblassen so schnell wenn man Jemanden jeden Tag sieht. Aber diejenigen, die kurz und wahrhaftig leben, bleiben für immer..."
      Schweigsam sah er an ihr vorbei und lächelte schwach.
      "Mein Vater sagte immer, dass man erst stirbt, wenn man vergessen wird..."

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    • Es ging nicht unbemerkt vor sich, wie August seine Hand inmitten ihrer Erzählung von Embers Oberschenkel nahm. Vorerst ließ sie sich nicht beirren und führte ihren Vortrag eisern aus. Allerdings konnte sie nicht den Zusammenhang zwischen ihren Worten und seinem Rückzug übersehen. Das war mit der Erzähluung gar nicht beabsichtig gewesen und sie merkte, dass sie die Abwesenheit seiner Hand durchaus bereute. Was zur Hölle stimmte mit ihr nicht? Seit wann war sie denn so furchtbar wankelmütig?
      Immerhin hatte er seine Hand nicht aus ihrer gelöst, sondern begann sogar damit, ihre Knöchel zu streifen. Da merkte sie, wie sich klammheimlich eine Anspannung in ihre Glieder geschlichen hatte, die bei dieser Berührung wieder von ihr abfiel. Die seichte Berührung bildete einen starken Kontrast zu dem, auf das ihre Augen in Augusts traf. Es wirkte, als sei ein gewisser Schimmer aus seinen Iren gewichen. Sie wirkten matt, gar trübe, als hätten sie das Licht der Welt bereits verloren. Sofern Ember noch ein Lächeln auf ihren Lippen getragen hatte, so war es spätestens jetzt in endloses Nichts verschwunden.
      "Viele Dichter behaupten das Gleiche", pflichtete sie leise bei und wagte es nicht, einen tiefen Atemzug zu machen. Für einen Augenblick lang musterte sie das Gesicht des Zauberers, das etwas ihr Unbegreifliches in der Ferne sah und ein melancholisch anmutendes Lächeln aufsetzte. Es wirkte deplatziert, falsch und ließ ihr eigenes Herz nur noch schwerer schlagen. "Rutsch mal ein bisschen runter."
      Sie wartete, dass er ihrer Aufforderung nachkam und stoppte ihn als er die Höhe erreicht hatte, die sie bezweckte. Dann entwand sie ihre Hand der seinen, rückte näher an ihn heran und legte einen Arm um seinen Torso. Sein Gesicht führte sie auf Höhe ihres Schlüsselbeines und ignorierte den Fakt, dass er nun buchstäblich an ihrer Brust hing. Darum ging es in diesem Augenblick allerdings gar nicht. "Glaub mir, dass ich dich nie vergessen werde. Ich werde allen erzählen, wer du warst wenn man mir zuhören will." Sie drückte ihn ein wenig fester an sich, fragte sich, ob sie hiermit gewisse Grenzen überschritt. Doch da war dieses leise Stimmchen in ihrem Kopf, das ihr befahl, ihn jetzt so in den Arm zu nehmen. Dass er das brauchte, um seine Fassung wiederzuerlagen. Dass diese Grenze, von der sie dachte sie strapaziere sie bereits, eigentlich nur noch auf dem Papier existenz war. Sie wollte ihn anfassen, mit ihm Zeit verbingen bis zu der letzten Minute, die sie ihm fest vorgeschrieben hatte. Der Tod würde ihn holen und bislang hatte nicht einmal August einen potenziellen Ausweg gefunden.
      Was war denn mit den Toren? Er forschte doch an ihnen. Wäre es nicht sinnvoll, das Zeittor zu nutzen und sich somit mehr Zeit zu erkaufen? War das möglich? Und wenn ja, wie öffnete man es und kam unbeschadet wieder zurück? Ein neuer gedanklicher Spiegelstrich fügte sich ihrer To-Do-Liste hinzu. Sie würde Ruairi diesbezüglich befragen müssen. Vielleicht musste man nur etwas kreativer denken und dann fand sich ein Weg um das Unvermeidliche zu vermeiden?
      "Ich glaube, jeder Mensch fürchtet in seinen Grundfesten vergessen zu werden. Warum sonst würden so viele Menschen danach streben etwas zu erreichen, was sie unsterblich für die Späteren macht? Bücher, Bauten, Thesen.... All das dient doch nur dazu. Pass auf, ich weiß, dass du nicht willst, dass ich versuche dir zu helfen. Du kennst mich besser. Dann lass mich wenigstens das hier tun...", fügte sie leiser hinzu und setzte das Kinn auf seinen Scheitel ab.
      "Hast du deine Hand wegen meiner Geschichte weggenommen? So war das nicht gemeint... Als ich dich damals im Evenstar das erste Mal getroffen hatte, war ich tatsächlich so eingestellt, dass ich euch bis aufs Blut beneidet und verflucht habe. Über die Zeit hat sich das gewandelt. Oder wie würdest du dir sonst erklären, dass ich hier halbnackt mit dir in meinen Armen liege, hm? Du hast genauso viel Einfluss auf mich gehabt wie andersherum. Vergiss das nicht."

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    • Konnte das alles hier noch schwieriger werden? August vermutete beinahe nicht.
      Nicht nur, dass ihm wechselseitig heiß und kalt wurde, wenn er an Ember und die Nähe zu ihr dachte, sondern auch bedingt durch die Tatsache, dass sie ausnahmsweise mal Wörter verwendete, die sie so meinte. Es erschien ihm lange her, dass sie überhaupt ein Gespräch geführt hatten. Geschweige denn ein gutes.
      Doch als sie ihn herunter kommen ließ, ahnte er bereits nichts gutes. Seine Selbstbeherrschung war nur noch dank der Vorahnung, die er seit dem Gespräch mit Noland hatte, intakt und würde es auch seiner Auffassung nach bleiben. Nur war das hier gar nicht hilfreich.
      Doch zu tröstend war die Berührung ihrer Finger, ihres Armes um seinen Rumpf und die Wärme ihrer Haut an seiner Stirn. Er roch das merkwürdige Waschmittel, das Perley verwendetet und es erschien ihm so merkwürdig fern, ihre Haut darunter zu riechen, die ihm wie ein wärmender Regen vorkam.
      Sommer. Sie roch nach Sommer. Obwohl es doch anders sein sollte.
      Aber wo der Schatten wuchs, konnte das Leben nur schwer gedeihen. Und auch wenn ihre Worte liebevoll und beinahe voller Zuneigung erschienen, schlich sich die dunkle Vorahnung, dass Jemand anderes diese Behandlung ebenso erhielt, ohne Vorwarnung wieder in seinen Geist.
      Nur dies hielt ihn davon ab, seine Hand zu bewegen, die mehr unter denn zwischen ihnen lag. Stattdessen ließ er es geschehen. Ließ es laufen. Beweg dich nicht August. Leg deinen Arm um sie, ja so ist es gut.
      Sachte hüllte er auch ihren Leib mit einer Umarmung ein und seufzte leise.
      "Ich danke dir", flüsterte er an ihrer Brust und atmete durch.
      Neben all den DIngen, die er in Kontrolle halten musste, waren dies wohl die einzigen Worte, die er gefahrlos an sie richten konnte, weil sie wahr waren.
      "In Ordnung..:", murmelte er auf ihre Bitte hin, dass sie dieses für ihn tun möge. Das war in Ordnung, aber...
      "Ember...", begann er erneut nuschelnd an ihrem Fleisch, die Lippen nur wenige Millimeter von der Haut entfernt und doch darauf bedacht, diese nicht voreilig zu berühren. Auch wenn der Wunsch überirdisch stark war. Er würde das Bett verlassen müssen...Oder?
      "Ich möchte, dass du mir eines versprichst: Bitte halt dich fern von den Toren. Ich weiß, es ist ein großes VErsprechen und ich verlange es nur ungern, aber diese Tore sind...Sie sind die Hölle...Bitte tu das nicht. Für alle die du liebst und die dich lieben."
      Vielleicht würde das funktionieren, wenn man ihr ihre Liebsten vorhielt. Diese Dame mit dem Kind und...Vielleicht andere.
