[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • August blickte sich selbst eher nervös und beinahe fahrig um, als sie den Raum Arm an Arm durchquerten. Hier und da ergaben sich ein paar Gesprächsfetzen, die er aufschnappen konnte, aber das meiste drehte sich mehr um die Eigenarten der englischen Küche oder die Neuerungen in den jeweiligen Gebieten der Arkana. August blivkte nach allen Seiten und versuchte, die Gesichter immer wieder zuzuordnen. Sicherlich änderten sich die Arkana nicht häufig, aber grundsätzlich war es schon möglich, dass man ein wenig ins Straucheln kam.
      Gerade blickte er nochmals durch den Raum, als er den Blick Emmetts bemerkte, der ihm zuwinkte. Freilich überzogen, wie es die Art dieses verdammten Unruhestifters war. Sachte winkte er kurz zurück und schüttelte den Kopf, ehe er wieder zu Ember sah.
      "Es wird sich kaum Jemand um dich scheren", beruhigte er sie grinsend und führte sie ein wenig abseits der Meute. "Und ich finde es gut, dass du es so genau nimmst."
      Sachte kramte er in seiner Hosentasche und fischte ein kleines Magazin heraus. Es besaß lediglich zehn Schüsse, aber es würde für den Notfall reichen. Sachte ging er einen Schritt näher an sie heran und ließ es elegant in ihre Tasche rutschen.
      "Nur für den Fall. Einsetzen, zweimal durchladen. Die Munition besteht aus der Magie eines der Mitglieder. SIe richtet also genügend Schaden für drei A-Klasse-Zauber auf einmal an. Bitte nicht umherballern."
      Er sagte es im Spaß, aber eine kleine Schweißperle glitt über seine Stirn, als er sich neben sie stellte und mit dem Kinn auf einen reich geschmückten Araber wies. Sein dunkles Haar und der grell goldene Schmuck, den er im ganzen Gesicht und an jedem Finger trug, blendeten regelrecht die Tatsache aus, dass seine Haut irgendwie unecht wirkte.
      "Das da vorne ist die Nummer 4. Hakim Ibn Fahdlan, der Kaiser. Er ist recht bekannt in Gelehrtenkreisen. Er besitzt ein Krankenhaus in Diriyya in Saudi-Arabien. Dort werden magisch Erkrankte oder Verletzte behandelt. Ich war in meinem Leben zweimal dort und ich muss sagen: Es ging mir gut dort. Ehre steht ihm über alles, vor allem die Berufliche."
      GErade wollte der Zauberer Luft holen, da es aus der Halle heraus schallte. Mit einem kurzen Wortgefecht betrat ein Mann, groß wie ein Berg den Saal und lachte geifernd, während eine der Frauen an seiner Seite regelrecht vor Angst zurückwich. Grob und beinahe schlachthaft riss er sie wieder an sich und drückte sie an seine schwitzige Brust.
      "HUAHAHAHAHAHA", lachte er und warf den kantigen Kopf nach hinten, sodass seine lockigen Haare durch die Luft flogen. "NA IHR FLASCHEN? WAS GEHT?!"
      Beinahe viel zu eilig huschte einer der Bediensteten des Raumes zu dem Neuankömmling und verneigte sich.
      "Würden Sie wohl ein wenig..."
      "Würde ich nicht", murmelte der Mann und schnippste einmal mit dem Finger.
      August hätte schwören können, dass er eine Sekunde etwas durch die Luft hatte fliegen sehen, doch der Bedienstete ging mit einem gewaltigen Krachen in einer Explosion auf, sodass Blut und Eingeweide unter dem Schreien der Dame an seiner Seite an die Wand flog.
      "HUAHAHAHAHA", kicherte der Mann und August sah ärgerlich zu ihm herüber. DOch ehe er auch nur Luft holen konnte, riss bereits ein anderer Arkana das Wort an sich.
      Aus dem Dunkel des Saales schälte sich eine schattenhafte Gestalt, die beinahe verschwommen erschien, als sie neben ihm auftauchte und ihn mit glühenden Augen ansah.
      "Lass das."
      August atmete durch, als der Explosive sich ein wenig von dem Geisterhaften entfernte und auf dessen fettigen, langen Haaren hängen blieb. Die Augen dieses Gruselwesens waren betörend schrecklich.
      "Ist ja schon gut...Meine Güte...Bro got no chill, ay?"
      August knurrte Unverständliches ehe er zu Ember sah.
      "Tja...Die Creme de la Creme. Nr. 8, die Stärke oder Adrian Lupescu. Ein Meister der Illusion. Und Nr. 13, der Tod. WIr kennen ihn als Quinnton R. Bloodstayne. Er beherrscht aus irgendeinem Grund Explosionsmagie."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Blick folgte der Richtung, in die August kurz winkte und entdeckte Emmett mit einer Dame an seiner Seite. Bevor sie jedoch etwas dazu sagen konnte führte August sie etwas abseits und stellte sich abschirmend vor sie. Auch dies hinterfragte sie nicht, allerdings konnte sie ihre Verwunderung in Anbetracht des Magazins nicht vertuschen.
      "Seit wann steckst du mir Munition zu?", fragte sie und ignorierte völlig seinen witzig gemeinten Kommentar. "Ich hatte vorhin schon das Gefühl, dass hier wieder etwas vor sich geht und du es mir nicht sagst. Was ist es?"
      Doch anstelle einer Antwort lenkte der Arkana das Gespräch einfach auf eine Person. Recht widerwillig folgten ihre Augen dem Zeigen zu einem südländisch wirkenden Mann, der scheinbar für das einzige Funkeln in dem sonst recht dämmrigen Raum sorgte. Für ihren Geschmack war das zu viel Schmuck für eine Person, aber wenn es demjenigen gefiel sollte es eben so sein. Trotzdem runzelte sie die Stirn als sie versuchte an dem Funkeln des Goldes hindurchzusehen. Irgendwie sah der Mann... falsch aus. Aber mit einem ehrenhaften Mann konnte man besser umgehen als mit einem voll Überraschung steckenden Unheilsbündel wie Emmett es in ihren Augen mittlerweile war. Sie würde August um ein paar weitere Informationen bezüglich des Arabers fragen. Vielleicht erwies er sich als Anlaufpunkt, um Wurzeln zu schlagen.
      Weiter kamen sie beide allerdings nicht als eine laute Stimme durch das tosende Gemurmel brach und sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zog. Die folgenden Sekunden wirkten wie der Auszug aus einem schlechten Film und sorgten bei den meisten Anwesenden einfach nur für eine dementsprechend miese Laune. Für Ember jedoch war es mehr als man auf den ersten Blick vermuten würde.
      Ohne es zu merken umfasste ihre Hand Augusts Arm ein wenig fester. Es lag kein Hass oder Furcht oder Abscheu in Embers Gesicht als sie zu dem Mann starrte, der sich als die Nummer Dreizehn entpuppte. Vielmehr schien sie abzudriften, etwas zu sehen, was gar nicht da war. Als würde sie einem Phantom hinterher sehen.
      Während ihrer beruflichen Laufbahn hatte sie mehrere Explosionen miterlebt und selbst verursacht. Der Knall, der Lärm, oder das Fliegen von Einzelteilen erschütterten sie nicht mehr. Aber der Anblick, wie es einen Menschen plötzlich zerriss gepaart mit dem Knall löste etwas in ihr aus. Unweigerlich hatte sie den Eindruck, dass ihr ein verbrannter Geruch in die Nase stieg. Der typisch beißende Geruch von versengtem Haar und brennendem Fleisch, dazu der eiserne Gestank des Blutes, der ganz sicher niemals zu ihrer aktuellen Position dringen können würde.
      Jäh musste sich Ember daran erinnern, dass es alles nur Eindrücke waren, die ihr Unterbewusstsein ihr vorsetzte. Dass es nicht das Gleiche war, dass der Kerl nicht derselbe war. Die aufkeimende Übelkeit konnte sie nicht so leicht von sich weisen. Erst danach fiel ihr der andere Arkana auf, den sie zuvor gar nicht beachtet hatte. Hastig legte sie ihren Fokus auf ihn und seine leuchtenden Augen, die es vermochten, sie etwas abzulenken. Trotzdem verriet ihr leicht beschleunigter Atem, das noch immer nicht alles gut war.
      "Wow, der muss ja sehr beeindruckend sein wenn er diesen Macho da so leicht unter Kontrolle bekommt. Was für Illusionen hat er dir gezeigt?", fragte sie August, den sie immer noch nicht losgelassen hatte.
      Insgeheim betete sie, dass er einfach etwas erzählte. Irgendetwas, das ihr Unterbewusstsein beschäftigte und sich von den Eindrücken löste, die ihr wie alte Bekannte in den Sinn kamen und ganz bestimmt nicht echt waren.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August entspannte sich nicht wirklich, auch wenn Lupescu das Ganze recht gut unter seine Kontrolle bekam. Der festere Druck auf seinem Arm trug zu seinem Ungleichgewicht bei wenn er ehrlich war. Es war verwunderlich, Ember äußerlich im völligen Gleichgewicht zu beobachten obgleich es innerlich in ihr brodelte. Ruhig legte er seine Hand auf ihre und murmelte kaum hörbar:
      "Ruhig..."
      SChweigend betrachtete er die sich auflösende Szenerie, in der Bloodstayne sich von den anderen entfernte. Die junge hatte sich zwischenzeitlich aus seinen Fängen gelöst und war wieder zu den Bediensteten zurück gekehrt. Offenbar hatte er sie draußen einfach mitgenommen. Warum mussten Amerikaner immer so sein?, fragte sich August mit einem Kopfschütteln als der Besagte ebenfalls kopfschpüttelnd an ihnen vorbei marschierte. Er überragte selbst August um gut eine Haupteslänge, als er an ihm vorbei ging und doch kurz innehielt.
      "Oy, Teufelchen. Na wie gehts wie stehts?", fragte er mit breitem Texanerakzent und beäugte nicht nur den Arkana vor ihm. "Neue Freundin? Sieht gut aus."
      "Verpiss dich, Quinn."
      "Warum so empfindlich, Meister? Bisschen Schiss vor der Tagesordnung?"
      Für einen kurzen Moment blitzte etwas in Augusts Augen auf, das jede Bestie zu einem fiependen Ungetüm werden ließ. Wütrend schluckte er seinen Ärger hinunter und versuchte so etwas wie ein Lächeln aufzusetzen.
      "Ich würde dir raten, einfach weiter zu gehen", bemerkte er. "Denn sonst reiße ich dir die Kniescheiben raus und schiebe sie dir in den Arsch, haben wir uns verstanden?"
      Für eine Sekunde sah es so aus als würde es Quinn einen SCheiß interessieren. Interessiert leuchteten seine Augen blutrot auf und er holte bereits Luft um einen entsprechenden Konter zu geben, als ihn eine Hand auf der Schulter berührte. Die Nr. 4 stand hinter ihm und lächelte beinahe liebenswürdig zu ihm hinauf.
      "Na, na", mahnte dieser mit ruhiger und stark akzentgemischter Stimme. "Wir wollen uns nicht streiten, nicht wahr? Sonst muss ich wieder Leute verarzten und dabei werde ich unleidlich. Wie wäre es also, wenn du mir folgst und mir von den Attacken auf New York erzählst"
      "Scheiß auf die Attacken, ich will hiaaaaaaa"
      Gib einem Arzt nie eine Waffe oder die Möglichkeit in den Krieg zu ziehen. Es hatte nur einen sanften Druck einer Hand gebraucht um scheinbar einen NErv zu blockieren und Schmerzen auszulösen. So große, dass der Amerikaner in die Knie ging und nach der peinigenden Hand schlug, die sich ihm genähert hatte.
