[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • War es fair, was Ember hier gerade abzog?
      Die Frage stellte sich Ruairi während des gesamten Wutausbruchs, den sie durchlebte, auch wenn sie ungern zeigte, dass sie verletzt war. Sicherlich waren seine Fragen persönlicher Natur, aber sie konnte nicht erwarten, dass sie eine derartige Bombe platzen lassen konnte ohne eine Reaktion zu erhalten.
      "Ich darf dich daran erinnern, dass es hier nicht um eine Kennenlernphase geht"; preschte er dazwischen und wirkte nun seinerseits ein wenig erbost. "Wir reden nicht vom Kennenlernen sondern von Ehrlichkeit. Und du warst diejenige, die mir diese Dinge verschwiegen hat, nicht ich, Ember,. Ich verurteile dich nicht wegen deiner Vergangenheit, aber bin ich begeistert, dass du dich quasi von deiner Ex-Affäre zu einem Himmelfahrtskommando überreden lässt? Nein, bin ich nicht. Entschuldige, dass ich dich mag und mir etwas an dir liegt!"
      Jetzt troff auch der Sarkasmus aus seiner Stimme, während er sich wieder hob und ihre weitere Rechtfertigung anhörte.
      "Ich hatte die Hoffnung, dass du mir vertrauen würdest, weil auch ich dir nicht den geringsten Grund zum Zweifeln gegeben habe. Und wenn mein Ton nicht angemessen war, liegt es vielleicht daran, dass die Frau, die ich umwerfend find mir gerade gesagt hat, dass mein Zwilling die Welt vernichten will und ich gezwungen bin, gegen sie zu ziehen. Also, ja man könnte meinen, ich bin nicht ganz auf der Höhe, verflucht noch mal!"
      Als Ember einfach so abhaute, erschien es ihm wie ein Schlag ins Gesicht. Er verstand es noch immer nicht. Sie verschwieg Dinge vor Ruairi und war diejenige, die wütend war? Dies war auch der Grund, weshalb er nicht einmal nachsetzte sondern das Klicken der Haustür abwartete und erst danach ein wenig im Raum herum tigerte.
      Glück...Dass er nicht lachte. Es war klar, dass dies alles zu schön gewesen war, um wahr zu sein. Aber noch mals...Was erwartete Ember eigentlich in einer solchen Situation?
      Schweigsam verharrte er vor dem Kamin und atmete durch...
      Gleich um den Kamin im nächsten Moment mit einer Urgewalt und leuchtenden blauen Augen aus der Wand zu reißen und durch den Raum zu schmeißen. Mit einem Wink seiner Hand zerknüllte sich das Möbelstück wie ein Papier zu einem kleinen Ball zusammen und klackte an die Fensterscheibe, ehe es splitternd zu Boden fiel.
      Er musste sich umziehen...Und Siobhan finden. Es gab Dinge zu besprechen.


      Embers Abgang - Vor der Haustür zu Ruairis Mehrfamilienhaus

      Das Mädchen saß im Busch und las einen Comic, während sie die Türen hörte.
      Das war erstaunlich. Wenn Ember zu Ruairi ging, blieb sie doch über Nacht, oder nicht? Zumindest war das doch der Faden gewesen, den sie gesehen hatte..Wieso also...
      Neugierig lugte das Mädchen aus dem Busch heraus und sah gerade noch Embers schlanke und umwerfend gekleidete Gestalt zu ihrem Auto huschen und einsteigen. Na, sie würde doch nicht...
      Doch, würde sie...
      Die an die Stirn gelehnte Stirn sagte alles. Verbockt. Oh je...
      Kopfschüttelnd steckte sie den Comic fort und sah dem Auto hinterher, das brausend in die Nacht fuhr. Sachte ließ das Mädchen einen Kaugummi zerplatzen und seufzte.
      "Ach Ember...", murmelte sie. "Das hättest du besser nicht gemacht."
      Ein letzter Blick galt dem Lichtfetzen aus Ruairis Wohnung, der seinen fahlen Schatten auf die Straße warf. Schulterzuckend machte sie sich auf. Immerhin gab es Dinge zu tun. Und auf die Frau aufzupassen.

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    • Dienstag - 8:13 Uhr
      PD


      Ember hatte sich mehr Mühe geben müssen, die dunklen Ringe unter ihren Augen zu überschminken als üblich. Sie hatte die gesamte Nacht über kaum ein Auge zu getan und war sich fast sicher gewesen, sie würde gar nicht mehr in den Schlaf finden. Irgendwann jedoch hatte sie die Müdigkeit übermannt und sie war in einen unruhigen Schlaf gefallen bis sie wieder von ihrem Wecker geweckt wurde und zur Arbeit fuhr.
      Auch heute war Ruairi nicht vor ihr in seinem Büro. Er kam auch nicht zu seiner üblichen Zeit und das sorgte dafür, dass Embers schlechtes Gewissen sich nur noch tiefer in ihren Verstand fraß. Was, wenn ihm doch etwas passiert war? Was, wenn diese Aktion gestern etwas losgetreten hatte, was sie wahrlich nicht kontrollieren konnte? Noch immer konnte sie ihn nicht einmal anrufen - ein neues Handy besaß er nach ihrem Kenntnisstand noch immer nicht.
      Also arbeitete sie ihren Bericht noch einmal durch, fasste die Fakten zusammen und ihr Urteil, um es Knight zu präsentieren. Es war unabstreitbar, dass der Absender des Briefes die gleiche magischer Signatur verwendet hatte. Also gab es in diesem Zusammenhang eine Verbindung. Die Schriftanalyse war unauffällig, also handelte es sich um keine bereits bekannte Person. Es war demnach vermutlich ein Rogue, der noch völlig unter dem Radar flog. Warum machte er sich jetzt die Mühe aus seiner Blase aufzutauchen und Gefahr zu laufen, dass man ihn stellte? Weil allein schon eine wahnsinnige Aufruhr herrschte? Auf alle Fälle war derjenige, der den Brief aufgegeben hatte, in Großbritannien ansässig. Immerhin das ließ sich sicher bestimmen, da sie das Porto und die Briefmarke zurückverfolgen konnten. Das waren die bisherigen Erkenntnisse, die sie in der kürze der Zeit an den Tag bringen und dem Commissioner vorlegen konnte.
      Als Ember von dem Meeting mit Knight wieder in ihr Büro zurückkehrte war das Nachbarbüro noch immer unbesetzt. Zwar hatte sie durch Knight erfahren, dass Ruairi einen 'Außendiensteinsatz' hatte, allerdings konnte dies alles bedeuten. Angesichts der letzten Stunden war es mehr als wahrscheinlich, dass er seine Schwester suchte und das vertuschte. Außer ihnen dürfte noch niemand wissen, dass Siobhan die Welt war. Das mulmige Gefühl ließ sich dennoch nicht aus ihrem Inneren verbannen während sie sich notgedrungen an ihren Tisch setzte und nachsah, ob denn wenigstens die Fahndung nach Noland etwas gebracht hatte. Dass auch diese ohne nennenswerte Kenntnisse ausfiel stimmte sie nicht unbedingt glücklicher. Und so verbrachte sie die nächsten Stunden damit herauszufinden, was in den Berichten derjenigen stand, die im Prestegard-Fall verwickelt waren und wie die Verbindung mit dem Ring zustande kam. Es rückte, ganz ohne es zu beabsichtigen, Siobhan wieder ins Rampenlicht. Sie war prädestiniert dafür ihre Aura kaschieren zu wollen und niemand hätte sie bis jetzt auf dem Schirm gehabt. Was hätte Ember dafür gegeben, jetzt Noland hier zu haben... Aber so musste sie sich selbst durch die Berichte wühlen und das finden, was nicht ganz richtig war.
      Gegen Mittag tat sich etwas vor ihrer Bürotür. Durch das Milchglas sah sie einen großen, schlacksigen Schatten auftauchen, der direkt ins Nachbarzimmer rauschte. Eine Sekunde später war Ember schon von ihrem Stuhl aufgesprungen und nahezu zur Tür gerast, um sie aufzureißen und hinüber ins andere Zimmer zu spähen. Tatsächlich war Ruairi eingetroffen, sichtlich in Eile und augenscheinlich nicht so gut gelaunt wie üblich. Wie konnte man ihm das auch vorwerfen?
      "Hi... alles okay?", setzte sie vage an und beobachtete ihn dabei, wie er sich an seinem Schreibtisch ausbreitete. "Du, ich wollte mich für den ungalanten Abgang gestern entschuldigen. Das war echt nicht meine Sternstunde aber... Was ist mit deinem Arm passiert?"
      Sie war merklich ein Stück gerade geworden als sie den Verband um seinen rechten Unteram entdeckte, kaum hatte er sich von seiner Jacke getrennt. Sofort und unwillkürlich erschien die Sorge in ihrem Blick und ihre Finger hielten sich etwas fester am Türrahmen fest.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • [You play your games, One step ahead of ruin
      The smoke and flames, They will be your undoing
      The end of your reign, The edge of insane
      There's nowhere to run when darkness falls
      The sun's burning out above us all
      There's nowhere to run]


      Einen schlechten Morgen zu haben war das eine. Eine schlechte Nacht und einen schlechten Morgen die Krönung.
      Als Ruairi MacAllister seinen Tag begann, hatte die Uhr gerade die 5 passiert und er fühlte sich nicht in der Lage zu schlafen. Eine ganze Nacht hatte er gesucht und schließlich gefunden, was er suchte. Die Signatur seiner Schwester, die sich noch vorgestern als wunderbare Lehrerin entpuppt hatte. Und jetzt...Jetzt war sie ein Gegner in einem anstürmenden Konflikt, den er wieder mal nicht aufhalten konnte. Jetzt lag es an Ember und zu seinem Leidwesen an Foremar.
      Seufzend hatte er das PD nach einem harten Außendienst betreten, der ihn bereits in den frühen Morgenstunden ereilt hatte. Zu seinem Leidwesen gab es leider eine weitere Attacke auf Rogues in der Gegend. Jedoch entpuppte sich diese als Kleinjungenstreich einer Straßenbande in Tottenham. Es war lästig, aber die Schuldigen waren alsbald gefunden und festgenommen. Noch immer klebten seine GEdanken an dem merkwürdigen Bannring und den Umständen, den dieser Ring mit sich brachte. Wer würde seine Aura verstecken wollen? Normalerweise waren Rogues doch darauf aus, so viel ihrer Aura wie möglich zu produzieren?
      Merkwürdig eilig hastete die Treppe hinauf und unterhielt sich kurz mit Piper, die den blutigen Verband an seinem Arm ansah.
      "Was haben Sie sich getan?", frage sie mit schief gelegtem Kopf, sodass ihre leicht rötlichen Haare ein wenig wippten.
      Ruairi winkte schwach grinsend ab und seufzte.
      "Eine kleine Auseinandersetzung bei einem Einsatz. Nicht weiter schlimm, Pipes. Könnten Sie mir die Auswertungen der letzten zehn Nächte bringen? Also der direkten Notrufe für die Magische?"
      Nachdem er sie verabschiedet hatte, rauschte er geradewegs ins Büro, wobei er zumindest ein Stocken bei der Bürotür direkt neben seiner empfand. Hätte er hinein gehen sollen? Er nahm keine Bewegung war und so wollte er zumindest die Jacke einmal ablegen, die er trug, um sich danach auf die Suche nach etwas Essbarem zu machen, als bereits die Tür aufflog und Ember den Raum betrat.
      Es war das erste Mal, dass sie ihm kein Lächeln auf das Gesicht zauberte, als sie eintrat.
      "Hi!", erwiderte er und tat so, als wären die Papiere etwas unglaublich Interessantes, die sicha uf seinem Tisch befanden. "Ich wollte mich ent-"
      Er hatte zur selben Zeit begonnen wie Ember und musste schmunzeln, als sie beinahe an derselben Stelle abbrach wie er. Schwach winkte er ab und entblößte, dass der Verband sich bis hinauf zu seinem Oberarmmuskel erstreckte.
      "Schon gut, ich..Ich war auch nicht auf meiner Glanzhöhe. Ich war durcheinander und hab vermutlich etwas zu sehr gepresst. Es tut mir Leid. Und das..."
      Er hielt den Arm leicht hoch und betrachtete ihn wie einen Fremdkörper.
      "Eine Auseinandersetzung in der Nacht", gab er zu. "Ich habe meine Schwester gesucht und Raufbolde gefunden. Zumindest zunächst. Und bei dir? "

