[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • August begann schallend zu lachen, ehe er sich wieder zurücklehnte und Ember fixierte.
      "Empathie ist für mich zumeist schwierig, das stimmt. Das aber von der Frau mit dem Einfühlungsvermögen einer Schrotflinte zu hören, machte es erstaunlich lustig", kicherte der Zauberer und zuckte unter kurzen Schmerzwellen zusammen. "Ja, es ist ein Traum, Ember. Ein gewaltiger, wenn ich ehrlich bin. Denn so einfach und kinderleicht wie es klingen mag, ist es leider nicht. Sich zwischen dem Staat und der Polizei zu bewegen birgt mehr Risiken als du glaubst. Aber: Ich darf mit Freude verkünden, dass ich vor drei Tagen unseren ersten Fall an Land gezogen und gelöst habe. Einen kleinen Namen haben wir uns schon gemacht. Jedoch ist der aktuelle Fall..Ein wenig belastet, nicht wahr?"
      Er wies mit dem Daumen auf das verschlossene Ermittlungszimmer, dessen Inhalt sie beim letzten Besuch gesehen hatte. Die Fotos, die sich zwischen einander noch immer verbanden und neue Verwicklungen offenbarten. Und auch Menschen mit hinein zog, die Ember kannte. Oder kennen lernte.
      August verengte die Augen und rollte kurz die Schultergelenke auf und ab, ehe er Ember wieder ansah. Ihre verfluchten Augen waren noch immer schärfer als es gut für sie war. Aber so mancher Geschichte Kern musste daher verbleiben, wenn es nicht in des Erzählers Krempel passte. So oder so ähnlich.
      "Daten sammeln ist durchaus anstrengend", nickte er lächelnd. "Jedoch ist die Verletzung einer Konfrontation mit einem jungen Arkana geschuldet, der einen neuen Platz eingenommen hat. Er war nicht ganz kooperativ und hat sich leider ein wenig übernommen. Wobei ich immer wieder merke, dass ich langsam alt werde, nicht wahr?"
      Er rieb sich über die Schulter und die Rippen, ehe er Ember wieder fixierte. Heilige Ungeduld...
      "DIe Namen...", murmelte er kopfschüttelnd aber grinsend. "Unsere Detektei besteht aus diversen Teilhabern. Wir hätten dort Perley Caulson, zuständig für das leibliche Wohl und die Basis dieser Detektei. Als da wären ferner ein guter Bekannter von dir: James Hawthorne. Jedoch agiert er mehr als stiller Teilhaber im Hintergrund und als Berater in polizeilichen Dingen. Und zuletzt wäre es Ms Siobhan MacAllister, frisch eingetroffen aus dem kalten Norden."
      August lächelte und seufzte. "Sie dürften auch bald hier auftauchen. Siobhan wollte noch etwas erledigen und Hawthorne hat ein Konzert seiner Tochter besucht. Also. Noch immer interessiert?"
      Auf ihre letzte Anmerkung zuckte er regelrecht zusammen udn sah sie an. Sein Blick glich einem Tier, das man festgesetzt hatte und plötzlich an dessen Leine zog.
      "Die erste Frage: Woher hast du derartige Informationen? Ich kann dir nämlich unweigerlich bestätigen, dass meine Familie tot ist. Sie wurden damals in das Tor gesaugt und ich habe sie seither nicht mehr gesehen. Wer auch immer meine Schwester aufgezogen hat, war nicht ich! Also wer gab dir diese Art von Information? Wo ist meine Schwester und ihre Kinder??"
      Die Frage klang beinahe bissig aggressiv, ehe er sich sammelte und amtete. "Entschuldige, ich...Ich bin nicht Herr meiner Selbst seit der Öffnung..."

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    • Irgendwie beruhigte es Ember, AUgust lachen zu hören. Wie ein Geräusch, das man selten hörte aber so wohlklingend war, dass man es nie mehr missen mochte. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass sie es bei ihm wirklich nur selten gehört hatte und wenn, dann war die Lage meist von einer gewissen Brisanz erfüllt.
      "Ein wenig belastend? Ein bisschen sehr belastend, wenn du mich fragst. Ich bin auch hier dabei, im Hintergrund ein paar Nachforschungen anzustellen. Immerhin sitze ich in der Polizei wo ich den ein oder anderen gut kenne. Irgendjemand muss dazu etwas wissen."
      Das kleine Netzwerk, das sich mit der Hilfe von Ruairi entwickeln könnte, war sicherlich hilfreich. Wer einmal die Bilder in dem Hinterzimmer gesehen hatte und einigermaßen bei Sinne war, würden den Anblick nicht vergessen und einiges daran setzen die Gründe dafür zu erfahren. Allerdings schmunzelte Ember leicht als August die Schultern rollte und sie förmlich sehen konnte, wie er ihre Beobachtungsgabe verteufelte. Wenigstens hier hatte sie ihren Schneid nicht verloren. Unweigerlich driftete ihr Blick an August vorbei zu der Tür, aus der er gekommen war. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass sich eben jener neue Arkana dort hinten befand?
      "Welcher Platz ist denn frei geworden?", fragte sie nach weil sie wusste, dass sie zu der Person selbst vermutlich nicht mehr Informationen gewinnen würde. Höchstwahrscheinlich würde sie früher oder später eh auf den Neuzugang treffen. So, wie es schon immer war.
      Tatsächlich begann ihre Haltung erst dann zu bröckeln, als August die Namen der restlichen Partner nannte. Zwar hatte Ember nicht an James gedacht, aber allzu unwahrscheinlich klang seine Teilhabe nicht in ihren Ohren. Es war jedoch der letzte Name, der ihr aufrichige Sorge und auch ein wenig Erstaunen bereitete. Wusste Ruairi, dass ausgerechnet seine Schwester in Kontakt mit dem Arkana schlechthin stand? Niemals. Er wusste es nicht, sonst hätte sich der Caster anders gegeben. Andere Dinge erzählt oder er war derjenige, der Ember wieder in ein Konstrukt aus halben Wahrheiten verstrickte. Es stach ein winziges bisschen in ihrer Brust bei diesem Gedanken, den sie unwirsch wieder von sich wies.
      "Die Schwester von dem neuen Leiter der Magischen?? Wie ist das denn passiert?" Es machte keinen Sinn, ihre Überraschung zu kaschieren. Man sah es vermutlich eh in ihren Augen lungern.
      Erst recht der Hinweis, dass sie hier demnächst eintreffen mochte, bereitete ihr mehr als nur Unbehagen. Höchstwahrscheinlich wusste Siobhan, dass August Ember unter den Partnern wissen wollte, und trotzdem hatte sie ihrem Bruder nichts gesagt. Würde es sich ändern, sobald die beiden Frauen aufeinander trafen? Machte es einen Unterschied für Ruairi, ob seine Schwester oder seine Geliebte sich in den Kreisen eines Arkana, in den Kreisen Augusts, wandelten?
      "Sicher bin ich noch immer interessiert. Glaube, James erwartet es auch gar nicht anders von mir." Ein leicht genötigtes Lächeln erschien auf ihren Lippen. Die MacAllister musste noch etwas erledigen... Das konnte unmöglich bedeuten, ihren Bruder hierher zu schleppen.
      Allerdings wurde Ember jäh aus ihren Gedanken gerissen und zuckte unisono mit August zusammen. Reflexartig lehnte sich Ember zurück und brachte so viel Abstand zwischen sie beide wie es ging als er plötzlich einen heftigen Stimmungswechsel durchlief. Die Verwunderung in ihren Augen war einem kleinen Schock gewichen, der wieder abebbte, nachdem er sich entschuldigt hatte. Sie war felsenfest davon ausgegangen, dass er ihr nie die ganze Wahrheit erzählt hatte und zum Schutze seiner Schwester behauptet hatte, sie alle wären damals verschwunden. Scheinbar war dem nicht so.
      Ember räusperte sich kurz und stellte dann doch sicherheitshalber das halbvolle Weinglas ab.
      "Ich habe doch gesagt, dass ich in der Zwischenzeit nicht untätig war. Ich war mir nicht sicher, wie vertrauenswürdig diese Information ist, aber es gab in der Tat Versuche, deine Schwester ausfindig zu machen. Allerdings sei sie wie eine Erscheinung gewesen, man war einmal nah an ihr dran, hat sie allerdings nie wirklich festsetzen können. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass sie vielleicht Familie hatte..."
      Ember strich sich über ihre Lippen.
      "Nun geht man davon aus, dass deine Schwester höchstwahrscheinlich tot ist. Altersschwäche, sofern ihr nichts anderes widerfahren ist. Man hat sie um 1950 nach Schottland verfolgt und dann verloren. Aber die theoretischen Nichten oder Neffen könnten noch da draußen sein. Ich hör mich mal weiter dahingehend um... Diese Version stammt unter anderem von einem Rogue, der dich irgendwie anhimmelte... Angeblich ein Peter, die Geschichte stammte von vor zehn Jahren aus Glasgow..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Eine Weile lang atmete der Rogue unruhig und beinahe aus dem Takt, als er ins Feuer sah und den prasselnden Feuerfingern zusah, wie sie nach dem kostbaren Brennstoff griffen. Es gab nicht viel, was ihn aus der Ruhe brachte, aber Erzählungen über seine schlimmsten Fehler gehörten dazu. Wie sollte er es auch vergessen...Die Schreie, die unendlichen Schreie...Und eine kleine Hand, die nach seiner greifen wollte. DIe er nicht greifen wollte. Aus Angst und Schwäche.
      Nach einer kurzen Zeit des Zuhörens sah er Ember wieder an und überlegte.
      "Peter...", murmelte er den Namen. Einen Namen, den er mit Sicherheit aufsuchen würde. Peter in Glasgow..."Das ist nicht möglich. Ich sah sie verschwinden, sah sie verschluckt werden von dem Moloch dieses gottverfluchten Tores. Habe die Schreie gehört und ihre Hand nicht ergriffen, weil es mich geschüttelt hat vor Angst. Und du sagst mir...Sie hat überlebt? Sie wurde großgezogen und hat eine Familie gegründet?"
      Er gab ein spöttisches Geräusch von sich obgleich sein Gesicht keinen Spott zeigte.
      "Unglaublich...", flüsterte er und fuhr sich über das Gesicht. "Aber ich danke dir für die Information. Sei gewiss, dass ich ihr nachgehe."
      Kurzzeitig nahm er sich zurück um zurück zu sich zu finden, ehe er sie wieder ansah und seufzte. Es war nicht die Zeit zu trauern und verpassten Gelegenheiten zu säuern. Es war die Zeit, neue zu schaffen. Mit dieser Frau und den anderen zusammen.
      "Du hast wirklich ein Talent, unendlich viele Fragen zu stellen ohne auf eine Antwort zu warten"; grinste er. "Die Nummer 1 hat sich verändert. Der Magier ist ausgetauscht worden. Sei's wie es sei, der Zwist ist beigelegt und nur noch ein Schatten im Wind. Und was heißt, wie ist es passiert? Siobhan suchte mich auf so wie du es getan hast. SIe stand vor der Tür und wollte mir von den Attacken in Schottland berichten nachdem sie gehört hatte, dass diese Detektei existierte. Und nach einem recht langen Gespräch und einem gemeinsamen Essen schloss sie sich der Firma an. Was soll ich sagen? Ein Glücksfall, wenn man es so will. Die Gute ist derartig talentiert, dass ich es kaum zu beschreiben vermag."
      August nickte für sich und sah Ember an.
      "Es ist erstaunlich, dass du es nicht wusstest. Sie wollte ihren Bruder noch im Büro besuchen. Aber vielleicht habt ihr euch einfach verpasst", sagte August liebenswürdig und seufzte als er sich aus dem Sessel erhob. "Da du nun ein Mitglied des Teams bist, ein paar kleine Grundregeln. Verzeih wenn ich skeptisch bin, aber wir haben ja so unsere Querelen gehabt."
      Grinsend schob er sich vom Feuer in den Raum und begann seiner Art entsprechend herum zu wandern,.
      "DIe Geheimnisse dieser Räume bleiben diese auch. Ich wünsche nicht, dass irgendwelche Informationen zu anderen getragen werden, seien sie auch noch so vertrauenswürdig. Ich bitte ferner, darauf zu hören, wenn ich sage, dass ihr das Haus verlassen sollt. Ich sage es selten und nur wenn Gefahr droht, aber die derzeitige Lage der Arkana ist angespannt und ich darf berichten, dass die Welt nicht begeistert über die Abläufe ist. "