      "Gut, das wir einer Meinung sind", bemerkte Hakim liebenswürdig und grinste August und Ember an, ehe er sich nickend mitsamt dem Amerikaner verabschiedete.
      "Heilige Makrele...", flüsterte August. "War ganz schön knapp, nicht wahr?"
      Ein schmales Lächeln fuhr über sein Gesicht, ehe er sich näher zu Ember brachte. Einerseits um sich zu beruhigen, andererseits um den Schein zu erwecken als seien sie einfach ein turtelndes Pärchen, das die Zeit tot schlug.
      "Also...", flüsterte er. "Du wolltest wissen, was hier los ist. Die Tatsache, dass ich dir Munition zustecke ist wirklich reinste Vorsicht. An einem Ort, wo 22 Rogues zusammenkommen, die die Welt als bedrohlich einstuft, können Zwischenfälle passieren. Das nennt sich hier Politik. Zum anderen Teil..."
      Er hielt inne um einen anderen Arkana, besagten Japaner, kurz mit einer leichten Verbeugung zu grüßen. Anschließend sah er Ember wieder an.
      "Es ist so: Bei jedem Treffen wird der Sprecher in seinem Amt bestätigt. Und heute gibt es das erste Mal seit Langem die Anzeichen, dass man mich meines Amtes entheben will. Das wäre an sich nicht so schlimm, aber die Tatsache, dass die Möglichkeit bestünde, dass so Jemand wie der Richter oder der Ami an die Macht kommt, ist eine Aussicht die ich nicht teilen möchte. Der Krieg steht auf Messers Schneide und jeder von ihnen brauch nur ein kleines Schlohfeuer damit es hier verdammt qualmt, verstehst du? Deswegen hoffe ich noch Fürsprecher zu gewinnen, damit die ganze Sache hier nicht in einem Bürgerkrieg endet."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ruhig zu bleiben ließ sich einfacher sagen als tatsächlich einhalten. Wie sie es gelernt hatte tat Ember mehrere tiefe Atemzüge, um ihren gleichmäßigen Puls zurückzuerlangen. Das gelang auch - bis der explosive Hüne an ihnen vorbeizugehen gedachte. Und leider innehielt, um erst einen Kommentar zu August abzugeben und schließlich Ember anzusehen.
      Was Ember für ihn übrig hatte schlug ein wenig in die mörderische Ausdruckskraft, die August manchmal an den Tag legte. Obzwar ihre Miene immer noch gezwungen neutral erschien waren es ihre Augen, die die Feindseligkeit mehr als deutlich übertrugen. Doch Ember sagte nichts, mischte sich nicht in andere Angelegenheiten ein und wurde sogar dafür belohnt, als sich ein anderer Arkana einmischte. Der Kaiser, wie sie hinter dem bulligen Amerikaner entdecken konnte. Wäre er nicht eingeschritten, wäre die Ermittlerin bei den rot glühenden Augen dermaßen alarmiert gewesen, dass sie für den weiteren Ausgang nicht mehr hätte garantieren können.
      Erst als der Ami unter der Berührung einknickte entspannte sie sich merklich wieder. Sie brauchte jedoch einen Moment bis sie sich auf den schweren Akzent einschießen konnte, empfand die Nummer Vier allerdings als durchaus sympathisch. Jedenfalls sympathischer als die meisten anderen Anwesenden hier. Sie brachte sogar ein schmallippiges Lächeln zustande um das seine zu erwidern ehe er sich mit dem Ami aus dem Staub machte.
      Ember tat es August gleich und suchte regelrecht seine Nähe. Der bekannte Kontakt zwischen ihnen war ein Weg, ihre gegenseitige Anspannung effektiv wieder herunterzuschrauben und so lehnte sie sich regelrecht an seine Schulter an. Dass diese Versammlung durchaus brisant war musste er ihr nicht noch einmal erklären. Irgendwie fand sie es sogar ganz nett, dass August an sie dachte und annahm, ein paar Kugeln könnten ihre zumindest einen Moment lang weiterhelfen. Seine folgenden Worte schafften dann endlich die Ablenkung, die sie sich so sehnlichst erhofft hatte. Wenngleich das Thema nicht wirklich erfreulich war.
      "Man will dich deines Amtes entheben? Warum das?", flüsterte sie in sein Ohr nachdem sie sich ihm vollends zugewandt hatte und sich noch näher an ihn stellte. Ihr Kinn schwebte nur knapp über seiner Schulter während ihre Augen weiter die oberen Ränge nach interessanten Gesichtern absuchte. "Aber stimmt. Wenn ich mir hier so manche Gestalten anschaue, dann wäre ich mir auch unsicher, ob ich die im Rang des Sprechers sehen wollen würde."
      Die beiden Beispiele reichten ihr dafür schon vollkommen aus. Den Amerikaner hatte sie gerade eindrucksvoll miterlebt. Der Richter hingegen würde den ein oder anderen Fürsprecher gewinnen können. Immerhin besaß er einen nicht unermesslichen Einfluss, die potenzielle Macht und das Wissen für das Amt. Durch die letzten Vorfälle würde sein Urteilsvermögen jedoch getrübt sein und einen Bürgerkrieg vermutlich noch befeuern. Wer würde die Welt noch brennen sehen wollen und sich um das Amt scheren?
      "Das klingt so, als hätte jemand damit gerechnet, dass diese Versammlung einberufen wird. Das Timing, mit dem die Familie Prestegards getötet worden war, ist doch schon fast zu perfekt oder nicht?"
      Sie trat noch einen Schritt näher an August heran und legte einen Arm an seinen unteren Rücken.
      "Wer zweifelt denn deine Position offenkundig an?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August musste beinahe lächeln, als er den Kontakt um seine Hüfte bemerkte. Eine altvertraute Nähe und Wärme schlich in seine Glieder und hätte ihn beinahe vergessen lassen, wo er war. Seine Lippen waren so stark aufeinander gepresst, dass sie eine schmale, weiße Linie bildeten, während seine Augen fahrig den Raum absuchten.
      Wenn man jedoch genau hinsah, bemerkte man diese Grundanspannung bei grundsätzlich jedem Arkana. Als würde man sich eigentlich gar nicht hier aufhalten wollen, da man befürchten musste, alles zu verlieren, wofür man gearbeitet hatte. Ein leichter Schweißfilm stand auf seiner Stirn, während er Ember ansah.
      "Vermutlich gefällt es ihnen nicht wie ich die Dinge regele", begann August wispernd an ihrem Ohr. "Ich war immer ein Freund davon, zunächst den eigenen Standpunkt auszuloten, ehe man sich in sinnlose Attacken ergibt. Seit den neuesten Eregnissen um die Sharokh und die Attacken auf die weltweiten Rogues wurden immer mehr Stimmen nach Satisfaktion laut. Auf meinen Hinweis hin, dass man die Ermittlungen der Polizei abwarten möge und entsprechende Gruppen entsenden sollte, kam dieses Treffen zustande. Ich denke, es wird ein Misstrauensvotum geben."
      Warum dachte er? Es war längst beschlossen. Zumindest wenn er sich die Stimmung hier ansah, wirkte es beinahe merkwürdig geschlossen. Eine Front gegen August. VIelleicht auch noch gegen seine Vertrauten. Er entdeckte endlich Beauregard in der Masse und nickte ihr kurz zu. DIese jedoch war damit beschäftigt, einen verwirrten Blick zu Ember zu werfen und gleichsam denselben Blick zu August zu schicken.
      Dieser zuckte nur grinsend mit den Achseln und erntete ein Kopfschütteln, ehe sie anderen Hallo sagte.
      "Erscheint sehr perfekt, ja", murmelte August. "Deswegen wollte ich unbedingt Ermittlungen anstellen, aber ich konnte entsenden wen ich wollte, sie überlebten nicht."
      Er schlang seine Hand ebenfalls um ihre Hüfte und spürte ihre Lippen durch den Ruck, der durch ihren Körper ging direkt an seinem Ohr.
      "Siehst du ihn?", fragte er und wies auf einen alten Mann mit buschigem grauen Bart. "Das ist Henry Duffy, Australien. Bekannt dafür, Barrieren erschaffen zu können. Wir hatten mal einen Kampf miteinander in seiner Jugend und seither ist er nicht gut auf mich zu sprechen. Auch in Sidney gab es Attacken auf Rogues und er wünscht sich eine direkte Konfrontation."
      Anschließend fuhr seine Hand beinahe unbemerkt in ihren Nacken und drehte sachte ihren Kopf in eine andere Richtung.
      "Eine weitere Kritikerin ist die Sonne. Herrscherin über das Fuchsfeuer. Sie hat in Brasilien bereits erste Caster zur Strecke gebracht, weil man ihren Mann getötet hat. Übrigens war ihr Mann weder Rogue noch Caster. AUch sie will einen offenen Krieg,. Und zu guter letzt wäre es natürlich der Richter selbst, vermutlich. Nach der Offenbarung der Opfer ist angeblich derart ausgerastet, dass es den Untergrund beinahe zerlegt hätte und wir hierher ausweichen mussten. Normalerweise gibt es hierfür ein Amphitheater. Er wird für einen Krieg stimmen. Und keiner weiß, wie sich die Welt positioniert. Sie ist meine letzte Hoffnung, sozusagen."



      Spoiler anzeigen
      in den oberen Rängen befinden sich Der Gehängte (Armah), Der Turm (Japaner) und Mueller

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ganz unverhofft und beiläufig erhielt Ember die Bestätigung zu einer ihrer Vermutungen. August war in dieser Gesellschaft nicht derjenige, der auf eine offene Konfrontation aus war sondern derjenige, der ausufernden Feuer in Schach hielt. Er hatte ihr schon einmal berichtet, wie fragil dieses Gefüge unter ihnen war. Doch jetzt gerade in diesem Moment, wo sie inmitten dieses Pulkes an aufgewühlten mächtigen Zauberern stand, verstand sie den vollen Umfang zum ersten Mal vollständig.
      Wenn August das Misstrauensvotum verlor würden dich die Arkana für eine offene Konfrontation aussprechen und einen Krieg auslösen.
      "Es geht ihnen nicht schnell genug. Wir sind zu langsam für die massiv steigende Zahl an Angriffen", gab Ember zu und friemelte nachdenklich am Saum von Augusts Weste herum.
      "Wenn du sagst, du kannst entsenden wen du willst und keiner überlebt's, was ist dann mit mir?" Die Frage kam ihr sprunghaft in den Sinn. Nüchtern betrachtet war sie vielleicht sogar näher dran als die meisten anderen und ihr war noch nichts zugestoßen. "Ich glaube, ich könnte mit ein wenig Zeit mehr Licht ins Dunkel bekommen. Und bisher geht's mir hervorragend."
      Ihre Augen fanden auf den oberen Rängen Mueller. Den kannte sie noch von den Angriffen der Angeli. Dass er damals August als Hilfe beistand war zwar kein Garant für seine Unterstützung, aber vielleicht war seine Fürsprache nicht völlig bei den Haaren herbeigezogen. Eva würde sich mit Sicherheit auf seine Seite schlagen, ebenso wie Emmett. Der Richter wäre gegen ihn, vermutlich auch der kleine Asiate, der sich so rege mit ihm unterhalten hatte. Der Ami war eindeutig positioniert, die Sonne nach Augusts Erzählung offenbar auch. Bones würde höchstwahrscheinlich einfach für das Massaker stimmen und bei dem Großteil der anderen hatte sie schlichtweg keine Ahnung.