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    • Unweigerlich presste Ember die Lippen aufeinander. Ruairi sah sie nicht einmal an und das war neu für sie. So neu, dass sie vollends das Büro betrat und die Tür hinter sich schloss.
      "Ich hab schon befürchtet, dass du noch rausgegangen bist danach", murmelte sie bevor sie lauter hinzufügte: "Auseinandersetzung? So nennt man das? Von dem was ich bisher gesehen habe dürften ein paar Raufbolde dir überhaupt nicht gefährlich werden. Du bist landesweit bekannt, da geht man dich nicht einfach so an."
      Zunächst übersprang sie das empfindliche Thema seiner Schwester, als sie sich von der Tür endgültig löste und zu seinem Schreibtisch ging. Man sah ihr in ihrer gesamten Haltung an, dass sie sich noch immer unbehaglich fühlte angesichts des Vorabends. Gemischt mit der Sorge, die sich einfach nicht abschütteln ließ wie eine lästige Klette sah sie eher nach einem Häufchen Elend als allem anderen aus. Doch dass würde er nicht bemerken, wenn er weiterhin so seine Blätter anstarrte.
      Aus reiner Ungewissheit, was er da unter dem Verband versteckte, streckte sie die Hand nach seinem gesunden Arm aus und legte ihre Finger sanft darauf ab ehe sie wieder weitersprach. "Hast du sie denn gefunden?"
      Mit geübten Blicke scannte Ember Ruairis Gesicht regelrecht ab. Er sah ungewöhnlich müde und zerrupft aus, scheinbar war er noch früher als üblicher unterwegs gewesen. Oder er hatte die komplette Nacht nicht geschlafen und praktisch durchgemacht. Wie viel davon war ihren Worten geschuldet und was bezog sich wirklich nur auf die Arbeit und Siobhan? Sie wusste es nicht.
      "Ich hab dich gestern ja auch völlig unerwartet überfallen. Du hast nicht zu sehr gepresst aber... das Thema war mir unangenehm. Ich hatte Angst, dass du dich von mir abwendest wenn ich dir sage wie es um August und mich steht. Oder stand. Was auch immer. Die Versammlung war so nervenaufreibend, dass ich nicht mehr viel anschließend ausgehalten habe. Wenn du willst können wir das ein andermal in Ruhe besprechen?"
      Sie zog ihre Hand von ihm wieder zurück und deutete mit dem Daumen zur Seite auf die Wand, hinter der ihr Büro lag.
      "Viel mehr Erkenntnisse hab ich noch nicht. Ich gehe gerade noch mal die Mitschriften durch von dem, was die Caster ausgesagt haben. Sitzen die eigentlich immer noch in Gewahrsam? Keiner von ihnen hätte seine Aura unterdrücken müssen, als war etwas anderes zur Tatzeit am Ort und hat den Ring hinterlassen. Ich tippe, dass es Ungereimtheiten in den Aussagen gibt... Ich... kann dich auch erst einmal wieder in Ruhe und richtig ankommen lassen, wenn du möchtest. Will dich ja nicht direkt wieder belagern..."
      Wenn dem so wäre hätte man vermutlich direkt den Rückweg ins eigene Büro angetreten. Aber Ember stand noch immer hier in Ruairis direkter Nähe als stummes Zeichen, dass sie eigentlich gar nicht gehen wollte. Dass es ihr weh tat, wie er sie nicht einmal eines Blickes würdigte. Doch sie würde ihm alle Freiheiten einräumen, die er haben wollte. Etwas anderes stand ihr auch gar nicht zu.

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    • Gut, es wäre gelogen, zu behaupten, dass die Berührung nicht angenehm war. Sachte schüttelte er den Kopf und griff mit einer Hand nach ihrer. Es fühlte sich beinahe merkwürdig an, sie nicht zu berühren, als er ihre Finger zwischen seine nahm und sie beinahe noch ein Stückchen näher an sich heran zog.
      "Ich verstehe, dass es dir unangenehm war, aber warum sollte ich mich abwenden?", fragte er grinsend. Auch wenn das Grinsen eher wie ein müdes Grimassenziehen aussah. "Wir alle haben eine Vergangenheit und wir alle haben Dinge getan auf die wir stolz oder nicht stolz sind. Von daher vergiss es. Es geht mich nichts an, mit wem du wann eine Affäre oder Nicht-Affäre hattest."
      Er hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken und seufzte, als er sich zurück lehnte, sodass der Stuhl quietschte und knarrte.
      "Ich habe sie schlussendlich gefunden, ja", nickte er. "Allerdings nicht in Person, sondern eher nur ihre Signatur. An einer kleinen Ladenstraße in Whitechapel, keine Ahnung, warum. Sie musste nur kurz dort gewesen sein, denn ich habe kaum Dinge zu spüren bekommen, aber dann bin ich wieder nach Hause gefahren. Nur um festzustellen, dass ich nicht schlafen kann und tja...Dann bin ich in den Dienst gefahren."
      Das Schulterzucken selbst bereitete ihm Schmerzen.
      "Ja, die Raufbolde waren auch eher gestandene Rogues, die einen auf Guerillakrieg versucht haben. Ich hab mir die Verletzung zugezogen, nachdem ich einen Kollegen schützen musste"; gestand er und grinste wieder. "Aber das ist Kleinkram. Viel wichtiger ist es erstmal, deinen Serienkiller zu finden und die Sache um Prestegards Familie zu lösen, damit nicht nopch mehr geschieht, was sich unserer Kontrolle entzieht.
      Ich stimme dir grundsätzlich zu, dass es etwas Ungereimtes gibt. Jedoch erscheinen die Caster, welche darin involviert waren, relativ normal. Ich weiß nicht, wieso, aber irgendetwas stinkt an dieser Sache. Und keiner der Caster würde einen Bannring benötigen. Dafür ist es weiß Gott nicht genug Aura gewesen, was sie hätten verstecken müssen."
      Er überlegte laut und sah Ember dabei wir hypnotisiert an. Anschließend räusperte er sich und seufzte.
      "Wie sieht es denn bei deinem Serienkiller aus? GIbt es da etwas Neues?`Vielleicht würde uns ein Erfolgserlebnis helfen...Ehe ich eine Ahnung habe, weshalb und wieso die Caster mich anlügen. Aber du kannst sie selbst gerne befragen, wenn du möchtest. Sie sind noch in U-Haft. "

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    • Sichtbar fiel die Anspannung von Embers Schultern ab als Ruairi sich ihr nicht ein weiteres Mal entzog sondern sogar nach ihr griff. Seine Worte waren die Bestätigung für sie, dass es eine Form der Sorge gewesen war weshalb er gestern so barsch nachgefragt hatte. Über die lange Zeit, in der Ember allein vor sich her gelebt hatte war ihr diese Reaktion eines Anderen nicht mehr wirklich bekannt gewesen. Sie hatte es schlichtweg übersehen oder falsch interpretiert.
      "Eine Ladenstraße in Whitechapel?", wiederholte Ember mit gerunzelter Strin und kramte ihr Handy aus der Hosentasche.
      Wie erwartet hatte sie keine Nachricht, aber darum ging es ihr primär gar nicht. Sie wählte die Nummer von August aus, den sie noch immer nur unter dem Pseudonym Berwick abgespeichert hatte. Sie verfasste nur eine ganz kurze Nachricht mit der Nachfrage, ob bei ihm alles in Ordnung sei. Nur für den Fall.
      "Okay, dann zu meinen Fällen." Sie steckte das Handy wieder fort und spazierte um den Tisch herum, wo sie ihre Hände auf der Rückenlehne des davor stehenden Stuhls ablegte. "Mein Serienkiller wird, wenn er mit den Briefen tötet, vermutlich ein Artefakt benutzen. Der Bannring hat mich darauf gebracht. Man müsste herausfinden, woran genau es nun lag, sprich ob es mit dem Papier, der Tinte oder dem Schreibmittel zu tun hat. Es wird ein besonders gefertigtes Material sein, also tippe ich auf Tinte oder Schreibmittel und nicht das Papier. Der Absender der Briefe ist irgendwo in Großbritannien ansässig aber das Motiv ist noch völlig unklar. Ich fürchte, wir müssen wirklich auf das dritte Opfer warten."
      Knight würde eine Stellungnahme veröffentlichen, dass man bei Ermittlung um Tallburns Tod beibehalten und sie damit beauftragen würde. Vielleicht lockte das den Täter ein wenig aus seiner Reserve und er beging Fehler mit denen man ihn leichter finden könnte.
      "Ich würde trotzdem gerne mal ein Wort mit den Castern reden. Vielleicht hilft es ja, wenn eine Frau lieb mit den Augen klimpert", entgegnete Ember grinsend und versteckte die Tatsache, dass es durchaus sein konnte, dass sie nun gegen mehrere Feinde arbeiten müsste als man auf den ersten Blick sah.
      "Ich hol mir nochmal die Auszüge und gehe mich bei den Herren da mal erkundigen. Ich teile deine Meinung, dass da irgendetwas nicht richtig war. Üblicherweise wird da meistens nur nicht die richtige Frage gestellt. Und wenn ich fertig bin können wir uns ja was zu essen suchen?"
      Ihre Mimik war endlich wieder unbefangener und wärmer. Sie schenkte ihm ein dezentes Lächeln ehe sie sich wieder in ihr Büro begab, die Papiere ausdruckte und sich auf den Weg zu den Gewahrsamsräumen machte. Auf dem Weg dorthin streifte sie Piper, der sie kurzu zunickte und sich nicht weiter aufhalten ließ.
      Vor den Räumen stand noch immer eine Wache, die die Tür patrollierte. Es war nicht mehr ein Unterstellter von Ruairi, sondern jemand aus dem niederen Dienst. Er kannte Ember, bedachte sie jedoch mit einem nicht ganz eindeutigen Blick als er die Tür freigab nachdem sie Anstalten gemacht hatte, eintreten zu wollen. Drinnen saßen noch immer die Caster in ihrer trauten Dreisamkeit und schauten zu ihr auf, kaum war sie eingetreten.
      Embers Augen flogen von einem Mann zum nächsten. Keiner von ihnen zeigte auf seinen Gesichtern besondere Regungen oder die Anzeichen von Nervosität. Als wären sie sich keiner wirklich Schuld bewusst?
      "Hallo, die Herren", grüßte sie die Männer und kam etwas näher herüber. Sie zog die Unterlagen hervor und blätterte in den Papieren, bis sie die Stelle gefunden hatte, nach der sie gesucht hatte. "Ich habe gehört, MacAllister hat Sie herbestellen lassen. Seien Sie froh, dass er so schnell gewesen war, denn der Richter sucht nach Ihnen. Ich habe mir die Aufzeichnungen noch einmal durchgelesen und hätte da auch die ein oder andere Frage."
      Ihr Tonfall war zwar eindeutig, aber bei Weitem nicht so schneidend wie üblich. Fast so als würde sie Gleichgestellte vor sich sitzen haben und keine Caster.
      "Die erste Frage: Von wem kam der Anruf? Sie wurden doch alarmiert, dass Sie ausrücken sollten. Von wem kam er?"
      Das hatte Ruairi nicht gefragt. Das ging aus den Unterlagen so hervor. Im Eifer des Gefechts hätte sie es vermutlich auch fast vergessen, aber es waren die kleinen Dinge, auf die es zu achten galt.
      "Zweite Frage: Warum sollten Rogues ausgerechnet eine Frau und ihre Familie bedrohen? Wissen Sie, wer der Rogue war, der Sie auf der Treppe angegriffen hatte? Wie hat er Sie angegriffen?"