      "Ich muss nicht unsterblich sein", sagte er nachdem er sich etwas gefasst hatte.
      Sachte löste er sich aus der beinahe liebevollen Umarmung und hob den Kopf, um ihr ins Gesicht zu sehen. "Es reicht mir, wenn ich nicht vergessen werde. Das ist völlig ausreichend. Wenn nur ein Mensch sich meiner erinnert...Ist es mehr als genug."
      Dann endlich fasste er ihre Augen ins Visier und versuchte sich an einem schwachen Lächeln.
      "Nichts dergleichen ist der Grund", sagte er leise und verfluchte den Umstand, dass seine Hand ihr Kinn berührte, um die Linie nachzufahren. "Ich habe die Hand fortgenommen, da ich sonst eine Grenze überschreiten würde, aus der es kein Zurück mehr gibt. Weil ich jetzt schon merke, dass ich nicht aufhören kann, dich zu berühren. Und zu deiner Frage...Ich glaube, wir beide haben uns bereits beantwortet, dass wir nicht wissen warum wir es tun. Auch wenn ich mich freue, dass ich dich etwas beeinflussen konnte. Dann habe ich wenigstens etwas Gutes in all diesem Chaos erreicht."
      Das Lächeln was folgte, war offen und beinahe jugendlich fröhlich. So gar nicht passend zu seinem grantigen Selbst, das er sonst zur Schau trug. Auch wenn seine Augen müde wirkten, schoss ein Funke leben hindurch.
      Seine Hand hatte derweil nicht von ihrem Kinn abgelassen und fuhr die Kieferlinie auf und ab, ehe er blinzelte und begriff was er da tat.
      "Ich...Entschuldige, ich...Weiß nicht, was in mich gefahren ist."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember zuckte nicht zusammen, fühlte sich jedoch jämmerlich ertappt. Dass August zu denjenigen gehörte, die scheinbar auch Gedanken erahnen konnten, war ihr bisher nicht bewusst. Oder nannte er nur Dinge, die er vermutete, einfach zur goldrichtigen Zeit? Sicherlich wusste er, dass sie zu oft dazu neigte, die viel zu gefährlichen Wege zu wählen anstatt sich langfristiger Gedanken zu machen. Er hatte das Tor ihr gegenüber einst erwähnt, aber weitere Beschreibungen hatte sie nicht durch ihn erlangt. Das war jemand anderes gewesen.
      "Ich bin doch kein Zauberer. Vermutlich halte ich mich so weit weg von den Toren wie es überhaupt nur geht. Weder weiß ich, wie man sie öffnet, noch ob ich das wirklich will. Es wird schon nicht dazu kommen, dass ich schon wieder Kopf und Kragen riskiere", erwiderte sie und ging nicht darauf ein, dass er ihr Versprechen haben wollte. Ja, sie würde so weit wie nur irgendwie möglich den Bogen um die Tore schlagen, aber wenn sich herausstellen sollte, dass in ihnen eine Lösung verborgen sein könnte, dann würde sie sie zumindest in Betracht ziehen. Stattdessen hielt sie den Arkana weiter im Arm, wurde sich bewusst, wie sein eigener Arm sich um sie gelegt hatte. Annähernd, aber dennoch vorsichtig und darum bemüht, kein Wagnis einzugehen.
      "Ich weiß, dass Unsterblichkeit nie dein Ziel war." Eine Feststellung, die von Anfang an in ihrer Grundauffassung verankert war. Je länger sie mit diesem Mann zutun gehabt hatte, desto eindeutiger wurde es, dass ein ewiges Leben nie das gewesen war, was er erreichen wollte. Und so ließ sie ihn ein Stück von sich abrücken, damit sie sich wieder ansehen konnten. Dass es ihm reichte, dass nur ein Mensch sich an ihn erinnerte, konnte sie nicht für bare Münze nehmen. Man sagte gerne diese Floskel, um dem Gegenüber ein wenig seiner Last von den Schultern zu nehmen. Man wollte ihn nicht weiter belasten mit Umständen, die er eh nicht ändern konnte. Ergo spannten sich ihre Lippen ein wenig an als sie Widerworte zurückbiss.
      Jedoch kehrte eine gewisse Aufmerksamkeit in Embers Augen zurück, als sich plötzlich wieder Finger an ihrem Kinn bemerkbar machten. Als er es vorhin getan hatte, hatte er sie geküsst. Dann enthüllte er ihr, dass er seine Finger im wahrsten Sinne des Wortes nicht von ihr lassen konnte, und das konnte sie mehr als gut verstehen. Eigentlich war sich Ember sicher gewesen zu wissen, wie sie sich positionierte. Dass sie eindeutig mit Ruairi gehen würde. Aber vielleicht hatte diese kleine, dreckige Einlage Oliver Browns dafür gesorgt, dass sich das kleine Fünkchen Unsicherheit entfachte. Oder sie war doch nicht so fest eingestellt gewesen, wie sie vermutet hatte. Sie konnte nachvollziehen, wie sich August fühlte. Auch sie hielt sich nur an Grenzen, die sie sich selbst auferlegt hatte. Wenn sie diese fallen ließ und täte, was ihr Bacuhgefühl sagte, dann würde sie ihn vermutlich noch mehr verletzen als ohnehin schon.
      Bei Augusts folgendem Lächeln zog sich irgendetwas in ihr zusammen. Ihr wurde regelrecht schwer ums Herz, die Luft wurde knapp und sie hatte das Gefühl, einen Schweißausbruch zu erleiden. Solch ein Lächeln hatte sie bei ihm noch nie gesehen und das Wissen, dass sie mitunter Auslöser dafür war, jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Sie war verwirrt, sie war irritiert. Fühlte sie schon immer so ihm gegenüber oder war es dem Abend geschuldet? Zwar entschuldigte er sich nicht dafür, dass er sie weiterhin berührte, seine Handlung einstellen tat er jedoch auch nicht. Jetzt war sie an der Reihe, eindringlich auf ihre Atmung zu achten.
      "Ich weiß schon, was in dich gefahren ist", flüsterte sie leise, ihr Blick zuckte zu seinen Lippen, dann wieder zu seinen Augen hinauf. "Du verwirrst mich, August. Nicht unbedingt schlecht, aber verwirrt. Ich dachte, ich kann mich klar positionieren und jetzt liegen wir hier in einem Bett nach einem echt beschissenen Abend und ich kann mich nicht von dir lösen." Sie gab ihrem Impuls ein Stück nach, nicht viel, aber gerade genug, damit das Gefühl in ihrem Brustkorb sich ein wenig abschwächte. Sie beugte sich ein wenig zu ihm hinab und gab ihm einen sanften Kuss auf die Stirn. Er hielt zwei Sekunden, danach begab sie sich wieder auf ihre angestammte Position zurück, ließ ihre Hand jedoch an seinem Rücken.
      "Meinst du, du kannst mich gleich in meine Wohnung bringen?"
      Das waren die Worte der Vernunft, die da aus Ember sprachen. Aber der Ausdruck in ihren Augen war unstet. Das Gefühl, hin und her gerissen zu sein, war übermächtig. Die Logik versuchte zu erklären, warum sie sich jetzt so fühlte und nicht mehr sicher bestätigen konnte, dass sie sich ohne Zweifel für Ruairi entscheiden würde. Denn bei August wusste sie, dass er sie liebte und es nur nicht selbst so einordnen konnte. Er tat es wohl schon über längere Zeit, sonst wäre er nicht so oft für sie in die Bresche gesprungen. Die Worte des Schicksalrades... Die Blicke, dieser Moment. Dass er sie einfach nicht nicht berühren konnte...
      Es war schwer. Viel zu schwer. So schwer, dass ihr Mund trocken wurde und sie das Gefühl für ihren Körper verlor. Sie wollte das bisschen Zeit, die ihnen blieb, nicht so schnell aufgeben. Wollte sich nicht von ihm lösen obwohl sie wusste, dass sie es sollte. Das wäre nur logisch, das wäre nur richtig. Aber seit wann machte Ember Sallow alles immer richtig?

