[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Eine Weile lang traktierten sich die beiden Zauberer und wirkten beide wie ein Raubtier, das zu einem Angriff ansetzte. Dies machte auch Nolands eingeworfene Worte nicht besser, zumal sie ihn eher wütender machten. Den alten Knacker ging es nichts an wie August zu anderen stand. Nicht einmal Ember ging es etwas an. Beinahe ruhig sah er den Jungen an und seufzte schließlich als sich seine Haltung merklich entspannte. Es war einiges dabei, einem Arkana die Stirn zu bieten, gerade in dem Alter. Aber auf eine Konfrontation ließ es selbst ein Zauberer in seinem Zsutand nicht ankommen.
      Vor allem nicht, weil Perley ihn vermutlich häuten würde.
      "Völlig durcheinander", wiederholte er und sah Noland an. "Warum ich sie nicht anrufe? Nun, sei dir gewiss, dass ich mich nach ihrem Wohlbefinden erkundigen werde."
      Er nickte zu Perley, der just in dem Moment hereinkam, als habe man ihn gerufen.
      "Geh zu Sallow. Finde raus, wie es ihr geht und ob sie klar kommt. Und tu das, worum ich dich gebeten habe."
      Der Hauswirtschafter nickte ergeben und verschwand wie er gekommen war.
      Der Raum wirkte merkwürdig eng, wenn man es genau betrachtete, als August sich wieder den beiden zuwandte und Tee nachschenkte.
      "Natürlich steht dir frei zu gehen", murmelte er zu Jasper gewandt. "Ich werde dich weder aufhalten noch unterrichten wenn du es nicht willst. Und zu deiner Frage: Ich kann vielleicht noch nicht nachvollziehen wie du es anstellst, aber sei dir gewiss, dass ich es bald kann. Und dann könntest du zu einer weiteren Ebene der Kontrolle gelange, die dich unabhängig macht. Bedenke: Je stärker du bist, umso freier wirst du in dieser Welt sein..."
      Er sagte es ungern, aber sah zu Noland. Auch ihn traf dieses Schicksal. Auch wenn er mehr ein gejager Vogel war, bewegte er sich freier aufgrund seiner Fähigkeiten. Und was auch immer Jasper konnte...Es war Grund genug ihn zu jagen.
      "Was wirst du jetzt tun?", fragte er Noland. "Das Angebot steht nach wie vor."

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    • MIt jedem weiteren Auftritt wurde Perley Jasper unheimlicher. Der Hauswirtschaflter hatte die Tür geöffnet, da hatte August noch nicht einmal erwähnt, dass er ihn schicken wollte. Noch unheimlicher wurde es als er kommentarlos wieder auf die gleiche Art und Weise verschwand nachdem der Arkana ihn wie einen Laufboten losschickte. Was hatte August getan, um eine derartige Loyalität von einem Mann zu bekommen, der vier Anwärter ausgeschaltet hat.
      Die Aufmerksamkeit des Jungen driftete wieder zu August hinüber. Um ehrlich zu sein hatte er bislang nicht das Gefühl, in irgendeiner Art und Weise eingeschränkt leben zu können. Hätte man ihn nicht aus seiner Blase geholt war er sich sicher, dieses Leben weiter aufrecht zu erhalten können. Allerdings wusste er nichts von dem potenziellen Aufstand und der damit verbundenen Gefahr auch für ihn. Es war der letzte Rettungsversuch seiner Mutter vor einer Gefahr, die der Junge zu diesem Zeitpunkt nicht einmal sah.
      "Okay", sagte Jasper nach einer gefühlten Ewigkeit zögerlich und hörbar nicht wirklich selbst überzeugt, ob das eine gute Idee sein sollte. "Ich meine, meine Ma hat sich irgendwas dabei gedacht... Aber wenn's geht bitte keine wilden Experimente an mir..."
      Noland musste bei diesem Kommentar leicht schmunzeln als er sich zu der aufgefüllten Tasse streckte und er kurz die Miene verzog, als ein gut hörbares Knacken von seinem Rücken ertönte. Der gute Mann wurde eben auch nicht jünger und die vergangenen Wochen waren Tortur genug für seine Knochen gewesen. Als er sich in seinem Sessel zurücklehnte sah es das erste Mal danach aus, als würde er sich ein wenig entspannen und die Falten in seinem Gesicht sich vertiefen.
      "Ich könnte natürlich wieder nach draußen und meiner Wege gehen. Aber dank der Fahndung weiß man jetzt von mir, vermutlich gilt das auch für deine Kollegen. Die werde ich wohl wesentlich schwieriger abschütteln können als meine Exkollegen. Von daher bin ich in erster Linie hergekommen wegen Jasper und erst in zweiter Instanz wegen mir. Ich bin möglicherweise zu eingerostet, um ständig auf der Flucht zu sein." Er schmunzelte ein wenig als erinnere er sich an etwas. "Demnach wäre es schön wenn ich hier ein wenig Ruhe erfahren könnte. Außerdem habe ich den Eindruck, dass ich früh genug die Seite unter euch Arkana wählen sollte, die mir eher passt. Die Welt erscheint mir etwas fragwürdiger Natur wenn ich das so sagen darf."


      Embers Wohnung - gegen Mitternacht

      Ember hatte noch immer den Jogginganzug an während sie sich ins Bett gelegt hatte, um einfach nur die Augen zu schließen. Der Schwindel hörte trotzdem nicht wirklich auf und so fand sie gerade mal in einen Dämmerzustand, den man nicht Schlaf nennen konnte. Der Arm war über ihr Gesicht gelegt damit ihre Lider nicht ständig wieder aufflogen und sie zur Decke starrte. Aber sie konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass wenn sie wirklich einschlief der nächste ungebetene Gast in ihrer Wohnung stand. Nach mehrmaligem Erörtern der Lage war sie zu dem Schluss gekommen, dass die Türen geschlossen sein mussten und sich 'Clara' eigenmächtig Zutritt verschafft hatte. Wer es einmal tat würde auch vor einem zweiten Mal nicht zurückschrecken.
      Dann klingelte es plötzlich und Ember bewegte sich minimal.
      Es klingelte nach einem Moment ein weiteres Mal. Also war es kein Versehen gewesen.
      Leise stöhnend nahm sie den Arm von ihrem Gesicht und blinzelte ein paar Mal in die Dunkelheit hinein und den Schwindel weg. Sie drehte den Kopf zur Tür und wartete, ob es sogar ein drittes Mal schellen würde.
      Was es auch tat.
      "Was zum.... ach, scheiße mann, lasst mich doch einfach in Ruhe...", fluchte sie weiter als sie ihre Beine aus dem Bett schwang und sich mühsam in den Flur begab. Mit kalten Fingern griff sie nach der Sprechanlage, meldete sich wie zuvor und stutzte, als sie Perley an der Tür hörte.
      Mit einem Mal überschlug sich ihr Puls. Sie stolperte ein weiteres Mal zur Tür, die sie öffnete und tatsächlich Perley im Flur erkannte. Die Verwirrung war ihr mehr als ins Gesicht geschrieben, das dank der Vorfälle zermürbter als sonst erschien. Seit wann schickte August jemand anderen? War doch was passiert?
      "Perley, geht's allen gut?", fragte sie noch im Flur, doch der Mann hatte keine Absichten großartig lange vor der Tür zu warten.
      Ember hörte, wie er sie grüßte und dann war er plötzlich in ihrer Wohnung. Es war ihr vollkommen entgangen, wie er sich an ihr vorbeigeschoben hatte oder sie war einfach dermaßen angeschlagen, dass sie es schlichtweg übersehen hatte. Doch zu dieser Uhrzeit und nach den Vorfällen hatte sie einfach nicht mehr die Kraft, ihrem üblichen Drang nachzugehen und schloss einfach resignierend die Tür, um sich müde zur Couch zu begeben und sich schwerfällig zu setzen. Sie deutete auf den einzigen daneben stehenden Sessel damit Perley sich setzen konnte.
      "Ich schätze, Noland ist mittlerweile bei euch eingetroffen, hm? Sorry, wenn ich ein bisschen... fertig aussehe aber ich schätze mein Freund ist nicht mehr mein Freund..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August nickte ergeben, als Jasper seine Entscheidung verkündete. Ein merkwürdiges Leuchten entwich seinen Augen, als er den Jungen begutachtete.
      "Dann wäre das entschieden", frohlockte er und lächelte das erste Mal ohne Kälte und Freudlosigkeit in die Runde. "Schön, dass wir uns so friedlich einigen konnten. Ich hatte wirklich bedenken, dass ich euch alle beide töten müsste, tihihihi."
      Grinsend griff er nach der Tasse Tee und nahm einen Zug davon. Um ihn beinahe danach wieder ins Feuer zu spucken,.
      "Buäh, das ist ja ekelhaft. PERLEY, du weißt, dass ich dieses Gebräu ohne Zucker nicht saufen kann!", donnerte er, ehe er ihm etwas einfiel. "Oh. Perley ist fort. Schade. Naja, bitte nehmt euch Zucker wenn ihr es mögt."
      Mit einem Wink seiner Hand entstand eine kleine Karaffe, in die sich aus dem Nichts heraus Zucker füllte. Erst danach sah er breit grinsend und mit beinahe leuchtenden Augen zu Jasper.
      "Keine Angst, Junge. Keine wilden Experimente. Nur kleine vielleicht?"
      Er drückte Daumen und Zeigefinger aneinander um den Abstand zu verdeutlichen und sah anschließend wieder zu Noland.
      "Es sei!", nickte er. "Dies Haus ist für dich zugänglich wie du es beliebst. Ruh dich aus, komm zur Ruhe."
      Schweigsam lehnte er sich wieder zurück und sah den alten Mann lächelnd an.
      "Da sagst du etwas...DIe Welt ist eine Pottsau, wenn ich das mal so salopp sagen darf. Leider ist sie zudem noch mächtiger als wir alle zusammen und das alleine macht eine Gegenwehr wirklich schwierig. Ich nehme an, du bist im Bilde, nachdem du Ember befragt hast?", fragte er mit heraufgezogener Augenbraue. "Es wird über Kurz oder Lang nicht mehr sicher für die Rogues sein, denke ich. Zumindest für einige. Ich sehe einen Krieg aufziehen und ich bin mir nicht sicher, ob wir ihn verhindern können. Der Richter ist ebenso gegen uns und bedroht Ember, wie du wissen wirst und mein Arsch sitzt auch nicht mehr so fest im Sattel wie ich es gerne hätte..."