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    • Allein wie August den Namen aussprach verdeutlichte Ember, dass er sämtliche Rogues mit diesem Namen im Raume Glasgow auf den Kopf stellen würde. Dann würde sich zeigen, ob Ruairi ihr echt Informationen gegeben hatte oder nicht. Aber einen Teil dieser Informationen behielt sie für sich, ebenso von wem sie ursprünglich diesen Tipp hatte.
      "Ich habe bisher keinen Nachnamen in Erfahrungen bringen können. Ich werde mich auch schlau machen, was die Verfolgungen in den 50ern tatsächlich ans Licht gebracht haben. Außerdem gibt's da jemanden, der mir vielleicht auch helfen könnte, eine Blutspur zu verfolgen", fügte sie noch leise hinzu. "Wie gesagt, ich würde es eher wie Gerüchte behandeln solange ich nicht weiß, ob es stimmt. Ich will dir nun wirklich keine falschen Hoffnungen machen..."
      Das war wirklich mitunter das Letzte, was sie mit dieser Aussage erreichen wollte. Hätte man ihr gesteckt, dass Emily noch irgendwo leben konnte, hätte sie alles in ihrer Macht stehende getan um dem nachzugehen und nach noch so jedem kleinen Strohhalm zu greifen. Gerade August, den es wirklich zu treffen schien, wollte sie diese Bürde nicht auferlegen.
      Als August jedoch eines ihrer Talente benannte, zuckte Ember lediglich mit den Schultern. Immerhin befanden sie sich nicht mehr in dieser Verhörsituation, die er ihr mehrfach vorgehalten hatte. Es war eben eine ihrer Eigenarten, und damit musste man leben, sie aber nicht lieben. Je mehr Sätze August jedoch formulierter, umso verdrossener fühlte sich die Ermittlerin plötzlich. Sie würde den Teufel tun es als Eifersucht zu betiteln, aber wie er in höchsten Tönen von einer anderen sprach, der sie niemals das Wasser reichen würde, traf sie unvorbereitet hart. So hart, dass der Rogue es vermutlich sogar in ihrem Gesicht hatte ablesen können.
      "Soweit ich das bisher herausfinden konnte, weiß ihr Bruder gar nicht, dass seine Zwillingsschwester mit dir verkehrt", schoss sie trocken zurück und war seltsam pikiert auf diese liebenswürdige Art, mit der er ihr Verpassen ausgesprochen hatte. Was war denn auf einmal los mit ihr?
      Für den Rest der Kommentare biss sich Ember auf die Zunge und ließ sich von Augusts Art herumzuwandern ablenken. Verhindern, dass sie trotzdem theatralisch die Augen rollte, konnte sie es dennoch nicht als er eine Verschwiegenheitsklausel ansprach.
      "Seh' ich so aus als würde ich alles nach außen tragen, was mir jemals zu Ohren gekommen ist? Du vergisst vielleicht, dass es nicht sonderlich viele Personen in meinem Umfeld gibt, die ich überhaupt als vertrauenswürdig betiteln würde. Und so wie du mich kennst, scheine ich ja meist mehr zu wenig als zu viel zu reden, oder?"
      Sie griff nach dem Weinglas und stürzte es regelrecht herunter.
      "Verschwiegenheitsklausel. Kein Problem." Sorry, Ruairi. "Mit Haus verlassen meinst du dieses Haus? Ebenfalls kein Problem. Ich betrachte dich sowieso als Hausherren und wenn ich gehen soll, dann tue ich das. Die Vergangenheit hat mehrmals gezeigt, dass ich gut daran getan habe, auf dich zu hören."
      Die Aktion im Untergrund mit Bones, die schon viel zu knapp aufgefallen war. Die Umstellung am Twisted Mind, die Sache mit dem Sharok. Am liebsten hätte Ember diesen Teil von ihr, der gegen diese Regel aufbegehrte einfach aus sich herausgeschnitten. Aber das war wie das Entfernen eines lebenswichtigen Organes, ohne das sie nicht mehr recht funktionieren würde.
      "Wir haben auch nur gehört, dass es ein Statement der Welt geben soll. Das erste Mal in der Geschichte, dass wir die Welt sehen oder zumindest in Aktion erleben werden." Ein bitteres Lächeln erschien in ihrem Gesicht, das sich nur eine halbe Sekunde hielt. "Dass es Schwierigkeiten mit gewissen Abläufen gibt habe ich mir da schon gedacht. Und dass es auf Unmut stößt."
      Ember streckte sich wieder nach ihrer Glock auf dem Tisch. Sie hatte den nötigsten Austausch mit August vorgenommen und sie wurde die vehemente Angst nicht los, dass die MacAllisters als Geschwisterpaar hier auftauchen würden. Wenn Ruairi sie hier sah würde er ihr vermutlich nie wieder ein Wort glauben. Langsam erhob sich Ember und machte sich daran, die Waffe wieder an ihrem Holster zu befestigen.
      "Kannst du mir vielleicht auch einen Gefallen tun? Man hat ja die Fahndung nach Noland rausgegeben, landesweit. Falls du irgendetwas von ihm hören solltest.... Setzt du mich in Kenntnis?"

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    • August winkte nur ab und schüttelte den Kopf.
      "Mach dir nicht zu viel Mühe, bitte", murmelte er. "Ein Name und ein Ort ist mehr als ich verlangen kann und werde. Und diesen Peter werde ich finden. Und du machst mir keine falschen Hoffnungen. WIe du bemerkt hast, bin ich nicht der Familientypus. Ich würde mich nur gerne davon überzeugen wollen, dass es allen gut geht und sie wohlbehalten leben. Und meine Schwester ein gutes Leben hat oder hatte. DAs wäre schön zu wissen."
      Seine Stimme klang noch immer belegt und versonnen, als würde er sich an Altes erinnern und diesem nachtrauern. Nun, vielleicht war das auch so. Trauerte er einem Familienleben hinterher? Eindeutig! Bereute er seine Taten und die seiner Mutter, die ihn so früh für dieses vermaledeite Tor interessierte? Ebenfalls! Er hätte gern ihre Hand nochmal gehalten, sich entschuldigt und beinahe vergessen, dass sie fort waren. Dass er nicht an ihren Gräbern dort oben stehen würde.
      Kopfschüttelnd löste er sich von der Vorstellung. Gerade recht, um eine Veränderung in Ember vollziehen zu sehen, die er nicht kannte. War das ein Schmollmund? Eine Art Schmollen zumindest? Da war doch nicht etwa jemand eifersüchtig? Auf ihren Rückschuss lächelte er schwach.
      "Ist das so?", fragte er. "Weißt du...Nein, bei dir habe ich trotz deiner passiv aggressiven Ausbrüche wie gerade keine Angst, dass du Dinge nach außen trägst. Aber bei Siobhan hatte ich manchmal Zweifel. Sie liebt ihren Bruder sehr, beinahe zu sehr scheint es mir beinahe und daher...War ich nicht erpicht darauf zu erfahren, dass sie sich heute mit ihm treffen wollte. Ich habe die Befürchtung, dass sie ihreN Nebenjob ausbreitet und mir ein S-Klasse-Caster im Nacken sitzt, den ich nicht berechnen kann."
      August sah sie offen an und wanderte weiter durch den Raum, ehe er vor ihrem Sessel zum Stehen kam um ins Feuer zu sehen. Seine Hand ruhte dabei leicht auf der oberen Lehne des Ohrensessels und ein leichtes Seufzen durchfuhr den Arkana.
      "Ja, das ist wahr", bestätigte er. "Die Welt ist noch nie an die Oberfläche getreten und ich muss sagen, ich freue mich nicht gerade darauf. Sie möchte noch eine Ansprache halten, ehe sie der Welt dort draußen begegnet und hat die Arkana für morgen zusammen gerufen. Und ich fürchte mich ein wenig, wenn ich ehrlich bin."
      Vor dem Tod, der Zerstörung und all den Monstern, die im Untergrund versammelt sein würden. Und dazwischen stand er, August Foremar, ohne einen Schutz und ohne Rechte.
      Als er bemerkte, dass Ember ihre Sachen packte, ergriff ihn eine kurze Wehmut, die er nicht abschütteln konnte. Natürlich. Da draußen wartete ein Leben auf die junge Frau. Er war hier der SOnderling. Nicht sie.
      Nickend entfernte er sich zur Garderobe und nahm ihren Mantel vom Haken.
      "Aber natürlich", sagte er lächelnd und hielt sie ihr hin. "Ich informiere dich, sobald ich etwas höre. Achte einstweilen auf dich! Bis bald!"
      Und dann, ohne dass er danach fragte, umarmte August sie, nachdem sie in die Jacke geklettert war. Ein kurzer Druck nur, als würde er sich vergewissern wollen, dass sie lebte und er entließ sie wieder in die kalte Nacht der Stadt.


      KUrz nachdem Ember gegangen war, starrte er noch eine Weile in die Richtung, in die sie verschwand. Das Haar des Zauberers wehte im Abendwind, als er die Tür schloss und Perley wieder hereinkam.
      "Du hast es ihr nicht gesagt", schloss der Mann und räumte liebevoll den Wein beseite, während August schwach und beinahe gebrechlich in Richtung der Sessel wankte.
      "Nein", murmelte er. "Nicht der richtige Zeitpunkt."
      "Ich glaube, man kann ihr vertrauen...", verschwörte sich Caulson mit einem schiefen Lächeln. "Sie war nett. Und sie hat ein gutes Auge."
      "Ember Sallow ist die Einzige, die mich töten kann, Perley", lachte August. "Hab ich dir schon vor Wochen gesagt."
      Caulson nickte und stapelte die Weingläser in seiner Hand, während er August beobachtete, wie er sich in den Sessel setzte. In seiner Hand hielt er ein kleines Amulett aus purem Gold, das er in der Hand drehte, während er in die Flammen starrte.
      "Du hättest ihr sagen können, dass man dich deines Postens entheben will", sagte Perley. "Ist meine Meinung. Sie hätte es verstanden."
      "Sie hätte Angst bekommen. Sie ist die Normale hier, Perley."
      Caulson kicherte leise, ehe er sich langsam aus dem Raum bewegte.
      "Dass ich mal erlebe, dass du Jemanden schützen willst...Muss dir viel bedeuten, die Gute."
      Mit einem leisen Klacken schloss sich die Tür.
      Und zurück blieb August, mit dem Gesicht in den Flammen, die sich in seinen Augen widerspiegelten.
      "Du hast keine Ahnung...", murmelte er und seufzte, als er das Amulett hervor hob.
      Er betrachtete das kleine Wappen und grinste schief, ehe er es wieder fortsteckte. Ganz so einfach war es nun doch nicht...