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    • Ruairi beobachtete Ember, wie sie eilig eine SMS tippte, nachdem er ihr die Ladenstraße in Whitechapel beschrieben hatte. Ein innerer, fieser Gnom, der seine Gedanken zu verkörpern pflegte, wirkte beinahe gehässig prüde, als er ihm ins Ohr flüsterete, dass sie bestimmt ihrem Ex schrieb, ob es ihm gut ginge. Schweigsam wartete er ab, bis sie fertig war und lauschte ihren Ausführungen.
      "Ich finde es nicht schön, auf das nächste Opfer zu warten, aber ihr werdet das sicherlich gut durchdacht haben"; murmelte Ruairi und sah auf den Computer, wo just in dem Moment ein Popup von der Intranetseite der Met aufging.
      "Oh, Knight hat eine Stellungnahme in deiner Sache bereits veröffentlicht.", entgegnete Ruairi und sah sie lächelnd an, ehe er nachdenklich nickte. "Ich denke aber, dass deine Schlussfolgerungen nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Der Mörder ist definitiv sehr gerissen was Manipulation angeht...Ich frage ungern, aber...Meinst du es könnte etwas mit Noland zu tun..."
      Er brach die Frage ab, als sie bereits ihre weiteren Pläne offenbarte. Was sollte es. DAs hatte auch noch Zeit. Ruairi nickte fröhlich und lächelte.
      "Klingt nach einem Plan. Tu mir nur einen Gefallen und schüchtere sie nicht zu sehr ein. Wenn sie Verbindungen wer weiß wohin haben, würden diese alarmiert und noch mehr Gegner kann ich gerade nicht vertragen, wenn ich ehrlich bin."
      Lächelnd sah er Ember hinterher und seufzte, als sie die Tür schloss. Ein guter Morgen...

      U-Haft-Zellen, Tiefgeschoss

      Die drei Caster sahen auf, als Ember herein spazierte und Erkennen blitzte auf den Gesichtern der Männer auf. Die Zelle stank nach Schweiß und anderen Ausdünstungen, denn nicht einmal MAcAllister war für Gnade bekannt, wenn es um zivile Opfer ging. Der Erste vom Eingang her, Milton Benedict, sah zu Ember auf und rümpfte leicht die Nase, als sie ihre Fragen stellte.
      "Hören Sie...", begann er. "Wir haben es MacAllister bereits gesagt...Der Anruf kam aus der hiesigen Leitstelle, wie bei jedem normalen Notruf. Ein Notruf ging ein, ohne Namen ohne Alles und wir wurden ausgesandt. Mehr kann ich nicht sagen. Wir erhielten einen Funkspruch, dass wir uns an die genannte Adresse einfinden sollen und dass dort Zivilisten von Rogues bedroht würden. Mehr wussten wir nicht."
      Der Zweite und Dritte nickten unisono, während sie beide seufzten.
      "Nein, wir wissen nicht, wer er war. Es wurde kein Name genannt und für Verhandlungen blieb keine Zeit", sagte der Zweite, der auf den Namen Collins hörte. "Wir sind lehrbuchmäßig vorgegangen, Captain. Wir haben Schutzzauber gewirkt und sind hinauf. Da wurden wir bereits auf der Treppe kam uns ein Rogue entgegen und hat nach einem kurzen Zögern angegriffen. Hat einen Feuerball geworfen, oder?"
      Benedict nickte.
      "Ja, Miss. Einen Feuerball der Klasse B. Nichts bedrohliches, aber wir mussten uns schützen. Erst danach wurde es heftiger..."
      "Aye", bestätigte der Dritte. "Hat sich dann nach oben verpisst und seine Freunde gerufen. Da waren dann auch eine Frau und eine junge Frau darunter. Haben uns mit mehreren Feuerbällen angegriffen und irgendwann wusste Niemand mehr, wer hier was wirkte. Also haben wir uns verteidigt, nach lehrbuch. Spiegelzauber, Schutzzauber, Ablenkzauber, alles dabei. Irgendwann stürzte dann das Gebäude zur Hälfte ein."

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    • Die drei Caster saßen in ihrer Zelle ein als wäre es das Natürlichste der Welt. Zugegeben, hier drinnen würde sie der Richter nicht so einfach erwischen aber trotzdem nicht einmal die Miene zu verziehen war schon erstaunlich. Besonders, nachdem Ember selbst die Bekanntschaft mit dem Richter gemacht und eine persönliche Drohung erhalten hatte. Ewig hier drinnen bleiben konnten sie nicht. Zuweil es hier drinnen schon muffte und sie eigentlich nur so schnell es ging verschwinden wollte.
      Dass der Notruf genauso eingegangen war, stand auch so in den Unterlagen. Es hätte sie schon gewundert, wenn man gewusst hätte, wer den Auftrag weitergereicht hatte. Allerdings ging ihr Blick mehrfach zwischen den Männern hin und her als diese ihre Aussagen vermeintlich wiederholten, Ember jedoch selbst als Außenstehende etwas Neues heraushörte.
      "Okay. Verständlich, dass Sie sich schützen müssen wenn Sie unter Beschuss stehen... Aber ich glaube, das Prozedere in der Magischen läuft ähnlich wie bei uns ab. Und das würde bedeuten, dass bei Schwierigkeiten, die es offensichtlich nach Ihrer Angabe gerade gab, sich zurückzieht und um Verstärkung bittet. Dies ist nie passiert. Wieso sind Sie weiter reingegangen statt sich zurückzuziehen? Und jetzt sagen Sie nicht, da war Gefahr im Verzug. Das konnten Sie nicht von Ihrem Stand aus wissen."
      Ember verschränkte die Arme vor der Brust, die Papiere raschelten zwischen ihren Armen. Ihr Tonfall war noch immer relativ freundlich und sachlich, bei Weitem nicht so schneidend wie er es bei Ruairi wohl gewesen sein mochte. Sie warf den Männern in erster Linie nichts vor sondern wollte nur heraushören, was hier falsch lief. Und da kamen direkt mehrere Dinge ans Licht.
      "Außerdem fände ich es nett wenn Sie nicht versuchen würden, mich als völlig ignorant hinzustellen. Schutz- und Ablenkzauber sind verständlich, aber Spiegelzauber? Man wirft keine Magie zurück wenn man versucht Zivilisten zu retten. Die Gefahr, sie damit zu treffen ist doch viel zu hoch. Und wenn es doch nur B-Klasse Feuerbälle waren - warum stürzt dann bitte die Hälfte vom Haus ein? Da müsste mehr als ein Feuerball von mehreren Rogues gewesen sein. Nun?"

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    • Für einen Moment herrschte eine veränderte Stimmung in der Zelle, als Benedict schluckte und Ember ansah. Eine Feindseligkeit sondergleichen stand in seinen Augen, auch wenn man sie nur schwer entdecken konnte. Der Caster namens Collins knetete die Hände und räusperte sich als Erster:
      "Wir haben nicht mehr gewusst, wer die Zauber gewirkt hat. Ja, sie waren nicht wirklich bedrohlich, aber irgendwann ließen unsere Schutzzauber nach, wir...Wir wussten uns nicht zu helfen..."
      [Bei Sechs und Acht...Wird alles stets von vorn gemacht...]
      "Wir sind unserer Pflicht nachgekommen", bekräftigte Benedict und seufzte. "Wir haben uns überschätzt, okay? Ja, wir hätten zurückgehen und Verstärkung rufen sollen. Ja, wir haben es nicht gemacht. Aber was soll ich sagen..:Wir haben einfach gedacht, wir können es schaffen. Sicher war uns nicht bewusst, dass die zivilen Geiseln direkt neben den Rogues standen. SIe tauschten so eine merkwürdige Dose aus und dann brach die Hölle los...Fragen Sie mich nicht, was das war, ich weiß es nicht."
      "Aye. Irgendwas Schwarzes? Oder Rotes?"
      [Bei Neun und Drei...Ist der nächste an der Reih']
      "Ja und dann war da so ein Leuchten, als würde etwas fallen, als wäre es..."
      Mit einem Mal zuckten alle drei Caster zusammen. Die eingesunkenen Körper der Männer strafften sich, als ramme man ihnen einen Stab durch das Kreuz. Die Augen, die zunächst feindselig zu Ember blickten, sahen nun leer in den Raum, als sähen sie etwas, das nicht da war. Der Atem beschleunigte sich und die Brust der Männer hob und senkte sich in schnellem Rhythmus, während die Münder nach stummen Schreien verlangten. Stumm murmelnd bewegten sich die Münder und schienen außer zusammenhanglosem Gebrabbel nichts zu sagen, ehe die Männner die Augen verdrehten.
      Sachte schnappten die Köpfe nach vorne und beinahe wären sie von den Bänken gepurzelt, ehe sie sich erhoben und verwirrt durch den Raum blickten.
      "Was zum...", begann der Schotte. "Was wollen SIe von uns?"
      "Wo sind wir?", fragte Benedict und sah verwundert zu Ember. "Captain Sallow? Was tun Sie hier? Und was tun wir hier?"

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    • Als gewöhnlicher Mensch besaß Ember nicht die Fähigkeit, die Auren anderer zu spüren. Stattdessen hatte sie mit der Zeit gelernt, eine Veränderung im Raume zu bemerken, wenn auch nicht immer eindeutig zuordnen zu können. Da es in dieser Zelle nur drei fragliche Personen neben ihr gab, engte es das Feld erheblich ein. Mindestens ein Augenpaar richtete sich auf Ember mit solch einer Feindseligkeit, dass es sie für einen Moment wahrlich irritierte. Dieser Schwung kam so schnell, dass sie es fast nicht richtig mitbekommen hätte, insbesondere nachdem die Männer plötzlich wieder anfingen sich zu rechtfertigen.
      Eine Dose in schwarz oder rot? Das waren alles Informationen, die es vorher noch nicht gegeben hatte und Embers Gesichtsausdruck wechselte von Freundlichkeit zu Erstaunen. Gerade lauschte sie noch der weiteren Ausführung, da ging buchstäblich der Teufel mit den Castern durch. Ember konnte nur erschrocken zusehen, wie die drei Männer scheinbar fremdgesteuert irgendwelche Bewegungen ausführten und schließlich mindestens so verwirrt dreinsahen wie sie selbst.
      "Sie erinnern sich an nichts...", murmelte Ember leise und stieß die Tür halb auf, um mit dem Wachmann davor zu reden. "Informieren Sie MacAllister, dass es Neuigkeiten gibt und er herkommen möge."
      Das waren wirklich keine guten Nachrichten.

      Beide Captains waren sich nicht gänzlich sicher, was da in der Zelle gerade von statten gegangen war. Ember hatte Ruairi berichtet, was sie aus den drei Castern noch hatte kitzeln können. Was mitnichten nicht unbedingt viel war aber den Verdacht bestätigte, dass die Aussagen nicht vollends korrekt gewesen waren. Wenn das Personal schon nicht die ganze Wahrheit erzählte, wer sollte es dann noch tun?
      Mit dieser Ernüchterung begaben sich die beiden Leiter auf ein flüchtiges Mittagessen, um den Schock erst mal zu verdauen. Immerhin gab es bis jetzt keine neuen Leichen, keine neuen Angriffe von denen sie nichts wussten und allgemein wirkte die Zeit gerade wie eingefroren. Eine willkommene Abwechslung in Embers Alltag, der so gehetzt erschien wie schon lange nicht mehr. Dadurch verflog der Tag so schnell, dass sie Abends ihren Feierabend verpasst hatte und ihre Tasche erst gegen halb Sieben packte.
      Zu ihrem Erstaunen brannte auch noch das Licht in Ruairis Büro. Bevor Ember das PD für den Tag verließ schneite sie noch einmal kurz bei Ruairi herein und erinnerte ihn daran, dass er sich doch mal echt langsam wieder ein Handy anschaffen sollte. Sonst könnte sie sich bei ihrem nächsten Spontanbesuch ja nicht mal vorher anmelden. Deutlich besser gelaunt als am Morgen fuhr Ember zurück zu ihrer Wohnung. Zwar hatte sie noch immer nicht von August gehört aber das musste nicht unbedingt viel bedeuten. Wenn er sich bis morgen noch nicht bei ihr gemeldet haben sollte, würde sie wohl einen Abstecher beim Dusk & Dawn machen müssen. Wenn Siebhan wirklich dort gewesen war...
      Wild schüttelte Ember den Kopf und schnaubte. Sie musste erst einmal ihre eigenen Baustellen in den Griff bekommen. Von denen gab es sowieso schon viel zu viele.