      Embers Wohnung

      "Guten Abend, Miss Sallow."
      Die ersten Worte, die Perley an diesem Abend in freundlicher Absicht sprach, auch wenn seine Stimme nicht danach klang. Sie glich eher einem geschärften Messer, nachdem er Embers lädiertem Körper geschickt ausgewichen war um von dem Flur zu verschwinden. Es stank dort nach Magie.
      "Ihr Hausflur stinkt nach Magie, wenn ich das so sagen darf. Regelrecht unzumutbar. Haben Sie viel Besuch von Zauberern in letzter Zeit?", fragte er neugierig und nahm den unmodernen Hut von seinem Kopf, um seinen akkuraten Seitenscheitel zu richten. Der Schnauzbart wurde ebenso mit einer streichenden Bewegung bedacht, ehe er auch die Einladung zum Sitzen ausschlug.
      Stattdessen legte er seine Jacke und den Hut auf den Sessel und war mit zwei schnellen Schritten wieder bei Ember. Schlanke, geschickte Hände legten sich an ihren Hals und fühlten ihren Puls. Nach zwei Sekunden wanderte dieselbe Hand zu ihrer Stirn und fühlte ihre Schläfen.
      "Bleiben Sie ruhig, sehen Sie mich an", kommandierte der Butler und sah ihr neugierig in die Augen. Erst danach seufzte er und nahm einen geflissentlichen Schritt Abstand, ehe er die Ärmel wieder hochkrempelte.
      "Es ist alles in Ordnung", befand er. "Sie haben lediglich einen erfahrenen Legilimentor als Gegner gehabt, der ihnen ein wenig in der Hirnmasse herumgerührt hat. Und ich denke schon, dass er noch ihr Freund ist, wenn ich mir diese Behauptung erlauben darf. Ich glaube jedoch, dass die derzeitigen Zustände drastische Maßnahmen erfordern..."
      Perley räusperte sich und setzte sich nun in den Sessel und schlug die Beine übereinander. Erst danach wartete er, bis sich Ember gesetzt hatte.
      "Sie werden sich fragen, weshalb ich hier bin, Ms Sallow", begann er und lächelte schwach, während er sie genau ansah. "Auf der einen Seite weil August sich sorgte und Noland festhalten musste. Auf der anderen Seite komme ich mit einer Aufgabe. Nachdem der Richter ihnen eine nette Drohung ausgesprochen hat, musste August feststellen, dass er Sie vermutlich nicht immer schützen kann. Und auch wenn ich sicher bin, dass Sie sich gut verteidigen können, ist ein Gegner wie der Richter ohne kundige Hand durchaus der beinahe sichere Tod, nicht wahr?"
      Er nickte sich selbst zu und fuhr einfach ungelegen fort. Sachte griff er in seine Jacke und schon eine kleine Karte über den Tisch. Darauf befand sich eine Adresse, handgeschrieben von August.
      "Ab übermorgen Abend werden Sie sich dort zu etwa 18:00 Uhr einfinden. Dort erhalten Sie Unterricht in Sachen Überleben mit Arkana."

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    • Nolands Körperhaltung änderte sich abermals kein Stück als August so lapidar in den Raum warf, dass er die Zwei sonst hätte töten müssen. Bei Jasper hingegen verfehlte es nicht seine Wirkung - er traute dem Arkana, nun, eigentlich niemanden im Raum so wirklich. Selbst mit der Freundlichkeit in der Stimme hörte der Junge nur eine Drohung heraus, die viel zu schnell in die Realität hätte umgesetzt werden können. Missmutig verfiel er in Schweigen was so aussah, als dächte er angestrengt über etwas nach.
      "Ich weiß ja, dass du einen süßen Zahn hast aber einen exquisit zubereiteten Tee sollte man trotzdem nicht so einfach vergeuden... Es bräche deinem Hauswirtschaftler sicher das Herz", gab der alte Rogue zu bedenken, bediente sich hingegen seiner Worte allerdings selbst am Zucker. Wenn auch bei Weitem mit weniger als August es tat.
      "Ich bin nicht vollends im Bilde, nein. Ich habe Ember nicht befragt, ich habe mir lediglich Teile ihrer Erinnerungen angesehen. Es war nur recht kurz weil wir wie gesagt unter Zeitdruck standen, also habe ich mich auf die letzten Ereignisse konzentriert. Ich weiß, wer die Welt ist und auch die Positionierung des Richters, ja. Man hat seine Familie gerichtet, ich hätte vermutlich nicht anders reagiert. Wobei... wieso hast du sie eigentlich mit in die Versammlung genommen? Das war höchst fahrlässig. Sie hat viel zu oft ein loses Mundwerk, das mehr Schwierigkeiten als Lösungen präsentiert."
      Da ging eine Bewegung durch Jasper, der bis dahin eher im Abseits untergegangen war. Er rutschte auf dem Sessel ein wenig umher als er abwägte, ob er sich einfach einmischen und das Thema wechseln durfte.
      "Mal so ganz nebenbei gefragt: Wo kommen wir denn unter? Das hier sieht eher aus wie... hm... Ihr Wohnzimmer oder sowas. Ich bin echt im Arsch von der Tour mit dem Alten da..."
      Noland kicherte nur leise und zuckte träge mit den Schultern.


      Embers Wohnung

      "Viel Besuch von Zauberern ist relativ. Noland war hier, der Junge war hier und... Hm."
      Das war eine weitere Bestätigung. Da war eine Zauberin in ihrer Wohnung gewesen und sie hatte es nicht wirklich bemerkt. Je nach Absicht hätte man sie einfach auf dem Tisch umbringen können und diese Erkenntnis förderte nicht unbedingt ihren Ruhepuls. Ebenso wenig die Frage, warum Perley in der Lage war, Magie wahrzunehmen. Eine mehr als praktische Fähigkeit in ihren Breiten.
      "Wieso sind Sie eigentlich so empfänglich für Magiespuren?", fragte sie müde nach. Ihr fehlte deutlich die Entschlossenheit mit der sie sonst ihre Fragen stellte.
      Eine Antwort bekam sie nicht, stattdessen stand Perley plötzlich direkt vor ihr. Kühle Finger legten sich an ihren Hals und sofort verspannten sich alle Muskeln in ihrem Körper, die noch halbwegs aktiv waren. Ihre Hand zuckte, bereit, nach dem ungefragten Übergriff zu schlagen. Die weitere Berührung machte es nicht besser, auch nicht nach der Anweisung hin. Widerwillig befolgte sie die Anweisung, allerdings nur weil sie wusste, dass er Augusts Vertrauter war. Nur dieses bisschen sorgte dafür, dass sie jetzt nicht das gesamte Haus zusammenschrie.
      "Schön wenn Sie glauben, dass er noch mein Freund ist. Ich seh das nur ein bisschen anders", murmelte Ember.
      Noland hatte eines ihrer Grundprinzipien verletzt. Seine Art der Magie war jene, die sie am wenigsten von allen leiden konnte. Dass er sie ungefragt einfach angegriffen hatte aus Eigennutz machte es nicht wirklich besser. Sie würde ihn nie wieder mit den gleichen Augen ansehen können wie zuvor.
      Erschlagen ließ sich Ember von Perleys Worten berieseln und richtete schließlich den Blick auf die kleine Karte. Alte Erinnerungen von der kleinen Karte mit dem Schlüssel wurden wach und lösten ein angenehm wohliges Gefühl in ihrem Inneren aus. Sie vertrieb es rigoros.
      "Ganz ehrlich? Ich bin eher wie eine umgedrehte Schildkröte. Ich hätte diesen Abend schon dreimal mit Leichtigkeit ins Jenseits bugsiert werden können, wenn ich das mal so ausdrücken kann. Bei Noland war ich fahrlässig, diese komische Einbrecherin hab ich nicht mal kommen sehen und Sie hätten mir gerade auch mit Leichtigkeit das Genick brechen können."
      Ember lachte freudlos und kratzig. Es gab mal eine Zeit, da hätte sie gedacht nicht so einfach aus dem Weg geräumt werden zu können. Vermutlich war ihr Ego damals einfach schon völlig überheblich gewesen.
      "Verstehen Sie mich nicht falsch, ich werde da schon hingehen. Ich möchte weniger Ballast für diejenigen sein, mit denen ich agiere und da fällt August auch drunter. Wie ist es denn jetzt gelaufen? Sie haben mir nicht gesagt, wie es ihm geht..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August wusste bereits von der ersten Sekunde an, als die beiden seine Detektei betreten hatten, dass er Noland seine wahren Motive nicht preisgeben würde. Soltle der Alte doch versuchen, seine Erinnerungen zu lesen. Vielleicht würde er dann endlich mit der Blindheit geschlagen, die er verdiente.
      Der Arkana nahm einen weiteren Schluck des Tees und verzog nur noch leicht das Gesicht.
      "Ach, Perley versteht es in der Regel ganz gut", bemerkte er und sah Noland an.
      "Gerade weil sie ihr loses Mundwerk hat, war sie die passende Begleitperson. Problematisch an den Attacken ist das Motiv. Ich kann nicht sagen wer oder warum der- oder diejenige diese Attacken ausführt. Sicherlich um Panik zu streuen, das ist klar. Aber was bringt diese Panik außer einem Krieg? Ich wusste, dass die Welt auftauchen würde und nur sie hätte ein Motiv. Und vielleicht der ein oder andere Arkana, aber sonst...Meine Position war stark geschwächt und ich brauchte ein Ablenkungsmanöver. Ember war das rechte Manöver dafür."
      Er beließ es dabei.
      "Ich denke, dass der Abend durchaus einem geneigten Ende zugehen kann, nicht wahr?", fragte er in die Runde und erhob sich. "Du hast vollkommen Recht, mein Junge. Dies ist das Arbeitszimmer meiner Detektei, die dir selbstverständlich auch einen Job anbieten wird, sobald du ausgelernt hat. Und dennoch: Der Raum dort!", er wies mit dem Daumen auf das Zimmer, wo er ursprünglich herausgekommen war. "und der Raum dort", er wies auf den Raum mit den Bildern. "Sind für dich verboten. Kein Eintritt, nicht mal nur die Spitze deines Zehs, verstanden? Alles andere steht dir frei. Oh, solltest du einen Koffer herumliegen sehen, der flucht: Lass ihn liegen!"
      Grinsend verwies August auf die Treppe, die sich linksseitig des Raumes befand,. "Oben findet ihr beide Gästezimmer eingerichtet. Perley war so freundlich, die Laken zu erneuern. Ihr könnt bleiben, solange ihr wollt unter einer BEdingung: Die Weitergabe von Informationen an irgendwen außerhalb der Detektei ist verboten. Ach, da fällt mir ein: Wie alt bist du Jasper? Musst du noch zur Schule?"


      Embers Wohnung

      Perley wirkte entspannt, wenn man das in seinem Gesicht auch erkennen konnte. Seine Hände lagen gefaltet auf seinem Schoß und er sah ruhig in die Augen der Polizistin, während er sich fragte, warum er das eigentlich tat? Warum bildete man einen Menschen derart grausam aus? Ob sie wusste, welche Rolle ihr angedacht war in diesem großen Spiel? Ob sie wusste, wie August über sie dachte?
      "Ich bin nicht besonders empfänglich", bekannte der Mann und straffte sich. "Man lernt mit den Jahren, Aura wahrzunehmen, wenn man sich darauf trainiert. Hinzu kommt die ein oder andere OP."
      Immer diese lästigen Fragen, dachte der Butler und seufzte schwer, ehe er beinahe gelangweilt auf ihre Frage einging.
      "August geht es gut", sagte er ruhig. "Noland kam mit seinem Protegé zu uns und befindet sich seitdem im Gespräch mit August. Ich vermute eine Art Lehrstelle für den Jungen, aber Genaueres wird August berichten, wenn er es für nötig hält. Zu der Tatsache, dass sie wie eine Schildkröte agieren: Da stimme ich zu. Sie bewegen sich unendlich kompliziert und unnötig viel. Reduzierten Sie Ihre Bewegung auf das Nötigste, würden Sie weiß Gott effizienter Distanzen überbrücken können und würden sich nicht vor den Kämpfen mit den Arkana einscheißen. Denn das Schöne ist, Ms Sallow: Auch wenn sie alle Zauberer mit gottlgeichen Kräften sind, bleiben sie Menschen. Und Menschen unterliegen Regeln, nicht wahr?"