      Alles in allem erschien es wirklich nicht sonderlich rosig.
      Ember bildete mit August mittlerweile gefühlt eine Einheit während sie sich weiterhin briefen ließ, auf wen sie zu achten hatte. Es gab noch ein gänzlich anderes Problem, sollte der Rogue in ihren Armen das Votum verlieren. Wenn man sich gegen ihn richtete, wer garantierte dann für die Sicherheit jener, die er seine Verbündeten schimpfte? Es war ein offenes Buch, dass sie beide zumindest auf der gleichen Seite standen, genauso wie Hawthorne und scheinbar auch Siobhan. Von seinen Verbündeten war noch niemand zu Schaden gekommen. Warum hatte er keine Verluste zu verzeichnen?
      "Man hat systematisch den Hass in euren Reihen geschürt", stellte Ember fest. Ihre Lippen kitzelten an Augusts Ohr während sie sprach. "Entweder derjenige hat den Angelusangriff nur als willkommene Vorlage benutzt oder er hat mit ihm gerechnet. Es ist jemand, der vermutlich länger an dieser Ausschreitung plant, jemand der dieses ohnehin schon wackelige Gleichgewicht weiter strapazieren will. Danach müsste ich suchen."
      Der Drahtzieher war vermutlich gar nicht in den Rängen der Polizei sondern etliche Stufen darüber. Entweder er besaß großen Einfluss im politischen oder verwaltungstechnischen Aspekt oder er kannte einfach nur die richtigen Leute und besaß die richtigen Druckmittel. Es musste niemand in der Polizei sein. Zur Hölle, es musste nicht einmal eine einzige Person sein.
      "Du hast mal gesagt, niemand von euch weiß wer die Welt ist. Also ist es ein reines Glücksspiel, wie ihre Entscheidung fällt? Meinst du, sie taucht hier heute auf?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für einen Moment stand Augusts Welt still.
      Als fröre eisiges Feuer den Wind um ie herum ein, fühlte er sich mehr denn je alt und fehl am Platze. Ein Gedanke, der dort nicht hingehörte, schoss durch seinen schlanken Kopf und wirbelte seine Rationalität durcheinander. Müde...Ich bin müde...
      Müde des ganzen Tumults, müde der Feindseligkeiten, müde der Tatsache, dass er nichts daran ändern konnte. Außer einen Menschen auf die Schlachtbank zu führen.
      Seine Augen bohrten sich regelrecht in Embers während er eine Sekunde lang überlegte. Vielleicht waren es auch zehn, die er sie anstarrte und näher zu sich zog. Die Wärme zwischen ihnen beiden war greifbar, während er sichf ragte, warum er das eigentlich tat.
      "Dir mag es hervorragend gehen, aber die Ermittlungen in dieser Sache sind nicht nur lebensgefährlich. Du wirst dich zwischen die Monstren der Monstren begeben und vermutlich den ein oder anderen Abgrund entdecken und überqueren müssen...", murmelte er nachdenklich, während langsam Bewegung in die Meute kam. Man rückte näher zu den Stühlen hin, auch wenn die Gespräche noch nicht verstummten. Bald würde es losgehen.
      "In Ordnung...Ich stelle dich als meine Adjuntantin vor. Vielleicht können wir die Abwahl nicht verhindern,. aber zumindest ein wenig Zeit schinden bis ich eine neue Idee habe...", sagte August und sah schnell zu einem Arkana, den er kurz grüßte.
      "Der Hass..."
      August begann leise zu kichern.
      "Der Hass wird bereits seit Jahrzehnten geschürt, Liebes...Daran lässt sich nicht mehr ändern. Auch wenn ich dir Recht gebe, dass derjenige oder diejenige dies hier von langer Hand geplant haben. Es macht keinen Sinn, oberflächliche Schicksalsbegegnungen zu verfolgen oder gar ihrer HErr zu sein. VErmutlich hat der Strippenzieher den Sharokh Angriff als glücklichen Zufall genommen und vielleicht die Konfrontation ein wenig angeheizt.
      Viel eher besorgt mich die Tatsache, dass ein jeder hier um das Sieben-Wege-Tor weiß, aber letztlich nur wenige es sich trauen zu öffnen."
      Hinsichtlich der Welt zuckte er nur mit den Achseln.
      "Wissen tut es keiner, ob die Welt erscheint oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit steht jedoch hoch. Die Welt gilt als der mächtigste Arkana seit der jüngsten Geschichte, aber nur die Sieben Teufel wissen, wer es ist. Ich habe auch keine Ahnung ob sie wirklich zu oder gegen die Sache steht. Bisher hat sich die Welt zumeist rausgehalten."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember erwiderte Augusts Starren mit mindestens genauso starker Intensität. Irgendwie hoffte sie, etwas in seinen Augen ablesen zu können. Einen Hinweis zu bekommen, irgendetwas, das ihr eine potenzielle Waffe sein würde. Stattdessen traf sie nur auf eine unendliche Tiefe, die sie nicht zu deuten wusste.
      "Mittlerweile habe ich schon so einige fragwürdige Dinge gesehen. Vielleicht fühle ich mich unter all den Normalos deswegen nicht wohl weil ich gar nicht dazu gehöre?", sinnierte sie mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen.
      Manchmal, in den dunklen Stunden wenn sie allein im Bett lag und darüber nachdachte, was sie eigentlich tat oder erreichen wollte, kam ihr die Frage, ob sie vielleicht nicht wirklich an falscher Stelle stand. Sicher, ihr Leben wollte und würde sie nie rücksichtslos riskieren, aber selbst mit dem gehörigen Respekt hier unter den zahllosen Zauberern hatte sie den Eindruck näher an dem zu sein, wofür sie bestimmt war. August sprach wie Ruairi davon, dass sie mehr erreichen konnte als sie glaubte. Sie beide waren Zauberer, die über einen Menschen urteilten. Und vielleicht, ganz vielleicht, hatten beide Männer recht mit dem, was sie in ihr sahen.
      Schließlich bewegten sie Anwesenden im Raum in eher gerichteten Bewegungen. Man brachte zusätzliche Stühle herbei, die man hinter den 21 Sitzen anordnete und das bestätigten vor dem sich Ember insgehein ein wenig fürchtete. August wollte sie als seine rechte Hand vorstellen - damit kam sie klar. Allerdings nur, wenn sie sich im Schutze der Menge auf den Ringen verkriechen konnte. Ehrlich gesagt war sie nicht sonderlich erpicht darauf gewesen, doch so nah an der versammelten Mannschaft an Zauberern zu sitzen. Auf der anderen Seite fühlte sie eine Empfindung, die ihr über die Jahre abhandengekommen zu sein schien: Aufregung. Keine Panik, keine Hysterie sondern eine absurde Art der Vorfreude bei dem Gedanken, dass sich eine zerbrechlich wirkende Nichtmagische verdammt nah in die Reihen der mächtigsten Zauberer der Welt geschlichen hatte.
      "Sieht so aus als würden sich die Hauptakteure nun versammeln", bemerkte Ember und entdeckte einige der ihr bekannten Arkana, wie sie herunter aus den Rängen zu ihren Stühlen kamen.
      Auch die Frau, die am Rande stand, setzte sich in Bewegung. Der großgewachsene Mann folgte ihr wie ein Bodyguard hinüber zu einem Stuhlplatz. SIe nahm auf dem Hauptstuhl Platz, er setzte sich halb neben sie nachdem er den Stuhl verrückt hatte. Also war auch sie eine der Arkana und der Mann vermutlich der Adjutant. Allerdings kam sie Frau Ember überhaupt nicht bekannt vor. In keinen Berichten wurde von einer geisterhaften Frau als Arkana berichtet. Durchaus seltsam.
      Zusammen mit August steuerte Ember ihre beiden Plätze an. Sie ahmte den Mann neben der Arkana nach und setzte sich auf den Stuhl hinter August. Ihre Augen huschten umher, bemüht nicht zu viel zu verraten von dem was sie dachte. Ein gewisses Unwohlsein ließ sich natürlich nicht verstecken als sie ihre Umhängetasche auf den Schoß zog, die Beine überschlug und die Hände auf der Tasche ablegte. Sie hoffte inständig, dass der Richter nichts sagen würde, dass man sie einfach eiskalt übergehen würde. Viel gespannter war Ember jedoch, ob die sagenumwobene Welt wirklich auftreten würde. Das Highlite des Abends.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ein jedes Treffen war gleich. Dieselben Blicke zu Beginn, derselbe Argwohn in den verblassenden Flüsterstimmen und das dasselbe alte Leid, als die Glocke ihren letzten Klang verschlug.
      Die 20 Zauberer und Zauberinnen hatten sich zu den ihnen zugedachten Plätzen begeben und besahen sich des weiteren Schicksals. Die Adjutanten, ihrer gleicher Zahl, nahmen dahinter Platz und Augusts Blick huschte über die noch verbliebenen Zauberer. Zwei Stühle jedoch verblieben leer.
      Der der Nummer 3 und der der Nummer 21. Die Kaiserin und die Welt. Nach einer kurzen Minute des Sammelns schloss der Zauberer am Tisch kurz die Augen, ehe er sich unter dem leisen Ächzen der Tischplatte emporstemmte und in die Menge sah. Augusts gesamte Aura und seine Haltung änderten sich von Sekunde auf Sekunde von Müde und Gebrochen hin zu stolz und gleichsam lehrenden Blickes. DIe Brille verrutschte nicht mehr, jede Bewegung die er tätigte, wirkte passend und ausreichend. Keine zu viel und keine zu wenig. Wie ein geübtes Orchester.
      "Ich grüße Euch, Brüder und Schwestern", nickte er in die Runde.
      Ein sorgsames Nicken beinahe jeden Platzes erhielt seine Aufmerksamkeit, ehe er sich räusperte.
      "Dies Treffen wurde auf Wunsch eines noch fehlenden Mitgliedes dieses hohen Rates einberufen. Offenbar wird sich die Welt verspäten, weshalb ich zunächst der Toten der letzten Wochen gedenken möchte und die Neuen im Rate begrüßen will:
      Verlassen hat uns zu später Stunde im Geiste ihrer Ahnen Mrs. Chang Yu Ping, die Kaiserin. SIe diente treue 42 Jahre im Amt des Arkana und wurde durch ihre gnädige Arbeit hinsichtlich der Gleichberechtigung unserer Art verdient. Sie starb friedlich und behpütet im Kreise ihrer Familie. Ehre ihres Namens."
      Die gesammelten Zauberer neigten ihr Haupt und begannen unverständliches zu murmeln. Für Ember murmelte August ein wenig lauter:
      "Ich gedenke dir, Schwester", brummte der Zauberer und sah anschließend zur neuen Nummer 1. "Ich heiße willkommen: Mr. Alexandre Dumas aus Lyon, die neue Nummer 1 der Arkana, nachdem uns Monsieur Cheval nach einer Auseinandersetzung verlassen musste. Ich gedenke meinem Bruder und heiße den neuen Willkommen. Selbiges gilt für die neue Nummer 11 dieses Kreises. Lange war der Posten vakant doch mit Ms Merenguez haben wuir endlich wieder Jemanden in diesem Kreise. Ich heiße dich willkommen, Schwester."