      21:58 Uhr - Embers Wohnung

      Ember hatte sich in einen lockeren Jogginganzug geschwungen und sich auf ihre zerramschte Couch gesetzt, ihr Notizbuch auf dem Schoß aufgeschlagen. Sie hielt die Erkenntnisse des Tages fest bevor sich etwaige Details verloren und damit sie später ihre Mindmaps wieder aktualisieren konnte. Vor ihr auf dem Tisch stand die schwarze Ringschatulle, daneben lag ihr Handy und ein Schokoriegel, den sie noch immer nicht verspeist hatte.
      Gerade überflog sie ihre letzten Sätze noch einmal, da klingelte es.
      Mit einem Stirnrunzeln ging sie zu den Fenstern und spähte durch die Vorhänge hindurch in die Dunkelheit. Doch sie sah niemanden. Da klingelte ein weiteres Mal mit genau der gleichen Dauer wie zuvor. Jetzt doch etwas verunsichert näherte sie sich der Sprechanlage, hob den Hörer ab und sagte: "Ja?"
      "Hi Ember. Würdest du vielleicht die Tür aufmachen, wir erregen sonst vielleicht zu viel Aufmerksamkeit."
      Es hatte nur die ersten beiden Worte gebraucht, da war ihr Herz bereits bis in die Füße abgesackt. Sie kannte die Stimme, kannte denjenigen, der ihren Namen so aussprach in dieser unverwechselbaren Betonung, für die sie ihn immer gescholten hatte. Ihr Finger war so schnell auf dem Summer, dass sie es selbst gar nicht bekam. Sie stolperte regelrecht zur Tür, riss sie auf und starrte das dunkle Treppenhaus hinab, wo sich zwei Umrisse durch die Eingangstür schoben und sie hinter sich schlossen. Der eine etwas kräftiger in mittlerer Statur, der andere deutlich schmächtiger und etwas kleiner.
      "Was zum Teufel machst du hier?", flüsterte Ember mit einem nicht zu überhörenden leicht hysterisch wirkenden Tonfall, als sie zur Seite trat und den zwei ungebetenen Besuchern Einlass gewährte.
      "Es gestaltete sich als schwierig in London kein Aufsehen zu erregen. Ihr sucht mich schließlich", bemerkte Noland, der seinen Mantel nicht auszog, allerdings sich brav von seinen Schuhen trennte.
      Hinter ihm folgte ein junger Mann mit braunem Wuschelhaar und einem mehr als nur skeptischen Blick. Er musterte Ember so wie sie ihn und sagte kein Wort. Er blieb an der Garderobe stehen und machte keine Anstalten, sich die Schuhe auszuziehen.
      "Ich wusste nicht, dass du neuerdings auf Kinder aufpasst...", sagte Ember skeptisch, bedeutete Noland jedoch ins Wohnzimmer zu gehen. "Sag mir nicht, du bist wegen ihm getürmt."
      Weder lachte Noland noch gab er irgendeine Regung von sich. Er sah kurz zu der Couch herüber, bildete sich vermutlich sehr schnell ein sehr treffendes Urteil und ging weiter in die Küche. "Warum nicht? Ich habe gehört, man tut viel für Blutsverwandte, oder nicht?"
      Prompt schoss Embers Blick zu dem Jungen herüber, der sich beklommen doch dazu entschieden hatte, seine Schuhe auszuziehen. Er warf ihr einen Blick durch seine Haare von unten zu ehe er sich wieder aufrichtete und beinahe nervös an seinem Kinn herumfühlte. Die helle Narbe über seinem rechten Auge wirkte irgendwie fehlplatziert in dem so jungen Gesicht.
      "Du hast noch mehr Familie, Noland?!"
      Der Junge räusperte sich nachdem er einen vielsagenden Blick nach hinten in die Küche geworfen hatte, wo Noland sich bereits gesetzt hatte als sei es seine Wohnung und Mobilar. "Ich heiße Jasper Quill, freut mich, Ms. Sallow. Ich bin sein Neffe... sagt zumindest meine Mutter."
      Ember gaffte den Jungen völlig perplex an. Es stand nirgends vermerkt, dass Noland Geschwister hatte. Oder dass in irgendeiner Form ein Austausch stattgefunden hatte. Wie hatte der Rogue das zustande gebracht und war quer durch das Land gereist mit einem Jungen im Schlepptau ohne gefasst zu werden?
      Jasper schob sich langsam an Ember vorbei ins Wohnzimmer, wo er sich umzusehen begann. Er musterte die Whiteboards an den Wänden aber seine gessamte Haltung wirkte irgendwie schreckhaft und nervös. Was war mit den Beiden passiert?
      "Du hättest doch einfach Bescheid geben können, dass du Familie hast und sie suchst", meinte Ember nachdem sie sich mit einem fragenden Blick zu Jasper in die Küche begeben hatte und sich schräg zu Noland auf einen Stuhl setzte. Es war seltsam, den Mann außerhalb seines Zimmers zu sehen und erst recht ihn in ihrer Wohnung zu haben. Er hatte wie immer seine Hände auf dem Tisch ruhig zu einer Geste gefalten und sah Ember ruhig an.
      "Du glaubst doch nicht, dass man mich anhand dessen rausgelassen hätte. Außerdem wären sie dann aktiv geworden und hätten sowohl meine Schwester als auch ihn da hinten womöglich eingekerkert. Wobei. Wohl eher nur ihn und nicht sie. Theresa ist nicht magisch begabt, Jasper hingegen schon."
      Ember hätte liebend gern zurückgesehen, doch sie hatte nur Augen für Noland. "Steckst du hinter den Briefmorden?"
      "Briefmorden?"
      "Elisabeth Tallburn ist tot. Es wird ein Mentalmagier gewesen sein und passt erschreckend gut auf dein Profil."
      "Also bitte, Briefe? Wenn schon dann möchte ich die Gesichter meiner Opfer sehen bevor sie sich umbringen."
      Also wusste er doch von den Morden. Und auch, dass es wie Selbstmord aussah. Er log sie nicht an aber verheimlichte Dinge. Ein schlechtes Zeichen. So schlecht, dass Ember unbewusst auf Abstand ging und sich auf ihrem Stuhl zurücklehnte. Die früher so geliebte Sicherheit in seiner Anwesenheit schien plötzlich nicht mehr vorhanden zu sein.
      "Okay.... Also... Ich nehme an, du bist nicht hier weil du den Jungen-"
      "Jasper."
      "Jasper nicht bei mir einquartieren willst, richtig? Ist er denn in der Ausbildung? Wie alt ist er eigentlich?"
      Noland schwieg und sah Ember fast schon eindringlich an. Sie verstand augenblicklich, dass er nicht für Smalltalk hergekommen war. Er wollte etwas von ihr. Als er diese Erkenntnis in ihren Augen blitzen sah, hob er seine Stimme wieder an.
      "Ich möchte, dass du mir sagst, wo sich August Foremar aufhält."
      "Warum?"
      "Ich habe Angelegenheiten mit ihm zu besprechen."
      "Hm... Wie wäre es, wenn du mir deine Angelegenheiten verrätst und ich dir einen Tipp gebe, wo du ihn finden kannst?", begann sie etwas lockerer zu verhandeln.
      "Ich bin nicht hier um zu verhandeln, Ember. Ich habe auch nicht ewig viel Zeit, immerhin wird nach mir gefahndet", erwiderte Noland noch immer seelenruhig aber mit einer plötzlichen Eiseskälte in der Stimme, die Ember selten bei ihm gehört hat.
      Hinter ihr aus dem Wohnzimmer hörte sie Jasper irgendein Geräusch machen, das sich verdächtig nach einem Wehklagen anhörte. Embers Augenbrauen zogen sich fragend zusammen und ihr Mund öffnete sich für Wörter, doch es kam nur ein schmerzgeplagtes Stöhnen heraus. Von einem Moment auf den nächsten bekam sie so heftige Kopfschmerzen, dass sie das Gefühl hatte, sie würde gleich umkippen. Ihre Hand schoss an ihre Stirn, doch sie schaffte es, Noland einen bösen Blick zuzuwerfen. Als sie sah, wie er sie anstarrte, völlig unbeweglich als würde er durch sie hindurch sehen, gefror ihr alles.
      "Raus.... aus meinem Kopf!", presste sie hervor und wehrte sich gedanklich mit aller Macht. Sie sah hin und wieder Bilder aufblitzen, wodurch sie sich zwang, an rein gar nichts zu denken. Nur der Angst und die Wut ließ sie zu während sie den Rogue versuchte aus ihrem Kopf zu drängen. Es war das erste Mal, dass Noland seine Fähigkeiten ohne zu fragen und generell bei ihr einsetzte.
      "Ich dachte mir schon, dass du es mir nicht freiwillig sagen willst. Entweder tust du es, dann hören die Schmerzen auf oder ich muss energischer suchen", sagte Noland leise, in seiner Stimme lag gar keine Gefühlsregung.
      "Du sagtest einst... du machst das nicht ungefragt...."
      "Und du sagtest einst, man könne keinem Rogue da draußen trauen. Jetzt bin ich soweit draußen wie seit meiner Kindheit nicht mehr."
      Es fühlte sich an, als zerbrach etwas in Ember. Das über die Jahre angewachsene Vertrauen schien binnen Sekunden wie Seifenblasen zu zerplatzen als sie sich nicht nur verraten, sondern hintergangen fühlte. Er war wieder zu der Rücksichtslosigkeit zurückgekehrt, die er damals gelebt hatte und nur vor all den neugierigen Augen versteckt gehalten hatte. Das realisierte Ember jetzt viel zu spät.
      "Ver...piss dich..."
      Die Schmerzen wurden so stark, dass sie nichts mehr richtig klar sah. Dennoch versuchte sie vom Tisch wegzukommen und wurde jäh von Noland aufgehalten. Er zog sie an ihrem Arm zurück und die Berührung allein brachte ihre Knie zum einknicken. Wie ein nasser Sack fiel sie auf den Stuhl zurück und wäre Nolands Hand nicht gewesen wäre ihr Kopf direkt auf die Tischplatte aufgeschlagen. Ember wimmerte leise als sie immer mehr von ihrem Widerstand verlor und Noland Zugriff auf ihre Erinnerungen bekam.
      Und mehr zu sehen bekam als er gehofft hatte.
      "Wenn du wirklich so gut mit ihr befreundet wärst dann hätte sie dir doch auch so gesagt, wo er ist, oder nicht?", fragte Jasper kleinlaut, der im Türrahmen zur Küche stand und Ember mit sorgenvollen und geweiteten Augen beobachtete. "Sie leidet furchtbar."
      "Dafür hat sie einen viel zu starken Dickkopf. Ohne Informationen hätte sie es mir nicht gesagt und wenn ich es ihr erklärt hätte, wäre sie die erste, die uns meldet. Außerdem wusste ich nicht, dass sie in meiner ABwesenheit dermaßen wertvolle Informationen bekommen würde. Das hätte sie mir nie erzählt", lächelte der alte Mann ein kaltes Lächeln ehe er auch das letzte Fitzelchen fand, nach dem er gesucht hatte und seine Hand von Ember löste, die regungslos auf dem Tisch liegen blieb.
      "So. Dann machen wir uns mal auf den Weg zu unserer Endstation", verkündete Noland als er sich erhob und Ember nicht mal eines weiteren Blickes würdigte. "Zieh dir deine Schuhe wieder an. Wir müssen nach Whitechapel."