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    • Jasper hatte nach der kurzen Erklärung bereits seinen angestammten Sitzplatz verlassen und war zurück zu seiner Tasche gegangen, um sie sich über die Schulter zu werfen. Dann registrierte er die besagten beiden Türen, die er definitiv niemals ungefragt betreten oder auf nur öffnen würde. Das war ihm dann doch zu heikel.
      "Ich bin 17... Aber ich werd schon nicht vermisst... Ich hab den Grundabschluss, der Rest ist eh nur zur Vertiefung", winkte Jasper ab, eindeutig nicht wirklich erfreut am Schulleben. "Falls mich jemand sucht, ich bin oben..."
      Damit verabschiedete sich der Teenager aus der elustren Runde der Senioren ins obere Stockwerk.
      Als Noland sicher war, dass der Junge außer Hörweite war, fing er wieder an zu reden. "Du benutzt sie als Mittel zum Zweck? Ich hatte wirklich angenommen, dass dir etwas an ihr liegt. Vermutlich weißt du nicht einmal, wie sie dich wahrnimmt, oder?"
      Er konnte Erinnerungen sehen aber das schloss noch lange nicht Emotionen oder Gedanken ein. Es war lediglich ein Film, den er aus der Sicht desjenigen abspielen konnte, der die Hauptrolle übernahm. Folglich hatte er sämtliche Situationen aus Embers Blickwinkel gesehen und gehört.
      "Sie hat während der Versammlung buchstäblich überall nur die potenziellen Gefahren gesehen und nur dich als ihren Anker dort betrachtet. Sie vertraut dir voll selbst wenn sie es nicht sagt. Und dann nutzt du sie einfach aus und hättest sie fast ins offene Messer laufen lassen. Zur Krönung hast du ihr das nicht einmal gesagt? Ich bin beeindruckt."
      Er musterte den Arkana vor sich mit einem aufmerksamen Blick während er genüsslich an seinem Tee nippte. Dieser Mann vor ihm hatte scheinbar absolut keine Ahnung, wie man mit jemandem umging, den man wirklich gerne hatte.
      "Du weißt, dass du mit offenen Karten bei ihr spielen solltest? Im schlimmsten Fall wird jemand anderes an ihr Interesse bekunden und sie geht darauf ein. Was wirst du dann tun?"

      Embers Wohnung

      "Man lernt es über die Jahre. Natürlich. Wie lange bin ich jetzt bei der Polizei als Ermittlerin tätig und hab dieses Feingefühl nicht entwickelt?"
      Was Perley da so einfach sagte stimmte Ember nur noch missmutiger. Was für den Hauswirtschaftler so einfach aussah war etwas, das sie selbst nicht so einfach erreichen können würde. Deswegen schickte August sie zu weiß Gott welchem Training. Weil er auch dachte, dass sie einfach nur unfähig war.
      "Wissen Sie, was genau das werden soll?", fragte sie stattdessen und deutete mit einem Finger auf den weißen Zettel auf dem Tisch. "August hat zwar gesagt, er wolle mich als Partner des Dusk & Dawn aber ich habe eher das Gefühl als wenn er mich nur mitschleppt. Keine Sorge, ich werde Ihnen jetzt nichts vorsülzen oder dergleichen... Ich habe nur manchmal den Eindruck er ist mehr damit beschäftigt darauf zu achten, dass ich nicht in Angelegenheiten verstrickt werde, aus denen ich raus bleiben sollte. Sie sind der Erste den ich sehe, zu dem er scheinbar eine engere Beziehung pflegt. Wo haben Sie sich eigentlich getroffen? Ah - kann ich Ihnen irgendetwas anbieten?"
      Ember rutschte ein wenig weiter nach vorne und warf einen Blick zur Küche. Selbst in ihrem abgewrackten Zustand wollte sie keinen schlechten EIndruck hinterlassen.

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    • August sah Jasper hinterher, der wie ein bockiger Teenager seine Sachen packte und sich nach oben verziehen wollte. Oh, der Junge würde in die Schule gehen, dachte der Zauberer. Und wenn es das Letzte war, was er tat.
      "Bedenke, Jasper: Eine Grundausbildung ist nicht schlecht. Aber Unwissenheit und Magie vertragen sich nicht", rief er ihm seufzend hinterher, ehe er sich Noland zuwandte.
      Der Alte traf durchaus einige Nerven und vermutlich würde er ihn noch in dieser Nacht erschlagen, wenn er es nicht offen zugab, aber er wollte seine wahren Absichten und Gedanken zu Ember nicht diesem Gedankenleser preisgeben. Zumal das auch nichts geändert hätte. Dumm war keiner von ihnen beiden, aber eine Liebschaft zwischen Polizistin und Arkana? War das möglich?
      "Was soll ich sagen, Noland?", begann August. "Es hat einen Grund warum man mit das Teufelsarkana gab. Nein, ich weiß nicht, wie sie über mich denkt, aber da sie mich bereits einmal umgebracht hat, ist ein zweites Mal nicht unwahrscheinlich. Die meisten ihrer Aktionen beruhen auch nur auf einem "Haben-Wollen". Also weshalb sollte es mich interessieren, was Jemand von mir denkt, der mich selbst beinahe ausschließlich als Informationsquelle oder Sprungbrett in ein anderes Leben nutzt?"
      Ganz gelogen war es nicht, aber es sprach mehr die Verbitterung aus ihm, dass er ihr nicht näher kommen konnte und durfte. Jeder, der sich mit ihm einließ, ereilte dasselbe fürchterliche Schicksal.
      "Ich habe sie zu keiner Sekunde in ein Messer laufen lassen, damit das klar ist. Ist die Situation teilweise eskaliert? Eindeutig. Aber ich nahm Ember genauso mit, weil ihre Beratung schätze und den Willen, etwas zu ändern. Also warum ihr keine Chance bieten. Ich verbitte mir jedoch die Behauptung, dass sie zu einer Sekunde in Gefahr war."
      Hinsichtlich des Interesses stockte er kurz, nahm einen weiteren Schluck vom Tee, um die Wut in seinen Augen zu bändigen.
      "Ich weiß", murmelte er. "DIe Frage ist nur, spiele ich das Blatt offen aus und töte sie damit sicher oder verhalte ich die Karten und lasse sie alles mit der Zeit entdecken? Sie ist klug, sie wird das schaffen. Und ich wünsche ihr alles Glück der Welt bei ihrem Interesse. Ich habe drei Wochen zu leben, Noland. Wenn mir bis dahin nichts einfällt, was ich tun kann, hat sich das Ganze ohnehin erledigt. Deinem Jungen wird dennoch nichts geschehen..."


      Embers Wohnung

      Perley betrachtete Ember aufmerksam und musste doch ein wenig grinsen. Der Verstand der jungen Frau funktionierte immerhin noch. Das war schon ein Gewinn.
      "SIe haben es nicht erlernt, weil Sie nicht hinsehen, Ms Sallow. Sie schauen hin, aber sie sehen nicht. Ihr Verstand will das Rationale hinter dem Übernatürlichen und das Verständliche an den Rätseln herausfinden. Das, was man Ihnen gelehrt hat. Aber die Welt, in die Sie vordringen werden, wird diesen Regeln nicht unterworfen. Sie müssen lernen, hinzusehen."
      Es klang pragmatisch, aber das sollte das Training tun. Mehr wollte er sich noch nicht in die Karten schauen lassen.
      "Sehr einfach...", beantwortete Perley. "August bat mich bereits vor geraumer Zeit, ob ich Sie in einer bestimmten Kunstform unterrichten könnte. Und ich sagte zu. Sie fühlen sich derzeit als Ballast für ihn und das verstehe ich. Der Ehrlichkeit halber: Sie sind es. Aber ich kann Ihnen den ein oder anderen Kniff zeigen, wie sie einem Rogue gefährlich werden können ohne Magie zu nutzen."
      Auf ihre letzte Frage hin erstarrte der Butler ein wenig und straffte sich.
      "Nein, vielen Dank. Es sollte kein langer Besuch sein.", bemerkte er und sah Ember an. "Zu dieser Geschichte: Die Langversion erzähle ich Ihnen an dem Tag an dieser Adresse. Die Kurzversion ist jene: August und ich lernten uns auf einem Schlachtfeld kennen. Er rettete mein Leben obgleich ich seines zu nehmen suchte. Und als ich erneut versuchte ihn zu töten, nahm er es mir nicht krumm. Er bildete mich aus. Mit der Zeit wurde aus einer Feindschaft eine Freundschaft und da sind wir nun."
      Sachte erhob sich der Butler aus dem Sessel und sah Ember freundlich an.
      "Sie begeben sich in eine Hölle, Ms Sallow", murmelte er, während er seinen Hut aufsetzte. "Das sollte Ihnen bewusst sein. August durchlebt diese Hölle seit über 100 Jahren und ich habe ihn nicht einen Abend lang nicht mit seinem Schicksal hadern sehen. Auch wenn er es nicht gut ausdrücken kann: Sie sind der einzige Mensch seit einer sehr sehr langen Zeit, die näher an ihn herangekommen ist."

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    • Noland blinzelte leicht ungläubig.
      "Sie hat dich erschossen weil sie dank deiner Manipulation keinen anderen Weg gesehen hat? Hast du auch nur den Schimmer einer Ahnung, was das mit ihr angestellt hat? Sie war gebrochen, August. Selbst ihre Erinnerungen waren ein einziger Scherbenhaufen."
      Er war unweigerlich in Gefilde abgerutscht in Embers Erinnerungen, die unmittelbar mit August verknüpft waren. So hatte er kurz einen Einblick in den chaotischen Zustand ihrer Erinnerungen erhalten können, kurz nachdem sie den Arkana hinterrücks erschossen hatte. Im Gegensatz zu August besaß Noland so viel Mitgefühl, dass er allein durch diese Fragmente nachvollziehen konnte, welchen Einfluss es auf sie gehabt haben musste.
      Er wollte noch etliches hinterher sagen, verkniff sich die Worte jedoch. Was brachte es ihm schon einem Mann, der sogar noch deutlich älter als er selbst war zu sagen, wie Ember von ihm dachte? Dass sie ihn schon lange nicht mehr als Sprungbrett ausnutzte und er eine Rolle in ihrem Leben spielte, der er sich so scheinbar gar nicht ausmalen konnte.
      Allerdings musste er sich nicht weiter den Kopf darüber zerbrechen als August einfach fortfuhr und ihm von seiner verbleibenden Zeit auf Erden berichtet. Das war der Moment, in dem das sorgsam gehaltene Pokerface des Rogues endgültig brach und eine tiefgreifende Überraschung erkennen ließ. Er verharrte in seinen Bewegungen und starrte den Arkana an.
      "So wenig Zeit hast du durch den Deal bekommen? Furchtbar..."
      Für einen Augenblick wusste er nicht wirklich, was er dazu sagen wollte. Allein die Vorstellung, dass man nach einem Ablaufdatum lebte, war grausam genug. Dann noch etwas haben zu wollen und nicht zu wissen, ob man es bekam und es einem reichte, war das Sahnehäubchen. Schwer und gedehnt stieß er die Luft durch seine Nase aus während er sich mit einer Hand über sein Gesicht fuhr.
      "Ich nehme meine Aussage zurück. Du solltest es ihr nicht sagen. Wenn sie erfährt, dass du nur noch drei Wochen hast wird ihr das den Boden unter den Füßen wegreißen."