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    • Ember hatte innegehalten bei ihrem Festmachen des Gürtels. Eine Ansprache im Untergrund bevor die Welt an die Öffentlichkeit trat? Unter versammelter Mannschaft der Arkana und darüber hinaus verspürte August, ausgerechnet der Teufel, Angst? Scheinbar hatte sich mehr gedreht und gewandelt als die Ermittlerin sich vorgestellt hatte. Als sie sich halb zu ihm drehte - immerhin stand er nur noch knapp einen Schritt neben ihr am Sessel - verspürte sie das dringende Gefühl, nach seiner Hand zu greifen, die dort omnipräsent auf der Lehne ruhte. Ein kleiner, physischer Beweis, das er nicht allein war. Doch bevor sie sich dazu durchringen konnte, hatte er ihren Blick erwidert und nickte. Seine Augen waren einen Augenblick zu lange an ihrer Hüfte hängen geblieben, so als musste er erst prozessieren, dass sie sich auf den Weg machen würde.
      Sie schloss zu ihm auf, als er ihren Mantel vom Haken nahm und ihn ihr offenhielt. Vielleicht würde er mit seinem Netzwerk schneller in Erfahrungen bringen können, wo Noland abgetaucht war bis Hinweise der Öffentlichkeit zu ihm deuteten. Ember hoffte inständig, dass der alte Mann nichts mit den Verbrechen zu tun hatte, aber die Befürchtungen waren nicht ganz von der Hand zu weisen. So versunken wie sie in diesen Gedanken war, überrumpelte August sie plötzlich vollends als er sie kurz umarmte. Für einen Moment wurde es in ihrer Gedankenwelt völlig weiß und leer, als sie ihn so nah und warm an sich spürte. Eine Flut an Erinnerungen wog über sie hinweg und es war einzig und allein der Kürze geschuldet, dass sie sich nicht in ihr verlor. Viel zu schnell löste sich August wieder von ihr, gab sie frei und schickte sie in die dunkle, kalte Nacht.
      "Du siehst doch, ich bin hartnäckig wie Unkraut... Pass du lieber auf deine Schulter auf", verabschiedete sie sich, lächelte ein warmherziges Lächeln und wandte sich von dem Rogue ab, um zur nächsten Subway zu laufen.
      Hätte sie vielleicht doch einmal nach ihm greifen sollen?

      Während der unterirdischen Fahrt hatte Ember genug Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten und neue Rückschlüsse zu ziehen. Es gab bisher keine Informationen darüber, wann das Statement der Welt erfolgen sollte. Dass morgen eine Versammlung der Arkana einberufen worden war, war vermutlich eine höchst sensible Information, die nicht jeder besaß. Alles in ihr schrie danach, sich irgendwie an Augusts Seite zu heften, damit sie etwas von dieser Versammlung mitbekam. Je mehr sie darüber nachdachte, welche Rolle sie in dieser Detektei einnehmen wollte, desto sicherer war sie sich, dass sie zwischen den Stühlen tanzen würde. Auf ihrer ganz eigenen Tanzfläche unter Beobachtung aller anderen. Wieder einmal wurde ihr bewusst, dass sie zwischen den ganzen Magischen nur eine Ameise war, die man viel zu leicht aus dem Weg räumen konnte. Wenn sie also diese Rolle einnehmen wollte, dann musste sie gefährlicher werden. So gefährlich, dass man es nicht wagte, sie anzugreifen. Sie, einen popeligen Menschen, der weder genug Kraft zur Wehr hatte noch dessen Tod jemanden kümmern würde.
      Dessen Tod niemanden kümmern würde?
      Es stand außer Frage, dass Ember jemals kräftemäßig mit den Zauberern mithalten konnte. Das hatte Ruairi ihr eindrucksvoll gezeigt. Also half es nichts, sich darauf zu versteifen und sich immer weiter zu rüsten, wenn das Limit bereits absehbar war. Folglich musste nicht sie gefährlich werden, sondern die Konsequenzen ihres Todes gefährlich werden. Und das erreichte man am Besten mit Beziehungen.
      Ember kramte ihr Handy hervor, auf dem keinerlei neue Nachrichten eingegangen waren. Schnell hatte sie Augusts Nummer gewählt und schrieb eine Nachricht an ihn:
      Sorry, dass ich dich noch einmal störe.
      Du hast gesagt, die Veranstaltung sei morgen. Möchtest du allein gehen oder wäre dir eine Begleitung ganz lieb?
      Ich würde mir das doch mal gerne ansehen und allein hingehen ist doch viel zu schade.
      Du musst mir nur sagen, was ich anziehen soll :)
      Ember
      Sie verstaute das Handy wieder in ihrer Hosentasche. Absichtlich hatte sie mehrdeutige Begriffe verwendet und nichts konkretes angesprochen, einfach aus der paranoiden Angst, jemand könnte etwas erfahren. Digitale Kanäle waren alles andere als sicher, aber sie wusste, dass August verstand was sie meinte.


      Kapitel IV
      Du sagtest einmal

      Dienstag - 7:21 Uhr
      PD


      Ember hatten den gesamten Abend über nichts von Ruairi gehört und die Ungewissheit wuchs an. Wie ein Jagdhund lauerte sie an ihrem Platz in ihrem Büro darauf, dass ein großgewachsener Schatten vor ihrer Milchglastür erschien und das Eintreffen des Casters ankündigte. Den Abend über hatte sie versucht, die Akte über die Arkana, die sie in weiser Voraussicht begonnen hatte anzulegen, mit weiteren Informationen zu speisen. Wer war wo angesiedelt? Wer hegte einen Groll oder Sympathien für Andere? An wen ließ sich leichter herantreten als an andere? Irgendwann war sie zu dem Schluss gekommen, dass sie vielleicht an den Richter mitunter herantreten konnte. Er kannte wenigstens ihren Namen, hatte sie schon mal gesehen. Aber das Argument, dass sie herausfinden wollte, wer für den Tod seiner Familie verantwortlich war, erschien ihr mehr als mager. Im schlimmsten Falle zog er seinen Zorn auf sich und das war unklug. Also würde sie August um Emmetts Kontakt bitten, vielleicht bekam man aus ihm mehr heraus. Mit den richtigen Fragen verstand sich.
      Als sie das Büro betrat lag bereits der Analysebericht des Briefes mitsamt des Beweisstückes, sorgsam eingetütet in einem Plastikbeutel, auf ihrem Tisch. Begierig hatte sie den Bericht aufgeschlagen und mit Ernüchterung gelesen, dass die Handschrift völlig unbekannt war. Allerdings war die Aurensignatur tatsächlich die gleiche wie jene Spuren, die man im ersten Tatort gefunden hatte.
      Sie hatten also einen Serienkiller an der Angel.

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    • Der Vorabend - 01:22
      Vor Embers Apartmenthaus

      Sallow.
      Der junge Mann auf der Straße las das Klingelschild auf der Blechfläche und grinste breit. Endlich. Hatte auch lange genug gedauert, bis er diese verfluchten Apartmentbuildings gefunden hatte. Marylebone war ein Scheißhaufen von hässlichen Wohnungen und wenn man ihm wenigstens die Adresse vernünftig mitgeteilt hätte...Aber nein...Stattdessen musste es ja ein Zettel sein, der vom Regen aufgeweicht wurde. Fantastisch.
      Schweigsam glitt die Hand in seine Hosentasche und zog ein recht großes Messer hervor. Ein altes Kukri. Man könnte man meinen, der Mann besäße außerordentlichen Geschmack oder würde sein Erbe ehren, wenn man seiner Hautfarbe (ein nussbraun) gedachte, aber nein. Es war blanker Zufall.
      Just in dem Moment, als er sich noch einmal umsah, um nicht Ungebetene auf sich aufmerksam zu machen, richtete er den Blick grinsend auf die Tür.
      Wo das Grinsen erstarb. Wo alles Grinsen erstarb.
      Da war ein Mädchen. Eine Frau?
      Sie war jung, vielleicht 16? Vielleicht 17? Bei den Teufeln, sie könnte auch 39 sein und es wäre Lucius egal. Doch wie kam sie dahin? Sie war noch nicht als er geschaut hatte.
      "H-hi?", grinste Lucius und versuchte, das Messer nicht mal zu verstecken. Die Bewegung hätte sie bemerkt. Aber es lag doch im Halbschatten oder nicht?
      "Es ist spät, Lucius", sagte die junge Frau vor der Tür und verschränkte die Arme vor der Brust. "Ist besser, du gehst, nicht wahr?"
      "W-Wer zum Geier..."
      "Ist nicht wichtig. Du wirst sie heute Abend nicht besuchen."
      Besuchen? Hatte diese Frau..Lucius schüttelte den Kopf und richtete sich gerade auf. Wenn er sich voll aufrichtete, maß der Mann über einen Meter und 90. Wer war diese Frau, dieses...Gör...schon, dass sie ihm entgegen trat.
      "Jetzt pass mal auf, meine Hübsche: Ich habe keine Ahnung, wer du bist und was du willst, a-"
      "Richtig", sagte das Mädchen und warf die schlohblonden Haare zurück. Darunter offenbarten sich Augen, die ihm ein eisiges Zittern durch den Körper jagten. "Du hast keine Ahnung...Und jetzt geh, ehe ich handgreiflich werde."
      Handgreiflich? Dass er nicht lachte.
      "Das tut mir jetzt Leid, Kleines...", murmelte Lucius und griff an.
      Der Jäger machte von sich reden, indem er sich schnell und lautlos bewegte. Das Kukri sauste sirrend durch die Luft und schlug in weiches Fleisch ein, hinterließ einen wunderbaren Geruch von Blut, der nur durch den Schmerz übertüncht wurde, die er-
      Schmerz?
      Lucius sah hinab und zu seinem Erstaunen steckte das Kukri in seiner eigenen Brust. HErausragend wie ein Mahnmal in düsterer Nacht sah er hinab auf seine eigene Brust und fragte sich in wie vielen schönen Lichtern eine Schwertklinge aus seiner Brust ragen konnte. Da fiel der abgetrennte Arm gar nicht auf, nicht wahr? Nicht, dass er noch vorhanden war. Schmatzgeräusche zeugten davon, dass nichts übrig bleiben würde. Was für eine Schande...
      Dann sah er zu der jungen Frau, die ihn aus leuchtenden Augen ansah.
      "Sorry", sagte sie und grinste, wobei sie eine ganze Reihe Reißzähne offenbarte. Blut war daran und in der Hand hielt sie...Einen Finger? Das war doch seiner! "Hab das Take-Over noch nicht im Griff."
      Das letzte, was Lucius Otis Wellings sah, war das Aufleuchten goldener Muster und die nachfolgenden Schreie wurden durch sein rasches Ableben erstickt.
      London, nicht wahr?


      PD - 07:25 Uhr

      Ruairis Abend entfaltete sich als schönes Erlebnis mit seiner Schwester. Lächelnd betrat er das PD nach einer guten Nacht und sah zum Portier mit dem er einige Worte wechselte. Herrlich, wie die Welt sich wandeln konnte, wenn man gute Neuigkeiten verbreiten konnte. Der Zauberer wanderte durchs PD, die Treppe hinauf während ihm bereits Piper auf den Fersen war und über die neuesten Verwicklungen auf dem Laufenden hielt. Offenbar waren die Caster erfolgreichj in Untersuchungshaft genommen worden obschon keine Veranlassung dafür bestand. Nun, Ruairi hielt es praktisch. Besser dort als anderswo.
      Heute trug er seine Lederjacke und das typische schwarze T-Shirt, das er nicht in die Hose gesteckt hatte. Mit einem Kaffeebecher in der Hand kam er summend die Treppe hinauf und unterzeichnete auf dem Gang noch zwei Papiere, ehe er sein Büro betreten wollte, aber an Embers Tür klopfte. Ohne zu warten öffnete er die Tür und sah Ember grinsend an.
      "Morgen!", rief er und betrat den Raum. "Na, wie war dein Abend noch? Was gibts Neues?"