      23:41 Uhr - Dusk & Dawn

      Zu Fuß und getarnt hatte es länger gedauert als üblich um von Marylebone nach Whitechapel zu kommen. Aber diese letzte Tour mussten Noland und Jasper inkauf nehmen ehe sie vor der Tür des Dusk & Dawn zum Halten kamen und der Junge nur paranoid immer wieder von links nach rechts schaute.
      "Ich will mich ja nicht beschweren aber ich möchte wirklich keinen Arkana treffen, Onkel...."
      "Wenn du Glück hast triffst du nicht nur einen sondern mehrere", erwiderte der alte Rogue ohne mit der Wimper zu zucken und klopfte an der Tür an. "Er ist noch der Sprecher der Arkana. Ich denkst, du kannst dir einiges von ihm abschauen."
      "Wer hat gesagt, dass ich das will..."
      "Theresa ist nicht glücklich damit, dass du leugnest wer und was du bist, Jasper."
      "Mein Gott, hab ich mir dieses verfickte Blut in meinen Adern ausgesucht oder nicht?"
      Nun lächelte Noland ungesehen, aber ehrlich. Bis zu dem Moment, wo die Tür sich einen Spalt breit öffente und Perley im Blickfeld des alten Mannes erschien.
      "Guten Abend. Mein Name ist Noland und ich bitte um Zuflucht für meinen Neffen und mich... Außerdem erwartet August noch eine Antwort von mir..."
      Unsicher lugte Jasper von seiner abseits wirkenden Position um seinen Onkel herum, nur um dann wieder die Straßen zu sondieren als würde er davon ausgehen, dass man sie verfolgte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Dusk and Dawn - 23:40 Uhr

      Perley Caulson war ein normaler Mensch.
      Alleine das, geneigter Leser, würde bereits genügen um den Mann mit dem lustigen Schnurrbart der Lüge zu bezichtigen, während er aus dem seitlichen Zimmer kam. Ihm voran ging ein Duft nach Schweiß und Blut, während der Butler sich die Hände an einem weißen Handtuch abwischte. Schmierige Flecken auf dem weißen Stoff hinterlassend, warf er es beinahe achtlos in den Papierkorb zur Seite des Eingangs, während er sich inhärent fragte, warum er das alles eigentlich tat?
      Für einen liebeskranken Zauberer? Wohl kaum.
      Schweigsam straffte er sich und seinen wohlsitzenden Anzug, als es an der Tür leise klopfte. Beinahe zu zaghaft für ein zielgerichtetes Vorbeikommen, aber bestimmt genug um Eile zu verdeutlichen. Es zählte zu Perleys inhärenten Eigenschaften, dass er keine Angst empfand, auch wenn er wusste, dass Ungemach auf der anderen Seite drohte. Langsam öffnete er die knarrende Tür und kalte Nachtluft strömte herein. Vor der Tür befanden sich zwei Gestalten. Beide wirkten mittelsam bemüht, kein Aufsehen zu erregen, obgleich beide die Fähigkeiten hatten, sie mühelos zu erhalten. Zwei kurze Blicke genügten, um festzutellen, dass es unangenehm werden konnte, wenn er sich falsch verhielt. Also setzte der Mann ein schmales Grinsen auf und öffnete die Tür, um die beiden einzulassen.
      "Sie wurden erwartet", murmelte Caulson und schloss die Tür hinter den beiden. "Machen Sie es sich bequem am Feuer. Fühlen Sie sich wie daheim. Oh, und junger Mann?"
      Perley hatte sich bereits abgewendet, um August aus dem Nebenzimmer zu holen. Er hielt nochmals inne und meinte Jasper.
      "Neugierde ist eine bemerkenswerte Eigenschaft, jedoch ist sie nur zuweilen wirklich angebracht. Es empfiehlt sich nicht allzu viel anzufassen, junger Herr. Es könnte Sie töten."
      Ein liebevolles und gleichsam kaltes Lächeln traf Jasper. Perleys makellose und nützlichste Eigenschaft. Das Durchschauen. Als Analyst begriff er Situationen und Menschen in Bruchteilen von Sekunden und konnte sehen, dass Jasper zwar ungerne hier, aber dennoch neugieriger war als der Durchschnitt.
      Langsam ging er in den Nachbarraum und verschwand in der Stille.
      Erst Minuten später trat August Foremar in verschwitzter Pracht und blutverschmierten Ärmeln hinaus, die er gerade auf die Ellenbogen aufrollte. Sein Haar wirkte zerzaust und ebenfalls von Blut durchsetzt, aber ein lockeres Summen trat aus seinen Lippen. Als er Noland erblickte, lächelte er schief.
      "Ich hätte nicht gedacht, dich alsbald wieder zu sehen, Noland", begrüßte er ihn wie einen alten Freund und setzte sich in den dritten Sessel, den er aus dem Nichts beschwor. Schwefällig landete dieser im Halbschatten und August schlug die Beine übereinander, ehe er mit einem schiefen, dunklen Grinsen den beiden Neuankömmlingen entgegen sah.
      "Was kann ich für dich tun?"


      Embers Wohnung - 23:15 Uhr

      Das Mädchen mit den dunklen Haaren hatte die Wohnung Sallows betreten und seufzte schwer. Gott, hier sah es ja aus wie in einem Krankenhaus?!
      Die Kaugummiblase zerplatzte und gierig leckte sie sich die Reste von den Lippen, als sie ihre Hände in den Taschen ihrer Cargohosen versenkte. Das strubbelige, schwarze Haar wirkte deplatziert und die schwere Brille rutschte von ihrer Nase. Ihre hellen, beinahe goldenen Augen richteten sich auf die auf dem Tisch liegende Ember.
      "Oh je...", murmelte sie beinahe gelangweilt und zog die Seiten ihres violetten Mantels enger um ihren schmalen Körper. Sachte legte sie eine Hand auf die Schulter der Polizistin und begann kurz ein wenig an ihr zu rütteln.
      "Hallo?", fragte sie. "Ist alles in Ordnung mit Ihnen?"



      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Wohnung

      Wie konnten sich denn immer diejenigen, die sie als Freunde bezeichnete, sich gegen Ember wenden? Sie hatte Noland mit der hintersten Ecke ihres Herzens getraut und nun so arglistig von ihm attackiert zu werden brach es ihr regelrecht entzwei. All die Prinzipien, die er ihr damals einmal erzählt hatte, schienen null und nichtig für ihn zu sein. Dass, oder erst nachdem sich der Aufstand der Zauberer anbahnte. Schlug er sich möglicherweise nun doch auf eine Seite?
      Er hatte sie dermaßen übermannt, dass ihre imminente Gegenwehr dafür gesorgt hatte, dass sie schlussendlich bewusstlos wurde. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit der Schwärze ehe sie zwar nicht die Augen öffnete, jedoch ein Gefühl dafür bekam, dass sie noch immer zusammen gesunken auf dem Küchentisch lag. Wieso hatte er denn nicht einfach mit ihr geredet, wie sie es immer taten?
      Endlich zuckten ihre Augenlider, jede Bewegung löste böse Kopfschmerzen aus. Unter dem Schmerzgefühl tauchte langsam die Angst hindurch und zwang Ember dazu, ihre Erinnerungen auf Fehler zu überprüfen. Aber wie sollte sie eigentlich feststellen, ob was fehlte? Ob etwas verändert worden war oder sie nun etwas zu wissen glaubte, was gar nicht stimmte? Sekündlich wurde ihr über und das leichte Wanken an ihrer Schulter machte es nicht wirklich besser.
      Erst da bemerkte Ember, dass es eine fremde Hand an ihrer Schulter war.
      Blanke Panik rauschte durch ihren Körper, alarmierte jede einzelne Zelle, und holte ihre Kopf vom Tisch. Die schnelle Bewegung ließ sie vorerst nur Schemen erkennen, die Stimme war gar nicht bis zu ihr durchgedrungen. In dem Versuch vom Stuhl aufzuspringen, verlor sie auf der Hälfte nur das Gleichgewicht und rutschte auf den Boden. Schwer atmend schob sie sich ein weiteres Stück auf dem Boden vom Tisch weg, eine Hand lag an ihrem Kopf, der schlimmer als vorher pochte. Ihre Augen waren schmerzverzerrt als sie einen ordentlichen Blick auf den Eindringling warf.
      "Was brechen Sie einfach so in fremde Häuser ein?", zischte Ember, die sich sicher war, dass Noland wenigstens die Türen geschlossen haben musste.
      Nach ein paar weiteren Blicken war sie sich sicher, dass sie dieses Mädchen oder junge Frau nicht kannte. Weder vom Sehen her noch sonst irgendwie. Aber die Tatsache, dass sie einfach so in ihrer Wohnung stand, war mehr als nur besorgniserregend. Wie viele unangekündigte Besucher sollten heute noch kommen?
      Ächzend zog sich Ember an der Tischkante auf die Beine. Es dauerte einen weiteren Augenblick bis ihre Füße und Beine fest standen, dann beäugte sie wieder die Unbekannte.
      "Ich kann stehen, ich kann reden und mich über Sie wundern. Ja, alles bestens. Wer sind Sie und was wollen Sie?"
      Vielleicht ein etwas feindlicher Tonfall aber das Mädel hatte einfach einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt.


      Dusk & Dawn

      Noland wunderte sich nicht sonderlich über Perley sondern folgte ihm nahezu augenblicklich, kaum hatte sich ein Spalt in der Tür aufgetan. Jasper huschte hinterher mit einem unglücklichen Gesichtsausdruck während er die Tür hinter ihnen schloss und den Raum von seinem Standpunkt aus untersuchte.
      Der alte Rogue jedoch steuerte direkt auf einen der Sessel nahe des Kamins zu als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. "Ich danke Ihnen, sehr freundlich."
      Der Junge im Hintergrund hatte gerade mal einen Schritt getan als Perley ihn ansprach. Sofort versteifte sich Jasper und starrte den Hauswirtschaftler mit einem eingeschüchterten Blick an. Selbst wenn er vorgehabt hätte, auch nur etwas zu berühren - die Lust war ihm schlagartig vergangen. Er sagte nicht einmal ein Wort sondern nickte nur schwach während er die geschulterte Tasche auf den Boden gleiten und seine Hände in den Untiefen der Jackentasche verschwinden ließ. Dann war Perley in einem anderen Zimmer verschwunden.
      "Bist du dir echt sicher?", kam es aus Jaspers Ecke geflüstert.
      Noland streckte gerade die Beine lang aus und schien mit dem Feuer im Kamin zu liebäugeln. "Sehr sicher. Bricht wirklich der Aufstand aus wirst du nicht mehr verheimlichen können, zu welcher Seite du gehörst. Deine Mutter wusste sich nicht zu helfen."
      Jasper quittierte es mit einem nicht überzeugten Brummen. Langsam traute er sich etwas weiter in den Raum, doch seine gesamte Körpersprache signalisierte Unbehagen. In dieser fremden Umgebung hielt er sich an das einzig Vertraute, und das war sein Onkel vor dem Kamin. Also stellte er sich hinter den Sessel und ließ den Blick im Raume schweifen.
      Dann öffnete sich die Tür wieder und August erschien. Während Noland ihm ehrlich gesagt sehr entspannt gegenüber eingestellt war und sogar ein dezentes, halbtotes Lächeln zur Schau stellte, kehrte der entgeisterte Ausdruck in Jaspers Augen zurück. Natürlich kannte der Junge August von den Berichten. Aber man sah deutlich, dass sein Blick zu lange auf den blutverschmierten Teilen vom Outfit des Arkanas hingen blieben.
      "Ich dachte, du machst Witze...", murmelte der Junge und verfiel asbald in Schweigen, kaum hatte einer der Männer zu sprechen begonnen.
      "Zugegeben, ich hätte auch nicht gedacht, dass du es schaffst", erwiderte Noland und spielte unterschwellig auf das Wissen an, dass Ember August erschossen haben müsste. "Und noch weniger, dass das hier entsteht. Aber eine schöne Idee ist es wirklich. Allerdings ist es so, wie wir es vermutet haben. Meine Bewegungsfreiheit draußen ist nahezu nicht gegeben und einfach zurück zur Polizei werde ich wohl nicht gehen können. Was für eine Schande."
      Noch immer starrte Jasper August mit großen Augen an. Es lag eine gehörige Menge an Respekt und Argwohn in seinen Augen. Er wagte es schlichtweg nicht, auch nur eine Silbe in den Raub zu werfen, egal was es sein mochte.
      Das leichte Lächeln in Nolands Gesicht verschwand und wich einer eher neutralen Miene. Die Hände faltete er in seinem Schoß, mimte jedoch nichts Weiteres von August nach. "Ich habe eine Bitte. Wenn der Aufstand ausbrechen sollte, werde ich da draußen und ebenfalls der Junge hinter mir mit hineingezogen werden, ob wir wollen oder nicht. Bevor das passiert, sollte man das schützen, das einem etwas bedeutet, nicht wahr?"
      Jaspers Blick huschte kurz zu seinem Onkel, dann wieder zurück zum Arkana ihnen gegenüber.
      "Der Junge hinter mir ist mein Neffe Jasper. Der, ganz offenkundig, auch ein Zauberer ist, es allerdings leugnet und als Rogue umherzieht. Meine Halbschwester bat mich, ihn an einen Ort zu bringen, wo er das sein kann was er will. Da wir beide aber wissen, dass man sein Erbe schlecht ein Leben lang leugnen können wird, musste ich einen anderen Ort finden". fuhr Noland unbeirrt fort.
      "Was ist denn bitte daran so schlimm, kein Zauberer sein zu wollen??"
      Noland zuckte die Schultern á la Ich hab's ja gesagt und schüttelte leicht den Kopf. "Er besitzt einen Magietypus, der gar nicht so uninteressant ist würde ich meinen. Du hast mir damals angeboten unter deiner Schwinge frei zu fliegen. Das würde ich gerne für Jasper erwirken."
      "Moment mal!", grätschte Jasper plötzlich dazwischen und schlug die Finger gleich Krallen in die Rückenlehne des Sessels. "Du willst mich nicht ernsthaft bei einem Arkana absetzen?? Was für ein schlechter Verwandter bist du denn bitte?!"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Nun, unfreundlich traf es nicht ganz, dachte das Mädchen und trat einen Schritt zur Seite, nachdem Ember offensichtlich aus ihrem Halbkoma erwacht war. Es brauchte keine besonderen Fähigkeiten um zu bemerken, dass Nolands Behandlung offenbar ein kleines NAchspiel hatte. Krachend fiel Ember zu Boden und brauchte eine Weile, bis sie sich berappelt hatte und die junge Frau tat einen Teufel, um ihr dabei zu helfen. Warum auch. Jede Hilfe hätte vermutlich das Gegenteil von Ruhe bewirkt.
      "Yo, beruhigen Sie sich, Lady", sagte sie ermahnend und hob beide Hände hoch. "Ihre Haustür stand offen und ich wollte nachsehen, ob was los war. Eine Freundin wohnt eine Etage über Ihnen. Hab beim Hochgehen Licht gesehen und irgendwie ein schlechtes Gefühl gehabt."
      Sie zuckte mit den Achseln und seufzte.
      "Nur unfreundliche Leute hier, was für 'ne Assi-Gegend", schimpfte sie und trat weiter zur Tür. "Yo, ich hab nix geklaut, falls sie das meinen! Ich hab nur reingeschaut, zweimal gerufen und hab in den Flur gesehen und Tadaa...Da lagen Sie. Also. Alles im Lot mit Ihren Beinen oder muss ich die Cops rufen?"
      Eine Weile lang sah sie Ember an und musste feststellen, dass ihr Plan gehörig saus den Fugen geraten war. Nicht verloren, aber zumindest merklich erschwert, ja ja.
      "Wenns Ihnen gut geht, mach ich'n Schuh. Hab noch'n Date, wissen Sie?"
      Sie drehte sich bereits wieder zur Tür und wollte nach draußen marschieren.
      Tu es nicht, Ember...