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Diese Veränderung der Atmung...
      August war darauf spezialisiert, seine Aura auf mehrere Bereiche des menschlichen Körpers auszudehnen. Zumeist hielt er sie in den Augen verschlossen, damit er genug erkennen konnte. Schwankungen in dem Aurafluss, Nuancen der Intensität. Doch heute Abend, wo seine Aura faktisch kaum mehr intakt war, erschien es ihm so erschreckend real, ihren Atem so nah auf seiner Haut zu fühlen, während sie sprach. Warum er hatte er das nicht schon viel früher getan?
      Der Kuss auf seiner Stirn, die sanfte Berührung und die plötzliche Nähe erfüllten seinen Geist mehr als es die Sucht nach den Geheimnissen der Magie jemals getan hatte. Zumindest in diesem einen Moment.
      Schweigsam ließ er die Nähe zu und legte vielmehr sogar die Hand, die vormals ihr Kinn gestreichelt hatte, in ihren Nacken, als wollte er ihr signalisieren, dass sie nicht aufhören möge. Es lag kein Druck dahinter, kein Besitz oder dergleichen. Einfahc nur ein stummer Wunsch. Ein Wunsch, der ihn beinahe vergessen ließ, dass sie ihm nicht das Wort gegeben hatte, wie er es sich gewünscht hatte.
      "Verwirren...", murmelte er sanft, als sie sich wieder löste. "Verwirren tust du mich auch, Ember Sallow. Bis vor einiger Zeit hätte ich nicht mal in Erwägung gezogen, meine Forschungen für Jemanden zu unterbrechen, der sich selbst gern in halsbrecherische Aktionen wirft. Ich hätte es mit einem Schulterzucken hingenommen und mir gedacht: Sie hat es verdient. Möge sie lernen."
      Ein sanftes Kichern entrang sich seiner Kehle, als er sie wieder ansehen konnte.
      "Und sieh mich an...", grinste er und breitete den einen Arm aus, der noch in ihrem Nacken lag. "Jetzt habe ich nicht nur alle Forschung und Anleitung stehen und liegen lassen, ich habe sogar die Dreistigkeit besessen, meine eigene Aura zu deaktivieren. Und ich liege mit einer schönen Frau im Bett, die sich eigentlich gar nicht von mir lösen möchte."
      Forsche Behauptung, dachte er und grinste noch breiter, beinahe befreit.
      "Also zumindest hoffe ich das. Ich würde es mir nicht wünschen, dass du dich von mir löst, ich würde -"
      August unterbrach sich schnell und verschloss den Mund, ehe er sich durch alles, was er tat zu verraten gedachte. Gefühle waren so eine Sache. Er hatte sie schon einmal zugelassen und am Ende hatte man ihm alles genommen was er liebte und besaß. Nicht, dass er auf Materielles wert legte, aber...DIe Momente kehrten nie zurück.
      Als sie ihre Frage stellte, zog er überrascht die Augenbrauen hinauf.
      "Ich...Ja, natürlich", lächelte er. "Ich bringe dich zurück."
      Wann sie wollte. Hoffentlich wollte sie es nicht zu schnell, denn das alles hier war zu vertaut, als dass er es aufgeben wollte. Das Logische wäre gewesen, ihr den Raum zu geben, den sie brauchte, um ihre VErwirrung loszuwerden. Sich zu positionieren, wie man sagte. Er hätte gehen sollen. Schlafen konnte er auch unten.
      Aber wann machte August immer alles richtig?
      "Ich..."
      Scheiß drauf, dachte er noch just in der Sekunde, ehe er den Raum zwischen ihnen schloss und auf die Vernunft pfiff. Man konnte vernünftig sein, wenn man ein langes Leben vor sich hatte und nicht nur drei beschissene Wochen. Zumindest dieses eine Mal wollte er nicht vernünftig handeln und konnte erst die Taubheit in seinem Gesicht schwinden fühlen, als er seine Lippen auf ihre legte.
      Und wieder...
      Heißer Honigwein. Und Sommer.
      Innerlich fürchtete er sich vor der gerechtfertigten Ohrfeige, aber gleichsam spürte er, wie das Biest in seinem Inneren zufrieden grunzte und sich schlafen legte. Mit diesem einen Mal erschien sein Kopf herrlich klar und schmerzfrei von allen Lastern der Vergangenheit. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit löste er sich wieder von ihr und verharrte wenige Zentimeter und schwer atmend vor ihrem Gesicht.
      "Ich..."
      Bitte um Verzeihung, du Idiot! Mach schon!
      "Also..."
      Na los jetzt! So schwer ist es nicht! Es tut mir Leid! Sag es!
      "Ach verflucht noch eins!"
      Ja, man pffif auf Vernunft. Und wenn, dann schon richtig. Anstatt einer Entschuldigung ruckte sein Kopf erneut nach vorne und küsste sie erneut, als würde sie das rettende Wasser nach einem langen Wüstentrip sein. Seine Wange tat ihm jetzt schon weh...

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      The more you drag me to hell
    • Zu gut erinnerte sich Ember daran, unter welchem Namen sie einst bei August eingespeichert gewesen war. Nervige Detective.... ja, solch einer Person mochte man wirklich Wünschen, dass sie an ihren eigenen vergifteten Happen lernte. Ihre Bekanntschaft war damals wirklich nicht sonderlich gut gestartet. Umso erstaunlicher, wohin diese Reise sie beide nun geführt hatte. Dank ihrer Nachforschungen hatte Ember erfahren können, dass August primär Nachforschungen und Abschriften angefertigt hatte. Immerhin hatte er deswegen auch nur mit seinen Freunden damals das Tor geöffnet. Dass er nun von sich aus behauptete, dass er sie alle für eine einzige Frau auf Eis gelegt hatte, konnte die Ermittlerin beinahe nicht glauben. Sie hatte sich in halsbrecherischen Aktionen immer weiter bewegt und ihn scheinbar einfach mit sich gerissen. Womöglich war ihm nicht einmal eine wirkliche Wahl geblieben.
      "Also zumindest hoffe ich das. Ich würde es mir nicht wünschen, dass du dich von mir löst, ich würde -"
      Embers Augenbrauen hoben sich leicht fragend an. Beide blinzelten sich einen Moment lang an, sie in dem Versuch den Satz zu vervollständigen und er im Begriff seine Worte unausgesprochen zu lassen. Zu gern hätte sie aus seinem Mund gehört, wie der Satz zuende ging. Was er vor ihr verheimlichen wollte oder sich sogar nicht traute, laut auszusprechen. Er hatte immerhin auch damit aufgehört sie im Gesicht zu berühren, wodurch sie sich in ihrer eigenen Handlung bestätigt fühlte. Doch das bedeutete noch lange nicht, dass sie sich von einander getrennt hatten. Den dringend notwendigen Freiraum zwischen ihnen erschaffen hatte. Wie löste man denn galant so eine Situation? Ging das überhaupt und noch wichtiger; wollte man das?
      August nahm ihr ungefragt die Antwortmöglichkeit. "Ich..."
      "Du?...", fing sie sein Gestammele auf und ahnte bereits bei dem ersten Geräusch des Wortes, dass das eine ganz blöde Idee gewesen war. Sie hatte oft genug sehen, wie sich die Köpfe leicht schräg neigten und die Augen leicht diffus einen Fixpunkt suchten bevor man einen Vorstoß wagte. Beim ersten Mal hatte sie ihm die Freiheit eingeräumt. Erneut ahnte sie voraus, dass er sie küssen würde. Erneut agierte ihr Körper von selbst und fordete ihre Lider auf, sich zu schließen. Sie wurde weich unter seinem Arm, passte sich unterbewusst seiner Körpersprache an und hinderte ihre Finger daran, nach ihm zu greifen. Was hatte sie sich bei dieser Schnappsidee eigentlich gedacht? Es war doch nur eine Frage der Zeit gewesen wann es passieren würde. Immerhin wusste sie doch, dass er sie liebt. Es gab nur eine Erklärung dahinter, warum sie ihn nicht direkt vehement von sich geschoben hatte, doch ihr überfordertes Hirn schaltete nicht schnell genug. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, die der Kuss anhielt und in der sie sich wieder in Erinnerung rief, wie sich seine Lippen angefühlt hatten. Was er im Twisted Mind gesungen hatte und es ihr gewidmet hatte. All dies entlud sich nun zielgerichteter zwischen ihnen, ließ sich nicht mehr mit Eifer des Gefechts von einer aussichtlosen Lage erklären. Es gab hierfür so wenig Erklärung wie damals, als sie nach ein paar Tagen bereits Sex gehabt hatten. Schon damals waren sie voneinander angezogen worden wie zwei Motten am Licht. Warum diese Anziehung so war, würde wohl niemand beschreiben können.