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    • Ember sah wie erwartet den Schatten bevor es auch nur klopfte. Schon einen Augenblick später schwang die Tür auf und Ruairi betrat in seiner Gänze das Büro. Während ihre Augen über seine Erscheinung glitt, die Jacke, das Shirt und den Kaffeebecher in seiner Hand registrierten, war ihr Gehör fast augenblicklich mit seiner Stimme abgelenkt worden. Sie hatte ihn gerade mal einen Tag lang nicht gesehen und schon den Eindruck, sie würde das erste Mal seit Wochen ihren Lover wiedersehen. Dabei hatte sie ihm diese Rolle nicht einmal angedichtet.
      "Morgen...", erwiderte sie seine extrem gute Laune, die einen harten Kontrast zu ihrer eigenen eher nachdenklichen Stimmung darstellte.
      Sie gab ihre lauernde Haltung auf und lehnte sich in ihrem Stuhl nach hinten, eine Hand mit den Fingern auf der Akte auf ihrem Tisch ausgebreitet. Ihre Fingerkuppen tippelten abwechselnd auf der klarsichtigen Deckhülle.
      "So beschissen wie der Tag angefangen hat, ging er auch weiter würde ich sagen. Elisabeth Tallburn ist tot, es sah wieder aus wie eine Selbsttötung. Allerdings fanden wir dieses Mal wieder Aurenspuren sowie einen Brief, der vielleicht vom Täter stammen könnte. Zumindest sind es die gleichen Aurasignaturen wie jene, die wir in der Wohnung des ersten Falles gefunden haben."
      Sie zog den Plastikbeutel unter der Akte hervor und hielt ihn in die Luft. Sauberes, weißes Papier mit obsidianschwarzer Tinte geschrieben. Wobei... War das wirklich Tinte?
      "Ein Brief könnte so klein gewesen sein, dass er auf dem Nachttisch gelegen hat und dann weggeworfen worden war. So wie es aussieht haben wir einen Serientäter an der Hand, aber ich weiß noch nicht, wie er seine Ziele aussucht noch wie er es anstellt oder sein Motiv. Ich würde vermuten, er hat Josh als Übung benutzt und Tallburn war sein erstes richtiges Ziel. Ich tippe auf einen Mentalmagier, was mich zum nächsten Problem bringt."
      Ember legte den Brief wieder hin und schob sich schwerfällig vom Tisch weg. Sie kam um den Tisch herum, ging nah an Ruairi vorbei und schloss die Tür hinter ihm. Während sie das tat konzentrierte sie sich darauf, ob sie etwas sonderbares wahrnahm. Aber entgegen ihrer Vermutung roch sie kein weibliches Parfum an ihm. Sie konnte ihn nicht auf seine Schwester ansprechen, woher sollte sie es auch wissen?
      "Es wurde eine landesweite Fahndung nach Noland ausgeschrieben, man zählt ihn zu den Verdächtigen. Aber ich bin davon nicht sonderlich überzeugt. Mein Kontakt zu ihm ist allerdings abgebrochen."
      Ein kurzes Strecken hier, dann stand sie wie beiläufig vor dem Caster und nahm ihm kurzerhand den Kaffeebecher ab, um einmal daran zu nippen. Sie selbst hatte den Morgen überhaupt nicht daran gedacht, sich einen mitzunehmen und so stibitzte sie sich einfach einen Schluck von ihm ehe sie den Becher wieder in seine Hand drückte. Dann suchte sie mit ihren Augen seine und hielt sie fest.
      "Du hast außerordentlich gute Laune. Was ist denn bei dir passiert? Man sollte meinen, der Vorfall mit den Prestegards sollte dir Kopfschmerzen bereiten. Apropos Kopfschmerzen. Ich hatte gestern so meine weil ich keine Reaktion auf meine Nachrichten bekommen habe. Hast du dein Handy verloren?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • War es anmaßend, dass Ruairi zumindest ein wenig beleidigt war?
      Nicht aufgrund der Tatsache, dass sie ihn so recht fröhlich begrüßte, das war absehbar. Aber die Tatsache, dass sie nicht mal auf die Idee kam zu tun, was er sich nicht nehmen ließ. Während sie ihre Lauerstellung aufgab, huschte er näher an sie heran und sah sich provozierend im Büro um. Gefolgt von einem schnellen Vorbeugen und einem sachten Griff nach ihrer Kieferlinie. Zumindest ein, zwei Mal am Tag wollte er sie küssen. Und das ließ er sich nicht nehmen. Sachte versiegelte er ihre Lippen mit seinen und löste sich beinahe sekundenartig wieder von ihr, ehe er ihr gegenüber Platz nahm und den Kaffeebecher abstellte. Mit einem Finger schob er ihn zu ihr.
      "Zwar nicht so gut wie deiner, aber die Barista schwörte, sie hat einen guten Job gemacht", grinste er und lehnte sich in den Stuhl. "Der Serientäter klingt nicht so gut. Aber leider plausibel. Und du bist sicher, dass es einer ist? Ich meine, es könnte auch Jemand sein, der sich teleportieren kann oder durch Wände geht oder...Ich weiß nicht, irgendwas Übermenschliches kann."
      Es gab 1000 Möglichkeiten wie man Menschen umbrachte ohne wirklich Spuren zu hinterlassen. Wieso also gerade ein Brief als Mittler?
      Schweigsam lauschte er ihren Worten zu Noland und nickte nur verständig.
      "Ja, ich habe es gehört", gab er zu. "Und ich muss sagen, dass es richtig ist, tut mir Leid. Noland hat lange für die Met gearbeitet und ist mit seinen Fähigkeiten zumindest auf dem A-Level, wenn ich schätzen würde. Wenn er Kontakt zu Arkana aufnimmt, könnte das schon für eine gewaltige Verschiebung sorgen. Man bedenke, was für ein Machtzuwachs jemand wie Noland wäre..."
      Ruairi schauderte und seufzte anschließend,.
      "Mein Tag war eigentlich genauso. Prestegards haben mir SOrgen gemacht, das stimmt. Habe die drei Idioten verhört, die dafür verantwortlich waren und was soll ich sagen: Natürlich war alles einwandfrei. DIe Berichte waren sauber, die Protokollierung des Einsatzes gut. Die erste gute Protokollführung möchte ich angeben. Was für ein Zufall."
      Der Sarkasmus troff aus seiner Stimme während er sich durchs Haar fuhr und grinste.
      "Aber Abends...", murmetle er und beugte sich vor, näher zu ihr, auch wenn der Tisch sie trennte. "Abends hat mich meine Schwester überrascht. SIe ist in London, kannst du das glauben?"
      Ruairi lachte herzlich und lehnte sich wieder zurück.
      "Sie sagte, sie macht eine Art Urlaub und hätte sich für die Zeit einen kleinen Nebenjob hier besorgt. Und was soll ich sagen. Sie meinte, wir sollten uns öfter sehen, wo sie jetzt schon mal hier ist. Ich habe mich sehr gefreut und ehrlich gesagt habe ich nachgedacht...Auch wenn es früh ist und du bestimmt überrumpelt bist, aber...Ich würde sie dir gern vorstellen."
      Grinsend sah er sie an und wartete ähnlich wie ein Hund auf eine Antwort. Ehe ihm einfiel dass er noch eine schuldig war.
      "Ach..Das Handy.", sagte er betreten und kratzte sich am Kopf. "Ich...äh...Ich habs zerdrückt ehrlich gesagt. War etwas überraschend die Nachricht mit Prestegard. Und naja. Ich brauche auf jeden Fall ein Neues. Tut mir Leid, dass ich mich nicht gemeldet habe."