      Zu jedem der Veränderungen wurde entsprechend zustimmend oder gedenkend gemurmelte, was selbst die Querulanten unter den Zauberern zu tun wussten. Es war dies unsichtbare Band was sie alle einte. Waren sie noch so unterschiedlich aber sie alle trugen die Last des Todes und die Schwierigkeiten ihrer Art mit sich.
      August wollte sich erneut räuspern und zum nächsten Punkt übergehen, als er selbst unterbrochen wurde. Der Richter hatte sich von seinem Platz erhoben und sah August an. SO erschien es. Jedoch ruhte der Blick der kalten, blauen Augen auf Ember, die so selbstherrlich in dieser Runde saß.
      "Ich habe einen Antrag vorzubringen!", tönte der Richter und sah August herausfordernd an.
      "Ich höre dich, Bruder."
      "Ich möchte gedenken", murmelte er, wobei sein Murmeln eher einer startenden Kettensäge glich. "Der Opfer der rücksichtslosen Attacken auf die Familien der Rogues der letzten Tage. Die Toten, die wir nicht begraben durften. Deren Leiber wir nicht fanden. Deren Herzen wir verbrannt aus der Asche dieses Wahnsinns holen mussten."
      Kaum Jemand bemerkte die Träne, welcher der Sonne über die Wange lief, aber Jeder sah ihr Nicken, dem sich alsbald die Mehrheit der Arkana anschlossen.
      "Es ist unüblich", bemerkte August und sah Prestegard für einen Moment an. "Ich höre dich, Bruder. Wir gedenken der Opfer dieser Bluttaten."
      Erneut ging ein Raunen durch die Gemeinschaft, ehe sich August wieder setzte und in die Runde sah. Der Richter hatte derweil wieder Platz genommen und fixierte Ember noch immer wütend. Seine Wut war beinahe greifbar, als er wieder August ansah, der bereits das Wort erhoben hatte.
      "Ich erkenne die heutigen Gründe der Versammlung an und bitte, den Verfasser des Hauptpunktes um das Wort", betonte er die Phrase des Buches.
      "DIe Welt ist nicht hier, Teufelchen!", grinste Quinnton und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, dass dieser knarzte. "Wer nicht hier ist, kann keinen Antrag stellen. Also was soll dieser Schwachsinn?!"
      "Für dich ist immer alles Schwachsinn, nicht wahr?", fragte die Sonne bitterböse. "Es geht um unserer Familien, du unterbelichteter Scheißhaufen! Mag sein, dass du außer deinen Huren nichts hast, aber mir wurde wie Kjetil etwas unersetzbares gestohlen! Von Castern! Die uns für die Wilden halten!"
      "Naja, sind wir ja auch", murmelte der Amerikaner und bohrte in der Nase. "Wir sind Tiere für sie nicht wahr? Ich sage, warum nicht so handeln? Kjetil hat es doch eh schon getan! Nur die Polizisten hast du noch nicht erwischt, die es waren oder?"
      "Quinnton...", mahnte August. "Provokationen werden nicht geduldet."
      "Sprach der Exsprecher!"
      "Noch bin ich es!", zischte Foremar und sah ihn böse an. Erstaunlicherweise meldetete sich Lupescu zu Wort in dem er sich leise räusperte. Noch erstaunlicher war die Tatsache, dass das Räuspern wie ein Donnern erklang.
      "Er hat Recht...", murmelte der Rumäne. "Noch ist er Sprecher und sein Wort gilt, Bloodstayne."
      "Na super...Der Freak aus Transsylvanien ist auf deiner Seite, Teufelchen, ist das nicht fantastisch?!"
      August überging die Beleidigung, während so langsam lautstarke Diskussionen ausbrachen. Menschen riefen durcheinander, selbst die Adjutsanten begannen mit den Diskussionen untereinander, wärhend sich Meinungen und Beleidigungen abwechselten.
      Dies endete erst als die Glocke erneut ertönte.
      August hatte sie mittels seiner Magie geläutet sodass die Meute verstummte.
      "Ordnung, meine Damen und Herren! Ich verlange Ordnung!"
      Als hätte das jemals funktioniert. Erst mit einem gewaltigen Knall, der einer Explosion glich,verstummte die Menge und blickte zugleich zum Kamin zurück, aus dem sich jetzt eine Gestalt schälte.
      Eine junge Frau, um genau zu sein. Zumindest erschien es so. Die Frau wach hochgewachsen und trug ein elegantes Kleid zur Schau, welches in merkwürdig unpassenden Turnschuhen endete. Das ebenmäßige Gesicht zierten wache, hellblaue Augen und der voluminöse Mund glich einem Lachen.
      Mit ihrem Auftauchen erbleichte August zunehmend udn warf einen panischen, beinahe wütenden Blick zu Ember, ehe er die neu Ankommende ansah.
      "Was..."
      "Ach, nun sei nicht so überrascht", grinste die Frau und setzte sich auf den leeren Platz, direkt gegenüber von August.
      Die Nummer 21 war also tatsächlich erschienen.
      "Nun, da der Sprecher offenbar die Sprache verloren hat, stelle ich mich euch kurz vor. Mein Name ist Siobhan MacAllister. Und ich bin die Welt. Freut mich sehr, euch alle endlich einmal kennen zu lernen."
      Ihre Stimme war wohlklingend und gleichsam wie ein Schwert, während August sich setzte und für einen Moment wie erschossen wirkte. Erneut. Erneut betrogen.


      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember hatte gerade einmal ein paar Minuten Zeit, sich die einzelnen Gesichter der Arkana einzuprägen. Ihre Augen machten aufmerksam die Runde, während sie ansonsten völlig still und regungslos auf ihrem Stuhl verharrte. Bis sie schlussendlich am Richter hängen blieb, der sie mit einer unvergleichlichen Intensität anstarrte. Doch sie hielt dem Blick stand. Eindrucksvolle Blickduelle war sie wirklich gewohnt und wähnte sich in diesem Bereich zumindest halbwegs sicher.
      Allerdings löste sich ihr Blick von Prestegard als August zu sprechen anfing. Der jähe Wechsel in seiner Ausstrahlung überrumpelte sie ein wenig, selbst wenn sie nur seinen Rücken sah. Aber seine Stimme war ein eindrucksvolles Werkzeug, das sie so bisher nur ein einziges Mal gehört hatte. Noch immer unbeweglich lauschte Ember der fortschreitenden Versammlung und war sich nicht sicher, ob sie es sich so jemals vorgestellt hatte. Tatsächlich wirkte es auf sie unfassbar seriös und absolut nachvollziehbar. Das Wort ehrenhaft wagte sie nicht in den Mund zu nehmen, aber es schlug diese Richtung ein.
      Zumindest bis sich der Richter erhob und er wieder Ember in den Boden starrte bevor er das Wort an August richtete. Wie sollte sie ihm signalisieren, dass es sie mindestens genauso traf? Dass sie nicht selbstgefällig hier saß und sich insgeheim ins Fäustchen lachte, dass hier unten Menschen saßen und ihre Angehörigen betrauerten? Es nicht einmal oben in aller Öffentlichkeit tun konnten?
      Diese Gedanken erschienen auf Embers Gesicht. Sie konnte seinem Blick nicht ausweichen und würde es nicht. Er sollte sehen, dass sie all diese Vergehen sah und sich nicht hinter der restlichen Polizei verschanzen würde. Auch sie wollte den Verantwortlichen finden, allerdings würde sie die paar Caster, die noch immer im PD einsaßen, nicht dem Richter auf der Schlachtbank präsentieren.
      Immer wieder hätte sich Ember am liebsten kurz eingeschalten, aber sie tat es nicht. Wahrte den Abstand, spielte den Schatten, der lediglich eine unsichtbare Stütze in Augusts Rücken war. Das war alles, was sie hoffen konnte für ihn zu sein in diesem Augenblick, als die Stimmung hochkochte und ein Donnern sie zusammenzucken ließ, das scheinbar von Lupescu gekommen war. Sie hatte nicht einmal gemerkt, dass er in irgendeiner Art und Weise Magie genutzt hatte.
      Wieder brandete ein Sturm an Stimmen auf, dem August nur Herr wurde indem er die riesige Glocke läutete, die allerdings nur marginal Abhilfe leistete. Vor ihren Augen verlor sich die Sittlichkeit und wich einem Chaos, dem sie wohl schlecht Einhalt gebieten konnten. Das mussten sie allerdings auch gar nicht, denn ein neuer Knall, ein anderer als zuvor, erschütterte den Raum und forderte die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden.
      Eine Frau schälte sich aus dem Kamin mit einem atemberaubenden Kleid und dazu völlig unpassendem Schuhwerk. Noch hatte Ember die Stirn gerunzelt als sie den Neuankömmling musterte und für einen winzigen Moment lang eine Parallele zwischen ihren hellblauen Augen und denen von Ruairi zog. Es war allerdings der Blick Augusts, der Ember wahrlich irritierte. Die Mischung an Emotionen in seinem Blick konnte sie auf die Schnelle nicht deuten und ein leichtes Schütteln ihres Kopfes sollte dies auch verdeutlichen.
      Als sie jedoch Platz auf dem Stuhl der Welt nahm richtete Ember sich unmerklich weiter auf. Tatsächlich war die Welt aufgetaucht und entpuppte sich als eine Frau ihren Alters. Oder zumindest augenscheinlich ihres Alters. Es bedurfte allerdings der Nennung ihres Namens, damit auch aus Embers Gesicht buchstäblich alles abfiel.
      Ember starrte Siobhan völlig vor den Kopf gestoßen an und störte sich nicht einmal daran, dass August sich setzen musste. Es dauerte ein paar Sekunden, dann brach ein Tsunami an Fragen über sie herein. Nicht nur, dass das eine Partnerin des Dusk and Dawn sein sollte. Niemand hatte gewusst, dass sie angeblich die Welt war. Was war mit ihrem Bruder? Wusste er es und hatte es nur perfekt überspielt? Ember eingelullt, wie sie befürchtet hatte? Oder war die Welt tatsächlich nicht nur eine Person, sondern zwei?
      Viele mochten Siobhans Stimme als wohlklingend beschreiben, doch für Ember war sie rau wie Schleifpapier. Ein beißender Geschmack trat auf ihre Zunge während sie die Nummer 21 mit zu vielen persönlichen Fragen gelöchert hätte, die hier ganz sicherlich nichts zu suchen hatten. Aber besaß Ember generell das Recht auch nur das Wort zu erheben?

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August fing seine Fassung recht schnell wieder ein, als er sich aufrecht und beinahe steif in seinen Sessel begab und Siobhan anstarrte. Diese vermaledeite...
      Hätte er ansatzweise geahnt, wer dort vor ihm gesessen hat zu damaligen Zeiten, er hätte sie aus seinem Versteck gejagt. Stattdessen saß sie nun wie selbstverständlich hier und ließ die Augen über die Anwesenden fahren. Beinahe kurz erkannte er eine Art von Erkenntnis in ihrem Blick, als sie Ember streifte, aber das mochte man sich einbilden.
      "Nun...", begann August, bemüht um Fassung. "Sodann sind alle anwesend. Die Welt ist erschienen und wir heißen sie erneut in unserem Kreise Willkommen."
      "ADJUTANTENFRAGE!"
      Die Stimme war laut und durchdringend und kam von einem der jungen Männer hinter der brasilianischen Delegation der Sonne. Augusts Blick wanderte neben dem der anderen zu dem jungen Mann, der mit leuchtenden Augen seine Hand auf Kinnhöhe hob. Mit einem leichten Nicken wandte sich August an das Plenum.
      "Ich lasse die Frage zu."