      Irgendwann endete jedoch auch die Ewigkeit und sie rauschten wieder in das grausame Jetzt. Ihre Lippen lösten sich, August brachte ein paar Zentimeter zwischen ihren Gesichtern und beide betrachteten sich nur atemlos. Ember zitterte ganz leicht - warum wusste sie nicht - und musterte den Mann ihr gegenüber. Sie hatte den Absprung verpasst und jetzt durfte sie sich mit ihrem Körper bekriegen, der nach diesem Zauberer greifen wollte. Mehr von ihm wollte, den Moment und die Gewissheit auskosten, dass er sie liebte. Aber ihr Kopf weigerte sich, versuchte mit größtmöglicher Kraftanstrengung die Vernunft im Fokus zu halten. Sie sollte ihn jetzt darum bitten, sie nach Hause zu bringen. Ganz schnell aus dem Bett verschwinden, sonst geschah noch das Unglück, oder ihn bitten zu gehen, damit -
      "Ach verflucht noch eins!"
      August steckte ihre Vernunft einfach so in Brand als er Ember erneut küsste. Als hätten sich Fesseln von ihm gelöst bekamen seine Küsse einen neuen Geschmack. Einen, der ihr wirklich gefiel. Und diese Erkenntnis war es, die das Feuer mit einer Decke erstickte. Ihre nicht mehr so kalten Hände griffen nach seinen Schultern während ihre kurzzeitig geschlossenen Augen wieder aufflogen. Bestimmt schob sie August von sich und setzte sich überstürzt auf. Ihre Haare standen in allen erdenklichen Richtungen ab, das Hemd war ihr leicht verrutscht und die Decke hatte sich verabschiedet. Ihr Puls war so laut, dass sie nur noch Rauschen in den Ohren hatte als sie den Zauberer anstarrte und offensichtlich in einer Zwickmühle saß. Sie hatte ihn erfolgreich von sich geschoben. Ein gutes Zeichen. Doch es folgten keine Worte, keine eigene Flucht, nichts dergleichen, was eine Auflösung der Situation bewirkt hätte. Stattdessen lag etwas anderes in ihrem Blick. Sie wollte sich dieser Vernunft widersetzen, wollte, dass er weiter diese Grenzen niederriss. Das Anstarren ging eine Weile lang, ehe sie ihre Lippen befeuchtete und das Erste sagte, was ihr in den Sinn kam: "Hab vergessen, dass du ein recht talentierter Küsser bist."
      Grandios, Ember. Bester Satz, den man nach so einer Aktion bringen kann. Einfach nur perfekt.
      Sie schloss bei diesem Gedanken leicht genervt die Augen. Ihr Hirn hatte eindeutig seine Funktion angestellt. Als sie die Augen wieder aufschlug lag er noch immer unverändert vor ihr. Okay. Niemand von ihnen wollte gehen. Dann gäbe es da ein Problem.
      "Mh... Ich glaub... so richtig gehen will keiner, hm?... Wie...", sie räusperte sich, sie glaubte, ihr Gesicht glühte wie ein Stück Schmiedestahl, ".... wie lange haben wir noch bis Perley kommt?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die Küsse fühlten sich an wie siedend heiße Schmiedeeisen, die man aufeinander presste. Hatte er vormals noch den Funken von Vernunft besessen, so wurde dieser von der Hitze des Gefechts beinahe fortgewischt. Zurück blieb eine Sehnsucht und blanke Gefühlsbekundung, obschon sein Körper bereits nach allem mehr rief, was er zu kriegen gedachte.
      So einfach konnte es also sein, dachte August und hatte bereits nicht mehr damit gerechnet, aber irgendwann drückte sie ihn doch von sich weg. Mit einem Mal stellte sich das Verlangen ein und machte einer schwelenden Vernunft Platz, die da eigentlich nicht sein sollte.
      Auch sein Gesicht glühte und der Puls schien seinen Hals verlassen zu wollen.
      August schluckte bedächtig und nahm etwas Abstand, nachdem sie ihn fortgedrückt hatte. Doch das Bett verlassen wollte er nicht. Sie auch nicht, wie sie feststellen musste.
      "Talentierter Küsser", flüsterte er und kicherte lautlos in sich hinein. "Also das talentiert nimmst du zurück. Wenn ich mir unsere Gesichter so ansehe, glaube ich, dass wir das beide exzellent drauf haben."
      Seufzend legte er sich etwas mehr auf die Seite und sah sie an, während sie offenkundig nach Fassung rang. Es wäre so einfach, sie zu berühren, nach ihr zu greifen wie ein Hungernder. Und doch nicht zu verstehen, warum er das eigentlich tat. Warum waren es gerade sie beide?
      Der Eine unterschiedlicher als der Andere und doch zogen sie sich an, als gäbe es keinen verfluchten Morgen mehr. Atemlos lauschte er ihren Worten und nickte.
      "Nein, ich will nicht gehen, ehrlich gesagt", murmelte er und ließ sich auf den Rücken fallen. Seine Schulter schmerzte vom Abstützen und er sah an die Decke, um seine rasenden Gedanken und den Puls zu beruhigen.
      ".... wie lange haben wir noch bis Perley kommt?"
      Hatte sie gerade...?
      Nein, oder? Das wäre doch...Also...
      Augusts Verstand schien selbst keine Sekunde mehr recht zu fuktionieren, auch wenn sich das Bild erst jetzt fügte. Eine Frau, die einen Kuss hinnahm, war eine Sache. Das konnte Überraschung sein. Eine Frau, die einen zweiten Kuss hinnahm jedoch...Da war eindeutig etwas mehr als Bereitschaft zu erkennen. Auch die Tatsache, dass sie ihn nicht geohrfeigt oder aus dem Bett gestoßen hatte, war ein Teil des Bildes, das sich erst jetzt - nach Beruhigung seines Pulses - zusammensetzte.
      Und auch wenn August Foremar nur sehr ungern die Verwirrung einer Frau nutzte, aber er würde lügen, wenn er sich nicht ein wenig darüber freuen würde, dass er eine solche Wirkung erzielte.
      Seine Augenbrauen wanderten vor Überraschung nach oben und er drehte den Kopf zu ihr. Wallendes silbernes Haar auf dem Kissen, ein zu großes Hemd um die blasse Haut...Wie lange hätte er dem Ganzen noch widerstehen können? Vermutlich hatte er sich bereits ergeben, als er den Raum betreten hatte.
      Es verhinderte nicht, dass sich ein erleichtertes und zugleich ein wenig anzügliches Lächeln auf seinen Lippen verteilte.
      "Ich denke, dass es noch anderthalb Stunden sein müssten...", flüsterte er. "Warum? Was hast du vor, Ember Sallow?"
      Neugierig drehte er sich wieder auf die Seite und das gleiche Feuer, das er in ihren Augen fand. Den gleichen Wunsch, die Tore einzureißen, fand sich auch in seinen Augen wieder.
      Sachte wanderte seine rechte Hand auf umständlichen Wege über die Bettdecke zurück zu ihrem Körper, um leicht gegen ihre Hand zu stoßen.