      Dusk and Dawn

      Es war bereits eine merkwürdige Unterhaltung, als sie sich das erste Mal gesehen hatten.
      August betrachtete die beiden Neuankömmlinge mit unverhohlener Neugierde und einem brennenden, goldenen Blick, während er sich auszumalen versuchte, was der alte Mann von ihm wollte. Freiwillig war er nicht hier, so viel war klar. Grinsend lauschte er Nolands Worten und nickte freigiebig, während er die Hände gespielt ahnungslos ausbreitete und mit den Schultern zuckte.
      "Tja, was soll ich sagen", grinste August und sah Noland offen an. "Die Welt ist mitnichten fair, nicht wahr. Und manchmal braucht es einen Teufel, der von den Toten zurückkehrt. Nichts, was man übrigens empfehlen kann, wenn ihr mich fragt."
      Hinsichtlich der BEwegungsfreiheit des Rogues konnte Foremar nur nicken. Es war verständlich und absehbar gewesen. So traurig es erschien, aber das war die bittere Realität.
      "Bitter, aber leider nicht unerwartet", gab er zu und seufzte. "Aber: Du hast es geschafft, nicht wahr? Du bist geflohen und jeder Fahndung bisher entfleucht, wissen die Sieben Teufel wie du es gemacht hast. Und dies hier...Nun, dies ist mein Eiland, meine Brücke. Mein Vermächtnis an die Welt der zweigespaltenen Menschen, fürchte ich. Aber auch dies ist mehr Schein als Sein. Noch."
      August lächelte Perley zu, als dieser mit drei Tassen dampfender Getränke zurückkam und diese vor den Gesprächsteilnehmern abstellte. Ein eisiger Blick huschte über die Gesichter, ehe er sich wieder zurückzog und in der Küche verschwand.
      "Ihr müsst Perley entschuldigen", bemerkte August und nahm einen Schluck. Earl Grey. Mal was Neues. "Er ist vorsichtig bei Zauberern jedweder Art. Ich habe ihn aufgenommen, da hatte er vier Kandidaten auf Arkana Posten ausgeschaltet und bei sich gefangen gehalten. Irgendwie war er danach nicht mehr der Alte."
      Als Noland fortfuhr, zog August die AUgenbrauen hinauf und warf das erste Mal einen neugierigen Blick zu Jasper, der seine Tasse noch nicht angerührt hatte.
      "Neffe?", fragte er erstaunt und lächelte freudlos. "Erstaunlich. Hätte nicht gedacht, dass du noch Familie hast. Und ich erinnere mich an mein Angebot. Soweit ich weiß, galt es für dich."
      August setzte die Tasse ab und schlug die Beine wieder übereinander. Erst dann sah er zu Jasper, der seinen Einwurf sicherlich zurecht brachte.
      "Es ist nicht falsch daran, Junge", begann August und klang das erste Mal nicht giftig, sondern eher streng. Die Augen des Arkana glühten regelrecht, als er den Jungen fixierte. "Aber leider suchen wir uns nicht aus, was wir können oder nicht können. Du kannst es ignorieren, wenn du willst und ein Leben in Gutbürgerlichkeit leben. Aber ohne Kontrolle über das, was auch immer du kannst, wirst du über Kurz oder Lang zu einer Zeitbombe. Einer Bombe, die eliminiert werden muss."
      Anschließend räusperte er sich und sah Jasper weiter an.
      "Dann berichte: Was kannst du, dass es derartige Probleme bereitet?", fragte er ihn. Anschließend sah er zu Noland. "UNd warum sollte ich mein Angebot auf ihn übertragen?"

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    • Embers Wohnung

      Ember runzelte so gut es ging die Stirn. Die Haustür stand offen? Die schloss in der Regel automatisch mit einem Mechanismus. Sie konnte gar nicht offenstehen außer man parkte einen Schuh oder dergleichen dazwischen. In erster Linie starrte Ember das Mädel perplex und lediglich minimal feindselig an. Immerhin war sie eine Fremde in ihrer Wohnung. Ungefragt.
      Vorsichtig löste sich Ember von ihrer heißgeliebten Tischplatte damit sie die Unbekannte nicht aus den Augen verlor. Tatsächlich schickte sie sich an, die Wohnung wieder zu verlassen, aber da hatte sie die Rechnung ohne die Ermittlerin gemacht.
      "Halthalthalt!", rief sie dem Mädel hinterher, die schon fast durch die Tür wieder verschwunden war.
      Man konnte von der Eingangstür nicht in die Küche sehen. Sie war mutwillig bis hier hinten hin gekommen.
      Also hechtete Ember regelrecht um die Ecke herum, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Bei dieser Aktion knickte ihr rechtes Bein weg - teils unverschuldet, teils absichtlich - und sie fand sich schon wieder auf den Knien wieder. Sie fluchte leise, als sie sich ein weiteres Mal berappelte.
      "Okay, gut, ist doch noch nicht wieder alles gut. Leichte spastische Anfälle, geht gleich wieder. Aber trotzdem Danke, Ms....?"
      Komm schon, jetzt sag mir wenigstens irgendeinen Namen oder woher du kommst!
      Noch immer war ihr völlig flau im Magen und die Kopfschmerzen ließen ihr sonst so scharfes Denken noch nicht zu. Das Timing war einfach viel zu gut gewesen und außerdem kannte Ember die meisten Menschen, die hier ein und wieder ausgingen. Vielleicht war es auch einfach nur ihr Misstrauen, das gerade wieder Alarm schlug, aber sie konnte nicht einfach nachlassen.

      Dusk & Dawn

      Entgegen Jaspers Argwohn streckte sich Noland direkt nach der Tasse, die der Hauswirtschaftler ihnen dreien servierte. Er störte sich auch nicht sonderlich an dem schneidenden Blick Perleys ganz im Gegensatz zu Jasper, der merklich wieder kleiner wurde. Ihm war der Mann fast noch weniger geheuer als der Arkana in dem Sessel vor ihm. Als August ihnen etwas zu Perley offenbahrte wurde Jasper endgültig anders. Ja, er würde dem dürren, böse guckenden Mann sicherlich nicht ans Bein pissen.
      Noland indes suchte nach etwas zum Süßen, fand jedoch nichts und gab sich so mit seiner Tasse zufrieden. "Ganze vier gleichzeitig oder versetzt? Trotzdem ein beeindruckendes Stück. Ich wette mit dir, wenn Ember das wüsste würde sie nie mehr von seiner Seite weichen..." Er lächelte ein wenig süffisant bei dem Gedanken in seine Teetasse hinein und gab ein anerkennendes Geräusch von sich nachdem er den Tee probiert hatte.
      "Ich wusste lange Zeit nicht, dass ich eine Halbschwester habe. Meine Eltern hatten dank mir keinerlei Erinnerungen mehr an mich und von daher wusste ich nichts von ihr. Sie ist auch etliche Jahre jünger als ich.... und keine Zauberin. Folglich war sie mit ihrem Sohn ein wenig überfordert was ich absolut nachvollziehen kann."
      Jasper machte ein abfälliges Geräusch und weigerte sich noch immer vehement, den Platz hinter dem scheinbar schützenden Sessel aufzugeben. Seine Miene war zwar noch immer eher ängstlicher Natur aber weniger gelähmt als zuvor. Als August seine Aufmerksamkeit auf den Jungen richtete, wurde dieser wieder zunehmend kleiner, presste aber bockig die Lippen zusammen.
      Noland seufzte.
      "Ich glaube nicht, dass er zur Bombe wird. Er hat selbst mir noch nicht verraten, was genau er kann oder wie er es tut. Aber er ist der Erste, bei dem meine Magie nicht wirkt. Seine Mutter versteht nicht viel davon und konnte mir nicht sonderlich viel erklären. Aber entweder ist er immun gegen bestimmte Einflüsse oder er löst sie auf."
      Noland stellte die Tasse wieder ab und wandte sich seinem Neffen halb zu. Dieser sah auf seinen Onkel mit dem gleichen stoischen Blick hinab, ungewillt auch nur ein Wörtchen darüber zu verlieren, was er konnte.
      "Möchtest du, dass dieser Arkana einmal ausprobiert, wo deine Grenzen liegen, Jasper?"
      "....Nein?"
      "Also heißt das im Umkehrschluss?"
      Einen Augenblick lang starrte Jasper Noland verbissen an, dann sah er notgedrungen zu August hinüber. "Es macht gar keine Probleme. Es fällt keinem auf, es bringt niemanden um. Ich weiß nicht mal, warum ein mir unbekannter Onkel mich ausgerechnet zu einem Arkana schleppt. Ich bin nicht immun wie er es denkt... Ich löse die Aura halt auf."
      Jasper machte eine wegwerfenden Handbewegung und verfiel dann wieder in sein trotziges Schweigen. Nolands Mimik veränderte sich nicht aber er fühlte sich in seiner Annahme bestätigt. Es war das gleiche Problem wie bei ihm - man selbst war nicht unbedingt die Gefahr sondern eher die Menschen oder Zauberer in der Umgebung, die einen gefährlichen machen konnten.
      "Ich denke, dass mein Neffe viel von dir, von euch lernen kann. Sieh es als letzte gute Tat eines alten Mannes. Aber wem erzähle ich das schon. Deswegen komme ich auch mit einer Bitte zu dir und keiner Forderung. Der Junge hat selbstverständlich nichts zu bieten, wie kann ich mich an seiner Stelle erkenntlich zeigen?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Sie tat es doch...Ach, Ember...
      Nach ihrem Ausruf blieb die junge Frau beinahe notgedrungen kurz vor der Haustür stehen und bemerkte alleine an der Vibration des Bodens, dass Ember wieder gestürzt sein musste. Der Ton suggerierte bereits, dass zumindest Ember wirklich glaubte, sie aufhalten zu können. In diesem Zustand...Lachhaft.
      Schweigsam drehte sie sich vor der völlig intakten Tür um und sah Ember schief an.
      "Clara", begann sie und machte deutlich, dass sie ihren Nachnamen nur unter Gewalt erfuhr. "Hören Sie...Wenn Sie wollen dass ich'n Krankenwagen rufe, okay. Aber creepen Sie mich nicht so an, ja? Ich hatte lediglich Sorge, dass man Sie umgebracht hat, ok? Weiß echt nicht was mit den Leuten dieser Anlage los ist. Also...Wenn Sie 'nen Notarzt brauchen, sagen Sie Bescheid, ich bin oben. Ansonsten einen schönen Tag. Und vielleicht sollten Sie vor dem Zusammenbrechen das nächste Mal die Tür schließen."
      Ach Ember, dachte das Mädchen, als sie sich herum drehte und grinste. Als würdest du so einfach meinen Namen erfahren.
      "Schönen Tag noch! Und passen Sie auf sich auf!", rief sie noch, ehe sie aus der Tür entschwand.
      Tatsächlich wählte sie den Aufgang rechts, der sie höher in das Gebäude führen sollte. Nur um anschließend auf dem Dach zu landen und schwer zu seufzen.
      "Anstrengend, diese Menschen...", murmelte sie und förderte eine Schachtel Zigaretten zutage, ehe sie einfach im Nichts verschwand.