      "Woher wissen wir, dass sie wirklich die Welt ist? Ich meine, niemand hat diese je zu Gesicht bekommen. Wer weiß, ob das alles hier nicht ein meisterhaftes Schmierentheaterstück ist?"
      Foremar wartete den Verklang der letzten SIlbe ab und richtete sich an die anderen. Jedoch zu einem Worte kam er nicht, da Bloodstayne loszulachen begann. Ein weiteres Kichern durchlief den Raum, sodass der Adjutant irritiert zu Boden sah. Dennoch, nachdem das Lachen verklang, richtete sich Bloodstayne an die Gemeinschaft.
      "So lustig es ist, wenn so ein Schmalspur-Rogue eine Frage stellt, hat er nicht ganz Unrecht. Woher weiß, dass du meine geschätzte Kollegin bist? Ich meine...Wir kennen dich nicht."
      "Das ist korrekt", bemerkte Siobhan. "Ihr kennt mich nicht und das irritiert euch. Zurecht möchte man meinen. Und dennoch kenne ich einen jeden von euch! Ich weiß um Eure Stärken, Schwächen und auch um die Gebiete die ihr schützt und verwaltet. Ich weiß von den Attacken auf Eure Liebsten und Freunde und ich weiß auch wie groß der Hunger in einigen vion euch ist, das Zepter endlich zu erheben.
      Ich BIN die Welt, ihr Arkana. Ich bin und war es seit geraumer Zeit. Ich habe mich nicht gezeigt, da ich mir erhoffte, ein normales Leben neben meinem zu leben. Und ich muss sagen...Es ist mir nicht gelungen."
      August nickte und sah sich um.
      Der Richter blickte zufrieden zu August und das sorgte für ein behändes Zucken seines Auges.
      "Ich traue ihr nicht", bemerkte Mueller, während er an seinem Schnauzbart herum zwirbelte. "Wo warst du, als wir uns diesen Höllengeistern stellten?"
      "Ich war dort, wo man mich brauchte: Ich schützte die Meinen."
      "Und warum nicht in London?"
      "Ihr wart alle dort. Was hätte meine Wenigkeit noch besser tun können als die Fähigsten von euch?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember brauchte einen Moment länger als August, um sich halbwegs auf die Unterhaltung wieder einzustellen. In Windeseile musste sie ihre Gedanken ordnen und unter den Millionen Fragen jene aussuchen, die gerade am ehesten ihre Daseinsberechtigung hatten. Es war der junge Mann hinter der Sonne, der mit seiner gebrüllten Frage Ember dabei ein Stückchen half. Denn diese Frage war durchaus berechtigt. August und sie selbst wussten um das, was Siobhan konnte. Aber was war mit den anderen Anwesenden?
      Für Ember war Siobhans Erklärung bei Weitem nicht genug. Es klang eher nach einer dürftigen Ausrede und nach Behauptungen, die niemand so unterschreiben konnte. Man würde sich auf haltlose Worte ihrerseits verlassen müssen, wenn man ihr traute. Scheinbar war das auch der Fall bei Prestegard, der mit einem zufriedenen Ausdruck zu August und Ember herübersah. Sie selbst verzog ein wenig das Gesicht als die Welt mit nur einem Satz einen validen Grund nannte, warum sie nicht in London geholfen hatte.
      "Ich schließe mich Mueller an", erklang dann eine sehr weiche und sehr ausdruckslose Stimme zu ihrer Seite. Es war die geisterhafte Frau, die sich bisher aus allem herausgehalten hatten und deren Adjutant, der großgewachsene Mann, ungewöhnlich nah an ihr herangerückt war. "Es ist nachvollziehbar, wenn man seine Liebsten schützen will. Ich war selbst auch nicht hier als es geschah. Weil es mich nicht tangierte. Aber zu wissen, wer wir sind oder was wir wollen kan man mit genug Einsatz selbst herausfinden. Das rechtfertigt noch lange nicht, dass wir unser Misstrauen fallen lassen sollten."
      Sie sprach derart monoton, dass man annehmen konnte, es würde sie alles langweilen. Aber ihr Blick war ungebrochen auf die Fremde im Raume gerichtet und ungetrübt von Hass oder Trauer. Helena Atroska hatte keine Liebsten, die sie verlieren oder beschützen müsste. Sie zog sich aus allem zurück und war widerwillig in den Reihen der Arkana gerutscht.
      Was machte die Welt eigentlich zur Welt? So wie sie es gerade beschrieben hatte, wusste Siobhan einfach viel zu viel. War sie allwissend? Das dürfte ihre Fähigkeit jedoch nicht mitbringen. Oder... enthielt sie ihrem Bruder sogar noch mehr vor?
      "Adjutantenfrage."
      Ember sagte dieses Wort relativ leise, aber entschlossen. Noch immer musterte sie Ruairis Schwester, wobei sie kurz zu August schaute damit er ihre Frage, wie bei dem Anderen, freigab.
      "Ich nehme an, du wirst gleich noch genauer erläutern, warum du diese Versammlung einberufen hast. Aber warum erst jetzt, Siobhan? Warum musste der Angelusangriff mit seinen unzähligen Toten dafür sorgen, dass diese Unruhen überhaupt erst ausgebrochen und nun Rogues und deren Angehörige wie Vieh gejagt werden? Du hättest vermutlich den ganzen Angriff im Keim ersticken können. Es hätte nicht zu den Anschlägen kommen müssen. Du sitzt mit deinem Bruder buchstäblich ander Quelle. Es dürfte dir ein leichtes sein, die Caster herauszuholen, die die Prestegards getötet haben. Vermutlich könntest du sogar herausfinden, wer diese Angriffe eingeleitet hat..."
      Eigentlich wollte Ember fragen, in wie weit Ruairi involviert war. Aber da sie bereits als Argument genannt hatte, dass sie ihre Liebsten zu schützen suchte, würde es sie nur unnötig reizen wenn sie Ruairi mit einbezog. Siobhan hätte so vieles vereiteln können...

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Einen Moment lang war August verwirrt, als er die Stimme hinter sich zu hören glaubte. Vielleicht wollte er es auch einfach nicht wahrhaben, dass Ember ihr gerade besprochenenes Vorgehen bereits wieder über den Haufen warf, aber Prestegards Reaktion zeigte ihm, dass er durchaus nicht fehlgehört hatte.
      "Das ist...", begann der Richter sich zu empören doch August unterbrach ihn.
      "Ich lasse es zu!"
      Die Worte troffen regelrecht von Kälte und selbst der Blick, den Foremar und der Norweger austauschten kam dem sibirischen Winter mühelos bei. Es fehlte nur ein Tropfen, und die Arkana würden sich an die Gurgel gehen. Der symbolische Tropfen blieb zwar aus aber der überraschte Blick Siobhans wog das ganze Palaver auf. Es brandete nicht nur Erkenntnis sondern gleichermaßen Wut in ihrem Blick auf, als sie Ember fixierte, während der Kreis der Arkana still wurde. Kein Gelächter breitete sich aus, kein merkwürdiger Zwischenkommentar. Viel eher wurde die Ruhe durch ein rhythmisches Klopfen unterbrochen, das von der Nummer 4 stammte. Hakim klopfte mit seiner Hand auf den Tisch, als würde er applaudieren wollen.
      Gleichsam tat es ihm Mueller gleich und - zu aller Erstaunen - auch Bloodstayne und Bones, die Vertreter Amerikas.
      "Sie hat Recht", bekräftigte der Turm und nickte. "Ich möchte diese Frage erläutert haben, ehe wir dich anhören, Welt."
      Hätten Blicke töten können, so wäre diese Realität vermutlich zerfallen und wie Staub in der Hand vergangen. Dennoch blieb Siobhans Stimme ruhig und gelassen, während sie sich räusperte und zum Sprechen anhob.
      "Weil es genug war", sagte die junge Frau und sah in die Runde. "Ihr wisst, ich habe mich immer aus allem heraus gehalten. Aus jedem Krieg, jedem Zwist und jedem Handel. Mir war es gleich, was ihr tut, solange ihr es nicht in Schottland und den Inseln tut. Ich wollte nur meine Ruhe von all diesen Zwistigkeiten..."
      Das Schicksalsrad spielte mit einem Würfel in der Hand und sah bedeutungsschwanger zu Ember. Das ganze wurde sogar interessant, dachte er und grinste verhalten.
      "Dennoch. Nach den Unruhen und dem Angelusangriff wurde mir bewusst, dass wir eben nicht so leben können. Wir können uns nicht mehr verstecken und wir dürfen es nicht. UNd daher entschied ich, mich doch zu zeigen und der Welt meine Aufwartung zu machen."
      "Warum hast du den Angriff nicht erstickt?", fragte nun mehr Bones, die sie feindselig ansah. "Wir haben gute Leute dort verloren."
      "Ich habe mich nicht eingemischt, weil zu dieser Zeit ein weiteres Tor geöffnet wurde. In Schottland. Jemand öffnete hier ein Teil des Sieben Wege Tores und die Zauberer des Nordens waren mit der Schließung beschäftigt. Ich frage mich jedoch, warum diese Frage nicht nach Brasilien oder Australien ging, die auch nicht zugegegen waren. Oder Lupescu. "
      "Es ist genug", murmelte August. "DIe Motive eines Helfens oder Nichthelfens wurden ausreichend erörtert. Gibt es noch Fragen?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der Fakt, dass Ember Wut in Siobhans Blicken ausmachen konnte, gab ihr eine gewisse Bestätigung. Zum einen, dass sie wohl den richtigen Punkt getroffen hatte und zum anderen wusste sie selbstverständlich, wer sich gerade halb hinter dem Teufelsarkana versteckte. Ruairi hatte seiner Schwester von seiner neuen Freundin erzählt - das konnte man ihm ja auch nicht weiter verübeln. Es war nur die Frage, in wie weit Ember dadurch eine Immunität gegenüber der Welt erreichen konnte. Würde Ruairi überhaupt sauer genug werden falls ihr etwas passieren würde? Vermutlich schon, aber war das noch immer der Fall, wenn sein eigen Fleisch und Blut dafür verantwortlich war?
      Eisern hielt Ember dem Blickduell stand. Jetzt einzuknicken würde ihren Standpunkt untergraben und das würde sie garantiert nicht. Trotzdem war sie erleichter, als die Welt sie nicht mehr in Grund und Boden stierte sondern den Blick in die RUnde schweifen ließ. Zu ihrer großen Überraschung schalteten sich mehr Arkana nach ihrer Frage ein als erwartet und die dementsprechende Überraschung ließ sich nicht aus ihrem Gesicht bannen. Für einen Moment hatte sie nämlich gedacht, das gleichmäßige Klopfen war ein Ritus, den sie einfach nicht kannte.
      Allerdings fiel Ember sofort ein weiterer Punkt auf in Siobhans Ausführung. Dass ein zweites Tor geöffnet wurde, war neu für sie. Auch August hatte kein Wort darüber verloren , nein, eigentlich hatte niemand ein einziges Wort darüber verloren. Sie war nicht so unaufmerksam gewesen als dass ihr eine Meldung darüber nicht zu Ohren gekommen wäre. Das waren Informationen, die einfach nicht publik gemacht worden waren.
      Wieder schaltete sich Ember ein. "Adjutantenfrage, erneut."
      Abermals wartete sie brav auf die Freigabe wobei sie unablässig auf die MacAllister sah. Was konnte sie, von dem Ember nichts wusste? Wo waren die Limits, wie viel wusste eine Arkana, die ihren Platz nie wirklich wahrgenommen hatte und laut ihrem Bruder nur eine einfache Lehrerin gewesen war?