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    • August hatte sich auf die Seite gedreht und Ember war sich todsicher, dass sie die Absicht in seinem Blick herauslesen konnte. Als würden ihre Fingerspitzen bereits kribbeln in der leisen Vorahnung, dass er nach ihr langen würde, und sie es erwidern würde. Nichts davon geschah allerdings und so huschte ihr Blick zwischen seinen hellen Augen hin und her bevor er sich schlussendlich auf den Rücken fallen ließ. Gott, er hatte gerade zugegeben, dass auch er nicht gehen wollte. Natürlich nicht - verdammt nochmal, sie wusstedoch, wieso! Er würde auf alles anspringen, was sie ihm gab. Jedes bisschen würde er sich nehmen, als wäre es das Letzte auf dieser Welt, was ihn bei Sinnen hielt. Und ohne es zu wissen hatte sie ihm genau diesen Brocken zugeworfen.
      Ihre letzte Frage traf genau das Zentrum in Augusts Verstand, das sie nicht tangieren wollte. Viel zu spät realisierte sie, wie man diese Frage auffassen konnte und sie hätte sich beinahe selbst geohrfeigt. Spätestens als er erneut sein Gesicht zu ihr wandte wusste sie, dass da Verbindungen in seinem Verstand geklickt hatten, die sie lieber unwissend gelassen hätte. Überdeutlich sah man eine Erkenntnis in seinen Augen aufblitzen, der Beweis dafür, dass er die etlichen kleinen Hinweise zusammengeführt hatte. Sofort überkam Ember das Gefühl, als würde ihre Brust noch enger geschnürt werden. Oder vielleicht war hier auch einfach nur nie gelüftet worden und der Sauerstoff war aufgebraucht. Das Lächeln, was sich nun auf seinem Gesicht ausbreitete, verhieß auf jeden Fall nichts Gutes.
      „Hör auf so zu grinsen“, ermahnte sie ihn in einem möglichst seriösen Tonfall, doch ihre leicht heisere Stimme gab dem Ganzen nur einen jämmerlichen Beigeschmack. Es gelang ihr jedoch noch immer kein Räuspern, kein Husten, gar nichts. Nur leicht geweitete, unschlüssige Augen. „Darf ich keine Fragen ohne Hintergedanken stellen?“
      Anderthalb Stunden. Das war eine verdammt lange Zeit. Wieso zur Hölle war er so unvermittelt zu ihr gekommen und hatte sie aus dem Schlaf gerissen? Hätten es nicht einfach nur noch fünfzehn Minuten sein können? Dann wäre es ein Leichtes gewesen einfach zu behaupten, man müsse sie nach Haus bringen bevor die Situation auf andere Umstände hätte schließen lassen können. So allerdings hatten sie mehr als genug Zeit für jegliche Schandtaten – von denen sie eine hingegen kategorisch ausschließen konnte.
      Embers Augen schnellten zu der Hand, die sich über die Decke in ihrer Richtung arbeitete. Sie regte sich nicht, schwieg und beobachtete lediglich, wie seine Finger schließlich an ihre stießen. Wie von selbst fächerte sie ihre Hand auf, sodass seine Finger zwischen ihre gleiten konnten, nur um durch den Druck ihrer Fingerglieder festgehalten zu werden.
      Ein abschätzender Blick in Richtung des Zauberers.
      „Was ich vorhabe? Nicht spezielles. Ich wollte nur wissen, wie lange ich dir noch standhalten muss“, gab sie am Ende doch zu und versuchte sämtliche Stimmen in ihrem Inneren abzuwürgen. „Vielleicht sollten wir... Regeln einführen.“
      Ja, Regeln waren gut. Das würde eine Basis bilden, mit der sie Beiden arbeiten konnten und genau wussten, wann eine Grenze ausgereizt war. Regeln hielten die Gesellschaft in Balance, dann sollte das bei ihnen doch auch funktionieren. Sie gab sich einen Ruck, rutschte wieder etwas näher an August heran, ohne ihn jedoch weitreichender zu berühren.
      „Wir werden nicht wie hirnlose Teenies übereinander herfallen. Das hatten wir schon.“ Wobei sie dieser Idee per se nicht gänzlich abgeneigt war. „Ich will unsere Aussprache nicht mit etwas torpedieren, was wir nicht... überdacht haben, ja?“
      Sie hatte sich unwissentlich weiter zu ihm gebeugt. Ihre Haare fielen wie ein silberner Vorhang um ihrer beider Gesichter, seine Hand hatte sie derweilen freigegeben um sich ordentlich abzustützen. Es war eine Sache, wenn die Avancen von seiner Seite aus kamen. Eine gänzlich andere, wenn sie sie erwiderte und selbst initiierte. Aber etwas in ihr drängte sie dazu. Nicht das Wissen, dass es ihn nur noch drei Wochen geben mochte. Es war etwas anderes, das für sie nicht gänzlich greifbar war als sie ihre Lippen sachte auf seine legte und die Augen schloss.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August Foremar war selten amüsiert und wahrlich belustigt.
      Doch als die Detective wieder auf ihre Regeln zu sprechen kam, konnte er nicht anders als jugendlich frei aufzulachen und sie anzusehen. Es lag kein Spott in der Stimme, es war vielmehr die Erleichterung, dass sie ihm seine bisherigen Avancen nicht übel nahm.
      "Du und deine Regeln", flüsterte er viel leiser um die Anderen nicht zu wecken. "Weißt du...Ich denke, wir sollten keine Regeln haben und auf unser Herz hören. Entschuldige wenn ich da etwas kitschig bin, aber ich habe Jahrhundertelang nach Regeln gelebt und mir gewisse Dinge selbst vorenthalten, aus Angst, sie könnten etwas zerstören. Und jedes Mal habe ich mich Regeln unterworfen. Zuletzt die missglückte Regel: "Schlaf nicht mit der Polizistin.". Und wir beide haben eigentlich oft genug bewiesen, dass wir viel lieber Regeln brechen als uns daran zu halten, meinst du nicht auch?"
      Das Grinsen, was sich auf seine Lippen legte, konnte nicht anders als anzüglich beschrieben werden. In seinen Augen spiegelte sich nichts anderes als ehrliches Begehren und gleichsam etwas viel, viel Tieferes, das er nicht in Worte zu kleiden wusste. War es Liebe? Nein, vielleicht war es sogar mehr. Ein Zustand ohne Namen den er sich auch nicht wirklich erklären konnte. Für Liebe waren sie eindeutig zu wenig zusammen gewesen und doch hatte er alles stehen und liegen gelassen.
      Udn August fragte sich wieso.
      Das rasend' Herz zur Faust geballt sah er Ember an und seufzte, als sie den Kuss über ihn legte. Sanft und warm legte sich der Schleier beider Lippen auf ihn und ließ ihn einen Moment vergessen wie man atmet. Erst als sich der Kuss löste und er sanft nach ihrem Gesicht griff, vermochte er wieder nach Luft zu japsen.
      "Ich sag dir was, Ember Sallow", flüsterte er zwischen zwei Küssen. "Widerstehen brauchst du mir nicht. Du bist frei. Wenn du Stop sagst, höre ich auf und lasse ab von dem was ich tue. Es wird kein böses Blut geben. Aber ich werde mich nicht mehr hinter dem Verstecken, was ich bin und was ich empfinde.
      Begehre ich dich? Eindeutig ja. Ja, ich begehre dich und würde am liebsten der hirnlose Teenager sein, weil alleine deine Nähe mir das Gefühl gibt, ich reiße gleich einen Berg aus und setze ihn nach Schottland. Genieße ich das hier? Ja! Ich genieße es voll und ganz. Es ist mir genug, hier zu liegen und einfach nur deine Hand zu halten, da es mir nicht um den Sex geht. Aber würde es unsere Aussprache torpedieren?"
      Einen Moment lang verzog er das Gesicht und hauchte ihr nur einen zarten Kuss auf die Unterlippe. Sachte kniff er hinein und zog leicht daran, ehe er sie wieder entließ.
      "Ich denke, über das Torpedieren sidn wir schon hinaus. Und ich habe bis jetzt keines deiner Worte vergessen."
      Grinsend lehnte er sich zurück und streichelte mit einem Finger ihren Arm entlang. Er erinnerte sich an die Gegebenheit in ihrer Wohnung, wo er ihr sagte, sie solle aus sich heraus kommen. Nun, den Punkt hatte sie bereits überschritten.