      Embers Wohnung

      "Dann würde ich mal sagen, dass ich mich sehr auf den Unterricht bei Ihnen freue."
      Vielleicht tat Ember das am morgigen Tag. Aber zur aktuellen Stunde hatte sie keinen Elan mehr dafür. Sie war gebeutelt und müde, der ganze Abend war fast zu einem Desaster geworden und sie wollte einfach nur abschließen. Morgen wäre ein neuer Tag, dem sie mit altem Elan wieder begegnen würde. Dann würde sie sich womöglich auch auf den Termin freuen. Und, dass August sich darum auch noch Gedanken gemacht hatte.
      Ember lachte trocken als Perley sich zum Gehen anschickte und ihr seine Sicht ihres Weges beschrieb. Schwerfällig erhob auch sie sich von der Couch und ging hinüber zur Tür, um ihm wenigstens diese aufzuhalten.
      "Ich glaube, den Weg sehe ich vor mir seit ich einem Sharokh ins Gesicht gesehen habe. Außerdem hab ich mit willentlich dazu entschlossen mich in Dinge einzumischen, aus denen ich eigentlich meine Nase halten sollte. Und da mir ja sogar das Schicksalsrad prophezeit hat, dass da noch mehr auf mich wartet.... Was soll ich sagen?"
      Sie zuckte ein wenig erschlagen mit den Schultern bevor sie die Wohnungstür öffnete und den Ausgang in den dunkel gähnenden Hausflur zeigte.
      "Schön, Sie auch einmal außerhalb des Dusk & Dawn zu sehen. Dann würde ich sagen, wir sehen uns übermorgen..."
      Damit entließ sie Perley wieder in die Nacht und schlurfte zurück in ihr Bett. Das würde fantastisch werden. Es wurden nur immer mehr Baustellen anstelle weniger...

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August sah Noland regelrecht giftig an, als dieser seine wilden Theorien in den Raum hustete. Wie konnte dieser alte Sack es sich erdreisten...Er hatte nicht mal eine Ahnung von dem was er sprach.
      "Für Jemanden, der nur Fragmente einer Erinnerung sieht, bist du sehr schnell mit wilden Theorien, mein Lieber. Eine Manipulation hat nur bedingt stattgefunden. Der Pakt mit dem Sharokh, den ich eingegangen war, verbot mir über den Pakt zu sprechen. Nicht mal mittelbar durfte ich etwas sagen, es sei denn der Pakt würde von einer Seite nicht erfüllt. Also erzähl mir nicht wer wie gebrochen war, wenn du selbst noch nie gestorben bist. Ja, es war notwendig, aber dennoch hat mir eine Person, der ich vertraut habe, in den Rücken geschossen, als ich wehrlos war. Das tut auch Niemand, der diese Hemmschwelle hat."
      Seufzend lehnte er sich zurück und erhob sich aus dem Stuhl.
      Die Unterhaltung wurde langweilig und neigte sich dem Ende zu. Zumindest für August. Der Arkana streckte seinen lädierten, dürren Körper und seufzte anschließend.
      "Jep", murmelte er. "Nur drei Wochen. Es war mal mehr, aber die Zeit ist unbarmherzig...Und mach dir keine Sorgen: SIe wird es nicht erfahren. Ich werde vorher verschwunden sein. Es ist nicht gut Abschied zu nehmen, wenn man es nicht muss. Und wie ich aus deiner kühnen Vermutung hinsichtlich der Verehrungssituation entnehme, gibt es zumindest Weitere. Dann wird der Trost ausreichend gegeben sein. Ich wünsche dir eine gute Nacht..."
      Schweigsam machte er sich auf und durchmaß den Raum mit langsamen, beinahe trägen Schritten. Die Luft schnitt eisig in sein Gesicht, während er sich fragte, warum er sich eigentlich noch so quälte. Er könnte doch auch nur 3 Wochen am Strand liegen und in Twicker-beschissen-ham am Rande der Welt wohnen. Stattdessen zog er die Holztür zum Nebenraum auf und blickte in das Dämmerlicht einer Kerze, wo ein Mann auf einem Stuhl saß.
      Die Luft roch nach Schweiß und Blut und ein Lächeln stellte sich auf Augusts Gesicht ein. Bestialisch war kein Ausdruck mehr. Trotz der Müdigkeit seines Leibes wirkte er beinahe beseelt.
      "Alsdann...", murmelte er und verschloss die Tür sorgsam.
      Der Mann auf dem Stuhl erhob sich langsam und trat aus dem Halbschattenheraus. Der Blick der Gestalt wirkte ruhig und entspannt, während August seine Ärmel hinaufrollte und eine Reihe von frisch verheilten Schnitten auf seinem Unterarm offenbarte.
      "Wollen wir beginnen?", fragte Hakim und grinste breit, während sich bläulich schimmernd die Aura an seinen Fingern zu kleinen Skalpellen formte.
      "Aber immer. Allzu viel Zeit haben wir nicht."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Träge sah Noland August hinterher, wie er sich für die restliche Nacht verabschiedete und von Dannen zog. Er verschwand hinter einer der besagten Türen, die keiner von ihnen öffnen sollte. Erst als er das Klicken des Schlosses hörte, wie man es von innen heraus verriegelte, wich endgültig die letzte Anspannung aus den Knochen des alten Rogues.
      Das war das Laster derjenigen, die die Erinnerungen Anderer sahen. Wie sollte man etwas richtig erklären, wenn man es aus den Augen einer anderen Person sah? Sollte man überhaupt für denjenigen Partei ergreifen oder gerade nicht? Sollte man seine Gabe nutzen, für wen auch immer, oder nicht? Über die Jahre hatte sich Noland mehr mit diesen Fragen auseinander gesetzt als er denken konnte. Jedes Mal war er zu dem gleichen Schluss gekommen und jedes Mal bereute er diesen Entschluss nicht.
      Mühsam erhob auch er sich aus dem Sessel und machte sich auf den Weg ins obere Stockwerk. Er kam vorbei an der Tür hinter der sein Neffe sein Lager aufgeschlagen haben musste und lauschte. Er hörte nichts. Schlussendlich kehrte er in sein Gästezimmer ein und erachtete es nicht einmal als nötig, die Tür abzuriegeln.
      Von Außen hatte Noland nicht sehen können, dass Jasper mit geweiteten Augen auf seinem Bett lag. Er hatte sich bereits grob umgezogen und war fertig wie er war einfach ins Bett gefallen. Was vor einigen Minuten noch eine angenehme Ruhe war entpuppte sich kurz darauf als reinste Tortur. Ab dem Moment, wo ein Stockwerk tiefer eine Aura eingesetzt wurde, hatte sich der Junge die Hände vor die Ohren geschlagen, seine glühenden Augen fraßen sich regelrecht in die Decke. Er konnte sagen, dass es eine andere Aura war als jene, die August ihm bereits gezeigt hatte. Es war einzig seiner fehlenden Kontrolle geschuldet, dass Jasper ohne sein Zutun reagierte und es nicht mehr eingemächtig abstellen konnte. Ihm war aufgefallen, dass diese Phänomen bei starken Auren vermehrt auftrat und er die Geräusche schwieriger abschütteln konnte. Deswegen trug er ständig Kopfhörer bei sich, um sich in Fällen wie diese abzulenken.
      So schön andersartig diese Melodie in Jaspers Ohren auf klang, sie war zu komplex, als dass er sie jemals verstehen können würde.

      Kapitel V
      Hirngespinste

      Mittwoch - 7:21 Uhr
      Dusk & Dawn

      Jasper wachte aus einem mehr als unruhigen Schlaf auf. Er hatte sich gnadenlos die ganze Nacht über hin und her gerollt und war immer wieder in einen seichten Schlaf gefallen. Als er am Morgen aufwachte fühlte er sich wie gerädert. Wieder wieder war seine Aura ungewollt aktiv geworden und hatte ihn aus dem Schlaf gerissen. Folglich waren seine Augenringe eine neue Umschreibung für den Grand Canyon.
      Müde schälte er sich aus seinen Schlafklamotten und zog sich vorerst die Sachen vom Vortag wieder an. Leise warf er einen Blick in den Flur vor seinem Zimmer, entdeckte jedoch nichts atemberaubendes. Er kratzte sich am Kopf ehe er sich auf den Weg die Treppe hinunter machte.
      Im Erdgeschoss war es zwar leise, er entdeckte jedoch Perley, der gerade noch die Überbleibsel ihres nächtilichen Austausches mit August wegräumte. Sofort versteifte sich Jasper, plötzlich nicht mehr sicher darüber, wie weit seine Freiheit bei dem Hauswirtschaftler reichen mochten.
      "M... Morgen", nuschelte er noch an der Treppe stehend.


      Mittwoch - 7: 42 Uhr
      PD

      Am nächsten Morgen waren die Kopfschmerzen vollständig verschwunden und Ember konnte normal zur Arbeit fahren. Während der Fahrt zermaterte sie sich bereits wieder den Kopf, was da den vergangenen Abend generell passiert war. Noland war aufgetaucht, hatte Kontakt zu August hergestellt, einen Jungen im Schlepptau gehabt, dann noch eine Einbrecherin und zu guter Letzt war noch Perley bei ihr aufgetaucht.
      Dass sich auf ihrem Schreibtisch plötzlich auch noch Berge an Briefen türmten, trug nicht unbedingt zur Verbesseung ihrer Laune bei. Man hatte ihr erklärt, dass scheinbar nach dem Statement unzählige Briefe beim PD eingegangen waren, sowohl gute als auch schlechte Briefe. Man hatte es ihr überlassen, die ungefährlichen Briefe zu lesen, wenn sie es denn wollte. Doch nach ein paar Schriftstücken wurde es ihr zu viel. Wenn Tallburn ständig solche Briefe zu lesen bekam wurde ihr so langsam klar, wenn man entweder völlig malle oder ignorant wurde.
      Irgendwann wurde es ihr doch zu bunt und sie beschloss Ruairi einen Besuch abzustatten. Nachdem die wichtigsten Arbeiten des Morgens abgehandelt waren konnte sie sicherlich einen Kaffee mit ihm dazwischenschieben.
      Wie üblich klopfte Ember an seiner Tür bevor sie sich in sein Büro schob. Er trug noch immer den Verband um seinen Unterarm, sah aber nicht mehr ganz so fertig aus wie am Vortage. Er war gerade dabei irgendwelche Aktenordner zur Seite zu räumen als sie sein Büro betrat.
      "Was macht der Arm? Lust auf 'n Kaffee?"
      Gemächlich schloss sie die Tür hinter sich und spazierte zum Schreibtisch hinüber. Ihre Hände stützte sie auf der Ecke des Möbelstückes ab während sie den Caster musterte. Wenn das Training klappte, dann würde sie mit Sicherheit auch diese unterbewusste Angst vor dem Potenzial seiner Magie halbwegs in den Griff bekommen. Das war doch ein Gewinn für alle Fronten?
      "Du errätst niemals wer mir gestern Abend einen Besuch abgestattet hat", begann Ember und folgte ihrem neuen Credo, ihm nicht mehr all zu viel zu verheimlichen. "Gestern Nacht stand Noland plötzlich vor meiner Tür. Hatte einen Jungen im Schlepptau und hat vermutlich Kontakt zu August aufgenommen."

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    • Dusk & Dawn

      Perley Caulson war ein Frühaufsteher.
      Das Haar adrett frisiert und leicht geölt, den Schnauzbart wie jeden Morgen perfekt gestutzt, stand er vor den Sesseln und räumte die Überreste von Augusts nächtlichem Plausch fort. Die Luft stank erneut nach Magie und wenn er ehrlich war spürte er die Ausläufer über die Haut. Eine borstige Gänsehaut schob sich seinen Rücken hinauf noch ehe er die Schritte auf der Treppe vernahm. Dem Geräusch und Gewicht nach konnte er einschätzen, dass es nichts August oder Noland war.
      Gerade richtete er sich mit den Tassen in der Hand auf und sah zur Seite, als er den jungen Mann von gestern lugend hinter der Ecke erblickte. Sein Gesicht verzog sich nicht zu einem Lächeln oder dergleichen, sondern verblieb kalt und starr.
      "Guten Morgen", bemerkte er. "Ich hoffe, Sie haben wohl geruht? Leiden Sie Hunger?"
      Schweigsam trug er die Überreste zur schmalen Theke und stellte sich dort ab. Fragend blickte er zu dem Jungen, den er einfach nicht einschätzen könnte. War er eine Gefahr oder ein Segen?