      "Du sagst, du kennst jeden einzelnen hier. Weißt um deren Beweggründe, ihre Stärken und Schwächen. Das klingt in meinen Ohren sehr gut informiert für jemanden, der sich aus allen Streitigkeiten heraushalten will. Wenn du sagst, du warst in Schottlang während der Schließung des Tores, dann wirst du in irgendeiner Form aktiv geworden sein. Du bist genauso als Rogue gelistet wie alle anderen hier, ich weiß von deinem Bruder ein bisschen über dich Bescheid. Dann müsstest du auch wissen, wer das Tor geöffnet hat und warum. Deine Vorstellung vorhin klang so, als wenn du verdammt viel weißt. Ich unterstelle nichts, aber zeigst du dich vielleicht erst jetzt weil du weißt, wer mitunter der Drahtzieher der Anschläge ist?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Es gab in einer Situation Momente, wo August lieber die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen hätte.
      Sicherlich, Embers erste Frage war durchaus klug gewesen und beinahe hätte er sich noch gefreut, dass sie zur Information der anderen beitrug, aber letztlich verblieb es nicht dabei.
      Gerade als er den Mund öffnen und selbst zum nächsten Punkt vorstoßen wollte, hörte er eine erneute Frage aus seinem Rücken. Auch diese ließ er mit einem Nicken zu, wobei der Richter dies nur mit einem Schnauben quittierte.
      Es wäre vielleicht alles noch rettbar gewesen, wenn Ember nicht zwei sehr dumme Dinge gesagt hätte. Noch ehe August etwas tun konnte, hatte Siobhan die Stimme erhoben und ihr Haupt auf zwei gefaltete Hände gebettet.
      "Nun...", begann sie. "Zum Einen sollte Jemand der Adjutantin des Sprechers die Grundregeln dieser Runde erläutern. Denn offenbar ist es nicht bekannt, dass die Motive des Handelns nur bei Taten gegen die Gemeinschaft hinterfragt werden dürfen. Und dies liegt hier nicht vor, es sei denn die Adjutantin kann Beweise vorlegen, dass meine Taten zu den Angriffen geführt haben. Ansonsten sollte man dieses Verhör vielleicht unterbrechen."
      Die Süffisanz ihrer Stimme überschlug sich beinahe ehe sie lächelte.
      "Und die Tatsache, dass du meinen Bruder kennst und Informationen von ihm erhältst, lässt einen weiteren Rückschluss zu. DIe gute Dame dort ist offenbar Mitglied der Metropolitan Police. Denn wie zumindest die britischen und französischen Teilnehmer wissen, ist mein Bruder derzeit Leiter der Magischen Einheit der Polizei und unbenommen von meinen Tätigkeiten. Wie erklärst du es also, dass du eine Polizistin an diesen Tisch bringst, zumal die Opfer in London von Castern der Polizei angegriffen wurden? Einen Menschen an einen Zauberertisch...Wirklich August..."
      Mit einem Mal wandelte sich die Stimmung. August wusste einen Moment nichts zu sagen, ehe Hakim dankenswerterweise das Wort ergriff.
      "Einen Moment, meine Freunde!", rief er über die Masse der Diskussionen und des Raunens hinaus. "Ein Anscheinsverdacht, wie auch gerade, reicht nicht aus, Welt."
      "Ich stütze diese These!", bekräftigte der Richter. "Dies ist Ember Sallow. Sie war beim Angelusangriff auf Seiten der Polizei dabei!"
      "Ich bestätige ebenso", sagte Bones und sah Ember leicht zornig an. Oder war es doch eine Art Augenverdrehen?
      Hakim verschloss den Mund und sah zu August, entschuldigend ersuchend. Foremar nagte an seiner Unterlippe und wusste nicht, was er zu tun gedachte. Ein Dolchstoß war dagegen ein Witz. Seine gesamte Argumentationsgrundlage ging gerade flöten und er tat snichts.
      "Die Motive einer Tat werden nur bei einer Straftat gegen die Gemeinde hinterfragt", begann er laut die Masse an Raunen zu überstimmen. "Ember Sallow ist in der Tat Mitglied der Polizei und dort bereits seit Jahren als Doppelagentin tätig. Sie erhält Informationen und gibt mir diese auf meinen Befehl hin weiter. Ich habe sie bei meiner Freilassung rekrutiert. Sie ist mir hörig. Und obgleich MItglied oder nicht, sie hat diese abscheulichen Taten nicht begangen und verdammt sie wie ich zutiefst."
      Noch immer Zweifel in den Augen.
      "Obgleich ich hiermit Ember Sallow offiziell rüge. Die Motive eines Arkana werden nur bei Straftaten gegen die Gemeinde hinterfragt. Hier wurde eine ungerechte Hinterfragung durchgeführt. Du bist nicht in einem Verhör, Ember Sallow.", sagte er mit fester Stimme und wandte sich an die Gemeinde.
      "Damit ist dem Protokoll Genüge getan..."
      "Einen Moment, August", murmelte Duffy, der Vertreter aus Australien. "Es ist eines, ob sie eine Doppelagentin ist, aber ein Mensch hat an diesem Tisch hier nichts zu suchen...Das musst du doch verstehen. Wer sagt denn, dass sie mit dem Bruder der Welt nicht doch noch anders verbandelt ist?!"
      Ein Stich in Herz, wenn man es so will. Ein Satz, der schlimme Vermutungen wach rief und wenn er sich Siobhans Grinsen ansah, wurde ihm mulmig.
      "Du willst mir Verrat unterstellen, Duffy?"
      Attacke. Er musste attackieren, ehe Duffy Ember fällte.
      "Mir?? darf ich euch verdammt noch mal daran erinnern, dass ich diese Runde ins Leben gerufen habe???", donnerte August und schlug auf den Tisch, dass es hallte. "WIr waren ein wilder Haufen von Soldaten ohne Ziel und Kunde. ICH habe uns an diesen Tisch gerufen. ICH habe die Arkana zu dem gemacht was sie sind! Und ICH habe mit meinem verfluchten Leben mehrfach dafür gezahlt, diese Runde zu erhalten.
      Duffy: Was war in Sidney 1954? Ohne mich wärest du untergegangen!
      Hakim: Was war mit deinem Krankenhaus in den 80ern? Ohne mich wärest du ebenso baden gegangen mit der Idee, wenn ich sie nicht hier verteidigt hätte. DIe Kaiserin würde sich für euch alle schämen, dass ihr mir derartiges unterstellt! Wenn ich sage, dass Ember Sallow mir hörig ist, dann ist sie es auch!"
      "Volltreffer", murmelte Bloodstayne und grinste breit. Seine Augen glühten dabei gefährlich rot und fixierten Ember. "Ich sage, wir töten Sallow und das Thema ist vom Tisch und August rehabilitiert. Wer ist dafür?"
      Einen Moment lang sah man August die pure Mordlust an. AIs würde man ihm den Boden wegreißen.
      Erneut donnerte ein Räuspern durch den Raum.
      "Du bist immer noch nicht Sprecher", murmelte Lupescu, sah aber gespannt zu August.
      Und dieser wusste für einen Moment nicht, was er sagen sollte.
      "WIr sind also wieder beim Punkte, dass wir Tiere sind, ja?", fragte schließlich Mueller in den Raum. Hakim nickte zustimmend. Selbst Merenguez und die beiden Franzosen nickten. "Sobald jemand aus dem Rahmen fällt, töten wir ihn und machen weiter? KOmmt euch das nicht bekannt vor?"
      "Genauso gehen die Caster vor", murmelte Merenguez. Selbst ihr Flüstern war laut und der schwarze Schopf wippte beim Sprechen. "Dann sind wir nicht besser."
      August nickte ihnen beiden zu.
      "Es wird niemand getötet nur weil er anders ist. Diese Gemeinde nimmt andersartige auf und liquidiert sie nicht!", sagte Foremar schwer atmend und setzte sich wieder. Er musste das Problem umschiffen. N ur wie?

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember war in ein angespanntes Schweigen verfallen. Normalerweise hätte sie Wut bei Siobhans süffisantem Lächeln verspürt, aber jetzt gerade füllte sie nichts als eiskalte Leere. Es wurde plötzlich über ihrem Kopf darber entschieden, was man mit ihr anstellte, ob man sie gar leben ließe. Und mit einem Schlag wurde Ember klar, dass es sich so für die Rogues anfühlen musste, wenn sie vor den Scharfrichter geführt und oftmals falsch verurteilt wurden.
      Mehr als ein schweres Schlucken bekam sie nicht zustande.
      "Heißt das aber nicht auch auf der anderen Seite, dass unser Herr Richter die ganze Zeit wusste, wer diese Frau hinter dem Teufel ist und rein gar nichts dazu gesagt hat? Wann wolltest du uns das denn mitteilen, Richter?"
      Aus dem Nichts meldete sich der Streitwagen zu Wort und fingerte an einem kleinen, silbernen Medaillon herum, das vor ihrer Brust baumelte. Sie sah den Richter ausdruckslos an, wenn vielleicht mit einer Prise Neugier in den Augen. Dann schwang ihr Blick zu Bloodstayne, der noch immer mit rotglühenden Augen Ember fixierte.
      "Wenn du unbedingt eine Frau sprengen willst, such dir eine von deinem Fußvolk aus. Wenn du die da in die Luft jagst wird es Fragen aufwerfen, die uns nicht unbedingt in ein besseres Licht rücken... Ich will nicht noch mehr Stress provozieren als ohnehin schon."
      Ember schaute ungläubig zu der unscheinbaren Frau. Was war das denn jetzt für eine Aktion? Die Antwort sollte sie kurz darauf bekommen, als nun die Ermittlerin in den Fokus des Streitwagens geriet.
      "Ich hätte es auch angenehm gefunden wenn man direkt sagt, dass sie nur ein Mensch ist, August. Aber wenn du sagst, sie ist dir hörig, dann wird sie uns doch auch sicherlich jede Frage beantworten, die wir ihr stellen, richtig?"
      Ember nickte. Mehr konnte sie nicht tun.
      "Töten wir sie aufgrund der Tatsache, dass sie ein Mensch inmitten unseres Kreises ist, brechen wir den Kreislauf nicht. Töten wir sie aber weil sie eine Gefahr darstellt, ist das eine andere Angelegenheit. Ich muss gestehen, dass ich es gar nicht mal so schlecht finde, wenn August sich unauffällig Gehör in den Reihen der Menschen verschafft. Er hat dich also nach seiner Freilassung rekrutiert?"
      "Ich war die Einzige, die ihn unter offizieller Erlaubnis aus Evenstar geholt hat und dafür gesorgt hat, das man ihn nicht wieder inhaftiert. Danach habe ich mich ihm angeschlossen und ihm die Erkenntnisse aus der Behörde mitgeteilt", bestätigte Ember die Frage.
      Helena verschränkte die Arme vor der Brust. "Die Menschen würden verdammt viel dafür geben, hier einen Spitzel zu haben und wir hätten jemanden in den direkten Reihen. Welchen Rang bekleidest du?"
      "Leiterin der Antimagischen."
      "Schade. Einen Officer hätte ich gerne explodieren gesehen...", fügte sie leiser hinzu und fuhr sich mit den dünnen Fingern durch die Haare. "Im Übrigen verurteilt ihr gerade einen schwachen Menschen. Die angebliche Welt hat allerdings einen Caster als Bruder in eben jenen Reihen. Für mich ist Blut ja dicker als Wasser, aber ich weiß ja nicht...."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August wusste nicht recht, warum dieses Treffen ein derartiges Eigenleben entwickelte, aber die Tatsache wie es von statten ging, beunruhigte ihn doch sehr.