      "Mein Vater sagte immer...Das Herz will, was das Herz eben will. Und ich bin nicht mehr bereit, meines in Stein zu legen."

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    • Eigentlich sollten Regeln etwas Tolles sein. Etwas, an dem man sich orientieren konnte und das einem eine Richtung vorgab. Während ihrer gesamten Laufbahn hatte Ember anhand eben jener Regeln agieren müssen und war bereits da dafür bekannt gewesen, sie bis an den Rand der Möglichkeit auszudehnen. Viel zu oft hatte sie sie umgangen, doch irgendwie angebrochen oder sich schlicht und ergreifend nicht gänzlich daran gehalten. Das tat sie nicht, weil es ihr Spaß bereitete, anderen Menschen auf der Nase herumzutanzen. Jedes Mal gab es einen bestimmten Grund, warum sie es als richtig oder wichtig erachtet hatte und das galt irgendwann nicht mehr nur für ihr Arbeitsleben.
      Sich nicht an Regeln zu halten war in der Welt der Zauberer allerdings meist mit mehr Gefahr behaftet als es ein gewöhnlicher menschlicher Alltag zu bieten hatte. August hatte viel zu schnell erkannt, wie gut sie um Regeln herumtanzte, und allein seine gesamte Historie bewies sein eigenes Talent dafür. Es hatte durchaus einen gewissen Nervenkitzel, wenn man Regeln brach, aber darum ging es Ember in diesem Falle gar nicht.
      Was war es also, das Ember Sallow geradewegs in die Fänge von August Foremar trieb? Lange Zeit hatte sie angenommen, dass es ein Stück weit an dem Punkt des Verbotenen lag. Dass er eine Faszination auf sie ausgeübt hatte, die die meisten Menschen in ihrem Leben nicht besaßen. Ihr Spektrum der Bekanntschaften war gewaltig, aber niemand schlug auch nur ansatzweise in seine Kerbe. Nach dem Vorfall mit dem Angelus hätte sie an ihrer Einstellung festhalten müssen, ihn aus ihrem Leben gestrichen zu sehen. Und doch hatte sie bewusst sein Umfeld gesucht, genauso wie er ihr eine Möglichkeit offengelassen hatte, wieder zu ihm zu kommen. Sie verhielten sich wie Magnete, die je nach Lage sich abstießen und dann wieder anzogen. Als könnten sie sich nicht aus einer Umlaufbahn lösen, die ihnen vorgegeben worden war.
      Wenn du Stopp sagst....
      Was, wenn Ember einfach nicht in der Lage wäre, Stopp zu sagen? Es gab bereits etliche Gelegenheiten, um diese kleine Wort der Macht an den Tag zu legen und jedes Mal hatte sie die Gelegenheit verstreichen lassen. Ungenutzt und irgendwie dankbar dafür. Sie glaubte ihm, dass es kein böses Blut geben würde, dafür war ihre Aussprache einfach zu viel wert gewesen, genauso wie die ihnen verbleibende Zeit. Noch nie hatte er so ausführlich und explizit beschrieben, was ihre Anwesenheit in ihm auslöste. Jetzt hatte sie den Beweis und damit das Zepter der Macht in der Hand. Als er ihr in die Unterlippe kniff, versteifte sie sich und rang die Reaktion nieder, die er ihr damit unterschwellig zu entlocken versuchte.
      „Ohne dir etwas vorwerfen zu wollen – ich hätte dich nicht als den Typ eingeschätzt, dem eine Hand völlig ausreicht“, zog sie ihn ein wenig auf nachdem er sich zurückgelehnt hatte und sie sein Gesicht wieder in Gänze begutachten konnte. Er hatte einiges an dunklen Furchen in seinem Gesicht verloren, als sei es ein optischer Beweis dafür, dass ihre Anwesenheit allein ihn schon beflügelte. Doch je länger sie ihn betrachtete, umso bewusster wurde ihr die imaginäre Uhr, die über seinem Kopf schwebte. Nicht, dass sie nicht alle eine Uhr besaßen. Aber keine von ihnen hatte ein bekanntes Ablaufdatum, so wie seine. „Das heißt, du gehst davon aus, dass du keinen Weg finden wirst, den Handel zu umgehen. Deshalb lässt du alle Hemmungen fallen weil du denkst Wenn nicht jetzt, wann dann? . Ein bisschen schade, dass es so einen Umstand braucht, damit du dich mir zugänglich machst.“
      Ember schmiegte ihren Körper ein weiteres Mal an Augusts und legte einen Arm um ihn. Ihr Kopf war auf Höhe seiner Brust, ihr Gesicht an die warme Haut gelehnt. „Eigentlich hätte ich niemals irgendetwas für dich fühlen sollen. Die Ausgangssituation gab es einfach nicht her und wir sind eher wie zwei Tornados um den jeweils anderen herum gefegt. Ich hätte mich nach der Sache mit dem Angelus von dir abwenden sollen. Tat ich auch, aber jetzt bin ich wieder hier. Es ist nicht so, dass ich mich dagegen sträube, aber ich habe nicht einmal genug Zeit, um das zu ergründen, weißt du? Das war mit allen anderen meiner Beziehungen zuvor anders.“

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August bemerkte die sachte Reaktion auf seinen Kuss. Das sachte Zurückziehen und diesen offenen Blick in sein Gesicht. Seines. Nicht das irgendeinen Anderen. Sie sah ihn an! Und das alleine ließ ihn frei atmen, obschon sein Körper zu atmen vergessen hatte. War sie schon immer so schön gewesen? Das Leuchten in ihren Augen erschien ihm beinahe überirdisch, sodass er beinahe an seiner geistigen Gesundheit zu knabbern hatte.
      Vielleicht war die Uhr auch schon weiter fortgeschritten als er dachte.
      Doch das, was sie sagte, besaß zumindest den Stoff für einen ausgewachsenen Streit. Normalerweise wäre er an die Decke gegangen und hätte sie angefahren um das zu kaschieren was er am meisten hasste. Angst. Doch dies war nicht die Zeit dafür und das Gefühl, das sie transportierte, durfte nicht kultiviert werden.
      "Ich denke nicht "wenn nicht jetzt, wann dann", murmelte er und führte seine Hand an ihre Wange. "Ich hätte dich damals nicht gehen lassen sollen. Ich hätte mich nicht zurückziehen sollen, aber ich konnte dir nicht unter die Augen treten. Ich habe mich geschämt. Schlimmer geschämt noch als für den Ausbruch des Sharokh. Ich hatte die wunderbare Gelegenheit, Jemandem etwas von mir zu erzählen und habe aus Angst konträr gehandelt, weil ich Angst vor den Gefühlen hatte, die es auslöst. Und ja, manchmal bewirken Deals mit dem Tod, dass man seine Prioritäten nochmals überdenkt. Aber niemals bist du eine Lückenfüllerin."
      Schweigsam ließ er es zu, dass sie sich an ihn schmiegte und genoß das Gewicht auf seiner Brust, während er selbst seinen Arm um ihren zarten Leib legte.
      "Hey, immerhin etwas positives", kicherte er. "Du hast Gefühle für mich."
      Sachte vergrub er die Finger in ihrem Haar und begann, ihre Kopfhaut zu kraulen. Noch immer schrie sein ganzer Leib nach ihr, nach dem, was sie einst getan hatten aber er genoß diese Nähe für dieses Mal. vielleicht für das letzte Mal.
      "Spaß beiseite", erklärte er. "Ich verstehe, dass es diesen Eindruck gemacht haben muss. Ich...Ich wusste lange nicht wie ich mit dir umgehen sollte. Vor allem nach den Nächten, die wir verbrachten. Du warst der Sturm in meinem Eiland und ich habe es gehasst und geliebt. Wenn ich mit dir zusammen war, fühlte ich mich lebendiger als vorher und es hat mir beinahe SPaß gemacht, dir meine Welt zu zeigen...Bis der Sharokh kam. Und dich bedrohte. An diesem Abend habe ich das erste Mal die Ausmaße begriffen, die dieses Monstrum anrichten konnte und ich hätte mir nicht mehr in die Augen sehen können, wenn ich zugelassen hätte, dass dir etwas passiert..."