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    • Das zweite Mal in nicht einmal vierundzwanzig Stunden brach ein Mann in ihre Privatssphäre ein. Hatte sie dermaßen ihren Schneid verloren, als dass man sich das plötzlich alles traute? In Ruairis Fall jedoch war sie darüber höchst erfreut, auch wenn es im ersten Moment nicht danach aussah. Dafür war der Kuss, den er ihr schenkte, viel zu kurz.
      Sie ließ ihn sich setzen, verweilte aber selbst neben dem Tisch, die Hüfte an eben jenen gelehnt. Den Kaffeebecher beäugte sie nur kurz und hoffte einfach, dass er ihn nicht in der nächstbesten Gelegenheit umwarf und sämtliche Akten unbrauchbar machte. Also war der Kaffee womöglich direkt für sie gewesen - eine nette Geste.
      "Zu einhundert Prozent sicher bin ich mir natürlich nicht, dass es Serientäter ist. Dass wir an zwei Orten die gleiche Signatur finden ist zwar höchst verdächtig, aber die restlichen Marker passen noch nicht. So ungern ich das zugebe, aber es bräuchte ein drittes Opfer, um eventuelle Profile anlegen zu können. Bisher deckt sich nur, dass es ein Magier war, dass es aussah wie Selbstmord und dass die Signatur ähnlich ist."
      Sie fischte nach dem Becher, nahm einen Schluck, machte ein zufriedenes Geräusch und stellte ihn wieder ab.
      "Es gab keine Hinweise auf Fremdverschulden. Die Wunden und alles sprechen für eigens zugefügt. Wobei Folter vielleicht nicht unbedingt auszuschließen ist, wenn es ein Mentalmagier war. Aber ich bezweifle, dass die einfach durch Wände gehen oder sich teleportieren können. Wie gesagt, mir fehlt auch noch ein Motiv..."
      Vermutlich dachte Ruairi genau das Gleiche wie Ember. Warum war es unbedingt ein Brief? Wenn es denn der Brief sein sollte. Welche Voraussetzungen oder Vorzüge gab es bei diesem Stück Papier? Warum griff er nicht auf ein digitales Medium oder Vergleichbares zurück?
      Ember rümpfte die Nase bei dem Gedanken, dass Noland wirklich konvertiert war. Vielleicht hätte sie doch dafür sorgen müssen, dass er niemals mit August in Kontakt gekommen wäre. Wer wusste, welchen Einfluss er auf ihn ausgeübt hatte.
      "Noland wurde nie eingestuft. Eigentlich weiß so keiner wirklich, wo seine Grenzen anfangen und enden, man musste es nie wirklich herausfinden. Aber ich weiß nicht... Ich denke nicht, dass er sich den Arkana anschließen würde für irgendwelche morbiden Pläne. Außerdem ist das Machtgefüge sowieso schon durcheinander geraten, da würde seine Anwesenheit bestimmt nicht mehr viel beitragen", meinte sie nachdenklich und versuchte sich selbst dadurch einzureden, dass sie gerade die Wahrheit sprach.
      "Und was die Prestegards betrifft..." Ember verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Ruairi. Der Ausdruck in ihrem Gesicht hatte etwas entschuldigendes an sich. "Ich denke, der Richter wird jetzt aktiv werden. Falls er es tut, wirst du höchstwahrscheinlich dazwischen gehen müssen. Und so schwer es mir fällt; Ich werde dann soweit vom Schauplatz verschwinden wie es geht. Ich kann eh nichts tun und würde vermutlich nur zwischen die Fronten geraten."
      Nicht nur, dass sie es August versprochen hatte. Was sollte sie auch großartig bewirken gegen eine immense Wut und Trauer, die in ihren Augen sogar gerechtfertigt war? Gar nichts. Weder Worte noch Taten ihrerseits würden den Stein auch nur ansatzweise den Berg hinaufrollen können.
      Bei Ruairis Kommentar bezüglich seiner Schwester gab sie sich alle Mühe, sein Lachen wenigstens mit einem Lächeln zu quittieren. Immerhin wusste Ember aus anderer Quelle, dass Siobhan in London war. Wo sie ehemals ein Problem gesehen hatte, war nun allerdings keines mehr. Wenn er sie seiner Schwester vorstellen wollte, so konnte er dies durchaus tun. Dann oblag es seiner wunderbaren, talentierten Schwester den Schein zu wahren oder ihrem Bruder zu stecken, dass beide Frauen in Ruairis Leben mit ein und demselben Arkana in Kontakt standen.
      "Wieso verfrüht? Ihr wart buchstäblich in einem Leibe also finde ich das gar nicht so verwerflich. Außerdem hast du mich eh schon zu deiner kompletten Familie eingeladen oder hast du das vergessen?", stichelte sie um sich selbst nicht weiter zu verraten. "Wobei ich mich schon wundere. Wie lange können Lehrer denn Urlaub nehmen, dass sie sich sogar einen Nebenjob suchen kann?"
      Als er ihr offenbarte, dass er sein Handy schlichtweg zerdrückt hatte, hoben sich lediglich ihre Augenbrauen in Erstaunen. Das hatte sie nun wirklich nicht erwartet. Das vorhin gekünstelte Lächeln wurde zu einem echten Grinsen als sie daran dachte, wie es wohl ausgesehen haben musste. "Na gut, dann solltest du dir wirklich bald ein Neues anschaffen. Sonst kann ich dir keine kleinen Nachrichten schicken, wenn ich Lust auf Besuch habe."
      Es ging ein Blick hinüber zur Milchglastür, vor der sie keinen Schatten entdecken konnte. Langsam pilgerte Ember um den Tisch herum zu Ruairi, der sie von seinem Platz aus noch immer mit großen Augen ansah. Sie legte den Kopf ein wenig schief während sie ihn so ansah. Ja, sie fühlte definitiv etwas anderes, wenn sie ihn mit August verglich. Nur inwieweit sich das eine Gefühl über dem anderen einzuordnen hatte, war nicht eindeutig geklärt. Ein weiterer flüchtiger Blick ging zur Tür ehe sie eine Hand auf seine Schulter ablegte und sich zu ihm hinabbeugte. Der Kuss vorhin war lächerlich gewesen. Viel zu kurz, viel zu wenig. Wenn er sie während der Arbeit schon küssen wollte, dann sollte es definitiv mehr sein als nur ein Hauch von Berührung. So wie sie nun seine Unterlippe mit ihrer Zunge liebkoste und den Kuss über Sekunden hinauszog.
      Als sie sich von ihm löste und sich wieder aufrichtete musste sie ihre Hand schon fast gewaltsam von seiner Schulter lösen. So sehr weigerte sie sich von ihm abzulassen.
      Ember seufzte.
      "Ich muss mal schauen, ob heute noch eine Meldung reinkommt oder ob ich mich den kleineren Delikten widmen darf. Die Intervalle in meinem Fall waren bisher recht kurz, vielleicht passiert bis Ende der Woche noch ein weitere Fall. Oder die Welt meldet sich, wie sie angekündigt hatte. Auf jeden Fall solltest du es dir nicht zu lange in meinem Büro gemütlich machen. Sonst kommst du hier nicht wieder raus..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi blickte sie eine Weile an und spürte selbst den Hunger in sich aufkommen. Wie ein Knurren in der Tiefe,das man ignorieren möchte, aber nicht wirklich Herr darüber wird. Gott, wie gerne würde er diese Frau einfach auf diesem Tisch...
      Konzentration!
      "Es klingt zumindest stark danach. Und meine Einwürfe waren auch mehr Theorien.", stimmte er zu. "Wie sind deine nächsten Schritte? Was hast du vor?"
      Hinsichtlich Noland konnte er nichts anderes als Seufzen. Mit SIcherheit konnte man Gutes hoffen, aber letztlich konnte bereits ein kleines Schlohfeuer dafür sorgen, dass ein Gefüge ins Wanken geriet. Und sie hatten so viel vor sich.
      "Mag sein, dass eine Einstufung schwierig wäre", gab er zu und verschränkte die Arme. "Aber du irrst dich, wenn du glaubst, dass er nichts mehr zu diesem Chaos beitragen könnte. Ein Mann mit seinen Fähigkeiten und seiner Erfahrung wäre für jeden Arkana die Geheimwaffe schlechthin. Denn es gibt meines Wissens nach nur ein oder zwei Mentalmagier unter den Arkana und diese sind regelrecht gefürchtet. Ich denke schon, dass er einen Impakt haben würde. Auch wenn ich hoffe, dass du recht hast."
      Ihre Ankündigung hinsichtlich der Prestegards und der vermuteten Vergeltung traf ihn ein wenig. Nicht mal die Tatsache, dass sie sich schützen wollte. Wer konnte das einem Menschen übel nehmen? Irgendwie hatte ein kleiner Teil gehofft, dass sie sich an seine Seite schlagen würde, aber dem war nicht so. Wie auch. SIe war ein Mensch und Prestegard würde keinerlei Gnade kennen. So wurde aus dem überraschten Gesichtsausdruck ein nachsichtig lächelnder und er nickte.
      "In Ordnung", sagte er. "Es ist vielleicht auch besser. Ich glaube zwar nicht, dass der Richter sich so kurzsichtig verhalten würde, aber man kann nie wissen, das stimmt."
      Für den Rest der Unterhaltung lockerte er sich zusehends und wirkte beinahe überschwänglich, als er die Reaktion auf sein Vorhaben mitkriegte. Es war schön, dass sie der Vorstellung nicht abgeneigt war, seine Schwester kennen zu lernen. Es war ihm wichtig und brachte ihn näher an die Tatsache, dass sie von sich als eine Art...Paar?...sprechen konnten. Auch wenn sie das nie wirklich zur Sprache gebracht hatten.
      "Das freut mich sehr", gab er zu und grinste breit als sie von ihren SMS ihm gegenüber sprach. "Soso, ich werde also wie ein Toyboy heranzitiert oder?"
      Ehe er weiter Luft holen konnte um eine weitere spitze Bemerkung von sich zu geben, legten sich die wunderbaren Lippen dieser Frau über seine. Und da war mehr. Eine Zunge, die dort eigentlich nichts zu suchen hatte. Und wie sie dort nichts zu suchen hatte. So wenig, dass er sie niemals wieder woanders spüren mochte. Halt! Das war nicht richtig. Da gab es durchaus die ein oder andere Stelle wo er...
      "Vielleicht will ich das auch gar nicht", flüsterte er noch an irhen Lippen als sie sich löste. "Zum einen würde das Aufstehen gerade mit Problemen behaftet sein...", zum Beweis wies er unauffällig auf seinen Schoss, der das Zeugnis seiner Begierde nun doch recht deutlich produzierte. "Und zum anderen kümmert mich das andere auch gerade nicht. Es brauch nur ein Wort von dir und ich versiegele die Tür blickdicht und nehme dich auf diesem verfluchten Tisch."
      In der nächsten Sekunde haute er sich auf den Mund.
      "Ich-Ent-Entschuldige. iCh weiß nicht, was da mit mir durchging, ich wollte nicht..."

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    • DIe nächsten Schritte. Richtig, das weitere Vorgehen. Ember durfte nicht außer Acht lassen, dass sie es mit jemanden zu tun haben konnte, der die Grenzen des Logischen sprengen vermochte. Gerade bei Tallburn war sie näher am Opfer dran als es ihr lieb gewesen wäre, und da musste es doch etwas geben, von dem sich der Tathergang ableiten ließe.
      Es gab keine Hinweise auf Fremdverschulden. Keine Spuren von Gewalt in der Wohnung oder Abwehrreaktionen an Tallburns Leiche. Keine blauen Flecke, keine Schürfwunden, nichts. Nur die Handgelenke, von denen allerdings nur ihr rechtes eröffnet gewesen war. Allerdings hatte man ihr noch nicht gesagt, womit sie es aufgeschnitten hatte. Im Raum hatte keine Waffe gelegen - hatte sie es also woanders getan oder jemand anders?
      Tallburn war eine bedeutsame Aktivistin mit genauso vielen Feinden wie Freunden. Dass jemand mit ihrer Heransgehensweise nicht einverstanden war, stand außer Frage. Also ein Zauberer, der nicht damit einverstanden war, dass Zauberer und Menschen in Koexistenz leben sollten? Dass man den Arkana nicht die Anerkennung zugestand, die sie nach ihrer Hilfe verdienten? Dass man es vielleicht sogar für richtig hielt, gezielt gegen Rogues und deren Familien vorzugehen? Was für ein Zauberer würde diese Ansicht teilen?
      Schließlich war da noch der Faktor Noland. Selbst wenn ihn jemand gesehen haben mochte, würde er dessen Erinnerungen einfach ausradieren. Aber sie alle vermuteten ihn weit außerhalb Londons. Was allerdings noch lange nicht bedeutete, dass er nicht einen Unschuldigen dazwischen schalten konnte. Hatte er gezielt nach einer Person gesucht, die für ihn mordete? Wie weit konnte der Mann einen Menschen wirklich verändern, wo lagen seine Grenzen? Er hatte nie eine Form des Hasses gezeigt, in keinsterweise. Wieso sollte er es auf Tallburn abgesehen haben? Wollte er nicht, dass die Arkana in ein anderes Licht gerückt werden? Erfreute er sich vielleicht sogar daran, dass die schwachen Menschen seinesgleichen gezielt niederstreckten? Hielt er sich selbst überhaupt für menschlich genug, wenn ihm eh jegliche Moral fehlte?
      "Ich habe von Besuch gesprochen und keinem Toyboy", korrigierte Ember Ruairi und lächelte süffisant in sich selbst hinein. "Wieso müsst ihr Männer das immer direkt zweideutig verstehen?"
      Sie hatte gespürt, wie er zunächst etwas verwirrt verhalten gewesen war, sich dann aber regelrecht in ihren Kuss verloren hatte. Das war ja die reinste Katastrophe, wie sollten sie ein professionelles Klima beibehalten wenn sie sich ständig so gegenseitig reizten? Nicht, dass es offensichtlich keinem von Beiden nicht gefallen würde. Zumindest wies er sie deutlich darauf hin und sie selbst spielte auch schon mit gewissen Gedanken, die sie jedoch lieber unausgesprochen ließ.
      Allerdings richtete sich Ember jäh auf als Ruairi sich auf den Mund schlug und eine mehr als schlechte Entschuldigung zurecht nuschelte. Sie starrte ihn mit vor Überraschung geweiteten Augen an und atmete einmal besonders langsam und innig durch. Und hielt damit das im Zaum, was ihr ohne Nachzudenken beinahe über die Lippen gekommen wäre. Wieder einmal hatte sie vergessen, dass er nicht nur ein gewöhnlicher Mann war.
      "Du wolltest nicht?", wiederholte sie die Frage beinahe beleidigt. "Du weißt ganz genau, was da mit dir durchging." Ein Blick huschte zu seinem Schritt und wieder zurück. "Oder muss ich das jetzt so verstehen, dass ich dir nur im Privaten reizend genug bin?"
      Sie löste sich vollends aus seiner Nähe, wandte ihm dem Rücken zu als sie die Oberfläche ihres Schreibtisches ein wenig frei räumte und sich dann wieder umdrehte. Rücklinks an die Tischkante gelehnte, die Arme vor der Brust verschränkt, musterte sie Ruairi. Ein Wort, sagte er. Wie weit konnte sie wohl gehen ohne ein Wort zu benutzen?
      "Wie sollen wir eigentlich zusammen arbeiten, wenn wir ständig Gefahr laufen, die Finger nicht voneinander lassen zu können, kaum sind wir im Umkreis des Anderen?", fragte sie ihn, löste ihre Arme und legte die Hände links und rechts von ihrer Hüfte auf die Tischplatte. Einen kleinen Ruck später saß sie auf der Platte, die Füße baumelten knapp über dem Boden. Provokant, aber nicht zu direkt.
      "Ich glaube wir müssen ein wenig an unserer... Selbstbeherrschung arbeiten. Oder?"