      Nicht bedingt durch die Tatsache, dass sich Menschen zu Wort meldeten, sondern wie leicht Vorwürfe in die Lauft posauniert wurden. Immerhin, Prestegards Wut konzentrierte sich mal nicht auf Ember und August, sondern nunmehr auf den Streitwagen. Viel wusste August nicht über diese Frau, die sich meist aus allem zurück hielt. Umso erstaunlicher und widersinniger ihr Vorpreschen. So sehr er sich bemühte, er kam nicht umhin, den interessierten Blick des Schicksalsrad in Richtung Ember zu bemerken. Doch Zeit, diesem zu folgen blieb nicht.
      Der Richter jedoch verblieb wie er verbleiben musste. Ruhig und schweigend. Obgleich seine Fingerknöchel sich vor Anstrengung weiß verfärbten, da er sie so anspannte.
      "Sieh an, sieh an...", murmelte Bloodstayne und grinste breit. "Der Bücherwurm ist aufgewacht und versucht sich in einer zivilisierten Unterhaltung. Geb dir einen Tipp, Püppchen: Halt die Füße still. Ich sprenge wen ich will und wann ich will. Der Tag, an dem du, ausgerechnet du!, einem anderen Arkana Verhaltensregeln aufzwingst, muss erst noch geboren werden."
      "Es reicht jetzt!", donnerte August und sah zu den beiden. "Ihr haltet beide den Rand und hört zu. Solange ich Sprecher bin, wird niemand aufgrund eines Anscheinsverdachtes verurteilt. Einen Menschen in diesen Kreis zu bitten widerspricht keiner Regel, oder irre ich mich, Hakim?"
      Der Doktor schmunzelte kurz und nickte.
      "Nein, du hast Recht, Sprecher."
      "Danke. Fortfahren."
      Genervt lehnte sich August in seinen Sessel zurück und lauschte dem Diskurs von Ember und Helena nur mit halbem Ohr. Die Frage was geschah, wenn er abgewählt würde (und diese Aussicht war immanent), quälte ihn zunehmend. Er würde Ember dann kaum noch schützen können. Und der Himmel wusste, was geschah wenn sie sich dazu entschlossen, ihn ebenfalls mit zu liquidieren. Die letzte Auseinandersetzung war kaum drei Tage her und es gab kaum Möglichkeit, sich zu erholen.
      Helena zündete Feuersbrünste ohne dass sie es offenbar merkte und einmal mehr ertappte sich August dabei, wie er ihr am liebsten die Hand auf den Mund gelegt hätte. Das hier war beileibe kein Spiel mehr. So bemerkte sie auch nicht die wütenden Blicke der Welt, die sich regelrecht in die Runde bohrten.
      "Blut ist dicker als Wasser...", murmelte Siobhan und kicherte leise. "Ich freue mich immer über diese Formulierung wenn ich ehrlich bin. Denn zumindest hierbei kann ich sagen, dass es für mich nicht zählt woher man kommt. Zumal es bereits andere gab und gibt, die menschliche wie Caster-Geschwister aufweisen. Nicht wahr, Sonne? Nicht wahr, Lupescu? Wer verurteilt ihn wegen seiner Frau, die in der SPurensicherung der rumänischen Grenzpolizei beschäftigt ist? Ich finde, es erstreckt sich hier deutlich zu sehr ins Reich des "Was-wäre-wenns"."
      August musste ihr leider zustimmen.
      "Es ist genug geredet worden. Zumindest hierüber. Ember Sallow verbleibt, da kein hinreichender Beweis gegen eine Teilnahme vorgebracht wird. Siobhan MacAllister wird als Welt in diesem Kreise bestätigt, da kein Beweis hinreichend erscheint, dass sie es nicht ist. Zumal ihr alle ihre Aura spüren könnt.
      Wir kommen also...
      Zum ersten Programmpunkt."
      Siobhan nickte und erhob sich an Augusts Stelle.
      "Meine Brüder und Schwestern", begann sie und breitete dabei die Arme aus. "Bereits allzu lange herrschen auf den Straßen der Welt kriegsähnliche Zustände. Wohin ich sehe, sehe ich die Angst in den Blicken der Unseren und die Erkenntnis, dass Nichts auf dieser Welt sicher ist. Ihr habt gelitten, Brüder und Schwestern. Ihr habt Familien verloren, Herzensmenschen und auch das wärmende Feuer eurer Heime, die man niederbrannte zum Schutze vor den Rogues. Und egal wie sehr wir versuchten, mit ihnen zu koexistieren, nichts hat geholfen..."
      Ein kurzer Blick in die Runde bedeutete August dass es gelaufen war. Die Gesichter glühten vor Erinnerungen und innerlich loderte auch in ihm ein Feuer, das er kaum niederringen konnte.
      "Ich weiß, dass viele von euch zu den Waffen greifen und sich endlich wehren wollen. Und es mag sicherlich ein radikaler Schritt sein, der gut überlegt sein will. Und doch denke ich, dass es nur recht und billig ist, unsere Stimme zu erheben und den Kreis der Gewalt zu durchbrechen in den sie uns gezwungen haben. Und ein erster Schritt sollte sein, einen neuen Sprecher für diese Runde zu wählen."
      Nun sah sie zu August, voll gespielter Dankbarkeit.
      "Du hast uns lange gedient, August Foremar. Länger als jeder Andere hier am Tisch. Du warst immer die Stimme der Vernunft, der Ausgleich und der Pol der Mitte. Und doch sind wir heute an einem Tag, meine Freunde, an dem wir eine Stellung beziehen müssen. Andem die Diplomatie erstmalig scheitert..."
      Das Scheitern der Diplomatie...,dachte August und lächelte bitterlich, ehe er ihr das Zeichen gab, sich zu setzen. Ein jeder Tagesordnungspunkt durfte bei BEdarf mit Adendi versehen werden. Er dankte den Sieben Teufeln, dass es eine Meldung gab. Schweigend wies er zu Hakim, der sich erhob.
      "Ich finde die Worte der Welt durchaus bemerkenswert und bedächtig", gab der Doktor von sich und kratzte sich den Bart. "Jedoch erscheint mit der Rückschluss einer sterbenden Diplomatie durchaus zu eilig, fürchte ich. Ich denke nicht, dass der rechte Schritt eine Neuwahl wäre, zumal es noch Dinge gibt, die wir nicht versucht haben."
      "Die Polizeiermittlungen weiter laufen zu lassen, zum Beispiel", bemerkte August nickend und sah in die Runde.
      Spott, Zweifel und im Falle von der Welt ein erstauntes Aufbäumen der AUgenbrauen.
      "Das haben wir doch bereits versucht, nicht wahr?", fragte die Sonne in den Raum und wirkte dabei ein wenig genervt. Der Richter nickte grausig und schüttelte den Kopf danach.
      "Der Teufel will seinen Hintern retten", bemerkte er und sah zu August.
      "Mitnichten will ich das", sagte August und räusperte sich. "Ich habe Zauberer entsandt, um sich der Sache anzunehmen und doch kam keiner von ihnen zurück. Wie viele Duplikate haben wir von dir geschickt, Emmett? 100?"
      Emmett nickte nur kurz und faltete die Hände danach.
      "Aber!", August hob den Zeigefinder und wies anschließend hinter sich. "Ich habe vor, Ember Sallow zu senden. Einen neuen Versuch zu starten. Sie hat durch die Einsicht in die Polizei alle Möglichkeiten diese Ermittlungen zu begleiten und vielleicht neues herauszufinden."
      Einen Moment lang herrschte Ruhe, ehe sich das Schicksalsrad, Johannan Gallows, meldete. Seine Augen umspielte ein merkwürdig blaues Glitzern, als eine ruhige und bedachte Stimme zum Tragen kam.
      "Und welche Möglichkeiten hat Ember Sallow, die andere nicht haben?", fragte er gelassen und sah Ember an.
      Gleichzeitig begann sich vor Ember, auf der Rückseite von August Stuhl ein paar Buchstaben zu manifestieren. Sie brannten sich regelrecht in das Holz und schienen nicht vom Sitzenden zu stammen.

      ' In der Pause sollten wir reden. Gallows'

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von NicolasDarkwood ()

    • Es glich am ehesten einer Schockstarre, in der Ember Siobhan dabei beobachtete wie sie die Arme ausbreitete und ihren Standpunkt klarmachte. Ember hatte mit allem möglichen gerechnet, aber nicht, dass Ruairis Schwester dermaßen auf Konfrontationskurs stand. Auf der anderen Seite, was hatte sie erwartet? Sie kannte diese Frau nicht einen Deut und langsam wich der Schock einer Ernüchterung, die sich in ein kaum merkliches Kopfschütteln äußerte.
      Zu gern hätte Ember nun in Augusts Gesicht gesehen, um sich davon zu überzeugen, dass die Worte der Welt an ihm abprallten und er nicht wie alle anderen am Tisch ein stummes Zunicken an den Tag legten. Wobei, wenn sie sich gerade recht umsah gab es doch das ein oder andere Gesicht, das nach Außen hin nicht gänzlich eingenommen war. Der Streitwagen wirkte eher anteilnahmslos als alles andere und auch der ein oder andere war nicht so offenherzig mit seiner Meinung wie es der Richter oder auch die Sonne waren.
      Jäh hielt Ember jedoch inne, als sie in den Blick eines Arkana geriet, den sie so noch gar nicht wirklich wahrgenommen hatte. Der rothaarige Mann schien sie zu mustern, wusste Gott wie lange schon, ehe er den Blick abwandte nachdem sie ihn bemerkt hatte.
      Für einen Moment hatte Ember den Faden der Konversation verloren während sie nachdenklich ihren Blick hatte schweifen lassen. Das Aufstehen Hakims holte sie jedoch gerade rechtzeitig wieder in das Gespräch zurück, sodass sie wieder folgen und entsprechend reagieren konnte. Als August weitere Polizeiermittlungen ansprach wurde sie vollends hellhörig. So wie der Stand gerade war würde eine anhaltende Ermittlung genug Zeit einräumen damit noch mehr unschuldige Rogues gezielt getötet werden würden. Das wusste August mindestens genauso gut wie Ember, aber dass er es in den Raum warf machte ihr ernsthafte Sorgen. Glaubte er wirklich, dass die korrupte Polizei zu einem Schluss käme? Oder sie, mit ihrer viel zu neugierigen Nase, auch nur einen winzigen Erfolg haben könnte? Oder kaufte er gerade einfach nur Zeit?
      Dann erwähnte er die bereits ausgesandten Kräfte und dass nicht einer wieder zurückgekommen sei. Allein die schiere Anzahl an Doppelgängern, die Emmett eingesetzt hatte, war unglaublich. Doch bevor sie sich den Kopf zu sehr darüber zerbrechen konnte hob August einen Finger und zeigte auf sie.
      Wenn sie es gekonnte hätte, hätte sie sich augenblicklich in Luft aufgelöst.