      PD

      Ruairi sortierte Akten. Nein, eigentlich tat er nur so. Er hatte den Ordner mit den Strafregistern der letzten zehn Jahre studiert und nicht eine Spur seiner Schwester gefunden. Nirgendwo trat sie aktiv in Erscheinung obgleich es doch Spuren geben musste. Ihre Macht war damals nicht von ungefähr gewesen und hätte auffallen müssen. Und doch suchte er sich ein viertes Loch in die Hose.
      Seufzend schob er gerade den Aktenordner ins Regal, als Ember hereinkam. Ruhig sah er sie an und grinste breit, ehe er zu einem Kaffee nickte.
      "Hi!", sagte er und richtete sich in seinem Stuhl ein wenig auf. Warum er das tat, wusste er selbst nicht. "Ja, ich würde nicht nein sagen. Kaffee ist immer gut. Dem Arm gehts ganz gut! Und dir? Du siehst irgendwie müde aus, alles in Ordnung?"
      Er bereute die Frage bereits in dem Moment, als sie ihre weiteren Worte sprach. Mit jeder Sekunde wurde er überraschter und zog die Augenbrauen höher hinauf. Als der regelrechte Schock in seinem Gesicht stand, schluckte Ruairi.
      "Noland? Was sucht...Ich meine...Was tut er mit einem Jungen bei dir? Und wenn er Kontakt zu Foremar hat, ist das ganz und gar nicht gut. Sollten wir das melden?"

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    • Augenblicklich wünschte sich Jasper, einfach oben im Bett geblieben zu sein.
      Der Ausdruck, mit dem Perley ihn ansah, war gelinde ausgedrückt kühl. So kühl, dass Jasper sich mehr als nur abgewiesen fühlte. Allein schon die Tatache, dass der Hauswirtschaftler aussah, als gäbe es ihn selbst zu dieser Uhrzeit nur top gestyled, bereitete dem jungen Mann Bauchschmerzen. Er selbst sah dagegen mit seinen zerrupften Haaren und dem zerknitterten Klamotten eher nach einem Streuner aus.
      "Ähm... ja sicher, das Bett war super...", entschied er sich für nächsten Worte, blieb aber unsicher an der Trepper weiterhin stehen. "Danke, dass Sie die Zimmer dort oben schon hergerichtet hatten. Ich weiß, war primär nicht für uns gedacht aber trotzdem... und Hunger hab ich noch nicht, bin doch grad erst aufgestanden."
      Endlich löste er sich von seinem Spähpunkt aus und schlenderte ein wenig weiter in den Raum so als wüsste er nichts mit sich anzufangen. Noland schlief oben noch, das konnte man selbst durch die geschlossene Tür hören. Vermutlich hatte der Mann gerade den ersten seeligen Schlaf seit Wochen hinter sich.
      "Kann ich Ihnen irgendwie helfen oder so? Mir gefällt es echt nicht hier einfach aufzutauchen und... nichts zu tun, wissen Sie? Kann ich das nicht vielleicht abwaschen oder so? Irgendwas?"
      Er deutete auf das Service auf dem Tresen, das zweifelslos auch von ihm stammte. Es spielte überhaupt keine Rolle was es war aber Jasper musste irgendetwas tun. Konstant war ihm kalt und ein leises Klingeln lag noch immer in seinen Ohren, das er nicht wirklich zuordnen konnte. Er wusste gar nicht mehr, wie lange er gestern Nacht noch dieser seltsamen Melodie zuhören hatte müssen bis sie endlich Ruhe gegeben hatte.



      "Ich weiß nicht, ob wir das melden sollten. Wenn wir es tun wird man mich befragen warum ich weiß, wo ein gesuchter Arkana sich aufhält und es nicht gesagt habe."
      Wenn Ember nicht unbedingt ihre potenzielle Karriere an den Nagel hängen wollte, würde sie über dieses Thema Stillschweigen bewahren müssen. Zumal sie nicht wusste, ob es gut oder schlecht war, dass diese beiden Zauberer zueinander gefunden hatten und sie keine Ahnung hatte, was sich in deren Köpfen zusammenbraute.
      "Pass auf, ich erzähl dir mal den Rest auf dem Weg zum Automaten und zurück", forderte sie Ruairi auf sich von seinem Tisch zu lösen und mit ihr auf die Jagd nach einem Kaffee zu gehen.
      Wie angekündigt berichtete sie ihm von dem vergangenen Abend, allerdings ohne pikante Details laut zu formulieren, die man leicht an die falschen Ohren verlieren konnte. Diese Informationen rückte sie erst raus nachdem sie mit Pappbechern bewaffnet wieder in seinem Büro eingekehrt waren und sie sicher war, dass die Tür ordnungsgemäß hinter ihr verschlossen war.
      "Noland hat mich mehr oder weniger angegriffen. Sich gegen mein Einverständnis Zugang zu meinen Erinnerungen beschafft. Ich weiß nicht, was genau er alles gesehen hat aber so hat er die Adresse rausgefunden, wo sich August zur Zeit aufhält. Ich gehe stark davon aus, dass er auch weiß, wer die Welt ist", füllte sie ihren lückenhaften Bericht mit Details, die sie vorher ausgespart hatte.
      Sie hatte sich auf dem Stuhl vor Ruairis Schreibtisch niedergelassen und rollte die steifen Schultern, die den Stress des Vorabends noch deutlich spürten.
      "Ich hab' leider nicht herausfinden können, wer der Junge ist. Aber ich denke, er ist der Grund warum Noland so plötzlich verschwunden war. Viel besser war aber, dass ich plötzlich 'ne Einbrecherin in meiner Wohnung hatte. Ich bin mir absolut sicher, dass Noland beim Verlassen alle Türen zugezogen hatte als er mich bewusstlos in der Küche zurückgelassen hatte. Ich bin wach geworden weil mich jemand an der Schulter gerüttelt hat und dann stand da diese ominöse 'Clara'. Vermutlich ist der Name falsch aber sie muss garantiert auch eine Zauberin gewesen sein. Jung, vielleicht um die Zwanzig und einen fürchterlichen Slang."
      Ember nippte an ihrem Kaffee während sie Ruairi so musterte. Zu gern hätte sie ihn gestern Abend angerufen und darum gebeten, herzukommen damit sie nicht allein sein musste. Wie tief war sie eigentlich gesunken, dass sie sich so etwas wünschte? Wer sagte überhaupt, dass das Sehnen nach einem Anderen der Boden sein musste?

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      Perley wusste nicht recht, was er mit dem Bengel anfangen sollte.
      Er sah aus wie ein gerupftes Huhn und war zumeist frech aufgetreten. Und die Tatsache, dass er sich jetzt einigermaßen gewählt ausdrückte, war lediglich der Angst geschuldet, die er schlimmer immitierte als eine Kabine voller pubertierender Jungen den Schweißgeruch. Der Junge stank beinahe vor Angst und das machte Perley rasend. Menschen mit Kräften sollten wenig bis keine ANgst verspüren.
      Sorgsam drehte er sich zu dem Jungen und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
      "Nun, wenn dem so ist"; begann er und zuckte die Achseln. "Zögern Sie nicht, danach zu fragen wenn Sie etwas benötigen. Es freut mich, dass Sie die Nacht wohl geruht haben. Und das Bett ist für Jedermann zugänglich, also wurde es nicht zweckentfremdet. Wenn ich mir nur einen kleinen Hinweis erlauben darf..."
      Er räusperte sich und sah zu dem Jungen.
      "Vielleicht sollten Sie sich ein wenig mehr Garderobe zulegen, die ihrer Statur schmeichelt. Ich habe bedauerlicherweise keine Ahnung von heutigen Trends, aber letztlich ist es niemals verkehrt, ordentlich gekleidet zu sein."
      Auf seine Frage hin sah er zur Theke und zuckte abermals mit den Schultern.
      "Wenn Sie darauf bestehen, nehme ich Hilfe sehr gerne an"; bemerkte der Hauswirtschafter. Gerade noch zeigte er ihm die schmale Spüle hinter der Theke, da August aus dem Raum kam, den er vor dem Abend versiegelt hatte.
      Seine Arme troffen vor frischem Blut und herabhängenden Hautfetzen. ALs hätte er sich mit einem Bären geprügelt. Das weiße Hemd stand vor rotem, getrocknetem Blut, als er sichtlich erschöpft in den Hauptraum hinein stolperte und zu Perley und dem Jungen sah.
      "Oh!", lautierte er und grinste. "Guten Morgen. Offenbar haben wir einen neuen Frühaufsteher unter uns. Wie hast du geschlafen, Junge?"


      PD

      Ruairi nickte ob ihres Arguments und erhob sich.
      Er konnte nicht anders, als kurz vor dem Ausgang zum Flur kurz nach ihr zu greifen und sie an sich zu ziehen. Er drückte sie an sich und ihren Rücken an seinen Bauch während er seine doch recht massigen Arme um sie legte und die Nähe vor einen ganz kurzen Moment genoß. Schweigend küsste er ihren Scheitel und sah hinab, als er sie losließ,l ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen.
      "Nach Ihnen, Miss Sallow", grinste er und hörte sich ihre Schilderung der Situation beinahe wortlos an, während sie zum Automaten und zurück liefen.
      Als er die Tür wieder verschloss und seinen Platz wieder einzunehmen gedachte, sah er doch erstaunt zu ihr.
      "Angegriffen?", fragte er ungläubig. Noland? Waren sie nicht gut befreundet? Wer tat so etwas einem Freund an? "Geht es dir gut? Hat er dich verletzt?"
      Ruairi widerstand dem Drang, der Frau entgegen zu huschen und sie regelrecht abzutasten. Aber aus irgendeinem Grund hielt er inne und sah sie nur an.
      "Gut...", seufzte er schließlich und setzte sich schwerfällig in den Stuhl. Die Augen richteten sich auf Ember als würden sie nach SPuren der Nacht suchen. "Damit ich das recht verstehe: Noland kommt vorbei, mit einem merkwürdigen Jungen und greift dich an um Augusts Adresse herauszukriegen. Dann verzieht er sich und Jemand bricht in deine Wohnung ein, während du nicht bei Bewusstsein warst...Und Clara hin oder her...Warum hast du nicht einfach angerufen? Oder bist vorbei gekommen? So ein Erlebnis soltle man nicht alleine durchstehen, dafür bin ich da, ich..."
      Oh je...
      "Ich meine, also...Nicht dass du denkst...Ich wollte damit nicht sagen dass du es musst, aber...Ich hätte dir gern geholfen und wäre für dich da gewesen!"
      Ruairi räusperte sich und nippte an seinem Kaffee.
      "Und diese Clara? Hast du irgendwas von ihr? Also etwas das wir nutzen könnten um Signaturen aufzuspüren?"