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    • Selbstbeherrschung...
      Ruairi hörte das Wort und die Reaktion der jungen Frau und ließ sich seufzend in den Stuhl zurück fallen. Wenn sie wüsste, dass es nur einen Funken brauchte, um dieses Feuer zu entfachen...Wobei... Vermutlich wusste sie es und gerade das brachte den Zauberer geflissentlich zum Lachen.
      "Du bist wirklich unglaublich", murmelte er und schüttelte den Kopf. "Natürlich bist du nicht nur im Privaten interessant. Du bist atemberaubend, zu jeder Stunde, jeder Minute und jeder Sekunde deines Daseins. Auch wenn du das nicht glauben willst."
      Und während er sie so ansah, wie sie dort auf der Tischplatte saß, war der Gedanke an alles Schlechte dieser Welt verschwunden. Als wäre ein reinigender Sturm durch seine Welt gefegt, wirkte alles Grausige der vergangenen Tage und das was kommen mochte, beinahe wie ein Schatten, den man aus dem Augenwinkel betrachtete. Und doch gab es etwas, was er nicht ignorieren konnte. Nämlich, dass sein Herz wie verrückt in seiner Brust schlug und er das Gefühl bekam, dass sein Brustkasten sich nur mühsam dagegen wehren konnte. Ruairi schluckte seine Begierde für einen Moment herab, als er sie liebevoll ansah und seine Pupillen bläulich zu glühen begannen.
      Mit einer Handbewegung zur Tür hin, die einem Herumdrehen eines Knaufs glich, verschmolz das Schloss des Glases mit dem Metall des Rahmens. Mit einer zweiten Bewegung seiner Finger erschien die FLüssigkeit, welche das Glas milchig werden ließ undurchsichtig wie ein Spiegel.
      "Ich weiß nicht", murmelte er und erhob sich langsam aus dem Sessel. "Sollten wir das?"
      Sachte kam er näher. Erst einen Schritt, dann zwei. Das Leuchten seiner Augen verblasste langsam und wich einem Lächeln, das breiter nicht sein könnte, als er direkt vor ihr stand. Sicherlich, den meisten mochte es peinlich sein, dass sich eine Hose so auswölbte, zeugte es doch von äußerster Barbarei, aber Ruairi erschien es jetzt nicht mehr wichtig.
      "Ich weiß nicht, wie ich es dir gut sagen kann oder damit es nicht chauvinistisch klingt", begann er und stellte seine Hände neben ihre Auf die Tischplatte, um ihr noch näher zu sein.
      Beinahe fordernd küsste er die Frau vor seinem Gesicht und erkundete mit seiner Zunge spielerisch und schneller als er wollte ihren Mund, ehe er sich zurückzog. Sie schmeckte nach diesem Versprecher-Kaffee von dieser Kaffeebar und auch wenn es sich merkwürdig anfühlte, dies im Büro zu tun, hätte er es um nichts in der Welt eingetauscht.
      "Aber ich will dich zu jeder Zeit. Jedes Stunde, jeden Monat, jedes Jahr. Also wenn du mich jetzt nicht aufhältst und mich auf heute Abend vertröstest, werde ich dir hier und jetzt die Klamotten vom Leib reißen", flüsterte er und grinste vor ihrem Gesicht.

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    • Jap, Ember hatte schon länger Schwierigkeiten damit, ihre Wirkung auf Andere treffend einzuschätzen. Aber wenn sie so vor Ruairi saß, der ihr seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte und ihr all die Komplimente förmlich ins Gesicht schmetterte, musste sie ihm einfach in dieser Hinsicht glauben.
      Dann begannen seinen Pupillen bläulich zu schimmern, was ihren Puls sofort in die Höhe trieb. Sie hatte also keine Worte benötigt, damit er seine Ankündigung in die Tat umsetzte. Ein Schwall freudiger Erwartung überrollte sie und mit einem Schmunzeln sah sie über seine Schulter hinweg, wie die Tür mit dem Rahmen verschmolz und sich das Milchglas in etwas völlig anderes, undurchsichtiges änderte. Wie angekündigt würden nun die wenigsten einfach hereinstürmen können, noch sie sehen oder großartig hören können.
      Unbeweglich heftete sich ihr Blick wieder auf den Caster vor der, der sich langsam von seienm Sitzplatz erhob und zu ihr herüberkam. "Eigentlich sollten wir das, ja." Aber was eigentlich sein sollte und der Wahrheit entsprach waren zwei völlig verschiedene Dinge.
      In gewisser Art und Weise war es ein erhebendes Gefühl zu wissen, dass sie für seinen Umstand verantwortlich war und dafür nur einen einzigen Kuss benötigt hatte. Entweder litt er wirklich unter zu viel aufgestauter Energie oder aber sie harmonierten in dieser Hinsicht einfach viel zu gut.
      Ember reckte sich Ruairi entgegen kaum hatte er seine Hände neben ihren abgelegt und erwiderte seinen Kuss. Ihre eigene Selbstbeherrschung war mittlerweile nur noch ein gefährlich dünner Faden, der vermutlich jeden Moment reißen konnte. Sex auf der Arbeit hatte sie bisher noch nicht von ihrer Liste streichen könne und erst recht in ihrem höchsteigenen Büro. Es wäre so leicht, sich einfach hinzugeben, sich ihm hinzugeben...
      "Jedes Jahr klingt ganz schön langfristig, findest du nicht?", hauchte sie stattdessen auf seine Lippen, unfähig, sich weiter als das zu entfernen.
      Braves Mädchen. Analysier lieber seine Worte sobald er sich verspricht und halte dich daran fest. Denk nicht drüber nach, wie es sich außerhalb deiner vier Wände anfühlen könnte...
      "Das Problem ist, dass ich heute Abend leider verhindert bin. Aber morgen, morgen Abend hätte ich wieder Zeit für dich."
      Stimmte ja. Sie hatte sich ja mit August verabredet und siedendheiß fiel es ihr wieder ein bevor sie Ruairi wirklich auf den Abend vertröstete. Das widerum bedeutete aber, dass diese Option gar nicht mehr vorhanden war.... und sie ehrlich gesagt schon einmal versucht hatte, ihn seiner Kontrolle zu berauben und gescheitert war.
      "Leider kannst du mir meine Kleider nicht einfach so vom Leib reißen. Wie soll ich denn halbwegs normal wieder hier raus kommen wenn du das tust?", sprach sie leise weiter ehe sie abermals seine Lippen einfing und dieses Mal die Hände vom Tisch löste.
      Sie ließ sie über seine Schultern, seine Brust wandern, fühlte den rasenden Herzschlag durch den dünnen Stoff unter ihren Fingern und fragte sich, ob ihr eigener genauso rasant war.
      "Wärst du denn damit einverstanden wenn wir es... verschieben?"

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    • Heilige Selbstzerstörung, dachte Ruairi während er ihr so nahe war, dass es nur einen Hauch gebraucht hätte. Ein kurzes Signal, eine Art von Widerstand, oder auch keinen. Aber tu irgendwas, dachte er sich als er Ember ansah. Wenn sie doch nur etwas tun würde. Stattdessen harrte sie aus und begann zu analysieren.
      Dennoch grinste der Zauberer an ihren Lippen und nickte.
      "Ja, es ist etwas langfristiger gedacht, zugegeben", gab er zu. "Aber ich denke, cih hätte es nicht gesagt, wenn ich es nicht haargenau so meinen würde, oder was denkst du?"
      Erneut genoß er das Gefühl ihrer Lippen auf seinen. Diesmal nahm er ihre Unterlippe zwischen seine und kniff leicht hinein. Nur ein klein wenig triezen. Vielleicht etwas mehr als gut für ihn war, auch wenn es beschämend jugendlich erschien, erneut auf der Arbeitsstelle Sex zu haben.
      "Ich könnte dir auch nur einen Teil herunter reißen", murmelte er und legte seine Hand auf ihren Oberschenkel. Erst mit leichtem Druck, ehe er schwungvoll zu ihrem Gesäß wanderte. "Es brauch eigentlich nur eine Gelegenheit, wenn du verstehst. Ich schwöre, ich bin vorsichtig und lebe es nicht allzu sehr aus. Will ja nicht, dass man bemerkt, was wir hier getrieben haben..."
      Auf ihre Absage reagierte er ähnlich wie auf ihre Hand. Gelassen und zufrieden lächelnd. Wenn er ehrlich war, überraschte es ihn und machte ihn traurig, dass er sie nicht würde sehen können. Sicherlich nicht nur, um Sex zu haben, auch wenn es verlockend war. Aber er sehnte sich nach ihrer Nähe und es tat weh, dies nicht zu spüren. Aber wer sprach von Liebe? Niemand sprach davon!
      "Verhindert?", fragte er spielerisch beleidigt. "Also ist etwas Interessanter als ein Abend mit mir? Ich schwöre dir, ich singe auch nicht!"
      Anschließend und auf ihre letzte Frage hin begann er zu grinsen und zog sich nach einem letzten schnellen Kuss wieder zurück.
      "Wie du weißt, kann ich dir nichts abschlagen. Also auch das nicht. Und mach dir keine Sorgen wegen heute Abend", grinste er ehrlich und seufzte. "Was ist denn so zeitbindend? Wir könnten uns auch danach sehen wenn du möchtest. Oder möchtest du mich heute nicht sehen?"
      DIe Frage war spielerisch gestellt und beinahe nachdenklich, wenn man es genau nahm.
      Aber etwas stimmte nicht. Nur leider wusste er nicht, was.

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    • Ruairi hatte das absichtlich so formuliert? Wenn Ember es nicht besser wüsste würde sie behaupten, er wollte eine ernsthafte Beziehung mit ihr. Obwohl nüchtern gesehen... waren sie schon längst auf dem Weg dorthin. Jedenfalls hatten sie beide klar angedeutet, dass es für sie nicht nur um die körperliche Nähe zueinander ging.
      Dann kniff er sie in ihre Unterlippe und sie vergaß sich fast. Ihre Finger zuckten unruhig, als sie unbewusst nach ihm greifen und ihn am Weggehen hindern wollte. Seine Hände auf ihren Oberschenkel lösten abermals die Wellen der Vorfreude aus und sie hatte das böse Gefühl, am eigenen Herzschlag in ihrem Halse zu ersticken. Die Aussicht, dass er ihr nur einen Teil ihrer Kleider vom Leib reißen könnte war vielleicht sogar noch reizvoller als wenn er es mit jedem einzelnen Kleidungsstück getan hätte. Ihr Kopfkino spielte jetzt schon völlig verrückt und langsam bekam sie einen Vorgeschmack ihrer eigenen bitteren Medizin zu spüren.
      "Ich muss leider heute Abend ein bisschen Recherche betreiben. Vielleicht bringt mir das den zündenden Einfall bei meinem Fall", meinte sie und gab sich seinem Kuss hin bevor ihr Grinsen ihre Lippen voneinander trennte. "Wenn du nur für mich singst und vorher ein bisschen übst, seh ich da kein Problem..."
      Da brachte er plötzlich ein wenig Distanz zwischen sie beide, was in einer zusammengerauften Augenbrauenpartei bei Ember resultierte. Natürlich würde sie ihn abends gern wiedersehen. Aber A) wusste sie nicht, wie lange die Versammlung anhielt, B) konnte sie ihn ohne Handy nicht einfach so erreichen und C) würde er die Nacht bei ihr bleiben und sie beide vermutlich so dermaßen gerädert zur Arbeit erscheinen, dass jeder die Verbindung herstellen würde.
      Plötzlich langte sie nach Ruairi und bekam ihn an seinem Shirt zu fassen. Unwirsch zog sie ihn zu sich heran, ihre Hand legte sich in seinen Nacken und drängte ihn dazu, sich zu ihr hinabzubeugen. Nun war sie es, die mit ihrer Zunge um Einlass bat und sanft nach seiner suchte bis sie sie fand. Zart umspielte sie seine Zungenspitze während ihre andere Hand sein Shirt nach oben riss und ihre kühle Hand darunter auf seine Flanke gleiten konnte.
      "Ich glaube, ich kann nicht bis morgen warten", sagte sie schwer atmend als sie den Kuss unterbrach und sich indes fragte, wie sie noch immer ungestört in ihrem Büro sich vergnügen konnte. "Hast du uns auch aus der Realität gelöscht oder warum nervt uns eigentlich noch keiner?"
      Ember konnte Ruairi so doch nicht einfach ziehen lassen. Das wäre nicht nur grausam sondern auch eine ziemliche Verschwendung, beschloss sie gedanklich und wanderte mit ihrer Hand wieder abwärts bis sich ihre Finger unter seinen Bund schoben.