      Dusk & Dawn

      August nahm einen großen Schluck seines Tees und lauschte Noland eine ganze Weile, ehe er aufsah und seufzte.
      "Ich verstehe zumindest, dass ein Zauberer in einer nichtmagischen Familie durchaus Probleme bereiten kann", bemerkte er. "Erstaunlich aber, dass du ihn gerade jetzt mitbringst, wo die Hölle beginnt loszubrechen. Und der junge Mann ist auch offenkundig nicht begeistert hinsichtlich der Aussicht, weg von zu Hause zu sein, nicht wahr, Junge?"
      Hinsichtlich der weiteren Ausführungen verfolgte August das kurze Zwiegespräch nur, wobei er bei der Erwähnung der Magie des Jungen nun doch interessiert war. Die Art der Magie war eine Tatsache. Ob sie auffiel oder nicht war unerheblich. Viel gefährlicher in diesem Zusammenhang war die Frage, wer sonst noch davon wusste.
      Er unterbrach die beiden, indem er einfach die Hand hob und Jasper ansah.
      "Es ist eine Sache, eine Magie zu besitzen, Junge", begann er. "Und eine eine weitere, diese so unter Kontrolle zu halten, dass niemand davon erfährt. Es bleibt eine Tatsache, dass die Magieform, die du beschreibst durchaus gehalten werden kann. Das Problem sind hier aber die Menschen, die davon erfahren könnten. Ich wüsste da den ein oder anderen Arkana, der durchaus Interesse an deinem Hintern hätte-."
      Anschließend sah er Noland an. "Wer weiß von dieser Fähigkeit?", fragte er ernst während er mit der Hand eine komnplizierte Geste vollzog.
      Ganz kurz nur zog sich ein Puls von auratischer Energie durch den Raum, ehe ein simpler Holzstuhl aus dem Nichts des Raumes erchien und sich selbst zu materialisieren schien. Er verblieb genau vor Jasper und August sah ihn an, während er einen Stuhl nahm.
      "Bitte tu mir den Gefallen und lös den Stuhl auf. Tu was auch immer du tust", sagte er und sah anschließend zu Noland, um dem Jungen keinen Druck zu geben.
      "Eine Bitte eines alten Mannes...", bemerkte er grinsend. "Wo wir bei Bitten sind: Wie geht es Ember? Ich nehme an, du warst bei ihr um diese Adresse zu erfahren, die vielleicht drei Leute kennen. Ich hoffe, ihr konntet euch gut unterhalten?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Wohnung

      Dieses kleine Gör.
      Kaum war 'Clara' aus Embers Sichtfeld verschwunden hätte sie beinahe angefangen mit den Zähnen zu knirschen. Da das bei ihrem Kopf alles andere als förderlich war, hielt sie sich davon ab und schlurfte stattdessen zur noch immer geöffneten Wohnungstür, die sie endlich schloss und verriegelte. Irgendwas sagte ihr, dass das Mädel schon lange nicht mehr im Haus war, sollte die Polizistin nach ihr suchen.
      Seufzend kehrte Ember zu ihrer Couch zurück und ließ sich schwer darauf fallen. Für einen Moment lang dachte sie darüber nach, August anzurufen. Aber angesichts der Uhrzeit war sie vermutlich eh schon zu spät dran. Ganz davon zu schweigen ob ihr Anruf überhaupt einen Nutzen hätte. Noland stellte keine Gefahr für ihn dar außer er gab sich eine ähnlich fahrlässige Blöße wie sie selbst. Nicht einmal Ruairi konnte sie anrufen, denn der hatte noch immer kein neues Handy. Also blieb ihr nichts anderes übrig als den Abend ausklingen zu lassen ohne die Pferde scheu zu machen.
      Ihr Kopf war darüber mehr als nur dankbar.


      Dusk & Dawn

      Jasper wurde beinahe noch bleicher als er es ohnehin schon war. Die Aussicht, dass noch andere Arkana an ihm Gefallen finden könnten war ihm so noch nie in den Sinn gekommen. Allgemein hatte er sich nie mit der Welt der Zauberer so richtig auseinander gesetzt. Nur dass es allesamt mächtige und zumeist ruchlose Zauberer waren war ihm bekannt. Warum seine Magie für andere so brisant sein könnte, erschloss sich dem Jungen noch nicht. Wobei er auch wenig Einsatz zeigte, um sich den Kopf darüber zu zerbrechen.
      "Wer davon weiß.... Hm, das hängt ein bisschen davon ab in wie weit du über meine Bitte nachdenkst, würde ich sagen", antwortete Noland ruhig und darauf bedacht, keine direkte Drohung auszusprechen, seinen Standpunkt allerdings zeitgleich zu verdeutlichen. "Wenn ich ihn nicht bei dir lassen kann muss ich einen anderen Ort finden. Wie ich jetzt weiß gibt es den ein oder anderen Zauberer, den ich aufsuchen könnte."
      Während August den Stuhl aus dem Nichts beförderte, reagierte Noland nicht ein bisschen. Jasper hingegen zuckte bei dem Puls zusammen, als hätte man ihn geschlagen. Nicht wirklich begeistert sah er vom Stuhl zu August hinüber, der sich offenbar lieber mit seinem Onkel unterhielt.
      "Sind wir hier beim Zirkus oder was....", grummelte Jasper, tat aber wie geheißen.
      Er näherte sich dem Stuhl und legte eine Hand auf dessen Rückenteil. Seine hellbraunen Augen glühten kaum merklich als sich seine Lider halb schlossen und er etwas weit entferntes anzustarren schien. Er verfiel in ein völliges Schweigen.
      Noland verlagerte ein wenig sein Gewicht nachdem er die leere Tasse wieder abgestellt hatte. "Ember hat nicht mit mir als Besuch gerechnet. Ich schätze, sie war in ihrem wohlverdienten Feierabend, dem Jogginganzug nach zu urteilen. Wir hatten auch nicht viel Zeit zum reden, immerhin wird nach mir gefahndet und wenn ich vor ihrer Tür gesehen werde könnte das schlecht auf sie zurückfallen."
      Er machte eine kleine Pause in der er August interessiert musterte. Wie wahrscheinlich war es, dass der Arkana ungehalten wurde, sollte der alte Mann ihm erzählen, dass er handgreiflich geworden war? Vermutlich recht hoch...
      "Sie war natürlich ein wenig verhalten, als ich nach deinem Aufenthaltsort fragte. Verständlich, wie ich finde. Immerhin bin ich praktisch aus dem Nichts bei ihr aufgetaucht. Allerdings sollte sie dringend etwas an ihrer Inneneinrichtung ändern."
      Just in dem Moment kam das Leben in Jasper zurück. Er hob den Kopf, das Glühen seiner Iren war verschwunden, und sah August mit einem trotzigen Gesichtsausdruck an. Ruckartig löste er seine Finger vom Stuhl und hob die Hand ein paar Zentimeter höher. Augenblicklich verschwomm die Kontur des Stuhles und er schien sich wie ein Nebel aufzulösen. Das Gleiche geschah auch mit der Aura, die für seine Entstehung zuständig gewesen war. Sie löste sich wortwörtlich einfach in Luft auf. Alles in vollständiger Ruhe, ohne Puls oder Druckabfall.
      "Bitte schön, Ihr toller Stuhl ist weg. Der nächste geht auch schneller. Und nein, es macht keinen Unterschied, wie groß es ist", verkündete Jasper und verschränkte die Arme.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für einen Moment lang veränderte sich die Aura um Foremar nur unwesentlich. Als würde man einen Tropfen Blut in ein Glas Wasser geben, fauchte die Wut und die Erkenntnis darüber, dass etwas nicht stimmte in seine Aura und färbte diese in einem blutigen Rot, während die bernsteinfarbenen Augen sich auf Noland hefteten.
      "Eine erstaunliche Beschreibung", murmelte er und sah den Zauberer an. "Denn es beantwortet beinahe sämtliche Frage nur die konkludente nicht, weshalb sie dir meine Adresse gegeben hat. Wir beide wissen, dass Ember Sallow nicht der Typ Mensch ist, der etwas ohne einen Preis preisgibt. Eher hätte sie dich hergeführt anstatt dir einfach eine Adresse zu geben. Also stellt sich mir doch die Frage, welchen Preis du ihr geben musstest oder ob vielleicht etwas dort ist, das du mir verschweigst. Ich bin sicherlich kein so herausragender Legilimentor wie du, Noland, aber nähmen wir an, ich ginge jetzt - justemang in dem Moment - in Embers Wohnung. Würde ich sie wohl bei einer Tasse Kaffee und mit ihrem geliebten Notizbuch auf dem Sofa vorfinden?"
      Die Frage war völlig tonlos gestellt, so erschien es. Jedoch troff neben dem süßlich harmlosen Geschmack der Frage durchaus ein brutaler, beinahe erbarmungsloser Ton mit, der an Kälte mit dem sibirischen Winter konkurrieren konnte. Oh Noland, Noland...,dachte August und sah den Mann noch eine Sekunde an.
      Ehe er zu Jasper sah, der den Stuhl beinahe in Nichts auflöste. Aber tat er das? Was tat er genau? Der Stuhl verschwand beinahe so wie er gekommen war, nur...kleinteiliger? Löste er ihn auf? Dafür müsste er jedoch eine Struktur analysieren oder nicht?
      "Durchaus beeindruckend, junger Mann", erfreute sich August und sah zu Jasper. "Einen weiteren, ja? Vergib mir meine Neugierde, aber ich komme einfach nicht dahinter, wie du es machst."
      Mit einem kurzen Moment erhob sich der Arkana und strich die blonden Haare zurück. Mit einer ausladenden Geste spannte er die Arme von sich und ließ zwei leuchtend rote Kugeln auf seinen Handflächen erscheinen, die sich von Geisterhand in die Höhe erhoben. Die Sekunde, die der Junge nutzte, um ihm in die Augen zu sehen, waren ausreichend.
      Seine Aura streckte sich über die Augen nach denen des Jungen und verband sich beinahe unbemerkt. Eine simple Illusion, wenn man es so will. Die Kugeln potenzierten sich, sodass sie für Jasper beinahe an jeder Ecke waren.
      "So...Nun diese bitte, Jasper", sagte August und lächelte. "Und vielleicht erklärst du mir, was du dort tust?"
      Anschließend sah er nochmals zu Noland und grinste.
      "Ich denke du weißt, dass ich euch nicht mehr gehen lassen kann. Sicherlich kannst du weiterziehen, es steht dir frei. Aber der Junge wird unter einer anderen Schwinge nicht fliegen, soviel sei dir gewiss."