      Er schüttelte den Kopf.
      "Ich verstehe, dass du diese Zeit brauchst", sagte er. "Hab keine Furcht davor. Ich finde einen Weg, meine Zeit zu verlängern und dann..Ich meine...Also, wenn du Zeit hast...Ich würde mir immer noch das verschissene Berwick mit dir ansehen...Aber nicht als Freunde."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • „Lange Zeit habe ich geglaubt, dass du nicht dazu fähig bist, Angst zu spüren. Es hat immer den Anschein gemacht, als hättest du ein gewisses Repertoire an Emotionen verloren oder willentlich von dir abgespalten. Das war einer der ersten Gedanken, die ich im Evenstar hatte als ich dich sah. Ich wusste nicht, dich einzuschätzen und je mehr wir erlebt haben, desto unsicherer wurde ich mir, ob du nicht einfach nur gut versteckst, was du fühlst. Mir haben dann ein paar Leute auf den Hinterkopf geschlagen und dann war die Sache klar.“
      Es gab nicht eine Person in Augusts Bekanntenkreis, die ernsthaft glaubte, er wäre emotional abgekappt. Emmett pflegte eine besondere Beziehung zu ihm, Hawthorne kannte ihn ebenfalls sehr lange. Selbst Cunningham hatte eine Einsicht gehabt, die Ember lange Zeit verwehrt geblieben war. Ganz davon zu schweigen, wie die Menschen im Twisted Mind auf ihn reagiert hatten. Nie hatte sie ihn in solch einer warmen Umgebung erlebt. Ganz davon zu schweigen, als er gespielt und gesungen hatte.
      Ember drehte den Kopf ein bisschen, um besser Luft zu bekommen wobei ihre Lippen fast über seine Haut kitzelten. „Ich hab mich auch nie als Lückenfüller gesehen. Aber ich weiß ja nur durch Eigenrecherche oder was mir deine Bekannten über die Zeit angetragen haben von deiner Vergangenheit. Scheinbar hat es wohl eine Beziehung in deiner Vergangenheit gegeben, die dich dazu gebracht hat, so zu reagieren. Das kann ich weder erahnen noch dir übel nehmen, da ich nichts davon weiß.“
      So wie sie zum Beispiel nicht wusste, dass er eine Schwester gehabt hatte. Eine Schwester, die das Desaster damals vielleicht überlebt hatte und es doch noch Familie für August gab. Familie, die sie ihm viel zu gerne zugeführt hätte. Was auch immer er damals getan hatte, in ihren Augen hätte er diese bisschen Glück verdient. Er hatte darüber hinaus sogar verdient, dass sie ihm nicht die Tour vermieste und versuchte zu leugnen, dass sie Gefühle für ihn hatte. Egal, in welcher Ausführung sie sein mochten.
      Sie lachte einmal kurz leise an seiner Brust auf. „Tja, die unheilvollen Nächte. Du hättest vielleicht doch auf deine eine Regel hören sollen und ich ein bisschen mehr Grips an den Tag legen sollen.“ Dabei beschrieb er eigentlich ziemlich gut, welche Wirkung sie meistens auf ihre Umfeld hatte. In der Regel fegte sie durch das Leben aller und hinterließ ein Chaos in welchen Ausmaßen auch immer. Das war bei August nicht anders gewesen und resultierte in seiner Unschlüssigkeit. Nachvollziehbar, wenn man das Gewesene so betrachtete. „Wobei man nüchtern betrachtet sagen muss, dass ich mir selbst die Schlinge mehrfach um den eigenen Hals gelegt habe und du eher weniger damit zu tun hattest. Dass ich selbst einen Sharokh rufe, war einfach nur saudumm. Dass ich mich ungesehen in die Reihen der Arkana eingemischt habe, war dumm. Dass ich inmitten der Nacht allein diesen scheiß Brief geöffnet habe in der Annahme, ich schaff das schon, war mehr als grob fahrlässig. Hab ja geahnt, von wem er kam...“
      Sie ließ ihre Gedanken in den Wind fahren und drückte den Zauberer einmal sanft. Sie verspürte eine Sicherheit, die nicht gleichzusetzen war mit jener, die Ruairi ihr spendete. Man sollte doch meinen, dass Sicherheit ein eindeutiges Gefühl sei. Und hier lag sie nun und empfand doch unterschiedliche Nuancen in ihr.
      „Hör ich da einen Vorschlag für einen Pärchenausflug?“, hinterfragte sie leicht belustigt und hob nun doch das Gesicht von seiner Brust ab. Er hatte sie nicht angesehen sondern blickte zur Decke. Stellte er sich vielleicht schon vor, was sie dort dann täten? Er hatte mehr als genug Motivation einen Ausweg zu finden. Aber drei Wochen war eine lächerlich kurze Zeitspanne und sie wollte und würde sich nicht vorstellen wie es wäre, ihm ein weiteres Mal beim Sterben zuzusehen. „Dafür musst du erst mal den Tod austricksen. Und dann hast du dir definitiv eine Belohnung wie diese verdient.“
      Ein weiteres Mal schob sie sich ein wenig an ihm aufwärts. Die Finger ihrer Hand suchten nach seinem Kiefer, fanden ihn und folgten dem Knochen zu seinem Ohr, wo ihre Hand ihren angestammten Platz fand. Sogleich folgte ihr restlicher Körper der Bewegung, indem sie sich zu seinem Gesicht streckte und seine Lippen ein weiteres Mal einfing. Leugnen konnte sie nun wirklich nicht mehr, dass da etwas für ihn schlug. Etwas, das nie wirklich erkaltet war sondern tief in ihr schwelte und darauf wartete, wieder neu entzündet zu werden. Hauchzart ertastete sie mit ihren Lippen seine, wie er den Atem anhielt als sie ihre Zunge folgen ließ und sie merkte, wie sie dem Schwelbrand Futter lieferte. Unbeabsichtigt schob sie ihre Bein quer über seine Mitte während sie ihre andere Hand an seine Brust legte, um das rasende Herz zu spüren.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August musste kichern als Ember sprach. Zum einen weil ihn die wunderbar weichen Lippen, die er gern an so vielen Stellen - keine Ablenkung, August! Also. Zum einen, weil ihre weichen Lippen an seiner Haut kitzelten, aber gleichzeitig auch aufgrund der Dinge, die sie berichtete.
      Wie falsch war diese Annahme. Auch wenn er alles gegeben hatte, dies entsprechend zu kaschieren.
      "Ich verrate dir ein Geheimnis, Ember Sallow", begann er schließlich, mit dem Schalk noch immer in der Stimme. "Ich habe beinahe immer Angst. Ich habe derzeit panische Angst, was geschieht, wenn ich es nicht schaffe und eigentlich war mein ganzes Leben voller Angst und Verlustfehler. Ich habe nur irgendwann versucht, es zu überspielen. Wie du sagst."
      Anschließend musste er lachen und schüttelte den Kopf. Das hier war schön. Das Reden, das Beieinandersein und letztlich auch die Tatsache, über das Vergangene lachen zu können. Auch wenn es noch nicht lange vergangen war.
      "Ehrlich gesagt...", murmelte August. "Ich war froh, dass ich nicht auf meine eine Regel gehört habe und mich an diesem Abend einer jungen Frau hingegeben habe, die mein Leben so herrlich durcheinander wirbelt. Es hat mich nur sehr lange gefordert, dies zu verstehen. Und als ich sah, wie du dich wieder und wieder in Gefahr begeben hast, habe ich mir gedacht, dass du womöglich den Wunsch hast, etwas zu tun. Also kam ich auf die Idee mit dem Training mit Perley. Und wegen des Briefes...Vergiss es. Mach dich nicht so fertig! Es geschieht nun einmal, dass wir Fehler machen und es kam nicht zum Äußersten."
      Ein Lächeln umgab sein Gesicht, das ehrlich erleichtert wirkte. Er brauchte ihr nicht zu sagen, wie knapp es um sein eigenes Leben geschehen war. Selbst er hatte sich maßlos überschätzt und ware beinahe an einer simplen Verbrennung gestorben, die jetzt noch in seinem Arm zwickte.