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    • Diese Frau...
      Nicht eine Sekunde konnte sie sich entscheiden und bei einer Version bleiben. Allerdings wäre es gelogen, wenn er sich diesem Gefühl nicht hingäbe.
      "Recherche?", fragte er erstaunt und seufzte. Gegen die Arbeit machte man nichts. "Schade. Aber es ist verständlich. Die Arbeit geht zumeist leider vor. Vor allem unsere."
      Die Enttäuschung ließ sich aus seiner Stimme nicht verbannen auch wenn sie einem gewinnenden Lächeln wich, dass sich auf seine Lippen legte. Gerade wollte er sich von ihr entfernen und sich dem tragischen SChicksal ergeben, das ihn ereilen würde (eine einsame Couch zur Abendzeit), als er sich gewahr wurde, dass sie ihn zu sich zog. Als würde er in einen Moloch von Widerstandslosigkeit gezogen ergab er sich seinem Schicksal, das ihn wieder zu ihrem Mund führte.
      Gott, gab es eigentlich eine Trennung zwischen ihnen?
      "Freude", flüsterte er zwischen zwei Atemzügen und einem breiten Grinsen während er ihre Hand an seinem Hosenbund spürte. "Ich habe sie nicht aus der Realität gelöscht, nur ein wenig den Fokus verändert."
      Das Zwinkern seines Auges umgab ihn während er sich hinab beugte, um seinen Gürtel zu lesen.
      "Und jetzt tu mir den Gefallen und halt einfach mal die Klappe", lachte er, während er die Hose achtlos beiseite warf und sich an ihrer zuschaffen machte. "Wir haben nämlich nicht allzu viel Zeit!"
      Schweisam zog er sie kurz vom Tisch herab, um sie umzudrehen und ihre Hose seinerseits zu öffnen. Er war dem Himmel dankbar, dass er diesen Morgen zumindest eines der Kondome in seiner Hosentasche gefunden hatte. Es würde ein verdammt guter Tag werden...


      Das Dusk & Dawn - 17:54 Uhr

      Ein Tag, beschissener als die Klärgrube von Manchester.
      August Foremar hatte sich in einen recht feinen Zwirn gekleidet und wartete wie üblich mit einer Stoffhose in edlem Schwarz, einem Weißen Hemd und einer grauen Weste auf. Das Haar trug er recht ordentlich frisiert, während die Brille stetig zu rutschen begann. Unruhig wanderte er vor dem gelöschten Kamin auf und ab, während er sich immer wieder fragte, wo sie denn blieb? Es war doch viel zu spät oder nicht?
      "Es ist fünf Minuten vor Sechs, August", mahnte Perley, der wie immer seine Antennen zu weit ausstreckte.
      "Eben! Warum ist sie noch nicht hier?", fragte er lautstark, bangend dass man es hören könnte. "Ich habe sie um 6 erwartet und sonst ist sie pünktlich. Ob ihr etwas passiert ist?"
      "Könntest du damit aufhören? Du klingst wie ihre Mutter und die kenne ich nicht mal. Sie wird schon kommen und du kannst deinen Puls herunter fahren. Du hast wichtiges zu entscheiden und auszuhalten", mahnte der Butler und kam näher zu August.
      Sachte drückte er seine Hand auf seine Brust, direkt über der Schusswunde. Es schmerzte nicht aber dennoch durchfuhr ein Stich die BRust des Arkana.
      "Was soll das?"
      "Ich frage mich immer noch, warum du Sallow ausgewählt hast. Hierfür. Ich meine, dies ist dein Traum. Unser Traum. Und sie scheint kaum Interesse an etwas anderem als ihrem Hintern zu haben..."
      "Ich dachte du magst sie?", fragte August stirnrunzelnd und zog seine Hand weg. "Ich habe sie ausgesucht, weil ihr Verstand das ist was wir brauchen."
      Schweigsam ging er zu seinem Mantel, um ihn abzuhängen.
      "Was du brauchst", bemerkte Perley und zuckte die Achseln. Achtlos warf er etwas in den Kamin und das Feuer entfachte sich umgehend. "Es ist bereitet."
      "Danke!", sagte er und sah sich nochmal um.
      Ja, vielleicht brauchte er Ember Sallow. Vielleicht mehr als er zugeben mochte. Vor allem wenn er an den Auftritt der Welt dachte und sich immer noch fragte, wie sie wohl aussah. Wer sie wohl war. Das Piepen seines Handys ließ ihn aufschrecken. Eine SMS. Hawthorne.
      "Bin auf Position", stand dort in großen Lettern. Er konnte immer noch keine SMS.
      Grinsend antwortete August und seufzte, ehe er sich zu Perley wandte.
      "Mach das Feuer bereit. Sobald Ember kommt, gehen wir hindurch. Sie erwarten uns..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Geschlagen zuckte Ember nur mit den Schultern als Ruairi sie daran erinnerte, wie sie nie das Mundwerk halten konnte. Allein schon um ihm das Gegenteil zu beweisen verfiel sie in ein grinsendes Schweigen, selbst als er sie vom Tisch holte und sich an ihrer Hose zuschaffen machte. Bereute sie es, eingeknickt zu sein? Keineswegs. Musste sie ihn daran erinnern, sämtliche Aurafetzen von ihm an ihr zu lösen? Unbedingt.

      Den Rest des Tages verbrachte Ember regelrecht eingekerkert in ihrem Büro. Sie musste all die möglichen Hinweise und Kehrtwenden ihres Falles festhalten und genau überlegen, ob sie nicht irgendwo einen wichtigen Punkt übersehen hatte.
      Irgendwann düdelte ihr Festnetztelefon in einer freundlichen Melodie, die sie mittlerweile eingestellt hatte, und nötigte sie, ihre Anordnung zu unterbrechen. Auf dem Display erschien Peacocks Nummer - die kannte sie mittlerweile aus dem Schlaf.
      "Peacock, was gibt's?"
      "Wir haben eine Sichtung von Noland reinbekommen."
      "Wo?"
      "In Leeds."
      "Schon wieder?", entkam es ihr verwundert ehe ihr einfiel, dass kaum einer wusste, dass sie ihn als letztes dort erreicht hatte. "Meine letzte Meldung von vor Wochen stammte auch aus Leeds. Wer hat ihn gesehen?"
      "Zivilisten. Man hat ihn im Bus gesehen, relativ schwer vermummt, aber die Fotos sehen schon sehr nach ihm aus. Meinen Sie, er ist immer noch oder schon wieder in Leeds?"
      Das war eine sehr gute Frage. Was hatte Noland vor? "Ich bin mir nicht sicher. Ich denke eher, schon wieder statt immer noch. Ist die ansässige Polizei schon verständigt worden?"
      "Jawohl."
      "Alles klar. Dann finden Sie heraus in welcher Linie er gefahren ist und wo sein Ziel hinführt", trug sie ihrem Kollegen auf und legte auf.
      Angestrengt rieb sie sich die Nasenwurzel. Entweder er zeigte sich oder er war wie vom Erdboden verschluckt. Die landesweite Fahndung zeigte wenigstens Wirkung, aber dass es ausgerechnet die gleiche Stadt war wie zuvor war ungewöhnlich. Was hatte der alte Mann vor?


      Dusk & Dawn - 17:56 Uhr


      Ember musste das letzte Stück des Weges tatsächlich laufen.
      Da sie wegen des Vorabends ihren Wagen in der Nähe der Detektei hatte stehenlassen müssen war sie nun auf den ÖPNV angewiesen gewesen und der hatte leider Verspätung. Wie gewünscht hatte sie ihre Marke daheim gelassen und sich in ein etwas schickeres Outfit gesteckt. Dunkle Ankleboots, schwarze Leggins unter einem hellgrauen relativ kurzen Bleistiftrock. Darüber eine blushfarbene Bluse, die sie mit einem schwarzen Cardigan toppte. Dazu eine unauffällige Handtasche, die sie mit dem Gurt über die Schulter werfen konnte und das Haar völlig wider ihrer üblichen Handhabe in weichen Wellen fallen gelassen. Da ihre Silbermähne nie sonderlich lang war, kürzten die Wellen sie so stark, dass die Spitzen gerade noch ihre Schultern erreichten.
      So kam sie ziemlich gehetzt an der Detektei an, in die sie regelrecht hinein platzte. Vor ein paar Augenblicken wäre sie in Perley gekracht, der Augusts Jacke vom Haken geholt hatte. So stolperte sie eher in den Raum, fluchte ziemlich lebendig und warf die Tür hinter sich zu.
      "Gott, einmal muss dieser beschissene Verkehr doch auch mal pünktlich sein. Oder ich lass meinen beschissenen Wagen einfach nicht hier stehen...", grummelte sie indes weiter ehe sie August in einem seiner besten Aufzüge bislang vor dem Kamin und neben Perley ausfindig machte.
      Sie stutzte.
      Gut, August hatte schon früher hin und wieder andegeutet, dass er doch manchmal einen Wert auf sein Erscheinungsbild lag. Aber so rausgeputzt wie jetzt hatte sie ihn noch nicht erlebt. Und das brachte sie ein wenig aus dem Konzept. Zeitgleich sandte sie ein Stoßgebet in den Himmel, dass sie dieses Mal nicht auf ausschließlich praktische Klamotten gesetzt hatte sondern doch was Ansehnlicheres gewählt hatte.
      "Naja, hat ja gerade noch so geklappt... Sorry. Aber gut schaust du aus", richtete sie das Wort an August und kam näher ehe sie auch Perley zunickte, gefolgt von einem Lächeln. "N'Abend, Mr. Caulson."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August lächelte schwach, als er sie endlich durch die Tür hereinkommen sah. Wenigstens war sie doch noch pünktlich, auch wenn die Stimmung bereits jetzt nicht wirklich gut erschien. Nun, seine war es auch nicht.
      "Perley, bitte, Ms Sallow", grinste Caulson und verneigte sich leicht.
      "Du siehst ebenso fantastisch aus", bemerkte August und kam näher zu ihr. "Ich mag die neue Frisur. Solltest es öfter so lassen."
      Er wollte danach greifen, dieser silbernen Seidigkeit, die ihr Gesicht umfing und hielt sich doch davon ab. Seufzend berührte er sie nur kurz am Arm, um ihr zu vermitteln, dass er sie sah und bemerkte. Gleichsam jedoch umfing ihn die übliche Nervosität vor Veranstaltungen dieser Art.
      "Ich kann mich leider nicht mit Erklärungen aufhalten. Wir müssen sogleich los", murmelte er und wies auf das Feuer. "Bitte einfach hindurchzugehen. Hab keine Angst vor den Flammen, sie beißen nicht."
      Noch ehe sie den Kamin erreichten, legte Perley eine Hand auf Augusts Brust und hielt ihn so ein wenig zurück.
      "Achte auf dich", murmelte er und nickte verschwörerisch. "Und lass nur die Köpfe rollen, die es verdienen. Sie natürlich auch, Ms Sallow!"
      August lächelte leicht und schüttlete den Kopf dabei.
      "Gebe mir Mühe. Halt die Stellung und den Gnom im Zaum. Wir sehen uns."
      Mit einer einladenden Bewegung führte er Ember zum Feuer und ging selbst aus Demonstrationszwecken hindurch. Erst erschien es als würde das Feuer an seiner Gestalt fressen, ehe er sich mit einem Mal in Luft aufzulösen schien. Mit einem sachten "plopp" verschwand er im Nichts und gab dem Feuer eine Stichflamme wieder.
      Caulson machte dieselbe einladende Geste und schickte Ember auf die gleiche Weise durchs Feuer. Erst danach schien sich die Atmosphäre und die Luft wieder zu beruhigen, in der er sich befunden hatte und der junge Mann tat einen Atemzug.
      "Sind sie fort?", fragte eine Stimme, die ihn beinahe zu Tode erschreckte. Sie kam aus dem Raum, in dem sie einen Freund untergebracht hatten. Oder war es mehr eine Freundin?
      "Sind sie", bestätigte Perley und wandte sich um.
      "Dann gehe ich jetzt auch."