      Stattdessen liefen ihre Gedanken auf Hochtouren während ihr Unterbewusstsein dafür sorgte, dass dieses Gefühl ihre Gesichtsmuskeln niemals erreichen würden. In wichtigen Momenten brauchte sie dieses Pokerface, das sie sich über die Jahre antrainiert hatte, und selbst wenn es nur temporär eine Souveränität ausstrahlte. Glücklicherweise musste sie nichts darauf antworten. Zumindest bis sich eine Hand hob und der rothaarige Mann von vorhin sich akustisch bemerkbar machte. Selbst von ihrem Platz aus sah sie ein Glitzern in seinen Augen und fühte sich abrupt an Ruairi erinnert. Also nutzte er vermutlich gerade Magie. Ein weiteres Mal trafen sich ihre Blicke und Ember richtete sich etwas weiter auf.
      Beiläufig bemerkte sie die blaue Schrift, die sich unsichtbar für die anderen Arkana in die Rückenlehne von Augusts Stuhl zu brennen schienen. Es stieg ein wenig Sorge in ihr auf, angesichts dessen, dass ein ihr unbekannter Arkana das Gespräch mit ihr suchte. Er hatte allerdings weder allein noch sonstige Einschränkungen in seinem Text verfasst...
      Dieses Mal sprach sie nicht einfach drauf los sondern wartete ab bis man ihr die Freigabe erteilte.
      "Wie wir gerade erfahren haben, sind sämtliche magische Einheiten, die entsandt worden waren, nie zurückgekehrt. Vielleicht gilt das nicht für mich als Nichtmagische. Ich stehe tiefer in der Polizei als Leiterin der Antimagischen und habe Einsicht in die Systeme dahinter. Mein Erscheinen an Tatorten ist unauffällig, außerdem komme ich an Informationen, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Zusätzlich arbeite ich dem einzigen S-Classe Caster der Polizei zusammen, Ruairi MacAllister, dem die gezielten Angriffe auf die Rogues natürlich nicht entgangen sind... Und ich habe einen Deal mit einem Sharokh abgeschlossen, ihn überlebt und war an seiner Tötung beteiligt, wie der Richter sowie mindestens zwei weitere hier Anwesenden bezeugen können."
      Damit schloss Ember ihr Plädoyer und betete, dass sie mit der Aufzählung dieser Fakten etwas Positives bewirken konnte. Das nun entstehende Schweigen war unglaublich schwer zu interpretieren. Man sah sämtliche Reaktionen in den Gesichtern der Arkana: von Wut, über Skepsis bis hin zur völligen Belustigung. Diese Gunst der Stunde nutzte August, um eine Pause auszurufen. Man müsse sich erst einmal wieder sammeln.
      Es wurde wieder lauter im Saal als sich hunderte Fußpaare über den Boden bewegten und Stimmen als undefiniertes Rauschen den Saal erfüllten. Die Arkana lösten sich größenteils von ihren Sitzplätzen, einfach nur um sich die Füße zu vertreten oder hitzige Gespräche zu suchen. Ember hingegen blieb noch länger auf ihrem Stuhl sitzen und hätte am liebsten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Das war die reinste Katastrophe hier unten. Wie zur Hölle sollten August und sie hier heile herauskommen, wenn sie einen neuen Sprecher wählten und er sich gegen sie aussprach? Wenn sie rauskamen, wie sollte sie mit Ruairi verfahren? Hatte Siobhan ihm vielleicht sogar etwas angetan bevor sie hergekommen war? Die absurdesten Gedanken kreisten in ihrem Kopf als sie bemerkte, dass August plötzlich vor ihr stand.
      Ruckartig stand Ember auf und ignorierte ihre tauben Beine. "Ich hätte den Mund halten sollen. Es tut mir leid."
      Sie wollte ihm gerade noch mehr Entschuldigungen präsentieren, da spürte sie eine Hand an ihrem Arm. Ihr Kopf flog herum und fand Gallows, der sie schon wieder so ansah, dann sich allerdings an August wand mit der Begründung, seine Adjutantin doch einmal kurz entführen zu müssen.
      Ember konnte August nur noch einen sehr erschrockenen Blick über die Schulter zuwerfen, als sie von dem Schicksalsrand freundlich aber bestimmt weg vom Tisch gezogen wurde.
      "Ähm, ich fühle mich durchaus geehrt aber war das nicht ein wenig forsch?", fragte sie vorsichtig nach nachdem er sie losgelassen hatte, kaum waren sie an der anderen Seite des Raumes angekommen.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die Pause vor einer Abstimmung war obligatorisch und galt der Sammlung der Gedanken. Dennoch war AUgust nicht unerfreut über Embers kurzes Plädoyer. Zumindest sah er einige Zauberer, die zumindest zweifelnd in die Diskussion mit anderen gingen. Mit Freude stellte er fest, dass die Welt zwar von Zauberern umringt war, diese aber eher ihren Standpunkt ohnehin teilten. Vielmehr war erstaunlich, dass Hakim eine nicht unerhebliche Masse an Arkana um sich versammelt hatte, die ihm zumindest aufmerksam zuzuhören begannen. Eine Situation, die Foremar nutzen musste.
      Langsam erhob er sich und stand mit einem Mal vor Ember und räusperte sich nach ihrer Introduktion.
      "Nein, ich...Also...Das war großartig, ich...Ich bin wirklich erfreut...Und äh...", murmelte er und kratzte sich an der Nase, ehe Ember regelrecht aus seinem Blickfeld verschwand und sich ein hoch gewachsener, schlanger Mann mit wildem, rötlichen Haar dazwischen drängte.
      Ein liebreizendes Lächeln umspielte das Gesicht von Gallows als er August ansah.
      "Ach Herrgott...", begann er. "So erfahren und doch nicht in der Lage, einer Lady zu sagen, dass sie großartig war. Was er dir sagen will, Liebes, ist, dass er hellauf begeistert ist, dass du ihm seinen Hintern gerettet hast."
      "Nun..."
      "Ja, nun. Du erlaubst, August? Ich hätte da einen Moment mit deiner Liebsten zu verbringen."
      "Sie ist nicht..."
      "Ja ja, Ta-ta", winkte Johannan ab und grinste, während er Ember von dannen zog.
      Ihr Arm war entsetzlich leicht in Gallows Hand und seine freundlichen und fröhlichen Gesichtszüge verschwanden in dem Moment, als sie aus der Reichweite von August waren. Folgerichtig wandte sich dieser den anderen Gestalten zu und beteiligte sich an den regen Diskussionen.
      "Deine Anwesenheit hat einiges aufgewirbelt, Ember Sallow", murmelte er und seine Stimme hatte eine ungeahnte Tiefe bekommen.
      Es war nicht so, dass er auf einmal tiefer klang, jedoch wirkte sie unendlich tief und bodenlos. Wie ein Brunnen ohne Ende. In den Augen von Gallows funkelten Sterne, wie es aussah. Dabei waren seine gesamten Augen von einem tiefen dunkelblau versetzt, in dem weiße Punkte blitzten. Als würde man in einen dunklen Nachthimmel sehen.
      "Man nennt mich Johannan Gallows", stellte er sich vor und lächelte schwach, wärhend er sie in eine Ecke des Raumes führte. "Ich bin als Schicksalsrad erwählt worden und teile das Leid der Schicksalsmagie. Dir wird das nichts sagen, aber ich möchte betonen, dass es mir obliegt, sämtliche Ebenen meines und eines anderen Schicksals zu erforschen und sehen zu können. Das Problem hierbei ist nur, dass ich quasi rückwärts in der Zeit lebe. Für dich ist es demnach die erste Begegnung, aber für mich...Für mich ist es eine Ewigkeit her, dass wir uns das erste Mal sahen. Und es ist merkwürdig, dir eine Magie zu erklären, die du schon bestens kennst. Zumindest nach meinem Gusto."
      Er lächelte weiterhin.
      "Du wirst fragen haben, aber zunächst wisse nur das: Dies wird nicht unser letztes Treffen sein. Und gleichsam wisse folgendes:
      Diese Ermittlung führt dich in ein Tal von Leid und Schrecken. Du wirst an eine Tür kommen - in weiterer Zukunft - und wirst verlockt sein, sie zu öffnen. Sie verspricht dir Leid und schattenhafte Lügen, Ember Sallow. Und manchmal ist die Lüge genau die Wahrheit, die man zu hören bereit ist."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Dass ihr Auftreten etwas losgetreten hatte, war mehr als unübersehbar. Man hatte Ember zu einem Punkt auf einer Liste gemacht, den es zu besprechen galt und das das gefiel ihr überhaupt nicht. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass August gerade verlegen geklungen hatte. August klang nie verlegen. Das konnte er gar nicht.
      "Freut mich ebenfalls, aber dann muss ich mich ja nicht mehr vorstellen...", erwiderte Ember noch immer eher vage bedacht als großspurig wie üblich formuliert.
      Nicht nur, dass ihr die gesamte Ausgangssituation hier nicht ganz geheuer war. Als sie das erste Mal einen ordentlichen Blick in Johannans Gesicht werfen konnte und direkt an seinen Augen hängen blieb, fragte sie sich ernsthaft ob sie vielleicht schon einen Knacks weg hatte. Ob sie nicht doch lieber den Abend in ihrem Wohnzimmer verbracht hätte oder noch besser bei Ruairi gewesen wäre. Wenn sie es sich so recht überlegte, hatte sie noch nie derart tiefblaue Augen zuvor gesehen. Die weißen Sprenkler in der Iris erweckten den Eindruck eines Nachthimmels und war gleichsam schön wie auch verwirrend. Allerings bei Weitem nicht so verwirrend wie seine Worte.
      Beschwichtigend hob sie die Hände. "Nein, nein. Alles gut. Ich komme in letzter Zeit mit zu vielen talentierten Magiern in Kontakt und das hier klingt ausnahmsweise mal nach etwas, das ich halbwegs verstehe."
      Er durchlebte quasi bereits gemachte Erfahrungen während sie ihm das erste Mal so gegenüberstand. Demnach wusste er viel mehr von dem, was in ihrer Zukunft noch geschehen würde und höchstwahrscheinlich hatte er sie genau deswegen zur Seite geholt. Noch wahrscheinlicher war, dass er jetzt mit einer generischen Warnung um die Ecke kam und insgeheim hoffte sie, dass sie sich täuschte.
      Besagte Warnung ließ nicht lange auf sich warten wobei sie sich doch über die Wortwahl etwas wundern musste. Vielleicht hätte sie ihren vollen Namen aus seinem Mund auch als bedeutungsschwanger wahrgenommen, aber da dies gefühlt ein jeder tat hatte auch dies seine Wirkung verloren.
      Ember trat von einem Fuß auf den anderen und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr Blick hatte sie leichte Verunsicherung und die Überraschung vollkommen verloren und sie fand sich sekündlich mehr in ihrem üblichen Modus wieder.
      "Okay. Wenn es nicht unser letztes Treffen ist, kann ich meine Fragen ja noch für einen späteren Zeitpunkt aufheben. Mir ist schon klar, dass diese Ermittlung mehr Potenzial hat als alles andere zuvor. Zumindest sagt mir das mein Gefühl. Aber warum sprichst du mir diese Warnung bereits jetzt aus? Wenn es doch in weiter Zukunft liegt?"
      Die Tür war ein Sinnbild. Es implizierte, dass sie eine Wahl treffen würde oder gar müsste und scheinbar gewillt war, entgegen jeder natürlichen Entscheidung das Leid zu wählen. Und die Lügen, die sie sich selten zu hören wünschte. Was widerum bedeutete, dass die Konsequenz, nicht diese Entscheidung zu fällen, das größere Übel sein würde. Das war eine persönliche Warnung an sie. Nichts, was die Welt an sich beeinflussen würde.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Benutzer online 1

      1 Besucher