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    • Dusk & Dawn

      Hatte Jasper irgendetwas falsche gemacht? Anders konnte er sich nicht erklären, wieso Perley sonst die Hände hinter dem eigenen Rücken versteckte, so als würde er verheimlichen wollen, wie er gerade die Fäuste ballte. Vielleicht aber las der junge Zauberer auch nur Dinge, die gar nicht da waren und einzig seiner Halbachtstellung geschuldet waren. Einen weiteren faden Beigeschmack bekam er allerdings als der Hauswirtschaftler sich räusperte und eine Bemerkung zu den Klamotten machte. Unweigerlich verschränkte Jasper die Arme vor der Brust und war sich nicht wirklich sicher, was für ein Gesicht er machen sollte.
      "Sorry, dass ich meinen Schrank nicht mitnehmen konnte. Das kam alles überstürzt und ich bin quasi nur mit den Sachen am Leib gereist... Ich hau später mal meinen Onkel an, dass er mir Geld gibt..."
      Nun deutlich peinlicher berührt aufgrund seiner Erscheinung kam Jasper Perley näher, der ihm die Spüle hinter der Theke zeigte. Ein kleines Becken, gemacht für eine handvoll Besucher und nicht mehr. Gerade wollte Jasper etwas dazu sagen, da wurde eine der sagenumwobenen Türen geöffnet und August kam herein gestolpert. Sein Auftritt verfehlte nicht den gewünschten Effekt, denn Jasper starrte den Arkana mit geweiteten Augen an. Der Mann müsste dem Anschein nach eigentlich gleich aus den Schuhen kippen, so zerrissen wie er aussah.
      "Ach du scheiße...", fluchte Jasper leise und mutierte endlich einmal nicht zur Salzsäule.
      Er fetzte regelrecht durch den Raum, um die nächstbeste Sitzgelegenheit zu beschaffen und sie zu August zu schleppen. Dass der vermutlich gar keinen Stuhl wollte, war ihm dabei gänzlich entfallen. Wie einen Unfall starrte er das ehemals weiße Hemd und die gefetzten Hautlappen an seinen Unterarmen an.
      "Haben Sie überhaupt kein Schmerzempfinden?", war das erste, was er fragte und realisierte anschließend, dass man ihn etwas gefragt hatte. "Oh, 'tschuldigung. Fantastisch hab ich geschlafen wenn man davon absieht, was für ein Lärm das war. Jetzt sagen Sie mir nicht, Sie verfügen über drei verschiedene Auren. Das wäre nämlich echt schräg..." Zumal er nicht davon ausging, dass diese südländische Melodie zu August gehört hatte.
      Er blinzelte ein paar Mal ehe er den Kopf hochriss und Perley ansah.
      "Haben Sie Verbandsmaterial hier?"


      PD

      "Ich sag ja, angegriffen ist Auslegungssache. Ich habe mich gewehrt und es dadurch scheinbar schlimmer gemacht. Ich hatte den ganzen Abend nur Kopfschmerzen und Schwindel." Und Spastiken. Aber das musste Ruairi ja nicht unbedingt wissen.
      Jedoch registrierten Embers Augen, wie sich eine widersprüchliche Spannung in dem Caster aufbaute. Er wollte etwas tun, hielt sich aber bewusst davon ab. Eine seltsame Handlung wenn man bedachte, dass er sie vorhin wieder so arglos an seine Brust gezogen hatte. Kaum hatte er sich gesetzt und die Schilderung rekapituliert, brach ein regelrechter Wortschwall aus ihm hervor. Gegen Ende dieses Schwalles konnte Ember nur amüsiert grinsen während sie ihre Pappbecher auf dem Tisch von links nach rechts zwischen ihren Händen hin und her schob.
      "Das trifft es so in etwa. Hätte ich Noland die Adresse einfach so gegeben hätte er seine Magie nicht eingesetzt. Dass er es so plötzlich getan hat lässt darauf schließen, dass ihm schon jemand im Nacken saß. Denke ich. Ich hätte dich ja angerufen, aber du hast immer noch kein neues Handy und deine Festnetznummer kenn ich nicht. Ich war so im Arsch gestern Nacht, dass autofahren das reinste Himmelfahrtskommando gewesen wäre." Sie winkte beiläufig ab. "Zu mehr als torkeln war ich nicht mehr in der Lage. Man siehe meine Augenringe des Todes, die immun gegen jeden Concealer sind."
      Auf die Frage hin, ob Ember irgendetwas zu 'Clara' hätte, musste sie einen Moment lang nachdenken. Ihre Augen wanderten zur Decke während sie überlegte, ob ihr etwas konkretes einfiel. Soweit sie sich erinnern konnte hatte das Mädel nichts Sichtbares in der Wohnung hinterlassen. Dafür aber etwas unsichtbares im Flur, wie ihr berichtet worden war.
      "Dagelassen hat sie nichts, nein. Allerdings hat man mir gesagt, dass der Flur wohl nur so nach Magie stinken würde. Vielleicht..."
      Sie nippte mit großen, unschuldigen Augen an ihrem Kaffee.
      "Vielleicht solltest du dir das nach Feierabend einmal ansehen? Und sichergehen, dass ich diese Nacht nicht wieder angefallen werde?"
      Zumindest nicht von irgendeinem Unbekannten.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      Für einen Moment lang wirkte der Hauswirtschafter pikiert, da man seinen durchaus konstruktiv gemeinten Ratschlag mehr als Kritik aufnahm anstatt als strenge aber durchaus positive Kritik.
      "Sie sind frech", murmelte Perley. "Frechheit steht Jenem gut zu Gesicht, der dahinter durchaus die Gewissheit verbergen mag, dem Anderen überlegen zu sein. Die Frage die sich mir daher stellt, Mr Quill, ist die, ob Sie denken, mir überlegen zu sein?"
      Für einen Moment lang herrschte grausige Stille, ehe August die Szenerie sprengte. Und Götter, er sah beschissen aus. Vielleicht mochte es an der Tatsache liegen, dass Perley August bereits lange kannte und die Zeichen zu deuten wusste, die der Zauberer mit sich trug. Aber die Schatten unter seinen Augen und die nicht verheilten Wunden deuteten auf einen Misserfolg hin. Einen Misserfolg den er später wieder lautstark in seiner Wut austragen würde.
      "August", murmelte er und wollte ebenso loseilen, da sah er bereits den Jungen loshechten und einen Stuhl holen. Einen Stuhl! Seufzend nickte Perley auf seine Frage hin und verschwand in der kleinen Hintertür zur Theke, wo ihm die gesammelten Bilder entgegen kamen.
      "Danke, Junge", murmelte August und stützte sich auf dem Stuhl ab, ehe er sich fallen ließ und auf der Sitzfläche landete. Ein leises Kichern rutschte über sein Gesicht als er das panische Gesicht des Jungen ansah. "Na, na. Mach mal keine Szene!"
      August räusperte sich und blickte besorgt in das Innere seiner Hand.
      "Ich habe Schmerzempfinden und es ist höllisch, wenn ich bemerken darf. Und doch - Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles. Also...Ich schließe aus dem, was du gestern zeigtest und dem Gesagten, dass du Auren wahrnehmen und hören kannst? Ic h meine, wenn wir zu laut waren..."
      Nach einer kurzen Zeit kam Perley wieder in den Raum geschlittert und breitete den Verbandskoffer auf dem Boden auf. Sachte wandte sich der Butler an Jacop und sah ihn durchdringend an.
      "Wasser, bitte", kommandierte er und wies auf die Spüle in seinem Rücken.
      Sachte begann er, August sorgsam und feinfühlig Verbände anzulegen. Auch wenn er wusste, dass magische Wunden nicht auf diese Weise heilten.


      PD

      Das Gespräch wandelte sich zusehends und Ruairi wusste erst, weshalb als sie das Offensichtliche ansprahc.
      Er hatte kein Handy! Gottverfluchte Rattenscheiße, dachte er und schlug sich vor die Stirn,.
      "Okay, das ist ein Punkt für dich", murmelte er und schüttelte den Kopf. "Werde mir heute Nachmittag noch eines kaufen, damit ich wieder zu dir eilen kann wenn was ist."
      Er grinste ebenso und drehte den Plastikbecher in seiner Hand, während er Embers Worten lauschte. Die Tatsache, dass sie sich gewehrt hatte brachte ihn einerseits zum Nachdenken andererseits erfüllte es ihn merkwürdigerweise mit Stolz. SIe hatte sich zur Wehr gesetzt! Das war ein Gewinn. Besser als aufzugeben, wie...Schwach sickerte eine Erinnerung hindurch die er blockierte und sie wieder ansah.
      "Wenn ihm Jemand im Nacken saß, muss es Jemand sein vor dem er große Angst hat"; bemerkte Ruairi. "Normalerweise neigen derart vorsichtige Zauberer nicht zu solchen Kurzschlusshandlungen. Geht es dir denn sonst gut?"
      Der Drang, sie zu berühren, war beinahe übermächtig, sodass er sich unauffällig etwas vorlehnte und seine Hand offen über den Tisch schob. Eine wortlose Einladung, wenn sie sich hier schon nicht in die Arme fallen konnten.
      "Du siehst immer noch wunderbar aus, keine Sorge", grinste er schelmisch und seufzte etwas.
      Der Flur stinke nach Magie?
      Ihren sublimen Hinweis hin musste er mit einem Lachen kommentieren, was in einem Nicken resultierte.
      "Ja, in Ordnung", sagte er. "Dann komme ich heute Abend nach Feierabend zu dir und inspiziere den Flur, die Wohnung und auch sicherheitshalber dein Schlafzimmer. Man weiß ja nie...Undichte Fenster sind schwer zu erkennen. Da muss man schon genau schauen. Und wenn es um deine Sicherheit geht...Da will man ja nichts auslassen..."

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    • D & D

      Wenn Jasper eines nicht zu beabsichtigen suchte, dann war es frech zu sein. Glück im Unglück war da August gewesen, der die missliche Lage des jungen Zauberers auslöste und ein neues Problem schaffte. Und das war zum aktuellen Zeitpunkt der Zustand des Arkana. Dafür, dass August angeblich doch ein Schmerzempfinden hatte, saß er verhältnismäßig entspannt im Stuhl vor dem Jasper stand und sich nicht sicher war, ob und was er noch tun könnte.
      Allerdings verzog der Junge getroffen die Miene als August direkt auf seine Unachtsamkeit anspielte. So viel zum Thema er wollte nicht unbedingt mehr erklären als notwendig.
      "Ja, ich kann sie wahrnehmen. Besser gesagt ist hören", bestätigte er noch bevor Perley mit dem Verbandsmaterial zurückkam und sich zwischen ihn und August drängte.
      Der kleine Hinweis genügte und Jasper trollte sich zum Spülbecken, wo er nach ein paar Fehlversuchen eine Glasschale in den Schränken finden und mit Wasser füllen konnte. Sorgsam trug er sie zu Perley zurück und stellte sie ab. Der Hauswirtschaftler machte seine Arbeit sogar noch zärtlicher als Theresa, und das wollte schon was heißen.
      "Jede Aura spielt in meinen Ohren ihr ganz eigenes Lied, sozusagen. Wenn ich es aufdrösel nach Tonspuren oder Instrumenten kann ich damit die enstehende Magie lösen. Glaube ich zumindest. Besser erklären wird wohl schwierig", führte er weiter aus wenngleich er nur Perley dabei beobachten konnte, wie er sorgsam eine Windung nach der nächsten an Verband um Augusts Arme wickelte.
      "Die von Noland klingt in manchen Aspekten meiner ähnlich. Daher wusste ich, dass wir verwandt sind und konnte sie schneller lösen. Sie setzen Magien von verschiedenen Personen ein, richtig? Die von gestern Nacht klang aber total anders und unfassbar laut... Sie haben gesagt, Sie können wir zeigen wie ich es kontrollieren kann. Wie kann ich dann verhindern, dass meine Aura ohne mein Zutun anspringt?"