      Der Untergrund - Zwischenlichtsaal


      Die Reise über das Feuer war immer ein Erlebnis und gleichsam unaufhaltsam belastend. Als August durch das Feuer nach draußen trat, befand er sich in einem alten Saal wieder. Er hätte aus dem Mittelalter stammen können, betrachtete man die hohen Wände und die beinahe deckenhohen Fenster durch die träge ein Licht fiel, das es eigentlich nicht gab.
      Der Untergrund lag unter der Erde, der Definition nach, und Licht konnte hier nicht hereinfallen. Also hatte man die Fensterscheiben entsprechend verzaubert.
      Die Wände wurden von Zuschaueremporen aus blankem, beinahe schwarzem Holz gesäumt. Bereits jetzt saßen dort diverse Handlanger der Arkana und sahen sich neugierig im Raum um. Als sei dies hier ein Klassentreffen. Menschen wuselten noch immer in allen Farben und GEstlaten umher und ein gewaltiges Murmeln und Dröhnen lag über dem Saal.
      Als Ember neben ihm auftauchte, blickte er sie an und dann wieder in den Raum. Foremar wirkte nervös und gleichsam ein wenig erleichtert. Als würde man seinem nahenden Ende in die Augen sehen und doch wissen, dass es das beste war. Er schlug die Haare zurück und murmelte:
      "Willkommen. Im Zwischenlichtsaal. Dem Ort, wo die Versammlungen in der Regel stattfinden und über die Geschicke der meisten Rogues entschieden wird. Fühl dich geehrt, nicht Jeder kommt hier herein."
      Sachte setzte sich der Arkana in Bewegung und hakte Embers Arm in seinen. Reine Vorsichtsmaßnahme, wollte er sich einreden, aber er mochte die Wärme an seinem Arm. Es erdete ihn und gleichsam wirkte es seltsam befreiend.
      In der Mitte des großen Saals fand sich ein schwerer und großer Runder Tisch. Klassisch, wie man glaubte. Aber die Rundung des Tisches löste so manche Probleme von denen man gar nichts wissen wollte. Um den Tisch herum, unter einem gewaltigen Kronleuchter aus Massivholz, standen genau 21 Stühle, wobei der mittlere Stuhl deutlich für den Sprecher reserviert war. Waren die anderen Stühle zwar auch bequeme Lehnstühle, so gestaltete sich der Sitz des Sprechers als deutlich hervorgehoben. Beinahe thronartig ragte er über den anderen auf und August warf einen argwöhnischen Blick darauf.
      "Versuch dich als Zauberin auszugeben, wenn Jemand fragt", flüsterte er Ember ins Ohr, nachdem er spielerisch näher zu ihr gerückt war. "Der Sprecher oder die Sprecherin sitzt dort."
      Er wies auf den höheren Lehnstuhl. "Die übrigen sitzen ihrer Nummer nach um den Tisch. Zumeist sind nie alle da, aber wenn ich mir die Fülle des Raumes so ansehe, erkenne ich einige, die bereits gekjommen sind ohne das man sie bitten musste."
      Im Hintergrund stand der Richter, der noch angeregt mit einem kleineren Mann sprach. Offenbar verstanden sie sich obgleich sie nicht wirklich zueinander passten. Der kleine Asiate blickte mit Ehrfurcht zu ihm hinauf.
      Nach einer kurzen Weile ließ sich auch White im Plenum erkennen, der ebenfalls mit einer jungen Frau angereist war, die August nicht kannte. Musste seine neue Geliebte sein.
      "Hab keine Angst. Der Richter und auch White wird nichts zu deiner Herkunft sagen."
      Zumindest hoffte er es beim Richter. Irgendetwas sagte ihm, dass er durchaus etwas zu sagen hatte, nachdem was geschehen war.
      "Wir haben noch gute zehn Minuten, ehe die Versammlung ihren Beginn finden wird", murmelte August und sah Ember an. "Du hast nicht zufällig deine Waffe mitgebracht oder?"

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      The more you drag me to hell
    • "Weißt du eigentlich wie beschissen lange Haare brauchen, um in solchen Wellen liegen zu bleiben? So viel Zeit kann ich im normalen Tagesverlauf nicht erübrigen", stritt Ember mit einem Schulterzucken den Vorschlag ab.
      Sie hatte bestimmt eine halbe Dose Schaumfestiger für ihre Haare geopfert damit sie auch ja in ihrer Form liegen blieben. Eine vermaledeite quälende Stunde lang hatte sie sich mit ihrem Eisen abgemüht und die geraden Haare in eine ansehnliche Form gebracht. Die scheinbar so gut gelungen war, dass Ember aus dem Augenwinkel sah, wie August seine Hand in ihre Richtung ausstreckte, es aber in eine unverfängliche Berührung ihres Armes umleitete.
      Dass ihnen die Zeit ein wenig im Nacken saß verwunderte Ember nicht wirklich. Die Nervosität, die in Augusts Bewegungen und Haltung lag, war meilenweit zu erkennen und sie wurde das Gefühl nicht los, dass ihr etwas Großes entging. Oder man sie wieder nicht in alles einweihte, was sie hätte wissen müssen. So auch die seltsame Geste von Perley gegenüber dem Arkana, die ihr ein Stirnrunzeln entlockte. Die beiden Männer gingen unfassbar vertraut miteinander um. Viel zu vertraut für jemanden, der sich meist im Untergrund bewegte und dem sie gerne mal eine soziopathische Störung angedichtet hätte.
      "Also, eigentlich will ich gar keine Köpfe rollen lassen...", sagte sie leise mit einer winzigen Spur an Irritation, hinterfragte es jedoch nicht weiter.
      Stattdessen zog sie ihre Handtasche einen Deut enger an sich und beobachtete das Verschwinden des Arkana in den züngelnden Flammen. Jeder Normalsterbliche hätte nur den Kopf geschüttelt und sich vermutlich geweigert, es ihm gleich zu tun. Aber nachdem man von einem Zauberer mithilfe von Dimensionsmagie teleportiert worden war stellte Feuer das geringste Problem dar. Also folgte sie ihm nachdem Perley sie aufforderte und verschwand mit dem gleichen geräuschlosen Plopp.

      Der Raum, in dem sich Ember wiederfand, war mit Worten nur schwierig zu beschreiben. Eigentlich sollte er dunkel erscheinen, schließlich waren sie im Untergrund. Aber durch die hohen Fenster drang ein künstliches Licht, das dem Saal einen helleren Flair verlieh. Im Zentrum war ein riesiger runder schwerer Tisch aufgestellt mit exakt 21 Stühlen, für jeden Arkana einen. Einer von ihnen hob sich stark hervor, war wie ein Thron konzipiert und würde wohl demjenigen zugetragen, der das Wort hielt. Ringsherum gingen Tribünen kreisförmig ab, die mit ihren schwarzen Sitzgelegenheiten einen starken Kontrast zu der Helligkeit der Fenster darstellten.
      Ein konstantes, lautes Dröhnen, das die Ansammlung etlicher Stimmen waren, füllten den Raum bis unter die Decke und raubten Ember für einen Augenblick den Atem. SIe hatte damit gerechnet, dass es nur eine kleine Versammlung werden würde unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dass aber tatsächlich so viele Menschen hier unten teilhaben würden hatte sie nicht erwartet.
      Entfernt hatte Ember August gehört, aber sie kam erst wieder richtig zu sich als er sich in Bewegung setzte und ihren Arm in seinen einharkte. Ihr Blick löste sich notgedrungen von ihrem Umfeld und legte sich auf August an ihrer Seite. Er strahlte noch immer dieses bisschen Nervosität aus, aber er schien zeitgleich etwas beruhigter während er ihren Arm in seinen wusste.
      "Du hast keine Ahnung wie geehrt ich mich fühle", flüsterte sie in sein Ohr als sie sich etwas näher an ihn heran gelehnt hatte, "immerhin verdanke ich es dir."
      Dann ließ sie ihren Blick wieder schweifen, entdeckte den Richter, der sich mit einem untersetzten Mann unterhielt und sie scheinbar noch nciht bemerkt hatte. Insgeheim hoffte Ember, dass sie sich dem einfach entziehen können würde und nur ein stummer Beobachter sein durfte. Wirklich drauf ansetzen sich mit jemanden zu unterhalten und dann einen Fehltritt zu machen war nichts, auf das sie es anlegen wollte.
      Kurz darauf spürte sie Augusts Atem an ihrem Ohr und rückte noch eine Spur näher an ihn heran. "Ich hoffe einfach mal, dass es niemanden hier interessiert wer ich bin", erwiderte sie mit einem schnippischen Unterton. "Und ich bete auch darum, dass Prestegard nichts sagen wird... Hoffen wir mal, deine Vermutung stimmt."
      Sorgsam hielt sich Ember so nah es ging an August. Sie hatte ihr Fußkettchen abgelegt ebenso wie den Armreif. Nichts von beiden hätte sie gut verstecken können und wenn sie nicht auffallen wollte, musste sie diese kleinen Hinweise auf ihre Herkunft wohl oder übel Daheim lassen. Allerdings galt das nicht für ein weiteres Stück Ausrüstung, das gut versteckt in ihrer Tasche lag und dort fast den gesamten Platz einnahm. Sie hatte Mühe gehabt zwischen ihrer Ausrüstung ihr Portemonnaie und das Handy zu stopfen, aber nun trug sie die Handtasche wie eine echt Frau - gefühlt federleicht und ersetzbar.
      "Du hast gesagt, ich soll die Marke zuhause lassen. Nicht den Rest meiner Ausrüstung", gab sie etwas peinlich berührt zu und rückte die Umhängetasche ein wenig zurecht. Man sah ihr nicht an, welch eyplosive Fracht sie geladen hatte. "Aber ich versichere dir, die ist nur zur Schau da. Ich werde ganz bestimmt nichts Dämliches damit anstellen."
      Weiter hinten, fast ganz am Rande der Freifläche hier unten, stand eine zierlich wirkende Frau. Sie hatte langes schwarzes Haar, das ihr glatt bis fast zum Steiß fiel und ein Notizbuch fest an ihre Brust gedrückt. Wie August trug sie eine Brille, wenngleich das rahmenlose Gestellt in ihrem feinen Gesicht nahezu verschwand. Sie war wie Ember relativ klein und der Mann, der neben ihr aufragte, wirkte dadurch noch größer. Er stand fast genauso nah an ihr wie Ember an August und ließ seinen Blick wachsam über die Menge gleiten. Sämtliche andere Personen machten entweder einen Bogen um sie oder schienen sie gar nicht zu beachten.
      "Wer ist eigentlich der kleine Asiate, der Prestegard so anhimmelt?", fragte sie August und nickte in dessen Richtung.

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