      Sachte küsste er ihren Scheitel und erwiderte den leichten Druck um ihre Schultern, während er sich wieder der Decke zuwandte. Nicht, dass diese wirklich interessant gewesen wäre, aber er wollte Ember nicht pausenlos anstarren. das wäre ungebürlich. Und gefährlich. Als sie wieder zu sprechen begann, musste er lachen-
      "Pärchenausflug...", wiederholte er. "Ja, ich denke, das ist es. Ein Pärchenausflug in das verschissene Berwick-upon-Tweed, wo ich nicht mal genau weiß, wo es liegt."
      Hinsichtlich der Frist sah er das erste Mal wieder zu ihr, nachdem er ihre Hand an seinem Ohr spürte. Leise rauschte wieder Blut an Stellen, wo es nicht sein sollte und so empfand er die Berührung nicht nur elektrisierend. Es war beinahe, als göße man Lava in seine Nerven und August musste die Augen schließen, um nicht schwer seufzen zu müssen. Er hatte nicht mehr die Zeit, um Luft zu holen, denn sein Herz pochte wie eine Admiralstrommel in einem immer schneller werdenden Takt. Dies war ganz anders als die bloße fleischliche Belustigung. Dort war der Puls auch hoch und kaum zu bändigen aber dies hier...Dies hier war schlimmer. Beinahe hatte er das Gefühl, dass sein Herz aus der Brust zu springen drohte, als sich weiche, warme Lippen auf seine legten.
      Alles in seinem Körper verspannte sich geradezu und er vergaß erneut zu atmen. Erst als ihre Zunge den Mund spaltete und ihn zum Atmen zwang, schien er wieder Klarheit zu gewinnen und legte sich regelrecht in den Kuss. Forderte nun seinerseits mit seiner Zunge ebenfalls Raum auf dem Schlachtfeld, das sie sich teilten.
      Und auch hier pfiff August erneut auf die aufgestellten Regeln und ließ seine Linke auf ihren Oberschenkel gleiten. Das Feuer in seinem Körper brannte in der Sekunde lichterloh, als er bemerkte, dass er den Kuss nicht lösen konnte. Wollte. Mehr. Sein ganzer Körper schrie nach mehr und es fiel ihm schwer, dies nicht eindeutig kundig zu machen. Auch wenn Ember dafür keine Spitzendetective sein musste, um es zu bemerken, dass sein Körper in eine Art Krisenmodus verfiel.
      Eine so wunderbare Krise, dass er sich nicht aufhalten konnte und sich mehr zu ihr eindrehte. Auigust wusste nicht wohin mit seiner anderen Hand und sie war so nah...
      Erst nach einer gefühlten Ewigkeit löste sich der Kuss (wer auch immer ihn löste) und August sah Ember schwer atmend an. In seinen Pupillen schienen sich kleine Widerlichter zu bilden, mit jedem Atemzug den er tat.
      "Mehr", flüsterte er. "Bitte..."
      Seine Linke verließ ihren Oberschenkel und fuhr die komplette Bahn ihres Körpers nach. Erneut bekam er ein Gefühl dafür, wie wunderbar die Figur der Detective war. Er machte erst halt, als er an ihrem Kiefer angelangt war und ebenso seine Hand auf ihren Kiefer legte.
      "Mehr..:", wiederholte er erneut.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Die Spannung war für Ember wahrlich greifbar. Als Reaktion auf ihren Kuss spürte sie sofort, wie sich August versteifte und sein Herzschlag sich zu verdoppeln schien. Alles ausgelöst durch nur einen Kuss und eine kleine Berührung. So hatte er damals nicht reagiert. Selbst dann nicht, als sie ihre augenscheinlich letzte Nacht im Twisted Mind verbracht hatten. Wo beim ersten Mal einfach nur angestaute Wildheit geherrscht hatte und beim zweiten Mal eine vielleicht verzweifelte Hingabe, war das hier mit einer anderen Note versehen.Eine, die sie nicht ganz deuten konnte aber auch ihre Nase kitzelte und die Zunge kribbeln ließ. Wie erwartet erwiderte der Zauberer den Kuss mit erhöhter Intensität, auf die Ember nichts zu erwidern wusste außer einem kleinen, sehr kurzen summenden Geräusch. Er riss sie einfach mit und das so schnell, dass sie gar nicht daran dachte, sich gegen seine Hand zu erwehren. Wie selbstverständlich legte sie sich auf ihren Oberschenkel und löste sofort eine wohlige Gänsehaut aus. Das sollte nicht sein. Sie sollte nicht so leicht auf seine Berührungen anspringen, aber nichts in ihrem Körper sprach auch nur ein einziges Widerwort. Stattdessen vergaß sie sich in heiseren Küssen, die scheinbar nie enden wollten. Jedes Mal, wenn sie sich ein wenig entzog, folgte er ihr und umgekehrt. Sie nahmen sich gegenseitig den Sauerstoff und so vergaßen sie, wie man eigentlich aufhörte. Mehr als nur deutlich spürte sie unter sich, wie sein Körper nach vorne drängte, aufbegehrte und forderte, wonach ihm wohl schon länger der Sinn stand. Er drehte sich zu ihr ein und schließlich piepte es in ihren Ohren, sodass sie den Kuss löste und so weit auf Abstand ging, dass sie sich nicht wieder in einem verloren. Sie hatte Sorge in seine Augen zu blicken und wurde auch nicht enttäuscht. Was sie darin vorfand war von grausamer Schönheit. Verloren zuckten ihren Iren zwischen seinen hin und her während sie krampfhaft versuchten, wieder zu Atem zu kommen. Noch immer tanzten sie einen Drahtseilakt und das, obwohl August gesagt hatte, er halte sich nicht mehr zurück und Ember der Meinung war, gewisse Grenzen gesetzt zu haben.
      „Mehr“, flüsterte er. „Bitte...“
      Embers Herzschlag setzte aus. Ihr war, als fiele sie in ein bodenloses Loch als er die Bitte aussprach, die sonst niemals über seine Lippen gekommen wäre. So sehr wünschte er sich ihre Hingabe, so sehr, dass er darum bat. Betteln kannte sie, aber davon war diese Bitte meilenweit entfernt. Um dies zu unterstreichen setzte sich seine Hand auf ihrem Bein nun in Bewegung und zeichnete die Kontur ihres Körpers nach. Es war reiner Zufall und ein Segen, dass er dabei keine heiklen Passagen überquerte. Eine Reaktion darauf hatte sie nämlich nicht vorhersehen können. So wusste sie aber, dass sie sich ihm unweigerlich ein wenig entgegen reckte und die Lippen aufeinander pressen musste, um nichts fehlgeleitetes zu sagen. Endlich kam seine Hand an ihrem Kiefer an, legte sich dort ab und er wiederholte ein einziges Wort. Schon einen Wimpernschlag später hatte sie die Distanz zwischen ihnen überbrückt und eine vorsichtige Annäherung über Bord geworfen.
      Das war gefährlich. Mehr als nur gefährlich. Sie verließ sich darauf, dass sie nicht vergessen würde, wie man Stopp sagte und es auch noch rechtzeitig einzusetzen wusste. Aber sie konnte ihm diese Bitte nicht ausschlagen, sie verstand sie auf zu vielen Ebenen viel zu gut. Sie hatte gesehen, wie man sich nach jemanden sehnte, hatte es selbst schon einmal durchlebt. Und wenn sie ganz ehrlich war, dann gestand sie sich ein, dass sie vielleicht doch ein bisschen leicht zu manipulieren war. Wenn man verstand, ihre Knöpfe zu drücken.
      „Du hörst wirklich auf - wenn ich – Stopp sage?“, brachte sie zwischen den Küssen atemlos hervor und schaffte gerade einmal so viel Luft, dass sie Worte formen konnte. Ihre freie Hand war unter seinem Arm zu seinem Rücken gewandert und hatte sich dort auf Höhe seines Schulterblattes abgelegt. „Wieviel – ist mehr?“

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