      PD

      "Bin ich nicht ein großes Mädchen und kann auf mich selbst aufpassen?", spottete Ember und grinste breit, sichtbar losgelöster von ihrer letzten furchtbaren Nacht. "Du kannst auch gerne zu mir eilen, ohne dass irgendetwas ist."
      Oh, wie sehr sie dieses lockere Geplänkel vermisst hatte. Scheinbar reichte Ruairis Anwesenheit aus um auch die restlichen dumpfen Kopfschmerzen ins Nirvana zu blasen. Wie er ihr Rumgespiele mit dem Kaffeebecher nachahmte und aufmerksam jedem einzelnen ihrer Worte lauschte... Wenn sie es gekonnt hätte, wäre sie mit ihm jetzt auf der Stelle einfach nach Hause gefahren und auf der Couch versackt, die Vorhänge zugezogen und das Übel da draußen ausgesperrt.
      "Wirklich, es ist okay. Mir geht's jetzt wieder besser." Besonders auch wegen dir. "Vermutlich wird er vor jemanden Angst gehabt haben. Trotzdem verstehe ich nicht, warum er sich die Mühe machen soll-"
      Ember brach ab als ihr plötzlich etwas einfiel. Ein kleines Detail, das plötzlich in ihren Verstand drängte und zuvor hinter einer Nebelwand verhüllt nun langsam Kontur bekam. Es war eine Erinnerung, die sie nicht direkt vergessen hatte. Aber vielleicht hatte Noland hier seine Finger im Spiel gehabt. "Der Junge ist sein Neffe. Er hat seinen Neffen zu August gebracht."
      Erst da fiel ihr die offene Hand auf dem Tisch auf und keine Sekunde später lag ihre Hand in seiner. Völlig automatisch, wie ein Grundreflex. Sofort stellte sich wieder das wohlige Gefühl ein, das sie immer ereilte, kaum fasste sie den Caster an. Allein der Fakt, dass er wirklich auf ihren doch sehr ungalanten Einladungsmove einging, hellte ihre Stimmung viel zu sehr auf. So sehr, dass sie ihn gleich an weiteren Gedanken teilhaben ließ, die sich sich im Laufe hatte machen können.
      "Bezüglich meines Serienkillers: Ich denke, er nutzt ein Artefakt. Kann man irgendwie nachvollziehen, aus welchen Quellen die jeweiligen Artefakte generiert worden sind? Vermutlich ist es nicht das Papier, also tippe ich eher auf das Schreibmittel oder die Tinte. Ah, was auch spannend ist, diese 'Clara' hat den Ring nicht mitgenommen. Er stand mit meinen Notizen auf dem Couchtisch und war vollkommen unberührt. Sehr seltsam alles...."

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      Feel free zum Springen falls/wie du möchtest. Ich hab bei Ember gerade ein wenig Luft bis zum nächsten Happening.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      August lehnte sich zurück auf dem Stuhl, sodass dieser zu knarren begann. Es war ein grässliches Geräusch als die Hautlappen auf die Haut geschoben wurden und mit Verbandsmaterial umwickelt wurden. Es schmerzte, als würde man ein glühendes Eisen an die Wunde halten und der Zauberer verzog das Gesicht zu einer Fratze, ehe er den Jungen ansah.
      Grinsend winkte er ab.
      "Eine genauere Erklärung ist auch noch nicht von Nöten", bemerkte der Zauberer und sah zu Perley. "Ich denke, ich verstehe, was du tust."
      Schweigsam überlegte er eine Minute lang ehe er dem Jungen eine Antwort gab. Denn diese zu geben bedeutete, das Wesen von Aura und Magie zu verstehen. Die Frage war eher, wie brachte man es einem 17jährigen bei, der noch nie damit zu tun hatte?
      "Wer weiß, wer weiß", kicherte er spielerisch und drehte seinen Finger um eine weiße Haarlocke. Die weißen Haare waren mehr geworden, die Strähne nun breiter. DAs ganz ohne sein Zutun. Nicht sehr erbaulich, wie August fand und seufzte.
      "Nun, da es nicht um mich geht, will ich versuchen, es dir einfach zu erklären. Man kann seine Aura nicht daran hindern anzuspringen. Das wird sie immer tun, denn deine Magie ist offenbar von der reaktionären Natur. Es gibt aktionäre und reaktionäre Auren. Das heißt Auren, die automatisch anspringen, wie du es nennst, oder Auren, die dazu gebracht werden müssen. Deine ist eine seltene Gabe, die viel Kontrolle erfordert. Also musst du lernen, nicht das Anspringen, sondern das Ausmaß des Motors zu kontrollieren mit dem du deine Aura speist. Wir reden hier von aktiver Kontrolle der Emission. Wir alle emittieren Aura, aber die Art und Weise, wie wir dies tun, liegt in unserer Macht und erfordert Kontrolltraining. Der erste Baustein deiner Lernreise - AUA! - ist zu lernen, dich selbst zu kontrollieren und zu disziplinieren. Von daher beginnen wir mit dem einfachsten: Jeden Morgen erwarte ich deine geschätzte Anwesenheit zum Frühstück um 06:00 Uhr. Zu Bett gehen darfst du eigenständig, aber um 06:00 Uhr bist du bei mir. Den Rest zeige ich dir, nachdem du dich entsprechend eingekleidet hast. Du iehst aus wie meine Großmutter. Und die ist seit 150 Jahren tot."

      PD

      Das Gefühl ihrer Hand war so wunderbar und auf eine grazile Art und Weise erregend, dass er schlucken musste. Sachte spielte er mit ihrer Handfläche und den Fingern, während er ihr lediglich zuhörte.
      "Wer auch immer es war, der Noland eine derartige Angst eingejagt hat, er oder sie hat auf jeden Fall erreicht. Eine derartige Reaktionen erscheint mir den Geschichten nach komisch, aber gut...Die Hauptsache ist, dir geht es gut. Und ich schaue mir heute Abend mal deine Wohnung an. Immerhin könnten wir dann herausfinden, was dort eigentlich geschehen ist."
      Deswegen fährst du dort nicht hin, du notgeiler Idiot.
      "Sein Neffe?", er hielt in seinen Bewegungen mit ihrer Hand inne und seufzte. "Wusste gar nicht, dass Noland Familie hat? Du etwa? Die Frage ist, wer ist oder was kann sein Neffe, dass er ihn zu August schleift? Immerhin ist dieser Mann nicht gerade Umgang für einen Jungen, oder?"
      Ruairi zuckte die Achseln, ehe er ihre Hand an seine Lippen hob und einen zarten, aber festen Kuss darauf drückte. Dann noch einen, und noch einen.
      "Vielleicht hatte sie kein Interesse daran?", murmelte er zwischen zwei Küssen. "Ich meine...Er ist ihr vielleicht nichtmal aufgefallen. Oder sie hat etwas anderes gesucht und vielleicht gefunden...Mich wundert dass sie so ohne Spuren eingebrochen ist. ISt dir etwas aufgefallen? "
      Er wollte gerade Luft holen, da ließ er ihre Hand förmlich fallen, als an der Tür ein Klopfen ertönte. Kauley steckte den Kopf herein und pfiff sich ein Haar aus dem Gesicht.
      "Chef? Sorry, aber da kam gerade ein Anruf. Sollten uns mal kurz besprechen!"
      "Komme gleich, Kauley!"
      Mit einem Brummen schloss sich die Tür eilig wieder und Ruairi seufzte schwer. LAngsam erhob er sich vom Stuhl und schob sich um den Tisch herum, um vor Ember zum Stehen zu kommen.
      "Ich vermisse echt die Ruhe von neulich", murmelte er und küsste sie schnell auf den Mund, ehe er sich seine Jacke schnappte, die auf einem Stuhl wartete.
      "Und mit deinem Mörder: Ich glaube, das was du sagst hat Hand und Fuß! Sag mir Bescheid, wenn du einen von meinen Leuten brauchst!"
      Oder mich,..., dachte er und entschwand entschuldigend schauend aus dem Büro. Immer wenn man gerade beschäftigt war...


      Embers Wohnung - 19:54 Uhr

      Ruairi hatte sich herausgeputzt, wenn man es so sehen wollte. Eine saubere Hose, ein schwarzes Hemd, dass ein wenig zu eng saß, wenn man es genau nahm. Aber die übrigen Hemden waren in der Wäsche und er wollte kein neues aufbügeln. Schweigsam strich er sich durch die Haare als er an das Mehrfamiliengebäude heran fuhr. Der Kombi kam mit einem leisen Quietschen zum Stehen und es brauchte keine Sekunde, da bemerkte er, dass etwas nicht stimmte.
      Seine Augen begannen ohne Vorwarnung zu leuchten und er fühlte die Luft um seine Brust enger werden. Der Atem des Zauberers begann sich zu beschleunigen und kalter Schweiß brach ihm aus. Als wäre es unmöglich, einer meterhohen Welle zu entkommen, riss er den Gurt von sich und stieß die Tür zur kalten Nachtluft auf. Selbst hier...Selbst hier spürte er einen unbarmherzigen Druck, der ihn beinahe taumeln ließ. Als riss man einem Zauberer den Teppich unter den Füßen fort. Grässliche Gefühle der Enge und des Vorbeirasens von Emotion und Eindrücken erfuhren seinen Leib, als er sich zur Tür schleppte und an der Tür klingelte.
      Herrgott...Wann hatte er das letzte Mal eine Panikattacke erlitten, als er eine Aura spürte?

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • D & D

      Jasper verschränkte die Arme vor der Brust und msuterte August. So zerrupft, wie er sich gerade von seinem Hauswirtschaftler verbinden ließ, hatte er sich einen Arkana, diesen Arkana, nicht vorgestellt. Als Noland ihm offenbahrt hatte, dass er ihn bei August Foremar abliefern wolle, hatte sich der Junge mit Händen und Füßen gewehrt. Jetzt verstand er langsam, warum es ausgerechnet dieser Zauberer sein musste. Zu anderen hatte Noland vermutlich keine Kontakte gehabt und nach der Art und Weise, wie sie geflohen waren und nach den zahlreichen Angriffen auf Rogues und deren Familien ergab es langsam ein vollständiges Bild.
      "Zu meiner Verteidigung wurde ich auch aus meinem beschaulichen Leben gerissen...", murrte er lediglich und war nicht sonderlich darüber begeistert, dass nun ein zweiter seinen notdürftigen Kleidungsstil kritisierte.
      "Ich gebe dir gleich etwas Geld, dann kannst du auf Streife gehen." Die Stimme erklang hinter ihnen von der Treppe, die gerade Noland herunter kam.
      Im Gegensatz zu seinem Neffen hatte er eine ordentliche Jeans und ein kariertes Hemd. Noch immer zeichneten sich die vergangenen Tage in seinem Gesicht als dunkle Furchen ab. Im Gehen kramte er seine Geldbörse aus der Tasche, nahm ein paar Scheine heraus und reichte sie dem Jungen.
      "Du musst nur allein gehen aber ihr jungen Leute kennt euch ja prima mit eurem Handy da aus."
      "Warum hast du mir nicht gesagt, dass ich scheiße aussehen?"
      "Hätte es dich interessiert es von mir zu hören?"
      Jasper blinzelte seinen Onkel an. "....Nee, eher nicht...."
      Noland zuckte nur mit den Schultern und deutete zur Tür. Genervt rollte Jasper mit den Augen, vergrub die Hände in den Untiefen seiner Hosentasche und schwerte sich aus dem Dusk & Dawn. Ein paar Sekunden lang sah der Onkel dem Neffen hinterher, dann richtete er seinen Blick auf August.
      "Du versuchst tatsächlich den Tod auszutricksen? Wie?"