      Spoiler anzeigen
      2 Magien, Entstehung und Illusion, einfache Struktur, nur 2 Originale vorhanden, Rest Schattenkonstrukte

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Jasper bekam ein wirklich mieses Gefühl bei der Sache. Bis vor wenigen Minuten war August noch eher von der giftigen Sorte gewesen, nun zeigte er ein gewisses Interesse an dem Jungen. Und diese plötzliche Aufmerksamkeit eines Arkana gefiel ihm überhaupt nicht.
      "Neugierde ist ja schön, aber können Sie nicht etwas anderes spannender finden als meine Partytricks?...", versuchte er sich rauszureden aber da war August bereits von seinem Stuhl aufgestanden.
      August vollführte Gesten, Jasper reagierte augenblicklich darauf. Er wich einen Schritt zurück, da hatte er auch schon den Fehler gemacht und dem Teufel in die Augen gesehen. Schon einen Augenblick später kniff er die Augen zusammen, als leide er auch Kopfschmerzen und versteifte sich. Bevor August auch nur eine Antwort auf seine Frage bekam, lösten sich Kugeln fast augenblick in der Gänze auf. Bei genauerer Betrachtung fiel auf, dass die zwei Originale die ersten waren, die verschwanden. Ohne Orginal verpufften auch die Illusionen.
      Jasper stand wie vom Donner gerührt da, schwer atmend und die Augen noch immer glühend. Es stand Verwirrung und Schrecken gleichermaßen in seinen Augen, als er seine Worte wiederfand: "Wie geht das denn? Wieso haben Sie zwei Auren??"
      Er räusperte sich heisern. "Wenn Sie nicht hören, was ich höre, kann ich Ihnen nicht erklären, wie ich es mache. Die Aura, die die Kugeln hatte entstehen lassen war die gleiche wie beim Stuhl. Die konnte ich direkt lösen, aber die andere war neu."
      Da wurde Noland hellhörig und drehte sich zu seinem Neffen um, der nun wirklich kreidebleich geworden war. "Jasper, setz dich einmal. Du siehst so aus als fällst du gleich um. Los jetzt."
      Steif torkelte der Junge zu einem Sessel und fiel eher in die Sitzfläche als alles andere. Das Glühen erstarb nicht und seine Stirn glitzerte etwas als er schließlich doch nach dem lauwarmen Tee griff.
      Ember war dafür bekannt, dass sie schnell Kleinigkeiten in der Mimik und Gestik anderer entdecken konnte. Doch Noland spielte dieses Spiel auf einer völlig anderen Ebene. Seine vagen Ausführungen umspielten genau den Punkt, den August eigentlich hatte erfragen wollen und nötigten ihn dazu, eine winzige Reaktion preiszugeben. Nolands Annahme war richtig gewesen. Der Arkana war höchst besorgt darum, was er bei ihr angestellt haben mochte.
      "Unterstellst du mir, dass ich sie, meine Freundin, verletzt haben könnte?"
      Nolands Augen waren so tot wie Augusts Stimme vorab. Seine Stimme hingegen war noch unbefangen, wenn auch eine Nuance kühler moduliert als davor. Ja, der alte Rogue besaß keine Moral aber das bedeutete noch lange nicht, dass er bei seinen Freunden langwierige Schäden anrichten würde. "Ich schätze eher, dass sie jetzt im Bett liegt und versucht, ihre Kopfschmerzen loszuwerden. Wie du bereits richtig bemerkt hast, war sie nicht allzu kooperativ und wir standen etwas unter Zeitdruck. SIe hat einen unglaublichen Sturrkopf und wenn ihre Abwehr nicht so heftig gewesen wäre, würde sie wohl deutlich weniger Kopfschmerzen haben. Aber ich wusste nicht, dass du dich so sehr um sie scherst. Als Menschenfreund bist du eigentlich nicht bekannt würde ich meinen."
      Ein Blick des Onkels ging wieder zu seinem Neffen. Er schien seinen Atem halbwegs wieder unter Kontrolle zu haben und die Tasse in seiner Hand zitterte nicht mehr so arg wie zuvor. Der Junge war vollkommen ungeübt in dem, was er tat und hatte vorhin wohl nur aus Reflex reagiert.
      "Bis jetzt weiß niemand sonst von Jaspers Begabung. Die Jungs mit denen er sich mal angelegt hatte, wissen nicht mehr von seiner Existenz. Da er sonst einen recht guten Job gemacht hat als normales Kind zu leben weiß es sonst niemand. Ich war so frei und habe meiner Schwester ebenfalls das Wissen genommen, dass ihr Sohn ein Rogue ist. Jetzt kennt sie ihren Jasper nur noch als normales Kind."
      "Du hast was gemacht?" Jaspers Stimme färbte sich das erste Mal überhaupt mit kaltem Zorn. "Ich dachte, du hast sie nicht angefasst."
      "Möchtest du etwa, dass man dich zu ihr zurückverfolgt und es ihr Schwierigkeiten bereitet? Manchmal ist es besser wenn man sich man bestimmte Umstände nicht mehr erinnern kann. Das wirst du auch noch begreifen", erwiderte Noland lediglich und richtete seine blauen Augen wieder auf August.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August beobachtete dieses Mal den Jungen recht genau, bei dem was er tat. Das Lösen der Illusion war beinahe zu einfach, auchw enn es nur eine feingliederige Illusion war. Erstaunlich, wenn man bedachte, dass er untrainiert war? War es eine Strukturmanipulation?
      Noch ehe er die Frage laut stellen konnte, schien der Junge ein wenig aus dem Gleichgewicht zu geraten. Einen besorgten Blick später saß er bereits in dem Sessel und nippte an dem Tee, ehe August den Jungen neugierig ansah. Seine Augen wirkten dabei viel mehr wie ein Raubtier, das ein kleines Tier betrachtete.
      "Betriebsgeheimnis"; grinste er und tippte sich an die Nase. "Aber deine Fähigkeit ist durchaus nicht unbemerkenswert, Jasper. Ich frage mich wirklich, wie du es anstellst...Und ich habe bereits viele Magien gesehen..."
      Eine Weile lang schlug er die Beine übereinander und sah Jasper nur an, wie er langsam Farbe zurück gewann.
      "Erklär es mir", murmelte er dem Jungen zu und grinste erneut. Diesmal jedoch wirkte das Grinsen wie eine Aufforderung, beinahe ein Befehl. "Was genau tust du? Löst du Strukturen auf? Und sag mir...Könntest du ein Aurawesen auflösen?"
      Der nächste Blick ging zu Noland, der seinen Bericht zu Ember offen legte. Oh, dieser arme alte Narr. Wie konnte er es wagen, Ember...Seiner Ember...etwas anzutun? Wut funkelte leuchtend hell durch seine Augen als er den Alten ansah und schnaubte.
      "Menschenfreund...", begann er zischend. "Ich bin kein Menschenfreund. Ich habe Menschen seit jeher gehasst. Vor allem die, die lügen und sich nicht mehr halten können, wenn sie einmal damit begonnen haben, Noland. Ich schütze lediglich meine Investition und Ember Sallow ist meine Investition in meine Sache. Damit wir uns verstehen: Ich schätze dich sehr. Aufgrund deiner Fähigkeiten und noch einiger anderer Dinge. Aber..."
      Das rechte Auge des Arkana glühte regelrecht mit einem silbernen Schimmer, als er Noland ansah und vollzog eine Welle der Wut durch den Raum, die das Zimmer beinahe erkalten ließ. Selbst die Flammen des Kamins zuckten unter dem leichten Puls zusammen.
      "Wenn du sie noch einmal derart anrührst, zerre ich deinen alten Hintern an die Öffentlichkeit und reiße dir die Eingeweide raus, ist das klar?"
      Räuspernd normalisierte sich die Stimmung des Arkana erst wieder als er Jasper ansah.
      "Ich muss dennoch Noland in einer Sache Recht geben: Du solltest hier bleiben und lernen", schloss er. "Bei mir. Ich kann dir zeigen, wie du deine Kraft kontrollieren und zielgerichtet einsetzen kannst. Wenn du danach noch ein normales Leben willst, gehe hin und lebe es. Was hältst du davon?"

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    • Es war mehr als offensichtlich, dass Jasper wirklich nicht gern dort war, wo er gerade saß. Er hatte noch immer eine Spannung im Leib stecken, die sich durch die verkrampfte Haltung der Teetasse bemerkbar machte. Das wachsende Interesse seitens Augusts steigerte unweigerlich auch seine Nervosität und er fühlte sich ein wenig wie auf der Schlachtbank.
      "Ist 'ne Intuitionssache, schätze ich", gab er schließlich zögerlich zu.
      Tatsächlich hatte er nie wirklich Zeit damit verbracht zu hinterfragen, wie seine eigene Magie funktionierte. Er ging einfach nach seinem Bauchgefühl, und das hatte ihn bisher soweit gebracht. Er wusste nur, dass er auf eine bestimmte Art feinfühlig war, die schwierig zu erklären war. Zumindest für jemanden, der seine Feinfühligkeit nicht teilte.
      "Wie, Strukturen? Ich lös' gar keine Strukturen auf.... Ich mein's ernst, ich kann es nicht gut erklären. Ich entwirre das Verworrene sozusagen.... Hm.... Ein Aurawesen? Keine Ahnung, mann. Ich halte mich eigentlich aus diesem ganzen Scheiß raus."
      Bist jetzt jedenfalls, dachte Noland nur und wurde wieder ein wenig aufmerksamer als er merkte, wie der Arkana seine Aufmerksamkeit wieder auf ihn richtete. Genau im richtigen Augenblick, denn so entging dem alten Mann nicht die verräterische Regung in den Augen seines Gegenübers. Ob Ember wusste, wie der Arkana wirklich zu ihr stand? Würde sie sich dann wirklich so arglos in eine andere Beziehung stürzen? Während Noland noch darüber sinnierte, zischte August ihn an, doch seine Worte hatten erstaunlich wenig Wirkung bei dem alten Mann.
      Allerdings war die anschließend folgende Verdeutlichung seines Standpunktes dann doch eindrucksvoll genug. Die Gleichgültigkeit oder vielleicht auch falsche Freundlichkeit entschwand aus dem faltigen Gesicht als Noland die Beine fest auf den Boden stellte und sich etwas vorlehnte. Eine typische Geste, wenn man davon ausging, dass man sich demnächst besser bewegen sollte.
      Jasper hingegen stöhnte leise auf und hätte vermutlich die Tasse fallen gelassen, sofern er sie noch gehalten hätte. Seine Augen waren wieder leicht zusammengekniffen während er in die hinterste Ecke des Stuhls zurückwich und die Reaktion präsentierte, die man eigentlich an den Tag legen sollte wenn ein Arkana ungehalten wurde.
      "Er hat sie nicht verletzt... Sie hat sich nur zu hart gewehrt", warf Jasper kleinlaut dazwischen als sein Onkel noch immer keinen Ton von sich gegeben hatte. "Sie war sowieso völlig durcheinander als sie ihn gesehen hat..."
      "Uns. August, wenn du dir solche Sorgen um sie machst, warum rufst du sie nicht an? Wenn es Probleme von ihr gäbe würde sie wohl das gleiche tun oder nicht? Wir haben sorgfältig alle Türen geschlossen. Selbst wenn sie immer noch auf dem Küchentisch liegen sollte, wird ihr nichts widerfahren. Weiß Ember übrigens, wie du zu ihr stehst?", äußerte sich Noland abschließend dazu.
      Jasper fing direkt an zu reden, die Augen nun etwas geweitet. Selbst er hatte verstanden, dass diese Frau scheinbar eine Achillesferse des Arkana war und sein Onkel gerade einen Drahtseilakt zu tanzen versuchte. "Äh, das Problem ist, wenn ich Ihnen nicht erklären kann wie ich es mache können Sie mir auch schlecht was beibringen, oder? Kann ich nicht einfach so... gehen?"
      Noland starrte seinen Neffen an.
      Jasper starrte zurück, dann starrte er August an.
      "Okay, okay, okay.... Was soll's. Ich komm' ja scheinbar eh nicht wieder nach Hause. Mir gefällt's nur nicht wie Sie mich die ganze Zeit anstarren... Könnten Sie Ihre Faszination woanders hinlenken?... Bitte?"
      Jasper kannte die Geschichten, dass August dazu neigte, Grenzen zu erforschen und zu testen. Wenn er ihm schon so einfach offenbarte, dass ihm keine Magie wie die seine bislang untergekommen war, machte ihn das zu seinem Versuchskaninchen Nummer 1. Und das wollte der Junge ganz bestimmt nicht sein.

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