      PD

      Fast schon verzückt beobachtete Ember das Zusammenspiel ihrer Hände auf dem Tisch. Wenn es nach ihr ginge, würde es niemals enden und sie würde ihn an weitaus mehr Stellen anfassen als nur an seiner Hand.
      "Niemand von uns wusste, dass Noland Familie hat. Wir wussten nur, dass er das Gedächtnis seiner Eltern gelöscht hat aber unmöglich, dass er danach Geschwister bekommen hat, ist es nicht. Die Frage ist eher, wie er erfahren hat, dass es noch jemanden gibt. Und wenn er meint, ihn bei August absetzen zu müssen, dann wird er ein Zauberer mit nicht geringem Talent sein, fürchte ich."
      Sie unterbrach sich einen Augenblick als Ruairi damit anfing, ihren Handrücken mit Küssen zu übersähen. Was von außen aussah wie ein leicht perplexes Starren war lediglich der Versuch, ihn nicht wieder darum zu bitten, die Tür zu versiegeln. Doch da klopfte es plötzlich, er ließ ihre Hand einfach fallen und sie zuckte ein nicht unwesentliches Stück in die Höhe. Gerade noch so bekam sie den Kuss mit, den er ihr als Andenken hinterließ und schürzte die Lippen. Deswegen spielte man nicht auf der Arbeit...

      Embers Wohnung - 19:54 Uhr

      Wie am Vorabend auch hatte Ember ihre Jeans und Bluse gegen Jogginghose und einfaches Shirt getauscht. In der verbleibenden Zeit hatte sie ihre Wohnung wieder ansehnlicher gestaltet und den kleinen Küchentisch mit einem Korb von Knabbergebäck sowie Zwei Tasse nund Gläser dekoriert. Mehr hatte sie sich nicht getraut zu verändern in der Annahme, irgendwelche Hinweise zu verwischen.
      Bis auf den Berg an Briefen, der sich auf dem Couchtisch türmte.
      Als Ember Heim kam quoll ihr Postfach regelrecht über. Schnell hatte sie gemerkt, dass sich das Bild aus dem PD bis zu ihrer Privatanschrift weiterzog und es ähnliche Schreiben waren, dieses Mal nur derber formuliert. Sie hatte den kleinen Detektor, den sie sonst in ihrer Handtasche mit sich führte,über die Briefe laufen lassen und all jene aussortiert, die Anzeichen von Auren aufwiesen. Diese hatte sie nur mit ihren Handschuhe angefasst und beiseite gelegt. Man wusste ja nie.
      Endlich schellte es und Ember war binnen Sekunden an der Tür, um sie zu öffnen. Herein kam ein verdammt gut aussehender Mann - wäre da nicht der Ausdruck auf seinem Gesicht und die unregelmäßige Atmung.
      "Was ist passiert?", fragte sie scharf, kam ihm ein Stück entgegen und führte ihn an seinem Arm in ihre Wohnung.
      Die Tür fiel hinter ihnen ins Schloss und sofort schlang sie ihre Arme um den Mann. Sie hatte mal gehört, dass es half, wenn man denjenigen kräftiger drückte, wenn er die Panik in den Augen trug so wie er es gerade tat.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      August sah dem jungen Mann hinterher und seufzte kichernd. Es war schon eine ganze Weile her, da er einen Lehrling hatte. Es würde sicherlich lustig werden, wenn die ersten Fälle hereinkamen, die man gemeinsam lösen konnte. Eine Tätigkeit, die er eigentlich für sich und Ember gesehen hatte, aber was sollte es...
      Ember erschien nicht mehr die Frau zu sein, die sie mal war, nicht wahr? Wenn er Nolands Andeutungen Glauben schenken konnte, gab es da noch Jemanden oder zumindest die Möglichkeit. Wer und warum wollte der Zauberer gar nicht erörtern, aber alleine Gewissheit trieb ihm einen Stich ins Herz. Aber: Die Arbeit rief. Zu seinem Bedauern.
      Daher betrachtete er Noland neugierig und zuckte die Achseln. Perley legte den letzten Verband an und befestigte alles mit sorgsamer Gründlichkeit, ehe er sich mit dem Koffer ein wenig zurück zog.
      "Aber Noland..."; murmelte August grinsend. "Wie kannst du nur so etwas behaupten? Wir alle wissen doch, dass den Tod zu täuschen ein Frevel ist, nicht wahr? Denn Tod heißt auch Gerechtigkeit...Aber mal im Ernst!"
      Er schwang sich energisch aus dem Sessel und knöpfte sein Hemd auf, das noch vor Blut stach. Geflissentlich warf er es ins Feuer und offenbarte die Tätowierungen und Narben, die ihm zugefügt wurden. LEdiglich die Brustnarbe, die aussah wie ein Stern schien rosig und druchblutet zu sein. Als sei sie frisch...
      "Ja, ich versuche den Tod zu täuschen und suche einen Weg dahin. Doch der einzige Weg führt, wie du dir denken kannst, durch das Sieben-Wege-Tor. Aber keine Angst: ich werde deinem Jungen vorher alles Notwendige beibringen und er wird unter Perley in dieser Agentur stets Willkommen sein."


      Embers Wohnung

      Es war irgendwie schon süß anzusehen, wie sie versuchte, diesen einfachen Traumatrick anzuwenden. Es half, aber nicht auf die Weise wie sie dachte.
      Sachte schlang er seine Arme um ihren zärtlichen Körper und versuchte, seine Atmung zu kontrollieren. Langsam ein und langsam ausatmen...Nicht ablenken lassen und nur das Trommeln des Herzens erklang in seinen Ohren während er langsam ruhiger wurde. Was blieb war nur die Übelkeit, die ihm ins Hirn stieg, als er sich in der Wohnung umsah und die Umarmung langsam löste.
      "Danke...", murmelte er mit rauer Stimme. "Sorry, ich...Ich hab keine Ahnung..:Ich habe lange keine derartige Panikattacke mehr erlitten als ich eine Aura gespürt habe. Sie ist auch hier...Hier in diesen Räumen...Hier..."
      Zielsicher steuerte er die Küche an und sah sich um.
      "Egal, wer das war, er oder sie war unglaublich mächtig...", murmelte Ruairi. "Das Letzte Mal hatte ich eine derartige Angst, als ich 14 war. Da begegnete ich das erste Mal einem Arkana, der als einer der Mächtigsten galt. Doch das hier...Das hier ist viel stärker...Ember, ich..."
      Er drehte sich zu seiner Herzensdame (und ja, das war sie bereits, auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte) um und sah mit einem aus wie ein hilfloser Krieger auf der Suche nach seiner Waffe.
      "Ich habe keine Ahnung, ob ich denjenigen, der das hier emittiert hat, besiegen könnte...", sagte er und konnte das erste Mal nicht anders, als Angst zu empfinden.

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    • D & D

      Ob es wirklich ein Frevel sein sollte, den Tod zu täuschen, ließ Noland geflissentlich unkommentiert. Wenn sich einem der Weg auch nur ansatzweise auftat, sein Leben zu verlängern, wer würde es nicht in Anspruch nehmen, sofern er nicht vollkommen zufrieden war? Wer war denn überhaupt noch vollkommen zufrieden mit seinem Leben? Wenn sich Noland diese Frage selbst stellen müsste, kann er seine Antwort unlängst.
      "Natürlich führen dich alle Wege wieder zu diesem Tor. Wie soll es auch anders sein...", seufzte der Rogue lediglich, schlurfte zum nächsten Sessel hinüber und ließ sich fallen. "Ich mache mir keine Sorgen. In der Regel versuchst du nicht, sämtliches Unheil aus dem Tor zu beschwören sondern nur deine Fragen zu beantworten. Solange du Jasper nicht auch auf diese famose Idee bringst..."
      Auch wenn seine gesamte Erscheinung müde und erschöpft wirkte, war sein Blick dafür umso aufmerksamer auf den Arkana gerichtet. Er sah ihn das erste Mal in voller Gänze mit den Tattoos und Ornamenten, den Narben und den erkalteten Erinnerungen. Dabei war es die sternförmige Wunde an seiner Brust, die bei Weitem am frischesten aussah und jene sein musste, die Ember ihm zugefügt hatte.
      "Vielleicht war es ja eine glückliche Fügung, dass ich den Jungen zu dir gebracht habe. Vielleicht könnte er dir helfen? Niemand von uns weiß sein Potenzial wirklich einzuschätzen. Ah, Perley, habe ich da vorhin etwas von Frühstück gehört?"


      Embers Wohnung

      Sobald Ember Ruairis Arme um sich spürte, drückte sie ihn nur noch mehr an sich. Erst hier merkte sie, wie überhastet seine Atmung wirklich war und begann damit, sachte mit der flachen Hand über seinen Rücken zu streichen. Von selbst bekam er seine Atmung wieder in den Griff und löste sie schließlich wieder von ihr.
      Auf seine folgenden Worte war sie nicht vorbereitet. Für einen Moment lang hoffte und glaubte sie einfach, dass er von Noland oder ihretwegen auch dem Jungen sprach. Doch Noland hatte seine Magie nicht vor ihrer Wohnung gewirkt und der Junge konnte unmöglich über solche Kapazitäten verfügen, die einem gestandenen S-Klasse Caster solche Panik bereiteten. Das ließ einzig und allein den Rückschluss über, dass es diese ominöse Clara gewesen sein musste. Diese Erkenntnis schien Ruairis Übelkeit nun auf Ember zu übertragen. Was zur Hölle hatte dieses Gör, das scheinbar so mächtig war, in ihrer Wohnung verloren und hatte rein gar nichts angestellt?
      Hatte sie wirklich nichts angestellt?
      Paranoid sah sich Ember in ihrer Wohnung um und hatte prompt das Gefühl, nichts hier wäre mehr absolut sicher. Der Fakt, dass das Gör ihr nichts angetan hatte, sprach hoffentlich einfach für die Ermittlerin und nicht nur für einen günstigen Zufall. Ihre Miene war weniger sorgenvoll als sie sich fühlte während sie Ruairis Blick begegnete, der verdächtig nach Angst aussah.
      "Wer hat gesagt, dass wir denjenigen bekämpfen müssen?", fragte sie leise und fühlte sich tatsächlich in diesem Augenblick sicherer als der Mann ihr gegenüber. "Ich hab mich schon öfter gegen Etwas oder jemanden stellen müssen, gegen die meine Kraft nicht ausreicht. Vielleicht muss man nicht kämpfen wenn man Verbündete schaffen kann."
      Wo auch immer dieses Mädel nun auch stecken mochte.
      Binnen weniger Schritte war Ember bei ihm in der Küche angekommen und schenkte ihm ein warmes Lächeln. Dann schob sie ihn zum Stuhl herüber, auf dem sie vergangene Nacht zusammengeklappt war und bedeutete ihm, sich zu setzen. Anschließend holte sie aus dem Kühlschrank eine Flasche Coke, die sie sicherheitshalber für Spontanbesuche neuerdings aufbewahrte. Nachdem sie ihm eingeschüttet hatte, setzte sie sich ihm gegenüber und ahmte seine Geste vom Morgen im Büro nach.
      "Es muss Clara gewesen sein. Noland hat seine Magie nur hier angewendet und ich glaube nicht, dass der Junge solch eine Aura emmittiert hat. Aber hey, uns geht's allen fantastisch, oder? Ich freue mich zumindest, dass du hier bist..."

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